4. Heinrich v. Stephan als Begründer des Weltpostvereins. 537 Straßen verwüstet, die Sicherheit der Posten gefährdet und das Postfuhrwesen auf vielen Routen fast gänzlich ruiniert. In Preußen hatte besonders nach dem Tilsiter Frieden der übermütige und treulose Sieger durch eine Bedrückung ohne gleichen die weitere Entwickelung auch dieses Staatsinstitutes gelähmt und feine Kräfte fast gebrochen. Aber wie sah es erst in den Ländern jenseits der Elbe aus, wo die Fremdlinge einige Jahre das Szepter der Herrschaft ausschließlich geführt hatten! Unerschwingliche Taxen hatten den Postverkehr völlig darnieder gedrückt und Defraudationen aller Art im Volksbewußtsein förmlich legitimiert, die Einnahmen waren bei weitem unter die Hälfte gesunken, die Fahrposten infolge einer für die deutschen Verhältnisse gar nicht passenden Postgesetzgebung gänzlich zerrüttet und vernachlässigt, die Verbindungen mangelhaft, die postalischen Beziehungen mit den Nachbarstaaten (namentlich zwischen Westfalen und Berg) in unglaublicher Verwirrung, die Beamten — zum Teil französische Abenteurer — unmoralisch und untüchtig oder, sofern es Deutsche waren, unzufrieden und ihrem Berufe unter solcher Regierung abgeneigt. Dabei im Publikum nicht allein kein Vertrauen, sondern ein allgemein tiefbegründetes Mißtrauen gegen die Post- anstalt, deren schamlose Verletzungen des Briefgeheimnisses den deutschen Geist empörten! Das waren die Zustände, welche die folgende Zeit vorfand. Wahrlich, ihre Aufgabe war nicht klein. Aber die neu angebrochene Ära bot auch mächtige Hilfs mittel zu deren erfolgreicher Lösung dar. . . . Die Freiheit des Gedankens und des Verkehrs, die großen Erfindungen und Verbesserungen unserer mechanischen Hilfsmittel, die Macht der Assoziation und des Kredits, die allseitige Entwickelung der materiellen und intellektuellen Elemente der Gesellschaft, die lebensvolle Tätigkeit einer auf der Höhe der Zeit stehenden Staatsverwaltung, endlich die Annäherung der Nationen und die liberale Auf fassung der völkerrechtlichen Verhältnisse bewirkten, daß das Postinstitut sich aus seinem Verfall bald emporraffte und in der neuesten Zeit rücksichtlich der Vervoll kommnung seiner inneren und äußeren Beziehungen Fortschritts machte, die die vollkommensten Resultate aller früherer Epochen bei weitem überflügeln. Was die Buchdruckerkunst, die Entdeckung Amerikas, die Restauration der klassischen Studien und die Reformation für die Kulturentwickelung jenes Jahr hunderts waren, in welches die Entstehung der Posten fällt, das waren für unser Zeitalter die Dampfmaschine Watts, die Spindel Arkwrights, der Elektromagnetismus der durch die neue Philosophie angebahnte Fortschritt der Staats- und Natur wissenschaften und die großen durch eine erleuchtete Gesetzgebung herbeigeführten staatlichen und sozialen Reformen. Der menschliche Geist überwand zum großen Teil die Hindernisse, welche seine gegenwärtige Gebundenheit an Zeit und Raum der universellen Ausbreitung seiner Tätigkeit entgegenstellte; im Bunde mit den Kräften der Natur zertrümmerte er deren eigene Schranken und richtete, sich namentlich des Mediums der V e r - kehrsan st alten bedienend, die unumschränkte Herrschaft des Kulturgesetzes auf. 4. Heinrich v. Stephan als Begründer des Weltpostvereins. Bon den Ältesten der Kaufmannschaft von Berlin. Die Ältesten der Kaufmannschaft von Berlin richteten aus Anlaß des 10jährigen Bestehens des am 9. Oktober 1874 gegründeten Weltpostvereins an den damaligen