102 eines 'Kriegsleistungsgesetzes für ihn zu arbeiten, für sich selbst arbeiten lassen. Wenn man dadurch die eigene Bevölkerung ­ entlastet und dies während eines Weltkrieges in großem Maßstabe tut, könnte eine Umgestaltung des Arbeits Verhältnisses überhaupt ­ die Folge sein. Die ganze Struktur des Kriegsleistungsgesetzes bringt es deutlich zum Ausdruck, ­ wie innig im Kriegsfall das Zusammenwirken von Militär- und Zivilverwaltung ­ sich gestalten wird. Die Erfahrungen aus dem Balkankriege lassen schließen, daß die scharfen Unterschiede während des Krieges selbst vielfach ganz verwischt werden dürften. Die Armee interessiert sich begreiflicherweise heute mehr als früher für Zivilangelegenheiten, aber gleichzeitig sehen wir auch eine Zunahme des Interesses für militärische Angelegenheiten bei der Zivilbevölkerung. Zwar sind auch deutliche antimilitärische ­ Strömungen vorhanden, aber es ist eine historisch mehrfach beobachtete Tatsache, daß Bewegung und Gegenbewegung, Religiosität und Atheismus usw. gewissermaßen einander ergänzen. Es ist z. B. bemerkenswert, daß das interessante ­ Buch „Die neue Armee“, worin das Milizsystem auf seine Anwendbarkeit in Frankreich untersucht wird, von Jaurès — einem Sozialisten — stammt. Er opponiert, aber seine Opposition legt Zeugnis davon ab, daß der Verfasser sich eingehend mit militärischen Fragen beschäftigt hat. Heute nimmt jedenfalls unter den Politikern aller Parteien die Überzeugung zu, daß man der Beschäftigung ­ mit militärischen Problemen nicht aus dem Wege gehen kann. Kurzum, die Notwendigkeit, im Kriegsfälle die gesamte Bevölkerung Zusammenwirken zu lassen, dürfte dazu führen, daß die Militär- und Zivilbevölkerung sich ein immer größeres Gebiet politischer und militärischer ­ Einsicht schafft, das Gemeingut aller wird. Wir sahen, daß die auch im Kriegsleistungsgesetz zum Ausdruck kommenden ­ Tendenzen unserer Zeit dahin zielen, das öffentlich-rechtliche ­ Verhältnis in ernsten Zeiten immer häufiger an die Stelle des privatrechtlichen treten zu lassen. Diese Betonung des öffentlichen Interesses drängt aber von vornherein die Wertschätzung der Geldwirtschaft zurück, da diese im wesentlichen ein Produkt unorganisierter, individualistischer Klassen und Zeitalter ­ ist. Die patriarchalischen Zustände, die Bedeutung der öffentlichen Gewalten für Prcjduktion und Konsumtion, wie sie in früheren Perioden schon vorkamen, ist der Gegenwart vertrauter als den eben verflossenen Epochen. Die Gegenwart beginnt wieder die Zeit vor hundert Jahren zu verstehen ; Vater und Sohn sind eben häufig einander fremder als Großvater und Enkel. Die Bemühungen, den Staat als ein Ganzes aufzufassen, sind vor hundert Jahren ähnlich lebendig gewesen, wie heute. Damals hat ein hervorragender ­ Denker, Adam Müller, zu zeigen gesucht, daß innerhalb der Geldordnung ­ die sozialere Zeichengeldorganisation, welche die unsozialere Einrichtung ­ des vollwertigen Metallgeldes zurückzudrängen bestimmt war, ein Produkt großer Kriege war. „Wir erinnern uns aus der Geschichte eines Zustandes von Europa, wo nur der bei weitem kleinere Teil alles Verkehres der Menschen untereinander mit barem Gelde betrieben wurde. Ich möchte sagen : in allen Verhältnissen des Lebens, wo die Menschen einander unmittelbar ­ berühren und erreichen konnten, da waren sie einander ohne Dazwischenkunft des entfremdenden Metallgeldes gewiß ; nur für Relationen mit ganz fremden Gegenden und Menschen waren die spärlich vorhandenen Metalle notwendig. Man erlaube mir zuförderst diesen Zustand der Dinge natürlicher zu finden, als den späteren. Die nächsten Verhältnisse des Lebens wurden behandelt wie die entferntesten, weil die entferntesten durch die Beweglichkeit und Allgemeingültigkeit der Metalle zu nahe gerückt wurden. Die notwendige Folge war einerseits ein flaches weltbürgerliches Interesse an der Menschheit im ganzen, d. h. inwiefern diese empfänglich war für den Reiz der edlen Metalle, und andererseits eine völlige Entfremdung von den näheren, gründlicheren, ­ vaterländischen Angelegenheiten.“ Und Müller weist darauf hin, daß der Übergang von der metallistischen Geldordnung zum Papiergeld Kriege nötig hatte: „Die Rückkehr der Menschen von dem Zustande metallischer