36 Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle. schaftlichen und juristischen Kenntnisse, durch sein ebenso schnelles wie scharfes Urteil, durch die außerordentliche Klarheit seiner Darstellung und die praktische Erfassung aller Verhältnisse, als er seine Mitarbeit im Zentralverbande aufnahm In diesem nahm er sehr bald, besonders in allen die Arbeiterverhältnisse betreffenden Fragen, eine maßgebende und führende Stellung ein. Bereits in den Ausschußsitzungen vom 5. Mai 188-1 und 25. Januar 1885 hatte I e n ck e Referate über den Gesetzentwurf, betreffend die Unfallversicherung der Arbeiter, das definitive Normalstatut für die Unfallversicherungsgenossenschaften und die Ausdehnung der Unfallversicherung auf das Transportgewerbe gehalten. In der Delegiertenversammlung vom 5. und 6. Oktober 1885 war er Berichterstatter über die Sonntagsarbeit. I e n ck e s Wahl war ein großer Gewinn für das Direktorium; er beteiligte sich mit großer Hingabe und Opferwilligkeit an dessen Arbeiten wie überhaupt an den Be-" strebungen des Zentralverbandes, die durch ihn in wesentlichen Beziehungen energisch gefördert wurden. Durch große umfassende Referate hat I e n ck e in hohem Maße dazu beigetragen, daß der Zentralverband namentlich in der Arbeiterversicherungs und Arbeiterschutzgesetzgebung eine führende Stellung in der Industrie einnahm und nicht ohne Erfolg an der Ausgestaltung der betreffenden Gesetze mitwirkte. Unver gessen wird es bleiben, wie I e n ck e in der Ausschußsitzung vom 23. November 1887, nur wenige Tage nach dem Erscheinen der „Grundzüge für die Invaliden- und Alters versicherung der Arbeiter", in einem glänzenden Referat mit großer Schärfe alle wesentlichen Punkte dieser neuen, noch nirgends in der Welt erprobten Arbeiterver sicherung für die Zuhörer klarstellte und ihnen nicht nur ein leicht faßliches Bild von den Absichten der Regierung und der geplanten Art der Ausführung gab, sondern auch alle wesentlichen Punkte kritisch beleuchtete, indem er die Vorzüge, aber auch die Mängel dieser „Grundzüge" und die Bedenken, zu denen sie Veranlassung gaben, klar hervorhob. Es konnte nicht fehlen, daß im Jahre 1901, als der hochverdiente lang jährige Leiter des Zentralverbandes, Reichsrat v. Häßler, leider zu früh für alle Verhältnisse und Personen, mit denen er in Beziehung stand, aus dem Leben ab gerufen wurde, das Direktorium I e n ck e zu seinem Vorsitzenden wählte. Durch die Wahl des Kommerzienrats Eugen Langen wurde dem Direk torium gleichfalls eine hervorragende Kraft zugeführt; denn Langen war als In genieur, als höchst erfolgreicher Erfinder und als Großindustrieller in den weitesten Kreisen bekannt und hochgeschätzt. Ursprünglich als Ingenieur, mehr durch eigenes Talent und unermüdliche praktische Arbeit als durch formales Studium ausgebildet, widmete er seine erste selbständige Tätigkeit der Zuckerfabrikation, deren großartige Entwickelung in unserem Vaterlande wesentlich mit auf Langen zurückzuführen ist. Hier betätigte er sich in großem Stile als Erfinder. Die Verbesserung der Regene ration der Knochenkohle und ganz besonders die glückliche Lösung der Zentrifugen arbeit machten seinen Namen im In- und Auslande rühmlich bekannt. Er diente dieser Industrie jedoch nicht allein auf dem Gebiete der Technik, auf dem er zahlreiche weitere Verbesserungen einführte, sondern seinem maßgebenden Einfluß hat die Zuckerindustrie auch bei der Ausgestaltung der sie betreffenden Gesetzgebung vieles zu danken. Die Beschäftigung mit der Zuckerindustrie füllte seinen regen Geist und seine unermüdliche Arbeitskraft jedoch nicht aus. Seinem regen Erfindungstalent gelang es in Verbindung mit seinem Freunde vr. Otto, die Gasmaschine zu einer hohen Voll kommenheit zu entwickeln, von der die Gasmotorenfabrik Deutz glänzende Zeugnisse ablegte. Tief beklagen muß man, daß es diesem im rüstigsten Alter aus dem Leben geschiedenen Manne nicht mehr vergönnt war zu sehen, wie seine geniale Erfindung, die anfangs hauptsächlich bestimmt war, dem Kleinbetrieb zu dienen, heute als Motor mit 1000 Pferdekräften in der großen Hochofenindustrie eine täglich steigende Be-