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        <title>Wohlfahrtzentrale der Stadt Barmen</title>
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            <forname>Paul</forname>
            <surname>Heumann</surname>
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        </author>
      </titleStmt>
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            <idno>893655864</idno>
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        nmmtm&amp;amp;v

f  Uv.'  i'iJ/tO.'o

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^'[pJUnV/c7»&amp;gt;~tri

Gedenkblatt
        <pb n="2" />
        Wohlfahrtzentrale
der  Stadt  Barmen.
Ihr  Wesen  und  bisheriges  Wirken.

Bericht,
erftattet  von  dem  ehrenamtlichen  Leiter
Paul  ( Heumann.

Barmen,  Juli  1917.
        <pb n="3" />
        ■■

V ON  DIESEM  TÄTIGKEITSBERICHT
WURDEN  TAUSEND  EXEMPLARE
ALS  MANUSKRIPT  GEDRUCKT  UND
HANDSCHRIFTLICH  NUMMERIERT;
DAVON  TRÄGT  DIESES  BUCH  DIE
NUMMER
        <pb n="4" />
        3

Grundlagen  und  Richtlinien.
Alles  beruht  auf  Inhalt,  Gehalt  und  Tüchtigkeit
eines  zuerlt  aufgeftellten  Grundfatzes
und  auf  der  Reinheit  des  Vorfatzes.  (Goethe.)
Grundlagen.
US  dem  Urquell  der  Barmer  Wohlfahrtspflege  zu  fchöpfen,
gilt  es  einen  tiefen  Schacht  einzufenken  in  die  gefchichtliche
Vergangenheit  unferer  Stadt.  Wir  ftofen  dabei  auf  reiches
Edelmetall.  Halbverklungenen  Yinetaglocben  gleidi  tönt
aus  der  Zeiten  Untergrund  hu  uns  die  romantisdi  verklärte
Erinnerung  an  die  Wärme,  mit  welcher  einzelne  Erst-Einwohner  ihr  „ich“
in  felbftlofer  Nächftenliebe  verloren.
Im  Heraufgang  der  Jahrzehnte  gewahren  wir  dann,  wie  fleh  mit  dem
Wachfen  des  Gemeinwefens  die  freiwillige  Wohltätigkeit  mehr  und  mehr
zu  geordneter  Arbeit  entfaltet  und  bei  zunehmender  Erkenntnis  ihrer
Aufgaben  fchöpferifch  vorbildlich  wirkt  durch  die  Klarheit  planmäßiger
Bedürfnis-Ermittlung  und  darauf  aufbauender  Maßnahmen.
Es  folgt  nach  dem  deutfeh  -  franzöfifchen  Kriege  der  wirtfdiaftliche,
durch  die  foziale  Gefetjgebung  gehen  n  Heidi  nete  Zeitabfdinitt,  welcher  in
die  Weite  gemeinnütziger  Wohlfahrtspflege  führte  und  die  dem  Wefen  der
Sozial-Verficherung  entfprechende  vorbeugende  Fiirforge  für  alle  Altersftufen
und  Volksfdiichten  hervorrief.
Zugleich  gefeilte  fleh  zu  dem  bisherigen,  füllen  Zufammenhange  von
Kenntnis  und  Liebe  noch  ein  bedeutfames  Neue:  durdi  Pflege  des  fozialen
Empfindens,  Denkens  und  Handelns  eine  umfa  ff  ende  foziale  Ausbildung,
welche  allein  eine  gerechte  foziale  Betätigung  zu  gewährleiften  vermag.
Die  Entfaltung  zu  größter  Kraft  der  freien  Liebestätigkeit  hat  aber  erft
der  allgewaltige  Lehrmeifter  zum  Mehrleifter,  der  Weltkrieg,  gewirkt.  Das
        <pb n="5" />
        4

ganze  Volk,  einmütig  befeelt  von  der  Überzeugung:  „Der  ift  kein  Bürger,
der  die  eigene  Sorge  vergibt  nicht  in  der  Not  des  Allgemeinen“  wetteifert
in  beifpiellofer  Opferwilligkeit.  In  nie  geahnt  breitem  Strome  fließen  Mittel
und  Gaben,  deren  Wert  noch  übertroffen  wird  durch  die  unermüdlich  ausdauernde, ­
  vaterländifche  Hilfsarbeit,  in  Sonderheit  auch  der  Frauen.  Man
lernt  und  lernt  um,  nicht  nur  die  durch  den  Krieg  unmittelbar  gefchlagenen
Wunden  zu  heilen,  nein  jeden  durch  ihn  hervorgerufenen  Notftand  zu
lindern.  Die  Hauptfache  jedoch:  wenngleich  allen  Kräften  möglichft  freies
Spiel  laffend,  vollzieht  man  ihren  duzammenfchluß  zu  planmäßigem  Wirken
nach  einheitlichen  Gefichtspunkten,  in  der  Erkenntnis,  daß  auf  diefe  Weife
erft  alle  Aufwendung  an  Mühe  und  Geld  zum  Erfolge  führen  kann.
Die  Maffenarbeit  aber,  foll  fie  der  unerläßlichen  Gründlichkeit  und
haushälterifchen  Wirtfchaftlichkeit  nicht  entbehren,  erfordert  eine  ebenfo
fein  finnige  als  praktifche  Organifation.  Durch  unfere  Tage  zudem  geht
der  Sturm,  alles  wirbelt,  jede  fchlichtefte  Frage  fteht  im  Kampf,  und  nie
hat  (ich  mehr  der  Ausfpruch  Platos  bestätigt:  „Die  Utopie  von  heute  ift
die  Wirklichkeit  von  morgen.“
Durch  das  Wirrsal  hindurch  führen  kann  deshalb  nur  das  unablä|fig
mutige  Streben  auf  immer  neuen  Wegen  nach  einem  klar  erkannten
hohen  diele.
Richtlinien.
Ausgangs-  und  Drehpunkt  all’  unfers  Handelns,  das  beharrende  Element
im  Wechfel  der  Ereigniffe  kann  nur  fein  und  bleiben:  die  gewiffenhafte
Verantwortung  für  Körper,  Geift  und  Seele  eines  jeglichen  Menfchenlebens,
dem  zu  dienen  uns  vorab  innerer  Beruf  werden  muß.
Solcher  Geift  fchafft  die  richtige  feelifche  Verfaffung,  die  Atmofphäre
der  Herzlichkeit,  deren  warmer  Pulsfdilag  alle  individuell  pflegerifche  Arbeit
des  Kopfes  und  der  Hände  zu  beleben  berufen  iß.  Wie  das  Bibelwort
befagt:  „Ein  Gericht  Kraut  mit  Liebe  ift  beffer,  denn  ein  gemäfteter  Ochfe
mit  Haß“  bildet  tragende  und  ertragende  Liebe  den  Gradmeffer  für  den
Wert  noch  fo  treuen  Eifers.  Freilich,  vollends  in  einer  Zeit,  welche  uns
Deutfche  die  Sentimentalität  verlernen  ließ,  will  die  innige  Empfindung
durchdrungen  fein  von  nüchterner  Befonnenheit,  welche  ebenfo  klar  auf
den  Grund,  als  fcharf  perfpektivifch  zu  fehen  verfteht,  Uebertreibungen
vermeidet  und  durch  ihre  Spannkraft  allein  dem  Wirken  fegensreichen
Erfolg  verheißt.
Herz  und  Hirn  in  einander  ergänzenden  Einklang  gebracht,  bedarf
die  feelifche  und  geißige  Gefundheit  noch  der  inneren  Freiheit.  Wie  fich
        <pb n="6" />
        aus  Gegenfätjen  der  Fortfehritt  aufbaut,  ift  das  Höchftmaf?  energetifcher
Leistung  beschloffen  in  der  polarifchen  Spannung  der  ihrer  Lebensanfchauung
  und  Veranlagung  nach  differenzierten,  am  Werbe  mit  tätigen
Kräfte.  Ihren  Ausgleich  nicht  in  der  Bevormundung  und  Gefe^lichbeit,
fondern  bei  ehrlicher  gegenfeitiger  Achtung  nur  in  perfönlicher  und  fachlicher ­
  Überzeugung  zu  fuchen,  verbürgt  fehr  wohl  die  erforderliche,  nach
aufsen  gefchlo|Jene  Einheit,  bewahrt  aber  zugleich  vor  zerfetzender  Einfeitigteeit
  und  Selbfiüberfchätzung.
Nachdem  folcher  Art  der  Acker  für  die  Saat  beftellt,  bleibt  der  Samen
in  feine  Furchen  zu  ftreuen.  Wir  wählen  für  ihn  den  die  reichfte  Frucht
verfprechenden  eifernen  Willen,  fröhlich  und  unverdroffen  zu  fchaffen  für
die  Erhaltung  und  Mehrung  des  uns  von  den  Vätern  überkommenen,
ruhmreichen  Erbes,  der  körperlichen,  geiftigen,  [eelifchen  und  fittlichen,
deutfehen  Volkskraft.
Den  tiefften  idealen  Sinn  und  die  höchfte  reale  Bedeutung  diefes
Zieles  erfaffen  können  wir  aber  nur  dann,  wenn  Denken  und  Tun  geläutert
wird  durch  das  klare  Bewu^tfein  unferer  Lebensbeftimmung:  mit  unferm
Stückwerk  beizutragen  zur  Hinausführung  des  herrlichen  Rates,  den  die
Allmacht  über  unfer  und  unfres  Volkes  Dafein  befchloffen  hat.
Und  wie  allein  das  Echte  unverloren  gelten  darf,  wird  die  Trübe
unferer  Tage  überdauern  hinein  in  den,  wir  vertrauen,  blauen'  Aether  der
Zukunft,  nur  was  geboren  iff  aus  dem  Geiß  unferer  dem  Vaterlande  und
allen  feinen  Gliedern  fchuldenden,  heiligen  Pflicht.
        <pb n="7" />
        6

Aufgaben  der  Barmer  Wohlfahrtspflege  im  Weltkriege.
Der  Krieg  der  Zukunft  ift  ein  wirtfchaftlicher  Krieg,
der  Kampf  ums  Dafein  im  Grofjen.  (Bismarck.)
IE  Aufgaben,  welche  die  leidfchwere,  eiferne  Zeit  des  Weltkrieges ­
  dem  Heimat-Dienfte  am  Volk  und  Vaterland  [teilt,
recht  vergehen  und  |ie  in  dem  Geifte  erfüllen  zu  können,
welche  der  Gröffe  der  Zeit  entfpricht,  gilt  es  die  Bedürfnis-Elemente
  zu  erfaßen.  Im  hohen  Wellengänge  können  wir
zwei  hauptfächliche  Reihen  unterfcheiden:
1.  Abwehr  der  unmittelbaren  Kriegsfchäden.  Zu  denfelben  verpflichtet
uns  die  Ehrenfchuld,  die  Leiden  der  täglich  Gefundheit  und  Leben  einfe^enden
  Kriegsteilnehmer  zu  mildern,  ihre  Familien  vor  Not  zu  fchütten
und  unter  den  erfchwerten  Lebensverhältni|Jen  zu  betreuen,  kurz  den
Spuren  des  grauenvollen  Krieges  mit  Werken  barmherziger  Nächftenliebe
  zu  folgen.
2.  Anpaffung  an  die  Kriegsnotwendigfeiten.  Diefelbe  fteht  nicht  im  Zeichen
einer  Gemütspflicht,  fondern  des  ehernen  Zwanges,  denn  die  englifche
Kriegführung,  welche  die  größte  Hoffnung  auf  den  finanziellen,  wirtfchaftlichen
  und  fozialen  Zufammenbruch  des  deutfchen  Volkes  fet?t,
gebietet  jedermann  daheim  im  Innern  des  Landes  ebenfo  einen  feften
Schu^wall  gegen  das  Hereinbrechen  der  Not  aufzuwerfen,  wie  ihn
unfere  tapferen  Krieger  an  den  Fronten  gegen  den  bewaffneten  Feind
bilden.
        <pb n="8" />
        7

Uns  in  die  Gedankengänge  noch  mehr  hineinzufinden,  forfchen  wir
den  Folgen  des  Krieges  für  die  Barmer  Kriegerfamilien  und  das  Barmer
wirtfchaftliche  und  foziale  Leben  nach:

1.  Abwehr  der  unmittelbaren  Kriegsfchäden.
Den  ftarken  Einberufungen  und  der  langen  Dauer  des  Krieges  ent-[prechend,
  find  zahlreiche  Barmer  Soldaten  kriegsbefchädigt,  unter  Hinterla|fung
  von  Witwen  und  Waifen  gefallen  oder  in  Kriegsgefangenfchaft  geraten. ­
  In  den  Barmer  Lazaretten  waren  bis  Ende  Mai  1917  14  548  Verwundete ­
  an  78  337  Pflegetagen  untergebracht.  Im  Mai  1917  waren  14197
Barmer  Familien  mit  39  498  Perfonen  kriegsunterftütjungsberechtigt.  x )
Daraus  erhellen  die  Anforderungen  an  die  ideelle  und  materielle
Fürforge-Tätigkeit  für  die  Krieger,  Verwundeten,  Kriegsbefchädigten,  Gefangenen, ­
  fowie  ihre  Familien  und  Hinterbliebenen.

2.  Anpaffung  an  die  Kriegsnotwendigkeiten,
a)  Auf  wirtfchaftlichem  Gebiete.
Barmen  zählte  1914:  172  800  Einwohner,  von  denen  rund  38  000
Perfonen,  darunter  rund  13  000  weibliche,  in  gewerblichen  Betrieben  tätig
waren.  Von  Steuerpflichtigen  gehörten  35  7«  einer  Einkommen  (teuer  (tufe
von  Mk.  600—1200  und  18%  einer  foldhen  von  Mk.  1200—1800  an.
Im  September  1914  waren  5  900,  April  1915:  712,  Sommer  1916:  2150,

U  Die  von  der  Siadi  gezahlten  monatlichen  Kriegsunlerftüfeungen,  welche  für  Beurteilung  der  von
der  Wohlfahrtzentrale  gewährten  Nebenleiffungen  zu  berückfichtigen  find,  betragen  feit  April  1917:

1.  für  Ehefrauen  der  Kriegsteilnehmer

1

für  die
i  2  |

Ehefrau  eines
3  |  4  |

Kriegsteilnehmers  mit
5  |  6  |  7  |

8

mit  eig.  Haushalt

ohne  eig.  Haushalf

Nebenperfonen

Jt

Jt

Jt

|  A,  |

Jt

Jt

Jt  \

Jt

Jt  |

Jt

51

42

72

|  93

111

132

153

174

195  |

216

II.  für  Vater,  Mutter  oder  Gefchwirier
der  Kriegsteilnehmer,  die  nicht  in
deren  Haushalt  leben,  fondern
eigene  Hauswirtfchaft  führen

1

1  -  |

für  Vater  oder  Mutter
3  4  5  6
Nebenperfonen

7  I

8

Jt

Jt

Jt  j

Jt

Jt

Jt  |

Jt

Jt  j

Jt

48

70

90

108

129

150

171

192

213
        <pb n="9" />
        !

Februar  1917:  1300,  Mai  1917:  970  Barmer  Familien  erwerbslofenunterftützungsbedürftig
  x ).  Laut  den  Ausweifen  der  Barmer  Ortskrankenkaffe  ift
die  Zahl  der  weiblichen  Mitglieder  im  Mai  1917  auf  21903  geftiegen.
Der  Barmer  Arbeitsmarkt  erfuhr  im  Laufe  des  Krieges  verfchiedentlich
  entfcheidende  Wandlungen:  Sofort  nach  Kriegsbeginn  wurde  die  zur
Friedenszeit  im  Zeichen  fchrankenlofen  Welthandels  flehende  Barmer
Spezial-Induftrie  (Bänder  und  Spitzen)  durch  Unterbindung,  der  Ausfuhr  in
ein  eng  gefchloffenes  Abfatzgebiet  eingefchnürt.  Die  Folge  war,  zumal  die
Arbeitsmafchinen  (Bandftühle  und  Riementifche)  die  Möglichkeit  einer  erfat&amp;gt;~
weifen  Ausnutzung  für  Rüftungszwecke  ausfchloffen,  eine  auf?erordentlidie
Arbeitslofigkeit,  welche  der  Stadt  in  den  erften  fünf  Kriegsmonaten  eine
Barausgabe  von  Mk.  1014  489.—  verurfadite.
Für  1915  ergab  dann  zwar  die  Befchäftigungskurve  ein  der  (teigenden
Einberufungsziffer  entfprechendes  Fallen  der  Arbeitslofenzahl.  Eine  neue
Umftellung  des  Wirtfchaftslebens  trat  aber  wiederum  ein,  je  mehr  durch
Englands  Herrfchaft  zur  See  und  feine  Beeinfluffung  der  neutralen  Staaten
auch  die  deutfche  Einfuhr  von  der  übrigen  Welt  abgefchloffen  wurde.  Der
Die  Erwerbslofen-Unterftühung  beträgt  für  zwei  Wodien:

wenn  kein  ,
Einkommen  &amp;lt;£&amp;gt;
Vorhand,  ist  ^  v

bei  einem  Reineinkommen  in  zwei  Wodien  von  Jl

haltungsvorfland
oh.  Nebenperfon

Mk.

1  i
Mk.

&amp;lt;U
a
Mk.

5

10

15

20

25

30

35

40

45

50

55  60

65

70

75

80

85

90

flehende  Perfon

21  50

9,33

21,50

19,—

16,50

14,—

11,50

9,—

6,50

4,—

1,50

mit  1  Nebcnpers.

