Schlußwort 539 dieser mittlern Linie wird durch die von vielen geäußerte, aber wohl von Renouvier am gründlichsten durchgearbeitete Idee bestimmt, daß die Pflege und Ausbildung der Individualität Ziel und Maß für die staatliche Intervention abzugeben habe. Die wichtigsten Berührungspunkte von Individualismus und Interventionismus — das ist unsere vierte Schlußfolgerung — sind, außer der Gemeinsamkeit der Methoden, das beiderseitige Festhalten an universellen und permanenten Gesetzen der Volks wirtschaft, und die von Vertretern beider Grundanschauungen, teilweise als Folgerung aus dem Solidaritätsgedanken erhobene For derung genossenschaftlicher Organisation des Wirtschaftslebens. Was zunächst die Existenz universeller und permanenter Gesetze der Volkswirtschaft betrifft, so ist ja ohne weiteres be greiflich, daß die individualistischen Volkswirte daran festhalten. Aber wie de Molinari die Gesetze des Wirtschaftslebens in den grundlegenden biologischen Naturgesetzen findet, so setzt Gauwès an die Stelle der wirtschaftlichen Gesetze der Klassiker das Gesetz der Arbeitsteilung und dessen Korollare; und wie Leroy-Beaulieu die Existenz universeller und permanenter, volkswirtschaftlicher Gesetze als wesentliches Resultat seiner induktiven Forschung proklamiert und deren Sonderung von zeitlich und räumlich begrenzten Gesetzen als eine Hauptaufgabe der Wissenschaft hinstellt, so bekennt sich Gide zu der Auf fassung, daß Montesquieu und die Physiokraten die Idee einer konstanten Ordnung der Erscheinungen definitiv aus dem natur wissenschaftlichen Gebiet in das sozial wissenschaftliche herüber getragen haben, und daß die Wirtschaftswissenschaft, insofern sie die spontanen Beziehungen der in Gesellschaft lebenden Menschen erforscht, auf dem Wege ist, eine Naturwissenschaft zu werden. Es ist zweitens auffallend, wie groß die Zahl der Volks wirte aller Schulen ist, die eine berufs- oder konsumgenossen schaftliche Organisation des Wirtschaftslebens anstreben. Bei der liberalen Schule sind esd’Eichthal, Villey, Deschamps, Schatz; bei den Katholiken die Gruppe der Feudalen und die christlichen Sozialisten ; bei den Interventionisten und Solidaristen vor allem Gide mit seinem großen internationalen Anhang; bei den Philosophen und Soziologen Fouillée, Renouvier, Tarde und Durkheim.