119 handler und Verleger ging ohne Änderungen der Produklions- technik bloß als Resultat der raschen Entwicklung der Produk tivkräfte vor sich. Die Analyse der Evolution des Handwerks und der Ent stehung des Kapitalismus wird uns die Ursachen auf decken, die auch ohne Änderungen in der Produktionstechnik zum Siege des kapitalistischen Großbetriebs führen müßten. Sie wird uns auch das Verständnis des jetzt stattfindenden Kampfes zwischen dem landwirtschaftlichen Groß- und Kleinbetrieb erleichtern. Ebenso werden wir finden, daß die sozialen Ursachen, die im 18. Jahrhundert zum Untergang des Handwerks in einigen Ar- heitssphären führten, jetzt in allen anderen Gewerbezweigen noch wirken. Ein Blick auf die Vergangenheit des Handwerks wird uns die Lösung der Frage nach seiner Zukunft erleichtern. II. Für die Entwicklung der Volkswirtschaft hat die Entstehung des Handwerks eine gewaltige Bedeutung. Mit ihm beginnt der Übergang von der isolierten Naturalwirtschaft zu den anderen Wirtschaftsformen, die sich auf den Austausch von Produkten gründen. Da die Handwerker zunächst nur solche Produkte herstellen, die jede einzelne Wirtschaft nur in geringer Menge verbrauchen kann (sonst würde die Wirtschaft sie selbst produzieren), so arbeiten die Handwerker gewöhnlich gleichzeitig für mehrere Wirtschaften. Die Zunahme der Handwerkerzahl ruft die Um wandlung der Gemeinde- in die Ray on Wirtschaft hervor. Wäh rend es in einer Gemeindewirtschaft nur wenige Handwerker gibt (Schmiede, Böttcher und einige andere), zählt man deren in einer Ray on Wirtschaft Hunderte. In Wien sollen im Jahre 1463 ca. 100 Berufsarten gewesen sein, für Frankfurt am Main gibt Bücher deren Zahl im Jahre 1387 auf 148, 1440 auf 151 und 1500 auf 300 an. Je mehr Berufsarten und je größer die Zahl der Handwerker, einen um so größeren Umfang nimmt die Rayonwirtschaft an, für die die Handwerker arbeiten.