49 4 weniger als 200 Zähne ziehen lassen wollen. Bei jedem neue Listen führenden Buchhalter konnten Vater und Mutter, Großeltern und sonstige Angehörige je einmal zur letzten Ruhe bestattet werden. Hier mag auch der Standpunkt eines Holzarbeiters, der be sonders interessant, Erwähnung finden. „Mir macht die Arbeit Vergnügen und läßt die Zeit im Flug enteilen, wenn ich bei einem Werkstücke nicht nach Schema F zu arbeiten brauche, sondern meine eigenen Ideen und Geschmack zum Ausdruck bringen kann. Man schafft dann damit einen gewissen liebevollen Eifer und betrachtet das fertige Stück mit einer gewissen Pietät, so ähnlich wie der Herrgott den ersten aus Lehm geformten Menschen. Ständig das gleiche Stück herzustellen, wirkt geistes- tötend. Dasselbe trifft bei ständiger Tätigkeit an der Holzbear beitungsmaschine zu, nur daß man dann leicht geneigt ist, mit der Maschine zu spielen, in dem Sinne, daß man sie seine Übermacht als Mensch, ich möchte sagen: will fühlen lassen, indem man das heulende, surrende, stöhnende Ding bis zur äußersten Kraftleistung quält und sich freut, wenn sie, der füh renden Hand gehorchend, das wildeste Stück Holz verschlingt und formt.“ Im allgemeinen aber entwickelt die psychologische Tatsache der Lebenshemmung durch die Gebundenheit an die Maschine ein Maximum an Unlustempfindung, indem der Geist sich gegen die Maschine empört, welche ihn ausschaltet, gegen die Maschine im weitesten Sinn einer organisierten, seelenlosen, das Individuelle zermalmenden Masse. In den meisten vorliegen den Antworten liegt direkt eine Spannung. Man sieht ordentlich Menschen sehnenden Herzens, mit glühenden Augen die Feiertagsstunde erwarten. — — — „So stürme ich, wenn der Glockenschlag ertönt, wie ein Besessener zum Fabriktor hinaus — —“ schreibt u. a. ein Metallarbeiter, der nur Massenartikel herstellt. Ein Eisendreher: „Arbeitsschluß. Wie es sich dehnt, streckt und hebt in mir. Laut hinaus könnte ich Freudenschreie senden.“ Ein anderer: „Ich muß mich zwingen, Interesse ian meiner Arbeit zu finden und kann es doch nicht. Ein Fisch kann nicht in der Luft leben, weil er durch Kiemen atmet. Und meine Seele kann bei einer Arbeitsmethode nicht leben, wo sich nichts zum Denken bietet. Ich wehre mich mächtig gegen diese Vergewaltigung, und weil mein sittlicher Mensch noch Kraft