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        <title>Die Arbeiterfrage</title>
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            <forname>Adolf</forname>
            <surname>Levenstein</surname>
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        </author>
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            <idno>891224181</idno>
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        —
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        Mit  befonderer  Berückfichtigung  der  fozialpsychologil&amp;amp;en
Seite  des  modernen  Großbetriebes  und  der  pfycho*»
phyßichen  Einwirkungen  auf  die  Arbeiter

ADOLF  LEVEnsTEIN
l  '  •
i.  •"•••''  -v:’  --{V;  iV.  .x.-r  •  •-ii.;.  ‘  v  '  ;.T  VT"  •  ~V  ,-X'

VERLAG  ERNST  REINHARDT  MÜNCHEN
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        1

l

Vorwort.

Was  hier  geschrieben  steht
ist  erlebt.
(Houston  Stuart  Chamberlain.
Grundlagen  des  19.  Jahrhunderts.)
Die  Anregung  zu  vorliegender  Untersuchung  resultiert  aus
sog.  Arbeiterabenden,  die  ich  seit  acht  Jahren  regelmäßig  Mittwochs ­
  in  meiner  Wohnung  veranstalte.  Dabei  fiel  mir  immer  das
eine  auf:  diejenige  Kategorie  meiner  Gäste,  deren  Beschäftigung
eine  abwechselnde  war,  trug  immer  ein  gewisses  Selbstbewußtsein ­
  zur  Schau,  ganz  im  Gegensatz  zu  derjenigen,  die  ihren  Beruf ­
  automatisch  verrichtete.  Es  wirkte  öfters  geradezu  trostlos,
diese  Menschen  zu  beobachten;  schien  es  doch,  als  ob  ein  ungeheurer ­
  seelischer  Druck  auf  ihnen  lastete.  Auch  ihre  Beteiligung ­
  an  der  Diskussion  mißglückte  fast  durchweg.  Eine  ganze
Reihe  dieser  automatisch  beschäftigten  Arbeiter  kamen  wohl,
wenn  auch  unregelmäßig,  zu  diesen  von  mir  arrangierten'
Abenden,  doch  war  es  eine  Unmöglichkeit,  in  größerem  Kreise
ihr  Denken,  Hoffen  und  Wünschen  zu  analysieren.  Aus  dieser
Ohnmacht  heraus  entstand  der  Wunsch,  den  ursächlichen  Zusammenhang ­
  zwischen  Technik  und  Seelenleben  und  daraus  resultierenden ­
  Wirkungen  weitmöglichst  zu  erfassen.
So  sehr  auch  bisher  die  Form  der  Arbeitssysteme,  des
Arbeitslohnes,  des  Arbeitsvertrages  usw.,  die  rechtliche  und  ökonomische ­
  Seite  der  Arbeit  untersucht  sind,  so  fehlt  es  doch
ganz  an  einer  Massenuntersuchung,  die  das  psychologische  und
physiologische  Moment  gebührend  berücksichtigt.
Gewiß,  die  Schwierigkeiten  dieser  Materie  sind  groß,  da
öfters  lediglich  subjektives  Empfinden  die  einzige  Basis  bilden
mußte  —  Vermutungen,  die  sich  in  nebelhafter  Ferne  verlieren. ­
  Womit  nicht  gesagt  werden  soll,  daß  solche  in  der  Wissenschaft ­
  keinen  Erkenntniswert  hätten.  Sie  haben  ihn,  und  seit
        <pb n="4" />
        langem  ist  der  Ausdruck  „heuristischer  Wert“  für  ihren  besonders
gearteten  Erkenntniswert  gebräuchlich.
Aus  äußeren  Gründen  war  es  nicht  möglich,  alle  die  feinen
Fäden,  die  sich  aus  vorliegender  Untersuchung  ergaben,  zu  einem
Gesamtbild  zu  vereinigen,  doch  ist  ein  umfangreiches  Werk
„Technik  und  Seelenleben“,  Beiträge  zu  einer  Psychopathologie,
in  Vorbereitung.
Berlin,  im  Oktober  ign.
Adolf  Levenstein.
        <pb n="5" />
        r

3

Es  ist  gleichgültig,  wie  man  es  sich  denkt,
nur  den  Kommunismus  zwischen  Psychischem
und  Physischem  soll  man  anerkennen.  (Feuerbach.)

A.  Erhebungs-Methode.
Die  folgenden  Darstellungen  weichen  von  der  üblichen  Art
retrospektiver  Untersuchungen  ab.  Der  Versuch  wurde  unternommen, ­
  die  Stellung  des  Arbeiters  im  Produktionsprozeß  zu
erfassen,  in  die  Psychologia  des  modernen  Großbetriebes  nebst
daraus  resultierenden  Wirkungen  auf  die  Arbeiter  weitmöglichst
einzudringen.  Ferner  galt  es,  den  geistigen  und  physischen  Mechanismus ­
  des  Klassentypus  zu  studieren  ,  um  sein  Handeln ­
  zu  erklären,  nicht  außer  acht  zu  lassen,  was  alles  sich
zwischen  dem  System  der  Wünsche,  Ansprüche  und  Hoffnungen
und  der  Mission  des  Proletariats  einschaltet.  Die  Untersuchung
strebt  tastenden  Schrittes  dem  Ziel  zu,  möglichst  ein  Fundament
für  die  Beantwortung  der  Fragen  zu  schaffen:
a)  Was  für  Menschen  prägt  die  moderne  Großindustrie ­
  unter  dem  Drucke  privatwirtschaftlicher ­
  Ökonomie*?
b)  Welche  Kräfte  bilden  das  Gegengewicht
einer  etwaigen  psychischen  und  physischen ­
  Entartung?
Dabei  konnte  nicht  an  der  Peripherie  des  Individuums  Halt
gemacht  werden.  Das  Individuum  mit  seinen  komplizierten  Gefühlsnuancen ­
  wurde  zum  Ausgangspunkt  der  Untersuchungen
gemacht.  Zentrale  Richtlinien  bei  der  Menge  der  Grenzgebiete
festzulegen,  schien  dagegen  nicht  angängig.
Erhebungs-F  ormular.
i.  Name.  2.  Alter.  3.  Beruf.  4.  Verheiratet?  5.  Wieviel  Kinder
haben  Sie?  6.  Durchschnittlicher  Wochen  verdienst.  7.  Wieviel
.
*  Max  Weber.  Erhebungen  über  Auslese  und  Anpassung  der  Arböiterschaft.
  der  geschlossenen  Großindustrie.  Als  Manuskript  gedruckt  1908.
        <pb n="6" />
        Stunden  arbeiten  Sie  täglich?  8.  Arbeiten  Sie  im  Akkord,  Gruppenakkord ­
  oder  Stundenlohn?  9.  Was  ist  Ihnen  lieber,  Akkord  oder
Stundenlohn  und  warum?  10.  Wieviel  Stunden  würden  Sie  gern
arbeiten?  11.  Was  würden  Sie  tun,  wenn  Sie  täglich  genügend
Zeit  für  sich  hätten?  12.  Arbeiten  Sie  an  Maschinen  und  was
für  Maschinen  sind  dies?  13.  Macht  Ihnen  Ihre  Arbeit  Vergnügen,
oder  haben  Sie  kein  Interesse  an  derselben?  14.  Was  würden  Sie
sich  für  Dinge  anschaffen,  wenn  Sie  das  nötige  Geld  hätten  ?
15.  Welche  Art  Arbeit  möchten  Sie  am  liebsten  verrichten?  16.  Arbeiten ­
  Sie  immer  dasselbe  oder  an  verschiedenartigen  Dingen?
17.  Verspüren  Sie  irgendwelche  Ermüdung  oder  sonstige  Beschwerden ­
  durch  immer  dieselbe  gleiche  Arbeit?  18.  Denken
Sie  bei  Ihrer  Arbeit  —  und  an  was  denken  Sie  —,  oder  ist  es
Ihnen  überhaupt  unmöglich,  dabei  zu  denken?  19.  Finden  Sie  Ihr
Vergnügen  mehr  in  der  Familie  oder  im  Wirtshaus,  und  halten
Sie  den  Genuß  von  Alkohol  für  entbehrlich,  oder  können  Sie
nach  dem  Genuß  desselben  besser  arbeiten  ?  20.  Was  drückt  Sie
mehr,  der  geringe  Lohn  oder  daß  Sie  vom  Arbeitgeber  so  abhängig ­
  sind,  so  wenig  Aussichten  haben,  im  Leben  weiterzukommen,
Ihren  Kindern  gar  nichts  bieten  zu  können?  21.  Welche  Bücher
haben  Sie  gelesen?  22.  Welchen  Einfluß  hat  auf  Sie  die  politische ­
  und  Gewerkschaftsbewegung?  Haben  Sie  dadurch  Hoffnung, ­
  daß  es  bald  besser  für  Sie  wird?  23.  Oder  sind  Sie  hoffnungslos ­
  und  warum?  24.  Glauben  Sie  an  den  lieben  Gott  oder
sind  Sie,  und  aus  welchen  Gründen,  aus  der  Landeskirche  ausgetreten? ­
  25.  Gehen  Sie  oft  in  den  Wald?  Was  denken  Sie,
wenn  Sie  auf  dem  Waldboden  liegen,  ringsherum  tiefe  Einsamkeit? ­
  26.  Welche  Hoffnungen  und  Wünsche  haben  Sie?
Die  Erhebung  in  einer  Auflage  von  8000  Exemplaren  sollte
lediglich  drei  Arbeiter-Kategorien  umfassen:
1.  Bergarbeiter  (Ruhr-,  Saargebiet,  Schlesien);
2.  Textilarbeiter  (Berlin-Forst);
3.  Metallarbeiter  (Berlin,  Solingen,  Oberstein).
Diese  Heranziehung  heterogener  Gebiete  erschien  notwendig,  um
mögliche  Differenzen  der  sozialen  Struktur  hineinspielen  zu
lassen.
Die  ersten  Erhebungsformulare  wurden  am  24.  August
1907  versandt,  die  Enquete  am  1.  April  1911  definitiv  geschlossen.
4
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        5

Der  gewöhnliche  Weg,  mit  Hilfe  der  Gewerkschaften  vollwichtige
Resultate  zu  erzielen,  wurde  bald  auf  gegeben,  ebenso  der  Versuch, ­
  die  Formulare  in  Versammlungen  zu  verbreiten  Und  einzusammeln. ­
  In  letzteren  schwindet  zumeist  die  bewußte  Persönlichkeit, ­
  die  bekannte  Kollektivseele  bildet  sich,  die  dem  Gesetz
der  geistigen  Einheit  der  Massen  unterliegt.  Zunächst  war  es  in
diesen  Massenansammlungen  immer  wieder  von  Interesse,  zu
beobachten,  wie  die  Massenphantasie  gleichförmig  gebildet  wurde.
Irgendwoher  tauchten  bestimmte  Thesen  auf,  die  von  Mund
zu  Mund  suggeriert  —  —  das  Resultat  ein  überaus  großer  Eingang ­
  gleichlautender  Antworten.
Ein  anderer  Weg  wurde  eingeschlagen.  Hat  man  den  einzelnen ­
  vor  sich,  so  darf  man  im  allgemeinen  hinreichende  Differenzierung ­
  seiner  Seelenkräfte  voraussetzen,  die  den  Versuch
rechtfertigt,  zunächst  auf  seine  Gefühle  zu  wirken.  Aber  auch
dieser  Versuch  persönlicher  Einwirkung  glückte  nur  teilweise;
gleich  vielen  primitiven  Naturen  kriecht  der  Arbeiter  leicht  in
eine  andere  Hülle,  wenn  er  dem  Menschen  einer  andern  Klasse
gegenübertritt.  Ein  dritter  Weg  sollte  endlich  die  Basis  eines
Erfolges  bilden  helfen.  Zunächst  wurden  tausend  Erhebungsformulare ­
  mit  einem  Freikuvert  und  folgendem  Begleitschreiben
an  befreundete  Arbeiter  versandt:
„Lieber  Freund!
Eine  große  Bitte  ergeht  an  Sie.  Möchte  etwas  wissen
von  Ihrem  Fühlen  und  Denken,  wie  die  Arbeit  auf  Sie
einwirkt,  welche  Hoffnungen  und  Wünsche  Sie  haben.  Ein
stilles  Stündchen  wird  sich  wohl  finden,  beifolgenden  Fragebogen ­
  auszufüllen.  Auch  an  Ihre  Frau  ergeht  dieselbe  Bitte.
Schreiben  Sie  so  recht  aus  der  Seele  heraus.  Kein  Name
wird  genannt.
Im  voraus  Dank  und  Gruß.  “
Der  Appell  an  die  Arbeiterfrau  kann  wohl  als  ein  Fiasko  bezeichnet ­
  werden,  wenn  auch  von  141  Arbeitern  Briefe  mit  der
Versicherung  vorliegen,  meine  Frau  denkt  ebenso  wie  ich.  Die
Vermutung  ist  nicht  von  der  Hand  zu  weisen,  daß  die  Arbeiterfrauen ­
  nicht  allzu  tiefes  Verständnis  für  die  Fragebogen  dokumentierten, ­
  da  immerhin  64  Briefe  eingingen,  worin  öfters  recht
drastisch  betont  wird:  Meine  Frau  läßt  mich  nicht  schreiben,
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        \i

oder  hat  das  Formular  zerrissen.  Im  ganzen  kamen  630/0  von  den
Erhebungsformularen  ausgefüllt  zurück,  ein  Resultat,  bei  dessen
Erzielung  Methoden  eine  Rolle  spielten,  die  in  hunderten  variierenden ­
  Formen  angewandt  wurden  bis  zu  einem  regelrechten
Schokoladenverkehr  mit  den  Kindern  der  Arbeiter.  Feinere  seelische ­
  Fäden  zu  knüpfen,  glückte  bei  den  meisten  Erhebungen
erst  nach  vielen  Monaten.  Diese  seelischen  Wechselbeziehungen
zu  vertiefen,  erforderte  eine  Privatkorrespondenz  von  4846  Briefen.
Mit  welchen  Schwierigkeiten  die  Durchführung  der  Untersuchung
vielfach  verknüpft  war,  ergeben  einige  der  folgenden  Arbeiterbriefe. ­
  Da  schreibt  ein  Bergarbeiter:  „Die  ersten  Bogen,  welche
ich  ausgab,  fanden  gar  keine  Beachtung,  sondern  es  wurde  mir
häufig  gesagt,  das  ist  wohl  so  ein  Spitzel,  der  uns  aushorchen
will.“  Ein  anderer  Bergarbeiter  (Ruhrgebiet)  schreibt:  „Was
das  geringe  Interesse  meiner  Kollegen  anbetrifft,  die  Fragebogen ­
  auszufüllen,  so  kann  ich  Ihnen  mitteilen,  daß  ich  drei
Klassen  unterscheide:  eine  gleichgültige,  eine  fürchtende  und
eine  bewußte.  Bei  den  Gleichgültigen  und  den  Fürchtenden
hatte  ich  nach  längerer  Aufklärung  Zutritt  erhalten  und  bei  den
Bewußten  —  ein  höhnisches  Lächeln.  Denn  diese  Klasse
Menschen,  die  sehr  wenig  ist,  meint  mit  festem  Entschluß:  ,Wir
wollen  von  denen  da  oben  kein  Mitleid,  sie  haben  für  uns  doch
kein  Herz. 4 “  Ein  Bergarbeiter  aus  dem  Saargebiet:  „Es  hätte
mich  sehr  glücklich  gemacht,  wenn  Sie  mir  hätten  bestätigen
können,  Ihre  Fragebogen  sind  sämtlich  in  musterhafter  Weise
äusgefüllt  und  zurückgesandt.  Aber  man  muß  sich  mit  der  Tatsache ­
  abfinden,  daß  die  größere  Masse  höheren  Idealen  noch
sehr  skeptisch  und  kalt  lächelnd  gegenübersteht.  Sie  laufen  wohl
mit,  wenn  Versammlung  ist,  singen  die  Marseillaise  und  schreien:
Hoch  das  Wahlrecht.  Aber  ein  gesundes  proletarisches  Denken
steckt  nicht  darin.  Selber  den  durch  den  kapitalistischen  Frondienst ­
  zermürbten  Geist  anzüstrengen,  fällt  ihnen  zu  schwer.
Dafür  haben  wir  ja  unsere  Führer,  die  wissen,  was  wir  wollen
ünd  was  wir  hoffen.  Dafür  bezahlen  wir  ja  unsere  Beiträge,
heißt  es.“  Überhaupt  waren  die  Untersuchungen  unter  den  Bergarbeitern ­
  mit  besonderen  Schwierigkeiten  verknüpft.  Charakteristisch ­
  ist,  daß  die  Frage  19  der  Untersuchung:  Finden  Sie
Ihr  Vergnügen  mehr  in  der  Familie  oder  im  Wirtshaus,  und  halten
Sie  den  Genuß  von  Alkohol  für  entbehrlich,  oder  können  Sie
6
        <pb n="9" />
        7

nach  dem  Genuß  desselben  besser  arbeiten?  besondere  Sympathien ­
  nicht  auslöste.  Dies  bezeugen  eine  ganze  Reihe  Zuschriften. ­
  Ein  schlesischer  Bergarbeiter  berichtet  darüber  folgendes: ­
  „Mit  welchen  Schwierigkeiten  ich  zu  kämpfen  hatte,
möchte  ich  nur  ein  Beispiel  anführen.  So  kam  ich  in  eine  Kolonie, ­
  in  eine  Gesellschaft  internationaler  Arbeiter,  wo  dem  Alkohol ­
  tapfer  zugesprochen  wurde.  Es  schienen  mir  darunter
auch  einige  intelligente,  nüchterne  Leute  zu  sein.  Darum  bot
ich  meine  Fragebogen  auch  an.  Als  sie  aber  die  Alkoholfrage
darin  erblickten,  da  schlugen  sie  wütend  auf  den  Tisch  Und
schrien:  Der  Branntwein  sollte  ihnen  auch  noch  entzogen
werden.“  Wieder  andere  glaubten,  die  Fragebogen  seien  wegen
der  Steuer  und  konnten  von  diesem  Gedanken  nicht  losgebracht
werden.  Ein  Förster  Weber  schreibt:  „Am  meisten  Verständnis
für  Ihre  Arbeit  habe  ich  unter  den  Abstinenten  gefunden.“  Ein
anderer  Förster  Weber  resümiert  seine  Erfahrung  wie  folgt:
„Geehrter  Herr!  Was  für  Fragen  manchmal  an  mich  gestellt
wurden!  Was  die  Fragebogen  bezwecken  sollten,  was  Sie  für
Interesse  an  den  Arbeitern  hätten,  ob  Sie  die  heutigen  Zustände
ändern  könnten,  sogar,  ob  man  sich  dadurch  strafbar  machen
könnte  usw.  usw.  Wieder  andere  sagten  kurz  und  bündig:  Die
Fragen  kann  ich  nicht  beantworten.  Dazu  bin  ich  zu  dumm  .  .  “
Ein  Berliner  Metallarbeiter:  „In  dem  beigelegten  Schreiben
zu  den  Fragebogen  haben  Sie  mich  in  unzweideutig  bestimmter
Form  darauf  aufmerksam  gemacht,  daß  die  ausgefüllten  Fragebogen ­
  nur  direkt  an  Ihre  Adresse  zurückgehen  sollten,  damit  die
Verschwiegenheit  gewahrt  wird.  Ich  war  bestrebt,  mich  meines
Auftrages  gewissenhaft  zu  erledigen  und  übergab  die  Fragebogen
fünf  verschiedenen  Genossen,  in  einem  Kuvert  mit  Ihrer  Adresse.
Was  nun  geschieht,  kümmert  mich  nicht  mehr.  Raten  können
Schwätzer.  Denn:  wenn  ihr’s  nicht  fühlt,  ihr  werdet’s  nicht  erjagen“ ­
  usw.  usw.
Ein  größerer  Teil  der  Arbeiter  hat  die  Ausfüllung  der
Fragebogen  mit  dem  Hinweis  verweigert,  daß  sie  Rücksicht  auf
ihre  Familie  zu  nehmen  hätten.  Ein  anderer  Teil  wieder  bekundete ­
  die  größte  Freude  darüber,  sich  mal  ordentlich  aussprechen ­
  zu  können.  So  schreibt  ein  Bergarbeiter:  „Es  freut
mich,  dich  kennen  zu  lernen,  ob  persönlich  oder  schriftlich,
das  ist  gleich,  und  zweitens  habe  ich  endlich  jemand  gefunden,
        <pb n="10" />
        dem  ich  meine  Erlebnisse  und  mein  Herz  anvertrauen  kann;
also  wenn  du  etwas  wissen  willst,  so  stelle  Fragen.  Ich  werde
dieselben  beantworten.“  Ein  Metallarbeiter:  „Ich  bin  so  froh,
wenn  ich  einmal  aufrichtig  sagen  kann,  was  mein  Fühlen  und
Denken  ist.  Die  Art  und  Weise  Ihrer  Fragestellung  hat  mich  angezogen ­
  und  gaben  mir  meiner  Meinung  nach  ein  Recht,  mein
Herz  rückhaltslos  auszuschütten.  Der  Raum  war  für  mich  viel
zu  klein,  um  alles,  was  ich  denke  und  fühle,  aufzuzeichnen.“  Ein
Textilarbeiter:  „Ich  habe  mich  gefreut,  als  mein  Freund  Schuster
mir  diesen  Fragebogen  in  die  Hand  drückte,  mich  endlich  einmal
einem  gebildeten  Menschen  gegenüber  etwas  auszulassen“  usw.
Ein  Werkzeugschlosser:  „Seit  einem  halben  Jahr  liegt  der
Fragebogen  unausgefüllt  auf  der  Kommode,  und  erst  jetzt  habe
ich  den  Mut,  Ihnen  mein  Herz  auszuschütten.  Ich  danke  Ihnen,
daß  Sie  mir  Gelegenheit  geben,  Ihnen,  der  den  inneren  Kampf
des  Arbeiters  versteht,  mein  Herz  auszuschütten.  Gewöhnlich
erregt  so  etwas  ja  nur  die  Teilnahme,  die  man  einem  Überspannten
entgegenbringt.“
Ein  Schlosser:  „Ich  sende  Ihnen  den  Fragebogen  voll  erlebter ­
  Gefühle.  Ich  habe  noch  keinen  Menschen  gehabt,  dem  ich
in  ähnlicher  Weise  etwas  hätte  andeuten  können.  Das  stete
Gefühl  des  Unverstandenseins  erstickt  das  Bedürfnis,  sein  Fühlen
jemand  zu  sagen,  erzieht  sogar  direkt  zum  Schweigen.  Dieses
Schweigen  mag  das  beste  Resultat  der  Lebensschule  sein,  die
seelischen  Kräfte  sollen  sich  ausgären  und  im  Handeln  ihren
Ausdruck  finden.  Mich  zwangen  bisher  die  harten  Proletariergesichter ­
  zum  Schweigen“  usw.  usw.
Am  20.  Mai  igio  erschien  in  der  „Bergischen  Arbeiterstimme“
in  Solingen  ein  Artikel,  der  sich  gegen  diese  Untersuchung  richtete ­
  Und  wie  folgt  schloß:  „Solche  Wichtigmacher,  die  in  den
Arbeitern  lediglich  Objekte  für  ihre  Schrullen  und  Marotten  sehen
und  sie  nur  benutzen,  um  sich  mit  irgendeiner  sensationellen  Verschrobenheit ­
  einen  Namen  zu  machen,  sollte  die  Partei  in  Berlin
sich  vom  Halse  halten.“  (Die  gar  zu  unschönen  Kraftausdrücke
wurden,  des  Harmoniebedürfnisses  wegen,  fortgelassen.)  Diese
Notiz  ging  auch  in  andere  Parteiblätter  über,  endlich  auch  an
die  Mitteilungsblätter  in  Berlin,  die  den  Bezirksführern  übergeben
werden,  um  daraus  das  Wichtigste  den  Genossen  mitzuteilen.
Die  Wirkungen  dieser  Veröffentlichung  waren  sehr  prompte,
8
        <pb n="11" />
        9

und  es  war  von  besonderem  Interesse,  zu  beobachten,  wie  die
Masse  durch  das  gedruckte  Wort  suggeriert  wurde.  Eine  größere
Anzahl  verlangte  die  ausgefüllten  Fragebogen  zurück.  Ein  anderer
Teil  wieder  drückte  sein  Bedauern  aus,  daß  ein  solch  unflätiger
Artikel  erschienen.  Aber  bezeichnenderweise  waren  diese  Briefe
anonym  an  mich  gerichtet.  Ein  Metallarbeiter  schreibt:  „Aus
Beiliegendem  können  Sie  die  hochstehende  geistige  Bildung  derjenigen ­
  erkennen,  die  angeblich  Menschenfreunde  sein  und  die
Gerechtigkeit  besonders  propagieren  wollen.  Das  sind  so
Musterknaben  der  Duldsamkeit  und  Volksaufklärung,  die  angeblich ­
  unser  hiesiges  Parteiblatt  von  erleuchteten  Genossen  fabrizieren ­
  läßt.“  Ein  Bergarbeiter,  mit  dem  ich  seit  Jahren  guter
Freund,  schreibt  kurz  und  bündig:  „Da  über  Ihre  Fragebogen
die  beiliegende  Notiz  durch  die  Presse  gegangen  ist,  so  sende
ich  dieselben  mit  der  Bemerkung  zurück,  mich  weiter  mit  dieser
Sache  zu  verschonen.“  Ein  Textilarbeiter  resümiert  wie  folgt:
„Sie  werden  es  ja  selbst  wissen,  wie  es  auf  die  Masse  wirkt,
wenn  auf  irgendeinen  unliebsamen  Menschen  in  der  Presse  losgezogen ­
  wird.  Dann  stürzen  sie  sich  ohne  jede  Untersuchung
auf  das  Opfer  wie  die  wilden  Tiere  auf  ihre  Beute“  usw.  usw.
Spontan,  aus  tiefstem  inneren  Bedürfnis  heraus,  beantworteten ­
  die  Erhebungsformulare  bis  fünf  Tage  nach  Empfang:

Bergarbeiter  Ruhrgebiet  1,40/0
Bergarbeiter  Saargebiet  0,90/0
Bergarbeiter  Schlesien  o,6»/o

Textilarbeiter  Berlin  —
Textilarbeiter  Forst  ...  2,70/0
Metallarbeiter  Berlin  0,50/0
Metallarbeiter  Solingen  1,7%
Metallarbeiter  Oberstein  —
Nach  Beruf  und  Gegend  ergab  sich  dagegen  bei  Abschluß  der
Enquete  folgendes  Bild:
Bergarbeiter  Ruhrgebiet  Von  1000  Erhebungsformularen  liefen  ein  810
„  Saargebiet  „  »  „  „„  720
„  Schlesien  »  »  »  »  »  554
Bergarbeiter  Summa  2084
        <pb n="12" />
        Textilarbeiter  Berlin

»

Von  1000  Erhebungsformularen  liefen  ein  419
j&amp;gt;  »  »  »  ”  ^4
Textilarbeiter  Summa  1153

Metallarbeiter  Berlin  Von  1000  Erhebungsformularen  liefen  ein  712
„  Solingen  „  »  »  »  »  69 6
„  Oberstein  „  „  „  »  »  395
Metallarbeiter  Summa  1803

Summa  aller  eingegangenen  Erhebungsformulare  5040  =  630/0.

Summarisch.

Von  allen  Bergarbeitern  gingen  ein:

Altersklasse  18—20

eingegangene  Erhebungsformulare  97  =

4,60/0

20—25

&amp;gt;&amp;gt;

239  =

11,40/0

J?

25—30

&amp;gt;&amp;gt;

563  =

27,10/0

30—35

&amp;gt;&amp;gt;

6S4  =

32,80/0

35—40

357  =

17,10/0

S»
1
O

&amp;gt;&amp;gt;

144  =

6,90/0

Von

allen  Textilarbeitern  gingen

ein:

2084  =

100  0/0

Altersklasse  18—20

eingegangene  Erhebungsformulare  63  —

5,20/0

70  =  6,00/0
235  =  i9,5°/o
461  =  39,40/0
211  =  18,30/0
113  =  ii,6°/o
1153  =100,00/0

20—25
25—30
30—35
35—40
40—50

Von  allen  Metallarbeitern  gingen  ein:

Altersklasse  18—20
„  20—25
25—30
..  30—35
35—40
„  40—50

eingegangene  Erhebungsformulare  12  =  o,6ß/o
„  „  200  =  11,60/0
„  435  =  24,80/0
„  „  291  =  16,90/0
.»  „  604  =  32,9%
”  »  261  ==  13,20/0
1803  =100,00/0
        <pb n="13" />
        11

Um  nun  zu  einer  Erfassung  der  verschiedenen  psychologischen ­
  Typen  innerhalb  der  drei  Arbeiterkategorien  zu
kommen,  wurde  eine  möglichst  systematische  Verteilung  der  Erhebungsformulare ­
  vorgenommen.  Der  Dichterspruch:  „Sage
mir,  mit  wem  du  umgehst,  und  ich  will  dir  sagen,  wer  du  bist“,
wurde  Leitmotiv  der  Klassifizierung  der  Arbeiter  nach  psychischen ­
  Typen.  Vier  große  Einschnitte,  letztlich  allerdings  ganz
nach  subjektiver  Überzeugung,  aber  auf  Basis  peinlichster  Untersuchungen, ­
  wurden  gemacht,  um  die  geistige  Struktur  der  eingegangenen
  Erhebungsformulare  zu  kennzeichnen.

Erster  Einschnitt

=  Intellektuelle  Schicht
=  Kontemplative  Schicht
==  Verbildete  Schicht
=  Massenschicht

Zweiter
Dritter
Vierter

Die  Klassifizierung  der  Massenschicht  mit  ausgeprägten ­
  Kollektiveigenschaften  bot  keine  besonderen  Schwierigkeiten. ­
  (Massenschicht  nur  als  Hilfsausdruck  gebraucht,
nicht  als  ständiges,  fest  umschriebenes  Vorstellungsgebilde.)
Alle  eingelaufenen  Erhebungsformulare  mit  den  monoton
charakteristischen  Antworten  auf  alle  26  Fragen:  Ja  —
Nein  —  Nein  —  Ja  —  oder:  Ich  weiß  nicht,  diejenige
Schicht,  die,  wenn  überhaupt,  ihren  geistigen  Hunger  mit  irgendeinem ­
  Kolportageroman  zweifelhafter  Art  befriedigte,  bildete  den
vierten  Einschnitt.  Ganz  charakteristisch  war  die  Konstatierung
der  Tatsache,  daß  sogar  diese  allersimpelste  Ausfüllung  der  Erhebungsformulare ­
  mit  Ja  —  Nein  —  Nein  —  Ja  vielfach  abgeschrieben ­
  wurde.  Da  schreibt  ein  Bergmann  aus  einem  kleinen
Neste  im  Ruhrgebiet  auf  die  Frage:  „Was  würden  Sie  sich  für
Dinge  anschaffen,  wenn  Sie  das  nötige  Geld  hätten?  —  „Vier
Frauen.“  Neunzehn  Bergarbeiter  haben  dieselbe  Antwort
zwischen  all  den  trostlosen  „Ja  und  Nein“,  oder  „Ich  weiß  nicht“,
„Mir  gleich“  hineingeflickt,  wieder  andere  Plattheiten,  die  gar
nicht  wiederzugeben  sind.  Kann  man  überhaupt  noch  von  einer
Massenschicht  reden  ?  Ein  treffenderer  Ausdruck  wäre  wohl
„Schicht  der  seelisch  Toten“  für  eine  Kategorie  Menschen,  die
allen  Lebensäußerungen  ganz  apathisch  gegenübersteht,  die  man
ebensogut  in  einen  Käfig  stecken  und  regelmäßig  füttern  könnte.
Rund  tausend  Briefe  wurden  mit  dieser  Kategorie  gewechselt.
        <pb n="14" />
        Bilanz:  61  Antworten,  und  auch  diese  dann  so  trostlos,  daß  man
einem  völlig  negativen  Resultat  gegenübersteht.
Die  verbildete  Schicht  zeigte  ihre  jedem  Kenner  des
Proletariats  bekannten  Charakteristika,  zumeist  ungemein  plumpe
Briefschreiber,  die  in  unsäglich  öden,  bandwurmartig  langen
Sätzen  nie  ein  Ende  finden  konnten.  Ein  ganzes  Lexikon  eigenartiger, ­
  schwülstiger  Wortgebilde.  Dazwischen  immer  das  Operieren ­
  mit  irgendwelchen  Kraftausdrücken  und  Fremdworten,  zumeist ­
  an  unrichtiger  Stelle,  und  am  Schluß  öfters  ein  Mischmasch ­
  aller  möglichen  Zitate.
Die  kontemplative  Schicht  in  weitestem  Sinne  stellt
jenen  ungemein  merkwürdigen  Arbeitertyp  dar,  der  sich  abgefunden ­
  hat.  Arbeiter,  die  einsam  geworden  sind,  von  ihren
Kollegen  nicht  verstanden  werden.  Die  dabei,  harmonisch  abgestimmt, ­
  vielfach  mit  philosophischen  Problemen  ringen,  deren
Lektüre  neben  Büchner  auch  Goethe,  Renan,  Nietzsche,  Kant,
Schopenhauer  usw.  usw.  bildet.  Speziell  mit  dieser  Schicht  wurde
eine  ungemein  lebhafte  Korrespondenz  geführt.
Die  inteliektlielleSchicht  auszusondern,  bot  naturgemäß ­
  ganz  besondere  Schwierigkeiten.  Schöpferische,  autonome
Charaktere  bildeten  den  Grundzug  dieser  Arbeiterkategorie.  Solche
mit  dem  Zukunftswechsel  in  der  Tasche,  die  mit  jungfrohem
Optimismus  eigene  Wege  gehen.
Wie  bereits  erwähnt,  wurde  das  Dichterwort:  „Sage  mir,,
mit  wem  du  umgehst,  und  ich  will  dir  sagen,  wer  du  bist“,  Leitmotiv ­
  der  Klassifizierung  nach  psychischen  Qualitäten.  Auf
Grund  langjähriger  Beobachtungen  schien  dies  der  einzig  gangbare ­
  Weg,  um  die  Untersuchungen  möglichst  plastisch  zu  gestalten. ­
  Lief  ein  ausgefüllter  Fragebogen  von  charakterisierter
Massenschicht  ein,  so  wurde  ein  weiteres  Formular  dem  Schreiber
mit  der  Bitte  gesandt,  solches  einem  Freund  zur  schnellmöglichsten ­
  Beantwortung  zu  übergeben.  Das  Resultat  war  dann
gewöhnlich:  Vierter  Einschnitt,  also  wieder  Massenschicht.  Das
gleiche  Verfahren  wurde  bei  allen  vier  Schichten  angewandt.
Jeder  regionalen  Gruppe  wurden  dabei  tausend  von  den  achttausend
Erhebungsformularen  zugeteilt.  Die  Eingänge  zeigen  das  folgende ­
  Bild:
12
        <pb n="15" />
        Eingegang.
Formulare

%

Intellektuelle
Schicht

%

Kontemplative ­
  Schicht  |

7  0

Verbildete  |
Schicht

7  0

Massenschicht ­


7o

Bergarbeiter
Ruhrgebiet

810

16,7

46

5,6

118

14,6

57

7,1

589

72,7

Bergarbeiter
Saargebiet

720

14,3

11

1,5

42

5,7

119

16,8

548

76,0

Bergarbeiter
Schlesien

554

10,8

7

1,2

21

3,8

38

7,0

488

88,0

Textilarbeiter
Berlin

419

8,3

42

10,0

9

2,1

103

24,6

265

63,3

Textilarbeiter
Forst

734

14,4

28

3,9

87

11,9

76

10,2

543

74,0

Metallarbeiter
Berlin

712

14,0

104

14,7

68

9,6

364

51,1

176

24,6

Metallarbeiter
Solingen

696

13,7

57

8,2

143

20,5

204

29,3

292

42,0

Metallarbeiter
Oberstein

395

7,8

5

1,2

13

3,4

49

12,4

328

83,0

Summa:

5040

300

501

1010

3229

Summe  aller  eingegangenen  Erhebungsformulare ­
  5040
Davon  intellektuelle  Schicht  .  .  300  ==  5,9  0/0
kontemplative  Schicht  501  =  g,g  o/ 0
verbildete  Schicht  xoio  ==  20,1  ,&amp;lt;y 0
Massenschicht  322g  =  64,1  &amp;lt;y 0
100,0  0/0
Die  Untersuchung  erstreckt  sich  lediglich  auf  politisch  (soz.)  und
gewerkschaftlich  (freie  Gewerkschaften)  organisierte  Arbeiter.
Um  das  ganze  Bild  möglichst  plastisch  zu  gestalten,  wurden
irgendwelche  orthographische  Verbesserungen  bei  der  Wiedergabe ­
  der  Originalantworten  nicht  vorgenommen.  Die  wenigen
eingegangenen  Erhebungsformulare  unter  zwanzig  Jahren  wurden
unter  der  Altersklasse  20—30  Jahre  registriert,  diejenigen  über
50  Jahre  unter  Altersklasse  40—50.

13
        <pb n="16" />
        Von  allen  vorliegenden  Antworten  stellen  also:
Bergarbeiter  Ruhrgebiet  i6,7
Bergarbeiter  Saargebiet  I4j3
Bergarbeiter  Schlesien  10,8  —  4i,8°/o
Textilarbeiter  Berlin  8,3
Textilarbeiter  Forst  14,4  =  22,70/0
Metallarbeiter  Berlin  I4 ; °
Metallarbeiter  Solingen  13,7
Metallarbeiter  Oberstem  7-ß  =  35i5°A&amp;gt;
100,0  0/0
Nach  Beruf,  Gegend  und  Altersklassen,  letztere  für  jedes
Gebiet,  Beruf  und  Altersklasse  in  Prozenten,  ergibt  sich  folgende
Gliederung  des  Materials:

Altersklasse:

18—20  J.

°/o

20  —25  J.

°/o

25—30  J.

%

30—35  J.

%

•—5
O
1
m
cn

7»

*—3
O
HO
i
0

7  0

Bergarb.  Ruhrgebiet

45

5,5

136

16,8

260

32,0

194

23,3

107

13,2

68

8,4

=  100°/o

„  Saargebiet

34

4,7

76

10,5

184

25,6

254

35,4

128

17,8

44

6,3

=  100%

„  Schlesien

18

3,2

27

5,0

119

21,4

236

42,3

122

22,0

32

6,1

=  100%

Textilarbeiter  Berlin

14

3,6

22

5,2

78

18,9

156

37,2

74

18,0

75

18,0

=  1007»

„  Forst

49

6,8

48

6,8

157

21,0

305

41,6

137

18,7

38

5,1

=  100%

Metallarbeiter  Berlin

4

CO
cT

103

14,4

122

17,1

140

19,6

284

39,9

59

8,4

-  100%

„  Solingen

8

1,2

36

5,1

204

29,4

67

9,7

204

29,4

177

25,2

=  100%

„  Oberstein

—

—

61

15,4

109

28,0

84

21,1

116

29,3

25

6,2

=  100°/o

Lohnklasse:

10-20
Mark

7°

20—30
Mark

&amp;gt;

30-40
Mark

7o

40-50
Mark

7&amp;lt;&amp;gt;

Bergarbeiter

Rubrgebiet

69

8,5

389

48,0

352

43,5

=  100  °/o

Bergarbeiter

Saargebiet

50

7,0

605

84,0

65

9,0

=  100°/o
        <pb n="17" />
        i5

O  ^

o/

7  U.

o/

2  M
^  U

O

o  ^

o  ^
ro

/O

*  ,2

/o

Bergarbeiter

Schlesien

469

84,7

85

15,3

=  100%

Textilarbeiter

Berlin

6

1,4

305

72,8

108

25,8

=  100%

Textilarbeiter

Forst

413

56,3

321

43,7

=  100%

Metallarbeiter

Berlin

19

2,6

247

34,8

395

55,4

51

7,2

=  100%

Metallarbeiter
Solingen
Metallarbeiter

62

9,0

442

63,5

185

26,5

7

1,0

—  100%

Oberstein

294

74,5

101

25,5

=  100%
        <pb n="18" />
        B.  Das  seelische  Verhältnis  der  Arbeiter  zu  ihrer
berufsmäßigen  Arbeit  und  ihren  Arbeitsbedingungen.
In  erster  Linie  war  zu  untersuchen,  ob  die  berufsmäßige
Arbeit  den  Arbeiter  auf  die  Stufe  eines  bloßen  Mittels  herabdrückt, ­
  ob  im  Verlauf  derselben  eine  Depression  oder  Überwirkung ­
  der  Seelenzustände  zu  konstatieren  oder  lediglich  eine
haushälterischeWechselwirkung  ausgelöst  wird.  Darüber  hinaus,
ob  etwa  der  Arbeiter  durch  die  Maschine,  die  ihm  grobe  Arbeit
teilweise  abnimmt,  geistig  gewinnt.  Ferner:  welche  Linien  der
seelischen  Abnormisierung  charakteristisch  bei  den  drei  Arbeiterkategorien ­
  Berg-,  Textil-  und  Metallarbeiter  hervortreten,  welche
Gedankenreihen  die  Monotonie  der  Arbeit  unterbrechen,  ob  die
kühne  Tat  des  menschlichen  Denkens  inmitten  des  modernen
Arbeitsprozesses  etwa  ein  Faktor  des  Leidens  wurde  und  wie
alle  diese  Einflüsse  nach  der  psychischen,  physischen  und  charaktereologischen
  Seite  hin  niederschlagen.
Unzweifelhaft,  daß  hier  innere  gesetzmäßige  Beziehungen
bestehen,  die,  wenn  auch  vorerst  nicht  begrifflich  genau  zu  bestimmen, ­
  doch  vielfacher  Kriterien  nicht  entbehren,  worauf  auf
ihre  reale  Tragweite  geschlossen  werden  kann.  Diese  Kriterien
erscheinen  überaus  zahlreich  in  den  Antworten  auf  folgendem
Fragenkomplex:
i.  Alter.  2.  Wieviel  Stunden  arbeiten  Sie  täglich?  3.  Arbeiten
Sie  im  Akkord,  Gruppenakkord  oder  Stundenlohn?  4.  Was  ist
Ihnen  lieber,  Akkord-  oder  Stundenlohn,  und  warum?  5.  Arbeiten
Sie  an  Maschinen,  und  was  für  Maschinen  sind  dies  ?  6.  Macht
Ihnen  Ihre  Arbeit  Vergnügen,  oder  haben  Sie  kein  Interesse  an
derselben?  7.  Arbeiten  Sie  immer  dasselbe  oder  an  verschiedenartigen ­
  Dingen?  8.  Verspüren  Sie  irgendwelche  Ermüdung  oder
sonstige  Beschwerden  durch  immer  dieselbe  gleiche  Arbeit?
16
        <pb n="19" />
        Nach  wieviel  Stunden  werden  Sie  gewöhnlich  müde?  9.  Denken
Sie  bei  Ihrer  Arbeit,  und  an  was  denken  Sie,  oder  ist  es  Ihnen
unmöglich,  dabei  zu  denken?  10.  Was  drückt  Sie  mehr,  der  geringe ­
  Lohn,  oder  daß  Sie  vom  Arbeitgeber  abhängig  sind,  Ihren
Kindern  gar  nichts  bieten  zu  können?
Bergarbeiter.  Die  Untersuchungen  beschränkten  sich
lediglich  auf  Arbeiter  unter  Tage.  Hauptlohnform  das  Gedinge. ­
  Arbeitszeit  durchschnittlich  8—9  Stunden,  von  Beendigung ­
  der  Seilfahrt  bis  Wiederbeginn  derselben  gerechnet.  Zwei
Faktoren  sind  es,  die  im  Bergbau  eine  große  Rolle  spielen:
Sollförderung  und  Prämiensystem.  Unter  Sollförderung  ist  das
Quantum  Kohle  zu  verstehen,  das  der  einzelne  Steiger  dem  Reviersteiger ­
  für  jeden  Monat  besonders  festsetzt.  Als  Maßstab  hierfür
wird  die  Leistung  des  einzelnen  Kohlenhauers  pro  Schicht  des
Vormonats  genommen.  Von  Einfluß  sind  dabei  die  örtlichen  jeweiligen ­
  Verhältnisse  in  der  Grube,  die  Mächtigkeit  des  Flözes,
Härtegrad  der  Kohle,  Beschaffenheit  des  Nebengesteines  usw.
Mit  der  Sollförderung  ist  das  Prämiensystem  verbunden.
Man  unterscheidet  zwei  Arten  von  Prämien:  die  Förderprämie
ist  eine  Belohnung  für  vieles  Fördern,  die  Selbstkostenprämie
für  billiges  Fördern.  Charakteristisch  ist  die  Art,  wie  die  Berechnung ­
  einer  solchen  Sollförderung  zustande  kommt.  Der
Steiger  macht  die  Aufstellung  und  legt  sie  dem  Betriebsführer
zur  Begutachtung  vor.  Der  Betriebsführer  sucht  diese  Sollaufstellung ­
  nach  Möglichkeit  hinaufzutreiben.  Der  Steiger  hat  eine
neue  anzufertigen,  wobei  mehr  Tonnen  herauskommen.  Dieses
Soll  wird  der  Direktion  gemeldet  und  der  Steiger  hat  dafür  zu
sorgen,  daß  das  aufgestellte  Quantum  auch  täglich  gefördert  wird.
Ein  Sprichwort  unter  den  Bergleuten  sagt:  „Der  Kohlberg  und
der-Steiger  machen  den  Bergmann“,  d.  h.  Gunst  der  Flöze  und
der  Steiger.  Ein  Gedinge  (Akkord)  nun  steht  für  den  ganzen
Ort.  Angenommen,  etwa  15  Mann  gehören  zu  einem  Gedinge,  so
verteilen  sich  diese  15  Mann  auf  drei  Schichten:  a)  Frühschicht,
b)  Mittagsschicht,  c)  Nachtschicht.  Zwischen  diesen  drei  Schichten ­
  entsteht  gewöhnlich  ein  Wettarbeiten  in  der  Erringung  der
höchstmöglichen  Arbeitsleistung,  wozu  kommt,  daß  die  Beamten
die  verschiedenen  Schichten  gegeneinander  ausspielen,  um  die
Leistungen  weitmöglichst  in  die  Höhe  zu  treiben.  Eine  Solidarität
bezüglich  einzuhaltender  Grenzen  der  Arbeitsleistung  innerhalb
2  17
        <pb n="20" />
        der  drei  Schichten  wäre  zwecklos,  da  die  Steiger  gewöhnlich
Musterarbeiter  haben,  die  vor  den  Ort  getan  werden  und  nun
durch  alle  möglichen  Begünstigungen  einen  Rekord  an  Arbeitsleistungen ­
  erzielen  müssen.  „Probehauer“  nennt  man  diese  Kategorie ­
  Arbeiter.  Ihm  wird  ein  Lehrhauer  beigegeben,  und  beide
schaufeln  und  schleppen  nun,  was  das  Zeug  halten  kann.  Nach
zwei  oder  drei  Schichten  verschwindet  der  Probehauer,  meistens
um  eine  leichtere  Zimmerungsarbeit  sich  auszusuchen,  um  dann
nach  einigen  Tagen  vor  einen  andern  Ort  gelegt  zu  werden  zwecks
nämlicher  Prozedur.  Die  nachgeschobene  Kameradschaft  ist  nun
gezwungen,  das  vom  Probehauer  geförderte  Maß  im  Durchschnitt
zu  erarbeiten,  um  auf  die  übliche  Lohnhöhe  zu  gelangen.  Daher
unter  den  Bergarbeitern  eine  ziemliche  Abneigung  gegen  Akkordarbeit. ­

Naturgemäß  bot  die  Einregistrierung  der  Originalantworten
besondere  Schwierigkeiten,  da  es  bei  der  Fülle  des  Materials  nur
möglich  war,  einen  kleinen  Teil  zu  veröffentlichen.
Es  wurde  nun  in  nachfolgenden  Tabellen  in  der  Weise  vorgegangen, ­
  daß  die  für  die  betreffenden  Altersklassen  eingegangenen ­
  typischen  Antworten  registriert  wurden,  wenn  sie  sich
tnindestens  zwanzigmal  dem  Sinn  nach  wiederholten;  ebenso
schien  es  notwendig,  einzelne  näher  motivierte  und  charakteristische ­
  Äußerungen  zu  registrieren.
Die  Zahlen  hinter  den  Antworten  beziehen  sich  auf  die
charakterisierten  vier  Einschnitte,  wobei  (i.)  die  intellektuelle,
(2.)  die  philosophische,  (3.)  die  verbildete,  (4.)  die  Massenschicht
darstellt.  Der  Buchstabe  „t“  hinter  der  Zahl  soll  ausdrücken,  daß
die  Antwort  für  die  betreffende  Altersklasse  in  obenbezeichnetem
Sinne  typisch  ist.
Die  Buchstaben  hinter  den  Antworten  bezeichnen  die  regionale ­
  Herkunft.  Es  bedeuten:
B.  R  Bergarbeiter  Ruhrgebiet
B.  S  Bergarbeiter  Saargebiet
B.  Schles.  .  .  .  Bergarbeiter  Schlesien
T.  B  Textilarbeiter  Berlin
T.  F  Textilarbeiter  Forst
M.  O  Metallarbeiter  Oberstein
M.  B  Metallarbeiter  Berlin
M.S  Metallarbeiter  Solingen
18
        <pb n="21" />
        1.  Was  ist  Ihnen  lieber,  Akkord-  oder  Stundenlohn,  und
warum?
Bergarbeiter.

Alter

Durchschn.
H  Wochen-!
  /  verdienst

J  Tägliche
Arbeitszeit

Jhr.

M.

Std.

18

8

16,80

19

972

17,50

20

10

27,—

21

8

23,—

22

8

30,—

23

8

25,—

2*

Da  ich  drei  Jahre  als  Schlepper  unter  Tage
anfahre,  so  habe  ich  bereits  die  Überzeugung
erlangt,  daß  ich  mir  Tagelohn  vorziehe,  bei
welchem  man  arbeitet,  was  man  imstande
ist.  (3.)  [B.  Schles.]
Stundenlohn,  da  selbiges  ruhigeres  Arbeiten
ist.  Karl  Marx  sagt:  Akkordarbeit  ist  Mordarbeit. ­
  (1.)  [B.  S.]
Stundenlohn.  Wieviel  ich  arbeite,  da  krieg
ich  bezahlt,  und  auf  Akkord  muß  man  nur
Stunden  zunehmen,  als  man  arbeiten  soll,
wenn  man  verdienen  will.  (4.  t.)  [B.  R.]
Stundenlohn.  Weil  ich  da  mehr  auf  meine
Gesundheit  achten  kann.  (4.  t.)  [B.  R.]
Stundenlohn.  Denn  da  hört  jedes  Anvetteln ­
  bei  den  Vorgesetzten  auf.  Sehen  es  die
Speichellecker  ein  das  sie  durch  ihr  Kriecherwesen
  nicht  mehr  haben,  als  die  andern  auch!
so  werden  sie  es  von  selbst  dran  geben,
und  ihre  Knochen  schonen.  Wir  rücken
eine  Stufe  höher  rauf,  zur  Aussicht  auf  eine
bessere  Zukunft.  (3.  t.)  [B.  R.]
Stundenlohn.  Weil  im  Bergbau  der  Akkordlohn ­
  häufig  durch  Gebirgsänderungen  be-19
        <pb n="22" />
        U
&amp;lt;

Durchschn.
!  TjWochen-/
  Verdienst

!  Tägliche
Arbeitszeit

Jhr.

M.

""Sta.

einflußt  wird  und  dieses  von  Seiten  der  Arbeitgeber, ­
  besonders  zur  Zeit  einer  Krisis
sehr  wenig  berücksichtigt  wird.  (1.)  [B.  R.]

24

8

16,50

Ein  gutgestelltes  Gedinge  ist  mir  lieber,  da
ich  mitunter  mehr  verdienen  kann  als  beim
Stundenlohn.  (3.  t.)  [B.  Schles.]

26

8V2

23,50

Stundenlohn,  denn  der  freie  Wille,  mein
Ehrgefühl  Und  die  Liebe  zur  Arbeit  sollen
mich  zur  vollen  Entfaltung  meiner  Arbeitskraft ­
  veranlassen.  (1.)  [B.  S.]

27

8

21-Lieber

  ist  Stundenlohn  man  mächte  mär
Verdienen.  (4.  t.)  [B.  Schles.]

28

8

28,—

Akkord.  Denn  da  kann  ich  am  meisten  Geld
verdienen.  (4.  t.)  [B.  R.]

30

8V2

25  —

Stundenlohn,  ist  mir  lieber  weil  man  weiß
was  man  hat  zweitens  die  antreiberei  hört
auf,  dadurch  werden  viele  Unglücksfälle  beseitigt ­
  und  die  Schmiererei  mit  den  Beamten ­
  von  seitens  der  Reichsgetreuen  und
Hurapatrioten  hört  dann  auf,  das  zweierlei
Maß  fällt  dan  weg.  (3.)  [B.  R.]

32

9

23,-Mir

  ganz  gleich.  (4.  t.)  [B.  R.]

33

8

22,—

Das  ist  mir  gleich,  denn  erstens  wird  nach
Stunden  nicht  gearbeitet  und  zweitens  mit
dem  Akkordarbeiten  ist  es  bei  uns  auch  blos,
daß  das  Kind  sozusagen  einen  Namen  hat,.

denn  über  das  Durchschnittslohn  bekomme
ich  doch  nicht.  (2.  t.)  [B.  R.]
Im  Bergbau  können  sich  die  Gebirgsverhältnisse
  alle  Augenblick  ändern,  d.  h.
bei  dem  Vordringen  in  einen  Kohlenflötz
oder  auch  quer  im  Gebirge  zeigen  sich  die
Verhältnisse  manchmal  ganz  anders,  als  man
vermutet  hat.  Das  ist  sehr  oft  zum  Nachteil ­
  der  Arbeiter,  zumal  wenn  das  Gedinge
für  den  ganzen  Monat  abgeschlossen  ist.
(1.)  [B.R.]
Ich  bin  für  garantierten  Mindestlohn  mit
staffelweisen  Steigerungen.  Dadurch  wäre
auch  dem  körperlich  Schwächeren  der  Lebensunterhalt ­
  garantiert.  (1.)  [B.  S.]
Akkord  ist  mir  lieber,  wenn  das  Gedinge  so
gesetzt  ist  daß  man  einen  halbwegs  anständigen ­
  Lohn  verdienen  kann  doch  daran  habert
  es  sehr.  Schuld  haben  meistents  die
Arbeiter  selbst  weil  sie  nicht  einig  sind.  Die
vielen  fremden  Elemente  welche  hier  zusammen ­
  arbeiten  können  meistenteils  nicht
einsehen  daß  sie  statt  einig  da  zu  stehen
durch  schmarotzen  sich  selbst  und  ihre  Kameraden ­
  nur  schaden.  Organisation  brauchen
diese  Leute  nicht,  ja  es  giebt  genug  welche
jede  Organisation  bekämpfen,  dieses  sind
meistenteils  fromme  Christen.  Gar  oft  bin
-ich  schon  wegen  diesen  Leuten  gekündigt
worden.  (1.)  [B.  R.]

21
        <pb n="23" />
        ML

&amp;lt;  ä

Jhr.

38

M.

39  9

40  9

41  14

42  8Vs

45  8

22

Std.

37,-30,—



25,-23

  —

Stundenlohn  bez.  Schichtlohn,  da  kann  man
vorsichtig  arbeiten.  Im  Akkord  bez.  Gedinge
wird  man  von  zwei  Seiten  getrieben,  erstens
den  Beamten  durch  Drohung  eines  schlechten ­
  Lohnes  und  zweitens  von  seinen  Kumpels ­
  selbst  um  möglichst  hohen  Lohn  heraUszuschinden.
  Daher  die  vielen  Unfälle,
(i.)  [B.R.]
Stundenlohn,  weil  man  ruhiger  arbeiten  kann.
(2.  t.)  [B.R.]
Stundenlohn  ist  mir  lieber  die  akkord  arbeit
ist  schädlich?  und  ruft  den  Bergmann  zu
früh  von  seinen  Leben  ab  der  Bergmann
bekommt  nicht  das  nötige  Alter  was  erhaben
müßte.  (3.  t.)  [B.  S.]
Akkord  das  mir  Niemand  was  zu  sagen  hat
(4.  t.)  [B.R.]
Mir  wäre  Stundenlohn  lieber,  weil  das  Einkommen ­
  dann  schon  etwas  sicherer  wäre.
Auch  erhoffe  ich  von  der  größeren  Gleichheit ­
  in  der  Entlohnung,  eine  größere  Einigkeit ­
  der  Arbeiter.  (3.)  [B.  S.]
Stundenlohn.  (4.  t.)  [B.  R.]
Weil  ich  mich  besser  sichern  kann  vor  Unglick.
  (4.  t.)  [B.  Schles.]
Akkord,  denn  ich  sage  mir  dann,  hier  habt
Ihr  mir  nichts  dreinzureden,  meine  Arbeit
verrichte  ich  ordentlich,  und  damit  Schluß.
(1.)  [B.  Schles.]

Alter

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­

1

jhr.

Std.

M.

46

12

20,—

Stundenlohn,  da  ich  dann  ruig  mein  Fristück
  verzeeren  könte.  (4.)  [B.  Schles.]

47

10

13,-Stunden

  Lohn  ist  mir  Lieber  weil  dadurch
nicht  Überhastet  Oder  dadurch  auch  Viehle
Arbeiter  Brodlos  wirden  sein.  (4.)  [B.  Schles.]

50

9

30,—

Da  ich  eine  mehr  als  20jährige  Praxis  als
Arbeiter  habe,  so  muß  ich  mein  Urteil  dahin
abgeben  daß  ich  lieber  im  Akkord  arbeitete.
(3.)  [B.R.]  .  :

a)  Für  Akkordentlohnung:

Altersklasse

Lohnklasse

20—30  J.

°/o

Sä
1
ci?

°/o

40—50J.

&amp;gt;

Summa

10-20  M.

7»

20—30  M.

7  0

30—40  M.

7*

Summa  !

Bergarb.  Ruhrgeb.

59

7,3

44

5,4

6

0,7

109

24

2,9

74

9,1

11

1,3

109

Bergarb.  Saargeb.

32

4,4

14

1,9

2

0,2

48

7

0,9

22

3,0

19

2,6

48

Bergarb.  Schles.

22

3,9

34

6,2

7

1,3

63

48

8,6

15

2,7

—

—

63

Summa:

113

|  92

1  15

220

79

111

30

|  220

b)  Für  Stundenentlohnung:

Altersklasse

Lohnklasse

20-30  J.

°/o

O
1
°

7»

40-50  J.

&amp;lt;yo

Summa

£
O
(M
1
O

°lo

20  -30  M.

7»

30-40  M.

7»

Summa

Bergarb.  Ruhrgeb.

304

37,6

184

22,7

51

6,3

539

21

2,5

216

26,7

302

37,2

539

Bergarb.  Saargeb.

194

28,8

280

38,8

31

4,3

505

34

4,7

460

63,9

11

1,6

505

Bergarb.  Schles.

58

10,4

194

35,0

9

1,6

261

239

43,1

22

3,9

—

—

261

Summa:

556

658

91

1305

294

698

313

1305

23
        <pb n="24" />
        24

c)  Gleichgültig  verhielten  sich:

Altersklasse

Lohnklasse

’—5
3
1

°/o

30-40  J.

°/o

*~~3
O
ID
1
O

7«

10-  20M.

7  o

20-30  M.

%

30-40  M.

7«

Bergarb.  Ruhrgeb.

60

7,4

42

5,1

8

0,9

110

6

0,7

95

117

9

1,1

110

Bergarb.  Saargeb.

54

7,4

47

6,5

6

0,8

107

2

0,2

96

13,3

9

1,2

107

Bergarb.  Schles.

38

6,8

84

15,0

8

1,4

130

101

18,2

29

5,2

130

Summa:

152

1173

22

347

109

220

18

347

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Altersklasse

Lohnklasse

*—5
O
CO
1
o
CM

7»

*—■“3
o
■'tf*
o
CO

7«

40—50  J.

7°

10—20  M.

7»

20—30  M.

7»

30-40  M.

7  o

Bergarb.  Ruhrgeb.

18

2,3

31

3,8

3

0,3

52

j  18

2,2

4

0,4

30

3,7

52

Bergarb.  Saargeb.

34

4,7

21

2,9

5

0,6

60

7

0,9

27

3,7

26

3,6

60

Bergarb.  Schles.

46

8,3

46

8,3

8

1,4

100

81

14,6

19

3,4

100

Summa:

98

98

16

212

106

50

56

|  212

Für  Akkordentlohnung:
Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive.

Weil  der  Ver-Da

  eigener  Herr

Weil  die  Entdienst

  größer

lohnung  mehr
individuell

Bergarbeiter  Ruhrgebiet

35

58

16

Bergarbeiter  Saargebiet

29

11

8

Bergarbeiter  Schlesien

54

9

Summa:

118

78

24
        <pb n="25" />
        25

Für  Stundenentlohnung:

Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive.

Weil  ruhigeres ­
  Arbeiten ­


Aus  Gesundheits ­
 ­


Aus  Solidaritäts ­
 ­


Wegen  Gebirgsverhält-



Weil  stabiles
Einkommen

Weil  Antreiberei ­
  unter  d.
Kumpelsaufhört!


Bergarb.  Ruhrgebiet

46

204

81

46

149

50

Bergarb.  Saargebiet

11

228

20

17

138

32

Bergarb.  Schlesien

118

16

5

137

7

Summa:

57

550

117

68

424

89

Summarisch:
a)  Für  Akkordentlohnung:

Bergarbeiter  Ruhrgebiet  109  =  13,5
Bergarbeiter  Saargebiet  48  =  6,6
Bergarbeiter  Schlesien  63  =  11,4

220  =  10,70/0

b)  Für  Stundenentlohnung:

Bergarbeiter  Ruhrgebiet  539  —  66,5
Bergarbeiter  Saargebiet  505  =  70,2
Bergarbeiter  Schlesien  261  =  47,1

1305  =  62,30/0

c)  Gleichgültig  verhielten  sich:

Bergarbeiter  Ruhrgebiet  110  ==  13,5
Bergarbeiter  Saargebiet  107  =  14,9
Bergarbeiter  Schlesien  130  =  23,4

347  =  16,80/0

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Bergarbeiter  Ruhrgebiet  *  52  =  6,5
Bergarbeiter  Saargebiet  60  =  ,8,3
Bergarbeiter  Schlesien  100  =  18,0

212  .=  10,20/0
ioo,oo/o
        <pb n="26" />
        Was  ist  Ihnen  lieber,  Akkord-  oder  Stundenlohn,  und
warum?

Textilarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Ak
k  o  r  d.

u,
a&amp;gt;
&amp;lt;

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

Jhr

Std.

M.

CQ
r

20

io 1 /*

14  —

Weber

Stundenlohn.  Man  braucht  sich  nicht  so
beeilen  mit  der  Arbeit.  (3.  t.)  [T.  F.]

21

10

19-Weber



Wen  beim  Akkord  gutes  Material  gegeben ­
  wird,  ist  mich  Akkord  lieber.  (4.  t.)
[T.F.]

22

10

17-Weber



Mier  wäre  ein  ordentlicher  Stundenlohn
lieber.  ( 3 .t.)  [T.F.]

23

io  Vi

20,—

Weber

Wochenlohn.  Weil  ich  kein  Freund  von
der  Schinderei  bin,  wenigstens  meine  Ruhe
zum  Essen  habe  und  weil  ich  mit  meinen
Kollegen  darüber  nicht  in  Streit  komme.
Weil  durch  das  gegenseitige  Überbieten  im
Akkord  nur  Uneinigkeit  und  Zwietracht
entsteht,  (i.t.)  [T.  F.]

24

10

20,-Weber



Stundenlohn.  Ich  brauche  meinen  Körper
nicht  so  sehr  anzustrengen,  und  werde  dem
Unternehmer  die  Taschen  nicht  so  füllen,,
wie  in  Akkord.  (3.  t.)  [T.  F.]

25

10Vs

17,50

Spinn.

Stundenlohn  ist  mir  lieber  wie  Akkord,,
weil  Akkord  Mordarbeit  ist.  (3.  t.)  [T.  F.]

26
26

10

16,-An

 ­


Stundenlohn  ist  mir  lieber,  weil  ich  da
bestimmtes  Geld  habe.  (4.  t.)  [T.  F.]

Atter  |

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

jhr.

Std.

M.

oa

27

10 1 /!

I
$

Weber

Stundenlohn  wäre  mir  lieber,  da  ich  erstens
Zeit  und  Ruhe  zum  Essen  hätte,  zweitens
kommt  man  beim  Warten  auf  Kette  und
Schuß  sowie  Betriebsstörungen  und  Maschinendefekten ­
  bedeutend  besser  weg.
(3-1.)  [T.F.]

28

8V2

12,-Strick.



Ich  arbeite  lieber  im  Akkord,  da  bin  ich
mein  freier  Herr  und  stehe  nicht  unter  der
Knute.  (2.  t.)  [T.  F.]

29

lOVs

26,—

Weber

Stundenlohn,  weil  dadurch  Arbeitern,  die
weniger  begabt  und  befähigt  sind,  die  Existenzfähigkeit ­
  gesichert  würde.  (1.)  [T.  B.]

30

IOV2

17,-Weber



Stundenlohn.  Es  giebt  ein  Sprichwort  das
besagt,  accordlohn  ist  Mordlohn:  all  meine
Gedanken  in  dieser  Frage  aus  Sprächhen
würde  dieser  Bogen  nicht  ausreichen.  (2.  t.)
(T.  F.]

31

10

17,-Weber



Von  beiden  ist  der  Stundenlohn  das  kleinere ­
  Übel,  weil  da  die  Arbeitskraft  nicht
ganz  so  ausgebeutet  wird  wie  im  Akkord.
Die  ständige  Ungewißheit  beim  Akkord,
die  durch  die  Krise  noch  gesteigert  wird,
daß  ständige  schwanken  des  Verdienstes
welcher  speziell  noch  abhängt  von  dem  zu
verarbeitenden  Material  und  der  Intelligenz
des  Einzelnen,  wirkt  fortwährend  beunruhigend ­
  auf  den  Arbeiter  und  seine  Familie. ­
  Diesen  Übelstand  kann  nur  ein  auskömmlicher, ­
  den  wirtschaftlichen  Verhält-27
        <pb n="27" />
        [  Alter  1J

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäfdgung

Jhr

Std.

M.

ca

nissen  entsprechender  garantierten  Wochenlohn ­
  abhelfen,  sofern  derselbe  für  eine  angemessene ­
  Arbeitszeit,  welche  die  Gesundheit ­
  des  Arbeiters  nicht  untergräbt,  bezahlt
wird.  (1.)  [T.F.]

32

10

21,-An

 ­


Stundenlohn  würde  ich  auf  alle  Fälle  den
Vorzug  geben,  würde  dadurch  doch  selbstverständlich ­
  die  übermäßige,  unmenschliche, ­
  gegenseitige  Treiberei  eingeschränkt;
der  Drang  nach  hohem  Verdienst  und  befangen ­
  von  falschem  Ehrgeiz  lassen  ganz
besonders  den  Spinnerei  -  Arbeiter  jede
Rücksicht  gegen  sich  selbst  und  seine  Mitarbeiter ­
  vergessen.  Die  jugentlichen  Arbeiter ­
  sind  es  insbesondere,  die  darunter
schwer  zu  leiden  haben,  nicht  selten  setzt
es  Prügel  für  letztere.  (1.)  [T.  F.]

33

10  V*

24,-Tuch

 ­


Weill  ich  nichts  schnell  brauch  sein  bei
der  Arbeit.  Stundenlohn.  (4.  t.)  [T.  B.j

34

10V2

19,-Tuch

 ­


Akkord,  weil  dabei  Jeder  nach  seiner  Leistung ­
  entlohnt  wird.  (2.)  (T.  F.]

35

12

23,—

Weber

Ganz  gleich.  (4.  t.)  [T.  F.]

36

10

20,-Fabrik

 ­


Stundenlohn.  Weil  durch  daß  Indensife
Arbeiten  der  Arbeiter  im  Akkord  Körperlich ­
  und  Geistig  zu  leiden  hat,  und  der
Unternehmer  den  Mehrwert  stetz  zu  seinen
Nutzen  ausbeutet.  (3.)  [T.  F.]

28

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Std.

M.

Jhr.

37  9

38  8

39  lOVs

40  lOVs

41  11

33,-:c3



Teppich ­
 ­


Weber

Weber

26,-Wick-




10,—  Weber

Wie  die  Dinge  liegen,  ist  mir  Akkord  lieber.
Man  steht  nicht  so  unter  Aufsicht  wie  beim
Stundenlohn,  man  ist  mehr  selbständiger
in  seiner  Arbeit.  Auch  ist  man  bei  intensivster ­
  Ausnutzung  der  Arbeitszeit  und  Aneignung ­
  bestimmter  Fertigkeiten  in  der
Lage,  etwas  mehr  zu  verdienen.  Das  heutige ­
  Stundenlohn  System  in  den  Betrieben
und  Fabriken  ist  nur  ein  verkapptes  Akkordsystem. ­
  Die  Lohnarbeit  hat  ein  Aufpasser- ­
  und  Antreibersystem  zur  Folge,  daß
1  so  raffiniert  ausgeklügelt  ist,  das  keine  Minute ­
  der  Arbeitszeit  verloren  geht.  Oft
stehen  die  Aufpasser  mit  der  Uhr  in  der
Hand  und  kontrollieren  den  Arbeiter,  bis
die  richtige  Leistung  erreicht  ist.  (1.)  [T.  B.]
Ich  meine  Jenach  dem.  (4.  t.)  [T.  F.]
Gewisses  Lohn  wäre  mir  über  aus  dem
einfachen  Grunde.  Ackord  ist  Mordlohn,
der  Ackord  Schaft  dem  Fabrikant  Reichtum ­
  und  dem  Arbeiter  Elend  Und  Sichtum.
(3.)  [T.  B.]
Akkord,  weil  der  Stundenlohn  zu  gering
ist,  um  meine  Familie  damit  zu  ernähren.
(3-1.)  [T.B.]
Akort  weil  da  nicht  so  mit  der  Arbeit  gehetzt ­
  wird,  bei  Tagion  oder  Stundenlohn
ist  man  bald  gar  nicht  im  Stande  daß  man
aufs  Klosetgeht  da  machen  die  Meister
gleich  lange  Hälse.  (3.)  [T.  F.]
29
        <pb n="28" />
        Alter  |

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

J!ir

Std.

M.

ca

42

10  Vs

17,—

Weber

Bei  guter  Arbeit  Akkord,  da  höherer  Verdienst. ­
  (i.)  [T.F.]

43

10  Vs

20,—

Weber

Akkord,  weil  ich  nicht  als  Faullenzer  vom
Unternehmer  angesehen  werden  will.  (3.)
[T.F.]

44

9

23,—

Weber

In  human  geleiteten  Betrieben  ist  es  mir
gleich.  In  autokratisch  geleiteten  Stundenlohn. ­
  (1.)  [T.B.]

45

9 l /2

33,—

Weber

Akkord  spornt  an  zu  Fleiß,  Stundenlohn
macht  gleichgiltig.  (3.)  [T.  B.]

46

10 1 /*

20,—

Kettenscherer ­


Das  ist  ganz  gleichbleibend.  Bei  Akkord
treibt  man  sich  selbst,  während  bei  Stundenlohn ­
  man  angetrieben  wird.  (1.)

47

IO 1 /!

19,-Weber



Stundenlohn,  weil  da  jeder  Arbeiter  gleich
fierdint.  (4.  t.)  [T.  F.]

48

10

15,-Weber



Akkord,  wen  was  zuverdienen  ist  dabei.
(4.)  [T.F.]

49

10

32,-Weber



Akkord,  mehr  Lust  zum  Arbeiten.  (3.)
[T.B.]

50
1
1

10  Vs

15,-Tuch

 ­


Das  Akkordsistem  ist  ein  Raub-  und  Mordsistem.
  Dabei  muß  er  sich  kwelen  und  abrackern. ­
  (4.)  [T.  F.]

30
        <pb n="29" />
        a)  Für  Akkordentlohnung:

31

Altersklasse

Lohnklasse

20—30  J.

7  »

30  —40  J.

7»

O
iO
1
o

7  ®

10-20  M

7«

20—30  A4. 1

7*

£
o
1
©
CO

7»

Textilarb.  Berlin

29

6,9

48

11,4

12

2,8

89

2

0,4

54

12,9

33

7,9

89

Textilarb.  Forst

21

2,8

74

10,8

28

3,8

123

49

6,8

71

9,8

3

0,4

123

Summa:

50

|

122

40

j

2121151

125

36

212

b)  Für  Stundenentlohnung:

Altersklasse

Lohnklasse

20—30  J.

7«

►"“5
©

7»

o
m
1
o

7»

10-20  M.

7®

£
©
cn
1
o
CM

7«

30  -40  M.

7®

Textilarb.  Berlin
Textilarb.  Forst

64
171

15.2
23.2

154
288

36,7
39,3

46
8

10,9
1,0

264
467

2
282

0,5
38,5

198  47,3
185  25,3

64

15,3

264
467

Summa:  |235

|442

54  |

731

284

383|

64

731

c)  Gleichgültig  verhielten  sich:

Altersklasse

Lohnklasse

o
CO
|

°/o

—n
©
TT

7®

©
m
1

7  o

-20  M.

7  o

©
CO

7®

-40  M.

7o

o
CM

©
CO

§

o

1
©
CM

1
©
co

Textilarb.  Berlin

13

3,1

18

4,3

16

3,8

47

46

10,9

i

0,3

47

Textilarb.  Forst

14

1,0

28

3,8

2

0,2

44

14

1,0

30

4,1

44

Summa:

27

46

18

911|  14

76

i

91

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Altersklasse

Lohnklasse

*—&amp;gt;
©
CO
i
©
CM

7  o

30—40  J.

7  ®

©
m
1
o

7®

10-20  M.

7  ®

20-30  A4.

7  o

30—40  A4.

7®

Textilarb.  Berlin
Textilarb.  Forst

8
48

1,9
6,5

10
52

1,0
4,9

1

0,2

19
100

2
68

0,4
9.2

7
32

1,7
4,3

10

2,4

19
100

Summa:

56

62

1

1191|  70

39

10  |  |  119
        <pb n="30" />
        Für  Akkordentlohnung:

Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive:

Weil  der  Verdienst ­
  größer

Da  eigener
Herr

Da  zu  Fleiß
anspornt

Wenn  das
Material
gut  ist

Textilarbeiter  Berlin

52

17

3

17

Textilarbeiter  Forst

72

8

10

32

Summa:

124

25

13

49

Für  Stundenentlohnung:

Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive:

Weil  ruhigeres ­
  Arbeiten ­


Aus  Gesundheits ­
 ­


Aus  Solidaritätsgründen ­


Weil  mehr
Ruhe
zum  Essen

Weil  dasWarten
  auf  Kette
und  Schuß
bezahlt  wird

Weil  stabiles
Einkommen

Textilarbeiter  Berlin
Textilarbeiter  Forst

34
56

12
78

18
42

28

8
114

196
145

Summa:

90  |  90

60

28

122

341

Summarisch:
a)  Für  Akkordentlohnung:

Textilarbeiter  Berlin  8g  =  21,3
Textilarbeiter  Forst  123  —  16,8

212  ==  19,00/a

b)  F  ür  Stundenentlohnung:

Textilarbeiter  Berlin  264  =  62,9
Textilarbeiter  Forst  467  =  63,5

73i  =  63,30/0
c)  Gleichgültig  verhielten  sich:
Textilarbeiter  Berlin  47  =  n  2
Textilarbeiter  Forst  44  =  5,g
91  =  8,60/0

32
        <pb n="31" />
        d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Textilarbeiter  Berlin  19  =*  4,6
Textilarbeiter  Forst  100  =  13,6

1J 9
100,00/0

Was  ist  Ihnen  lieber,  Akkord-  oder  Stundenlohn,  und
warum  ?
Metallarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg
Akkord.

Alter  II

Tägliche
Arbeitszeit  |

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

,  ’J

Jhr.

Std.

M.

CO

18

9

24,-Metall-




Akkord,  weil  man  mehr  verdient.  (4.)
[M.  B.]

21

9

36,—

Masch.
Schlosser ­


Im  Prinzip  bin  ich  für  Lohnarbeit.  Gegenwärtig ­
  arbeite  ich  aber  aus  dem  Grunde
lieber  Akkord,  weil  ich  dabei  mehr  verdiene ­
  und  bei  Lohnarbeiten  ebenso  intensiv ­
  arbeiten  muß  wie  im  Akkord.  (3.  t.)
[M.B.]

23

9

40-Schlos

 ­


Mir  ist  selbstverständlich  Stundenlohn
lieber.  Da  Akkordarbeit  wie  bekannt  Mordarbeit ­
  ist.  (3.  t.)  [M.  B.]

24

10

30,—

Schlosser ­


Stundenlohn  würde  mir  lieber  sein,  weil
ich  meine  Arbeitskraft  in  gleichmäßiger
Weise  auf  die  einzelnen  Funktionen  verteilen ­
  kann,  zum  Segen  des  Produktes  wie
meines  Körpers.  (2.)  [M.  S.]

3

33
        <pb n="32" />
        Alter

Tägliche
Arbeitszeit

Durchsehn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

Jhr.

Std.

M.

m

25

9

35,—

Metallarbeit. ­


Streng  genommen,  ist  mir  Stundenlohn
lieber,  aber  da  die  üblichen  Stundenlöhne
größtenteils  sehr  gering  sind,  ausgenommen
einige  besonders  qualifizierte  Arbeiterkategorien, ­
  gebe  ich  der  Not  gehorchend  dem
Akkord  denVorzug,da  es  mir  auf  dieseWeise
möglich  ist,  einen  den  Ansprüchen  einer  gesteigerten ­
  Lebenshaltung  wenigstens  einigermaßen ­
  entsprechenden  Verdienst  zu
erzielen.  Vollständig  verwerfe  ich  den
Gruppenakkord,  da  bei  ihm  immer  die
schlechten  Arbeiter  auf  Kosten  der  schlechteren ­
  profitieren.  (2.)  [M.  B.]

26

10

30,—

Messer
arbeit.

Akkord,  weil  ich  hierdurch  mein  eigener
Herr  bin,  mir  also  keiner  etwas  zu  befehlen ­
  hat.  Auch  ist  die  Akkordarbeit  mir
deshalb  sympathischer,  weil  sie  einen  gewissen ­
  Ansporn  von  Fleiß  und  Regsamkeit ­
  mit  sich  bringt,  gerade  das  Gegenteil
von  der  Lohnarbeit,  welche  in  sehr  vielen
Fällen  der  Trägheit  Vorschub  leistet.  (1.)
[M.S.]

27

9

36,—

Metallschlei ­
 ­


Stundenlohn,  weil  man  da  ungeachtet  der
Güte  des  Materials  seinen  Lohn  verdient
und  bei  verminderter  Arbeitsgelegenheit
auf  seine  Mitkollegen  Rücksicht  nehmen
kann,  seine  Kraft  spart  und  so  Entlassungen
nach  Möglichkeit  hinausschiebt.  (2.)
[M.B.]

34

28

9 1 /*

28,—

Nähmasch.

Schlosser ­


29

8

45,-Dreher



30

97s

29,—

Eisendreher ­


31

9

36,—

Eisendreher ­


32

97z

42,—

Dreher

33

10

25,—

Metallformer ­


Stundenlohn.  Im  Akkord  wird  die  Arbeitskraft ­
  des  Arbeiters  zu  schnell  aufgezehrt.
Die  Arbeit  würde,  im  Zeitlohn  verrichtet,
präziser  sein,  die  sogenannte  Murksarbeit
würde  verschwinden.  (3.  t.)  [M.S.]
Über  diesen  Punkt  läßt  sich  streiten.  Denn
was  man  an  einem  tadelt,  findet  man
beim  andern  wieder.  Am  besten  ist  allerdings ­
  Stundenlohn,  aber  dann  ist  das  Aufpassersystem ­
  derartig  ausgebildet,  daß  man
nicht  imstande  ist,  ohne  Kontrolle  die  Arbeit ­
  einige  Augenblicke  zu  verlassen.  Andererseits ­
  bei  Akkordarbeiten  die  ewige
Streiterei  um  den  Preis.  Dennoch  ziehe
ich  Akkord  vor,  weil  es  ein  freieres  Arbeiten ­
  ist.  (2.  t.)  [M.B.]
Das  Arbeiten  im  Stundenlohn  ist  nach
meiner  Ansicht  relativ  zu  beurteilen.  Eine
Akkordarbeit  ist  jedenfalls  besser  auf  alle
Fälle,  aber  relativ  zu  beurteilen.  (3.)  [M.  S.j
Ich  arbeite  Lohn  entschieden  lieber,  denn
da  ich  nicht  so  ran  brauch  und  würde  meine
Gesundheit  schonen.  (3.  t.)  [M.  B.]
Akkord  verwerfe  ich,  fordere  Stundenlohn,
weil  das  Verhältnis  der  Kolegen  ein  harmonischeres ­
  ist.  (3.  t.)  [M.  B.]
Stundenlohn.  Es  schließt  das  beim  Akkordsystem ­
  übliche  Feilschen  und  Handeln  um
den  Arbeitspreis  aus  und  ermöglicht,  wenn
35

3*
        <pb n="33" />
        t*
&amp;lt;D
&amp;lt;

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

Jhr

Std.

M.

03

auch  ein  etwas  geringeres  Einkommen,  ein
menschenwürdigeres,  weniger  maschinenmäßiges ­
  Arbeiten.  (2.  t.)  [M.  S.]

34

8  Vs

36,—

Metallarbeit. ­


Ich  arbeite  lieber  Stundenlohn,  weil  er  der
gerechtere  ist  und  geeignet  zu  sein  scheint,
den  Egoismus  und  die  Habgier  des  Einzelnen ­
  einzudämmen.  (1.  t.)  [M.  B.]

35

11

25,—

Scher.-schleif.


Weil  ich  freier  Arbeiter  bin  und  nach  leistung
  verdiene.  (3.  t.)  [M.  S.]

36

10

30,—

Schlosser ­


Stundenlohn  rackert  den  Arbeiter  nicht  so
zeitig  ins  Genseids  als  Akkord.  (4.)  [M.  S.]

37

11

34,-Metall

 ­


Ich  arbeite  seit  drei  Jahren  im  Akkord,
vorher  habe  ich  auf  Stundenlohn  gearbeitet,
Und  ist  es  ganz  gleich,  ob  Stunden  oder
Stück.  (3.  t.)  [M.S.]

38

11

33,—

Tafelmesser ­


Arbeite  in  Akkord.  Bin  ein  freier  Solinger
Schleifer  und  arbeite  nach  den  vom  Schleiferverein ­
  festgesetzten  Preisen,  was  für  das
Beste  halte.  (2.)  [M.  S.]

39

9

30,—

Mechaniker ­


Es  ist  eigentümlich.  Der  Stundenlohn  ist
fast  für  jeden  Unternehmer  eine  Art  von
Lohnberechnung,  bei  der  man  ohne  weiteres ­
  annimmt,  der  Arbeiter  suche,  da  er  ja
sein  bestimmtes  Geld  erhalte,  die  Arbeit
langsam  zu  verrichten.  Und  darum  immer
Treiberei  und  nach  Fertigstellung  irgendeines ­
  Gegenstandes  die  wenig  schmeichelhafte ­
  Bemerkung:  Das  hat  zu  lange  gedauert. ­
  Deshalb  lieber  Akkord,  (x.)  [M.  S.]

36

Alter

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

•

Jhr.

Std.

M.

03

40

10

30,—

Scher.-schleif.


Stundenlohn.  Weil  ich  nicht  gezwungen
bin,  so  schnell  zu  arbeiten.  (4.  t.)  [M.  S.]

41

9

34,-Metall

 ­


Unstreitig  ist  im  Stundenlohn  das  Arbeiten
angenehmer.  Da  aber  im  Akkord  die  Bezahlung ­
  eine  mehr  individuelle  ist,  ziehe
ich  diese  Art  Entlohnung  schon  des  materiellen ­
  Vorteils  wegen  vor.  (1.)  [M.  B.]

42

9 1 /»

26,—

Schlosser ­


Mir  ist  Akkord  lieber,  denn  wenn  ich  fleißig ­
  bin  und  mir  Vorteile  sammle,  ists  mein
eigener  Nutzen.  (3.  t.)  [M.  S.]

43

8

30,—

Dreher

Akkord,  weil  unter  den  heutigen  Verhältnissen ­
  die  Lohnarbeit  mir  noch  viel  mehr
Qual  bereiten  würde,  da  dann  gar  kein  Interesse ­
  hätte.  Außerdem  vergeht  mir  die
Zeit  bei  Akkord  schneller.  (3.)  [M.  B.]

44

9

30  —

Schleifer ­


Stundenlohn  lieber,  denn  Akkord  bleibt
Mord.  (4.  t.)  [M.  S.]

45

10

45,—

Metallarbeit. ­


Ideell  ist  mir  Lohn  lieber,  bei  Akkord  jedoch ­
  ist  ersichtlicher,  daß  ich  für  empfangenen ­
  Lohn  auch  meine  Arbeit  geliefert
habe.  Wert  gegen  Wert.  Dies  macht  mich
verhältnismäßig  freier,  selbstbewußter.  Für
eine  Zukunfstgesellschaft  halte  ich  Lohnarbeit ­
  der  Gesellschaftsmitglieder  zur  Bildung ­
  eines  hohen  Pflichtgefühls  für  ausschlaggebend. ­
  (2.)  [M.  B.]

37
        <pb n="34" />
        Metall
arbeit.

Eisendreher ­


Akkord  ist  interessanter,  als  wenn  man
Montag  schon  weiß,  daß  es  nur  24  M.  werden. ­
  (4.  t.)  [M.  S.]
Akkord  ist  die  Form,  die  es  dem  Unternehmer ­
  am  bequemsten  macht,  seine  Arbeiter ­
  voll  auszunutzen,  daher  vorzeitiger
Kräfteverbrauch  und  frühes  Siechtum.  Akkord ­
  verdirbt  die  Charaktere,  die  ordinärsten ­
  Kollegen  sind  gewöhnlich  Akkordarbeiter. ­
  Für  mich  ist  es  stets  ein  widerlicher
Anblick,  diese  wühlenden  Menschen  rücksichtslos ­
  und  unhöflich  Und  jeden  Vorteil
ausnutzend  zu  beobachten.  (1.)  [M.  S.]
Stundenlohn,  da  die  Akkordarbeit  die  Hilfsbereitschaft ­
  dem  Nebenmanne  gegenüber
ertötet.  (2.)  [M.  B.]
Stundenlohn,  weil  der  Akkordlohn  von  Zeit
zu  Zeit  immer  mehr  heruntergedrückt  wird.
Ganz  erklärlich,  da  öfters  neue  Maschinen
angeschafft  werden,  die  technisch  so  verbessert, ­
  daß  sie  bis  500/0  billiger  produzieren. ­
  Dadurch  wird  auf  die  Arbeiter,  die
an  den  alten  Maschinen  arbeiten,  ein  kolossaler ­
  Druck  ausgeübt.  (1.)  [M.  S.]

38
        <pb n="35" />
        Was  ist  Ihnen  lieber,  Akkord-  oder  Stundenlohn,  und
warum  ?
Metallarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg
Stundenlohn:

Jhr

&amp;lt;D  (D
J3  N
O  w
'äc'S
:e3  JO

Std

jo  c  "
O  4)  G
W  ja  Si
•g  o-S
^  O  u
i^&amp;gt;

M.

00

20

9 1 /*

24,-Metall-




Akkord,  weil
[M.  B.]

man  mehr  verdient.  (4.  t.)

21

10

20,—

Schlosser ­


Stundenlohn  in  einer  der  heutigen  Zeit  entsprechenden ­
  Höhe  ist  mir  lieber,  weil  in
ihm  Beständigkeit  und  eine  gewisse  Sicherheit ­
  des  Habens  enthalten  ist,  aber  auch
Akkord,  sobald  er  eine  möglichst  ausgedehnte ­
  Selbstbestimmung  verbürgt,  findet ­
  meine  Anerkennung.  (2.  t.)  [M.  O.]

22  11

28,—

Metallarbeit. ­


Entschieden  Stundenlohn,  Akkordarbeit
gleicht  Maschinenarbeit,  und  der  Mensch
ist  keine  Maschine.  (3.)  [M.  S.]

23

10

32,—

Schlosser ­


Stundenlohn.  Akkordarbeit  ist  Mordarbeit.
(4-1.)  [M.B.]

24

10

26,—

Metallarbeit. ­


Stundenlohn,  da  geht  es  doch  immer  noch
am  reellsten  zu.  (3.  t.)  [M.  O.]

25

9  Vs

32,—

Drück.

Stundenlohn,  da  ich  Gegner  jedes  intensiven ­
  Schaffens  bin  und  mit  meiner  Arbeitskraft ­
  dem  Unternehmer  gegenüber
sehr  sparsam  umgehe.  (3.)  [M.  S.]

26

9

Metall-  Stundenlohn,  da  Akkord  noch  nicht  ge
arbeit.  kostet.  (4.)  [M.  O.]

39
        <pb n="36" />
        &amp;lt;

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
jschäftigung

&amp;lt;

jhr

Std.

M.

PQ

27

97*

36,—

Masch.
Schlosser ­


Ich  ziehe  den  Akkord  vor,  weil  er  eine
höhere  Lohnverrechnung  zuläßt,  weil  die
Treiberei  nicht  so  groß  ist  und  sich  selbst
verwalten  kann.  Der  Akkord  sichert  auch
eine  gewisse  Selbständigkeit  Und  Abgeschlossenheit. ­
  (2.)  [M.  B.]

28

97z

26,50

Nähmasch.

schloss.

Das  wird  sich  gleich  bleiben,  da  man  bei
beiden  Methoden  gleichmäßig  schikaniert
wird.  (3.)  [M.  S.]

29

9

40  —

Schlosser ­


Stets  habe  ich  Stundenlohn  als  die  würdigere ­
  Entlohnungsform  gefunden,  da  Akkord ­
  fast  immer  rücksichtslos  auf  Gesundheit ­
  einer  selbständigen  Charakterentwicklung ­
  hinderlich  ist  und  durch  niedere  Rivalität ­
  ersetzt.  (1.)  [M.  B.]

30

10

35,—

Schmied

Stundenlohn,  weil  ich  dann  mit  mehr  Sorgfalt ­
  arbeiten  kann.  (3.  t.)  [M.  B.]

31

1072

24,-Metall

 ­


Stundenlohn,  da  weiß  man  immer,  wenn
die  Woche  herum  ist,  was  man  hat.  ( 4 .  t.)
[M.  S.]

32

9

43,-Dreher



Den  Stücklohn  ziehe  ich  vor,  weil  dadurch
mein  Verdienst  ein  stabiler  ist,  eine  Arbeit
präziser  ausführen  kann.  Das  Akkordsystem ­
  von  heute  gestattet  keine  qualitative,
sondern  nur  quantitative  Arbeit.  (1.  t.)
[M.  B.]

40

4-»

G  ,

4)  &amp;lt;D

£  E  S

x:  n

O  c

O

S-c  ■-&amp;lt;



W)  &amp;lt;D
td  £&amp;gt;
*-&amp;lt;

Hot-Jhr.



Std.

M.

M
C

ca

33  9Vs

25,-Schlos-




34  9

35

36

45,-10

  36,  —  iMctaHarbeit.


Masch.
Schlosser ­


97*  18,

37

38

10

11

27,-38,-






Schlosser ­

Metallarbeit. ­


39

10

29,-Bau


schlos-I
  I  ser

Akkord  ist  das  raffennierenste  Ausbeutungsmittel, ­
  was  sich  der  Unternehmer  ausdenken ­
  konnte.  Tötet  die  Nerfen  und  die
Lust  zur  Arbeit.  Ist  überhaupt  zu  verdammen! ­
  (3.  t.)  [M.  S.]
Ich  bin  Gegner  der  Akkordarbeit,  da  durch
ein  derartiges  Entlöhnungssystem  alle
schlechten  egoistischen  Neigungen  im
Menschen  entfesselt  werden.  (1.)  [M.  B.]
Stundenlohn  ziehe  ich  wie  die  meisten
meiner  Berufskollegen  vor.  Akkordarbeit
stelle  ich  mit  dem  Pensum  der  Sträflinge
auf  eine  Stufe,  (i.t.)  [M.  B.]
Stundenlohn,  weil  man  in  Oberstein  im
Akkord  arbeiten  muß  wie  ein  Narr,  wenn
man  auf  seinen  Stundenlohn  kommen
will.  ( 4 .t.)  [M.  O.]
Stundenlohn,  derweil  dem  Arbeiter  im  Akkord ­
  das  Blut  noch  mehr  ausgesogen  wird.
(3-1)  [M.  S.]
Ich  halte  den  Akkordlohn  deshalb  für  den
richtigeren,  weil  dadurch  weniger  Intelligenteren ­
  schwächlichen  und  älteren  Arbeitern ­
  die  Möglichkeit  geboten  ist,  die  Arbeitsstätte ­
  zu  behaupten  und  damit  Verdienst ­
  und  Brot.  (2.)  [M.  B.]
Stundenlohn  ist  mir  lieber,  weil  ich  mir
dann  nicht  so  ansträngen  brauch.  (4.  t.)
[M.S.]

41
        <pb n="37" />
        Alter

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
Beschäftigung

Jhr.

Std.

M.

40

10

20,—

Metall-Stundenlohn,

  weil  in  Akkord  die  Preise  zuver-



  heruntergedrückt  werden  und  man  dagolder



her  schaffen  muß  wie  ein  Verrückter.  (3.)

[M.  O.]

41

9

27-Metall-



  Ich  schon  meinen  Körber.

arbeit.

(4  t.)  [M.O.]

a)  Für  Akkordentlohnung:

Altersklasse

Lohnklasse

20—30J.

7°

30—40  J.

7°

*■“■5
O
10
1
0

7»

Summa

10-20  M.

7  0

20—30  M.

7»

30—40  M.

7°

40—50  M.

7«

Summa

Metallarb.Berl.

46

6,5

63

8,5

14

1,9

123

7

0,9

16

2,2

54

7,7

46

6,4

123

Metallarb.  Soling.

56

8,2

76

10,9

38

5,4

170

12

1,7

104

14,9

54

7,7

170

Metallarb.  Oberst.

15

3,8

29

7,3

4

1,1

48

23

5,8

25

6,3

48

Summa:

117

168

56

341

42

145

108

46

341

b)  Für  Stundenentlohnung:

Altersklasse

Lohnklasse

2
CM

7»

■—-s
O
1
O
fO

7»

O
1f)
1
O
TB

7«

Summa

10—20  M.

7®

20  -  30  M.

7«

30-40  M.

7»

40  -  50  M.

7«

Summa

Metallarb.  Berl.

176

24,7

354

49,7

40

5,6

570

8

i,i

220

32,3

336

47,1

5

0,6

570

Metallarb.  Soling.

129

19,9

185

26,7

121

17,3

435

30

4,3

279

40,0

119

16,8

7

1,0

435

Metallarb.  Oberst.

108

27,3

144

36,5

16

4,5

268

221

55,9

47

11,9

268

Summa:

413

683

177

12731

259

546

|455

12

1273

42
        <pb n="38" />
        c)  Gleichgültig  verhielten  sich:

Altersklasse

Lohnklasse

20—30  J.

°/o

&amp;gt;—7
ro

7«

40—50  J.

7»

Summa

10—20  M. 1

7  •

20—30  M.

7o

30  -  40  M.

7»

40-50  M.

7  o

Summa

Metallarb.  Berl.

7

0,9

7

0,9

5

0,7

19

3

0,4

11

1,5

5

0,6

19

Metallarb.  Soling.

63

9,2

10

1,4

18

2,6

91

20

2,6

59

8,4

12

1,7

91

Metallarb.  Oberst.

47

11,9

27

6,8

5

1,6

79  \

51

12,9

28

7,1

79

Summa:

117

44

28

189

74

98

17  |

189

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:
Diese  Fragen  wurden  durchweg  beantwortet.

