64 Viertes Kapitel. Grundlegung einer wirtschaftlichen Theorie des Geldes. Arbeitsteilung und Geldwirtschaft sind die Voraussetzungen, auf denen sie beruht. Eine Anwendung des Unendlichkeits begriffs aber auf geschichtlichen Stoff und innerhalb einer Lo gik, die ihre geschichtliche Entstehung nicht verleugnen kann noch will, scheint ausgeschlossen. Wir geben zu: Mancher Staatsbürger, in dessen Wesen die Liebe zum Vaterlande die stärkste Seite bildet, hat nicht nur den Wunsch, daß sein Staat ewig bestehen möge, er kann sich ihn auch nicht anders vorstellen, als von unendlicher Dauer. So mag der Glaube an die Unendlichkeit des Staates und die Ewigkeit des Nationalkredites auch bei unserem Volke zu finden sein; aber die kalte, nüchterne, rechnende, wirtschaft liche Logik wird durch ihn nicht berührt. Diese aber inter essiert uns hier. Es ist gleichgültig, welches die gewöhnlich sten konkreten Vertreter dieser Logik sind. Ja, es ist wahr scheinlich, daß bei der Kompliziertheit der menschlichen Psyche zuweilen der Glaube an die Ewigkeit des Staates einen Konflikt erzeugen wird, den der einzelne mit sich selbst auszufechten hat. Es mag ferner für viele ein Trost sein, daß diejenigen, in deren Handeln vielleicht zuerst am nüchtern sten die wirtschaftliche Logik sich durchsetzt, als die mora lisch weniger Einwandfreien auch sonst erscheinen. Aber das gehört nicht hierher. Wir wissen nur: Der Unendlichkeits begriff spielt in der wirtschaftlichen Logik keine Rolle. Freilich gibt es nun noch eine Möglichkeit, einen speziellen Fall, wo unsere wirtschaftliche Logik eine Befriedigung in stoffwertvollen Gütern (Diensten) nicht verlangt: Die Mög lichkeit einer Verwendung des Papiergeldes zu Zahlungen an die Staatskassen, insbesondere zur Steuerzahlung. Hier nimmt der Staat als wertvoll wieder an, was er als wertvoll ausgegeben. Der Kreis ist geschlossen. Unser wirtsschaft- liches Denken ist befriedigt, ohne daß eine Einlösung des Geldes erfolgt ist. So haben denn in der »Steuerfundation«