524 Die Nationalökonomie bei den Philosophen und Soziologen Gebiete zwei Gruppen von Erscheinungen regelmäßig wieder holen. Diese Gruppen oder Zyklen sind: 1. wenn der Verkaufs preis der Kohlen steigt, so steigen gleichzeitig, wenn auch weniger rasch, der Arbeitslohn pro Tonne und der durchschnitt liche Tagesverdienst der Arbeiter, während ihre durchschnitt liche Tagesleistung stationär bleibt oder sinkt; 2. wenn der Verkaufspreis der Kohlen sinkt, so sinkt nach einiger Zeit auch der Arbeitslohn pro Tonne, während die durchschnittliche Tages produktion steigt; das Steigen dieser hat zur Folge, daß der Tagesverdienst stationär bleibt oder doch wenigstens in weit geringerm Maße sinkt, als es der Arbeitslohn pro Tonne tut 1 ). Die Frage nach der Ursache dieser beobachteten Lohn erscheinungen beantwortet Simiand dahin, daß sie im Handeln der Arbeitgeber und der Arbeiter zu suchen sei. Dieses Handeln hat einen genau bestimmten Gegenstand und wird durch scharf umgrenzte Tendenzen geleitet. Gegenstand des Handelns der Arbeitgeber und Arbeiter sind Gewinn und Anstrengung 2 ). Die in Betracht kommenden Tendenzen des beiderseitigen Handelns sind (man beachte die Reihenfolge); 1. die Tendenz, den be stehenden Gewinn zu erhalten ; 2. die Tendenz, die Anstrengung nicht zu steigern; 3. die Tendenz, den Gewinn zu erhöhen; 4. die Tendenz, die Anstrengung zu verringern. Simiand stellt nun folgende Sätze auf 3 ): A. In einem und demselben wirtschaftlichen Subjekte siegt eine jede der angeführten Tendenzen im Konfliktfall über die nächstfolgende. B. Die Tendenzen gleicher Rangstufe bei Arbeitgebern und Arbeitern finden sich im Konfliktfalle miteinander ab, so zwar, daß beide eine nur teilweise Befriedigung erreichen. Wenn 1) Simiand, Le Salaire des Ouvriers des Mines de charbon en France, Paris 1907, p. 95—97, p. 179. 2 ) Unter Gewinn versteht Simiand: auf seiten der Arbeitgeber das Ver hältnis des Lohnes, der für die auf die Erzeugung einer Tonne Kohlen ver wandte Arbeit gezahlt werden muß, zum Verkaufspreis; auf seiten der Arbeiter den Tagesverdienst. Unter Anstrengung versteht er: auf seiten der Arbeitgeber die Leitung des Betriebes, die Organisation der Produktion, die technische und wirtschaftliche Initiative usw. ; auf seiten der Arbeiter die tägliche Wirkung des Tagesverdienstes, die in Zeit und Intensität geschätzte, pro Tag gelieferte Arbeitsmenge. Simiand, loc. cit. p. 291—294. s ) Ibid. p. 295—299.