30,—

14,—

30,—

27,50

25,—

22,50

20,—

17,50

15,—

12,50

10,-7.50



5,—

2,50

„  2

58,50

18,67

58,50

36,—

33,50

31,—

28,50|26,—

23,50

21,—

18,50

16,-13,50



11,—  8,50

6,—

3,50

1.—

„  3

45,50

23,33

45,50

43,—

40,50

38.—

35,50

33,-30,50



28,-25,50



23,—

20,50

18—^.SO

13,—

10,50

8,—

5,50

3  —

0,50

„  4

54,50

28,-54,50



52,-49,50



47,—

44,50

42,—

39,50

37,—

34,50

32,—

29,50

27,-24,50  22,—

19,50

17,—

14,50

12,—

9,50

„  5

63,—

32,67

63  —

60,50 ; 58,50

55,50

53,—

50,50

48,—

45.50

43  —

40,50

38,—

35,50j33,—

30,50

28,50

25,50

23,-20,50



18.—

„  6

71,50

37,33

71,50

69.-66,50



64,—

61,50

59,—

56,50

54,—

51,50

49,—

46,50

44,-41,50

39,—

36,50:34,—

31,50

29,—

26,50

„  7

80,50

42,—

80,50

78,-75

  50

73,-70,50



68.-65,50

  63,—

60,50

58,—

55,50

53,—,50,50

48,—

45,50

43,-40,50



38,-35,50



«8

89,—

46.67

89,—

86,50

84,-81,50



79,—

76,50

74,—

71,50

69,-66,5064,—



61,50*59,50

56,50  54,—

51,50  49,—

46,50

44.—

Für  den  Haushaltungsvorftand

oh.  Nebenperfon

wenr
Einko
vorha
Mk

kein
mmen
nd.  ist
!l
i  -i
CO  =
Q  ü
Mk.

i
Ol
£
Sfro
tj
V
CH
Mk.

bei  einem  Reineinkommen  in

zwei  Wochen  von  Jl

95

100  105
!

110  115

120

125

130

,35

140

145

150

155

160

165

170

175

180

flehende  Perfon

21,50

9,33

21,50

mit  1  Nebenpers.

30,-14,-





„  2

38,50

18,67

38,50

„  3

45,50

23,33

45,50

„  4

54,40

28,

54,50

7,—

4,50  2,  -

*  5

63,—

32,67

63.

15,50

13,-10,50

8,—  '  5,50

3,—

0,50

„  6

71,50

37,33

71,50

24,—

21,5019,—

16,50  14,—

11,50

9.-6,50



4  —

1,50

„  7

80,50

42.-80.50



33,-30,50

  28  -

25,50  23,—

20,50

18.-15,50



13,—

10.50

8,—

5,50

3,—

0,50

„  8

89,-46,67



89,-41,50

  39,—  36,50  34,—  '31,50|29,-26,50



24,—

21,50

19,—

16,50

,4.-11,50



9,—

6,50

4,—

1,50

—

s
        <pb n="10" />
        Mangel  an  Roßftoffen,  in  Sonderheit  für  die  Textilinduftrie,  machte  zur
Sicßerfiellung  des  Heevesbedarfs  eine  Einfchränkung  der  Erzeugung  und  des
freien  Handelsverkehrs  erforderlich.  Die  im  Intereffe  der  Material(treckung
einfehende  flda  fließe  Bewirtfcßaftung  brachte  Befchlagnahmen  und  Arbeitseinfehränkungen,
  die  Gründung  zahllofer  Spezial-Einkaufs-,  Herftellungsund
  Vertriebsgefellfchaften,  Kontingentierungen  und  Fabrikationsvorfchriften
(Handarbeit,  Verwendung  von  Erfat&amp;gt;~  und  Abfallftojfen  ufw.),  welche  den
Erwerb  weiterer  Arbeiterkreife  in  Frage  zu  (teilen  drohten.
Mitte  1916,  als  der  Weltkrieg  durch  den  Zutritt  immer  neuer  Feinde
geradezu  groteske  Dimenfionen  erhielt  und  auf  eine  Abwehr  in  aeternum
hinwies,  ergab  (ich  elementar  die  Notwendigkeit,  unter  liinfanfefsung  dev
Privatwirtfcßaft,  im  Sinne  der  gefeßlichen  Hilfsdienfipfließt,  alle  Kräfte  veft~
los  in  den  Dien  ft  des  Vaterlandes  einzufpannen,  und  durch  breite  |te  Einteilung ­
  auf  das  Hindenburgprogramm  wurden  nun  auch  die  Wuppertaler
Induftrie-Verhältniffe  vollends  verfchoben.  In  Großbetrieben  und  kleinen
Werkftätten  fanden  bei  Dreifchidhten-Syftem  Taufende  von  Frauen  und
Mädchen  äußerft  lohnende  Arbeit,  ohne  indeffen  auch  jetri  das  Heer  der
Arbeitwilligen  und  der  infolge  der  außerordentlichen  Teurungszuftände
auf  Neben-Erwerb  Angewiefenen  zu  erfchöpfen.
Zu  der  fidi  aus  vorerwähnten  Veränderungen  ergebenden  Aufgabe
der  Kriegswohlfahrtspflege,  der  Erwerbslofigkeit  und  Bedürftigkeit  durdi  Be~
feßaffung  kriegswichtiger  Arbeit  zu  fteuern,  treten  aber  noch  andere  Pflichten:
Durdi  die  kriegswirtfchaftlichen  Verhältniffe  ift  nicht  nur  die  Gütererzeugung ­
  und  der  von  ihr  abhängige  Arbeitsmarkt  getroffen.  Seitdem
wir  in  allem  zum  Leben  unmittelbar  Nötigen  (befonders  auch  Ernährungsund ­
  Futter-  fowie  Bekleidungsmitteln)  auf  das  ifolierte  deutfeße  Wirtfcßaftsgebiet
  angewiefen  find,  fteht  nießt  die  Produktion,  fondern  die  Konfumtion
im  Mittelpunkt  unfers  Wirtfcßaftslebens.  Das  Defizit  inländifcher  Erzeugung
zu  decken,  bedarf  es  daher  einer  weifen  Anpaffung  der  Lebenshaltung  im
Wege  kriegsgemäßer  Ernährungs-,  Bekleidungs-  und  Wohnungs-Fürforge,
einer  Regelung  des  Bedarfs  durch  Materialfammlungen,  Abfallverwertung
und  Erfahmittel-Gewinnung.
b)  auf  fostialem  Gebiete.
Erwerbslofigkeit,  Frauen-,  befonders  Mütterarbeit,  Lebensmittelknappheit ­
  und  Teuerung,  Erhaltung  und  Förderung  des  Nadiwuchfes,  wirtfdhaftliche
  Erziehung  zur  Genügfamkeit  und  Sparfamkeit,  ftählende  Uebung  der
Selbftzucht  zum  Durchhalten  verlangen  naturnotwendig  auch  auf  fozialem

9
        <pb n="11" />
        Gebiete  neue  und  ungewohnte  Mittel.  Einrichtungen,  wie  Volksfpeifung,  gemeinnützige ­
  Schuh-  und  Kleider-Befchaffung  und  -Inftandfetzung,  Mietunterftützungen
  u[w.  kennzeichnen  die  Breite  der  Aufgaben;  Säuglings-,  Kleinkinder-, ­
  Schulkinder-  und  Jugendlichen-Pflege,  Arbeiterinnen-  und  Familien-Fürforge,
  berufliche,  hygienifche,  haus-  und  gartenwirtfchaftliche  Unterweifungen ­
  bedingen  die  Tiefe  einer  befonderen  Bearbeitung  des  Einzelfalles,
unter  dem  atmosphärifchen  Druck  der  Kriegsnot,  Entbehrung  und  Kraftausfchöpfung
  aber  den  Weg  von  „müffen“  zum  „wollen“,  vom  Leiden
zum  Tun  zu  bahnen,  aus  wirtfchaftlidier  Einficht  wirtfdhaftliche  Kraft  zu
gewinnen,  in  jedem  einzelnen  das  Pflichtgefühl  der  Mitverantwortung  für
des  Reiches  Wohlfahrt  zu  wecken,  diefer  Weg  führt  in  die  Höße,  auf
welcher  das  innere  Auge  durch  das  Leuchten  des  Lebenshorizontes  aufgefchloffen
  wird.
Von  folchem  Weitblick  geleiteter  Zukunftswille  bildet,  die  Einzel-Orientierungen
  zufammenfaffend,  die  X\vecßbedacßtßeit,  welche  alle  Maßnahmen ­
  der  Kriegswohlfahrtspflege  beherrfchen  muß.  Dem  Zwang  und
Bann  der  Verhältniffe  nachgebend,  ift,  unter  Liquidation  alter  wirtfchaftlidher
und  [ozialer  Lebensformen,  ein  Neuland  in  Bildung  begriffen,  welches  ein
Lernvolk  betritt,  um  zum  Tatvolke  zu  reifen.  Noch  ringen  in  Unzahl
treibende  Kräfte  nach  dynamifcher  Entfaltung,  und  was  einftweilen  im  gewaltigen ­
  Feuer  des  Erlebens  behelfsmäßig  gefchieht,  will  nach  dem  Kriege
fyftematifch  durchgeführt  fein.  Die  fchwerften  Aufgaben,  uns  volkswirtfchaftlidh
  wieder  in  die  Höhe  zu  arbeiten,  liegen  noch  vor  uns.  Die  alles
Wirken  lenkende  Magnetnadel  muß  deshalb  immer  wieder  in  die  Richtung
des  Aufbaues  fchlagen.  Demgemäß  werden  auch  manche  Beftrebungen  der
Wohlfahrtzentrale  nur  als  Schrittmacherdienfte  zu  werten  fein.
        <pb n="12" />
        11

Ausübende  Tätigkeit,
ihre  Gliederung  und  wirtschaftliche  Durchbildung.
Aus  der  Kräfte  fcliön  vereintem  Streben
Erhebt  fiel)  wirkend  erfl  das  wahre  Leben.
(Schiller.)
INEweitverzweigte  Tätigkeit  verfpridit  nur  Erfolg,  wenn  fie
nadi  einheitlichen  Gefditspunkten  einfach  und  überfiditlich
gegliedert  ift  und  (treng  wirtfchaftlich  durdigeführt  wird.
Für  die  Wohlfahrtzentrale  lautet  als  allgemein  gültige
Regel  die  Lofung:  „  Praktifche  ArbeitPraktifcß  in  forgfältiger
  Prüfung  der  Aufgaben,  ob  fie  die  Möglichkeit  produktiver  Arbeit
eröffnen,  praktifcß  in  der  Wahl  der  Mittel,  durch  Ausnutzung  des  Vorhandenen ­
  und  Befchränkung  auf  die  im  Rahmen  rationeller  Arbeit  liegenden ­
  Maßnahmen,  praktifcß  in  der  Sicherung  des  Erfolges  im  Wege  raftlos
mit  der  Zeit  fortfehreitender  Qualitätsarbeit.
Gliederung.
Der  Verfaffung  der  Wohlfahrtzentrale  liegt  die  Abficht  zu  Grunde,
durch  umfaffende  Mitwirkung  aller  Bürgerfcßaftskreife  und  weitgehende
Selbffändigkeit  der  verfchiedenen  Mitarbeiter  die  Gefamttätigkeit  fo  lebensvoll ­
  als  nur  möglich  zu  geftalten.  Im  Vorftande  und  in  den  40  Fachausfdiü|fen
  find  alle  Schichten,  politifchen  Parteien  und  konfeffionellen  Richtungen
durch  beide  Gefchlechter  mit  rund  260  Mitgliedern  vertreten.  Die  Arbeitsteilung ­
  geht  aus  dem  letzten  Abfchnitt  des  Berichtes  hervor.
Der  von  der  Wohlfahrtszentrale  umfchriebene  Kreis  zerfällt  in  vier
Segmente:  Rotes  Kreuz,  Vaterländifcher  Frauenverein,  Nationaler  Frauendienff
  und  die  von  der  Wohlfahrtzentrale  felbft  gefchaffenen  Einrichtungen.
Die  beiden  erftgenannten  Körperfchaften  haben  ausfchlieflich  finanziellen
        <pb n="13" />
        12

Zufammenhang  mit  der  Wohlfahrtzentrale;  zwifchen  dem  nationalen
Frauendienft  und  der  Wohlfahrtzentrale  befteht  eine  unmittelbare  Arbeitsgemeinfchaft.

Durch  Anlehnung  an  die  Stadtverwaltung  bildet  die  Wohlfahrtzentrale
vermöge  ihres  unabhängigen  Charakters  in  vielen  Fällen  eine  wertvolle
Ergänzung  der  naturgemäß  an  engere  und  ftarrere  Grenzen  gebundenen
behördlichen  Kriegsfürsorge.  Durch  allfeitiges  Hand-in-Hand-arbeiten  ift
unfruchtbaren  Zuftändigkeitsfragen  der
Boden  entzogen.
Die  Leitung  der  Wohlfahrtzentrale
liegt  in  Händen  des  Vorfißenden  und
der  im  Rathaus  befindlichen  Gefchäftsftelle.
  Die  Wohlfahrtzentrale  zählt  1200
ftändige  und  2100  vorübergehend  tätige
ehrenamtliche  Mitarbeiter,  fowie  540  befoldete
  Angeftellte.  Die  Höchftzahl  der
zeitweilig  von  der  Wohlfahrtzentrale  in
eigenen  Werkftätten  und  mit  Heimarbeit
befchäftigten  Perfonen  beträgt  rund  10000.
Die  Wohlfahrtzentrale  unterhält  eine
eigene  Vertretung  in  Berlin,  welche  durch
einen  höheren  Offizier  z.  D.  ausgeübt
wird.  —  Dem  Verkehr  zwifchen  den  verfchiedenen
  Dienff-  und  Arbeitsräumen  der
Wohlfahrtzentrale  und  dem  Publikum
dienen  28  an  das  ftaatliche  Fernfprechneff
angefchloffene  Apparate.  Die  laufende  Korrefpondenz  wird  auf  17  Schreibmafchinen
  erledigt.
Wirtschaftliche  Durchbildung.
Gebieten  der  Umfang  und  die  Vielfeitigkeit  der  Tätigkeit  fchon  an
fich  die  Durchführung  ffrenger  Ordnung,  fo  gilt  auch  für  die  Wohlfahrtspflege ­
  in  vollem  Umfange  das  wirtfchciftliche  Kriterium  des  Krieges.  Zum
Durchhalten  i|t  gegenüber  der  erforderlichen  Großzügigkeit  die  peinlichfte
Kraft~  und  Materialerfparnis  unerläßlich.
Aller  Initiative  und  Dispofition  muß  deshalb  wirtfdiaftlicher  Sinn  innewohnen, ­
  jeder  Berechnung,  die  fyffematifche  Fefiftellung  und  Ueberwachung
des  tatfächlichen  Ergebniffes  folgen.
        <pb n="14" />
        13

Diefem  leitenden  Gedanken  entfprechen  die  von  der  Wohlfahrtzentrale ­
  audi  auf  das  foziale  Fürforgegebiet  übertragenen,  rein  kaufmännifchen
  Einrichtungen.
Während  [amtliche  Zahlungsgefchäfte  der  Wohlfahrtzentrale  durdi  das
Rechnungsprüfungsamt  und  die  Hauptka|fe  der  Stadt  Barmen  im  fcamevaliffifcßen
  Bucßungsverfaßren  erledigt  werden,  führt  die  Wohlfahrtzentrale ­
  ihrerfeits  der  Kontrolle  und  kaufmännifchen  Ueberfidit  halber
eigene  Gefcßäftsbücßer  mit  viel[eitiger  Unterteilung  nach  feftliegendem
Kontierungsfchema.  Außerdem  aber  wendet  die  Wohlfahrtzentrale  ihre
ganz  befondere  Aufmerkfamkeit  der  vecßmungsmäfügen  Statiffiß  zu,  um
durch  fie  in  den  wirtfchaftlichen  Abteilungen  fortlaufend  klaren  Ausweis
über  die  Betriebsergebni|Je  bezw.  die  Richtigkeit  der  Kalkulationen,  bei
fozialen  Einrichtungen  den  Maffftab  für  jeweils  infolge  Aenderung  der  Verhältni|fe
  nötige  Einfchränkungen  und  Erweiterungen  zu  gewinnen.
In  den  Abteilungen  „Arbeitsbefchaffung“  und  „Abfallfammlung“  erfolgt
halbjährlidi  Beftandsaufnahme  und  Bilanzabfchluf?.
Die  Einrichtungen  und  Bücher  der  Wohlfahrtzentrale  wurden  gelegentlich ­
  durch  Bevollmächtigte  der  Militär-Behörde,  der  Barmer  Handelskammer
und  des  Bergifchen  Fabrikanten-Verbandes  einer  gründlichen  Prüfung  unterzogen, ­
  und  der  jeweils  protokollierte  Befund  ergab  die  peinlich  genaue
und  [orgfältige  Gefchäfts-  und  Betriebsführung.
Dem  fortlaufenden  Ueberblick  der  Wohlfahrtzentrale  über  wertvolle
Neuerungen  auf  dem  Gebiete  der  Kriegs-Wohlfahrtspflege  dienen  Rundfragen ­
  bei  den  Verwaltungen  und  Kriegshülfen  der  größeren  deutfchen
Städte,  fowie  ein  Abonnement  auf  die  führenden  fozialen  und  die  Arbeitsbefdiaffung
  betreffenden  wirtfchaftlichen  Zeitfchriften,  bezw.  auf  gleichartige
Ausfchnitte  aus  deutfchen  und  öfterreichifchen  Tageszeitungen.
Meinungsaustaufch  erfolgte  wiederholt  mit  den  Vorftänden  und  Gefchäftsftellen
  der  örtlichen  Fach-Organifationen  und  Vereine,  fowie  der
großen  deutfchen  fozialen  und  wirtfchaftlichen  Verbände,  an  deren  wichtigften
Tagungen  der  Vorabende  der  Wohlfahrtzentrale  teilnahm.
Vielfache  Anfragen,  betreffend  die  Einrichtungen  der  Wohlfahrtzentrale,
fanden  Beantwortung.  Vorbildlich  für  viele  deutfche  Städte  wurde  die
Arbeitsbefchaffung  der  Wohlfahrtzentrale  und  der  von  ihr  angeregte  Barmer
Liebesgabentag.
        <pb n="15" />
        14

