Kranken-, Versorgungs- und Unfallskassen. 27

6. Weil die Kranken-, Versorgungs- und Unfallskassen
 Jedermann berühren — und wer ist Jedermann? :
— Der Staat und alle Staatsbürger sind gleichmäßig
an dieser Frage interessiert, weder ein Fürst noch ein
Millionär wissen, ob nicht ihre Kinder und Kindeskinder
von den besseren staatlichen Einrichtungen Nutzen ziehen
werden, — für diese sozialen Verbesserungen sollen
Alle für Einen und Einer für Alle stehen. —
7. Die Sünden der Väter rächen sich bis
in das vierte Geschlecht. Dieser wahre Bibelspruch
sollte im Verhältnis zum freien Verkehr, zur Ausdehnung
der Großstädte und der Großbetriebe berücksichtigt werden,
die Jugend sollte, sowohl was Reinlichkeit als Folgezustände
betrifft, belehrt werden.
Die Kliniken und Spitäler sollten eine dementsprechende
 Ausgestaltung, die Arzte eine bessere diesbezügliche
 Ausbildung erhalten.
Erholungsstätten und Kuranstalten sollten für verschiedene
 Krankheitsfälle errichtet werden.
In Deutschland sind bereits diese Erholungsstätten
für die verschiedensten Krankheiten errichtet worden. —
Nachstehender Auszug ist einem Bericht — über Erholungsstätten
 in Deutschland vom roten Kreuz -— des Zentralblattes
 für »Soziale Praxis« entnommen.
Im Sommer 1899 stellten Dr. R. Lennhoff und Dr.
Becher in Berlin Untersuchungen über die Wohnungsverhältnisse
der tuberkulösen Kassen- und poliklinischen Kranken an, Dabei
wurde auch geprüft, wie diese Kranken, insbesondere die arbeitsunfähigen,
 den Tag verleben, wie viele Stunden des Tages sie in
ihrem Zimmer verbleiben, wie viele sie auf den Straßen und Plätzen
und wie viele im Freien zubringen. Es ergab sich, daß die Lage
der erwerbsunfähigen Iungenkranken nach dieser Richtung hin
ungemein. schlecht ist. Das war der Anlaß auf Maßnahmen zu sinnen,
die eine Besserung herbeizuführen geeignet wären. Weiche Maßnahmen
 dies sein müßten, sind in folgenden Leitsätzen in den Verhandlıngen
 des Kongresses zur Bekämpfung der Tuberkulose
als Volkskrankheit zusammengefaßt. 4
ı. Von den Tuberkulösen kann nur ein Teil in Lungenheilstätten
 untergebracht werden. Der größere Teil der Kranken ist an
ihre eigene Wohnung gebaunt. Den Lungenkranken muß geraten
werden, sich möglichst viel in Landluft und nicht in der verdorbenen
GOroßstadt!uft aufzuhalten.