Für  Akkordentlohnung:
Angabe  der  hauptsächlichsten  Gründe:

Weil  der  Verdienst ­
  größer

Da  eigener
Herr

Da  zu  Fleiß
anspornt

Da  die  Zeit
schneller  vergeht ­


Metallarb.  Berlin

43

69

_

11

Metallarb.  Solingen

84

82

2

2

Metallarb.  Oberstein

46

2

—

—

Für  S  tun  d  en  en  11  o  hnun  g:
Angabe  der  hauptsächlichsten  Gründe:

Weil  ruhigeres ­
  Arbeiten ­


Aus  Gesundheits ­
 ­


Aus  Solidaritätsgründen ­


Da  präziseres
Arbeiten  1

Da  Feilschen
um  den  Akkordsatz ­
  wegfällt ­


Weil  würdigere ­
  Entlohnungs ­
 ­


Weil  stabiles
Einkommen

Metallarb.  Berlin

40

29

108

82

54

100

157

Metallarb.  Solingen

66

82

46

9

8

54

170

Metallarb.  Oberstein

98

132

5

—

—

—

33

43
        <pb n="39" />
        Summarisch:
Für  Akkordentlohnung:

Metallarbeiter  Berlin  i 2 3  —  l 7&amp;gt;3
Metallarbeiter  Solingen  17°  —  2 4'6
Metallarbeiter  Oberstein  48  =  12,1

34 1  =  l8 /°°/o

Für  Stundenentlohnung:
Metallarbeiter  Berlin  ^70  =  80,0
Metallarbeiter  Solingen  43^  =  62,5
Metallarbeiter  Oberstein  2 68  =  67,8
1273  =  70,1°  Io

Gleichgültig  verhielten  sich:

Metallarbeiter  Berlin  ig  =  2,7
Metallarbeiter  Solingen  91  —  13,o
Metallarbeiter  Oberstein  79  =  20,0

189  —  1  t,9°/o
ioo,o°  Io

2.  Arbeiten  Sie  an  Maschinen,  und  was  für  Maschinen  sind
dies?  Macht  Ihnen  Ihre  Arbeit  Vergnügen  oder  haben  Sie
kein  Interesse  an  derselben?
Wird  der  Arbeiter  durch  Einführung  moderner  Maschinen
geistig  herabgedrückt,  also  mehr  oder  weniger  durch  die  Maschine
selbst  zur  Maschine  erniedrigt?  Bedeutet  die  moderne  Arbeitsteilung ­
  nicht  nur  Verteilung  der  Arbeit,  sondern  Zerteilung,
Atomisierung  des  Menschen  ?  Beherrscht  der  Mensch  die  Maschine ­
  oder  die  Maschine  den  Menschen  ?  Marx  widmet  in  seinem
Buche  „Das  Kapital“  dem  Maschinenwesen  einige  Aufmerksamkeit ­
  und  folgert,  daß  alle  bisher  gemachten  Erfindungen  die  Anstrengung ­
  der  Menschen  nicht  vermindert,  sondern  durch  den
Preis  der  Waren  herabgesetzt  haben,  daß  durch  die  Maschine
im  Gegenteil  die  Lage  des  Arbeiters  verschlechtert  worden  ist,
44
        <pb n="40" />
        weil  sie,  indem  die  Kraft  eines  starken  Mannes  entbehrlich  geworden, ­
  sich  die  Kinder  und  Frauen  dienstbar  gemacht  habe,
weil  sie  den  Arbeitstag  verlängert  habe,  statt  ihn  zu  kürzen,
weil  dadurch  die  Anstrengung  schwerer  statt  leichter  geworden  sei.
In  der  Tat,  die  Entgeistigung  der  Arbeit  hat  teilweise  ein
Maximum  erreicht,  die  Einzelarbeit  des  Menschen  ist  vielfach
auf  eine  rein  mechanische  Stufe  herabgedrückt.  Andererseits
kann  aber  doch  nicht  ganz  geleugnet  werden,  daß  die  Mechanisierung ­
  der  berufsmäßigen  Maschinenarbeit  geistige  Kräfte  frei
gemacht  hat.  Unter  den  Förster  Webern  wurde  in  137  Fällen
konstatiert,  daß  der  Arbeiter  dadurch,  daß  ihm  die  Maschine  gewisse ­
  Arbeiten  abnimmt,  geistig  gewinnt.  Übrigens  zeigt  ja  auch
die  Masse  der  mechanisch  tätigen  Weber  heute  eine  höhere  Intelligenz ­
  als  die  Masse  der  früheren  Handweber,  deren  Tätigkeit
doch  weniger  monoton  und  mechanisch  war,  als  die  des  mechanischen ­
  Webers  es  ist.
Ein  Förster  Weber  schreibt:  „Ich  habe  der  Maschine  gegenüber ­
  nicht  die  Empfindung,  als  sei  sie  ein  übergeordnetes  Etwas,
deren  wohlfeilster  und  entbehrlichster  Teil  ich  bin,  sondern  sie
erscheint  mir  als  ein  willfähriges  Werkzeug  oder  als  mein  „Brotpferd“, ­
  wie  ich  schon  öfters  scherzend  gesagt  habe.  Meine  Werktagsarbeit ­
  macht  mir  auch  wirklich  noch  Freude,  weil  ich  sie
nicht  sklavisch  tue,  sondern,  wie  alle  meine  Arbeiten,  mit  Liebe
und  Gewissenhaftigkeit.  Dadurch,  daß  ich  täglich  und  stündlich
dieselben  Verrichtungen  zu  machen  habe,  werden  sie  zu  etwas
längst  Gewohntem,  das  nicht  einmal  das  ganze  Interesse  in  Anspruch ­
  nimmt  und  ermöglicht,  auch  an  außerhalb  liegende  Dinge
zu  denken.  Sogar  Vergnügen  macht  mir  die  einförmige  Arbeit
am  Webstuhl.  Wenn  die  Webschützen  fast  unsichtbar  hinüber
und  herüber  gleiten,  und  auch  sonst  alles  seinen  gewohnten  Gang
geht,  wenn  der  dumpfe  Stoß  und  Schlag  der  Treiber  Takt  in  das
Tohuwabohu  der  tastenden  Maschinen  bringt,  dann  ist  es  rnir
oft,  als  ob  der  rasche  Takt  der  Maschinen  sich  mir  mitteilt  Und
einen  inneren  Anschluß  herstellt.  In  bezug  auf  dieses  Wechselverhältnis ­
  denke  ich  immer  an  das  Goethewort:
„Und  nach  dem  Takte  reget
Und  nach  dem  Maß  beweget
Sich  alles  an  mir  fort.“

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        „Bin  ich  einige  Tage  ohne  Arbeit,“  schreibt  ein  Weber,  „so
sehne  ich  mich  nach  ihrer  schönen  Regelmäßigkeit  zurück.“
Solche  harmonischen  Wechselwirkungen  bildeten  naturgemäß
nur  Ausnahmen.  Ein  Berliner  Plüschweber:  „Ich  verrichte  immer
dieselbe  Arbeit:  Doppelplüsch.  Der  Widerwille  dagegen  richtet
sich  in  einer  Mißstimmung  gegen  die  ganze  Umgebung.  Die
Zeit  vergeht  zu  langsam.  Eine  Stunde  Arbeitszeit  wird  zur  Ewigkeit. ­
  Und  dann:  die  Arbeit  ist  ganz  weiß.  Alles  weiß:  die  Kette,
die  Poile,  der  Schuß,  alles  weiß.  Die  gewebte  Ware  auch  weiß.
Das  Auge  hat  keinen  Anhaltspunkt.  Ein  Haß  gegen  die  bestehenden ­
  Einrichtungen  erfüllt  die  Seele,  weil  gar  kein  Mensch
die  Anstrengungen  sieht,  immer  gleich  der  Maschine  auf  dem
Posten  sein  zu  müssen.“  Ein  anderer  Berliner  Weber  beschreibt
in  ca.  ioo  Seiten  das  Eldorado,  wie  er  seine  Fabrik  nennt,  und
äußert  sich  zu  dem  Kapitel  Arbeitsfreude  wie  folgt:  „Zu  der
langen  Arbeitszeit  und  dem  niedrigen  Verdienst  kommt  noch  die
den  Geist  verblödende  Eintönigkeit  und  Gleichmäßigkeit  der
Arbeit  selbst.  Es  ist  ewiges  Einerlei  von  früh  bis  spät.  Ob  ich
webe,  ob  ich  die  Ketten  oder  Poilen  aufbäume  oder  ob  ich
Faden  um  Faden  andrehe  oder  ankere,  alles  zum  Sterben  langweilig, ­
  eintönig,  einschläfernd  und  ermüdend.  Es  ist  vollständig
gleichgültig,  ob  ich  diesen  oder  jenen  Artikel  webe,  ob  ich
auf  Konfektionsplüsch-,  Stoffe-,  Tücher-,  Chenille-,  Phantasie-,
Leinwand-  oder  Kleiderstoffe  arbeite,  die  Arbeit  selbst  bietet
keinerlei  Abwechslung,  die  Eintönigkeit  und  Gleichmäßigkeit  des
Arbeitens  ist  immer  dieselbe.  So  stehe  ich  denn  an  meinen  Platz
gebannt,  Stunde  um  Stunde,  und  sehe  der  rastlos  arbeitenden
Maschine  zu.  Mechanisch  wiederholen  sich  dieselben  Handgriffe,
wenn  die  eingelegte  Spule  abgelaufen  ist.  Das  ist  die  einzige  Beschäftigung, ­
  höchstens  daß  nochmals  hin  und  wieder  ein  Faden
reißt,  der  geknüpft  werden  muß.  Die  Hauptbeschäftigung  ist
Stehen  und  Beobachten.  Öfters  erfaßt  mich  eine  Arbeitswut,  die
Unruhe  der  Maschine  überträgt  sich  dann  auf  mich.  Dann  laufe
ich  um  den  Stuhl  herum,  und  dann  möchte  ich  der  Maschine
helfen,  daß  sie  noch  schneller  arbeitet.  Die  Einwirkungen  einer
monotonen,  inhaltslosen  Beschäftigung,  die  Langweiligkeit  des
Arbeitsprozesses,  die  Sorge,  zu  wenig  zu  verdienen,  alles  trägt
dazu  bei,  die  Arbeit  zur  Qual  und  zur  Unruhe  zu  gesltalten.  Betrachte ­
  die  Maschine  als  meinen  Feind,  wenn  sie  so  gleichmäßig,
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ohne  aufzuhalten,  ihren  regelmäßigen  Gang  geht.  Die  Maschine
ist  ganz  aus  Stahl,  nur  Stahl,  hat  weder  Herz  noch  Nerven,  kennt
keine  Müdigkeit,  keine  Angst,  keinen  Schmerz,  keine  Wut.  Steht
aufrecht  und  kann  ewig  aufrecht  stehen  und  arbeiten.  Dieses  verdammte ­
  Stahlgeschöpf,  es  muß  siegen  in  einem  Kampf,  der  kein
Kampf  ist.  Herausreißen  möchte  ich  das  Stahlherz,  das  so  unbarmherzig ­
  und  leidenschaftslos  schlägt.  Die  Maschine  kann
erst  in  Bewegung  gesetzt  werden,  wenn  der  Weber  sie  einschützt;
dadurch,  daß  er  mit  der  Hand  an  die  Einschußstange  faßt,  stellt
er  erst  den  nötigen  Kontakt  her,  der  den  Webstuhl  in  Bewegung
setzt.  Man  könnte  den  Weber  fast  die  Seele  der  Maschine  nennen,
wenn  diese  selbst  eine  Seele  hätte,  und  um  die  Arbeitsfreude  voll
zu  machen,  kommt  auch  der  Meister  öfters  und  sagt:  „Hören  Sie
mal,  der  Platz,  auf  dem  Ihr  Stuhl  steht,  muß  mehr  einbringen.
Wenn  Sie  keine  besseren  Leistungen  erzielen,  werden  Sie  entlassen.“ ­
  Dann  arbeitet  man  wie  ein  Verzweifelnder.  Nicht  rechts
noch  links  wird  geschaut,  während  der  Arbeitszeit  geht  es  nicht
mehr  austreten.  Die  natürlichsten  Bedürfnisse  werden  zurückgedrängt.“ ­

Die  menschliche  Arbeitskraft  ist  gewiß  zu  verschiedenen
Zeiten  und  an  den  verschiedenen  Orten  etwas  überaus  Verschiedenes, ­
  die  des  modernen  Arbeiters  z.  B.  erinnert  nach  gewissen
Seiten  kaum  noch  an  die  des  Fronbauern  des  18.  Jahrhunderts
oder  die  des  Hörigen  des  Mittelalters,  sie  ist  ganz  ein  Erzeugnis
der  jüngsten  Vergangenheit.  Aber  ist  die  Menschenkraft  jemals
der  einer  Maschine  gleich,  mag  diese  auch  noch  so  ingeniös  arbeiten? ­
  Die  Maschine  ist  nicht  lebendig.  Die  Maschine  schafft
nicht  an  sich  Kraft,  sie  entbindet  sie  nur,  verwandelt  sie  in  andere
Form,  überträgt  sie,  konzentriert  sie,  zeitlich  und  örtlich.  Darum
ist  sie  sicher,  präzis,  gleichmäßig.  Aber  eben  das  zeigt,  daß  sie
keine  Seele  hat,  nicht  einmal  eine  Seele  im  Sinne  der  untersten
tierischen  Lebewesen  oder  der  Pflanzen,  auf  die  wir  den  Begriff
der  Seele  oder  wenigstens  des  Organismus  noch  anwenden,  geschweige ­
  denn  gar  im  Sinne  des  Menschen,  und  sei  er  der  niedrigste ­
  Australneger  oder  Papua.  Sie  kann  keine  wechselnden
Umstände  bewältigen,  sie  kann  sich  nicht  an  neue  Bedingungen
anpassen,  sie  vererbt  nichts  und  erzeugt  nichts,  sie  ist  noch  fern
jedem,  auch  dem  gebrechl'chsten  Retorten-Homunculus,  sie  ist
und  bleibt  ihrer  Grundlage  nach  Produkt  und  nicht  Produktor.
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        Warum  diese  Binsenwahrheit  hier  so  ausgebreitet  wird?
Weil  die  Behauptung  von  ihrem  Gegenteil  recht  eigentlich  noch
eine  Signatur  ist  unserer  Zeit.  Ein  solches,  wenn  auch  unbewußt
abgegebenes,  und  wenn  man  ernst  dagegen  auftritt,  von  niemandem ­
  festgehaltenes,  dennoch  aber  immer  und  immer  wieder
auftauchendes  Zeiturteil  dahin,  Maschinenkräfte  seien  geeignet,
Menschenkräfte  zu  ersetzen,  ist  nUr  möglich  in  einer  Periode  mechanischer ­
  Roheit,  die  fern  ist  dem  nil  humanum  a  me  alienum
puto  *.
„Wenn  Kette  und  Schuß  schlecht  geht,“  äußert  ergrimmt
ein  Berliner  Weber,  „wenn  man  bei  intensiver  Arbeit  die  Stunde
2500—3000  Schuß  macht,  dann  bekommt  man  die  Nase  voll,  da
webt  man,  wie  Gerhart  Hauptmann  schildert,  einen  tausendfältigen ­
  Fluch  in  die  Arbeit  hinein.“
Die  Klagen  über  schlechtes  Material  sind  ganz  allgemein.
Ein  Förster  Weber:  „Frühmorgens,  wenn  die  Arbeit  beginnt,
nehme  ich  die  Schmierkanne  zur  Hand  und  schmiere  alles  gut
ein.  Es  sind  ungefähr  an  einem  Stuhl  xoo  Schmierlöcher.  Dann
sehe  ich,  ob  alle  Webschützen  mit  Schuß  versehen  sind  Und  ob
alle  Fäden  im  Geschirr  sind.  Dann  setze  ich  den  Stuhl  in  Gang
und  passe  auf,  ob  der  Schuß  langt.  Wenn  die  Spule  alle  ist,  nehme
ich  den  Schützen  aus  dem  Kasten  und  setze  einen  andern  ein,
das  geht  so  den  ganzen  Tag,  jahraus,  jahrein.  Dann  passe  ich  auf,
ob  kein  Faden  reißt.  Jeder  Faden  muß  einzeln  eingezogen  werden,
sonst  wird  die  Ware  schlecht,  und  ich  bekomme  die  Fehler  vom
Lohn  abgezogen.  Ich  verarbeite  ein  so  furchtbar  schlechtes  Material. ­
  Von  Wolle  ist  gar  keine  große  Rede.  Manchmal  fünf
Pfund  Wolle  auf  hundert  Pfund.  Hier  werden  Lumpen  aus  allen
Erdteilen  verarbeitet,  in  einer  Maschine,  die  Wolf  heißt,  da  wird
der  Dreck  hineingesteckt.  Die  ganze  Weberei  ist  eintönig  Und
nerventötend.  Mein  Stuhl  macht  die  Minute  g2  Touren.  Das
klappert  und  wackelt  den  ganzen  Tag.“  Dieser  geistigen  Öde
bei  der  Verrichtung  rein  mechanischer  Handgriffe  versucht  der
Weber  oftmals  zu  entfliehen,  weil  ihn  ein  suggestives  Muß  dazu
zwingt.  Besonders  interessante  Beobachtungen  boten  die  Konduitenlisten
  einiger  Webereien.  Bloß  um  gelegentlich  ein  wenig
frische  Luft  zu  atmen,  hatte  ein  sonst  tüchtiger  Weber  innerhalb
einer  dreißigjährigen  Tätigkeit  in  derselben  Fabrik  sich  nicht
*  Karl  Lamprecht,  Zur  jüngsten  deutschen  Vergangenheit,  Freiburgi.B.,  1903.
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weniger  als  200  Zähne  ziehen  lassen  wollen.  Bei  jedem
neue  Listen  führenden  Buchhalter  konnten  Vater  und  Mutter,
Großeltern  und  sonstige  Angehörige  je  einmal  zur  letzten  Ruhe
bestattet  werden.
Hier  mag  auch  der  Standpunkt  eines  Holzarbeiters,  der  besonders ­
  interessant,  Erwähnung  finden.  „Mir  macht  die  Arbeit
Vergnügen  und  läßt  die  Zeit  im  Flug  enteilen,  wenn  ich  bei  einem
Werkstücke  nicht  nach  Schema  F  zu  arbeiten  brauche,  sondern
meine  eigenen  Ideen  und  Geschmack  zum  Ausdruck  bringen
kann.  Man  schafft  dann  damit  einen  gewissen  liebevollen  Eifer
und  betrachtet  das  fertige  Stück  mit  einer  gewissen  Pietät,  so
ähnlich  wie  der  Herrgott  den  ersten  aus  Lehm  geformten
Menschen.  Ständig  das  gleiche  Stück  herzustellen,  wirkt  geistestötend.
  Dasselbe  trifft  bei  ständiger  Tätigkeit  an  der  Holzbearbeitungsmaschine ­
  zu,  nur  daß  man  dann  leicht  geneigt  ist,  mit
der  Maschine  zu  spielen,  in  dem  Sinne,  daß  man  sie  seine
Übermacht  als  Mensch,  ich  möchte  sagen:  will  fühlen  lassen,
indem  man  das  heulende,  surrende,  stöhnende  Ding  bis  zur
äußersten  Kraftleistung  quält  und  sich  freut,  wenn  sie,  der  führenden ­
  Hand  gehorchend,  das  wildeste  Stück  Holz  verschlingt
und  formt.“  Im  allgemeinen  aber  entwickelt  die  psychologische
Tatsache  der  Lebenshemmung  durch  die  Gebundenheit  an  die
Maschine  ein  Maximum  an  Unlustempfindung,  indem  der  Geist
sich  gegen  die  Maschine  empört,  welche  ihn  ausschaltet,  gegen
die  Maschine  im  weitesten  Sinn  einer  organisierten,  seelenlosen,
das  Individuelle  zermalmenden  Masse.  In  den  meisten  vorliegenden ­
  Antworten  liegt  direkt  eine  Spannung.  Man  sieht  ordentlich
Menschen  sehnenden  Herzens,  mit  glühenden  Augen  die
Feiertagsstunde  erwarten.  —  —  —  „So  stürme  ich,  wenn  der
Glockenschlag  ertönt,  wie  ein  Besessener  zum  Fabriktor  hinaus
—  —“  schreibt  u.  a.  ein  Metallarbeiter,  der  nur  Massenartikel
herstellt.  Ein  Eisendreher:  „Arbeitsschluß.  Wie  es  sich  dehnt,
streckt  und  hebt  in  mir.  Laut  hinaus  könnte  ich  Freudenschreie
senden.“  Ein  anderer:  „Ich  muß  mich  zwingen,  Interesse  ian
meiner  Arbeit  zu  finden  und  kann  es  doch  nicht.  Ein  Fisch
kann  nicht  in  der  Luft  leben,  weil  er  durch  Kiemen  atmet.  Und
meine  Seele  kann  bei  einer  Arbeitsmethode  nicht  leben,  wo  sich
nichts  zum  Denken  bietet.  Ich  wehre  mich  mächtig  gegen  diese
Vergewaltigung,  und  weil  mein  sittlicher  Mensch  noch  Kraft
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        besitzt,  wird  der  Körper  überwältigt.  Meine  Hände  stehen
noch  viele  Minuten  unwillkürlich  still.  Mir  graut  vor  jedem
neuen  Arbeitstage,  und  wenn  ich  morgens  die  Arbeit  aufnehme,
kann  ich  mir  kaum  vorstellen,  zehn  Stunden  diese  Marter  zu  ertragen. ­
  Ich  verlasse  darum,  muß  die  Arbeit  verlassen.  An  jeder
neuen  Arbeitsstätte  findet  der  Geist  wenigstens  zunächst  Anregung: ­
  das  geht  immer  einige  Wochen,  und  der  gequälte  Zustand ­
  beginnt  von  neuem.  Und  doch  —  ich  muß,  hören  Sie,
ich  muß  sie  zeitweilig  verlassen,  weil  sonst  die  monotone  Arbeit
mich  zermürbt.  Dann  lebe  ich  in  elender  Schlafstelle,  von  meinen
Lieben  getrennt,  und  wilde  Sehnsucht  quält  mich.“  Bei  einem
Metalldreher,  der  tagtäglich  seit  sechseinhalb  Jahren  dieselben
Stücke  dreht,  wirkt  die  Arbeit  so  deprimierend,  daß  er  seine  Maschine ­
  öfters  mit  Vehemenz  zum  Stillstand  bringt  und  davonläuft,
in  die  Schmiede,  Schlosserei,  und  wahrhafte  Freude  empfindet,
wenn  die  Arbeitsmaschine  plötzlich  versagt,  obgleich  er  als
Akkordarbeiter  durchaus  materiellen  Verlust  erleidet.  Ein  Maschinenschlosser ­
  wirft  öfters  den  Antriebriemen  herunter,  wenn
die  Monotonie  der  Arbeit  für  ihn  nicht  mehr  erträglich,  oder  er
ölt  die  Maschine  so  oft,  daß  sie  nachher  in  Öl  schwimmt,  um
Gelegenheit  zu  haben,  das  überflüssige  öl  abzuwischen.  Ein
Schmiedegeselle  schreibt  poetisch:
„Es  klingt  der  Amboß  unter  meines  Hammers  Schlag,
Sein  Klang  tönt  voll  in  meiner  Seele  wieder,
Denn  auch  da  drinnen  grollt  es  dumpf  und  bang,
.Wenn  man  mir  Fesseln  schlägt,  die  Arbeit  macht  zur  Last,
Doch  lustig,  heiter,  wenn  die  Arbeit  Freude*.“
Ein  Metallschleifer:  „Ich  finde  kein  Interesse  an  meiner
Arbeit,  und  sehe  ich  am  Feiertage  auch  nur  die  Schornsteine
Unserer  Fabrik,  dann  ist  es  mir,  als  würde  ich  an  etwas  recht
Ungehöriges  erinnert.“  Eine  ganze  Kategorie  Arbeiter,  die  in  einer
Automobilfabrik  beschäftigt  und  immer  dieselbe  monotone  Teilarbeit ­
  zu  verrichten  haben,  hatten  gar  keine  Uhr  mehr  nötig.
Sie  sahen  an  ihrer  eintönigen  Beschäftigung,  welche  Zeit  es  ist
Ein  Metallarbeiter,  der  nur  Weißblech-Kaffeebretter  stanzt:  Immer
dieselbe  Arbeit.  Immer  bumst  die  Maschine.  In  der  ersten  Zeit
hatte  ich  oft  zu  singen  oder  zu  flöten  versucht.  Das  habe  ich
*  Adolf  Levenstein,  „Arbeiterphilosophen  und  Dichter“,  Morgen-Verlag
Berlin  W  9,  1909.
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aber  aufgegeben.  Man  hört  es  ja  gar  nicht.  Das  Getöse  ist  so
laut,  daß  man  schreien  müßte.  Darum  lieber  schweigen  |und
grübeln.“
Ein  Eisendreher:  „In  meinem  Grübeln  habe  ich  öfters  den
Ort  vergessen,  an  dem  ich  mich  gerade  befinde.  Der  Rollgang,
welcher  von  Maschine  zu  Maschine  führt,  liegt  voll  Schienen,
Meine  Hintermänner  können  nicht  Weiterarbeiten.  Wüstes  Geschimpfe ­
  klingt  an  mein  Ohr.  Dann  zücke  ich  zusammen.  Hastig
ziehe  ich  die  Schiene  hervor,  knarrend  fressen  die  Bohrer  sich
durch.  Ein  kräftiger  Schub  —  das  Arbeitsstück  rutscht  weiter,
und  so  geht  es  fort  in  immer  gleichem  Tempo.  Den  ganzen  Tag,
jahraus,  jahrein.  Immer  die  gleiche  klappernde  Melodie.“
Wo  dauernd  derartige  Unlustaffekte  die  Arbeit  begleiten,  da
fehlt  eben  die  Arbeitsfreude,  die  vor  der  Verkümmerung  der
Persönlichkeit  bewahrt.  Nicht  das  Materielle  ist  für  den  modernen ­
  Arbeiter  ausschlaggebend,  sondern  die  seelische  Würde
seiner  berufsmäßigen  Arbeit.
„Ich  mag  und  will  nicht  zur  Maschine  degradiert  werden“,
schreibt  verzweifelnd  ein  27  jähriger  Metalldrucker.  „Lieber
20  Mark  anstatt  36  Mark  verdienen,  aber  nicht  tagtäglich  mit  Ekel
zur  Arbeit  gehen  müssen.  Nur  am  Sonnabend  steigt  das  Barometer ­
  der  Arbeitsfreude.  Am  Sonnabend  ist  die  Arbeitszeit  Um
eine  Stunde  kürzer.  Gott  sei  Dank,  wieder  einmal  eine  Woche
herum.  Trotzdem  der  Sonnabend  die  unangenehmste  Arbeit
bringt:  Putzstunde,  herrscht  dann  in  den  Fabriksälen  eine  gehobene ­
  Stimmung,  es  ist,  als  ob  selbst  die  Dampfsirenen  freundlicher ­
  klingen  .“  Und  doch  preist  ein  Berliner  Maschinenschlosser ­
  den  Siegeszug  der  Maschinen,  allerdings  vom  ällgegemeinen
  Solidaritätsstandpunkte  aus:  „Das  wahrhaft  Gute  hat
die  Maschinenarbeit  geschaffen,  bei  der  Maschinenarbeit  sind
gelernte  und  ungelernte  Arbeiter  ziemlich  gleichgestellt.  Infolgedessen ­
  verschwindet  der  Kastengeist.  Die  gelernten  wie  die  ungelernten ­
  Arbeiter  haben  unter  gleichen  Existenzbedingungen  zu
kämpfen.  Sie  werden  mehr  gleichheitlich  aüsgebeutet.“  Ein
Metallgießer:  „Ich  suche  auch  der  Arbeit  die  beste  Seite  abzugewinnen. ­
  Wenn  Feierabend,  wird  fix  gewaschen,  das  Rad  heruntergeholt, ­
  und  dann  denke  ich  nicht  daran,  daß  ich  morgen;
wieder  dieselbe  Marter  erleben  muß.  Zu  Hause  passen  meine
Kinder,  fünf  sind’s,  schon  an  der  Straßenecke  auf.  Dann  werde
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        ich  gleich  mit  Hurra  empfangen,  und  dann  juckts  mir  in  der
Haut.  Ich  habe  dann  die  größte  Lust,  irgendeine  Dummheit  zu
begehen.“
Wird  das  Wechselverhältnis  zwischen  Gehirn-  und  Muskelarbeit ­
  gestört,  und  geht  eine  Arbeitsteilung  vor  sich,  die  auf
Trennung  der  Gehirnarbeit  von  der  Muskelarbeit  abzielt,  so  wird
die  natürliche  Unterlage  der  Arbeit  zerstört,  sie  wird  zur  Last,
welche  die  Menschennatur  erdrückt.  Dies  trifft  ganz  besonders
bei  der  Kategorie  der  Bergarbeiter  zu.  „Das  Menschentum  wird
schimpflich,“  schreibt  ein  Kohlenhauer,  „inmitten  eines  brutalen
Arbeitsprozesses.“  Und  weiter:  „Wenn  ich  als  Lohnarbeiter  in
dem  Getöse  der  Grubenarbeit  verhüllt  darüber  nachgrüble,  wie  es
kommt,  daß  der  Fluch  der  Arbeit  so  bleiern  auf  mir  lastet,
dann  möchte  ich  aufschreien,  wild,  gellend  vor  Wut  Und  innerem
Groll.  Aber  ich  muß  schweigen,  muß  mich  hineinschweigen  in
mein  Herz,  und  doch  tief  in  der  Brust  seufzt  die  todmüde  Seele.
Täglich  heruntergerissen  in  die  geologischen  Tiefen  des  verkohlten ­
  Urwaldes  kühle  ich  die  gemarterte  Stirn  an  dem  Gefels  des
Jura.  Wahrhaftig:  ein  niederträchtiger  Fluch  hängt  sich  an  diese
Arbeit.  Wie  ein  Grabeslied  kreischt  es  einem  jeden  Tag  ins  Ohr:
Wir  müssen  unser  Quantum  haben  oh,  wie  müde  und  zerschlagen ­
  —  —  noch  ein  paar  Schaufeln  Kohle  .  .  .  wie  die
Hitze  drückt  .  .  .  Immer  noch  Kohlen  .  .  .  ein  paar  Schippen
noch  .  .  .  der  Steiger  will  Kohlen  haben  .  .  .  eine  Elendsrackerei
.  .  .  ein  Hündsgedinge  .  .  .  Kohlen  .  .  .  Kohlen  .  .  .  Kohlen  .  .  .“
Ein  anderer  Bergmann  drückt  sich  ganz  besonders  drastisch
aus:  „Nehmen  wir  einen  Ziehhund,  der  bei  28  Grad  Hitze  unter
Aufbietung  aller  seiner  Kräfte  einen  Lastwagen  einen  ziemlich
steilen  Berg  hinaufzuschaffen  hat  und  der  Besitzer  des  Hundes
hat  nur  das  eine  Interesse,  soviel  als  möglich  Last  hinaufziehen
zu  lassen,  ohne  Rücksicht  auf  die  physischen  Kräfte  des  Hundes,
so  braucht  man  kein  großer  Hundefreund  zu  sein,  um  einzusehen,
solche  Arbeit  bedeutet  Qual.“  Besonders  scheint  das  Maß  des
Erträglichen  bei  jener  Kategorie  Bergarbeiter  überschritten  zu
sein,  die  schwer  laufende  Hunde  auf  versandetem  Gestränge
schieben  müssen.  „Wir  hatten  einen  Wagen  auf  der  Strecke
festliegen“,  äußert  sich  ein  Bergarbeiter.  „Alle  unsere  Bemühungen, ­
  ihn  loszubekommen,  waren  umsonst.  Da  schlug  mein
Kamerad,  ein  Vater  von  sechs  Kindern,  die  Lampe  aus,  gebärdete
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        sich  wie  toll  und  rief,  zum  Kohlenflöz  gewendet:  Nun  Teufel,
hole  mich.  Dabei  war  er  gut  katholisch.“
Man  ahnt,  welch  eminente  Bedeutung  für  die  gesamte  seelische ­
  Verfassung  des  Arbeiters  die  Arbeitsfreude  oder  der  Mangel
an  ihr  hat.  „Die  gewaltigen  Materialien  über  die  Unfallneurosen“,
sagt  Hellpach,  „sind  bisher  vorwiegend  von  diagnostischem  und
prognostischem  Gesichtspunkte  aus  betrachtet  worden.  Die  Wahrscheinlichkeit, ­
  daß  der  technische  Fortschritt  auf  dem  Gebiete
der  Arbeitsmaschinen  nicht  ohne  Beziehungen  zu  gewissen  seelischen ­
  Gesundheitsschädigungen  innerhalb  der  Lohnarbeiterschaft ­
  geblieben  ist,  wird  wohl  ihren  Platz  in  der  Reihe  exakt  begründeter ­
  Erkenntnisse  erhalten  müssen.“
Wenn  der  Ertrag  meiner  Arbeit  mir  oder  der  Gesamtheit  gehören ­
  würde,  wäre  mir  meine  Arbeit  Vergnügen  —  ein  Satz,  der
sich  vielfach  wiederholt.  Daß  der  Arbeitsertrag  dem  Erzeuger  gehören ­
  müsse,  diktiert  ihm  sein  Rechtssinn.  Die  Störung,  die
Verletzung  dieser  Überzeugung  regt  sein  Innerstes  auf  und  wühlt
die  heftigsten  Gefühle  empor.

Macht  Ihnen  Ihre  Arbeit  Vergnügen  oder  haben  Sie  kein  Interesse ­
  an  derselben?
Bergarbeiter.  Entlohnungsform:  Gedinge.

t-&amp;lt;D

&amp;lt;

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

Jhr.

std.

M.

ca

18

8

15,—

Bergm.

Sie  macht  mir  Vergnügen.  (4.)  [B.  Schles.)

19

9 1 /*

17,50

Bergm.

Durchaus  kein  Interesse.  (3.)  [B.  R.]

20

10

16,—

Bergm.

Nein.  (3.  t.)  [B.  Schles.]

21

13

15,—

Bergm.

Ja.  (4.  t.)  [B.  Schles.]

22

9

18-Berg

 ­


Ich  hätte  Intresse  dran  wenn  für  mich  dabei
mehr  abfällen  möchte.  (4.  t.)  [B.  S.]

53
        <pb n="49" />
        Alter  ||

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochen-  ,

Art  der
5schäftigung

Jhr

.  Std.

M.

ca

23

9

15,-Berg

 ­


Die  Arbeit  fern  von  Licht  und  Sonne  in
Geschoßrauch  und  von  üblen  Erddünsten
geschwängerten  Luft  macht  keine  Freude.
(3.  t.)  [B.  Schles.]

24

8

30,—

Bergm.

Ist  mir  gleich.  (4.  t.)  [B.  R.]

25

8

14,-Berg

 ­


Wenn  Gesundheit  vorhanden,  dann  ist  es
Spielwerk,  zu  arbeiten.  (4.  t.)  [B.  Schles.]

26

11  V&amp;gt;

20,—

Lehrhauer ­


Die  Arbeit  macht  mir  kein  Vergnügen.  Ich
gehe  in  die  Arbeit  grad  als  in  den  Tod.
( 3 .t.)  [B.R.]

27

9

27,-Berg

 ­


An  der  Arbeit  fern  von  Licht  und  Sonne
habe  ich  keine  Freude.  Die  Nachtschicht
ist  mir  ein  Greuel,  denn  ich  möchte  lieber
bei  Nacht  schlafen.  (3.  t.)  [B.  R.]

28

97s

24,-Berg

 ­


Wie  kann  mir  die  Arbeit  Vergnügen
machen,  wenn  ich  schuften  muss  wie  ein
Hund?  Interesse  muß  man  haben,  um
leben  zu  können.  (1.  t.)  [B.  S.]

29

8

22,—

Bergmann ­


Ich  habe  Vergnügen  an  der  Arbeit,  wen
man  genügend  Geld  dabei  ferdient.  (4.  t.)
[B.R.]

30

8

28,—

Bergmann ­


Von  Vergnügen  kann  keine  Rede  sein,  denn
das  Bergmannsloß  wird  wohl  das  traurichste
  auf  der  Weid  sein.  (3.  t.)  [B.  S.)

31
54

9

28,-Berg

 ­


Wen  Ich  nur  genug  Geld  dafür  verdinte.
(4-t.)  [B.S.]

Bergmann ­


Bergmann ­

Bergmann ­


Hauer

Kohlen
hauer

Meine  Arbeit  macht  mir  deshalb  kein  Vergnügen, ­
  weil  mich  der  Aufenthalt  in  der
Grube  schon  traurig  stimmt.  (3.)  [B.  R.]
Die  Arbeit  muß  mir  Vergnügen  machen,
den  ich  bin  zum  Arbeiten  gebohren.  (4.  t.)
[B.R.]
Meine  Arbeit  macht  mir  absolut  keinVergnügen,
  das  ist  auch  wohl  im  Bergbau  so
gut  wie  ausgeschlossen.Wenigstens  habe  ich
noch  niemand  kennen  gelernt,  der  Vergnügen ­
  an  der  Grubenarbeit  fände.  Man
verrichtet  seine  Arbeit  rein  mechanisch,
unter  einem  Zwang  stehend.  Wenn  man
nicht  Vagabund  werden  will,  muß  man  arbeiten, ­
  Und  in  anderen  Berufen  würde  man
auch  nichts  Besseres  finden.  Ich  habe  zuweilen ­
  Interesse  für  neue  technische  Errungenschaften ­
  im  Bergbau,  neue  Abbaumethoden, ­
  neue  Maschinen,  auch  für  die
manchmal  eigenartigen  Gebirgsformationen.
(1.)  [B.R.]
Arbeiten  tue  ich  gerne,  wenn  die  Arbeit
nur  bezahlt  wird,  daß  ich  standesgemäß
leben  kann.  (3.  t.)  [B.  R.]
Ja.  Aber  nur  soweit  sich  die  Arbeit  in  bescheidenen ­
  Grenzen  hält.  Bei  der  jetzigen
viehischen,  übermenschlichen  Antreiberei
und  Jagd  nach  dem  schwarzen  Diamanten
nicht.  (1.)  [B.R.]

55
        <pb n="50" />
        Alter  II

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
jschäftigung

Jhr

Std.

M.

ca

37

9

22,—

Kohlen
hauer

Als  richtiger  Arbeitsgaul  arbeite  ich  jede
körperliche  Arbeit  gern,  so  anstrengend  sie
auch  sein  mag.  (2.)  [B.  Schles.]

38

8

30,—

Bergmann ­


Wohl  habe  ich  Interesse  an  meiner  Arbeit,
doch  wird  dieses  durch  das  kapitalistische
System  Und  dessen  Handlanger  in  mir  ertötet, ­
  indem  man  mich  tagtäglich  fühlen  läßt,
daß  ich  weiter  nichts  bin  als  Arbeitsmaschine, ­
  die  ohne  Murren  zu  gehorchen  hat.
(2.t.)  [B.S.]

39

10

37-Hauer


j

Die  Arbeit  möchte  mir  Vergnügen  machen
wen  ich  möchte,  daß  verdienen  daß  ich  mit
meiner  Famielie  waß  zum  Essen  und  meine
Kleider  zu  anziehen  möchte  haben.  An  Interesse ­
  liegts  mir  darauf  an  daß  ich  für
meine  schwere  Arbeit  noch  von  Afsehrn
und  Steiger  beschimpft  werde.  (3.  t.)  [B.  R.]

40

8

28,—

Bergmann ­


Die  Not  und  die  Familie  zwingt  mir  dazu.
(4-1.)  [B.S.]

41

12

35,—

Bergmann ­


Ja.  Zu  liebe  meines  Hailands  weil  er  sich
für  mir  ans  Kreuz  hatt  Nageln  lassen.  (4.  t.)
[B.R.]

42

8 x /a

30,—

Bergmann ­


Ja.  Denn  es  giebt  keine  interessantere  Arbeit ­
  wie  die  des  Bergmanns.  Nur  darf  man
kein  gedankenloses  Individuum  sein,  denn
dieses  hat  kein  Interesse  an  den  verschie-56



!

1

j

denen  Gebirgslagerungen  usw.  (1.)  [B.  S.]

j h,r  •

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Std.

M.

M
C
.  3
O
T3  Ä
:cü

CG

43

44

45

10

46

47

48  I  8

28,—

38,-18,60



Bergmann ­

Bergmann ­


Bergmann ­


35,-27,—



Bergmann ­


21,-Berg-




Berghauer ­


Wen  ich  einen  auskömmlichen  Lohn  verdiene. ­
  (4.  t.)  [B.  S.]
Da  meine  Arbeit  beinahe  keine  Arbeit  ist,
sondern  Qual,  ist  von  Vergnügen  keine
Rede,  auch  kann  ich  kein  rechtes  Interesse
daran  finden,  aber  als  gewissenhafter
Mensch  führe  ich  sie  gewissenhaft  aus.
(2.t.)  [B.R.]
Vergnügen?  Insofern  ja,  weil  sie  mir  regelmäßiges ­
  Einkommen  garantiert  und
wir,  so  lange  ich  sie  leisten  kann,  nicht
hungern  brauchen.  Interesse?  Soweit
sie  mir  Vergnügen  macht.  (2.  t.)  [B.  Schles.]
Ich  muß  mich  leider  für  den  Kohlberg  intressieren
  da  es  mein  Brot  Erwerb  ist.  Natürlich ­
  wäre  mir  lieber  ich  könnte  Coupon
abschneiden.  Der  Rücken  würde  mich
nicht  so  Schmerzen  bei  dieser  Art  Arbeit.
(1.)  [B.R.]
Vergnügen?  nein.  Aber  Interessant  wird
die  Arbeit  durch  meine  Nebenbeschäftigung ­
  (Geologie)  Stratigrafie  und  Palaeontologie.
  (2.)  [B.  S.]
Interesse  hat  man  ja  bisweilen  an  der  Arbeit, ­
  aber  von  Vergnügen  bei  unsrer  Arbeit, ­
  wenn  das  Holz  knistert  und  kracht,
das  Gestein  berstet,  da  ist  wohl  keine
Rede.  (3.  t.)  [B.  Schles.]

57
        <pb n="51" />
        58

tm
&amp;lt;

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäftigung

Jhr

Std.

M.

ca

49

87,

30,—

Bergmann ­


Gern  arbeite  ich,  auch  ist  mir  mein  Beruf
nicht  zuwieder,  doch  glaube  ich  das  es
mehr  Lust  machen  würde  zu  arbeiten  wenn
man  ohne  pekunäre  Sorgen  und  mit  dem
Bewußtsein  arbeiten  könnte  das  der  Arbeitsertrag ­
  der  Allgemeinheit  und  nicht
zum  wesentlichen  einzelnen  vielleicht  der
Menschheit  wenig  nützlichen  Elementen
zu  Gute  käme.  (2.  t.)  [B.R.]

50

10

27,-Berg

 ­


Ich  arbeite  gern,  aber  der  Ertrag  der  Arbeit ­
  müßte  mir  zufallen.  (3.  t.)  [B.  S.]

51

87s

25,—

Bergm.

Nein.  (4.  t.)  [B.  Schles.]

52

8

25,-Berg

 ­


Ginge  nicht  in  die  Grube,  wenn  ich  nicht
müßte.  (3.  t.)  [B.  R.]

53

9

21,-Berg

 ­


Solange  wie  ich  auskömmlich  entlohnt
wurde,  habe  ich  mit  Lust  und  Liebe  meine
Arbeit  verrichtet.  Als  ich  aber  bei  herannahendem ­
  Alter  schlechter  entlohnt,  junge
Kollegen  mir  vorgezogen  und  immer  mehr
tyrannisiert  wurde,  da  wurde  mir  meine
ohnehin  schon  schwere  Arbeit  zum  Ekel.
(2.)  [B.  Schles.]
        <pb n="52" />
        59

Nach  Gegend,  Alter  und  Lohnklasse  registriert:
a)  Die  Lust  an  der  berufsmäßig  en  Arbeit  überwog:

Altersklasse

Lohnklasse

o?
1
S

°/o

o
Tt«
1
8

o/o

8
1
O
Tf

7o

Summa

£
1
o

°/o

20-30  M.

7o

30-40  M.

7o

Summa

Bergarb.  Ruhrgeb.

106

13,0

59

7,3

6

0,7

171

4

0,5

68

8,4

99

12,2

171

Bergarb.  Saargeb.

56

7,8

34

4,7

15

2,0

105

9

1,2

71

9,7

25

3,4

105

Bergarb.  Schlesien

14

2,5

28

5,0

—

—

42

27

4,9

15

2,7

—

—

42

Summa:

176

—

121

—

21

—

318

40

-

154

—

124

—

318

b)  Die  Unlust  an  der  berufsmäßigen  Arbeit  über
wo  g:

Altersklasse

Lohnklasse

»““J
O
CO
1
o
CM

7•

30-40J.

0/0

8
1
O
Tf

7»

Summa

£
8
1
©

7»

20-30  M.

7  o

30-40  M.

7®

Summa

Bergarb.  Ruhrgeb.

257

31,7

206

25,4

44

5,4

507

60

7,4

229

28,2

218

26,9

507

Bergarb.  Saargeb.

204

28,4

300

41,6

22

3,0

526

38

5,2

454

63,5

34

4,8

526

Bergarb.  Schlesien

61

11,0

164

30,0

4

0,7

229

184

31,5

45

8,1

—

—

229

Summa:

522

—

670

-

70

—

1262

282

—

728

—

252

—

1262

c)  Gleichgültig  verhielten  sich:

Altersklasse

Lohnklasse

O
CO
i
§

7®

o
Tj«
1
8

0/0

40-50  J.

7«

Summa

10—20  M.

7o

20-30  M.

7*

30-40  M.

7»

Summa
1

Bergarb.  Ruhrgeb.

48

6,0

18

2,2

5

0,6

71

50

6,3

21

2,6

71

Bergarb.  Saargeb.

30

4,2

38

5,3

4

0,6

72

2

0,3

64

8,8

6

0,8

72

Bergarb.  Schlesien

67

12,0

136

24,6

20

3,5

223

204

36,8

19

3,4

—

—

223

Summa:

145

—

192

—

29

—

366

206

—

133

—

27

—

366
        <pb n="53" />
        d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Altersklasse

Lohnklasse

20—30  J.

7  o

30—40  J.

7°

40-50  J.

7»

Summa

10—20  M.

7  -

20-30  M.

7  o

30-40  M.

7«

Summa

Bergarb.  Ruhrgeb.

30

3,7

18

2,3

13

1,7

61

5

0,6

42

5,2

14

1,7

61

Bergarb.  Saargeb.

4

0,6

10

1,4

3

0,4

17

1

0,1

16

2,2

—

—

17

Bergarb.  Schlesien

22

4,0

30

5,3

8

1,4

60

54

9,8

6

1,8

—

—

60

Summa:

56

—

58

—

24

—

138

60

—

64

—

14

—

138

Vergnügen  bei  der  berufsmäßigen  Arbeit  emp
fanden:
Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive.

Ohne  Angabe
von  Gründen

Vergnügen  bei
gutem  Verdienst

Aus  Gewohnheit ­


Bergarbeiter  Ruhrgebiet

37

92

42

Bergarbeiter  Saargebiet

11

72

22

Bergarbeiter  Schlesien

8

34

—

Summa:

56

198

64

Kein  Interesse  an  der  berufsmäßigen  Arbeit
hatten:
Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive.

Ohne  Angabe
von  Gründen

Weil  Nachtschicht ­


Weil  die  Arbeit
eintönig

Weil  der  Ertrag
d.  Kapitalisten

Weil  unter
Tage

Weil  Entlohnung ­
  schlecht

Weil  Gesundheit ­
  schädlich

Wegen  großer
Antreiberei

Bergarbeiter  Ruhrgebiet

134

15

34

97

24

101

78

34

Bergarbeiter  Saargebiet

76

41

107

56

18

67

107

54

Bergarbeiter  Schlesien

93

2

18

2

1

54

37

22

Summa:

303

58

159

155

43

222

222

110

60
        <pb n="54" />
        65

Summarisch:

a)  Die  Lust  an  der  berufsmäßigen  Arbeit  über-'
  wog  bei:  318  =  15,20/0
b)  Die  Unlust  an  der  berufsmäßigen  Arbeit  überwog ­
  bei:  1262  =  60,50/0
c)  Gleichgültig  verhielten  sich:  366  =  17,60/0
d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Frage:  .  .  .  138  =  6,70/0

2084  =  100,0°

Macht  Ihnen  Ihre  Arbeit  Vergnügen  oder  haben  Sie  kein
Interesse  an  derselben?
Textilarbeiter.  E  n  11  o  h  n  u  n  g  s  f  o  r  m:  durchweg
Akkord.

Alter  I

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
äschäftigung

Jhr.

Std.

M.

CQ

20

10

19,-Weber



Meine  Arbeit  schenke  ich  mein  volles  Interesse. ­
  (4.  t.)  [T.  F.]

21

lOVs

14-Faden

 ­


Kein  Interesse.  (3.)  [T.  F.]

22

IOV2

20,—

Weber

Diese  Arbeit  macht  mier  weder  Vergnügen,
noch  habe  ich  ein  Intresse  daran.  (4.)
[T.  B.]

23

10  Vs

18-Weber



Solange  es  menschlich  und  freiheitlich  zugeht. ­
  (3.)  [T.F.]

24

107a

17  —

Färbereiarb.


Meine  Arbeit  würde  mir  Freude  bringen,
wenn  ich  ausreichenten  Lohn  hätte  und
kürtzere  Arbeitszeit.  (4.  t.)  [T.  F.]

25

10

22,—

Zwirner ­


Die  kann  mir  kein  Vergnügen  machen,  weil
der  Fabrikant  meinen  Verdienst  Einsteck.
(3.)  [T.F.]
        <pb n="55" />
        «4
0
&amp;lt;

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäftigung

Jhr

Std.

M.

cn

26

io 1 /*

24,-Weber



Ich  arbeite,  weil  ich  einfach  muß.  (3.  t.)
[T.B.]

27

10

16,-Wirker



Ich  bin  bei  der  Arbeit  so  vergnügt,  daß  ich
den  ganzen  Tag  singe.  (2.)  [T.  F.]

28

IOV2

20,-Weber



Ich  habe  ein  Interesse  daran  denn  daß  erfordert ­
  schon  Mein  Selbsterhaltungstrieb.
Die  Arbeit  ist  doch  das  waß  den  Menschen
eigentlich  zum  Menschen  macht.  Aber
heute  ist  die  Arbeit  zum  Fluch  der  Menschheit ­
  geworden.  ,{3.)  [T.  F.]

29

10V2

15-Weber



Sie  bringt  mich  zuweilen  fast  in  Verzweiflung, ­
  wenn  z.  B.  die  Kette  nicht  geht,  oder
der  Schuß  oder  gar  der  Stuhl;  Wenn  alles
geht,  sowie  es  soll,  arbeite  ich  gern.  (3.  t.)
[T.F.]

30

10

22,—

Appreteur ­


Es  macht  mich  vergnügen  ich  freue  mich
jedesmal  wen  ich  den  ganzen  Tag  ohne
Fehler  gearbeitet  habe.  (4.)  [T.  F.]

31

10

16,-Weber



Man  krigt  die  Verzweiflung.  Es  wird  dem
Menschen  bei  4  Stühlen  und  dem  miserablen ­
  Material  überhaupt  schon  unwohl,  wenn
mann  die  Arbeit  sieht.  (3.)  [T.  F.]

32
62

10V2

26,—

Weber

Jede  Arbeit,  und  mag  sie  noch  so  gering
sein,  macht  mir  Vergnügen,  wenn  sie  die
Mittel  zur  Exstenz  schafft,  (zi)  [T.B.]  ^

62

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


std.

M.

Jhr.

M
C
3
M

103
o
in
&amp;lt;u
03

33

34

35

36

37

10

IOV2

10Va

10Va

10

25,-17-





20,—

23,38

Weber

Weber

Weber

Weber

F  ärber

38

10  Vs

16,-Färbe-




Meine  Arbeit  ist  Moneton,  tägliches  einerlei ­
  es  stumpft  den  Geist  den  ganzen  Menschen ­
  ab.  Also  für  einen  gern  denkenden
Menschen  unerträglich  und  bei  zü  langer
Arbeitszeit  liegen  die  Fabrikmauem  wie
eine  schwere  last  auf  sein  Gehirn.  (3.)  [T.
F-]
Wohl  Arbeite  ich  mit  fergnügen,  der  geringe ­
  Lohn,  und  in  Folgedessen  die
Schlechte  Lebenshaltung,  die  Unterernährung, ­
  verdürbt  einem  das  Vergnügen.  (4.  t.)
[T.  F.]

Ich
F.]

hasse  meine  Arbeit  geradezu.  (1.)  [T.

An  der  Arbeit  habe  ich  kein  Interesse,  denn
die  auf  dem  Webstuhl  gefertigte  Ware  ist
roh,  und  wird  erst  nachher  gefärbt  und  appretirt,
  sodaß  ich  gamicht  weiß,  in  welcher
Weise  das  gefertigte  Stück  in  die  Hände
des  Kaufmanns  gelangt.  (1.)  [T.  F.]
Im  Anfang  hatte  ich  wohl  Vergnügen  an
meinem  Beruf,  aber  da  mit  der  Zeit  der  Arbeiter ­
  zur  Maschiene  wird,  kann  er  üuch
nicht  mehr  Interesse  haben  als  eine  Maschiene. ­
  (3.)  [T.  F.]
Interesse  an  meiner  Arbeit  habe  ich  nicht
das  Geringste,  ich  würde,  auch  nur  deswegen ­
  gern  5  Stunden  arbeiten,  weil  das
63
        <pb n="56" />
        [ff  1

u*
0
&amp;lt;

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
;schäftigung

E

Std.

I  M.

ca

ungefähr  der  auf  den  Einzelnen  entfallende
Teil  der  gesellschaftlich  notwendigen  Arbeit ­
  sein  würde,  wenn  Alle  produktiv  arbeiten. ­
  (3.)  [T.  F.]

39

97a

17,-Weber



Ich  muß  Interesse  haben,  der  Magen  verlangt ­
  es.  (4.)  [T.  F.]

40

12

18,—

Weber

Nein,  weil  mich  das  Muß  dazu  treibt,  weil
ich  über  meine  Kräfte  muß  arbeiten  Und
trotzdem,  kaum  das  nackte  Leben  fristen
kann.  Ich  bin  Mensch  wie  die  Pfaffen
sagen,  Gott  ähnliches  Geschöpf  und  muß
arbeiten  wie  ein  Thier  und  lebe  wie  ein
Tier,  denn  mit  5  gesunden  Sinne  alles  entbehren ­
  heißt  Tierisch  leben.  (1.)  [T.  F.]

41

107a

22,—

Weber

Sie  ist  mir  zur  Gewohnheit  geworden.  (3.  t.)
[T.F.]

42

107a

26,-Weber



Meine  Arbeit  hat  mir  von  der  ersten  Stunde
ab  noch  kein  Vergnügen  bereitet.  Interessant ­
  sind  mir  nur  die  Fälle,  bei  welchen
mir  der  Mechanismus  der  Webstühle  eine
besonders  harte  Nuß  zu  knacken  giebt.  (1.)
[T.  F.]

43

8

18,-Weber



Die  Arbeit  macht  mir  fergniegen,  wenn  es
klabd.  ( 4 .t.)  [T.B.]

44
64

97a

20,—

Weber

An  die  Weberei  habe  ich  die  Interesse  verloren, ­
  weil  ich  mir  nichts  mehr  auf  dem
Leibe  schaffen  kann.  (3.)  [T.  F.]
•  »

Jhr.

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Std.

M.

C
a  §&amp;gt;
•ö  ct:

&amp;lt;1&amp;gt;
CO

45  IO 1 /*  19,—'Weber

52  IO'/*

18,—  Weber

54

977

55  IOV2

22,-15,—



Tepp.-weber


Weber

Sie  macht  mich  zuweilen  Vergnügen,  auch
habe  ich  Interesse  dran.  (4.  t.)  [T.  F.]
Mir  macht  die  Arbeit  Vergnügen,  wenn  ich
des  Sonnabends  mit  einem  vollen  Portemonnaie ­
  zu  meiner  Familie  heimkehren
kann.  (3.)  [T.F.]
Die  Arbeit  macht  mir  Vergnügen,  Und  freue
ich  mich,  wenn  dieselbe  klar  und  schön
ausfällt.  (2.)  [T.  B.)
Bei  der  jetzigen  bürgerlichen  Gesellschaft
nicht.  (3.)  [T.F.]

57'  972

59

60

107a

20,-Weber



12,—  i  Weber

9  26,—  Weber

Nach  den  heutigen  Staatschium  kann  ich
keine  Intresse  an  derselben  haben.  (3.)
[T.B.]
Teilnahme  an  der  Arbeit  habe  ich  wohl,
und  zwar  aus  zweierlei  Gründen:  Einmal
mein  redlich  Teil  zu  dem,  was  die  Menschheit ­
  braucht,  beizutragen  und  so  mein  Brot
essen  zu  können,  das  andere  Mal  Betätigung
zu  haben,  um  nicht  zUm  Faultier  herabzusinken. ­
  (2.)  [T.  F.]
Nein,  im  Gegenteil,  viel  Kopfzerbrechen
und  Ärger.  Großes  Interesse  muß  ich
haben,  sonst  kann  ich  keinen  fehlerfreien;
Teppich  abliefern  Und  werde  bestraft.  (1.)
[T.B.]

65
        <pb n="57" />
        Nach  Gegend,  Alter  und  Lohnklasse  registriert:

a)  Die  Lustgefühle  an  der  berufsmäßigen  Arbeit
überwogen:

Altersklasse

Lohnklasse

O
CO
1
o
CM

7°

o
1
s

7°

40  -50  J.

7«

Summa

10—20  M.

7»

20-  30  M.

7  o

30-40  M.

7o

Summa

Textilarb.  Berlin

16

3,8

18

4,3

2

0,4

36

2

0,4

18

4,2

16

3,7

36

Textilarb.  Forst

28

3,9

11

1,7

7

0,9

46

32

4,5

14

1,8

—

—

46

Summa:

44

—

29

—

9

—

82

34

—

32

—

16

—

82

b)  Die  Unlustgefühle  an  der  berufsmäßigen  Arbeit
überwogen:

Altersklasse

Lohnklasse

So
i
8

7o

*“5
o
1
o
CO

7o

*~5
S
1
s

7°

Summa

10—20  M.

7°

20-30  M.

7«

30  -40  M.

7»

Summa  j

Textilarb.  Berlin

96

22,9

170

40,5

45

10,7

311

4

0,8

241

57,4

66

15,7

311

Textilarb.  Forst

154

20,9

361

49,2

39

5,3

554

293

39,8

261

35,5

—

—

554

Summa:

250

531

—

84

—

865;

297

—

502

—

66

—

865

c)  Gleichgültig  verhielten  sich:

Altersklasse

Lohnklasse

o
CO
1
o
CM

7»

O
I
8

7»

40-50  J.

7»

Summa

s
1
o

7«

20-30  M.

7-30

  -  40  M.

7o

Summa

Textilarb.  Berlin

2

0,4

36

8,6

21

5,2

59

42

10,2

17

4,5

59

Textilarb.  Forst

17

2,3

43

5,8

38

5,1

98

61

8,3

37

5,0

—

98

Summa:

19

—

79

—

59

—

157

61

—

79

—

17

—

157

66
        <pb n="58" />
        d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Altersklasse

Lohnklasse

20-  30J.

7«

'--J
O
1
8

7  •

—•&amp;gt;
o
IO
1
o

7«

Summa

10—20  M.

7»

20-  30  M.

7»

30-40  M.

7«

Summa

Textilarb.  Berlin

6

1,4

7

1,6

13

—

—

4

0,9

9

2,1

13

Textilarb.  Forst

5

0,7

26

3,5

10

1,3

31

27

3,5

9

1,2

—

—

3

Summa:

1  5

1  -

j  32

1  -

1  12

1  -

|  49

27

—

13

—

9

—

49

Vergnügen  bei  der  berufsmäßigen  Arbeit  empfanden: ­


Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive.

OhneAngabe
von  Gründen

Aus  Gewohnheit ­


Aus  Selbsterhaltungstrieb ­


Wenn  Verdienst ­
  gut

Textilarbeiter  Berlin

4

—

9

23

Textilarbetier  Forst

2

35

1

8

Summa:

6

35

10

31

Kein  Interesse  an  der  berufsmäßigen  Arbeit
hatten:
Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive.

Ohne  Angabe  J
von  Gründen  j

Weil  die  Arbeit
eintönig

Weil  der  Ertrag
d.  Kapitalisten

Weil  gesundheitsschädlich ­


Weil  z.schlechtes ­
  Material

Weil  der  Lohn
zu  gering

Textilarbeiter  Berlin
Textilarbeiter  Forst

54
162

147
115

64
86

9
15

3
64

34
112

Summa:

216

262

150

24

67

146

5»

67
        <pb n="59" />
        Summarisch:

a)
b)
c)
d)

Die  Lust  an  der  berufsmäßigen  Arbeit  überwog ­

  bei:  82
Die  Unlust  an  der  berufsmäßigen  Arbeit  überwog ­
  bei:  865
Gleichgültig  verhielten  sich:  157
Nicht  beantwortet  haben  diese  Frage:  ...  49

Summa:  1153

=  7-. 1  °/o
=  75,i°/o
=  -I3,6 0 /o
=  4,20/0
=  100,00/0

Macht  Ihnen  fhre  Arbeit  Vergnügen  oder  haben  Sie  kein
Interesse  an  derselben?
Metallarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg
Akkord.

&amp;lt;
jh7

Tägliche
Arbeitszeit

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Std.

M.

c
S  S&amp;gt;
T3
^  :c&amp;lt;3
1-^
  10

&amp;lt;U

20  10  20,—

2!  |  9

Schlos
ser

36,—  Masch.
Schlosser ­



23110  30,—jSchlosser



Diese  Frage  unterliegt  einer  schwankenden
Antwort.  Vergnügen  piacht  sie  insofern,
wenn  sie  fertig  ist  und  auf  mich  einen  wohlgefälligen ­
  Eindruck  macht.  Interesse  habe
ich  daran  keins,  wenn  ich  an  den  Zweck
und  Nutzen  dieses  meines  Produkts  in
seiner  jetzt  beginnenden  Funktion  denke.
(2.)  [M.S.]
Bei  neuen  Arbeiten  und  komplizierten
Sachen  habe  ich  Interesse.  Massenartikel
widern  mich  an.  (2.  t.)  [M.  B.]
Wenn  ich  die  offene  Wahrheit  sagen  darf,
macht  sie  mir  kein  Vergnügen.  (3.  t.)  [M.
B-]

68

Jhr

«M

a

SD

O

'6

J3

X

0

—*

O

(/&amp;gt;

G0

&amp;lt;D

’tL

*5

X
0

O

:e3
H

X
u
&amp;lt;

3
a

U
&amp;gt;

&amp;lt;

O

&amp;lt;D

Std

M.

CQ

24

25

26

27  10

28

29  8

30  10

35,—

Schlosser ­


9 l h

31,—

Mess.-stanzer


43  —

Dreher

SOMesser ­


arbeit.

SO,—

Metallschlei ­
 ­


42,-For

 ­


30  —

'  Eisendreher ­


Diese  Frage  kann  ich  mit  einem  glatten
Nein  beantworten.  Der  privatkapitalistische
Produktionsprozeß  hat  mir  das  Interesse
an  der  Arbeit  gründlich  ausgetrieben,  da
ich  nur  einen  Bruchteil  des  mir  von  rechtswegen
  zustehenden  wirklichen  Wertes
meiner  Arbeit  in  der  Form  von  Lohn  erhalte. ­
  (i.t.)  [M.B.]
Ich  gleiche  der  Maschine,  die  durch  Kraft
angetrieben  wird.  (2.  t.)  [M.B.]
Interesse  habe  ich  an  der  Arbeit  wohl  nur
aus  dem  Bestreben,  Geld  zu  verdienen,  (i.t.)
[M.B.]
Jawohl,  ich  habe  Interesse  an  derselben.
(4.)  [M.  Schl.]
Besonderes  Interesse  habe  ich  an  meiner
Arbeit  nicht,  aber  wenn  sie  fertig  ist,  zumal ­
  Figuren,  freue  ich  mich  über  deren
Aussehen.  (3.)  [M.  B.]
Meine  Arbeit  ist  im  großen  und  ganzen
interessant,  Und  da  ich  mich  nicht  übermäßig ­
  anstrengen  brauche,  verrichte  ich
sie  je  yiach  der  Art  mit  oder  ohne  Vergnügen, ­
  erfülle  jedoch  in  beiden  Fällen
meine  Pflicht.  (2.)  [M.  B.]
Nein.  Ich  verrichte  meine  Arbeit  nur  mechanisch. ­
  (2.  t.)  [M.S.]

,9
        <pb n="60" />
        Jhr.

o  a&amp;gt;
X3  N
a  ca
TSb'S
:oj  Xi

Std.

c  ,
X!  C  2
O  o  G
2ä.H
X.  Q  T-l
goS
|^&amp;gt;

M.

ui
c
3
M
£?
x:

DQ

31

10

25,-,

Schlosser


Die  Not  zwingt  mich,  Interesse  zu  haben.
Wäre  dies  nicht  der  Fall,  würde  ich  etwas
anderes  tun,  als  in  der  staub-  und  rauchgeschwängerten ­
  Fabrikhalle  zwischen  Polacken
  und  anderen  geistig  zurückgebliebenen ­
  Menschen  zu  frohnden.  Ein  Gefühl,
das  ein  gesunder  Mensch  Vergnügen  nennt,
kann  ich  meiner  Arbeit  nicht  abgewinnen,
(i.)  [M.S.]

32

9 3 U

36,—!  Werkzeug-




Die  Arbeit  an  sich  macht  mir  sehr  viel
Freude.  Ich  glaube  sogar,  sie  zur  Erhaltung ­
  meines  Gleichgewichts  zu  bedürfen.
Es  ist  dies  allerdings  nicht  der  Fall,  wenn
ich  anhaltend  [monotone  Arbeit  verrichten
muß.  Dann  kann  sich  die  Unlust  bis  zum
Ekel  steigern.  In  Zeiten,  da  ich  ganz  im
Banne  von  Zukunftsstaatsplänen  war,  verursachte ­
  mir  die  Erkenntnis  von  der  sozialen ­
  Unwichtigkeit  meiner  Hand  eine  Geringschätzung ­
  meiner  Arbeit,  was  natürlich
auch  das  Interesse  an  ihr  erlahmen  ließ.
Heute  ist  meine  berufliche  Arbeit  wieder
meine  mich  nährende  Kuh  geworden,  und
schäme  ich  mich,  wenn  ich  Interesselosigkeit ­
  verspüre.  (2.)  [M.  B.]

25-Schmled



Ich  habe  mich  mit  der  Arbeit  insofern  abgefunden, ­
  da  ich  weiß,  daß  jeder  Kulturfortschritt ­
  nur  auf  der  Arbeit  beruht  und  die
meine  ebenso  wertvoll  ist  wie  jede  andere.
(2.)  [M.S.]

70

Mechaniker ­


Eisendreher ­


Dreher

Metallarbeit. ­


Scheren- ­

 ­


Im  großen  und  ganzen  macht  mir  meine
Arbeit  Vergnügen.  Es  kommen  natürlich
auch  Arbeiten  vor,  bei  denen  das  Interesse
nicht  so  groß  ist,  weil  sie  weniger  Fertigkeit ­
  und  Nachdenken  erfordern.  Da  muß
man  sich  trösten,  daß  diese  Arbeit  ja  auch
gemacht  werden  muß  und  das  nächste  Mal
bessere  Arbeit  an  die  Reihe  kommt.  (2.  t.)
[M.S.]
Meine  Arbeit  bereitet  mir  kein  Vergnügen,
da  mich  stets  der  Gedanke  dabei  plagt,
daß  ich  nur  soweit  besoldet  werde,  um
meine  körperliche  Energie  in  Harmonie  zu
halten.  Also  ich  bin  ein  Sklave.  Folglich
geht  mir  das  Interesse  an  der  Arbeit  verloren. ­
  (i.t.)  [M.  B.]
Ja.  Solange  ich  nicht  daran  denke,  für  wen
ich  arbeite  und  daß  ich  als  Entgelt  nur  eine
Entschädigung  erhalte.  Gern  würde  nur  für
die  Allgemeinheit  arbeiten.  (2.  t.)  [M.  S.]
Will  ich  meine  Familie  ehrlich  durchbringen, ­
  muß  ich  mit  Vergnügen  arbeiten,  weil
ich  dann  mehr  fertig  bringe.  (2.  t.)  [M.  S.]
Es  macht  grade  nicht  viel  Vergnügen,  aber
man  hat  doch  mitunter  eine  gewisse  Arbeitsfreude, ­
  wenn  man  vom  Fabrikanten
freundlich  behandelt  wird.  (3.  t.)  [M.  S.]

71
        <pb n="61" />
        Jhr

Std.

M.

oa

39

8

40,-Dreher



40

9 1 /*

30,—

Metallschlei ­
 ­


41

9

40,-Masch.


Schlosser ­


42

11

25,—

Metallarbeit. ­


43

97a

28,—

Dreher

44

1072

24,—

Feilenhauer ­


45

974

38,—

Fraiser

72

Interesse  habe  ich  an  der  Arbeit,  aber  Vergnügen ­
  macht  sie  schon  lange  nicht  mehr,
wenn  man  mitansehen  muß,  wie  schwache
Kollegen  von  minderwertigen  Meistern
schikaniert  werden.  (3.)  [M.B.]
Meine  Arbeit  macht  mir  kein  Vergnügen,
und  jeder  Tag  ist  für  mich  verloren,  und
wird  für  mich  zur  Höllenqual.  (3.)  [M.  S.]
Wenn  man  mich  anständig  behandelt,  arbeite ­
  ich  gern  und  mit  ganzem  Interesse.
Da  ich  den  Grundsatz  besitze,  wie  inan  sich
wehrt,  so  wird  man  geehrt,  so  habe  ich
auch  in  meiner  jetzigen  Stellung  mir  die
Achtung  als  Arbeiter  erworben.  (2.)  [M.B.]
Stellen  Sie  sich  vor,  Sie  hätten  bereits  24
Jahre  jeden  Morgen  eine  Kaffeemühle  genommen ­
  und  [dann  im  Akkord  täglich  n
bis  13  Stunden  gedreht,  so  können  Sie  vielleicht ­
  begreifen,  wieviel  Interesse  ich
meiner  Arbeit  entgegenbringe.  (1.)  [M.  S.]
Das  Akkordsystem  macht  einen  die  Arbeit ­
  zur  Qual  durch  das  eintönige  einerlei
Jahr  aus  Jahr  ein  verliert  mann  das  Interesse. ­
  (3.  t.)  [M.  S.]
Bin  gänzlich  Satt  davon.  (4.  t.)  [M.  S.]
Nur  freiwillige  Arbeit  würde  ein  Vergnügen
sein.  (1.)  [M.B.]

Alter

D  &amp;lt;D
M
O
tos  -O

e  ,  «-c
  £
C/3  %  H
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i!^&amp;gt;

Jhr.
46

tC  1
s  I

CQ

9 1 /j

47

48

9 1 /*

36,-Modell


Schlosser ­


21-Metall-




Ich  freue  mich  immer,  wenn  es  mir  gelungen ­
  ist,  die  mir  gemachten  Aufträge
nach  gelieferten  Zeichnungen  genau  passend ­
  und  sauber  fertigzustellen.  Ich  finde
darin  eine  gewisse  Befriedigung  und  habe
das  Bewußtsein,  daß  ich  meinen  Teil  zur
Erhaltung  und  Verschönerung  des  Ganzen
beigetragen  habe.  (2.)  [M.  B.]
O  ja.  Aber  man  müßte  als  Arbeiter  nur
bessereBehandlung  haben,  aber  die  meisten
Chefs  grüßen  ihre  Arbeiter  morgens  und
mittags  nicht,  wenn  sie  in  den  Arbeitsraum
treten.  (3.)  [M.  O.]
Ich  habe  ein  lebhaftes  Interesse  an  ihr
durch  ihre  Verschiedenheit.  Einförmige  Arbeit ­
  wäre  mir  das  Greulichste.  Monotone
Maschinenarbeit  würde  ich  nur  gezwungen
verrichten.  (3.)  [M.  B.]
Nach  Gegend,  Alter  und  Lohnklasse  registriert:
a)  Die  Lustgefühle  bei  der  berufsmäßigen  Arbeit
überwogen:

36,-Schlos-




Altersklasse  ]

Lohnklasse

1 —a
O
CQ
1
3

7  «

O 5
rr
1
0
CQ

°/o

40-50  J.

0/0

Summa  '

10—20  M.

7«

20—30  M.

7.

30—40  M,

%

S
S
l
s

Io

Summa

Metallarb.  Berlin

49

6,8

96

13,4

14

1,8

1591

11

1,5

37

5,1

106

13,5

5

0,6

159

Metallarb.  Soling.

62

8,8

49

7,0

12

1,8

123

29

4,1

82

11,7

12

1,4

—

123

Metallarb.Oberst.

14

3,5

9

2,2

2

0,5

25

21

5,3

4

1,0

—

25

Summa:

125

—

154

28

—

307  j]  61

—

123|  —  |11»|  —

|  307

71
        <pb n="62" />
        74

b)  Die  Unlust  an  der  berufsmäßigen  Arbeit  überwog: ­


Altersklasse

Lohnklasse

—~3
O
CO
S

°/o

30-40J.

0  /
Io

-4
°
1
o
tP

°/o

Summa

10-20  M.

°/o

20—  30  M.

0/
10

30  -40  M.

°/o

|40—50  M.

%

Summa

Metallarb.  Berlin

141

19,8

271

38,6

30

4,2

442

8

1,1

162

22,7

237

33,3

35

4,9

442

Metallarb.  Soling.

124

17,8

184

26,4

108

15,5

416

27

3,7

254

36,4

129

18,5

6

0,8

416

Metallarb.Oberst.

64

16,4

98

24,8

7

1,8

169

122

30,9

47

11,9

—

—

-

-

169

Summa:

329

—

553

—

145

—

1027

157

—

463

—

366

41

—

1027

c)  Gleichgültig  verhielten  sich:

Altersklasse

Lohnklasse

20  —30  J.

7  o

•““5
o
tp
i
CO

0/
Io

40—50J.

7°

Summa

£
cd
1
o

7o

20-  30  M.

7  „

30-40  M.

°/
/o

40—50  M.

7o

Summa

Metallarb.  Berlin

28

3,9

42

5,9

12

1,6

82

41

5,7

36

5,0

5

0,7

82

Metallarb.  Soling.

40

5,8

7

1,0

32

4,6

79

2

0,2

54

7,6

23

3,4

—

—

79

Metallarb.Oberst.

74

18,7

62

15,8

11

2,8

147

109

27,6

38

9,6

—

—

—

—

147

Summa:

142

-

111

—

55

—

308

111

—

133

—

59

—

5

—

308

d)  Nicht  beantw  ortet  haben  diese  Frage:

Altersklasse

Lohnklasse

■—1
CO
1
©

7»

•—}
o
TP
1
©
CO

7o

40  —50  J.

°/o

Summa

10—20  M.

7o

£
o
CO
I
o
Cd

01
Io

30  -40  M.

°/o

S
8
1
o
TP

01
Io

Summa

Metallarb.  Berlin

11

1,5

;i5

2,1

3

0,4

29

7

0,9

16

2,2

6

0,8

29

Metallarb.  Soling.

22

3,3

31

4,4

25

3,6

78

4

0,5

52

7,4

21

1,0

1

0,1

78

Metallarb.Oberst.

18

4,5

31

7,8

5

1,2

54

42

10,6

12

3,0

—

—

—

54

Summa:

51

—

77

-

33

—

161

46

—

71

-

37

—

7

—

161
        <pb n="63" />
        75

Vergnügen  bei  der  berufsmäßigen  Arbeit  empfanden: ­

Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive.

Ohne  Angabe
von  Gründen

Wenn  Verdienst ­
  gut

Nur  bei  abwechs.
  Arbeit

Nur  wenn  Behandlung ­
  gut

Weil  die  Arbeit
kompliziert

Metallarbeiter  Berlin

17

39

78

4

21

Metallarbeiter  Solingen

8

27

64

1

23

Metallarbeiter  Oberstein

2

21

—

2

—

Summa:

27

87

142

7

44

Kein  Interesse  an  der  berufsmäßigen  Arbeit
hatten:
Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive.

Ohne  Angabe
von  Gründen

Weil  der  Ertrag
d.  Kapitalisten

Weil  die  Arbeit
eintönig

Weil  zu  abhängig ­


Weil  der  Lohn
zu  gering

Weil  gesundheitsschädlich ­


Metallarbeiter  Berlin

63

109

154

75

31

10

Metallarbeiter  Solingen

31

97

137

62

43

46

Metallarbeiter  Oberstein

8

5

11

27

109

9

Summa:

102

211

302

164

183

65

Summarisch:
a)  Die  Lust  an  der  berufsmäßigen  Arbeit  überwog ­

  bei:  307  —  I7,o°/o
b)  Die  Unlust  an  der  berufsmäßigen  Arbeit  überwog ­
  bei:  1027  =  56,90/0
c)  Gleichgültig  verhielten  sich:  308  =  17,1%
d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Frage.  .  .  .  161  =  9;Q°/o

Summa:  1803  =  100,00/0
        <pb n="64" />
        Verspüren  Sie  irgendwelche  Ermüdung
oder  sonstige  Beschwerden  durch  immer  dieselbe  Arbeit?  Nach
wieviel  Stunden  werden  Sie  gewöhnlich  müde?
Im  vorhergehenden  Abschnitte  werden  bereits  einige  Merkmale ­
  angeführt,  die  als  Maximum  an  Unlustaff  ekten  der  berufsmäßigen ­
  Arbeit  zu  betrachten  sind.  Es  leuchtet  ein,  daß  dort,  wo
die  geschilderten  Umstände  Zusammentreffen,  die  Arbeitsfreude
verloren  gehen  müß.  Physische  Schädigungen,  denen  sich  Unterernährung, ­
  Schlafmangel,  Nachtarbeit,  Zerstückelung  des  Arbeitsobjektes ­
  durch  die  Maschine  hinzugesellen  ....  der  Zwang  unter
ein  ewig  gleiches  Arbeitstempo  ....  diesem  Zirkel  von  Unlustaffekten ­
  vermag  in  den  meisten  Fällen  die  ungeschulte  Arbeiterpsyche ­
  sich  nicht  zu  entziehen.  Die  Summation  derselben  bildet
das  Problem  der  Ermüdung.
Was  die  Ermüdung  bedeutet,  ist  noch  nicht  ganz  geklärt.  Wir
dürfen  indessen  annehmen,  daß  bei  derselben  zwei  verschiedene
Vorgänge  sich  nebeneinander  abspielen.  Jede  Arbeit  in  unserem
Körper  beruht  auf  der  Zerlejgung  zusammengesetzter  Stoffe  in
ihre  einfacheren  Bestandteile;  jeder  Leistung  in  Gehirn  oder
Muskeln  entspricht  deminach  ein  Verbrauch  an  Kraftvorräten,
welche  den  Heizstoffen  vergleichbar  sind,  die  unsere  Dampfmaschinen ­
  im  Dienste  verbrauchen.  Soll  die  Arbeit  lange  Zeit  hindurch ­
  vonstatten  gehen,  so  muß  für  den  Verbrauch  Ersatz  geschaffen ­
  werden,  weil  sonst  der  Fortbestand  des  arbeitenden  Gewebes ­
  in  Frage  gestellt  oder  doch  seine  Leistungsfähigkeit  für
längere  Zeit  erheblich  vermindert  wird.  Weiterhin  aber  wirken
manche  der  Zerfallsstoffe,  welche  die  Arbeit  erzeugt,  auf  die
Gewebe  unseres  Körpers  giftig,  verändern  sie  und  damit  die
Arbeitskraft.
Das  wichtigste  Zeichen  der  Ermüdung  ist  ein  temporäres
Sinken  der  Arbeitsleistung.  Hohe  Temperaturen,  hohe  Feuchtigkeitsgrade, ­
  heftige  Erschütterungen,  gezwungene  Körperhaltung,
  einseitige  Inanspruchnahme  einzelner  Muskeln  etc.  begünstigen ­
  den  vorzeitigen  Eintritt  der  Ermüdung.  Das  ganze  Bild
der  Übermüdung,  wie  es  unbestritten  bei  den  Berufsarbeiten!
zu  beobachten  ist,  zeigt  im  höchsten  Grade  variierende  Sym
ptome.  Psychische  und  individuelle  Umstände  wirken  ebenfalls
        <pb n="65" />
        77

mit  ein.  Die  Gefühlsbetonung,  die  die  Arbeit  bekleidet,  aber
ganz  besonders  mit  der  Zunahme  des  negativen  Werts  derselben
wird  das  Bild  der  Ermüdung  besonders  deutlich.
Je  tiefer  wir  in  das  Studium  derselben  einzudringen  versuchen, ­
  desto  mehr  stellt  sich  heraus,  daß  dieses  Studium  wohl
das  wichtigste  Gebiet  der  Physiologie  bildet.  Anatomische  und
histologische  Untersuchungen  des  Nerenvsystems  zeigen  uns
zwar  die  Wege,  auf  welchen  sich  dynamische  Erscheinungen
bemerkbar  machen,  geben  jedoch  keinen  Aufschluß  über  das
Wesen  solcher.  Dieser  Aufschluß  ist  nur  von  einem  Studium  der
psychologischen  und  physiologischen  Vorgänge  im  Körper  zu
erwarten.
Krankhaften  Veränderungen  infolge  Ermüdung  begegnen  wir
gelegentlich  in  jedem  einzelnen  Organe.  In  dem  einen  Berufe
werden  mehr  die  Muskeln  (Bergarbeiter),  in  dem  andern  mehr
die  Sinneswerkzeuge,  Augen  und  Atmungsorgane  in  Anspruch
genommen  (Textilarbeiter).  Ein  alter  Metallarbeiter,  der  den
Übergang  von  der  Hausindustrie  zum  maschinellen  Fabrikbetrieb ­
  mitgemacht,  schreibt:  „Als  mein  Geschäft  mit  Maschinen
versehen  wurde,  mit  dem  Glüh-  und  Schmelzofen-Walzen,  in
dem  jetzt  80—ioo  Menschen  arbeiten,  da  kann  man  sich  denken,
wenn  man  42  Jahre  ohne  Getös  gearbeitet  und  auf  einmal  ein
Gesäuse  und  Getöne  ertönt,  wie  dies  einem  alten  Manne  die
Nerven  erregt.  Ich  schwitze  den  ganzen  Tag,  bekomme  Angstgefühle. ­
  Ich  weine  öfters  wie  ein  kleines  Kind,  kann  die  Nacht
nicht  mehr  schlafen.  Ich  habe  jetzt  zur  Nachtzeit  ein  Licht
brenpen,  und  dadurch  tue  ich  meine  Gefühle  besser  erhalten.
Dieses  bin  ich  nicht  allein.  Verschiedene  Arbeiter  haben  das
gleiche  Leiden  davongetragen.  Einer  kam  sogar  soweit,  dass  er
sich  den  Hals  abschnitt.“  Ein  Metalldreher,  der  sein  ganzes
Leben  auf  dem  Lande  zugebracht,  seit  zwei  Jahren  an  einer
großen  Maschinenfabrik  in  der  Stadt  arbeitet:  „Ich  bin  wohl
nach  Feierabend  und  auch  schon  zwei  Stunden  vor  Beendigung
der  Schicht  müde.  Aber  es  ist  ein  anderes  Müde.  Nicht  müde
wie  in  der  Heimat,  wenn  man  den  ganzen  Tag  mit  der  Sense  gearbeitet ­
  hatte  oder  hinter  dem  Pflug  hergeschritten  war.  Hier
zittern  mir  immer  die  Glieder.  Und  dann:  auf  dem  Lande  wurde
nach  Beendigung  der  Arbeit  so  viel  gelacht.  Hier  sieht  man  nur
mißmutige  Gesichter  “
        <pb n="66" />
        „Ich  arbeite  an  einer  Spinnereimaschine“,  schreibt  ein  Förster
Weber,  „welche  im  ganzen  880  Spindeln  haben.  Das  sind  Maschinen, ­
  welche  das  Garn  zu  den  Tuchen  spinnen.  Diese  Maschinen ­
  nennt  man  Selfaktor.  Nun  macht  der  Selfaktor  in  der
Minute  drei  Zug.  Bei  jedem  Zug  muß  ich  nun  zwölf  bis  dreizehn ­
  Schritte  machen,  macht  in  der  Minute  36—39  Schritte.  Wenn
ich  nun  schlechtes  Material  zu  spinnen  habe,  wo  mehr  Fadenbrüche ­
  Vorkommen,  dann  werden  es  noch  mehr.  Dies  würde
also  bei  einer  zehnstündigen  Arbeitszeit  einer  Leistung  von  ca.
12  km  täglich  entsprechen.“  Ein  Berliner  Weber:  „Selbst  die
größte  Ermüdung  hat  auf  die  Leistung  des  Webers  nur  geringen
Einfluß.  Der  mechanische  Webstuhl  wird  nicht  müde.  Der  übermüdete ­
  Arbeiter  zwingt  sich  mit  aller  Kraft.  Er  läßt  den  Stuhl
laufen  und  sucht  sich  selbst  irgendwo  zu  stützen.“  „Sie  fragen,
ob  Unterschiede  in  Quantum  und  Qualität  an  den  verschiedenen
Perioden  des  Tages  sich  bemerkbar  machen.  Darauf  antworte
ich:  Nein.  Aus  dem  einfachen  Grunde,  weil  es  sich  nicht  bemerkbar ­
  machen  darf.  Eben  darin  liegt  die  große  überanstren
gung  des  Webers.  Der  Weber  muß  alle  Unlustempfindungen
niederzwingen.“
Ganz  charakteristisch  für  Textil-  und  Metallarbeiter  waren
die  Klagen  über  die  Maschine,  die  ihn  zu  einem  Tempo  zwingt
und  zu  einem  Aufwand  an  Muskelkraft,  dem  er  nicht  folgen
kann,  und  oft  gebieterisch  von  ihm  Überanstrengung  fordert,
ob  er  auch  dabei  fast  zusammenbricht.
Auch  die  lichtelektrische  Ermüdung  spielt  bei  den  Textilarbeitern ­
  eine  große  Rolle.  Helle  Farben  kann  man  für  den
Weber  als  geradezu  ungesund  bezeichnen.  Die  Kette  weiß,  die
Poile,  der  Schuß  weiß.  Die  Folgen:  Druck  in  den  Augenhöhlen,
Funken  sehen,  Mücken  sehen,  allmähliche  Abnahme  der  Sehschärfe. ­
  Dazu  kommen  hohe  Temperaturen,  wodurch  die  von  der
Bindehaut  gelieferte  Feuchtigkeit,  welche  den  vorderen  Teil  des
Auges  bedeckt,  zu  schnell  verdunstet.  Trockenheit  des  Auges
wirkt  ungemein  lästig,  weil  hierbei  nicht  allein  das  Auge,  sondern
auch  der  Körper  erwärmt  wird,  Und  es  entstehen  einerseits  Kopfschmerzen, ­
  welche  das  Weiterarbeiten  erschweren,  andererseits
auch  schwere  organische  Störungen  des  Augapfels.  „Meine
Nerven  sind  ganz  kaput“,  äußert  sich  ein  Weber.  Mein  Stuhl
macht  32  Touren  in  der  Minute,  im  staubigen,  heißen  Raum;
78
        <pb n="67" />
        79

da  wird  man  ganz  verrückt.  Es  klappert  und  wackelt  den  ganzen
Tag.  Die  Staubentwicklung  ist  groß,  weil  vom  Material  alles
Schlechte  sich  absondert.  Die  Luft  ist  gewöhnlich  so  schlecht,
daß,  wenn  man  den  Saal  betritt,  förmlich  zurückgestoßen  wird.“
Der  drückende  Zwang  atmosphärisch  bedingter  Sensibilität
zieht  sich  durch  einen  großen  Teil  der  Erhebungsformulare  der
Bergarbeiter.  Zu  den  physischen  Ermüdungserscheinungen  tritt
bei  diesem  Arbeitertyp  sehr  oft  noch  eine  ganz  ausgeprägte  seelische ­
  Verstimmung.  „Wir  Bergleute“,  schreibt  ein  Hauer,  „beschäftigen ­
  uns  viel  mit  der  Sterbetafel  in  der  Bergarbeiter^
zeitung.  Bei  mindestens  700/0  der  Dahingeschiedenen  lautet  der
Vermerk  immer:  Lungenschwindsucht.  Wenn  ich  diese  Tafel
durchlese,  krampft  sich  mir  jedesmal  das  Herz  zusammen,  und
ich  fühle  schon  den  mordenden  Bazillenbiß  in  meiner  Brust.“
Klagen  über  schwache  Augen  waren  ganz  besonders  zu  konstatieren. ­
  Durch  das  Flimmern  der  Benzinlampe,  durch  das  ewige
Flackern  des  kleinen  Lichtes  vor  den  Augen  wird  der  Augennerv
überanstrengt.  Dadurch  entsteht,  erst  unmerklich,  dann  immer
stärker  auftretend,  ein  Zittern  der  Pupille.  Der  damit  Behaftete
ist  unsicher  im  Griff,  faßt  oft  fußbreit  daneben.  Jedoch  nur  in
der  Grube  tritt  diese  Kalamität  in  die  Erscheinung,  über  Tage
nicht.  Charakteristisch  ist  die  Klage  der  Bergarbeiter  über  die
Nachtschicht.  Ein  Kohlenhauer  schreibt  darüber:  „Die  erbärmlichste ­
  Schicht,  die  der  Bergarbeiter  kennt,  ist  die  Nachtschicht.
Derjenige  Arbeiter,  der  in  den  verkehrsreichen  Straßen  wohnt,
wo  das  Wagengerassel,  die  Automobile,  die  Gemüsehändler,  die
Kinder  hin  und  her  schreien,  der  soll  abends  auch  noch  seine
Leistung  machen.  Es  ist  einfach  nicht  möglich.  Und  doch  muß
er  sie  machen,  sonst  ist  er  ein  faules  Luder  und  wird  auf  die
Straße  geworfen.“  „Sie  fragen  an,  ob  Unterschiede  in  Quantum,
Qualität  der  Leistung  an  den  verschiedenen  Perioden  des  Tages
sich  bemerkbar  machen.  —  Ja.  Wenn  ich  Morgenschicht  habe
und  meine  richtige  Nachtruhe  gehabt  habe,  so  werde  ich  immer
in  der  Lage  sein,  besser  arbeiten  zu  können.  Anders  verhält  es
sich  mit  der  Mittagsschicht.  Man  hat  vormittags  frei,  und  diese
freie  Zeit  benutzen  die  meisten  Bergleute  zu  häuslichen  Arbeiten.
Dann  kommt  er  ermattet  zur  Arbeit.“
Es  darf  mit  einigem  Recht  behauptet  werden,  daß  bei  den
Bergarbeitern  pathologische  Alterationen  des  Seelenlebens  die
        <pb n="68" />
        Ermüdungssymptome  bedeutend  steigern.  Die  Tätigkeit  unter
Tage,  der  Mangel  an  äußeren  Eindrücken  ruft  Depressionen  hervor, ­
  die  in  vielfacher  Form  geschildert  wurden.  Ein  Pferdetreiber ­
  im  Bergwerk  arbeitet  seit  zehn  Jahren  mit  einem  Pferde
zusammen,  „Viktor“  benannt.  Er  schreibt:  „Wenn  ich  die
Augen  geschlossen  halbwegs  einschlafe,  glaube  ich  immer
nachts,  ich  sei  wieder  in  der  Grube,  und  viele  Male  rufe  ich
dann,  wie  meine  Frau  versichert,  ,Hoi,  Viktor.  Jö!‘  Ich  mache
also  zwei  Schichten  jeden  Tag  und  erwache  gewöhnlich  in
Schweiß  gebadet.“
Die  Ermüdungserscheinungen  bei  der  Gruppe  der  Bergarbeiter ­
  sind  hauptsächlich  die  Folgen  von:  a)  Kohlenlunge
(anthracosis  pulmonum),  b)  rheumatische  Erkrankungen,  c)  Blutarmut ­
  (anaemia  montana),  d)  Wurmkrankheit  (anchylostomiasis),
e)  Augenzittern  oder  Rollauge,  f)  Caissonkrankheit  (durch  Arbeiten ­
  in  komprimierter  Luft).  Bei  den  Metallarbeitern:
a)  Giftwirkungen  der  Metalle,  b)  das  Gießfieber,  c)  das  anhaltende ­
  Stehen,  wodurch  sich  Störungen  im  Rücklauf  des  venösen ­
  Blutes  an  den  Unterextremitäten  entwickeln,  Krampfadern
mit  ihren  Folgen  usw.,  c)  Staubentwicklung  im  besonderen.
Bei  den  Textilarbeitern  war  die  Bedienung  der  neuen  Webstühle ­
  von  einschneidender  Bedeutung.  Sicher  ist  die  Bedienung ­
  einer  solchen  von  92  Schuß  anstrengender  als  eine  solche
von  48—55  Schuß.  Walken,  Spulen  und  Naßrauhen  der  Wollstoffe ­
  geschieht  in  feuchten  Räumen.  Außer  rheumatischen  Erscheinungen ­
  infolge  der  Nässe  und  Krampfadern  infolge  stehender ­
  Beschäftigung  zeigen  sich  bisweilen  hartnäckige  Hautausschläge. ­
  In  den  Färbereien  sind  es  die  Farbstoffe,  die  zu
Reizungen  der  Schleimhäute  Anlaß  geben.
Es  war  notwendig,  wenigstens  auf  die  charakteristischen;
Berufskrankheiten  der  untersuchten  drei  Arbeiterkategorien
hinzuweisen,  weil  sie  den  Boden  heftiger  Gemütserschütterungen ­
  bilden  helfen.  Liest  doch  der  Arbeiter  in  seinem
Fachblatt  die  Moralitätsziffern  und  kennt  von  den  Krankenkassen ­
  her  die  Morbitätserscheinungen.  Was  natürlicher, ­
  als  daß  er  immer  argwöhnischer  sein  Gesamtbefinden
beobachtet  und  geneigt  ist,  wissentlich  oder  unwissentlich
irgendwelchen  Beschwerden,  die  er  sonst  unbeobachtet  gelassen,
übergroße  Bedeutung  beizumessen.  Symptome,  die  sich  all-80
        <pb n="69" />
        mählich  zu  pathologischer  Stärke  entwickeln  und  ihren  Niederschlag ­
  in  den  bekannten  Arbeiter-Neurosen  finden.
Die  Frage,  nach  wieviel  Stunden  werden  Sie  gewöhnlich
müde,  wurde  bei  Textil-  und  Metallarbeitern  in  der  Richtlinie
des  Achtstunden-Arbeitstages  beantwortet;  anders  bei  den  Bergarbeitern, ­
  wo  das  Maximum  eine  fünfstündige  Arbeitszeit  darstellt. ­

Verspüren  Sie  irgendwelche  Ermüdung  oder  sonstige  Beschwerden ­
  durch  immer  dieselbe  Arbeit?  Nach  wieviel  Stunden
werden  Sie  gewöhnlich  müde?
Bergarbeiter.  Lohnform:  das  Gedinge.  Durchweg
Kohlenhauer.

Alter

Tägliche
Arbeitszeit

Jahre

Std.

19

0 1 /«

Nach  9  Stunden.  (4.  t.)  [B.  S.]

20

8

Dieses  muß  ich  Ihnen  erklärlicher  schreiben.  Ich
arbeite  nämlich  an  einem  Transporstapel  wo  die
Kohlen  von  einer  Sohle  zur  andern  kommen.  Da
muß  ich  denn  so  mitunter  manchmal  bis  200  Kohlwagen ­
  abziehen,  Leere  Wagen  aufschieben  und
die  Kohlen  nach  dem  Schacht  schicken.  Da  kann
man  schon  nach  4—5  Stunden  müde  werden  und
dann  noch  arbeite  ich  ganz  allein  in  der  Arbeit.  Da
wird  einem  die  Schicht  zur  Ewigkeit.  (3.)  [B.  R.]

21

9

Die  Ermüdung  tritt  verschieden  ein;  Erstens  wenn
man  in  warmen  Wettern,  oder  in  starkem  Geschoßrauch ­
  arbeitete  tritt  die  Ermattung  bedeutend  eher
ein.  (3.  t.)  [B.  R.]

6

81
        <pb n="70" />
        Jahre

1&amp;gt;

4)

ja

N

0

«5

Ü

’S

:cu

ja

H

t-&amp;lt;


Std.

22

Sobald  ich  meine  Schicht  gemacht  habe  bin  ich  so
müd,  daß  mir  alles,  wenn  ich  nach  Haus  komme
zuwieder  ist  und  ich  mit  meiner  Frau  und  Kindern
gar  keinen  Spaß  mache,  was  meine  Frau  immer  erboßt.
  Müde  werde  ich  gewöhnlich  in  der  3—4
Stunde.  (3.  t.)  [B.  R.]

23  8

Ermiedung  nach  vier  Stunden.  (4.  t.)  [B.  R.]

24

9  */*

Bei  einer  Tiefe  von  500  m  und  einer  Wärme  von
28  Grad  R.  bin  ich  nach  zweistündiger  Arbeit  schon
völlig  erschöpft.  (2.)  [B.  S.]

25

26

8*/s

8

Bei  der  schweren  Bergarbeit  legt  man  sich  müde
schlafen;  Mit  wie  zerschlagenen  Knochen  steht  man
wieder  auf.  (3.  t.)  [B.  S.]
Mit  fünf  Stunden.  (3.  t.)  [B.  R.]

27

8 l /s

Ein  und  dieselbe  Arbeit  wirkt  störrisch  auf  mein
Gemüt.  Müde  nach  sieben  Stunden.  (2.)  [B.  R.]

28

9

Werde  nicht  müde.  (4.)  [B.  R.]

29

8V2

Das  Kohlenflöß  wo  ich  augenblicklich  drin  beschäftigt ­
  bin  hat  eine  Steigung  von  50  Grat,  und  eine
Mächtigkeit  von  11—15  Zoll.  Hierin  arbeite  ich  beinahe ­
  7  Stunden  ununterbrochen,  entweder  immer
auf  derselben  Seite  liegend,  mit  der  einen  Schulter
das  Liegende  und  mit  der  andern  Schulter  der
Hangenden  berührend  oder  auf  den  Rücken  liegend, ­
  wo  es  unmöchlich  ist  sich  mal  umzudrehen,
die  Füße  auf  einem  dünnen  Holzpfeiler  ruhend,  den

82

bei  50  Grat  kann  man  ohne  einen  Halt  nicht  mehr
arbeiten.  Das  bei  dieser  Arbeit,  die  Hacke  ständige
in  den  Händen,  sich  die  Ermüdung  bald  einstelt,
wird  sich  jeder  leigt  denken  können.  Am  größten
ist  die  Müdigkeit  des  morgens  bei  Aufstehen,  dann
sind  alle  Knochen  wie  Zerschlagen.  (2.)  [B.  R.]
Nach  8  Stunden  bin  ich  vollständig  müde.  (4.  t.)
[B.R.]
Nach  vier  Stunden,  und  da  wird  Brot  gegessen.
Der  Kopf  duht  einem  schon  weh  von  der  Hitze,
Pulfer  und  Stingiegen  Luft.  Die  Schnitten  sind
verdrognet.  Man  möchte  Essen,  aber  es  schmöckt
nicht.  (4.)  [B.R.]
Bin  immer  müde,  wenn  ich  schon  anfange.  (4.  t.)
[B.  Schles.]
Verspüre  am  Kopf  bei  der  Stirn  Spannung,  auch
schmerzt  es  mich  in  den  Augen,  sodaß  manchmal
ein  ganz  finsteres  Gesicht  bekomme.  Nach  acht-|
  stündiger  Arbeitszeit  verspüre  Müdigkeit  in  allen
i  Gliedern.  (1.)  [B.  Schles.]
Eine  Arbeit,  eine  schwere  phisische  Arbeit,  dessen
degeneriende  Folgen  man  kennt,  ohne  sie  selbst  zu
leisten,  wer  sollte  nicht  ermüden  ?  Aber  man  überwindet ­
  die  Müdigkeit,  weil  man  als  einzelner  Zahn
im  Radgetriebe  immer  mit  muß,  um  sein  Leben  zu
fristen.  (2.)  [B.  S.]
        <pb n="71" />
        35  8

36  9

37

38

39

40

87  a

87*

So  ich  mit  dem  Bohrhammer  arbeite,  verspüre  ich,
daß  das  Herz  viel  schneller  anfängt  zu  schlagen,
die  ganze  Organe  mehr  aufgeregt  sind,  als  gewöhnlich, ­
  daß  die  Glieder  nach  einer  Weile  anfangen  zu
flattern,  und  ich  nach  ein  paar  Stunden  sehr  müde
bin,  bei  Sohlenbohrlöcher  ist  es  nicht  so  schlimm,
weil  dann  der  Bohrhammer  Auflager  hat,  sodaß  sich
derselbe  viel  leichter  drücken  läßt.  (2.)  [B.  S.]
Ich  verspüre  an  meinem  Körper  teilweise  Beschwerden, ­
  die  darin  bestehen.  I.  Brustweh,  Knochenreißen, ­
  teilweise  Reumatismus,  Kopfweh.  Das
Eintreten  der  Müdigkeit  richtet  sich  zum  größten
Teil  nach  den  Luftverhältnissen  unter  Tage.  Sonst
werde  ich  nach  6  Stündiger  kräftiger  Arbeitszeit  sehr
müde.  (1.  t.)  [B.  Schles.]
Wenn  es  Schicht  ist,  dann  bin  ich  eigentlich  nicht
mehr  müde,  dann  bin  wrak.  (3.  t.)  [B.R.]
5  Stunden.  Bin  den  am  ganzen  Körper  abgemüdet
und  habe  alle  Kräfte  ausgeschwitzt.  (3.  t.)  [B.  S.]
Mir  hat  der  Bergbau  schon  gewaltig  mitgespielt.
Ich  habe  oft  in  kalter  Temperatur  völlig  durchnäßt
stundenlang  arbeiten  müssen  und  oft  gefroren,  daß
mir  die  Zähne  klapperten.  Anderseits  habe  ich  bei
30—35%  Celsius,  oft  ganz  nakt  schwer  schuften
müssen,  (i.t.)  [B.  R.]
Hier  läßt  sich  schwer  eine  bestimmte  Zeit  angeben,
da  die  Ermüdung  nicht  immer  gleich  früh  eintritt.
Die  Intensität  der  Arbeit,  die  Beschaffenheit  der

84

Luft  u.s.f.  ist  auf  den  einzelnen  Arbeitsstellen  ungeheuer ­
  verschieden,  ebenso  schwankt  doch  das
körperliche  Wohlbefinden  infolge  äußerer  Einflüsse
nicht  unbedeutend.  (2.  t.)  [B.  R  ]
Auch  dieses  ist  wieder  so  eine  merkwirdige  Frage!
Zugegeben  daß  verschiedene  Arbeit  den  Geist  mehr
anspornt  aber  Müde?;  ist  jeder  Bergman  der  halbwegs ­
  seine  Schuldigkeit  gethan  hat.  Nach  wieviel
Stunden  Arbeit  die  Müdigkeit  eintritt  ist  nicht  zu
beantworten,  da  ein  Unparteiischer  am  Zechenthor
beobachten  kann  mit  welch  schleppenden  Gange
die  Kumpels  schon  zur  Arbeit  kommen,  also  die
Glieder  von  einem  Tag  zum  andern  gar  nicht  ausruhen. ­
  (1.)  [B.  Schles.]
Ich  habe  mir  Eingearbeitet.  Aber  nach  4  Stunden
bin  ich  gewöhnlich  Ermüdet.  (4.  t.)  [B.  Schles.]
Mann  gewöhnt  sich  an  die  tägliche  Arbeit.  Wenn
nur  die  Antreiberung  nicht  zu  sehr  überhand  nimmt,
so  wird  auch  jeder  gerne  Arbeiten.  Wenn  mann
7—8  Stunden  gearbeitet  hat,  so  hat  mann  auch  genug
davon,  und  sehnt  sich  nach  Ruhe.  (2.)  [R.  S.]
Weil  wir  in  einem  Flötz  von  nur  1  M.  Höhe  arbeitenhat ­
  man  eben  nach  wenigen  Stunden  Rückenschmerzen. ­
  Weil  die  Arbeit  nicht  immer  gleichmäßig ­
  anstrengend  ist,  kann  von  einer  gewöhnlichen ­
  Ermüdung  keine  Rede  sein.  Ist  die  Arbeit
aber  sehr  anstrengend  und  wenig  Luft  vorhanden
die  Temperatur  sehr  warm,  dann  in  1—2  Stunden.
(2.)  [B.R.]
        <pb n="72" />
        Jahre

Std.

45

Eine  Ermüdung  die  ist  bei  mier  des  Morgens  sofort ­
  wenn  ich  aufstehe  1/24  Uhr  vorhanden  wahrscheinlich ­
  hervorgerufen  durch  das  wiederliche  anekeln ­
  der  Bergarbeit.  Ist  die  Schicht  beendet
Mittags  1V2  Uhr  dann  ist  keine  spur  von  Müdigkeit
mer  vorhanden  wahrscheinlich  eine  Freudige  Erregung ­
  das  wieder  eine  Schicht  beendet  ist.  (1.)
[B.  S.]

Die  Knochen  sind  stumpf,  da  kann  man  nicht
sagen,  ob  man  zu  Anfang,  zu  Ende  oder  in  der
Mitte  der  Schicht  müde  ist.  (4.  t.)  [B.  R.]

47

8 l h

Das  Tiefbringen  der  Bohrlöcher  ermüdet  gerade
nicht  zu  sehr  körperlich,  da  dann  j'a  nur  die  Maschinen ­
  zu  richten  und  zu  bedienen  sind.  Aber
das  unheimliche  Pfauchen  und  Zischen  der  entweichenden ­
  Preßluft,  verbunden  mit  dem  Aufprall
des  Bohrers  an  der  Felswand,  erschüttern  derart
die  Nerven,  daß  man  nach  beendigter  Schicht  tatsächlich ­
  geistige  Schmerzen  empfindet.  Beim  Fortschaffen ­
  der  Berge  ist  man  nach  3—4  Stunden  derart ­
  müde,  daß  man  nur  noch  mechanisch  fortmurkst
und  das  Ende  der  Schicht  herbeisehnt.  (2.)
[B.  S.]

Bei  der  heutigen  Unterernährung  ist  man  fast  immer
ermüdet.  (2.  t.)  [B.  R.]
Ermüdung  spüre  ich  nicht  bei  der  Arbeit,  aber
Schlaf  überkommt  mir  öfter.  (4.)  [B.  S.]

86

Alter

Tägliche
Arbeitszeit
-  .  I

Jahre

Std

50

9

Immer  dieselbe  gleiche  Arbeit  trägt  bei  mir  viel
dazu  bei,  daß  nicht  so  schnell  wie  bei  abwechselnder ­
  Arbeit  Beschwerden  und  Ermüdung  eintreten.
Gewöhnlich  werde  ich  nach  6  Stunden  müde.  (1.)
[B.S.]

51

8

Nach  7  Stunden  dan  sähne  ich,  ich  könte  das  Tageslicht ­
  erblicken  und  fülle  mich  müde.  (4.)  [B.  R.J

52

8

Die  Ermüdung  stellt  sich  erst  ein,  wenn  die  Arbeitszeit ­
  vorbei  ist.  (3.)  [B.  R.]

53

8

Ich  bin  so  ziemlich  immer  müde.  (3.)  [B.  R.]

57

8

Körperlich  bin  ich  durch  die  33  jährige  Dienstzeit
beim  Bergbau  physisch  vollständig  heruntergekommen, ­
  zumal  der  langjährige  Hunger  durch  Aussperrung ­
  meine  Kräfte  vollständig  aufrieb.  Nach
2—3  Stunden  bin  ich  vollständig  ermattet.  (1.)  [B.  R.]

58

10

Oft  noch  müde  vom  Tage  zu  vor,  aber  ich  achte
die  Müdigkeit  nicht.  (3.)  [B.  Schles.]

60

8

Nach  jeder  Schicht  müde  satt.  Die  erste  Stunde
ist  man  am  mütsten.  (4.)  [B.  R.]

87
        <pb n="73" />
        Bergarbeiter

Ermüdungs-Tabelle
bei  normaler  Arbeitsschicht.

Nach  Stunden:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Immer
müde

Keine
Ermüdg.

Altersklasse  20—25

—

3

—

27

46

104

34

78

23

7

14

55

25-30

4

27

—

9

128

46

181

56

5

—

63

48

55

30-35

—

16

5

45

79

231

54

138

19

4

74

19

5)

35-40

11

5

—

104

154

14

9

16

—

—

41

—

55

40-45

27

7

3

16

5

14

3

9

—

—

18

—

55

45-50

9

—

4

2

4

3

—

—

—

—

20

—

51

58

12

203

416

412

281

297

47

11

216

81

Ermüdungs-Tabelle
soweit  Angaben  vorliegen:
bei  Arbeit  in  warmen  Wettern  und  Tiefe  bis  500  m.

Nach  Stunden:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Immer
müde

Keine
Ermüdg.

Altersklasse  20-  25

_

4

3

9

7

2

11

—

—

—

„  25-30

2

16

5

27

3

8

4

6

—

—

5

—

„  30-35

—

19

22

34

8

23

2

17

3

—

16

—

„  35-40

27

5

14

2

—

—

10

3

—

—

4

—

„  40-45

18

4

4

—

—

9

—

—

—

—

10

—

„  45-50

14

—

5

7

1

6

61

48

53

79

19

42

27

26

3

—

41

—

88
        <pb n="74" />
        89

Verspüren  Sie  irgendwelche  Ermüdung  oder  sonstige  Beschwerden ­
  durch  immer  dieselbe  Arbeit?  Nach  wieviel  Stunden
werden  Sie  gewöhnlich  müde?
Textilarbeiter.  Entlohnungsform  :
durchweg  Akkord.

Jhr

w  1  Tägliche
a  Arbeitszeit

Art  der
Beschäftigung

9

Weber

Durch  immerwährende  Gleichmäßigkeit  der
Arbeit  werde  ich  gewöhnlich  nach  sechs
Stunden  müde.  (3.  t.)  [T.  F.]

10

Fadennnleg.

Ermüdung  verspüre  ich  nicht.  (3-t.)  [T.  F.j

107*

Weber

Unterleibsbeschwerden,  nach  8—9  Stunden
müde.  (3.)  [T.  F.]

1072

Färbereiarb.

Nach  acht  Stunden.  (4.  t.)  [T.  B.]

11

Spinner

Die  eintönige  Arbeit  erschlafft  mich  sehr,
besonders  die  Beine,  weil  ich  den  ganzen
Tag  laufen  muß.  Nach  sieben  Stunden  verspüre ­
  ich  schon  Müdigkeit.  (3.  t.)  [T.  F.]

1072

Tuchmacher ­


Da  ich  noch  jung  bin,  so  ist  es  ja  selbstverständlich, ­
  daß  man  nicht  so  leicht  müde
wird.  (2.)  [T.  F.]

io7 s

Weber

Ich  ermüde  nicht.  Der  Mensch  wird  mit  der
Zeit  selbst  zur  Maschine.  (4.  t.)  [T.  F.]

97  »

Weber

In  der  Arbeit  wo  ich  arbeite  werde  ich  früh-20


21
22
23
24
25
26
27

zeitig  Müde,  darum  weil  unser  Stuhl  fordlauft ­
  auch  wenn  wir  keinen  Schuß  in  Schützen ­
  haben,  und  das  versagen  der  Rüden
muß  das  Auge  im  er  auf  die  Arbeit  gerichtet ­
  sein.  (3.)  [T.  B.]
        <pb n="75" />
        Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
;schäftigung

Std

CO

io 1 /*

Färberei
arbeiter

Durch  die  viele  Anstrengung  der  Arbeit,
kann  mann  die  Müdigkeit,  nicht  mehr  beschreiben. ­
  (4.)  [T.  F.]

10Va

Tuchweber ­


Ermüdung  spür  ich  wennig,  nur  kollosal
langweig  ist  sie,  da  man  den  ganzen  Tag
weiter  nichts  sieht  als  das  Webschiffchen
von  einer  Seite  zu  anderen  fliegen,  und
immer  den  Webstuhl  hin  und  her  wackeln
sieht.  (2.)  [T.  F.]

io 1 /*

Weber

Bei  schlechtem  Material  nach  drei  bis  vier
Stunden,  bei  gutem  Material  hält  man  es
zehn  Stunden  aus.  (3.)  [T.  F.]

972

Weber

Die  Ermüdung  kommt  immer  nachmittags
gegen  drei  Uhr.  (i.t.)  [T.  B.]

10

Andreher ­


Weil  man  immer  laufen  muß,  so  habe  ich
in  drei  Stunden  müte  Beine.  (4.  t.)  [T.  F.]

107*

Weber

Nachmittags  drei  Uhr  fallen  die  Augenlider
zu,  der  Kopf  brummt.  (3.  t.)  [T.  F.]

107  *

Weber

Nach  achtstündiger  Arbeit  bin  ich  vollständig ­
  abgespannd.  (4.  t.)  [T.  F.]

1072

Weber

Die  monotone  Arbeit  des  mechanischen
Webens  stumpft  ab,  ist  eine  geistestötende,
welches  noch  erhöht  wird  durch  die  zumeist ­
  dumpfe  und  stinkende  Luft  der  Arbeitssäle. ­
  Bei  schlechtem  Material  hat  man
es  nach  einigen  Stunden  manchmal  so  satt

Jhr.

28

29

30

3J

32

33

34

35

90

Jhr

Std.

36

37

38

10

10  Vs

10

39

Weber

Weber

Färber

10

Teppichweber ­


Färber

zum  ausreißen,  auch  bei  guter  Arbeit  ist
man  nach  io  Stunden  müde  und  abgespannt,
trotzdem  ich  immerhin  gegen  manchen  andern ­
  Kollegen  noch  bei  ziemlicher  geistiger
und  körperlicher  Frische  bin.  (2.)  [T.  B.]
Ich  werde  das  Gefühl  der  Müdigkeit  überhaupt ­
  nicht  los.  Das  liegt  an  der  ungenügenden ­
  Ernährung.  (3.  t.)  [T.  F.]
Nach  acht  Stunden.  (4.  t.)  [T.  F.]
Durch  das  ewige  Einerlei  der  Arbeit  wird
der  Geist  abgestumpft,  namentlich  nachmittags ­
  von  zwei  bis  vier  Uhr.  Der  einförmig ­
  klappernde  Gang  der  Maschinen  wirkt
wie  ein  Wiegenlied,  und  erst  'die  Feierabendglocke ­
  macht  wieder  frisch  und  lebendig.
(2.  t.)  [T.B.]
Geistige  und  körberliche  ermüdung  tritt
schon  in  den  ersten  Nachmittagsstunden
ein.  (3.  t.)  [T.  B.]
Diese  Frage  zu  beantworten  ist  schwer.
Richtiger  hieße  es:  Wann  spüren  Sie  keine
Ermüdung  ?  (2.)  [T.  B.]
Körperliche  Ermüdung  kann  ich  selten  konstatieren, ­
  da  ich  alles  mechanisch  verrichte,
wie  die  Maschine.  (1.)  [T.  F.]
        <pb n="76" />
        &amp;lt;D

x:  n
O  OT

&amp;lt;

SxO  &amp;lt;D

Jhr.

Std.

W)
c
3
ÖjO

ns
rC
ü
&amp;lt;/)
&amp;lt;u
CQ

42|  IOV2

Weber

Gewöhnlich  bin  ich  schon  müde,  wenn  ich
die  hohen  Treppen  zur  Fabrik  emporgeklettert ­
  bin  und  mir  die  verpestete  Luft  des
Fabriksaales  entgegenströmt.  (2.)  [T.  F.]

43  10

Kettenscherer ­


Das  hängt  von  der  körperlichen  und  geistigen ­
  Beschaffenheit  ab.  Habe  ich  schlechte
Garne  zu  verarbeiten,  dann  verspürt  man
schon  vormittags  Unlust,  Ärger  und  infolgedessen ­
  auch  Müdigkeit.  Habe  ich  gute
Garne,  dann  vergeht  die  Zeit,  die  Mißstimmung ­
  verschwindet,  wenn  man  sieht,  daß
man  etwas  geschafft  hat.  (1.)  [T.  F.]

44

IO 1 /*

Weber

Ich  stehe  manchmal  am  Webstuhl,  da  weiß
ich  überhaupt  nicht,  ist  es  vormittag  oder
nachmittag.  (3.)  [T.  F.]

45 1  IOV2

Teppichweber ­
  i

Ja.  Tränen  in  den  Augen  und  Sehnsucht
nach  einer  Sitzgelegenheit.  Nach  neunstündiger ­
  Arbeit  müde.  (3.)  [T.  B.]

46  11

Weber

Eine  Ermüdung  spüre  ich  nicht,  auch  keine
Beschwerde.  (4.  t.)  [T.  F.]

