218 Taylorsystems innerhalb einer Fabrik unmittelbar die Verkürzung der Arbeits zeit zur Folge hat. Wir müssen diese Dinge morgen in Angriff nehmen, sollen wir den Untergang unseres Wirtschaftslebens aufhalten und jene Lähmungen beseitigen können, welche der teilweisen Sozialisierung, den unbestimmten Erwartungen anhaften. Ein Wirtschaftsplan, welcher die Durchführung aller technischen Neuerungen gestattet, kann uns noch retten, er kann aber heute nur, wenn die Entscheidung darüber in den Händen Aller liegt, verwirklicht werden. Man wird hohe Prämien denen versprechen müssen, welche diese Organisation rasch und klaglos durchzuführen vermögen, ihnen Ehre und Ruhm sichern, wie sie ehedem den großen Feldherren winkten. Wie die große französische Revolution ihre Armeeführer aus der Erde stampfte, so muß die große deutsche Revolution ihre Wirt schaftsgenerale aus der Erde stampfen und sie nehmen, wo sie sie findet. Jeder Mann an der Drehbank muß den Marschallstab unter seinem Werkzeug haben. Mit Kleinmütigkeit und Vorsicht wird nichts Großes geschaffen ; Klarheit und Einfachheit allein, gepaart mit dem Willen, das Erstrebte zu verwirklichen, sichern den Erfolg. Der neue Geist der Sozialisierung muß alles durchdringen ; jede Einzel maßnahme muß unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden. Aller G e - winnbeteiligung des Staates an großen Unternehmungen kann daher keine entscheidende Bedeutung beigemessen werden, da sie noch auf dem über lieferten Reingewinnwesen der Geldordnung beruht. Das gleiche gilt von der gesamten Steuerpolitik, welche nur als Übergangsmaßnahme in Frage kommt. Eine vollständig sozialisierte Wirtschaft kennt keine Steuern, da ja alle Lebenslagen, alle Einkommen unmittelbar von der Gesamtheit be stimmt werden, die Steuer aber selbständige Einkommen voraussetzt ! Wenn wir alles unter dem Gesichtspunkt auffassen, daß die Volkswirt schaft ein Riesenbetrieb ist, welcher vor allem auf Prämien für Leistungen aufgebaut ist, dann müssen wir arbeitslose Renten aller Art auf ein Mindest maß einschränken, sie im allgemeinen nur Greisen, Kranken und Jugendlichen zubilligen. Die Frage der Ablösung des alten Unternehmertums müßte eben falls unter diesem Gesichtswinkel betrachtet werden. Es ist von größter Wichtigkeit für den Fortbestand der Lebensordnung, daß wohlerworbene Rechte gewahrt werden, ihre Form wird aber durch die jeweilige Gesellschaftsord nung bestimmt. Es liegt nun nicht im Interesse der Gesamtheit, die Unter nehmer durch arbeitslose Renten zu entschädigen. Es wäre zweckmäßiger, ihnen als Entschädigung erhöhte Arbeitseinkommen zu bewilligen, falls sie innerhalb der neuen Ordnung weiter verwendet werden. Die Höhe der Ent schädigung hätte die durchschnittliche Lebenslage, die „Konsumquote‘^ des Unternehmereinkommens zu berücksichtigen, nicht aber jenen Einkommensteil, welcher der „Kapitalisierung“ zu dienen pflegte. Überhaupt ist die plötzliche Ausschaltung einer Gruppe von Menschen, unter denen sich sehr fähige Köpfe befinden, ungemein bedenklich. Wenn man überhaupt einmal der Rentenfrage gelegentlich der Sozialisierung zu Leibe gehen sollte, wäre es auch denkbar, die Frage der Anleihen unter diesem Gesichtspunkt zu erörtern und die Möglichkeit ins Auge zu fassen, sie durch erhöhte Arbeitseinkommen abzu lösen, um ihnen die lähmende Wirkung zu nehmen, welche sie innerhalb der Volkswirtschaft allzuleicht ausüben. Die bisherigen Ausführungen haben an einigen Beispielen zu zeigen versucht, welche Fülle von Verknüpfungen, welche Mannigfaltigkeit von Mög lichkeiten die Sozialisierung in sich beschließt. Da die Sozialisierung, wenn überhaupt, sofort ins Werk gesetzt werden müßte, um die Unsicherheit und Halbheit zu beseitigen, die heute alles lähmt und unsere Wirtschaft ernst lich bedroht, um jene immer mehr um sich greifende Unruhe zu beheben, welche in breiten Kreisern auftritt, weil die wirtschaftlichen Früchte der Revolution auf sich warten lassen, bedarf es auch besonderer Vor kehrungen, welche die Umgestaltung der Geldordnung für die Übergangszeit einleiten. Wenn man auch nicht die Geldordnung sozialisieren kann, so vermag