79 da wird man ganz verrückt. Es klappert und wackelt den ganzen Tag. Die Staubentwicklung ist groß, weil vom Material alles Schlechte sich absondert. Die Luft ist gewöhnlich so schlecht, daß, wenn man den Saal betritt, förmlich zurückgestoßen wird.“ Der drückende Zwang atmosphärisch bedingter Sensibilität zieht sich durch einen großen Teil der Erhebungsformulare der Bergarbeiter. Zu den physischen Ermüdungserscheinungen tritt bei diesem Arbeitertyp sehr oft noch eine ganz ausgeprägte see lische Verstimmung. „Wir Bergleute“, schreibt ein Hauer, „be schäftigen uns viel mit der Sterbetafel in der Bergarbeiter^ zeitung. Bei mindestens 700/0 der Dahingeschiedenen lautet der Vermerk immer: Lungenschwindsucht. Wenn ich diese Tafel durchlese, krampft sich mir jedesmal das Herz zusammen, und ich fühle schon den mordenden Bazillenbiß in meiner Brust.“ Klagen über schwache Augen waren ganz besonders zu kon statieren. Durch das Flimmern der Benzinlampe, durch das ewige Flackern des kleinen Lichtes vor den Augen wird der Augennerv überanstrengt. Dadurch entsteht, erst unmerklich, dann immer stärker auftretend, ein Zittern der Pupille. Der damit Behaftete ist unsicher im Griff, faßt oft fußbreit daneben. Jedoch nur in der Grube tritt diese Kalamität in die Erscheinung, über Tage nicht. Charakteristisch ist die Klage der Bergarbeiter über die Nachtschicht. Ein Kohlenhauer schreibt darüber: „Die erbärm lichste Schicht, die der Bergarbeiter kennt, ist die Nachtschicht. Derjenige Arbeiter, der in den verkehrsreichen Straßen wohnt, wo das Wagengerassel, die Automobile, die Gemüsehändler, die Kinder hin und her schreien, der soll abends auch noch seine Leistung machen. Es ist einfach nicht möglich. Und doch muß er sie machen, sonst ist er ein faules Luder und wird auf die Straße geworfen.“ „Sie fragen an, ob Unterschiede in Quantum, Qualität der Leistung an den verschiedenen Perioden des Tages sich bemerkbar machen. — Ja. Wenn ich Morgenschicht habe und meine richtige Nachtruhe gehabt habe, so werde ich immer in der Lage sein, besser arbeiten zu können. Anders verhält es sich mit der Mittagsschicht. Man hat vormittags frei, und diese freie Zeit benutzen die meisten Bergleute zu häuslichen Arbeiten. Dann kommt er ermattet zur Arbeit.“ Es darf mit einigem Recht behauptet werden, daß bei den Bergarbeitern pathologische Alterationen des Seelenlebens die