47  9

Weber

Durch  die  Herstellung  immer  der  gleichen
Arbeit  bekommt  man  eine  unüberwindliche
Abneigung  zur  Arbeit  überhaupt.  Es  gehört ­
  die  Anwendung  aller  Energie  dazu,  um
zu  verhindern,  daß  man  nicht  moralisch  und
psychisch  in  jeder  Beziehung  vollständig
verlumpt  und  versumpft.  Nach  5—6  Stunden

92

Jhr.l

C
3
fcO

•o
'—I
&amp;lt;

oa

tritt  starke  Ermüdung  ein.  Über  sonstige
Beschwerden  kann  ich  nicht  klagen,  da  ich
mit  meinem  Geiste  immer  wo  anders  bin,
nur  nicht  bei  der  Arbeit.  (2.)  [T.  B.]

48

IO 1 /*

Weber

Da  ich  in  aller  Gemütsruhe  meine  Arbeit
verrichte,  spüre  ich  wenig  oder  gar  keine
Ermüdung.  Ein  Glück,  daß  man  dabei
seinen  Gedanken  nachhängen  kann.  (2.  t.)
[T.  F.]

49

IOV2

Weber

Wenn  es  auch  immer  dieselbe  gleiche  Arbeit ­
  ist,  jeden  Morgen  habe  ich  dieselbe
gleiche  Lust  wie  am  Tage  vorher.  In  den
Nachmittagsstunden  nach  drei  Uhr  lassen
die  Kräfte  nach.  (3.)  [T.  F.]

50

9

Weber

Mein  Zustand  in  meinem  Alter  ist  nicht  der
richtige  Maßstab  für  die  Angabe,  wann  die
Ermüdung  eintritt.  Jetzt  bin  ich  schon
mittags  mit  meinen  Kräften  bankrott.  Im
Alter  von  40  Jahren  pflegte  die  Ermüdung
nachmittags  zwischen  drei  und  vier  Uhr  einzusetzen. ­
  (2.)  [T.  B.]

Weber

Bei  gute  ernährung  weniger  Ermüdung,  bei
schlechte  ernährung  nach  sechs  Stunde.  (4.)
[T.B.]

93
        <pb n="77" />
        Textil-Arbeiter.
Ermüdungs-Tabelle
bei  gutem  Material.

Nach

Stunden:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

Immer
müde

Keine
Ermüdg.

Altersklasse  20—25

2

1

98

7

4

1

20

25-30

—

—

2

5

14

4

2

106

24

8

—

24

56

5)

30-35

—

4

12

2

23

119

56

98

24

12

—

59

43

7?

35-40

—

9

34

7

56

3

14

24

18

6

—

34

8

»

40-45

—

5

2

14

9

3

4

—

4

2

—

20

5

V&amp;gt;

45-50

—

2

—

4

2

5

2

5

8

—

—

17

—

—

20

50

32

106

135

78

331

85

32

1

154

132

Ermüdungs-Tabelle
bei  schlechtem  Material
soweit  Angaben  vorliegen:

Nach  Stunden:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

Immer
müde

Keine
Ermüdg.

Altersklasse  20—25

4

19

7

_

„  25—30

2

46

10

20

5

—

4

9

„  30-35

17

4

2

31

54

27

16

5

„  35-40

81

12

4

2

13

7

4

31

„  40-45

4

1

4

13

—

—

7

—

—

—

—

„  45—50

12

9

2

—

6

—

—

4

—

—

—

—

—

116

76

41

66

85

34

31

49

—

—

—

—

—

94
        <pb n="78" />
        95

Verspüren  Sie  irgendwelche  Ermüdung  oder  sonstige  Beschwerden ­
  durch  immer  dieselbe  Arbeit?  Nach  wieviel  Stunden
werden  Sie  gewöhnlich  müde?
Metallarbeiter.  Entlohnungsform:
durchweg  Akkord.

Alter

Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
eschiftigung

Jhr.

Std.

oa

20

10

Eisenhobler ­


Durch  immer  gleiche  Arbeit  wird  bei  mir
manchmal  eine  gewisse  Langweiligkeit  hervorgerufen, ­
  die  ich  aber  gleich  durch  erhöhte ­
  Anstrengung  zu  unterdrücken  suche.
Eine  direkte  Müdigkeit  tritt  bei  mir  gewöhnlich ­
  nach  einer  Arbeitsdauer  von  8—8V2
Stunden  ein.  (i.t.)  [M.  B.]

21

10

Schlosser ­


Die  Ermüdung  an  der  immer  gleichen  Arbeit ­
  entspringt  vor  allen  Dingen  der  Interesselosigkeit. ­
  Weiter  ist  sie  der  Ausfluß
meiner  Weltauffassung.  Ermüdung  kommt
gewöhnlich  vier  Uhr  nachmittags.  (2.  t.)
[M.  S.]

22

9

Klempner ­


Nein.  (4.  t.)  [M.  S.]

23

9

Schlosser ­


Vorläufig  bin  ich  gesund  und  munter  und
kann  nicht  sagen,  daß  ich  imüde  bin.  (3.)
[M.B.]

24

9

Schlosser ­


Direkte  physische  Beschwerden  habe  ich
selten  gespürt,  wohl  aber  gerate  ich  oft  in
Gefahr,  durch  immer  dieselbe  Arbeit  in
Stumpfsinn  zu  verfallen.  Müde  bin  ich  gewöhnlich ­
  nach  5—6  Stunden.  (3.  t.)  [M.  B.]
        <pb n="79" />
        Alter  j

Tägliche
,  Arbeitszeit

Art  der
Beschäftigung

•

u
&amp;lt;D
&amp;lt;

Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
Beschäftigung

Jhr

Std.

Jhr.

Std.

25

9V2

Mecha-Beschwerden

  habe  ich  keine  bei  der  Arbeit.

lieh  nie  schnell  genug  herbeisehnen  kann,

niker

Doch  nachmittags  um  drei  Uhr  möchte  ich

arbeite,  aber  keine  Minute  länger.  Ich  habe

gern  ein  Stündchen  ausruhen.  (4.  t.)  [M.  B.]

verhältnismäßig  viel  körperliche  Bewegung,

und  meine  Arbeit,  das  Einpassen  der  WeL

26

10

Eisen-In

  der  ersten  Morgenstunde  geht  es  einigerchenzungen,

  ist  noch  das  Interessanteste

hobler

maßen,  aber  das  bischen  Lust  läßt  dann  somit,

  aber  durch  die  trostlose  Geistesarmut

weit  nach,  daß  ich  das  Werkzeug  am  liebmeiner

  Nebenarbeiter  angeekelt,  packt  mich

sten  ins  Meer  werfen  würde.  (1.)  [M.  S.]

zuweilen  eine  solche  Wehmut,  daß  ich

27

9

Dreher

Ich  verspüre  sehr  oft  nach  6—7  Stunden  Ar-Hammer

  und  Feile  hinlege  und  davonbeit

  eine  allgemeine  physische  Erschöpfung

stürme  zu  einigen  gleichgesinnten  Kollegen

je  nachdem,  was  ich  für  Arbeit  habe.  Es

an  der  Hobelbank  oder  Bohrmaschine,  um

kommt  bei  uns  vor,  daß  man  stundenlang

mich  mit  denen  ein  vernünftiges  Wort  zu

nichts  zu  tun  hat,  wo  man  gewissermaßen

unterhalten,  oder  ich  gehe  vor  die  Tür  und

nur  zusieht ?  wie  die  Maschine  arbeitet.  Man

suche  dort  Zerstreuung.  In  der  Frühstückst

spricht  dann  von  sogenannter  Schnittarbeit.

und  Vesperpause  lese  ich  gewöhnlich  meine

(2  11  TM  B  1

Arbeiterzeitung,  teils  weil  ich  abends  w;enig

Zeit  habe,  teils  um  das  alberne  Geschwätz

28

10

Masch.-Ich

  mache  Kleinarbeit  und  werde  dabei

der  Kollegen  nicht  immer  anhören  zu

arbeiter

schwindlig,  bloß  vom  langen  und  schnellen

müssen.  (2.)  [M.  B.]

Arbeiten.  Ich  hatte  900  Loch  die  Stunde

gebohrt,  vier  Stunden  lang.  Länger  konnte

31

Q 3 .U

Masch.-Abends

  bin  ich  immer  müde,  eine  Folge  des

ich  es  nicht  aushaiten,  dann  wurden  es

schloswenig

  erhebenden  Proletendaseins.  Arbeiimmer

  weniger.  (3.)  [M.  S.]

ser

ten  ohne  Kampf  macht  mich  müde.  (1.)

[M.  S.]

29

8

Schlos-Da

  ich  noch  jung  bin,  kann  ich  von  Ermüser



düng  nicht  reden.  Beschwerden  habe  ich,

32

9

Eisen-Ermüdung

  ist  gering.  (3.  t.)  [M.  O.]

wenn  ich  nachmittags  von  3—11  den  größten

dreher

Teil  der  Arbeit  bei  Licht  verrichten  muß.

1  33

9

Metall-Bei

  immer  gleicher  Arbeit  macht  sich  ein

(2.)  [M.B.]

arbeiter

gewisser  Stumpfsinn  bemerkbar,  eine  Mü-.

digkeit  tritt  bei  mir  gewöhnlich  bei  immer

30

10

Werk-Durch

  die  Macht  der  Gewohnheit  habe  ich

wechselnder  Arbeit  in  der  vierten  Stunde

zeugmich

  so  in  die  Arbeit  hineingelebt,  daß  ich

ein,  bei  immer  derselben  Arbeit  schon  in

schloss.

gerne  bis  zur  nächsten  Pause,  die  ich  freider

  dritten  oder  noch  früher.  (3.  t.)  [M.  O.]

97

96
        <pb n="80" />
        34

35

36

37

38
39
40
41

10

9 1 /»

9 1 /a

Schlosser ­


Werkzeug
Schlosser

Metallarbeiter ­


9
9 1 /»
9 1 /*

Schlosser ­


Metallarbeiter ­

Schlosser ­

Schleifer ­


Eisendreher ­


Es  kommt  vor,  daß  ich  tagelang  nicht  aus
der  Müdigkeit  herauskomme  und  kommt
wieder  vor,  daß  ich  tagelang  keinen  Tropfen
Schweiß  vergieße.  (3.  t.)  [M.  S.]
Bei  ansträngender  Arbeit  nach  sieben  bis
acht  Stunden.  (4.  t.)  [M.  S.]
Montag  und  Dienstag  tritt  eine  Ermüdung
eigentlich  weniger  ein,  erst  Ende  der  Woche
mit  Regelmäßigkeit.  Dann  zieht  sich  ein
eigenartiger  Druck  von  den  Schläfen  aufwärts, ­
  man  wird  leicht  erregt.  (2.)  [M.B.]
Die  ersten  2  Stunden  bin  ich  immer  noch
müde  vom  Tag  zufohr,  dann  geth  es  gut
bis  Mittag.  Nachmittag  tritt  ermüdung  nach
Vessper  ein.  (3.  t.)  [M.  S.]
Müde  bin  immer.  (4.  t.)  [M.  O.]
Ermüdung  spüre  ich  nicht.  (4.  t.)  [M.  O.]
Da  ich  vor  allen  Dingen  gesund,  soliede  und
kein  Säufer  bin,  verspüre  ich  keine  Ermüdung ­
  bevor  spät  nachmittag.  (3.)  [M.  S.]
Habe  ich  ein  und  dieselbe  Arbeit,  so  beschäftige ­
  ich  mich  sofort  mit  höheren  Problemen. ­
  Anders  ist  es,  wenn  ich  fortwährend
andere  Arbeit  verrichte,  so  tritt  Ermüdung
nach  einer  sechsstündigen  Tätigkeit  ein.  (1.)
[M.B.]

98

00
c
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S  .SP
•o  4S
*-i  :c3
m
&amp;lt;u
ca

42

43

44

45

46

10

10

9  V*

Metallarbeiter ­


Metallarbeiter ­


Scherenschleifer ­


Metall
schieifer

Dreher

Nach  fünf  Stunden  läßt  die  Spannkraft  bedeutend ­
  nach,  aber  der  Akkordpreis  ist  festgesetzt, ­
  er  bewährt  sich  immer  als  treibende
Kraft.  (2.)  [M.B.]
Wenn  mich  meine  Arbeit  fesselt,  mir  Freude
macht,  spüre  ich  Ermüdung  erst,  wenn  ich
die  Werkstatt  verlasse.  (2.)  [M.  O.]
Dadurch,  daß  man  den  ganzen  Tag  in
sitzender  Stellung  arbeitet,  muß  man  öfters ­
  aufstehen,  um  den  Rücken  grade  zu
machen.  (4.)  [M.  S.]
Man  wird  zum  Automaten.  Wenn  man  von
früh  6—12  Uhr  gearbeitet  „hat  man’s  satt“
und  geht  am  Nachmittag  nur  mit  einem  gewissen ­
  Ekel  an  die  Arbeit,  dasselbe  äußert
sich  am  stärksten  an  schönen  Sommertagen
wenn  die  Parasiten  der  Menschlichen  Gesellschaft ­
  sich  ins  Freie  flüchten.  (3.)  [M.  S.]
Jawohl.  Durch  jahrelange,  monoton  gewordene ­
  Arbeiten,  stellt  sich  eine  gewisse  Nervenschwäche ­
  ein,  die  in  meinem  Beruf
durch  die,  den  Körper  nur  einseitig  anspannende, ­
  Tätigkeit  noch  vermehrt  wird.  In
den  Nachmittagsstunden  läßt  die  Aufmerk-r
samkeit  etwas  nach.  Die  Füße  werden  vom
fortwährenden  Stillstehen  matt.  (Meistens
Berufskrankheiten,  entzündliche  Plattfußbeschwerden, ­
  Krampfadern  usw.)  (1.)  [M.B.]
99
        <pb n="81" />
        Alter

Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
sschäftigung

Jhr.

Std.

47

9  Vs

Gelbgießer ­


Wenn  man  jahraus,  jahrein  in  einem  Saale
arbeitet,  in  dem  gegen  150  Maschienen
stehn,  und  jede  Maschiene  ein  anderes  Geräusch ­
  verursacht,  läßt  sichs  wohl  denken,
wie  geistig  abgestumpft  man  da  wird.  Durch
die  monotone  Arbeitsmetode  wird  man
schließlich  selbst  zur  Maschiene.  Die  letzten
1—2  Stunden  sind  immer  die  schlechsten.
(3)  [M.S.]

48

9 1 /*

Nähmaschinen-




Ich  spüre  eigentümliches  Magendrücken  zu
manchen  Zeiten  ob  es  von  d.  Arbeit  ist  weis
ich  nicht.  Müde  werde  ich  immer  in  d.  gten
Stunde.  Wenn  ich  aber  in  einen  Vortrag, ­
  Versammlung,  Ab  endunterhaltung  0  der
wenn  ich  Kartenspiel  spühre  ich  keine  Müdigkeit. ­
  (3.)  [M.  S.]

49

lOVs

Feilenhauer ­


Zwischen  10—n  Uhr  Vorm.  u.  4—5  Uhr
Abends.  Es  dritt  Gedärm  Kolick  auf,  nachdem ­
  ich  sitze  giebt  es  Leibschmerz.  (3.)
[M.  S.]

50

9  Vs

Gürtler

Über  Ermüdung  kann  ich  nicht  klagen,  ich
summe  meist  ein  Liedchen  für  mich,  und
das  hält  mich  munter.  (2.)  [M.  O.]

51

10

Metallarbeiter ­


In  Nachmitagstunden  stelt  sich  die  Ermüdung ­
  ein.  (4.  t.)  [M.  O.]

52

9  Vs

Metallarbeiter ­


Da  diese  Arbeit  eine  sehr  geräuschvolle  ist
bin  ich  infolgedessen  sehr  nervös  und  das
macht  sich  früh  beim  Aufstehen  am  meisten

100

Alter

Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
eschäftigung

Jhr.

Std.

ca

53

10

Metallbemerkbar

  da  tuhn  mir  die  Füße  und  alle
Gelenke  so  weh  als  wenn  ich  schon  lange
gelaufen  wäre.  (3.)  [M.  B.]
Erste  Frage  :  Naturgemäß  ja.  Ermüdung  tritt

arbeiter

je  nach  Umständen  ein,  bei  gleicher  Arbeit
früher  als  bei  wechselnder,  hängt  auch  von
Seelen-  und  Gemütsdispositionen  ab.  Meiner ­
  Erfahrung  nach  tritt  wenigstens  bei  der
mir  innewohnenden  Elastizität  so  rasch  Ermüdung ­
  nicht  ein.  Tritt  sie  ein,  so  ist
manchmal  eine  kurze  körperliche  Ruhe  oder
geistige  Erholung  von  ausgiebiger  Bedeutung ­
  und  paralysierend.  (1.)  [M.  S.]

Metall-Arbeiter
Ermüdungs-Tabelle
bei  stets  gleicher  Arbeit:

Nach

Stunden:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Immer
müde

Keine
Ermüdg.

Altersklasse  20—25

5

—

24

42

12

20

4

105

55

25-30

4

1

28

94

30

18

59

201

—

—

—

28

55

30—35

16

24

3

52

16

47

28

20

14

—

31

40

55

35-40

2

16

15

42

114

30

163

47

3

—

24

101

55

40-45

—

4

7

18

11

2

14

6

—

—

7

12

55

45-50

8

24

6

—

2

11

6

2

—

—

62

78

I

30  |

69

64  |20611971150128212961

17  j

—

128|364

101
        <pb n="82" />
        Ermüdungs-Tabelle
bei  wechselnder  Arbeit

soweit  Angaben  vorliegen:

Nach

Stunden:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Immer
müde

Keine
Ermüdg.  I

Altersklasse  20—25

4

1

18

12

5

45

4

—

—

62

&amp;gt;&amp;gt;

25-30

—

2

5

3

6

—

14

89

12

3

—

172

5&amp;gt;

30-35

2

—

14

8

1

6

—

81

4

7

—

69

55

35-40

8

4

4

22

17

34

23

108

34

19

—

227

55

40-45

—

2

5

—

14

1

7

3

—

—

—

20

55

45-50

5

12

4

2

6

14

—

18

2

—

—

6

15

24

33

35

62

67

49

344

56

29

—

556

4.  Denken  Sie  bei  Ihrer  Arbeit,  und  an  was  denken  Sie,  oder
ist  es  Ihnen  überhaupt  unmöglich,  dabei  zu  denken?
Ein  Zwiegespräch  unter  Tage:  „Kannst  du  denn  gar  nicht
mal  über  was  anderes  nachdenken,  als  wie  immer  hier  in  dem
verfluchten  Elend  mit  deinen  Gedanken  herumwühlen?  Kannst
du  dich  denn  nicht  mal  über  dieses  miserable  Arbeitsverhältnis
erheben  und  an  deine  Menschennatur  in  dir  herantreten?“
Ein  zweiter  Bergmann:  „Für  so  was  habe  ich  gar  keine
Lust  und  bring  ich,  gerad  heraus  gesagt,  gar  nicht  fertig.  Und
wenn  ich  hundsmüde  von  der  Zeche  nach  Hause  komme,  lege
ich  mich  einfach  langweg  auf  die  Ofenbank  und  denk’  überhaupt ­
  an  nichts.“  *
„An  einen  geistigen  Höhenflug  kann  in  dieser  unleidlichen
Situation  nicht  gedacht  werden,“  schreibt  ein  Hauer,  „der  Würgergriff ­
  der  physischen  Abspannung  ertötet  jede  höherstrebende
Belebung.  Ich  denke  nur  an  den  Lohn,  an  den  Hunger,
wenn  der  Verdienst  sich  verringert.“  Die  Untersuchungen  er-*
  „Aus  der  Tiefe.“  Beiträge  zur  Seelen-Analyse  moderner  Arbeiter.  Herausgegeben ­
  von  Adolf  Levenstein,  Morgen-Verlag,  Berlin  W  9,  1909.
102
        <pb n="83" />
        103

geben  zur  Evidenz  die  Tragik  des  Denkens  inmitten  des  modernen ­
  Arbeitsprozesses,  ganz  besonders  unter  den  Bergarbeitern. ­
  „Ich  frage  mich  oftmals,“  schreibt  ein  Steiger,  „ist  das
Denken  Wohltat,  oder  ist  es  Plage  für  das  arbeitende  Volk?
Man  teilt  die  Arbeiter  sozusagen  in  zwei  Stücke,  wovon  sich
die  eine  sozusagen  wie  ein  Wurm  in  niedriger  Frohn  windet,
die  andere  sucht  sich  vergebens  Schwingen  zu  verleihen,  um
aus  dem  Labyrinth  von  Jammer  und  Elend  herauszukommen.
Ich  betrete  den  Förderkorb  gewöhnlich  mit  dem  Gedanken,  den
Dante  über  die  Hölle  schrieb.“
Ein  Dritter:  „Das  Denken  ist  in  meinem  Milieu  „Leiden“,
weil  ich  durch  das  Denken  eben  weiß,  wie  elend  und  unglücklich ­
  ich  bin.  Läge  noch  der  Fluch  der  Unwissenheit  über  meinem ­
  geistigen  Auge,  wahrhaftig,  mein  Herz  fühlte  nur  halb
so  sehr  dies  Wehe  des  irdischen  Leids.“  Dieser  Bergmann
schildert  auch  weiter  recht  drastisch  jene  Schicht  Glücklicher,
die  bereits  inmitten  der  berufsmäßigen  Arbeit  geistig  erstickt
wurden.  „Ich  sprach  von  der  Poesie  zu  ihnen.  Man  lächelte,
und  wenn  ich  mich  vergrub  in  die  Schauertiefen  melodischer
Harmonien  und  wenn  ihnen  mein  vergeistigtes  Auge  die  pakkende
  Wucht  des  Empfundenen  darbot,  es  ihnen  hingab  in
stummer  Lust,  in  hartem  Weh,  dann  lachten  sie  schrill  mir
ins  Gesicht.  Sie  wissen  nicht,  wie  schimpflich  ihr  Menschentum.“ ­

Ein  Kohlenhauer:  „Der  Geist  wird  bei  dieser  ewig-traurigen ­
  Einerlei-Arb  eit  vollständig  abgetötet,  so  daß  man  es  zu
einem  besonderen  Gedanken  nicht  bringen  kann.  Vor  sechs
Jahren  schrieb  ich  in  mein  Tagebuch.  Mein  Flug  ging  zu  den
Sternen  auf,  im  Sumpf  muß  ich  verschmachten.“  „In  dem
rauhen  Getriebe  der  Arbeit“,  äußert  sich  ein  Bergmann,  „kann
man  nicht  denken.  Eine  rauhe  Arbeit  wird  immer  ein  rauhes
Wesen  erfordern.  Was  will  ich  mit  schönen  Gedanken  unter
einem  Kreis  robuster  Gesellen  anfangen,  wo  nur  Gemeinheiten
ausgetauscht  werden  ?“
Die  berufsmäßige  Arbeit  unter  Tage  mit  einem  zweifellos
vorhandenen  mystischen  Einschlag  trägt  die  Gedankenreihen
schon  an  und  für  sich  in  pessimistische  Bahnen.  Wie  schon
angedeutet  wurde,  ergaben  dagegen  die  Untersuchungen  unter
den  Textilarbeitern,  daß  durch  die  entseelte  Form  der  modernen
        <pb n="84" />
        &amp;gt;  iiiMnmi  ■&amp;gt;  Howfwnü

Massenproduktion  vielfach  auch  geistige  Kräfte  frei  werden
können.  Ein  Weber  schreibt:  „Die  Arbeiter  anderer  Berufe
werden  von  ihrer  Arbeit  viel  mehr,  vielleicht  ausschließlich  in
Anspruch  genommen,  weil  dort  ein  einziger  Irrtum  oder  Mißgriff ­
  Schaden  bringen  kann,  der  nicht  wieder  gutzumachen
ist.  Deshalb  sind  auch  dort  keinerlei  Ausflüge  in  das  weite  Reich
der  Wissenschaft  gestattet.  Dagegen  passiert  es  mir  oft,  daß
der  selbsttätige  Schußwächter  meines  Webstuhls  diesen  zum
Stillstand  bringt,  weil  eine  Spule  leer  gelaufen  war.  Ach  ja  —
man  war  halt  wieder  einmal  abwesend.  Vielleicht  war  es  dieses
Mal  Astronomie,  auf  deren  Pfaden  der  Gedanke  wandelte.  Und
gerade  die  Weltenweiten  sind  es,  die  das  Interesse  in  Anspruch
nehmen.  Lichtjahre,  Syriusweiten,  Milchstraßensysteme  und
fernere.  Und  speziell  die  Frage,  wie  man  denn  hier  draußen
überhaupt  ein  Maß  finden  konnte,  wo  jeder  Maßstab  zu  fehlen
scheint,  eine  Frage,  die  mir  erst  später  gelöst  worden  ist.
Oder  ein  anderes  Mal  Geologie.  An  der  Hand  der  Phantasie ­
  bin  ich  tief  hinabgestiegen  in  die  Schächte  der  Vergangenheit. ­
  Und  nun  baut  sich  vor  dem  geistigen  Auge  eine  Erdepoche
nach  der  andern  mit  geologischer  Dicke  auf.  Das  Unterste
kommt  oben,  während  das  Oberste  zu  Tage  rollt.  Pflanzen  und
Tiere  werden  in  den  Fels  eingeschlossen,  um  an  ihren  Überresten ­
  einer  späteren  Menschenwelt  ihre  Bildung  kundzutun.
Die  Erde  schreibt  ihre  Geschichte.  Manchmal  sind  es  biologische ­
  Probleme,  die  mich  beschäftigen.  Ein  Anatom  hat  die
Führung  und  zeigt  mir  den  Weg  der  Entwicklung  rückwärts
durch  die  ganze  animalische  Erscheinungsreihe  hindurch  bis
zum  Infusor,  um  von  da  mit  einem  logischen  Sprung  ins  Anorganische ­
  hinüberzusetzen.  Und  im  Menschen  ist  nun  alles,
was  da  war  in  der  endlosen  Zeit,  der  in  den  scheinbar  bleibenden ­
  Entwicklungsstadien  der  verschiedenen  Tierklassen  überschrittenen ­
  Stufen  des  eigenen  Seins  erblickt,  deren  hauptsächlichste ­
  Etappen  er  in  der  eigenen  embryonalen  Entwicklung
noch  einmal  streift.  Oder  es  senkt  sich  der  Blick  in  die  Lebensvorgänge ­
  der  Amöbe,  um  an  der  Hand  des  Beispiels  dieses  einfachsten ­
  Lebens  dieses  an  sich  zu  verstehen  und  die  Lebenserscheinungen ­
  komplizierter  Organismen  verstehen  zu  lernen.
Nicht  selten  wendet  sich  der  wandernde  Gedanke  einer  Welt
kleinster  Innerlichkeiten  zu,  mit  dem  Bestreben,  die  Verhältnisse
104
        <pb n="85" />
        von  Kopf  und  Herz  zu  erfassen,  speziell  unser  Gefühl  und  Triebleben ­
  aufzuklären.“  *
Ein  anderer  Weber:  „Ich  bin  Arbeiter  in  einer  Bandflechterei. ­
  Das  ist  eine  Arbeit,  bei  der  man  die  Gedanken  ruhig  zu
Hause  lassen  kann,  wenn  man  nur  flinke  Hände  mitgebracht
hat.  Aber  die  Gedanken  zu  Hause  lassen,  das  ist  so  eine  Sache.
Ich  kann  das  nicht.  Da  ich  sie  aber  bei  meiner  Arbeit  nicht
nötig  habe,  so  flattern  sie  in  meinem  Kopfe  hin  und  her,  wie
lustige  Vöglein.  Die  tollsten  Sprünge  machen  sie,  und  dann
quäle  ich  mich  oft  vergebens,  sie  wieder  einzufangen.  Ganz
gewiß  ist  es:  die  schönsten  Gedanken  fallen  mir  bei  der  Arbeit
ein.“
Ein  Berliner  Plüschweber  ist  der  Ansicht,  daß  die  Arbeiter
sich  ihres  geistigen  Elends  gar  nicht  so  recht  bewußt  sind.
„Meine  Kollegen  denken  nicht  bei  der  Arbeit,  ach  jawohl,  aber
nur  an  die  Befriedigung  ihrer  leiblichen  Bedürfnisse.  Die  fühlen
sich  nicht  als  Menschen,  sondern  nur  als  Arbeiter  und  sind  als
solche  zufrieden,  wenn  sie  einen  guten  Verdienst  haben.  Gewiß, ­
  auch  ihnen  bereitet  die  Arbeit  keine  Freude,  aber  sie  sehen
keinen  Ausweg  aus  dem  Dilemma,  sie  vermögen  Ursache  und
Wirkung  nicht  voneinander  zu  unterscheiden.  Sie  trösten  sich
damit:  Das  war  immer  schon  so  und  wird  auch  immer  so  bleiben. ­
  Die  Arbeit  hat  sie  stumpfsinnig  gemacht.  Sie  können  nicht
mehr  nachdenken.“  Ein  dritter  Weber  schreibt:  „Meine  Hände
arbeiten,  die  Augen  sehen  zu.  Aber  die  Phantasie  arbeitet.  Sie
schafft  Gestalten  und  läßt  diese  Gespräche  führen,  Fragen  stellen,
Antworten  geben  und  in  alle  möglichen  und  unmöglichen  Situationen ­
  geraten  .  .“  Ein  ganz  alter  Förster  Spinner  quält  sich
seit  Jahren  am  Webstuhl  mit  einer  unendlich  laienhaften  Katastrophen-Theorie
  herum.  Denkt  über  die  Erdbeben  nach  und
glaubt,  das  Festland  der  nördlichen  Erdkugel  sinkt  ins  Meer,
um  auf  der  südlichen  neu  zu  erstehen,  da  dort  noch  jungfräulicher ­
  Urboden  sei.  Hält  die  nördliche  Halbkugel  nicht  mehr
für  fähig,  eine  Höherentwicklung  der  Gesamtmenschheit  zu  tragen. ­
  Kommt  dann  zu  einer  Weltalltheorie.  Das  All,  der  Raum.
Raum  heißt  das  All  nur,  soweit  Stoff  vorhanden  ist.  Im  Raum
befinden  sich  Universen.  Dieses  Universum  bleibt  immer  auf
*  Adolf  Levenstein,  „Aus  der  Tiefe“.  Beiträge  zur  Seelen-Analyse  moderner ­
  Arbeiter.  Berlin  W  9,  1909,  Morgen-Verlag.

105
        <pb n="86" />
        derselben  Stelle  im  Raum,  besteht  aus  zahllosen  Körpern.  Diese
Körper  laufen  in  ein,  zwei  oder  mehr  Ringen  um  einen  großen
Zentralkörper,  den  Anker  des  Universum.  Er  allein  dreht  sich
nur  um  sich  selbst.  Und  zwar  muß  er  dieses  tun,  weil  die  Masse
der  Ringe  größer  ist  als  er,  im  Gegensatz  zum  Saturn.  Unser
Universum  hat  zwei  Ringe:  Sternenhimmel,  Milchstraße.  Beide
Ringe  sind  aus  großen  Katastrophen  entstanden.  Katastrophen
sind  die  Geburt  und  das  Lebenselement  eines  Universums.  Aber
nicht  nur  äußerlich,  auch  innerlich  ist  das  Universum  ein  Ring.
Ein  merkwürdiger  Philosoph  am  Webstuhl.  Seine  Epistel  beginnt ­
  er  mit  einem  Fragezeichen.  —  Anfang!  Der  Schluß
ist  aber  wieder  dieser  Anfang.  Wir  durchlaufen  nur  einen  Ring.
Ein  Arbeiter  am  Selfaktor  schreibt:  „Ich  mach  nicht  nur
Sprüche  am  Selfaktor,  sondern  klobe  auch  die  scheensten  Reime,
wen  ein  Tyran  gemorks  worden  ist,  wenn  eine  Königsfamilie
geschossen  worden  ist,  so  wie  man  Rehbecke  knallt.“
Noch  eine  besonders  charakteristische  Antwort  eines  Förster ­
  Webers:  „Das  immerwährende  Einerlei  der  Beschäftigung
kann  mich  nicht  anöden,  weil  ich  gerade  dadurch  Zeit  )zum
Nachdenken  gewinne.  Die  Hände  und  Augen  sind  beschäftigt,
der  Kopf  wird  frei.  Die  ewig  gleichmäßigen  Bewegungen  der
Maschine  tangieren  mich  nicht  im  mindesten,  weil  sie  längst
zur  absoluten  Selbstverständlichkeit  geworden  sind.  Wie  selbstverständlich ­
  besorgen  die  Hände  das  Einlegen  neuer  Spulen  in
die  Webschützen  an  Stelle  der  abgelaufenen,  während  die  Augen
immerfort  das  werdende  Produkt  überwachen,  indessen  das  geistige ­
  Auge  längst  andere  Dinge  sieht.“
Die  Grundstimmung  der  Textilarbeiter  liegt,  im  Gegensatz
zu  den  Bergarbeitern,  in  mehr  optimistischer  Richtung.  Beinahe
scheint  es,  als  ob  die  Beschäftigung  am  mechanischen  Webstuhl ­
  einen  chronischen  Hang  zur  Poesie  begünstige.  Nicht
weniger  als  817  Gedichte  als  Nebenprodukte  der  Untersuchungen
unter  den  Textilarbeitern  liefen  ein.
Während  die  Untersuchungen  unter  den  Textilarbeitern  vielfach ­
  auf  eine  eigen  geartete  Seelenkultur  hinwiesen,  hervorgerufen ­
  vielleicht  durch  die  Verbindungen  des  Denkens  und  der
Rhythmisierung  der  Arbeit  durch  die  Webstühle,  konnten  bei
den  Metallarbeitern  mit  ihrer  die  Aufmerksamkeit  mehr  in  Anspruch ­
  nehmenden  Arbeit  etwas  Gleichartiges  nicht  so  oft  kon-106
        <pb n="87" />
        107

statiert  werden.  Aber  auch  hier,  wo  immer  die  Art  der  Arbeit
es  zuläßt,  ganz  merkwürdige  Zusammenhänge  zwischen  dem
gleichmäßig  monotonen  Geräusch  der  Maschinen  und  dem  intellektuellen ­
  Habitus.
Ein  Metallarbeiter,  der  ein  Fallwerk  bedient,  schreibt:  „Das
Getöse  der  Maschinen  ist  die  Ursache  meines  phantastischen
Geistes.  Es  surren  mir  dabei  die  verschiedensten  Melodien,  ja,
ganze  Tonwerke  im  Kopfe  herum.“  Ein  anderer:  „Wie  oft  verträume ­
  ich  die  Stunden  an  der  Drehbank,  während  der  Stahl
von  der  langsam  zwischen  den  Spitzen  sich  drehenden  Welle
spiralförmig  aufgerollte  Blechspäne  von  vielen  Metern  Länge
abschält.  In  das  rhythmische  Knattern  der  Treibriemen  auf  den
Transmissionsscheiben  mischt  sich  das  vibrierende  Kreisen  und
Bumßen  der  großen  Gußstücke,  auf  die  der  fest  angezogene
Schubbstahl  anbeißt.  Dieser  Schwall  von  disharmonischen  Metallstimmen ­
  lagert  sich  wie  eine  flimmernde,  akustische,  nur
dem  Ohr  wahrnehmbare  Hohlkugel  um  die  bewegte  Maschine
und  um  den,  der  sie  bewacht.  Erregt  daher  seine  im
Mittelpunkt  dieser  Schallwellenbewegung  schwellende  Phantasie. ­
  Man  starrt  mit  körperlichen  Augen  auf  das  langsam  sich
umwälzende  Arbeitsstück.  Die  Hand  ruht  lässig,  aber  bereit
an  der  Supportkugel,  nur  die  Gedanken  schweifen  durch  die
roten  Fabrikmauern,  nur  das  wachsame  Ohr  registriert  den  veränderten ­
  Gang  der  Maschine  oder  das  Stumpfwerden  des
schneidenden  Drehstahls.  Die  Klangfarbe  der  von  Stahl  und
Eisen  erzeugten  Töne  entspricht  Worten,  deren  Rhythmus  die
Bewegung  der  Maschine  bestimmt.  Man  hört  auf,  anders  als
in  Rhythmen  zu  denken.  —  —  Man  dichtet,  und  der  Treibriemen ­
  skandiert.  Wie  manches  Gedicht  verdanke  ich  dem  metallenen ­
  Klingen  der  Drehbank.  —  —  —  —“
Etwas  realer  verhält  sich  ein  Metalldreher:  „Bei  der  Arbeit ­
  denke  ich  über  die  Zukunft  meiner  Familie.  Wirst  du  Glück
haben,  um  deiner  Familie  ein  sorgenloses  Leben  zu  sichern?
Wirst  du  die  kühnen  Gedanken,  die  dein  Hirn  durchfliegen,  in
Wirklichkeit  umsetzen  können?  Oder  bist  du  nur  ein  Sklave
deiner  Phantasie  ?  Solche  Gedanken  habe  ich  bei  der  Arbeit,
die  immer  größere  Dimensionen  annehmen,  je  mehr  ich  an
mein  Elend  denke.“  Die  in  den  Großstädten  konzentrierten  Metallarbeiter ­
  zeigen  überhaupt,  soweit  ihnen  die  Möglichkeit  offen
        <pb n="88" />
        bleibt,  bei  ihrer  berufsmäßigen  Arbeit  zu  denken,  das  ganz  charakteristische ­
  Bild  der  Beschäftigung  mit  den  Konflikten  des
wirtschaftlichen  und  sozialen  Lebens.
So  schreibt  ein  Dreher:  „Wie  kommt  der  Arbeitgeber  dazu,
den  größten  Teil  meiner  Arbeitskraft  einzuheimsen?  Ein  Gedanke, ­
  der  mich  quält.  Dann  denke  ich  an  die  Kapitalisten  in
den  Luxusbädern  und  an  die  Arbeiter,  die  im  Schweiß  ihr
karges  Brot  verdienen,  und  nicht  einmal  zum  Bewußtsein  ihres
Sklavenlebens  kommen.“
Ein  Schlosser,  der  ganz  besonders  intensiv  seinen  Intellekt ­
  während  der  Arbeit  geschärft  hat,  kommt  zu  dem  Resultate,
daß  das  Denken  in  seinem  Milieu  Leiden  bedeutet.  Er  schreibt:
„Verflucht  ist  das  Denken,  jetzt  bin  ich  unglücklich  und  könnte
erst  dann  wieder  glücklich  werden,  wenn  ich  alle  meine  Kräfte
darauf  verwenden  könnte,  die  anderen  heraufzuziehen.  Dieser
jetzige  Zustand  des  Erkennens  ist  scheußlich.  Es  muß  etwas
geschehen,  oder  die  Misere  des  Denkens  richtet  mich  zugrunde.“
Ein  Eisendreher,  der  nur  Massenartikel  herstellt:  „Meine  Arbeit
verrichte  ich  mechanisch.  Die  Hände  arbeiten.  Oft  schließe  ich
sogar  meine  Augen  und  blinzle  nur  so.  Dann  schafft  die  Phantasie. ­
  Es  drängt  Und  jubelt  in  meiner  Brust.  Ich  muß  an  mich
halten,  um  nicht  laut  aufzuschreien  vor  Lebensfreude.  Dann
wieder  ein  anderes  Mal  denke  ich  an  die  Menschen.  Ich  sehe
ihre  Gesichter  von  Leidenschaften  verzehrt,  und  dann  werde
ich  traurig.“
Ein  Berliner  Metallarbeiter,  der  viel  in  der  Welt  herumgekommen, ­
  konzentriert  seine  Gedanken  auf  die  Beobachtung
seiner  Kollegen,  an  die  er  nicht  glaubt.  „Alle  sind  Masse“,
schreibt  er.  „Und  ich  hasse  diese  gewohnheitsmäßigen,  gedankenlosen, ­
  zwischen  Arbeit  und  Vergnügen  hin-  und  hertändelnden ­
  Menschen.  Ich  habe  zum  größten  Teile  den  Glauben
an  deren  Wollen  und  Willen  verloren,  den  evolutionären,  noch
weniger  den  revolutionären  Kampf  zu  führen.“
So  viel  steht  fest:  Der  Intellekt  wurde  das  Werkzeug,  mit
dem  sich  die  Arbeiter,  ohne  es  zunächst  zu  wollen,  selbst  raffiniert ­
  feine  Folterinstrumente  schufen.  Verflucht  sei  das  Denken
inmitten  eines  brutalen  Arbeitsprozesses.  In  allen  möglichen
Variationen  kehrt  dieser  Gedankengang  wieder.
108
        <pb n="89" />
        109

Wenn  auch  der  Hammerschlag  des  Denkprozesses  zu-&amp;gt;
nächst  kaum  fühlbar  bei  einer  großen  Anzahl  der  Arbeiter  die
Seele  trifft,  so  kehrt  er  doch  immer  und  immer  wieder,  trifft
immer  dieselbe  Stelle  und  verrichtet,  wenn  auch  allmählich,  so
doch  mit  unfehlbarer  und  unheimlicher  Sicherheit  sein  furchtbares ­
  Zerstörungswerk.  Auch  Denken  kann  Leiden  werden.  In
der  Erkenntnis,  ewig  Diener  des  Körpers  sein  zu  müssen,  in  dem
Bewußtsein,  daß  der  ganze  Segen  der  Arbeit  in  einer  ununterbrochenen ­
  Reihe  grotesker  Leibesbewegungen  besteht.

Denken  Sie  bei  Ihrer  Arbeit,  und  an  was  denken  Säe,  oder
ist  es  Ihnen  überhaupt  unmöglich,  dabei  zu  denken?
Bergarbeiter.  Entlohnungsform:  das  Gedinge.  Durchweg
Kohlenhauer  und  Schlepper.

Alter

t-.
&amp;lt;D
TJ
G
5
’S
’&amp;gt;
o

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Jahre

M.

Std.

19

-

15  —

11

Keine  Zeit  zum  Denken.  (4.)  [B.  Schles.]
Ich  denke  immer,  daß  man  ziemlich  was

22

21,

9

verdient.  (3.)  [B.  R.]

23

25,—

8

Denken  ist  beim  Arbeiten  schon  eher  mögr
lieh  als  Sprechen.  Meine  Gedanken  sind
fortwährend  darauf  gerichtet,  ob  es  nicht
möglich,  diese  unnatürliche  Arbeit  in  logische ­
  Grenzen  zurückzudrängen.  (2.)  [B.  R.]

24

2

34,—

8

Ich  denke  immer  an  das  schwere  loss  welches ­
  wir  Arbeiter  haben  bei  unserer  arbeit,
weil  wir  alles  hervorbringen  und  müssen
dabei  doch  noch  hunger  leiten,  und  die  die
das  ganze  Jahr  nicht  arbeiten  das  herrlichste ­
  leben  haben  und  uns  noch  obendrein
als  Faulenser  hin  stellen.  (3.  t.)  [B.  R.]
        <pb n="90" />
        Alter

U
&amp;lt;L&amp;gt;
T3
c
5
’S
’&amp;gt;
u

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Jahre

M.

Std.

25

2

26,—

8

Daß  ich  bei  der  Arbeit  denke,  ist  gerade
mein  Fehler,  wenn  ich  mich  und  andere
Kumpels  betrachte,  wie  denen  der  Schweiß
am  Leibe  herunterträufelt,  denn  sie  haben
ja  keine  Hemden  an,  so  denke  ich  an  die
göttliche  Weltordnung,  (i.)  [B.  R.]

26

3

30,—

87a

Ich  denke  an  meine  Familie,  daß  ich  gesund
heimkehren  möge.  (3.  t.)  [B.  S.)

27

1

25,—

87z

Ich  denke  an  den  Sozialismus  und  an  den
Fortschritt,  den  derselbe  jedes  Jahr  macht.
(3.  t.)  [B.S.]

28

21,-8



Ich  denke  vielmal  wie  das  so  zu  geht  auf  der
Welt  das  wier  Tag  für  Tag  Arbeiten  müssen
und  haben  zur  Not  das  Unterkommen,  viele
Tausende  wissen  nicht  was  sie  anfangen
sollen  und  was  sie  sich  antuhn  sollen  und
Arbeiten  nicht  und  Nackend  sind  wier  doch
alle  zur  Weid  gekommen  wir  Arbeiten  alle
Tage  und  gehört  uns  nicht  mal  so  viel  wo
man  hin  Spuckt.  (3.  t.)  [B.  Schles.]

28

2

18,-10



Ob  man  nicht  könnte  über  Tage  sein  Brot
verdienen.  (4.)  [B.  Schles.]

29

1

27,-8



Denken  unmöglich,  da  auf  das  Gebirge  achten ­
  muß,  um  mein  Leben  zu  schützen  (3.  t.)
[B.S.]

30
10

3

17,70

87s

Ich  denke  fortwährend  an  die  Gewerkschaft,
sowie  an  den  politischen  Tageskampf.  (3.  t.)
[B.  Schles.]

Alter

t-0J

T3
C
5
’S

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Jahre

M.

Std.

31

—

20,-10



Ich  denke  imer,  wenn  es  nur  bald  Schicht
wäre.  (4.)  [B.  Schles.]

32

1

30,—

87s

Ich  habe  bei  der  Arbeit  keine  Zeit  zu
denken,  sonzt  komt  der  Lohn  nicht  raus.
(4-1.)  [B.R.]

33

1

30,—

8

Bei  der  Arbeit  habe  ich  gewöhnlich  keine
Zeit  zum  Denken.  Aber  manchmal,  wenn
mir  der  Schaum  auf  dem  Körper  steht,
denke  ich,  jetzt  möchte  ich  so  einen  Geldprotz ­
  als  Kumpel  bei  mir  haben.  (3.)  [B.  R.]

34

4

28,—

8

Bei  der  Arbeit  habe  ich  überhaupt  keine
Zeit  zum  Denken,  nur  immer  feste  drauf  los,
daß  etwas  bei  rausschlägt.  (4.  t.)  [B.  S.]

35

31-87s



Ich  denke  viel  bei  der  Arbeit.  Wenn  ich  so
recht  müde  bin,  dann  kommt  mir  folgender
Vers  im  Sinn:  Wie  bin  ich  ach  so  müde,
am  liebsten  läg  ich  mich  zur  Ruh’  im  tiefen
Grabe,  wollt  schlafen  ewiglich.  Was  hab
ich  von  dem  Ringen!  Das  nakte  Leben
bloß;  O  Leben,  Du  mein  Leben  Du  bist
an  Schmerzen  groß.  (3.)  [B.  R.]

36

4

25,—

8

Bei  der  großen  Antreiberei  ist  es  nur  möglich, ­
  an  die  Arbeit  selbst  zu  denken.  (3.)
[B.  Schles.]

37

6

30,—

10

Ich  denke  an  die  verfluchte  Quälerei  hier
unten  und  dann  noch  das  Versprechen  zu
haben,  nach  dem  Tode  in  die  Hölle  zu
kommen.  (3.)  [B.  R.]

111
        <pb n="91" />
        112

Alter

Ui
&amp;lt;L&amp;gt;
T3
C
s
'S
*&amp;gt;
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Jahre

M.

Std.

38

3

32,—

8

Ich  denke  fast  ständig  an  Fragen,  welche
außerhalb  meiner  Arbeit  liegen,  meistens
über  naturwissenschaftliche  oder  gesellschaftswissenschaftliche ­
  Fragen  nach,  (x.)
[B.R.]

39

3

25,—

8 1 /2

Was  kann  ich  da  viel  denken?  Wenn  der
Steiger  vor  die  Arbeit  kommt,  sagt  er  gewöhnlich: ­
  Wieviel  Wagen  habt  Ihr  schon
und  wieviel  giebt  es  noch?  (3.)  [B.S.]

40

3

30,—

9

Bei  dem  hastigen  Arbeiten  ist  es  unmöglich, ­
  viel  zu  denken.  Man  hat  nur  das  eine
Bestreben,  soviel  wie  möglich  Kohle  w;egzubekommen,
  um  seinen  Kumpels  im  Gegendrittel ­
  gerecht  zu  werden  und  dem
Steiger  seinen  Sold  zu  schaffen.  (1.)  [B.S.]

41

7

22,  -

9

Ich  kann  mir  keinen  Zustand  vorstellen,  bei
dem  man  nicht  denkt.  Ich  baue  bei  der
Arbeit  Luftschlösser,  forme  Länder  und
Welten  und  mache  große  und  kleine  Politik,
philosophiere  wie  Diogenes.  Kurzum:  ich
bin  ein  unruhiges  Quecksilber,  daß  ich
immer  einen  Knochen  haben  muß,  an  dem
ich  nagen  kann.  (1.)  [B.  Schles.]

42

3

20,-8



Ich  habe  nicht  zu  denken  bloß  aufzupassen
wenn  kein  Holz  da  ist  daß  mier  nichts  auf
den  Kopf  feilt  und  schlägt  mich  gar  Tod.
(3.)  [B.  Schles.]

Alter

U
&amp;lt;D
C
5
’S
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Jahre

M.

Std.

43

5

35,—

8

Ich  denke  sehr  oft  das  wir  Arbeiter  schlimmer ­
  als  Thiere  behandelt  werden  und  führ
unser  schwere  Arbeit  nicht  einmal  recht  satt
Essen  können.  Das  der  Gewinn  den  wir  erringen ­
  die  Reichen  wieder  verprassen  und
verhurren,  und  geben  uns  nur  eben  so  viel
das  wir  am  Leben  bleiben  und  für  sie  weiter
schuften  können.  (3.  t.)  [B.  R.]

44

7

25,—

7  v»

Der  Hauptgedanke  bei  der  Arbeit  ist,  viel
herauszuschaffen,  damit  der  Beamte  zufrieden ­
  ist.  (4.  t.)  [B.  S.]

45

1

1
8"

9

Ich  denke,  kanns  leider  nicht  lassen,  zumeist ­
  an  mein  Kind  zuhause  oder  über  das
zuletzt  gelesene  Buch.  Einmal  kostete  mich
das  Denken  in  der  Grube  zwei  Finger.
Kanns  trotzdem  nicht  lassen.  (3.)  [B.  Schles.]

46

5

30,—

8  Vs

Ich  denke  sehr  viel  bei  der  Arbeit,  zumal
wenn  ich  von  einem  Nichtstuer  angeschnauzt ­
  werde:  Wie  kommt  es,  daß  wir
Arbeiter,  die  wir  die  Werte  schaffen,  noch
weniger  geachtet  werden  wie  das  liebe
Vieh?  (2.)  [B.  R.]

47

7

24,-9



Unmöglich  zu  denken.  Man  muß  arbeiten
wie  wahnsinnig.  (3.  t.)  [B.  Schles.]

48

8

30,—

8

Ich  grüble  ständig  über  die  Misere  des  Lebens ­
  nach,  über  soziale,  politische,  wirtschaftliche ­
  Fragen,  über  den  Ursprung  des
Lebens,  über  den  Tod.  (2.  t.)  [B.  R.]
        <pb n="92" />
        114

Alter

t-,
&amp;lt;L&amp;gt;
C
5
’&amp;gt;
CD

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Jahre

M.

Std.

49

6

26-9



Ist  nichts  zu  denken.  Nur  zu  fluchen,  (i.)
[B.  Schles.]

50

6

24  —

9

Ich  denke  immer  wenn  blos  die  Kappdalissten
  einmahl  arbeiten  müßten.  (3.)  [B.
Schles.]

51

4

17  —

9

Ich  denke  an  den  Umverstand  der  Massen
in  gewerkschaftlicher  sowie  politischer  Beziehung. ­
  (2.)  [B.  Schles.]

52

2

30,—

8 1 /«

Ich  denke  von  Anfang  bis  zu  Ende:  Wie
bekommst  Du  Dein  Pensum.  Wie  stellst  Du
Steiger  und  Kameraden  zufrieden  ?  (3.  t.)
[B.R.]

53

6

24,—

8

Keine  Zeit.  (4.  t.)  [B.  Schles.]

54

22,—

8

Ich  denke,  schuften  und  schuften  jeden  Tag,
das  ganze  Jahr  hindurch,  und  dabei  kommt
doch  nichts  heraus.  Ich  finde  nicht  Worte,
warum  wir  geboren  sind.  (3.  t.)  [B.  Schles.]

55

3

22,—

8

Da  denke  ich  vil  und  zwar  über  das
Menschliche  treiben  und  über  die  Vorsehung ­
  und  Wege  Gottes.  (4.)  [B.  Schles.]
        <pb n="93" />
        115

8'

Die  hauptsächlichsten  Richtlinien  des  Denkprozesses ­
  während  der  berufsmäßigen  Arbeit:

Mit  dem  Verdienst ­


%

Mit  der  Familie

%

Mit  der  berufsmäßigen ­
  Arbeit

%

Mit  Organisations- ­
  und  politischen ­
  Fragen

%

Mit  außerberuflichen ­
  Problemen

O/
/o

Indifferent  bei  der
berufsmäßigen  |
Arbeit

%

Bergarbeiter
Ruhrgebiet

154

19

62

7,7

192

23,7

42

5,1

36

4,4

324

40,1

=  100%

Bergarbeiter
Saargebiet

91

12,7

34

4,7

166

23

61

8,4

49

6,8

319

44,8

=  100%

Bergarbeiter
Schlesien

116

20,9

18

3,2

142

25,7

9

1,6

27

4,9

242

43,7

=  100%

Summa:

361

114

500

112

112

885

Summarisch  :
Mit  dem  Verdienst  36*  =  I 7?5
Mit  der  Familie  114  =  5&amp;gt; 2
Mit  der  berufsmäßigen  Arbeit  500  =  24,3
Mit  Organisations-  und  politischen  Fragen  .112  =  5,1
Mit  außerberuflichen  Problemen  112  ==  5,1
Indifferent  bei  der  berufsmäßigen  Arbeit  .  .  885  =  42,8
2084  =  100  0/0

Denken  Sie  bei  Ihrer  Arbeit,  und  an  was  denken  Sie,  oder
ist  es  Ihnen  überhaupt  unmöglich,  dabei  zu  denken?
Textil-Arbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

Alter

U
0)
T3
G
5
5
’&amp;gt;
4)

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
:sehäftigung

Tägliche
Arbeitszeit

Jhr.

£

M.

m

Std.

19

—

18  —

Weber

10 1 /*

Wie  aus  dem  Denken  der  Weber
schon  manche  wissenschaftliche  Freiheitsidee ­
  entsprungen  ist,  so  denke
        <pb n="94" />
        03

Std.

auch  ich  den  ganze  Tag,  über  die
sozialistische  Bewegung  und  über
die  verschiedensten  Lehren  und  Religionen ­
  nach.  Ja  ich  arbeite  mehr
mit  dem  Geist  als  mit  dem  Körper
ohne  Denken  schien  mir  ein  Leben
unmöglich.  (3.)  [T.  F.]

20

19,—

Weber

10

Mein  Herr,  ich  bin  jung.  Ich  will  offen
zu  Ihnen  sein.  Wenn  nichts  Besonderes ­
  mich  veranlaßt,  denke  ich  an
mein  Lieb.  (3.)  [T.  F.]

21

18,—

Weber

107 2

Die  Arbeit  erlaubt  es  nicht,  nachzudenken. ­
  Wenn  sie  es  erlaubt,  denke
ich  als  an  die  Befreiung  aus  der  Sklaverei. ­
  Ich  dürste  danach  wie  ein  Reh
nach  frischem  Wasser.  (3.)  [T.  F.]

22
23

16,—

Färber.-arbeiter


IOV2

Ich  denke  immer  an  zufriedene  Zukunft. ­
  (3.  t.)  [T.F.]

22,—

Tuchmacher ­


107s

Bei  dem  unverschämten  Skandal,  welchen ­
  unsere  Maschinen  machen,  ist
man  nervös.  Das  Einzige,  was  man
macht,  ist  bei  der  Arbeit  ein  Liedchen ­
  singen.  Der  Web  Stuhl  schlägt
den  Takt  dazu.  (2.)  [T.  F.]

24

24,18

Weber

9

Es  ist  mir  bei  meiner  Arbeit  fast  unmöglich, ­
  zu  denken,  da  der  Mechanismus ­
  der  Maschine  meine  ganze  Aufmerksamkeit ­
  in  Anspruch  nimmt.  (1.)
[T.B.]

116

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Jhr.

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4)  4)
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O  C/5
11
H  &amp;lt;

Std.

38

39

40

41

42

43

44

23,-18,-

  -
20,  -

16,—

17  —

24,—

Weber

Weber

Weber

Weber

Färber.-arbeiter


Weber

Tuchmacher ­


972

1072

10

1072

1072

10

1072

Ich  denke  maches  mal  an  eine  bessere
und  Gesicherte  Exsesdäns.  (4.  t.)  [T.F.]
Nach  einigen  Stunden  Arbeit  wird  der
Körper  mechanisch  und  der  Geist
fängt  an  zu  denken.  (3.)  [T.  F.]
Alle  möglichen  Probleme  wälze  ich
bei  der  Arbeit  durch  meinen  Kopf,
von  Marx  bis  Nietzsche.  (2.)  [T.  F.]
Weil  die  Arbeit  die  Gedanken  nicht
so  sehr  in  Anspruch  nimmt,  sondern
mehr  Fingerfertigkeit  ist,  so  hat  man
genügend  Zeit,  seine  Gedanken  spazieren ­
  zu  führen.  (1.  t.)  [T.  F.]
Mir  ist  eine  eintönige  Arbeit,  bei  der
ich  denken  kann,  die  liebste.  Ich  phi-i
losophiere  gewöhnlich  darüber  nach,
was  ist  Moral,  Recht,  Sitte,  Idealismus? ­
  Bis  zu  welchem  Grade  kann
man  den  Menschen  für  seine  Handlungen ­
  verantwortlich  machen.  Was
ist  gut  und  böse?  (2.)  [T.F.]
Ich  denke  nicht  nur  bei  der  Arbeit,
sondern  schreibe  Gedichte,  Erzählungen, ­
  entwerfe  Motive  zu  Musikstücken. ­
  (2.)  [T.  F.]
Bei  den  sausenden  Webstuhl  ist  man
nicht  im  stände,  das  denken  einzustelen.
  (3.)  [T.  F.]

117
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        118

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Jhr.

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H  &amp;lt;

Std.

32

33

20,50

20,-Spinner



Weber

10  Vs

10

Schlechte  Arbeit  läßt  ein  Denken
nicht  zu.  Bei  guter  an  Sozialismus,
Gewerkschaft  und  Konsumgenossenschaft. ­
  (3.  t.)  [T.F.]
Ich  denke,  wenn  es  nur  Feierabend
wäre,  daß  ich  zuhaus  käme.  (4.  t.)
[T.F.]

34

1

36,—

Wickler

10

35

1  20,—

Tuchmacher ­


10  Vs

Habe  bei  der  fortwährend  tätigen  Maschine ­
  und  der  dabei  befindlichen  verantwortlichen ­
  Arbeit  keine  anderen
Gedanken,  als  die  daß  ich  mein  Pensum ­
  verdiene.  (3.  t.)  [T.  B.]
Fast  unmöglich  zu  denken.  Sollte  es
dennoch  Vorkommen,  dann  stelle  Vergleiche ­
  an  zwischen  dem  Leben  eines
Arbeiters  und  des  Unternehmers.  (1.)
[T.F.]

36

25,-Band-




10

37

2

13,-Weber



10

Mit  meinem  neunten  Lebensjahre  fing
für  mich  die  Arbeit  an.  Ich  mußte
spulen.  Vielleicht  kennen  Sie  diese
stumpfsinnige  Arbeit.  Aber  solange  ich
arbeite,  habe  ich  immer  bei  der  Arbeit ­
  nachgedacht.  Früher  in  kindlicher ­
  Weise,  heute  über  alle  Menschheitsprobleme. ­
  (2.)  [T.  B.]
Scharf  und  klar  zu  denken,  ist  mir  unmöglich. ­
  Aber  meine  Gedanken  beschäftigen ­
  sich  bei  der  Arbeit  fast  unausgesetzt ­
  mit  der  Befreiung  der  Arbeiterklasse ­
  aus  körperlicher  und  geistiger ­
  Knechtschaft.  (1.)  [T.  F.]
        <pb n="96" />
        119

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Std.

25

26

27

28
29
30

_  23-31



12-24,-






20,—

Ausleg.

Teppichweber ­


Weber

Weber
Weber
Weber

10

9 1 /*

10 S /4
107*
107*

26,-Tuch-




10

Baue  mir  immer  Luftschlösser  und
simpeliere  über  alles,  was  so  in  der
Welt  vor  geht.  (3.  t.)  [T.  F.]
Bei  unserer  Arbeit  ist  es  unmöglich,
an  etwas  zu  denken,  höchstens  mit
welchem  Bettellohn  man  am  Sonnabend ­
  zuhause  geht.  (3.)  [T.  B.]
Ach  wie  manches  Mal  habe  ich  mich
dabei  ertappt,  daß  meine  Gedanken
in  weiter  Ferne  geschweift  haben.
Ja,  das  ist  eben  noch  unsere  Rettung.
Ach  wie  schrecklich  ist  es,  wenn  ein
Aufsichthabender  die  ganzen  schönen
Träume  durch  lautes  Schelten  zerstört. ­
  (2.)  [T.  B.]
Jawohl.  Über  unsere  Partei  und  Gewerkschaftsbewegung. ­
  (3.  t.)  [T.  F.]
Nichts.  (4.  t.)  [T.  F.]
Bei  der  Arbeit  habe  ich  vor  Jahresfrist ­
  noch  an  die  großen  Ideale  unserer ­
  Kulturbewegung  gedacht.  Es  ist
mir  aber  unmöglich  geworden,  weil
die  Maschine  den  Körper  zerrüttet.
(1.)  [T.F.]
Seit  den  letzten  zehn  Jahren  ist  das
Streben  nach  Erkenntnis  der  Inhalt
meines  Lebens  gewesen.  Alles  andere
war  für  mich  nur  Nebensache.  (2.)
[T.  F.]
        <pb n="97" />
        Alter  II

&amp;lt;D
T3
C
5

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäftigung

Tägliche
Arbeitszeit

Jhr.

£

M.

m

Std.

45

6

25,—

Stuhlmeister ­


io 3 A

Meine  Praxis  erforterd  wenig  Denken
aber  wenn  einige  lichte  Augenblike
eintreten  so  denke  ich  immer  an  mein
Wirtschaftsleben.  (3.)  [T.  F.]

46

10

24-Spinner



10

Die  Maschine  erfordert  viel  Aufmerksamkeit, ­
  jedoch  sieht  es  manchmal
bunt  genug  im  Kopfe  aus.  Da  denke
ich  über  besonders  schwer  verständliche ­
  Stellen  aus  irgend  einem  Buche
nach.  Halte  eine  Rede  vor  einem  tausendköpfigen ­
  Publikum,  dichte  eine
Geschichte  zusammen,  die  ich  abends
dann  meinen  Kindern  erzähle.  (2.)
[T.F.]

47

23,—

Weber

10V2

Ich  denke  gar  oft,  wenn  ich  meine  Arbeitskollegen ­
  scharf  ins  Auge  fasse
und  finde,  daß  jeder  körperlich  und
geistig  anders  geartet  ist,  ob  es  wohl
je  eine  Gesellschaftsordnung  geben
wird,  in  der  sich  Jeder  glücklich  und
wohl  fühlen  wird.  (2.)  [T.  F.]

48

1

22,—

Weber

9

Ja,  ich  denke,  viel  sogar  und  wenn
keine  Aufsicht  da  ist,  dann  lese  ich
den  „Vorwärts“,  oft  vom  Anfang  bis
zum  Ende.  Dadurch  gewinne  ich
freie  Zeit  für  den  Abend.  Die  Gedanken ­
  zu  manchem  Artikel,  die  ich
schon  geschrieben  habe,  habe  ich  bei
der  Arbeit  gefunden  und  aufgezeichnet, ­
  um  sie  später  zu  verwenden.

120

Möglich  ist  das  Denken  schon,  aber
sehr  anstrengend.  Es  durchzuführen,
dazu  gehört  ein  eiserner  Wille.  Denn
beides  zusammen,  arbeiten  und  denken ­
  bei  dem  geschilderten  Geräusch
der  Maschinen  wirkt  nervenzerstörend
und  häufig  gehe  ich  mit  Kopfschmerzen ­
  nach  Hause.  Wenn  die  Gedanken
zu  weit  abschweifen  und  die  Arbeit
vergessen,  hat  man  leicht  materiellen
Schaden,  weil  die  Ware  verdorben
werden  kann  und  man  wird  höchst
unsanft  in  die  rauhe  Wirklichkeit  zurückgerufen. ­
  (2.)  [T.  F.]

49

2

20,—

Kettenscherer ­


IOV2

unmöglich  noch  an  was  anders  zu
dengen.  (4.  t.)  [T.  F.]

50

Weber

10Vs

Hier  ist  mir  die  Rubrik  zu  klein.
Das  sociale,  das  Menschheitsproblem
nimmt  den  breitesten  Raum  meiner
Gedankenarbeit  ein.  Bin  ich  mit  meinen ­
  Fischerei  und  Gartenprogramm
fertig,  so  schweift  oft  mein  Blick  verdüstert ­
  ins  Chaos  der  Zeit  zurück.  Die
ganzeWelt  und  Menschheitsgeschichte
ein  Geschichte  von  Raub  und
Mord.  Es  lastet  ein  Fluch  auf  dir.  O
Menschheit!  (1.)  [T.B.]

51

2

25,—

Weber

im  Sommer  an  die  Erholung  nach  des
Tages  Hitze  im  Winter  an  selbstanzufertigende
  Spielsachen  für  meine  Kinder. ­
  (4.)  [T.B.]

121
        <pb n="98" />
        Jhr.

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M.

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Std.

52

53

54

55

74

15,-18,-



  —

32,-Unbe-




Wolfer

Weber

Weber

Bandwirker ­

Handweber ­


lO'/s

io 1 /«

io

Ich  denke  viel  über  die  Biebel  nach.
( 4 .)  [T.F.]
fühl  zeit  hat  man  nicht  nachzudenken.
(4-t.)  [T.F.]
Über  die  Lösung  des  sozialen  Problems. ­
  Dies  hat  mir  schon  viel  schlaflose ­
  Nächte  bereitet.  (3.)  [T.  F.]
Ich  denke  immer  an  Befreiung,  Revolution. ­
  (4.)  [T.  B.]
Meine  Gedanken  sind  ver  Schieden
das  was  ich  dass  ich  von  der  Welt
nicht  zu  er  warten  habe  so  schwifen
meine  Gedanken  hiniber  in  die  Geister
Weid.  (3.)  [T.F.]

Die  hauptsächlichsten  Richtlinien  des  Denkprozesses ­
  während  der  berufsmäßigen  Arbeit:

Mit  dem  Verdienst ­


%

Mit  der  Familie

%

Mit  der  berufsmäßigen ­
  Arbeit  ;

%

Mit  Organisation. ­
 1 ;-  und  politischen ­
  Fragen

%

Mit  außerberuflichen ­
  Problemen

%

Indifferent  bei  der
berufsmäßigen
Arbeit

%

Textilarb.

Berlin

54

12,8

68

16,3

81

19,4

91

21,8

56

13,3

69

16,4

=  100%

Textilarb.

Forst

184

25,1

37

5,1

82

11,2

114

15,5

210

28,6

107

14,5

=  100%

122

238

105

163

205

266

176
        <pb n="99" />
        123

Summarisch  :

Mit  dem  Verdienst

SSHS

19,2

Mit  der  Familie

•  105

=

11,2

Mit  der  berufsmäßigen  Arbeit  .  .

=

15,4

Mit  Organisations-  und  politischen

Fragen

.  205

=

18,5

Mit  außerberuflichen  Problemen  .

.  266

=

20,9

Indifferent  bei  der  berufsmäßigen  Arbeit  .  .

.  176

=

14,8

1153

IOO  0/0

Denken  Sie  bei  Ihrer  Arbeit,  und

an  was

denken

Sie,

oder

ist  es  Ihnen  überhaupt  unmöglich,  dabei  zu  denken?
M  etallarb  eiter.

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4)

jhr.

M.

ffl

Std.

20

25,—

Eisenhobler ­


10

Bei  Verrichtung  meiner  Arbeit  kommt
mir  öfter  der  Gedanke,  wie  gerade  die
breite  Masse  des  Volkes  durch  das
gesamte  Unternehmertum  unterdrückt
und  ausgebeutet  wird,  und  nach  längerem ­
  Nachdenken  über  diese  unerhörte ­
  Methode  macht  sich  der  Gedanke ­
  breit,  wie  wir  uns  von  diesem
Übel  befreien  könnten.  (3.)  [M.  S.]

21

36,—

Masch.-schlos-



9

Es  wird  mir  schwer,  auf  irgend  etwas
als  auf  meine  Arbeit  meine  Gedanken
zu  richten,  weil  ich,  um  einen  durchschnittlichen ­
  Verdienst  von  36  M.  zu
erzielen,  vollständig  bei  der  Sache
sein  muß.  (3.  t.)  [M.  B.]
        <pb n="100" />
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Std.

22

35,-Schlos-




Wenn  es  mir  irgend  möglich  ist,
denke  ich  bei  der  Arbeit.  Z.  B.  überlege ­
  ich  den  Inhalt  eines  Buches,  das
ich  den  Abend  zuvor  gelesen  habe.
Es  giebt  allerdings  auch  Arbeiten,  die
so  schlecht  bezahlt  sind,  daß  man  vor
Schuften  nicht  zum  Denken  kommt.
(2.)  [M.B.]

23

1  35,—

Dreher

24

30,—

Masch.-schlos-



9

Meine  Gedanken  gelten  immer  wieder
dem  Zweck  alles  Seins,  dem  Woher
und  Wohin  der  Menschheit.  Was
recht  oder  falsch  ist  und  wohin
sich  der  Glaube  ohne  Enttäuschung
schwingen  kann.  (2.)  [M.  B.]

9  Vs

Wie  kannst  Du  Dir  bloß  freimachen
von  alledem,  was  Dir  so  Tag  für  Tag
geboten  wird?  (3.  t.)  [M.  S.]

25

1  27,—

Masch.-bauer


10

Ich  denke  daran,  wie  grausam  es  doch
ist,  daß  wir  ausgebeutet  werden  in  diesem ­
  Klassenstaat  und  wenig  Anteil
haben  an  gesundem  Leben,  wo  wir
doch  alle  das  gleiche  Recht  dazu
hätten.  (3.  t.)  [M.S.]

26

31,—

Metallarbeiter ­


9

Die  Gedanken  sind  kraus  durcheinander ­
  gewürfelt,  daß  der  Raum  nicht  ausreichen ­
  würde,  sie  nur  annähernd  niederzuschreiben. ­
  Es  genüge  daher  der
kurze  Satz:  Ich  baue  eine  neue  Welt
und  suche  alles  darin  auszumerzen,
was  dem  Menschen  nicht  anhaften

124

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Alter

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CO

H  &amp;lt;

jhr.

&amp;amp;

M.

03

Std.

darf,  will  er  nach  der  Devise:  Edel
sei  der  Mensch,  hilfreich  und  gut,  im
neuen  Staate  leben.  (2.)  [M.  S.]

27

—

33,—

Schlos-9



Bei  der  Arbeit  hält  man  die  fünf  Sinne

ser

zusammen,  sonst  verpfuscht  man  dieselbe. ­
  (3.  t.)  [M.  B.]

28

43,-Dreher



9

Ich  denke  über  alle  Lebensprobleme
nach,  wie  es  kommt,  daß  es  gute,  böse
und  dumme  Menschen  giebt,  dagegen
in  der  Tierwelt  die  einzelnen  Arten
gleich  sind.  Endlich  über  das  Seelenleben ­
  des  Mannes  und  des  Weibes.
(2.)  [M.B.]

29

—

42  -

Schlos-8



Wenn  ich  über  Sachen  außerhalb  der

ser

Arbeit  denke,  ist  es  mir  schon  oft  vorgekommen, ­
  daß  ich  dann  fehlerhaft
arbeite.  (3.)  [M.  B.]

30

—

30,—

Schlos-9



Ich  denke  meistens  an  meine  traurige

ser

Lage,  und  wenn  ich  in  einer  solchen
Stunde  um  mich  her  Direktoren,  Aufsichtsräte ­
  und  sonstiges  faules  Getier
sehe,  dann  füllt  sich  mein  Herz  mit
Bitterkeit  und  Haß  gegen  die  Drohnen, ­
  die  meinen  Honig  schlürfen  und
verprassen.  (3.  t.)  [M.  S.]

31

2

36,  -

Metall-9



Wenn  ich  eine  gleichgiltige  Arbeit

arbeiter

habe,  denke  ich  meist  an  Politik  und
Gewerkschaft.  Bei  interessanter  Arbeit
ist  mein  ganzes  Tun  und  Denken  dabei ­
  und  wehe  dem,  der  mich  stört,
dann  werde  ich  wild.  (1.)  [M.S.]

125
        <pb n="101" />
        jhr.

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M.

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'S)  s
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Std.

32

30,—

Feilenhauer ­


13

Denke  hauptsächlich  ans  tägliche  Brot,
an  die  Zukunft  meiner  Kinder,  an  politische, ­
  gewerkschaftliche  Freidenker
und  Konsumgenossenschaften.  Oft
denke  ich  überhaupt  nicht  mehr.  (3.  t.)
[M.  S.]

33

25,—

Metallformer ­


10

Ja,  ich  denke.  Denke  zuweilen  mehr,
als  die  zur  Arbeit  erforderliche  Aufmerksamkeit ­
  es  mir  gestatte.  Ein  gar
zu  dreister  Gedankenflug  zu  Frau  und
Kind,  ein  für  einige  Augenblicke  allzu
tiefes  Nachsinnen,  eine  Schraube,  ein
Stift,  ein  Modell  ist  nicht  gelöst.  Materieller ­
  Schaden  ist  die  Folge  solcher
Gedankenausflüge.  (2.)  [M.  S.]

34

2

26,—

Werkzeug ­
 ­


9 1 /«

Sobald  mir  ein  wichtiger  Moment  einfällt ­
  der  mir  sowie  ändere  gute  Dienste
leistet  so  vertief  ich  mich  nein  und
schreibe  mir  die  Merkmale  auf.  (3.  t.)
[M.S.]

35

21,—

Schlosser ­


10

Ich  denke  immer  meine  Arbeit  so  gut
wie  möglich  zu  machen  und  denke
immer,  wenn  doch  erst  man  Feierabend ­
  wär.  (4.  t.]  [M.  O.]

36

2

28,—

Metallarbeiter ­


9 1 /*

Bei  Akkordarbeit  denke  ich  über  den
Sozialismus  und  dessen  Ziele  nach,
um  durch  die  geistestötende  Teilarbeit
nicht  ganz  verrückt  zu  werden.  (3.)
[M.S.J

126

BQ

Std.

37

3

34,-Metall

 ­


9

38

1

30,—

Schlosser ­


9'/i

39

—

43,-Dreher



9

40

2

30,—

Schlosser ­


10

41

5

21,—

Metallarbeiter ­


9 1 /s

42

—

28,—

Scherenschleifer ­


10

Es  ist  mir  unmöglich,  zudenken.  (4.  t.)
[M.B.]
Zum  Denken  ist  die  Arbeit  „immer
dieselbe“  gut  geeignet.  Ich  denke  an
alles  mögliche:  Lohn,  Familie,  an
meine  verstorbene  Mutter,  die  mir
nicht  meinen  Vater  genannt  hat,  ich
grübele  nach,  was  mein  Arbeitgeber
an  den  Kugellagern  verdienen  wird,
warum  mein  Schraubstocknachbar
sich  gerade  eine  Kellnerin  zur  Braut
gewählt  hat,  und  wie  töricht  doch
schließlich  das  ganze  Getriebe  hier  um
mich  herum  ist  und  doch  nicht  anders
sein  kann,  als  es  ist.  (2.)  [M.  S.]
Das  Liebste  ist  mir,  daß  ich  immer
solche  Arbeit  habe,  die  mein  ganzes
Denken  in  Anspruch  nimmt,  denn  ich
bin  vom  vielen  Grübeln  so  nervös,
daß  ich  oft  die  Tränen  nicht  unterdrücken ­
  kann.  (2.)  [M.B.]
Sehr  viele  zerstreute  Gedanken  durchschwirren ­
  mein  Gehirn,  und  zwar  mit
Musik  und  Tanz.  (3.)  [M.  S.]
Wie  ich  am  besten  durchkomme  mit
Familie.  (4.)  [M.  O.]
Baue  mir  phantastische  Luftschlösser,
denke  an  Treu  und  Glauben  und  an
den  Tod.  (3.)  [M.S.]

127
        <pb n="102" />
        Alter  1

U
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5
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Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäftigung

Tägliche
Arbeitszeit

Jhr.

**

M.

oa

Std.

43

3

30,—

Metallschleifer ­


9 1 /a

Mein  einziger  Gedanke,  der  mich  beseelt, ­
  ist:  Wann  wird  es  endlich  in
den  Köpfen  Tag  werden?  Wann  endlich ­
  wird  das  Volk  aus  den  Banden
der  Knechtschaft  erlöst?  Dieser  feste
Glaube  an  den  einstigen  Sieg  giebt
mir  neue  Kraft  und  neuen  Mut.  (3.  t.)
[M.  S.]

44

2

27  —

Metallarbeiter ­


10

Ich  bin  meistens  gedankenlos  bei
meiner  Arbeit,  dieweil  ich  morgens
die  Arbeit  genau  so  betrette  mit  Widerwillen, ­
  wie  ich  sie  des  Abends  verlasse. ­
  (3.  t.)  [M.  O.]

45

1

28,—

Gelbgießer ­


9Vt

Bei  meiner  Arbeit  ist  es  schwer,  einen
klaren  Gedankengang  zu  verfolgen.
Am  meisten  helfe  ich  mir  über  das
Eintönige  der  Arbeit  hinweg,  indem
ich  so  für  mich  singe.  (3.)  [M.  S.]

46

5

30,—

Nähmasch.-




9  V*

Ja  denken  tut  man  wohl,  an  was  denkt
man  wohl  nicht  alles.  An  Familienzwist ­
  der  dadurch  entsteht  erstens
durch  die  Kinder  zweit,  das  es  nicht
immer  hinter  noch  vor  langt.  An  polittisch
  und  Gewerkschaftliche  Vorkommnisse ­
  und  an  die  unsichere  Existenz. ­
  (3.  t.)  [M.  S.]

47

—

24,—

Feilenhauer ­


lOVa

Ich  befasse  mich  größtenteils  mit  Partei ­
  u.  Gewerkschafts  -  Org.gedanken
auch  Liebenskummer.  (3.)  [M.  S.]

128

u
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U,
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5
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Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

Tägliche
Arbeitszeit

Jhr.

M.

CQ

Std.

48

6

38,—

Fräser

9 1 /*

Zeitweilig  ist  es  mir  möglich,  nachzudenken ­
  über  die  Entstehung  der
Welten,  Kant-Laplace-Theorie,  soziale
Frage  und  Kunst.  Am  meisten  über
den  Kreis  des  Denkens  überhaupt.  (2.)
[M.B.]

49

1

33,—

Fräser

9

Denken  ist  unmöglich.  (3.  t.)  [M.  B.]

50

4

26,—

Schlosser ­


10

Meine  Arbeit  erfordert  an  sich  schon
viel  Denken.  Ist  dieselbe  jedoch  mitunter ­
  mechanisch,  so  denke  ich  auch
an  andere  Dinge.  Ich  bin  Naturheilanhänger, ­
  Impfgegner,  Vivisektionsgegner. ­
  Sodann  bin  ich  der  Ansicht,  daß
alles  besser  sein  würde,  wenn  wir
Menschen  nur  besser  wären.  (1.)  [M.
S.]

51

—

24,—

Metallarbeiter ­


9

Ich  denke  an  Verschiedenes  und  über
Verschiedenes.  (4.  t.)  [M.  S.j

52

8

30,—

Eisendreher ­


9

Bei  meiner  Arbeit  sind  die  Gedankenvorgänge ­
  verschiedenartig.  Wenn  man
seine  Kollegen  mitunter  beobachtet,
wie  sie  sich  gegenseitig  abkanzeln,  und
ganz  und  gar  nicht  sich  als  Menschen
achten,  dann  ist  es  einem  bald  einleuchtend, ­
  daß  der  Kampf  um  höhere
Menschenrechte  wirklich  ein  schwerer
Kampf  ist.  (1.)  [M.B.]

9

129
        <pb n="103" />
        Die  hauptsächlichsten  Richtlinien  des  Denkprozesses ­
  während  der  berufsmäßigen  Arbeit:

Mit  dem  Verdienst ­


%

Mit  der  Familie

%

Mit  der  berufsmäßigen ­
  Arbeit

%

Mit  Organisations- ­
  und  politischen ­
  Fragen

%

Mit  außerberuf-  1
liehen  Problemenj

%

indifferent  bei  der
berufsmäßigen
Arbeit

%

Metallarb.  Berlin

81

11,3

36

5,3

156

21,9

184

25,8

142

19,9

113

15,8

=  100%

Metallarbeiter

Solingen

142

20,4

18

2,7

192

27,4

49

7,0

216

31,0

79

11,5

=  100%

Metallarbeiter

Oberstein

205

51,9

4

1,0

108

27,3

21

5,3

7

1,9

50

12,7

=  100%

428

58  |

456

254

365

242

I

Summarisch  :
Mit  dem  Verdienst  428  =  27,8
Mit  der  Familie  58  =  3,0
Mit  der  berufsmäßigen  Arbeit  456  =  25,5
Mit  Organisations-  und  politischen  Fragen  254  =  12,8
Mit  außerberuflichen  Problemen  365  =  17,6
Indifferent  bei  der  berufsmäßigen  Arbeit  .  .  .  242  =  13,3
1803  =  100%

5.  Was  drückt  Sie  mehr,  der  geringe  Lohn  oder  daß  Sie  vom
Arbeitgeber  so  abhängig  sind,  so  wenig  Aussichten  haben,  im
Leben  weiterzukommen,  ihren  Kindern  gar  nichts  bieten  zu
können?
„Die  persönliche  Freiheit“,  sagt  Rodbertus  vor  beinahe  vierzig ­
  Jahren,  „ist  allerdings  ein  Gut,  aber  zunächst  nur  ein  negatives. ­
  Sie  ist  der  unumgängliche  Anfang,  die  Basis  von  allem,
was  eines  Menschen  würdig  ist.  Aber  an  sich  nur  eine  leere
Sphäre,  die  sich  nach  ihrem  Inhalt  sehnt,  die  diesen  erst  wo
anders  her  empfängt.  Ein  Freier  ohne  Unterhalt,  hat  man  gesagt,
  und  man  kann  es  nicht  anders  sagen,  ist  eine  Forderung
ohne  Schuldner.“
Aber  über  dies  ist  die  klassische  Unterscheidung  von  operae
illiberales  und  liberales  bis  auf  den  heutigen  Tag  geblieben.
130
        <pb n="104" />
        Der  niedrige,  wenn  auch  freie  Arbeiter,  nähert  sich  dem  Sklaventum. ­
  Er  empfängt  Lohn  (merces),  sonst  aber  ist  er  für  den
Arbeitgeber  Miets-  oder  Pachtvertrag,  bei  dem  er  die  nutzbare
Sache  ist  und  seine  Arbeitsleistungen  die  Nutzungen.  Er  arbeitet ­
  für  den  Unternehmer,  erwirbt  diesem  die  Sicherheit  der
Existenz,  oft  im  Reichtume  oder  Überfluß,  aber  derselbe  Unternehmer ­
  betrachtet  denjenigen,  den  er  eigentlich  als  gleichberechtigtes ­
  Bindeglied  achten  sollte,  nur  als  absolut  untergeordneten ­
  Diener,  der  außerhalb  des  solidarischen  Zusammenhanges ­
  der  Gesellschaft  steht.  Versagt  ihm  die  Achtung*.
Wir  haben  vollkommen  und  überall  vergessen,  daß  Barzahlung ­
  nicht  die  einzige  Beziehung  unter  menschlichen  Wesen
bildet,  ohne  daran  zu  zweifeln,  denken  wir,  daß  sie  alle  menschlichen ­
  Verbindlichkeiten  löst  und  schlichtet.  „Meine  hungernden
Arbeiter?“  antwortet  der  reiche  Mühlenbesitzer.  „Warb  ich  sie
nicht  regelrecht  auf  dem  Markte  an?  Bezahlte  ich  ihnen  nicht
bis  auf  den  letzten  Groschen  die  stipulierte  Summe?  Was  habe
ich  noch  mit  ihnen  zu  tun  *  ?“
„Wenn  ich  mehr  Achtung  kriegen  täte.  Aber  der  Fabrikant
grüßt  mich  nicht“,  in  diesen  Worten,  die  sich  in  allen  möglichen ­
  Variationen  bei  allen  drei  Arbeiterkategorien  wiederholen,
liegt  eine  Unsumme  von  Erniedrigung  des  Menschentums.  „Ich
bin  im  Zweifel,  welche  Frage  ich  als  die  mir  drückendste  bezeichnen ­
  soll.  Bedenke  ich  den  geringen  Lohn,  welcher  zur
Hälfte  nicht  ausreicht,  um  halbwegs  menschlich  mit  Familie
leben  zu  können,  trotz  Aufreibung  meiner  ganzen  physischen
Kräfte,  dann  übermannt  mich  eine  maßlose  Wut.  Als  Vater
meiner  Kinder  dann  obendrein  mitansehen  zu  müssen,  daß  ihnen
das  Senkblei  des  poversten  Elends  den  Weg  über  diese  inhumane ­
  Kurve  verwehrt,  ist  mir  besonders  schmerzlich.  Allerdings ­
  bedingt  ja  die  letzte  Konsequenz  jedem  Menschen  die
Arbeit  seiner  Art.  Aber  heute  in  dieser  Form,  wie  ist  dieses
schmerzlich!“  Den  Gegensatz  in  dem  Habitus  seines  Lebens
bildet  ein  anderer  Berghauer  aus  dem  Waldenburger  Gebiet:
„Eigentlich  drückt  mich  gar  nichts.  Mehr  Lohn  möchte  ich  um
meiner  Kinder  willen  haben,  das  Nichthaben  drückt  mich  aber
ebensowenig  wie  die  Abhängigkeit.  Ich  bin  kein  Sklave,  Mensch,
wirklicher  Mensch.  Lieber  fresse  ich  trockene  Brotkrusten,  als

3*

Thomas  Carlyle,  „Einst  und  Jetzt“,  Göttingen  1899.

131
        <pb n="105" />
        mich  entwürdigen  zu  lassen.  Achtmal  bin  ich  gemaßregelt,  weil
ich  frei  sein  wollte.  Aber  freie  Menschen  brauchen  wir.  Gedrückte ­
  Naturen  sind  für  den  herrlichen  Freiheitskampf  verloren.“ ­
  Ein  Metallarbeiter  vergleicht  sich  mit  einem  Vogel,  dem
ein  Band  um  das  Bein  gebunden  ist.  „Frei  sind  wir  Arbeiter  ja“,
so  äußert  er  sich.  „Fragt  mich  bloß  nicht,  wie.  Die  Arbeitsverträge ­
  gehen  wir  vollständig  frei  ein.  Niemand  sagt  uns  ,wir
sollen  arbeiten.  Nein,  wir  drängen  uns  danach.  Als  wenn  wir
anders  könnten.“  Die  Begrenztheit  der  sozialen  Laufbahn,  die
Kinder  wie  der  Vater,  die  Enkel  wie  die  Kinder,  der  Schmerz,
aus  diesem  Zirkel  nicht  herauskommen  zu  können,  zieht  sich
typisch  durch  alle  drei  Arbeiterkategorien.
„Der  Gedanke,  daß  meine  Kinder  als  Arbeitssklaven  zur
.Welt  gekommen,  schmerzt  mich  am  meisten.  Warum  wurden
sie  geboren?“  So  schreibt  pessimistisch  ein  Textilarbeiter.  Ein
anderer  Weber  bedauert  und  bewundert  gleichzeitig  seinen  Arbeitgeber ­
  in  seiner  schönen  Villa,  der  so  viel  Mut  hat,  inmitten
des  Elends  glücklich  zu  sein.
Das  Unzuträglichste  ist  die  Abhängigkeit.  Man  braucht  kein
Graphologe  zu  sein,  aber  man  steht  vor  der  greifbaren  Erscheinung, ­
  die  man  aus  den  Schriftzügen  der  Erhebungsformulare
vielfach  konstatieren  kann:  die  Beantwortung  der  Frage  20,
das  Abhängigkeitsverhältnis  betreffend,  hat  die  Seelen  besonders ­
  stark  in  Wallung  gebracht.  „Ach,  Arbeitgeber!“  förmlich
schreit  es  ein  Metallarbeiter.  So  hastig  ist  die  Schreibart  im
Gegensatz  zu  den  ruhigen  Schriftzügen,  womit  er  die  anderen
Fragen  beantwortet:  „Wüßtest  Du,  wie  weh’  es  tut,  abhängig
zu  sein,  schweigen  zu  müssen,  wo  man  mit  dem  Knüppel  dreinschlagen ­
  möchte.  —“
Wie  lodert  es  aus  den  Worten  eines  Bergarbeiters:  „Wie
ein  Hund  gefüttert  zu  werden,  muß  ich  unter  dem  gemeinen
Druck  ökonomischer  Kalamität  vermodern,  weil  ich  abhängig
bin.  Ich  fordere  Remedur  von  Euch.  Der  Fluch,  der  Meissei,
die  Kelle  in  die  nervige  Faust.  Aber  diese  Faust  gehört  einem
Menschen.  Achtet  darauf!  Bitter  rächt  sich  unterdrückte  Kraft.“
Ein  Weber:  „Das  Bewußtsein  der  Abhängigkeit  vom  Arbeitgeber ­
  verbittert  mich,  hat  aus  mir  einen  reizbaren  Menschen
gebracht.  Eine  Handbewegung  des  Chefs,  so  einschneidend,
mißachtender  Art,  genügt,  um  mein  Blut  in  Wallung  zu  bringen.“
132
        <pb n="106" />
        133

Ein  Berliner  Plüschweber:  „Früh  sieben  Uhr  beginnt  die
Fabriksirene  zu  pfeifen.  Es  sind  die  Pfeifen  meines  Brotherrn,
der  damit  andeuten  will,  mich  zu  beeilen.  So  werde  ich  herangepfiffen, ­
  wie  der  Herr  seinem  Hund  pfeift.  Fünf  Minuten  später
wird  das  Fabriktor  geschlossen,  oder  der  Markenautomat  gesperrt, ­
  und  ich  bin  im  Zuchthaus  drin.“
Der  geringe  Lohn  hat  keineswegs  einen  so  übermäßig  entscheidenden ­
  Einfluß.  Aus  den  Untersuchungen  geht  teilweise
hervor,  daß  das  Materielle  den  Arbeiter  nur  bis  zur  Grenze
äußerster  Lebenserhaltung  interessiert.
Was  drückt  Sie  mehr,  der  geringe  Lohn  oder  daß  Sie  vom
Arbeitgeber  so  abhängig  sind,  so  wenig  Aussichten  haben,  im
Leben  weiterzukommen,  ihren  Kindern  gar  nichts  bieten  zu
können?
Bergarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  das  Gedinge.

Alter

tnzahl  der
Kinder

Durchschn.
Wochenverdienst


Jhr.

M.

20

16,—

Mich  drückt  nur  der  geringe  Lohn  denn
mich  packt  manchmal  eine  Wut  wenn  ich
zum  Lohntage  die  paar  Pfennige  in  die
Hände  krieg  und  denke  mir  wie  werde  ich
nur  mal  eine  Familie  mit  den  paar  Groschen
ernähren  können  wenn  daß  nicht  anders
wird.  (3.  t.)  [B.  Schles.]

22

—

30,—

Der  geringe  Lohn  ist  der  höchste  Drukpunkt,
worüber  ich  mich  zu  beklagen  hätte.  (4.  t.)
[B.R.]

23

—

19,—

Weil  ich  so  abhängig  bin.  Weil  mein  Steiger ­
  anscheinend  herausbekommen  hat,  daß
ich  organisiert  bin.  (3.)  [B.  Schles.]
        <pb n="107" />
        d  ,

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O  S-,
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5  &amp;amp;  &amp;gt;
Q

&amp;lt;

Jhr.

M.

Wenn  auch  der  geringe  Lohn  sehr  drückt,
so  drückt  am  meisten,  daß  man  jedem  Beamten, ­
  mag  er  noch  so  niedriger  Natur  sein,
Gehorsam  leisten  muß  und  daß  man  nicht
einmal  eine  Arbeiterzeitung  lesen  soll.  (3.  t.)
[B.  Schles.]
Mich  drückt  am  meisten  die  Abhängigkeit,
das  Schreckgespenst  eines  guten  Tages  auf
die  Straße  fliegen  und  dem  Elend  preisgegeben ­
  zu  sein.  (1.)  [B.  R.]
Mich  drückt  nichts.  Die  Arbeitgeber  können
mir  den  Buckel  runterrutschen.  (2.  t.)  [13.  S.]
Das  Abhängigkeitsverhältnis  unterdrücke  ich
durch  den  Proletarierstolz.  (2.)  [B.  S.]
Daß  die  Kinder  als  Arbeitsknechte  geboren
sind.  (3.  t.)  [B.  Schles.]
Gewiß  ist  es  ein  bedrücktes  Leben  bei  einem
solch  geringen  Lohne,  das  ich  vom  Arbeitgeber ­
  abhängig  bin,  hängt  an  mir  ebenfals
wie  ein  Bleiklumpen,  auf  die  Aussichten
mir  eine  bessere  Stelle  zu  erbetteln,  verzichte
ich,  sondern  will  nur  in  Gemeinschaft
meiner  Arbeitsbrüder  ein  besseres  Dasein
erkämpfen  so  das  es  nicht  nur  mir,  sondern
der  gesamten  arbeitenden  Klasse  zu  gute
kommt,  und  ich  glaube  nichts  besseres
meinen  Kindern  bieten  zu  können  als  sie
zu  klassenbewußten  Menschen  zu  erziehen.
(2.  t.)  [B.  Schles.]

24

25

20,-26



27

28

29

30,-24,-








Der  geringe  Lohn  drückt  mich  nicht  so  arg
wie  der  Arbeitgeber,  weil  er  mich  als  Arbeitenden ­
  Mensch  anerkännt,  sondern  als
Arbeitende  Maschiene.  (3.  t.)  [B.  R.]
Mir  ist  alles  gleich.  (4.  t.)  [B.  R.]
Der  geringe  Lohn  drückt  mich.  Über  die
Abhängigkeit  habe  ich  mir  bisher  noch  kein
S  Kopfzerbrechen  gemacht.  Ich  habe  dem
Feinde  noch  immer  die  Zähne  gezeigt.  (1.  t.)
[B.S.]
Alles  drückt  mir.  (4.  t.)  [B.  S.]
Ich  bin  der  Absicht,  größeren  Verdienst  zu
kriegen  daß  ich  mal  besser  essen  und  leben
kann.  (4.  t.)  [B.  R.]
Über  Lohnfrage  rege  ich  mich  heut  weniger
auf,  denn  jemehr  wir  verdienen,  jemehr  wird
uns  genommen,  bleiben  thut  uns  nichts,  sogebeutet
  übervortheilt  wird  und  dieses  durch
Gesetz  und  Recht  anerkannt  wird.  Für
meine  Kinder  sorge  ich  am  besten  dadurch,
daß  ich  für  die  Partei  eintrete,  welche  für
Menschenwürdige  Zustände  ein  tritt,  eine
Gleichberechtigung  erstrebt  und  so  eine  gesunde ­
  Sozial-Politik  schaffen  hihlft.  (2.  t.)
[B.R.]
135
        <pb n="108" />
        d

JS

G

CO

0

G

CO
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0

J3
ü
O

ü
T3

3

£

&amp;lt;D

Q

M.

371  7

22,—

Eigentlich  drückt  mich  gar  nichts,  da  ich
ein  Kerl  bin  wie  Diogenes  in  seinem  Faß.
Mehr  Lohn  möchte  ich  um  meiner  Kinder
Entwicklung  schon  haben,  aber  das  „Nichthaben“ ­
  drückt  mich  ebenso  wenig  wie  die
Abhängigkeit.  Ich  bin  kein  Sklave  und  bin
auch  nicht  abhängig.  Lieber  fresse  ich  trockne ­
  Brotkrusten  als  daß  ich  mich  in  die  Laune
eines  Sterblichen  füge.  Ich  bin  8  mal  gemaßregelt,
  weil  ich  eben  noch  nie  abhängig
war.  Ein  gedrückter  Mensch  ist  für  den
herrlichen  Kampf  verloren.  (2.)  [B.  Schles.]

38

5

39

4

35,—

Der  geringe  Lohn  drückt  mir  nicht  so  viel
als  wie  die  Hundsfötische  abhängigkeit  vom
Arbeitsgeber  vom  Werksbeamten.  Denn
diese  Antreiber  des  Kapitals  die  oft  weniger
Geist  und  Bildung  besitzen,  ja  nicht
mal  die  praktischen  Kenntnisse  des  Arbeiters ­
  besitzen,  dem  sie  aber  auf  alle
mögliche  Art  das  Leben  verleiden  machen,
ja  sich  einbilden  dem  Arbeiter  alles  mögliche ­
  bieten  zu  dürfen,  dieses  drückt
mich  unbeschreiblich.  Auch  das  mann  sieht
bei  der  größten  Anstrengung  keine  Aussicht
hat  im  Leben  weiterzukommen  und  seinen
Kindern  später  nichts  bieten  zu  können
wirkt  erbitternt,  aber  doch  nicht  so  schlimm
als  wie  die  Abhängigkeit  von  Arbeitsgeber,
(i.t.)  [B.R.]

35,—

Nein,  meine  Sünden  drücken  mich  mehr
als  mein  geringer  Lohn  die  kann  niemand

136

gut  machen  die  haben  die  Hände  und
Füße  unsers  Heilandes  durchbohrt.  Ich  bin
meinem  Arbeitsgeber  sehr  dankbar  das  er
mir  Brot  giebt  denn  es  heißt  im  Worte
Gottes  jeder  Mann  sei  unterthan  der  Oberichkeit
  die  Gewallt  hat.  (4.)  [B.  R.]

40

3

41

6

42

7

43  6
44  7

30,—

Für  einen  Familienvater  ist  es  hart,  wenn
Kinder  Wünsche  äußern,  ihnen  sagen  zu
müssen,  das  ist  nicht  für  Dich.  (2.  t.)  [B.  R.]

27,—  Das  drig  mier  Sehr  das  ich  zuwenig  ferdienen
  Kan  und  ich  wil  überhaup  kein  Patrigote
  Sein  (4.  t.)  [B.  S.]
30,—  Der  Lohn  wehniger  sondern  der  Hauptdruck
vom  Arbeitgeber  dem  wir  unterstellt  sind
der  uns  zu  Unmenschen  herabwürdigt,  der
unsre  ganze  Menschheit  raubt.  Dieser  Druck
ist  es,  der  uns  zu  einer  wild  werdenden
Masse  werden  läßt.  (3.  t.)  [B.  S.]

Ales  drickt  mich.  (4.  t.)  [B.  Schles.]
Wass  drückt  mier  Der  gerienge  Lohn.
Drückt  mich  mehr,  den  wen  ich  mehr  verdiene ­
  da  kan  ich  auch  ansicht  haben  bei
meinen  Arbeitgeber.  Den  da  möchte  ich
mich  auch  öfters  wo  Rausgehen  ins  Restauratzion
  mit  meinen  Arbeitgeber  auch  eine
|  Flasche  Wein  Trinnken  oder  eine  Flasche
|  Scheck,  und  dabei  auch  Par  Stück  Ziegaren
Mecksyko  im  auch  ins  Tasche  Stecken,  da
möchte  er  auch  ansicht  an  mich  Haben  aber

137
        <pb n="109" />
        So  kann  ich  nicht  den  vier  die  Par  Pfeniege
kan  ich  meine  Famielie  nicht  arnehren  (3.  t.)
[B.  Schles.]
Als  ich  das  Leben  der  Arbeiter  schützen
wollte,  wurde  ich  gemaßregelt,  Jahre  hindurch ­
  ausgesperrt  und  erhielt  später  einen
sehr  geringen  Lohn  und  eine  elende  gesundheitsschädliche ­
  Dachwohnung.  Als  ich  das
Elend  mit  meiner  Familie  nicht  mehr  ertragen ­
  konnte,  und  es  veröffentlichte,  wurde
ich  wieder  6  Monate  ausgesperrt,  nachdem
als  Bergeklauber  eingestellt  (die  gesundheitsschädlichste ­
  Arbeit  beim  Bergbau)  und
nachdem  ich  dies  nicht  aushalten  konnte
mit  meiner  Familie  vollends  auf  die  Straße
geworfen,  die  Abhängigkeit  von  den  Unternehmern ­
  ist  fast  noch  furchtbarer,  wie  der
geringe  Lohn  den  sie  zahlt.  Am  meisten
bedrückt  mich  daß  trotz  meiner  langjährigen
Dienstzeit  ich  mitansehen  muß  wie  meine
Familie  untergehen  muß.  (2.)  [B.  Schles.]
Der  geringe  Lohn  sowohl  als  auch  die  Abhängigkeit ­
  ist  zu  verurteilen.  Konnte  infolgedessen ­
  meinen  Kindern  nichts  weiter  bieten
als  eine  moralische  und  sittliche  Erziehung.
(2.  t.)  [B.  Schles.]
Ich  bin  zufrieden.  Für  die  Kinder  wird  Gott
sorgen.  Wenn  alle  Menschen  werden  so
denken,  dann  ist  das  Paradies  auf  der  Welt.
(4.  t.)  [B.  Schles.]
        <pb n="110" />
        Folgende  Tabellen  zeigen  den  Grad  der  Abhängigkeit ­
  nach  Gegend,  Alter  und  Lohnklassen  :
a)  Die  Abhängigkeit  empfanden  in  erster
Linie  als  drückend:

Altersklasse

Lohnklasse

20—30  J.  |

7»

©
1
8

0/0

o
tn
1
o

°lo

Summa

£
c3
1
o

&amp;gt;

20-30  M.

7»

30-40  M.

7«

cd
E
E

Bergarb.  Ruhrgeb.

134

16,5

101

12,3

8

0,9

243

25

3,0

122

15,0

96

11,9

243

Bergarb.  Saargeb.

159

22,0

231

32,0

10

1,3

400

19

2,6

347

48,2

34

4,6

400

Bergarb.  Schlesien

34

6,1

140

25,0

12

2,1

186

174

31,4

12

2,2

—

—

186

Summa:

327

—

472

—

30

—

829

218

—

481

—

130

—

829

b)  Die  Abhängigkeit  empfanden  nicht  in  erster
Linie  als  drückend  trotz  Antwort  auf  die
Doppelfrage:

Altersklasse

Lohnkiasse

20—30  J.

7o

O
8

0/0

40—  50  J.

7o

Summa

10—20  M.

7«

20-30  M.

7»

30-  40  M.

7o

Summa

Bergarb.  Ruhrgeb.

115

14,9

176

21,7

15

1,9

306

32

39

133

16,4

141

17,4

306

Bergarb.  Saargeb.

64

8,8

97

13,4

21

2,8

182

10

1,3

172

23,8

—

—

182

Bergarb.  Schlesien

72

12,9

105

18,9

4

0,7

181

155

28,1

26

4,7

—

—

181

Summa:

251

—  |378|  —

40

—

669

197

—

331

—

141

—

669

c)  Es  verhielten  sich  gleichgültig:

Altersklasse

Lohnklasse

20—30  J.

o/o

o
1
8

0/0

O
io
1
o

7«

Summa

£
1
©

7»

20-30  M.

7«

30-  40  M.

7«

|  Summa

Bergarb.  Ruhrgeb.

121

14,9

2

0,2

6

0,8

129

5

0,6

59

7,2

65

8,0

129

Bergarb.  Saargeb.

17

2,3

31

4,3

5

0,8

53

8

1,1

25

3,4

20

2,7

53

Bergarb.  Schlesien

42

7,4

50

9,7

2

0,3

94

80

14,4

14

2,5

—

—

94

Summa:  |l80

—

83

—

13

—

276

93

—

98

—

85

—

276

139
        <pb n="111" />
        tgmmmwmm

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Altersklasse

Löhnklasse

20  -  30J.

°/o

1—3
O
1
O
ro

°/o

O
lO
i
O

°/o

Summa

S
8
1
0

7»

20-  30  M.

7  0

30-40  M.

7o

Summa

Bergarb.  Ruhrgeb.

71

8,7

22

2,6

39

4,8

132

7

0,9

75

9,2

50

0,6

132

Bergarb.  Saargeb.

54

7,5

23

3,2

8

1,2

85

13

1,8

61

8,4

11

1,5

85

Bergarb.  Schlesien

16

2,9

63

11,3

14

2,5

93

60

10,8

33

5,9

—

93

Summa:

141

—

108

—

61

—

310

80

—

169

—

61

—

310

Summarisch  :
;
Die  Abhängigkeit  empfanden  in  erster  Linie  als
drückend:  829
Die  Abhängigkeit  empfanden  nicht  in  erster
Linie  als  drückend  669
Es  verhielten  sich  gleichgültig:  276
Nicht  beantwortet  haben  diese  Frage:  ....  310

39,3

2084  =  x  00  0/0

Was  drückt  Sie  mehr,  der  geringe  Lohn  oder  daß  Sie  vom
Arbeitgeber  so  abhängig  sind,  so  wenig  Aussichten  haben,  im
Leben  weiterzukommen,  ihren  Kindern  gar  nichts  bieten  zu
können?
Textilarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

Ihr.

17,—

NO

Alles.  (4.  t.)  [T.F.]
Man  muß  sich  in  alles  schiken.  (4.)  [T.  F.]
Mir  drückt  alles.  (3.  t.)  [T.  F.]
Der  geringe  Lohn  drückt  mir  mehr,  da  im
Haushalte  viel  fehlt.  (4.  t.)  [T.  F.]

.

Durchschi]
Wochenverdienst ­


M.

39,-Das

  Abhängigkeitsverhältnis  vom  Arbeitgeber ­
  ist  das  schrecklichste.  Mit  einem
Schlag  kann  er  seine  Arbeiter  brotlos
machen.  Die  Kinder  werden  zeitig  darüber
aufgeklärt  und  zu  tüchtigen  Klassenkämpfern ­
  erzogen.  Das  ist  das  Beste,  was  ich
ihnen  bieten  kann.  (1.)  [T.  B.]

16,—

Diese  Frage  ist  für  mich  nicht  zutreffend.
Ich  glaube,  daß  wir  gar  keine  Veranlassung
haben,  über  dies  traurig  zu  sein,  da  die  ka-19,—



pitalistische  Entwicklung  ja  ihrem  Untergang ­
  zutreibt.  (3.  t.)  [T.  F.]
ft*
Der  geringe  Lohn.  (4.  t.)  [T.  F.]

16,-Der

  geringe  Lohn  würde  mich  ja  nicht  so
sehr  erregen,  wenn  man  sagen  könnte,  der
Mensch,  für  den  ich  arbeite,  ist  es  wert.  (3.)
[T.F.]

26,—

Es  liegt  in  der  Konstruktur  des  heutigen
klassenstates  da'ß  die  Arbeiterschaft  dazu
verurteilt  ist  sich  mit  den  Brocken  zu  begnügen, ­
  den  uns  die  herrschende  privilgirte
Klique  hinwirft!  Es  ist  begreiflich  wer  die
Macht  hat  wird  sie  ausnutzen,  deshalb  stehe
ich  auf  den  Standpunkt  des  Klassenkampfes
die  Macht  an  uns  zu  reißen.  (1.)  [T.  B.]

