185 Man drückt dies vielfach so aus, daß man von einer „Verschlechterung der Valuta“ spricht. Diese Formulierung ist aber ungenau und läßt das Charak teristische nicht deutlich genug hervortreten. Ein einfaches Beispiel möge dies beleuchten, ln einem Staate hätte jeder ein Geldeinkommen von 100 Kronen, für das er sich 10 Stück der einzig vorhandenen Warengattung zum Preise von je 10 Kronen kaufen möge. Wenn die Menge der Geldzeichen verdoppelt wird, könnte es wohl Vorkommen, daß die Preise auf das Doppelte steigen und die Naturaleinkommen unverändert bleiben. Man würde dann wohl sagen, die Kaufkraft des Geldes und damit der Geldeinkommen sei auf die Hälfte gesunken. Denken wir uns aber nun den Fall, die Ware werde rationiert, jedem werde eine Ration von 10 Stück zugebilligt und gleichzeitig der Höchstpreis mit 5 Kronen festgesetzt. Jeder kann sich nun für 50 Kronen von seinen 100 Kronen Geldeinkommen 10 Stück der Ware wie bisher kaufen, der Rest von 50 Kronen würde in diesem er dachten Fall unverwendbar bleiben — ein Fall, den die Verkehrswirtschaft der freien Konkurrenz nicht kennen kann. 1st dies nun eine „Valutaver schlechterung“ im alten Sinne? Doch wohl nicht. Die Kaufkraft des halben Einkommens ist auf das Doppelte gestiegen und die Kaufkraft der anderen Einkommenshälfte auf den unendlichsten Teil gesunken. Daß aber dasselbe Geld innerhalb derselben Wirtschaft mehrere Kaufkräfte haben kann, ist in der bisherigen Theorie nicht vorgesehen. Wir dürfen das so ausdrücken können : Die Kaufbreite eines Teiles des Geldeinkommens wurde auf Null heruntergesetzt, während die Kaufbreite eines anderen Teiles bei verdoppelter Kaufstärke unverändert blieb. Ähnliches geht nun heutzutage vor sich, nur daß dies nicht so deutlich sichtbar wird, weil die Kaufbreiteneinschränkungen in jenen Teilen der Geld einkommen, welche frei bleiben, in der Form von Kaufkraftverringerungen sichtbar werden. Wir müssen uns eben daran gewöhnen, daß innerhalb des selben Geldeinkommens die Geldstücke verschiedene Kaufbreite und auch ver schiedene Kaufstärke haben können. So kann es Vorkommen, daß Marmelade auf Karten gekauft billiger ist, als ohne Karten gekaufte Marmelade. Daß das selbe Geldstück verschiedene Kaufkraft haben kann, je nach dem Einkommen, innerhalb dessen es sich befindet, mag auch erwähnt werden. So zahlt etwa der Wohlhabende bei einer Preisstaffelung nach dem Einkommen für dieselbe Ware mehr als der Arme. Manchmal kann diese verschiedene Kaufstärke im Hinblick auf einen Gegenstand mit einer verschiedenen Kaufbreite Hand in Hand gehen, wenn z. B. Schwerarbeiter nicht nur billiger, sondern auch reich licher Fleisch zubemessen erhalten. Wir sehen, wie die Lehre von den Anweisungen auf Dinge aller Art — die Geldlehre — mit der Lehre von den Anweisungen auf bestimmte Dinge eng verbunden werden muß, um die Erscheinungen der Gegenwart voll würdigen zu können. Allmählich wird man ja so weit kommen, die Mystik des Geldes aufzugeben und das Geld wie Brot- und Fleischmarken als ein schlichtes Werkzeug anzusehen. Vielleicht wird man seine Wirksamkeit dann auch besser verstehen als bisher. Es wäre denkbar, daß man die Wirksamkeit der Geld ordnung erst dann voll kennen wird, bis sie in der überlieferten Form gar nicht mehr besteht. Die Geldtheorie würde so zu einem Treppenwitz der Wirt schaftslehre. Wir sehen schon aus dem Bisherigen, daß man von dem überlieferten Begriff „Kaufkraft des Geldes“ nicht so ohne weiteres Gebrauch machen kann. Es kann eine wesentliche Erhöhung der Kaufstärke im Hinblick auf gewisse rationierte Artikel eintreten und im Hinblick auf andere Artikel eine Erniedrigung, ja ein Versagen der Kauffähigkeit überhaupt, was nach außen bin nach Ansicht vieler einen peinlichen Eindruck macht und den Gedanken an einen Zusammenbruch der Währung nahelegt. Es ist klar, daß eine Er höhung der Beamtengehälter ohne Veränderung der Rationierungsbestimmungen leicht zu einer starken Preissteigerung der frei erhältlichen Waren führt, so daß der Zweck der Geldeinkommenserhöhung vereitelt wird. Es fragt sich aber, ob man nur die beiden Möglichkeiten hat, entweder die Geldein kommen niedrig zu lassen und damit auch die Realeinkommen, oder die