Buch I. Die liberale Schule. I. Teil. Geschichtlicher Überblick. „Die Betrachtung der wirtschaftlichen Dinge vom Stand punkt der Naturgesetze beginnt in ihren ersten Regungen im XVI., zeigt sich in steigendem Maße im XVII., gelangt zur Vollendung im XVIII. Jahrhundert“ (Brentano). Ausgangs punkt für dieselbe war zunächst die Kritik an den Auswüchsen der Feudalordnung; und an den Maßnahmen merkantilistischer Wirtschaftspolitik. In Frankreich riefen die Kritik vornehmlich wach : die elende Lage der ackerbautreibenden Bevölkerung, das verschwenderische Wohlleben der Hofgesellschaft, die drückende und ungleich verteilte Steuerlast und der ungesunde Zustand der öffentlichen Finanzen. Eine solche Kritik an ein zelnen Mißständen führte unmerklich zur Kritik sowohl an der Feudalordnung selbst als am Grundgedanken des Merkantilismus : an der Regelung des Wirtschaftslebens durch staatliche Bevor mundung. Die Gegnerschaft zum Merkantilismus fand in den all gemeinen philosophischen Anschauungen der Zeit einen wunder bar günstigen Boden, auf dem sie sich zur Höhe einer Welt anschauung und zur Konstituierung der Nationalökonomie als Wissenschaft erheben konnte. Die Reaktion gegen die mittel alterliche Scholastik und die Wiederaufnahme des Studiums des römischen Rechts hatten die Gedankengänge der antiken Stoiker wieder aufleben lassen ; dieselben standen sowohl an der Wiege der Naturrechtstheorien Hugo Grotius’, Puf endors s usw., de Waha, Die Nationalökonomie in Frankreich. 1