18,-Der

  geringe  Lohn  und  das  Ich  vom  Arbeitgeber ­
  so  abhängig  bin  und  Ich  meinen  Kindern ­
  garnichts  bieten  kann  denn  man
möchte  sich  es  am  Leibe  abdarben  wenn
man  den  Kindern  was  anthun  will.  (3.  t.)
[T.F.]

141
        <pb n="112" />
        ..
NMtcnoMMraMHi

Jhr.

M.

31

32

21,-33



16,-25,-





142

3  I  16,50

Ich  habe  schon  festgestellt,  daß  meine  Bedürfnisse ­
  klein  sind,  daß  also  der  geringe
Lohn  das  kleinere  Übel  ist,  gegenüber  der
Abhängigkeit  vom  Unternehmer,  und  wenn
auch  jeder  Mensch  bis  zu  einem  gewissen
Grad  nach  einer  realen  Sicherheit  seiner  Existenz ­
  trachtet,  was  ich  auch  auf  meine  Person ­
  beziehe,  so  wäre  mir  doch  nicht  viel  an
Reichtum  gelegen  und  Freiheit  der  Persönlichkeit, ­
  der  Seele  ungehindertes  Schaffen
und  Ringen,  Unabhängig  von  den  kleinlichen
Sorgen  des  Alltags  wäre  meine  Fata  Morgana.
  (2.)  [T.F.]
Die  Abhängigkeit  drückt  mehr.  Ein  Käfig,
wenn  er  auch  vergoldet  ist,  ist  darum  doch
ein  Käfig.  Der  Hund,  der  an  der  Kette  liegt,
mag  er  auch  das  beste  Futter  erhalten,  bleibt
darum  doch  ein  Hund.  Es  ist  nicht  leicht
unter  Sklavenfesseln  die  Menschenwürde  zu
wahren.  Ich  hasse  und  verachte  die  Gesellschaft, ­
  die  go°/o  ihrer  Glieder  verkommen
läßt.  (1.)  [T.F.]
Mich  drück  am  meisten  der  geringe  Lohn,
weil  es  nicht  immer  zulangt  und  infolgedessen ­
  leichte  Zerwürfnis  entstehn  und  dadurch ­
  die  Kindererziehung  leidet.  (3.)  [T.  B.]
istens  schon  der  geringe  Lohn,  und  2tens
die  hinderlistige  schlechtge  Behandlung  von
seiten  dem  Werkführer  und  Stuhlmeister
hier  heißt  es  zuerst  Geld  spicken  und

dann  Geld  verdienen  sowie  obendrein  noch
Arbeiten  wie  in  einem  Zuchthaus  und  dann
noch  nichts  verdienen  das  ist  mein  Los
welches  ich  jedien  Tag  durch  zu  machen
habe.  (3.  t.)  [T.F.]
Ich  lasse  mir  von  nichts  drücken.  Als
Kampfnatur  ist  mein  Wahlspruch:  Vorwärts.
(3-)  [T.F.]
Es  drükt  mich  sehr  der  geringe  Lohn,  aber
noch  mehr  die  abhängigkeit  des  Arbeitgebers ­
  daß  habe  ich  zu  kosten  bekommen
durch  die  maßregelung  wegen  meiner  freien
Überzeugung.  (3.)  [T.  F.]
Druck  verspüre  ich  gerade  nicht,  denn  hier
lebt  das  Herz  und  zwar  —  vom  Hoffen.  (3.)
[T.F.]
Mich  drückt  nicht  nur  das  oben  angeführte,
sondern  auch  das  protzenhafte  Auftreten  so
manches  reichen  Taugenichts,  der  obendrein
noch  ein  halber  Idiot  ist,  und  trotzdem,  infolge ­
  seines  vollen  Geldsakes,  die  meisten
persönlichen  Rechte  in  Staat  und  Gesellschaft ­
  besitzt.  Viele  Reiche  kommen  mir
vor,  wie  eine  Schaar  roher  Buben,  die  einen
Frosch  ins  Wespennest  gejagt,  und  sich  an
seinen  Qualen  weiden.  (1.)  [T.  F.]
Beides.  Aber  ganz  frei  wird  der  Mensch  nie,
denn  er  ist  ein  Herdentier.  (2.)  [T.  B.]

143
        <pb n="113" />
        Alles  zusammen  genommen  drückt  mir
gleichmäßig.  Deshalb  bin  ich  wohl  auch  so
unselbständig  in  meinen  Handlungen.  Ich
besitze  fast  gar  kein  Selbstbewußtsein.  Kurz,
dieser  gemeinsame,  von  allen  Seiten  gleichmäßige ­
  Druck  wirkt  unerträglich.  Ich  komme
mir  oft  vor  wie  der  Ertrinkende,  der  aber
nicht  mehr  die  Kraft  hat,  nach  den  Strohhalm ­
  zu  greifen.  Ein  Weiterkommen  in  dem
Sinne,  daß  ich  meiner  Töchter  etwas  hätte
bieten  können,  daran  ist  bei  einem  Weber
wohl  nicht  zu  denken.  (3.)  [T.  B.]
diese  übel  drücken  gleich  schwär.  (4.  t.)
[T.F.]
Daß  man  vom  Arbeitgeber  so  verachtet  wird
und  daß  meine  Kinder  dasselbe  Los  werden
ertragen  müssen.  (3.  t.)  [T.  F.]
Ist  es  eine  Freude,  wen  ich  von  der  Arbeit
komme,  meine  Frau  sitzt  an  der  Nähmaschiene
  und  näht,  der  12jährige  Sohn  ist  ihr
dabei  behülflich,  die  14jährige  Tochter  näht.
Ich  besorge  daß  Abendbrot.  Nach  dem
Abendbrot  wieder  ans  nähen.  Ich  bereite
für  nächsten  Tag  dass  Mittagbrod  vor.  (3.)
[T.F.]
Die  Abhängigkeit  drückt  mich  am  meisten.
Ich  würde  meine  ohnehin  bescheidenen
Lebensansprüche  erheblich  herabsetzen,
könnte  ich  dafür  völlige  Unabhängigkeit  eintauschen.
  Aber  keine  Unabhängigkeit,  die
durch  die  Abhängigkeit  meiner  Mitmenschen
erkauft  wäre.  (2.)  [T.  B.]

Durchschn.
Wochenverdienst ­


M.

18,—

ich  bin  gegen  wärtig  zufriden  aber  Schmarotzerei ­
  unter  die  Koiegen  gefält  mir  nicht.
(4-t.)  [T.F.]

15,—

ich  füge  mich  drein  weil  ich  einmal  zum
Arbeiten  geboren  bin,  wir  können  einmal
nicht  alle  Reich  sein.  (4.  t.)  [T.  F.]

18-Es

  ist  weniger  der  geringe  Lohn,  als  die
immer  größer  werdenden  Ausgaben.  Es  ist
weniger  die  Abhängigkeit  vom  Arbeitgeber,
als  daß  im  Arbeiter  der  Mensch  nicht  mehr
erkannt  und  geachtet  wird.  Die  Aussicht
weiter  zu  kommen  schwindet  je  älter  man
wird.  Man  hofft  von  Jugend  an  und  wird
ein  alter  Mann.  Und  unsre  Kinder  ?  ?  (2.)
[T.F.]

25,—

Abhängigkeit.  (3.)  [T.  F.]

21,—

Die  Abhängigkeit  wirkt  sehr  aufs  Gemüt,
aber  die  Abhängigkeit  vom  Arbeitgeber  und
die  rigorose  Behandlung  durch  die  Angestellten ­
  machen  mir  das  Leben  zur  Qual.
(1.)  [T.F.]

33,—

Den  Kindern  nichts  bieten  zu  können.  Das
Herz  möchte  zerspringen  bei  dem  Gedanken.
(3-t.)  [T.B.]

145
        <pb n="114" />
        a)  Die  Abhängigkeit  empfanden  in  erster
Linie  als  drückend:

Altersklasse

Lohnklasse

•—i
O
CO
1
o
CM

&amp;gt;

•—5
O
1
8

o/o

.
o
iO
1
o

7*

Summa

£
CM
1
O

7  o

20-  30  M.

7»

30-  40  M.

7«

Summa

Textilarb.  Berlin

41

9,7

146

34,8

29

6,3

216

4

0,9

119

28,4

93

22,1

216

Textilarb.  Forst

108

13,3

98

14,4

9

1,2

215

128

17,4

87

11,8

—

—

215

Summa:

149

—

244

—

38

—

431  ||132

-

206

-

93

—

431

b)  Die  Abhängigkeit  empfanden  nicht  in  erster
Linie  als  drückend  trotz  Antwort  auf  die
Doppelfrage:

Altersklasse

Lohnklasse

o
CO
1
o
CM

7»

O
1
8

7°

40-50  J.

7»

Summa

CM
1
O

7«

20-  30  M.

7  o

30“  40  M.

7«

Summa

Textilarb.  Berlin

60

14,5

54

12,8

12

2,8

126

2

0,4

124

29,5

_

_

126

Textilarb.  Forst

124

16,9

256

34,9

7

0,9

387

174

23,7

213

29,0

—

—

387

Summa:

184

—

310

—

19

—

513

176

—

3371  —

—

—

513

c)  Es  verhielten  sich  gleichgültig:

Altersklasse

Lohnklasse

20—30  J.

7«

*—5
o
''f
1
o
CO

7»

40-50  J.

7o

Summa
h

S
CM
1
O

7»

20-  30  M.

7»

30-  40  M.

7»

Summa

Textilarb.  Berlin

4

0,9

16

3,8

29

6,8

49

34

8,2

15

3,8

49

Textilarb.  Forst

14

1,9

71

9,6

15

2,2

100

84

11,4

16

2,3

100

Summa:

18

—

84

~

44

—

149

84

50

15

—

149

146
        <pb n="115" />
        d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Frage:

Altersklasse

Lohnklasse

20-30J.

°/o

*—-5
o
l
o
CO

0/0

o
m
I
o

7«

Summa

10—20  M.

&amp;gt;

20-  30  M.

7o

30-  40  M.

7»

Summa

Textilarb.  Berlin

9

2,2

14

3,3

5

1,2

28

—

—

28

6,9

—

28

Textilarb.  Forst

8

1,1

17

2,4

7

0,9

32

27

3,8

5

0,6

—

—

32

Summa:

17

—

31

-|  12

—

60

27

—

33

—

—

—

60

Summarisch  :
Die  Abhängigkeit  empfanden  in  erster  Linie  als

drückend:

•  •  *  43i

=  36,8

Die  Abhängigkeit  empfanden  nicht  in

erster

Linie  als  drückend

...  5i3

=  44,8

Es  verhielten  sich  gleichgültig:  .  .  .  .

...  149

=  12,9

Nicht  beantwortet  haben  diese  Frage:  .

=  5,5

ii53

=  100%

Was  drückt  Sie  mehr,  der  geringe  Lohn  oder  daß  Sie  vom
Arbeitgeber  so  abhängig  sind,  so  wenig  Aussichten  haben,  im
Leben  weiterzukommen,  ihren  Kindern  gar  nichts  bieten  zu
können?
Metall-Arbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

U.

c  ,  ~
J3  e

Altei

\nzahl  di
Kinder

«j=.«
t  ä  -2

Jhr.

M.

20

—

20,—

Alle  drei  Fragen  erhalten  meine  bejahende
Zustimmung.  Sie  bergen  alles  in  sich,  was
mich  quält  und  wonach  mein  Sinn  strebt,
dies  abzuändern.  (2.)  [M.  S.]

21

—

26,—

Gewissenhaft  zugegeben,  müßte  ich  zugeben, ­
  daß  die  Abhängigkeit  mich  am

10*

147
        <pb n="116" />
        jhr.

■°  fe
2  c
C3  •-N

G  **•
&amp;lt;

C  ,  4-£
  c  2
O  5  G
“ä.2
I  §  ’S
I*  s

M.

meisten  drückt  und  ich  lieber  weniger  verdienen ­
  möchte,  als  immer  daran  denken,
daß,  wenn  es  dem  Meister  nicht  mehr  paßt,
ich  abends  brotlos  bin.  (i.)  [M.  B.]

22

23

30,—  Mit  dem  Lohn  wäre  man  schon  zufrieden,
wenn  die  Abhängigkeit  nicht  wäre,  daß  man
nicht  frei  über  die  Arbeitszeit  verfügen  kann
und  auf  Verlangen  des  Chefs  Überstunden
machen  muß.  (2.  t.)  [M.B.]
30,—  Alles  angeführte,  außer  dem  letzten  lastet
schwer  auf  mir.  Hauptsächlich  drückt  mich
aber  der  niedrige  Lohn,  fast  noch  mehr,  die
aussichtslose  Zukunft.  Verurteilt  zu  sein  in
seinem  ganzen  Leben  vor  der  Unmöglichkeit ­
  zu  stehen  seine  materielle  und  geistige
Lage  trotz  größter  Anstrengung  nicht  heben,
nicht  verbessern  zu  können,  das  ist  hart.
Es  gehört  für  den  empfindenden  Arbeiter
eine  große  Energie  dazu  daran  nicht  zu  verzweifeln; ­
  und  nur  der  Arbeiterbewegung
ist  es  zu  danken,  daß  von  den  fühlenden,
sein  Elend  begreifenden  Arbeitern  nicht
mehr  über  Bord  gehen.  (1.)  [M.B.]

Mich  drückt  diese  Abhängigkeit,  in  der  wir,
die  Erhalter  der  Menschheit,  das  arbeitende
Volk,  uns  befinden.  Arbeiten,  um  nicht  zu
verhungern,  dann  zuweilen  noch  Vieles  über
sich  ergehen  lassen,  will  man  nicht  die  Stelle
verlieren,  das  sind  aufgezwungene  Fesseln,
unter  denen  nur  ein  indifferentes  Volk  sich
glücklich  fühlen  kann.  (1.)  [M.B.]

148

Alles,  sowohl  der  geringe  Lohn  als  das  Bewußtsein, ­
  vom  Arbeitgeber  abzuhängen,  verbittert ­
  meine  Lage.  Eine  Handbewegung
meines  Vorgesetzten  genügt,  mein  Blut  in
Wallung  zu  bringen.  (2.  t.)  [M.  S.]
Der  geringe  Lohn  ist  das  größere  Übel,  denn
wenn  ich  mehr  Lohn  hätte,  dann  könnte  ich,
um  mit  Schopenhauer  zu  reden,  eine  Schutzmauer ­
  errichten  gegen  allerlei  Übel  des  Lebens. ­
  (2.)  [M.B.]
Alles  drückt  mich.  (3.  t.)  [M.  S.]
Wohl  möchte  ich  meinem  Kinde  mehr  und
Besseres  bieten,  doch  unsäglich  drückt
einen  denkenden  Menschen,  einen  fühlenden ­
  Arbeiter  die  Abhängigkeit  von  den  Launen ­
  des  Unternehmers  und  deren  Antreiber,
welche  byzantinisch  nach  oben  und  brutal
nach  unten  den  Arbeiter  nur  als  Arbeitstier
betrachten,  daß  man  ihnen  manchmal  an
die  Kehle  springen  möchte.  (1.  t.)  [M.  B.]
Da  mit  fortschreitender  Gewerkschaftsbewegung ­
  das  Abhängigkeitsverhältnis  zum  Arbeitgeber ­
  kein  rein  individuelles  mehr  ist,
vielmehr  dieses  Joch  gemeinsam  getragen
wird  und  dadurch  für  den  Einzelnen  leichter, ­
  so  drückt  mich  der  Umstand  weit  mehr,
mit  meinem  geringen  Einkommen  nicht  das
bestreiten  zu  können,  was  notwendig,  wünschens-
  und  begehrenswert  ist.  (1.)  [M.  S.]
        <pb n="117" />
        Ihr.

o
—
■S  5
s  *
&amp;lt;

c  ,  „
A  C  M
o  E  B
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!*  s

M.

30

31

32

33;
34

35

35,—

40,-34,—



3
2

30,-33,-





Der  geringe  Lohn  drückt  mich,  für  meine
Persohn  will  ich  nich  weiter,  nur  meine  Kinder ­
  möchte  ich  gerne  weiterbringen.  (3.  t.)
[M.B.]
Ich  habe  mich  mit  den  Verhältnissen  abgefunden, ­
  den  Kindern  keine  gesicherte  Existenz ­
  bieten  zu  können,  ist  hart.  (2.  t.)  [M.B.]
Was  gäbe  es  nicht,  was  den  Arbeiter  drückt,
wenn  er  mit  offenen  Augen  um  sich  blickt.
In  sich  den  Drang  nach  oben  zur  freien  Entfaltung ­
  des  Menschentums  zu  fühlen,  um
sich  die  Arbeit,  die  einen  niederhält.  Dann
noch  den  Kampf  seiner  Überzeugung  gegen
die  eigenen  Familienangehörigen  zu  führen,
ist  hart.  (2.  t.)  [M.  S.]
Der  geringe  Lohn.  (4.  t.)  [M.  S.]
Mich  regt  es  am  meisten  auf,  daß  ich  den
Kulturerrungenschaften  nicht  bis  zur  Höhe
meiner  eigenen  Erkenntnis  folgen  kann.
Stets  an  die  Erwerbsquelle  gebunden,  keinen
Tag  frei  über  sich  verfügen  zu  können,  das
ist  das  Empörende.  (1.)  [M.  B.]
Mich  kränkt  es  am  meisten,  daß  ich  meine
körperliche  und  geistige  Energie  für  den
Arbeitgeber  bereithalten  muß,  der  mir  mit
Hülfe  teuflischer  Mittel  (Geld  und  Gesetz)
alles,  was  die  Natur  in  jeden  Menschen  gelegt, ­
  herausfrißt.  Daher  ist  mir  das  Leben
fast  unerträglich.  (1.)  [M.B.]

.

Durchschr
Wochenverdienst ­


M.

27,-Der

  geringe  Lohn  drückt  mir  mehr  als  das
abhängige  vom  Arbeitgeber.  (4.  t.)  [M.  S.]

27,—

Meine  sparsame  Frau  führt  die  Kasse.  Mir
persönlich  kommt  der  Lohn  in  seiner  Wim
zigkeit  garnicht  so  schrecklich  vor.  Wenn
ich  aber  tagtäglich  meine  Frau  fleißig  arbeiten ­
  sehe  (Heimarbeiterin),  von  früh  bis
spät  an  der  Maschine,  trotz  eifrigster  Arbeit
immer  in  Sorge,  verfluche  ich  meine  Sysi-&amp;gt;
phusarbeit.  Mein  Kind,  ein  echtes  Proletarierkind, ­
  acht  Jahre,  weiß  schon,  daß  wir
ihm  beim  besten  Willen  nicht  mehr  bieten
können.  (1.)  [M.  S.]

37,-Alles

  drückt  mir.  (4.  t.)  [M.B.]

26,—

Der  geringe  Lohn  drückt  mich  weniger  als
das  Bewußtsein,  daß  der  Mehrwert  meiner
Arbeit  als  Privateigentum  in  den  Besitz  des
sogenannten  Arbeitgebers  übergeht,  von
dort  aus  in  Form  der  gefühllosen,  kalten
Macht  des  Kapitalismus  niederzwingend
auf  die  alle  Werte  schaffende  arbeitende
Klasse  zurückwirkt.  (1.  t.)  [M.  O.]

36,—

Mit  dem  Lohn  würde  ich  mich  schon  abfinden,
  nur  das  ewige  Bittein  und  Betteln
um  seine  Rechte  ist  mir  verhaßt.  (2.  t.)
[M.  B.]

21,—

Der  geringe  Lohn  nicht  so,  wie  die  abhängigkeit
  vom  Arbeitgeber.  Man  könnte  mit-151
        <pb n="118" />
        152

Jhr.

unter  weiterkomen,  wenn  man  Übung  nähmen ­
  würde  in  schmarotzendem  Bauchrutschen. ­
  Aber  ein  ehrlich  denkender  Arbeiter
macht  so  etwas  nicht.  (3.  t.)  [M.  O.]

42  i  7

28,—

Es  drückt  mich  vor  allem,  daß  ich  meinen
Kindern  keine  bessere  Erziehung  angedeihen ­
  lassen  kann.  (r.  t.)  [M.  S.]

43

42,—

Ich  möchte  sagen,  daß  ich  zufrieden  bin,
denn  es  giebt  noch  viele  Menschen,  die  mit
weniger  auskommen  müssen.  (3.)  [M.  B.]

44

27,—

Es  drückt  mich  das  Abhängigkeitsverhältnis
meines  jeweiligen  Arbeitsgebers.  Ein  geringes ­
  Versehen  ist  oft  genug  die  Veranlassung, ­
  sofort  brotlos  zu  werden,  denn  es
giebt  ja  zehn  andere  für  mich  und  kostet  nur
einen  Gang  ans  Telefon.  (2.)  [M.  S.]

45

5

Die  Aussichtslosigkeit,  ewig  ein  Lohnsklave
zu  sein.  Mag  meinen  Kindern  garnicht  mehr
in  die  Augen  sehen.  (1.)  [M.  B.]

46

3

34,—

Heute  bin  ich  über  alles  hinaus.  Ich  fresse,
saufe,  schlafe,  bin  keine  grollende  Bestie
mehr.  (2.)  [M.B.]
        <pb n="119" />
        a)  Die  Abhängigkeit  empfanden  in  erster
Linie  als  drückend:

Altersklasse

Lohnklasse

20—  30  J.

7  o

o
1
o
CO

01
Io

40-50  J.  |

7«

Summa

10—20  M. 1

7«

20—30  M.

0/
Io

30-40  M.

0/
Io

140-50  M.

7o

Summa

Metallarb.  Berlin

34

4,9

304

42,7

14

1,9

352

10

1,4

126

17,8

182

26,9

34

4,8

352

Metallarb.  Soling.

34

4,9

61

8,7

32

4,5

127

38

5,5

66

9,4

23

3,3

-

-

127

Metallarb.Oberst.

52

13,2

39

9,8

4

1,4

95

52

13,1

39

9,8

4

—

-

-

95

Summa:

120

—

404

_

50

—

574

100

—

231

—

209

—

34

574

b)  Die  Abhängigkeit  empfanden  nicht  in  erster
Linie  als  drückend  trotz  Antwort  auf  die
Doppelfrage:

Altersklasse

Lohnklasse

20—30  J.

7  -

O
Tf
1
o
«

0/
Io

o
in
o

7»

Summa

S
8
1
o

7«

20-30  M.

7„

30-40  M.

0/  '
10

S
S
1
o
Tj*

7 0

Summa

Metallarb.  Berlin

172

24,2

84

11,7

7

0,9

263

5

0,7

104

14,7

137

19,1

17

2,3

263

Metallarb.  Soling.

152

21,9

181

26,0

123

17,8

456

14

2,0

289

41,5

152

21,9

1

0,1

456

Metallarb.Oberst.

92

23,3

13233,2

2

0,5

226

182

46,2

44

11,2

—

—

-

-

226

Summa:

416

—

397

—

132

—

945

201

—

437

—

289

—

18

—

945

c)  Gleichgültig  verhielten  sich:

Altersklasse

Lohnklasse

8
i

7«

o

7.

o
»o
1

7-rt


E
E

-20  M.

7o

-30  M.

7.

-40  M.

7o

-50  M.

0 I
Io

03
E
E

o
CM

s

o

CO

o

8

O
CO

1
o

CO

Metallarb.  Berlin

8

1,2

12

1,6

30

4,3

50

—

—

17

2,3

33

4,5

—

—

50

Metallarb.  Soling.

26

3,7

2

0,3

4

0,5

32

4

0,5

8

1,1

20

3,0

—

—

32

Metallarb.Oberst.

2

0,5

15

3,8

—

—

17

14

3,5

3

0,8

—

—

—

—

17

Summa:

36

—

29

—

34

—

99

18

—

28

—

53

—

—

—

99

153
        <pb n="120" />
        154

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Frage:

Altersklasse

Lohnklasse

20—30  J.

7»

30—40  J.

0/
Io

*—4
s
i
s

7*

Summa

10-20  M.

7  o

20-30  M.

0  /
/  0

30  -40  M.

•/
/  0

40—50  M.|

°/
Io

Summa

Metallarb.  Berlin

15

2,2

24

3,3

8

1,1

47

4

0,5

43

6,0

47

Metallarb.  Soling.

36

5,2

27

3,9

18

2,6

81

6

0,8

75

10,9

—

—

—

—

81

Metallarb.Oberst.

24

6,0

14

3,5

19

4,8

57

46

11,6

11

2,8

—

—

-

—

57

Summa:

75

~  1

65

—

45

—

185  |

56  |  —

86

—

43

—

—

—

185

Summarisch:

Die  Abhängigkeit  empfanden  in  erster  Linie  als
drückend

574

=  3L4

Die  Abhängigkeit  empfanden  nicht  in  erster
Linie  als  drückend

945

=  52,6

Es  verhielten  sich  gleichgültig

99

=  5,5

Nicht  beantwortet  haben  diese  Frage  ....

185

=  10,5

1803

—  100  0/0
        <pb n="121" />
        C.  Die  positiven  Wünsche  der  Arbeiter  in  bezug  auf  die
Umgestaltung  ihrer  ökonomischen  Lage.
Es  wurde  schon  angeführt,  daß  die  Lebenslage  des  Arbeiters
nur  zum  Teil  durch  die  Höhe  seines  Einkommens  bestimmt
wird.  Von  nicht  geringem  Einflüsse  ist  die  Länge  seiner  Arbeitszeit, ­
  denn  sie  entscheidet,  ob  er  Zeit  hat  zur  Teilnahme
an  der  menschlichen  Kultur  und  geistigen  Entwicklung,  zur  Erfüllung ­
  sozialer  Funktionen,  zu  geselligem  Verkehr,  zu  freiem
Spiel  der  geistigen  und  physischen  Lebenskräfte,  oder  ob  er
zur  bloßen  Hand  degradiert  wird.
Die  Dritteilung  des  Tages:  acht  Stunden  Schlaf,  acht  Stunden ­
  Arbeit,  acht  Stunden  Mensch  sein,  ist  wohl  der  uniforme
Wunsch  der  Textil-  und  Metall-Arbeiter,  während  bei  den  Bergarbeitern ­
  die  Kurve  sich  stark  zu  einem  5  stündigen  Maximal-Arbeitstag
  neigt.

1.  Wieviel  Stunden  würden  Säe  gern  arbeiten?  Welche  Art  Arbeit
möchten  Sie  am  liebsten  verrichten?

Bergarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

c  ,  +-ta



-G  G  w

1)  0)

c

«tT

£

CO

S

2  8  =2

’bi)  &amp;lt;L&amp;gt;

•Ö
:rt

^  &amp;lt;

&amp;lt;  O
CO

Jtir.

M.

Std.

CQ

20

16  —

8

Schlep-8

  Stunden  wollte  ich  gern  arbeiten.  Ich  füge

per

mich  in  jede  Arbeit.  (3.  t.)  [B.  Schles.]

155
        <pb n="122" />
        1  Alter

Durchschn
Wochen-1

  Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
sschäftigung

J» 1

.  M.

Std.

CQ

21

18,-8



Bergm

5—6  Stunden.  —  Landarbeit.  (3.)  [B.  S.]

22

18,—

10

Grubenarb ­


8  Stunden.  —  Dieselbe  Arbeit  als  Grubenarbeiter. ­
  (3.)  [B.S.]

23

19,—

10

Bergmann ­


6  Stunden.  —  Ich  will  bei  meiner  Bergmannsarbeit
  bleiben.  (3.  t.)  [B.  R.]

24

26,-6



Bergm

8  Stunden.  —  Is  mich  gleich.  (4.  t.)  [B.S.]

25

27,—

10

Kohlenh.


6.  Ich  möchte  mir  Arbeit  wünschen  Untertage ­
  aber  wenn  ich  mer  verdiene.  (4  t)
[B.  S.]

26

15,-13



Hauer

6  gern.—  Hauerarbeit,  aber  bessere  Behandlung ­
  und  Verdienst.  (4.)  [B.  Schl.]

26

16,—

10

Bergmann ­


xo  Stunden  sind  genügend.  —  Die  tägliche
Arbeit  möchte  ich  verrichten.  (4.)  [B.  Schl.]

27

28,—

8V2

Bergm.

8  Stunden.  —  (3.)  [B.  R.]

27

24,-8



Hauer

Gern  arbeite  ich  keine  Stunde.  Nur  um
meine  Familie  zu  ernähren.  Am  liebsten
möchte  ich  ein  paar  Morgen  Land  mein
eigen  nennen.  Dann  möchte  ich  mir  mein
Land  bebauen  und  schön  leben.  (3.)  [B.  S.]

28

16,-11



Bergarbeit. ­


7  Stunden.  —  Ich  möchte  am  liebsten  solche
Arbeit  verichten  welche  mir  Vergnügen
macht,  z.  B.  Kutscher.  (3.)  [B.  Schl.]

28
156

21,-9



Bergmann ­


6  Stunden.  —  Wiesenschaftliche  Arbeiten.
(3-1.)  [B.  Schl.]

]hr,

C  ,
&amp;amp;  a  v&amp;gt;
O  o  c
£  ja  «
£  o’S

M.

29
29

28,-23,-


  &amp;lt;U
ja  n
O  (0
'Sd  ’S
:cö  »Q

Std.

w&amp;gt;
G
O  .!&amp;gt;
*G  £
*-  Irt
i:  ■=&amp;lt;
  o
0&amp;gt;
S
oa

3030,—

30j

24,-6


9 1 /*
8

Bergm
Bergmann ­

Bergmann ­


31.29,-31


32
32

8  Bergmann ­


30,—

Bergmann ­


Bergmann ­


26,—!  8  Bergm
30,—|  9  Berg-I
  mann

33

33;

20,-30,-




Hauer

Keine.  (3.)  [B.  R.]
8  Stunden,  aber  nur  mit  Ein-  und  Ausfahrt.
—  Bergarbeit.  (3.)  [B.  S.]
4  Stunden.  —  Arbeiten,  welche  die  Gesundheit ­
  nicht  ruinieren.  (3.  t.)  [B.  R.]
4—5  Stunden.  —  Pastor  spielen,  denn  er
hat  morgens  bloß  eine  halbe  Stunde  Arbeitszeit. ­
  (1.)  [B.S.]
6  Stunden.  —  Ich  bin  seit  Schulentlassung
nichts  als  Grubenarbeit  gewöhnt,  und
darum  möchte  ich  mich  an  diese  halten.  (3.)
[B.  R.]
8  Stunden.  —  Was  ein  Bergmann  ist,  bleibt
gern  Bergmann.  (3.)  [B.  R.]
6  Stunden.  —  Über  Tage.  (3.  t.)  [B.  R.]
Eine  sechsstündige  Schicht  würde  genügen.
—  Ich  möchte  jede  Arbeit  verrichten,  wo  der
Geist  des  Menschen  in  Tätigkeit  kommt,  nur
keine  Handlangerarbeit,  wo  man  nichts  anderes ­
  gebraucht  als  ein  paar  Hände  zum
Greifen.  (1.)  [B.  R.]
8  Stunden.  —  Die  Land  Arbeid  in  der  Frischen ­
  Luft.  (3.)  [B.  Schl.]
8  Stunden.  —  Arbeiten,  an  dessen  Mehr-.1.
  ;-t-  »f-r  \  l"R  T?  X

157
        <pb n="123" />
        &amp;lt;
jhr.

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

21,—

10

25,—

8

30,—

00
ho"

öß
C
.  3
o  .W)
•o  £
~  itf
Ü  • a
&amp;lt;  O
co

&amp;lt;u
CQ

34

34

35  26,—

36

30,—

Hauer

Bergmann ­

Bergmann ­


Bergmann ­


8 x /2  j  Hauer

36  21,—  10

37  36,—;  8

Hauer

Bergmann ­


8  Stunden.  —  Ist  mich  ganz  einerlei.  (4.  t.)
[B.  Schl.]
4  Stunden.  —  Ich  möchte  am  liebsten  im
Freien  arbeiten.  (3.  t.)  [B.  S.]
6  Stunden.  —  Das  ist  mir  egal,  die  Hauptsache ­
  ist  die,  dass  ich  ein  zufriedenes  und
gesittetes  Leben  führen  kann.  (3.)  [B.  R.]
5—6  Stunden.  —  Dehnische  um  das  Eigerne
Erfindungsdalend  mer  ausbilden  zu  könen.
(3.)  [B.S.]
6  Stunden  inkl.  Ein-  und  Ausfahrt.  —  Wenn
ich  wählen  könnte,  würde  ich  Grubenarbeit
von  vornherein  ausschliessen.  Ich  würde
eine  Arbeit  wählen,  bei  der  sich  die  ganze
Tätigkeit  noch  nicht  auf  einige  Handgriffe
beschränkt,  sondern  wo  man  mit  ganzer
Seele  bei  der  Arbeit  sein  könnte.  Z.  B.  Gärtnerei, ­
  selbst  Landwirtschaft  wäre  nicht  übel.
Oder  einen  Handwerkszweig,  z.  B.  Kunsttischlerei. ­
  (1.)  [B.  Schl.]
8  Stunden.  —  Am  liebsten  würde  ich  einer
Beschäftigung  mich  widmen,  wo  ich  vom
Arbeitgeber  nicht  abhängig  bin.  (x.)  [B.
Schl.]
6  Stunden,  wen  die  Menschen  welche  am
Körper  der  Gesellschaft  ein  Schlemerdasein
fristen,  könnten  auch  wir  alles  geniessen,
was  uns  die  Natur  bieded.  —  Arbeit  an  der
ich  Freude  hätte.  (3.)  [B.  R.]

153

Ihr.

43  e  CO
O  5  C
S  ja."
2  o’S
M.

o  d)
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ü  (/&amp;gt;
•-*  -*-&amp;lt;
’S)  'S
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t_  t-H
  &amp;lt;

Std.

CQ

37

30,—

38
38
39
39
40
40
41

26,—

Kohlen
hauer

30,—
18,—
28,-30,—

30,-30,—


6  Stunden,  um  nicht  physisch  niedergedrückt ­
  zu  werden.  —  Eine  Arbeit,  an  der  ich
meine  Selbständigkeit  und  Unabhängigkeit
bewahren,  die  mir  einen  Lohn  bringt,  um
meine  Familie  anständig  zu  ernähren  und
kein  Dasein  zu  fristen  brauche,  wie  es  heute
leider  in  dieser  verruchten,  verfluchten  göttlich-kapitalistischen ­
  Weltordnung  der  Fall
ist.  (1.)  [B.R.]

8Vj  Berg-  8  Stunden.  —  Ich  habe  diese  Arbeit  von
mann  Kindheit  an  ausgeführt,  deshalb  ist  mir  die
Bergarbeit  ans  Herz  gewachsen.  (3.  t.)  [B.  S.]
8V2  Hauer  6  Stunden.  —  Einerlei,  wenn  ich  nur  als
Mensch  geachtet  werde.  (2.)  [B.  R.]
10  Berg-  8  Stunden.  —  Mich  der  Partei  witmen.  (3.t.)
j  mann  j  [B.  Schl.]
8  Bergm.  4  Stunden.  —  (2.)  [B.  R.]
8  Berg-  8  Stunden.  —  Ich  viele  mich  in  meiner  arhauer
  beit  ganz  wohl,  denn  jeder  Stand  hat  seine
Leiden.  (3.)  [B.  R.]
8 1 /b  Berg-  6  Stunden.  —  Wenn  man  schon  20  Jahr
mann  Bergmann  ist,  kann  man  ohne  Bergarbeit
nicht  weiterleben.  (3.)  [B.  R.]
12  Berg-  !  6  Stunden  auch  wohl  mehr  nach  dem  wie
mann  es  gewünscht  wird.  —  Dierigendt  sein,  für
Leute  dass  singen  lernen.  (4.)  [B.  R.]

159
        <pb n="124" />
        J^rc

  ,
SZ  c  tß
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Std.

3
M

«3  J=&amp;lt;
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V
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41  28,—

42

22,

42  28,—

43  28,-43



44

45

28,—

20,-28,—



14

8
10
10

Bergmann ­


Bergmann ­


Hauer

Bergm,
Bergmann ­


Bergmann ­


Bergmann ­


3  Stunden.  —  Wo  ich  meine  gewerkschaftlichen ­
  und  politischen  Rechte  könnte  ungehindert ­
  ausnützen,  ohne  finanziell  geschädigt ­
  zu  sein.  (3.)  [B.  S.]
8—9  Stunden  würde  ich  gern  arbeiten.  —
Die  Arbeit  eines  Gärtners  oder  Bauern  —
in  den  Freistunden  schnitzen  oder  zeichnen.
Auch  umgekehrt  wäre  mir  die  Sache  angenehm ­
  —  Zeichnen  oder  Schnitzen  im  Beruf, ­
  Land-  oder  Gartenbau  zur  Erholung.
(2.)  [B.  Schl.]
6  Stunden.  —  Tagesarbeit  beim  Licht  der
Sonne.  (3.)  [B.  S.]
6  Stunden.  —  Landwirtschaft.  (3.  t.)  [B.  R.]
8  Stunden.  —  ich  mehte  gerne  Polnische
Agittatorwerden  aber  ich  kan  Nicht  gudschreiben.
  (4.)  [B.  R.]
8  Stunden.  —  Geistige  Arbeit.  Die  Organisation ­
  mit  ausbauen  helfen,  damit  die  Menschen ­
  glücklich  werden.  (2.)  [B.  Schl.]
6  Stunden.  —  Wissenschaftliche  Aufklärung
geben.  (3.)  [B.  R.]

46

24,-Berg-





6  Stunden.  —  In  der  Grube  vor  der  Kohle  als
Kauer.  (3.)  [B.  S.]

47
160

30,—

87a

Bergm.

Höchstens  acht.  —  Im  Walde.

(3-1.)

[B.R.]
        <pb n="125" />
        161

1

a)  Wieviel  Stunden  würden  Sie  gern  arbeiten?

Stunden:

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

Bergarbeiter
Ruhrgebiet

17

4

2

54

326

119

62

98

14

Bergarbeiter
Saargebiet

4

45

82

123

87

149

116

30

6

—

—

—

Bergarbeiter
Schlesien

—

—

17

8

—

32

56

304

39

16

7

—

—

Summa:

21

4

—

64

144

449

238

267

518

83

22

7

—

—

b)  Welche  Art  Arbeit  möchten  Sie  am  liebsten
verrichten?

Bergarbeit

Wissenschaftliche ­


Unabhängige  j

Partei-Arbeit

Landarbeit  1
1

Ober  Tag

Die  das  meiste
Geld  einbringt

Indifferent

Diverse

Bergarbeiter  Ruhrgebiet

68

34

76

34

108

41

179

61

95

Bergarbeiter  Saargebiet

16

8

131

14

97

28

116

152

80

Bergarbeiter  Schlesien

102

3

67

3

58

72

48

120

16

Summa:

186

45

274

51

263

141

343

333

191

c)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:
Bergarbeiter  Ruhrgebiet  .114
Bergarbeiter  Saargebiet  ?8
Bergarbeiter  Schlesien  65
        <pb n="126" />
        Wieviel  Stunden  würden  Sie  gern  arbeiten?  Weiche  Art  Arbeit
möchten  Sie  am  liebsten  verrichten?

T  extilarbeiter.

Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

28  22-28
  18,-29
  12-29
  18-30
  22,-30
  22,-31
  22,-31
  20,-32
  22,
32  16,

10

10 1 /*

10

lOVs

Wirker

Weber

Fabrikweber ­


Weber

8  Stunden.  —  Wo  ich  ein  ganzes  Produkt
selbständig  anfertigen  könnte.  (2.)  [T.  B.]
8  Stunden.  —  Die  Arbeit,  die  ich  gelernt
habe,  die  Tuchmacherei.  (r.)  [T.  F.]
4  Stunden.  —  Jede,  wenn  sie  nur  im  Interesse ­
  der  menschlichen  Gesellschaft  liegt.
(2.)  [T.F.]
8  Stunden.  —  Meine  Leidensgenossen  von
den  bestehenden  Verhältnissen  aufzuklären.

(3.)  [T.F.]

10
10
10
10 1 /

Fabrikweber ­

Weber

Kettenscherer ­


s  Tuchmacher ­


6  Stunden.  —  Welche  mir  und  der  Allgemeinheit ­
  Freude  macht.  (2.)  [T.  F.]
8  Stunden.  —  Tüfteln,  basteln  und  malen
wäre  mir  das  Liebste.  (2.)  [T.  F.]
8  Stunden.  —  Arbeiten,  bei  denen  man  selbständig ­
  handeln  kann.  Die  Arbeit,  die  ich
jetzt  verrichte,  wobei  ich  stupide  wie  ein
Götze  stehe,  ist  mir  ein  Greuel.  (1.)  [T.  B.]
8  Stunden  ist  wissenschaftlich  die  richtige,
also  vernünftigste  Arbeitszeit.  —  Ackerbau
und  Viehzucht.  (1.)  [T.  F.]

10
11

Spinn.  6—7  Stunden.  Meine  Arbeit  gefällt  mir.  (3.)
[T.F.]
Spinn.  8  Stunden.  —  Mir  einerlei.  (4.  t.)  [T.  F.]
163
        <pb n="127" />
        /

Jhr.

Durchschn.
Wochenverdienst


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

ö  «
■o  Ä
—  tca
&amp;lt;0
oa

33

IS12 ­



Weber

33

IS,—

10

Weber

34

23,—

10  Vs

Weber

34

21-10



Ketten
scher.

35

20,—

IOV2

Weber

35

18,—

11

Weber

36

26,-IOV2



Walker

36

24,-IOV2



Tuchweber ­


164

8  Stunden.  —  Wo  ich  das  meiste  Geld  bei
möglichst  kurzer  Arbeitszeit  verdiene.  (3.)
[T.F.]
8  Stunden.  —  Meine  geringe  Kraft  meinen
Klassen-  und  Leidensgenossen  widmen  und
die  freie  Zeit  für  Kunst,  Wissenschaft  und
schöngeistige  Literatur  verwenden.  (1.)  [T.F.]
8  Stunden.  —  Weben.  Es  ist  die  reinlichste
und  bestbezahlteste  Arbeit  in  der  Textilindustrie. ­
  (3.)  [T.F.]
8  Stunden.  —  Ich  möchte  gern  Aufseher  in
einem  Zuchthause  sein,  worin  alle  Tagediebe, ­
  die  nicht  arbeiten  wollen,  untergebracht ­
  sind.  (3.)  [T.  F.]
8  Stunden.  —  Am  liebsten  eine  Arbeit,
welche  nicht  so  eintönig  ist.  (1.)  [T.  F.]
8  Stunden.  —  Landwirtschaft.  (3.  t.)  [T.  F.]
6  Stunden.  —  Habe  gute  Veranlagung  zum
Malen,  musste  aber  von  frühester  Jugend  an
in  die  Fabrik  gehen.  Mein  Talent  konnte
deshalb  nicht  gefördert  werden.  (2.)  [T.  B.]
9  Stunden.  —  Eine  Beschäftigung,  welche
mich  nicht  an  eine  gewisse  Stelle  im  geschlossenen ­
  Raum  fesselt,  also  den  Aufenthalt ­
  im  Freien  zeitweilig  zulässt,  und  möglichst ­
  mannigfaltig  ist,  vielleicht  unterbrochen ­
  mit  schriftlichen  Arbeiten,  oder  doch
ein  Sitzen  zulassen.  (1.)  [T.  F.]

J ,r

Durchgehn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
sschäftigung

M.

Std.

03

20,—

IOV2

Weber

25,—

9

Färber

20  —

IOV2

Tuchmacher ­


20,—

10  v»

Weber

28,—

9

Weber

19  —

IO 1 /*

Kettenleimer


20,—

9 1 /*

Weber

33,—

9

Teppich ­
 ­


34,-8



Plüschweber ­


28,—

9 1 /2

Teppich
weber

18,-io7s



Weber

37
37
38
38
39
39
40
40

41
41
42

8  Stunden.  —  Ich  bin  mit  Leib  und  Seele
Weber.  (3.)  [T.  F.]
8  Stunden.  —  Am  liebsten  den  ganzen  Tag
Zeichnen  und  malen,  (x.)  [T.  ß.]
8  Stunden.  —  Wissenschaftliche.  (2.)  [T.  F.]
8  Stunden.  —  Wo  man  mehr  Abwechslung
bei  der  Arbeit  hat.  (3.  t.)  [T.  F.]
8  Stunden.  —  Meine  ganze  Zeit  dem  Wohle
des  Arbeiterstandes  widmen.  (1.)  [T.  B.]
8  Stunden.  —  In  der  freien  Natur  und  malen.
(30  [T.F.]
8  Stunden.  —  Gartenarbeit.  (3.  t.)  [T.  F.]
5—6  Stunden  würde  ich  gern  arbeiten.  —
Geistige  Arbeit  wäre  mir  am  liebsten,  aber
wie  dazu  gelangen?  Wie  ein  Bleigewicht
lastet  die  Misere  der  wirtschaftlichen  Verhältnisse ­
  auf  meiner  Familie.  Vor  allen
Dingen  eine  Arbeit,  die  Abwechslung  bietet.
(1.)  [T.B.]
8  Stunden.  —  Malen.  (2.)  [T.  B.]
8  Stunden.  —  Gartenarbeit.  (3.  t.)  [T.  B.]
8  Stunden.  —  nach  freier  wähl  würde  ich
mir  Musick  vorzin.  (3.)  [T.  F.]

165
        <pb n="128" />
        |  Alter  ||

Durchschn.
Wochenverdienst ­


!  Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
sschäftigung

Ihr.

M.

Std.

CQ

42

16-10

  Vs

Tuchweber ­


8  Stunden.  —  Die  ich  von  Jugend  auf  gelernt ­
  habe,  Tuchmacher.  (3.)  [T.  F.]

43

18  —

10

Weber

8  Stunden.  —  Woh  Ich  am  mesten  verdine.
(3)  [T.F.]

43

16  —

10

Krempier

8  Stunden.  —  Ist  mir  gans  gleich.  (4.)  [T.  F.]

a)  Wieviel  Stunden  würden  Sie  gern  arbeiten?

Stunden:

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

Textilarbeiter  Berlin

—

—

2

26

7

31

95

204

6

1

Textilarbeiter  Forst

2

—

16

5

1

37

68

22

459

34

8

5

Summa:

2

—

18

5

27

44

99

117

663

40

9

5

b)  Welche  Art  Arbeit  würden  Sie  am  liebsten
verrichten  ?

Textil-Arbeit

Gesellschaftliche ­


Unabhängige
abwechselnde

Parteiarbeit

Landarbeit

Wissenschaftliche ­

.  ..  !

Die  das  meiste
Geld  einbringt

Diverse

Textilarbeiter  Berlin
Textilarbeiter  Forst

12
89

51
29

71
138

31
48

40
96

20
51

139
148

8
58

Summa:

101

80

209

79  |  136  |  71

287

66

c)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Textilarbeiter  Berlin  77
Textilarbeiter  Forst  47
166
        <pb n="129" />
        167

Metallarbeiter

arbeit.

26

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

22,—

10

18,-10



22,—

11

20,—

10

26,—

9Vs

35,—

9

28,—

10

Im  höchsten  Fall  8  Stunden.  Als  Lieblingsbeschäftigung ­
  wünschte  ich  eine  Arbeit,  die
mich  nicht  immer  ewig  an  dieselbe  Stelle
bannt,  (i.)  [M.  S.]

8  Stunden.  —  Am  liebsten  würde  ich  eine
arbeit.  Arbeit  verrichten,  die  künstlerisches  Interesse ­
  beansprucht.  (2.)  [M.  O.]
Dreher  Achtstundentag.  —  Menschen  werben  für
Freiheit,  Gleichheit,  Brüderlichkeit.  (3.)  [M.S.]

Schlosser ­

Schlosser ­


Metallarbeit. ­


Metallarbeit. ­


8  Stunden.  —  Präzisionsarbeit  meines  Berufs. ­
  Am  liebsten  rein  geistige  Arbeit,  (x).
[M.  S.]
6  (Stunden  würde  ich  gern  arbeiten.  —  Solche
Arbeit,  welche  individuell  Und  auch  solche,
welche  Kunst-  und  Schönheitssinn  erfordert.
(1.)  [M.B.]
In  kapitalistischer  Frohn  höchstens  6  Stun^
g en .  —  Am  liebsten  in  der  freien  Natur.
Mit  Leib  und  Seele  wäre  ich  gern  Förster
geworden.  (2.)  [M.B.]
Am  liebsten  8  Stunden.  —  Arbeit,  bei  der
meine  geistige  Tätigkeit  mehr  in  Anspruch
genommen  wird,  damit  ich  Freude  an  der
Arbeit  habe.  (3.)  [M.  S.]
        <pb n="130" />
        TT

1  Alter

Durchschn.
Wochenverdienst ­


'  Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
ischäftigung

-

ihr

M.

Std.

1  ca

26

36,—

9

Werkzeug
Schlosser

In  meinem  Beruf  6  Stunden.  —  Malen  und
modellieren.  (2.)  [M.  B.J

27

41  -

9

Dreher

6  Stunden.  —  Am  liebsten  derartige  Arbeit,
wo  Geist  und  Körper  sich  zusammen  betätigen ­
  können.  Wo  ich  nach  Fertigstellung
der  Arbeit  prüfen  kann,  wie  weit  meine
Fähigkeiten  reichen.  (1.)  [M.B.]

27

32,—

9

Eisendreher ­


8  ^Stunden.  —  Am  liebsten  verrichte  ich
Arbeit,  wo  die  Bank  stundenlang  läuft,  um
meinen  Gedanken  nachhängen  zu  können.
(2.)  [M.S.]

28

38,—

9

Metallarbeit. ­


Unter  dem  heutigen  System  der  Ausbeutung
6  Stunden.  —  In  /indifferenten  Kreisen  funsere
Ideen  und  Gedanken  propagieren.  Aber
ohne  den  Hass  und  Groll  wachzurufen,
sondern  die  Toleranz  gegenüber  der  herrschenden ­
  Klasse.  (2.)  [M.  B.]

28

38,—

9

Schlosser ­


Maximal  8  Stunden.  —  Gesellschaftliche  Arbeit. ­
  (3.)  [M.B.]

29

30,—

10

Vletallarbeit.


8  Stunden.  —  Lernen  und  das  Gelernte  ins
Volk  hineintragen.  (1.)  [M.  B.]

II  29

22,—

11

Kettenarbeit. ­


8  Stunden.  —  Immer  wieder  malen  und
zeichnen.  Da  werde  ich  nicht  müde  dabei.
(3-)  [M.O.]

30

26,—

10
1

Werkzeug-



8  Stunden.  —  Präzise  Arbeit,  wo  es  genau
auf  100  mm  ankommt.  Da  vergeht  die  Zeit
am  besten.  (3.)  [M.  S.]

168

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

«J
&amp;lt;
Jhr.

ÖD
C
3
06

i  •=&amp;lt;
  o
O)
9
CO

30
31

28,—
26,—

31  26,—

32

32

38,—

40,—

33

33

30,

25,—

10
10

Metallarbeit. ­

Form.

10

Werkzeug
Schlosser

8  Stunden.  —  Geistige,  (i.)  [M.  S.]
5  Stunden,  —  unter  den  jetzigen  ungünstigen
Verhältnissen.  —  Eine  Beschäftigung
wünschte  ich  mir,  die  weniger  meinen  Körper ­
  als  meinen  Intellekt  in  Anspruch  nähme,
(i.)  [M.S.]
8  Stunden.  —  Ich  wünsche  mir  keine  andere ­
  Arbeit.  (2.)  [M.  S.]

9 1 /«

10

Eisen-  6  Stunden.  —  Ich  möchte  am  liebsten  bei
dreher  einem  Naturforscher  oder  Archäologen  Gehilfe ­
  sein.  (2.)  [M.  B.]
Metall-  Fabrikarbeit  6,  Landarbeit  10  Stunden.  —
arbeit.  Landwirtschaft  mit  Kleintierzucht,  und  wenn
ich  vermögend,  Landschaftsmalerei.  (2.)  [M.
B-]
Schlos-  Gern?  Wenn  alle  diejenigen  arbeiten  würser
  den,  von  denen  man  sagt,  die  säen  nicht
und  ernten  doch,  dann  erst  würde  ich  gern
8  Stunden  arbeiten.  Ich  würde  in  meinem
Beruf  jegliche  Arbeit  verrichten,  aber  ohne
Antreiber-,  ohne  Aufpasserwirtschaft.  (1.)
[M.S.]

Rohr-  6  Stunden.  —  Meine  Arbeit  ist  mir  schon
schnei-  lieb,  weil  meine  Knochen  schon  danach  einder
  gerichtet  sind.  (3.)  [M.  S.]

169
        <pb n="131" />
        Um
&amp;lt;0
&amp;lt;

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
tschäftigung

Jhr

M.

Std.

03

34

36,—

8

Metallarbeit. ­


34

43,-8



Dreher

35

26,—

10

Fräser

35

30,—

12

Metallarbeit. ­


36

23-10



Schmied

36

28,-10



Metallarbeit. ­


37

C&amp;gt;0
00
1

97a

Metallschleif. ­


37

42,-97a



Masch.
Schlosser ­


Ich  arbeite  meine  acht  Stunden  sehr  gern.
—  Am  liebsten  würde  ich  wohl  Reparaturen
an  kleinen  Maschinen  verrichten,  die  total
in  Unordnung  gekommen  sind.  Es  macht
mir  riesigen  Spass,  solche  Trümmerhaufen
wieder  zum  Leben  zu  erwecken,  (i.)  [M.B.]
6  Stunden  pro  Tag  und  die  als  Pflichtarbeit
betrachtet.  —  Die  geistige  Arbeit.  Nament-.
lieh  der  Kunst  würde  ich  besondere  Beachtung ­
  schenken.  Da  mir  der  jetzige  Kampf
ums  Dasein  dieses  heilige  Wollen  tyrannisch ­
  abtrotzt,  so  bin  ich  geistig  total  verbittert. ­
  (i.)  [M.  B.]
8  Stunden.  —  Die  eines  Waldarbeiters.  (3.)
[M.S.]
8  Stunden.  —  Am  liebsten  Arbeiten,  welche
ich  von  Anfang  bis  zu  Ende  selbst  machen
kann.  (3.)  [M.  S.]
8  Stunden.  —  Landwirtschaft.  (3.  t.)  [M.  O.]
8  Stunden.  —  Am  liebsten  würde  ich  meine
Kräfte  voll  und  ganz  in  den  Dienst  der  modernen ­
  Arbeiterbewegung  stellen.  (1.)  [M.S.]
8  Stunden.  —  Schleifen.  (3.)  [M.  B.]
8  Stunden  täglich.  —  Solche  Arbeit,  wo  ich
in  meinem  Berufe  mit  zähester  Energie  auf
Widerstände  stoße,  d.  h.  anregende,  nachdenkende, ­
  selbständige  Arbeit.  (1.)  [M.B.]

170

Jhr.

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
eschäftigung

M.

Std.

03

34-9



Metallarbeit. ­


32,—

12

Schleif.

36,—

97a

Metallarbeit. ­


40,—

97a

Metallarbeit. ­


30,—

97a

Metallschleif ­


34,-97a



Schlosser ­


5  30,—

10

Eisendreher ­


36,—

97a

Metallarbeit. ­


1  38,—

10

Metallarbeit. ­


38

38

39

40

41

42

43

44

8  Stunden.  —  Jede  Arbeit,  welche  mir  eine
sorgenlose  Existenz  bietet.  (2.)  [M.B.J
8  Stunden.  —  Da  ich  ja  nichts  anderes  gelernt ­
  habe,  schleifen.  Arbeit  ist  Arbeit.  (3.)
[M.S.]
8  Stunden.  —  Mir  gleich.  Hauptsache
menschenwürdige  Behandlung,  Mitbestimmungsrecht ­
  in  Lohn-  und  Arbeiterverhältnissen. ­
  (1.)  [M.B.]
Acht.  —  Gartenbau  und  Obstzucht,  meine
Lieblingsbeschäftigung:  zeichnen.  (2.)  [M.B.]
8  Stunden.  —  Am  liebsten  wäre  ich  Maler,
um  die  Schönheiten  der  Natur  auf  die  Leiner
wand  zu  zaubern.  (3.)  [M.  S.]
8  Stunden.  —  Die  Abwechslung  bringt.  (3.)
[M.  S.]
8  Stunden.  —  Meine  Profession,  die  ich  gelernt ­
  habe.  (3.)  [M.  S.]
8  Stunden.  —  Aus  Not  jede  Arbeit,  die
meinen  Kräften  gewachsen  ist,  aus  innerer
Befriedigung  müßte  die  Denken  und  Geschick ­
  erfordern.  (1.)  [M.  B.]
8  Stunden.  —  Die  zu  leistende  Arbeit  muß
einen  wirklichen  Wert  in  sich  schließen.
(3.)  [M.B.]

171
        <pb n="132" />
        Durchschn.
Wochenverdienst ­


!  Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
jschäftigung

M.

Std.

CQ

30,—

9

Dreher

60,—

9  V«

Metallarbeit.



J--r.

46

8  Stunden.  —  Am  liebsten  möchte  ich  in
freier  Natur  arbeiten,  frei  von  allem  Druck
und  Frohn.  (i.)  [M.  B.]
8  Stunden.  —  Jede  Arbeit,  die  mir  innere
Befriedigung  gewährt,  und  wenn  dieselbe
noch  so  untergeordnet  ist.  Nur  müßte  Vernunft ­
  und  Zweckmäßigkeit  zu  erkennen
sein.  (2.)  [M.  B.]

a)  Wieviel  Stunden  würden  Sie  gern  arbeiten?

Standen:

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

Metallarbeiter
Berlin

14

3

61

9

57

112

316

40

8

Metallarbeiter
Solingen

14

27

52

186

340

7

12

4

Metallarbeiter
Oberstein

—

2

—

6

24

18

7

42

261

8

5

—

Summa:

—

2

14

23

85

54

116

340

917

55

25

4

—

b)  Welche  Art  Arbeit  möchten  Sie  am  liebsten
verrichten?

Metallarbeit

Unabhängige
abwechselnde

Wissenschaft-  !
liehe

Parteiarbeit  |

Landarbeit

Gesellschaftliche ­


Die  viel  Geld
einbringt

Indifferent

Diverse

Metallarbeiter  Berlin

71

144

62

14

69

38

128

18

76

Metallarbeiter  Solingen

53

140

46

28

50

17

90

61

157

Metallarbeiter  Oberstein

14

68

4

4

82

9

118

20

51

Summa:

138

352

112

46

201

64

336

99

284

172
        <pb n="133" />
        173

c)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Metallarbeiter  Berlin  92
Metallarbeiter  Solingen  54
Metallarbeiter  Oberstein  .  ,  25

2.  Was  würden  Sie  tun,  wenn  Sie  tägiich  genügend  Zeit  für
sich  hätten?  Was  würden  Sie  sich  für  Dinge  anschaffen,  wenn
Sie  das  nötige  Geld  hätten?
Der  rechte  Mensch  im  edelsten  Sinne  des  Wortes
verstanden  ....  ist  der  arbeitende  und  denkende  Mensch.
Wenn  er  seine  acht  oder  neun  Stunden  per  Tag  ein  Schaffender
gewesen,  so  überkommt  ihn  die  Werkmüdigkeit:  sein  Körper
und  sein  Geist  verlangen  nach  Ausspannung,  sei  es  in  Ruhe,
sei  es  in  Wechsel  der  Betätigung  bei  anderer  Arbeit,  die  unter
Umständen  auch  eine  Erholung,  eine  Auffrischung  sein  kann.
Denn  es  bleibt  Wahrheit,  daß  ewig  dieselbe  automatische  Beschäftigung ­
  ermüdet.  Variatio  delectat,  das  ist  eine  psychologische ­
  Tatsache.  Ihre  Erkenntnis  hat  den  Wert  eines  Naturgesetzes. ­

Die  sieghaft  vordringende  Idee  des  Achtstundentages  wird
ein  Segen  und  ein  großes  Glück  für  alle  die  sein,  die  zu  arbeiten
und  zu  schaffen  fähig  sind.
Was  wird  der  Arbeiter  mit  den  übrigen  Tagesstunden  nun
beginnen?  Zaghafte  Kleingeister  verkünden:  Der  Arbeiter  wird
mit  seinen  Mußestunden  nicht  nur  nichts  gewinnen,  sondern
verlieren.  Er  wird  prassend  in  den  Wirtshäusern  umherliegen.
Wir  anderen  sind  weniger  pessimistisch.  Am  Achtstundentag
wird  vielleicht  Goethes  Wort  zur  großen  Wahrheit  der  Zukunft
werden:  „Ein  guter  Mensch  in  seinem  dunklen  Drange  ist  sich
des  rechten  Weges  wohl  bewußt.“
Es  ist  gewiß  kein  leichtes  Kapitel,  die  Feiertagszeit  des
Arbeiters,  denn  es  heißt:  „Was  kann  man  aus  einem  physisch
und  psychisch  heruntergedrückten  Menschen  noch  herausholen?“
In  dem  Dualismus  des  Wissens  und  Wollens,  der  Tagesnotwendigkeit ­
  und  des  Feiertagsstrebens  offenbart  sich  eine  betrübende ­
  Tragik.  Wer  Tag  für  Tag  am  Schraubstock  oder  sonst
einer  Maschine  steht,  im  Bergwerk  oder  zu  Hause,  physisch
        <pb n="134" />
        und  psychisch  niederdrückende  Arbeit  verrichtet  und  dann  noch
diesem  Zirkel  von  Unlustaffekten  auf  alle  mögliche  Weise  zu
entgehen  versucht,  in  dem  kann  man  wohl  mit  Recht  eine
tiefere  seelische  Nötigung  voraussetzen.
Was  würden  Sie  tun,  wenn  Sie  genügend  Zeit  für  sich
hätten?  Dieser  Frage  wurde  eine  ganz  besondere  Aufmerksamkeit ­
  gewidmet,  da,  merkwürdig  genug,  immer  und  immer
wieder  die  Antwort  erfolgte:  „Malen,  Kunstbetätigung“.  Die
Kunst  wurde  für  diese  gehetzten,  ruhelosen  Menschen  vielfach
ein  Faktor  seelischen  Gleichgewichts.  In  die  Kunst  retteten
sie  hinüber,  was  ihnen  die  Wirklichkeit  nicht  halten  konnte  *.
Ein  Maschinist  schreibt:  „Verletzt  'durch  die  Manieren  meiner
Altersgenossen,  abgestoßen  von  der  Inhaltlosigkeit  ihrer  Bedürfnisse, ­
  zog  ich  mich  bald  von  allen  zurück.  Ich  fing  an,
zu  malen,  meiner  selbst  willen  malte  ich.  Es  war  mir  ein  Trost
und  ward  mir  zur  Fundgrube  der  köstlichsten  Freude.  Dem
Spott  von  seiten  meiner  Frau  trotzte  ich,  und  schweigend  verzieh ­
  ich  der,  die  mich  nicht  verstand.  Ich  male  und  zeichne
nach  zehn-  bis  zwölfstündiger  Arbeit  an  der  Maschine.  Gestalten, ­
  Bilder  drängen  sich  vor  meinem  geistigen  Auge.  O  daß
ich  sie  alle  malen  könnte.  Ach  wär’  ich  frei.  Ein  heulender  Ton
im  nächtlichen  Morgen  ruft  mich  zur  Arbeit.  Die  hereinbrechende
  Nacht  findet  mich  daheim  bei  Weib  und  Kind.  Die
Sorge  ums  tägliche  Brot  und  die  Zukunft  ist  unser  Gast,  doch
ich  bin  heiter,  ich  bin  glücklich.  Getreu  bleibe  ich  der  Arbeit  und
der  Kunst.“  Ein  Metallarbeiter:  „Ehe  ich  schlafen  gehe,  muß
ich  erst  noch  einmal  mein  letztes  Bild  ansehen.  Meine  Kinder
sprechen  immer:  „Da  hat  der  Papa  erst  geklagt,  daß  ihm  die
Glieder  vom  Arbeiten  wehe  tun,  aber  seine  Bilder  sieht  er  noch
einmal  an,  ehe  er  schlafen  geht.“
Ein  Maschinenbauer:  „Man  sagte  mir,  wenn  ich  mich  als
Schlosser  den  Tag  über  müde  gearbeitet  hätte,  würde  mir  schon
die  Lust  an  der  Malerei  vergehen.  Das  war  aber  nicht  der
Fall.  Ich  malte  abends  und  Sonntags  bis  in  die  Nacht  hinein.  In
meinem  Beruf  aber  blieb  ich  zurück  oder  arbeitete  nur  ganz
mechanisch.“  Ein  Förster  Weber:  „Ich  zeichne  und  male  zu
meiner  Erholung  und  zu  meinem  einzigen  Vergnügen,  und  wenn
*  Arbeirer-Dilettanten-Kunstausstellung,  ve  anstaltet  vun  Adolf  Levenstein,
1.  November  1909  bis  30.  Januar  1910,  Bei  li&amp;gt;  .
174
        <pb n="135" />
        ich  an  einem  Sonntag  nicht  zeichnen  und  malen  kann,  so  bereitet ­
  mir  die  Arbeit  der  nächsten  Woche  keine'  rechte  Freude.
Ich  wüßte  auch  sonst  nicht,  was  mich  sonst  noch  aufrecht
erhalten  sollte  .  .  Ein  Teppichweber:  „In  der  Malerei  drücke
ich  aus,  was  ich  am  Tage  gewaltsam  unterdrücken  muß.“  Ein
Spinner:  „Welch  großer  Gewinn  ist  für  mich  die  Malerei  in
bezug  zur  Arbeit.  Mir  ist  dann  meine  Arbeit  keine  Qual  mehr.
Mag  manchmal  die  Arbeit  noch  so  schlecht  sein,  dann  denke
ich  an  das  Vergnügen  nach  Feierabend,  und  darum  gäbe  es  für
mich  kaum  einen  größeren  Schmerz,  als  meinem  Berufe  und
dem  Zeichnen  entsagen  zu  müssen.“
Mit  welch  primitiven  Mitteln  wurde  doch  zuweilen  dem
seelischen  Drange  Ausdruck  verliehen.  Ein  armer  Former,  Vater ­
  von  fünf  Kindern,  hält  eine  alltägliche  Szene  plastisch  fest:
Ein  Weinrestaurant.  Hinter  der  hohen  Spiegelscheibe  ein  Mann
und  ein  elegantes  Weib,  Champagner  trinkend.  Davor  ein  ausgehungerter ­
  Armer.  „Die  Mutigen“,  nennt  er  sein  Werk.  Ein
anderer  verkörpert  eine  Plastik,  den  ersten  Menschen  auf  einer
Bratheringsdose.  Deratige  Beispiele,  die  Hemmungen,  hervorgerufen ­
  durch  die  berufsmäßige  Arbeit,  durch  die  Kunstbetätigung ­
  zu  mildern,  konnten  bei  Metall-  und  Textilarbeitern
viefach  konstatiert  werden,  dagegen  nicht  bei  den  Bergarbeitern.
Was  würden  Sie  tun,  wenn  Sie  täglich  genügend  Zeit  für
sich  hätten?  Was  würden  Sie  sich  für  Dinge  anschaffen,  wenn
Sie  das  nötige  Geld  hätten?
Bergarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

Alter

&amp;lt;D
T3
G
£
'&amp;gt;
&amp;lt;U

Durchsebn.
Woebenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
eschäftigung

Jhr.

M.

Std.

03

20

—

17  —

9

Grubenarbeiter ­


Wenn  ich  genügend  Zeit  hätte,  würde
ich  mit  meinem  Mädchen  Spazierengehen ­
  und  würde  mir  bessere  Kost
anschaffen.  (3.)  [B.  S.]

175
        <pb n="136" />
        I  Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

V
&amp;lt;
Jhr.

M
B

•O

id
ja

4&amp;gt;
ca

21

22

14,-10



2  127,—

23  —

15,—

Bergm.

Bergtn.

13

Kohlenhauer ­


24

—  28,-25



8Va

15,—

11

Bergm.

Bergm.

Ich  würde  mich  ins  Freie  begehn,  um
die  frische  Luft  zu  genießen.  Ich
würde  mich  besseren  Lebensunterhalt
und  soziale  und  politische  Bücher
verschaffen.  (3.  t.)  [B.  Schles.]
Wenn  ich  von  der  Schicht  komme
da  wer  ich  mir  satessen  u.  dann  etwas
in  den  Wald  spazieren  ein  schnitt
Bier  sich  austrinken  u.  dan  ins  Bett
sich  ausruen  daß  ich  wider  auf  die
andre  Schicht  munter  werde.  —  Ich
wer  mir  ein  schönes  Haus  bauen,  damit ­
  ich  in  meinem  Eigentum  wohne.
(3.)  [B.R.]
Ich  möchte  jeden  Tag  spazieren
gehen,  und  mir  die  Welt  näher  be-.
trachten,  denn  sonst  kommt  mein
Ende  und  Ich  werder  mich  verlieren,
wie  ein  Wurm  in  der  Erde.  —  Ich
kaufe  mir  die  nötigen  Kleidungsstücke. ­
  (3.)  [B.  Schles.]
Mahlen,  weil  ich  da  sehr  großes  Intresse ­
  dran  habe.  —  Mahlerutensilien,
um  mich  etwas  besser  auszubilden,
damit  ich  später  mein  Brod  damit
verdienen  kann.  (3.)  [B.  R.]
Ich  möchte  wichtige  Bücher  lesen.  —
Ich  möchte  zuerst  mir  kaufen  gute  Bekleidung ­
  und  dann  auch  wichtige
Bücher.  (3.)  [B.  Schles.]

176

jhr.

S*

26

26

27

jü  E  g
Ä  o-o
o  O  to


M.

29,—

18,-4)

  &amp;lt;D
JS  N
CJ  t/5
’S)  *0)
H  &amp;lt;

Std.

8

24,—

M
B
3
an

T3
&amp;lt;

ca

Bergm.

Bergm.

Kohlenhauer ­


21,—

22,—

12

Schlepp.

Bergarb.

Vor  allen  Dingen  lesen  u.  w.  lesen
um  mich  später  auszubilden  für  spär
tere  Agitationen.  Mich  in  der  freien
Natur  erholen  und  Mich  der  Musick
weih’n.  —  1.  Eine  vernünftige  Bibliotehk.
  2.  Eine  anständige  Wohnung
mit  Mobilar.  3.  Ein  Klavier.  (1.)  [B.R.]
Iber  die  wirtschaftliche  läge  der  arbeiter
  zu  bekimmern  und  die  Poletik
im  Reichstag  genauer  zu  vervollgen.  —
Da  wirde  Ich  mir  Wißtschaftliche
Werke  anschaffen.  (3.)  [B.  Schles.]
Ich  würde  mir  wissenschaftliche
Bücher  und  Zeitungen  anschaffen  um
doch  zu  sehen  und  zu  hören  wie  es
eigentlich  in  der  Welt  richtig  aussieht, ­
  damit  ich  mit  meiner  Wissenschaft ­
  vorwärts  —  und  nicht  rückwärts ­
  gehe.  —  Den  Vorwärts  und  Freidenkerbücher ­
  ferner  ein  Kräuterbuch
und  Göthe  Schillers  Werke.  (3.)  [B.  S.]
Werde  ich  mir  mer  Aus  Bilden.  —
Narungsmittel.  (4.  t.)  [B.  Schles.]
erstens  würde  ich  mich  genügend  ausschlafen
  dan  würde  ich  im  Wald  spazieren ­
  gehn,  um  dadurch  die  güftigen
Atome  aus  meiner  Brust  wieder  loszuwerden. ­
  —  ich  würde  mich  zuerst
satessen  für  reichliche  Gesunde  Nahrung ­
  u.  gesunde  Wohnung  sorgen.
\  rr&amp;gt;  1

12

177
        <pb n="137" />
        28  1

Bergarb.

29;  2

Bergtn.

19,-10



Schlepp

30  —  22,—  8  Bergarb.

Bergarb.

Ich  würde  mir  die  Zeitung  und  die
Wissenschaftlichen  Sachen  mer  in
den  Sinn  nehmen  als  jetzt  bei  völliger
Arbeit  und  mir  in  der  Natur  mehr  Im
teresse  zu  schaffen  und  meiner  Frau
die  Sachen  besser  ergliedern.  —  Ich
wierde  mier  eine  Wirtschaft  kaufen  wo
ich  genau  wieste  Ich  arbeite  blos  für
mich  und  nicht  für  Andre  Herren.  (3.)
[B.  Schles.]
Ich  werde  mir  im  Wissenschaft-  —
liegen  ausbielden  durch  lesen  von
Bücher  und  werde  agetieren  bei  meinen ­
  Kammeraden  dasselbe  zu  thun.—
Ich  würde  mir  eine  Biebliotheck  anschaffen
  und  die  Bücher  ausleihen
damit  der  Arbeiter  begreife  warum  er
in  der  Welt  lebt.  (3.  t.)  [B.  R.]
Meine  Frau  unterm  Arm  nehmen  und
spazieren  gehen.  —  Tät  mir  eine  Fila
kaufen  und  schönen  Garten.  (3.)  [B.
Schl.]
Ich  würde  die  Zeit  besser  für  Agitation ­
  ausüben.  Ich  würde  große
Bücher  lesen.  (3.)  [B.  Schl.]
Erstens  ein  paar  Stunden  sich  in  der
frischen  Luft  bewegen  was  für  den
Untertagsbergmann  sehr  gesundt
wäre.  2.  Die  Tageszeitung  lesen  daß

hauer

31  4  25,—  14  Bergm.

licheren  bildung  witmen.  —  einen
verdrauungsfoleren  mut  und  den
Glauben  als  Mensch  zu  leben  damit
ist  auch  mer  lebenslusst  und  Arbeitzfreude
  forhanden.  (3.)  [B.R.]
Ich  beschäftigte  mich  zuerst  mit  den
Problemen  die  uns  als  Arbeiter  heute
noch  als  das  Buch  mit  sieben  Siegeln
ist.  Nähmlich  wie  ist  es  gekommen,
daß  gerade  die  Arbeiter  auf  die  Stufe
der  „Heloten“  herabgesunken  sind,
wie  Gruppen  von  Völker  veranlagt
sind:  Ob  Klima  oder  andere  Naturgewalten ­
  vielleicht  nicht  auf  die
Stämme  einen  derartigen  Einfluß  aus-:
üben,  daß  so  Menschen  noch  unter
dem  Tiere  stehen:  Auch  die  Familie
suchte  ich  in  solcher  Zeit  zu  unterrichten ­
  in  allen  nur  vorkommenden
und  Wissenschaften  Dingen  auch  be-179
        <pb n="138" />
        (  fl

■wsaKinNni

Jhr.j  S*

.5  °  4&amp;gt;

43  &amp;lt;L&amp;gt;

M.

Std.

03

32

32  |  3

18,-10

 1 /*  Bergm.

33

25,—

33,—

14  Bergm.

Bergm.

180

schäftigte  ich  mich  mehr  mit  schriftliche ­
  Arbeiten  und  noch  mehr
In  erster  Lienie  eine  für  Menschen  angemessene ­
  Behausung  auch  Kluft
(bessere  Kleidung)  um  den  Eindruck
nach  Außen  besser  machen  zu  können. ­
  Vielleicht  auch  bessere  Schönung ­
  in  körperliche  Hinsicht  was
ja  auch  selbstverständlich  bei  all  zu
sehr  körperlicher  Anstrengung  der
Geist  und  damit  die  ganze  Bildung
bei  mich  leidet  und  noch  mehr
(i.)  [B.S.]
Ich  würde  täglich  spazieren  gehen
und  mich  mit  Gartenbau  beschäftigen.
—  Eine  kleine  Wirtschaft  mit  etwas
Acker  und  Obstgarten.  (3.  t.)  [B.
Schl.]
Hinlegen  und  die  Glieder  ausruhen
lassen.  —  Kleidung  und  Nahrung  das
mann  etwas  Menschliches  aussehen
hatte.  (3.)  [B.S.]
Ich  würde  mich  mehr  in  der  freien
Natur  erfrischen  und  könnte  mehr
nach  meiner  Gesundheit  leben.  Vor
allen  Dingen  würde  ich  darauf  bedacht ­
  sein,  mir  mehr  Wissen  anzueichnen.
  —  Ich  würde  zunächst  anständig ­
  leben,  meinen  armen  Mitmenschen ­
  in  Ihrer  bedrängten  Lage  bei-Jhr.



Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

T3
t3
&amp;lt;

03

33

34

34

28,—

31,-Kohlen-




8 1 /a

30,—

Bergm.

Bergm.

stehen.  Ich  würde  mich  eine  schöne
Wissenschaftliche  Bibliotek  kaufen.
Des  weiteren  würde  ich  mir  einen
Sport-Gegenstand  kaufen,  (z.  B.  Fahrrad). ­
  (2.)  [B.R.]
Die  Zeit  nach  meiner  Arbeit,  möchte
ich  gern  zur  Erhohlung  im  Freien  oder
im  Walde  verbringen,  und  möglichst
allein,  mit  einer  Lecktüre,  jedoch  bin
ich  jetzt  froh  wenn  ich  zuhause  sitze,
denn  die  Glieder  sind  Tag  für  Tag  so
erschlaft,  daß  man  zu  nichts  mehr
Lust  hat.  —  Um  mir  möglichst  viel
Wissen  anzueignen,  wirde  ich  mir
die  verschiedensten  Bücher  kaufen
und  um  dieWissenschaftlichen  Bücher
besser  zu  verstehen,  und  um  leichter
ins  Freie  (aus  dem  Häusermeer

hinaus)  zu
(2.)  [B.R.]

kommen  ein  „Fahrrad“.

1.  Erholung  in  der  freien  Natur.  2.
Politische,  gewerkschaftliche  und  naturwissenschaftliche ­
  Schriften  lesen.
—  Sozialistische  Produktionswerke  erbauen ­
  helfen,  um  das  Kapitalistische
im  Orkus  versenken  zu  lassen.  (3.)
[B.  R.]
Ich  würde  was  ich  auch  jetzt  schon
tue,  nur  noch  intensiver,  mich  der  Erziehung ­
  meiner  Kinder  widmen.  Wis-181
        <pb n="139" />
        I  Alter  1

O
T3
C
£
&amp;gt;
&amp;lt;L&amp;gt;

Durchschn.
Wochen-VPrHidno*


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
:schäftigung

Jhr

$

M.

Std.

03

schenschaftliche  Bücher  lesen,  kurz
um  mich  überhaupt  soweit  es  mir
meine  geringen  Mittel  erlauben  dem
Studium  alles  Wissenswertens  mehr
hingeben.  Um  meinen  Geist  und  den
Geist  meiner  Mitarbeiter  und  Klassenkollegen ­
  durch  dieses  Studium  einerseits ­
  und  aufklärende  Agitation  andererseits ­
  auf  ein  höheres  Niveau  zu
bringen.  Vor  allen  Dingen  würde
ich  meine  Famielie  besser  kleiden  und
Ernähren.  Sodann  möchte  ich  so
gerne  etwas  mehr  von  der  Welt
sehen  als  nur  rauchende  Kamine  und
Staub  und  Schmutz.  Die  Welt  möchte
ich  bereisen,  die  doch  so  groß  und
schön  sein  soll.  Doch  niemals  wird
dieses  möglich  sein  und  einst  werde
ich  eingehen  ins  Reich  der  Toten,
ohne  die  Welt  in  ihrer  Pracht  und
Herrlichkeit  geschaut  zu  haben.  (1)
[B.S.]

35
182

6

33,—

872

Bergm.

Ich  würde  in  meiner  freien  Zeit  durch
Bewegungen  im  freien,  und  durch
sonstige  geistige  Arbeit  meinen  Körper ­
  zu  erfrischen  suchen,  und  dadurch
meinen  Körper  das  zu  ersetzen  suchen
was  er  bei  der  anstrengenden  Arbeit
eingebüßt  hat,  damit  ich  am  nächsten
Tage  wieder  neu  gestärkt  zur  Arbeit
gehen  kann  und  so  meiner  Familie
und  dem  Allgemeinwohl  lange  erhal-182



Jhr.

B  C  g
U  V  ?.
»  xs  .2
Ä  ü  T3
O  o  t-3?
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Q

M.

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o  w
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H  &amp;lt;

Std.

M
C
3
bJD

&amp;lt;  2

u
aa

35

23,-35



8Vi

Kohlenhauer ­


20,—

11

Bergm.

ten  bleibe.  —  Wenn  ich  das  nötige
Geld  hätte,  so  würde  ich  mir  vor
allen  Dingen  Bücher  anschaffen  um
mein  Wissen  zu  erweitern,  und  dahinn
  zu  streben  mit  dem  dahinneilenden
  Zeitgeist  gleichen  Schritt  halten
zu  können,  denn  darin  erblick  ich  die
Pflicht  des  Arbeiters  das  er  sich  ausbilde ­
  damit  wenn  der  Zeitpunkt  an
ihm  herantrit,  er  in  der  Lage  ist  seine
Pflicht  voll  und  ganz  erfüllen  zu
können,  (i.)  [B.  R.]
Im  Sommer  würde  ich  einige  Stunden
Gartenarbeit  verrichten,  meine  Zeitung ­
  lesen  und  einen  Spatziergang
in  Wald  machen.  Im  Winter  dagegen
mehr  Bücher  lesen  und  eine  bis  zwei
Stunden  ihm  freien  bewegen.  —  Ich
würde  mir  ein  Bauerngut  kaufen  und
mein  Leben  der  Landwirtschaft  wittmen. ­
  (3.  t.)  [B.  Schl.]
Im  Sommer  würde  ich  Blumengärtner
sein,  fischen  gehen,  mit  meinem  Mädchen, ­
  die  sehr  geweckt  ist,  würde  ich
in  Wald  und  Flur  herumstreichen
und  ihr  das  Leben  der  Natur  und
ihrer  Geschöpfe  erklären.  Auch  baue
ich  gern  Wasser-  und  Windmühlen,
um  meinem  Kinde  zu  zeigen  wie
man  vorhandene  Kräfte  benützt.  —
Im  Winter  würde  ich  gern  mehr  lesen ­
  als  bisher,  auch  Theater  besuchen.
183
        <pb n="140" />
        Alter  II

t-&amp;lt;U

TJ
C
2
5
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d  1  *
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W  r-  1
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ü  O  u

Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
sschäftigung

Jhi

•  F

1  M.

Std.

CQ

36

3

1
20,—

8

Bergm.

—  Hübsche  Bilder  u.  Vasen  etc.  auch
gute  Möbel,  Lampen  usw.  für  die  Wohnung. ­
  Bücher  und  Apparate  zu  physikalischen ­
  Experimenten.  Eine  Hobelund ­
  Drehbank,  an  der  zu  schnitzen
ich  viel  Geschick  habe.  Auch  Malund
  Zeichenmaterial  kaufte  ich  mir
mehr,  nicht  zuletzt  einen  großen
Globus  u.  einen  Atlas.  (2.)  [B.  Schl.]
Ich  würde  mich  der  Agitation  mehr

36

5

23,—

10

Bergm.

Wittmen  damit  semptliche  Bergarbeiter ­
  Organiesirt  währen.  —  Ich
würde  mir  vor  allen  Dingen  semptliche ­
  Bücher  Anschaffen  damit  ich
alle  Kameraden  aufklreren  könnte
über  sempliche  beziehungen  die  in
dem  Waldkörper  vor  sich  gehen.  (3.)
(B.  Schles.)
auf  frischer  Luft  gehen  und  eine  ver-37



4

21,  -

10

Bergm.

niftige  Zeitung  lesen.  —  Vier  die
Kinder  Kleidung  das  die  nicht  barfuß
laufen  und  Bücher.  (3.)  [B.Schles.]
Ich  würde  ein  gutes  Buch  zur  Hand

184

nehmen  und  in  die  freie  Natur  pilgern,
dann  lesen  und  Zeichen.  —  Vor  allen
Dingen  würde  ich  mir  dann  Bücher
anschaffen,  wissenschaftliche  Werke,
speziell  die  der  Heroen  aus  dem
Volke,  wie  Lassalle,  Marx  usw.,  und
würde  an  einer  solchen  Lektüre  tiefste ­
  innerliche  Freude  haben.  (2.)
[B.  Schles.]

Jhr.

M.

Std.

&amp;lt;  "

CQ

37

30,—

9 1 /.

38

39

40

Bergm.

30,—

22,—

21,-41



9  Bergm.

I  Kohlenhauer ­


24,—

10

Berghauer ­


Hauer

Ich  könnte  mich  mehr  durch  spazieren
im  Freien  erchohlen  und  auch  mehr
lesen.  —  Zuerst  bessere  Kost  für  mich
und  die  Familie,  dann  bessere  Kleidung ­
  und  Schuhzeug  dann  mehr
Betten  daß  die  Kinder  nicht  zu  dreien
in  einem  Bette  zu  schlafen  brauchen.
Dann  für  mich  und  die  Kinder  aufklärend ­
  und  veredelnd  wirkende  Bücher ­
  und  Schriften,  (i.)
Lesen  und  landwirtschaftliche  Arbeit
machen.  —  Einen  kleinen  Bauernhof
kaufen.  ( 3 .  t.)  [B.  R.]
In  Kirche  gehn,  die  Seele  zu  Retten.
( 3 .)  [B.Schles.]
Erstens  ist  es  nothwendig  daß  der
Körper  wieder  etwas  Ruh  hat  dann  ist
mir  Spaziergang  ins  Freie  immer  lieb
gewesen,  dann  würde  ich  das  Lesen
eines  Buches  oder  einer  Zeitung  für
notwendig  halten.  —  Erstens  würde  ich
darauf  sehen  daß  ich  mir  bessre  Wohnugsverhältnisse
  schaffen  könnte  und
ich  mit  meinen  4  Kindern  nicht  in
einem  einzigen  Zimmer  meine  Lebenszeit ­
  zubringen  dürfte.  (3.)  [B.
Schles.]
Da  wen  ich  kome  von  der  Arbeit  da
thu  ich  mier  erst  mein  Mietag  essen
und  dann  ein  Glass  Bier  Trinnken
185
        <pb n="141" />
        o  a&amp;gt;
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:c3  X)

Std.

&amp;lt;u  .S
•o  a
*_  :C3
*3  -o
&amp;lt;  y

und  dabei  mein  Zeitung  durchlesen
und  wen  ich  Fertig  bien  da  möchte
ich  auch  zum  meinem  Vertrautsman,
um  mit  ihm  auf  Rede  zu  gehen.  —  Da
werde  ich  mier  ein  Eigenes  Haus  und
mein  Eigenes  Wiertschaft  anschafen
und  dann  möchte  ich  erst  Organiesatzion
  vergrößen  in  unserem  Dorfe
Gieschewald.  Die  die  Leute  Siend
Hier  noch  Sehr  Ferchterlich  Bliend.
(3.)  [B.Schles.]

8

8

13

Bergm.

Das  gute  das  ich  gefunden  nach  möglichkeit
  verbreiten.  —  Das  Hausgerät
Möbel  Und  d.  gl:  durch  bessere  ersetzen ­
  und  wirklich  Nothleidenden  zu
helfen.  (2.  t.)  [B.  Schles.]

Berg-  Dasselbe  was  ich  jetzt  tue.  Mich  mit
hauer  Naturwissenschaft  beschäftigen.  Geologie. ­
  Lesen  der  Kassicker.  —  Eine
Sammlung  von  Büchern,  welche  die
Geologie  erschöpfend  behandeln.  Ein
gutes  Mikroskop  zum  Erkennen  von
Foraminiferen  etc.  (1.)  [B.  R.]

Hauer

Würde  mit  meiner  Familie  spazieren
gehen,  etwas  von  der  Welt  ansehen,
denn  ich  lebe  nicht  als  Mensch,  sondern ­
  wie  ein  Hund,  der  nur  zum  Krepieren ­
  da  ist.  —  Ich  kaufte  mir  die  nötigsten ­
  Kleidungsstücke,  denn  bis  jetzt
laufen  wir  ja  nackt  umher.  (3.)  [B.
Schles.]
        <pb n="142" />
        a)  Was  würden  Sie  tun,  wenn  Sie  täglich  genügend
Zeit  für  sich  hätten?

Malen

Der  Familie ­
  widmen ­


Genüg.
schlafen

In  die  Natur ­
  gehn

Mich  weiterbilden ­


Agitieren
für  Partei
und  Gewerksch.


Diverses

Bergarbeiter  Ruhrgebiet

2

54

48

161

220

115

210

Bergarbeiter  Saargebiet

—

116

21

70

152

90

271

Bergarbeiter  Schlesien

1

151

82

14

61

38

207

Summa:

3

321

151

245

433

243

688

b)  Was  würden  Sie  sich  für  Dinge  anschaffen,
wennSiedasnötigeGeld  hätten?

Gute
Kleidung

Bibliothek ­


Genügend
Essen

Gute
Wohnung

Diverse

Bergarbeiter  Ruhrgebiet

152

78

14

139

427

Bergarbeiter  Saargebiet

70

84

136

181

249

Bergarbeiter  Schlesien

88

18

168

47

233

Summa:

310

180

318

367

909

c)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:
Wurden  durchweg  beantwortet.

Was  würden  Sie  tun,  wenn  Sie  täglich  genügend  Zeit  für
sich  hätten?  Was  würden  Sie  sich  für  Dinge  anschaffen,  wenn
Sie  das  nötige  Geld  hätten?
Textilarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

Alter

ü
c
s
&amp;gt;
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
eschäftigung

Jhr.

$

M.

Std.

ca

20

—

16,—

1072

Färberei ­
 ­


Mich  mehr  dem  Häuslichen  widmen.
—  Bessere  Kleidung  und  Nahrung  und
ein  Musickwerk,  damit  mier  das  Leben ­
  nicht  gar  zu  sauer  wird,  als  Proletarier. ­
  (3.)  [T.  F.]

187
        <pb n="143" />
        Alter

U
4)
T3
C
5
[ü
*&amp;gt;
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
eschäftigung

Jhr.

£

M.

Std.

ca

21

—

12,-87*



Sticker

Würde  mich  weiter  ausbilden,  mein
Leben  in  angenehmer  Ruhe  genießen.
(3  )  [T.F.]

22

1

21,—

10

Weber

Da  ich  die  ganze  Woche  in  Dampfiger,
dunsstdiger  und  stinckicher  Luft  Arbeite, ­
  gerne  ins  Freie  und  die  Natur
beschaun.  —  Erstens  würde  ich  meinem ­
  Körper  mehr  zu  komm  lassen,
zweitens  würde  ich  mir  den  Haushalt
verbessern.  (3.)  [T.  F.]

23

1

20,—

10

Weber

Ich  würde  mich  meiner  Famiele  mehr
hingeben  können,  und  mich  auch  meinen ­
  polittischen  Verhältnissen  mehr
witmen  können.  —  Mehr  politische
Sachen.  (3.)  [T.  F.]

24

22,—

972

Weber

Ich  würde  meinen  Körper  bilden,  und
meinen  Geist  ebenfalls  durch  wissendschaftliche
  Bücher  mehr  bilden.  —
Wen  ich  genügend  Geld  hätte  wirde
ich  Fabrickanlagen  bauen  damit  meine
mitmenschen  auch  einen  genuß  davon
hätten.  Gleichzeitig  würde  ich  eine
Biblodek  erichten  damit  meine  mitarbeiter
  ihren  Geist  ausbilden  können.
(30  [T.B.]

25

2

24,—

972

Zwirner

Ich  würde  viel  im  Freien  spazieren
gehen,  da  bei  meiner  Arbeit  die  Nerven ­
  zu  sehr  angestrengt  werden.  —
Ich  würde  mir  in  einen  kleinen  Dorf-188



Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
|  Arbeitszeit

M.

Std.

Jhr.

3
bt)

43
U

ca

chen  ein  kleines  Häuschen  anschaffen
und  ein  Stückchen  Land  zum  bewirtschaften. ­
  (3.  t.)  [T.  F.]

26

27

27

1

1

32,—

9

Teppich
weber

Ich  würde  vor  allen  Dingen  mein
Wissen  durch  Lesen  von  Werken,
Besuch  von  Museen  und  Theatern
zu  erweitern  suchen.  Dann  würde  ich
durch  kleinere  Ausflüge  in  Wald  und
Feld  Erholung  suchen.  Auch  wäre
ich  picht  abgeneigt  im  Verein  von
Freunden  und  Bekanten  kleine  Musikabende ­
  zu  aranjieren  natürlich  nur
als  Dilettant  im  Familienkreise.  —
Bücher  und  einige  Musikinstrumente,
Klavier,  Geige  und  Mandoline.  (2.)

19,—

IO 1 /«

Weber

[T.B.]
Ich  würde  mich  an  der  Natur  ergötzen
und  mich  der  Litteratur  mehr  wittmen.
—  Marx  Kapital.  (3.)  [T.  F.]

18,-io7s



Weber

früh  ein  bischen  länger  Schlafen  von
8  bis  1  Uhr  arbeiten  nach  dem  Mittagstisch ­
  ein  bischen  schlafen  bis  4  Uhr
und  dann  spazieren  gehen  bis  zum
Abenbrot.  —  Ich  würde  mir  ein  kleines ­
  Haus  bauen  Schweine  fittern
Gänse  Hühner  Tauben  für  meinen  Bedarf ­
  und  einen  schönen  gemüße  Garten ­
  anlegen  was  ich  alles  recht  schön
bebauen  wollten  und  daß  ich  mir
könnten  immer  recht  satt  Essen
könnte.  (3.)  [T.  F.]

189
        <pb n="144" />
        Alter

t-4
&amp;lt;u
XJ
C
£
&amp;gt;
«D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
eschäftigung

Jhr.

£

M.

Std.

Cd

28

2

18-10

 1 /*

Weber

Wenn  ich  Zeit  hätte  würde  ich  meine
Wirtschaft  recht  sauber  halten,  mich
meinen  Kindern  widmen  und  öfter  an
die  frische  Luft  gehn.  —  Wenn  ich
das  nötige  Geld  hätte,  kaufte  ich  mir
ein  Fahrrad,  eine  Taschenuhr;  Daß
übrige  Geld  würde  ich  alles  sparen
und  mir  dann  ein  Haus  lassen  bauen.
(3)  [T.F.]

28

2

16,—

10

Weber

Für  Ausbildung  sorgen.  —  1)  Stenogafie
  welche  mir  im  besonderen  gefällt!
2)  Schreiben  und  Rechnen!  3)  Lesen
Wissenschaftliche  Bücher!  —  Ein  Re^
volver  mit  Zubehör,  für  den  Fall  wo
wir  uns  zur  Gegenwär  sezen  müssen.
Alles  was  zu  einem  Menschlichen  Dasein ­
  erforderliche.  (3.)  [T.  F.]

29

2

21,-10



Spinner

Ich  würde  die  Natur  studieren  und
überhaupt  streben  nach  Erkenntnis
der  Wahrheit.  —  Ich  will  nur  haben,
was  zur  Notdurft  des  Lebens  erforderlich ­
  ist.  (2.)  [T.F.]

29

3

20,—

10

Weber

Mich  der  Familie  widmen  und  malen.
—  Einen  schönen  Malkasten.  (3.)  [T.F

30

5

13,—

10

Fabrikweber ­


bei  schöner  Witterung  wirde  Ich  Spaziergänge ­
  mit  meiner  Familie  bevorzugen ­
  bei  schlechter  Witterrung  häusliche ­
  arbeit.  —  Ich  würde  Mier  eine
bessere  Wohnung  und  bessere  Aernährung
  leisten  welche  der  gesundheit
  zuträglich  sind.  (3.)  [T.  F.]

190

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
Beschäftigung

M.

Std.

11,—

10

Weber

17-10

 1 /*

Weber

18,-10

 1 /2

Weber

o
&amp;lt;
jhr.

30

31

31

Ich  würde  meiner  Familie  mehr
Dienste  tun,  und  mehr  Bildung  aneignen ­
  können.  —  Zunächst  Betten  anschaffen
  um  allein  schlafen  zu  können. ­
  [ 3 .)  [T.F.]
Mich  geistig  ausbilden.  —  Vor  allem
eine  reichhaltige  Bibeliothek.  (i.)  [T.F.]
Ich  würde  mich  mehr  der  Partei  und
Gewerkschaft  legen.  —  Bücher.  (3.  t.)
[T.  F.]

32

21,-10



Walker

Außer  als  für  gutes  Essen  und  Trinken ­
  sorgen  täglich  2—3  Stunden  spazieren ­
  gehn.  4—5  Stunden  lesen  und
besonders  Gefallendes  abschreiben.
Hin  und  wieder  1  Stündchen  musiciren.
  3—4  Stunden  hingehen  wo  Kinder ­
  sind,  die  Aufwartung  und  Unterhaltung ­
  entbehren  müssen.  2—3  Stunden ­
  mit  oberflächliche  Menschen  diskutiren
  um  ihr  Gemüt  zu  vertiefen
und  so  ihr  Leben  zu  bereichern  5—6
Stunden  Kranke  unterhalten.  1  Stunde
Correspondens  damit  ich  wieder  Brief
erhalte.  —  Eine  Wohnung  mit  Aussicht ­
  über  sonnenbeschienenes  Land
habe  ich.  Dann  noch  wünsche  ich
einige  geschmakvolle  Möbel  und
Kunstgegenstände.  Neue  Bücher.  Für
die  Zukunft  was  ich  notwendig
brauche.  In  Geld  ausgedrückt  1500

191
        <pb n="145" />
        192

t-,
0
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U
U
-O
C
5
5?
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Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
eschäftigung

Jhr.

£

M.

Std.

0Q

Mark  jährlich.  Was  ich  außerdem
hätte  würde  ich  andern  geben  die
weniger  haben.  Wenn  es  die  nicht
gebe  1—200  Mark  jährlich  um  verschiedene ­
  Naturschönheiten  zu  besehen. ­
  Den  Harz-Thüringen-Reihnreise-
  München  -  Schweiz  -  Dolomiten
Nizza-Rom.  (1.)  [T.  F.]

32

2

20,—

10 1 /*

Weber

Ich  würde  mich  mehr  Bieldung  aneigenen ­
  und  mich  mehr  Politisch  be-:
tätiegen.  —  (3.t.)  [T.  F.]

33

3

19,-10



Spinner

Zunächst  würde  ich  meine  mangelhafte ­
  Bildung  verbessern,  vor  allen
Dingen  musizieren  und  malen,  ein
Haus  am  Waldesrand,  am  Bachesstrand ­
  mit  Garten  dran,  da  denk’  ich
dran.  (1.)  [T.  F.]

33

2

22,—

IO 1 /»

Weber

Vor  allem  meine  Jungens  Vater  und
Lehrer  sein.  —  Was  die  zweite  Frage
anbelangt,  so  bin  ich  ziemlich  genügsam. ­
  Vor  allem  ließe  ich  meine  Frau
nicht  mehr  auf  Arbeit  gehn.  (3.  t.)
[T.B.]

34

3

17-IO

 1 /*

Weber

meine  Frau  u.  Kinder  in  die  Freie-Nattur
  führen,  sie  auf  das  Werden
und  Vergehen,  der  Natur  schöhnheit
aufmerksam  machen.  Mein  Wissen  in
der  Litteratur  erweitern,  mich  acht
Stunden  der  Ruhe  wittmen,  um  Tags

Wieviel  Kinder

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

M
c
3
M

■O
&amp;lt;

CQ

53

20,—

36

IO 1 /*

Weber

IV

10

darauf  mit  Frischer-Kraft,  für  meine
Familie  zu  sorgen.  —  gute  Bücher  der
Wissenschaft  for  allem  könte  man
bessre  Nahrung  zu  sich  nehmen,  dies
zu  erreichen  ist  Mein  heißester
Wunsch.  (3.)  [T.  F.]
Diese  Zeit  meiner  Familie  widmen.
Gute  wissenschaftliche  Bücher  lesen.
Spaziren  gehen.  Theater  besuchen.
Und  die  übrig  bleibende  Zeit  der  politischen ­
  und  gewerkschaftlichen  Organisation ­
  widmen.  —  Zuerst  eine  genügend ­
  große  Wohnung  mit  Badezimmer. ­
  Eine  schöne  zweckentsprechende ­
  Wohnungseinrichtung.  Und
die  Hauptsache  wissenschaftliche  Bücher ­
  zur  Vervollständigung  meiner
Bibliotek  die  z.  Z.  einen  Anschaffungswert ­
  von  800,00  M.  hat.  (2.)  [T.  F.]

Weber  '  Ich  würde  mich  mit  Kunst  u.  Wissenschaft, ­
  Politik  u.  schöngeistiger  Li-!
  taratur  befassen.  Ferner  das  ewige
Werden  u.  Vergehen  in  der  Natur  studieren. ­
  Auch  würde  ich  mich  meinen
Lieblinge,  —  der  Musik  wieder  zuwenden, ­
  welcher  ich  neben  meiner  Berufsarbeit ­
  bereits  10  Jahre  meines  Lebens
geopfert  und  mich  durch  Selbststudium
bis  zur  Komposition  durchgearbeitet
habe.  Zehn  gedruckte  Kompositionen
sind  von  mir  erschienen,  allerdingst
193

13
        <pb n="146" />
        Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

Jhr.

37

38

16,-1

  29,—

10

Weber

Färber

nur  für  Konzertzither,  den  zu  einem
Klavier  langten  die  Mittel  bei  weiten
nicht  zu.  —  Eine  große,  alle  Gebiete
berührende  Bibliothek;  —  denn  „Wissen ­
  ist  Macht!“  Eine  geräumige,  allen
gesundheitlichen  Anforderungen  entsprechende ­
  Wohnung,  mit  einfacher,
lückenloser  Ausstattung.  Allen  Witterungsverhältnissen ­
  entsprechende,
einfache  und  schlichte  Kleidung  für
meine  Familie  u.  mehr,  (i.)  [T.  F.]
Ich  würde  mich  ausbilden,  um  im
Sinne  Fröbels,  Schrebers,  Hauschilds ­
  und  Pestalozzis  wirken  zu
können.  —  Würde  mir  ein  großes
Werk  über  Entomologie  anschaffen
und  ein  größeres  Fernrohr,  (-i)  [T.  F.]
Stände  mir  genügend  Zeit  zur  Verfügung ­
  würde  ich  Zeichnen,  malen,
lesen  und  durch  Feld  und  Wald  streifen, ­
  bei  weniger  günstigem  Wetter
die  Museen  besuchen  und,  wenn  zugleich ­
  mit  der  freien  Zeit  genügend
Mittel  vorhanden  wären,  eine  Lehranstalt ­
  zur  Ausbildung  in  meiner
liebsten  Beschäftigung,  im  Zeichnen
und  malen  besuchen.  —  Zunächst  meinen ­
  Lebensunterhalt  auf  eine  höhere
Stufe  bringen,  denn  nur  in  einen  gut
genährten  Körper  kann  sich  wohl  ein
reger  Geist  entfalten,  sofern  es  in  den

194

Wieviel  Kinder

39

c  S
Jäl
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o  »-^
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M.

19,-40



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Std.

13

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3

&amp;lt;  O
01
0&amp;gt;
ca

23,—

Weber

10Vs

Fabrikweber ­


nötigen  Grenzen  und  nicht  ins  Übermaaß
  geschihet.  Bessere  Kleidung
und  dann  zum  Schmuck  des  Heims,
gute  Bilder,  Bronzen  oder  sonstige
Plastickn.  Bücher  zur  Belehrung,
(i.)  [T.  B.]
Ich  würde  bei  schönem  Wetter  hinaus
ins  Freie  gehen,  um  mich  auch  einmal
am  Leben  zu  erfreuen;  oder  ich
würde  wenn  es  die  Mittel  erlaubten,
auch  einmal  eine  kl.  oder  größere  Reise
machen,  da  ich  fast  noch  garnicht
weg  gewesen  bin.  Meine  Sehnsucht
geht  in  die  Welt,  von  der  man  so  viel
hört  u.  liest.  —  Ich  möchte  einmal
Naturschönheiten  oder  Kunstwerke
sehen,  gleichviel  welcher  Art.  Ob  Gebirge, ­
  ob  Malereien,  ob  Denkmäler,  ob
gärtnerische  Anlagen,  ob  Gebäude
usw.  Am  liebsten  möchte  ich  einmal
ein  Schiff  (Dampfer)  bewundern,  oder
gar  mit  diesem  eine  Fahrt  auf  dem
Meere  mitmachen.  (2.)  [T.  B.]
Ich  würde  einige  Zeit  spazieren  gehen
dann  wenn  ich  noch  genügent  Zeit
hätte  würde  ich  lesen.  —  Erstens  würde ­
  ich  mir  mindestens  alle  2  Jahre
einen  neuen  Anzug  schaffen  woh  jetzt
nicht  daran  zu  denken  ist,  weil  man
in  4—5  Jahren  erst  daran  denken  kann,
2tens  gute  Bücher  z.  B.  ein  Lexikon,
fo  1  TT  ni

IS*

195
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        Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

&amp;lt;ü
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jhr.

W)
G

TJ

&amp;lt;  U
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&amp;lt;D
CQ

41  2  34,—

42

Teppich
weber

38,—

Teppichweber ­


Zunächst  die  mangelhafte  Volksschulbildung ­
  verbessern.  Vor  allen  Dingen
die  Muttersprache  tichtig  sprechen  und
schreiben  lernen,  die  ich  leider  noch
immer  nicht  genügend  beherrsche.
Dann  würde  ich  mir  weiterbilden,  um
meinen  Beruf  wechseln  und  vielleicht
Redakteur  oder  sonst  ein  tätiger  Arbeiter ­
  in  dem  Kampfe  um  die  Freiheit
werden  zu  können.  Lernen  möchte
ich,  lernen  und  wieder  lernen,  um
nachzuholen,  was  man  in  der  Jugend
leider  versäumen  mußte.  Dazu  gehört ­
  eine  kurze  Arbeitszeit,  damit  der
Geist  noch  aufnahmefähig  ist  und
nicht  vollständig  erschlafft  wie  jetzt.
—  Das  nötige  Geld  gehört  natürlich
auch  schon  zur  Durchführung  des
vorstehenden.  Was  ich  sonst  noch
haben  möchte,  weiß  ich  eigentlich
nicht,  ich  bin  ziemlich  wunschlos.
Kunstverständnis  habe  ich  wenig  oder
gar  nicht.  Die  Fronarbeit  im  Dienste
des  heutigen  Kapitalismuns  ertötet
den  noch  nicht  entfalteten  Menschengeist ­
  des  Arbeiters  vollständig.  Eine
gute  Bibliothek  möchte  ich  mein
eigen  nennen,  (i.)  [T.  B.]
Die  jetzigen  Liebhabereien  emsiger
betreiben:  Mich  in  der  deutschen
Sprache  vervollkommnen,  mehr  Latein, ­
  Englisch  und  Französisch  stu-196



Jhr.

M.

Std.

