143 Wägungen die Bildung von Verhältniszahlen versuchen kann, sei die Regen statistik der Vereinigten Staaten von Amerika erwähnt. Die amerikanische Statistik geht u. a. darauf aus, festzustellen, welche Bedeutung der Regenfall für die Bevölkerung hat. Die einzelnen Messungen der Regenmenge werden zu diesem Zwecke mit der Bewohnerzahl der Fläche kombiniert, auf die sich der Regen fall erstreckt. Ein Sinken der durchschnittlichen Regenmenge in diesem Sinne muß z. B. keine Veränderung des Klimas bedeuten, sondern kann aut eine Veränderung der Siedelung hinweisen Es ist anzunehmen, daß die weitere Entwicklung der Wohlhabenheitsstatistik auch derartigen Fragen ver mehrte Aufmerksamkeit schenken wird. Außer der Verbrauchsstatistik benötigen wir auch eine Nutzungs statistik, welche feststellen müßte, wieviele Kleider, Tische, Bücher usw. benutzt werden. Eine Feststellung des jährlichen Zuwachses genügt keines wegs, nicht einmal zur Erfassung der Abnutzung, wenn wir uns in Zeiten größerer Veränderungen bewegen.i^) Auch Bibliotheksbesuch, Zeitungslektüre, Besuch der Theater usw. läßt sich erfassen und verwerten. Zur Nutzungsstatistik gehört auch die Behausungsstatistik. Ihre heute schon weit gediehene Entwicklung hängt vor allem damit zusammen, daß Wohnungen als Mietobjekte Gegenstände des freien Verkehrs und der Be steuerung sind, und daß Wohnungsverhältnisse mehrfach zu sozialpolitischen Zwecken untersucht wurden. Die Bedingungen der Unlust erfassen wir insbesondere durch Arbeits zeitstatistiken, Unfallstatistiken, sowie durch Zusammenstellungen über Mor bidität und Mortalität. Wir sehen, wie sich heute auf demokratischer Basis mehr im Rahmen kriegswirtschaftlicher Diktaturen eine Geistesrichtung entfaltet, welche mit jener des aufgeklärten Absolutismus in mehr als einer Richtung verwandt ist. Der aufgeklärte Absolutismus kannte in der Erforschung der Lebensverhältnisse seiner Untertanen keine Schranken, war er doch bereit, überall beglückend einzugreifen.i^) Diese Ideen der Volksbeglückung brachten die Beamtenschaft des Absolutismus, welche das Staatsganze im Auge hatte, in Konflikt mit dem Adel und den Ständen, die sich der zentralistischen Wohlfahrtspolitik ebenso wie der dazu gehörigen Statistik widersetzten. Das Ideal derselben sah ein F. Zizek, Die statistischen Mittelwerte, 1908, S. 196. 12) Nur für stabile Zeiten kann man Robert Meyers Bemerkung gelten lassen (Das Wesen des Einkommens. Berlin 1887, S. 161): „Der Fall periodischer Herbeischaffung von Teilquantitäten dauerbarer Güter entspricht aber in weitem Umfang den tatsächlichen Verhältnissen der Volkswirtschaft, indem der volkswirtschaftliche Bedarf an Kleidungsstücken, Möbeln, Instru menten, Büchern usw. sich zu einem ziemlich kontinuierlichen gestaltet. Vom Standpunkt der Volkswirtschaft führt also jenes Verfahren, die in jeder Ein kommensperiode fertig werdenden Gebrauchsgüter dem Einkommen zuzuzählen, wenn anders die Bedingungen regelmäßiger Produktion vorhanden sind, zu einem Ausdruck für das Einkommen, welcher auch für das Maß der Bedarfs befriedigung in dieser Periode einen Ausdruck gewährt, der für die prak tischen Bedürfnisse in den allermeisten Fällen ausreichen wird.“ 13) Vergl. z. B. Shad well, England, Deutschland und Amerika. Berlin 1908, der überhaupt in trefflicher Weise zeigt, wie man Statistik und Be schreibung miteinander verbinden kann, um eine Grundlage für vergleichende Betrachtungen, soweit solche möglich sind, zu gewinnen. Darüber, wie man Anschaffungen von Schuhen, Kleidern usw. zu beurteilen hat, wie man über haupt derartige Daten erfassen kann, bringt wertvolle Bemerkungen R. E. May vor : Kosten der Lebenshaltung und Entwicklung der Einkommensverhältnisse in Hamburg seit 1890 (Schriften d. Ver. f. Sozialpol. Bd. 145, IV. Teil, S. 266 f., 367 f. und sonst). 11) Vergl. Karl Pribram, Die amtliche Statistik Österreichs am Scheide wege, S. 2 und Die Statistik als Wissenschaft in Österreich im 19. Jahrhundert nebst einem Abrisse seiner allgemeinen Geschichte der Statistik (Stat. Monats- schr. 1913).