124 Bedürfnis nach diesem intermunizipalen Handel rühren mag, der die alte Gewerbeverfassung zerstörte. Ebenso ungenügend ist Bûchers Hinweis auf die Änderung im volkswirtschaftlichen Bedarf, die diese Umwälzung zum großen Teil hervorgerufen haben soll. Denn Bücher erklärt nicht, warum diese Änderung des Bedarfs stattgefunden hat. Es erscheint unglaubhaft, aber es ist dennoch eine Tatsache, daß die große Enquete des Vereins für Sozialpolitik weniger An haltspunkte für die Lösung dieser Frage darbietet, als die Unter suchung über die Kustarbetriebe im Gouvernement Saratow, die 1901 unter meiner Leitung vorgenommen wurde. Auf Grund dieser Untersuchung lassen sich folgende Tatsachen konstatieren: Als erste Form des Handwerks erscheint die Arbeit auf Be stellung, die Produktion für den unmittelbaren Konsumenten. Der Handwerker kennt noch keine Arbeit für den Markt, arbeitet bloß, soweit er Aufträge erhält. Gewisse Gewerbezweige, obwohl sehr frühe entstanden, be halten immer noch ihre ursprüngliche Form. Andere dagegen sind schon zur nächsten Entwicklungsphase übergegangen, zur Marktarbeit. Wieder andere bilden die Kustargewerbe, die für einen umfangreichen und unbestimmten Markt arbeiten, obgleich sie eine gewisse Selbständigkeit dem Großkapital gegenüber noch behalten. Schließlich nahmen einige die Form der kapitalisti schen Hausindustrie (des Verlagssystems) an. Eine genaue Unter suchung all dieser Gewerbeformen gestattet uns, die Wirtschafts typen in ihren verschiedenen Entwicklungsstufen, sowie die Ur sachen kennen zu lernen, die den Übergang von einer Form zu der anderen hervorgerufen haben. Die Bestellungsarbeit kommt in zweierlei Formen vor. Ent weder arbeitet der Handwerker in seiner eigenen Betriebsstätte auf Bestellung der Nachbarn, oder er geht ins Haus des Be stellers. In beiden Fällen arbeitet der Handwerker gewöhnlich an dem Material seines Kunden. Heute kann man nur in den abgelegenen Gegenden solche Handwerker finden, die für ihre Arbeit in natura entlohnt wer den. Bloß einzelne Handwerker, wie Böttcher und Schaffell-