§ 2. Die Geldfunktion und die Vorstellung der endlichen Befriedigung. 63 vornherein dagewesen sein, wenn wir uns das Geldwesen überhaupt als bestehend denken wollten. Knapp freilich sieht die wesentlichste Form der Befriedigung ­ in der »zirkulatorischen«. Wir haben darauf hingewiesen, ­ daß diese Auffassung keine Lösung des Problems vom Ende, sondern nur eine neue Problemstellung bedeutet :1 . Denn immer wieder müssen wir fragen: Wenn die Befriedigung ­ für den einzelnen in der Gewißheit liegt, das Geld weitergeben zu können, worauf beruht diese Gewißheit? Wirklich nur auf der Gewißheit des folgenden Geldinhabers, es ebenfalls weitergeben zu können? Muß nicht jenes Weitergeben ­ einmal in unserer Vorstellung ein Ende haben? Lind was kommt dann? Die Gewißheit des einzelnen, das Geld weitergeben zu können, beruht doch letzten Endes auf dem — gleichviel, ob bewußten, halbbewußten oder unbewußten — Vertrauen, daß gerade auch der letzte Besitzer des Geldes, der es nicht weitergeben würde, einen Wert in der Hand behält. Mag man die Zirkulation, die Funktion als das Wesen des Geldes auffassen, ihr Ende aber als die Negation des Geldbegriffs; es gehört auch zum Wesen des Geldes, daß am Ende etwas Wertvolles zurückbleibe, mehr als ein bloßes Nichts, im Besitze ­ des an sich wertlosen Papierstoffes kann niemals eine Befriedigung liegen. — Könnte man aber nicht doch die Funktion des Geldes als unendlich sich vorstellen? So wenig wir uns die Unendlichkeit ­ der Welt vorstellen können, so wenig die der Funktion des Geldes. Hier ist aber folgender Unterschied zu beachten. Das Problem der Unendlichkeit der Welt ist ein metaphysisches, ­ das des Geldes immer nur ein gesellschaftswissenschaftliches. ­ Nun enthält unsere wirtschaftliche Logik stets empirische Bestandteile: Privateigentum, Verkehrsfreiheit, 1 Oben S. 42 ff.