Gewinnung  der  Geldmittel.
Was  ift  ftärker  als  Not,  Sorge  und  Leid?
Ein  Herz  voll  Opferfreudigkeit.
Laß  brechen,  lajj  biegen,
Es  wird  fiegen.
Ein  ganzes  Volk,  fo  herzgeflählt,
Zum  Hort  der  MenTchlieit  ift  es  von  Gott  erwählt.
(Rieh.  Dehmel.)
UM  Rüftzeug  der  Wohlfahrtzentrale  gehören  in  erfter  Linie  ausgiebige ­
  Geldmittel,  deren  Gewinnung  daher  fortgefet^t  ebenfo
eifrig,  als  umfichtig  betrieben  sein  will.  Das  Rückgrat  der
Sammlungen
bildet  die  perfönliche  Werbung  durch  Hausbefuche,  welche
mehr  als  alles  andere  von  dem  Nutzen  und  der  Notwendigkeit  der  Aufwendung ­
  zu  überzeugen,  Herz  und  Verftand  zur  dauernden  Anteilnahme
an  den  Aufgaben  und  Bedürfni|Jen  der  Wohlfahrtspflege  zu  gewinnen  und
kritifchen  Betrachtungen  durch  fachliche  Aufklärung  zu  begegnen  vermögen.
Nicht  unwefentlich  für  den  Erfolg  der  Sammlungen  der  Wohlfahrtzentrale ­
  war  und  ift  die  gefcßloffene  Gefamtvertretung  und  -Berüc/c/icßtigung
aller  Anforderungen,  welche  der  Krieg  an  die  Fürforge,  fowohl  für  die
beheimateten  Kriegsteilnehmer  und  ihre  Angehörigen,  als  für  die  übrige  in
Mitleidenfchaft  gezogene  anfällige  Bevölkerung  (teilt.  In  klarer  Erkenntnis,
keine  der  jeweils  auf  tretenden  Verpflichtungen  durch  eine  Zerfplitterung
und  Vergeudung  der  Gaben  in  Frage  (teilen  zu  dürfen,  kam  daher  gleich
nach  Kriegsausbruch  die  Wohlfahrtzentrale  mit  dem  Zweigverein  vom
Roten  Kreuz  überein,  alle  eingehenden  Spenden  zu  einem  gemeinfeßaftließen
  Fonds  zu  vereinigen.
Die  ftarke  und  allgemeine  Begeifterung  für  die  hohe  Sache,  vaterländifche
  Liebespflichten  erfüllen  zu  dürfen,  gab  (ich  durch  das  hohe
        <pb n="16" />
        Hindenburgfeier  vor  der  Ruhmeshalle.
        <pb n="17" />
        Absperrung

Eingang  für  die  persönl.
geladenen  Gaste,

bis  11V*  Uhr-Aufstellungsplan

  für  die  Hindenburgfeier.
        <pb n="18" />
        17

Ergebnis  der  bisherigen  3  Sammlungen  im  Gefamtbetrage  von  Mb.  1728  300.-bund.
 1 )  Immer  wieder  haben  im  Verlaufe  der  langen,  fchweren  Kriegsjahre
die  Sammler  der  Wohlfahrtzentrale  offenen  Zugang  zu  den  Herzen  der
Mitbürger  gefunden,  und  ftatt  des  Trauerfpiels,  welches  eine  Kollebte  fo  oft
zu  bedeuten  pflegt,  manches  beglücbende  Erlebnis  rührender  Opferwilligbeit
erfahren.  Befonders  hervorgehoben  feien  auch  die  Beiträge  der  Barmer
Volbsfchullehrer  mit  Mb.  69500.—,  fowie  die  erheblichen  Beihilfen  faft  [amtlicher ­
  Barmer  Vereine  und  Gefellfchaften.
Am  17.  Obtober  1915  veranftaltete  die  Wohlfahrtzentrale  gemeinfam
mit  der  Stadtverwaltung  den
Hindenburgtag,
welcher  einen  Nettoertrag  von  Mb.  54226.—  hatte.  Als  Erinnerungsmale
an  die  gewaltige  Zeit  wurden  unter  einem  Baldachine  vor  der  Ruhmeshalle
zwei  von  dem  Bildhauer  Wynand  modellierte  Schilde  genagelt,  einer  „dem
großen  Heerführer“  mit  dem  Wappen  Hindenburgs,  einer  „den  namenlofen
Helden“  mit  dem  Wappen  der  Stadt  Barmen.  Die  Schilde  werden  fpäter
ihren  Plaff  an  einer  Hindenburganlage  am  Abfchluffe  der  Bahnhofftra^e
finden.  An  der  Feier  nahmen  Vertreter  aller  Behörden  und  Fahnenabordnungen ­
  aller  Krieger-,  Turn-  und  Gefangvereine  fowie  [amtlicher  Schulen
teil.  Die  Feftrede  hielt  der  Oberbürgermei|ter  Dr.  Hartmann.  Die  zu  einem
Maffenchor  vereinigten  Barmer  Gefangvereine  trugen  mit  Begleitung  des
ftädtifdien  Orchefters  den  Schlu|ichor  des  Kaifermarfches  von  Richard  Wagner
und  das  Altniederländifche  Danbgebet  vor.  Jeder,  der  einen  Nagel  eingefchlagen,
  fchrieb  [Ich  in  das  eiferne  Buch  der  Stadt  Barmen  ein.  Junge
Mädchen  verbauften  befonders  zu  dem  Tage  geprägte  Hindenburgmünzen
und  Poftbarten.  Zu  der  erhebenden,  überaus  würdigen  Feier  hatte  das
Kriegsminifferium  zwei  Beutegefchüffe  überwiefen,  welche  vor  der  Ruhmeshalle ­
  Aufhellung  fanden.
Im  Verlaufe  der  dem  Hindenburgtage  folgenden  Wodien  zogen
Schulen  und  Vereine  gefchloffen  zur  Nagelung  der  Sdiilde.  Es  boftete  ein
goldener  Nagel  Mb.  50.—,  ein  filberner  Nagel  Mb.  10.—,  ein  weiter
Mb.  3.—,  ein  eiferner  Mb.  1.—  und  ein  Vereins-  oder  Schülernagel  50  Pfg.
Als  weitere  Einnahmequelle  wurde  im  Dezember  1915  die  fogen.
Gedenktagsspende
errichtet.  Diefelbe  wendet  fidi  an  alle  Einwohner  jeden  Alters  mit  der
&amp;gt;j  Die  übrigen  in  den  folgenden  Abfchniiten  erwähnten  Geld-Sammlungen  ergeben  eine
Summe  von  Mk.  146  500.  —  Die  Nationalfpende  für  die  Hinterbliebenen  der  im  Kriege  Gefallenen
erbrachte  bisher  Mk.  334000.  —  Die  U-Boot-Spende  Mk.  100212,  fodafj  fich  die  freiwilligen  Beiträge
der  Barmer  Bürgerfchaft  bis  zum  31.  Mai  1917  auf  insgefamt  Mk.  2  309  012  belaufen.
        <pb n="19" />
        18

Bitte,  bei  frohen  Anläffen,  wie  Geburtstagen,  Verlobungen,  Hochzeiten,
(ilberner  oder  goldener  Hochzeit,  Geburt,  Taufe,  Konfirmation  oder
Kommunion  eines  Kindes,  Enkels  oder  Urenkels,  bei  Dienft-  und  Gefchäfts-Jubiläen,
  Auszeichnungen,  Beförderungen,  beftandenen  Schul-  und  Staats-Prüfungen,
  Stiftungsfefen,  zu  Weihnachten  und  Neujahr  das  Geld,  das  fonft
vielleicht  zur  Veranftaltung  einer  Feier  im  Freundeskreise  befimmt  war,
und  nach  Vermögen  darüber  hinaus,  für  die  Zwecke  der  Wohlfahrtzentrale
zu  fpenden.
An  Hand  eines  unter  Mitwirkung  des  Meldeamtes  angelegten  Hauptbuches, ­
  welches  die  Geburtstage  der  wohlhabenden  Bevölkerung  enthält
und  auf  Grund  laufender  Angaben  des  Standesamtes  werden  die  einzelnen
Perfönlichkeiten  am
Gedenktage  durch
eine  Glückwunfchkarte
mit  beigefügter  Zahlkarte ­
  an  die  Spende
erinnert.  In  den  Schulen
fnd  entfprechende
Sammelbüchfen  aufgeftellt.
  Für  jede  Spende
über  Mk.  3.—  wird
ein  von  Herrn  Profeffor
Bornemann  entworfenes ­
  Gedenkblatt
überreicht.  Dasfelbe
wird  auf  Entfcheidung
des  Schulleiters  auch
folchen  Schulkla|fen  verliehen,  welche  hervorragenden  Sammeleifer  beweifen.
Daß  der  Wohlfahrtzentale  auch  durch  die  Gedenktagfpende  aus  zahllofen,
meift  kleinften  Rinnfalen  befruchtender  Segen  zuftrömt,  beweift  der  bisherige ­
  Ertrag  von  Mk.  15000.—.
Inde|Jen  fand  fch  die  Barmer  Bevölkerung  bereit,  ihre  offene  Hand  noch
in  anderer  Form  zu  betätigen  durch  die  im  Winter  1916-17  veranftaltete
Sammlung  entbehrlicher  Wertgegenstände,
welche  in  Geldeswert  umgefeßt,  anfehnliche  Beiträge  zur  Linderung  der
Kriegsnot  lieferten.
Durch  öffentlichen  Aushang,  3000  briefliche  Aufforderungen,  Annoncen,
und  redaktionelle  Notizen,  namentlich  aber  planmäßige  Hausbefuche,  gelang
        <pb n="20" />
        19

es,  an[ehnliche  in  Rumpelkammern  fchlummernde  Werte  der  Vernichtung
durch  Roft  und  Motten  zu  entziehen,  eine  Fülle  ungehobener,  der  Wünfchelrute
  harrender  Schätze  ans  Licht  zu  fördern,  z.  B.  Gemälde,  Miniaturen,
Kupferftiche,  Radierungen,  Steindrucke,  Bronzen,  Plaquetten.  Schmuckfachen,
Antiquitäten,  Zinnfachen,  alte  Möbelftücke,  Porzellan,  Kriftall,  Büften,  Bowlen,
Gläfer,  Vafen,  Schalen,  Leuchter,  Bücher,  Handarbeiten,  alte  Koftüme,  Decken,
Teppiche,  Kiffen  ufw.  ufw.
Zur  Annahme  gelangten  gegen  Aushändigung  eines  Gedenkblattes
nur  gut  erhaltene  Sachen,  welche  dann,  durch  Sachverftändige  abgefchätd,
durdi  ehrenamtlich  tätige  Damen  in  dem  zu  dem  Zwecke  angemieteten
Ladenlokale  Schudiardftr.  7  verkauft  wurden.

Schaufenfler-Auslage  des  Verkaufsraumes  für  enibehrliche  Werfgegenfiände.
Gefpendet  wurden  im  ganzen  3024  Gegenftände  mit  einem  Taxwert
von  Mk.  14021,55.  Der  Erlös  einfchliefslich  der  Verweigerung  des  kleinen
unverkauft  gebliebenen  Reftbeftandes  betrug  Mk.  11  075,58.
Zu  einem  finanziellen  Träger  der  Wohlfahrtzentrale  find  im  Laufe  der
Jahre  die
Ueberschüsse  der  wirtschaftlichen  Betriebe  und
Ala  terial-  Sammlungen
geworden.  Den  Kern  der  Unternehmungen  bildet  zwar  die  Befdiaffung
von  Arbeitsverdienft  und  die  fparfamfte  Material-Verwertung.  Indeffen
gelang  es,  bei  ftreng  wirtfchaftlicher  Leitung  und  Dank  der  durch  die  Mitarbeit ­
  zahlreicher  ehrenamtlicher  Kräfte  erzielten  Erfparniffe,  eine  Einnahmequelle ­
  zu  erfchliefen,  aus  welcher  mannigfache,  außerhalb  des  Haushaltungsvoranfdilages
  auftretende  Bedürfniffe  beftritten  werden  können.  Und  wenn
es  fcheinen  könnte,  als  recke  fich  in  der  auf  folche  Weife  erreichten,
        <pb n="21" />
        doppelten  Produktivität  der  Arbeit  ein  auf  ethifchem  Gebiete  ungewohnter
„rechnender  Gei  ft“  empor,  fo  erweift  fich  der  letztere  als  „geläutert“  durch
die  Tatfache,  daß  im  Gegenfatz  zu  einem  Erwerbsunternehmen  jeglicher  von
der  Wohlfahrtzentrale  aus  fozialer  Betätigung  erzielte  Gewinn  im  Kreislauf ­
  reftlos  wieder  fozialen  Zwecken  zuflief^t.
Durch  Erlaß  des  Minifters  des  Innern  vom  24.  Dezember  1914  wurden
erftmalig  der  Gemeindeverwaltung  angefchlo|Jenen,  gemeinnützigen  Organifationen
  für  Zwecke  der  Kriegswohlfahrtspflege
Unterstützungen  von  Reich  und  Staat
zugebilligt  und  feither  die  Aufwendungen  der  Wohlfahrtzentrale  für
Familien-  und  Mietunterftützungen,  fowie  Kriegsküchen  durch  entfprechende
fiskalifche  Zufchüffe  erheblidi  entlaftet.
Je  mehr  aber  der  Anfangs  befcheidene  Apparat  der  Wohlfahrtzentrale
durch  die  Häufung  der  Aufgaben  und  die  Ausgeftaltung  der  Einrichtungen
zu  einem  verwickelten  Räderwerk  auswuchs,  war  es,  zumal  bei  der  langen
Kriegsdauer,  unvermeidlich,  für  die  Durchführung  einiger  Aufgaben  die
(tärkeren  Schultern  der  Stadthaffe  in  Anfpruch  zu  nehmen.  Eine  derartige
Ablösung  durch  die  öffentliche  Wohlfahrtspflege
fehlen  in  folchen  Fällen  gegeben,  welche  als  eine  pflichtmäßige  Ergänzung
der  ftädtifchen  Kriegsfürforge-Mafmahmen  anzufehen  find.  Während  demgemäß ­
  die  urfprünglich  von  der  Wohlfahrtzentrale  beftrittenen  Kriegseltern-Unter|tüt&amp;gt;ungen
  feit  1.  Juni  1916  von  der  Stadt  übernommen  worden  find,
gehen  feit  1.  April  1917  die  Mietunterftützungen  und  feit  dem  1.  Januar  1917
die  Kriegsküchenzufchüffe,  foweit  fie  über  den  Bedürftigen-Kreis  hinaus  der
Ernährung  der  allgemeinen  Bevölkerung  dienen,  zu  Laften  des  kommunalen
Kriegsftocks.  Die  praktifche  Durchführung  des  Mietunterftützungsverfahrens,
fowie  der  Betrieb  der  Kriegsküchen  wurde  abfichtlich  der  Wohlfahrtzentrale
belaffen,  einmal,  um  dadurch  den  privaten  Charakter  der  Kriegseinrichtungen
zu  wahren,  und  zum  andern,  um  die  wertvolle,  fortgefetzte  Mitwirkung
ehrenamtlicher  Arbeitskräfte  zu  fichern.
        <pb n="22" />
        21

Arbeits-  und  Betriebsgemeinschaft  des  Nationalen
Frauendienstes  und  der  Wohlfahrtzentrale.
Wie  alles  lieh  zum  Ganzen  webt,
eins  in  dem  andern  wirkt  uud  lebt!
(Goethe.)
ehört  fchon  das  Geld  zu  den  wefentlichen  Mitteln  wirkjatner
  Kriegswohlfahrtspflege,  fo  bedarf  es  mehr  noch  der
äuferften  Einfpannung  und  klugen  Hütung  menfchlicher
Kräfte,  um  die  ins  Breite  und  Ungeme|Jene  gehenden  Aufgaben ­
  perfönlicher  Betätigung  erfüllen  zu  können.  Dabei
kommt  es  nicht  allein  auf  eine  entfprechend  gro|ie  Zahl  freiwilliger  Arbeiter
im  Weinberge  an,  fondern  um  aus  ihrer  Gefamtfähigkeit  und  -Leiftung
den  Geift  höchfter  fchöpferifcher  Geftaltungskraft  zu  keltern,  müffen  diefelben
  einheitlich  zufammengefaft  und  in  der  Gemeinfchaft  der  kleinen  und
grofsen  Dinge  verankert  fein.
In  diefer  Erkenntnis  lag  ein  Zufammengehen  mit  dem  Nationalen
Frauendienfte  umfomehr  im  Intere|]e  der  Wohlfahrtzentrale,  als  (ie  gegenüber ­
  den  ftarken  militärifchen  Einberufungen  für  die  Erfüllung  der  mannigfachften
  fozialen  und  kriegswirtfchaftlichen  Pflichten  vorwiegend  auf  weibliche ­
  Hilfsbereitfchaft  angewiefen  war.  Zugleidi  aber  den  weicheren  Einfchlag
  weiblicher  Gemütsart  in  die  fefte  Kette  männlicher  Verftandesnatur
auf  feine  Nutzung  wertend,  war  durch  die  Verbindung  beider  Gruppen,
zumal  in  pflegerifcher  Beziehung,  von  vornherein  eine  Gewähr  für  die
Einbringung  goldener  Garben  gegeben.
So  find  im  Verlauf  der  Kriegsjahre  Wohlfahrtzentrale  und  Nationaler
Frauendienft  immer  mehr  ineinander  aufgegangen.  Der  Wohlfahrtzentrale
fiel  vor  allem  zu:  Die  Linienführung,  die  fyftematifche  Verwaltung  und
        <pb n="23" />
        22

