15* 227 schäften usw., wobei einheitliches Vorgeihen iinterblieb. Vieles blieb unbe rücksichtigt, vieles blieb absichtlich geheim. Um die 'Grundlagen für einen Wirtschaftsplan zu schaffen, müßte das erwähnte Zentralwirtschaftsamt eine Art Universalstatistik entwerfen, innerhalb deren jede Statistik ihren besonderen Platz erhält. Wenn einmal ein solcher Plan in Angriff genommen ist, dann wird auch zwischen den einzelnen Statistiken jene Übereinstimmung in Fragestellung und Gruppierung erzielt werden, welche bisher gefehlt hat. Jede einzelne Statistik würde erst durch das Ganze, welchem sie dient. Form, Sinn und Bedeutung erlangen. Hiezu bedarf es des innigsten Zusammenwirkens von Technikern, Ärzten und Volks Wirtschaftern. Nur so kann erreicht werden, daß man die Menschen, Stoffe und Kräfte in ihrer Bedeutung erfaßt und in ihren durch den Wirtschaftsmechanismus bedingten Bewegungen verfolgt. Tedi- niker und Ärzte müßten es als ihr unbedingtes Recht fordern, im Rahmen einer solchen Zentrale wirken zu können. Freilich, die Durchführung einer solchen Maßnahme hängt nicht bloß davon ab, daß man ihre Vernünftigkeit einsieht Der Wille bedarf eines gewissen inneren Antriebes. All diese Neugestaltungen werden nur dann wirklich erfolgreich durchgeführt, wenn der Mensch be rechtigter- oder un berechtigerweise das Vertrauen hat, er könne das Dasein be herrschen, und darin auch ein Ideal erblickt. Nur eine Menschheit, welche nicht übermäßig an der Überlieferung hängt, kann sich zum Herrn der Lebens ordnung machen, die man bisher als eine Art Schicksal hingenommen hat. Gewiß, es ist ein Wagnis, sich dem Rationalismus hinzugeben. Aber was ist kein Wagnis? War etwa der Weltkrieg kein Wagnis? Hat man ihn auch so vorsichtig ins Werk gesetzt, wie heute viele die Neugestaltung unserer Lebensordnung ins Werk gesetzt sehen wollen? Es wäre vermessen, die Bedeutung der Überlieferung für unser Dasein gering einzuschätzen oder jeden zu mißachten, der an Überliefertem hängt. Es ist aber auch notwendig, daß man die Tradition von heute als den Rationalismus von gestern erkennen lernt. Als in den Kirchen die ersten elektrischen Lichter auf flammten, da trauerten viele um die traditionelle Kerze, und dennoch war die Kerze eine Überwindung des Kienspans gewesen. Auch unser Rationalismus wird einmal Tradition werden, wenn vielleicht auch eine weniger feste als jene, die wir übernommen haben. Oft geht die Weltgeschichte sonderbare Wege, läßt nach rationalistischen Zeitaltern solche festgefügter Tradition folgen, oder sie pflegt den Rationalismus auf einem Gebiet und läßt ihn auf anderem ver kommen. Unser Zeitalter drängt jedenfalls dazu, das Leben bewußt zu gestalten. Wir werden zum Rationalismus und Utilitarismus gezwungen. Wer werden die Führer sein? SichJerlich nicht die, welche dies alles schmerzlich als Schicksal hinnehmen, sondern jene, welche im Überlieferten ein Gefängnis sehen, aus dem man die Menschen befreien müsse, um sie an die Sonne des Glücks zu führen, jene, welche sich nicht sdiämen, im Glück, in der Seligkeit des Daseins ein herrliches Ziel der Menschheit zu erblicken! Gegen den Zeus der Überlieferung, den Beherrscher des ewig Gestrigen bäumt sich der alles bewußt umgestaltende Zeitgeist prometheisch auf: Wer half mir Wider der Titanen Übermut? Wer rettete vom Tode mich? Von Sklaverei? Ich Dich ehren, wofür? Hast Du die Schmerzen gelindert Je des Beladenen? Hier sitz ich, forme Völker Nach meinem Bilde, Ein Geschlecht, das mir gleich sei. Zu genießen und zu freuen sich Und Dein nicht zu achten , : Wie ich!