43

21,—

44

45

22,-9

 1 /s

03

Weber

18,—

9V S

Weber

Weber

dieren,  tiefer  in  die  Sozialgesetzgebung ­
  und  in  die  Volkswirtschaftslehre
eindringen,  um  dadurch  besser  als  bisher ­
  meinen  Mann  in  dem  so  überaus
notwendigen  Klassenkampf  stellen  zu
können.  —  Vor  allen  Dingen  eine
Menge  nützlicher  Bücher,  dann  eine
größere  und  bessere  Wohnung,  in
der  ein  Stübchen  ganz  für  mich  wäre,
und  in  der  ich  auch  öfter  als  bisher
Klassengenossen,  die  nicht  mehr  wissen, ­
  wo  sie  ihr  Haupt  hinlegen  sollen,
beherbergen  etc.  könnte,  (i.)  [T.  B.]
Fleißig  spaziehren  gehen  in  der  Natur ­
  und  eine  gute  Lektüre  lesen.  —
Ich  würde  für  gute  Garderobe  sorgen,
damit  ich  mir  unter  bessere  Leute
sehen  lassen  kann  und  würde  mir  aufklärende ­
  Schriften  beschaffen.  (3.  t.)
[T.  F.]
Ich  wird  mir  Vil  Bücher  und  zwar
nitzlie  fir  die  Weid  und  auch  Christliche ­
  das  man  was  wiste  wie  es  genseit
nach  dem  Tode  aus  sid.  —  Wen  ich
das  netig  Geld  hette  so  wirde  ich
meine  Kinder  versorgen  und  Armen
Gutes  tun  das  ist  mein  Verlangen.
(3-)  [T.B.]
Da  würde  ich  mich  pflegen  und  an
die  Frische  Luft  gehen.  —  Da  würde
ich  mir  Wiesentliche  Bücher  anschaffen
  zu  Lesen.  (4.)  [T.  F.]

197
        <pb n="148" />
        |  Alter

(-«
4&amp;gt;
T3
C
5*
0

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
eschäftigung

Jhr.

p

M.

Std.

03

46

3

18  —

10  Vs

Spinner

Zunächst  vernünftig  ausschlafen.
Frühstücken.  Radtour  machen.  Irgendwelche ­
  häusliche  Arbeit  leisten,
oder  auch  für  andere  Geschäfte  besorgen. ­
  —  Mein  sehnlichster  Wunsch
nach  einem  Fahrrad  ist  endlich  erfüllt. ­
  (3.)  [T.F.]

a)  W  as  würden  Sie  tun,  wenn  Sie  täglich  genügend
Z  e  i  t  f  ü  r  s  i  c  h  h  ä  11  e  n  ?

Der
Familie
widmen

In  die  Natur ­
  gehn

Agitieren
f.  Partei  u.
Gewerksch.

Malen

l
Mich  weiterbilden ­


Diverses

Textilarbeiter

Berlin

59

61

40

50

184

25

Textilarbeiter

Forst

84

148

71

37

160

158

Summa:

143

209

111

87

344

183

b)  Was  würden  Sie  sich  für  Dinge  anschaffen,
wennSiedasnötigeGeld  hätten?

Gute
Kleidung

Bibliothek ­


1
Genüg.
Essen

Gute
Wohnung

1
Ein  Stück
Land

Diverses

Textilarbeiter  Berlin

48

16

8

89

72

186

Textilarbeiter  Forst

151

70

180

62

115

80

Summa:

199

86

188

151

187

266

c)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:
Textilarbeiter  Berlin  —
Textilarbeiter  Forst  76
198
        <pb n="149" />
        Was  würden  Sie  tun,  wenn  Sie  täglich  genügend  Zeit  für
sich  hätten  ?  Was  würden  Sie  sich  für  Dinge  anschaffen,  wenn
Sie  das  nötige  Geld  hätten?
Metallarbeiter.

«
&amp;lt;
JhT

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

tx
c

&amp;lt;  o
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CÖ

20

—

21,—

10

Nadelmacher ­


21

20,—

10

Schlosser ­


22

24,-9



Metallarbeiter ­


Ich  würde  mich  mehr  der  Malerei
und  Wissenschaft  widmen.  —  Ich
würde  mir  einige  klassische  Werke
und  solche  über  Malerei  anschaffen
und  die  nötigen  Artiekel  zur  Ölmalerei
(i.)  [M.S.]
Vor  allen  Dingen  würde  Ich  mich
Schriftstellerisch  betätigen,  würde
meiner  Gewohnheit  gemäß  in  den
Wald  oder  in  ein  sonst  hierzu  passendes ­
  Institut  gehen  und  in  voller  Einsamkeit ­
  meine  in  der  Öffentlichkeit
gewonnenen  Eindrücke  geistig  verarbeiten ­
  und  den  Geist  zu  den  machen
was  er  sein  soll:  nämlich  zur  Krone
des  Wissens.  —  Erst  eine  populär  geschriebene ­
  wissensreiche  Biblothek,
einige  Kunstgemälde,  Pfotograpfieapparat
  u.  s.  w.  Weiter  würde  Ich  Insitute
  einrichten  die  den  wirklichen
Namen  „Wohlfahrtseinrichtungen“
verdienten!  Spielplätze  für  Kinder,
Parkanlagen  für  Naturfreunde,  (i.)  [M.
S.]
Ich  würde  mich  mehr  im  Freien  aufhalten ­
  und  öfter  ganz  allein  spaziren
gehen  weit  außerhalb  der  Stadt,  denn

199
        <pb n="150" />
        !  Alter

O
TJ
G
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&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
sschäftigung

jhr

£

M.

Std.

oa

23

28,—

9V2

Metallwenn

  ich  so  recht  mit  meinen  Gedanken ­
  allein  bin,  dann  bin  glücklich.
—  Voraliendingen  würde  ich  mir
ein  gemüthliches  Heim  einrichten,
schöhne  Bücher  kaufen,  auch  Blumen
halten,  und  dieselben  pflegen,  habe
auch  Interesse  an  schöhnen  Kunstgegenständen, ­
  Bildern,  schönen  Waffen ­
  u.  s.  w.  (2.)  [M.  B.]
Ich  würde  mich  der  Wissenschaft  wid-24



2

26,—

10

arbeiter
Former

men.  Und  zwar  der  Philosophie  und
der  Naturwissenschaft.  —  Bücher.  Philosophen, ­
  Klassiker.  Spinoza,  Kant,
Hegel  u.s.w.  Naturwissen:  Darwin,
Haeckel,  Ostwald,  Verworn.  Auch  aus
der  Literatur  (Deutsche  Klassiker),  die
Werke  des  Universalgenies  (Goethe).
Schiller,  u.  s.  w.  (2.)  [M.  B.]
Meine  freie  Zeit  würde  ich  mehr  zu

meiner  persönlichen  Bildung  ausnutzen ­
  durch  lesen  hübscher  Bücher.  Ich
würde  der  herrlichen  Natur  mehr  Interesse ­
  zu  wenden,  als  ich  jetzt  bei  diesem ­
  dumpfen  Leben  kann.  Sehenswürdigkeiten, ­
  Museen  etc.  würden  ihre
Anziehungskraft  auf  mich  wirken
lassen.  —  Bücher  sind  stets  mein  Liebstes ­
  gewesen.  Ich  würde  mir  daher
noch  mehrere  netter  Werke  zulegen.
Meine  kleine  Hausbibliothek  besteht
aus  480  kleinen  u.  größeren  Werken
u.  Broschüren  etc.  (1.)  [M.  S.]

200

&amp;lt;u
&amp;lt;
ji”

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

M
C

&amp;lt;  “

CD

25  —

26

28,—

9 1 /2  i  Mechaniker ­


32,—

27

10

Metallarbeiter ­


32,—

10

Werkzeugschlosser ­


Musizieren  nach  Herzenslust,  so  ganz
wie  meine  Stimung  ist,  und  malen  vor
allen  Dingen,  Landschaften,  Stilleben.
—  Die  nötigen  guten  Farben,  Pinsel,
Leinwand  usw.  Schließlich  noch  eine
Flöte,  Klavier  wenn  ich  reich  war.  (3.)
[M.  S.]
Diese  Frage  an  sich  geht  schlecht  zu
beantworten,  weil  Zeit  an  sich  nicht
alles  ist  was  wir  brauchen;  wir
müssen  auch  die  Mittel  haben  die  Zeit
so  anwenden  zu  können  als  wir  gerne
möchten.  Z.  B.  In  der  Gegenwart
haben  viele  Arbeiter  täglich  genügend
Zeit  weil  sie  nur  halbe  Schichten  etc.
arbeiten,  aber  sie  können  mit  der  Zeit
schlechterdings  nicht  viel  anfangen,
weil  ihnen  die  Mittel  fehlen  die  Zeit
ihren  Wünschen  entsprechend  zu  verwenden.— ­
  Wenn  ich  täglich  genügend
Zeit  für  mich  hätte,  dann  würde  ich
mich  fest  auf  die  Hose  setzen  und  die
Nase  gehörig  in  Bücher  vergraben.  —
Diese  Frage  finde  ich  sehr  unklar,  was
versteht  man  unter  „nötig“  ?  Jedenfalls ­
  aber  würde  ich,  falls  ich  das  „nötige“ ­
  Geld  hätte,  alles  daran  setzen,
&amp;amp;  versuchen  mir  eine  umfassende  Bil-|
  düng  zu  verschaffen.  (1.)  [M.  B.]
Vorerst  würde  ich  meine  Gesundheit
stählen.  Mein  Geist  noch  weiter  aus-201
        <pb n="151" />
        Mjfffii  im—

Jhr.

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

«

27  i  1  40,

Schlosser ­


28

1  30,—  10

Dreher

202

bilden,  das  geistige  „Ich“  vollends
stärken,  um  „freier  immer  freier“  mich
in  großen  Entfernungen  von  den  mich
fesselnden  Sklavenketten  der  Zeit  zu
bewegen.  —  Ich  würde  mir  gern  Schriften ­
  über  die  moderne  Arbeiterbewegung, ­
  Anarchie  etc.  eventuell  noch
die  okkulten  Wissenschaften  erstehen,
(i  )  [M.S.]
Da  ich  über  genügend  Zeit  verfüge
teile  ich  Ihnen  mit  wie  ich  sie  ausnütze. ­
  Im  Sommer  gehe  ich  gern  spazieren ­
  im  Wald  oder  Schwimmen  in
freiem  Wasser,  im  Winter  lese  ich
gern  wissenschaftliche  Bücher,  bin
Mitglied  der  Fr.  Volksbühne,  ivermehre
als  Hörer  der  freien  Hochschule  Berlin ­
  meine  Kentnisse  und  verfolge  mit
Interesse  Vorgänge  des  öffentlichen
Lebens.  —  Gute  Bücher,  einige  schöne
sinnreiche  Bilder  für  die  Wohnung.
Ein  Einfamilienhaus  mit  Garten  in
einem  Vorort  einer  größeren  Stadt
Nichts  was  einer  Verschwendung  ähnlich ­
  sehen  würde.  (2.)  [M.  B.]
Ich  würde  die  freie  Zeit  für  meine  weitere ­
  Ausbildung  verwenden.  Bei  zehnstündiger ­
  Arbeitszeit  ist  es  mir  nicht
möglich,  das  alles  zu  lesen  was  ich
lesen  möchte.  —  Ich  würde  mir  Bücher ­
  über  Naturwissenschaft  und  Psy-Wieviel

  Kinder

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

bJC
c
3
W&amp;gt;

&amp;lt;3  o
Cß
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CQ

28

25  —

29

10

Schlos-  1
ser

36,—  |  9 1 /*

Maschiner.-




chologie  zulegen,  besonders  psychologische ­
  Werke,  da  ich  hiefür  ein  besonderes ­
  Interesse  habe.  Außerdem
würde  ich  Gemälde  (wie  z.  B.  Böcklin)
  und  Bildhauerwerke  kaufen.  (2.)
[M.B.]
Ich  würde  mich  mehr  als  bisher  an
den  Werken  unserer  großen  Dichter
und  Geistesheroen  fortbilden,  würde
meine  rege  Phantasie  sich  austoben
lassen  und  alles  in  Poesie  oder  Prosa
zu  Papier  bringen.  Ferner  würde  ich
mir  ein  geeignetes  Heim  auf  schlagen
und  mich  kleinen  Kunstschmiedearbeiten ­
  widmen.  (1.)  [M.  O.]
Ich  würde  mich  zunächst  einer  seelischen ­
  und  geistigen  Sammlung  befleißigen, ­
  die  es  ermöglichte,  volle  Eindrücke ­
  zu  gewinnen  durch  fleißiges
Studium,  indem  die  wirtschaftlichen
Beziehungen  der  Völker  unter  einander ­
  wie  Wirtschaftslehre  überhaupt
im  Vordergrund  sein  sollten,  würde
ich  mich  dazu  erziehen,  einen  bestimmten ­
  Posten  in  der  sozialen  Bewegung ­
  auszufüllen.  Ich  würde  mir
einen  Umgang  suchen,  der  mir  zu
scharfen,  die  letzten  Konsequenzen
suchenden  Debatten  Anlaß  gäbe,  um
so  des  Lebens  Wert  oder  Unwert  zu
erkennen.  —  Ich  würde  mir  ein  Konver-203
        <pb n="152" />
        $hr.

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

a

&amp;lt;  y

CQ

sationslexikon  anschaffen.  Sonst  fehlt
mir  nichts  allzu  Wichtiges,  da  die  hiesige ­
  Bibliothek  mich  mit  allen  wissenschaftlichen ­
  Werken  versorgt.  (2.)  [M.
B.]

29  3

30,—

10

30

3  23,—

10

Metallarbeiter ­


Mein  Beruf  ekelt  mich  an.  Und  so
würde  ich,  wenn  ich  noch  mehr  freie
Stunden  hätte,  mich  meiner  Lieblingsbeschäftigung ­
  noch  mehr  widmen;  naturwissenschaftliche ­
  und  sozialistische
Bücher  lesen,  um  mir  das  Wissen  ananzueignen,
  das  notwendig  ist,  wenn
man  an  dem  Kampfe  zur  Erreichung
der  sozialistischen  Ziele  teilnehmen
will.  —  Genügend  Nahrungsmittel  und
Kleidungsstücke  und  auch  noch  fehlende ­
  Möbel,  um  die  Wohnung  zu
einem  wirklichen  „Heim“  zu  machen.
Im  übrigen  könnte  Geld  mich  nicht
anspruchsvoller  machen.  Die  Zufriedenheit ­
  von  Frau  und  Kinder  ist  mein
höchstes  Glück.  (2.)  [M.  S.]

Schlei-  Ich  würde  mich  der  Kunst  widmen,
fer  würde  malen  &amp;amp;  zeichnen,  in  die  Natur
hinausgehn  Skizzen  machen,  was
immer  mein  Wunsch  ist.  —  Da  würde
ich  meinen  Malkasten  in  Stand  setzen
&amp;amp;  reisen,  würde  mir  plastische  Sachen
kaufen.  Auch  habe  ich  Vorliebe  für
ausgestopfte  Vögel.  (2.)  [M.  O.]

204

Alter

U
T3
C
5
&amp;gt;

Durchschn.
Woebenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
eschäftigung

Jhr.

Ü

M.

Std.

03

30

1

25,—

10

Metallformer ­


Als  ausgesprochener  Freund  der  Natur ­
  würde  ich  einen  Teil  dieser  Zeit
der  körperlichen  Erholung  und  der
Betrachtungen  im  Freien  widmen.
Der  übrige  und  größte  Teil  aber  müßte
meiner  Lieblingsbeschäftigung,  dem
Studium  der  sozialen  und  politischen
Verhältnisse  der  Vergangenheit,  Gegenwart ­
  und  —  Zukunft  dienen.  —  Ich
würde  mir  zunächst  eine  weniger  gesundheitsschädliche ­
  und  aufreibende

Existenz  schaffen,  dann  aber  alles  daransetzen ­
  um  mein  jetziges  Wissen
und  meine  Bildung  zu  vermehren.  (2.)
[M.S.]
Erstens  würde  ich  in  der  freien  Zeit
längere  Zeit  spazieren  gehn,  dann
würde  ich  mich  durch  Lesen  nützlicher ­
  Bücher  besser  auszubilden  suchen, ­
  meine  Kinder  würde  ich  in  den
und  jenen  nützlichen  Sport  selbst  ausbilden, ­
  und  so  giebt  es  noch  vielerlei
zu  tun,  zu  was  man  jetzt  absolut  keine
Zeit  hat.  —  Vor  allen  Dingen  würde  (ich
mich  und  meine  Familie  besser  kleiden, ­
  und  besser  nähren,  speziell  die
Margarine  und  das  Faßfett  müßten  sofort ­
  verschwinden,  dann  kämen  erst
diese  und  jene  Luxusgegenstände,  die
ich  mir  anschaffen  würde.  (4.  t.)  (M.B.]
malen.  —  kleines  Landhaus,  Garten
und  etwas  Kleinvieh.  (3.)  [M.  S.]

31

32,-31



9 1 /2  Nähmasch.-




28,—

10  Bau-Icohlnciser


205
        <pb n="153" />
        u,
ü
&amp;lt;

U.
4&amp;gt;
T3
C
5
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
eschäftigung

Jhr.

£

M.

Std.

03

32

2

CP
O
1

10

Schlosser ­


Vor  allen  würde  ich  die  großen
Lücken  in  Wissen  so  viel  als  möglich
ausfüllen,  ins  Theater  gehen  und  vor
allen  könnte  ich  mich  mehr  um  die
Erziehung  der  Kinder  kümmern.  Und
auch  des  eigenen  Ichs  —  Vor  allen
würde  um  einen  Blick  hinnein  ins
Weltall  zu  thun  mir  ein  astronomisches ­
  Fernrohr,  um  hinnein  in  die  Geheimnisse ­
  der  kleinen  Welt  ein  Mikroskop ­
  kaufen  (1.)  [M.  B.]

32

4

25,—

10

Metallarbeiter ­


Ich  wünsche  mit  der  Familie  mehr  zusammen ­
  sein  weil  sonst  die  Kinder
sehr  vernachläßigt  werden  doch  muß
man  auch  freie  Zeit  für  sich  selbst
haben  um  zu  lesen.  —  Ich  würde  wenn
Geld  vorhanden  wär  ein  3tes  Bettgestell ­
  brauchen  und  sonst  fehlt  es  an
allen  Ecken.  (3.)  [M.  S.]

33

2

18,—

11

Kettenarbeiter ­


Ich  würde  mich  am  liebsten  mit
schöne  Werke  befassen,  mich  durstet
es  nach  Wissen,  da  ich  nur  die  einfache ­
  Bauernschule  besucht  habe,  und
da  man  gewöhnlich  nicht  viel  Lernen
kann,  so  komt  es  im  späteren  Leben,
etwass  schwer  an,  wenn  man  immer
auf  dem  Standpunkt  der  Zeit  stehen
will.  Auch  würde  ich  von  Zeit  zu  Zeit
einen  kleinen  Spaziergang  machen;
um  wieder  etwas  zersträuung  suchen. ­
  —  Wen  ich  das  nötige  Geld

206

Durchschn.
Wochenverdienst ­


M.

O  C/5
Tä  *3
:cö  X&amp;gt;

Std.

hätte,  würde  ich  mich  mit  der  Weltgeschichte ­
  befassen,  Grichische  u.
Römische  Geschichte,  Sozialpolitische ­
  Werke,  Gesetzeskunde  und  Kosmus. ­
  (3.)  [M.  O.]

30,—  10

21,—  10

Metall-|
  arbeiter

Eisenbohrer ­


Ich  würde  mich  ausschließlich  dem
Studium  hingeben.  Von  der  Höhe  der
Bildung  der  ges.  Arbeiterschaft  hängt
nicht  nur  die  Schnelligkeit  der  Emanzipation ­
  und  ihr  Wohl  ab,  sondern
auch  das  Wohl  der  ges.  Menschheit.
Durch  das  Studium  will  ich  mir  nicht
etwa  persönliche  Vorteile  verschaffen,
sondern  alles  soll  für  die  Gesamtheit
sein,  nur  das  Eintreten  für  die  Gesamtheit, ­
  schließt  das  pers.  Wohl  gleichzeitig ­
  ein.  Neben  dem  Studium  würde
ich  natürlich  der  Körperpflege,  Turnen ­
  etc.  nicht  vergessen,  da  die  Arbeiterschaft ­
  um  ihrer  selbst  willen,  vor
allem  des  Körpers  zu  denken  hat.  —
Ich  würde  mir  vor  allem  eine  Bibliothek ­
  anlegen,  d.  h.  die  meinige,  die
etwa  300  Bände  zählt,  vergrößern.
Sodann  würde  ich  meine  Wohnung  in
ihrer  Einrichtung  ergänzen  und  dieselbe ­
  mit  Produkten  der  Kunst  ausschmücken. ­
  (x.)  [M.B.]
Zuerst  die  möglichst  freie  Zeit  zur
Erziehung  u.  Belehrung  meiner  3  Jungen ­
  verwenden.  Die  in  unserer  Partei
207
        <pb n="154" />
        t-U


&amp;lt;V
a

G  ■  •*-*
Ä  C  52

ö

Sd

“  ja  .2
Ä  0-0

&amp;lt;

P  O  u

&amp;gt;•
&amp;lt;D

Q

jhr.

£

M.

3  5  j  1  30,-63

  1  28,-  lOVs

Metallarbeiter ­


u.  Gewerkschaftspresse  empfohlenen
Bücher  gründlich  durchstudieren.  —
Am  liebsten  eine  kleine  Landwirtschaft ­
  wo  mir  der  volle  Ertrag  meiner
Arbeit  bliebe.  (3.  t.)  [M.  O.]
Ich  würde  mir  im  Walde  Erholung  suchen. ­
  —  Landwirtschaft.  (3.  t.)  [M.  S.]
An  meiner  Weiterbildung  arbeiten;
Mein  Kind  so  gut  ich  vermag  selbst
erziehen,  durch  gemeinsame  Studien
in  der  Natur  und  mit  Hilfe  guter  Bücher. ­
  —  Ein  kleines  Häuschen  mit  Garten; ­
  Meine  Bibliothek  vervollständigen. ­
  Bilder  von  wirklichem  Kunstwert
besitzen.  (2.)  [M.  S.]

Former

I

Former

Ich  würde  mit  der  Astronomi  und  der
Naturwissenschaft  in  Verbindung  treten. ­
  —  Ich  würde  mich  eine  Landwirtschaft ­
  in  der  Nähe  vom  Walde  gründen ­
  das  ich  nicht  mehr  von  jemanden
abhängig  wäre.  (3.)  [M.  B.]
Bei  schönem  Wetter  würde  ich  spazieren ­
  gehen,  bei  schlechtem  Wetter
würde  ich  mich  mit  Lesen  und  Malen
beschäftigen.  —  Ich  würde  mir  ein
Grundstück  kaufen  und  darauf  eine
Fabrik  bauen,  um  alle  diejenigen
unterzubringen,  die  infolge  ihrer  agitatorischen ­
  Tätigkeit  der  Rache  des
Unternehmers  preisgegeben  sind.  (1.)
[M.B.]
        <pb n="155" />
        Wieviel  Kinder

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

M.

Std.

&amp;lt;  o
w
u
CQ

Kunst  hinzugeben.  Leider  ist  man  zu
abgespannt  dazu  und  verdrießlich,
eben  weil  man  sich  nicht  ungestört
der  Kunst  hingeben  kann.  —  Außer
meiner  Leidenschaft  zur  Malerei
würde  ich  mir  wissenschaftliche  Werke
anschaffen,  z.  B.  „Weltall  und
Menschheit.“  Himmelskunde,  Tiefseeforschung, ­
  das  Werk  des  berühmten ­
  Schweden  Syven  Hedin  ;u.  s.  w.  Leider ­
  sind  bei  den  heutigen  erbärmlichen ­
  Verhältnissen  die  Mittel  zu  klein
um  derartiges  ausführen  zu  können.
(2.)  [M.B.]

41  ;  3

38,

10

Dreher

i.  Ich  würde  alles  das  tun,  welches
meinen  Geist  erweitern  und  bilden
könnte;  2.  Meinen  Körper  stählen;
meine  Gesundheit  zu  erhalten  bestrebt
sein  und  meinen  Mitmenschen  behilflich ­
  sein,  meine  Familie  unterhalten
u.  s.  w.  —  Nur  dasjenige,  was  ein  kultivierter ­
  Mensch  beanspruchen  kann,
(i.)  [M.B.]

42

40,—

10

Metall-  Mich  weiterbilden.  Außerdem  meinen
arbeiter  Ideen  leben.  Mein  Sinnen  und  Denken ­
  umfaßt  Kunst  und  Dichtung,  fortgeschrittene ­
  Technik,  sociales  Leben
der  Gegenwart  und  Bildung  einer
neuen  großen  Zukunfts-Menschheits-Bewegung.
  —  Ich  selbst  bin  ziemlich
|  bedürfnislos.  Hätte  ich  mehr  Geld,  als

210

zum  Leben  gebraucht  wird,  so  würde
ich  eine  neue  Gemeinschaft  auf  Liebe
und  Kraft  basierend  organisieren.  (2.)
[M.  B.]

43

44

38,—

23,-Metall-




Kettenarbeiter ­


Hinaus  würde  ich  eilen  in  die  schöne
Natur.  Verweilen  würde  ich  in  tiefster
Waldeinsamkeit,  an  plätschernden  Bächen, ­
  lieblichen  Seen,  auf  grünen
Fluren.  Hinauf  steigen  auf  grüne
Berge.  Wandern  möchte  ich  durch
herrliche  Täler,  schattige  Wälder  und
anmutige  Ortschaften.  Ein  kleines  einfaches ­
  Häuschen  fern  vom  Großstadtgetriebe ­
  möchte  ich  haben.  Künstlerischen ­
  Wandschmuck,  gute,  lehrreiche
Bücher.  (2.)  [M.  B.]
Jt
Ich  wünschte  mir  wenn  ich  möchte
mehr  Geld  haben,  genügend  Brod  zu
kaufen.  (4.)  [M.  O.]

45

24,—

10  Vs

Feilenhauer ­


Ich  würde  Morgends  und  Abends
Waldpartien  machen  Parteiliteratur
studieren  ;u.  die  andere  Zeit  zum
Schlaffen  verwenden.  —  Ich  kaufte
mir  ein  kleines  Landgutt  nebst  Hausthieren,
  eine  Singvögelzüchterei  u.
hielt  mir  drei  Frauen  (3.)  [M.  S.]

46

36,-S’/s



Dreher

Vornehmlich  lesen  und  malen,  aber
auch  einzelnen  Problemen  nachhän-.14'



211
        <pb n="156" />
        212

Alter

Ui
&amp;lt;D
TJ
C
5
.!?
a&amp;gt;

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Tägliche
Arbeitszeit

Art  der
eschäftigung

Jhr.

M.

Std.

oa

47

3

21,—

10

Kettengen.

  Bin  ziemlich  wunschlos,  was
meine  Person  betrifft.  Zu  geben  steht
mir  eher  zu  Sinn.  Doch  würde  ein
Häuschen  in  der  Nähe  von  Wasser
und  Wald  mit  einem  Garten  daran
mir  sehr  gefallen  und  für  mich  nur  ein
freundliches  Zimmerchen  mit  schönen
Büchern  und  einem  treuen  Hund.  (2.)
[M.B.]
So  viel  wie  möglich  im  Freien  die

arbeiter

schöne  frische  Luft  genießen,  und  so
viel  wie  möglich  in  der  Politischen
Lektüre  vertiefen.  —  Die  Schriften  von
K.  Marx,  H.  Engels  und  Lassalles!
Leider  ist  es  tausende  von  Arbeitern
nicht  vergönnt,  solche  Ehrenwerthe
Sachen  kaufen  zu  können;  wegen
Mangel  an  Geld.  (3.)  [M.  O.]

a)  Was  würden  Sie  tun,  wenn  Sie  täglich  genügend
Zeit  für  sich  hätten?

Der
Familie
widmen

In  die  Natur ­
  gehn

Agitieren
f.  Partei  u.
Qewerksch.

Mich  weiterbilden ­


Malen

Diverses

Metallarbeiter  Berlin

177

56

108

256

69

46

Metallarbeiter  Solingen

91

40

62

194

46

168

Metallarbeiter  Oberstein

148

12

7

39

2

78

Summa:

416

108

177

489

117

292
        <pb n="157" />
        213

b)  W  as  würden  Sie  sich  für  Dinge  anschaff  en,
wennSiedasnötigeGeld  hätten?

Gute
Kleidung

Bibliothek ­


Gute
Wohnung

Genügd.
Essen

Häuschen
mit  Land

Diverses

Metallarbeiter  Berlin

18

137

118

—

261

178

Metallarbeiter  Solingen

39

187

62

4

58

251

Metallarbeiter  Oberstein

84

18

14

61

38

71

Summa:

141

342

194

65

357

500

c)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Metallarbeiter  Berlin  —
Metallarbeiter  Solingen  95
Metallarbeiter  Oberstein  109

3.  Welche  Hoffnungen  und  Wünsche  haben  Sie?
Der  entwickelte  und  nach  der  Tiefe  einer  einheitlichen  Weltanschauung ­
  strebende  Proletarier  wird  von  dem  Massengefühl
und  Massenbedürfnis  nach  einer  besseren  materiellen  Existenz
weitergehen  und  nicht  nur  fragen:  „Was  habe  ich  davon?“,
sondern  auch:  „Was  haben  die  andern  davon,  was  hat  die  Welt,
was  hat  die  Menschheit  davon?“  Das  Wollen  wirkt  über  die
Wünsche  der  eigenen  Person  hinaus  in  die  Weite  eines  großen
Idealismus.  Aus  dem  Wollen  für  sich  selbst  wird  ein  Glauben
und  Hoffen  für  alle.  Der  Grundzug  bleibt  immer  ein  gewaltiges,
gesundes  Wollen,  kein  verschwommenes  Wünschen.  Auch  im
Lichte  nüchterner  Reflexion  tritt  das  Individuelle  zurück  vor  dem
Allgemeinen,  vor  der  Sache,  der  Klasse,  der  Gesamtheit
„Was  ich  von  Herzen  wünsche  schreibt  ein  Bergarbeiter,
„wäre:  Man  sollte  endlich  das  Studium  über  die  Arbeitskraft
in  dem  Sinne  aufnehmen,  daß  man  nicht  stets  herauszutifteln
versuchte,  wie  viel  ein  Arbeiter  zu  leisten  im  Stande  ist,  sondern
lieber  nachzuforschen,  wie  man  die  herabwürdigende  und  geistestötende
  Arbeit  am  Besten  in  die  notwendigste  Grenze
        <pb n="158" />
        herunterregulieren  könnte.“  Ein  Metallarbeiter:  „Schraube  meine
Hoffnungen  und  Wünsche  stets  auf  ein  Minimum  herab.  Hierdurch ­
  allein  bekommt  man  einen  gewissen  Grad  von  Zufriedenheit ­
  und  Festigkeit  im  Wollen.  Man  wird  selbstloser.“  Ein  Textilarbeiter: ­
  „Ich  wünsche  mir  wenigstens  soviel  zu  ersparen,  um
im  Alter  nicht  darben  zu  müssen.  Dann  will  ich  heruntersehen
auf  das  wirre  Getriebe,  welches  man  Leben  nennt.  Heute  wünsche ­
  ich  das  Eine:  Die  Werktagsarbeit  soll  und  darf  nicht  von
mir  als  sklavische  Pflicht  gefordert  werden  etc.“

Welche  Hoffnungen  und  Wunsche  haben  Sie?
Bergarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

Alter

&amp;lt;D
T3
.5
5
’S
*&amp;gt;

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
:schäftigung

Jhr.

M.

CQ

20

—

17-Hauer



Ich  hoffe  mir  besser  zu  gehn  und  wünsche ­
  dies  zu  erwarten,  wenn  wir  mal  die
Ochsen  aufwecken,  die  jetzt  noch  tief  im
Schlafe  liegen.  (4.)  [B.  S.]

21

20,—

Lehrhauer ­


Lieber  durch  die  Waffen  sterben  alls  denn
Tod  durch  Hunger  erleiden.  Ich  möchte
auch  sagen  daß  es  uns  bald  eine  andere
Zeiten  folgen  werden  3.40  M.  pro  Schicht
verdienen  und  zu  dann  noch  eine  alte
Mutter  zu  nähren  so  kann  mann  keine  gute
Kost  führen.  Höchstens  saure  Suppen  und
Heringe.  So  ist  das  Los  des  öberschlesischen
  Hauers.  (3.)  [B.  S.]

22

25,—

Bergmann ­


Einen  Wunsch  hab  ich  nur  für  mich  und
die  ganze  Menschheit.  Das  Sie  bald  recht
bald  mitgenieße  von  den  Schönheiten  der
Welt.  Genug  birgt  die  Welt  davon  um
alle  Menschen  glücklich  und  zufrieden  zu
machen.  (2.)  [B.  R.]

214

Jhr.

&amp;amp;

c  &amp;amp;
"  *  G

o  &amp;lt;d
w  r  -
■§  g  ’S
^  O

M.

23

24

4

25

26

20,-23,-



  Berg-  Ich  hoffe  das  wir  einst  aus  diesem  Sklamann
  fenjoch  raus  kommen  und  ein  besseres  Dasein ­
  vristen  wir  wir  es  heute  haben.  (4.  t.)
[B.R.]
Berg-  Ich  hoffe  daß  sich  die  Zeit  dahin  wenden
mann  möge,  daß  man  wenigstens  einmal  im  späteren ­
  Leben  an  den  Freuden  dieser  Welt
teilnehmen  kann.  Denn  die  Jugendzeit
habe  ich  im  Kampfe  für  bessere  Lebensbedingungen ­
  geopfert.  Ich  hoffe  daß  ich
vieleicht  einmal  die  Zeit  lebe,  daß  ich
wenigstens  Jährlich  vieleicht  14  Tage  wenigstens ­
  dazu  benutzen  könnte  eine  Reise
zu  tun.  Damit  ich  am  Ende  meiner  Tage
wenigstens  mehr  gesehen  habe  als  den
schrecklichen  Schlund  des  Schachtes.  (3.)
[B.  Schles.]
Berg-  Meine  Hoffnungen  und  Wünsche  sind
mann  zahlreich.  Kurz,  ich  wünsche  ein  anderes,
menschenwürdigeres  Leben  zuleben.  Denn
dieses  Leben  unterscheidet  sich  nicht  viel
von  dem  Leben  eines  Sklaven  oder  Lasttieres. ­
  Und,  da  ich  dieses  andere  Leben
nur  durch  die  erringung  der  Freiheit  bekommen ­
  kann,  so  wünsche  ich  nichts
sehnlicher,  als  daß  man  endlich  den  Kampf
für  die  Freiheit  wagt.  Und  für  diesen
Kampf  wünsch  ich  mir  nur  dies  eine:  Lieber ­
  Tot  als  wieder  Sklav.  (3.  t.)  [B.  S.]
21—  Schlep-  Ich  wünsche  mir  in  Sozialdemokratischen
per  !  Sinn  Sterben.  (3.)  [B.  Schles.]
215
        <pb n="159" />
        Jhr.

C  i  ■*-“
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r  o  t.

M.

M
B
3
M

3
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27

28

29

30,—

30,—

17,—

Bergmann ­


Bergmann ­


Grubenarb. ­


30

30,—

Bergmann ­


Eine  bessere  Zukunft  wenn  nicht  direckt
für  uns  dann  doch  für  unsere  Nachkommen. ­
  (3.  t.)  [B.  R.]
Ich  wünsche  nur  einmahl  gründlich  mit
dem  Kapitahl  Auf  zu  reuhmen,  und  es
wird  eine  kleine  Sache  sein.  Wenn  wier
geschlossen  vorgehn  werden.  (3.)  [B.  R.]
Mein  Wunsch  und  meiner  Frau  Wunsch
ist  daß  wier  keine  Kinder  mehr  bekommen.
Da  redet  Herr  Bebel  vom  Schein  der
Wissenschafftlichkeit,  wenn  sich  ein  Arzt
hergiebt  jund  den  Armen  geplagten  Aufklärung ­
  giebt  über  Verhütung  der  Empfängnis. ­
  Man  verlangt  die  Frau  soll  sich
emanziepieren.  Aber  wenn  er  wüßte  wie
es  um  die  meisten  Arbeiterfrauen  steht.
Ihr  ganzes  Denken  und  Fühlen  ist  auf  die
Verhütung  der  Empfängnis  gerichtet.  Man
sieht  es  überall  an  der  Unterhaltung.
Bleibt  die  Mennstration  zum  Datum  aus,
gleich  ist  die  Angst  groß,  denn  jede  Arbeiterfrau ­
  weiß  was  ein  Kind  mehr  bedeutet, ­
  wieder  mehr  Sorge  und  Not  denn  der
Verdienst  steigt  nicht.  So  ist  bei  der  Arbeiterfrau ­
  ein  fortwärendes  in  der  Angst
leben  von  einer  Perieode  zur  andern,  denn
auch  die  Preservativs  verfehlen  oft  die
Wirkung.  (3.)  [B.  Schles.]
Hoffnungen!  Wünsche!  Welche  Menschenseele ­
  würde  dieses  nicht  haben.  Sind

216

Durchschn.
Wochenverdienst ­


doch  die  Wünsche  und  Hoffnungen  des
Menschenherzens  unberechbar.  Da  hofft
man  in  kindlicher  Naivität,  auf  etwas
Großem,  Unerwartenem,  das  da  eintreten
wird,  ihn  frei  machen,  und  allen  Sorgen
entheben  wird.  Da  jagt  man  ungewissen
Zielen  zu,  die  gleich  einer  Fata-Morgana
am  fernen  Horizonte  verlockend  und
gleißend  liegen,  so  weit,  so  unerreichbar.
Dieses  große  hoffen  und  wünschen  der
Menschenseele  zu  entziffern,  wird  keinem
gelingen.  Man  hofft,  man  wünscht,  stellt
Berechnungen  an,  und  wenn  man  es  hat,
ist  man  wiederum  des  Wünschens  noch
nicht  satt.  (2.)  [B.  R.]
Meine  Hoffnungen  und  Wünsche  sind  nur
das  sich  alle  Menschen  möchten  zusammenschließen ­
  um  Nächstliebe  zu  pflegen
und  den  Urgeist  durch  Thaten  anzubeten.
Dann  wird  keine  Grenze  mehr  sein  zwischen ­
  Nachbar  und  Nachbar  aber  auch
keine  mehr  zwischen  Gott  und  den  Menschen. ­
  (2.)  [B.  Schles.]

15,—

Bergarbeit. ­


Ich  habe  Hoffnung,  daß  nächstes  Jahr  im
Reichstage  sämtliche  Sozialisten  sitzen
werden  und  hoffe  besserung.  Mein  bester
Wunsch  wäre  daß  ich  mit  der  Fahne  voran ­
  und  mit  den  Kapitalisten  und  Junker
ein  Krieg  zu  führen  und  bis  auf  den  letzten
nieder  mähen.  (3.)  [B.  Schles.]

217
        <pb n="160" />
        Hauer  j  Ich  bin  im  Punkte  Hoffnung  sehr  skeptisch. ­
  Selbstverständlich  wünsche  ich,  das
die  naturnotwendige  Evolution  des  ökonomischen ­
  Gesellschaftsprozesses  sich  recht
I  schnell  in  freiere  Bahnen  dränge,  so
schnell  wenigstens,  das  meine  Kinder
Früchte  pflückend  das  erlangen,  was  ich,
ihr  Vater  ahnungsfroh  mit  pflanzen  half.
Vor  allem  aber,  das  sich  auch  das  psychologische ­
  Gesammtbild  der  Menschheit  in
ästetischer  Hinsicht,  der  freiesten  Menschenwürde ­
  entsprechend  ausreihe.  (2.)

[B.R.]

33

33,—

Bergmann ­


34  3  18,—

Bergmann ­


Ich  hätte  den  Wunsch  daß  mal  die  Zeit
käme  wo  ich  nicht  als  gewöhnlicher  Bergarbeiter ­
  mein  Leben  frißten  müßte.  Denn
ich  weiß  das  ich  als  Arbeiter  in  der  heutigen ­
  Gesellschaftsordnung  nicht  als  Mensch
betrachtet  werde.  (3.  t.)  [B.  R.]
Derarte,  daß  ich  meine  Frau  u.  das  alte
stützungslose  Mütterchen  dereinst  aus
meinen  Arbeitssoldersparnissen  anständig
begraben  werden  könnten.  Denn  bisher
reicht  uns  garnicht  mal  dreimal  in  der
Woche  anständig  auf  solchen  Verdienst
zu  essen.  (3.)  [B.  Schles.]

Ich  hoffe  u.  wünsche,  daß  ich  die  Befreiung ­
  der  Arbeiterschaft  noch  erlebe  und
daß  meine  Kinder  so  wie  ich  regen  Antheil
  nehmen  am  Geschick  des  Volkes  und

218

als  tüchtige  Gewerkschaftler  u.  Parteigenossen ­
  zu  jeder  Zeit  u.  an  jeder  Stelle
Ihren  Mann  stehen.  Und  daß  es  mir  vergönnt ­
  sein  möge  an  meinem  Ende  zu
sagen.  Nicht  Geld  u.  Gut  kann  Ich  Euch
hinterlassen,  aber  eine  gute  u.  edle  Erziehung. ­
  Ich  habe  am  Zukunftsglück  der
Menschheit  mitgearbeitet,  jetzt  übernehmt
mein  begonnenes  Werk  und  bringt  es  zur
Vollendung,  (x.)  [B.  R.]
Habe  den  sehnligsten  Wunsch,  daß  die
arbeitenden  Massen  aus  ihrer  Letargie  aufgeweckt ­
  werden  möchten,  um  zu  begreifen, ­
  welchen  Zweck  ihr  Dasein  hat.  Solange ­
  sie  noch  mit  ihrer  Ware  „Arbeitskraft“ ­
  zu  Markte  gehen  können,  kommt
den  meisten  der  Gedanke  nicht,  daß  es,
so  bald  man  dem  Kapital  nichts  mehr
nützt,  bald  anders  wird.  Aus  diesem
Grunde  verachte  ich  alle  Institute,  in  denen
sie  dem  Arbeiter  Genügsamkeit  und  Entsagung ­
  predigen,  wogegen  gerade  dem  Ar-1
  beiter  das  Recht  zustehen  müßte,  in  vollem
Maße  an  den  Segen  der  Kultur  teilzunehmen. ­
  Da  ich  nun  mehr  berechtigte  Hoffnungen ­
  als  wie  erfüllbare  Wünsche  habe,
so  bin  ich  fest  davon  überzeugt,  daß  es
mit  Hülfe  des  klassenbewußten  Proletariats
über  kurz  oder  lang  doch  gelingen  wird,
die  Lage  der  ums  tägliche  Brod  ringenden
Menscheit  mehr  und  mehr  zu  bessern.  (1.)
[B.S.]

219
        <pb n="161" />
        &amp;lt;L&amp;gt;
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&amp;lt;

|hr.

E*

M.

CQ

35

5

28,—

Bergmann



36

4

22,—

Bergmann



Daß  ich  selig  werde.  (3.)  [B.  S.]
Mein  Wunsch  ist  der,  daß  ich  nun  teilen
möchte,  in  der  Hinsicht  daß  ein  Jeder  waß
bekommt,  da  könnten  wir  uns  ein  Jeder
auf  seinem  eigenem  Grundstück  Tummeln
können.  (3.)  [B.  Schles.]

36

5

24,—

Bergm.

Keine.  (4.  t.)  [B.  S.]

37

20,—

Bergmmann


Daß  ich  bald  bei  meiner  Hände  Arbeit
mich  richtig  satt  essen  könnte.  (3.)  [B.
Schles.]

37

7

Bergmann ­


Ich  hoffe  und  wünsche,  daß  die  Zeit  nicht
mehr  fern  ist,  in  welcher  alle  Menschen
ohne  Standesunterschied  ein  Dasein  fristen
wie  es  eines  Menschen  würdig  ist  und
die  Ausbeutung  des  Menschen  durch  den
Menschen  endlich  aufhört.  (3.  t.)  [B.  S.]

Bergmann ­


39

5

35,—

Bergmann ­


Ich  hoffe  soviel  zu  verdienen,  daß  ich  und
meine  Familie  nicht  mehr  an  Unterernährung ­
  leiden.  (3.)  [B.  Schles.]
Mein  gröster  Wunsch  ist,  recht  füll  zu
lernen  um  die  unwissende  Arbeiterschaft
aufzuklären.  (3.)  [B.  R.]

5

Bergmann ­


Ich  wünschte  das  die  Bibel  verworfen
würde  und  die  freie  Natur  gelehrt  würde.
(3  )  [B.R.]

220

C  ,  ~
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v&amp;gt;  J2  &amp;lt;u
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S  W&amp;gt;
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M.  M

30,—  Bergmann ­


Mein  Herzenswunsch  wär  daß  ich  für
meine  harte  und  Gefahrvolle  Arbeit  eine
Anständige  Behandlung  und  wenichstens
so  viel  daß  ich  ein  Menschen  würdich  Dasein ­
  haben  könnte  aber  viel  Hoffnung  habe
ich  nicht.  (3.)  [B.  R.]

Bergmann ­


Meine  Hoffnung  und  Wünsche  ist  die,
das  bald  eine  Umwälzung  kommt,  den  so
kann  ete  (nicht  mehr  weiter  gehen.  Wen
die  heutige  Gesellschaft  der  Besitzenden
das  Lebenslicht  aus  geblasen  würde,  und
der  zukunftstaat  in  seine  Fungsion  trätte
dan  wolte  ich  gerne  Sterben  und  die  über
Lebenden  beglück  Wünschen.  (3.)  [B.  R.]

Bergmann ­


Daß  es  noch  recht  fiele  Menschen  erkennen ­
  möchten,  daß  es  noch  einen  lebendigen ­
  Gott  und  einen  lebendigen  Glauben
giebt.  (3.)  [B.  Schles.]

Bergmann ­


Ich  wünsche  in  erste  linige  das  es  allen
Menschen  wohl  gehe  und  das  die  Armut
von  der  Menschheit  verschwinde  und  hoffe
daß  das  Heil  im  Sosialismus  ligt  und
wünsche  auch  das  alle  Arbeiter  mit  den
gedanken  des  Sosialismus  begabt  wehren
da  mit  es  endlich  hell  unter  der  Menschheit ­
  wird.  (3.)  [B.  S.]

Bergmann ­


Ich  wünsche  wenn  die  Zeit  bald  kämme
daß  der  Arbeiter  in  der  menschlichen  Gesellschaft ­
  auch  als  Mensch  anerkannt

221
        <pb n="162" />
        222

Jhr.

M.

ca

3

18-Berg

 ­



4

16,—

Bergmann ­



5

17,—

Bergmann ­



wäre,  was  jetzt  nicht  der  Fall  ist,  denn  die
Tiere  werden  in  der  Grube  besser  behandelt ­
  wie  der  Arbeiter  und  bekommen  auch
genug  zu  fressen  und  der  Arbeiter  mit  6
Kindern  kann  nicht  so  leben  wie  es  sich
gehört.  (3.)  [B.  R.]
Bis  jetzt  hoffe  ich  nur  noch  das  mich  der
Todt  von  meine  Leiden  erlösen  möchte.
(3.)  [B.  Schles.]
Das  ich  nach  diesem  beschwerten  Erdenleben ­
  Gott  von  angesicht  zu  angesicht
schauen  könnte  was  auch  bei  den  Menschen ­
  geschehen  wird,  wenn  wir  nur  darnach ­
  leben  Gott  lieben  über  alles,  und
den  Nächsten  wie  uns  selbst.  (3.)  [B.
Schles.]
Ich  wünschte  ich  könte  Infaliede  werden,
aber  solange  wie  Man  noch  Stehn  kan  u.
etwas  gesichts  färbe  hat  so  heistes  gleich
Och  sie  könen  noch  arbeiten  sie  wollen
blos  nicht.  (3.)  [B.  Schles.]

a)  Welche  Hoffnungen  haben  Sie?

Keine

Selig  zu
werden

Auf  den  Sieg
der  Sozialdemokratie ­


Mehr  zu
verdienen

Diverses

Bergarbeit.  Ruhrgebiet

41

34

254

194

287

Bergarbeit.  Saargebiet

84

20

128

259

229

Bergarbeit.  Schlesien

128

69

56

137

164

Summa:

253

123

438

590

680
        <pb n="163" />
        b)  Welche  Wünsche  haben  Sie?

Keine

Menschenwürdiges ­
  Dasein

Besseres  Leben ­
  f.  d.  Kinder

Mit  d.  Kapitalisten ­
  abzurechnen ­


Bald  zu
sterben

Richtig  satt  zu
essen

Mehr  zu  verdienen ­


Den
Zukunfts-Staat

Diverses

Bergarbeit.  Ruhrgebiet

141

62

148

59

2

4

139

164

91

Bergarbeit.  Saargebiet

184

50

61

12

—

17

161

81

155

Bergarbeit.  Schlesien

128

86

27

16

31

51

140

17

58

Summa:

453

198

236

87

33

72

440

262

304

c)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:
wurden  durchweg  beantwortet.

Welche  Hoffnungen  und  Wünsche  haben  Sie?
Textilarb  eiter.  Kntlohnungsform:  durchweg  Akkord.

u.
d&amp;gt;
&amp;lt;

t-&amp;lt;L&amp;gt;

T3
C
5
2
’&amp;gt;
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochen-|
  verdienst

Art  der
eschäftigung

Jhr.

$

M.

ca

20

17-Weber



Habe  Hoffnung  daß  das  Zwanzigste  Jahrhundert ­
  den  Freiheitskrieg  mit  sich  bringen
muß  und  wünsche  es  recht  bald  meine
Sklaven  Fesseln  abzuschütteln  und  ein
Menschliches  Leben  zu  früsten.  (3.)
[T.F.]

21

16,—

Weber

Mein  Wunsch  wäre,  erstens  eine  dauernde
Existens  einen  Lohn  der  den  Wirtschaftlichen ­
  Verhältnissen  entspricht  und  eine
Allgemeine  Gleichberechtigung  in  Verschiedenen ­
  Angelegenheiten.  (3.)  [T.  F.]
223
        <pb n="164" />
        224

225

22

23

24

25

21,—

Muster ­

 ­



18,—

Sticker

22,—

Weber

20,—

Spinn.

Mein  einziger  Wunsch  ist  der  Frei  zu  sein
von  dem  Joch  der  Sklaverei.  (3.)  [T.  B.]
Ich  möchte  durch  Arbeit  u.  Ausdauer
meine  Ideale  zu  verwirklichen  suchen.  (2.)
[T.B.]
Daß  der  Sozialismus  sich  verwirklichen
möge.  (3.  t.)  [T.  F.]
Ich  Hoffe  und  Wünsche  das  die  Befreiung
des  Prolitariats  von  den  Vesseln  so  bald
wie  möchlich  befreit  wird.  (3.)  [T.  F.]

26

2

33,—

Teppich ­
 ­


Vorläufig  nur  den  Wunsch,  daß  man  nicht
von  der  Hand  in  den  Mund  leben  muß.
Wenn  man  krank  ist,  darf  man  sich  noch
einmal  krank  melden,  um  nicht  Gefahr  zu
laufen,  seine  Stellung  zu  verlieren.  Diesen
Zustand  beseitigt  zu  wissen,  ist  gewiß  ein
bescheidener  Wunsch,  aber  solange  der
nicht  Erfüllung  gehen  kann,  ist  auch  Hoffnung ­
  auf  Erfüllung  anderer  Wünsche  aussichtslos. ­
  (2.)  [T.  B.]

27

2

Weber

Das  eine  Revolion  kommen  möge.  Denn
so  kann  es  nicht  weiter  gehen.  (3.)  [T.  F.]

28

3

30,—

Plüsch
weber

Ausgehend  von  der  Erkenntnis,  daß  in
absehbarer  Zeit  von  der  Herrschaft  des
Kapitals,  das  Volk  sich  zu  befreien  un^
fähig  gemacht  worden  ist,  von  einigen  po-Durchschn.


Wochenverdienst ­


w&amp;gt;
c
5&amp;gt;  3&amp;gt;
•a  £
IC3
• a
m
9
ca

litischen  Drahtziehern  —  wäre  es  mein  innigster ­
  Wunsch,  wenn  die  Künstler  und
Wissenschaftler  dazu  schreiten  würden,
Fühlung  zu  suchen  mit  den  Arbeitern  und
umgekehrt,  wenn  man  ferner  den  Arbeiter
nicht  als  Lasttier  sondern  als  Menschen
mit  denselben  geistigen  Fähigkeiten  wie
alle  andern  Menschen  betrachten  wolle.
(2.)  [T.B.]

18,—

Tuchweber ­


Ich  möchte  dem  ganzen  Maschinengerassel ­
  und  großem  Menschengetriebe  entfliehen. ­
  Innerhalb  eines  mäßigen  Menschenkreises ­
  wo  die  Leute  ebenso  denken
und  fühlen  möchte  ich  mein  Leben  gern
verbringen,  vielleicht  in  einer  schönen  Gebirgsgegend ­
  ein  kleines  Häuschen  mit  Garten ­
  besitzen.  Ich  hoffe  als  solider  Mensch
es  bei  fleißiger  Arbeit  dahin  zu  bringen,
daß  ich  ein  einigermaßen  anständiges
und  menschenwürdiges  Dasein  führen
kann.  Sonst  hege  ich  für  die  ganze  Zukunft ­
  keine  übergroßen  Hoffnungen.  (2.)
[T.F.]

16,-Weber



Hofnungen  habe  ich  nicht  viel  aber  destomer
  hätte  ich  Wünsche.  Ich  will  aber
sehr  bescheiden  sein.  Ich  wäre  froh  wen
ich  soviel  verdiente  das  meine  Frau  nicht
mer  in  die  Fabrik  gehen  brauchte,  und
sich  dem  Häuschen  und  den  Kindern  widmen ­
  könnte.  (3.  t.)  [T.  F.]
        <pb n="165" />
        o
&amp;lt;
Jh7.

G  ,  —
Ä  C  “
O  (L)  G
«ä.2
o  g-a

M.

64
C
3
64

«&amp;lt;  O
OB
&amp;lt;U
ca

30

28,

Posamen ­
 ­


Glücklich  zu  leben  und  mich  dem  Drange
meiner  Wünsche  zu  widmen,  den  ich  male
und  habe  jetzt  wider  5  große  Bilder  fertig.
(3-)  [T.B.]

31

2

ie,—

Fabrikweber ­


Ich  wünschte  nicht  übrig  alt  zu  werden
daßman  nicht  zu  lange  sich  zu  quälen
brauchte,  den  in  der  häutigen  Weltordnung
kanns  der  Arbeiter  zu  nichts  bringen,  weil
er  von  allen  entrechtet  wird.  (3.)  [T.  F.]

31

3

23,-Fabrik-




Wenn  ich  hoffe,  so  denke  ich  dabei  weniger ­
  an  mich  sondern  ich  hoffe  auf  den
endlichen  Sieg  des  Guten.  Ich  baue  dabei
auf  die  Kraft  der  unendlich  Kleinen  wie
es  in  „Schach  der  Qual“  heißt.  Wenn
hunderttausende  von  Korallentierchen  die
eine  Klippe  bilden  ein  Schiff  zum  stranden
bringen  können,  dann  müssen  auch  eben
so  viele  sich  zusammenschließende  nach
dem  Guten  strebende  Menschen  es  fertig
bringen  das  Böse  als  da  ist  Kummer  und
Elend  und  damit  gleichzeitig  die  Verbrechen ­
  zu  überwinden.  Wünschen  thue  ich
daß  diese  Umwälzung  ohne  Gewalt,  Revolution ­
  sich  vollziehen  möge.  (2.)  [T.  F.]

32

5

22,—

Spinner

Ich  habe  die  Hoffnung,  daß  durch  den  Sozialismus ­
  die  Welt  in  sich  einiger  werden
wird  daß  keine  Kriege  mehr  kommen  können, ­
  und  wünsche,  da  ich  immer  ein  müsseliges ­
  Leben  führen  mus,  das  meine  Famiele
  vor  krankheit  Und  Unglück  bewahrt

226

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bleiben  möge  und  daß  ich  wenigstens  so
lange  lebe,  bis  meine  Kinder  sich  Ihr  Brot
selbst  verdienen  können  und  daß  meine
Kinder  so  denken  und  handeln  wie  ich  es
immer  gesehen  habe  das  Sie  als  brave  aufgeklärte ­
  Menschen  auf  der  Welt  sich  ein
besseres  Dasein  schaffen  wie  ich  es  bisher
schaffen  konnte.  (2.)  [T.  F.]

32

4

29,—

Weber

Ich  wünsche,  daß  ich  mich  immer  satt
essen  kann,  was  bis  dato  nicht  immer  der
Fall  war,  daß  ich  meiner  Familie  das  Leben ­
  so  heiter  wie  möglich  gestalten  kann,
und  daß  meine  Kinder  tüchtige  u.  brauchbare ­
  Menschen  werden.  Und  wenn  es  mir
gelingt  in  meinen  Kindern  den  göttlichen
Funken,  der  in  mir  glüht,  zu  wecken,  und
zur  reinen  Flamme  zu  entfachen,  dann  will
ich  gern  das  Leben  voll  Entbehrungen  u.
Verkehrtheiten  weiter  tragen  bis  zum  Ende.
(2.)  [T.B.]

33

3

17,-Reiße-




Ich  habe  blos  den  einen  Wunsch  das  ich
einmal  soviel  verdiene,  das  ich  mit  meiner
Familie  nicht  hungern  und  darben  zu
brauche.  (3.  t.)  [T.  F.]

33

5

16,—

Spinner

Mein  innigster  Wunsch  ist  der  das  erstens
der  Staat  das  zwei  Kinder  sistem  Gesetz
werden  ließe  und  zum  andern  daß  das
ewige  Rüsten  auf  hörte  ich  glaube  ein
schön  stück  besser  würde  es  wohl  sein  für
die  Menschheit.  (3.)  [T.  F.]

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M.

CQ

34

15-34



20.-Tuch

 ­


35

35

21,—

26,—

Fabrikweber ­


Weber

Wickler

Ich  wünschte  der  Fusel  (Brantwein)  würde
abgeschafft  weil  dadurch  der  Mensch  denkunfähig ­
  wird  u.  ein  Hemmschuh  jeglicher
Aufklärung  bildet,  man  siehts  bei  uns  in
der  Parteibewegung  sie  helfen  nichts,  sind
abgestumpft,  zahlen  die  Beiträge  ungern
u.  sind  sie  voll  so  belegen  sie  sich  mit  den
gemeinsten  Schimpf  Worten!  Auch  in  den
Reihen  unserer  Partei  sieht  es  bös  aus,
die  Brüderlichkeit  läßt  viel  zu  wünschen
übrig,  die  Behandlung  ist  meistens  sehr  gehässig ­
  gegenseitig,  (i.)  [T.  F.]
Vor  allen  wünsche  ich,  daß  wir  Menschen
wirklich  als  Menschen  gegenseitig  verkehrten. ­
  Es  ist  ein  gegenseitges  Belauern
und  übeervorteilen  und  weiß  ich  nicht  ob
einst  der  Sozialismus  dieses  wirklich  aus
der  Welt  schaft,  oder  sollte  es  doch  ein
Erbteil  der  Menschlichen  Natur  sein?  (2.)
[T.F.]
Ich  hoffe  oder  wünsche  mir  ein  erträgliches ­
  Leben  im  Alter  sollte  es  nicht  werden ­
  so  schneide  ich  selbst  den  Lebensfaden ­
  ab.  Denn  nichts  ist  mir  eklicher  als
ein  elender,  kranker  u.  vielleicht  verspotteter ­
  alter  Mensch.  Ein  Gnadenbrod  von
meinen  Kindern  würde  ich  wohl  ablehnen.
(!•)  [T.  F.]
Meine  Hoffnungen  meine  Wünsche  sind
zu  Grabe  getragen,  nur  des  Lebens  hartes

M
C

Jhr.

M.

CQ

Muß  treibt  mich  vorwärts  um  das  zu  verdienen ­
  was  man  zur  Leibes  und  Notdurft
haben  muß  und  braucht.  Doch  nur  eins
bleibt  uns  treu  das  ein  Dichtermund  aus«
gesprochen  hat:
Der  Mensch  erfährt  wo  er  auch  weilen  mag
Ein  letztes  Glück  und  einen  letzten  Tag,
und  ich  füge  hinzu:
Des  Lebens  härtste  Schule  ist  das  Unverstandensein, ­

Obgleich  man  unter  Tausenden  —  steht
man  allein.  (2.)  [T.  B.]

36

2

24,—

Walker

Wünsche  das  ich  meine  beiden  Kinder
einmal  gut  versorgt  weiß  es  sind  Mädchen
und  das  ich  dan  alt  genug  bin  zum  Ster«
ben  und  das  ich  bis  zu  meinem  Tode  arbeiten ­
  kann  und  niemand  zur  Last  falle.
(3-)  [T.B.]

37

10

22,—

Weber

Bloß  die  Hofnung  um  Standesgemäß  mit
Vamielie  Leben  zu  können.  (4.)  [T.  F.]

38

6

22,—

Weber

Mein  einziger  Wunsch  ist:  Daß  die  Zeit
nicht  mehr  so  ferne  liegen  möge  in  welcher
die  sozialistische  Weltordnung  eingeführt
werde  in  welche  es  weder  hungernde  noch
schwelgende  Menschen  geben  wird.  Damit
der  Mensch  endlich  Mensch  und  kein  Tier
mehr  sei.  (1.)  [T.  F.]

39

Stricker

Ich  wünsche  ein  Menschen  würdiges  Dasein ­
  zu  führen.  (3.  t.)  [T.  F.]

229
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        Jhr.

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M.

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M

40

21,-Posa-




Weniger  die  schwere  Arbeit,  als  die  Um
gunst  der  Erwerbsverhältnisse  (starke  Familie ­
  6  Kinder)  haben  es  mit  sich  gebracht,
daß  ich  mit  keinem  Gedanken  an  die  Zukunft ­
  denke.  Eine  gewisse  Apathie  (mein
Schisma)  hat  von  mir  Besitz  genommen.
(2.)  [T.B.]

41

21,—

Weber

Das  ich  bald  von  dieser  bösen  Weid  befreit ­
  werde.  (3.)  [T.  F.]

42

18,—

Tuchmacher ­


Ich  habe  gar  keine  Hoffnung  als  wie  einem
Elenden  Tot  zu  sterben,  und  vielleicht  ein
langes  Krankenlager.  Wünsche  hätte  Ich
sehr  fühle  aber  nützen  mir  leere  Wünsche?
Das  ist  blos  ein  Traum.  Ich  würde  einen
besseren  Haushalt  führen.  Ich  würde  mich
besser  Kleiden.  Ich  würde  meiner  Familie
ein  besseres  Leben  verschaffen.  Ich  würde
mein  Kindern  eine  bessere  Schulle  geben,
als  wie  Ich  habe.  Dass  werden  sie  schon
aus  mein  Schreiben  ersehen.  Ich  würde
alles  besser  gestalten  Wenn  Ich  Vermögen
hätte,  so  ein  Staubtiehr  würde  Ich  nicht
sein.  Ich  würde  einem  Andern  auch  was
zu  kommen  lassen.  (3.)  [T.  F.]

43

5

Tuchweber ­


Zum  Schluß  habe  ich  die  Hoffnung  und
den  Wunsch  daß  die  Arbeit  zu  einer  blühenden ­
  strotzenden  Jungfrau  emborgehoben
  werde  heute  ist  sie  brostituiert  jeder
Mensch  scheut  Sie  alle  Menschen  wollen
der  Arbeit  entfliehen  die  Fabriken  sind  die

230

Jhr.

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44

18,—

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Weber

Portelle  die  Beamten  sind  die  Zuhälter  und
die  Kapitalisten  sind  die  Porteibesitzer.  (3.)
[T.F.]
Die  Streitkunst  sollte  von  unserer  Seite
unterlassen  werden  und  dieselbe  für  uns
ein  unbekannter  Begriff  sein!  Wir  müßten
uns  für  viel  zu  erhaben  dünken.  Des  Menschen ­
  —  oder  wenigstens  jedes  Einzelnen
unter  uns  —  Höchstes  Gedankenbild
sollte  sein,  mustergiltig,  vorbildlich,  glokkenrein
  kurz,  in  der  vollendetsten  Vorstellung ­
  sich  zeigend  seinen  Mitmenschen
gegenüberstellen.  Nicht  den  Feind,  sondern ­
  den  Menschen  im  Menschen  sehen,
das  ist  der  höchste  vollendetste  Gedanke!
So  verstehe  ich  die  vergesellschaftlichung
der  Menschheit!  (2.)  [T.F.]

45

8

Handweber ­


Das  ist  mein  wünsch  wen  ich  gestorben
daß  ich  in  der  Geister  Weid  nicht  zu
schlecht  ankommen  mechte.  (3.)  [T.  F.]

46

47

19,-21,—



Weber

Kettenscherer ­


Ich  bin  in  den  Hoffnung  das  ich  zu  Ihrer
Zufriedenheit  ihre  lieben  Fragen  Beantwortet ­
  habe.  (3.)  [T.  F.]
Wenn  man  in  meine  Jahre  kommt,  dann
läßt  das  Wünschen  und  das  Hoffen  langsam ­
  nach;  denn  gleich  wie  das  Laub  verlieren ­
  die  Bäume,  so  schwinden  in  dem
Leben  Ideale  und  Träume.  Daß  ich  eine
Erlösung  der  darbenden  Menschheit  noch
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M.

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ca

erleben  werde,  darauf  hoffe  ich  schon
lange  nicht  mehr.  Daß  aber  die  Arbeiter
einmal  aus  ihrer  Not  und  Sklaverei  erlöst
werden,  das  hoffe  ich  bestimmt.  Für  mich
habe  ich  nur  den  Wunsch,  ein  rüstiges
und  gesundes  Alter,  damit  ich  mir  bis  an
mein  Ende  mein  Brot  selber  verdienen
kann.  Aber  schon  Schiller  sagt:  Was  sind
Hoffnungen,  was  sind  Entwürfe,  die  der
Mensch,  der  Sohn  der  flüchtigen  Stunde
aufbaut  auf  dem  betrüglichen  Grunde.  (2.)
[T.  F.]

a)  Welche  Hoffnungen  haben  Sie?

Keine

Auf  den  Sieg
der  Sozialdemokratie ­


Mehr  zu
verdienen

Auf  den  Sieg
des  Guten

Textilarbeiter  Berlin

19

162

180

2

Textilarbeiter  Forst

7

356

291

39

Summa:

26

518

471

41

b)  Welche  Wünsche  haben  Sie?

Keine
1

Menschenwürdiges ­
  Dasein

Besseres  Leben ­
  f.d.  Kinder

Mit  den  Kapitalisten ­
  abzurechnen ­


Mehr  zu  verdienen ­


Den
Zukunfts-Staat

Daß  mein.Frau
nicht  in  die  Fabrik ­
  zu  gehen
braucht

Alkoholverbot

Diverses

Textilarbeiter  Berlin
Textilarbeiter  Forst

19
7

54
82

19
104

27
48

124
204

60
88

48

4
38

26
14

Summa:

26

136

123

75

328

148

48

42

40
        <pb n="169" />
        233

c)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:
Textilarbeiter  Berlin  86
Textilarbeiter  Forst  ,  ioi
Welche  Hoffnungen  und  Wünsche  haben  Sie?
M  etallarb  eiter.

Jhr.

*

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20

26,-Fraiser



21

36,—

22

23

27,—

35,-24



27,-Ma-






Metallarbeiter ­

Schlosser ­


Instrumenten ­
 ­


Ich  möchte  mein  ganzes  .Wissen  und  Wollen, ­
  meine  ganze  Kraft  zur  Befreiung  der
Menschheit  hergeben.  Alsdann  wollte  ich
ruhig  sterben  in  der  Gewißheit,  meine  mir
von  der  Natur  diktierte  Pflicht  erfüllt  zu
haben,  (z.)  [M.  B.]
Mein  Herzenswunsch  ist  der,  daß  bald
alle  Proletarier  ihre  heiligste  Pflicht  darin
sehen  möchten,  sich  zum  Sozialismus  zu
bekehren  und  für  alle  Geknechteten  der
neue  Zukunftsstaat  bald  anbrechen  möge.
(3-1.)  [M.B.]
Daß  alle  Menschen  und  ich  selbst  glücklich ­
  werde.  (4.  t.)  [M.  S.]
Diese  Frage  möchte  ich  dahin  beantworten, ­
  daß  ich  für  meine  Person  wenig
erhoffe.  Ich  habe  meine  Person  voll  und
ganz  in  den  Dienst  der  Befreiung  des  Menschengeschlechts ­
  gestellt.  (2.)  [M.  B.]
Möge  es  mir  vergönnt  sein,  durch  ein  arbeitsames ­
  Leben  mir  eine  gesegnete  Zukunft ­
  zu  sichern.  (3.)  [M.  S.]
        <pb n="170" />
        Ich  wünsche  mich  so  fiel  Vermögen  das
Ich  einen  gesunden  Und  auskömmlichen
Lebenswandel  führen  kann.  (4.  t.)  (M.  S.]
Eine  Trennung  von  Staat  und  Kirche,  den
gesetzlichen  Achtstundentag,  Abschaffung
der  Akkordarbeit.  (1.)  [M.  S.]
Den  einen  Wunsch  werden  Sie  wohl  aus
meinen  Antworten  herauslesen:  Fähigkeiten ­
  will  ich  mir  erwerben,  damit  ich  gerüstet ­
  bin,  mitzuhelfen  an  dem  Aufbau
einer  neueren,  besseren  Welt.  (3.  t.)  [M.S.]
Ich  habe  die  Hoffnung,  daß  es  uns  einst
gelingen  wird,  die  heutige  Gesellschafts-  '
Ordnung  zu  stürzen  und  an  deren  Stelle
eine  andere  zu  setzen,  zum  Wohle  und
zum  Segen  der  ganzen  Menschheit.  Es
werden  kommen  Einst  die  goldnen  Zeiten,
wo  sich  die  Menschen  nicht  um’s  Vorrecht ­
  streiten,  wo  Friede  und  Gerechtigkeit, ­
  bilden  höchste  Erdenseeligkeit.
Wünschen  werde  ich  daß  ich  einst  die
Augen  schließen  werde,  mit  dem  Bewußtsein, ­
  mitgekämpft  und  mitgestritten  zu
haben  an  einer  großen  Sache,  Die  es  wohl
wert  ist,  daß  man  Ihr  das  Leben  weiht.
Außerdem  wünsche  ich  mein  Leben
schließen  mit  dem  Wunsche  mir  selbst
genügt  zu  haben.  (2.)  [M.  B.]

25

26

27

28

22,—

24,—

25,—

Kernmacher ­

Former

45,-Nähma-





Dreher

29

36,—

Werkzeug ­
 ­


Ich  wünsche  mir  ein  Leben,  das  in  zäher,
selbstge,wollter  Arbeit  aufgehen  soll.  (1.)
[M.B.]

234

V
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Jhr.

30

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M.

M
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M

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&amp;lt;u
00

25,-Schmied



Die  Hoffnungen  habe  ich  begraben,  an  der
nackten  Wirklichkeit  geht  sie  zugrunde.
(2.)  [M.S.]

31

3

25,—

Metallarbeiter ­


Wenn  man  wünscht,  träumt  man  zu
gleicher  Zeit,  und  so  will  ich  träumen,  daß
ich  unabhängig  wäre,  eine  Arbeit  verrichte,
woran  ich  Freude  hätte.  In  allem:  Mensch
sein.  Stark  und  mutig  möchte  ich  sein,
jede  Schwäche  unterdrücken,  gern  und  oft
meinen  Nächsten  helfen.  (2.)  [M.  S.]

32

24-Bau-




Ich  habe  meine  Hoffnungen  und  Wünsche
auf  nichts  gestellt.  (4.)  [M.  S.]

33

1  40,—

Schlosser ­


33

3

Eisenhobler ­


Wohl  habe  ich  den  Wunsch,  einige  Zeit
im  Sommer  frei  zu  sein,  mich  als  Mensch
fühlen  zu  können.  Hoffnungen  habe  ich
nicht,  sie  trügen  zu  oft,  aber  die  Überzeugung ­
  und  den  festen  Willen,  als  Genossenschaftler ­
  weiter  durch  mögliche  Vereinigung ­
  von  Ideal  und  Wirklichkeit  meine
Pflicht  zu  tun,  für  die  ich  notwendigerweise ­
  mit  Einsetzen  der  ganzen  Person
kämpfen  werde.
Ich  wünschte,  daß  jeder  organisirte  Arbeiter ­
  sich  und  der  Jugend  den  Grundsatz
einpräge:  Was  Du  willst,  daß  man  Dir
nicht  tu’,  —  das  füg’  auch  keinem  Andern
zu!  —  und  hiernach  handle.  (1.)  [M.B.]
Hoffen  und  Wünschen  möchte  man,  daß
allen  Menschenkindern  die  Möglichkeit
235
        <pb n="171" />
        237

Jhr.

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34

35

42,-Metall-




24-36



36

35,—

38,—

Werkzeug-



Metallarbeiter ­

Eisendreher ­


236

gegeben  sei,  sich  materiell  und  finanziell
so  empor  zu  arbeiten,  daß  alle  ohne  Unterschied ­
  teilnehmen  können  an  den  Errungenschaften ­
  der  Kultur  und  Wissenschaft, ­
  daß  sich  ein  jeder  in  dem  Hause  in
dem  wir  alle  wohnen,  wahrhaft  frei  und
glücklich  fühle,  keiner  stehe  abseits,  nur
so  können  wir  hoffen,  daß  sich  der  Traum
der  Menschheit»—  das  Volk  frei  und  glücklich ­
  zu  machen  und  zur  wahren  Vernunft
zu  erziehen  —  verwirkliche.  Nur  dann
kann  man  sagen:  „Die  Geister  erwachen!
Es  ist  eine  Lust  zu  leben!“  (i.)  [M.  S.]
Daß  ,die  Menschen  ähnlichen  Menschen
recht  bald  Menschen  werden  möchten.  (2.)
[M.B.]
Ich  wünsche,  daß  ich  meine  Kinder  zu
brauchbaren  Menschen  großziehen  kann,
weiter  keinen  Familienzuwachs  erhalte.  (3.)
[M.  S.]
Den  sozialistischen  Zukunftsstaat.  (4.  t.)
[M.  S.]
Meine  Hoffnungen  sind  gering.  Meine
Wünsche  dagegen  riesengroß.  Was
ich  erstrebe  und  wünsche  ist  ja  nur  denjenigen ­
  möglich,  welche  meine  Arbeitskraft ­
  kaufen  können.  Ich  würde  freudiger
und  hoffnungsvoller  in  die  Welt  schauen,
wenn  es  mir  vergönnt  wäre  alljährlich  nur

ein  paar  Wochen  ausspannen,  ganz  frei
sein  könnte,  um  mit  meiner  Familie  in
einem  stillen  Winkel  der  Mutter  Erde  die
müden  Glieder  zu  ruhen,  neue  Kräfte  zu
sammeln  für  den  ferneren  Kampf  ums  Dasein. ­
  (1.)  [M.B.]

37

2

30,—

Schlosser ­


Für  mich  persönlich  hoffe  ich  nichts,  was
erwähnens  Wert  wäre,  es  hat  eine  Zeit
gegeben  wo  ich  meinte  die  Welt  läge  mir
offen,  da  ich  die  Welt  noch  nicht  kannte
und  meinte  so  ein  Sehnen  nach  Glück
müsse  das  Glück  auch  bringen.  Still  ists
geworden  im  Herzen,  Und  manches  mal
da  zuckt  es  noch  dieses  rebellische  Herz
und  will  sich  gar  nicht  da  mit  abfinden  das
es  kein  Anteil  an  Glück  Soll  haben,  Villeicht
  stell  ich  die  Ansprüche  an  das  was
man  Glück  nennt  'zü  hoch.  Wenn  ich  die
Menschen  um  mich  betrachte,  alle  haben
fast  so  wie  ich  sich  nach  Glück  gesehnt
und  meinen  es  zu  haben  und  sind  zufrieden, ­
  oh  ich  möchte  trotzdem  nicht  mit
ihnen  Tauschen.  Lieber  Wissen  daß  das
Glück  ich  nicht  habe  als  unwissend  durchs
Leben  gehn.  (2.)  [M.  S.]

37

30,—

Schlosser ­


Wünschen  würde  ich,  daß  meine  Arbeitsgenossen ­
  steifnackiger  werden;  viele  aufgeklärten ­
  Verbandskollegen  sind  es  u.  man
kann  von  ihnen  lernen,  u.  arbeitet  gern
dort,  wo  man  sie  findet.  Aber  die  Duckmäuser ­
  u.  Zufriedenen  machen  Dir  das
        <pb n="172" />
        Art  der
Beschäftigung

Metallarbeiter ­


Leben  sauer!  Diesen  Knechtsseelen  fehlt
es  am  festen,  eigenen  Willen,  an  Selbständigkeit, ­
  an  Energie.  Diese  Leute  sind  mit
allem  zufrieden,  und  sie  hassen  u.  verhöhnen ­
  Dich,  wenn  Du  ein  Nörgler  bist.
(2.)  [M.S.]
Trotz  aller  Erinnerungen  an  Werden  und
Vergehen  hoffe  ich  doch,  daß  ich  mit  der
Zeit  so  weit  kommen  werde,  daß  ich  nicht
mit  Bangen  ans  Alter  zu  denken  brauche.
Darum  wünsche  ich  auch  recht  sehnlich,
daß  ich  in  die  Lage  komme,  meinem  Buben ­
  etwas  tüchtiges  lernen  zu  lassen,  damit ­
  er  dereinst  im  Stande  ist,  wenns  gar
nicht  mehr  mit  mir  gehen  will,  sagen  zu
können:  „So  Vater  jetzt  komm  zu  mir,
und  Du  kannst  ernten  was  Du  in  meiner
Jugend  gesät  hast.“  (2.)  [M.B.]

Mechaniker ­


Ich  hoffe  und  wünsche  daß  die  Erde
einstens  ein  Geschlecht  beherbergt,  dessen
einzelnes  Individium  sich  der  Würde  bewußt ­
  sei,  die  man  schon  heute  als  Menschenwürde ­
  preisst.  Daß  einstens  nicht
mehr  die  große  Masse  eine  Riesenherde
stöhnender  Lasttiere  ist,  während  ein  verschwindend ­
  keiner  Teil  in  raffinierten  Genüssen ­
  die  Tage  verfaulenzt,  daß  das %
Licht  der  Erkenntnis  in  alle  Gehirne  dringen ­
  möge,  daß  es  zur  Flamme  emporlodern ­
  und  dem  Proletariat  leuchtend  den
Weg  zeige,  der  zur  politischen  Macht

Metallarbeiter ­


Schlosser ­


Former

Fraiser

Metallarbeiter ­


führt.  Daß  es  einst  in  die  Lage  Tcomme
sein  Schicksal  selbst  zu  bestimmen,  eine
Gesellschaftsordnung  herbeizuführen,  in
der  die  Freiheit,  Gleichheit,  Brüderlichkeit
sich  in  das  Scepter  teilen.  Dies  wäre  mein
sehnlichster  Wunsch,  (r.)  [M.  S.]
Hoffnungen  und  Wünsche  nur,  welche
sich  für  alle  verwirklichen.  Ich  mag  keinen
Himmel,  wenn  meine  Brüder  in  der  Hölle
schmachten.  (3.)  [M.  B.]
Daß  die  Menschen  einst  so  sittlich  werden, ­
  daß  sie  den  Sieg  erringen,  ohne  daß
die  halbe  Welt  im  Blut  erstickt  wird.  (2.)
[M.  S.]
Mögen  die  Worte  Lessings  sich  erfüllen:
„Der  Mensch  sei  dem  Menschen  Gott.“
Sehen  Sie,  das  sind  meine  Hoffnungen  und
Wünsche.  (2.)  [M.  B.]
Ich  für  meine  Person  will  absehen  von
Hoffnungen  und  Wünschen.  Alles  setze
ich  daran,  meine  Buben  für  den  Sozialismus ­
  zu  gewinnen.  Bei  jeder  passenden  Gelegenheit ­
  erläutere  ich  ihnen  in  verständlicher ­
  Weise  die  Klassengegensätze,  die
Lügen  und  Verdrehungen  der  Kirche.  (1.)
[M.  S.]
Hoffnungen  auf  materielle  Güter  habe  ich
keine.  Ich  bin  kein  Spieler  in  der  Lotterie,
239
        <pb n="173" />
        Alter

&amp;lt;U
XJ
Ö
s
’&amp;gt;
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
;schäftigung

jhr.

M.

03

kein  Speckulant  u.  Streber,  im  bürgerlichen
Sinne.  Gerne  möchte  ich  meine  Arbeitskraft ­
  bis  ins  Alter  behalten  gleichviel  wo
ich  sie  anwende,  um  meine  Familie  nicht
noch  mehr  Not  leiden  sehen  zu  müssen.
Mit  Freuden  u.  Stolz  sehe  ich  mein  Kind  emporwachsen ­
  an  Körper  u.  Geist,  mein  innigster ­
  Wunsch  ist:  Möge  es  stark  werden
und  eine  lichtere  Jugend  verleben,  als  wie
sie  mir  und  auch  meiner  Frau  beschieden
war.  Sie  soll  den  Daseinskampf  mit  philosophischer ­
  Ruhe  hinnehmen.  (2.)  [M.O.]

42

4

26,—

Metallarbeiter ­


Für  mich  nichts,  für  die  Gesamtheit,  daß
Jeder  zur  Einsicht  kommen  möge,  daß
Keiner  über  dem  Andern  steht,  sondern
wir  alle  dem  Andern  verpflichtet  sind,  neben ­
  einander  zu  stehen.  (1.)  [M.  S.]

43

4

28,-Plattier.



Ich  habe  die  Hoffnung,  bald  von  dieser
Erde  erlöst  zu  sein.  (3.)  [M.  S.]

44

4

30,—

Metallarbeiter ­


Keine.  (4.)  [M.S.]

45

2

18-Metall

 ­


Gesundheit  und  meine  Arbeit  verrichten
kann.  (4.  t.)  [M.  O.]

46

5

26,—

Schlosser ­


Ich  hoffe  auf  bessere  Lebensbedingungen
und  ein  sorgenloses  Leben  im  Alter.  (4.  t.)
[M.O.]

240

Jhr.

e  ,  ~
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ü  ü  c
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I**

M.

tu
c
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o
M
&amp;lt;U
03

47

6

38,—

Fraiser

Ich  hoffe  und  wünsche,  daß  mir  und
allen  leidenden  Menschen  die  Erkenntnis
zum  Guten  und  Schönen  in  ganz  kurzer
Zeit  kommen  möchte,  um  mit  leiblichen
Augen  zu  sehen,  daß  die  Menschheit  imstande ­
  ist,  schon  in  dieser  Gegenwart
glücklich  mit-  und  nebeneinander  zu  leben ­
  und  sich  zu  verstehen.  (2.)  [M.  B.]

48

18  —

Metallarbeiter ­


Ein  alter  Mann  hat  nur  wenige  Hoffnungen ­
  und  Wünsche.  (3.)  [M.  O.]

49

9

36,—

Schlosser ­



Ich  hoffe  und  wünsche,  daß  die  Menschheit ­
  sich  von  allem  kirchlichen  Ballast  befreien ­
  möge  und  zur  Richtschnur  ihres
Handelns  nicht  den  Egoismus,  sondern  die
allgemeine  Menschenliebe  nehmen  möge,
die  doch  in  letzter  Linie  reine,  wahre  Lebensfreude ­
  giebt.  (2.)  [ML  B.]

a)  Welche  Hoffnungen  haben  Sie?

Keine
"

Auf  den  Sieg
der  Sozialdemokratie ­


Mehr  zu
verdienen

Diverse

Metallarbeiter  Berlin

4

149

234

248

Metallarbeiter  Solingen

—

234

128

152

Metallarbeit.  Oberstein

61

48

188

81

Summa:

65

431

550

481

16

241
        <pb n="174" />
        242

b)  Welche  Wünsche  haben  Sie?

Keine

Menschenwürdiges ­
  Dasein

Besseres  Leben ­
  f.  d.  Kinder

Mit  den  Kapitalisten ­
  abzurechnen ­


Den
Zukunftsstaat

Alkoholverbot

Allen  Menschen ­
  Glück

Unabhängigsein ­


Diverse  |

Metallarbeiter  Berlin

4

168

51

94

.
14

38

26

78

162

Metallarbeiter  Solingen

—

64

79

32

160

51

90

12

28

Metallarbeit.  Oberstein

61

35

17

6

28

3

2

80

148

Summa:

65

267

147

132

202

92

118

170

338

c)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Metallarbeiter  Berlin  ,  .  .  .  77
Metallarbeiter  Solingen  182
Metallarbeiter  Oberstein  17
        <pb n="175" />
        243

16»

D.  Die  Beziehungen  der  Arbeiter  zu  den  sozialen
Gemeinschaften.
Finden  Sie  Ihr  Vergnügen  mehr  in  der  Familie
oder  im  Wirtshaus,  und  halten  Sie  den  Genuß  von
Alkohol  für  entbehrlich,  oder  können  Sie  nach
dem  Genüsse  desselben  besser  arbeiten?
Die  erfreuliche  Tatsache  bleibt  bestehen:  auch  eine  so
heikle  Frage  wie  die  obige  wurde  immerhin  von  54%  der  Befragten ­
  mit  einer  gewissen  Offenheit  beantwortet.  Allerdings
ein  größerer  Teil  ließ  diese  Frage  im  Gegensatz  zu  der  sonstigen
sorgfältigen  Ausfüllung  des  Erhebungsformulares  unbeantwortet, ­
  wiederum  ein  anderer  Teil  (184)  schrieben  kurz  und  bündig:
„Abstinenzler“,  so  daß  eine  sorgfältige  Nachprüfung  notwendig
wurde.  Auf  liebevolles  Zureden  hin  gelang  es  denn  auch,  von
den  184  Radikalabstinenzlern  34  zu  kleinen  Zugeständnissen  zu
bewegen.  —  1,  2,  3,  bis  zur  Rekordziffer  6  Glas  täglich. ­
  (Als  Maßeinheit  der  mehr  oder  weniger  kräftige  Zug  aus
der  Schnapsflasche  gerechnet.)
Das  schöne  Wort:  „Im  Kreise  der  Seinen  zufrieden  und  froh
ward  zum  Palaste  die  Hütte  von  Stroh“  konnte  nicht  so  recht
Bestätigung  finden.  Die  Aufgabe,  das  Familienleben  der  drei
befragten  Arbeiterkategorien  zu  analysieren,  muß  wohl  als  gescheitert ­
  betrachtet  werden,  da  die  dieses  Problem  behandelnde
Korrespondenz  gewisse  Grenzen  nicht  überschreiten  konnte.  Im
dritten  Bande  seines  Systems  der  Volkswirtschaft  sagt  Roscher:
„Die  monströse  Bedeutung  der  Wirtshäuser  mit  der  Lockerung ­
  des  Familienbandes  steht  nicht  nur  als  Folge,  Sondern
auch  als  Ursache  im  Zusammenhang.“
Manch  kräftiges  Wörtlein  von  Frauenhand  befindet  sich
öfters  als  Nachsatz  unter  den  Erhebungsformularen;  wie  wohl
        <pb n="176" />
        mit  Recht  angenommen  werden  kann,  scheinen  diese  explosiven ­
  Äußerungen  ohne  Wissen  des  Arbeiters  erfolgt  zu  sein.
Eine  Berliner  Metallarbeitersfrau  bemerkt  unter  dem  gewiß
nicht  aus  dem  Herzen  kommenden  Ausspruch  ihres  Gemahls:
Mein  Vergnügen  finde  mehr  in  der  Familie  „Oller
Suffkopp,  behandle  Du  mich  so,  wie  Du  vom  Arbeitgeber  behandelt ­
  zu  werden  wünschest.“  Eine  Bergarbeitersfrau:  „Zwanzig ­
  Seiten  könnte  ich  füllen  mit  meinen  Leiden,  Entbehrungen
und  Erniedrigungen  seiten  meines  Mann.“  Eine  Förster  Webersgattin: ­
  „Das  Wort  „Er  soll  Dein  Herr  sein“  muß  gelöscht
werden.“  Die  sonstigen  Frivatbriefe  über  das  Familienleben
können  hier  aus  gewissen  Gründen  nicht  angeführt  werden,  doch
ist  die  Tatsache  immerhin  bemerkenswert,  daß  ziemlich  viele
der  Arbeiterfrauen  sich  über  geschlechtliche  Infektion  seitens
ihres  Mannes  beklagen.  (Speziell  Berliner  Arbeiterfrauen.)
Ganz  merkwürdig  war  ferner  (27  Briefe  von  Arbeiterfrauen
liegen  vor):  wie  oft  wenig  tolerant  die  Männer  gegenüber  außerehelich ­
  geborenen  Kindern  sind.  Da  schreibt  eine  Metallarbeiter-^
frau:  „Ich  muß  Ihnen  sagen,  daß  ich  eine  Tochter  außerehelich
geboren  habe.  Sie  trägt,  eine  gesetzliche  Humanität,  den  Namen
meines  Mannes.  Trotzdem  kann  ich  nicht  so  recht  froh  sein,
weil  trotz  meines  Bestrebens,  trotz  intensiver  Arbeit,  Liebe  und
Treue  während  meiner  fünfzehnjährigen  Ehe  mir  immer  und
immer  wieder  bittere  Vorwürfe  über  die  Vergangenheit  gemacht
werden.  Und  dennoch  war  damals  meine  Armut,  elende  Familienverhältnisse ­
  daran  schuld.  Es  ist  recht  sonderbar,  &amp;lt;daß
die  Arbeiter  von  ihren  Nebenmenschen  viel  mehr  an  guten  Eigenschaften ­
  verlangen,  als  sie  selbst  besitzen.  Die  Nadelstiche
seitens  der  Kollegen  meines  Mannes  oder  auch  im  Wirtshaus
bei  einem  Glase  Bier  haben  mir  manche  bittere  Stunde  bereitet
etc.  etc.“  '
Irgendein  Moralist  hat  den  Satz  aufgestellt:  „Die  Kneipe
ist  der  Salon  der  Armen.“  Keine  Definition  trifft  besser  zu.  Die
breite  Basis  des  Alkoholismus,  die  konstatiert  werden  konnte,
findet  ihre  Erklärung  aus  sozialpsychischen  Momenten  heraus.
Das  Moment  der  Ermüdung  wird  in  erster  Linie  in  Zusammenhang ­
  mit  dem  Alkoholgenuß  gebracht,  der  eben  mit  elementarer
Macht  nach  Beseitigung  drängt.  Ferner  war  zu  konstatieren,
daß  Abhängigkeitsverhältnis  und  Alkoholgenuß  ebenfalls  in  ur-244
        <pb n="177" />
        sächlichem  Zusammenhänge  stehen.  Nur  nicht  müde  werden,
das  darf  man  nicht,  dann  kommt  die  Entlassung,  und  darum
der  Fusel.  Derartige  Äußerungen  liegen  auch  in  größerer  Zahl
vor.
Ein  Berliner  Metallarbeiter:  „Wie  soll  ich  mein  Vergnügen
in  der  Familie  finden?  Meine  kranke  Frau  muß  auch  auf  Arbeit ­
  gehen  und  auf  meine  Aufforderung,  „bleib  zuhause“,  unterbricht ­
  sie  mich  stets  mit  dem  kategorischen:  „Wir  brauchen
Geld.  Wir  haben  sechs  Kinder“,  und  es  ist  eine  gräßliche  Wahrheit* ­
  die  sie  spricht,  gräßlich,  weil  ich,  ohne  es  hindern  zu
können,  zusehen  muß,  wie  eine  Mutter  für  ihre  Kinder  langsam
sich  selbst  den  Leib  verzehren  läßt“.  Ein  in  einem  Walzwerk
beschäftigter  Arbeiter  gibt  folgende  Darstellung  über  die  Wirkung ­
  des  Alkoholgenusses:  „Ich  betrachte  öfters  aufmerksam
meine  viele  Kollegen,  speziell  des  Montags.  Kein  Wort,  kein
Lachen.  Es  ist  traurig.  Stumpf  und  gleichgültig  gehen  die
meisten  den  alten  Trott.  Es  war  ja  Sonntag  gestern,  Ruhetag,
Feiertag.  Wenn  man  einen  von  den  vielen  fragte,  was  hast  Du
gestern  von  Deinem  Ruhetag  gehabt,  es  würde  nicht  viel  Gescheites ­
  herauskommen.  Ein  gutes  Buch  verschmähen  sie,  der
Wald  bietet  ihnen  ohne  Suff  nischt.  Nur  die  Nüchternen
schauen  frischer  und  froher  aus.  Sie  lachen  mir  auch  wohl  zu.
Die  meisten  sehen  mich  böse  an.  Ich  bin  ihnen  ein  Stein  des
Anstoßes.  Das  soll  mich  aber  nicht  beirren.  Ich  weiß  genau,
die  Abstinenz  gibt  uns  viel  und  nimmt  uns  ein  Gift.  Aber  ich
sehe  auch  mutige  und  erprobte  Kämpfer  jeden  Morgen  des
Weges  marschieren.  Stolze  Kerle.  Ganze  Kerle.  Das  Herz  lacht
mir  immer  im  Leibe,  wenn  ich  sie  sehe.  Wir  sind  nicht  immer
gleicher  Meinung,  jeder  hat  seine  Eigenart.  Das  tut  nichts.  Die
gemeinsame  Sache  bringt  uns  näher.“  Ein  anderes  Bild:  „Meine
Kollegen  im  Walzwerk.  Vor  drei  Tagen  noch  hatt’  ich  einen
traurigen  Anblick.  Die  ganze  Ofenbesetzung  total  besoffen.  Sie
meinen  Unorganisierte?  Nein,  organisierte  Arbeiter.  Überhaupt
habe  ich  diese  Ofenleute  in  den  letzten  Tagen  nur  noch  besoffen
gesehen.  Nicht  nur  angeheitert,  wie  in  Fachkreisen  der  Ausdruck ­
  lautet.  Was  für  Bilder  könnte  ich  liefern  .  .  .  .“
Ein  Bergarbeiter  schreibt:  „In  nächster  Nähe  Gladbecks
produzieren  sechs  Brennereien  nicht  zu  unterschätzende  Quantitäten ­
  des  verfluchten  Fuselgiftes.  Früher  beteiligten  sich  sämt-245
        <pb n="178" />
        liehe  Brennereien  am  Detailverkauf,  jedoch  durch  Beschluß  des
Gladbecker  Wirtevereins  kam  es  zu  einem  Boykott  über  alle
Brennereien,  welche  über  21  Liter  an  Detailkaufer  abgaben.
Augenblicklich  trotzt  noch  eine  einzige,  in  Dorsten  liegende
Brennerei  dem  Ansturm  des  Gladbecker  Wirtevereins.  Diese
Brennerei  ist  nun  das  tägliche  Ziel  einer  Anzahl  Berufskollegen.
Ich  habe  mir  einmal  die  Mühe  gemacht,  eine  solche  Kumpelwanderung ­
  zahlenmäßig  festzustellen,  die  alle  mit  großen  Korbflaschen ­
  bewaffnet  nach  Dorsten  fuhren.
Es  nahmen  Billette  nacli  Dorsten:
Mann:  Mutmaßliches  Literquantum:

Montags

27

205

Dienstags

13

90

Mittwochs

18

125

Donnerstags

34

(Lohntag)

285

Freitags

68

400

Sonnabends

53

360

213

1465

Der  Preissatz

P r °

Liter  beträgt  in

oben  angegebenen

ten,  in  der  Brennerei  eingekauft  60  Pf.  Also  ungefähr  879  Mark
wandern  vierzehntäglich,  nur  auf  das  geographisch  eng  begrenzte ­
  Gladbeck  berechnet,  in  die  Tasche  der  unersättlichen
Schnapsbrauer.  Auch  viele  Frauen  besorgen  ungeniert  mit  der
Korbflasche  in  der  Hand  den  Giftstoff  für  ihre  Männer.  Dazu
kommt  noch  der  riesige  Lokalverbrauch.“
Im  Gegensatz  zu  den  etwas  trüben  Bildern  muß  konstatiert ­
  werden,  daß  der  Essener  Parteitag  der  Sozialdemokratie
vom  Jahre  1907,  auf  welchem  der  erste  entscheidende  Schritt
auf  dem  Kriegspfad  gegen  den  Alkohol  getan  wurde,  einen
großen  Einfluß  auf  den  Alkoholkonsum  gehabt  hat,  jedenfalls
ist  die  moralische  Wirkung  nicht  zu  unterschätzen.  617  Arbeiter
erklärten,  daß  sie  seit  dem  Schnapsboykott  nicht  mehr  trinken.
Die  Herstellung  von  Branntwein  ist  von  4,3  Millionen  Hektoliter ­
  im  Jahre  igo8/og  auf  3,6  Mill.  Hektoliter  für  igog/io  gesunken.
Deutlicher  noch  sind  folgende  Zeilen:  für  Genußzwecke  wurden ­
  igo8/og  2,7  Millionen  Hektoliter  abgesetzt  =  4,2  Liter  pro
Kopf  der  Bevölkerung  dieses  Jahres,  igog/io  nur  mehr  1,8  Millionen ­
  Hektoliter  =  2,8  Liter  pro  Kopf.  Um  ein  volles  Drittel,
1,4  Liter,  ist  der  Konsum  zurückgegangen.
246

Immerhin:  von  den  Bergarbeitern  hielten  19,7  °/o  den  Alkohol ­
  für  unentbehrlich,  von  den  Textilarbeitern  5,9,  von  den
Metallarbeitern  5,6  o/ 0 .  Forscht  man  den  Ursachen  nach,  so  sind
hauptsächlich  drei  Gründe  für  den  Genuß  von  Alkohol  durchschlagend. ­
  Erstens  als  Nervinum,  welches  die  Muskelarbeit  för-i
dert,  die  Arbeitslust  anregt,  zweitens  Kummer  und  Elend  werden
nach  dem  Genüsse  des  Alkohols  auf  einige  Stunden  vergessen,
drittens  als  Betäubungsmittel  gegen  stumpfsinnige  Arbeit.

1.  Finden  Sie  Ihr  Vergnügen  mehr  in  der  Familie  oder  im
Wirtshaus,  und  halten  Sie  den  Genuß  von  Alkohol  für  entbehrlich, ­
  oder  können  Sie  nach  dem  Genüsse  desselben  besser
arbeiten?

Bergarbeiter.

Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

&amp;lt;
JhiT

*

■a  s  g
W  J3  &amp;lt;u
■Sgs

M.

M
C
3
6C

&amp;lt;  O

ca

20

21

22

23

24

15-30,—

16,—
16,80

Hauer

Bergmann ­

Bergmann ­


Bergmann ­


30,—j  Bergmann ­


Ich  halte  den  Alkohol  für  unentbehrlich
denn  nach  jeder  sauren  Arbeit  muß  man
einen  trinken,  wenn  nicht  wird  man  ver-^
rückt.  (4.)  [B.  Schles.]
Familie  keine  vorhanden.  Wirtshaus  liebend. ­
  (3.  t.)  [B.  R.]
Ich  verabscheue  den  Alkohol  und  kann  bestätigen, ­
  daß,  wenn  ich  mir  einen  Rausch
angetrunken  habe,  den  andern  Tag  nicht
arbeiten  kann.  (3.)  [B.  Schles.]
In  der  Familie  habe  Ich  kein  Vergnügen.
(4.)  [B.  Schles.]
Den  Genuß  von  Alokohl  halte  ich  für  vollständig ­
  entbehrlich.  Nach  dem  Genuß  von
Alkohol  kann  man  gut  schlafen,  das  ist

247
        <pb n="179" />
        o
T&amp;gt;
C

(U
*►
o
£

25

Ich  für  meine  Person  halte  den  Alkohol
nicht  für  entbehrlich.  (3.)  [B.R.]

26  —

27

23,—

Schlepper ­


Finde  mein  Vergnügen  am  besten  in  der
Natur,  denn  wenn  ich  mich  im  Hause  aufhalten ­
  muß,  ist  es  mir,  als  wenn  ich  im
Gefängnis  wäre.  Den  Genuß  von  Alkohol
halte  ich  für  entbehrlich.  (3.)  [B.  S.]

Bergmann ­


Bei  meiner  jungen  Frau  ist  mir  lieb,  solange ­
  wir  alleine  sind.  In  die  Kneipe  gehe
ich  wegen  Agitationszwecken.  Man  trinkt
mal  gern,  um  den  Kohlenstaub  von  der
Lunge  abzuwaschen.  (3.)  [B.  S.j

Bergmann ­


Nach  Genuß  von  Alkohol  ist  mir  alles  beschwert ­
  und  daher  muß  man  den  Alkohol
etwas  meiden.  (4.)  [B.  Schl.]

2

Bergmann ­


Offengestanden  finde  ich  in  der  Wirtschaft
mehr  Vergnügen  als  zuhaus.  Denn  ist  man
zuhaus,  so  krakehlt  die  Frau  und  macht
dem  Manne  noch  mehr  mutlos.  Im  Wirtshaus ­
  trinkt  man  den  Fusel,  und  so  schwinden ­
  alle  trüben  Stunden.  (3.)  [B.  R.]

28

2

Hauer

Ich  habe  zuhaus  mehr  Vergnügen  wie  im
Wirtshaus.  Den  Alkohol  halte  ich  auch
für  entbehrlich.  Ich  trinke  ihp  ja  aber
nur  aus  Ärger.  Nach  dem  Genuß  kann
ich  schlechter  arbeiten.  (3.)  [B.  R.]

248

28

lö,—

Grubenarbeiter ­


Den  Genuß  von  Alkohol  halte  nicht  für
ganz  entbehrlich,  besser  Arbeiten  kan  ich
nach  demselben  nicht,  eher  schlechter.
(3-1.)  [B.  Schl.]

29

2

24,-Berg-




Ich  halte  den  Alkohol  für  den  größten
Feind  der  Menschheit.  Von  einem,  der
wenig  oder  gar  keinen  Alkohol  genießt,
sind  die  Beiträge  für  Partei  und  Gewerkschaft ­
  viel  leichter  zu  bekommen.  Ich  bin
Abstinent.  (2.)  [B.  Schl.]

29

3

21,-Berg-




Ich  finde  in  der  Famielie  Vergnügen  und
im  Wirtshause  auch.  Einen  Korn  kann
und  muß  man  trinken  außerdem  man
trinkt  zuviel  dann  arbeitets  sich  nicht  gut.
(3.)  [B.  Schl.]

30

2

17,-Gruben-




Ich  habe  Freude  an  meiner  Famielie,  weil
ich  ein  gesund  und  tüchtiges  Weib  habe,
und  meine  Frau  liebe,  und  auch  bis
jetzt  gesunde  Kinder  habe.  Ins  Wirtshaus
komme  ich  überhaubt  das  ganze  Jahr
nicht,  außer  meinen  Verbandsversammlungen ­
  polietisch  wie  gewerkschafftlich.
Ich  bin  ein  geborener  Antiealkoholist.  Ich
trinke  blos  Bier.  Mier  macht  der  Schnapsboikot ­
  reine  Freude.  (1.)  [B.  Schl.]

30

20,—

Bergmann ­


Ich  finde  mein  vergnügen  in  der  Familie
aber  trinke  einen  Korn  mit  Vorliebe,  weil
Ich  dann  besser  Arbeiten  kann.  (4.  t.)
[B.  Schl.]

249
        <pb n="180" />
        1  Alter  11

*
X3
G
2
13
’&amp;gt;
V

Durchschn.
Wochenvcruiensr


Art  der
:scbäftigung

JlH

■  &amp;amp;

M.

ca

3

—

13,5(

)  Bergmann ­


Ich  finde  mein  Vergnügen  mehr  in  der  Familie, ­
  den  Genuß  von  Alkohol  halte  ich
für  entbehrlich  doch  als  Bergmann  muß
man  sehr  viel  Staub  verschlucken  da  sind
einige  Schluk  Korn  nach  verbrachter
Schicht  getrunken  auch  gut  zur  lösung
des  verschluckten  Staubes.  (3.  t.)  [B.Schl.]

31

30,—

Hauer

In  der  Familie.  Nach  vollendeter  Schicht
muß  ein  Bergmann  für  mindestens  10  Pfg.
Schnaps  und  2  Glas  Bier  haben;  anderweitige ­
  Getränke  sowie  vorher,  können  gemieden ­
  werden,  wenn  nicht  durch  Besuchen ­
  einer  Versammlung  oder  sonstigen
Ausgang  es  erforderlich  wird.  (1.)  [B.  R.]

32

22,-Schlep

 ­


Da  ich  noch  ledig  bin,  so  finde  ich  größeres ­
  Vergnügen  im  Wirtshause,  und  mich
mit  meinen  Kameraden  besser  organisiren
kann,  Alkohol  trinke  ich.  faßt  jeden  Tag 1 ,
aber  höstens  für  20  Pf.  um  mich  etwas
abzuschärfen.  (3.)  [B.S.]

32

6

37,-Berg

 ­


Den  Genuß  von  Alkohol  halte  ich  für
entbehrlich.  Ich  war  früher  Alkoholiker,
bis  der  Parteitag  den  Boykott  angenommen
hat.  Jetzt  fühle  ich  mich  frisch  und  gesund. ­
  (1.)  [B.R.]

33
250

2

28,-Berg

 ­


Mehr  Vergnügen  in  der  Familie.  Wenn
man  viel  Alkohol  im  Körper  hat,  ist  man
Schlaff  zur  Arbeit.  Nicht  wie  mancher
sagt,  man  bekommt  Korasche.  (3.)  (B.S.]

250

Bergmann ­


Bergmann ­

Bergmann ­


Bergmann ­


Bergmann ­


Bergmann ­


Ich  finde  mich  in  meiner  Familie  wo  hier
als  im  Wirtshaus.  Den  Alkohol  kann  man
nicht  ganz  entbehren,  wen  man  nicht  ganz
von  der  Welt  zurückgezogen  werden  will.
Man  findet  im  Wirtshaus  immer  welche,
denen  man  aufklären  kann.  (3.)  [B.  S.]
Finde  mein  Vergnügen  in  der  Familie.
Alkohol  schwägt  mir.  (4.)  [B.  R.]
Ich  bin  grüblerischer  Natur  und  einsam
und  lebe  nur  in  der  Familie.  Es  grämt
mich,  daß  andere  Genossen  von  dem  Genüsse ­
  des  Alkohols  so  schwer  ablassen
können.  (2.)  [B.  S.]
In  der  Familie,  Ich  halte  den  Genuß  von
Alkohol  für  schädlich,  denn  wenn  ich  betrunken ­
  bin,  bin  ich  ganz  Schlaf.  (4.)
[B.R.]
Im  Kreise  meiner  Familie.  Ich  bin  strenger ­
  Antialkoholiker  und  halte  den  Alkohol
nebst  Pfaffen  und  Kapitalisten  für  den
größten  Feiend  der  Arbeiterschaft.  Ich
habe  stets  wahrgenommen,  daß  Alkoholiker ­
  für  Freiheitsideen  nicht  zugänglich ­
  sind.  (1.)  [B.  S.]
Ich  habe  mehr  Vergnügen  in  der  Famielie,
Wirtshaus  kann  ich  gut  meiden  Und  Alkohol ­
  ebenfals  nach  dem  Genuß  von  Alkohol ­
  kann  ich  nicht  Arbeiten  füre  Augenblik
Rehgt  er  auf  und  gleich  darauf  Erzeucht
er  eine  große  Schlappheit.  (3.  t.)  [B.  R.]
251
        <pb n="181" />
        ~:*T—-■

Ihr.