rechnungsmäßige  Gefchäftsführung,  die  Finanzierung  und  der  Betrieb  wirtfdiaftlicher
  Unternehmungen,  fowie  die  körperfdraftliche  Intereßen-Vertretung
der  freiwilligen  Kriegswohlfahrtspflege.  Der  Nationale  Frauendienft  dagegen ­
  ftellte  feine  Arbeitskraft  zur  Verfügung  auf  allen  Gebieten,  welche
einen  ausgedehnten  Helferinnendienft,  eine  fachkundige  Mitwirkung  der
Mutter  und  Hausfrau,  fowie  namentlich  eine  hingebend  fürforglidie  Behandlung ­
  der  einzelnen  Bedürfnisfälle  erfordern.
Demgemäß  erheifcht  es  die  Pflicht  objektiver  Würdigung  und  dankbarer ­
  Anerkennung,  vor  Eintritt  in  die  fachlich  geordnete  Berichterftattung
den  wefentlichen,  für  den  Erfolg  mitbeftimmenden  Anteil  des  Nationalen
Frauendienftes  an  den  Beftrebungen  der  Wohlfahrtzentrale  hervorzuheben. 1 )
Die  große  Mitgliederzahl  des  Nationalen  Frauendienftes 2 )  vermodite
an  Sammeltagen,  bei  Verbreitung  von  Aufklärungsfchriften  ufw.  fchnell  die
gefamte  Einwohnerfchaft  zu  erfaßen,  wie  auch  der  großen  Ausftellung  für
Verwundeten-  und  Krankenfürforge  die  nötigen  Hilfskräfte  zuzuführen. 3 )
Hunderte  von  Angehörigen  des  gleichen  Verbandes  walten  feit  Kriegsbeginn ­
  mit  unermüdlicher  Aufopferung  fegensreich  ihres  Amtes  in  der  Ernährungs-
  und  Bekleidungsfürforge,  der  Kinder-  und  Jugendpflege,  der  Berufsberatung, ­
  Lehr  [teilen-Vermittlung  und  dem  Arbeitsnachweis  für  Weibliche, ­
  in  der  Anfertigung  und  Heimarbeitsausgabe  von  Strick-  und  Näharbeiten, ­
  in  den  Material-  und  Abfallfammelftellen,  fowie  in  der  Vermittlung
geiftiger  Anregung.  Wie  oft  aber  der  Nationale  Frauendienft  ein  warmes
Frauenherz  und  weiche  Frauenhände  leiht,  wo  es  teilnehmend  und  lindernd
einzugreifen  gilt  in  einfichtsvoller  Beratung  und  Betreuung  Kriegsunterftüßter,
  Bedürftiger,  Kriegshinterbliebener  und  Kranker,  das  beweifen  fchon
an  (ich  die  in  der  bisherigen  Kriegszeit  von  ihm  gemachten  4230  Ilausbefuche
  und  erteilten  19  782  Auskünfte.
Mehrfach  ftellte  der  Nationale  Frauendienft  zu  beftimmten  Zwecken
Kartotheken  zufammen,  welche  zur  Kontrolle  der  Bedürftigen  dienten,  fo
für  die  Stadtküchen,  die  Weihnachtsbefcheerungen,  die  Ausgabe  von
Heeresnäharbeiten,  die  Kinderfürforge  ufw.  Damit  verbunden  waren  4000
Erkundigungen  bei  den  Armenpflegern,  Geiftlichen  und  Gemeindefdiweftern.
Die  Weihnachtsbefcherungen  1914/15  erfolgten  nadi  forgfältiger  Vergleichung
der  von  den  Befcherungsvereinen  und  Kirchengemeinden  eingeforderten
Befcherungsliften.
Die  dem  Nationalen  Frauendienft  für  Miete  der  Vereinsräume,  Gehälter,
Bürofpefen  erwachfenden  Koften  werden  von  der  Wohlfahrtzentrale  beftritten;
  diefelben  betrugen  bis  zum  31.  Mai  1917  Mk.  34294,86.
        <pb n="24" />
        Helferinnen  in  der  Ausstellung  für  Verwundeten-  und  Krankenfürsorge  im  Kriege
Barmen,  Dezember  1915
        <pb n="25" />
        25

i)  Die  hohe  Auffarfung  der  weiblichen  Mitarbeit  im  Dienste  des  Vaterlandes  gibt  auch  die
nachfolgende  Anrede  wieder,  welche  der  Vorfifeende  der  Wohlfahrtzentrale  anläßlich  des  Liebesgabentages ­
  an  die  Helferinnen  des  Nationalen  Frauendienfies  riditete:
„Als  am  I.  Auguft  die  gewaltige  Spannung  voraufgegangener  Tage  gelöft  wurde  durch  des
Kaisers  Ruf:  „Wach  auf,  du  deutsches  Vaterland“,  zuckte  es  nicht  nur  durch  Alldeutschlands
Söhne  schnell,  nein,  auch  aller  deutschen  Frauen  Augen  blitzten  hell,  und  in  brausendem  Einklang ­
  drang  es  durch  die  deutschen  Gaue:
Nimmer  wird  das  Reich  zerstöret,
denn  es  fchirmet  ein'ge  Treu!
Aus  diesem  Geift  geboren  ift  auch  der  Nationale  Frauendienß,  welcher,  wie  ihre  verehrte  Vorfibende
  in  einer  der  elften  Sibungen,  welcher  ich  beiwohnen  durfte,  treffend  betonte,  unter  dem
Wahlfpruch  „Vaterland“  die  Frauen  und  Töchter  aller  Stände,  Konfeffionen  und  Betätigungsrichtungen ­
  zu  einer  mobilen  Macht  vereinigt,  welche  hier  in  Bannen  an  Zahl  nahezu  gleichbedeutend ­
  ift  unterer  im  Felde  hebenden  MannFchaff.  Nationaler  Frauendienß!  Welche
hohen  fitilichen  Aufgaben,  Pflichten  und  Werte  fchlie&amp;amp;t  dierer  Begriff  in  fidi!  Ernff  Moritz  Arndt
hat  gefagt  „Keine  Liebe  ifl  heiliger  als  die  Liebe  zum  Vaterland“.  Sie  ift  es,  mit  der  dem  flammenden ­
  Schwert  des  Cherubim  gleich  die  fchimmernde  deutfehe  Wehr  heute  aufleuchtet,  eine  heilige
Wacht  unterer  Reichsgrenzen.  Sie  ilt  es,  mit  der  untere  tapferen  Soldaten  todesmutig  der  Welt
von  Feinden  trotzen,  befeelt  von  der  Ueberzeugung:  „Ift  der  Leib  in  Staub  zerfallen,  lebt  der
gro|e  Name  noch“.
Der  gegenwärtige  Krieg  ilt  ein  Weltkrieg.  In  allen  Weltteilen  kämpfen  die  Deufrdien  um  ihre
Exiftenz,  und  nicht  nur  deutrdie  Staatsangehörige,  nein  die  Angehörigen  der  gefamten  deutfdien
Nation.  )a  wir  wiffen,  es  geht  in  diefem  Ringen  nicht  allein  um  Sein  oder  Nicht-Sein  der  einzelnen
Staatengebilde,  fondern  es  gilt  die  Seele  des  Deutfditums,  deutfdie  Gefittung  und  Kultur,  die
heiligften  Ewigkeitswerte  zu  bewahren.
Wahrlidi,  in  folcher  Zeit  höchfter  nationaler  Gefahr  bedarf  das  Vaterland  nidit  nur  feiner
Söhne,  nein  auch  für  Alldeutfchlands  Frauen  und  Töchter  hat  die  Stunde  gefchlagen,  da  fie  dem
Vaterlande,  ihrer  Lieben  im  Felde  würdig,  ihre  hingebende  Kraft  bewähren  müffen.  Und  das
nidit  nur  durch  das  flackernde  Feuer  der  Begeifterung  mit  glühenden  Worten,  nein  durch  den
zähen,  ernften  Willen  zu  helfen  und  durch  tatkräftige  Pflichterfüllung.
Frauendienfl!  Stimmt  das  zu  dem  jahrelang  vernommenen  Ruf  nach  Frauenrecht?  Stilles
Wirken!  Pa|t  das  zu  dem  Anffurm  der  Frauen  zu  unferm  öffentlichen  Leben?  Gott  fei  Dank,
diefe  grobe  Zeit  mit  all  ihren  Riefenumwälzungen,  ihrem  ungeahnten  Ausgleich  uniiberbrüdrbar
erfchienener  Gegenfätze  liefert  audi  den  Beweis,  dab  der  Gcifl  der  deutfehen  Frauenbewegung
im  Gegenfatz  zu  dem  Gebahren  der  englifchen  Suffragetten  feiner,  gefunden,  edlen  Kern  behalten ­
  hat.  Denn  wie  anders  wäre  die  herrliche  Frucht,  mit  welcher  die  jetzige  Ernte  deutfeher
Frauenwirkfamkeit  gelegne!  ift,  zu  begreifen,  als  dab  ficli  die  deutfehe  Frauenbewegung  nicht
als  Selbftzweck,  fondern  als  Mittel  zum  Zweck  erwieren,  der  Drang  nadi  felbftändiger  Mitarbeit
fich  letzten  Endes  in  den  Dienfl  des  Gemeinwohls  geftellt  hat.
Dienen!  Wie  fich  der  grobe  Preubenkönig  als  den  ei  tlen  Diener  des  Staates  bezeichnet
hat,  ift  für  ein  geißig  und  reelifch  wahrhaft  gebildetes  Volk  des  Lebens  höchlie  Aufgabe  in  überzeugtem, ­
  freudigen  Dienft  für  andere  befchloffen.  Ein  Segen  denn,  dab  durch  die  Zeiten  der
deutrdien  Frauenbewegung  bei  allem  verlfandesmäbigem  Streite  der  Geißer  doch  die  flärkßc
und  hehrfte  weibliche  Tugend,  die  Liebe,  mit  heraufgegangen  iß  und  zu  dem  heutigen  Höhepunkte ­
  vaterländircher  Hingabe  und  Opferwilligkeit  geführt  hat!
Barmen  darf  ftolz  fein  auf  feine  Söhne,  als  auf  echte  deutrdie  Mannen.  Barmen  ift
aber  auch  ftolz  auf  feine  Frauen  und  Jungfrauen,  die  fich  gleich  in  den  erflen  Tagen  der  Mobilmachung ­
  zu  Taufenden  als  freiwillige  Helferinnen  herangedrängt  und  feither  gröbtenteils  fchon
mit  der  Tat  glänzend  bewährt  haben.
Aber  während  das  Sprüchwort  lautet:  „Aller  Anfang  ift  Idiwer",  mödite  man  von  dem
jetzigen  Kriege  tagen:  der  Anfang  ging  rchnell  und  der  Fortgang  iß  mühfam.  Und  da  möchte
ich  auch  Sie  bitten,  es  nicht  bei  der  elften  ßürmifchen  Begeifterung,  in  der  es  Ihnen  oft  zu  lang-
        <pb n="26" />
        Tarn  gegangen,  bewenden  zu  laffen,  fendern  unfern  Truppen  gleich  auszuhalien,  auch  wenn  es
telbltverleugnende  Geduld  und  ruhige  völlige  Hingabe  an  eine  Aufgabe  gili.
Eine  folche  Aufgabe  haben  Sie  fich  an  dem  Liebesgabentage  geftelli.
Wie  herrlich  und  erhebend  der  Gedanke,  für  die  Söhne  und  Brüder  im  Felde,  deren
Strapazen  und  Entbehrungen  fehier  unermeßlich  find,  ein  klein  wenig  Torgen  zu  können!  Aber
wie  zart  auch  das  Mittel,  welches  es  für  die  Gewinnung  der  Gaben  zu  wählen  gilt!  Ich  fage  es
offen,  der  Liebesgabeniag  hat  wohl  bei  manchen  Bedenken  und  Kopffchiitteln  erregt.  Man
munkelte,  wie  unpaffend  folche  Art  Blumentag  in  diefer  ernften  Zeit  fei.  Nun,  Sie  kennen  Schillers
Wort:  „Der  Menfchheit  Würde  ift  in  Eure  Hand  gegeben“  und  ich  bin  überzeugt,  Sie  werden
diefe  Würde  zu  wahren  wiffen,  werden  vor  ihrem  geizigen  Auge  den  Ernff  des  Schlachtfeldes
haben,  fich  in  die  forgenvolle  Seele  der  Angehörigen  hineinverfetzen  und  den  Nöten  diefer
außergewöhnlichen  Zeit  herzliches  Verftändnis  entgegenbringen.  Laffen  Sie  fich  bei  Ihren  Befuchen
  von  diefen  Gefühlen  feiten,  fo  werden  Sie,  fiatt  fettig  zu  fallen,  als  gute  Engel  willkommen
fein  und  für  Ihre  Mühe  durch  glückliche  Befriedigung  reichen  Lohn  finden.
Wohlauf  denn  zur  Liebesarbeit,  zum  Nationalen  Frauendienft,  auf  daß  der  Sieg  heldenmütiger ­
  deutfcher  Männertreue  Verfehlungen  werde  in  den  Sieg  unwandelbarer  deuifcher
Frauenliebe!“
2 )  Der  Nationale  Frauendienft  Barmen  umfaßt  44  Vereine  und  Verbände  mit  16000  Mitgliedern. ­
  Die  Organifätion  beruht  auf  einer  Itreng  durchgeführten  Einteilung  in  27  Stadtbezirke.
3 )  Als  ftädt.  Kriegspflegerinnen  find  z.  Z.  258  Frauen  und  Mädchen  tätig,  mit  der  Ausgabe
von  Lebensmittelkarten  114  Mitglieder  des  Nationalen  Frauendienftes  befaßt.
        <pb n="27" />
        25

I.  Abwehr  der  unmittelbaren  Kriegsschäden.
Des  Herzens  Woge  Fchäumte  nicht  To  tchön  empor
und  würde  Geift,  wenn  nicht  der  alte,  ftumme  Fels,
das  Schickfal,  ihr  entgegen  Bande.
(Hölderlin.)
1.  Im  Zeichen  des  roten  Kreuzes.
a)  Fürsorge  für  unsere  Feldgrauen.
Leitung  und  Ausübung  liegt,  lofern  nichts  anderes  angegeben,  ausTchlie&amp;amp;lich  in
Händen  des  Banner  Zweigvereins  vom  Roten  Kreuz  bezw.  des  Valerlandifchen  Frauenvereins. ­
  Die  Mitwirkung  der  Wohlfahrtzentrale  beTchränkt  ficli  auf  die  Uebernahme  der
Kotten,  deren  bis  31.  Mai  1917  erwachfene  Höhe  bei  den  einzelnen  Titeln  als  „ZufchuB  der
Wohlfahrtzentrale“  aufgeführt  ift.
Verwundeten  -  lieberfLiftrung.
Zufdiuß  der  W.-Z.  Mb.  23697,53.  Insgefamt  wurden  9  584  Verwundete ­
  in  54  großen  Transporten  und  außerdem  noch  624  Verwundete
einzeln  überführt.  Am  Bahnhof  erfolgten  420  Hülfeleiftungen  und  65  Umladungen. ­
  In  30  Fällen  wurden  Begleitmannfdiaften  geftellt.  ln  dem  Warteraum ­
  der  auf  dem  Uauptbahnhofe  eingerichteten  ftändigen  Sanitätswache
fanden  14  Uebernachtungen  von  Verwundeten  |tatt,  welche  keinen  Eifenbahnanfchluf?
  erreichen  konnten.*)
Für  die  Ueberführung  der  Verwundeten  vom  Bahnhof  in  die  Lazarette
wurden  (tädtifche  Straßenbahnwagen  hergerichtet.  Für  den  Lazarettzug
des  Regierungsbezirks  Dü||eldorf  wurden  2  Eifenbahnwagen  mit  je  zehn

')  Die  Vereinigung  „Kriegerwohl“,  welche  fich  fpäter  dem  Nationalen  Frauendienft  und  dem
roten  Kreuz  antchlofj,  verpflegte  am  Bahnhofe  an  einzelnen  Tagen  bis  zu  5000  Mann  durchfahrender ­
  Truppen.  Die  Mittel  wurden  durch  freiwillige  Spenden  aufgebracht  und  beliefen  [ich  auf
rund  Mk.  40000,—.
        <pb n="28" />
        m

26

I  i
■

Betten  und  den  nötigen  Einrichtungsgegenftänden  ausgeftattet,  fowie  für
denfelben  ein  Pfleger  der  Sanitätskolonne  zur  Verfügung  geftellt.  ')
Verwundeten  -Pflege.
Zufchuji  der  W.-Z.  Mk.  103  752,91.  In  dem  Vereinslazarett  Klee|tra(ie
und  der  ihm  angefchlo||enen  Klinik  des  Herrn  Sanitätsrat  Dr.  Stood,  fowie
eine  Zeitlang  audi  in
der  Krippe,  fanden
bis  31.  Mai  1917
2205  Verwundete
an  148341  Verpflegungstagen ­
  Aufnahme. ­
  Die  Höchftzahl
  der  gleichzeitig
belegten  Betten  betrug ­
  in  den  Lazaretten ­
  240  und
außerhalb  derfelben
noch  47.
Das  auf  Veranlaffung
  der  Linien-Kommandantur
  eingeriditete
  fliegende

Lazarett  in  der  Emilien  ftraf^e
für  Uebernachtung  durchreifender ­
  Verwundeter  erübrigte  (Ich
durch  die  Einrichtung  der
Lazarettzüge.
Die  Verwundeten  -  Nadiweisftelle
  im  Rathaus  erteilte
in  1882  Fällen  Auskunft,  erledigte ­
  16160  unvollftändig
oder  unrichtig  adreffierte  Po|tfendungen
  und  zenfierte  19  279
Poftkarten  an  Kriegsgefangene.
Die  Nachweisftelle  fühl  t  eine  Innere  Einridifung  der  Straßenbahnwagen.
')  Eine  am  25.  Januar  1915  vom  Nationalen  Frauendientt  veranftaltete  Geldfammlung  ergab
Mk.  41500,  —.  Aus  dieter  Summe  wurde  als  Geburtstagsgabe  für  S.  Majeftät  den  Kaifer  die  Befdiaffung
  von  18  Lazarettanhängewagen  für  je  3  Verwundete  beftritten.

Straßenbahn-Wagen  für  Verwundeten-Ueberführung.
        <pb n="29" />
        Kartothek  über  je  25000  alphabetifch  bezw.  nach  Truppenteilen  geordnete
Namen.
Es  wurden  22  Ausbildungskurfe  für  Pflegeperfonal  mit  809  Teilnehmern ­
  veranftaltet.

Sammelwagen  am  Liebesgabenlage.

