— 57 — wiesen. 1 ) Die Firmen Friedrich Wilhelm Neukirch und Louis Neukirch, aus den beiden Stammhäusern, traten in das moderne innerstädtische Grofsfuhrwerk über. Eine halbkapitalistische Organisation, in der ältere Prinzipien modifiziert in Erscheinung treten, wie sie auf einigen Fuhrwerksrouten z. B. zwischen Hamburg und Lübeck, zu stände kam 2 ), indem die Kauf leute beider Plätze, die in dem betreffenden Verkehr standen, sich zu sammentaten, ein Maklerbureau beauftragten oder einrichteten und eine Anzahl Fuhrleute fest verpflichteten, die dann nach der Reihe die vorfallenden Transporte zu besorgen hatten, ist in Bremen wegen der strengen öffentlichen Güterbestederorganisation ebenfalls unmöglich gewesen. Doch ist nach ähnlichen Prinzipien im neunzehnten Jahrhundert der Oberweserverkehr mit Betonung des privaten Charakters einer Einigung unter den Kaufleuten, und unter Aus schaltung der älteren Schiffergilden, organisiert worden, naturgemäfs mit ziemlich engen Anschlufs an die alten, allerdings mehr öffentlich- rechtlichen, Formen des achtzehnten Jahrhunderts. Die Eisenbahn selbst steht ja als Verbindung von Vehikel und Weg in engstem Zusammenhang mit dem Kapitalismus, der auch dem Staat die Mittel organisiert und die älteren Formen der freien Arbeit, die die persönliche Assoziation der Zünfte und Gilden bietet, ablöst. 8 ) Für die Fuhrmannsorte des Bremer Handelsrayons habe ich sehr reichhaltige Quellen, so dafs hier eine ziemliche Vollständigkeit zu erreichen war. Es gibt Gegenden, die von dem durchziehenden Verkehr gänz lich ihr Gepräge erhalten haben, Bauerschaften im Flachlande, wo das Fahren das allgemeine Nebengewerbe der greiseren Bauern 4 ) war, und Strafsengegenden im Gebirge, wo wegen des durchziehenden ‘) Die Ansicht, dafs das sein müsse, spricht H. Smidt in einem Brief an den Assessor v. Keden in Hameln vom 8. August 1840 aus (Bremer Staats archiv). Die Spediteure sträubten sich natürlich sehr gegen die Ausschaltung, vergl. N o b a c k cit. 2 ) Vergl. E. Baasoh, Forschungen zur hamburgischen Handelsgeschichte, III. Bd„ S. 63. a ) Ich mufs wegen der näheren Schilderung der Organisation und ihrer namentlich auch älteren Zusammenhänge auf die gröfsere Darstellung des deutschen Frachtfuhrwesens, an der ich arbeite, verweisen und meine bereits in meiner Schrift zur Geschichte der alten Handelsstrafsen ausgesprochene Bitte, die in Bezug auf Frachtfuhrwesen und Beziehungen dazu gegebenen Anregungen nicht zu benutzen, wiederholen. 4 ) Im 19. Jahrh. entwickelt sich auch im Flachland zuweilen Häuslings und Anbauerfuhrwerk als Haupterwerb, z. B. in Brökel. (Statist, d. Kgr. Han nover, II. H., 2 Abt., Erläut., S. 43. Vgl. Patje u. Bremer Staatsarch.)