40

M.

35,-Berg-




41

41

1  26,-32,-





30,—

Hauer

Bergmann ­


Bergmann ­


Ich  halte  den  Alkohol  für  vollkommen  entbehrlich. ­
  Wenigstens  insofern,  um  in  ihm
eine  Basis  genußbringender  Erholung  zu
sehen.  Obwohl  Temperenzler  aber  kein
Fanatiker,  kommt  es  bei  mir  zeitweise  auch
mal  zu  einer  alkoholischen  Übersättigung.
Den  folgenden  Tag  bin  ich  dann  arbeitsunfähig. ­
  Im  allgemeinen  pflege  ich  mich
innerhalb  der  Familie  zu  erholen  und  finde
meine  höchste  Befriedigung  inmitten  meines ­
  aufgeräumten  trautheimischen  Familienzirkels. ­
  (i.)  [B.  R.]
Ich  halte  den  Alkohol  für  unentbehrlich,
den  ein  Arbeiter  muß  vor  Kummer  und
Elend  Schnaps  täglich  trinken.  (3.)  [B.S.]
Soweit  ich  nicht  in  Versammlungen  gehen
muß,  bleibe  ich  lieber  zuhause  und  unterhalte ­
  mich  in  der  Familie.  Den  Genuß
von  Alkohol  halte  ich  nicht  nur  für  entbehrlich, ­
  sondern  sogar  für  schädlich.  Bei
mir  würde  dadurch  z.  B.  hervorgerufen
werden  Unfähigkeit  im  Denken  und  verminderte ­
  Arbeitslust.  (1.)  [B.  R.]
Mein  Vergnügen  ist  in  der  Vamilie  mit
den  meinigen.  Das  Wirtshaus  tuhe  ich
nuhr  zu  gewissen  zwäken  benuzen  zu  behlerung
  meiner  klein  wehnigkeit.  Ich  bin
ein  Feind  des  Alkohol,  die  Trehnen  die
der  Alkohol  anrichtet  sind  klingende  Goldstike
  des  Zentrums  und  Konserwatiwen.
(30  [B.R.]

252

t-4
«
&amp;lt;

&amp;lt;U
c
5
0
*&amp;gt;

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäftigung

Jhr.

M.

OQ

42

7

22,—

Bergmann ­


Mit  meiner  Frau  verkehre  ich  geistig  wer
niger  intim.  Ich  bin  kein  Wasserapostel,
obwohl  ich  nur  selten  trinke,  aber  hier  und
da  schlage  ich  doch  einmal  über  die
Stränge.  Dann  bin  ich  am  nächsten  Tag  arbeitsunlustig. ­
  (1.)  [B.  Schles.]

43

3

27,-Hauer



Ich  finde  mein  Vergnügen  sehr  gerne  bei
meiner  Familie  wen  meine  Frau  und  meine
Kinder  so  jeden  Monat  150  Mark  zur  Löhnung ­
  und  zur  Forschus  50  Mark  kriegen
daß  ich  mir  möchte  meine  Not  und
Elend  aus  dem  Hause  raustreiben.  (3.)
[B.  S.]

43

2

30,—

Bergmann ­


ich  finde  wohl  vergnügen  in  der  Familie
aber  am  meisten  an  den  gedeihen  und
wachsen  der  Kinder,  weil  man  mit  der
Frau  nicht  die  gleichen  Ideale  findet  dadurch ­
  kommt  der  Unfriede  und  in  der
Jugend  es  nicht  verstanden  hat  das  gleiche
sich  zu  suchen,  dem  Wirtshaus  bin  ich
Feind  den  Alkohol  Du  ich  meiden.  (3.)
[B.S.]

44

3

20,—

Bergmann ­


An  Frau  und  Kindern  finde  ich  Vergnügen,
bin  aber  kein  Wirtshausfeind  Bekomme  es
sogar  fertig,  mich  in  Gesellschaft  zu  betrinken, ­
  aber  nur  selten.  Finde  auch,  daß
mein  Gedächtnis  nach  dem  Genüsse  von
!/ 6  Liter  Branntwein  schärfer  wird.  Bei
körperlicher  Arbeit  ist  es  ebenso.  Anfangs
fühle  ich  mich  stärker  und  gewandter,
253
        <pb n="182" />
        255

trinke  ich  aber  auf  Drängen  der  Kollegen
weiter,  dann  kommt  eine  Schlaffheit,  die
die  Arbeit  sehr  vermindert,  (i.)  [B.  Schl.]

44

5

28,—

Bergmann ­


Es  macht  mir  Vergnügen,  wenn  ich  meine
fünf  ausgehungerten  Proletarierkinder  am
schaue  und  denke,  daß  sie  dasselbe  Vergnügen ­
  haben  werden,  um  das  kärgliche
Brot  zu  schuften.  (3.)  [B.  S.]

45

27  —

Bergmann ­


Ich  finde  mein  Vergnügen  in  der  Vamielie,
ich  halte  den  Alkohol  für  ganz  entbehrlich.
Nach  dem  Alkoholgenuß  bin  ich  immer
erboßt.  (3.)  [B.  S.]

45

5

30,-|

Bergmann ­


Bin  lieber  in  der  Familie.  Alkohol  brauch
ich  in  meinem  Beruf  nicht.  Ich  muß  nachdem ­
  mehr  Schweißvergießen.  (3.)  [B.  R.]

►
ft

46

8

26,—

Hauer

Instinktive  Abneigung  gegen  das  Wirtshaus, ­
  denn  mit  Fuselkopfen  kann  man  die
Welt  nicht  erobern.  Nach  dem  Genuß  von
Alkohol  tritt  nach  kurzer  Zeit  physische
und  psychische  Reaktion  ein.  (1.)  [B.R.]

V

46

21,—

Bergmann ­


Mein  Vergnügen  ist  Familie.  Alkohol  finde
ich  für  untentbehrlich  wen  ich  könte  richtigen ­
  Korn  trinken  wie  die  Herrn  Beamten ­
  in  versigelten  Flaschen  da  wär  man
auch  gesünder  und  tüchtiger  zur  Arbeit
als  von  dem  einfachen  aber  es  langt  nicht
auf  was  besseres  drum  müssen  wier  beim
einfachen  bleiben  um  meine  Gedanken  zu

Alter

»-&amp;gt;
O
T3
G
s
JD

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

-

Jhr.

M.

ca

47

6

27,-Hauer



mir  Macht  das  fergnügen  mier  Beidifamilichje
  Alkohol  Strinke  ich  Serwenik.  Wen
Manfilalkohol  trink  Dakaman  Nicht  Arbeiten ­
  und  Auchnichzlesen  Da  hat  man
fermischte  gedanken  wen  mahm  fil  alkohol
trink.  (4.)  [B.  R.]

47

6

32,—

Bergmann


Ich  bin  Antialkoholiker.  Ein  Hasser  dem
Feuerwasser,  dem  Wirtshausläufer,  dem
Fuselsäufer,  dem  Schnapsgesellen  stupid
und  blind,  die  ihrem  Hause  die  Hölle  sind.
O  diese  Rasse,  wie  ich  sie  hasse.  (1.)
[B.R.]

48

6

25,—

Bergmann ­


Ich  finde  mehr  Vergnügen  in  der  Familie.
Den  Alkohol  halte  ich  für  unentbehrlich.
(3.)  [B.S.]

49

5

17-Berg

 ­


Meine  Kinder  sind  alle  in  der  Welt.  Und
nun  habe  ich  das  zweite  Weib.  Das  ist
Ein  Richtiger  roht  Schimmel.  Da  geh  ich
lieber  bei  die  Kinder,  was  der  Schnaps
anbelangt  Ein  Bergman  mus  Manchmal
Ein  Trinken  der  kein  Trinkt  wird  nicht
lange  Machen  Aber  mit  Vernunft  u  mus
Korn  sein  kein  fusel.  (3.)  [B.  Schl.]
        <pb n="183" />
        a)  Den  Genuß  von  Alkohol  hielten  für  entbehrlich:

Altersklasse

Lohnklasse

8
1
O
&amp;lt;N

7o

o
8

7°

o
»o
1
o

7o

Summa

8
1
o

7«

20-30  M.

7»

30-  40  M.

7«

Summa

Bergarb.  Ruhrgeb.

231

28,7

187

24,0

31

3,7

449

27

3,3

216

26,6

206

25,5

449

Bergarb.  Saargeb.

160

22,3

204

28,3

31

4,3

395

13

1,8

374

51,9

8

1,1

395

Bergarb.  Schlesien

40

7,2

181

32,7

12

2,1

233

196

35,4

37

6,7

—

—

233

Summa:

431

—

572

—

74

—

1077  ||236

—

627

—

214

—

1077

b)  Den  Genuß  von  Alkohol  hielten  für
unentbehrlich  :

Altersklasse

Lohnklasse

O
rO
I
O
cg

7»

o
1
o
CO

7»

40-50  J.

7«

Summa

£
O
cg
1
o

7»

20-30  M.

7«

30—40  M.

7o

Summa

Bergarb.  Ruhrgeb.

84

10,3

41

5,0

20

2,4

145

18

2,2

49

6,0

78

9,6

145

Bergarb.  Saargeb.

59

8,2

36

5,2

8

1,2

103

4

0,4

59

8,1

40

5,4

103

Bergarb.  Schlesien

61

11,0

94

16,9

8

1,4

163

149

26,8

14

2,5

—

—

163

Summa:

204

—

171

—

36

—

411

171

-

122

—

118

—

411

c)  Nach  dem  Genüsse  von  Alkohol  besser
arbeiten  zu  können,  gaben  an:

Altersklasse

Lohnklasse

O
ro
1
8

7«

o
1
o
CO

7«

40-50  J.

7*

Summa

10—20  M.

7°

20-30  M.

7»

30-40  M.

7»

Summa

Bergarb.  Ruhrgeb.

34

4,1

26

3,1

4

0,3

64

9

1,2

13

1,6

42

5,1

64

Bergarb.  Saargeb.

28

3,8

17

2,3

2

0,2

47

16

2,2

24

3,3

7

0,9

47

Bergarb.  Schlesien

23

4,3

49

8,8

—

72

56

10,0

16

2,8

—

72

Summa:

85

—

92

—

6

—

183

81

—

53

—

49

—

183

256
        <pb n="184" />
        17

257

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

AltersKlasse

Lohnklasse

*“5
s
1
o
Cd

7o

o
TT
!
8

7°

&amp;gt;
s
1
o
''f

7o

Summa

10—20  M.

7«

20-  30  M.

7»

30-40  M.

7»

|  Summa
l

Bergarb.  Ruhrgeb.

34

4,2

83

10,2

35

4,3

152

15

1,9

111

13,7

26

3,2

152

Bergarb.  Saargeb.

48

6,6

61

8,4

66

9,1

175

17

2,3

148

20,5

10

1,1

175

Bergarb.  Schlesien

23

4,3

42

7,6

21

3,7

86

68

10,5

18

3,3

—

—

86

Summa:

105

—

186

—

122

—

413

100

—

277

—

36

—

413

Summarisch

Den  Genuß  von  Alkohol  hielten  für  entbehrlich
Den  Genuß  von  Alkohol  hielten  für  unent-1077



=  5i,7

b  ehrlich
Nach  dem  Genüsse  von  Alkohol  besser  ar-411



=  19,7

beiten  zu  können,  gaben  an

183

=  8,8

Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen  ....

4i3

=  19,8

2084

=  100  0/0

a)  Vergnügen  in  der  Familie:

Altersklasse

Lohnklasse

20  —30  J.

7*

•—7
O
O
CO

°/0

40  -50  J.

7o

Summa

10—20  M.

7«

20-30  M.

7»

s
0
O
CO

7o

Summa
!

Bergarb.  Ruhrgeb.

116

14,3

84

10,3

26

3,1

226

40

4,9

139

17,2

47

5,8

226

Bergarb.  Saargeb.

58

8,0

131

18,1

6

0,8

195

17

2,4

153

21,3

25

5,5

195

Bergarb.  Schlesien

24

4,1

164

29,5

5

0,8

193

181

32,7

12

2,4

—

—

193

Summa:

198

—  (379

—

37

—

614

238

—

304

—

72

—

614
        <pb n="185" />
        b)  Vergnügen  im  Wirtshaus:

Altersklasse

Lohnklasse

•“*"5
S
1
8

7  o

30—  40  J.

7»

40  -50  J.

7»

Summa

10-20  M.

7  o

20-  30  M.

7o

30-  40  M.

7«

c4
S
B
3
CO

Bergarb.  Ruhrgeb.

56

6,9

93

11,1

12

1,4

161

6

0,8

96

11,8

59

7,4

161

Bergarb.  Saargeb.

87

12,1

64

8,7

4

0,5

155

4

0,5

141

19,5

10

1,5

155

Bergarb.  Schlesien

36

6,5

53

9,5

2

0,2

91

76

13,7

15

2,7

—

—

91

Summa:

179

—

210

—

18

—

407

86

—

252

—

69

—

407

c)  Vergnügen  sowohl  in  der  Familie
als  im  Wirtshaus:

Altersklasse

Lohnklasse

20—  30  J.

7-o*


1
8

°/o

o
lO
1
o

7»

Summa

10—20  M.

7»

20-  30  M.

7  o

30-  40  M.

7o

Summa

Bergarb.  Ruhrgeb.

200

24,6

54

6,6

4

0,4

258

18

2,3

127

15,7

113

13,9

258

Bergarb.  Saargeb.

120

16,6

139

19,3

22

3,0

281

25

3,4

228

31,7

28

3,9

281

Bergarb.  Schlesien

94

17,9

60

10,8

16

2,8

170

132

23,8

38

6,8

—

—

170

Summa:

414

—

253

—

42

—

709

175

—

393

—

141

—

709

d)  Kein  Vergnügen  in  der  Familie:

Altersklasse

Lohnklasse

8
!
o
CM

7*

O
1
8

7»

40-50  J.

°/o

Summa

S
8
1
©

7»

20  -  30  M.

7»

£
o
1
8

Summa

Bergarb.  Ruhrgeb.

41

5,0

_

41

_

10

1,2

31

3,8

41

Bergarb.  Saargeb.

—

—

19

2,6

3

0,4

22

2

0,2

18

2,6

2

0,2

22

Bergarb.  Schlesien

2

0,3

28

5,0

2

0,3

32

24

4,3

8

1,4

—

—

32

Summa:

2

—

88

—

5

—

95

26  |

—

36

—

33

-

95

258
        <pb n="186" />
        259

e)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Altersklasse

Lohnklasse

*—s
O
ro
1
O

°/o

*-3
O
I
8

°/°

&amp;gt;
O
iO
1
0
TP 1

%

Summa

1
O

7»

20-30  M.

7»

30-40  M.

7«

Summa

Bergarb.  Ruhrgeb.

41

5,0

49

6,0

34

4,2

124

5

0,7

17

2,0

102

12,6

124

Bergarb.  Saargeb.

12

1,6

17

2,3

38

5,2

67

2

0,2

65

9,1

—

—

67

Bergarb.  Schlesien

21

3,6

14

2,5

33

5,9

68

56

10,1

12

2,1

—

—

68

Summa:

74

—

80

—

105

—

259

63

—

94

—

102

—

259

Summarisch:
Vergnügen  in  der  Familie  614  —  29,5
Vergnügen  im  Wirtshaus  407  =  19,6
Vergnügen  sowohl  in  der  Familie  als  im
Wirtshaus  709  =  33,9
Kein  Vergnügen  in  der  Familie  95  —  4,6
Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen  .  .  .  259  —  12,4

2084  —  1000/0

Finden  Sie  Ihr  Vergnügen  mehr  in  der  Familie  oder  im
Wirtshaus,  und  halten  Sie  den  Genuß  von  Alkohol  für  entbehrlich, ­
  oder  können  Sie  nach  dem  Genüsse  desselben  besser
arbeiten?

Textilarbeiter.  Entlohnungsform:  Akkord.

Alter

4&amp;gt;
T3
C
3
’o
&amp;gt;
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

Jhr.

£

M.

ffl

20

—

12,-Zu

 ­


Trinke  keinen  Alkohol,  bin  ganz  und  gar
Vegetarier.  (3.)  [T.  F.]

21

—

12,-Weber



Den  Genuß  von  Alkohol  halte  ich  nicht
für  unentbehrlich.  (3.  t.)  [T.  F.]
        <pb n="187" />
        u.
&amp;lt;

(_
T3
c
2
*&amp;gt;
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäftigung

Jhr.

&amp;amp;

M.

03

22

—

13,—

Weber

Den  Genuß  von  Alokohol  halte  ich  für
entbehrlich.  Nach  dem  Genuß  desselben
werde  ich  faul  und  liefere  fehlerhafte
Ware.  (3.)  [T.  F.]

23

—

9,-Stricker



Meistens  in  der  Familie,  aber  Prösterken
bleibt  Prösterken.  (3.)  [T.  F.]

24

—

11,—

Weber

In  der  Familie,  aber  auch  im  Wirtshaus.
(4-t.)  [T.F.]

25

1

21,—

Weber

Den  Alkohol  halte  ich  nicht  für  entbehr^
lieh.  In  meiner  Arbeit  ist  ein  Schnaps
sehr  gut,  und  man  fühlt  sich  etwas  wohler.
(3.)  [F.B.]

26

18,-Spinner



Ich  bin  gerne  zuhause,  kann  es  auch  ohne
Bier  und  Schnaps  machen,  ich  trinke  aber
nach  Bedarf.  (3.)  [T.  F.]

26

—

11,—

Spinner

Mich  macht  Alkohol  etwas  vergnügter,  arbeite ­
  nachdejm  wie  vordem.  (3.)  [T.  F.]

27

—

16,-Spinner



Ich  bin  grundsätzlich  alkoholfrei  (1.)  [T.  F.J

27
260

11,-Spinner


1

Etwas  Alkohol  macht  mich  etwas  Ge-*
spensterhafter  wenn  Sie  mich  damit  verstehen, ­
  ich  meine  damit  daß  meine  Hände
faßt  geisterhaft  arbeiten  ungefähr  so  ich
arbeite  schnell  aber  unsicher  jedoch  richtig, ­
  weis  aber  nicht  genau  was  ich  verrichtet ­
  habe.  (3.)  [T.F.]

a  xi
&amp;lt;  _

Jhr.  ^  M.

13,—  Weber

28  1

20,—  Tuch-!
  weber

was  der  Genuß  von  Alkohol  anbelangt
tu  Ich  meistenz  Gesellschaftlich  oder  wen
Ich  manchmal  den  Lebensmut  verliere
welche  von  vielen  kummer  und  Sorge  her
deren  wen  der  lohn  nicht  auslangt.  (4.  t.)
[T.  F.]
In  der  Familie  mehr  Alkohol  ist  entbehrlich, ­
  aber  durch  meine  Tätigkeit  in
der  politischen  Organisation  gezwungen
öfters  in  Wirtshäusern  zu  verkehren,  zieht
        <pb n="188" />
        Alter

O
*a
c
£
13
*&amp;gt;
4&amp;gt;

•C  c
0  V
2  -C.«
2  °]
3^
a

-  W&amp;gt;
0  C
2  fe  ä
£
&amp;lt;  o
V)

jhr

S*

M.

m

30

2

25-Spinner



Alkohol  halte  ich  für  folstendig  überflüssig, ­
  vor  sowie  nach  der  Arbeit.  Da  wir
aber  in  der  Zeit  der  trinksitten  leben  und
wo  man  sich  auch  nur  zusammen  findet
mach,  wird  getrunken  so  trinke  ich  Alkoholgetränke ­
  wie  Bier  als  das  billigere  und
am  schmakhaftesten  unter  dem  billigen.
Ich  finde  mein  Vergnügen  im  Umgang  mit
Menschen  besonders  Wissenden  oder
Wißbegierige.  Ob  ich  nun  in  der  Familie
Vergnügen  finde  kommt  darauf  an  wie  die
Frau  ist.  (3.)  [T.  F.]

30

2

32,—

Weber

In  der  Familie  finde  ich  kein  Vergnügen
aus  dem  Grunde,  weil  mann  trotz  aller  Intensiven ­
  Arbeit  die  Ausgaben  welche
dieselbe  beansprucht  nicht  bestreiten
kann,  den  Alkohol  verdamme  ich
nicht,  doch  trinkt  man  zu  viel  von  denselben, ­
  so  wird  mann  matt  für  den  ersten
Augenblick.  Dagegen  reizt  er  die  Nerven.
(3-1.)  [T.B.]

31

2

22,50

Weber

Ich  finde  viel  Vergnügen  in  der  Familie,
trotzdem  der  Wirtshausbesuch  für  so  einen
abgerackerten  Weber  manches  Anziehendes ­
  hat.  Sonst  nach  dem  Genuß  von  Alkohol ­
  werde  ich  in  der  Arbeitsleistung  minderwertiger. ­
  (3.)  [T.  F.]

31

3

23,—

Zwirner

Mein  Vergnügen  habe  ich  hauptsächlig
in  der  Familie,  und  auch  im  Kreise  gleichgesinnter
  Freunde.  Was  den  Genuß  des

262

Alkohols  betrifft  sage  ich  frei  und  offen
daß  ich  denselben  für  schädlich  halte,
ohne  diejenigen  zu  verachten  welche  anderer ­
  Meinung  sind.  (3.)  [T.  F.]

20,—

Kettenscherer ­


Weber

Mein  Vergnügen  finde  ich  zuhause,  wenn
ich  meiner  Frau  etwas  vorlesen  kann.  Den
Alkoholgenuß  halte  ich  nicht  für  entbehrlich, ­
  sondern  für  schädlich.  Arbeiter,
welche  sich  durch  Alkohol  zur  Arbeit
„stärken“  müssen,  sind  in  meinen  Augen
erbärmliche  Schwächlinge.  (1.)  [T.  F.]
Das  ist  eine  Gewissensfrage,  die  sehr
schwer  zu  beantworten  ist,  weil  sie  in  das
Naturell  des  Einzelnen  eingreift.
Der  Sinn  für  das  Familienleben  wird  durch
den  sehr  geringen  Verdienst,  welcher
Kummer  und  Sorgen  mit  sich  bringt  und
wodurch  des  öfteren  Zank  mit  der  Frau
entsteht  —  wobei  die  Kinder  Zeuge  sind
—  gestört.  Deßhalb  wird  ab  &amp;amp;  zu  ein  Stündchen ­
  im  Wirtshaus  für  einen  festen  Charakter ­
  &amp;amp;  guten  Gesellschafter  keine  Gefahr ­
  für  ihn  &amp;amp;  seine  Familie  in  sich  bürgen
und  neu  belebend  auf  seinen  Gemüthszu-:
stand  wirken.  Durch  den  Genuß  von  Al-i
kohol  während  der  Arbeitszeit,  wird  die
Produktivität  beeinträchtigt.  (1.)  [T.  F.]

23,—j

Zwirner

In  der  Familie  ist  es  schön,  im  Wirtshaus
ist  es  manchmal  noch  schöner.  Alkohol
kann  man  bei  der  Arbeit  nicht  gebrauchen.
(3-)  [T.F.]

263
        <pb n="189" />
        34  i  5

Spinner

Bis  jetzt  habe  ich  noch  kein  Vergnügen
gehabt,  weder  in  der  Familie  noch  im
Wirtshaus.  Hat  man  sich  einen  Rausch  angetrunken, ­
  so  ist  am  andern  Tag  die  Enttäuschung ­
  umso  größer.  (3.)  [T.  F.]

35

6

25,—

Weber

Bei  abstumpfender  Arbeit  in  einer  elenden
Wohnung  inmitten  einer  großen  Kinderschar ­
  kann  von  Vergnügen  nicht  die
Rede  sein.  Der  Kapitalismus  zerstört  jedes
Familienleben,  und  darum  gehe  ich  ins
Wirtshaus.  (3.  t.)  [T.  B.]

36

3

23,—

Weber

Wer  während  der  Arbeit  vom  Schnapstrinken ­
  spricht,  dem  schmeckt  keine  Arbeit
erst  recht  dann  nicht.  Doch  möchte  kein
Abstinenzler  sein,  die  saufen  gewöhnlich
zuhause  sich  ein.  (3.)  [T.  F.]

37

2

21,—

Weber

Ich  gehe  sehr  selten  ins  Wirtshaus,  trinke
zuhause.  (3.)  [T.  F.]

38

22,—

Weber

Diese  Frage  müßte  jedem  Arbeiter  vorgelegt ­
  werden  meine  heiligste  Pflicht  ist  der
Wohlstand  der  Familie  muß  mitunter  ins
Wirtshaus  gehn,  schon  aus  dem  Grunde
da  wir  sonst  daß  Lokal  zu  Versammlungszwecken ­
  verlieren,  halte  den  Genuß  von
Alkohol  direkt  überflüssig.  (3.)  [T.  F.]

39

3

22,-1

Weber

ja  u.  nein  zu  Hause  ist  es  dumpf  und  klein
in  der  Wirtschaft  mach  ich  auch  nicht  sein
am  liebsten  geh  ich  im  Walde  spazieren,

264

Jhr.

u

xi

J=  G

s

»  jQ.Ü
•g  g-o

M.

D
CdD
:eö
x:
o
tfl
&amp;lt;D
OQ

40

3

23,—

Weber

41

1

17-Weber



42

4

26,—

Weber
1

der  Alkohol  ist  wohl  entbehrlich,  aber  verachten ­
  tuhe  ich  ihn  auch  nicht.  Arbeiten
kan  ich  darum  gleich  gut,  den  so  viel  kann
ich  mir  davon  nicht  erlauben.  (3.)  [T.  F.]
Vergnügen  in  der  Familie  der  Alkohol  ist
entberlich.  (4.  t.)  [T.  F.]
Mein  Vergnügen  finde  ich  mehr  im  Familienleben. ­
  Wirtshausgehen  ist  mir  sehr
verhaßt.  Nur  wenn  ich  gezwungen  bin,
gehe  ich  dorthin.  Mir  gefallen  die  Gespräche ­
  die  hier  unter  dem  Einflüsse  des
Alkohols  stattfinden  nicht.  Halte  überhaupt
das  Wirtshausleben  aus  verschiedenen
Gründen,  hauptsächlich  in  bezug  auf  Familienleben, ­
  speziell  Kinderaufklärung  für
sehr  schädlich.  Der  Genuß  von  Alkohol
ist  auf  alle  Fälle  entbehrlich.  Genieße  ich
während  der  Arbeit  Alkohol  so  werde  ich
nach  einiger  Zeit  müde,  leichtsinniger,
flattriger.  Von  besser  arbeiten  gar  keine
Rede.  Er  degenerriert  mit  der  Länge  der
Zeit  den  Geisteszustand  furchtbar,  hauptsächlich ­
  die  Energie  u.  Willenskraft.  Man
braucht  sich  nur  Leute  anzusehen,  die
früher  nicht  getrunken  haben,  nachdem
aber  willenloses  Werkzeug  —  bedauerliche
Geschöpfe  wurden.  (1.)  [T.  F.]
Ich  bin  ein  abgesagter  Feind  aller  seichten
oberflächlichen  &amp;amp;  banalen  Gespräche.  .
Kommt  es  zuweilen  vor,  daß  ich  bei  ein
265
        <pb n="190" />
        (1
&amp;lt;D
T3

c  ,
J3  G

M  tß
5  G

,  ...  -

1  Altei

3
T&amp;gt;
’&amp;gt;
&amp;lt;i&amp;gt;

»  J3
ja  0  ;
e|  ]
Q

3  j;  ä
3  -a  £
3  t  £
*  &amp;lt;  0
CO

Jhr

■  §*

M.

n

paar  Glas  Bier  länger  als  notwendig  sitze,
so  ist  es  bei  anregenden  Gespräch,  unter
gleich  gesinnten  Freunden.  Während
meiner  etwa  1  Jahr  dauernden  Mitgliedschaft ­
  beim  Arbeiterabstinentenbund  war
ich  oft  sehr  niedergeschlagen.  Die  ganze
Erbärmlichkeit  der  eigenen  Lebenslage,  der
Stumpfsinn  des  großen  Teiles  der  Arbeitskollegen

  lag  mir  schwer  aufs  Gemüt.  Es
zeigten  sich  damals  zum  ersten  mal  im
meinem  Leben  die  ganzen  Verhältnisse  in
einer  Schärfe  &amp;amp;  Klarheit,  daß  ich  beinahe
zum  Menschenverächter  geworden  wäre
(2.)  [T.B.]

43

—

18,-Weber



ich  Tringe  gerne  weil  ich  Kein  Kinder  habe
kan  es  mir  leisten.  (4.)  [T.  F.]

44

3

21

Stück-Ich

  finde  mein  Vergnügen  in  der  Familie.

färber

Der  Genuß  von  Alkohol  schadet  einem  Arbeiter ­
  nicht,  er  giebt  ihm  frischen  Mut  und
Kraft.  (3.)  [T.F.]

45

2

32,—

Teppich-Schnaps

  trinke  ich  selten,  aber  gern,  soweber



daß  es  manchmal  zuviel  wird,  aber  arbeiten
kann  ich  dann  nicht.  (3.)  [T.  B.]

46

9

30,-Spinner



In  der  Familie  ist  es  schön,  solange  keine
Not  vorhanden,  andernfalls  liebe  ich  das
Wirtshaus.  (3.)  [T.  B.]

47

1

10,-Weber



Ich  gehe  nur  dann  ins  Wirtshaus,  wenn
ich  dort  etwas  Vernünftiges  zu  tun  habe:

1

Sitzung,  Versammlung,  Zahlabend,  Unterricht ­
  nehmen  oder  erteilen.  —  Den  Al-266



M.

kohol  halte  ich  für  entbehrlich;  obgleich
ich  kein  Abstinenzler  bin,  trinke  ich  oft
monatelang  keinerlei  geistige  Getränke.
Letztere  beeinträchtigen  nach  meinen  Erfahrungen ­
  und  Beobachtungen  die  körperliche ­
  und  geistige  Leistungsfähigkeit,  deshalb ­
  trinke  ich  mit  meinen  Freunden
immer  nur  dann  einen  „vergnügten  Schoppen“, ­
  wenn  alle  ernsthaften  Arbeiten  erledigt ­
  sind,  (i.)  [T.  B.]

7

18,—

Weber

Alkoholtrinker  weck  damit.  Ein  Arbeiter,
der  enträsse  führ  seine  Famielie  hat  wirt
sich  nicht  sehr  nach  den  Wirtshaus  Senen
Ausgeschlossen  Mahl  komt  es  doch  vohr
das  Man  auch  mahl  Einkneipt.  (4.)  [T.  F.]

3

18,—

Weber

Vergnügen  finde  ich  weder  in  der  Familie
noch  im  Wirtshaus.  Den  Alkohol  halte
ich  für  entbeerlich,  bei  der  Arbeit  in  der
Fabrick  ist  er  höchst  schädlich  und  ermüdet. ­
  Aber  nach  Arbeitsschluß  Trinke
ich  auch  mal  mit  aber  mäßig  den  es  ist
das  best  Mittel  die  Grillen  zu  vertreiben  in
Ermangelung  andre  Mittel.  (3.  t.)  [T.  F.]

Weber

Die  Familie  ist  mir  alles.  Das  Wirtshaus
gamichts.  Früher  habe  ich  tüchtig  Schnaps
getrunken,  das  Gift  wirkte  auf  meinen
Körper  Seele  und  Geist  schädigend  ehelich
störend  ein.  Wer  dieses  Gift  zu  sich
nimmt,  ist  ganz  sicher  ein  unregelmäßiger
Arbeiter,  ein  Zänker,  Störenfried.  (2.)
[T.F.]

267
        <pb n="191" />
        268

a)  Den  Genuß  von  Alkohol  hieltenfür  entbehrlich

Altersklasse

Lohnklasse

*—)
O
co
1
o
CM

7®

o
Th
1
8

7»

40-50  J.

7®

Summa

£
CM
1
©

7o

20  -  30  M.

7  -

30-  40  M.

7«

|  Summa

Textilarb.  Berlin

64

15,2

139

33,1

39

9,3

242

3

0,7

176

42,0

63

15,0

242

Textilarb.  Forst

160

21,7

328

44,6

20

2,7

508

291

39,0

217

29,5

—

—

508

Summa:

224

—

467

—

59

—

750

294

—

393

—

63

—

750

b)  Den  Genuß  von  Alkohol  hielten  für
unentbehrlich:

Altersklasse

Lohnklasse

20—30  J.

7»

S
O
1
8

°/o

40-50  J.

7»

Summa

£
o
CM
1
o

7»

20-  30  M.

7®

£
o
1
8

7®

!  Summa
l

Textilarb.  Berlin

8

1,9

n

2,6

4

0,9

23

2

0,5

15

3,5

6

1,4

23

Textilarb.  Forst

34

4,6

8

1,0

3

0,4

45

21

2,5

24

3,3

—

—

45

Summa:

42

—

19

—

7

—

68

23

—

39

—

6

—

68

c)  Nach  dem  Genüsse  von  Alkohol  besser
arbeiten  zu  können,  gaben  an:

Altersklasse

Lohnklasse

O
CQ
1
O
CM

7»

o
1
8

®/0

o
m
i
§

%

Summa

8
1
o

7®

20-30  M.

7»

30—  40  M.

7®

Summa

Textilarb.  Berlin
Textilarb.  Forst

21
40

5,0
5,4

16
71

3,7
9,5

6

0,7

37
117

73

9,9

24
44

5,8
5,3

13

3,2

37
117

Summa:

61

—

87  |  —

6  1  -

154

73

—

68

—

13

—

154
        <pb n="192" />
        d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Altersklasse

Lohnklasse

*■""5
O
co
1
0
04

7°

O
O
CO

7°

40—  50  J.

7»

Summa

10—20  M.

7«

20-  30  M.

7  -

0
8

7»

c&amp;lt;S
6
&amp;lt;z&amp;gt;

Textilarb.  Berlin

42

10,0

64

15,7

11

2,6

117

1

0,2

90

21,5

26

6,2

117

Textilarb.  Forst

26

3,8

27

3,9

11

1,8

64

j  28

3,8

36

4,3

—

—

64

Summa:

68

-

91

—

22

—

181

|  29

—

126|  —

26

—

181

Summarisch:
Den  Genuß  von  Alkohol  hielten  für  entbehrlich  750  =  65,0
Den  Genuß  von  Alkohol  hielten  für  unentbehrlich ­

  68  =5,9
Nach  dem  Genüsse  von  Alkohol  besser  arbeiten ­
  zu  können,  gaben  an  154  —  13,4

Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen  ....  181  =  15,7
1153  =  100%

a)  Vergnügen  in  der  Familie:

Altersklasse

Lohnklasse

O
CO
1
O
OJ

7«

O
1
8

70

40-50  J.

7«

Summa

10—20  M. !

7»

20—30  M.

7»

30—  40  M.

7o

Summa

Textilarb.  Berlin

24

5,7

83

19,4

52

12,9

159

2

0,6

134

32,2

23

5,5

159

Textilarb.  Forst

62

8,4

206

28,0

12

1,6

280

139

18,9

141  19,3

—

—

280

Summa:

86

—

289

—

64

—

439

141

—

275

—

23

—

439

b)  Vergnügen  im  Wirtshaus:

Altersklasse

Lohnklasse

20-30J.

7  0

■—5
O
1
8

7°

40  —50  J.

7o

Summa

10—20  M.

70

20-30  M.

7»

30  -40  M.j

7«

a
£
£
3
CO

Textilarb.  Berlin

8

1,5

4

0,5

8

1,5

20

—

—

5

1,1

15

3,5

20

Textilarb.  Forst

34

4,6

51

6,8

2

0,2

87

42

5,8

45

6,2

—

87

Summa:

42

—

55

—

10

—

107

42

—

50

-

15

—

107
        <pb n="193" />
        c)  Vergnügen  sowohl  in  der  Familie
als  im  Wirtshaus:

Altersklasse

Lohnklasse

8
i
8

&amp;gt;

O
1
8

7°

40-50  J.

7»

Summa

10-20  M.

7*

20-30  M.

7»

30-  40  M.

7o

Summa

Textilarb.  Berlin

51

12,2

108

26,0

12

3,0

171

1

0,3

128

30,5

42

10,0

171

Textilarb.  Forst

126

17,1

93

12,9

6

0,9

225

128

17,4

97

13,2

—

—

225

Summa:

177

—

201

—

18

—

396

129

—

225

—

42

—

396

d)  Kein  Vergnügen  in  der  Familie:

Altersklasse

Lohnklasse

O
ro
|

7*

o
j

7°

o
IO

7«

rt
E
E

-20  M.

7»

-30  M.

7«

-40  M.

7o

E
E

o

o
CO

o

3
CO

1
o

1
o
CM

1

CO

Textilarb.  Berlin

2

0,4

17

4,0

19

3

0,6

6

1,4

10

2,3

19

Textilarb.  Forst

—

—

34

4,6

5

0,6

39

24

3,2

15

2,1

—

—

39

Summa:

2

—

51

—

5

—

58

27

—

21

—

10

-

58

e)  Nicht  beantwortet

haben

diese  Fragen:

Altersklasse

Lohnklasse

20-30J.

7°

30—  40  J.

°/0

40-50  J.

7»

Summa

10—20  M.

7«

20-30  M.

7»

30-40  M.
l

°/o

I  Summa
l

Textilarb.  Berlin

12

3,0

31

7,5

7

1,7

50

32

7,7

18

4,3

50

Textilarb.  Forst

42

6.6

29

4,2

32

4,9

103

80

10,9

23

3,1

—

—

103

Summa:

54

—

60

—  |  39  |  —

153

80

—

55

—

18

—

153

Summarisch:
        <pb n="194" />
        Finden  Sie  Ihr  Vergnügen  mehr  in  der  Familie  oder  im
Wirtshaus,  und  halten  Sie  den  Genuß  von  Alkohol  für  entbehrlich, ­
  oder  können  Sie  nach  dem  Genüsse  desselben  besser
arbeiten?
Metall-Arbeiter.

&amp;lt;L&amp;gt;
&amp;lt;

u
o
T3
G
2
13
a&amp;gt;

Durchschm
Wochenverdienst ­


Art  der
esctaäftigung

Jhr.

&amp;amp;

M.

03

20

—

30,—

Schlosser ­


Ich  schwärme  für  die  Natur,  bin  interessiert ­
  an  bildenden  Vorträgen  und  meide
prinzipiell  den  Genuß  des  Alkohols  der
ja  den  Denkprozeß  herabsetzt.  (2.)  [M.B.]

21

32,—

Dreher

Ich  verzichte  aufs  Wirtshaus  und  Alkohol
vollkommen,  wenn  ich  Gelegenheit  hätte,
in  gebildeten  Familien  zu  verkehren.  Kann
mit  nüchternem  Kopf  besser  arbeiten,  jedoch ­
  erhöht  sich  die  Phantasie,  wenn  ich
einen  Rausch  habe.  (3.)  [M.  B.]

22

32,—

Metallarbeiter ­


Ich  habe  kein  allzu  großes  Vergnügen  in
der  Familie,  da  niemand  da  ist,  der  mich
geistig  anregt.  Alkohol  halte  ich  für  entbehrlich ­
  und  hat  weder  im  guten  noch  im
schlechten  Sinne  bei  der  Arbeit  Einfluß
auf  mich.  (1.)  [M.  B.]

23

i

24,—

Maschinen ­
 ­


Den  Alkohol  kann  ich  so  ziemlich  entbehren, ­
  aber  ich  sage  mir,  Schnaps  und
Bier  sind  gut,  um  den  Staub  herunterzuspülen. ­
  (3.)  [M.  S.]

24
/

33,—

Kernmacher ­


Ich  bin  unverheiratet  und  Abstinenzler,
gehe  nicht  ins  Wirtshaus,  sondern  beteilige ­
  mich  an  Kursen  zur  Verfeinerung
der  Lebensanschauung.  (2.)  [M.B.]

271
        <pb n="195" />
        27

27  2  24,-1

  38,—

Vergnügen  in  der  Familie,  doch  brauche
ich  auch  Abwechslung.  Ich  habe  Milch,
Brauselimonade,  Malzbier  getrunken,  doch
war  ich  immer  schwächlich  dabei.  Seitdem
nun  ab  und  &amp;gt;zu  wieder  Alkohol  genieße,
fühle  ich  mich  wohler,  und  er  wirkt  nur
schädlich,  sobald  ich  betrunken  bin.  (3.)
[M.  S.]
Metall-  Finde  mein  Vergnügen  mehr  in  der  Faschleifer
  milie,  den  Genuß  von  Alkohol  halte  ich
für  entbehrlich.  Früher  habe  ich  bemerkt,
daß  nach  mäßigem  Genuß  von  Alkohol
die  Arbeit  flotter  ging.  (3.)  [M.  S.]
Schlos-  Ein  edles  Vergnügen  giebt  es  ja  auch  in
ser  der  Familie  selten.  Alkohol  ist  für  mich
entbehrlich.  Nach  dem  Genüsse  tritt  Ermüdung ­
  ein.  (2.)  [M.  B.]

29  3  24,—  Gürtler

rauchgeschwängerten  Wirtshause  bei  einer
vom  Alkohol  diktierten  Stimmung  genehmer ­
  sein  als  die  so  karg  bemessene  freie
Zeit  sich  selbst  und  seiner  Familie  zu
widmen.  Trotzdem  ich  nicht  Abstinent
bin,  halte  ich  den  Alkohol  für  entbehrlich.
Einen  günstigen  Einfluß  in  irgendeiner
Form  muß  ich  ihm  entschieden  absprechen. ­
  (1.)  [M.S.]
Ich  fühle  mich  am  wohlsten  bei  meiner
Frau  und  Kinder.  Alkohol  und  Schnaps
finde  ich  sehr  überflüssig.  Bei  meiner  Arbeit ­
  muß  ich  einen  klaren  Kopf  haben.
(3.)  [M.S.]
        <pb n="196" />
        274

18#

275

30

2

28,—

Gürtler

Mehr  in  der  Familie,  bin  aber  kein  Abstinent. ­
  Nach  dem  Genuß  von  Alkohol  wird
man  müde.  (3.)  [M.  S.]

31

3

34,—

Metallschleifer ­


Ein  Vergnügen  finde  ich  in  beiden  Fällen
nicht  weil  man  follständig  Abgespannt  ist.
Den  Genuß  von  Alkohol  halte  ich  für
entbehrlich.
Daß  man  nach  den  Genuß  von  Alkohol ­
  besser  arbeiten  kann  möchte  ich
bestreiten  da  ich  nach  den  Genuß  am
anderen  Tag  meine  Arbeit  nicht  in  dem
Maße  ausführen  kann  wie  sonst.  (3.)  [M.  S.]

31

2

30,—

Metallarbeiter ­


In  der  Familie  fühl  ich  mich  behaglich,  im
Wirtshaus  suche  ich  Zerstreuung  durch
Spiel  und  Trunk,  und  Gesang.  Den  Genulß
  von  Alkohol  halte  ich  nicht  ganz
für  entbehrlich,  wie  bei  der  Arbeit,  oder
nach  der  Arbeit.  Kann  beim  Genuß  von
Alkohol  anregender  arbeiten.  (3.)  [M.  S.]

32

3

25,—

Werkzeug-




Bei  solchen  Lohn  gegen  über  den  Ausgaben ­
  für  die  Familie,  Nahrungsmittel  u.
Miethe  muß  mann  sich  schon  Vergnügt
machen  mit  seiner  Familie,  indem  mann
Ausflügen  und  Spaziergänge  hinnaus  in  die
freie  Natur  unter  nimmt.  In  einen  freundlichen ­
  Wirtshaus  bei  anregender  Unterhaltung ­
  ein  paar  Glas  Bier  wird  mir  nichts
schaden  und  die  Familie  hat  keinen  Nachteil ­
  davon.  Für  vollständige  Abstinents
werde  ich  nie  zu  haben  sein,  aber  mög-O


JhT

c  ,  *-ja
  c  ®
o  &amp;lt;5  c
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G^ &amp;gt;

M.

M
G

o
•a
V,
&amp;lt;

ca

liehst  wenig  Alkohol  konsumieren,  ja
Bei  der  Arbeit  ein  Glas  einfach  Bier  wirkt
erfrischend.  (3.)  [M.  S.]

32

4

36,—

Metallarbeiter ­


Nach  angestrengter  geistiger  Tätigkeit  ist
mir  Genuß  von  Alkohol  mitunter  Bedürfnis, ­
  um  die  geistige  Maschine  zum  Stillstand ­
  zu  bringen.  (1.)  [M.  B.]

33

3

28,—

Schlosser ­


Ich  ärgere  mich  jedesmal,  wenn  ich  mich
von  Arbeitskollegen  verleiten  lasse,  in  ein
Wirtshaus  zu  gehen.  Zuhause  wartet  die
Frau  mit  dem  Essen  und  wie  gemütlich
könnte  man  sichs  machen.  Warum  haben
wir  die  vielen  Budiken,  wo  einem  mit  erheuchelter ­
  Freundlichkeit  die  Groschen  abgenommen ­
  werden?  Ich  werde  müde  und
matt,  wenn  ich  Schnaps  oder  Bier  trinke.
Ich  kenne  welche,  die  Schnaps  trinken,
blos  Um  ihr  großes  Maul  zeigen  zu  können. ­
  (1.)  [M.  O.]

34

3

Scherenschleifer ­


Mein  liebstes  Vergnügen  ist,  meine  freie
Zeit  meiner  Familie  zu  opfern,  und  darum
ist  der  Alkohol  bei  mir  ein  entbehrliches
Getränk,  ja  ein  gefährliches  Getränk.  Es
bringt  den  häuslichen  Unfrieden.  Ob  man
nach  Genuß  desselben  besser  arbeiten
könnte,  möchte  ich  in  Zweifel  ziehen.  (1.)
[M.S.]

35

2

28,—

Metallarbeiter ­


Das  Familienleben  ist  mir  das  liebste.  Ich
trinke  keinen  Schnaps,  denn  danach  werde
ich  furchtbar  matt.  (3.)  [M.  S.]
        <pb n="197" />
        Metallarbeiter ­


Beides  trifft  bei  mir  nicht  zu.  Ich  meide
schon  viele  Jahre  jeden  Alkoholgenuß,
halte  die  Abstinenz  für  die  höchste  Vorbedingung ­
  der  Arbeiterbewegung.  Damit
will  ich  nicht  sagen,  daß  die  Arbeiter  Asketen ­
  werden  sollen,  aber  sie  sollen  nur
kulturfördernden  Genüssen  fröhnen.  Die
meisten  Arbeiter  finden  leider  kein  Vergnügen ­
  in  der  Familie.  Es  geht  ihnen  so
wie  mir.
Ich  habe  mich  entwickelt,  während  meine
Frau  trotz  aller  erdenklichen  Mühe  dieselbe ­
  blieb.  Sie  ist  ja  ein  Muster  von  einem
braven  Weib,  aber  ich  kann  nun  einmal
nicht  im  Weibe  nur  das  Weib  lieben,  wenn
sie  nicht  mit  mir  fühlt,  denkt,  (i.  t.)  [M.  S.]
Um  die  Gedanken,  die  mich  beschäftigen,
auszuspinnen,  ist  das  Wirtshaus  der  allerungeeignetste
  Ort.  Alkohol  ist  mir  ein
Greuel,  mein  körperlicher  Organismus  hält
nur  dem  allergeringsten  Quantum  stand.
Ein  wenig  darüber  und  ich  bin  zu  einer

(-&amp;lt;
&amp;lt;ü
73

W5
C

Alter

£
’►  '
D

43  .2
a*  &amp;gt;

Art  der
sschäftigi

jhr.

&amp;amp;

M.

03

physischen  oder  geistigen  Arbeit  minderwertig. ­
  (2.)  [M.  S.]

40

1

28,—

Metall-Meine

  Familie  und  ich  sind  eng  verbüß-:

arbeiter

den  miteinander  in  Freud  und  Leid.  Ich
liebe  und  verehre  Frau  und  Kind,  kenne
keinen  Alkohol.  (2.)  [M.  S.]

41

3

35,—

Former

Meine  größte  Freude  ist,  wenn  ich  am
Abend  von  der  Arbeit  heimkehfe,  dem
lustigen  Geplauder  meiner  Lieblinge  zu
lauschen.  Alkohol  halte  ich  für  das  größte
Gift  der  Menschheit.  Nach  den  Erfahrung
gen,  die  ich  gemacht  habe,  ist  mir  jedes-:
mal  nach  dem  Genuß  von  Alkohol  die
Lust  zur  Arbeit  vergangen.  (2.)  [M.  B.]

42

6

28,—

Former

Manchmal  treibt  mich  das  Elend  und  die
schlechte  Lebensart  ins  Wirtshaus.  Dann
vergesse  ich  solange  den  Kummer,  den  ich
mir  mache,  weil  meine  Familie  nicht  anständig
  ernähren  kann.  (3.  t.)  [M.  O.]

43

2

38,—

Werk-Meine

  Familie  ist  mir  die  Oase,  auf  die

zeugmich

  zurückziehe,  wenn  die  Widerwärtigschlos-



  des  Lebens  auf  mich  eindringen.

ser

Meine  Frau  ist  mir  der  beste  Kamerad
und  der  verschwiegenste  Freund.  Schnaps
trinke  ich  seit  zwanzig  Jahren  nicht  mehr.
(2.)  [M.B.]

44

4

28,—

Metall-Ab

  und  zu  einen  kleinen  Schnaps.  Befinde

arbeiter  mich  sehr  wohl  dabei.  (3.)  [M.  S.]

277
        <pb n="198" />
        jewjkgsü.

'

Jhr.

45

46

47

£

48

49  6

50

AB“
O  &amp;lt;D  Ö
g  8-2
I**

M.

278

24,—

30,—

40,-24,—



22,-28,—



Metallarbeiter ­

Metallschleifer ­


Metallarbeiter ­


Feilenhauer ­


Uhrketten ­
 ­

Metallarbeiter ­


Ich  bin  gern  im  Kreise  meiner  Kinder,  nur
meine  Frau  ist  sehr  zänkisch.  (3.)  [M.  O.]
Im  Wirtshaus  nicht.  In  der  Familie.  Nach
Alkohol  größere  Ermüdung,  dann  Verdruß.
(3.)  [M.S.]
Finde  mein  Vergnügen  mehr  in  der  Familie. ­
  Vertrinke  mir  aber  einmal  die  pekuniären ­
  Sorgen.  Weiß  natürlich  auch,  daß
es  nicht  besser  wird,  aber  der  Charakter
ist  einmal  so.  Ich  kann  schwer  aus  meiner
Haut  heraus.  (3.)  [M.  B.]
Ich  liebe  beides,  bin  kein  Alkoholgegner.
Bei  schwerer  Arbeit  nützt  Schnaps  mehr
als  Wasser.  Von  Wasser  schwitzt  der
Arbeiter  mehr.  (3.)  [M.  S.]
Ich  kenne  kein  Wirtshaus.  Ich  will  vom
Alkohol  garnichts  hören.  Das  überzeugt
mich  das  ganze  Dorf.  (3.)  [M.  O.]
Ausschließlich  in  der  Familie.  Trinke
weder  Bier,  Wein  |und  Kaffee,  noch  rauche
Tabak,  Zigarren,  Zigaretten.  Das  so  gesparte ­
  Geld  lege  ich  mir  zurück,  um  gute
Bücher  zu  kaufen  und  um  größere  Wanderungen ­
  in  der  Natur  zu  unternehmen.
So  besuchte  ich  den  Harz,  Riesengebirge,
Erzgebirge,  die  Schweiz  und  den  bayerischen ­
  Wald.  Im  Winter  besuche  ich  einmal

  das  Theater,  die  Opera,  da  ich  sehr
musikalisch  bin.  (2.)  [M.  S.]

Jhr.

c  ,  ~
X3  ß  «
ü  §  C
P  8-9

a

^  £

M.

CU
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e
&amp;lt;

M
(3
3
an

ca

50

33,—

Fräser

Mehr  in  der  Familie.  Den  Genuß  von
Alkohol  halte  ich  für  entbehrlich,  aber  er
giebt  mir  Mut,  dem  Arbeitgeber  entgegenzutreten. ­
  (3.)  [M.  B.]

4

51

3

36,—

Metallarbeiter ­


Ich  bin  gern  zuhause,  doch  gehe  ich  auch
gern  in  die  Kneipe,  weil  ich  nach  Aufklärung ­
  verlange  und  ebenso  geben
möchte.  Den  Alkohol  halte  ich  nicht  für
ganz  entbehrlich,  sonst  würden  nicht  die
Völker  zu  allen  Zeiten  nach  narkotischen
Mitteln  gesucht  haben.  Noch  heute  haben
alle  Völker  Genußmittel,  die  dieselben  über
die  Misere  des  Lebens  hinweghelfen  sollen
oder  fröhliche  Stimmung  auslösen.  (1.)
[M.B.]

a)  Den  Genuß  von  Alkohol  hielten  für  entbehrlich:

Altersklasse

Lohnklasse

*-r&amp;gt;
8
1
S

7«

O
1
8

0/
/  0

—3
8
1
S

7«

Summa

110-20  M.

7  0

20—30  M.

°/
Io

30—40  M.

0/
Io

S
8
1
8

7o

Ct
B
B
3
C/5

Metallarb.  Berlin

129

18,1

361

50,0

38

5,3

528

11

1,5

128

17,9

373

52,3

16

2,3

528

Metallarb.  Soling.

268

38,5

190

28,7

134

19,2

592

28

4,1

419

60,2

142

20,4

3

0,4

592

Metallarb.Oberst.

42

10,3

80

20,2

6

1,5

128

97

24,6

31

7,9

—

—

—

—

128

Summa:

439

-

631

—

178

•-1248



136

—

578

—

515

—  |19

—

1248

279
        <pb n="199" />
        b)  Den  Genuß  von  Alkohol  hielten  für
unentb  ehrlich:

Altersklasse

Lohnklasse

*-~3

CJ

s

£

£

£

rt

8
1
Sä

7°

©
1
o
co

°/
10

S
1
§

7  •

B
B
co

8
1
°

7»

8
1
8

7o

§
1
8

%

o

°/
Io

6
B
3
CO

Metallarb.  Berlin

14

1,9

7

0,9

4

0,5

25

—

7

0,9

14

1,9

4

0,5

25

Metallarb.  Soling.

4

0,5

16

2,4

8

1,1

28

3

0,3

9

1,3

16

2,3

—

—

28

Metallarb.Oberst.

18

4,5)  34

8,6

2

0,5

54

30

7,5

24

6,0

—

—

-

—

54

Summa:

36|

—  |

57  |

—

14

—

107

33

—

40

—

30

—

4

—

107

c)  Nach  dem  Genüsse  von  Alkohol  besser
arbeiten  zu  können,  gaben  an:

Altersklasse

Lohnklasse

CO
1
8

7»

©
1
8

7.

s
1
s

7»

Summa

10—20  M.

7«

20-30  M.

7 0

30—40  M.

7«

40—50  M.|

7.

c3
B
B
s
CO

Metallarb.  Berlin

6

0,8

34

4,7

4

0,5

44

2

0,2

18

2,5

8

1,2

16

2,3

44

Metallarb.  Soling.

8

1,1

28

3,0

16

2,4

52

9

1,3

14

2,1

27

3,9

2

0,2

52

Metallarb.Oberst.

5

0,8

12

3,0

—

—

17

11

2,9

6

1,5

-

—

—

—

17

Summa):

19

—  174

—

20

—

113

22

—

38

35

—

18

—

113

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Altersklasse

Lohnklasse

*—-3
o
CO
|

7«

o

7o

5
O
iO
1

7«

03
E
E

-20  M.

7  *

-30  M.

01
Io

-40  M.

7.

-50  M.|

7o

eJ
E
E

8

©
co

©
TP

3
co

1
©

1
8

1
8

1
o

CO

Metallarb.  Berlin

60

6,4

44

6,1

11

4,5

115

6

0,9

74

10,5

20

2,8

15

2,3

115

Metallarb.  Soling.

10

1,4

8

1,1

6

0,8

24

22

3,1

2

0,2

24

Metallarb.  Oberst.

84

2,3

46

11,6

66

16,4

196

156

39,4

40

10,1

—

—

—

—

196

Summa:  |i54

—

98

—  j

83

—

335

184

—

114

—

20

—

17

—

335

280
        <pb n="200" />
        281

Summarisch:

Den  Genuß  von  Alkohol  hielten  für  entbehrlich
Den  Genuß  von  Alkohol  hielten  für  unent-1248



=  69,2

b  ehrlich
Nach  dem  Genüsse  von  Alkohol  besser  ar-=107



=  5,6

beiten  zu  können,  gaben  an

113

=  6,6

Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:  .  .  .

335

=  18,6

1803  =  ioqo/o

a)  Vergnügen  in  der  Familie:

Altersklasse

Lohnklasse

*—5
s?
1
8

7•

5
O
1
s

0/
Io

'—3
s?
1
§

7«

Summa

10—20  M.

7«

20-30  M.

01
Io

30—40  M.

°/o

140—50  M.

°l
Io

Summa

Metallarb.  Berlin

84

11,6

170

23,8

40

5,6

294

3

0,4

84

11,6

171

24,1

36

5,0

294

Metallarb.  Soling.

161

23,1

154

22,1

56

8,0

371

39

5,6

256

36,7

76

10,9

—

—

371

Metallarb.Oberst.

34

8,7

104

26,8

11

1,7

149

101

25,7

48

12,0

—

—

—

—

149

Summa:

279

—

428

—

107

—

8141

143

—

388

—

247

—

36

—

814

b)  Vergnügen  im  Wirtshaus:

Altersklasse

Lohnklasse

8
1
8

7«

&amp;gt; ~3
O
1
O
co

7o

40-50  J.

7«

Summa

10-20  M.

7*

20-30  M.

0/
Io

30-40  M.

0/  1
-  Io

140—50  M.j

7o

Summa

Metallarb.  Berlin

3

0,4

12

1,2

2

0,2

17

—

—

16

2,2

1

0,1

—

—

17

Metallarb.  Soling.

5

0,7

38

5,4

14

2,0

57

3

0,4

8

1,1

45

6,5

1

1,1

57

Metallarb.Oberst.

6

1,7

7

1,8

3

0,8

16

9

2,2

7

1,7

—

—

—

—

16

Summa:

14

—

57

—

19

—

90

12

—

31

—

46

—

1

—

90
        <pb n="201" />
        282

c)  Vergnügen  sowohl  in  der  Familie  als  im
.Wirtshaus:

Altersklasse

Lohnklasse

20—30  J.

7»

30—40  J.

0/
Io

g
1
§

7  0

Summa

S
8
1
O

°/o

20-30  M.

01
Io

30—40  M.

°/o

|40—50  M.|

7  „

Summa

Metallarb.  Berlin

102

14,1

126

17,5

13

1,7

241

7

0,9

108

15,1

126

17,8

—

—

241

Metallarb.  Soling.

30

4,3

64

9,2

71

10,2

165

20

2,8

98

14,0

41

5,9

6

0,8

165

Metallarb.Oberst.

98

24,9

52

13,1

4

1,0

154

128

32,3

26

6,0

—

—

—

—

154

Summa:

230

—

242

—

88

—

560

155

—

232

—

167

—

6

—

560

d)  Kein  Vergnügen  in  der  Familie:

Altersklasse

Lohnklasse

20—30J.

7*

•""S
O
i
0
CO

7o

g
1
s

7  0

Summa

10—20  M.

7«

20—30  M.

01
Io

30—40  M.

0/
10

|40—50  M.

°l
Io

Summa

Metallarb.  Berlin

16

2,2

32

4,4

48

11

1,6

22

3,0

15

2,2

48

Metallarb.  Soling.

4

0,6

2

0,2

9

2,8

15

—

—

7

1,0

8

1,1

-

—

15

Metallarb.Oberst.

3

0,8

—

—

—

—

3

1

0,2

2

0,5

—

—

—

—

3

Summa:

23

—

34

—

9

—

66

1

—

20

—

30

—  |15|  —

66

Summarisch:

Vergnügen  in  der  Familie

814

=  45,3

Vergnügen  im  Wirtshaus
Vergnügen  sowohl  in  der  Familie  als  im

90

=  5,i

Wirtshaus

560

=  3i,i

Kein  Vergnügen  in  der  Familie

66

=  3,2

Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:  .  .  .

273

=  15,3

1803  100%
        <pb n="202" />
        2.  Welchen  Einfluß  hat  auf  Sie  die  politische  und  Gewerkschaftsbewegung? ­
  Haben  Sie  dadurch  Hoffnung,  daß  es  bald  besser
für  Sie  wird?  Oder  sind  Sie  hoffnungslos  und  warum?
Sind  Uneigennützigkeit,  Entsagung,  absolute  Hingebung  an
ein  utopisches  oder  lebensvolles  Ideal  sittliche  Tugenden,  dann
kann  man  sagen,  die  Massen  besitzen  diese  Tugenden  oft  in  so
hohem  Maße,  wie  es  bei  den  weisesten  Philosophen  selten  erreicht ­
  worden  ist.
Gewiß,  die  Macht  der  Worte,  wie  Sozialismus,  Klassenkampf, ­
  Freiheit,  Gleichheit,  Brüderlichkeit  auf  die  Massenseele
ist  eine  ungeheure.  Sie  sind  die  Synthese  der  verschiedensten
unbewußten  Erwartungen  und  der  Hoffnung  auf  deren  Verwirklichung. ­
  Worte  rufen  in  den  Seelen  grandiose  und  vage  Bilder
hervor,  aber  eben  das  Vage,  das  sie  verwischt,  vermehrt  ihre
magische  Gewalt.  Welch  tiefe  Antipathie  andererseits  der  Masse
gegenüber  Worten  wie  Bourgeoisie,  Kapitalismus  usw.  Auch
sonst  ruhige  und  intelligente  Arbeiter  wurden  oft  fuchswild,
wenn  man  zu  einer  Verurteilung  allzu  heftiger  Kraftausdrücke,
die  extremste  Haßgefühle  offenbarten,  kam.  Auch  darüber  wurde
eine  lebhafte  Korrespondenz  geführt,  und  man  kann  wohl  behaupten, ­
  daß  diese  Menschen,  um  nicht  innerlich  zu  veröden,
einer  heftigen  Reaktion  bedürfen.  Auf  ein  Schreiben,  daß  der
menschliche  Organismus  doch  ein  einheitlicher  sei  und  man
einzelne  Teile  doch  nicht  hassen  sollte,  schreibt  ein  Metallarbeiter ­
  :  „Sie  weisen  mich  auf  das  edle  Grundgesetz  alles  Seins,
auf  die  Liebe.  Ja,  werter  Herr,  muß  ich  nicht  hassen,  um  lieben
zu  können?  Was  ich  hasse,  liebe  ich  in  seiner  Urform,  sonst
würde  es  mir  doch  gleichgültig  sein.  Ja,  ich  behaupte  sogar,
daß  Haß  nichts  anderes  ist  als  die  Gewalt  der  Liebe“  etc.  etc.
Die  Hoffnung,  die  aufwachsende  Generation  glücklicher,  erleuchteter ­
  und  in  sittlicher  Beziehung  feinfühliger  zu  sehen,
zieht  sich  durch  den  größten  Teil  der  Erhebungsformulare.  Frei
aus  der  Tiefe  seines  sozialen  Wollens  bekennt  sich  der  Einzelne
zur  Partei,  und  innerhalb  derselben  tönt  ihm  nur  ein  Sollen  entgegen. ­
  du  sollst,  du  sollst,  denn  du  kannst.  Ich,  die  Parteiverfassung, ­
  stelle  dir  nur  solche  Aufgaben,  denen  du  gewachsen
bist.  Und  wenn  ich  dich  dann  und  wann  mahne  und  zwinge,
für  mich  ins  Feld  zu  ziehen,  so  ist  mein  Zwang  ein  freier  mo-283
        <pb n="203" />
        284

ralischer,  und  im  allerschlimmsten  Falle  handle  ich  im  Geiste
der  Vergeltungsmoral;  in  Zeiten  der  höchsten  Not  und  Gefahr
drohe  ich  dir  mit  sozialem  Zwang,  das  heißt,  mit  sozialer  Armut. ­
  Allein  physisch  dich  nötigen,  meinen  Willen  kundzutun,
widerstrebt  nicht  nur  meinem  eigensten  Wesen,  sondern  steht
auch  außer  meiner  Macht  und  würde  meinen  Selbstmord  bedeuten* ­

Dieldeale  der  Zukunft  führen  uns  zum  Reiche  der  Hoffnung,
und  gerade  dieser  Strom  der  Erwartung  und  Hoffnung  ist  es,
der  das  Große  in  der  Welt  zustande  gebracht  hat.  Man  sehe
z.  B.  die  Arbeiterklassen  in  Gegenden,  wo  die  Organisationen
keinen  Fuß  gefaßt  haben,  wie  dort  die  Arbeiterklasse  geistig
langsam  stirbt,  wie  alles  Licht  in  deren  Antlitz  erloschen  ist.
Mag  es  Illusion  sein,  der  „Sozialismus“,  das,  was  man  Illusion
zu  nennen  pflegt,  macht  aber  den  größten  Teil  des  Lebens  aus,
verleiht  ihm  seinen  Wert  oder  Unwert.  Da  schreibt  ein  ,Textilarbeiter: ­
  „Vom  Sozialismus  erhoffe  ich  die  Erlösung  der
schmachtenden  Menschheit.  Von  ihr  hoffe  ich  immerwährenden
Frieden,  Freude,  Freiheit  und  Gerechtigkeit.  Schon  sehe  ich
Funken  von  dem  Morgenrot  einer  neuen  Zeit,  und  vielleicht
steigt  bald  die  Frühlingssonne  der  Zukunft  über  den  dunklen ­
  Horizont  der  Gegenwart  empor.  Diese  Hoffnung  ist  mein
Glaube.  Sie  ist  der  Quell,  aus  welchem  ich  die  Widerstandskraft ­
  zur  Ertragung  meiner  Qualen  und  Leiden  schlürfe.“  etc.
Ein  Metallarbeiter:  „Kein  Einsamer  bin  ich,  der  im  Glücke
seiner  Familie  alles  fand.  Die  Arbeiterbewegung  des  Jahres
1890,  das  Ringen  des  vierten  Standes  nach  Beachtung  und
Anerkennung  erfaßte  auch  mich.  Hingerissen  von  der  Macht
ihrer  Idee,  hineingerissen  in  den  Strom  ihrer  Bewegung,  mußte
ich  ihr  dienen.  Ich  diene  ihr  mit  allen  Fasern  meines  glühenden
Herzens.  Mit  dem  Stifte  in  der  Hand  will  ich  ihr  dienen  und
dem  Fortschritt  und  dem  Geiste  diene  ich,  der  die  Materie
zwingt.“  Ein  Schlosser:  „Der  Zukunftsstaat  der  Sozialdemokratie ­
  wird  kommen,  muß  kommen.  Ich  halte  den  sozialistischen ­
  Zukunftsstaat  für  eine  Kulturepoche  wie  jede  andere
vorhergegangene,  die  ihre  Zeit  zur  Entwicklung  braucht,  wie
diese.  Es  mag  die  Hoffnung  berechtigt  sein,  daß  in  unserer
Zeit  Umwälzungen  schneller  vor  sich  gehen  können,  als

*  David  Kolgen.
        <pb n="204" />
        285

in  früherer.  In  unserer  Zeit,  da  die  moderne  Technik  —
die  ich  für  einen  wesentlichen  Faktor  im  gesellschaftlichen ­
  Entwicklungsprozeß  halte  —  einen  so  lawinenartigen
Aufschwung  durchgemacht  hat.  Sie  ist  es,  die  mit  ihren
Errungenschaften  immer  neue  Existenzbedingungen  schafft.  Bedingungen, ­
  die  die  Klassenlage  immer  deutlicher  hervortreten
lassen,  was  dazu  beiträgt,  die  Kampflinien  scharf  abzugrenzen.
Hier  Bedrücker  —  da  Bedrückte.  Und  mit  dieser  Erkenntnis
wird  das  Bestreben  umi  sich  greifen,  eine  bessere  Gesellschaft
zu  schaffen.  Und  jeder  Kopf,  der  sich  dem  erschließt,  ist  ein
Stück  vorwärts.  Das  Licht  läßt  sich  nicht  mehr  in  Fesseln
schlagen,  so  wenig  wie  der  Frühlingswind  nach  langer  düsterer
Winternacht.  Und  der  Menschenfrühling,  der  Zukunftsstaat,
früher  oder  später,  er  muß  kommen.“  Ein  Bergarbeiter:  „Ich
glaube,  und  schon  der  Glaube  ist  ein  Stück  Zukunftsstaat.  Die
Hoffnung  stärkt  und  reißt  uns  in  die  Höhe,  wenn  wir  im  ungenügenden ­
  und  unbefriedigendenLeben  verzweifelt  nieder  sinken.  “
Aber  auch  der  Pessimismus  bricht  öfters  gewaltsam  durch,
und  gerade  unter  den  feinsten  Köpfen  der  befragten  Arbeiterkategorien. ­
  „Seitdem  ich  mein  letztes  Ideal  zu  Grabe  tragen
mußte,  die  Staatsumwälzung,  bin  ich  hoffnungslos.  Was  nützt
mir  ein  Leben,  wenn  ich  nicht  sichtbarlich  kämpfen  kann.  Die
Zukunft  ist  ein  Nichts,  nur  das  Jetzt  ist  die  Stelle  des  Lebens.
Nur  auf  dem  Jetzt,  aus  dem  Stoff  kann  das  Leben  bestehen.“
Ein  Weber:  „Schön  klingt  es  freilich,  wenn  man  mit  großen
Zahlen  prunken  kann.  Sehen  wir  uns  doch  die  Menschen  an.
Eingeengt  in  Organisationen,  wo  soviel  Mitglieder,  soviel  Ketzer-^
richter  auch  vorhanden  sind.  Wer  zu  radikal  schreibt  oder
spricht,  wer  revisionistisch  schreibt  oder  spricht,  wer  eine
andere  als  zentralistische  Laufbahn  für  richtig  hält,  wer  an-.
ders  denkt  als  die  Zentral-Gesangvereine,  der  wird  verfehmt.
(Siehe  Boykott  des  Volkschors.)  Der  Schwerpunkt  aller  dieser ­
  Erscheinungen  liegt  im  Ausspruch  Müllers  von  der  Seemannsorganisation: ­
  ,Wir  müssen  dumme  Kerle  sein,  wenn  wir
nicht  eine  Abstimmung  herbeiführen  könnten,  wie  wir  sie
wollen.“  Dieser  Gedanke  beleuchtet  mit  Blitzlicht  meine  Hoffnungslosigkeit.“ ­

Welchen  Reflex  läßt  nun  die  politische  und  Gewerkschafts-,
bewegung  in  der  Arbeiterseele  zurück?  Sie  lehrte  ihn,  sich
        <pb n="205" />
        über  das  unpersönliche  Niveau  eines  Erzeugers  ökonomischer
.Werte  emporzuheben,  der  Arbeiter  wurde  sich  stolz  bewußt,
wieviel  für  ihn  selbst,  seine  Familie,  seine  Klasse,  ja,  die  gesamte ­
  Menschheit  von  seinem  Verstehen,  Denken,  Wollen  und
Handeln  abhing.  Auch  die  Niederringung  selbstsüchtiger  Instinkte ­
  und  deren  Ersatz  durch  Gefühle  der  Gemeinsamkeit,
Berufs-  und  Standessolidarität,  ist  als  moralischer  Erfolg  zu
buchen.  „Ich  bin  nicht  Sozialdemokrat,  weil  ich  über  Um
gerechtigkeiten,  die  mir  widerfahren,  empört  bin,“  schreibt  ein
Metallarbeiter,  „sondern  ich  bin  es,  weil  ich  sehen  muß,  wie
Tausende  und  Abertausende  in  Not  und  Elend  dahinvegetieren.“
Wichtig  bei  beiden  Bewegungen  ist  der  Idealismus,  mit  dem
der  Arbeiter  die  daraus  einströmende  neue  Gedankenwelt  erfaßte.
Man  nimmt  beiden  Bewegungen  ihr  wert-  und  kraftvollstes  Element, ­
  wenn  man  sie  nur  als  rein  wirtschaftliche  Bewegungen
auffassen  wollte.  Nicht  einmal  historisch,  geschweige  denn  psychologisch, ­
  ist  diese  Auffassung  richtig.  „Meine  Kinder  werden
einst  stolz  darauf  sein,“  so  klingt  es  immer  wieder,  „daß  ich
für  die  Befreiung  der  Menschheit  mitgelitten  habe.“  Der  Ungeheure ­
  Einfluß  beider  Bewegungen  ist  ohne  Frage  eine  Kulturtat, ­
  ohne  die  wir  eine  Arbeiterklasse  vielleicht  ohne  jede  Gefühlswerte ­
  hätten.
Welchen  Einfluß  hat  auf  Sie  die  politische  und  Gewerkschaftsbewegung? ­
  Haben  Sie  dadurch  Hoffnung,  daß  es  bald  besser
für  Sie  wird?  Oder  sind  Sie  hoffnungslos  und  warum?

Berg

arbeite  r.

Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

U
ü
&amp;lt;
jh7

Wieviel  Kinder

I  Durchschn.
3  Wochen-|
  verdienst

Art  der
Beschäftigung

20

19,-Berg

 ­


Der  Bewegung  bin  ich  vollständig  angeschlossen,
  und  ich  hoffe,  daß  recht  bald  die
Zeit  kommt,  wo  wir  den  herrschenden
Klassen  die  Regierungsmacht  entreißen
werden.  (3.)  [B.  S.]

286

21

23,—

Bergmann ­


Die  politische  und  Gewerkschaftsbewegung
hat  mich  erst  zum  denkenden  Menschen
gemacht.  Der  Einfluß  hat  sich  soweit  vertieft, ­
  daß  ich  bereit  bin,  jede  Waffe,  die  für
die  Befreiung  brauchbar  ist,  zu  benutzen.
Ich  bin  nicht  hoffnungslos,  denn  nur  der
Unverstand  der  Massen  hindert  uns  daran,
die  schon  reifen  Früchte  einzuernten.  (3.)
[B.S.]

22  1

28,—

Bergmann ­


Ich  fühle  mich  wie  ein  Glied  in  einer  Kette.
Hoffnungslos  bin  ich  zuweilen,  wenn  ich
im  Kreise  alter  Kameraden  bin.  Wenn  ich
dann  in  meinem  jugendlichen  Alter  diesen
alten  Kameraden  meine  Hoffnungen  entwickle ­
  und  die  dann  lächeln,  so  vergehe
ich  in  Bitternis  und  Weh.  Aber  der  Gedanke, ­
  wie  viele  Menschen  ihr  Leben
schon  gelassen  haben  für  die  Menschheitsbefreiung, ­
  erfüllt  mich  mit  neuer  Hoffnung.
(2.)  [B.R.]

23

24,-Berg-




Einen  guten.  Denn  ohne  die  politische  und
Gewerkschaftsbewegung  würde  ich  nicht
zu  einer  Erkenntnis  meiner  Lebenslage  gekommen ­
  sein.  Die  politische  und  Gewerkschaftsbewegung ­
  hat  mir  den  Haß  gegen
die  göttliche  Weltordnung  und  die  besitzende ­
  Klasse  eingeimpft.  Und  wer  ehrlich ­
  hassen  kann,  kann  auch  hoffen.  Sonst
hätte  ich  mich  schon  von  beiden  Bewegungen ­
  losgesagt  aus  Verachtung  vor
meinen  Klassengenossen.  (1.)  [B.  R.]

281
        <pb n="206" />
        Alter

Ui
&amp;lt;D
c
5
’►
4)

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäftigung

Jhr.

£

M.

03

24

21-Berg

 ­


Ja  besser  wird  es  werden  da  dürfen  wier
nicht  verzagen  aber  ehe  es  wird  da  heist  es
vor  einen  harten  Nuß  knacken  und  Stange
halten.  Hoffnungslos  bin  ich  nicht  den
die  Weid  wird  immer  klarer  die  Menschheit ­
  komt  immer  mehr  dahinter  und  wer
da  noch  im  schatten  sitzt  und  noch  einen
Funken  Ergefiehl  im  Herzen  hatt  den  mus
die  Sonne  auch  entlieh  bescheinen.  (3.)
[B.S.]

25

2

27,—

Bergmann ­


Ich  bin  Mitglied  der  sozialdemokratischen
Partei  und  auch  gewerkschaftlich  organisiert. ­
  Beiden  Bewegungen  gehöre  ich  weniger ­
  ihrer  Zukunftsideale  wegen  an,  vielmehr
ihrer  praktischen  Gegenwartsarbeit.  Die
Endziele  schweben  in  nebelgrauer  Ferne,
sind  also  praktisch  wertlos.  Eine  materielle
Besserstellung  erhoffe  ich  von  beiden  Bewegungen ­
  nicht.  Ich  stehe  allen  Gesellschaftsformen ­
  objektiv  gegenüber,  glaube
darum  nicht,  daß  die  totale  Umgestaltung
des  heutigen  Gesellschaftszustandes  das
Werk  irgendeiner  Partei  sein  kann.  Der
Sozialismus  ist  gewiß  eine  sehr  schöne
Sache,  widerspricht  auch  nicht  jder  menschlichen ­
  Natur,  denn  sonst  würde  er  sich
niemals  durchsetzen.  Aber  erstrebt  werden
kann  er  nicht.  Wenn  er  in  der  Bahn  der
gesellschaftlichen  und  technischen  Entwicklung ­
  liegen  sollte,  dann  müssen  wir
naturnotwendig  zu  ihm  gelangen.  (1.)
[B.R.]

288

Meine  Hoffnung  ist  das  Es  besser  wird,
aber  Eher  nicht  bis  es  werden  Sämtliche
Arbeiter  sich  Organisieren  Gewerkschaftlich ­
  und  auch  Politisch.  Dann  werden
sämmtliche  Kameraden  einen  Geist  bekommen ­
  dann  wird  die  ganze  Lage  sich  verbessern. ­
  —  Meine  Hoffnung  ist  das  Eher
wie  später  muß  besser  werden  den  die
Leute  haben  schon  ein  Fünkchen  Licht  in
sich  aber  in  Oberschlesien  geht  das  uns
sehr  schwer  denn  was  die  Arbeiten  Anbauen ­
  da  haben  wir  hier  genug  die  Starke
Schwarze  Garde  die  roniert  uns  alles  die
gehen  Hand  für  Hand  mit  Polizei  und
Kapitalisten  die  sollen  den  Kirchen  dienen, ­
  Und  die  sind  die  dritte  Füße  und
dritte  Hand  von  Kapitalisten.  (3.)  [B.  S.]
        <pb n="207" />
        ihr.

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CQ

30

32,-Berg-




30

30,—

Bergarbeiter ­


Einen  großen  erhebenden.  Ich  habe  die
Hoffnung  daß  es  nicht  nur  für  mich,
sond.  für  die  gesammte  Arbeiterschaft  bald
besser  werden  muß  durch  die  Arbeiterbewegung. ­
  Sobald  die  Arbeiter  begriffen
haben,  daß  Sie  eine  Macht  sind  werden
Sie  auch  Ihre  Macht  ausnutzen  und  daß
heutige  Staatsgebilde  zertrümmern  und  an
dessen  Stelle  einen  Volksstaat  setzen,  wo
alle  Menschen  glücklich  leben  werden.  —
Nein.  Nie  werde  ich  den  Glauben  an  die
Aufwärts  Entwickung  der  Menschen  verlieren. ­
  Wenn  heute  auch  noch  Milionen
in  Trägheit,  Stumpfsinn  und  Dummheit
durch  Lehn  bilgern  ,und  die  Apostel  der
sozial  Wahrheit  in  ihrem  religiösen  Fanatismus ­
  mit  Kot  und  Galle  beschmutzen,
so  zeigt  doch  die  ständige  Aufwärts  Entwickelung ­
  der  Arbeiterbeweg,  daß  man
nicht  hoffnungslos  werden  darf  u.  kann.
Einst  ‘wird  auch  der  Tag  kommen,  wo
jene  trägen  und  stumpfsinnigen  erwachen
werden.  (3.)  [B.  R.]
eine  zwingende  Notwendigkeit.  Solange
der  Proletar  sich  in  iooosende  von  Vereinchen
  zerreißen  läßt  und  stumpf  einen
Tag  in  den  andern  verlebt  und  Feste  die
vom  Kapital  veranstaltet  feiert  und  der  Nationnalstolz
  oben  schwimmt,  trotzdem
ihnen  keine  Schippe  vom  schönen  Vaterlande ­
  gehört,  bei  allen  diesen  schönen  Sachen ­
  vergißt  der  Proletar  die  Organisation.

290

Jhr.

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M.

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03

31

31

32

24-Hauer



27,—

16,—

Bergmann ­


Bergmann ­


Daher  bin  ich  hoffnungslos,  verzweifle  an
meinen  Arbeitsbrüdem,  denn  es  gehört  eine
ziemliche  Langmut  dazu,  die  Kälber  zum
Metzger  schleppen  zu  sehen.  (1.)  [B.  R.]
Sie  geben  geistige  Anregung  und  heben
das  Solidaritätsgefühl.  Die  Hoffnung,  daß
es  in  absehbarer  Zeit  besser  wird,  habe  ich
nicht,  von  einigen  Spezialreförmchen  abgesehen. ­
  Hoffnungslos  bin  ich  nicht.  In
der  kapitalistischen  Produktion  wechseln
Krisen  mit  wirtschaftlichen  Hochkonjunkturen ­
  in  den  letzten  Jahren  immer  schneller ­
  ab.  Wer  kann  es  wissen,  ob  hierdurch
nicht  Katastrophen  eintreten,  die  uns  der
sozialen  Produktion  wesentlich  nähern.  (2.)
[B.S.]
Ja,  es  wird  besser,  weil  die  ganze  Entswicklung ­
  auf  etwas  Großes  deutet,  auf  Verwirklichung ­
  einer  höheren  Kulturstufe,  wo
wir  endgiltig  aus  dem  Tierreich  scheiden.
(2.)  [B.S.]
den  besten  Einfluß.  —  ja  aber  in  einigen
Jahren  erst  wird  sich  das  Blat  wenden
d*en  so  lange  die  Poliezeiwülkür  nicht  gebrochen ­
  ist  so  das  das  Unternemertum
keine  Stütze  mer  hatt,  dan  wird  für  mich
und  Vamielie  eine  bessere  Zeit  kommen.
—  Nein  ich  bien  nicht  Hoffnungslos.  (3.)

19'

291
        <pb n="208" />
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0
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T3
C
2
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Durchschn.
Wochenverdienst


Art  der
sschäftigung

jhr.

$

M.

OQ

32

6

32,—

Bergmann


Ich  habe  Hoffnung  durch  die  Sozialdemokratie ­
  die  Lebenslage  der  Menschheit  zu
einer  besseren  menschenwürdigen  umzugestalten, ­
  hege  aber  auch  die  Befürchtung,
daß  späterhin  das  Volk  nicht  imstande  sein
wird,  das  erworbene  Gut  festzuhalten  und
zu  bewahren.  (2.)  [B.  R.]

33

3

30,—

Bergmann


Ich  für  meine  Person  habe  meine  Hoffnungen ­
  und  Wünsche  größtenteils  zu
Grabe  getragen,  da  sich  dieselben  wohl
niemals  verwirklichen  lassen,  aber  meine
Kinder  werde  ich  zu  denkfähigen,  opferfreudigen ­
  und  zielbewußten  Klassenkämpfem
  erziehen.  (2.)  [B.  R.]

33

8

21,-Berg

 ­


Ich  glaube  an  die  soziale  Revolution  auf
evolutionistischem  Wege.  Ich  bin  Optimist ­
  von  Natur  nnd  hoffe  nicht,  ich  weiß.
Ob  es  für  mich  besser  wird  in  grob  materiellem ­
  Sinne,  weiß  ich  nicht.  Das  ist
auch  nebensächlich.  Aber  die  moderne  Arbeiterbewegung ­
  beglückt  mich  und  alle
meine  Freunde  durch  den  wachsenden
Strahl  der  Erkenntnis.  Wir  begreifen,  daß
wir  nicht  mehr  Ambos,  sondern  Hammer
sind,  die  unserer  JCinder  Zukunft  schmieden, ­
  und  dieses  Gefühl  wiegt  Gold  nicht
auf.  (1.)  [B.  Schl.]

34

3

35,—

Bergmann

I

Zu  dieser  Frage  schreite  ich  mit  besonders ­
  freudigem  Eifer.  Ich  konstatiere  mit
Genugtuung,  daß  die  Umwirkung  der  Mo-292



ralität  durch  den  Einfluß  der  gewerkschaftlichen ­
  wie  politischen  Bewegung  bei
mir  eine  eminente  war.  Vor  dem  Bekanntwerden ­
  mit  Tendenzen  und  Endziel  unserer ­
  Partei  habe  ich  fortgesetzt  mit  der
Polizei  in  Konflikt  gelegen  (Diebstahl,  grober ­
  Unfug),  bin  Insasse  des  rheinischen
Korrektionshauses  zwei  Jahre  gewesen.
Seit  Eintritt  in  die  hier  bemerkten  Bewegungen ­
  trat  bei  mir  auch  nicht  das  geringste ­
  Delikt  mehr  ein.  Auf  diesen  ethischen ­
  Erfolg  bin  ich  stolz,  und  trotz  alledem ­
  :  die  Quintessenz  dieser  moralischen
Errungenschaft  ist  die  bitterste  Hoffnungslosigkeit. ­
  Ich  bin  mir  zu  sehr  in  dem
grandiosen  Emanzipationskampf  des  Proletariats, ­
  der  idealistischen  Triebfeder  meir
nes  Wirkens  bewußt,  um  hoffnungsfreudig ­
  auf  besonders  bedeutende  greifbare
Änderungen  zu  warten.  Die  sozialen  Erfolge ­
  der  Gewerkschaftsbewegung  verzehren ­
  sich  wieder  spurlos  in  dem  Wucherprozeß ­
  der  kapitalistischen  Begleiterscheinungen ­
  der  gegenwärtigen  Wirtschaftsmethode. ­
  Außerdem  löst  das  fortwährend ­
  über  mir  schwebende  Damoklesschwert ­
  wirtschaftlicher  Maßregelung  auch
keine  besonders  glücklichen  Gefühle  aus.
Für  meine  Person  lund  meine  Zukunft  ist
die  Bilanz  im  Laufe  der  Gegenwart  schon
gezogen,  und  das  Resultat  ist  minus.  (2.)
[B.R.]
        <pb n="209" />
        Jhr.

SD
C
3
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co
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CQ

34

26,—

Hauer

Ich  hoffe  alsbald  und  wie  es  möglich  ist,
die  Welt  zu  ändern,  denn  es  ist  die  höchste
Zeit.  Ich  bin  hoffnungslos,  wenn  ich  nach
dem  Vorschuß  am  Lohntage  nichts  zu
essen  habe.  (3.)  [B.  S.]

35

32,-Berg-




Nein,  es  wird  nicht  besser,  wenn  der
Mensch  sich  nicht  zu  Gott  bekehrt  und
ein  neu  Herz  bekommt.  Ich  bin  nicht
hoffnungslos,  denn  unser  Gott  hat  das
Beste  Was  er  hattes  geopfert  für  die  verlorene ­
  Menschheit,  die  von  Adam  und
Eva  herstammt.  (3.)  [B.  R.]

35

20,—

Bergmann ­


Die  politische  Bewegung  hat  mich  dem
Vagabundentum  entrissen.  Heute  noch  be^
einflußt  sie  meinen  gewalttätigen  Charakter
im  guten  Sinne.  Bin  ich  über  meine  materielle ­
  Armut  einmal  wieder  so  wild,  daß
ich  einen  Werkmeister  oder  Steiger  prügeln ­
  könnte,  so  denke  ich  doch  immer
rechtzeitig  daran,  daß  ich  das  als  Sozialdemokrat ­
  nicht  tun  darf.  Oder  ich  denke
an  die  Zukunft,  und  diese  dämpft  meinen
Rachedrang,  denn  in  der  Zukunft,  und  sei
sie  auch  noch  so  fern,  liegt  meine  Hoffnung. ­
  (1.)  [B.  Schl.]

36

5

27,-Berg-




Hoffnungslos  bin  ich  weil  die  Arbeiter
von  allen  Seiten  werden  gedrückt.  —  weil
die  Arbeiter  überal  für  die  niedrigste  Klasse
gehalten  sind.  (3.)  [B.  S.]

294

Bergmann ­


Bergmann ­


Hauer

Es  ist  noch  lange  abzuwarten  bis  es  für
mich  besser  auf  der  Welt  wird,  so  lange
wie  ich  leben  werde  nicht  mehr  wohl  weil
es  mehrere  Schäferstähle  sind,  und  viele
Hühter,  wenn'  ein  Schaf  stahl  und  ein  Hühter,
  dann  werde  ich  mir  sagen  das  es  auf
der  besser  muß  sein.  (3.)  [B.  S.]
Halte  die  Gewerkschaftsbewegung  für  gut
und  nötig  bin  aber  der  Meinung  das  wir
noch  weit  entfernt  sind  und  ich  vielleicht
keine  Besserung  erreichen  werde.  —  Was
Oberschlesien  anbetrieft,  so  ist  das  Volg
zu  denkfaul  Religiös  Alkoholistisch,  und
zum  lesen  schwer  zu  bewegen  in  der
Schule  zurikgeblieben,  falsch,  und  hinterlistig ­
  gegen  andere  Nationen,  am  schlimsten
  sind  die  Alten  dan  die  vielen  gegnerischen ­
  Organiesationen.  (3.)  [B.  Schl.]
Mit  dem  Erstarken  der  gewerkschaftlichen
und  politischen  Aktion  wird  meines  Erachtens ­
  einst  der  Zeitpunkt  kommen,  wo
der  Aufstieg  zur  sonnigen  Höhe  der  Kultur ­
  vor  sich  geht  ob  durch  Revolution
oder  Evolution  ?  —  Manchmal  bin  Ich  am
Verzweifeln  und  doch  siegt  letztens  die
Vernunft  da  Ich  mir  sage  es  muß  anders
werden  oder  haben  die  großen  Geister  aller
Zeiten  und  Völker  als  Volkserzieher  umsonst ­
  gelebt,  die  da  sagen  über  dem  Wohle
des  Einzeln  steht  das  Wohl  der  Gesammtheit
  ergo  „der  Zweck  der  Arbeit  ist  das
Gemeinwohl“.  (1.)  [B.  S.]

295
        <pb n="210" />
        Alter

U
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TJ
G
5
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0)

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
:schäftigung

Jhr.

M.

ca

40

7

32,—

Bergmann ­


Ja!  entweder  für  mich  oder  meine  Nachkommen. ­
  —  Ich  bin  in  der  Hoffnung,  daß
die  Zeit  nahe  liegt,  wo  eine  vollständige
Umwälzung  des  heutigen  Systems  erfolgt.
Weil  die  Machtgelüste  der  herrschenden
Elemente  den  Höhepunkt  erreicht  haben.
(3-1.)  [B.R.]

41

6

18,—

Bergmann


In  politischer  Hinsicht  ist  der  Arbeiter
noch  zuweit  zurück,  in  der  Gewerkschaftsbewegung ­
  haben  wir  eher  Aussicht, ­
  daß  es  bald  besser  wird.  —  Hoffnungslos ­
  bin  ich  nicht,  wenn  ich  es  auch
nicht  mehr  erlebe  daß  es  besser  wird;  so
doch  meine  Kindes,  Kinder.  (3.  t.)  [B.Schl.]

42

24,-Berg

 ­


Die  politische  und  Gewerkschaftsbewegung
hat  auf  mich  den  Einfluß,  daß  ich  mich
gleichberechtigt  fühle  mit  jedem  Manne.
Bin  darum  keineswegs  hoffnungslos.  (3.)
[B.S.]

43

6

31,—

Bergmann ­


Ja,  so  wie  jetzt  aus  siet  so  kan  nicht
mehr  gehen.  (4.  t.)  [B.  R.]

44

6

18,-Berg

 ­


Es  wäre  Egoismus  für  mich  allein  eine
Besserung  zu  erwarten,  wo  Legionen  von
Gesinnungsgenossen  seit  Jahrtausenden  für
das  Ideal  wahrer  Menschlichkeit  verbluten.
Hoffnungslos  sein  heißt,  seine  Sache  aufgegeben ­
  haben,  und  deshalb  bin  ich  nicht
hoffnungslos.  (2.)  [B.  Schl.]

296

ja  n
O  4)

M.

CO

18,-Berg-



Bergmann ­

Bergmann ­

Bergmann ­


18,—  Bergmann ­


16-Berg-




Guten  Einfluß.  Halte  es  mit  Dodel,  die
Erlösung  kommt  nicht  von  oben,  sondern
von  unten.  (2.)  [B.  Schl.]
Ich  habe  Hoffnung  das  es  muß  beser  werden, ­
  den  die  Zeiten  dricken  uns  zu  dem.
Verbesserung.  —  nein.  (4.)  [B.  Schl.]
Hätten  wir  darauf  keine  Hoffnung,  würden
wir  nicht  bezahlen.  (3.)  [B.  Schl.]
das  „bald“  ist  zu  verneinen  denn  die  Dinge
lassen  sich  nicht  von  heute  zu  morgen
ändern.  Es  entwickelt  sich  alles,  sowie
der  Mensch  selbst,  zu  immer  Höherem  und
Vollkommenerem  das  zu  wissen  genügt
daß  es  besser  wird.  —  Hoffnungslos  sein
heißt  der  Welt  entsagen,  also  aufhören
zu  sein,  und  ist  gleichbedeutend  mit  Tot.
wer  nochnicht  sterben  will,  darf  die  Hoffnung ­
  nicht  aufgeben.  Das  ganze  Streben
nach  höheren  und  besseren  Reformen  ist
nichts  anderes  als  ein  Menschenwertungsprozeß. ­
  Daran  sein  redlich  Teil  beizutragen, ­
  is  das  was  das  Leben  ausmacht.  (2.)
[B.  Schl.]
Die  Hoffnung  soll  ein  Arbeiter  nie  aufgeben, ­
  mindesten  nicht  bis  zum  Tode.
(3.)  [B.  Schl.]
Ich  glaube  nicht  an  die  Arbeiter,  denn
ihr  ganzes  Streben  ist  verfressener  Egoismus ­
  ünd  nicht  der  edlere  Gedanken  höch-297
        <pb n="211" />
        Die  Hoffnung  nicht  aufgegeben.  Sie  komt
sie  mus  komen.  Die  Gerechtigkeit  mus  an
den  Tag.  Wir  sind  schon  so  fühle  tausende ­
  Jahre  betrogen  worden.  Wirt  das
noch  länger  Dauern?  (3.)  [B.  Schl.]

a)  Welchen  Einfluß  hat  auf  Sie  die  politische  und
Gewerkschaftsbewegung  ?
Angabe  -der  hauptsächlichsten  Motive:

Zum  denkenden
Menschen
gemacht

Haben  veredelnd
gewirkt

Diverse

Bergarbeiter  Ruhrgebiet

118

87

130

Bergarbeiter  Saargebiet

71

140

84

Bergarbeiter  Schlesien

34

3

128

Summa:

223

230

342

b)  An  eine  baldige

Umgestaltung  durch  die  politische

  und  Gewerkschaftsbewegung  g

Iaub  ten:

20-30

30—40

40-50

Bergarbeiter  Ruhrgebiet

118

78

39

Bergarbeiter  Saargebiet

86

114

51

Bergarbeiter  Schlesien

46

18

—

Summa:

250

210

90
        <pb n="212" />
        c)  Keine  Hoffnung  hatten:
Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive:

Da  so  wenig
Arbeiter
organisiert

Weil  die
Arbeiter  zu
denkfaul

Weil  die
Macht  desKapitals
  zu  groß

Diverse

Bergarbeiter  Ruhrgebiet

83

34

62

103

Bergarbeiter  Saargebiet

29

4

38

—

Bergarbeiter  Schlesien

84

—

61

105

Summa:

196

38

161

208

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Bergarbeiter  Ruhrgebiet  48
Bergarbeiter  Saargebiet  .  .  103
Bergarbeiter  Schlesien  .  140

Welchen  Einfluß  hat  auf  Sie  die  politische  und  Gewerkschaftsbewegung? ­
  Haben  Sie  dadurch  Hoffnung,  daß  es  bald  besser
für  Sie  wird?  Oder  sind  Sie  hoffnungslos  und  warum?
Textilarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

t-i
O
&amp;lt;

U.
&amp;lt;D
c
5
s,
*&amp;gt;
0

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäftigung

Jhr.

M.

ca

20

—

17-Ketten

 ­


Guten  Einfluß,  schlechte  Hoffnung.  (4.)
[T.F.]

21

—

14-Färber



Groß.  (3.)  [T.  F.]

22

—

19-Spinner



Bin  zwar  organisiert,  aber  setze  keine
große  Hoffnung.  (3.  t.)  [T.  F.]

23

3

20,—

Wirker

Ich  fühle  mir  durch  die  Arbeiterbewegung
freudig  gehoben.  (3.)  [T.  F.]

299
        <pb n="213" />
        24

Weber

Wer  den  Sozialismus  begriffen  hat,  für  die
ist  die  Reaktion  bald  besiegt.  (3.)  [T.  F.]

25

2

24,—

Teppich
weber

Gar  keinen  Einfluß,  denn  die  Gewerkschaften ­
  halten  sich  soviel  Beamte,  welche
sich  von  den  Arbeitergroschen  mästen.  (3.)
[T.B.]

26

22,—

Zwirner

Guten  P'influß.  Wenn  nicht  für  mich,  dann
für  meine  Kinder.  (3.  t.)  [T.  F.]

27

28,—

Teppichweber ­


Früher  ein  begeisterter  Anhänger  der  Gewerkschaft, ­
  stehe  ich  heute  auf  den  Standpunkt ­
  das  dieselbe  uns  nicht  mehr  das
ist,  was  Sie  sein  sollte.  Machten  früher
unsere  Führer  uns  aufmerksam  auf  die  guten ­
  und  besten  Mittel  zum  Kampfe  um
die  Freiheit,  so  muß  man  heute  leider
wahrnehmen,  das  dieselben  uns  nur  dazu
gebrauchen,  um  sich  einen  Sitz  in  den
Reichs-  oder  Landtag  zu  verschaffen  oder
als  Zahl  und  Wahlmaschinen.  Was  nützt
ein  Kriegsheer  das  keine  Begeisterung  in
sich  hat,  es  wird  beim  ersten  energischen
Anprall  des  Feindes  geschlagen  am  Boden ­
  liegen.  Erst  wenn  das  Volk  sich  frei
gemacht  hat  von  allen  sie  umgebenden
Gauklern,  als  da  sind  Parlamentarier
Reichstarifabschließende  Beamte  usw.  dann
naht  für  uns  die  Freiheit  dann  wird
das  Schillersche  Wort:  „Doch  eine  Grenze
hat  Tyrannenmacht  usw.“  auch  für  uns
in  Erfüllung  gehn.  (1.)  [T.  B.]

300

Alter

U
O
T3
C
5
&amp;gt;
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäftigung

Jhr.

M.

ca

28

17-Spinner



Sie  hat  den  Einfluß  mich  politisch  und
Gewerkschaftlich  zu  machen  und  in  Kampfesweise ­
  mehr  und  mehr  in  Kenntniß  zu
setzen  und  ich  habe  auch  die  Hoffnung
auf  eine  bessere  Zukunft  unserer  Arbeitsverhältnisse. ­
  —  —  Ich  bin  noch  niemals
Hoffnungslos  geweßen  und  werde  es  auch
nicht  sein  weil  ich  immer  bestrebt  bin
um  bessere  Ziele  zu  erreichen.  (3.  t.)  [T.  F.]

29

1

21,-Kremp

 ­


Ich  bin  freiwillig  in  meine  Gewerkschaft
eingetreten,  weil  ich  mich  für  ein  Glied  der
großen  Kette  hielt.  Ich  halte  aber  die  politische ­
  Bewegung  für  idealer  und  eindrucksvoller ­
  auch  halte  ich  die  Sozialdemokratie ­
  für  die  treibende  Kraft,  die  Verhältnisse ­
  schneller  zu  bessern.  —  —  Obwohl ­
  ich  der  sozialen  Idee  noch  nicht  vollständig ­
  klar  gegenüberstehe,  setze  ich  doch
meine  ganze  Hoffnung  in  dieselbe,  und
glaube  bestimmt  und  fest  daran,  daß  dieselbe, ­
  wenn  auch  nicht  für  mich,  so  doch
für  die  gesammte  Menschheit  bessere  Zeiten ­
  schafft.  (3.  t.)  [T.  F.]

30

2

22,—

Fabrikweber ­


Die  politische  und  gewerkschaftliche  Bewegung ­
  hat  auf  mich  den  Einfluß  ausgeübt, ­
  daß  ich  mein  stilles,  vielleicht  mukkerisches
  Wesen  abgelegt  habe.  Ich  habe
die  Empfindung,  daß  es  durch  die  Bewegung ­
  nicht  nur  besser  wird,  sondern
bereits  besser  geworden  ist.  —  —  Nein.
(1.)  [T.F.]

301
        <pb n="214" />
        Eine  Macht  bildet  die  Arbeiterschaft  überall ­
  da,  wo  sie  zu  einem  hohen  Prozent-,
satz  politisch  und  gewerkschaftlich  organisiert ­
  u.  in  derselben  Weise  Leser  der
Parteipresse  ist.  Dort  wird  auch  die  Arbeiterschaft ­
  respektiert,  ihr  Einfluß  ist  unverkennbar. ­
  Durch  die  starken  Organisationen ­
  u.  die  große  Zahl  der  Leser  unserer
Parteipresse  ist  die  Arbeiterschaft  zu  einem
Machtfaktor  geworden  mit  dem  man  unter
allen  Umständen  zu  rechnen  hat  respektiv
  rechnen  muß.  —  Hoffnungslos  möchte
wissen  warum,  jeder  Arbeiter  müßte  nur
ein  bischen  mehr  guf  sein  eignes  ich  pochen, ­
  Und  sich  sagen  nicht  nur  wie  Ihr
gnädigen  Herrn  wollt,  sondern  wir  wollen
als  Arbeiter  auch  mit  gefragt  sein,  respektiv
  mit  reden,  (i.)  [T.  F.]

34

weil  es  nie  besser  werden  kann,  es  giebt
viel  zu  viel  Arbeiter  auf  der  Welt,  der
größte  Teil  ist  zu  unwissend,  zu  sehr  an
die  Armut  gewöhnt,  auch  herrscht  keine
Einigkeit  unter  den  Leuten,  dann  giebt  es
sehr  viel  Frauen,  die  dem  Arbeitgeber  nicht
blos  Kräfte  und  Gesundheit  opfern,  sondern
auch  noch  Ihre  Ehre,  und  dadurch  ihren
anständigen  Mitarbeiterinnen  das  Arbeiten
doppelt  erschweren.  (3.)  [T.  F.]

18,—  Weber  Den  Einfluß  das  ich  mich  mit  den  einschlägigen ­
  Fragen  viel  beschäftige.  Ich  bin
der  festen  Überzeugen  daß  es  dadurch
überhaupt  nicht  besser  wird  daß  heißt  wie
die  Gewerkschaften  jetzt  ausgebaut  sind.
—  Weil  die  Gewerkschaften  immer  mehr
den  Karakter  von  Unterstützungsvereinen
annehmen  und  die  sogenannten  Führer
mehr  auf  ihre  Tasche  sehen  als  auf  die
Mitglieder.  Ich  bin  der  Meinung  daß  solange ­
  wie  mir  bei  eventl.  Lohnerhöhungen
die  Unternehmer  nicht  zwingen  können  die
Zulage  aus  Ihrer  Tasche  zu  bezahlen  es
für  die  Arbeiterklasse  überhaupt  keinen
Wert  hat.  Man  sollte  endlich  beginnen
mit  der  langsamen  Übernahme  der  Produktion, ­
  mir  sollten  aber  durch  unsere  Organisation ­
  selber  Kapitalist  werden.  (3.)
[T.  F.]
        <pb n="215" />
        -

«

bedrückteste  und  entrechteste.  Das  ist  die
Arbeiterklasse.  Solch  ein  Los  kann  nur
gemildert  aber  nicht  vollständig  beseitigt
werden.  Jeder  denkende  Mensch  wird  streben ­
  nach  Besitz  um  sich  damit  die  Freiheit ­
  zu  sichern  soviel  als  möglich.  Die
Organisationen  sind  dagegen  machtlos.  Es
kommt  nicht  an  auf  den  Verdienst,  sondern
wie  jemand  versteht  sein  Geld  zu  verwerten. ­
  Nach  dieser  Seite  kann  die  Aufklärung ­
  mehr  nützen  als  der  Kampf  um
eine  andere  Gesellschaftsordnung.  (2.)
[T.  B.]

35

4

20,—

Spinner

Auf  mich  wirkt  die  Politik  ganz  besonders
dahin  daß  ich  meine  Hoffnung  eben  nur
darin  finden  kann,  weil  Beweise  der  Vergangen ­
  da  sind  und  in  der  Zukunft  ihre
Verwirklichung  noch  vollenden  werden.  —
Hoffnungslos  nicht,  aber  Hoffnungsvoll  bis
ins  Herze  und  bis  in  die  äußerste  Hautschicht, ­
  ich  könnte  mich  bis  tausend  und
wieder  zurück  äußern  über  die  Verschiedenartigkeit ­
  meiner  Hoffnungsseeligkeit
doch  danach  haben  Sie  uns  doch  nicht
gefragt.  (3.)  [T.F.]

35

4

31,—

Teppichweber ­


Nur  einen  guten.  —  Besser  wird  es  ja  ohne
Zweifel  schon  jetzt  dadurch.  Wenn  auch
allerdings  sehr  langsam.  Hoffe  aber,  daß
es  auch  noch  bedeutend  besser  wird,  wenn
alle,  oder  ziemlich  alle  Arbeiter  organi-304



jhr.

36

36

Ui

&amp;amp;

o  &amp;lt;u  g
■gS’a
5s*  g
Q

M.