Liebesgaben.
Zufdiufc  der  W.-Z.
Mk.  354224,44.  Die
urfprüngliche  Sammelftelle
  im  Merkurhaufe
hat  unmittelbar  an  rund
2000  Krieger  Wollfachen
  ausgegeben.
Weiter  wurden  an
Liebesgaben  an  die
Truppen  im  Felde  abgefandt:
  1360  Kiften,
10  400  Pakete  (nidit
eingefchloffendieWeihnachts
  -  Pakete),  deren
Inhalt  unter  anderem  beftand  aus:

12500  Hemden,  5000  Unterjacken,
8250  Unterhofen,  9500
Paar  Stauchen,  1500
Schals,  5400  Wolldecken, ­
  45000  Geduldfpielen,
  130  Kiften  Seife,
12  000  P.  Strümpfen, 1 )
Lebensmitteln  u.  a.

Befondere  Erwähnung ­
  verdient  der  auf
Veranlagung  derWohlfahrtzentrale
  am  7,Okt.
1914  vom  Nationalen
Frauendienft  veranftaltete


Verfand  von  Liebesgaben.
‘1  Um  zum  Stricken  möglichll  vieler  Liebesgaben  anzuregen,  veröffentlichte  die  Wohlfahrtzenlrale
  in  der  Preffe  die  genauen  Angaben  für  die  Anfertigung  von  Socken,  Ohren-  und  Kniewärmern, ­
  Leibbinden,  Schals  ufw.
        <pb n="30" />
        28

Liebesgabentag.,
welcher  Liebesgaben  im  Gefamtwerte  von  mindeftens  Mb.  300000,—  einbrachte, ­
  und  zur  alsbaldigen  Nachahmung  feitens  einer  fehr  großen  Zahl
anderer  deutfcher  Städte  führte.*)

Ein  Sammelraum  am  Reichswolltage.

Auf  Veranlaffung  des  Kriegsausfchu|Jes  für  warme  Unterkleidung  fand
unter  Mitwirkung  des  nationalen  Frauendienftes  am  20.  Januar  1915  der

')  Der  damalige  ftellvertreiende  kommandierende  General  des  VII.  Armeekorps,  nachmalige
Generalgouverneur  von  Belgien,  Exzellenz  Freiherr  von  Biffing,  fchrieb  über  den  Liebesgabentag
an  den  Herrn  Oberbürgermeifter  wie  folgt:
„Ihr  gefl.  Bericht  über  den  Erfolg  des  von  dem  dortigen  Zweigverein  vom  Roten  Kreuz  am
7.  Oktober  veranftalteten  Liebesgabentages  hat  mich  mit  aufrichtiger  Freude  erfüllt.  Das  Ergebnis
ift  ein  geradezu  erfiaunliches  und  —  ich  muß  Tagen  —  in  diefem  Umfange  nicht  von  mir  erwartet
worden.  Die  hochgerühmten  Frühlingstage  von  1813  fcheinen  in  Barmen  in  der  Tat  übertroffen
zu  fein!  Ehre  diefer  patriotirchen  Stadt,  in  der  auch  der  Gedanke  der  Anlage  von  Ehrenfriedhöfen
zuerfi  entffanden  ift.  Dass  die  Opferfreude  in  allen  KreiTen  der  Barmer  Bürgerfchaft,  ohne  Unter-Tchied
  von  Rang  und  Stand,  von  Partei  und  Konfeffion  eine  gleichmäßig  große  war,  gereicht  der
Wupperftadt  zu  hohem  Ruhme.  Es  ilt  ein  Flammenzeichen  vaterländifdier  Begeifterung,  wie  es
herrlicher  wirklich  nicht  aufzuleuchten  vermag!  Ein  folger  Geift  ifl  herzerhebend.  Er  gibt  unterm
Heere  eine  unbezwingbare  Kraft  und  verbürgt  uns  den  Sieg  unterer  gerechten  Sache.  Walte  es  Gott!
Ich  bitte  Sie,  verehrter  Herr  Oberbürgermeifler,  der  Bevölkerung  Ihrer  arbeitstüchtigen  Stadl
für  ihre  überaus  patriotifche  Betätigung  meinen  wärmften  Dank  zum  Ausdruck  zu  bringen:  fie  wird
unvergeffen  bleiben  in  der  Gefchichte  diefer  großen  Tage.“
        <pb n="31" />
        Versand  von  Liebesgaben-Paketen  ins  Feld.
        <pb n="32" />
        29

Reichswolltag.
ftatt.  Die  gefammelten  Woll[achen  füllten  50  Möbelwagen.  Die  Verarbeitung
der  alten  Kleidungsftücbe,  Stofflappen  ufw.  zu  Decken,  Weften  und  Hofen,
erfolgte  nach  der  Desinfektion  durch  160  Näherinnen  in  zwei  zur  Verfügung
ge|tellten  großen  Räumlichkeiten.  U.  a.  gingen  auch  rund  14000  Teppidie,
Läufer,  Vorlagen  und  Fußmatten  für  Schützengräben  ein.  Der  Verkauf
von  Lumpen  ergab  Mk.  11619,63.
Ganz  befondere  Liebe  und  Sorgfalt  galt  in  jedem  Kriegswinter  der
Maffen-Ausfendung  inhaltsreidher
Weihnachts-Pakete,
foweit  als  möglich  an  die  Barmer  Krieger  perfönlidi  und  im  übrigen  zur
allgemeinen  Verteilung.  Es  gingen  heraus:
Weihnachten  1914:  9400  Pakete  im  Werte  von  Mk.  65  800
„  1915:  14250  „  „  „  „  „  142500
„  1916:  14900  „  „  „  „  „  96  900
Der  Inhalt  der  Pakete  beftand  im  letzten  Winter  u.  a.  in  Zigarren,  Zigaretten,
Tabak,  Hofenträgern,  Tafchentüchern  und  wollenen  Strümpfen. 1 )  Für  die
Weihnachten  1917  auszufendenden  Pakete  find,  weil  deutfche  Tabakfabrikate
felbft  zu  hohen  Preifen  kaum  noch  erhältlich,  vorforglidi  bereits  300  Mille
gute  Zigarren  in  Holland  eingekauft.
Ueberhaupt  bereitet  ja,  nachdem  die  häuslichen  Beftände  geräumt  und
Kleidungsftücke,  fowie  die  wichtigften  Lebensmittel  dem  freien  Handel  entzogen ­
  find,  die  Befchaffung  von  Natural-Liebesgaben  immer  mehr  unüberwindliche ­
  Schwierigkeiten. 2 )
Audi  empfielt  es  [ich,  einige  befonders  wichtige  Erfrifchungsmittel,  z.  B.
Mineralwaffer  für  die  heifie  Jahreszeit,  Rotwein  für  Malariakranke  in  den
füdlidien  Kriegsgebieten  durch  den  vorzugsweife  belieferten  Bezirksverein
vom  Roten  Kreuz  im  großen  einkaufen  zu  la|Jen.
Die  W.-Z.  wu(ite  daher  unfern  Helden  an  der  Front  die  Dankbarkeit
der  Heimat  nidit  beffer  zu  bekunden  als  durch  Ueberweifung  erheblicher,
für  jeweils  zweckdienliche  Liebesgaben  beftimmter  Barmittel.  Unter  Berüd^-‘J
  Für  die  Weihnachisfendungen  durch  den  Barmer  Zweigverein  vom  Roten  Kreuz  veranrtalteie
  befondere  Geld-  und  Naturalien  -  Sammlungen  ergaben  an  Wert  1914:  Mk.  48  270.
1915:  Mk.  74720.  1916:  Mk.  18260.  Die  Sammelbüchfen  des  Zweigvereins  vom  Roten  Kreuz
brachten  eine  Einnahme  von  Mk.  7409.19,  ein  am  16.  Mai  1915  veranftalteter  Poflkartentag
Mk.  2220,66  und  der  am  6.  Juni  1916  abgehaltene  Barmer  Nichtrauchertag  Mk.  3448,77.  Der  Erlös
aus  der  Rote-Kreuz-Pfennig-Sammlung  betrug  Mk.  11039,30.
2 )  Erfreulicherweife  werden  die  Truppen  durch  die  Heeresverwaltung  auskömmlich  mit
wollenen  Winterfachen  verforgt.
        <pb n="33" />
        30

fichtigung  auch  unferer  tapferen  Bundesgenoffen  erhielten:  der  Bezirhsverein
vom  Roten  Kreuz  Düffeldorf  Mh.  144000,  das  öfterreichifdie  Rote  Kreuz
Mh.  1500,  das  bulgarifche  Rote  Kreuz  Mh.  2500,  der  Rote  Halbmond
Mh.  1632.
Zur  geiftigen  Anregung
und  Stärhung  der  Feldtruppen ­
  überwies  die  W.-Z.
ferner  dem  Ausfdhuß  für
fahrbare  Kriegsbüchereien
an  der  Front  eine  Spende
von  Mh.  2000.—  für  eine
fogen.  „Bildungshanone“,
welche  auf  8  aufhlappbare
Kiftenhoffer  verteilt,  1600
ausgefucht  gute  Bücher
unterhaltenden,  belehrenden ­
  und  humoriftifchen  Inhaltes ­

  umfaßt.  Jedes  Buch  wurde  mit  „Exlibris“
verfehen.  Auch  fandte  die  Wohlfahrtzentrale
durch  Vermittlung  des  Zentralhomitees  vom
Roten  Kreuz  4  Unierhaltungskifien  ins  Feld,
jede  derfelben  für  einen  hompagnieftarhen
Truppenteil  beftimmt,  Inhalt:  Freiluft-  und  Gefellfchaftsfpiele,
  Liederbücher  und  Anweifungen
für  Vortragsabende.
Schließlich  abonnierte  die  W.-Z.  auf  125
Exemplare  der  Zeitung  „Feldpoft“  im  Betrage
von  Mh.  500  pro  Jahr.  Ein  Teil  diefer  Exemplare
gelangte  in  den  Barmer  Lazaretten  zur  Verteilung, ­
  der  Reft  wurde  zur  allgemeinen  Verwendung ­
  an  die  Truppen  ins  Feld  gefandt.
Auskunftsffelle  und  Kriegsgefangenen-Fürforge.
Zufchuß  der  W.-Z.  Mh.  96  235,38.  Die  Aushunftftelle  umfaßt  in  der
Ermittlung  von  vermißten  und  verfchollenen  Kriegern,  fowie  in  der  Fürforge
  für  die  Kriegsgefangenen  im  feindlichen  Auslande  faßt  den  gefamten
Regierungsbezirh  Düfjeldorf,  mit  Ausnahme  weniger  Stadtbezirhe.  In  der
Uebermittlung  von  Geldbeträgen  an  deutfche  Kriegsgefangene  wird  fie

Exlibris  für  die  fahrbare  Bücherei.
        <pb n="34" />
        31

von  dem  größten  Teil  der  Rheinprovinz  benutzt.  Die  Auskunftftelle  befchäftigt
  über  40  Angeftellte,  darunter  Korrefpondenten  in  franzöfifch,  eng-Iifch,
  italienifch  und  ruffifch  für  den  Verkehr  mit  den  Auskunftftellen  der
feindlichen  Kriegsminifterien.
Der  Gang  der  Nachforfchungen  z.  B.  nach  einem  im  Weften  Vermißen
ift  folgender:  es  wird  zunächft  ein  Antragsformular  ausgefüllt,  enthaltend,’:

Biicherkoffer  (gefcliloffen).

Namen,  Dienftgrad,  Geburtstag,
Geburtsort,  ganz  genaue  Bezeichnung ­
  des  Truppenteils,  feit  wann
und  wo  vermiet,  Namen  der  Angehörigen. ­
  Alsdann  wird  bei  dem
betreffenden  Truppenteil  angefragt
nach  der  Erkennungsmarke,  wann

Biicherkoffer  (aufgekiappi).

und  wo  vermiet,  verftorben,  ob  in

Einzel-  oder  Maffengrab  beerdigt,  ob  Nachlaßfachen  vorhanden.  Weitere
Nachforfchung  erfolgt  beim  Zentral-Nadiweisbüro  des  deutfdien,  englifchen
und  franzöflfchen  Kriegsminifteriums,  beim  Roten  Kreuz  in  Genf,  fowie  bei
dem  Büro  der  „nouveiles  des  soldats“  in  Paris.  Sind  alle  diefe  Anfragen
erfolglos  geblieben,  fucht  die  Auskunftftelle  Namen  und  Aufenthaltsort
(Gefangenenlager)  gleichzeitig  mit  dem  Vermieten  in  Verluft  geratener

Kameraden  zu  erfahren,  um  dann  durch  deren  amtliche  Vernehmung  den

Verbleib  des  Vermieten  zu  ermitteln.  Auf  folche  Weife  gelingt  es,  in  einer
fehr  großen  Zahl  von  Fällen  Gewißheit  über  das  Schickfal  Verfchollener
zu  erlangen.  Es  wurden  bis  31.  Mai  1917  erledigt:  176  947  mündlidie  Auskünfte, ­
  317  583  fchriftliche  Gefuche  und  Briefe.  Ferner  wurden  an  Kriegs-
        <pb n="35" />
        32

gefangene  vermittelt:  96228  Brief  fendungen,  30620  Geldfendungen,  für
welch  letztere  [ich  die  Auskunftftelle  der  Filiale  der  Deutfchen  Bank  Barmen,
der  Deutfch-Afiatifchen  Bank  Berlin,  der  Schweizerifchen  Kreditanftalt  Zürich
und  des  Deutfchen  Hülfsvereins  Stockholm  bedient.
Verpackt  und  verfandt  wurden  79  350  Poftfendungen.  Der  Paketverfand
  hat  nachgelaffen,  weil  geeignete  Waren  im  Inlande  nidit  mehr  zu

Feldpoftpackerei  des  Zweigvereins  vom  Roten  Kreuz.

befchajfen  find.  Als  Erfat?  vermittelte  die  Auskunftftelle  einen  Verfand  von
Liebesgaben  an  deutfche  Kriegsgefangene  aus  dem  neutralen  Auslande,  in
Sonderheit  der  Schweiz.  Seit  November  1916  konnten  in  der  Weife  8925
Pakete  ausgefandt  werden.
Die  Auskunftftelle  betrachtet  es  auch  als  ihre  Aufgabe,  Beziehungen
zwifchen  den  Familien  anzuknüpfen,  deren  Angehörigen  (Ich  in  den  gleichen
Gefangenenlagern  befinden,  und  veranftaltet  zu  diefem  Zwecke  häufiger
abendliche  Zufammenkünfte,  in  welchen  aus  der  Gefangenfdiaft  Entlaffene
oder  Rote-Kreuz-Sch  weftern,  welche  die  Gefangenenlager  befudit  haben,
ihre  perfönlichen  Eindrücke  wiedergeben,  auf  Fragen  Auskunft  erteilen  ufw.
Für  deutfche  Gefangene  in  Sibirien  wurden  aus  den  Mitteln  der  W.-Z.
dem  Oberpräfidium  in  Coblenz  Mk.  28000,—  überwiefen.
’)  Zwei  Sammlungen  des  Ausrdmffes  für  Kriegsgefangenenfürforge  erbrachten  Mk.  25000,—
bezw.  Mk.  30000,—.
        <pb n="36" />
        Versand  von  Liebesgaben  an  deutsche  Kriegsgefangene.
        <pb n="37" />
        b)  Fürsorge  für  die  Angehörigen  der  Kriegsteilnehmer.
Wie  die  meiften  Lieferungsverbände,  fo  gewährte  auch  die  Stadt  Barmen
zu  Anfang  des  Krieges  den  Familien  der  Kriegsteilnehmer  für  die  über
eine  gewiffe  Zahl  hinausgehenden  Familienmitglieder  keine  Kriegsunter-|tüt?ung.
  War  ausnahmsweife  eine  lieberfchreitung  des  feftgefetjten  Hoch  ftfatjes
  erforderlich,  fo  wurden  aus  den  Mitteln  der  Wohlfahrtzentrale  Zufchüffe
  gewährt.  Diefe  beliefen  fleh  von  Kriegsbeginn  bis  Ende  Juli  1915
auf  insgefamt  Mb.  6868,—.  Ab  1.  Auguft  1916  hat  der  Lieferungsverband
Barmen  die  Befchränhung  der  Höhe  der  Unterftü^ungen  aufgehoben  und
gewährt  feitdem  für  jeden  Kopf  eines  Haushaltes  Unterftühung.
Weil  im  Gefet?  für  die  Kriegsunterftütjung  der  Eltern  eines  Kriegsteilnehmers ­
  ein  um  die  Hälfte  niedrigerer  Sat-s  vorgefehen  i|t,  als  für  feine  Ehefrau, ­
  gewähren  viele  Lieferungsverbände  den  Eltern  weniger  Kriegsunterftütjung,
  als  den  Ehefrauen.  Mit  Hilfe  der  W.-Z.  konnte  in  Barmen  die
Kriegsunterftü^ung  für  Eltern  fo  hoch  bemeffen  werden,  wie  für  Ehefrauen.
Die  W.-Z.  leiftete  von  Kriegsbeginn  bis  Ende  Mai  zu  diefem  Zwecke  insgefamt ­
  einen  Zufchuf?  von  Mk.  313  570,—.  Außerdem  hat  die  W.-Z.  die
in  Fällen  befonderer  Bedürftigkeit  über  die  Regelleiftungen  des  Lieferungsverbandes ­
  erforderlich  gewefenen,  befonderen  Unterführungen,  von
Kriegsbeginn  bis  Ende  Mai  1916  insgefamt  Mk.  15  000,—  getragen.
Liebesgaben  für  Kriegerfamilien.
Zufchuf?  der  W.-Z.  Mk.  31158,85.  Im  Merkurhaufe  wurden  an  rund
3000  Kriegerfamilien  Kleidungs-  und  Wäfcheftücke  ausgegeben.  Erftlingswäfche
  gelangte  durch  den  Vaterländifchen  Frauenverein  und  den
Nationalen  Frauendienft  zur  Ausgabe.
Weißnacßtsgaben  für  Angeßörige  verdorbener  oder  verwundeter  Krieger.
Zufchuj?  der  W.-Z.  Mk.  2536,—.  Im  Jahre  1916  mufhe  von  einer  Befcherung
  abgefehen  werden,  da  Lebensmittel  und  Kleidungsftücke  nicht
mehr  erhältlich  waren.
2.  Kriegs-Beschädigten-Fürsorge.
Durch  eine  ausführlich  begründete  Eingabe  an  den  Yorftand  des
Vereins  für  Gemeinwohl  regte  die  Wohlfahrtzentrale  am  22.  Februar  1915
die  Bildung  eines  Ortsausfchuffes  für  Kriegsbefchädigten-Fürforge  und  die
Befolgung  folgender  Richtlinien  an:
1.  Fortlaufende  Anmeldung  aller  ortsanwefenden  Kriegsbefchädigten.
2.  Feftftellung,  was  der  einzelne  Verftümmelte  noch  leiften  kann.
        <pb n="38" />
        %

!

