— 103 Die Konkurrenz in den verschiedenen Gesellschaften hat im allgemeinen günstig auf Fracht und Schiffahrt gewirkt, aber natur- gemäfs auch durch die Trennung der Transporte und die Fracht unsicherheit schädigend eingewirkt. Es sind mehrfach Beihe- und Tarifvereinbarungen angebahnt worden und schliefslich ist in den fünfziger Jahren eine nähere Vereinbarung mit der Westfälischen • und der Vlothoer Gesellschaft zu Stande gekommen, aber bald wieder von Minden gekündigt worden 1 ), bis dann mit dem Eingreifen des Lloyd, des modernen Kapitalismus, die Organisation allmählich umgestaltet wurde. Die treibende Kraft in Minden war der frühere Bremer Direktionsreiheschiffer Georg Rolff. 2 ) Die Dampfschiffsunternehmungen, die auf der Oberweser nach und nebeneinander bestanden haben bezw. noch bestehen, sind folgende; Zuerst versuchte der Bremer Kaufmann Friedrich Schröder, der am 18. Juni 1816 vom Bremer Senat und dann auch von Oldenburg und Hannover ein ausschliefsliches Privilegium zum Betrieb ’) Seit 1839 bestand ein Tarifvertrag mit der Westfälischen Gesellschaft wonach ohne sonstige Vereinigung gleiche Frachten eingehalten wurden. Die westfälischen Schiffer arbeiteten mit Reisen im Lande, um sich Kundschaft zu verschaffen, und erreichten eine gefährliche Position. 1860 kam ein Vertrag zwischen der Mindener, Vlothoer und Bremer Direktion und den die Reihefolge bildenden Schiffern auf eine gemeinsame Reihefolgeschiffahrt zu Stande, die auch einige Jahre bestand, dann aber gekündigt wurde, wobei Differenzen wegen der Dampfschiffahrt, für die man eben damals in Minden eine neue Gesellschaft gründete, eine Rolle spielten. 2 ) Oberländisches Weserschiffahrts-Regulativ von 1815, Nachträge, das Revidierte Regulativ von 1822, die Druckschriften bei den Differenzen 1880, die Weserschiffahrtsakte etc. (Bürger-ConventsWerhandl. u. i. f.) liegen auch in der Sammlung des Bremer Stadtbibliothek Oberweserschiffahrt. Vgl. auch Victor Böhmerts Bremer Handelsarchiv 1864—65. Vollständiger und mit kleineren Druckstücken, namentlich auch den immer wieder erneuerten Reihe- und Reihefolgeverträgen in den Akten des Staatsarchivs und der Handelskammer. Der Senat hat 1816 auf einer obrigkeitlichen Inspektion bestanden (Staatsarchiv). Die hannoversche Regierung fafste später die Stellung des Mitdirektors Niemeyer als eine offizielle auf, und verlangte daher 1847, nachdem Niemeyer seinerzeit während der Differenzen der dreifsiger Jahre abgetreten war, die Beistellung eines neuen Vertreters der hannoverschen Interessen, wozu der hannoversche Konsul Brauer in Bremen dann ausersehen wurde. Vgl. w. die Akten zur Dampfschiffahrt. (Staatsarchiv; Handelskammerarchiv). (Berichte der Ober ländischen Weserschiffahrtsdirektion, Abrechnungen und Verkehrsnotizen) im Archiv der Handelskammer. Einige Druckschriften und Literatur, die sonst noch Nachrichten bringen, habe ich bereits a. a. 0. genannt. Vgl. a. W. L o t z e, Gesch. d. Stadt Münden, 1878, S. 240 (Vaterländisches Weserschiffahrts-Regulativ vom 26. Aug. 1815).