10 Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute uns Industrielle. lichen Geschüftsbildung fehlt, teils aber auch, weil es ihrer Neigung entgegen ist und ihre Qualifikation bald im Geschäftsdrange leiden würde." Diese auf weitgehender Verwendung des Laienelementes beruhenden Verwal tungskörper sollten im besondern zu prüfen haben, wieweit neue wissenschaftliche und technische Fortschritte dem Staat Veranlassung geben, fördernd und regelnd ein zugreifen. Wie der Schlußsatz der Eingabe zeigt, versprach sich Stein gerade von dieser gemeinsamen Arbeit Anregung nach beiden Seiten: „Es wird von dieser Ein richtung der unfehlbare Gewinn für die Geschäftsmänner entstehen, daß sie, in steter Berührung mit dem Wissenschaftlichen, nicht so sehr zurückbleiben und nicht so früh zeitig im Geschäftsleben veralten, und auch die Wissenschaften und Künste werden des Vorteiles teilhaftig, von der Anwendung vieler Dinge im Großen eine anschaulichere Kenntnis und lebendigere Übersicht zu bekommen und die zu weiteren Fortschritten erforderlichen Materialien zu erhalten." Mit besonderm Nachdruck betonte Stein, daß damit auch alle überflüssige und schädliche Einmischung der Regierung bei Gegenständen, die der Fürsorge jedes ein zelnen überlassen bleiben können, abzustellen wäre. Und Stein ging noch weiter, er schlug vor, alle diese wissenschaftlichen und technischen Deputationen zu einer Körper schaft zu vereinen, um so ihre Wirksamkeit zu steigern, — ein Parlament prak tischer Arbeit, zusammengesetzt aus den berufen st en Ver tretern der Wissenschaft, Technik, Industrie, des Handels, der Land - und Forstwirtschaft und der Staatsverwaltung! Konnten solche weitsichtige Pläne, die, wenn man sie heute ausspricht, — wo wieder eine Immediatkommission an der Reform der inneren Verwaltung arbeitet, — ein skeptisches Lächeln auslösen können, vor 100 Jahren schon restlos erfüllt werden? Scharfe Kritik setzte ein. Der Laie habe weder wissenschaftliche Bildung, noch kenne er die Geschäfte. Stein erwiderte, daß die wissenschaftliche Bildung gerade bei den besoldeten und studierten Verwaltungsbeamten höchst selten zu finden sei: „Geschäfts kenntnis aber erlange man durch Geschäfte". Immerhin ein Teil der großen Pläne ist Wirklichkeit geworden. Die Technische Deputation kann in diesem Jahre ihr hundertjähriges Jubiläum feiern. Es wäre zu wünschen, wenn eine Geschichte ihrer Tätigkeit uns über die Entwicklung ihrer Wirk samkeit eingehend unterrichten wollte. Ob die Beschränkung in ihrer Zusammen setzung auf solche Vertreter der Technik, die als Beamte nicht unmittelbar Beziehung zur Industrie haben, im Sinne Steins gelegen hat, darf bezweifelt werden. Heute liegt der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit in der Begutachtung von Genehmigungs gesuchen für die Errichtung von Fabriken, gewerblichen Anlagen usw. Ferner werden Zollstreitigkeiten erledigt und alle technischen Verordnungen begutachtet. Wenn wir dies alles zusammenfassen, so drängt sich die Frage auf: Was würde wohl ein vom Steinschen Geist erfaßter Organisator unserer heutigen Verwaltung anzustreben haben, wo es nicht mehr nötig ist, einzelne Personen mühsam zu staat lichen Ausgaben heranzuziehen, sondern wo es aus eigener Initiative entstandene große technisch-wissenschaftliche Vereine gibt, in denen technische Intelligenz gemein sam mit großer praktischer Erfahrung im vielgestaltigen Erwerbsleben an Aufgaben zusammenarbeitet, die für den Staat die größte Bedeutung haben? Ich glaube, daß ein solcher Organisator Formen finden würde, die ein viel weitergehendes Zusammen arbeiten als bisher von Staatsverwaltung und der in diesen Vereinen organisierten Technik zum Wohl der Gesamtheit zur Folge haben würde. Wie dann Steins größtes Werk — die Städteordnung vom 19. November 1808 — diese Grundgedanken immer wieder zum Ausdruck brachte, ist allgemein bekannt. „Verständige, welterfahrene Gewerbetreibende", nicht Gelehrte und vor ollem mög lichst wenig „Rechtskundige" sollten die städtischen Geschäfte leiten. Ernst warnt er