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        <title>Volkswirtschaftliches Quellenbuch</title>
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            <forname>Georg</forname>
            <surname>Mollat</surname>
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      <div>7. Die Bedeutung der Kolonien für die deutsche Volkswirtschaft. 435 
2. Kolonien, die richtig und zielbewußt geleitet sind, sichern der deutschen Pro 
duktion einen großen Teil derjenigen Rohstofse, welche zum eigenen Verbrauch 
innerhalb der Nation und zum Zwecke der Veredelung des Arbeitsmaterials vieler 
Millionen deutscher Arbeiter dienen. 
3. Sie sichert dem deutschen Fabrikanten, dem deutschen Arbeiter einen Einfluß 
auf die Preisgestaltung dieser Rohmaterialien gegenüber monopoli 
stischen Tendenzen des Auslandes, sei es in der Zoll- und Steuerpolitik der Staaten, 
sei es in den Kombinationen einzelner Individuen. Sie sind deshalb, da sich der 
Preis einer Ware auf dem Weltmarkt regelt, der Arbeitslohn aber niemals mehr, als 
Weltmarktpreis minus Kosten des Rohmaterials betragen kann, ein wichtiger Re 
gulator für den Preis unserer nationalen Arbeit. 
4. Sie schützt und stärkt unsere nationale Zahlungsbilanz, indem sie 
unsere Kapitalien und den Überschuß unserer Arbeit nicht zur Zahlung für Roh 
materialien an das Ausland zu schicken nötigt, sondern denselben innerhalb unserer 
eigenen Binnenwirtschaft erhält. Sie sichert damit gleichzeitig die Stabilität unserer 
deutschen Währung, vermindert die Gefahr des Abflusses von Edelmetall an das 
Ausland und vermag auf diese Weise auch in der eigentlichen deutschen Wirtschaft eine 
größere Stabilität für den Preis des Geldes zu erreichen. 
Schließlich bildet sie ein kräftiges strategisches und taktisches Mittel in all den 
jenigen Fällen, wo für die deutsche nationale Wirtschaft Verträge oder Verein 
barungen mit anderen Weltnationen geschlossen werden müssen zur Sicherung des 
gegenseitigen Absatzes und Austausches von Roh- und Fertigprodukten. 
Das ist die Bedeutung einer deutschen kolonialenWirtschaft 
im Lichte der gegenwärtigen handelspolitischen Weltlage. Ihre Ausführung bedeutet 
demnach nicht mehr und nicht weniger als die Frage der Zukunft der natio 
nalen Arbeit, die Frage des Brotes vieler Millionen Industriearbeiter, die 
Frage der Beschäftigung der heimischen Kapitalien im Handel, im Gewerbe, in der 
Schiffahrt. 
Es wäre demnach nichts weniger als ein großes Vergehen an Deutschland und 
seiner industriellen Zukunft, wenn nicht alle ernsthaften kaufmännisch gebildeten 
Deutschen dieser Frage ihr allergrößtes Interesse zuwenden würden, wenn sie nicht 
mit aller Intensität einer Regierung ihre Unterstützung leihen würden, welche diese 
Gesichtspunkte fest im Auge hat, die K o l o n i e n einer sachgemäßen Entwick 
ln n g im Laufe der Zeiten zuzuführen strebt. Ein jeder von Ihnen hat ein Interesse 
an der sachgemäßen Lösung dieser Arbeit. Es ist eine Arbeit über viele Jahre, ja 
Jahrzehnte. Sie hat zu beginnen mit der Organisation der Verkehrs 
wege, und das ist die Frage der Stunde.*) Stehen Sie fest und einmütig hinter uns 
in der Forderung nach diesen Mitteln, und tragen Sie, die berufenen Vertreter der 
gesamten Kaufmannschaft von Deutschland,**) in Ihre Heimat, in Ihre Berufs 
kreise, in Ihre Kontore die Überzeugung, die ich hoffentlich, wo sie nicht schon bestand, 
in Ihnen erweckt habe, daß es sich in der d e u t s ch e n k o l o n i a l e n B e w e g u n g 
*) Der Reichstag hat bekanntlich in den Jahren 1908 und 1910 den Verbündeten 
Regierungen die geforderten Mittel für den Ausbau des kolonialen Eisenbahnnetzes be 
willigt; nach Durchführung des Bauprogramms werden wir in Afrika 4100 km Bahnlinien 
haben. — G. M. 
**) Dernburgs Vortrag fand am 11. Januar 1907 in Berlin auf Veranlassung des 
Deutschen Handelstages statt und war von etwa 1600 Personen besucht, hauptsächlich von 
Vertretern der Handelskammern und von sonstigen Kaufleuten und Industriellen, s. Handel 
und Gewerbe. Zeitschrift für die zur Vertretung von Handel und Gewerbe gesetzlich 
berufenen Körperschaften. Herausgegeben von Soetbeer. 14. Jahrgang. Berlin, Carl Heymanns 
Verlag, 1907. S. 243 f. — G. M.</div>
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