90 Fünftes Kapitel. Zur Systematisierung der Lehren vom Papiergelde. Wertung zu halten (Frankreich, Österreich) ? Kann man eine Erscheinung vorübergehend nennen, die jahrzehnte- und jahrhundertelang bestanden hat? Oder von Anomalie reden, wo Papiergeld das einzige Zirkulationsmittel ist? Dieses die beiden Grundauffassungen. Wir möchten zu nächst auf einige psychologische Zusammenhänge aufmerk sam machen, die über ihre Entstehung etwas Aufschluß geben könnten. Es ist klar: Wer bei Betrachtung des Papiergeldes von der Finanzwissenschaft ausgeht, wer das Papiergeld im Rahmen der Finanzwirtschaft behandelt, der wird von vornherein einer skeptischeren Beurteilung zu neigen, er wird im Papiergelde stets eine verschleierte Zwangsanleihe sehen, ein Mittel, um das Defizit zu decken, ein Zauberkunststück, das dem Staat für den Augenblick hilft, für die Dauer aber die Verarmung und Aussaugung ganzer Volksmassen nach sich ziehen kann. Wer aber von der Geldtheorie ausgeht, etwa vom Nachdenken über den Begriff und das Wesen des Geldes, das er in der Funktion, im bloßen Zirkulieren sieht, der wird sich leicht ein Geld konstruieren, das ohne durch den Stoffwert und seine Wir kung beschwert zu sein, das Ideal des Geldes bilden soll. Ein unglücklicher Krieg scheint dem Metallismus, ein glücklicher dem Nominalismus recht zu geben, mag man auch beide Richtungen als akademische Anschauungen auf fassen, deren Richtigkeit mit der Anwendung auf praktische Einzelfälle nicht erwiesen noch in Frage gestellt werden kann. Der Metallismus behält in erheblicherem Maße recht mit Bezug auf ältere Zeiten, in denen Papiergeld aus ver schiedenen historisch verständlichen Gründen nicht mög lich war, und für Zeiten, in denen Papierwirtschaft mit • starker Entwertung, mit Preisrevolution und Verarmung von Volksklassen endete, während in unserer Zeit der No minalismus mehr Boden finden muß. Die Frage aber ist