26,-22,-





Weber

Wirker

20

siert  sind.  —  Solange  die  jetzige  Generation
lebt,  stelle  ich  zwar  keine  sehr  große  Er-*
Wartungen.  Und  betreffs  meiner  Person
infolgedessen  natürlich  auch,  nicht.  Eine
solche  Bewegung  braucht  eben  seine  Zeit
und  muß  auch  erst  ein  edleres  und  großzügigeres ­
  Menschengeschlecht  gebildet
werden.  (2.  t.)  [T.  B.]
einen  sittlich  hohen.  Indem  sich  die  Ar-:
beiter  aufraffen  könnten,  für  unser  eigenes
ich;  Gut  und  Blut!  so  würden  wir  bald
in  der  Lage  sein  unseren  Peinigeren  zu
zurufen  bis  hierher  dann  Schluß.  (Aber
nicht  im  anarchistischem  Sinne).  —
Durchaus  nicht  die  obenerwähnten  Ansichten ­
  zum  Durchbruch  zu  bringen  muß
es  heißen  Kampf  gegen  Dumheit  und  Unterwürfigkeit. ­
  Den  Arbeitern  beizubringen
ich  bin  ein  Mensch  würde  ein  kulturvortschritt
  sein.  Das  soll  mein  Bestreben  sein.
(2.)  [T.F.]
Früher  habe  ich  an  den  großen  Erlösungstag ­
  geglaubt  an  dem  die  Sozialdemokratie
den  Arbeiter  zur  Freiheit  führen  würde.
Heute  weiß  ich,  da|ß  zur  Erlangung  der
Freiheit  mehr  gehört  als  daß  man  Beiträge ­
  zu  den  einzelnen  Kassen  leistet  und
sozialdemokratische  Stimmzettel  abgiebt
oder  sich  auf  die  Bühne  stellt  und  Freiheitslieder ­
  singt.  (1.)  [T.  F.]
305
        <pb n="216" />
        Alter

(h
o
X3
G
5
D

Durchschn.
Wochenverdienst


Art  der
sschäftigung

Jhr.

M.

03

37

4

21,—

Spinner

Wenn  auch  durch  die  Arbeiterbewegung
eine  Reihe  von  Vortheilen  für  die  Arbeiter ­
  errungen  worden,  so  glaube  ich  an
eine  baldige  und  vollständige  Erlösung  des
Arbeiters  nicht.  Aus  philosophischen
Gründen.  —  Hoffnungslos  bin  ich  nicht,
sondern  nehme  die  Dinge  einfach  wie  sie
kommen,  auch  aus  philosophischen  Gründen. ­
  (2.)  [T.  F.]

37

22,—

Weber
«

Die  politische,  sowie  Gewerkschaftsbewegung, ­
  hat  mein  ganzes  Denken  u.  Fühlen
umgewandelt.  —  Von  meinem  18.  Lebensjahr, ­
  als  ich  in  die  Fremde  ging,  und  diese
große  Kulturbewegung  kennen  lernte,  habe
ich  mich  sofort  angeschlossen.  Ich  erblicke ­
  in  dieser  Bewegung,  den  einzigen
Erlöser  der  gesamten  Menschheit,  aus  geistiger ­
  u.  phjsischer  Knechtschaft.  (i.)
[T.F.]

38

2

23,—

Färber

Die  politische  sowie  die  Gewerkschaftsbewegung ­
  ist  für  mich  der  Lebensborn
woran  ich  mich  in  trüben  Stunden,  wann
ich  über  mein  elendes  Dasein  verzweifeln
wollte,  wieder  erkwicke  und  aufrichte  und
habe  die  felsenfeste  Überzeugung,  daß  wir
durch  die  Arbeiterbewegung  zu  einem  Menschenwürdigen ­
  Dasein  gelangen.  —  Die  beantwortung
  dieser  Frage  halte  ich  für  unter
meiner  Würde,  da  ein  politisch  und  gewerkschaftlich ­
  aufgeklärter  Mensch  nicht
hoffnungslos  sein  kann,  (i.)  [T.  F.]

306

jhr.

sr*

M.

bJO
c

•a
z
&amp;lt;

CJ
sa

38

3

23,—

Weber

großen  Einfluß.  Ja,  —  Nein.  Ich  hoffe  das
es  gar  nicht  mehr  lange  auf  sich  warten
läßt.  ( 3 .)  [T.F.]

39

39

1  18,—

Weber

3

19,-Weber



Seit  einigen  Jahren  hat  sie  mich  aufgerüttelt. ­
  Wohl  werden  wir  es  nicht  mehr  erleben, ­
  doch  hoffe  ich  bestimmt,  daß  schon
unsere  nächsten  Nachkommen  zur  höchsten ­
  Glückseligkeit  der  Menschen  gelangen
und  bei  Ihnen  schon  der  Sozialismus  den
Kapitalismus  abgelöst  hat.  denn  die  Entwicklung ­
  schreitet  fort,  und  fest  lebt  auch
in  mir  das  Wort:  Alles  ist  und  ist  nicht.
Karl  Marx  materialistische  Geschichtsauffassung ­
  giebt  uns  ja  den  besten  Beweis,
daß  auch  wir  dereinst  besseren  Zeiten  entgegen ­
  gehen,  (i.)  [T.F.]
Einen  erzieherischen  Einfluß.  Nicht  nur
besser  für  mich,  sondern  für  die  gesammte
Arbeiterklasse.  Ich  betrachte  Partei  u.  Ge^
werkschaft  als  die  zwei  einzigen  Faktoren,
welche  der  Arbeiterklasse  den  Sieg  dereinst ­
  über  das  übermütige  Scharfmachertum
  bringen  können.  Ich  wünschte  diese
Ansicht  teilten  alle  Arbeitsbrüder  &amp;amp;  Arbeitsschwestern. ­
  —  Ich  bin  niemals  hoffnungslos ­
  gewesen,  obwohl  mir  das  Schicksal ­
  sehr  hart  zugesetzt  hat.  Das  Bewußsein
für  ein  Ideal  zu  kämpfen,  welches  als  Band
der  Liebe  dereinst  alle  Menschen  umfassen
wird,  hat  mich  poch  stets  aufgerichtet  &amp;amp;
trotzig  ^gemacht  gegen  jede  Unternehmerwillkür. ­
  (i.)  [T.F.]

20*

307
        <pb n="217" />
        308

o
&amp;lt;
Jh^

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M.

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3
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o
CO
&amp;lt;L&amp;gt;
M

40

21,-1

40

41

18,—

24,-Weber



Spinner

Walker

Man  wird  dadurch  veredelt,  also  ein  edler
Mensch,  hat  freien  Blick  und  ein  gutes  Gewissen. ­
  Das  ist  ein  gutes  Ruhekissen.  Es
muß  eine  Avantgarde  geben,  die  jederzeit
die  Fahne  mutig  hochhält  und  das  ist  ein
Vorwärts.  Aus  nichts  wird  nichts.  (3.)
[T.  F.]
Mich  läßt  der  Haß  gegen  meine  Unter-?
drücker  garnicht  dazu  kommen,  hoffnungslos ­
  zu  sein.  (1.)  [T.  F.]
Beide  Bewegungen  haben  vor  allem  veredelnd ­
  auf  mich  gewirkt.  Sie  haben  mir
das  Leben  lebenswerter  gemacht.  Sie
haben  mir  gelernt,  den  Nächsten  so  lieb
als  mich  selbst  zu  haben.  (2.)  [T.  B.]

42

33,-Teppich-




Das  kann  ich  eigentlich  schwer  beurteilen,
Ich  bin  Sozialdemokrat  aus  Überzeugung,
ohne  daß  ich  in  der  Lage  bin,  eine  Definition ­
  des  wissenschaftlichen  Sozialismus
geben  zu  können.  Und  doch  bin  ich  ziemlich ­
  hoffnungslos  und  sage:  Mensch,  der
Du  Sozialdemokrat  bist  oder  Gewerkschaftler ­
  oder  beides  zugleich,  laß  alle  Hoffnung
hinter  Dir.  Warum?  Die  Schuld  liegt  an
den  Führern  der  Gewerkschaften.  Die
kleinen  jTagesfragen,  mit  denen  sie  sich
fortgesetzt  befassen  müssen,  trüben  den
weiten  Blick  und  lassen  ihnen  das  Endziel
als  Utopie  erscheinen.  Sie  betrachten  alles

exo
G

■o

t:  2
&amp;lt;  o

jhr.

M.

ca

wie  vorsichtige  Geschäftsleute  nach  dem
Kostenpunkt.  Dann  werfen  sie  einen  Blick
in  die  Kassen  und  sagen:  Das  wird  uns  zu
teuer.  (1.)  [T.  B.]

43

29,—

Weber

Gar  keinen  Einfluß.  Hoffnung  auf  Zukunftsstaat ­
  ist  für  mich  Dunst.  Besser
kann  es  nur  werden,  wenn  man  die  Men-?
sehen  wie  Bäume  veredeln  könnte.  (3.)
[T.B.]

44

45

46

47

3

20,—

Weber

Ich  habe  keine  Hoffnung,  weil  man  nicht
mehr  an  einen  Gott  glaubt,  denn  er  spricht,
ohne  mich  kommt  Ihr  ja  zu  nichts.  (4.)
[T.  F.]

1

40,—

Weber

Ich  bin  nicht  hoffnungslos,  denn  der  politische ­
  und  gewerkschaftliche  Kampf
schafft  mir  jene  innere  Befriedigung,  für
die  es  einen  materiellen  oder  sonstigen  Ersatz ­
  nicht  geben  kann.  (2.)  [T.  B.]

5

20,—

Weber

Ich  kritisiere  sehr  ungern  die  politische  wie
Gewerkschaftsbewegung.  Eine  Hoffnung,
daß  es  besser  wird,  habe  ich  nicht  mehr.
Warum  ?  Nun,  einen  Idealzustand  in  der
menschlichen  Gesellschaft  kann  ich  mir
nicht  vorstellen.  (2.)  [T.  F.]

8

22,—

Weber

Die  Hoffnung,  daß  es  bald  besser  für  mich
wird,  hege  ich  nicht.  Denn  wenn  ich  auch
309
        <pb n="218" />
        Alter

(-&amp;lt;
0)
TJ
o
5
’&amp;gt;
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
jschäftigung

Jhr.

£

M.

CQ

noch  zwanzig  Jahre  leben  würde,  so  weiß
ich  doch,  daß  der  Gang  der  Entwicklung
ein  langsamer  ist.  Große  Reformen  erfordern ­
  zu  ihrer  Lösung  der  Erkenntnis  der
Massen.  Es  mag  Vorkommen,  daß  die
Menschheit  periodisch  gewaltige  Anläufe
zur  Erzielung  von  ^Reformen  macht.  Die
rückläufige  Strömung  muß  aber  eintreten,
wenn  solche  Ausbrüche  nicht  vom  Erkenntnis ­
  der  Menschen  getragen  werden.
Aber  die  Massen  geistig  aufzuklären,  ein
schwieriges  Problem.  (2.)  [T.  F.]

48

5

19,—

Spinner

Der  Gewerkschaftsbewegung  stehe  ich
feindselig  gegenüber,  weil  sie  nichts  Gemeinsames ­
  in  sich  hat,  die  politische  ist
für  mich  alles.  (3.)  [T.  F.]

49

7

18,-Weber



Auf  dieser  Weid  ist  fir  mich  alle  Hoffnung
dahin.  (4.)  [T.F.]

a)Welchen  Einfluß  hat  auf  Sie  die  politische  und
Gewerkschaftsbewegung  ?
Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive:

Zum  denkenden
Menschen
gemacht

Schafft  innere
Befriedigung

Diverse

Textilarbeiter
Textilarbeiter

Berlin
Forst

58
136

38
8

194
216

Summa:

194

46

410

310
        <pb n="219" />
        i

b)  An  eine  baldige  Umgestaltung  durch  die  politische ­
  und  Gewerkschaftsbewegung  glaubten:

\

Daß  die  Kinder
es  erleben
werden

Diverse

Textilarbeiter  Berlin

41

21

Textilarbeiter  Forst

124

81

Summa:

165

102

c)  Keine  Hoffnung  hatten:
Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive:

Weil  die  Macht
des  Kapitals  zu
groß

Weil  die  Arbeiter
zu  dumm

Diverse

Textilarbeiter  Berlin

30

12

8

Textilarbeiter  Forst

12

7

28

Summa:

42

19

36

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:
Textilarbeiter  Berlin  17
Textilarbeiter  Forst  122

Welchen  Einfluß  hat  auf  Sie  die  politische  und  Gewerkschaftsbewegung? ­
  Haben  Sie  dadurch  Hoffnung,  daß  es  bald  besser
für  Sie  wird?  Oder  sind  Sie  hoffnungslos  und  warum?
Metallarbeiter.

Jhr.

M.

20

23,—

£0

Dreher

Starken  Einfluß,  und  der  Zeitpunkt  ist
nicht  mehr  allzufern,  wo  wir  uns  den  Himmel ­
  auf  Erden  gönnen  werden.  (3.)  [M.  S.]
311
        <pb n="220" />
        Jhr.

21

22

23

Durchschn.
Wochenverdienst


Art  der
Beschäftigung

M.

24,-Metall-





30,—

Schlosser



28,-Schlos-





Ich  gehöre  mit  allen  Fasern  meines  Herzens ­
  beiden  Bewegungen  an.  (3.  t.)  [M.  S.]
Ich  setze  darauf  wenig  Hoffnung,  da  mein
Streben  dem  natürlichen  Leben  gilt,  so
glaube  ich  wenig  Vorteil  von  der  Welt  erwarten ­
  zu  dürfen.  (3.)  [M.  B.]
Die  politische  und  Gewerkschaftsbewegung
haben  den  Einfluß  auf  mich,  daß  sie  mich
in  Zeiten  seelischer  Depression  hochhalten,
wenn  ich  am  Leben  beinahe  verzweifeln
könnte.  Und  doch  bin  ich  hoffnungslos.
Die  Gewerkschaften  verrichten  nur  Sisy--phusarbeit,
  sind  vollauf  beschäftigt,  die  Lebenshaltung ­
  ihrer  Mitglieder  nicht  auf  das
tiefste  Niveau  fallen  zu  lassen.  Genugtuung ­
  gewährt  mir  die  Bewegung  nur  insofern, ­
  als  sie  mir  erlaubt,  meinen  Todfeinden, ­
  den  Kapitalisten,  einen  Teil  der
Schläge  zu  vergelten,  die  sie  auf  uns  niedersausen ­
  lassen.  Nur  dem  Kampfe  lebe
ich.  (1.)  [M.B.]

24

28,—

Former

Vorläufig  ziemlich  hoffnungslos,  da  der  Arbeiter ­
  noch  zu  sehr  Tier  ist.  (3.)  [M.  B.]

25

42,-Dreher



Ich  habe  weniger  die  Hoffnung,  daß  es  in
absehbarer  Zeit  besser  für  mich  wird,  je-:
doch  daran  mitzuarbeiten,  daß  es  kommenden ­
  Generationen  besser  geht  als  mir,  sehe
ich  als  meine  vornehmste  Aufgabe  an,  ich
möchte  fast  sagen  als  meinen  Lebens^
zweck.  Bei  aller  Bescheidenheit  bin  ich
der  Meinung,  daß  eine  politische  Bewe-312



M
13
.  3
Ö  .SP
■O  «S

0
CO

gung  die  geschichtliche  Entwicklung  nicht
plötzlich  umändern,  wohl  aber  beeinflussen
kann  1  Wie  könnte  ich  hoffnungslos ­
  sein.  Ach  ja,  manchmal  bin  ich  es
doch.  Aber  dann  wird  wieder  die  Erbitterung ­
  in  mir  wach,  und  dann  kann  und  will
ich  mich  nicht  resigniert  in  mein  Schicksal
fügen.  Es  beleidigt  meinen  Stolz  und
meine  Menschenwürde,  wenn  von  mir  ver-.
langt  wird,  ich  muß  mich  auf  Kosten  an-,
derer  Menschen  auspowern  lassen.  Das  ist
keine  göttliche  Weltordnung,  sondern
grenzenlose  Anmaßung  und  schreiende  Ungerechtigkeit, ­
  die  ich  mit  aller  mir  zur  Verfügung ­
  stehenden  Kraft  ,aus  der  Welt  zu
schaffen  versuchen  werde.  (1.)  [M.  B.j

Schlei-  Ich  halte  das  Beste  von  ihnen,  bloß  meine
fer  Frau  ist  gegen  den  Verband.  Hoffnungslos,
weil  mir  niemand  hilft,  weil  mir  nie  von
Herzen  aussprechen  kann,  selbst  zu  meiner
Frau  nicht.  (3.)  [M.  S.]

Kernmacher ­


Ich  meine,  daß  wir  weiter  wühlen  müssen.
(4.)  [M.S.]

Schlosser ­


Durch  beide  Bewegungen  erhalte  ich  die
mannigfachsten  Anregungen,  und  mein
Wissensdurst  ist  durch  dieselben  geweckt
worden.  Sie  bieten  mir  Gelegenheit,  mich
mit  Optimismus  und  Idealismus  zum
vollen  Menschentum  durchzuringen
Wer  hoffnungslos  ist  der  hat  verloren,  der
soll  sich  begraben  lassen.  (2.)  [M.  B.]

313
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        Jhr.

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M

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29

24,—

Nähmaschinen-




Guten  Einfluß  hoffnungslos  bin  ich
nicht,  denn  wer  vom  Sozialismus  so  durchdrungen ­
  ist  wie  ich,  der  glaubt  an  eine  Befreiung ­
  wie  an  ein  neues  Evangelium,  (i.)
[M.S.]

30

Fabrikschlos ­
 ­


Beide  Organisationen  haben  mich  nicht  her
einflussen  können,  da  ich  weder  ein  Auch-Kollege
  noch  ein  Zwangsgenosse  bin.  Ich
bin  nicht  um  der  schönen  Augen  anderer
willen  organisiert,  sondern  aus  krassestem
Egoismus  und  nur  aus  dieser  Notwendigkeit ­
  heraus  gehe  ich  mit  der  organisierten
Masse  mit.  Was  nützt  Hoffnung?  Kampf
heißt  die  Parole,  (i.)  [M.  S.]

31

32,—

Dreher

Obgleich  ich  beide  Bewegungen  ruhig  verfolge, ­
  berechtigt  mich  doch  keine  derselben
zu  irgendwelcher  Hoffnung.  Der  Gedanke,
mein  ganzes  Leben  in  der  Fabrik  bei
schlechtbezahlter  Arbeit  zubringen  zu
müssen,  macht  mich  des  öfteren  vollkommen ­
  mutlos.  Alles,  was  mir  sonst  lieb  und
fwert  erscheint,  läßt  mich  in  solchen  Momenten ­
  vollständig  kalt.  Eine  heiße  Angst
►steigt  in  mir  auf,  verspüre  starkes  Herzklopfen ­
  und  bin  unfähig,  irgendeine  Arbeit
fzu  verrichten,  flüchte  zu  meinen  Kollegen,
um  irgendeine  banale  Frage  an  dieselben
zu  richten.  (3.)  [M.  B.]

32

2

26,—

Messerarbeiter ­


Ich  könnte  mir  nicht  vorstellen,  was  für
Sein  Glied  der  menschlichen  Gesellschaft
ich  sein  könnte,  wenn  ich  der  Arbeiterbe-314



Jhr.

wegung  fernstände.  Aus  ihr  schöpfe  ich
ja  neuen  Mut  und  neue  Kraft,  mein  ohnehin ­
  beschwertes  Lebensschiff  einigermaßen ­
  gefahrlos  durch  all  die  Klippen  und
Wirren  des  Lebensmeeres  hindurchzugeleiten. ­
  In  der  Einigkeit  Und  dem  festen  Zusammenschluß ­
  mit  meinen  Arbeitsbrüdern
Und  dem  Proletariat  aller  Länder  sehe  ich
eine  Macht  heranwachsen,  die  berufen  und
fähig  sein  wird,  die  heutige  Gesellschaft  so
umzugestalten,  daß  jeder  Einzelne  von  sich
sagen  kann:  Ich  bin  ein  wahrer  Mensch.  .  .
Warum  soll  ich  hoffnungslos  sein?  Stehe
ich  doch  nicht  allein  mit  meiner  Meinung.
Solange  ich  für  die  Allgemeinheit  kämpfen
darf,  hat  das  Ich  in  den  Hintergrund  zu
treten.  (1.)  [M.S.]

M.

M
C
3
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32

36,—

Werkzeug-




33

2

Werkzeug-




Ich  sehe  in  beiden  Bewegungen  wirtschaftliche ­
  Beweggründe.  Hoffnungslos  könnte
man  ja  mit  allem  Grund  sein,  wenn  die  ininerste
  Natur,  die  Freude  erheischt,  sich
nicht  gegen  solche  Beeinflussung  des  Gefühlslebens ­
  sträubt.  Ich  balanciere  immer
'zwischen  Resignation  und  stolzem  Bewußtsein ­
  andererseits.  (2.)  [M.  B.]
Diese  allein  erwecken  keine  Illusionen  in
mir.  Ein  einseitiges  Streben  nach  politi-:
scher  Macht  ohne  gleichzeitig  bewußte
Umgestaltung  der  wirtschaftlichen  Grundlage, ­
  ein  einseitiges  Streben  nach  Erhö-,
hung  des  nominellen  Lohnes  kann  in  mir
315
        <pb n="222" />
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33  3

34

21,-25,-




Metallformer ­


leider  keine  Hoffnung  auf  baldige  Besserung ­
  erwecken.  Ich  hasse  innerlich  die
geistesträge,  gedankenlos  zwischen  Arbeit
und  Vergnügen  hinpendelnde  Masse,
welche  nicht  den  Willen  hat,  die  Gaben
der  Natur  Vernunft  und  Verstand  zur  mögT
liehen  Umwandlung  der  Außenwelt  zu  gebrauchen. ­
  Ich  verachte  die  Schwächlinge, ­
  die  als  rücksichtslose  Egoisten
sich  als  selbstlose  Menschenfreunde  be^
trachten  und  ein  wertloses  Phantom  als
fertiges  Ideal  hinstellen,  welches  andere
für  sie  schaffen  sollen,  anstatt  zuerst  selbst
charakterfest  und  selbstbewußt  Wirklichkeit ­
  und  Ideal  zu  vereinen  suchen,  wo
sie  es  zunächst  könnten,  in  Genossenschaft
Und  Familie,  (i.)  [M.  B.]
Ich  bin  mismutig.  (4.  t.)  [M.  S.]
Ihr  Vorhandensein  ist  lebenspendend,  sie
ist  mir  Erholung,  Vergnügen.  Sie  verschafft
  in  mir  die  erforderliche  Wechsel-.
Wirkung  zwischen  physischer  und  geistiger ­
  Betätigung.  Die  Unterfrage  beantworte
ich,  sobald  das  Wort  j,bald“  in  Frage
steht,  mit  einem  glatten  Nein  ...  Nicht
hoffnungslos,  aber  auch  kein  Phantast  bin
ich.  Es  hieße  blind  durch  das  kartellierte
Unternehmertum  geschaffenen  Hindernissen ­
  der  ruhigen  Fortentwicklung  vorübergehen, ­
  es  hieße  die  Macht  der  herrschenden ­
  Klassen  unterschätzen  und  die  Orga-316



Jhr.

34

35

35

36

G  ,  4-J3
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32,—

26,-34,-






Werkzeug-




Metallarbeiter ­


Metallarbeiter ­


jiisation  (der  modernen  Arbeiterschaft  zu
hoch  bewerten,  wollte  man  von  baldiger
gründlicher  Verbesserung  der  Verhältnisse
reden.  (2.)  [M.  S.]
Diese  Frage  ist  für  mich  die  beste,  weil  ich
da  mit  dem  ganzen  Herzen  beteiligt  bin,
und  hoffe  ich,  daß  wir  in  nicht  langer  Zeit
erreicht  haben,  was  wir  wollen.  (3.  t.)  [M.S.]
Einen  großen  Einfluß.  Denn  sehen  wir
die  .Orte,  wo  es  keine  gewerkschaftliche
und  politische  Organisation  giebt,  namenb
lieh  die  katholischen  Pfaffennester,  da
kann  man  sehen,  daß  die  Arbeiter  unter
dem  Vieh  stehen.  (3.)  [M.  B.]
Beide  Bewegungen  haben  mich  in  erster
Linie  zum  Menschen  gemacht.  Doch  ist
ihr  Einfluß  jetzt,  da  ich  mich  mit  philosophischen ­
  Dingen  beschäftige,  gering.  Ich
habe  mein  Leben  so  verinnerlicht,  daß
eigentlich  ein  äußeres  Leben  nicht  da  ist.
Alles  Hoffen  bezieht  sich  ja  immer  nur
auf  äußeres  Leben.  Das  Seelenleben  will
erlebt  und  gelebt  sein,  kennt  kein  Hoffen.
,(2-)  [M.S.]
Die  politische  und  Gewerkschaftsbewegung ­
  interessieren  mich  beide.  Doch  bin
ich  hoffnungslos,  da  die  große  Masse,  die
wenigen  denkenden  Genossen  nicht  versteht ­
  und  ich  daran  zweifle,  daß  diese
Masse  jemals  dieselben  verstehen  lernen
wird.  (2.)  [M.  S.]

317
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        1  Alter

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Durchschn.
Wochen-A


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M.

DQ

36

l

28-Schlos

 ­


Ich  gehöre  beiden  Organisationen  an.  Ob
aber  mit  Reden  und  Organisationen  die
Welt  zu  erlösen  ist?  Hoffnungslos?
Gehen  Sie  einige  Zeit  in  die  Fabriken,
und  ich  wüßte  bestimmt,  daß  Ihre  Hoffnung ­
  ; auch  zunichte  wird.  Ich  hoffe  für
eine  spätere  Generation,  die  dieser  Planet
noch  hervorbringen  soll.  (2.)  [M.  S.]

37

3

26,—

Nähmaschinen-




Die  politische  und  gewerkschaftliche  Bewegung ­
  hat  auf  mich  zweifellos  einen  veredelnden ­
  Einfluß  ausgeübt.  Während  ich
früher  ein  großer  Alkoholkonsument  war
bin  ich  heute  das  Gegenteil.  —  Für  mich
persönlich  hoffe  ich  nichts,  bin  aber
zu  jeder  Zeit  bereit,  für  unsere  Sache  die
größten  Opfer  zu  bringen.  (1.)  [M.  S.]

37

3

34,-Eisen

 ­


Der  Sozialismus  ist  für  mich  die  Grundlage
zu  allem  Denken  und  Handeln.  Ich  bin
voller  Hoffnung,  aber  ich  verzweifle  öfters, ­
  'wenn  einige  Intellektuelle  Vom  Hineinwachsen ­
  der  Gesellschaft  reden.  (3.)

41

4

39,—

Metallbohrer ­


Die  beste  Hoffnung.  Es  wird  durch  Liebe
eine  allgemeine  Menschenverbriederung
kommen.  (3.)  [M.B.]

42

4

30,—

Metallschlei ­
 ­


Für  mich  nicht,  aber  für  die  Kinder,  weil
der  Kapitalmus  den  Höhe  Grad  noch
pV^S  6rreicht  hat ‘  ( acku muluniert)  (3.)

318

Alter

(-&amp;lt;
•Ö
G
2
*&amp;gt;
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäftigung

Jhr.

£

M.

DQ

43

6

44,-Werk-






Ich  betrachte  die  Erfolge  nicht  beim  Einzelnen, ­
  sondern  beim  allgemeinen  und  bewerte ­
  sie  an  der  Stärke  des  Gegners  ....
Hoffnungslos?  Nein  durchaus  nicht.  Ich
sehe  täglich,  wie  aus  den  hochkapitalistischen ­
  Gebilden  sich  Wege  für  eine  sozialistische ­
  Gesellschaft  ebnen.  Und  sehe
auch,  wenn  es  auch  langsam  geht,  wie  die
aus  dem  Tierreich  hervorgegangenen
Menschen  immer  solidarischer  im  Handeln ­
  Und  edler  im  Denken  und  Fühlen
werden.  (1.)  [M.B.]

44

3

40,—

Dreher

Ich  hoffe,  vertraue  und  baue  auf  die  gewaltige ­
  Kraft  des  starken  Einzelnen,  die
das  große  'All  als  das  erkannt  haben,  was
es  ist  und  die  mit  starker  gebietender
Stimme  darüber  verfügen  werden.  (2.)
[M.B.]

45

3

31  —

Scherenhärter ­


Die  politische  Gewerkschaftsbewegung  hat
auf  mich:  den  Eindruck  gemacht  das  die
Menschen  vom  großen  Mann  bis  zum  Bettler ­
  alle  keine  ehrliche  Gesinnung  haben,
nur  villeicht  von  100  2  bis  3  Mann  die
es  wirklich  ehrlich  meinen,  darum  glaube
ich  das  es  niemals  anders  wird.  (3.)  [M.S.]

46

7

39,—

Fräser

Ich  bin  hoffnungslos,  weil  die  Gewerkschaftsbewegung ­
  in  der  heutigen  Bewegung ­
  ein  Koloß  auf  thönernen  Füßen  ist.
Schwer  beweglich,  hat  sie  nur  den  haupt-319
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        Jhr.

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38

38,—

38

30,—

Eisendreher ­


Werkzeug-




sächlichsten  Zweck,  viele  Beamte  anzustellen ­
  und  dem  heiligen  Bürokratismus
im  verdünnten  Aufguß  satte  Pfründe  zu
schaffen.  Die  Arbeiterschaft  wird  dadurch
zu  strenggläubigen  Fanatikern  erzogen.  (2.)
[M.B.]
Ich  selbst  gebe  mich  keinen  Hoffnungen
hin,  doch  durch  die  Angehörigkeit  zu  den
Organisationen  stähle  ich  meinen  Geist,
den  ich  mit  größter  Sorgfalt  auf  meine
Kinder  zu,  übertragen  versuche,  damit,  falls
an  sie  einst  der  Ruf  ergeht,  sie  an  dem
heiligen  Kampfe  teilnehmen  können.  (1.)
[M.  B.]
Ich  weiß  und  sehe  stündlich,  welche  Riesenarbeit ­
  notwendig  ist,  um  den  Arbeiter
zu  idealem  Streben  zu  erziehen.  Daß  es
bald  besser  wird,  glaube  ich  nicht,  denn
es  ist  eine  Riesenarbeit,  Licht  in  alle
Köpfe  zu  bringen.  ...  Hoffnungslos?  Die
Hoffnung  ist  es  ja,  die  den  müden  Kopf,
den  müden  Körper  zu  neuem  Handeln
bringt.  Und  erfüllt  sich  auch  an  mir  selber
nicht,  ich  bin  ein  Nichts.  Es  haben  vor
uns  Menschen  gelitten,  für  Besserung  gekämpft ­
  undj  sind  auch  ins  Grab  gesunken
ohne  Genuß  des  Erstrebten.  Es  ehrt  sie
die  lebende  Generation,  und  soll  unsere
heutige  danach  streben,  von  der  kommenden ­
  geehrt  zu  werden.  (2.)  [M.  S.]

320

Alter

t-V

T3
G
5
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

Jhr.

£

M.

03

39

1

26,—

Metallarbeiter ­


Die  politische  und  gewerkschaftliche  Be-:
wegung  hat  erst  meinem  Wesen  Ziel  ge^~
geben,  meinem  Leben  Inhalt.  (1.  t.)  [M.S.]

39

4

26,—

Nähmaschinen-




Von  der  politischen  Bewegung  verspreche
ich  mir  mehr  als  von  der  gewerkschaft^
liehen  ...  für  mich  selbst  habe  ich  keine  Hoff?«
nung.  Ebenso  wie  die  Entwicklung  des  orgas
nischen  Lebens  zur  höchsten  Stufe  bis  zum
Menschen  nur  im  Laufe  ungeheuer  langer
Zeiträume  stattgefunden  hat,  so  wird  auch
der  Sozialismus  langer  Zeit  bedürfen,  ehe
die  Menschheit  zu  intelektueller  Vollen-:
düng  gelangt.  (3.)  [M.S.]

40

—

35,—

Schlosser ­


Ich  merke,  daß  es  von  Jahr  zu  Jahr  Besser
wirt,  bloß  es  fängd  an  zu  feraltem.  (4.)
[M.B.]

a)  W  eichen  Einfluß  hat  auf  Sie  die  politische  und
Gewerkschaftsbewegung  ?

Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive:

Zum  denkenden ­
  Menschen
gemacht

Mein  Selbstbewußtsein ­

gestärkt

Diverse

Metallarbeiter  Berlin

171

64

118

Metallarbeiter  Solingen

160

74

156

Metallarbeiter  Oberstein

45

18

72

Summa:

376

156

346

21

321
        <pb n="225" />
        b)  An  eine  baldige  Umgestaltung  durch  die  politische ­
  und  Gewerkschaftsbewegung  glaubten:

Daß  die
Kinder  es  erleben ­
  werden

Diverse

Metallarbeiter  Berlin

98

38

Metallarbeiter  Solingen

154

64

Metallarbeiter  Oberstein

88

31

Summa:

340

133

c)  Keine  Hoffnung  hatten:
Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive:

Weil  die
Menschen
egoistisch

Weil  die
Macht  des
Kapitals
zu  groß

Weil  beide  Bewegungen ­
  nur
Massen-Menschen
  züchten

Diverse
/

Metallarbeiter  Berlin

34

59

54

28

Metallarbeiter  Solingen

6

28

14

17

Metallarbeit.  Oberstein

16

4

—

8

Summa:

56

91

68

53

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Metallarbeiter  Berlin  48
Metallarbeiter  Solingen  21
Metallarbeiter  Oberstein  113

322
        <pb n="226" />
        E.  Die  Stellung  der  Arbeiter  zu  den  außerberuflicben
Kultur-  und  Lebensproblemen
Die  Formen,  in  die  sich  einst  der  Glaube  einer  kindlichen
Zeit  hüllte,  sind  gefallen.  Die  leibliche  Fahrt  in  den  Himmel  hat
für  die  Arbeiter  ihren  Sinn  verloren.  Aber  der  Ruf:  „Empor“!
tönt  immer  stärker.  Und  genau  betrachtet,  sind  es  doch  die  alten
Gedanken  der  Menschenliebe,  die  wir  in  dem  Altruismus  der
Gegenwart  wiederfinden.  Der  ethische  Kern  aller  Religionen
verschwindet  nicht  spurlos  in  der  Welt.  Er  wandelt  sich  nur
in  tausend  Formen.  Aber  er  bleibt.  Und  heute  wie  immer  gilt
das  Wort  des  Apostels:  „Nicht  daß  ichs  schon  ergriffen  habe,
oder  schon  vollkommen  sei;  ich  jage  ihm  aber  nach.“  Wie
es  auch  Lessing  ausgedrückt  hat,  daß  er  nicht  die  volle  Wahrheit ­
  wolle,  sondern  nur  den  Drang  nach  Wahrheit,  auch  wenn
er  immer  wieder  irren  sollte.  Diesen  Gedankengang  haben  viele
Arbeiter  sich  zu  eigen  gemacht.  Da  schreibt  ein  Metallarbeiter: ­
  „Die  Religion  ist  ja  etwas  ganz  anderes  als  das,  was
man  uns  als  Religion  aufzuschwatzen  versucht.  Die  Frage  nach
dem  „Warum“  und  „Woher“  und  „Wohin“  beschäftigt  wohl
in  stillen,  beschaulichen  Stunden  jeden  Menschen  einmal.  Allerdings ­
  wir  wissen  es  nicht  und  werden  es  nicht  wissen,  und  das
ist  gut  so.  Das  Streben  nach  Erkenntnis  bringt  die  Menschen
vorwärts  wie  eine  Fata  morgana,  jedoch  verschwindet  diese
Erkenntnis  wieder,  wenn  wir  glauben,  ihr  nahe  zu  sein,  Und
beschämt  müssen  wir  uns  eingestehen,  daß  wir  nichts  wissen.
Wenn  ein  Teil  einer  Maschine,  sei  es  ein  Rädchen,  mit  Vernunft ­
  begabt  wäre,  und  Augen  zum  Sehen  wie  wir  besäße,
und  Betrachtungen  anstellen  würde  über  den  Zweck  seines  Daseins, ­
  könnte  es,  da  es,  weil  es  sich  nicht  von  seinem  Platze
entfernen  könnte,  ohne  aufzuhören,  ein  Rädchen  einer  Maschine ­
  zu  sein,  auch  nur  Hypothesen  aufstellen,  aber  nie  die
21*  323
        <pb n="227" />
        volle  Gewißheit  über  Zweck  und  Wert  seines  Daseins  erlangen.
So  geht  es  auch  uns.  Wir  sind  kein  Ganzes,  sondern  nur  ein
Teil  eines  Ganzen.  Wenn  wir  das  Ganze  wären,  wüßten  wir
alles.  Weil  wir  aber  kein  Ganzes  sind  und  es  nie  sein  werden,
hat  unsere  Erkenntnis  unübersteigbare  Schranken.  Als  Ganzes
meine  ich  den  Kosmos,  nicht  nur  die  Menschheit.  Wir  müssen
uns  damit  begnügen,  daß,  wie  alles  in  der  Natur  Zweck  hat,
auch  unser  Dasein  einen  Zweck,  also  auch  Wert  hat,  ,wenn
nicht  für  uns,  so  doch  für  den  Kosmos,  und  da  wir  ein  Teil
des  Kosmos  sind,  also  auch  für  uns.“
Daß  die  absolute  Mehrheit  der  untersuchten  Arbeiterkategorien ­
  antireligiös  gesinnt  sei,  kann  nicht  behauptet  werden.
Es  zeigt  sich  vielmehr  eine  religiöse  Indifferenz.  Die  Grundursache ­
  dieser  innerlichen  Religionsentfremdung  ist  vielfach  das
Versagen  des  alten  Glaubens  in  den  Konflikten  des  wirtschaftlichen ­
  und  sozialen  Lebens.  Von  dem  „Eiapopeia  vom  Himmel,
womit  man  einlullt,  wenn  es  greint,  das  Volk,  den  großen  Lümmel“ ­
  wollen  sie  pichts  wissen.  Sie  bedürfen  der  Kirche  flicht
mehr,  um  inneren  Halt  und  Glauben  und  hoffende  Zuversicht
zu  gewinnen.  Sie  schöpfen  all  dies  aus  dem  frisch  sprudelnden
Quell  sozialistischer  Betätigung,  fordern  einen  tatwilligen  und
tatkräftigen  Diesseitsglauben,  einen  organisierten  Willen  zur  Verantwortung ­
  gegenüber  der  Menschheit,  zur  Arbeit  für  die
Menschheit.  Immer  kehrt  es  wieder:  „Ich  versichere  Ihnen,
daß  ich  nur  durch  die  Widersprüche  in  der  Bibel  und  durch  die
Eigenschaften,  die  man  dem  göttlichen  Wesen  angedichtet,  die
aber  mit  der  Wirklichkeit  nicht  im  geringsten  harmonieren,
von  dem  Glauben  an  einen  persönlichen  Gott  abgefallen  bin.“
Die  schlesischen  Bergleute  haben  sich  vielfach  der  Kirche  äußerlich ­
  nicht  entfremdet.  Ein  besonders  intelligenter  schlesischer
Bergmann  bestätigt  die  diesbezüglichen  Beobachtungen  wie
folgt:  „Ich  habe  mich  oft  gewundert,  wie  unsere  intelligenten
Bergarbeiter,  die  regelmäßige  Besucher  unserer  Wahlversammlungen ­
  sind,  trotzdem  ,noch  allsonntäglich  in  die  Kirche  gehen.
Sie  sind  fast  ausschließlich  katholischer  Religion.  Auf  meine
Vorhaltung  antworten  sie  immer:  Es  ist  doch  nun  einmal  hier
noch  so.  Die  Pfarrer  schimpfen  fast  immer  in  ihren  Predigten
auf  die  Sozialdemokraten,  auf  die  schlechte  Presse  und  Ähnliches. ­
  Das  nehmen  die  Bergarbeiter  dem  Pfarrer  sehr  übel  und
324
        <pb n="228" />
        325

schimpfen  darüber.  Oft  warten  sie  die  Predigt  nicht  ab,  sondern
verlassen  schon  vorher  die  Kirche.  Das  Kirchengehen  ist  hier
weiter  nichts  als  eine  alteingewurzelte  Tradition.  .  Dann  ist
der  Charakter  des  Gebirgsbewohners  ein  anderer  als  der  des
Bewohners  der  Ebene.  Das  vereinzelte  Wohnen  auf  den  Bergesabhängen ­
  bis  auf  die  Höhe  des  Eulengebirgskammes  (800—1000
Meter)  trägt  viel  dazu  bei,  einen  gewissen  Hang  zur  Mystik  aufrecht ­
  zu  erhalten.“
Der  Marxismus  ging  den  Weg  des  Christentums.  Auch
das  Christentum  hatte  den  Ärmsten  gepredigt:  Duldet,  duldet,
duldet  ....  dennoch  ist  euer  der  Sieg.  Gott  gibt  ihn  euch.  Genau ­
  so  Marx,  nur  in  anderm  Jargon,  Duldet,  duldet,  duldet  .  .  .
dennoch  ist  euer  der  Sieg.  Das  dialektische  Entwicklungsgesetz ­
  gibt  ihn  euch.  So  packte  er  die  Proletarier  wie  sie  waren
und  nicht  wie  sie  werden  sollten.
Ihr  werdet  befreit  werden.  Aber  von  wem?  Nicht  durch
euch.  Der  Proletarier  hatte  sich  noch  nie  als  Macht  gefühlt,
immer  nur  als  Ohnmacht;  wie  hätte  er  plötzlich  an  seine  Macht
glauben  sollen!  Befreit  also  von  Gott?  Nein.  Der  Proletarier
kannte  auch  Gott  nicht  als  Macht.  Wenigstens  nicht  deutlich.
Mochte  er  an  ihn  „glauben“,  vertrauen  konnte  er  ihm  unmöglich. ­
  Doch  es  gab  zwei  Mächte,  die  er  täglich  an  sich  verspürte.
Von  denen  er  sah,  daß  sie  ihn  freudlos,  sein  Leben  zwecklos
machten.  Wirtschaft  und  Technik!  Gröber  gesagt:  Profit  und
Maschine.  Das  spürten  sie  ja  zu  Hunderten  am  Leibe,  ;wenn
der  Profit*  die  Konjunktur  sie  aufs  Pflaster  setzte  oder  (die
Löhne  drückte,  und  was  die  Maschine  bedeutete,  hatten  sie
immer  gespürt  So  repräsentiert  sich  uns  der  grandiose ­
  Plan  dieses  Evangeliums:  an  die  Apathie  wie  proletarische
Freudlosigkeit,  die  notwendig  mit  sich  brachten,  knüpfte  er  unmittelbar ­
  an.  Er  schmeichelt  ihr,  möchte  man  sagen,  er  proklamiert ­
  ihr  Recht,  und  die  beiden  Gewalten,  die  als  schuldig
an  jener  Freudlosigkeit  und  Zwecklosigkeit  dem  Proletarier  allein
unmittelbar  als  Mächte  fühlbar  sind,  denen  allein  er  kolossales
Vollbringen  Zutrauen  kann,  ....  Profit  und  Maschine,  sie  betraut ­
  er  mit  der  Aufgabe  der  Erlösung.*
Merkwürdig,  wie  wenige  der  befragten  Arbeiterkategorien
die  Konsequenzen  ihrer  Entfremdung  der  Kirche  gegenüber  ge-*
  Willy  Hellpach,  Nervenleben  und  Weltanschauung,  Wiesbaden  1906.
        <pb n="229" />
        zogen  haben.  „Bin  nicht  ausgetreten,  aber  werde  es  in  nächster
Woche  oder  in  nächster  Zeit  tun.“  So  klingt  es  in  allen  Variationen ­
  immer  wieder.  Geradezu  wie  ein  Gefühl  der  Beschämung
zieht  les  durch  die  (Erhebungsformulare.  Eine  lebhafte  ^Korrespondenz ­
  wurde  darüber  geführt,  warum  die  Arbeiter  nicht  aus  der
Landeskirche  ausgetreten  sind.  Drei  Einwände  bilden  das  Charakteristikum. ­
  Erstens  aus  Rücksicht  auf  die  Kinder,  damit  sie
von  den  Pfaffen  Jn  der  Schule  nicht  drangsaliert  werden.  Zweitens ­
  weil  die  Frau  dagegen  ist  und  man  darum  den  häuslichen
Frieden  nicht  aufs  Spiel  setzen  möchte.  Drittens  weil  der  Aus-»
tritt  aus  der  Landeskirche  mit  Unkosten  verknüpft  ist.
Hin  und  wieder  wurde  auch  der  Einwand  geltend  gemacht,
daß  der  Arbeitgeber  religionslose  Arbeiter  nicht  dulde  und  Furcht
vor  Entlassung  der  Grund  sei.

1.  Glauben  Sie  an  den  lieben  Gott,  oder  sind  Sie  und  aus  welchen
Gründen  aus  der  Landeskirche  ausgetreten?

Bergarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

Alter

Anzahl  der
Kinder

Jahre

20

—

Glaube  an  keinen  lieben  Gott,  höchstens  an  ein
höheres  wesen  und  von  Kirche  halt  ich  überhaupt
nichts  denn  was  Bibel  und  Pfaffe  lehren  nenne
ich  Quatsch  und  Verdummung.  (4.  t.)  [B.  R.]

21

Ja,  ich  glaube  an  Gott.  Hier  in  Oberschlesien  ist
es  unmöglich,  aus  der  Kirche  auszutreten.  (3.)
[B.  Schl.]

22

—

an  einen  Got  glaub  ich  und  bin  bestrebt  für  Ihn
eine  Wohnung  ihn  mir  Selbst  zubereiten  (4.)

326

[B.  Schl.]

0)
&amp;lt;
Jahre

Anzahl  der
Kinder

23

—

Ich  glaube  an  den  lieben  Gott.  (4.  t.)  [B.  Schl.]

24

Ja.  aus  der  Kirch  bin  Ich  ausgetreten  weill  in  der
Kirche  die  Wirtsschaftliche  läge  mit  Füßen  getreten
wird,  und  daher  kann  man  an  keinen  Gott  glauben.
(3.)  [B.R.]

25

1

Ich  glaube  nicht  daran,  und  nur  Rücksichten  auf
die  Familie  halten  mich  vom  Austritt  zurück.  (3-t.)
[B.R.]

25

—

Von  dem  kirchlichen  Dogmenglauben  halte  ich
nichts,  sondern  lebe  nach  dem  Grundsatz:  „Edel
sei  der  Mensch,  hilfreich  und  gut.“  (2.)  [B.  R.]

26

2

Ich  werde  aus  die  Kirche  austreten,  wenn  ich  meine
Frau  werde  umstimmen  können.  (3.)  [B.  S.]

26

2

In  der  Sache  bin  ich  noch  nicht  richtig  aufge^
klärt.  (3.)  [B.  S.]

27

1

Ja  auf  den  Lieben  Gott  Glaube  ich  und  in  die
Kirche  gehe  ich  auch  aber  nur  auf  die  Heiliege
Messe  und  Höre  ich  auch  Evangelium,  aber  auf
Prediegt  da  Höre  ich  nicht,  den  ich  habe  Sie  Schon
Sat  die  Barmherziege  Brüder,  den  wier  arme  Arbeiter ­
  wier  verdienen  den  nidriegen  Lohn,  aber  die
die  wohlen  Ja  die  armen  nie  begraben  wen  man
ihm  am  kleinsten  30  M.  nicht  in  die  Tasche  Reihnsteckt.
  (3-)  [B.  Schl.]

27

1

Ich  bin  zwar  katholisch,  habe  aber  die  Gesinnung
eines  Freidenkers,  kann  aber  nicht  austreten,  weil
meinem  Kinde  Nachteile  dadurch  entstehen  würden.
(3.  t.)  [B.  S.]

327
        <pb n="230" />
        Ausgetreten  bin  ich  nicht,  denn  ich  habe  mit  der
Kirche  noch  keine  Beschwerden  gehabt.  (3.)  [B.  R.]
Ich  glaube  an  einen  lieben  Gott  und  bin  überzeugt
davon.  Nur  nicht  in  dem  Sinne  wie  Er  uns  gelehrt
wurde.  Denn  diese  sozialen  Zustände  sind  nicht  von
Gott  sondern  von  der  Eigen-  und  Habsicht  der  Menschen ­
  geschaffen.  Er  gab  uns  allen  gleich.  Seine
Sonne  scheint  ebenso  über  Arm  und  Reich,  und  der
soll  mier  sein  Privilegien  zeigen  der  nach  der  Kirchenlehre ­
  reich  geboren  wurde.  Nur  durch  die
Uneigennützigkeit  anderer  hat  der  Mensch  Besitz.
(3.)  [B.R.]
Da  der  liebe  Gott  unsichtbar  ist  weiß  ich  aber  er
befindet  sich  auf  der  ganzen  Welt  und  in  den
kleinsten  räumen  und  ohne  dem  könen  wir  nicht
leben.  Als  Gott  halte  ich  die  Luft  denn  die  Luft
erhält  die  ganze  Welt  andere  Götter  giebts  nicht.
Aus  der  Landeskirche  bin  ich  noch  nicht  ausgetreeten
  denn  daß  ist  in  Oberschlesien  sehr  schwärlich.
  (3.)  [B.S.]
An  Gott  glaube  ich  nicht.  Aus  der  Landeskirche
bin  nicht  ausgetreten,  weil  ich  nicht  möchte  vom
Arbeitgeber  gedrückt  werden.  (3.  t.)  [B.  Schl.]
Ich  glaube  an  keinen  Gott,  denn  ich  habe  ihn  persönlich ­
  noch  nicht  gesehen.  (3.)  [B.  R.]
An  Gott  glaube  ich  nicht.  Aus  der  Kirche  bin  ich
ausgetreten  I.  weil  mich  der  Hockuspockus  anekelte ­
  II.  weil  die  Kirche  direkt  auf  Seiten  des  Kapitalismus ­
  steht  und  die  Armen  auf  das  bessere

&amp;lt;D
&amp;lt;
Jahre

Anzahl  der
Kinder

Jenseits  vertröstet  und  auf  das  bessere  Jenseits
pfeife  ich.  (3.  t.)  [B.  R.]

31

3

Zwar  bin  ich  aus  der  Kirche  noch  nicht  ausgetreten,
aber  ich  glaube  an  den  Gott  nicht  mehr,  der  seine
Ebenbilder  so  jämmerlich  im  Stich  läßt.  Der  Himmel ­
  hat  uns  die  Erde  verdorben.  (1.)  [B.  Schl.]

31

4

Ich  glaube  an  den  lieben  Gott.  (3.)  [B.  Schl.]

32

2

Nein.
Aus  der  Landeskirche  bin  ich  noch  nicht  ausgeschieden, ­
  da  ich  bis  jetzt  die  Kurasche  dazu  noch
nicht  besaß.  (3.)  [B.  R.]

32

leih  bin  aus  fester  Überzeugung  Atheist.  Aus  der
Kirche  bin  ich  ausgetreten,  nachdem  ich  Realität
und  Glauben  verglichen  habe.  Bei  meinem  Begriff ­
  von  Wahrhaftigkeit  blieb  mir  nichts  anderes
übrig.  (2.)  [B.  R.]

33

3

Ob  ich  an  Gott  glaube,  ist  eine  heikle  Frage.  Mein
Gott  ist  viel  größer  und  herrlicher  als  der  Gott  der
Bibel,  ist  Urkraft,  Urstoff,  ist  mein  Glaube.  (1.)
[B.S.]

33

2

Ich  bin  katholisch  und  glaube  an  das,  was  ich
glauben  soll.  (3.)  [B.  Schl.]

34

5

In  der  heiligen  Schrift  steht  geschrieben:  Sie  glauben ­
  nicht,  was  sie  sehen,  vielmehr  noch,  was  sie
nicht  sehen.  Das  letztere  ist  mir  heilig,  darum  bin
ich  ja  aus  der  Landeskirche  ausgetreten.  (1.)  [B.R.]
329
        <pb n="231" />
        Den  Glauben  an  Gott  überlasse  ich  den  Engeln
und  Spatzen.  Aus  der  Landeskirche  bin  ich  ausgetreten, ­
  weihl  sie  ein  Diener  des  Kappithals  ist.
(3-)  [B.S.]
Jawohl,  ich  glaube  an  einen  Gott  und  an  ein  Weiterleben. ­
  Aber  an  die  Pfaffen  nicht.  Ich  gehe  schon
seit  einem  Jahrzehnt  nicht  mehr  zu  den  schwarzen
Brüdern.  (3.)  [B.  R.]
Nein  ich  glaube  den  Unsinn  nicht  und  bin  seit  4
Jahren  aus  der  Kirche  ausgetretten,  denn  ich  halte
die  Kirche  für  die  Knebelungsmaschiene  der  arbeiteten ­
  Menschheit.  Die  Kirche  raubt  dem  Menschen ­
  das  denken,  und  wer  nicht  denkt  wird  nie
für  eine  freiheitliche  Bewegung  zu  haben  sein.  (3.)
[B.S.]

Von  einem  lieben  Gott  habe  ich  noch  nichts  gesehen, ­
  unser  Bergassessor  hat  einen  lieben  Gott
und  unser  Bürgermeister  in  Gestalt  eines  über-i
großen  Einkommens  aus  den  Taschen  der  Arbeiter. ­
  (3.)  [B.  R.]
Bin  aus  der  Landeskirche  ausgetreten,  da  ich  die
Pastöre  keinen  Glauben  schenken  kann.  (4.)  [B.R.]
Bin  Atheist.  Materie  und  Energie  bedingen  auf
Grund  ihrer  Wechselwirkung  die  Ereignisse  in  der
Natur  und  im  Universum.  Als  Mensch,  der  die
biblischen  Mythen  und  Sagen  als  das  betrachtet,
was  sie  sind,  war  ich  es  mir  schuldig,  der  Kirche
den  Rücken  zu  kehren.  (1.)  [B.  S.]

Der  liebe  Gott  will  von  mich  nichts  wissen,  und  so
habe  ich  von  ihm  nichts  zu  verlangen.  Jedem  das
Seine.  Aus  der  Kirche  bin  ich  ausgetreten,  da  die
Steuern  so  hoch  sind,  und  wenn  man  in  die  Kirche
geht,  muß  man  die  Tasche  voll  Geld  haben,  sonst
wird  man  von  der  Kanzel  herab  ausgerufen,  dem
Herrn  Gott  was  dazulassen.  (3.)  [B.  Schl.]
Ich  glaube  nicht  an  den  lieben  Gott,  halte  ihn  aber
für  kein  Übel,  wenn  er  nicht  zu  unlauteren  Zwecken
benutzt  wird.  (3.)  [B.  S.]
Ich  trete  aus  der  Kirche  heraus,  weil  ich  mich  von
den  Pfaffen  nicht  verkohlen  lassen  will.  (3.)  [B.R.]
Nein.  Wenn  man  die  Lehren  des  Nazareners  heute
nicht  nur  predigen,  sondern  auch  praktisch  durchführen ­
  würde,  dann  hätten  wir  das  was  wir  wollen,
eine  freie  glückliche  Menschheit,  wo  alle  die  gleichen ­
  Pflichten,  aber  auch  die  gleichen  Rechte
haben  würden.  Weil  aber  die  Vertreter  des  heutigen
Staatschristentums  oder  besser  Staatskirchentum
Ihre  Lehren  jucht  im  Einklang  zu  bringen  vermögen ­
  mit  Jhrem  Tun  und  weil  die  schwarze  und
blaue  Gendarmerie  es  ist  die  immer  den  Keil  des
Zwiespalts  in  der  Arbeiter  unsere  Reihen  hereinträgt, ­
  deshalb  bin  ich  ausgetreten.  (1.)  [B.S.]
An  Gott  glaube  ich  nicht.  Ausgeschieden  aus  der
Landeskirche  bin  ich  nicht,  da  meine  Ehehälfte
vorläufig  im  Wege  steht.  (3.t.)  [B.  R.]
Der  liebe  Gott  hat  mir  in  meiner  Jugend  soviel
zuleide  getan  und  mir  auf  dem  Weg  zum  SozL
331
        <pb n="232" />
        alismus  soviel  schlaflose  Nächte  gemacht,  daß  ich
ihn  aus  Wiedervergeltung  verbannt  habe.  Die  Form
(katholisch)  habe  ich  noch  nicht  gebrochen,  da  sie
mich  nicht  drücken  kann,  und  um  meinen  Buben  in
der  Schule  keine  Ungelegenheiten  zu  bereiten.  Der
einzige  Glaubenssatz,  den  ich  habe,  lautet:  In  Seelen, ­
  die  das  Leben  aushalten  und  Mitleid  üben  und
menschlich  walten,  mit  vereinten  Kräften  wirken
und  schaffen,  trotz  Hohn  und  Spott,  das  ist  Gott,
(i.)  [B.R.]
Das  All  der  Dinge  als  Gott  gedacht,  würde  ich
mich  nicht  schämen,  zu  bekennen.  (2.)  [B.  R.]
Ich  glaube  an  keinen  Gott  und  bin  aus  der  Landeskirche ­
  ausgetreten.  Wenn  Gott  gerecht  ist,  muß
er  auch  gerecht  handeln.  Und  wie  handelt  der
liebe,  gute  Gott?  Daß  Tausende  armer  Würmchen
des  Morgens  hungrig  nach  der  Schule  gehen
müssen.  Dann  laufen  mir  die  Tränen  die  schmalen
Wangen  herab.  (3.)  [B.  S.]
Verstehe  unter  dem  Gottesbegriff  alles  Gute,  Schöne
und  Erhabene.  Erinnere  mich  dabei  an  Lenaus
Worte:  „Die  Welt  ist  dahinter  gekommen,  trotz
aller  Gaukelei  der  Frommen,  daß  mit  dem  Leben
vor  dem  Grabe  man  endlich  Ernst  zu  machen  habe.
(2.)  [B.R.]
Ich  glaube  seid  meiner  Konfirmacion  nicht  mehr  an
Gott,  da  ich  sollte  Sünden  von  der  Unkeuschheit
sagen  und  da  ich  keine  wüste  so  wollte  er  mich
nicht  lossprechen  von  den  Sünden  er  forderte  mich

mehrmals  auf  Ihm  was  zu  erzählen  von  der  Unkeuschheit ­
  und  dann  wie  ich  Ihn  belogen  hatte,
sagte  er  siehst  du  mein  Sohn  hättest  du  mir  das
eher  gesagt,  hätte  ich  Dich  schon  längst  losgesprochen. ­
  (3.)  [B.  S.]
Kindliche  Frage.  Welchen  Gott  meinen  Sie?  Den
Juden-,  Heiden-  oder  Türkengott?  Ich  halte  es  mit
der  Prometheusschen  Faustdichtung  Goethes:  „Das
drüben  kann  mich  wenig  kümmern  etc.  etc.“  (2.)
[B.R.]
An  Gott  glaube  ich  nicht,  weil  er  schon  gestorben
ist.  (2.)  [B.R.]
Ich  bin  aus  der  Landeskirche  ausgetreten,  und
glaube  nicht  an  den  Christlichen  Laiengott,  wenn  es
einen  gäbe,  so  währe  er  Unwissend,  schwag  und
Ungerecht.  (3.  t.)  [B.  Schl.]
Gott  ist  Geld,  und  Geld  regiert  die  Welt.  (3.)
[B.  R.]
Ich  bin  mit  meiner  Frau  aus  der  evangelischen  Landeskirche ­
  ausgetreten,  da  ihre  Diener  Handlanger
des  Kapitals  sind.  (3.  t.)  [B.  R.]
Die  Beantwortung  dieser  Frage  halte  für  Zeitverschwendung. ­
  (1.)  [B.  R.]
Nein.  Weil  ich  keine  Steuer  zahlen  will,  und  nicht
Selig  werde.  (4.)  [B.  S.]

333
        <pb n="233" />
        334

Alter

Anzahl  der
Kinder

Jahre

46

3

Ich  glaube  an  den  Gott,  der  heißt  „Natur“,  und
ich  wäre  schon  lange  ausgetreten,  aus  der  Kirche,
wenn  ich  nicht  wüßte,  daß  meine  Kinder  von  den
fanatischen  Lehrern  und  Geißlichen  hier,  dadurch
viel  zu  leiden  hätten.  (3.  t.)  [B.  S.]

47

1

Unter  Gott  verstehe  ich  die  kraftbegabte  Materie,
die  den  Raum  ausfüllt.  Diese  Kraft  des  Stoffes  läßt
sich  hei  jeder  Gelegenheit  experimentell  hachweisen,
ist  daher  auch  übereinstimmend  mit  der  Bibel,  wo
es  heißt:  Gott  ist  überall.  (2.)  [B.  S.]

a)  An  Gott  glaubten:

Altersklasse

20-30
J-7»



30-40
J-%



40-50
J-7»



Bergarbeiter  Ruhrgebiet

42

5,1

18

2,2

7

0,8

=  67

Bergarbeiter  Saargebiet

64

8,8

29

4

3

0,4

=  96

Bergarbeiter  Schlesien

82

14,8

119

21,4

6

1

=  207

Summa:

188

166  |

16

|  =370

b)  An  Gott  glaubten  nicht:

Altersklasse

20—30
J-0/


Io

30-40
J-°l


Io

40—50
J-%



Bergarbeiter  Ruhrgebiet

216

26,6

130

16

23

2,8

=  369

Bergarbeiter  Saargebiet

173

24

216

30

30

4,1

=  419

Bergarbeiter  Schlesien

44

7,9

74

13,3

8

1,4

=  126

Summa:

433

420

61

=  914
        <pb n="234" />
        335

c)  Aus  der  Landeskirche  waren  ausgetreten:

Altersklasse

20-30
J-’

  0/
10

30-40
J-°/


Io

40—50
J-01


Io

Bergarbeiter  Ruhrgebiet

38

4,6

47

5,8

18

2,2

=  103

Bergarbeiter  Saargebiet

9

1,2

30

4,1

—

—

=  39

Bergarbeiter  Schlesien

—

—

4

0,7

2

0,2

=  66

Summa:

47

81

20

=  148

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Altersklasse

20—30
J.

°/o

30-40
J-°/o



40-50
J.

7  o

Bergarbeiter

Ruhrgebiet

145

17,9

106

13

20

2,6

=  271

Bergarbeiter

Saargebiet

48

6,6

107

14,8

11

1,5

=  166

Bergarbeiter

Schlesien

38

7,0

161

29

16

2,9

=  215

Summa:  ‘

231

|  374

47

|  =  652

a)  An  Gott  glaubten  :

Ohne  Angabe
von  Gründen

Als  Inbegriff
alles  Guten

Bergarbeiter  Ruhrgebiet

64

3

67

Bergarbeiter  Saargebiet

90

6

96

Bergarbeiter  Schlesien

207

—

207

Summa:

361

9

370

b)  An  Gott  glaubten  nicht:

Ohne  Angabe ­
  von
Gründen

;Weil  er  sich
nicht  sehen
läßt

Weil  Gott  und
Wirklichkeit
unvereinbar

Bergarbeit.  Ruhrgebiet

259

84

26

369

Bergarbeit.  Saargebiet

116

134

169

419

Bergarbeit.  Schlesien

92

16

18

126

Summa:

467

234

213

914
        <pb n="235" />
        c)  Aus  der  Landeskirche  waren  ausgetreten:

Weil  Kirchensteuern ­
  zahlen
sollten

Weil  die
Kirche  Diener
des  Kapitals

WeildieDiener
d.  Kirche  nicht
so  leben  wiesie
reden

Bergarbeit.  Ruhrgebiet

17

69

17

103

Bergarbeit.  Saargebiet

4

25

10

39

Bergarbeit.  Schlesien

—

3

3

6

Summa:

21

97

30

148

Summarisch:

An  Gott  glaubten:

=  17,6

An  Gott  glaubten  nicht:

=  43,8

Aus  der  Landeskirche  waren  ausgetreten:

.  148

=  7,3

Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen  .  .

.  652

=  3L3

2084

-  100  0/0

Glauben  Sie  an  den  lieben  Gott,  oder  sind  Sie  und  aus  welchen
Gründen  aus  der  Landeskirche  ausgetreten?
Textilarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

Alter

Anzahl  der
Kinder

Jahre

20

1

An  Gott  glaube  ich  nicht,  aber  an  ein  höheres  Wesen. ­
  (3.)  [T.  F.]

21

1

An  den  lieben  Gott  glaube  ich  nicht,  bin  meinen
Eltern  zuliebe  noch  nicht  aus  der  Kirche  ausgetreten. ­
  (3.  t.)  [T.  F.]

22
336

Religion  ist  Privatsache.  (3-t.)  [T.  B.]

Alter

Anzahl  der
Kinder

Jahre

23

—

Da  ich  meiner  Militärpflicht  noch  nicht  genügt
habe,  bin  noch  nicht  ausgetreten.  Sobald  militärfrei, ­
  trete  ich  aus.  (1.)  [T.  B.]

24

—

Ich  kann  doch  unmöglich  an  ein  Wesen  glauben,
was  ich  noch  nicht  gesehen  habe.  (3.)  [T.  F.]

25

2

Habe  mich  noch  nicht  aus  der  Kirche  streichen
lassen.  Aber  wenn  die  Kinder  aus  der  Schule  sind,
dann  gleich.  (3.  t.)  [T.  F.]

25

—

Bin  im  Bunde  der  Gnostiker.  (2.)  [T.  F.]

25

1

Ich  glaube  an  Gott.  (3.)  [T.  F.]

26

1

Darüber  eine  klare  Auskunft  geben  zu  können,  bin
heute  leider  noch  nicht  in  der  Lage.  Wenn  ich
darüber  nachdenke,  so  toben  zwei  Gewalten  in  mir,
eine  für  und  eine  gegen.  (2.)  [T.  F.]

26

Bin  eigentlich  ein  Zweifler,  halte  es  nicht  für  unmöglich, ­
  daß  es  noch  etwas  Höheres  giebt.  (3.)
[T.B.]

27

2

Ich  bin  aus  der  Landeskirche  ausgetreten,  um  diese
Gesellschaft  weder  moralisch  noch  materiell  zu  unterstützen. ­
  (1.)  [T.  B.]

27

j

Ich  glaube  an  kein  höheres  Wesen  Ich  lasse  Kirche,
Kirche  sein  wer  hinein  gehn  will  mag  hinein  gehn.
(3-t)  [T.B.]

28

Ja,  an  einen  Gott  glaube  ich,  an  den  Gott  in  der
Menschenbrust.  Wie  ihn  Berta  von  Suttner  so
schön  und  herrlich  schildert  in  ihrem  Buche
„Schach  der  Qual“.  (2.)  [T.  F.]

22

337
        <pb n="236" />
        22*

339

Stehe  auf  dem  Standpunkt  der  Monisten.  (2.)
[T.B.]
Innerlich  mit  der  Kirche  gebrochen,  äußerlich  dürfte
ich  ihr  nicht  mehr  lange  angehören,  (x.)  [T.  F.]
Bin  noch  nicht  ganz  von  Gott  abgefallen.  (3.)
[T.F.]
Ich  glaube  an  keinen  Gott.  Aus  der  Kirche  bin
ich  noch  nicht  ausgetreten,  weil  die  Sache  noch
nicht  populär  genug  ist.  (3.)  [T.  F.]
Über  diese  Frage  bewahre  ich  immer  lieber  Diskretion. ­
  (3.)  [T.  B.]
Erstens  giebts  keinen,  zweitens  sein  die  hohen
Steuern.  (4.)  [T.  F.]
Ich  glaube  an  kein  Göttlicheswesen.  bin  aber  noch
nicht  der  Landeskirche  ausgeschieden.  Um  einen
Zwiest  in  der  Familie  zu  vermeiden.  (3.  t.)  [T.  F.]
An  den  lieben  Gott  glaube  ich  soviel  wie  garnicht
mer.  Zum  austrit  aus  der  Landeskirche  habe  ich
den  Mut  noch  nicht  gefunden,  teils  auf  die  rücksicht
  meiner  röligiösen  Eltern,  teils  aus  mir  selbst.
(30  [T.F.]
Ich  glaube  nur  noch  zuweilen  an  ein  Höhres  Wesen, ­
  früher  war  ich  viel  frömmer.  In  schweren
Stunden  rufe  ich  immer  den  lieben  Gott  an.  (3.)
[T.F.]

u
&amp;lt;D

&amp;lt;

Jahre

33

&amp;lt;

c
5

Die  notwendigkeit  aus  der  Kirche  auszutreten,  habe
ich  noch  nicht  empfunden,  wiewohl  mir  die  Kirche
gerade  zu  sagen  auch  nichts  nützen  kann.  Was
I  aber  nicht  mit  meinen  Glauben  in  Betracht  kommt.
:  An  einen  lebendigen  lieben  Gott  muß  ich  glauben,
das  ist  so  tief  in  mir  gewurzelt,  und  ich  bete  oft
zum  lieben  Gott  ganz  wunderliche  Gebete.  (3.)
[T.F.]

33

2

Nein,  denn  wenn  wir  einen  Gott  hätten,  wie  er
uns  in  der  Schule  und  Kirche  gelehrt,  würden  seine
Vertreter  die  Pfaffen  auch  nicht  eine  Stunde  mehr
auf  Erden  sein.  (3.)  [T.  B.]

34

2

Beides  nicht.  Es  mag  ein  gut  Stück  Konservativismus ­
  sein  das  ein  großer  Teil  Parteigenossen  der
Kirche  angehören.  Ihren  Einfluß  hat  die  Kirche
dadurch  verloren,  daß  sich  ihre  Diener  zu  skrupellosen ­
  Werkzeugen  des  klassenstates  erniedrigten.
(1)  [T.B.]

34

An  den  Gott  der  heutigen  Staatskirchen  glaube  ich
nicht.  Ich  weiß  nicht  ob  es  einen  Gott  giebt.  Ich
weiß  nur,  daß  es  unlösbare  Fragen  giebt.  Gott  heißt  für
mich,  etwas  unfaßbares  mit  einem  Wort  ausgedrückt. ­
  Im  übrigen  halte  ich  sehr  viel  von  der
Anschauung  Goethes  im  Faust.  Ich  verfolge  mit
Interesse  den  Kampf  zwischen  Freidenkertum  und
Christentum  und  den  Streit  zwischen  liberalen  und
sogenannten  positiven  Christen.  Seit  dem  Jahre  1904
bin  ich  aus  der  evangelischen  Landeskirche  ausgetreten ­
  und  auch  nicht  kirchlich  getraut.  (1.)
[T.B.]
        <pb n="237" />
        o
&amp;lt;
Jahre

Anzahl  der
Kinder

35

3

Ich  bin  aus  der  Landeskirche  ausgetreten.  Ich  kann
keiner  kirchlichen  Gemeinschaft  angehören,  die  die
Nächstenliebe  nur  im  Maule  führt  und  gefühllos  zusieht, ­
  wie  Millionen  Menschen  in  Not  und  Elend
verkommen.  (3.  t.)  [T.  F.]

35

4

Ich  glaube  an  den  lieben  Gott,  mir  sind  aber  meine
Wünsche  immer  nicht  eingetroffen.  (4.)  [T.  B.]

36

4

Gott  ist  tot.  (2.)  [T.  B.]

36

1

Ich  bin  der  Überzeugung,  daß  der  Glaube  den  Menschen ­
  nur  zur  Unterwürfigkeit  zwingt.  (3.)  [T.F.]

37

2

Nein.  Ausgetreten  bin  ich  noch  nicht,  habe  jedoch
der  Kirche  bei  meiner  Trauung  versagt,  mir  irgendwie ­
  mit  ihrem  Segen  beizuspringen.  (3.)  [T.  F.]

37

3

Ich  bin  noch  nicht  ausgetreten,  weil  ich  meinen
häuslichen  Frieden  nicht  aufs  Spiel  setzen  möchte.
(4.)  [T.F.]

38

2

Ich  bin  mit  meiner  ganzen  Familie  aus  der  Kirche
ausgeschieden.  (1.)  [T.  B.]

38

5

Der  Austritt  aus  der  Kirche  vollzieht  sich  dann,
wenn  ich  meine  Frau  soweit  gebracht  habe.  (1.)
[T.B.]

39

3

Nein.  Glaubt  man  innerlich  an  keinen  Gott,  dann
muß  mann  auch  äußerlich  die  Beziehungen  zwischen ­
  der  Kirche  trennen.  (3.)  [T.  F.]

340

Alter

Anzahl  der
Kinder

Jahre

39

4

Aus  der  Landeskirche  bin  noch  nicht  ausgeschieden, ­
  weil  ich  fürchte,  daß  die  Kinder  zu  roh  in  der
Schule  behandelt  werden  von  den  Lehrern.  (3.  t.)
[T.F.]

40

2

Hier  sage  ich  mit  Heinrich  Heine:  „Den  Himmel
überlassen  wir  den  Engeln  und  den  Spatzen.“  (2.)
[T.F.]

40

Möchte  den  Altmeister  Goethe  zitieren  und  seinen
Faust  für  mich  reden  lassen.  „Nenne  es  Gott  usw.
usw.  Name  ist  Schall  und  Rauch.“  (1.)  [T.  F.]

41

Ich  glaube  an  keinen  Gott,  was  die  Paffen  predigen,
klingt  mir  immer  grell  in  den  Ohren.  Mein  Gott  ist
alles  Schöne  auf  Erden.  (1.)  [T.  B.]

41

3

Im  Stillen  verehre  ich  die  Urkraft  der  Welt,  zweifele ­
  aber  an  einer  Gottheit,  wie  sie  mir  als  Kind
eingeimpft  wurde.  (2.)  [T.  F.]

42

6

Ich  habe  überhaupt  keinen  Bedarf  an  Gott,  ausgetreten ­
  bin  ich  noch  nicht,  wegen  meinen  Kindern  es
werden  zu  viel  Scherereien  entstehen,  von  Gesetzes
wegen.  (3.)  [T.  F.]

42

2

Ich  glaube  nicht  an  Gott.  Ich  bin  aus  der  Kirche
ausgetreten,  weil  die  Nachfolger  Jesu  nicht  nach
himmlischen,  sondern  nach  irdischen  Gut  trachten.
(3-t.)  [T.B.]

341
        <pb n="238" />
        a)  An  Gott  glaubten  :

342

Altersklasse

20-30
J.

7  o

30-40
J.

7»

40-50
J.

7o

Textilarbeiter  Berlin

4

0,9

3

0,7

3

0,7

10

Textilarbeiter  Forst

28

3,8

33

4,4

8

1,0

69

Summa:

32

—

36

—

11

79

b)  An  G  o  tt  g

laubten  nicht:

Altersklasse

20—30
J-7

  o

30-40
J-7*



40—50
J.

7»

Textilarbeiter  Berlin

58

13,8

154

36,7

60

14,3

272

Textilarbeiter  Forst

140

19,0

282

38,4

17

2,3

439

Summa:

198

—

436

—

77

—

711

c)  Aus  der  Landeskirche  waren  ausgetreten:

Altersklasse

20-30
J.

7»

30-40
J.

7«

40—50
J.

7»

Textilarbeiter  Berlin

12

2,8

8

1,9

6

1,4

26

Textilarbeiter  Forst

2

0,2

17

2,3

—

—

19

Summa:

14

—

25

—

|  6

—

45

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Altersklasse

20-30
J-7•



30-40
Jo/

 n
1°

40—50
J-7»



Textilarbeiter  Berlin

40

9,5

65

15,5

6

1,4

111

Textilarbeiter  Forst

84

11,4

110

15,4

13

1,7

207

Summa:

124

—

175

—

19

—

318
        <pb n="239" />
        a)  An  Gott  glaubten  :

343

Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive:

Ohne  Angabe
von  Gründen

Textilarbeiter  Berlin

10

10

Textilarbeiter  Forst

69

69

Summa:

79

79

b)  An  Gott  glaubten  nicht:

Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive:

Ohne  Angabe
von  Gründen

Aus  wissenschaftlichen ­

Gründen

Aus  Gründen
intellektueller
Ehrlichkeit

Da  Gott  und
Wirklichkeit
unvereinbar

Textilarbeiter  Berlin
Textilarbeiter  Forst

110
246

31
54

14
29

117
110

272
439

Summa:

356

CO
iD
00

227

711

c)  Aus  der  Landeskirche  waren  ausgetreten:
Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive:

Ohne  Angabe
von  Gründen

Aus
moralischen
Gründen

Da  die  Kirche
Diener  des
Kapitals

Textilarbeiter  Berlin

14

7

5

26

Textilarbeiter  Forst

—

12

7

19

Summa:

14

19

12

45

Summarisch:
An  Gott  glaubten
An  Gott  glaubten  nicht
Aus  der  Landeskirche  waren  ausgetreten
Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen  .

79

=

6,9

711

=

61,6

45

=

3,9

318

=

27,6

ii53  =  100  0/0
        <pb n="240" />
        Glauben  Sie  an  den  lieben  Gott,  oder  sind  Sie  und  aus  welchen
Gründen  aus  der  Landeskirche  ausgetreten?
Metallarbeiter.

Alter

Anzahl  der
Kinder

“

Jahre

20

Ein  hartes  Nein  ist  mein  Glaube  an  Gott.  Bin
noch  nicht  ausgetreten,  weil  ich  auf  meine  bevorstehend ­
  Militärzeit  Rücksicht  nehmen  muß.  (3.  t.)
[M.  B.]

21

Schon  als  Schuljunge  warf  ich  den  persönlichen
Gott  über  Bord.  Dann  gaben  mir  die  Welträtsel
eine  neue  Weltanschauung.  Ich  möchte  mich  Antitheist ­
  nennen,  nicht  Atheist.  (1.)  [M.  S.]

22

—

Ich  glaube  an  Gott.  (3.)  [M.  O.]

23

—

Nein.  Aus  der  Landeskirche  bin  ich  noch  nicht
ausgetreten,  weil  ich  noch  zu  wenig  Mut  besitze.
(3.)  [M.O.]

24

—

Aus  der  Landeskirche  bin  ich  ausgetreten,  um  mich
vor  mir  selber  zu  rechtfertigen.  (2.)  [M.  S.]

25

1

Weil  meine  Gedanken  mit  denen  des  Christentums
in  striktem  Gegensatz  stehen,  kehrte  ich  der  Staatskirche ­
  den  Rücken.  Ich  glaube  nicht  an  einen  Gott,
dessen  Wille  es  sein  soll,  wenn  im  Kriege  sich  Menschen ­
  gegenseitig  morden,  morden,  die  Ebenbilder
Gottes.  (1.)  [M.  S.]

25

1

Ich  glaube  nicht  an  Gott,  noch  an  ein  höheres
Wesen,  und  habe  mir  das  Wort  Kants  eingeprägt:
„Über  mir  sind  die  Sterne  und  in  mir  das  moralische
Gesetz.“  (2.)  [M.  S.]

344

26  —

26

27

27

28

28

29

Ich  bin  Atheist.  Aus  der  Landeskirche  bin  ich  noch
nicht  ausgetreten,  weil  ich  noch  keine  Kirchensteuer ­
  zu  bezahlen  brauche.  (3.  t.)  [M.  B.]
Die  Austretung  aus  der  Kirche  ist  mein  Ziel,  die
Dogmen  widersprechen  meinem  Gefühl.  (3.)  [M.B.]
Mit  vollendetem  21.  Lebensjahre  bin  ich  aus  der
Gemeinschaft  der  Christen  ausgetreten  nach  der
Lektüre  von  Kotzebues  Buch  „Verzweiflung“.  (1.)
[M.B.]
Durch  Dodels  Schrift  „Moses  oder  Darwin“  ?  erhielt
mein  Glauben  an  Gott  den  Gnadenstoß.  (1.)  [M.B.]
Ich  habe  mit  der  Kirche  nicht  nur  innerlich,  sondern
auch  äußerlich  gebrochen.  Die  Landeskirche  ist  ein
ganz  reaktionäres  Gebilde,  die  nur  den  Interessen
der  Herrschenden  dient.  Die  Vertreter  der  Kirche
sind  jederzeit  bereit,  die  brutale  Ausbeutung  und
Unterdrückung  der  unteren  Volksschichten  durch
die  Besitzenden  zu  verteidigen,  vertrösten  sie  immer
auf  ein  besseres  Jenseits,  genießen  aber  selbst  alle
Freuden  und  Annehmlichkeiten  dieser  sündigen
Welt.  (1.)  [M.S.]
An  Gott  glauben?  Nein.  Ich  anerkenne  kein  Eigenleben ­
  des  Geistes.  Wer  also  sollte  Gott  geschaffen
haben?  Ich  habe  bewußt  und  mit  Überlegung  mit
der  äußeren  Form  dieser  großen  Lüge  gebrochen.
(1.)  [M.B.]
Ich  glaube  an  Gott.  (4.  t.)  [M.  S.]

345
        <pb n="241" />
        MMfeSUMEflUHHI

Jahre

29

30

31

32

32

33

Ich  glaube  nicht  an  Gott,  bin  nicht  aus  der  Landeskirche ­
  ausgetreten,  da  meine  Frau  nicht  will.  (3.  t.)
[M.  O.]
In  trüben  Stunden  denkt  man  wohl  an  Gott.  Wenn
man  aber  den  Gang  des  Lebens  ansieht,  ist  ?dler
Glaube  entschwunden.  Aus  der  Landeskirche  bin
ich  nicht  ausgetreten,  weil  die  Behörden  den  Kindern ­
  Unannehmlichkeiten  machen.  (3.  t.)  [M.  S.]
Ich  glaube  nur  an  einen  naturellen  Gott.  (3.)  [M.  B.]
Wenn  das  die  Gottheit  ist,  die  in  des  Menschen
Fühlen  und  Schaffen  zum  Guten  drängt,  so  glaube
ich  daran.  (2.)  [M.  S.]
Aus  Gründen  der  intellektuellen  Ehrlichkeit  bin  ich
aus  der  Landeskirche  ausgetreten.  (2.)  [M.  B.]
Meine  Frau  und  ich  sind  aus  der  Landeskirche  ausgetreten, ­
  weil  ich  täglich  sehe,  wie  die  Pfaffen
Schindluder  mit  der  Religion  treiben.  (3.)  [M.S.]
An  Gott  kann  ich  nicht  glauben.  Wenn  Gott  Eigenschaften ­
  besäße,  welche  uns  gelehrt  wurden,  würde
er  wohl  oft  mit  einem  kräftigen  Donnerwetter  unter
seine  Diener  fahren,  die  seinen  Namen  zu  ihren
größten  Schandtaten  mißbrauchen.  (3.)  [M.S.]
Nein.  Ich  bin  aus  der  Kirche  ausgetreten,  weil  ich
nicht  gern  vor  mir  selber  als  Heuchler  stehen  will.
(2.)  [M.B.]

346

Jahre

34

Der  liebe  Gott  gehört  für  mich  ins  Reich  der  Phantasie. ­
  Aus  der  Landeskirche  bin  ich  noch  nicht
ausgetreten.  Sie  ist  mir  eine  ganz  gleichgültige  Einrichtung. ­
  (3.)  [M.  O.]

35

3  |  An  Gott  glaube  ich  nicht.  Ich  gehöre  zur  Landesj
  kirche.  In  dieser  Hinsicht  bin  ich  mehr  lau  wie
i  ungläubig.  Für  uns  Arbeiter  ist  es  egal,  ob  Gott
|  lebt  oder  nicht.  Mögen  sich  die  um  Gott  streiten,
für  die  er  Nutzen  bringt.  (2.)  [M.  O.]

36

Das  ist  eine  Frage,  die  recht,  recht  schwer  zu  beantworten ­
  ist.  Ohne  weiteres  läßt  sich  das,  was
schon  als  kleines  Kind  in  das  Herz  hineingepflanzt,
nicht  aus  dem  Herzen  reißen.  Die  Saat  begleitet
uns  fort  bis  an  unser  Lebensende,  dessen  letzte
Augenblicke  uns  mit  Hoffnung  von  hinnen  gehen
heißen.  (3.)  [M.  S.]

37

2

Ich  habe  jahrelang  mit  mir  gerungen,  da  ich  eine
gute  religiöse  Erziehung  mit  ins  Leben  bekam.  Ich
glaube  jetzt  nicht  mehr  an  einen  persönlichen  Gott.
Meine  Pflichten  meinen  Angehörigen  und  in  weiterem ­
  Sinne  meinen  Mitmenschen  gegenüber  zu
erfüllen,  erscheint  mir  Religion  genug.  (1.)  [M.  B.]

38

2

Bin  nicht  ausgetreten,  weil  nicht  als  ein  räudiges
Schaf  in  der  ganzen  Familie  gelten  will.  (3.  t.)
[M.  O.]

39

2

Ich  kenne  etwas  Idealeres,  um  Halt  als  Mensch
zu  finden:  mein  Gewissen.  (2.)  [M.S.]

347
        <pb n="242" />
        •o
c

2

Mein  Gott  ist  der  Sozialismus.
Siege  führen.  (3.  t.)  [M.  B.]

Er  wird  uns  zum

41

3

Weil  ich  vom  Ursprung  der  Dinge,  speziell  vom
Ursprung  des  organischen  bewußten  Lebens  nichts
wissen  kann,  habe  ich  die  selige  Gewißheit  des
Glaubens.  (2.)  [M.  B.]

42

Ich  glaube  an  die  Natur  und  bin  deswegen  noch
nicht  aus  der  Landes  Kirche  ausgetreten  weil  ich
fürchte  es  kente  mir  fil  Schlechtes  angetahn  werden.
(3.)  [M.O.]

43

3

Ich  bin  aus  der  ev.  Kirche  ausgeschieden.  War
als  Kind  fromm,  warf  dann,  als  ich  alles  Unrecht
in  der  Welt,  die  doch  von  Gott  geschaffen  sein
soll,  erkannte,  allen  Gottesglauben  von  mir.  Jetzt
nach  langen  Jahren  habe  ich  die  felsenfeste
Überzeugung,  daß  die  Menschheit  einen  Ursprung
hat,  daß  der  Mensch  ein  Teil  Atom  —  aber
inniger  gesagt  —  ein  Kind  der  ewigen  Liebe  und
Kraft,  ein  Kind  des  Welt  umschlingenden  Hoheitsbewußtseins ­
  ist.  (2.)  [M.  S.]

44

7

Nein.  Durch  jahrzehntelanges  Studium  philosophischer, ­
  naturwissenschaftlicher  Werke  habe  ich  mich
zu  der  Gewißheit  durchgerungen,  daß  alle  Dinge
im  Weltall  ohne  Zutun  einer  Gottheit  entstehen  und
vergehen.  Da  nach  meiner  Anschauung  Geist  ohne
Stoff  undenkbar  ist,  so  ist  für  mich  auch  das  Vorhandensein ­
  irgendeines  Gottes  ausgeschlossen.  Mit
Konrad  Deutler  sage  ich:  „Der  Geist  ist  eine  Eigenschaft ­
  des  Stoffes,  er  entsteht  und  vergeht  mit  ihm.
(3.)  [M.S.]

348

Ich  maße  mir  nicht  an,  zu  behaupten,  es  gäbe  keinen
Gott.  Dafür  habe  ich  keine  Beweise.  Ich  suche  alles
Gute,  Schöne  und  Edle  zu  erhalten  und  zu  fördern.
Verschaffe  mir  nie  Vorteile  auf  Kosten  Anderer.
Dieser  Glaube  hat  mich  bisher  glücklich  gemacht.
(1.)  [M.B.]
Ich  glaube  an  die  Dreieinigkeit  Gottes.  Aus  der
Landeskirche  bin  ich  ausgetreten,  weil  dieselbe
nicht  mit  der  Bibel  übereinstimmt.  (3.)  [M.  S.]
Ich  bin  in  dieser  Beziehung  wie  so  viele  Hunderttausende ­
  ein  Heuchler.  (3.)  [M.  S.]
Ich  glaube  daß  ein  paar  Pfund  Rindfleisch
eine  gute  Brühe  geben,  sonst  nichts.  (1.)  [M.  B.l
        <pb n="243" />
        &amp;lt;u
&amp;lt;

&amp;lt;u
T3  U
—
Ä  ^
ci  5
sa

Jahre

Denn  alle  diese  Rätsel  zu  lösen  die  sich  oft  vor
dem  geistigen  Auge  zeigen  führen  zur  Verwirrung.
Denn  sehe  ich  die  immer  schaffende  Natur
mich,  dieses  unendliche  Sternenheer  über  mir,  so
führt  es  doch  ganz  selbstverständlich  zu  der  Frage:
„warum  und  wozu  ?“  Da  finde  ich  keine  genügende
Antwort  daher  glaube  ich  an  ein  höheres  unfaßliches ­
  göttliches  Walten.  (2.)  [M.  S.]

45

1  Ich  glaube  an  den  lieben  Gott,  der  in  jedem  verständigen ­
  Menschen  sitzt,  der  ihm  die  Kraft,  den
Mut  und  die  Ausdauer  trotz  so  mancher  Mißerfolge ­
  immer  wieder  aufs  neue  verleiht,  für  das
große  Menschheitswerk  der  Befreiung  der  Ausgebeuteten ­
  rastlos  weiter  zu  streiten.  —  Aus  der  Landeskirche ­
  bin  ich  ausgeschieden,  weil  ich  den
Gottesglauben  für  unvereinbar  mit  moderner  Erkenntnis ­
  hielt.  (1.)  [M.  B.]

46

Ich  glaube  an  Gott  und  bleibe  der  Kirche  treu.  (3.)
[M.  S.]

46

7

Diese  Frage  läßt  sich  nicht  einfach  mit  Ja  oder  Nein
beantworten,  da  jeder  Versuch  der  Begründung  nur
ein  Jonglieren  mit  Worten  sein  würde.  Weil  ich
mit  meinen  Sinnen  nur  die  Wirkungen  wahrnehmen
kann,  forsche  ich  nicht  nach  den  Ursachen.  Das
eigensinnige  Forschen  nach  den  Ursachen  führt
unfehlbar  zum  geistigen  Bankrott.  (2.)  [M.  B.]

47
350

1  Macht  auf  mich  keinen  Eindruck  mer.  (4.)  [M.  B.]

=•  Alter
"1
n

Anzahl  der
Kinder

48

8

Gott  ist  Gott!  Gott  ist  allmächtig!  Er  schuf  nach
der  Bibel  die  Welt  in  6  Tagen  durch  wenige  Worte.
Dadurch,  daß  er  6  Tage  hindurch  wenige  Worte
sprach  war  es  mit  seiner  Allmacht  vorbei;  denn  am
7  Tage  ruhte  er  aus.  (Allmacht)  Gott  ist  ewig.  Ewig
ist  was  immer  war.  Mit  der  Schöpfung  des  Himmels
und  der  Erde  beging  Gott  eine  Tätigkeit.  Er  wurde
was  er  früher  nicht  war  Schöpfer.  Mit  der  Zeit  wo
diese  Wandlung  mit  ihm  vorging  konnte  er  nicht
mehr  ewig  sein.  (2.)  [M.B.]

a)  An  Gott  glaubten  :

Altersklasse

20-30
J-0/


10

30-40
J-°/o



40—50
J.

%

Metallarbeiter  Berlin

8

1,1

12

1,7

20

Metallarbeiter  Solingen

18

2,6

42

6,0

15

2,1

75

Metallarbeiter  Obeistein

52

13,1

68

17,1

4

1,0

124

Summa:

78

—

122

—

19

—

219

b)  An  Gott  glaubten  nicht:

Altersklasse

20-30
J-°/


Io

30-40
J.

°/
Io

40—50
J-°/„



Metallarbeiter  Berlin

194

27,2

308

43,2

41

5,7

543

Metallarbeiter  Solingen

81

11,7

126

18,3

112

16,2

319

Metallarbeiter  Oberstein

14

3,6

27

7,6

2

0,5

43

Summa:

289

—

461

—

155

—

905

351
        <pb n="244" />
        352

c)  Aus  der  Landeskirche  waren  ausgetreten:

Altersklasse

8
^  i
ÜJ
O

°/
Io

30-40
J.

%

40—50
J-°/


Io

Metallarbeiter  Berlin

20

2,6

54

7,7

7

0,9

81

Metallarbeiter  Solingen

16

2,3

3

0,4

4

0,5

23

Metallarbeiter  Oberstein

2

0,5

6

1,5

—

—

8

Summa:

38

—

63

—

11

—

112

d)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:

Altersklasse

20—30
J-°/


/  0

30-40
J.

%

40-50
J-7o



Metallarbeiter  Berlin

7

0,9

50

7,0

11

1,5

68

Metallarbeiter  Solingen

133

19,1

100

14,3

46

6,6

279

Metallarbeiter  Oberstein

102

25,8

99

25,0

19

4,8

220

Summa:

242

—

249

—

76

—

567

a)  An  Gott  glaubten:

Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive:

Ohne  Angabe
von  Gründen

Nur  in  schweren
Stunden

Metallarbeiter  Berlin

20

20

Metallarbeiter  Solingen

71

4

75

Metallarbeiter  Oberstein

114

10

124

Summa:

205

14

219
        <pb n="245" />
        Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive.

Aus  wissenschaftlichen ­

Gründen

Ohne  Angabe ­
  von
Gründen

Da  Gott  und
Wirklichkeit
unvereinbar

Metallarbeiter  Berlin

81

330

132

543

Metallarbeiter  Solingen

114

127

78

319

Metallarbeit.  Oberstein

1

38

4

43

Summa:

196

495

214

905

c)  Aus  der  Landeskirche  waren  ausgetreten:

Angabe  der  hauptsächlichsten  Motive:

Ohne  Angabe
von  Gründen  |

Da  innerlich
mit  d.  Kirche
gebrochen

Weil  die
Kirche  Diener
des  Kapitals

Weil  sie  die
Menschen  verdummt ­


Metallarbeiter  Berlin

57

10

8

6

81

Metallarbeiter  Solingen

8

5

7

3

23

Metallarbeit.  Oberstein

6

—

2

—

8

Summa:

71

15

17

9

112

Summarisch:

An  Gott  glaubten  219  =  12,1
An  Gott  glaubten  nicht  9°5  5 0 , 1
Aus  der  Landeskirche  waren  ausgetreten  112  =  6,2
Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen  .  •  5^7  3

1803

ioo'-'o
        <pb n="246" />
        354

2.  Gehen  Sie  oft  in  den  Wald?  Was  denken  Sie,  wenn  Sie  auf
dem  Waldboden  liegen,  ringsherum  tiefe  Einamkeit?

Man  könnte  der  Ansicht  zuneigen,  daß,  je  größer  die  Reibungsflächen ­
  der  Kultur,  desto  intensiver  das  Naturgefühl.  Natur ­
  im  Geiste  Rousseaus  verstanden,  als  der  direkte  Gegensatz
zur  Kultur,  die  als  eine  Entartung  des  Natürlichen  erscheint.
Als  solche  übergeordnete  Gewalt  bildet  sie  nach  den  Ergebnissen ­
  der  Untersuchungen  die  Zuflucht,  zu  welcher  die
Menschen  sich  drängen,  wenn  die  Widersprüche  des  Lebens
sich  zu  spitzen  und  häufen.  Da  liegen  Abhandlungen  vor  von
50  und  mehr  Seiten,  teilweise  in  poetischer  Verklärung,  wie
sich  diese  gehetzten,  ruhelosen  Menschen  mit  den  Blumen  und
Tieren  des  Waldes  unterhalten.  Man  wird  unwillkürlich  an  eine
Gestalt  aus  dem  Mittelalter  erinnert.  Es  ist  Franz  von  Assisi,
dessen  Philosophie  die  allermerkwürdigste  Vermählung  zeigt
zwischen  christlichem  Ideal  und  dem  Gefühl  eines  alldurchdringenden ­
  Pantheismus.  Der  Dichter  der  „Fioretti“  predigt  den
Tieren  des  Feldes,  lebt  mit  ihnen  zusammen,  horcht  auf  ihre
Stimmen,  als  sprächen  Freunde  zu  ihm.  Sonne,  Mond  und
Sterne  lächeln  wie  anteilnehmende  Wesen  hernieder,  die  ihm
zuliebe  leuchten  und  glänzen.  Ja,  die  Naturerscheinungen  sind
alle  so  hold  Und  freundlich,  fügen  sich  so  harmonisch  zusammen, ­
  daß  er  unbefangen  und  furchtlos  von  „nostra  sorella  la
morte“  spricht.  *  Aus  der  Menge  der  Naturbetrachtungen,  die
das  innige  Verhältnis  zwischen  Mensch  und  Blumen  symbolisieren, ­
  die  eines  Spinners:  „Da  lag  ich  an  geschützter  Stelle
unter  hohen  Bäumen.  Die  Sonne  sandte  freundlich  nach  einer
kalten  Nacht  ihre  belebenden  Strahlen  hernieder.  Da  erblickte
ich  fast  neben  mir  im  Busche  zwei  Buschwindröschen,  die
trotz  der  frostigen  Nächte  der  vergangenen  Woche  ihre  milchweißen ­
  Blüten  mit  einem  gelben  Stern  in  der  Mitte  so  jungfroh
der  Sonne  zum  Kusse  boten.  Wohl  überkam  mich  einen  Augenblick ­
  das  Verlangen,  beide  zu  brechen  und  ihnen  als  ein  Geschenk
des  Frühlings  einen  Platz  an  meiner  Brust  einzuräumen.  Da
klang  es  mir  tieftraurig  entgegen:  Aber  wir  werden  an  Deiner
Brust  verdorren.  Da  schämte  ich  mich.

*  Alexander  von  Gleichen-Rußwurm,
        <pb n="247" />
        355

28*

Lange  habe  ich  dann  die  beiden  Frühauf  betrachtet.  Dafür
waren  sie  mir  dankbar  und  stellten  sich  mir  vor  als  Mann  und
Weib  —  Herr  Rose  und  Frau  Röschen  Buschwind.  Auf
meine  Frage,  ob  sie  denn  nicht  bereuen,  so  zeitig  aufgestanden
zu  sein,  da  sie  doch  bei  den  kalten  Nächten  frieren  müßten,  erzählte ­
  Frau  Röschen  gar  geschwätzig:  Sie  hätten  lange  geschlafen. ­
  Als  aber  die  Sonne  in  ihre  Fenster  geschienen  Jund
der  Gesang  der  Vögel  zu  ihnen  drang,  sei  sie  aufgestanden,
habe  den  Fensterladen  leise  geöffnet  und  vorsichtig  hinausgeguckt. ­
  Da  habe  sie  der  Haselstrauch  erblickt,  bei  welchem
sie  eingemietet  sind.  Der  habe  gelacht  und  gerufen:  Nun  aber
raus,  Du  Langschläfer.  Alle  meine  Töchter  haben  schon  Hochzeit ­
  gemacht  und  sich  in  ihre  ehelichen  Gemächer  zurückgezogen. ­
  Nur  eine  liebäugelt  noch  oben  mit  ihrem  Schatz.  Da
habe  sie  hinaufgesehen  und  die  kleine  Person  bemerkt,  wie
sie  im  purpurroten  Brautkleide  die  Gaben  ihres  hundertmal
größeren  Bräutigams  entgegennahm.
Da  habe  sie  ihrem  Manne  zugerufen:  Steh  auf,  Du  Faulpelz. ­
  Wie  aber  die  Männer  sind,  der  habe  sich  Zeit  genommen.
Sie  aber  habe  die  Tür  aufgemacht  und  sei  hinausgegangen,
dann  habe  es  ihm  wohl  keine  Ruhe  gelassen,  denn  er  sei  ihr
nach  einiger  Zeit  nachgelaufen.  Träumend  ging  ich  fort.  Dies
schien  beiden  sehr  angenehm,  und  als  ich  mich  noch  einmal
umsah,  winkten  sie  mir  freundlich  Lebewohl  zu.
Im  April  werden  sie  ihr  Liebesieben  beenden,  denn  wenn
der  Mai  mit  stolzeren  Blumenherren  und  feinen  Blumendamen
seinen  Einzug  gehalten,  ist  der  milchweiße  Brautschleier  Von
Frau  Röschen  Buschwind  grau  geworden  und  wird  abgelegt.
An  der  Stelle  aber,  wo  sie  den  gelben  Brautkranz  trug,  trägt
Frau  Röschen  dann  die  Frucht  ihrer  Frühlingsliebe.  Im  einfachen ­
  grünen  Röckchen  steht  sie  dann  mit  Herrn  Rose  da  und
sehen  neidlos  auf  all  die  koketten  Blumenschwestern.
Im  August  gehen  sie  dann  wieder  in  ihre  Behausung,  um
im  nächsten  März,  wenn  Sonnenwärme  und  Vogelsang  sie
weckt,  mit  einer  zahlreichen  Kinderschar  wiederzuerscheinen,
um  trotz  Sturm  und  Schnee  von  neuem  Lebensfreude  und
Liebesglück  zu  genießen.  So  verplaudere  ich  die  Feierstunden
mit  Blume  und  Tier,  und  wenn  ich  sehe,  wie  die  Wipfel  sich
ganz  leise  im  blauen  Äther  wiegen,  so  werde  ich  immer  erin ­
        <pb n="248" />
        nert  an  ein  Wort  von  Geibel,  das  sich  in  einem  Winkel  meines
Kopfes  eingeniestet  hat:
„Euch  zur  Lust,  Ihr  Reiser  schwank,
Möchten  Unter  Euren  Kronen,
Rauschet  ihr  den  Wald  entlang,
Menschlichkeit  und  Freiheit  wohnen.“
Ein  Metallarbeiter:  „Im  Walde  auf  dem  Rücken  liegend,
über  mir  die  mächtigen,  uralten  Baumriesen,  in  den  blauen
Äther  starrend,  wissen  mir  meine  Freunde  da  draußen  gar  Vieles
zu  erzählen.  Eine  mächtige  Linde  ruft  mir  zu:  Du  armseliges ­
  Menschenkind,  warum  ließest  Du  Dich  knechten?
Warum  ließest  Du  Dich  in  eine  Form  pressen,  in  die
Du  nimmermehr  passen  wirst?  Siehe,  wir  wollen  kein
anderes  Leben  führen  als  zu  dem  wir  bestimmt  sind,  und
sterben  lieber,  wenn  man  uns  hier  wegholt.  Dabei  schwenkt  sie
die  Äste,  daß  es  nur  so  kracht.  Verteidigen  kann  ich  mich
nicht  und  denke,  daß  sie  recht  hat.  Besser,  ich  bleibe  liegen
und  sage  dieser  erbärmlichen  Welt  Valet.  Doch  was  sagte  eben
das  Bächlein?  Ich  höre  es  deutlich  murmeln:  Es  wird!  Es  wird!
Ich  besinne  mich  ....  ja,  es  wird.  Gleich  wie  Du  Deinen  Weg
erst  hast  bahnen  müssen,  bevor  Du  Dich  in  das  weite  Meer
ergießen  konntest,  will  auch  ich  aushalten.  Es  wird,  es  muß
werden.“  etc.  etc.
Eine  große  Zahl  der  Charakterstika,  mit  denen  der  Wald,
Landschaft  etc.  beschrieben  wurde,  sind  augenscheinlich  moralischer ­
  Färbung.  Die  „ernste“,  die  „erhabene“,  „majestätische“
Landschaft,  das  „friedliche“  Landschaftsbild,  der  „stolze  Strom“,
die  „trotzigen  Eichenriesen  oder  Felswände“,  das  „friedliche
Schweigen“,  alle  diese  überaus  vielfach  angewandten  Bezeichnungen ­
  schieben  der  Landschaft  menschliche  Charakterzüge
mehr  oder  minder  ausgesprochener  ethischer  Qualität  unter,
öfter  spielen  auch  an  sich  ästhetische  Epitheta  wie  „sanft“,
„freundlich“  und  ähnliche  in  diese  ethische  Färbung  hinüber,
und  gelegentlich  kehren  landschaftliche  Beiwörter,  die  dann
bildlich  auf  menschliche  Eigenschaften  angewandt  sind,  auf
diesem  Umwege  zu  ihrem  Ursprungsworte  zurück.  Wenn  von
der  „knorrigen  Eiche“  die  Rede  ist,  so  wird  mdxst  nicht  bloß
an  die  entsprechende  morphologische  Eigentümlichkeit  und  deren
356
        <pb n="249" />
        357

ästhetischen  Effekt  gedacht,  sondern  es  liegt  ein  Stück  Charakterbetonung ­
  mit  darin,  die  der  Eiche  die  Eigentümlichkeit
eines  knorrigen  Menschen  andichtet.  Man  versteht  es  ohne  weiteres, ­
  daß  diese  Art  Landschaftsanschauung  das  schlichte  Gemüt ­
  sehr  anspricht,  denn  ihm  liegt  die  Vermenschlichung  der
Natur  an  sich  nahe,  und  am  Menschlichen  interessieren  es  am
stärksten  die  Charakterzüge,  die  moralischen  Besonderheiten  als
dasjenige,  das  ihm  sagt,  was  er  vom  Mitmenschen  zu  hoffen  oder
zu  fürchten  hat.
Die  moderne  Ethisierung  der  Landschaft  ist,  psychologisch
genommen,  ein  assimilativer  Prozeß.  Wir  sehen  Gemütswerte,  die
wir  in  uns  selber  beständig  gehemmt  fühlen,  in  die  Landschaft
hinein,  bei  der  Ausgestaltung  dieses  Vorganges  wird  dann  alles,
was  nicht  damit  zusammenstimmen  will,  an  der  Landschaft
herausgesehen,  also  entweder  übersehen  oder  so  in  Kontrast
zu  anderen  gesetzt,  daß  es  dessen  Eigenart  nur  noch  steigert.  *

Gehen  Sie  oft  in  den  Wald?  Was  denken  Sie,  wenn  Sie  auf
dem  Waldboden  liegen,  ringsherum  tiefe  Einsamkeit?
Bergarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

Alter

Anzahl  der
Kinder

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Ihr.

M.

20

17  —

Ich  denke  mir,  soviel  Wild  ist  für  uns  geschafen,

  aber  leider  dürfen  wir  es  nicht

esen.  (4.)  [B.  Schl.]

21

—

is,-Da

  denke  ich  manchmal  viel.  (4.)  [B.  S.]

22

—

16  —

Nein.  (4.  t.)  [B.  R.]

*  Willy  Hellpach.  Die  geopsychischen  Erscheinungen  in  ihrem  Einfluß
auf  das  Seelenleben.  W.  Engelmann,  Leipzig  1911.
        <pb n="250" />
        Alter

Anzahl  der
Kinder

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Jhr.

M.

23

—

18,-Keine

  Zeit,  in  den  Wald  zu  gehen.  (3.  t.)
[B.R.]

24

18,-Da

  denke  Ich  wie  ist  es  in  dem  Walde  doch
so  schön,  und  so  verlassen  der  Baum  im
Walde  steht,  so  verlassen  bin  ich  als  Arbeiter ­
  Denn  so  Einsam  der  Baum  sich  bewegt, ­
  so  Einsam  kann  man  sich  auch  nur
Bewegen.  (3.)  [B.  S.]

25

1

25,—

Dies  ist  ein  Genuß,  der  verstanden  sein  will.
Wenn  ich  im  Walde  liege,  dann  glaube
ich,  Beethoven-Symphonien  rauschen  zu
hören.  (2.)  [B.S.]

26

1

20,—

Wenn  ich  so  im  Walde  einsam  spazieren
gehe,  durchwühlt  meine  Brust  das  Gefühl,
daß  ich  Tag  für  Tag  in  der  furchtbaren
Tiefe  und  drohenden  Gefahren  kaum  soviel
verdiene,  daß  mein  Leben  fristen  kann.  (1.)
[B.S.]