3.  Unterricht  und  Uebung,  um  den  Ausfall  wett  zu  machen  oder  nötigenfalls ­
  unter  Berückfchtigung  des  Lebensganges  und  der  bisherigen  Tätigkeit ­
  Beratung  und  Vorbereitung  für  einen  neuen  geeigneten  Beruf.
4.  Vermittlung  einer  Arbeitsgelegenheit  für  den  laut  3  neu  Orientierten,
wenn  irgend  möglich  in  feinem  Heimatsorte  und  in  feinem  alten  Berufe.
Dem  Anträge  wurde  (tattgegeben.  Der  unter  dem  Vorffe  des  Herrn
Oberbürgermeifters  gebildete  Ausfchuf  fchlofs  |ich  an  die  inzwifchen  ins
Leben  gerufene  Provinzial-Organifation
  für  Kriegsbefchädigte
  an.  Für  Handwerker
An-  und  Umlernung,  Linksfchrift,
  Patronenzeichnen,
kaufmännifches  Rechnen  ufw.
finden  freie  Unterrichtskurfe
in  den  fädtifchen  Fach-  und
Fortbildungsfchulen  ftatt.  Für
die  in  diefen  Kurfen  erforderlichen ­
  Lernmittel  bewilligte
die  W.-Z.bis  zum  31.  Mai  1917
Mk.  288,45.  Die  in  den
Barmer  Lazaretten  untergebrachten ­
  auswärtigen  Befchädigten  erhalten  mit  Rückficht  auf  die  unbeftimmte
  Dauer  ihres  Aufenthaltes  nur  Berufsberatung  und,  abgefehen  von
Linksfchrift-Unterricht,  nur  geiftige  Anregung  durch  gefchichtliche  Vorträge,
Gefang  ufw.,  dagegen  keinen  praktifchen  Fachunterricht.
Zur  Herfellung  vervollkommneter  Erfafglieder,  insbefondere  künftlicher
Beine,  bewilligte  die  W.-Z.  den  Betrag  von  Mk.  3000.—.
Die  Wohlfahrtzentrale  felbft  befchäftigt  eine  gröfere  Anzahl  Kriegsbefchädigter
  in  ihren  Werkftätten  für  Schuhmacherei,  Korbfechtere!  und
Inftandfefung  von  Ausrüftungsgegenfänden.
Erwähnt  fei  auch  an  diefer  Stelle  die  gelegentlich  der  Barmer  Ausftellung
  für  Verwundeten-  und  Krankenfürforge  im  Kriege  in  der  Textilfchule
  erfolgte  Vorführung  Kriegsbefchädigter  bei  der  Arbeit.
3.  Krieger-Witwen-  und  Waisen-Fürsorge.
Im  Oktober  1916  wurde  durch  die  Wohlfahrtzentrale  eine  Fürforgefelle
  für  die  Hinterbliebenen  der  im  Kriege  Gefallenen  mit  folgender
Arbeitsanweifung  ins  Leben  gerufen:

Kriegsbefchädigfe  bei  der  Arbeit
auf  der  Barmer  Ausftellung  1915

34
        <pb n="39" />
        Während  es  (ich  bei  den  Angehörigen  der  lebenden  Feldzugsteilnehmer
  um  eine  vorausfichtlich  vorübergehende  Fürforge  handelt,  fehen
(ich  die  Hinterbliebenen  vor  eine  neue  wirtfchaftliche  und  perfönliche  Lage
geftellt,  die  eine  endgültige  i|t.  Es  ift  infolgede|fen  darauf  zu  fehen,  möglidift
  bald  einen  Dauerzuftand  zu  fchaffen.  Ziel  ift,  die  Kriegerwitwen  in
den  Stand  zu  fetten,  möglich  ft  aus  eigener  Kraft  ihren  Hausftand  fortzuführen ­
  und  ihre  Kinder  fo  zu  erziehen  und  ausbilden  zu  laffen,  da(?  auch
diefe  dereinft  in  einer  ihren  Fähigkeiten  angepafcten  Tätigkeit  (ich  felbft
ihren  Lebensunterhalt  und  eine  der  fozialen  Stellung  ihres  Vaters  möglichft
entfprechende  Lebensftellung  erwerben  können.
Fürforge  für  Kriegerwitwen.
Beratung  in  Bezug  auf:
a)  Geltendmachung  der  Rentenanfprüche,  Feftftellung  des  früheren  Einkommens ­
  des  Gefallenen  für  Stellung  des  Zufah  -  Renten  -  Antrages.
Wegfall  der  Rente  bei  Wiederverheiratung.  Anfprüche  an  Invaliden-,
Angeftellten-  oder  Lebens-Verfieherung,  Krankenka|fen  -  Sterbegeld,
Truppenlöhnung  für  Vermiete.
b)  Erbfchaftsauseinanderfetjungen  und  Nachla(?regeln,  Regelung  etwaiger
früherer  Sdiulden.  Abfchlagzahlungsgefdiäfte  (Verhandlung  mit  Gläubigern ­
  betr.  teilweife  Niederfchlagung  ihrer  Forderung,  Abtretung  der
Gläubiger-Rechte  zwecks  Sicherung  des  Mobilars).
c)  Fortführung  des  felbftändigen  Erwerbsbetriebs  des  gefallenen  Ehegatten:
Prüfung  der  Frage,  ob  die  Witwe  hierzu  die  erforderlichen  Kenntniffe
und  Fähigkeiten  befitjt,  Ermöglichung  einer  etwa  noch  erforderten
Ausbildung,  Hilfe  bei  der  Befdiaffung  von  Betriebsmitteln,  Rechtsberatung ­
  bei  Betriebsübernahmen,  Vermittlung  und  Beiftand  gegen  Uebervorteilung
  bei  Gewinnung  von  Hilfs-  und  Arbeitskräften.
d)  Wiederaufnahme  einer  vor  der  Ehe  ausgeübten  Erwerbstätigkeit:
Stellen-  und  Arbeitsvermittlung,  Beihilfe  zur  Berufsausrüftung  (Nähmafchinen
  und  dergl.).
e)  Eintritt  in  eine  neue  Erwerbstätigkeit:  Beratung  bei  der  Berufswahl,
Ermöglichung  einer  etwa  erforderlichen  Ausbildung  und  fonftiger  Berufsausrüftung, ­
  Stellen-  und  Arbeitsvermittlung.
Bei  Witwen  und  Kindern  unter  15  Jahren  foll  in  allen  Fällen  darauf
gefehen  werden,  daf?  die  Familie  möglichft  nicht  auseinander  geri|fen  wird.
Dabei  mu|?  die  Mutter,  wo  ihre  Berufstätigkeit  die  Aufficht  der  Kinder
beeinträchtigt,  durch  Aufnahme  der  Kinder  in  Krippen,  Kindergärten,  Kinder-35
        <pb n="40" />
        36

horten  und  dergl.  unterftütjt  werden.  Für  Wöchnerinnen  kommt  Wochenund
  Säuglingspflege  in  Betracht.
Bezüglich  der  Berufsberatung  und  Stellenvermittlung  ift  darauf  Bedacht
zu  nehmen,  die  Witwen  möglidift  in  gewohnten  und  vertrauten  Verhältnijfen
  zu  bela|fen,  wobei  auch  auf  die  Gefundheit  und  Erziehung  der  Kinder
Rückficht  zu  nehmen  i|t.  Kränklichen  und  leidenden  Witwen  find  durch
ärztliche  Behandlung,  Schwefternpflege,  Haushilfe,  Heilftättenaufnahme  ufw.
die  Kräfte  zu  ftärken.
Fürforge  für  die  Krieger-  Waifen.
a)  Gefundheitspflege:  Nutzung  der  beftehenden  Wohlfahrtseinriditungen,
Mutterberatungsftelle,  Säuglingsheim,  Ferienkolonien  ufw.
b)  Erziehung,  Schulbildung  und  Berufsberatung:  Vormundfchaft,  Adoption,
laufende  Angabe  der  Kriegerwaifen  durch  die  Lehrer  mit  Bemerkungen
über  ihre  Gefundheit.
Als  unmittelbare  Zweigniederla||ung  der  Wohlfahrtzentrale  war  die
Fürforgeftelle  bis  zum  31.  März  1917  tätig.  Dann  wurde  (ie  der  Stadtverwaltung ­
  angegliedert,  bezw.  räumlich  dem  Kriegsunter  ftütjungsamt  angegliedert, ­
  weil  die  Kriegshinterbliebenen-Fürforge  unmittelbar  aus  der  Kriegerfamilien-Fürforge
  herauswächft  und  durch  eine  Vereinigung  der  beiden
Stellen  der  Einzelfall  belfere  Behandlung  finden  kann.
Solange  die  Fürforgeftelle  durch  die  W.-Z.  verwaltet  wurde,  galt  für
fie  als  wichtigfter  Grundfat?  die  perfönliche  Anteilnahme  an  den  Kriegerwitwen ­
  und  -Waifen.
Die  foziale  Fürforge  erftreckte  fleh  auf  Gefundheitspflege,  wirtfdiaftliche
Förderung,  Arbeitsbefchaffung  und  Erziehung  der  Kinder.  Von  den  Kriegerwitwen ­
  ftanden  im  Alter  von:
20  bis  29  Jahren  312  l )
30  „  39  „  361
40  „  49  „  51
Es  hatten  keine  Kinder  25%%,  l  Kind  33  °/ 0 ,  2  Kinder  25%,  3  Kinder  10%,,
4  Kinder  5%,  5  Kinder  'AD/o,  6  Kinder  Va°/o,  7  und  mehr  Kinder  1 U°/o,

')  Kriegstrauungen  wurden  bis  zum  18.  Mai  1917  in  Barmen  1113  gefchloffen  und  war  der
Altersaufbau  der  Ehefchliejjenden  lolgender:

Alter

männl.

weiblich

17

3

18

—

13

19

6

22

20

14

66

21

28

82

27

132

87

28

119

35

29

80

38

30

62

32

31

31

12

Aller

männl

weiblich

22

48

112

23

71

152

24

104

139

25

139

111

26

123

87

42

6

7

43

11

2

44

6

2

45

2

—

46

3

2

Aller

männl.

weiblich

32

30

18

33

16

20

34

22

10

35

18

10

36

9

3

37

14

4

38

6

7

39

5

4

40

4

4

41

4

1

Alter

männl.

weiblich

47

48

—

1

49

—

2

50

—

1

51

—

3

52

—

53

—

54

—

55

—

2

56

—

_
        <pb n="41" />
        Be[onderes  Intereffe  wurde  den  fchulentlaffenen  Kriegerwaifen  zugewandt. ­
  Knaben  und  Mädchen  wurden  der  Berufsberatungsftelle  zugewiefen,
um  fie  einen  Beruf  erlernen  zu  la|fen.  In  befonderen  Fällen  wurden  Mittel
zur  Ausbildung  bewilligt.  Blutarme  und  nervöfe  Kinder  wurden  während
des  Winters  durch  Vermittlung  des  „Vereins  zur  Pflege  deutfcher  erholungsbedürftiger ­
  Kinder“  in  Utrecht  wiederholt  nach  Holland  ausgefandt.
Den  Gefundheitszuftand  der  Witwen  anlangend,  ergab  die  Praxis,  daft
manche  Witwen  infolge  der  feelifchen  Erfdiütterungen  und  Sorgen,  die
ihnen  der  Krieg  gebracht,  unter  nervöfen  und  Gemütsftörungen  leiden,
welche  zunächft  ein  fchweres  Hemmnis  für  ihre  Erwerbstätigbeit  bilden.
Bei  anderen  Witwen  waren  Schwächen,  Gebredien  oder  Krankheiten,
welche  fie  [chon  in  ihrem  früheren  Leben  erlitten,  weniger  ihrer  Betätigung
im  Hausftande  hinderlich  gewefen,  als  fie  (ich  jetd  für  die  Uebernahme
einer  Erwerbstätigbeit  erweifen.  In  allen  betreffenden  Fällen  war  durch
Kur-  oder  Erholungsaufenthalt  zunächft  der  Gefundheitszuftand  zu  heben.
Was  die  Erwerbstätigbeit  der  Kriegerwitwen  vor  der  Ehe  betrifft,  fo  ift  bemerkenswert, ­
  daf?  30%  aller  Witwen  nie  beruflidi  tätig  gewefen  find.  Unter
den  Hinterbliebenen  waren  vor  der  Ehe,  foweit  bekannt:

Heimarbeiterinnen  43
Kaufmännifdie  Angeftellte  ....  13
Dienftmädchen  und  Hausangeftellte  .  90
Gelernte  Arbeiterinnen  149
Ungelernte  Arbeiterinnen  .  .  .  .186
Lehrerinnen  3

Nidit  alle  Frauen  find  heute  noch  erwerbsfähig.  Ein  Teil  kann  ohne
weiteres  in  den  früheren  Beruf  zurückkehren,  für  einen  Teil  kommen  Ergänzungs-
  und.Wiederholungskurfe  in  Betracht,  ein  anderer,  kleinerer  Teil
mufi  neue  Berufe  erlernen.  Nach  den  bisherigen  Erfahrungen  find  heute
30%  der  Witwen  erwerbstätig.
Ein  fchwieriges  Kapitel  ift  die  Ablöfung  der  Möbelfchulden.  5 / f)  aller
Familien  ift  verfchuldet  und  beläuft  (ich  die  bisher  berechnete  Gefamtverfchuldung
  auf  rund  Mk.  205000,—.  Soweit  Abfchlagszahlungsverpflichtungen
  beftanden,  wurde  durch  Verhandlung  mit  den  Gläubigern  dahin
gewirkt,  da(i  die  Bedingungen  entfprechend  der  jetzigen  Lage  der  Witwen
erleichtert  bezw.  bei  fofortiger  Abzahlung  eines  Teilbetrages  die  Schulden
zum  Teil  erlaffen  wurden.  Die  Ratenzahlungen  wurden  durch  Rückfprache
mit  den  Gläubigern  erneut  vereinbart  und  Beträge  feftgefetjt,  welche  die
Witwe  gut  leiften  konnte.
        <pb n="42" />
        Die  Fürforge  erftreckte  fleh  auf  folgende  Fälle:
Erhaltung  des  Gefchäftsbetriebes  1
Arbeitsvermittlung  42
Maßnahmen  zur  Wiederherftellnng  der  Gefundheit  bezw.  Befchaffung
eines  Kuraufenthaltes  8
Unterbringung  der  Kinder  :  2
Beftellung  eines  Pflegers  für  Kinder  2
Unterftübung  zum  Unterhalt  104
Befchaffung  von  Kinder-Freitifchen  42
Ausfendung  der  Kinder  35
Beihilfen  an  Abfchlagszahlungsgefchäfte  13
Mietsregelungen  2
Berufsberatung  und  Ausbildung  3
Anträge  zur  Erlangung  von  Beihilfen  für  Erziehungsaufwendungen  .  2
Erwirkung  von  Unterftübung  für  uneheliche  Kinder  3

In  dauernde  Pflegfchaft  genommen  wurden  25  Familien.  Die  Geldausgaben ­
  zu  Unter  ftübungszwecken  aller  Art  beliefen  (ich  auf  Mk.  1966,51.
4.  Fürsorge  für  deutsche  Flüchtlinge  aus  dem  feindlichen  Auslande,
Ostpreussen  und  Eisass-Lothringen.
Es  wurden  156  Schadenanfpruch-Protokolle  aufgenommen  und  dem
Reichsamt  des  Innern  bezw.  dem  Auswärtigen  Amte  zur  weiteren  Veranlaffung
  überwiefen.
34  Anfragen  nach  dem  Verbleib  Verfchollener  wurden  erledigt.
Im  erften  Kriegsjahre  wurden  38  Kiffen  mit  Kleidern  und  Bettwäfche,
fowie  Mk.  1825,—  in  bar  nach  Oftpreuf?en,  Mk.  100,—  fowie  Wafche  und
Kleidungsftücke  nach  Elfafs-Lothringen  gefchickt.  Im  Frühling  1916  beteiligte
(ich  der  Nationale  Frauendienft  an  einer  Sammlung  des  Kreisverbandes
Barmen  der  evangelifchen  Frauenhülfe  für  0(tpreu(?en  und  konnte  eine
ganze  Anzahl  von  Gaben  an  Kleidern  und  Hausgeräten  dazu  beitragen.
Für  hilfsbedürftige  Deutfche  in  der  Bukowina  fpendete  die  Wohlfahrtzentrale ­
  Mk.  500.—.
        <pb n="43" />
        2.  Anpassung  an  die  Kriegsnotwendigkeiten.

a)  Auf  wirtschaftlichem  Gebiete.
Beschaffung  von  Arbeitsverdienst
Die  Hauptfache  ifi  der  Fleife,  denn  diefer  gibt
nicht  nur  die  Mittel  des  Lebens,  fondern  er  gibt
ihm  auch  leinen  alleinigen  Wert.
(Schiller  an  Körner.)
Lage  des  Arbeitsmarktes  und  Anregung  zur  Arbeitswilligkeit.
N  der  Ueberzeugung,  daf?  Arbeitsverdienft  mehr  noch  aus
moralifchen,  als  öhonomifchen  Gründen  weitaus  wertvoller,
als  die  Gewährung  von  Barunterftütjung  i|f,  betraditet  es
die  Wohlfahrtzentrale  feit  Kriegsbeginn  als  eine  ihrer
widitig|ten  Aufgaben,  den  Befchäftigungslofen  und  Bedürftigen ­
  Erwerb  zu  befchaffen.  l )
Da  es  [ich  überwiegend  um  die  Befchäftigung  weiblicher  Arbeitshräfte
handelte,  wurde  zunächft  von  dem  Nationalen  Frauendienft  in  den  Räum-Üdikeiten
  des  ftädtifchen  Arbeitsnachweifes  eine  befondere  Vermittlungsabteilung
  für  weibliche  Arbeitslofe  eingerichtet.  Seit  Beginn  des  Krieges  find
10  Damen  an  der  Arbeitsnachweisftelle  tätig,  deren  ftatiftifche  Aufzeichnungen
fchon  an  [ich  die  Lage  des  Barmer  Arbeitsmarhtes  kennzeidinen:
Vom  1.  Auguft  bis  31.  Mai  1915  konnten  von  13  221  weiblichen  Arbeitslofen
  nur  10095  befdiäftigt  werden,  darunter  8263  nur  mit  wenig  einträg-0

  Auch  die  Stadt  Barmen  vertrat  den  gleichen  Grundfatz,  indem  fie  in  den  erftcn  Kriegsmonaten ­
  Nottiandsorbeiten  (Wupperverbetferung,  Forflarbeiten)  im  Betrage  von  rund  Mk.  400000.—
ausfiihren  liejj-  Durch  den  flädtitdien  Arbeitsnachweis  wurden  etwa  1500,  vorwiegend  männliche
Arbeiter,  in  auswärtigen  Betrieben  (Essen  und  Hattingen)  untergebracht  und  für  diefelben  (eitens
der  Eirenbahndireldion  befondere  Arbeiterzüge  eingelegt.
Durch  die  weibliche  Abteilung  des  Arbeitsnachweifes  wurden  1150  Arbeiterinnen  nach  Troisdorf, ­
  Siegburg,  Mannheim-Waldhof,  Wipperführt,  Remscheid  und  Leverkufen  gefandt.

