64 als die Kaufkraft einer Zehnkronennote, ist äußerst unwahrscheinlich. Daran denken auch die meisten Bürger nicht, welche Silbergeld thesaurieren. Sie sind nur davon überzeugt, daß Silber besser als Papier ist, während doch gerade der Silber g e h a 11 in diesem Falle das wesentliche ist. Die Tatsache, daß der Silbergulden und das Zweikronenstück bei gleicher Kaufkraft verschiedenen Silbergehalt haben, zeigt ja deutlich, daß jedes von ihnen — oder mindestens eines von ihnen — Zeichengeld ist. Aber wenn auch diese Betrachtungen mit dem Güterumsatz nichts zu tun haben und rein psychologischer Art sind, so ist es doch zweckmäßig, sie nicht zu vernachlässigen, insbesondere dort nicht, wo praktische Zwecke verfolgt werden. Es empfiehlt sich, Studien darüber anzu stellen, welches silberne Zeichengeld — man könnte am besten von Silber noten sprechen, zumal ja denkbar wäre, daß man diese Qeldsorten auch auf dem Wege der Diskontierung emittierte — den unzureichend orientierten Kreisen, zu denen nach den Erfahrungen in Galizien und in der Bukowina auch Beamte, Offiziere Und andere Mitglieder der mittleren Stände gehören, am meisten Vertrauen einflößt. In Czernowitz z. B. waren die Fünfkronenstücke wenig beliebt, ebenso lehnte man gerne Zweikronenstücke ab, während die Silber gulden und die Kronenstücke gerne akzeptiert wurden. Bei den Fünfkronen stücken kann man sich dieses Verhalten vielleicht so erklären, daß die bäuer liche Bevölkerung gerne mit Gulden rechnet, weshalb das Fünfkronenstück für sie eine ungeeignete Rechenmünze ist. Das Zweikronenstück dagegen ist offensichtlich kleiner als der altüberlieferte Silbergulden, der überhaupt die popu lärste Münze in Österreich-Ungarn sein dürfte. Diese flüchtigen Andeutungen zeigen uns, daß ein Münzenagio verschie denes bedeuten kann. Es kann darauf hinweisen, daß viele Auslandzahlungen zu leisten sind und die Bevölkerung Auslandsgeld dringend benötigt, es kann aber auch darauf hinweisen, daß Mißtrauen in der Bevölkerung vorhanden ist. Zuweilen treten beide Momente gleichzeitig in Wirksamkeit, sie hängen aber nicht innerlich zusammen. An jeder Stelle muß zwischen dem Geld, das auf dem öffentlichen Vertrauen und jenem, das auf seinem Metallgehalt beruht, ein grundsätzlicher Unterschied gemacht werden, ein Unterschied, dessen Be deutung heute wieder allgemeiner gewürdigt wird. Im Inlande ist das Zeichen geld das eigentliche Zahlungsmittel, nicht ein bloßes Surrogat des voll wertigen Edelmetallgeldes. Dies ist der Grund, weshalb immer mehr Staaten daran gehen, die Inlandszirkulation durch Noten und metallisches Zeichengeld zu befriedigen, soweit nicht Girozahlungen verwendet werden, während man das Gold für internationale Zwecke ansammelt, um darüber in systematischer Weise verfügen zu können. In Deutschland war man bis vor kurzem der Ansicht, daß es sehr zweckmäßig sei, möglichst viel Gold zirkulieren zu lassen; Beamtengehälter wurden in Gold ausgezahlt usw. Heute dagegen ist auch dort die! Tendenz bemerkbar, die Note populär zu machen und das Gold als Kriegs- und Krisenschatz anzuhäufen. In der Bevölkerung Deutschlands ist das Goldgeld sehr beliebt. Man kann oft bei Postschaltern die Bemerkung des Publikums hören: Bitte Gold. In Österreich-Ungarn dagegen sind es nur wenige Gegenden, in denen Bedarf nach Goldmünzen besteht, insbesondere dort, wo die Frauen Goldmünzen als eine Art Schmuck zu tragen pflegen. Sonst werden bei Postschaltem im allgemeinen Goldstücke zurückgewiesen. Man hat in Österreich-Ungarn eine Zeitlang geglaubt, daß es vorteilhaft wäre, wenn viel Gold zirkulierte, und pumpte gewaltsam Gold in den Verkehr, es strömte bald wieder zurück. So wurden von 1901 bis 1910 seitens der Notenbank 2 Milliarden Landesgoldmünzen verausgabt, von denen 1.8 Milliarden wieder zurückströmten. Heute ist man darauf aus, das Gold möglichst zu konzentrieren. Diejenigen, welche für eine Sättigung der Zirkulation mit Gold eintraten, hatten die Vorstellung, daß so das Mißtrauen der Bevölkerung zurückgedrängt und im Kriegsfall die Nachfrage nach Gold geringer sein werde. Über die kriegs wirtschaftliche Bedeutung dieser und anderer Maßnahmen auf dem Gebiete des Geldwesens werden wir noch mehrfach zurückkommen.