56 Zweiter Teil. Handel. II. Der Handel im allgemeinen. zu Land zieht. Je mehr die Bevölkerung eines Landes zunimmt, und je mehr sich seine Verkehrsmittel vervollkommnen, um so größer wird das Übergewicht des seßhaften Handels. In den früheren Stadien der wirtschaftlichen Entwicklung aber hatte der Wanderhandel, mochte er in größerem Maßstabe auf Märkten oder Messen oder von vereinzelten, meistens kleinen Unternehmern als Hausierhandel be trieben werden, eine verhältnismäßig große Bedeutung, und auch jetzt noch spielt z. V. in den weniger bevölkerten Gebieten des amerikanischen Westens der „Pedler" und in Sibirien der russische Wanderhändler eine ganz andere Rolle als der so viel geplagte Hausierer in Deutschland. — Sowohl wegen der einstigen größeren Bedeu tung des Wanderhandels als überhaupt wegen der geringeren Ausbildung der Arbeitsteilung bestand früher eine engere Verschmelzung des Handels mit dem Trans portwesen. Auch wenn der Kaufmann nicht selbst mit durch das Land zog, mußte er doch meistens selbst für die materielle Beförderung seiner Waren sorgen und die Transportmittel stellen, da sich die Abnehmer vielfach passiv verhielten und nur ihnen vorgeführte Waren kauften. Gerade der Großhandel und namentlich der aus wärtige muhte daher den Transport selbst organisieren. So entstand für den inter nationalen Landverkehr der große Karawanenhandel; zur See aber bildete sich die enge Verbindung des Handels mit der Schiffahrt aus, die auch gegenwärtig durch die wirtschaftliche Arbeitsteilung noch nicht vollständig aufgehoben ist. Denn neben den Reedern und Dampfschiffsgesellschaften gibt es auch noch immer Kauf leute, die ihre Waren auf eigenen Schiffen befördern. Auch in handelspolitischer Be ziehung steht die Seeschiffahrt dem Seehandel so nahe, daß die Interessen beider Unternehmungsarten stets zusammen erwogen werden müssen. Im übrigen aber hat sich das Transportgewerbe als selbständiger Zweig der wirtschaftlichen Produktion von dem Handelsgewerbe abgelöst. Es dient nicht allein dem Handel, sondern auch noch anderen wichtigeren Interessen, zumal bei der enormen Entwicklung der Per sonenbeförderung in der neueren Zeit. Doch bleibt es immer das wichtigste selb ständige Hilfsgewerbe des Handels; es hat die mechanische Arbeit der Waren bewegung übernommen, während dem Handel die wirtschaftliche Leitung und Len kung derselben vorbehalten bleibt. Selbst die lokale Ab- und Zufuhr der Waren von und zu den Transportanstalten (Güterbestätterei) ist von den Kaufleuten mehr und mehr an besondere Unternehmer abgegeben worden. Überhaupt tritt vielfach zwischen den Kaufmann und die Transportanstalt noch der Speditionsunter nehmer oder Spediteur, der als besonderes Hilfsgewerbe des Handels für seine Auftraggeber die Besorgung der richtigen Beförderung von Waren durch Schiffe oder Frachtführer übernimmt. Seine Dienste sind oft unentbehrlich, wenn es sich um die Weiterführung von bereits unterwegs befindlichen Waren handelt, um die Umladung derselben in Hafenplätzen, um die Verzollung an der Grenze rc. Hilfs geschäfte des Handels, die schon eigentlich handelsgewerblicher Natur, aber allmählich zu selbständigen Spezialitäten geworden sind, sind u. a. der K o m m i s s i o n s h a n - d e l und das Maklergeschäft. 3. Die Bedeutung des Handels für die Volkswirtschaft. Bon Richard van der Borght. van der Borght, Handel und Handelspolitik. (Hand- und Lehrbuch der Staats wissenschaften. 1. Abt., 16. Bd.) 2. Aufl. Leipzig, C. L. Hirschfeld, 1907. S. 31—35. Die Dienste, die der Handel den Herstellern wie den Verbrauchern der Güter leistet, sind zunächst privatwirtschaftlicher Art, können aber auch für die Volkswirt-