39
        <pb n="44" />
        40

liehen  Notftandsarbeiten  (Strichen  und  Nähen  für  die  Wohlfahrtzentrale)
und  1223  mit  Reinmachen  und  Wa[chen.  —  1915/16  fanden  von  14893  Bewerberinnen ­
  10  368  Arbeit,  von  ihnen  wiederum  5881  für  Rechnung  der
Wohlfahrtzentrale  und  2246  Putj-  und  Wafchfrauen.  —  1916/17  haben  [ich
die  Verhältni|fe  durch  die  Ausdehnung  der  Munitionsinduftrie  gebelfert.
Von  15001  Arbeitfuchenden  Frauen  konnten  13  871  untergebracht  werden,
darunter  7803  im  Lohn  der  Wohlfahrtzentrale  und  2822  als  Arbeitsfrauen.
Der  Textilinduftrie,  welche  (ich  inzwifchen  bei  umfangreidier  Verarbeitung ­
  von  Papiergefpinnften  auf  Kriegslieferungen  umge  (teilt  hatte,
fehlte  es  1916/17  an  gelernten  Arbeitskräften,  da  fie  nicht  die  hohen
Munitionslöhne  bezahlen  konnte.  Die  Eifenbahn-  und  Stra^enbahnfchaffnerinnen,
  Poft-  und  Eifenbahnbeamtinnen,  Stra^enkehrerinnen  ufw.  haben  (ich
meift  bei  der  fuchenden  Behörde  direkt  gemeldet.
Allzeit  war  das  gemeinfame  Beftreben  der  Stadtverwaltung  und  der
Wohlfahrtzentrale  darauf  geriditet,  den  Arbeitswillen  und  Arbeitseifer  der
Unterftüt^ten  möglichft  zu  fördern.*)

')  Die  nachfolgenden  rtädfifdien  Beffimmungen  über  Anrechnung  von  Einkommen  gelten
nur  als  Richtfchnur.  Ausnahmen  find  je  nach  der  befonderen  Lage  des  einzelnen  Falles  zuläffig.
Zundchfi  werden  alle  durdi  die  Uebernahme  von  Arbeit,  durch  den  Betrieb  eines  Gerchäfts
oder  Gewerbes,  die  Unterhaltung  eines  Haufes  und  ähnlicher  Tätigkeiten  entflehenden  befonderen
Ausgaben  bei  allen  Unferflützten  von  dem  Arbeitsverdienfl  abgezogen.  Die  hierbei  im  allgemeinen ­
  anzuretzenden  Beträge  für  Beauffichtigung  oder  volle  Pflege  der  Kinder,  Mehrbedarf  an
Effen,  Kleidung,  Schuhwerk,  Wäfche  und  Wafchmitteln,  Reinigung  der  Wohnung,  der  Treppen  und
des  Hausflurs,  Bahnfahrten,  Verfidrerungsbeiträge  ufw.  werden  vierteljährlich  vom  Kriegsunterftützungsausfehufe
  feftgefetzt  und  den  Kriegspflegern  mitgeteilt.  Sie  betragen  im  2.  Vierteljahr  1917  monatlich:
I.  bei  den  Kriegei  frauen
a)  bei  Arbeiterinnen  der  Schwerindullrie  mit  Naditfdiicht

Ehefrauen  der
Kriegsteilnehmer  Die  Ehefrauen  eines  Kriegsteilnehmers  mit

m.  eigenem  o.  eigenem
Haushalt  Haushalt
ohne  Kinder

1

2

3

4  5
Nebcnperfonen

6

7

8

Jt

.ft

.ft

.ft  -

.ft

.ft

.ft

.ft

.ft

.4t

1.  Beauffichtigung  der  Kinder  .

—

—

8

16

24

24

24

30

30

30

2.  Elfen

12

12

12

12

12

12

12

12

12

12

3.  Schuhe  und  Kleidung

8

8

8

8

8

8

8

8

8

8

4.  Wälche

6

6

6

6

6

6

6

6

6

6

5.  Reinigung  der  Wohnung,  Treppen
und  des  Hausflurs

4

4

4

4

4

4

4

4

4

4

6.  Bahnfahrten

4

4

4

4

4

4

4

4

4

4

34

34

42

50

58

58

58

64

64

64

b)  bei  den  Arbeiterinnen  dei

Sdiwei  induffrie,  die  nur  bei

T  a  &amp;lt;j  e

arbeiten,

lallt

die  Mehrausgabe

für  Effen

fort,  es

bleiben  alfo  abzugsfällig:

22

22

30

38

46

46

46

46

46

46

c)  bei  alten  anderen  Arbeiterinnen,  wenn

fie  ganze

Tage  arbeiten,  find  die

oben

unter  1,  4,

5  und  6  angeführten  Unkoffen

  abzugsfähig,  alfo

14

14

22

30

38

38

38

44

44

44

wenn  fie  halbe  Tage  arbeiten,  nur  die  oben  unter  1  und  6  angeführten  Unkoften,  alfo
4  4  12  20  28  28  28  34  34  34
        <pb n="45" />
        Durch  die  (tädtifchen  Unterftüßungsorgane  wird  in  jedem  Falle  die
Frage  der  Arbeitsfähigkeit  geprüft  und  wenn  die  Arbeitswilligkeit  eines
erwerbsfähigen  Antragftellers  zweifelhaft  i|t,  vor  Auszahlung  der  Unter-(tütjung
  die  Karte  des  Arbeitsnachweifes  verlangt,  um  feftzuftellen,  ob  fleh
der  betreffende  in  der  vorhergehenden  Woche  um  Arbeit  bemüht  hat.
Ohne  Zweifel  ift,  von  dem  Verdienft  abgefehen,  die  Befchäftigung  auch
mit  Strick-  und  Näharbeiten  eine  äußerft  nützliche,  da  die  Uebung  in  diefen
beinahe  verge|fenen  Fertigkeiten  den  Frauen  und  Mädchen  für  ihr  weiteres
Leben  zugute  kommt.
Geschäftliche  Einrichtungen.
Zur  Erlangung  von  Arbeitsaufträgen  läßt  die  Wohlfahrtzentrale  das
gefamte  deutfehe  Reich  bereifen.
Durdi  perfönliche  Befuche  erreichte  die  Wohlfahrtzentrale  mannigfache
Befürwortungen  des  Kriegs-,  Handels-  und  Eisenbahnminifteriums,  des  Reichsmarine-Amtes ­
  und  Reichspoftamtes,  der  Bergbauverwaltung,  verfchiedener
Generalkommandos,  des  Oberpräfidiums  der  Rheinprovinz  ufw.
An  Hand  eines  großen  Adreffenmaterials  (der  Korps-Bekleidungsämter,
Intendanturen,  Artillerie-Werkftätten,  Gefchoß-  und  Flugzeugfabriken,  fämtlicher
  Artillerie-,  Train-,  Proviant-  und  Sanitätsdepots,  Erfaßtruppenteile,
Referve-  und  Vereinslazarette,  GarnifonVerwaltungen,  Gefangenenlager,
Feftungskommandanturen,  Eifenbahn-,  Poft-  und  Bergbaubehörden,  fowie
induftrieller  Werke  aller  Branchen)  werden  regelmäßig  Maffenangebote  (an
einzelnen  Tagen  mehrere  Taufende)  hinausgefandt  und  durch  eine  Kartothek
fortlaufend  die  Erfolge  derfelben  überwacht.

II.  bei  den  in  Fabriken  und  fonltigen  gewerblichen  betrieben  arbeitenden  Kindern  oder  Gelchwifteni  von  Kriegsteilnehmern, ­
  die  die  Lehrzeit  vollendet  haben,
mit  Nadhtrchicht  monatlich  25  Mk.
ohne  Nachtrdiicht  monatlich  15  Mk.
Hierzu  kommen  noch  je  nach  Loge  des  Falles:
1.  Unkollen  für  befonders  hohe  Wohnungsmiete,  Siei  beauflagen,  VeiTidierungsbeiträge  und  -Prämien  aller  Arl,
2.  bei  Hausbefifeern  Hypolhekenzinfen,
3.  bei  Telbfländigen  Gewerbetreibenden  laufende  Gefdiäflsmieten  und  Gefdiäftsunkoften,
4  in  manchen  Fällen  auch  Schulgeld,  Möbelabzahlungsbeträge,  infoweit  fie  nadiweislich  im  vorhergehenden  Monat
gezahlt  worden  find,  bis  zur  Höhe  von  5  Mk.  monat  li  di,  Ausgaben  für  belfere  Ernährung  bei  Sdiwerkranken  ufw.
Mühen  Unterflützte  infolge  der  Arbeitsaufnahme  einen  doppelten  Haushalt  führen,  To  werden  hierfür  täglich  2  Mk.,
monatlidi  60  Mk.,  eingereizt  und  vom  Arbeitsverdienft  vor  der  Anrechnung  abgezogen.
Der  den  UnteiTtütztem  nadi  Abzug  aller  behinderen  Ausgaben  gemäß  Ziffer  2  verbleibende  Reingewinn,  das  fonftige
Einkommen  jeder  Art,  Renten,  Penfionen  ufw.  werden  auf  den  nädiflen  durch  10  Mk.  teilbaren  Betrag  —  alfo  Beträge  bis  zu
5  Mk.  cinrchließlidi  auf  den  nädiflen  niedrigeren,  Beträge  über  5  Mk.  auf  den  nädift  höheren  Betrag  —  abgerundet.  Die
Hälfte  diefes  Betrages  wird  auf  die  Sette  11/12  genannten  Säße  angerechnet:
Freiwillige  Zuwendungen  von  Privatperfonen,  insbefondere  früheren  Arbeitgebern  des  Kriegsteilnehmers,  die  die  Unterflützungsfä&amp;amp;e
  nidit  überfteigen,  Gewerkfdiaftsunlerfliißungen  und  Leiflungen  der  Kriegswochenhilfe  werden  überhaupt  nicht,
kleine  Erfparniffe  nur  mit  ihren  Zinfen  angerechnet.
Werden  die  Kinder  einer  arbeitenden  Unterflüßten  in  volle  Pflege  außerhalb  des  Haufes  gegeben,  fo  werden  die  Pflegekoften,
  wie  alle  anderen  durch  die  Arbeit  enthebenden  befonderen  Ausgaben,  vom  Arbeitsverdienft  abgezogen.  Bei  der  Anrechnung ­
  des  verbleibenden  Reingewinns  gelten  dann  die  Kinder  nidit  mehr  als  Nebenpei  Ionen  des  Haushalts  der  Unterftüßten.

41
        <pb n="46" />
        Alle  Werkftatt-  und  Heimarbeit  wird  ausfchliefffich  im  Akkord  entlohnt. ­
  In  den  Werkftätten  geben  Arbeitszettel,  welche  die  Anfertigung  von
Stufe  zu  Stufe  mit  durchlaufen,  genauen  Ausweis  über  den  Verbleib  des
Materials.  Befonderer  Wert  wird  auf  eine  bis  ins  kleinfte  durchgeführte
Arbeitsteilung  gelegt,  welche  durch  rutinemäfige,  laufende  Ausübung  ein
und  derfelben  Spezialarbeit  möglichft  rationelle  Arbeitsmethoden  ermöglicht. ­
  Ebenfo  wird  ftändig  auf  eine  Verbilligung  der  Betriebskoften  durch
Vervollkommnung  und  Vereinfachung  der  mechanifchen  Betriebseinrichtungen
Bedacht  genommen;  dem  Zwecke  dienen  u.  a.  Befichtigungen  muftergültiger
  ähnlicher  Anlagen,  fowie  Rückfprachen  mit  fachmännifchen  Perfönlidikeiten,
  u.  a.  auch  zufolge  befonderer  Genehmigung  mit  einzelnen  Leitern
militärifcher  Betriebe.
Die  größte  Sorgfalt  wendet  die  Wohlfahrtzentrale  in  ihren  wirtfchaftlichen
  Betrieben  der  überfichtlichen  Buchführung  zu.  Diefelbe  gewährt  ein
plaftifches  Bild  jeder  einzelnen  Abteilung.  Die  Bücher  find  derart  in  verfchiedene
  Konten  eingeteilt,  daf?  aus  ihnen  ohne  weiteres  die  Umfaffbilanz
gezogen,  die  ftädtifche  Buchführung  kontrolliert  werden  und  vor  allem  eine
Vergleichung  der  widhtigften  Unkoften  erfolgen  kann.  (Verhältnis  der
Akkord-  und  Tagelöhne,  Provifion  und  Reifefpefen,  Fracht-  und  Fuhr-Koften,
  Mieten  ufw.  ufw.)
Für  die  bei  Militäraufträgen  peinlich  zu  beobachtenden,  bis  ins  kleinfte
gehenden  Beftimmungen  find  befondere  Auftragsbücher  angelegt,  deren
Schema  die  betreffenden  Angeftellten  auf  alle  zu  beachtenden  Einzelheiten
hinweift.  Ebenfo  dienen  den  militärifchen  Anforderungen  befondere  Einrichtungen ­
  für  die  Regiftrierung  der  Lief  er-  und  Abnahmefcheine,  fowie  der
Verwürfe.
Die  Materialienbücher  find  für  die  häufig  verlangten  behördlichen  Beftandsaufnahmen
  überfiditlidi  eingerichtet;  u.  a.  wird  das  Konto  „Verpackungsmaterial“ ­
  genau  auf  Rückfendung  der  Kiften  ufw.  überwacht,  wie
denn  auch  fchon  lange  vor  der  entfprechenden  Verfügung  peinlich  fte
Sammlung  aller  Betriebsabfälle  zur  ftrengen  Durchführung  gelangte.
Die  Wohlfahrtzentrale  ift  gegen  aus  Feuer,  Diebftahl  und  Haftung  oder
aus  Verluft  frachtfrei  reifender  Güter  entgehenden  Schaden  verfichert.  Für
nächtliche  Bewachung  fämtlidier  Lager-  und  Betriebsräume  ift  ein  Vertrag
mit  der  Wach-  und  Schliefgefellfchaft  abgefchloffen.
Mafchinen  -  Anfchaffungen  werden  innerhalb  Jahresfrift  abgefchrieben,
dagegen  alle  anderen  Anlagen,  einfchlieflich  Werkzeug  und  Geräte,  in
laufender  Rechnung  auf  Unkoftenkonto  verbucht.
        <pb n="47" />
        43

Da  im  Laufe  der  Kriegsjahre  Fuhrlöhne  infolge  der  Futtermittelknappheit ­
  mehr  als  100%  geftiegen  find,  mietete  die  Wohlfahrtzentrale  zur  Bewältigung ­
  ihres  außerordentlich  großen  Frachtverkehrs  eigene  Privatfuhrwerke. ­
  Für  die  Pacherei  wurden,  foweit  als  möglich,  kräftige  Frauen
eingeftellt,  zu  leichten  Packarbeiten  (z.  B.  Verladen  von  Gefchoßkörben)
dagegen,  namentlich  in  den  Wintermonaten,  in  welchen  wegen  Kohlenmangels ­
  zeitweilig  die  Schulen  gefchloffen  werden  mußten,  Schüler  der
Oberkla|fen  höherer  Lehranftalten  herangezogen.
Strickerei.
Zunächft  wurden  von  der  Wohlfahrtzentrale  unter  tatkräftiger  Mitwirkung ­
  des  Nationalen  Frauendienftes  eingerichtet:  5  Ausgabeftellen  für

Ausgabe  von  Strickarbeit.

Strickarbeit  und  2  Strickftuben  zum  Anlernen  unerfahrener  Strickerinnen.
Die  Befchaffung  der  Strickwolle  war  vielfadi  fehr  fchwierig.  Bevor  die
neutralen  Staaten  die  Wollausfuhr  verboten,  wurde,  des  billigeren  Preifes
wegen,  die  Strickwolle  von  Dänemark  und  Holland  bezogen.  Seit  Befchlagnahme
  durch  die  Militärverwaltung  wurde  die  Strickwolle  zunächft
        <pb n="48" />
        Auftrag  Nr.  YY7  Y  Bestei  777//Y

eingegangen  YYß'YY.  laut  des  Bestellers  \.Vy-/Y&amp;gt;.  Nr.  '^YY'  Y{  /&amp;amp;.  bestätigt.  ^yYY-Anzahl



^  Gegenstand

Preis

für

Gesamtwert

7m  ;

Jvt'&amp;lt;/fÄrrfsr£  ^/-//Y/

'fäy/fo/in
Y  /■  *-»

'  AY?7A  ^

j  -j

Liefertermin;

Versand.

auf  Milit.-Frachtbr.  -YYf/  eingefordert

eingegangen

'7rza&amp;gt;?&amp;lt;7t?z  sdYe7  y&amp;amp;z  ZT^Y/A'/z/TY  A//zrf/z/,
_  /yY-2y^oy?'cYA/AcYcy.  r 7l?ttv&amp;amp;??/zY£??ve'Aftt,  ^/’rr//Yzfrs;f/&amp;lt;-.

