56 Drittes Kapitel. Die Oeldliteratur und der Versuch, zu Ende zu denken. Geldlehre vielleicht nichts anderes als die Offenbarung der Erkenntnis, daß das statische Geldproblem eine einfache, glatte Lösung nicht zulasse. Bringt nicht das Problem des Endes die Vernunft mit sich selbst in Widerstreit, wenn man es streng rational zu lösen versucht? Und wenn der Begriff der Unendlichkeit und das Postulat des Glaubens an den sich vervollkommnenden, sich entwickelnden Staat wesentliche Bestandteile der Müllersehen Lehre sind, so wird man zwar heute versuchen müssen, auch ohne sie das Problem vom Ende zu lösen, aber zuweilen werden uns doch Zweifel kom men, ob die bloße Analyse der Eigenschaften des Metall- und Papiergeldes je ausreichen wird, eine vollkommen befriedi gende Geldlehre zu schaffen. Liegt nicht vielleicht gerade das Geniale der Müllerschen Lehre darin, daß sie eine Be seelung des toten Stoffes versucht durch Zuhilfenahme von Elementen, die rein verstandesmäßig nicht restlos zerlegbar, sondern gefühlsmäßiger Natur sind? So wäre es kein Zu fall, daß der Begründer der bedeutendsten Geldlehre ein Ro mantiker war. Keine Schwäche, sondern gerade die Stärke Adam Müllers liegt darin, daß seine Geldtheorie mit der Lehre von Staat und Wirtschaft untrennbar verwachsen ist. Wer wie Stephinger an dem Ausspruch Müllers, »der Staatsmann sei das wahre Geld«, Anstoß nimmt, dem muß man sagen, so unliebenswürdig es klingt, daß er Adam Müller nicht verstanden habe. Müller kennt die Grenzen des Me tallismus, er sieht, wie atomistisch und individualistisch, wie wenig soziologisch ein einseitiger Metallismus gedacht ist. Und doch erkennt er wieder, im Gegensatz zu den »Modernen«, im Metallgeld den vornehmsten Repräsentanten »zeitlicher« Befriedigung. Er würdigt die Bedeutung des Papiergeldes und kennt doch die Grenze für dessen Geltung. Das Geld überhaupt bleibt ihm nur Vermittler, und doch erschließt es nach ihm bei richtiger Auffassung die Bedeutung des Staates