2 Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle. hätten schlechtes Metall in die Königliche Münze geliefert, auf Befehl des Königs Ludwig ihre Bergwerke, alle Warenvorräte und sonstigen Besitztümer beschlagnahmt und ihre Leute gefangen gesetzt. Gelang es auch später Anton Fugger, die Falschheit der Beschuldigungen nachzuweisen und die Beschlagnahme rückgängig zu machen, so verloren die Fugger doch bei dieser Angelegenheit über 200 000 Gulden. Auch läßt sich nicht leugnen, daß die Fugger in vielen Ländern vom Volke gehaßt wurden, wozu freilich Neid und Unverstand nicht wenig beigetragen haben. Damals erhielt ihr Name im Volksmunde jene Bedeutung, die ihn zur Gattungsbezeichnung der großen Monopolisten werden ließ: Fucker, Fokker, Fucar usw. wurden seitdem die Geldmächte, die das Volk für alle möglichen Übel verantwortlich machte, in ver schiedenen Ländern genannt. Der Mann, dem die Fugger diese Blüte ihres Hauses verdanken, starb am 30. Januar 1526. Jakob Fugger wird geschildert als ein schöner, stattlicher Mann, der das bartlose Haupt stets frei und aufrecht trug, das Haar gewöhnlich in einer Haube von Goldstoff, wie ihn auch seine Bildnisse darstellen. Er war fröhlich von Gemütsart, gefällig und höflich gegen jedermann; bescheiden und schlicht in seinem Auftreten, sagte er doch auch dem Höchstgestellten furchtlos die ungeschminkte Wahr heit, wenn es not tat. Für sich selbst war er ohne viele Bedürfnisse, dabei aber gastfrei im großen Stile seiner Zeit und seines Standes. Der vornehmsten Augs burger Gesellschaft, der Herrentrinkstube, gab er viele schöne Mummereien, Schlitten partien und Tänze. Ja, er hätte das Haus der Herrentrinkstube auch neu erbaut, wenn ihm gestattet worden wäre, das Fuggersche Wappen daran anbringen zu lassen, überhaupt war er in der Baulust ein rechter Sohn seiner Zeit. Eins der jetzigen Fuggerhäuser am Weinmarkt hat er mit reichem Zierat aufs köstlichste bauen lassen. Die St. Annakirche stattete er mit herrlichen Bildwerken aus und ließ dort für sich und die Seinen eine prachtvolle Begräbnisstätte errichten. Als nun aber diese Kirche in die Hände der Lutheraner kam, verlangte er von seinen Neffen, daß sie ihn an einem anderen Orte begraben lassen sollten; denn er war „ein guter, wahrer, rechter Christ und ganz wider die Lutherei". Auch zu anderen Kirchenbauten hat er viel beigetragen oder solche allein gestiftet. Von seinen vielen Werken der Barmherzigkeit ist das bekannteste die „Fuggerei", ein kleines Stadtviertel mit Wohnungen für arme Leute, und vielleicht noch bezeich nender für seine Denkungsart ist der von ihm dem Augsburger Rat gemachte Vor schlag, daß dieser eine — nicht näher bezeichnete — Einrichtung treffen solle, vermöge deren dem gemeinen Mann das Schaff Roggen auf ewige Zeit nicht höher als einen Gulden kosten würde, was aber, wie das „Ehrenbuch" sagt, aus Einrede der Göttin Avaritia keinen Fortgang gehabt hat. Für uns hier am interessantesten ist das wenige, was über Jakob Fuggers persönliches Verhältnis zum Handel berichtet wird. Er war ein Geschäftsmann ersten Ranges, „hohen Verstandes" und noch in seinen letzten Lebenstagen so geschäftseifrig, daß er, als sein Neffe Georg Thurzo riet, die ungarischen Geschäfte, deren Lage gefahrdrohend war, aufzulösen, solchen Kleinmut weit von sich wies und erwiderte, er hätte einen ganz anderen Sinn, er wolle gewinnen, solange er könne. Grade nach dem Eintritte jener Katastrophe zeigte sich seine Umsicht, sein Dispositions talent am glänzendsten. Aber bei allen seinen weitausschauenden, über ganz Europa zerstreuten Geschäften war er doch von Nervosität so weit entfernt, daß er, wie seine Neffen wiederholt aus seinem eigenen Munde hörten, niemals „Hinderung des Schlafes hatte, sondern mit dem Hemde alle Sorge und Anfechtung des Handels von sich legte". Was Jakob Fuggers geschäftliche Tätigkeit für das Vermögen seines Hauses bedeutete, ersehen wir einigermaßen aus der im Fuggerarchive noch vorhandenen