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[4 Gustav Marburg. Soziale Reformen, .

Wahr ist es, daß sich gegenwärtig ein rechter und
ein linker Flügel bei den Sozialdemokraten herausbilden,
die alle guten, ehrlichen bürgerlichen Elemente natur-5emäß
 aufnehmen werden — und daß der Sozialdemokrat
den Bürger nicht mehr als Ausbeuter betrachten darf —
da die große Mehrzahl der Bürger oft schlechter daran
ist, wie der Arbeiter und an dem besseren staatlichen
Aufbau und dessen inneren, zeitgemäßen praktischen
Einrichtungen ebenso interessiert ist, wie der Arbeiter.
Die wenigsten Arbeitsgeber sind Kapitalisten im großen
Stil. Die großen Kapitalisten und Geschäftsprivilegierten
— wie z. B. in Amerika — sind das natürliche Produkt
der Großproduktion und kann man diese zählen. Auch
Amerika erkannte schon längst die Gefahr solcher
Kapitalsansammlung in einzelnen Händen.
Eine gewaltsame Lösung der sozialen Frage wird
kaum stattfinden, und zwar aus dem Grunde, weil fast
alle sozialen F ragen eine internationale Lösung erfordern
und außerdem lehrt die Geschichte, daß alle sozialen
Revolutionen nur praktisches Entgegenkommen der
Machthaber erzielten und stets der Ordnungssinn der
Mittelpartei siegte; — so erzielte die große französische
Revolution nichts anderes als die Abschaffung der Robot.
Die Freiheit der Bauern, das Ideal der allgemeinen
Gleichheit und Brüderlichkeit, blieb ein Ideal und es zeigte
sich, daß hiefür die Menschen erzogen werden müssen.
Die Wahrheit und die Ehrlichkeit fehlten.
Als Moses die Juden aus Egypten führte, hatte er
die Absicht, mit ihnen einen idealen sozialen Staat
aufzubauen. Er erkannte aber, daß die Menschen zu
einem solchen Aufbau Nicht reif waren und wollte sie
dazu erziehen, Deshalb ließ er eine Generation (40 Jahre)
in der Wüste aussterben, um erst dann in das gelobte
Land zu ziehen. Es fehlte die Wahrheit und
Ehrlichkeit.
Wie sich die Erziehung dieser Menschen in den
vierzig Jahren gestaltete, ist aus der Bibel bekannt.
Es wurde das Drei-Kasten-System — Bürger,
Adelige und Priester — eingeführt, das goldene Kalb