132 Jedenfalls sehen wir aber, daß eingehende Forschungen erforderlich sind, um jene Form der Kriegsentschädigung ausfindig zu machen, die dem Sieger den größten Vorteil bringt. Tribute, die früher allgemein verbreitet waren, widersprechendem heute so stark entwickelten Sou veränitätsgefühl. Es fragt sich aber, ob es nicht Sieger geben kann, die dies Gefühl nicht weiter schonen. Schlußbemerkungen. Ich hoffe, daß es mir gelungen ist, zu zeigen, welcher Reichtum von Problemen sich eröffnet, wenn man daran geht, die Kriegswirtschaftslehre als Ganzes ins Auge zu fassen. Mit einer Stellungnahme zum Problem des Krieges und Friedens hat die Kriegswirtschaftslehre zu nächst nichts zu tun. Das möchte ich am Schluß nochmals mit allem Nachdruck wiederholen. Sie untersucht Zusammenhänge, sie sucht aber nicht, Stimmung zu machen. Nach Feststellung der Tat bestände bleibt dem Kriegsfreund die Möglichkeit, zu sagen: Aus diesen Aus führungen entnehme ich, daß es auf Grund meiner Anschauungen am besteu ist, von Zeit zu Zeit einen Krieg zu führen oder mindestens immer zum Kriege zu rüsten, während der Friedensfreund sagen kann: Aus den Ergebnissen der Kriegswirtschaftslehre ergibt sich mir die Notwendigkeit, das Kriegführen be sonders heftig zu bekämpfen. Ich habe aber vor allem auch zu zeigen gesucht, daß es sich um überaus verwickelte Zusammenhänge handelt und es ein Wagnis ist, sich ohne eingehende Untersuchungen und sehr reifliche Überlegungen für irgendeinen Standpunkt zu entscheiden. Bei jedem einzelnen Problem konnte ich meist auf wesentliche und kaum zu lösende Schwierigkeiten hinweisen. Frei lich, die Wirklichkeit wartet nicht darauf, daß man alle Probleme löst, ehe man handelt, und immer wieder ist der Mensch gezwungen, energisch und ohne zu zögern, auf Gebieten vorzugehen, die er keineswegs übersieht. Aber wenn er schon ohne ausreichende Einsicht handeln muß, dann soll er dies wenigstens wissen. Dann wird die Neigung Zurückbleiben, unaufhörlich an der Erringung von Einsicht zu arbeiten. Daran können alle Parteien in gleicher Weise mit- wirken. Ich kann am Schluß nur nochmals wiederholen, daß die Kriegswirtschafts lehre vor allem einer ununterbrochenen Pflege benötigt. Alle Kultur beruht auf Erfahrungen und deren den Verhältnissen entsprechende Verwertung. Die Kriegs wirtschaftslehre wird immer bedeutsamer, weil die Kriegslasten immer stärker anwachsen, weshalb man ihre Einwirkung auf den Volkskörper systematisch studieren muß, soll nicht einmal ein Zu sammenbruch stattfinden, den man nicht vorausgesehen hat. Alle diese Probleme haben dazu geführt, daß ich die Gesamtorganisation in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt habe. Insbesondere auch die Orga nisation der internationalen Welt. Nur wenn man ganze Staatenverbände berück sichtigt, kann man die Wirkungen eines Weltkrieges einigermaßen richtig pro phezeien lernen. Aber auch das kann nicht die Arbeit einzelner ¡sein. Nur emsige Zusammenarbeit wird Erfolge in dieser Richtung bringen. Insbesondere dürfte das Zusammenwirken von Armee- und Zivilverwaltung in der nächsten Zeit eine größere Rolle spielen als bisher. Armee und Zivilverwaltung haben ihr eigenes Leben. Das hat einen bestimmten sozialen Zweck, aber diese Selbständigkeit kann auch zu Reibungen führen und zu unnützer Kraftverschwendung. Derartige Konflikte kommen aber nicht nur zwischen Armee und Zivil vor. Auch innerhalb der Armeeverwaltung und innerhalb der Zivilverwaltung gibt es Rivalitäten, die zuweilen lähmend wirken. Diese lähmenden Wirkungen sind umso stärker, je fremder man einander gegenübersteht, je seltener gemeinsam gearbeitet wird. Wird die Kriegsorganisation zu etwas, das alle Teile der Armee und Zivilver waltung angeht, an der also gemeinsame Kommissionen dauernd mitwirk en, dann nimmt auch das gegenseitige Verstehen zu, und es wird allen klar, daß