§ 4. Staatliche und überstaatliche Geldtheorie. 73 metall demonetisiert wird? Wenn ein Papiergeld abgeschafft wird? Wenn ein neues Geld eingeführt wird? Es enthält auch die Fragen: Welche Befriedigung muß dem Geldbe sitzer werden, wenn die Zahlung in beweglichen Stücken überhaupt abgeschafft würde? (Frage nach dem Ende jedes Geldsystems.) Ferner — wenn die konkrete Form des be stehenden Staates zerbrochen wird? Man wird vielleicht erklären, die letzte Frage sei unberech tigt und verdiene kein Interesse. Das Geld sei gewiß nicht das Höchste, und wenn ein Staat zugrunde gehe, so sei es »unsittlich«, darnach zu fragen, ob der einzelne, der etwa seinen Staat überlebt, in seiner materiellen Existenz ge sichert oder gefährdet sei. Allein, es ist ein Unterschied, ob man nach der moralischen Beyechtigunng einer Problem stellung fragt, oder ob man ihr überhaupt kein wissenschaft liches Interesse zukommen lassen will. Überdies läßt sich an Beispielen aus dem geschichtlichen Leben zeigen, daß es poli tische Konstellationen gibt, unter denen auch jene Frage nach der ethischen Berechtigung ganz anders beantwortet werden muß, als es auf den ersten Blick scheint. Neuerdings hat Hermann Schwarzwald 1 in verschiede nen Aufsätzen die indische und die chinesische Währungs frage behandelt. Er geht von einer bestimmten, freilich ein seitigen Voraussetzung aus, nämlich der Ansicht, daß Edel metall und insbesondere Gold die natürlichste, sicherste und beste Währung liefere. Er hält alle Theorien wie alle prak tischen Bestrebungen für gefährlich, die eine Ersetzung des Goldgeldes durch unterwertige Silbermünzen und Papier, so wie Ausdehnung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs als Fortschritt hinstellen wollen. Und er vertritt nun die inter essante Hypothese, daß politische Mächte wie England, po- 1 Die Bank, April- u. Maiheft 1914, S. 321 ff. u. 427 ff. Frkf. Ztg. 12. April 1914, 1. Morgenblatt. Bankarchiv 1914, Heft 16.