27

2

24,-Mit

  Natur  beschäftige  mir  wenig.  (3.)  [B.R.]

28

—

24,-Meine

  Gedanken  sind  nur  an  die  Kapitalisten
gerichtet,  und  ich  schwimme  bloß  so  in
der  Natur.  (3.)  [B.  R.]

29

1

21-Dann

  denke  ich,  wie  es  dazu  gekommen
ist,  daß  der  Graf  den  Wald  als  sein  Eigen
nennen  durfte.  (3.  t.)  [B.  Schl.]

30

3

28,—

Das  Betreten  des  Waldes  ist  bei  Strafe  verboten. ­
  (3.  t.)  [B.  R.]

358

Jhr.

31

32

32

33

21,—

19-25,-



  30,—

Da  komt  man  ins  griebein  und  find  es  erst
richtig  heraus  das  es  alles  nicht  so  ist  wie
es  die  Biebel  lehrt  Das  es  alles  nur  die  Natuhr
  macht  und  keinen  Herr  Gott  hat  (3.)
[B.  Schl.]
Da  denke  ich  über  mein  Werden  sowie  über
das  werden  aller  Pflanzen  nach.  Die  Erde
hat  alles  hervorgebracht.  Die  Erde  belebt
alles  aus  totem  kann  kein  Leben  kommen,
mithin  muß  es  eine  Urkraft  haben.  Wir  sind
voll  Geist  und  Leben.  Mithin  müssen  wir
Geschöpfe  eines  Urgeistes  sein.  Da  wier
jedoch  nicht  sehen  wie  sich  der  Baum  aus
dem  einfachen  Wasser  und  dessen  Bestandtheile
  zu  Holze  wird  das  heißt  dessen  bilden
so  nehme  ich  auch  ganz  sicher  an,  daß  es
außer  diesen  Naturgesetzen  auch  geistige
Gesetze  geben  muß.  Dann  wehe  denen  die
alles  nur  für  sich  ausbeuten.  (2.)  [B.  Schl.]
Ja.  Der  Wald  müßte  mei  Eigentum  sein
und  ich  würde  Ihm  beleben  lassen  durch
allerlei  Thier  e.  Am  meisten  Vögel  und
möchte  ich  dort  selbst  Eine  Waldschenke
errichten  lassen  und  Antialkoholhaltige  Getränke ­
  verkaufen.  (Auch  nur,  wenn  ich  Geld
hätte  (3.)  [B.  R.]
Erstens  ja,
2.  Ich  denke  an  die  Worte  „Göthes“
O,  wie  herrlich  ist  die  Natur,  Wie  scheint
die  Sonne,  Wie  lacht  die  Flur.

359
        <pb n="251" />
        Durchschn.
Wochenverdienst ­


M.

3.  „Häkels“  Worte.  Die  Natur  ist  alles  mit
einen  Male,  Sie  hat  weder  Kern  noch
Schale.  (2.)  [B.  R.]

18  —

Ja.  Das  frische  Grün,  den  Balsamischen
Duft  sollte  man  Täglich  für  Herz  und  Lunge
geniesen  können,  Dazu  ist  die  Arbeit  zu
lange  ermüdet  singt  mann  nider.  (3.)  [B.
Schl.]

26,—

Ich  gehe  sehr  oft  in  den  Wald  leider  mann
kann  sagen  es  ist  kein  Wald  hier  in  Kohlenrevier. ­
  Wenn  Ich  in  dem  Walde  bin,  so
kommt  mir  öfters  der  Gedanke  wie  die
Bäume  des  Waldes  so  stumm  und  groß  gewachsen ­
  sind,  so  bin  Ich  nicht  viel  mer
als  der  einsame  Baum  im  Walde,  nur  der
Unterschied  ist  dazwischen,  daß  Ich  gezwungen ­
  bin  für  Andere  zusorgen  zuschaffen ­
  zu  Rasten  bis  mich  die  Axt  des  Todes
abhaut  während  die  Bäume  in  dieser  Hinsicht ­
  mehr  Ruhe  und  Frieden  besitzen  als
ich.  (1.)  [B.  S.]

31,—

Ja.  Ich  gehe  nicht  in  den  Wald,  um  zu
denken.  Meistens  nehme  ich  mir  ein  interessantes ­
  Buch  mit,  einen  Gedichtband
oder  eine  Erzählung  manchmal  auch  ein
wissenschaftliches  Werk  von  mäßigem  Umfang. ­
  Wenn  ich  des  Lesens  müde  bin,  beobachte ­
  ich  Pflanzen  und  Tiere.  Das  ist
eine  sehr  fesselnde  Beschäftigung,  wenn
ich  z.  B.  ein  Ameisenvolk  beobachte,  da

.

Durchschr
Wochenverdienst


M.

könnte  ich  stundenlang  dabei  sitzen  und  Zusehen, ­
  wie  das  kribbelt  und  krabbelt,  immer
arbeitet  ohne  Ruh  noch  Rast.  Ich  glaube,
in  der  schönen,  freien  Natur  läßt  sich
schlecht  über  subtile  Fragen  nachdenken,
höchstens  wenn  sie  mit  der  Biologie  Zusammenhängen, ­
  man  nimmt  dann  so  eine
Art  Anschauungsunterricht.  (1.)  [B.  R.]

25,—

Wenn  ich  so  einsam  in  den  Wald  liege  und
sehe  die  Autos  so  über  die  Straße  fahren
und  sehe  ihre  Herrlichkeit  und  denke  an
mich  so  falle  ich  in  verzweifellung.  (3.)
[B.S.]

25,—

ja.  Da  denke  ich  wie  traurig  es  ist  unter
der  Erde  zu  arbeiten.  (3.  t.)  [B.  S.]

24,-Ja.

  Da  denke  ich,  hier  ist  Ruhe  und  Frieden, ­
  Wahrheit  und  keine  Dichtung.  (3.)
[B.R.]

21-Ja.

  Daß  die  Natur  sich  so  schön  von  selbst
entwickeln  thut.  (3.)  [B.  Schl.]

28,—

Ich  ging  gerne  aber  leider  haben  uns  die
Industriebarone  auch  das  letzte  Stückchen
geraubt.  Ja  im  Walde  möchte  ich  begraben ­
  sein,  möchte  öfters  die  Bäume  fragen,
nach  200—300  Jahren:  Ist  das  Proletariat
auferstanden.  Hatt  es  seine  Ketten  abgeschüttelt. ­
  Ist  der  Arbeiter  jetzt  frei!“  (1.)
[B.R.]

361
        <pb n="252" />
        mtämammi

Jhr.

37

M.

32,—

38

38

30,-21,—



21,—

Ja.  Oft  werde  ich  wehmütig  gestimmt,
über  das  Unheil  welches  die  Priesterherrschaft ­
  angerichtet  hat,  indem  dieselben  Milionen ­
  Menschen  verblendet  haben  und  diese
die  Schönheit  der  Natur  nicht  bewundern
können.  Heiliger  Zorn  ergreift  mich,  höre
ich  dann  aber  ein  Vöglein  singen  oder
einen  Käfer  summen,  so  werde  ich  entuasmiert
  pnd  ich  singe  und  freue  mich  mit.
Aber  leider  leider  ist  hier  wenig  Wald,  und
ich  muß  öfters  auf  die  geliebte  Wald  Einsamkeit ­
  verzichten.  (2.)  [B.  R.]
nein,  in  den  Wald  gehe  ich  überhaupt
nicht,  1.  ich  bin  froh  wenn  ich  aus  der
Arbeit  zu  Hause  komme  und  mich  auf  den
Hintern  setze  mit  die  abgearbeiteten  Glieder,
wenn  die  Arbeit  kürzer  sein  möcht  dann
könnte  man  eher  in  den  Wald  gehen.  (3.)
[B.  Schl.]
nein.  Ich  denke  dabei  wenn  die  Natur  mit
ihren  Reichtümer  der  Allmächtige  Schöpfer
sein  eigen  nannte,  das  Er  dieselben  zum
Nutzen  der  ganzen  Bevölkerung  ausstatten
würde  und  nicht  so  viele  Gewächse,  Kraut
und  Holz  verderben  ließ  und  dabei  zusehen
würde  wie  tausende  seiner  Geschöpfe  ais
Mangel  an  denselben  zugrunde  gehen.  (1.)
[B.  R.]
Ich  gehe  wenn  es  mir  die  Zeit  Erlaubt  gern
In  des  Waldes  Einsamkeit  betrachte  Ich

Jhr.

39

40

40

33,-21,—



22,—

mir  die  ganze  Schöpfung  mit  Vergnügen
Und  danke  dem  großen  Schöpfer  für  all
die  Herrlichkeit.  Und  bitte  daß  die  Zeit
bald  anbrechen  möchte  wo  sich  die  Menscheit ­
  in  Liebe  Vereinigete.  (3.)  [B.  Schl.]
Wenn  ich  in  den  Wald  gehe,  denke  ich
an  die  Lebensweise  des  Urmenschen,  an  die
damalige  schöne  Naturluft,  wo  noch  kein
Schornstein  die  Luft  verpestete.  [B.  R.]
Ich  gehe  gerne  in  den  Wald,  oft  kann  man
nicht  gehen,  weil  man  wenig  Zeit  dazu  hat.
Der  Frieden  im  schönen,  grünen  Wald,  ergreift ­
  mich  sehr.  Wie  friedlich  Leben  die
Vögel  und  wie  fröhlich  springen  sie  von
Baum  zu  Baum.  Und  die  Menschen??  außer
dem  Walde??  es  erfaßt  einen  mit  grauem,
wenn  mann  drann  denkt,  Mensch  gegen
Mensch  (kein  Friede).  (3.)  [B.  Schl.]
Im  Walde  fühle  ich  die  große  Blutsverwandtschaft ­
  mit  der  lebenden  Natur  und
ein  Gefühl  so  feierlich,  wie  es  sonst  nur
der  klare  Sternenhimmel  bewirkt.  Der  Universalgedanke, ­
  der  mich  im  Walde  beherrscht, ­
  ist:  „Hole  der  Teufel  die  ganze
Kultur.  Hole  sie  die  stinkigen  Bergwerke,
rußigen  Städte,  schmutzigen  Straßen  und
Wohnungen,  egoistischen  Menschen  und
modernen  Barbaren.“  (1.)  [B.  Schl.]
363
        <pb n="253" />
        ja.  Höre  ich  dieVöglein  singen  so  denke  ich
ihr  lebt  doch  in  der  Freiheit,  trotz  aller
Witterungseinflüsse  niemand  schreibt  euch
vor  wivihl  ihr  essen,  oder  was  ihr  essen
dürfet  alle  gleich  oder  ich  stüre  den  Sternenhimmel ­
  an  um  etwas  zu  beobachten.
(3.)  [B.  Schl.]
Mitunter  Werktags,  sonst  des  Sonntags  gehe
ich  in  ein  vielleicht  io  Minuten  entferntes
Wäldchen.  Ich  lege  mich  an  einsamer
Stelle  hin.  Aus  dem  Rauschen  des  Waldes
tönt  es  mir  ins  Ohr.  Im  Banne  sei  gethan.
Nie  sollst  du  Ruhe  finden.  Dein  Leben
und  Blut  sollst  du  verkaufen  um  elende
Silberlinge.  Im  Alter  wenn  deine  Knochen
zermürbt  und  dem  Ausbeuter  Kapital  wertlos ­
  sind,  sollst  Du  zum  Wanderstabe  greifen, ­
  'und  flehen  um  Mitleid,  um  menschliches ­
  Dich  verachtendes  und  verhöhnendes
Mitleid.  (2.)  [B.  R.]
Wenn  ich  einsam  bin,  denke  ich  auf  Liebe.
(3.)  [B.S.]
ja.  Ich  geh  gern  in  den  Wald,  denke  oft
daran  wie  schön  es  doch  sein  könnte,  wenn
der  Mensch  nicht  so  habsüchtig  war.  Hier
in  stiller  Einsamkeit  fühlt  man  sich  so  wohl
so  frei,  man  könnte  mit  Vögelein  jubelieren,
  wenn  sich  in  den  schönen  Traum
sich  nicht  immer  Frage  mischte  was  wird
der  morgige  Tag  bringen  Grobheiten  von

Seiten  des  Vorgesetzten  oder  neue  Lohnreduzierung. ­
  (3.)  [B.  S.]
ja.  Daß  die  Welt  „schön“  ist,  daß  jedes  lebende ­
  Geschöpf  ein  Recht  hat  zu  leben
und  zwar  zu  leben  wie  es  seine  Art  verlangt; ­
  daß  alle  Menschen  einer  Art  anj
  gehören  und  daß  es  falsch  ist  daß  sie
sich  in  Klassen  teilen  verdächtigen,  hassen,
einander  mißtrauen,  zerfleischen  und  aufreiben, ­
  wo  es  ihre  Pflicht  wäre  ihr  bestes
Können  einzusetzen,  damit  die  Art  immer
„vollkommener“  „schöner“  und  „besser“
werde  ähnlich  in  ihrer  Ruhe,  Würde
und  Majestät  dem  Walde  der  als  Produkt ­
  derselben  Schöpferkraft  im  Stande  ist
alle  edlen  Saiten  des  unverdorbenen  Menschengemütes ­
  zum  Klingen  zu  bringen.  (2.)
[B.  Schl.]
Daß  die  Sache  vom  Waldfrieden  eitel  Märchen ­
  ist.  Unter  den  Menschen,  in  der  Vegetation, ­
  im  Tierleben,  überall  schlagende
Beweise  dafür,  daß  der  Kampf  bis  aufs
Messer  tobt.  (1.)  [B.  Schl.]
Hätte  ich  nur  keine  Nahrungssorgen.  (3.)
[B.  Schl.]
Dann  steigen  vor  mir  die  hehren  Gestalten
der  Dichtung  und  Sage  auf  und  ich  höre
ihre  Stimmen,  höre  wieder  ihre  Worte,  mit
denen  Sie  das  Volk  aufmuntern.  Führend,
365
        <pb n="254" />
        c  1  «t*

j  Alter

Anzahl  di
Kinder

«%  s
Ä  0  TJ
O  O  £
Q

Jhr.

M.

und  .zugleich  lehrend,  einzutreten,  in  die
Reihen  der  Kämpfer  für  freie  und  gleiche
Menschenrechte.  Dann  komt  der  Pfaffe  und
sprengt  mit  dem  Weihpinsel  dazwischen
und  alles  verschwindet.  (2.)  [B.  S.]

Gehen  Sie  oft  in  den  Wald?  Was  denken  Sie,  wenn  Sie  auf
dem  Waldboden  liegen,  ringsherum  tiefe  Einsamkeit?
Textilarbeiter.  Entlohnungsform;  durchweg  Akkord.

jhr.

20

M.

16,—

Man  soll  nicht  bloß  denken  in  der  Natur,
nein,  man  soll  sie  empfinden  und  fühlen.
Ganz  durchlebt  wird  einem  so  die  Natur.  Das
Gefühl  strömt  in  die  Umwelt  hinein.  Und
wenn  wir  so  mit  der  ganzen  umliegenden
Natur  Stück  für  Stück  eins  werden,  dann
fühlen  wir  alle  es  in  ihrer  Geistigkeit,  Seelenhaftigkeit.
  Wir  fühlen  dann,  wenn  im
Frühling  die  Tage  immer  länger  werden,
und  das  erste  herausschimmernde  Grün  betrachten, ­
  daß  da  auch  seelisch  etwas  geschieht. ­
  So  ist  für  mich  die  Natur  Offenbarung, ­
  ein  Stück  meines  Ichs.  (i.)  [T.F.]

Allerlei.  (4.  t.)  [T.  F.]

21
366

Jhr.

22

23

24

25

27

28

20,—

;  22,--

  18,-1

  19,-26

  2  18,

22,-3

  22,—

Dann  denke  ich,  die  Natur  ist  schön.  Dann
“v  '
bin  ich  friedfertig  gestimmt.  Dann  könnte
ich  die  ganze  Welt  umarmen,  als  meine
Brüder  betrachten.  (3.)  [T.  B.]
Ich  bin  oft  im  stillen  Walde  zu  finden.
Alles  atmet  ringsum  Freiheit.  Da  muß  man
unwillkürlich  Vergleiche  ziehen  zwischen
uns  Arbeitern  und  der  Natur.  (3.)  [T.  B.]
Ich  sehe  die  Schönheit  rings  umher  und
fühle  die  große  Bestimmung  des  Menschen,
sich  selbst  und  das  All  zu  erlösen.  (2.)
[T.F.]
Ich  gehe  selten  in  den  Wald.  Da  fühle
ich  mich  nicht  so  frei  wie  in  den  Feldern.
Die  Wälder  erscheinen  mir  düster  und  öde,
da  dort  nur  Baum  an  Baum  sehe,  und  ich
hasse  dieses  Einerlei,  da  dann  an  meine
Arbeit  denke.  (3.)  [T.  F.]
Dazu  ist  keine  Zeit.  (4.  t.)  [T.  F.]
Dann  denke  ich,  daß  ist  der  Wald  denn  ich
für  meine  Nachkommen  Erobern  will.  (3.)
[T.F.]
Wenn  ich  das  Rauschen  der  Bäume  über
mich  vernehme,  so  ist  es,  als  ob  sie  zu  mir
sagten:  Hast  Du  auch  immer  aufrichtig  gehandelt ­
  -an  Deinen  ^Mitmenschen  ?  Und  wenn
es  stärker  rauscht,  dann  weiß  ich,  ich  bin
verurteilt,  und  befleißige  mich,  besser  zu
werden.  (2.)  TT.  F.l

367
        <pb n="255" />
        *2  c

Ich  denke  Ich  wollte  Ich  wäre  ein  Waldarbeiter ­
  blos  der  gesunden  Luft  wegen.
(4-1.)  [T.F.]
Ach  wie  gern  möchte  ich  Ihnen  erzählen
was  dabei  mein  Herz  bewegt.  Aber  mir
kommen  die  rechten  Worte  nicht  ein.  Ich
kann  mir  nichts  schöneres  denken  als  so  im
Wald  unter  hohen  Kiefern  oder  Tannen  zu
liegen  und  zu  träumen,  von  der  Erhabenheit
und  Unendlichkeit  des  Weltalls.  Wie  manches ­
  mal  habe  ich  schon  gewünscht,  fern
vom  Menschenlärm,  den  Blick  in  den  blauen
Himmel,  die  Gedanken  ins  Universum
schweifend,  zu  liegen  und  zu  träumen  in
alle  Ewigkeit.  (2.)  [T.  B.]
So  oft  ich  Zeit  habe.  —  Dann  versetze  ich
mir  in  einen  Zukunftsstaat  wo  diese  Herrlichkeit ­
  nicht  einem  einzigen  gehören  wird,
sondern  allen,  wo  Glük  und  Friede  herschen
  wird.  (3.  t.)  [T.  F.]
Ja.  Ich  denke  im  gegensatz  zu  dieser  Stille
an  das  unstete  Leben  eines  ruhelosen  Proletariers ­
  welchem  nicht  vergönnt  ist  diese
feierliche  Stille  zu  genießen  dem  je  stiller,
der  Ort  desto  mehr  wird  man  verfolgt  von
sorgende  Gedanken.  (3.)  [T.  B.]
Wer  ein  Grübler  ist,  der  hat  gleich  Stoff
zum  Nachdenken,  denn  die  Werkstätte  der
Natur  ist  für  uns  nur  ein  Geheimnis,  sodaß
sich  unser  ganzes  Denken  und  Forschen

Jhr.

33

M.

11  —

24

in  ein  sprachloses  Staunen  verwandeln
muß.  (2.)  [T.F.]
Ja,  so  oft  es  nur  angeht  und  wenn  es  nicht
oft  geschehen  kann  dann  kommt  die  Sehn^
sucht  mit  mächtigen  Akkorden  daß  ich  dann
manchmal  schon  die  Bäume  im  Traume
rauschen  höre.  Und  wenn  ich  im  Walde
hin  und  her  gehe  und  ruhe  einmal  an  einen
lauschigen  Plätzchen,  dann  denke  ich  an
alles  schöne  u.  Edle  und  glaube  an  die  Reinheit ­
  gewisser  Menschen  und  erkenne  und
fühle  mich  selbst  bis  in  daß  innerste,  labe
mich  an  dieser  [ungestörten  Einsamkeit  und
lasse  meinen  Gedanken  freihen  Lauf,  ich
sehe  mich  als  Kind  spielen  und  dann  zieht
immer  zuerst  meine  Jugendjahre  an  mir
vorüber  mit  all  Ihren  Sonnenschein  und
ich  erinnere  mich  an  jede  frohe  Stunde
und  mir  ist  als  wollte  der  ganze  Wald  mit
sprechen  und  sagen  ja  Menschenkind
träume  nur  zu  ich  weis  alles  und  kann  Dir
alles  bieten  wonach  Du  Dich  sehnst  und
dabei  muß  ich  lächeln  wie  ein  Kind  welches
glücklich  ist.  aber  nicht  lange,  wird  plötzlich ­
  gerufen,  und  der  letzte  Gedanke  ist
immer,  ach  wenn  ich  doch  Zeit  hätte  wenn
es  doch  wäre  wie  früher  wo  jeder  sein  bischen ­
  was  er  brauchte  selbst  hatte  nichts
von  der  großen  Industrie  und  deren  Fesseln
kannte  also  so  denke  ich  zuletzt  wie  einen
armen  .Menschen  die  Freiheit  fehlte.  (1.)
[T.F.]
369
        <pb n="256" />
        Wenn  Ich  auf  den  Waldboden  liege,  Komme
Ich  nicht  zum  Denken,  schlaf  sofort  ein.
(3-)  [T.F.]
Ich  träume  von  einem  besseren  Los.  (4.  t.)
[T.F.]
Vergleiche  den  Wald  mit  der  Arbeitermasse,
die  ebenfalls  den  Wald  vor  lauter  Bäumen
nicht  sieht.  (3.)  [T.  F.]
Ja.  Ich  liege  im  Moos,  und  blicke  empor
zum  reinen  Firmament,  nichts  regt  sich,
nichts  stört  mich,  ein  unendlich  wohliges
Gefühl  durchzieht  die  Brust,  ich  fühle  es,
wie  ich  langsam  wieder  Mensch  werde,  wie
ich  zur  Natur  zurückkehre,  wie  ich  wieder
eins  werde  mit  dem  großen,  unendlichen
All.  „Da  draußen  stets  betrogen,  saust  die
geschäft’ge  Welt“  —  hier  aber  ist  Wahrheit
und  Klarheit,  und  die  Dinge  reden  zu  mir
in  einer  Sprache  wie  nie  ein  Mensch.  (2.)
[T.B.]
Nein.  Dann  denke  ich  an  die  traurigen  Verhältnisse ­
  und  dann  könnte  ich  allemal  weinen. ­
  (4.)  [T.F.]
Nein.  Ich  liebe  wohl  den  Wald,  doch  mag
ich  mich  nicht  allzulange  darin  aufhalten,
da  mich  die  Einsamkeit  melancholisch
stimmt.  (3.)  [T.  F.]

M.

3

20,—

Ja.  Ich  habe  im  Walde  noch  keine  Einsamkeit ­
  kennen  gelernt.  Er  summt,  surrt  und
klingt  daß  man  nur  etwas  Einbildungskraft
gebraucht  um  aus  diesem  Summen  und
Klingen  die  schönsten  Märchen  herauszuhören. ­
  An  die  vielen  Jahrtausende,  in  denen
Lebewesen  die  Erde  bevölkerten.  Oder
wenn  wichtige  Fragen  Partei  und  Gewerkschaft ­
  beschäftigen,  suche  ich  dieselben  für
mich  zu  lösen.  (2.)  [T.  F.]

37

24,-Dann

  fliegen  meine  Gedanken  zurück  zu
der  Armseligkeit  der  Menschen,  die  sich  im
Laufe  ihrer  Entwicklung  selbst  die  Gegensätze ­
  geschaffen  haben,  sich  gegenseitig,  um
des  Geldes  willen  quälen  aufreiben,  wo  einer
dem  andern  das  notwendigste  zum  Leben
vorenthält,  um  seinen  eigenen  Profit  zu
mehren  u.  keiner  dieser  denkt  in  seiner
meist  noch  zur  Schau  getragenen  Christi.
Anschauung,  deren  schönstes  Gesetz  die
Nächstenliebe  sein  soll,  was  er  da  für  Verbrechen ­
  an  der  Menschheit  begeht,  wie  viele
verkommene  und  verkümmerte  Menschenbrüder ­
  seiner  dafür  fluchen  werden,  usw.
(1.)  [T.F.]

37

3

24*

17,—

Ich  denke  und  wünsche  mir,  so  frei  und  unabhängig ­
  zu  sein  wie  diese  Waldwiesen,
die  Vöglein,  die  Bächlein,  Reh  und  Hasen.
(3-t.)  [T.F.]  ‘

371
        <pb n="257" />
        Wenn  ich  auf  dem  Waldboden  liege,  denke
ich  stets  an  meine  schlechte  Lage.  Ein  Arbeiter ­
  ist  schlechter  daran  wie  ein  Stück
Vieh.  Das  wird  wenigstens  auf  die  Weide
gebracht,  gemästet  und  dann  geschlachtet.
(3-)  [T.B.]
Daß  es  allen  Menschen  gut  gehen  möchte.
(4.)  [T.F.]
Ich  gehe  nur  in  den  Wald,  um  Pilze  und
Beeren  zu  sammeln.  (3.)  [T.  F.]
Viel.  Wenn  ich  die  Lebewesen  die  winzigen
Tierchen  des  Landes  und  des  Wassers  erforsche, ­
  züchte  und  groß  ziehe,  wenn  ich
Sonne,  Mond  und  Sterne  sehe,  wenn  ich
mich  in  der  Natur  befinde,  dann  kommt  mir
ein  Gedanke,  dann  suche  ich  den  Schöpfer,
und  —  du  unerforschlicher,  wo  find’  ich
Dich.  (2.)  [T.F.]
Ich  gehe  im  Wald  wenn  ich  Zeit  habe.  Da
fühle  ich  mich  Wohl,  und  höre  die  Maschiene
  -nicht  klappern.  (3.)  [T.  F.]
Ja.  Denke  ich,  wie  herrlich  es  ist,  so  in  tiefer
Einsamkeit,  da  möchte  man  beinahe  klauben, ­
  das  der  liebe  Gott  im  Walde  wohnt.
(3.)  [T.F.]
Bin  ich  im  Walde  und  höre  das  Rauschen
der  Baumkronen  sowie  den  Gesang  der  Vögel ­
  so  denke  ich  hier  ist  eine  Stätte  wo  ein
Tempel  der  Menschenliebe  und  des  Friedens ­
  errichtet  werden  könnte.  (2.)  [T.  B.J

M.

Ja.  Was  ich  denke  —  Vergessen  ist  Arbeit,
Weib  und  Kind,  Zügellos  schwebt  meine
Fantasie  im  Weltenraume,  und  tausende
und  abertausende  Gedanken  durchkreuzen
mein  Gehirn  sich  zu  Gedichten  formend,
die  unaufhörlich  hervorquellen  die  aber  sofort ­
  wieder  verschwinden,  wenn  ich  der
rauhen  Wirklichkeit  gegenüber  stehen  muß.
(1.)  [T.B.]

1

18,—

Oft  komme  ich  leider  nicht  in  den  Wald,
denn  die  Zeit  ist  zu  knapp.  Aber  frei  wird
meine  Seele,  wenn  ich  stille  Wege  im  grünen ­
  Dom  wandeln  kann.  Freude  und  Wehmut ­
  beschleicht  das  Herz.  Wenn  man  all
dem  jubilieren,  pfeifen,  zirpen  und  summen
lauscht,  so  wundert  man  sich,  wie  es  möglich ­
  ist,  daj3  die  Menschen  sich  untereinander ­
  oft  so  wehe  tun  können.  (2.)  [T.  F.]

6

1
2
8
2

18,-15

  —
19-21,—


18,—

Ja.  Ja  da  muß  man  denken  über  die  herlige
  Nathur.  Und  der  herlige  Vogelgesang,
alles  ist  frei  und  munter,  nur  wihr  sind
nicht  frei.  (4.)  [T.  F.]
An  die  Freiheit.  (4.)  [T.  F.]
wehn  der  Wald  mein  wehr.  (4.  t.)  [T.  F.]
In  den  Wald  gehe  ich  gern,  da  kann  man
die  Allmacht  Gottes  bewundern.  (3.)  [T.  f.]
Wenn  ich  in  den  Wald  mich  hinlege,  dann
tut  es  mir  leid,  daß  ich  Pflanzen  und  Tiere
erdrücke.  Die  Natur  hat  doch  diese  unendlich ­
  kunstvollen  Organismen  nicht  dazu  erzeugt, ­
  so  vernichtet  zu  werden.  (2.)  [T.  F.]
373
        <pb n="258" />
        Gehen  Sie  oft  in  den  Wald?  Was  denken  Sie,  wenn  Sie  auf
dem  Waldboden  liegen,  ringsherum  tiefe  Einsamkeit?
Metallarbeiter.

Jhr.
20
21
22
23

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M.

24

18  —
22,—
30,—
32,—

28,—

Wie  schön  ist  es,  frei  von  einem  gebieterischen ­
  Unternehmer  in  der  Natur  zu  sein,
(i.)  [M.O.]
Ich  denke,  wie  sich  des  Menschen  Seele
so  recht  erholen  kann  in  dem  einsamen
Walde.  (3.)  [M.S.]
Gehe  nicht  in  den  Wald.  (3.  t.)  [M.  B.]
In  den  Wald  gehe  ich  oft.  Er  ist  meine
Kirche,  die  Natur  mein  Gott.  Da  möchte
ich  auf  jubeln  in  heller  Freudigkeit  und  Lust,
(z.)  [M.B.]
In  der  Stadt,  wo  ich  erzogen  wurde,  und
noch  obendrein  in  einem  jüdischen  Ghetto,
wurde  auf  die  Schönheit  der  Natur  kein  Gewicht ­
  gelegt.  Ich  will  nicht  behaupten,  daß
das  Schöne  an  sich  (Ästhetik)  sofern  sie
der  Ethik  nicht  dient,  verachtet  wird.  Ganz
anders  ist  es  mit  mir  geworden,  als  ich  nach
Berlin,  der  Stadt  Alexander  von  Humboldts,
kam.  Da  hat  sich  in  mir  die  Ästhetik,  die
bisher  untergeordnete  Magd  der  Ethik  war,
losgerissen  und  wurde  ein  selbständiges
Wesen.  Jetzt  wandere  ich  oft  in  die  freie
Natur  und  denke  ich  an  Fausts  Wort:  „Wie
fasse  ich  Dich,  unendliche  Natur?“  (2.)
[M.B.]

374

Alter  jj

Anzahl  der
Kinder

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Jhr.

M.

25

—

32,—

Dann  glaube  ich  die  Gottheit  verspüren  zu
können  und  sinne  ihr  nach.  (2.)  [M.  B.]

26

1

29,—

Bin  von  Jugend  an  im  Walde  gewesen.  Die
Eindrücke  haben  sich  in  meinem  Innern
festgewurzelt,  fühle  mich  eins  mit  dem
Rauschen  der  Bäume,  in  dieser  steten  Stille,
wo  man  Ruhe  findet  vor  dem  grausamen
Kampf  ums  Dasein.  (3.)  [M.B.]

27

31,—

Als  guter  Katholik  ziehe  ich  die  Einsamkeit
des  Waldes  vor  pnd  stelle  dann  Betrachtungen ­
  an  über  gute  und  schlechte  Menschen. ­
  Daß  es  nicht  richtig  ist,  wenn  Geistliche ­
  den  Segen  über  den  Soldaten  herabflehen, ­
  die  ihre  Brüder  töten  sollen.  Hat
Gott  die  Menschen  geschaffen,  damit  Einzelne ­
  den  Wald  als  ihr  Eigentum  betrachten ­
  können?  (3)  [M.S.]

28

2

36,—

Da  fühle  ich  aller  Proletarier  Elend  am
meisten,  und  wiederum  fühle  ich  mich  groß
und  frei,  da  ich  da  mein  eigener  Herr  bin
und  machen  kann,  was  mir  beliebt.  (3.)
[M.B.]

29

4

22,—

Wenn  ich  hier  die  Luft  könnte  alle  Tage
genießen.  (4.  t.)  [M.  O.]

30

3

32,—

Dann  denke  darüber  nach  über  das  Werden
und  Vergehen  im  Weltall.  Denke  an  die
Zeit  der  Urperiode  und  dann,  wie  die  ersten
Lebewesen  die  Erde  bevölkerten.  Mein  Ohr
glaubt  die  wuchtigen  Hiebe  der  Streitaxt  zu
375
        <pb n="259" />
        Jhr.

31

32

27,

25,—

vernehmen,  an  den  geistigen  Augen  ziehen
muskulöse  .Gestalten  vorüber.  Und  kaum
daß  der  Zug  vorüber  ist,  sehe  ich  gemessenen ­
  Schrittes  einen  Greis  daherwandeln,
ihm  zur  Seite  ein  Jüngling,  mit  fanatisch
leuchtenden  Augen  ein  Kreuz  tragend.  Ruhig ­
  und  zielbewußt  nähert  sich  der  Greis
den  Barbaren,  und  er  erzählt  ihnen  von
einem  neuen  Gott.  Und  die  naiven  Gemüter
lassen  sich  leicht  bewegen  und  nehmen
seine  Lehre  an,  und  siehe  da,  der  Jüngling
pflanzt  das  Kreuz  auf.  So  brach  eine  neue
Kulturperiode  an,  die  christliche  Religion
erstand,  die  ein  Machtmittel  in  den  Händen
der  Unterdrücker  werden  soll.  (2.)  [M.  S.]
Im  Wald.  Im  grünen  Wald.  Ich  liege  und
sinne.  Jeder  Halm,  jedes  Blatt,  jede  Blume
zeigt  Leben  und  spricht  zu  mir  in  einer
Sprache,  die  ich  verstehe.  Daneben  summt
und  surrt  es  in  meinen  Ohren  und  gaukelt
mir  Bilder  vor,  welche  doch  nie  für  mich
Leben  und  Gestalt  annehmen  werden.  Ich
schaue  von  Bergeshöhen  auf  die  Stadt,  wo
ein  Hasten  und  Treiben,  ein  Feilschen  und
Betrügen,  ein  rohes  Niederdrücken  die  Menschen ­
  gegenseitig  verfeindet.  (2.)  [M.  S.]
Waldeinsamkeit.  Zu  Dir  ziehts  mich  so
sehr.  Hier  sitze  ich  in  tiefem  Dickicht  auf
einer  einsamen  Bank.  Um  mich  her  tiefes
Schweigen.  Von  der  Stadt  ertönen  feierlich
die  Glocken  herüber  und  rufen  die  frommen

376

Jhr.

M.

Seelen  zur  Andacht.  Bei  brausendem  Orgelton ­
  wird  das  hohe  Lied  des  Herrn  gesungen.
Der  Pfarrer  spricht  in  salbungsvollen  Worten ­
  vom  ewigen  Himmelslohn.  Mir  läutet
kein  Glöcklein,  mir  predigt  kein  Pfaff  vom
ewigen  Leben  nach  dem  Tode,  und  fühle
mich  in  der  tiefen  Waldeinsamkeit  so  unaussprechlich ­
  selig,  so  voller  Güte,  daß  ich
mich  unendlich  reich  dünke.  (2.)  [M.  S.]

33  1

33

34  4

34,—

Mein  Sinn  steht  immer  hinaus  auf  die
Höhen,  wo  sich  der  Blick  weitet.  Das  Weitschauen ­
  giebt  mir  Ruhe,  Überlegenheitsbewußtsein, ­
  das  des  Lebens  Kleinheiten  verwischt. ­
  (2.)  [M.  B.]

Wenn  ich  in  den  Wald  gehe,  freue  ich  mich
über  das  schöne  Grün  und  ärgere  mir,  wenn
ein  Agrarier  kommt.  (4.)  [M.  S.]

24  —

Dann  rede  ich  mit  mir  selbst  in  lauten
Tönen,  als  wenn  ich  mit  fremden  Geistern
spräche.  (3.)  [M.  S.]

Dann  fühle  ich  mich  freier,  leichter  und  be-:
wundere  die  innere  Gesetzmäßigkeit  in  der
Wechselwirkung  der  Gegensätze,  in  Bewegung ­
  und  Leben  der  organischen  Natur
gern  stundenlang.  Doch  wenn  diese  Harmonie ­
  der  Gedanke  stört:  Nun  zurück  in
die  Tretmühle  des  menschlichen  Daseinskampfes ­
  mit  seinem  unsäglichen  Elend,
dann  steigen  die  Tränen  der  Empörung  in
mir  hoch.  (1.)  [M.B.]

377
        <pb n="260" />
        Jhr

M.

34

3

25,—

35
35

2
5

30,—
28,—

Nicht  oft.  Aber  ich  kenne  und  empfinde
im  Innersten  die  Stimmung,  die  Sie  durch
diese  Frage  wachrufen  wollen.  Vergessen
sind  für  Augenblicke  rauchende  Essen,
weißglühende  Öfen,  stampfende  Hämmer.
Von  freien  Menschen  träume  ich,  doch  .  .  .
es  reden  und  träumen  die  Menschen  viel
etc.  etc.  (i.)  [M.  O.]
Hab’  keine  Zeit.  (3.  t.)  [M.  S.]
Die  Natur  ist  für  mich  Gott.  Ihr  alljährliches ­

  Neubilden  und  Auf  erstehen  aus  sich
heraus  ist  meine  Religion  und  nötigt  mir
immer  und  immer  wieder  eine  tiefe  Andacht
vor  dieser  ihrer  unermüdlichen  Tätigkeit  ab.

In  der  tiefen  Waldeinsamkeit  möchte  ich
leben  und  schaffen  mit  meiner  Familie.  (1.)
[M.  S.]

36

3

27,—

Nur  in  der  Einsamkeit  fühlt  die  Seele  sich
selbst  und  fühlt  das  Einssein  mit  dem  All.
Die  Augen  geschlossen,  der  Atem  angehalten ­
  und  das  Einssein  mit  dem  All  wird
Wirklichkeit.  (2.)  [M.  S.]

36
37

4

25,—
38,—

An  eine  Revolution,  auch  mal  an  ein  weibliches ­
  warmes  Herz.  (4.)  [M.  S.]
Ich  kann  mich  nicht  viel  der  Einsamkeit  erfreuen, ­
  denn  dann  bleiben  meine  Gedanken
im  Hirn  festsitzen  wie  schwere  Nebel  im
Kieferngrund.  Warum  müssen  Not  und
Sorge  unsere  Wangen  höhlen,  die  schwere
Arbeit  unseren  Rücken  vor  der  Zeit  krümmen? ­
  (1.)  [M.  O.]

378

Jhr.

4)
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M.

37

38

18-25,-



  etwas  Gutes  zu  essen  und  zu  trinken,
und  wenn  ichs  dann  nur  immer  so  haben
könnte.  (4.)  [M.  O.]
Über  die  Arbeit  und  Familie.  (4.  t.)  [M.  O.]

38

3

26,—

Geschmackvoll  zusammengesetzte  Farben
der  Bäume  machen  einen  tiefen  Eindruck
auf  mir.  (3.)  [M.  S.]

39

1  22,—

Gehe  fast  täglich  in  den  Wald  nach  Feier-:
abend  und  denke,  wir  sind  nicht  viel  mehr
wie  die  Mistkäfer,  die  da  unten  ihre  Nahrung ­
  suchen.  (3.)  [M.  O.]

40

3

40

30,—

Dort  sehe  ich  einen  Kampf  von  Gattung  gegen ­
  Gattung  und  weiß,  daß  der  Kampf  Gesetz. ­
  Daraus  ziehe  ich  meine  Schlüsse.  (1.)
[M.  S.j

Sehr  oft.  Was  läßt  sich  da  nicht  alles  denken. ­
  Es  ist  etwas  unaussprechlich  herr^
liches,  an  einem  schönen  Hochsommertag
im  Walde  zu  liegen  —  ausgestreckt,  ruhend
von  den  Anstrengungen,  Aufregungen  und
Ärgernissen  des  Alltags  —  Einsamkeit  —
den  Blick  nach  den  Baumkronen,  die  windbewegt ­
  ab  und  zu  ein  Stück  Himmel  sehen
lassen  —  Ruhe  —  Aber  nein,  nicht  ganz.
Tausende  von  Insektenflügeln  surren  und
schwirren  in  den  Lüften.  Und  der  Wind,
der  ewig  rührige  Geselle  lockt  leise  Töne
von  allen  Halmen,  Blüten,  Blättern.  Und
das  alles  wie  eine  auf  das  äußerste  pianis-379
        <pb n="261" />
        t«
&amp;lt;D
&amp;lt;

1
Anzahl  der
Kinder

■  Durchschn.
Wochenverdienst ­


Jhr

M.

I
simo  fein  gestimmte  Orgel.  Und  oben  in
der  Wipfelempore  sitzt  der  gefiederte  Chor
der  Sänger  und  jubelt  sein  Lied  zur  Sonne,
als  ahnte  er,  daß  sie  und  nur  sie  allein  die
Schöpferin  all  dieser  Herrlichkeiten  wäre.
Und  da  kriecht  ein  Wurm,  da  trippelt  eine
Ameise,  da  lugt  ein  Eidechschen  unter  einem
Blatt.  —  Und  ich  denke  —.  Und  der  Erde
höchste  Geschöpfe?  Wo  sind  Sie?  Die
Wipfel  wiegen  und  neigen  sich.  Es  ist,
als  wollten  sie  winken  und  rufen.  —  Kommt
her!  —  Alle!  —  Unsere  Herrlichkeit  zu
schauen.  Aber  niemand  kommt.  Man
schafft  und  schuftet  in  staubigen  Fabriken,
dunstgeschwängerten  Sälen,  zwischen  lärmenden ­
  Maschinen  —  In  toddrohenden
Schächten.  Der  Wald  schweigt.  —  als  könne
er  nicht  begreifen.  —  Nur  Geduld  Du  schö-:
ner  Wald.  Einst  kommt  die  Zeit,  da  unter
Deinen  Wipfeln  ein  glückliches  Geschlecht
wandeln  wird.  (2.)  [M.  B.]

41

5

38,—

Wie  schön  könnte  man  auf  der  Welt  leben,
wenn  man  nur  ein  klein  bischen  Prozente
bekäme  von  dem  Überfluß,  den  unsere  Arbeit ­
  einbringt.  (3.)  [M.  B.]

41

2

29,—

So  weit  der  riesenhafte  Verkehr  in  der  Nähe
der  Großstadt  eine  Sammlung  zuläßt:  Meine
Gedanken,  Sorgen,  Kämpfe,  mein  ganzer
äußerer  Mensch  kommen  mir  angesichts  der
ruhigen  und  ewig  waltenden  Natur  kleinlich, ­
  beinahe  lächerlich  vor.  Ich  muß

darüber  nachdenken,  wie  aus  dem  Naturkind
Mensch  ein  Kunstprodukt  wurde.  Die  Natur
wirkt  auf  mich  versöhnend  und  hat  mich
die  Selbstkritik  gelernt,  (i.)  [M.  S.]
Dann  denke  ich  an  das  Erwachen  der  Völker ­
  aus  ihrem  Winterschlaf.  (4.)  [M.  S.]
Dann  möchte  ich  mich  in  ein  anderes  Klima
versetzt  wissen,  wo  es  immer  grün  und  lebendig ­
  ist.  (4.)  [M.  S.]
dann  kann  ich  so  recht  über  meine  trauriche
  Verhältnisse  nach  denken.  (4.)  [M.  O.]
Sage  mir,  wie  Du  in  dem  Wald  spazieren
gehst,  und  ich  sage  Dir,  was  Du  bist.  (3.)
[M.  S.]
Da  denke  ich  drüber  nach,  ob  es  einen  Gott
giebt.  Was  das  wohl  für  ein  Herr  ist,  der
nicht  einmal  imstande  ist,  mir  das  Stückchen ­
  Erde,  das  ich  mit  meinem  Körper  bedecke, ­
  als  Eigentum  zu  geben.  (3.)  [M.  B.]
O  ich  denke  so  tief.  Aber  das  Schreiben,
das  kann  ich  nicht.  (2.)  [M.  B.]
Mir  ist  die  ganze  Natur  voll  geheimnisvollem
Leben.  Es  raunt  ünd  zittert,  es  rauscht  und
flüstert  überall.  Bin  ich  einsam  im  Walde,
so  spreche  ich  mit  dem  Weltganzen,  mit
allem  Leben  wie  mit  einer  Persönlichkeit.
Die  Erde  soll  ein  Garten  sein,  in  dem  die
381
        <pb n="262" />
        49

28,—

Gärtnerhand  des  Menschen  rodet,  ordnet
und  pflegt,  in  der  die  Spitze,  die  Quintessenz
allen  Lebens,  die  jauchzende  Lebensfreude
zur  Entfaltung  und  zum  Ausdruck  gelangt,
(i  )  [M.B.]
Dann  dringt  der  frische  Waldduft  gierig
förmlich  in  die  von  schwerer  Arbeit  ermatteten ­
  Adern.  (3.)  [M.  O.]
Dann  möchte  ich  oft  die  Hände  falten  und
meiner  Freundin  Natur  danken,  daß  sie  mir
Augen  und  Ohren  geöffnet  und  die  Sinne
zum  Fühlen  geschärft  hat.  Dann  empfinde
ich  mit  Göthes  Faust:  „Du  gabst  mir  alles,
gabst  mir  die  herrliche  Natur  zum  Königreich.“ ­
  (2.)  [M.S.]
So  oft  ich  Gelegenheit  habe,  Was  wollen
Sie  denn?  Da  ist  ja  Gott,  und  ich  und  jeder
andere  ein  Gott  in  der  Natur.  Man  ist  mitten
drin  in  Gott,  in  ihm,  um  ihn.  (2.)  [M.  S.]

3.  Welche  Bücher  haben  Sie  gelesen?
Ein  ganz  eigenartiges  Kapitel  erforderte  eine  Privatkorrespondenz ­
  von  1874  Briefen.  Uber  Hoffen,  Genießen,  Lieben,  Leiden,
Schaffen,  Denken  und  Sterben  der  Menschen  wurde  korrespondiert. ­
  Gierig  wollten  sie  wissen,  ....  alles  wissen  über  das  seltsame ­
  Ding,  das  man  Leben  nennt.  Gewiß,  vielfach  waren  es
nur  stammelnde  Laute,  und  allzuoft  die  seelischen  Anstrengungen, ­
  verstanden  zu  werden,  ....  verzweifelte.
382

50

4  32,—
        <pb n="263" />
        383

37  Metallarbeiter,  16  Textilarbeiter  und  zwei  Bergleute  gaben
an,  Friedrich  Nietzsche  gelesen  zu  haben,  eine  Angabe,  der
zuerst  eine  gehörige  Portion  Skeptizismus  entgegengebracht
wurde.  Eine  Nachprüfung  erfolgte  in  allen  diesen  Fällen,  und
die  Wahrheit  der  Angaben  fand  in  vollem  Maße  Bestätigung.
Ein  von  der  Natur  etwas  vernachlässigter  Metallarbeiter  offenbart ­
  auf  meine  Anfrage,  wie  er  zu  Nietzsche  gekommen,  auf
ca.  ioo  Seiten  seine  ganze  Weltanschauung.  Einige  Stellen
daraus:  „Das  erste  Philosophische,  was  ich  las,  stammte  aus
Schillers  Prosaschriften.  Ich  las  dann  hin  und  wieder  philosophische ­
  Aufsätze  in  Revuen  und  wurde  dadurch  auf  Schopenhauer ­
  und  Nietzsche  aufmerksam,  auf  ihre  Gegensätzlichkeit
wie  Willens-  und  Lebensvemeinung,  und  ihr  Gegensatz,  die
glühendste  Lebens-  und  Willensbejahung  usw.  Es  drängte  mich
nun,  die  Sache  näher  kennen  zu  lernen  und  versuchte  ein  Werk
Schopenhauers  aus  der  Volksbibliothek  zu  bekommen.  Da  es
nicht  vorhanden,  empfahl  man  mir  ein  anderes,  welches  alle
Lehren  Schopenhauers  in  sich  vereinige.  Ich  las  einen  Teil  von
Parerga  und  Paralipomena.  Es  ist  das  Einzigste  geblieben,  Was
ich  von  ihm  gelesen  habe.  Will  nicht  behaupten,  daß  ich  damals
alles  verstanden  habe.  Nur  einige  Hauptpunkte  sind  mir  noch
lebendig  wie:  Was  einer  ist,  was  einer  hat  und  was  einer  vorstellt. ­
  Willensbejahung  ist  gleichbedeutend  mit  Leidensbejahung. ­
  Darum  Askese  auf  allen  Gebieten.  Bald  nach  Obengenanntem ­
  las  ich  Nietzsches  Zarathustra,  und  ich  kann  getrost ­
  sagen,  er  ist  ein  neuer  Wendepunkt  meiner  geistigen  Entwicklung ­
  geworden.  Ich  will  nicht  behaupten,  ich  habe  Nietzsche ­
  in  alle  Abgründe  und  Tiefen  seiner  Philosophie  folgen
können.  Vorerst  reizte  mich  lediglich  der  lyrische  Schwung,
ein  rein  artistisches  Vergnügen.  Da  ich  ihn  mir  nicht  kaufen
konnte,  schrieb  ich  mir  Auszüge  daraus  ab.  Dann  wirkte  er
auf  meine  Willensrichtung.  Wieso,  werde  ich  kurz  darlegen.
Bis  jetzt  hatte  ich  alles  nur  betrieben  um  meiner  selbst  willen,
ohne  Ziel.  Das  Ganze  ging  in  meinem  Geist  vor,  in  meinem
Hirn,  während  meine  materiellen  und  körperlichen  Verhältnisse, ­
  in  denen  ich  leben  mußte,  elende  waren.  Ich  war  immer,
nicht  zu  vergessen,  Ausschußware,  Krüppel,  ausgeschlossen  von
den  außergeistigen  Lebensgenüssen.  Und  diese  waren,  da  ihnen
immerhin  elementare  Grundlagen  fehlten,  mehr  Raub  als  dau ­
        <pb n="264" />
        erndes  Eigentum,  mehr  farbige  Kulissen,  mit  welchen  ich  mein
physisches  Elend  zu  verdecken  suchte.  Denn  nicht  entschlossen,
sondern  verzweifelt  entsagen  wir  dem,  was  wir  besitzen.  Ich
fühlte  so  eine  große  Reaktion  nahen.  Was  dann?  Ich  war
dann  wieder  nur  Schwächling,  stand  rettungslos  einsam  in  der
Wüste.  Vor  diesem  Verhängnisstehen  drang  der  Geistesruf
Zarathustras  an  mein  Ohr.  Der  Mensch  ist  etwas,  das  überwunden ­
  werden  soll.  Was  habt  Ihr  getan,  ihn  zu  überwinden?
Der  Begriff  Mensch  war  mir  hierbei  dieses  Konglomerat  yon
Leiden  und  Schlafen,  diese  Spottgeburt  von  Dreck  und  Feuer,
welche  mich  immer  wieder  von  meiner  mühsam  erreichten
Höhe  herunterreißen  wollte.  Aber  so  lernt  doch  über  Euch
hinweglachen.  Unbegrabbares  ist  an  mir,  ein  Felsensprengendes: ­
  das  heißt,  mein  Wille.  Ich  wollte  klarlegen  das  über  sich
selber  hinaus  Schaffenwollen,  die  Aufpeitschung  des  Willens
bis  zum  Äußersten.  Das  war  mir  der  Kernpunkt.  Bisher  hatte
ich  nur  instinktiv  genossen,  jetzt  genoß  ich  mit  Bewußtsein.
So  gab  mir  Nietzsche  den  Willen  zur  Selbsterziehung,  zu  Zweck
und  Ziel.  Und  wenn  ich  durch  Leid  dennoch  wieder  müde
wurde,  so  halfen  mir  die  Worte  darüber  hinweg:  .,Erhebet
Eure  Herzen,  meine  Brüder,  hoch,  höher!“ 1  etc.  etc.
Dieser  Metallarbeiter  schildert  dann  sehr  anschaulich,  wie
er  zuletzt  doch  wieder  auf  Goethe  zurückkam;  wo  man  nicht
mehr  lieben  kann,  meint  er,  da  soll  man  vorübergehen.  Nietzsche ­
  brannte,  ohne  zu  wärmen,  und  er  schließt  mit  den  Worten:
„Du  vernichtetest  alle  alten  Werte,  Friedrich  Nietzsche,  löschtest ­
  sie  von  den  Tafeln  und  verlorst  dich  dann  in  metaphysisches ­
  Gestrüpp.  Du  freier  Sturmgeist,  hüte  Dich,  daß  Dich
nicht  am  Ende  noch  ein  enger  Glaube  einfängt,  ein  harter,
strenger  Wahn.  Das  Fabellied  des  Wahnsinns  schenke  ich
Dir.  Da  lobe  ich  mir  schon  das  Ewigleere  oder  das  bewußtlose
Aufgehen  im  Nirwana,  das  endliche  Aufhören  des  Begehrens.
Du  meinst,  Friedrich  Nietzsche,  alle  Menschen  dünkt  es  schon
lange  zu  wissen,  was  gut  und  böse  ist.  Das  weiß  noch  niemand.
Die  Moral  ist  eine  Sache  des  Gefühls,  nicht  des  Wissens.  Sie
ist  die  Blüte  von  realen,;  psychischen  und  materiellen  Zu-:
ständen,  und  die  Begriffe  von  Gut  und  Böse  sind  aus  dem  Wesen
des  Menschen  und  seiner  Zustände  heraus  gegangene,  geschriebene ­
  oder  ungeschriebene  Gesetze.  Da  kann  keine  Phi-384
        <pb n="265" />
        385

25

losoph  kommen  und  einfach  umwerten.  Höchstens  Dogmen
lockern.“
Ein  Hausierer,  jetzt  Schlosser:  „Ich  kann  es  verstehen,
weshalb  Nietzsche  den  Zarathustra  brauchte.  Weshalb  sagt
Nietzsche  nicht:  Ich  bin  Zarathustra?  Weshalb  das  zweifelhafte ­
  Wort  „Tugend“?  Drängt  nicht  unser  Inneres,  unser  ganzes
Triebleben  nach  Harmonie,  nach  Schönheit?  Können  wir  tugendhaft ­
  sein?  Reste  aus  dem  Christentum.  Wer  Nietzsche
verstehen  kann,  hat  schon  eine  Grundlage  dazu  in  sich.  Man
soll  ihn  nicht  kritisieren.  Mein  Empfinden  war  überdies  immer:
Wer  ihn  versteht,  wird  ihn  unzertrennt  hinnehmen.  Die  praktische ­
  Seite  des  Lebens  sucht  den  .ganzen  Nietzsche,  auch  in
dieser  Hinsicht,  zu  rubrizieren,  und  da  ist  es  mir  sehr  erklärlich, ­
  warum  Nietzsche  sich  nicht  in  die  Sozialistenmenge  hineinbegiebt.
  Letztere  bekämpft  in  ihrem  Ziel  nur  die  Hemmnisse
und  Verkehrtheiten,  die  den  vom  Tier  abgestammten  Menschen
an  der  Gelegenheit  hindern,  sich  auszuleben  und  seine  Form
dadurch  zu  entwickeln.  Diese  Hindernisse  bestehen  zumeist
in  sehr  realen  menschlichen  und  unmenschlichen  Dingen  und
entwickelten  Zuständen,  in  die  hineinzugreifen  für  dieses  reine
Genie  Nietzsche  eine  demütigende  Forderung  wäre.“
„Nietzsche  erscheint  mir  die  Verkörperung  des  Übermenschen, ­
  der  es  fertig  brachte,  frei  von  aller  Metaphysik  und  über
die  eigenen  Instinkte  hinaus  die  letzten  Konsequenzen  auszudenken. ­
  Ich  liebe  die  Nietzschemenschen,  die  mit  frohem  Gegenwartsverstande
  heiter  die  Erde  beleben,  die  dareinpassen,
wie  eine  harte  Erika  in  die  Heide.  Ich  folgte  ihm  treulich,
trage  eine  ganze  Bibliothek  im  Kopf  herum,  da  ich  keinen
Freund  fand,  der  das  gleiche  Empfinden  teilte.  So  leide  ich
innerlich  an  dem  Ballast  Nietzscher  Theorien,  die  nur  unterdrückte, ­
  gepeinigte  Kraft  bedeuten.“
Ein  Fraiser:  „Ich  habe  Nietzsche  gelesen  mit  dem  bekannten ­
  heißen  Bemühn,  das  Buch  aber  aus  der  Hand  gelegt  mit
dem  Gedanken:  Ich  habe  nicht  nötig,  mich  in  dieses  Gedankenlabyrinth ­
  hineinzuzwängen.  Wenn  ich  Stimmungen  habe,
welche  meine  Seele  zu  den  sogenannten  Höhen  tragen,  dann
kommt  gleich  hinterher  das  bittere  Empfinden,  als  Anhängsel
der  Maschine  und  als  bloßes  Pflichttier  ist  Nietzsche  .überflüssig. ­
  Der  Prolet  ist  am  glücklichsten,  wenn  er  nicht  denkt.“
        <pb n="266" />
        Ein  Kohlenhauer:  „Vor  mir  liegt  ein  Stahlstich  Nietzsches.
Durch  die  Tore  seiner  Augen  versuchte  ich  hinabzusteigen  in
seine  tiefsten  Seelentäler,  tastete  mich  empor  zu  den  höchsten
Gratspitzen.  Es  war  ein  Zarathustrasuchen  mit  brennenden
Augen.  Die  Gesamtforschungen  Nietzsches  verunglücken  in
der  Verachtung  alles  Tieflebens.  Brauchbar,  nützlich  ist  eine
Weltlehre  nur,  wenn  sie  an  alles  Lebendige  anknüpft,  wenn  sie
die  Harmonien  des  Lebens  sieht.  Nietzsche  kann  den  Sozialisten
nichts  geben,  weil  er  den  großen  Haufen  vom  Glück  seiner
Zukunftssonne  verbannt,  ihm  ist  der  Ameisenkribbelkram  ein
beengender,  störender  Ekel.  Diese  Unlust  ist  sein  Fall.  Alle
diese  kleinen  Menschlichkeiten,  die  sich  als  Hemmschuh  auf
den  Weg  zur  Höhe  werfen,  sind  Impulse  des  natürlichen  Brandzeichens ­
  des  absterbenden  Tieres,  aus  dessen  Hülle  schon  zaghaft ­
  der  fühlende  Mensch  heraufsteigt.  Hier  gilts  nicht  zu  töten,
sondern  zu  fördern.  Alle  Zeichen  deuten  mit  Sicherheit  darauf
hin,  daß  die  Natur  als  letzten  Triumph  die  Durchgeistigung
des  Lebens  plant.
In  der  zitternden  Brutalität  des  Tageskampfes,  in  der  Roheit
der  Lebensformen  kriecht  der  Geist  des  großen  Haufens  wie
ein  verwundeter  Wurm,  vom  Fuß  des  Herrenmenschen  breitgetreten. ­
  Es  ist  ja  das  Drama  der  Flügelgebundenen,  daß  ihr
Blut  die  Morgenröte  des  Übermenschen  bedeutet.  Eine  Adelsherrschaft ­
  des  Gedankens  wird  sich  immer  behaupten,  ein  Ring
der  Ewigkühnen,  der  Schwächling  verzehrt  sich  in  den  Rätseln ­
  der  Sehnsucht,  der  Starke  wagt  sich  durch  bis  zur  Einsamkeit ­
  cjes  Ichs,  bis  zur  stillen  Höhe  höchster  Selbstbemeisterung.
Und  doch  glaube  ich:  Für  den  Weiterschauenden  geht  der
Weg  durch  den  Sozialismus  zur  Individualitätsmöglichkeit
Nietzsches.“  etc.  etc.  Ein  Förster  Weber  hat  sich  mit  einem
Wochenlohn  von  21  M.  Nietzsches  „Also  sprach  Zarathustra“
erdarbt  und  kommt  zu  folgender  Bilanz:  „Ich  bin  ja  nur  ein
einfacher  Tuchweber,  aber  alles,  was  ich  mir  aus  Nietzsche
geholt,  hat  mir  die  Seele  erhoben,  innerlich  kehrte  ich  stets
bereichert  aus  seinen  Gefilden  zurück.  Unendlich  über  die
Grenzen  des  individuellen  Daseins  hinaus  weitete  Zarathustra
mir  die  Seele  und  führte  mich  allmählich  zu  jener  Heiterkeit
empor,  die  die  Misere  des  Lebens  bezwang.  Ich  verdanke
Nietzsche  ferner,  daß  er  mir  das  Endziel  gezeigt  hat.  Als  Sie
386
        <pb n="267" />
        25*

387

mich  einmal  fragten,  was  ich  Nietzsche  innerlich  verdanke,
wußte  ich  das  noch  nicht  so  recht.  Sie  wissen,  daß  ich  lange
zur  Sozialdemokratie  gehörte,  und  können  sich  denken,  daß  ich
dort  viel  vom  Endziel  gehört  habe.  Das  Endziel,  das  dort  Zukunftsstaat ­
  heißt,  ist  aber  das  Endziel  gar  nicht.  Das  Endziel
ist  der  Mensch.  Wie  klein  erscheinen  mir  die  radikalen  Theoretiker, ­
  die  nur  einen  Weg  zu  diesem  Ziele  wissen,  die  Eroberung ­
  der  politischen  Macht.  Wie  glücklich  sind  dagegen  jene,
um  wieviel  werden  sie  immer  voraus  sein,  die  Nietzsches  Worte
sich  eingeprägt  haben.  Tausend  Wege  giebt  es,  nun  sieh  Du
zu.  Und  am  Beispiel  des  Menschen  hat  Nietzsche  mir  gezeigt,
daß  dem  tiefsten  Sinn  des  Lebens  nur  entspricht,  was  dem
allgemeinen  Empor  des  Weltgeschehens  entgegenkommt  und
mit  dem  anvertrauten  Pfund  des  Lebens  wuchern  will.  Das
Leben  aber  erhöhen  ünd  vermehren  wir  durch  Verinnerlichung
und  Vergeistigung.  Denn  nur  was  wir  vergeistigen,  was  Uns
bewußt  wird,  erleben  wir  wirklich  und  vermehrt  so  unser  Leben.
Alles  unterhalb  dieser  Grenze  ist  Vegetation  etc.  etc.“
Schopenhauer  wurde  auch  mit  heißem  Bemühn  gelesen.
Der  gallige  Ton  des  großen  Pessimisten  hat  ihn  anscheinend
populär  gemacht  bei  der  von  atomisierter  Arbeitsweise  überfallenen, ­
  reizbaren  Psyche  des  Arbeiters.  Interessante  Ergebnisse ­
  brachte  auch  die  Korrespondenz  über  die  pantheistischen
Mystiker,  wie  Kant,  Goethe,  Lessing  etc.
Es  wäre  eine  lohnende  Aufgabe,  die  Einwirkungen  festzustellen, ­
  die  Karl  Marx  Lehre  der  technologischen,  materialistischen ­
  Geschichtsauffassung  auf  die  Arbeiter  gezeitigt  hat.
Daß  die  Wert-  und  Mehrwertlehre  populär  geworden,  konnte
nicht  festgestellt  werden,  aber  der  ihr  zugrunde  liegende  Gedanke, ­
  daß  die  menschliche  Arbeit  Schöpferin  aller  gesellschaftlichen ­
  Werte  sei,  klingt  doch  überall  durch.  Praktisch  erlebt
der  Arbeiter  Karl  Marx  Lehren  ja  täglich.*  Der  Händler  stellt
die  warmen  gewirkten  Hemden  im  Schaufenster  aus  und  weiß
von  ihnen  nichts,  als  daß  sie  Geld,  Profit  bringen  sollen.  Der
Kunde  sieht  sie,  weiß,  daß  sie  wärmen  und  im  übrigen  Geld
kosten.  Die  frierende  Frau,  die  sie  gewirkt  hat,  und  nun  selbst
nicht  kaufen  kann,  weil  der  schmale  Lohn  selbst  verzehrt  ist,
sieht  diese  Hemden  mit  anderen  Gefühlen  und  Gedanken.  Vor

*  Karl  Renner,  Kampf,  1910.
        <pb n="268" />
        ihrer  Seele  steht  der  Wirksaal,  stehen  die  Antreiber,  steht  der
Kapitalist,  der  sie  als  gestrenger  Herr  mit  geringem  Lohn  fortgeschickt ­
  hat,  und  nun  liegt  vor  ihr  leibhaftig  das  Produkt  ihrer
Arbeit,  im  Besitze  eines  Dritten,  ausgezeichnet  mit  einer  hohen
Preisnotierung.  Die  ganze  technische  Geschichte,  aber  auch
die  Wert-  und  Preisgeschichte  des  Dinges  liest  sie  -ihm  ab,  und
wenn  man  ihr  sagt,  daß  es  einem  gesellschaftlichen  Verhältnis
entspringt,  in  dem  sie  die  Rolle  der  Arbeitskraft  gespielt  hat,
wenn  man  ihr  von  Arbeit  und  Mehrarbeit,  von  Wert  und  Mehrwert, ­
  von  Wert  und  Preis  spricht,  so  sagt  man  ihr  nichts  Neues.
Man  belehrt  sie  in  Wahrheit  nicht,  sondern  man  gibt  ihren
namenlosen  persönlichen  Erfahrungen  nur  den  Namen,  zu  ihren
eigenen  Erlebnissen  den  logischen  Begriff,  man  spricht  nur
das  Gesetz  ihres  eigenen  Lebens  aus.

Welche  Bücher  haben  Sie  gelesen?
Bergarbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

Alter

U
o
T3
c
5
73
&amp;lt;D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäftigung

Jhr.

£

M.

BQ

20

—

16,-Berghr.



Räuberromane.  (4.)  [B.  Schl.]

21

—

28,—

Hauer

Scherls  Bibliothek.  (3.)  [B.  R.]

22

—

20,—

Bergarb.

Pfaffenspiegel.  (3.)  [B.  S.]

23

—

16-Berg

 ­


Weltschöpfung  und  Weltuntergang.  Pfaffenspiegel. ­
  Gekrönte  Häupter.  (3.)  [B,
Schl.]

24

—

20,-Bergm.



Noch  keine.  (4.  t.)  [B.  S.]

25
388

4

21-Berg

 ­


Lassallesche  Schriften.  Geschichte  der
deutschen  Sozialdemokratie.  Marx’  ökonomische ­
  Lehren.  (1.)  [B.  R.]

Alter

U*
&amp;lt;L&amp;gt;
1
5
©
5

uurcnscnn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

|hr.

s*

M.

ca

26

16,—

Srubenarbeiter


Schuhlbücher.  (4.)  [B.  Schl.]

27

2

25,—

Bergarbeiter ­


Ich  bin  Freund  vom  Lessen  und  lesse
alles.  (3  )  B -]

27

2

17-Bergm.



Ich  lese  ungern.  (4.)  [B.  Schl.]

28

4

23,—

Bergm.

Die  Wiesendschaftlichen.  (3.)  [B.R.]

28

1

18,-Berg

 ­


Religiöse,  Raubritter-  und  Räubergeschichten. ­
  (4.)  [B.  Schl.]

29

3

28,—

Bergm.

Kleine  Broschüren  für  10  Pf.  (3)  [B.R.]

29

3

26,—

Bergmann ­


Die  Biebel  und  vaterländische  Geschichten.
(3-)  [B.R.]

30

2

28,—

Hauer

Meist  religiöse  Bücher.  (3.)  [B.  S.]

30

4

21  —

Bergm.

In  freien  Stunden.  (3.  t.)  [B.  S.]

31

4

21,-Berg

 ­


Die,  die  den  Verstand  aufmuntern.  (3.)
[B.  Schl.]

31

3

32,—

Bergm.

Die  Räuber  von  Schiller.  (3.)  [B.R.]

32

3

26,—

Bergmann ­


Ich  habe  sozusagen  keine  Bücher  gelesen.
(4)  CB,  3.]

32

3

32,—

Bergmann ­


Die  Nacktheit  und  ähnliche  Schriften.  (3.)
[B.R.]

33

3

16,--

  Bergm.

Teosovische.  (3.)  [B.  Schl.]

33

3

24,--

  Bergm.

Direkt  nützliche  Bücher  keine.  (4.)  [B.  S.]
389
        <pb n="269" />
        Ix
©
&amp;lt;

©
"Ö
G
5
&amp;gt;
&amp;lt;ü

Durchsebn.
Wochenverdienst ­


Art  der
äschäftigung

jhr.

&amp;amp;

M.

CQ

34

5

24-Bergm.



Okkultische  Bücher.  (3.)  [B.  S.]

34

—

25  —

Bergmann ­


Fogd,  Weltgeschichte,  Marx,  das  Kapital.
(3.)  [B.R.]

35

5

30,—

Bergmann ­


Schiller,  Goethe,  Heine,  Shakespeare,  Lessing, ­
  Milton.  (1.)  [B.  R.]

35

5

30,—

Bergm.

Die  Nonne  von  Denise.  (4.)  [B.  R.]

36

5

35,—

Bergmann ­


Goethe,  Schiller,  Heine,  Darwin  Marx.
Verschiedene  Abhandlungen  über  den  historischen ­
  Materialismus,  Schopenhauer,
Nietzsche.  (2.)  [B.  R.]

36

4

22,—

Kohlenhauer ­


Berta  von  Suttner.  (3.)  [B.  Schl.]

37

3

28,—

Hauer

Keine.  (4.  t.)  [B.  S.]

37

5

30,—

Bergmann ­


Bommeli:  Geschichte  der  Erde,  Büchner:
Kraft  und  Stoff.  Bölsche:  Die  Abstammung ­
  des  Menschen.  Kampanella:  Der
Sonnenstatt.  Karl  Marx:  Das  Kapital.  (1.)
[B.  R.]

38

1

18,-Berg

 ­


Schiller,  Goethe,  Walter  Scott,  Bebel,
Franz  Engel,  Zola,  Gorki.  (2.)  [B.  Schl.]

38

4

21-Bergm.



for  läufich  noch  keine.  (4.  t.)  [B.  Schl.]

39

2

33,—

Bergmann ­


Die  Biebel  und  wider  die  Paffenherrschaft.
(3.)  [B.R.]

39
390

5

28,—

Steinhauer ­


Büchner:  Kraft  und  Stoff.  Spinoza,  Nietzsche, ­
  Schopenhauer,  und  andere  mehr.
(2.)  [B.S.]

U
O
&amp;lt;

»H
©
XJ
G
5
55
*&amp;gt;
4)

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

Jhr.

fü

M.

CQ

40

3

Bergm.

Gekrönte  Häupter.  (3  t.)  [B.  Schl.]

40

—

24,-Berg

 ­


Kant,  Buddha,  Jesus,  Giordano  Bruno,
Maeterlinck,  Bruno  Wille.  (2.)  [B.  S.]

41

5

18,—

Bergm.

Keine.  (4.)  [B.  Schl.]

42

8

20,—

Bergm.

|  Das  Buch  Eismer.  (4.)  [B.  Schl.]

a)  Wissenschaftliche  und  sonstige  wertvolle
Literatur.

"

Altersklasse

20—30
J-°/o



30—40
J-7*



40-50
J.

7  0

Bergarbeiter  Ruhrgebiet
Bergarbeiter  Saargebiet
Bergarbeiter  Schlesien

37
7
3

4,4
0,9
0,5

98
23
8

12,0
3,2
1,4

29
23
10

3,4
3,2
1,8

164
53
21

Summa:

47

—

129

—

62

—

238

b)  Sozialistische  und  gewerkschaftliche
Literatur.

Altersklasse

20-30
J-7

  0

30—40
J-7

  0

40-50
J-7

  -

Bergarbeiter  Ruhrgebiet

126

15,5

57

7,0

20

2,3

203

Bergarbeiter  Saargebiet

58

8,0

89

12,4

11

1,5

158

Bergarbeiter  Schlesien

9

1,6

29

5,2

2

0,4

40

Summa:

j  193

—

|  175

—

|  33

—

|  401

391
        <pb n="270" />
        c)  Schundliteratur.

Altersklasse

—

20-30
J-7*



30-40
J-°/o



40-50
J-%



Bergarbeiter  Ruhrgebiet

157

19,3

74

9

7

0,8

238

Bergarbeiter  Saargebiet

131

18,2

88

12,2

2

0,2

221

Bergarbeiter  Schlesien

64

11,6

174

31,4

8

1,4

246

Summa:

352

—

336

i

17

—

705

d)  Keine  Bücher  hatten  gelesen:

Altersklasse

20—30
J.

0/
/  0

30-40
J.

%

40-50
J.

°/
Io

Bergarbeiter  Ruhrgebiet

98

12

51

6,3

10

1,2

159

Bergarbeiter  Saargebiet

71

9,9

136

18,9

7

0,9

214

Bergarbeiter  Schlesien

64

11,6

97

17,7

8

1,4

169

Summa:

233

—

284

—

25

—

542

e)  Nicht 1  beantwortet  haben  diese  Frage

Altersklasse

20-30
J.

°/
Io

30-40
J-0/


Io

40—50
J.

7.

Bergarbeiter  Ruhrgebiet

23

2,8

21

2,5

2

0,2

46

Bergarbeiter  Saargebiet

27

3,9

46

6,4

1

0,1

74

Bergarbeiter  Schlesien

24

4,3

50

3

4

0,7

78

Summa:

74

—

117

-1

7

_

198

Summarisch.
Wissenschaftliche  und  sonstige  wertvolle  Literatur ­

Sozialistische  und  gewerkschaftliche  Literatur:
Schundliteratur!
Keine  Bücher  hatten  gelesen
Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen  .  .  .

238

=  11,4

401

=  19,3

705

=  33,8

542

=  26

ig8

=  9,5

392

2084

100  0/0

Welche  Bücher  haben  Sie  gelesen?

Textil-Arbeiter.  Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

Alter

«H
V
'S
Ui
’S

Durcnscnn.
Wochenverdienst ­


Art  der
eschäftigung

|hr.

M.

M

20

17-Appre

 ­


Nick  Carter.  (4)  [T.F.]

21

18,—

Spinner

Stirner:  Der  Einzige  und  sein  Eigentum.
Hohenzollernlegende.  Nietzsche:  Also
sprach  Zarathustra.  Büchner:  Kraft  und
Stoff.  (2.)  [T.  F.]

22

—

12-Spinner



Keine,  da  mir  das  Geld  fehlt.  (3-t.)  [T.F.]

23

—

14,—

Weber

Bücher  habe  ich  nicht  gelesen.  Ich  lese
das  Volksblatt.  (3.)  [T.  F.]

24

—

16-Ketten-




Keine.  (4-t.)  [T.F.]

25

—*

20,—

Weber

Bebel:  Die  Frau  und  der  Sozialismus
Schiller  und  Goethe.  Charles  Fourier.  (1.)
[T.B.]

26

—

22,—

Tuchmacher ­


Haeckels  Welträtsel.  Darwin.  Kant.  Nietz
sehe.  (2.)  [T.  F.]

27

—

16,-Strickei



Romane.  (3-t.)  [T.F.]

27

1

19-Stricker



Schulbücher.  (3.)  [T.  F.]

28

2

18-Kurbel

 ­


Emerson,  Dr.  Schmidt,  Gnosis,  Goethe  (2
[T.F.]

28

1

17-Weber



Lohnarbeit  und  Koppetahl.  (3.)  [T.  F.]

29

12-Strickei



■1  Die  schöne  Matuschka.  (4.)  [T.  F.]

393
        <pb n="271" />
        Alter

Ih
O
T3
G
s
’S
*►
0

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
cschäftigung

Jhr.

M.

ca

29

2

39,—

Posamentier ­


Bebel:  Die  Frau  und  der  Sozialismus.
Lassalles  Reden  und  Schriften.  (3.)  [T.B.]

30

2

18,—

Ausputzer ­


Wen  ich  sagen  soll  sehr  wenig  nützlichen
Werke.  (4.)  [T.  F.]

30

2

16,-Weber



Keine.  (3.)  [T.F.]

31

2

20,—

Spinner

Ich  finde  am  Lesen  kein  Interesse.  (4.)
[T.F.]

31

—

12,-Stricker



Kürschners  Bücher.  (3.)  [T.  F.]

32

2

20,—

Weber

Ich  lese  wenig  den  Ich  kann  Es  nicht  vertragen. ­
  (4.)  [T.  F.]

32

3

15,-Weber



Noch  keine.  (4.)  [T.  F.]

33

—

11  -

Spinner

Die  Bibel  und  auch  politiser  Schriften.  (4.)
[T.F.]

33

—

24,-Weber



Direkte  Werke  gar  nicht.  (4.)  [T.  B.]

34

1

32,—

Teppichweber ­


Habe  viele  Bücher  gelesen,  die  Titel  aber
kann  ich  nicht  angeben.  (4.)  [T.  B.]

34

2

18,—

Spinner

Die  sämtlichen  Werke  von  Marlitt  und
Heimburg.  (3.)  [T.  F.]

35

1

20,—

Weber

Das  Erfurter  Programm,  materialistische
Geschichtsauffassung,  Bebels  Frau.  (3.)
[T.F.]

35

2

15,—

Weber

Jena  oder  Sedan,  der  Paffenspiegel,
Hohenzollernlegende.  (3.)  [T.  F.]

394

e  ■  *;
ja  c  2
O  (U  £
2  "
fl  Ofl
O  O  v-&amp;gt;-
  t&amp;gt;  u
5“  &amp;gt;
Q

CO

26,-Spinner



Spinner
Wirker

1
38  |

2

16,—

Weber

39

1

20,—

Weber

39

2

22,—

Weber

40

3

j
24,—

Weber

40

20,—

Kettenscherei



40  3  16,

Kant,  Hartmann,  Darwin,  Haeckel,  Strauß,
Renan,  viele  Werke  über  Pathologie,  Hygiene ­
  und  solche  über  Bibelforschung.  (2.)
[T.  F.]
Katholisches  Allerlei.  (4.)  [T.  F.]
Gewerkschaftliche  und  politische.  (3.  t.)
[T.F.]
Streng  religiöse.  (3.)  [T.  F.]
Goethe,  Nietzsche,  Stirner,  Makay,  Bebel,
Bruno  Wille,  Haeckel,  Bölsche,  Krapotkin,
  Ibsen,  Malthus,  Seneca  und  viele  andere. ­
  (2.)  [T.B.]
Keine,  weil  ich  nicht  lesen  kan.  (4.)  [T.F.]
Ergreifende.  (4.)  [T.  F.]
Goethes  Faust,  Heine,  Lenau,  Bebel,  Kautsky,
  Mehring,  Bernstein,  naturwissenschaftliche ­
  und  parteipolitische.  (1.)  [T.  F.]
Das  Buch  für  alle.  (4.)  [T.  B.]
Die  Geschichte  der  Erde,  Engels,  Bebel,
Boelsche,  Haeckel,  Nietzsche.  Die  Waffen ­
  nieder.  Ecce  ego,  Clara  Viebig,  Kelland.
  (2.)  [T.F.]

Tuchm.

Nichts  Besonderes.  (4.)  [T.  F.]

395
        <pb n="272" />
        Alter

&amp;lt;D
T3
C
5
’&amp;gt;
o

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
^schäftigung

Jhr.

M.

ca

41

3

16  —

Spinner

Große  Werke.  (4.)  [T.F.]

41

2

25,—

Weber

Meist  Schundliteratur.  (4.)  [T.  B.]

41

—

26,-Weber



Zwei  oder  drei  Schmöker.  (4.)  [T.  B.]

42

1

33,—

Posamentier ­


Nur  wahrheitsliebende.  (3.)  [T.  B.]

42

2

18,-Weber



Gartenlaube  und  viele  soziale.  (4.)  [T.F.]

42

1

17-Weber



Die  Geschichte  der  Erde,  Weltschöpfung
und  Untergang,  französische  Revolution,
die  Frau  und  der  Sozialismus,  Gesundheitspflege ­
  des  Weibes,  phrenologische
Werke,  großes  illustriertes  Kräuterbuch.  (1.)
[T.F.]  ,  .

43

2

20,—

Weber

Keine.  (4.)  [T.F.]

44

8

22,—

Spinner

Ich  habe  bloß  Zeit  zum  Doktor  Bilz.  (3.)
[T.  F.]

44

4

20,—

Weber

Zum  Bücherlesen  habe  ich  es  noch  nicht
gebracht.  (4.)  [T.  F.]

45

7

18,-Weber



Wahrheit,  Gleichheit  und  Recht.  (4.)  [T.F.]

45
396

—

18,-Weber



Haeckel,  Büchner,  Schopenhauer,  Schiller,
Goethe,  Lamartine,  Byron.  (2.)  [T.  F.]
        <pb n="273" />
        a)  Wissenschaftliche  und  sonstige  wertvolle
Literatur.

Altersklasse

20-30
J-0/


/  0

30—40
J.

°/o

40-50
J.

0/
Io

Textilarbeiter  Berlin

12

2,9

24

5,7

15

3,6

51

Textilarbeiter  Forst

39

5,3

67

9,2

9

1,2

115

Summa:

51

—

91

—

24

—

166

b)  Sozialistische  und  gewerkschaftliche
Literatur.

Altersklasse

20—30
J.

%

30-40
J-°J


Io

40-50
J-0/


Io

Textilarbeiter  Berlin

59

14,1

109

23,6

42

10,0

210

Textilarbeiter  Forst

103

14,0

190

26,0

7

0,9

300

Summa:

162

—

299

—  |  49

—

510

c)  Schundliteratur.

Altersklasse

20-30
J-7.



30-40
J-%



40—50
J-%



Textilarbeiter  Berlin

7

1,7

31

7,4

20

4,9

58

Textilarbeiter  Forst

42

5,7

76

10,4

4

0,6

122

Summa:

49

—

107

—

24

—

180

d)  Keine  Bücher  hatten  gelesen:

Altersklasse

20-30
J-°l


Io

30-40
J-°/


Io

40—50
J-7«



Textilarbeiter  Berlin

9

2,0

23

5,0

4

0,9

36

Textilarbeiter  Forst

48

6,6

66

9,0

6

0,8

12G

Summa:

57

—

89

—

10

—

156

397
        <pb n="274" />
        e)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Frage:

Altersklasse

20—30
J-°/


10

30-40
J-%



40-50
J-%



Textilarbeiter  Berlin

14

3,4

18

4,3

32

7,7

64

Textilarbeiter  Forst

22

3,0

43

5,9

12

1,6

77

Summa:

36

—

61

—

44

—

141

Summarisch:
Wissenschaftliche  und  sonstige  wertvolle  Literatur: ­


Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen:  .

,  166  =

14,4

::  510  =

44,3

.  180  =

15,5

•  156  =

13,6

.  141  =

12,2

ii53  =

100  0/0

Welche  Bücher  haben  Sie  gelesen?
M  etallarb  eiter  :

Alter  j|

U
0)
G
2
0

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
:schäftigung

jhr.

M.

m

20

24,-Metall

 ­


Die  Zukunft  der  deutschen  Literatur.  Sonntage ­
  eines  großstädtischen  Arbeiters  in  der
Natur.  Die  Frau  und  der  Sozialismus.  (3.)
[M.  S.]

21

—

26,-Metall

 ­


Goethe,  Schiller,  Heine,  Darwin,  Haeckel,
Forell.  (2.)  [M.S.]

22

35,—

Schlosser ­


Lese  nur  individualistische  Lektüre.  Stirner, ­
  Nietzsche,  Dühring,  Kropotkin  usw.
usw.  (2.)  [M.  B.]

398

Jhr.

c  ,  —
.c  e  2
o  5  e
gja.2
P  O
I*“

M.

M
C
3
an

ca

23
24
25
26
27

—  30,-27-







1  130,—
—  i  32,

Metallarbeiter ­


Masch.-arbeiter

Dreher

36,—

29
30

Bölsche:  Abstammung  des  Menschen,
Nansen:  Nacht  und  Eis.  Grillparzer,  Goethes ­
  Faust,  Shakespeare.  (1.)  [M.  B.]
Robin-Sohn.  (3.)  [M.  S.]
Darwin,  Karl  Marx:  Das  Kapital,  Bebels
Frau  und  der  Sozialismus,  Aus  meinem
Leben  von  Bebel.  (1.)  [M.  B.]

30’  2

Die  Bibel.  (3.)  [M.  O.]
Stirner:  Der  Einzige  und  sein  Eigentum.
John  Henry  Mackay,  Goethes  Faust,  sämtliche ­
  Werke  Ibsens  Und  Nietzsches  etc.
(2.)  [M.B.]
Lassalle,  Bebel,  Dodel,  Goethe,  Kellers:
Der  grüne  Heinrich,  Willes  Offenbarungen
des  Wacholderbaumes,  Nietzsche,  Horneffers
  Vorträge  über  Nietzsche.  (1.)
[M.B.]
Keine.  (4.)  [M.  O.]
Darwin:  Entstehung  des  Menschen,  Kraft
und  Stoff  von  Büchner,  Bebels  Frau  und
der  Sozialismus,  Marx,  das  Kapital,  Bernsteins ­
  Entwicklungsstufen  im  Wirtschaftsleben, ­
  Kautskys  Weg  zur  Macht  u.a.  m.
(1.)  [M.S.]
28,—|Schlosserl  Die  Welträtsel  von  Ernst  Haeckel.  (3.)

24,—
24,—

Metallarbeiter ­

Schlosser ­


Werkzeug-




N.-M.-S.
Metallarbeiter ­
        <pb n="275" />
        Alter

U
V
X)
G
5
[3
*►
D

Durchschn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäftigung

Jhr

Ü

M.

03

31

2

38,—

Met.-Ar.

Hauffs  Werke.  Don  Quichote.  (3.)  [M.B.]

31

3

42,-Metall

 ­


Hohenzollernlegende.  Lassalle.  Marx.  Darwin. ­
  (1.)  [M.  B.]

32

3

25,—

Metallformer ­


Das  Kapital,  3.  Bd.  Den  Nachlaß  von  Karl
Marx,  Engel,  Lassalle  usw.  (1.)  [M.  S.]

32

2

18,—

Uhrkett.-arbeiter


Keine  Zeit,  Bücher  zu  lesen.  (4.)  [M.O.]

33

3

30,—

Schlosser ­


Naumann,  neudeutsche  Wirtschaftspolitik.
Stirner,  Zola,  Tolstoi,  Nietzsche,  Schiller,
Goethe,  Haeckel,  Bölsche,  Lassalle,  Bernstein, ­
  Sinclair  etc.  etc.  (1.)  [M.  S.]

33

4

28,—

Eisenhobler ­


In  freien  Stunden.  Moses  und  Darwin.
(3.)  [M.S.]

34

5

21,-Uhrkett.-




Keine  Zeit  vor  lauter  Arbeit.  (3.  t.)  [M.  O.]

34

4

26,—

Former

Ich  habe  blos  von  Klassikern  genascht.
(3.)  [M.S.]

35

2

28,—

Metallarbeiter ­


Voigt,  Weltgeschichte,  Engels  Ursprung
der  Familie,  Marx,  ökonomische  Lehren,
Josef  Tietgens,  Wesen  der  menschlichen
Kopfarbeit.  Nietzsche,  Darwin,  Schopenhauer, ­
  Weininger,  Geschlecht  und  Charakter. ­
  (2.)  [M.S.]

35

4

25,—

Metallarbeiter ­


Haeckels  natürliche  Schöpfungsgeschichte.
W.  Bölsche:  Liebesieben  in  der  Natur,.
Meyers  Entstehung  der  Erde,  Sudermann,
Clara  Viebig,  Wolzogen,  Spielhagen,  Paul
Heyse,  etc.  etc.  (2.)  [M.  S.]

400

Alter

U
V
*0
G
5
|3
0

Durchsebn.
Wochenverdienst ­


Art  der
sschäftigung

Jhr.

&amp;amp;

M.

03

36

5

24,-Metall

 ­


Lese  nur  die  Bibel,  weil  ich  dadurch  zufriedener ­
  lund  den  göttlichen  Wille*  erkenne.
  (3.)  [M.  O.]

37

—

30,—

Scherenschleifer ­


Vaterländische  Geschichte,  die  französische ­
  Revolution  und  der  Pfaffenspiegel.
(3.)  [M.S.]

38

3

28,—

Dreher

Caus  Sterne,  Werden  ünd  Vergehen,  Forelli
  Gehirn  und  Seele,  Grün:  Über  Feuerbach. ­
  Marx:  Elend  der  Philosophie.  Nietzsche: ­
  Also  sprach  Zarathustra.  Von  Gyziecki:
  Vom  Baum  der  Erkenntnis.  Sämtliche ­
  Werke  Goethe  und  Schiller.  Peters:
Glaube  an  die  Menschheit.  Kautsky:  Das
Erfurter  Programm  etc.  etc.  (2.)  [M.  S.]

39

4

30,—

Scherenhärter ­


Gartenlaube.  (3.)  [M.  S.]

40

7

28,—

Metallarbeiter ­


Goethe,  Schiller,  Lessing,  Heine,  Freiligrath,
  Chamisso,  Rosegger,  Ibsen,  Hauptmann, ­
  Büchner,  Feuerbach,  Strauß,  Kant,
Darwin,  Haeckel,  Nietzsche,  Zola,  Tolstoi, ­
  Gorki,  Fichte,  Henckell,  Bölsche,  Mantegazza,
  Shakespeare,  Grillparzer,  Rabe,
Maupassant,  Herwegh,  Dodel,  Dickens
usw.  (2.)  [M.  S.]

26

401
        <pb n="276" />
        a)  Wissenschaftliche  und  sonstige  wertvolle
Literatur.

402

Altersklasse

20-30
J-7„



30-40
J.

°/
Io

40-50
J-7.



Metallarbeiter  Berlin

38

5,4

172

24,2

42

5,9

252

Metallarbeiter  Solingen

62

8,9

97

13,9

68

9,9

227

Metallarbeiter  Oberstein

4

1,0

3

0,8

11

2,8

18

Summa:

104

—

272

—

121

—

497

b)  Sozialistische  und  gewerkschaftliche
Literatur.

Altersklasse

20-30
J-01


Io

30—40
J-°/


Io

40—50
J.

7.

Metallarbeiter  Berlin

148

20,8

218

30,6

14

1,9

380

Metallarbeiter  Solingen

159

22,5

114

16,3

63

9,2

336

Metallarbeiter  Oberstein

23

5,8

37

9,3

4

1,0

64

Summa:

330

—

369

—

81

—

780

c)  Schundliteratur.

Altersklasse

20—30
J-7„



30-40
J-°/


Io

40—50
J-0/


Io

Metallarbeiter  Berlin

17

2,4

4

0,5

—

—

21

Metallarbeiter  Solingen

6

0,9

23

3,3

14

2,0

43

Metallarbeiter  Oberstein

42

10,5

29

7,3

3

0,8

74

Summa:

65

—

56

—

17

—

138
        <pb n="277" />
        d)  Keine  Bücher  hatten  gelesen:

Altersklasse

20—30
J.

°/o

30-40
J-°/


Io

40—50
J-°/o



Metallarbeiter  Berlin

2

0,3

—

—

—

—

2

Metallarbeiter  Solingen

5

0,8

14

2,0

2

0,2

21

Metallarbeiter  Oberstein

18

4,5

41

10,4

—

—

59

Summa:

25

—

55

—

2

—

82

e)  Nicht  beantwortet  haben  diese  Frage:

Altersklasse

20-30
J-°lo



30-40
J-°/„



40—50
J-%



Metallarbeiter  Berlin

24

3,4

30

4,2

3

0,4

57

Metallarbeiter  Solingen

16

2,3

23

3,2

30

4,2

69

Metallarbeiter  Oberstein

83

2,1

90

22,8

7

1,8

180

Summa:

123

—

143

—

40

—

306

Summarisch.
Wissenschaftliche  und  sonstige  wertvolle  Literatur ­
  497  =  27,5
Sozialistische  und  gewerkschaftliche  Literatur  .  780  =  42,8
Schundliteratur  138  =  7,6
Keine  Bücher  hatten  gelesen  82  =  4,5
Nicht  beantwortet  haben  diese  Fragen.  .  .  306  =  17,6

1803  =  100°/o

26*

403
        <pb n="278" />
        F.  Schluß.
Zwei  Fragen  waren  es,  die  das  Fundament  dieser  Untersuchung ­
  bilden  sollten:
a.  Welche  Menschen  prägt  die  moderne  Großindustrie  unter
dem  Drucke  privatwirtschaftlicher  Ökonomie?
b.  Welche  Kräfte  bilden  das  Gegengewicht  einer  etwaigen
physischen  und  psychischen  Entartung?
Zwei  wesentliche  Richtlinien  sind  zu  unterscheiden:
1.  Eine  absteigende  Linie  der  Zersetzung  aller  seelischen
und  geistigen  Werte.
2.  Eine  auf  steigende  Linie,  eine  Neuschöpfung  einer  eigengearteten
  Seelenkultur.
Wäre  nachzuweisen,  auf  welcher  Seite  das  Übergewicht.
Ziehen  wir  die  Bilanz.  Auf  der  einen  Seite  (Debet)  die  Unlustempfindungen ­
  auf  der  andern  (Kredit)  die  heilsame ­
  Wirkung  der  Gefühlswerte  als  Gegengewicht.  Es  könnte
auffallen,  daß  der  Denkprozeß  während  der  berufsmäßigen
Arbeit  auf  die  Debetseite  verbucht  wurde.  Mit  einigem  Recht.
In  dem  betreffenden  Abschnitte:  Denken  Sie  bei  Ihrer  Arbeit ­
  und  an  was  denken  Sie,  oder  ist  es  Ihnen  überhaupt
unmöglich,  dabei  zu  denken?  —  wurde  bereits  darauf  hingewiesen, ­
  daß  der  Intellekt  das  Werkzeug  wurde,  mit  dem  sich  der
Arbeiter  selbst  raffiniert  feine  Folterinstrumente  schuf.  Die  weitere ­
  Frage,  das  Abhängigkeitsverhältnis  betreffend,  wurde  in  der
Weise  verbucht,  daß  lediglich  diejenige  Anzahl  in  Rechnung
gestellt  wurde,  die  positiv  erklärte,  die  Abhängigkeit  nicht
drückend  zu  empfinden.
Auf  die  Debetseite  mußte  auch  die  Kategorie  der  Gleiche
gültigen  übertragen  werden;  jene  quallenartige  Schicht,  der  man
nicht  so  recht  beikommen  kann,  die  einem  immer  wieder  gallert-404
        <pb n="279" />
        405

ähnlich  entschlüpft,  die  man  nach  rechts  oder  links  stoßen
kann  die  überall  schließlich  hineinpaßt  sich  mit  dem
Ganzen  wie  Quecksilberkügelchen  Vermischt  darin  untertaucht ­
  gleichförmig  gleichgültig.  Eine  Schicht,
die  einer  seelischen  Epidemie  verfallen  zu  sein  scheint,  an  der
die  moderne  Technik  das  Werk  der  Zerstörung  vielleicht  schon
vollbracht  hat.  Kann  es  eine  tiefere  Demütigung  geben,  als
für  sich  selbst  aufhören  zu  sein?

Debet

Anzahl ­


Kredit

Anzahl ­


Unlust  bei  der  berufsmäßigen

Lust  an  der  berufsmäßigen

Arbeit

3154

Arbeit

707

Die  Abhängigkeit  empfanden

Die  Abhängigkeit  empfanden

drückend

1834

nicht  drückend  ....

814

Denkprozeß  bei  der  berufs-Vergnügen

  in  der  Familie  .

1867

mäßigen  Arbeit  ....

3737

Einfluß  und  Hoffnung  auf  die

KeinVergnügen  in  der  Familie

243

politische  und  Gewerk-KeinenEinflußund

  keineHoff-Schaftsbewegung

  .  .  .

2530

nung  auf  die  politische  und

An  Gott  glaubten  ....

668

Gewerkschaftsbewegung  .

968

Ethisierende  Auslösung  im

An  Gott  glaubten  nicht  .  .

2530

Walde

3298

Keine  ethisierende  Auslösung

Einwirkung  durch  Literatur

3615

im  Walde

1396

Saldo  —  Vortrag  ....

3801

Keine  Einwirkung  durch  Li-/



teratur

780

/

Gleichgültig  verhielten  sich

/

folgenden  Fragen  gegen-/



über:

/

Macht  Ihnen  Ihre  Arbeit  Ver-/



gnügen  ?

831

/

Was  drückt  Sie  mehr:  der

/

geringe  Lohn  oder  daß  Sie

/

vom  Arbeitgeber  abhängig

/

sind?

524

/

Denken  Sie  bei  Ihrer  Arbeit?

1303

/

17300

17300
        <pb n="280" />
        Je  höher  das  durchschnittliche  Maß  der  physischen,  psy-:
chischen,  der  intellektuellen  ünd  der  sittlichen  Volkskultur,  desto
höher  der  derzeitige  Kulturgrad.  Bilanz:  55,50/0  Defizit  auf
Kosten  der  physischen  rmd  psychischen  Energien.  —  Welch  eine
krankhafte  Disharmonie.  —
Nicht  beantwortet  wurden  totaliter  5591  Fragen.  Es  sei
offen  gelassen,  ob  und  wie  diese  hohe  Zahl  mitberücksichtigt ­
  werden  darf.  —  Soviel  steht  fest,  daß  immerhin  ein  größerer
Teil  der  untersuchten  Arbeiterkategorien  den  gewaltigen  Befreiungskampf ­
  der  Seele  von  ihrer  Bevormundung  durch  den
Körper  führt.  Und  schon  die  Durchführung  dieser  Untersuchung
bedeutet  Urboden.  Man  denke  sich  eine  derartige  Umfrage
unter  Akademikern  oder  irgend  einer  Beamtenkategorie  veranstaltet. ­
  Es  wurde  ja  der  Versuch  gemacht,  natürlich  in  anderer
Form  und  vorsichtigerweise  in  ganz  bescheidenem  Umfange.
Hundert  Fragebogen  wurden  an  sogenannte  Intellektuelle  abgegeben. ­
  Resultat:  17  Bogen  kamen  zurück,  unausgefüllt,  davon
zwölf  mit  dem  Hinweis,  daß  hier  wohl  eine  Art  Psychose  seitens
des  Fragestellers  vorliegen  muß,  vier  enthielten  mehr  oder  weniger ­
  liebenswürdige  Kraftausdrücke,  einer  drohte  mit  dem  Kadi
wegen  verursachter  Belästigung.
Im  übrieen  gilt  von  dieser  Untersuchung  das  Goethewort:
„Wenn  Ihrs  nicht  fühlt,  Ihr  werdets  nicht  erjagen“  HelF
pach  sagt  mit  Recht:  „Die  wissenschaftliche  Forschung  fängt
erst  an,  die  Entstehung  großer  Unternehmungen  zu  untersuchen.
Der  Nationalökonom  mag  heute  vorwiegend  dabei  das  Licht,
den  Glanz  sehen.  Ist  die  Situation  genügend  geklärt,  so  wird
der  Psychopatholog  kommen  und,  getreu  seiner  düsteren  Aufgabe, ­
  die  Schatten  suchen  müssen.  Wir  warten  noch  geduldig,
bis  unsere  Zeit  erfüllet  ist“

406
        <pb n="281" />
        Verlag  von  Ernst  Reinhardt,  München.

Morris  Hillquit:  Der  Sozialismus,  seine  Theorie
und  seine  Praxis.  288  Seiten.  1911.  Preis  M.  4.—,  geb.  M.  5.—•
Was  dem  Buche  Bedeutung  gibt,  liegt  darin,  daß  es  eine  Darstellung  des
gesamten  Qedankenganges  des  marxistischen  Sozialismus  sowohl  als  der
sozialistischen  Bewegung  selber  bietet.  Man  kann  es  als  ein  Handbuch  des
gesamten  modernen  Sozialismus  bezeichnen.  Wer  seine  theoretischen  Grundlagen ­
  und  seine  Praxis,  seine  politischen  Kämpfe  gründlich  kennen  lernen
will,  wird  sichere  und  rasche  Aufklärung  bei  Hillquit  finden.
Jahrbuch  f.  Verwaltungsrecht.

Berlepsch-Valendas  und  Hansen:  Die  Gartenstadt ­
  MÜnchen-Perlach.  96  Seiten  Qr.-8°  mit  50
meist  ganzseitigen  Bildern  und  Tafeln.  1910.  Preis  M.  2.80.
Diese  Schrift  ist  nicht  nur  von  lokaler  Bedeutung,  denn  in  ihr  entrollt
der  als  Architekt  und  Kenner  englischer  Wohnungsverhältnisse  bekannte  Verfasser ­
  die  Grundlagen  der  ganzen  Gartenstadtbewegung.  Es  ist  eine  Programmschrift, ­
  die  überall  großen  Eindruck  machen  wird.

Berlepsch-Valendas,  Bodenpolitik  u.  Wohnungsfürsorge ­
  einer  deutschen  Mittelstadt.
52  Seiten  in  Gr.-4°  mit  über  47  Bildern.  Preis  in  Karton
M.  2.50.
Die  Wohnungsfürsorge  der  Stadt  Ulm  ist  vorbildlich  geworden,  so  daß
eine  umfassende  Darstellung  derselben  eine  Notwendigkeit  wurde.

Graf  Posadowsky,  Die  Wohnungsfrage  als
Kultur-Problem.  32  Seiten  Kl.  8°.  1910.  Preis  50  Pf.
Eine  feinsinnige  und  formvollendete  Einführung  in  die  Wohnungsfrage,
die  dadurch  erhöhte  Bedeutung  gewinnt,  daß  der  Verfasser  als  langjähriger
Leiter  der  deutschen  Sozialpolitik  über  eine  große  Erfahrung  verfügt.
        <pb n="282" />
        Verlag  von  Ernst  Reinhardt,  München.

Lebensschicksale
Bd.  1.
Jugend-Geschichte  einer  Arbeiterin,  von  Adelheid ­
  Popp.  Mit  einführenden  Worten  von  August  Bebel.  3.  verbesserte ­
  und  vermehrte  Auflage  (11.—15.  Tausend).  Preis  brosch.
M.  1—,  in  Leinwand  geb.  M.  1.80.
Zu  den  charakteristischen  Eigenschaften  des  schönen  und  lesenswerten
Buches  gehört  die  Feinfühligkeit  im  Empfinden  und  schriftstellerischen  Ausdruck ­
  .  .  .  Daß  aus  geistiger  Not  und  leiblicher  Kümmernis  gleichwohl  eine
Persönlichkeit  sich  entfalten,  daß  sie  zu  einer  Weltanschauung  überhaupt
gelangen  kann,  ist  die  schöne  Lehre  des  Buches.  In  dem  Werden  einer
tapferen,  freien  Frau  liegt  sein  erziehlicher  Wert,  unabhängig  von  jedem
Parteistandpunkte.  Frankfurter  Ztg.,  30.  3.  09.
Bd.  2.
Erinnerungen  eines  Waisenknaben.  Mit  Vorwort
von  Professor  August  Forel.  108  S.  Preis  brosch.  M.  1.—,
in  Leinwand  geb.  M.  1.80.
„Ein  Muster,  wie  ähnliche  Bände  abzufassen  wären.  Ohne  Haß,  ohne
Bitterkeit,  ohne  hohle  Phrasen  erzählt  der  Autor  über  Menschenrechte  und
Besitzende.  Nicht  posierend,  nicht  gekünstelt,  immer  streng  objektiv,  mit
dem  stillen  Lächeln  der  Erinnerung  zurückblickend  .  .  .  Eine  wunderbare
Studie.“  Deutsche  Warte.
Bd.  3.
Ich  suche  meine  Mutter.  Die  Jugendgeschichte  eines
Findelkindes.  Diesem  nacherzählt  von  Max  Winter.  104  S.  Preis
brosch.  M.  1.—,  in  Leinwand  geb.  M.  1.80.
„Die  grauenhaft  verzerrte  Fratze  der  elterlichen  Fürsorge,  die  der  Staat
noch  vor  wenigen  Jahren  den  Waisen  oder  den  illegitimen  Kindern  zuwandte,
ist  in  das  hellste  Licht  gestellt  und  die  einfache,  jedem  marktschreierischen
Effekt  aus  dem  Wege  gehende  Schilderung  der  Schicksale  eines  Findelkindes
ist  von  packender  Wirkung.“  Pester  Lloyd.
Bd.  4.
Erlebnisse  eines  Hamburger  Dienstmädchens.
Von  Doris  Viersbeck.  104  S.  Preis  brosch.  M.  1.—,  in
Leinwand  geb.  M.  1.80.
Das  Erwachen  der  leibeigensten  Schicht  unserer  Tage  kündigt  sich  in
dieser  Schrift  an.  Es  ist  nur  ein  Schritt  vom  Treppenhause  in  das  flutende
Kampfleben  der  Gegenwart.  Arbeiterzeitung  Wien.

Gedruckt  bei  M.  Müller  &amp;amp;  Sohn,  München.
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        405

ähnlich  entschlüpft,  die  man  nach  rechts  oder  links  stoßen
kann  die  überall  schließlich  hineinpaßt  sich  mit  dem
Ganzen  wie  Quecksilberkügelchen  Vermischt  darin  unterjaucht ­
  gleichförmig  gleichgültig.  Eine  Schicht,
*iie  einer  seelischen  Epidemie  verfallen  zU  sein  scheint,  an  der
lie  moderne  Technik  das  Werk  der  Zerstörung  vielleicht  schon
vollbracht  hat.  Kann  es  eine  tiefere  Demütigung  geben,  als
-  'ür  sich  selbst  aufhören  zu  sein?

Debet

Anzahl ­


Kredit

Anzahl ­


Jnlust  bei  der  berufsmäßigen

Lust  an  der  berufsmäßigen

Arbeit

3154

Arbeit

707

Me  Abhängigkeit  empfanden

Die  Abhängigkeit  empfanden

drückend

1834

nicht  drückend  ....

814

lenkprozeß  bei  der  berufs-Vergnügen

  in  der  Familie  .

1867

mäßigen  Arbeit  ....

3737

Einfluß  und  Hoffnung  auf  die

leinVergnügen  in  der  Familie

243

politische  und  GewerkleinenEinfluß

  und  keineHoff-Schaftsbewegung

  .  .  .

2530

nung  auf  die  politische  und

An  Gott  glaubten  ....

668

Gewerkschaftsbewegung  .

968

Ethisierende  Auslösung  im

.n  Gott  glaubten  nicht  .  .

2530

Walde

3298

[eine  ethisierende  Auslösung

Einwirkung  durch  Literatur

3615

im  Walde

1396

Saldo  —  Vortrag  ....

3801

eine  Einwirkung  durch  Li-/



teratur

780

/

ileichgültig  verhielten  sich

/

folgenden  Fragen  gegen-/



über:

/

;acht  Ihnen  Ihre  Arbeit  Ver-/



gnügen  ?

831

/

Aas  drückt  Sie  mehr:  der

/

geringe  Lohn  oder  daß  Sie

/

vom  Arbeitgeber  abhängig

/

sind?

524

/

enken  Siebei  Ihrer  Arbeit?

1303

/

17300

17300
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        ﻿
      </div>
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