169 IL Die Zunahme der Handwerkerzahl als Folge der ländlichen Übervölkerung“ (dank der Besitzergreifung des Bodens), die sich mit Gewerben zu beschäftigen begann, vollbrachte die Umwälzung in den Produktionsbedingungen des Gewerbes, indem sie das Handwerk zu einem Kustargewerbe machte, das für den Zwi schenhändler arbeiten mußte. Die gewöhnliche Erklärung dieses Prozesses geht von der Änderung in den Transportmitteln aus, die, wie wir glauben be wiesen zu haben, selbst erst ein Resultat der Entwicklung des Gewerbes war. Sombart zieht außer dem Verkehrs- auch noch das Bedarfs moment zur Erklärung dieser Erscheinung heran. Er schreibt: „Als seit dem 16. Jahrhundert die gesamte Produktionswirt schaft der bekannten Welt, hauptsächlich durch die gewaltige Entwicklung des Verkehrs, die Aus dehnung der Produktionsgebiete ihren ersten großen Aufschwung nahm, als an die Stelle der lokal begrenzten Absatzgebiete mehr und mehr größere Verkehrsrelationen traten, konnte das Hand werk diese größeren Funktionen nicht mehr erfüllen. Es mußte an seine Stelle eine Form der gewerblichen Produktion treten, welche den Anforderungen eines so gewaltig erweiterten Wirt schaftsgebietes zu entsprechen imstande war. Diese neue Form der gewerblichen Produktion wie des Vertriebes der Waren war die privatkapitalistische.“*) Dann verweist er noch auf die Be dürfnisse des entwickelteren industriellen Lebens. Aber auch die Nachfrage nach neuen Produkten konnte in den entfernten Gegenden erst entstehen, wenn in der Produk tion dieser Waren eine Umwälzung stattgefunden hatte, wenn sie schon nach diesen Gegenden ausgeführt wurden. Die Ur sachen dieser Umwälzung müssen also in den Produktions bedingungen selbst liegen, und nicht außerhalb. Sie erklären sich auch vollauf durch die Zunahme der Handwerkerzahl, die *) Artikel Hausindustrie, Bd. IV des Handwörterbuches der Staats wissenschaft, 1. Aufl.