57 3. Die Bedeutung des Handels für die Volkswirtschaft. schaft sehr wichtig sein. Sichert und erleichtert der Handel den einzelnen Produzenten den Absatz, erobert er ihnen neue Absatzgebiete und führt ihnen die erforderlichen Rohmaterialien zu, so schafft er damit für die Volkswirtschaft die Grundlagen einer stetigen Weiterentwicklung der produktiven Arbeit. Erleichtert, verbessert und ver billigt er den einzelnen Verbrauchern den Bezug der Bedarfsartikel, so summiert sich das für die Volkswirtschaft zur zweckmäßigsten Organisation der Bedarfsversorgung des Volkes überhaupt. Diese Leistungen haben eine große volkswirtschaftliche Be deutung so lange und so weit, als die Kosten, die der Volkswirtschaft aus dieser Vermittlung erwachsen, nicht so hoch werden, daß man die in Frage kommenden Arbeiten ohne Vermittlung des Handels billiger bewirken könnte, und ferner so lange und so weit, als die technische Leistungsfähigkeit des Handels nicht so zurückgeht, daß ohne Vermittlung des Handels die ganze Arbeit besser und zweckmäßiger durch geführt werden könnte. Mit dieser Einschränkung muß man dem Handel eine sehr wichtige Stellung im Organismus der modernen Volkswirtschaft zuweisen und ihn als ein notwendiges und nützliches Glied in der Kette der wirtschaftlichen Tätigkeiten anerkennen. Da die Dienste des Handels nicht nur dem Inlands, sondern auch dem Aus lande zufließen, so ist bei Beurteilung seiner Bedeutung für die einzelne Volks wirtschaft weiterhin die Frage von Wichtigkeit, ob seine Arbeit mehr dem Auslande als dem Jnlande nützt oder gar das Gesamtinteresse des Inlandes benachteiligt. Denkbar ist das letztere. Praktisch wird es aber nur ausnahmsweise und nur vor übergehend werden. Übrigens sind das Einschränkungen, die nicht lediglich beim Handel zu machen sind. Auch bei der Produktion, beim Verkehrswesen usw. ist eine unwirtschaftliche Steigerung der toten Kosten und eine gelegentliche Benachteiligung der inländischen Interessen denkbar. Zu dem Gesagten treten noch andere Wirkungen des Handels hinzu, die der Volkswirtschaft im ganzen wesentlichen Nutzen bringen. Der Handel steht in inniger Beziehung zum Verkehrswesen. Genötigt, sich der Verkehrsmittel in umfassender Weise zu bedienen, treibt der Handel das Verkehrswesen zu immer höherer Leistungs fähigkeit, und die günstigen Wirkungen, die von einem leistungsfähigen Verkehrs wesen ausgehen, sind deshalb dem Handel mitzudanken, wie er andererseits aber auch mitverantwortlich ist für die nachteiligen Wirkungen, die einem solchen Verkehrs wesen zuzuschreiben sind. Dem Handel sind auch allgemeine kulturelle Wirkungen zuzusprechen. Er ver steht es, neue Bedürfnisse zu wecken, und verstärkt so den Antrieb zu wirtschaftlicher Arbeit, freilich nicht immer in Richtungen, die wünschenswert sind. Der Handel ruft mitunter so starke Interessengegensätze zwischen den Völkern hervor, daß eine Aus tragung mit den Waffen erforderlich wird, aber noch viel häufiger und allgemeiner verstärkt er das Bewußtsein gemeinsamer Kulturinteressen und das Bedürfnis nach einer friedlichen Entwicklung der Verhältnisse. Der Handel bringt die Völker in engere Berührung miteinander und schleift dadurch auch wahlberechtigte Eigentüm lichkeiten, aber noch viel mehr unberechtigte Vorurteile ab und erzeugt ein stärkeres Bedürfnis nach einheitlicher Rechtsgestaltung. Mit einem Wort, der Handel leistet der Kulturentwicklung und der Volks wirtschaft sehr wertvolle Dienste, hinter denen die gelegentlichen und vorübergehenden ungünstigen Wirkungen weit zurücktreten. Daran kann auch der Umstand nichts ändern, daß der Handel vielfach in der Praxis und in der Wissenschaft eine sehr ungünstige Beurteilung gefunden hat. Da in der Tat auch ungünstige Wirkungen