'n?6s/ee&amp;gt;  cYfe  7^/zY7/z-a

Provision

=k

0

angemahnt

eingegangen

.  fö''r#f/Y(/i/fr  VYZ  ,(7/i  Jbascd  7&amp;amp;ca?t/.  .

Z/ßSä

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7/

—

y7

Lohnvorschriften

yWYÄoYZZzA^

Anschlußauftrag  angebahnt  (2—3  Wochen  vor  Auslieferung)
Besondere  Bedingungen

Erfolge?/^/^
77YI
        <pb n="49" />
        Fabrikation

_  Auftrag  Nr.  weitergegeben  an  JctfTZ&amp;amp;t'  &amp;amp;  f~Z^-Musterstück.
  eingefordert  eingeg.  weitergegeben'^gy^'  an  %7,4'/6?/?'f/’jfr/Xify..
Arbeitsprobe  erforderlich  eingeg.  '^'//0y6,  weitergegeben  an  ^(//ff  .

berechnet  y/jy?/;

Befund

Vorberechnung  des  Betriebes  Nachberechnung  des  Betriebes

Mitteilungen  des  Betriebes  über  Teil-  und  Restlieferunt;

Ablieferung
        <pb n="50" />
        Eine  Ablieferungslielle  für  Sirickerinnen.
In  jüngfter  Zeit  erhielt  die  Wohlfahrtzentrale  auch  einen  Auftrag  von  dem
Kriegs-,  Wirb-und  Strichverband  auf  rund  7000  Paar  Frauenstrümpfe.  Ferner
wurden  der  Wohlfahrtzentrale  43106  Pr.  Strümpfe,  18764  Pr.  Fingerhandfchuhe,
5358  Pulswärmer,  724  Kopffchütjer,  125  Kniewärmer  zur  Inftandfetmng  überwiefen,
  welche  Arbeit  im  Wege  derSortierungzu  einemDurchfchnittslohn  erfolgte.

durch  Vermittlung  des  Bezirhsvereins  vom  Roten  Kreuz  Dü|feldorf,  fpäter
auf  Vorfchlag  des  Territorialdelegierten  der  freiwilligen  Krankenpflege  für
die  Rheinprovinz  durch  den  Kriegsausfchufj  für  warme  Unterkleidung
überwiefen.
Während  die  Strumpflängen  urfprünglich  mit  der  Mafchine  geftrickt
wurden,  erfolgt  deren  Anfertigung,  feitdem  die  Wolle  durch  die  Militärverwaltung ­
  befchafft  wird,  ausfchlie(?lich  mit  der  Hand.  Der  Stricklohn  betrug ­
  bis  zum  1.  April  1917  Mk.  1,—  pro  Paar,  wurde  dann  aber  auf  den
dringenden  Antrag  der  Wohlfahrtzentrale  auf  Mk.  1,50  herauf  gefegt.
        <pb n="51" />
        Die  Ausgabe  der  Strickarbeit  ift  jet?t  im  Haufe  Brucherftr.  8  zentralifiert.
Die  Höchftzahl  der  gleichzeitig  befchäftigten  Stricherinnen  betrug  5900.
Geftrickt  wurden  bis  zum  31.  Mai  1917  1003  202  Paar  Strümpfe,  4705  Paar
Armftauchen,  300  Kniewärmer,  690  Bruft  und  Rüchenfchüßer.
Näh-Arbeften.
Für  die  Anfertigung  von  Näharbeiten  waren  urfprünglich  Räumlichkeiten ­
  in  der  Textilfchule,  in  der  Handwerker-  und  Kunftgewerbefchule,
fowie  in  freundlich|t
von  den  Firmen  Bartels,
Dierichs  &amp;amp;  Co.  G.m.b.
H.  und  H.  A.  Schmiß
zur  Verfügung  geftellten
  Fabribräumen
eingerichtet.  Später
erfolgte  die  Zentral!-fation
  in  dem  zu  dem
Zwecke  angemieteten
vierftöckigen  Fabrikgebäude ­
  Schillerftr.  10,
wohin  audi  die  anfänglich ­
  in  der  Turnhalle ­
  des  Gymna-|iums
  untergebrachte
Schulentlaffene  Mädchen  und  in  der  Näherei  noch  ungeübte  Frauen
können  in  dem  Tagesheim  der  Wohlfahrtzentrale  Carnaper|tr.  73  angelernt
werden.  Anfänglich  waren  gegen  100  Nähmafchinen  aus  der  Bürgerfchaft
leihweife  zur  Verfügung  geftellt;  bei  der  langen  Dauer  des  Krieges  macht
(ich  aber  mehr  und  mehr  deren  Rückgabe  und  eine  entfprechende  Anfchajfung
  neuer  Mafchinen,  mechanifcher  Schneidapparate  ufw.  erforderlich.
Befchäftigt  werden  durch  die  Wohlfahrtzentrale  rund  950  Näherinnen.
Während  des  erften  Kriegsjahres  hatte  die  Wohlfahrtzentrale  fa|t
fämtliche  Näharbeiten  einfchließlich  Material  zu  liefern.  Die  Einkäufe  der
Stoffe  wurden,  foweit  als  möglich,  durch  Barmer  Gefchäfte  getätigt,  fofern
es  (ich  aber  um  fehr  große  Quantitäten  handelte,  welche  angefichts  der
immer  größeren  Materialknappheit  nur  noch  mit  außerordentlichen  Schwierigkeiten
  überhaupt  aufzutreiben  waren,  erfolgte  der  Einkauf  durch  Fachleute,
welche  die  betreffenden  Induftriegebiete  als  ehrenamtliche  Mitarbeiter  der

47
        <pb n="52" />
        Wohlfahrtzentrale  bereiften.  Seit  der  Befchlagnahmung  und  Verteilung  der
Gewebe  durch  die  Heeresverwaltung  werden  der  Wohlfahrtzentrale  ausfchliefflich
  die  Stoffe,  meift  fogar  zugefchnitten,  zur  Verarbeitung  im  Lohn
überwiefen.  Um  |ich  nach  Möglichkeit  auch  Aufträge  der  Groffinduftrie
auf  Arbeits-  und  Gefangenenanzüge  zu  fidiern,  hatte  die  Wohlfahrtzentrale
verfuchsweife  in  befchränktem  Umfange  einen  Poffen  belegfcheinfreier  Stoffe
aus  dem  Auslande  eingedeckt,  während  Bemühungen,  zeitweilig  auch

Eine  NähRube.

Beute  ffoffe  für  die  Anfertigung  von  Arbeitskleidern  überwiefen  zu  erhalten,
erfolglos  blieben.
Durch  kriegsminifterielle  Verfügung  vom  14.  September  1916  werden
Ileeresnäharbeiten,  um  diefelben  zu  (trecken  und  zu  verteilen,  ausfchliefflidi
nur  noch  durch  die  Kriegs-Bekleidungsämter  ausgegeben.
Zur  Feftftellung  des  Arbeitsbedarfs  i|t  bei  dem  (tellvertretenden  Generalkommando ­
  ein  Bezirksausfchuf?  für  Heeres-Näharbeiten  gefchaffen,  welchem
auch  der  Vorfiffende  der  Wohlfahrtzentrale  angehört.  Für  die  Arbeitsfeffffellung
  und  -Verteilung  im  Bereiche  der  Stadt  Barmen  i|t  ein
„  Ortsausfcßuß  füv  Heeresnäfiarbeiten“
berufen  und  als  Hauptverteilungsffelle  die  Wohlfahrtzentrale  zugeiaffen
worden.  Als  Unterverteilungsftellen  beftehen  die  Genoffenfchaftliche
Lieferungsvereinigung  in  der  Barmer  Schneiderinnung  und  der  Verband
der  Arbeitgeber  für  das  Schneidergewerbe.
        <pb n="53" />
        In  den  Grundfäf&amp;gt;en,  nach  welchen  feither  die  Verteilung  der  Heeresnäharbeiten ­
  erfolgt,  werden  3  Gruppen  unterfchieden:
1.  Gelernte  Berufsarbeiter  aus  dem  Schneidergewerbe  und  verwandten
Berufen,
2.  Frauen  und  Mädchen,  die  auf  Befchäftigung  mit  Heeresnäharbeiten
als  einzige  Einnahmequelle  angewiefen  find,
3.  Frauen  und  Mädchen,  die  nur  mit  Hülfe  von  Heeresnäharbeiten  ihren
befdieidenen  Lebensunterhalt  verdienen  können.

Eine  Ablieferungsflelle  fiir  Näherinnen.
Allmonatlich  wird  dem  Bezirksausfdiuf?  in  Münfter  ein  Arbeitsbedarfsregifter,
  enthaltend  die  in  Betracht  kommenden  Arbeits|tunden,  eingereidit.
Heeresnäharbeiten  erhalten  nur  foldie  Perfonen,  deren  Ärbeitsbedürftigkeit
auf  Grund  vorheriger  Prüfung  der  Verhältni|Je  fe|tge|tellt  ift,  gegen  Ausweis ­
  durdi  ein  Arbeitsbuch,  in  welchem  Empfang  und  Rücklieferung  der
Heeresnäharbeit  eingetragen  i|t.  Ueber  die  Perfonalien  der  Näherinnen
wird  feitens  der  Wohlfahrtzentrale  durch  Aufnahmebogen  und  Kartothek
überfichtlich  Buch  geführt.  Bis  31.  Mai  1917  wurden  angefertigt:
71406  Unterhofen,  298564  Hemden,  10744  Bruftbeutel,  4408  Unterjacken, ­
  1000  Leibbinden,  48247  Leibftrohfäcke,  56415  Kopfpolftermatratjen,
17544  Deckenbezüge,  42464  Kopf  pol  fterbezüge,  73032  Bettlaken,  67385

49
        <pb n="54" />
        50

Handtücher,  10002  Moleskinblufen,  10  010  Moleskinhofen,  25  693  Drilchhofen,
33415  Drilchjacken,  5  725  Drilchröcke,  32  000  Drilchanzüge  (Hofen  u.  Blufen),
4000  Tuchhofen,  3000  Sommeranzüge,  500  Sommerjacken,  30017  Zeugbeutel, ­
  25000  Nähtafchen,  30310Salzbeutel,1420  Armbinden,13134PaarTuchhandfchuhe,
  152  630  Gefchofjkappen,  4100  Gefangenenjacken,  100  Gefangenenanzüge, ­
  2400  Arbeitskittel,  490726  Zwiebackbeutel,  390  Fußlappen,  700
Operationstücher,  311  Operationsmäntel,  9000  Halstücher,  60  Lazarettjachen,
6465  Atrappen,  3  925  Kartufchbeutel,  564000  m  Mafchinengewehrband,
33000  Innenausftattungen  für  Stahlhelme.
Sandsacknäherei.
Eine  befondere  Bedeutung  erlangte  für  die  Heimnäherei  die  Anfertigung ­
  von  Sandfäcken  für  den  Stellungskrieg,  mit  welcher  zeitweilig  2000

Ausgabe  der  Sandfacknäherei.
Perfonen  und  mehr  gleichzeitig  befchäftigt  wurden.  Zunädhft  wurden  die
Sandfäcke  aus  einheitlich  feldgrau  gefärbten  baumwollenen  und  halbleinenen
        <pb n="55" />
        51

Geweben  angefertigt.  Als  dann  die  Heeresverwaltung,  um  an  Baumwolle
und  Leinen  zu  fparen,  für  die  Herftellung  von  Sandfäcken  die  vorwiegende
Verwendung  von  Papiergarngeweben  vorfchrieb,  fehlen  es  für  die  Wohlfahrtzentrale ­
  zunächft  unmöglich,  die  erforderlichen  Zellulofeftoffe  zu  be~
fchaffen,  da  die  Produktion  [amtlicher  bis  dahin  begehender  Papier-Ablieferung

  von  Sandfäcken.
fpinnereien  inzwifchen  durch  ein  Konfortium  für  deffen  eigene  Wiederverarbeitung ­
  belegt  worden  war.  Dennoch  gelang  es  der  Wohlfahrtzentrale
alsbald,  mit  einer  Gefellfchaft  in  Verbindung  zu  treten,  welche  eine
2-  Z.  füll  flehende  Papierfpinnerei  in  Hämmern  bei  Hückeswagen  in  Betrieb
feilte  und  die  dort  gefponnenen  Papiergarne  durch  Barmer  Webereien  im
Lohn  verarbeiten  lief?.  Konnte  die  Wohlfahrtzentrale  bei  eigener  Stoffbefchaffung
  rund  3000000  Sandfäcke  herftellen  laden,  fo  wurde  mit  Beginn
des  Jahres  1916  der  Sandfackbedarf  durdi  den  Heimarbeitsausfchuf?  bezw.
durch  die  in  einzelnen  Provinzen  eingerichteten  Verteilungsftellen  vergeben.
Im  Lohn  fertigte  die  Wohlfahrtzentrale  rund  1393000  Sandfäcke  an.  Für
        <pb n="56" />
        I

den  Betrieb  der  Sacbnäherei  wurde  bis  zum  1.  Juni  1917  das  Frau  Guftav
Diebe  gehörige  Hinterhaus  Werterer.  31  freundlichft  zur  Verfügung  geftellt.

Eine  andere  Ablieferungsffelle  für  Sandfäcke.
Einen  befonderen  Nähereibetrieb  richtete  die  Wohlfahrtzentrale  für
Feldmützen
ein,  in  welchem  3  Gruppen  Näherinnen  wöchentlich  3000  Mützen  herftellen.
Bisher  wurden  43000  Feldmützen  angefertigt.
Je  größere  Sparfambeit  die  Heeresverwaltung  wegen  zunehmenden
Materialmangels  beobachten  muß,  um  fo  umfangreicher  geftaltet  |ich  die
Vergebung  von
Inffcmdfetzungsarbeiten.
Uniformen  und  Ausrüftungsftüche  aller  Art  gelangen  in  ungeheuren  Mengen,
teils  äußerft  zerriffen  und  verdorben,  aus  dem  Felde  zurücb,  um  fachgemäße ­
  Ausbejferung  und  Aufarbeitung  zu  erfahren.  Die  Wohlfahrtzentrale
fah  (Ich  veranlaßt,  auch  diefes  Gebiet  der  Inftandfeßungsarbeiten  aufzugreifen. ­
  Unter  Mitwirbung  von  Fachleuten  wurde  eine  Inftandfeßungs-
        <pb n="57" />
        53

werkftätte  für  Uniformen  (Röche,  Hofen,  Mäntel)  eingeriditet  und  in  derfelben
  bis  31.  Mai  1917  folgende  Reparatur-Arbeit  geleitet:  7400  Mäntel,
400  Blufen,  800  Hofen,  19785  Müfjen,  2540  Waffenröcke,  2500  Hemden,
535  Unterjacken,  5000  Brotbeutel.  In  der
Sackflickerei
wurden  ca.  60  Frauen  und  Mädchen  teils  mit  Hand  —  teils  mit  Mafchinenftopfen
  von  130072  Proviant-  und  Futterfäcken  befchäftigt.  Da  |idi  der
Betrieb  indeffen,  fowohl  was  den  Lohn  der  Arbeiterinnen,  als  auch  die
Deckung  der  der  Wohlfahrtzentrale  erwachsenen  Selbftkoften  anlangt,  nidit
lohnte,  wurde  derfelbe  am  31.  Mai  1917  aufgelöft.
Um  aber  für  die  Befchäftigung  Arbeitslofer  nidit  allein  auf  folche
Arbeiten  angewiefen  zu  fein,  welche  je  länger,  je  mehr  von  allen  deutfdien
Gemeinden  und  Wohlfahrtseinrichtungen  begehrt  werden,  war  die  Wohlfahrtzentrale ­
  auf  die  Herftellung  von  Spezialartikeln  bedacht,  weldie  eine
belfere  fachmännifdie  Einfdiulung  der  Arbeitskräfte  erfordern,  dadurch
aber  auch  eine  belfere  Entlohnung  zula|fen.  Nachdem  fidi  die  Bemühungen
der  W.  Z.  um  Aufträge  auf  Gasfdiut^masken  leider  zerfchlagen  hatten,  entfchied
  (ich  diefelbe  für  die
Herftellung.  von  ledernen  Lazcirettpantoffeln
und  wurde  zu  diefem  Zwecke  in  einem  gemieteten  4  ftöckigen  Gebäude
in  der  Bachftrafie  ein  großer  muftergültiger  Betrieb  eingerichtet.  Die
Sdiwierigkeit,  mit  Hilfe  weniger  Fachleute  bis  dahin  völlig  ungelernte
Arbeitskräfte  (Frauen  und  Kriegsbefchädigte)  in  teils  grofie  Gefdiicklidikeit
erfordernder  Hand-  und  Mafchinenarbeit  zu  unterweifen  und  die  weitere
Sdiwierigkeit,  angefichts  des  grofien  Mangels  die  geeigneten  Materialforten
zu  befchafifen,  war  nicht  gering.  Indeffen  gelang  es  der  Wohlfahrtzentrale
durch  hervorragende  Qualitätsarbeit  die  Befürwortung  der  Medizinalabteilung ­
  des  Kriegsminifteriums  bei  den  Intendanturen  und  Lazarett-Verwaltungen,
fowie  die  Unterftühung  der  Kriegsbekleidungsämter  durdi  Zuweifung  von
Lederabfällen  aus  den  militärifdien  Sdiuhmadier-Werkftätten  zu  erringen.
An  Mafdiinen  neuefter  Konftruktion  wurden  angefchafft:  1  grofieBrückenftanze,
  2  gro|?e  Stanzen  mit  fdiwenkbarem  Druckftück  und  mehrere  einfadie
Stanzen;  1  Sdiärfmafdiine  für  Oberleder,  1  Zwick-,  Pinn-  und  Rifmiafchine,
fowie  3  Durdinähmafchinen,  ferner  1  Fräsmafdiine  für  Bodenausput?,  1
Glatt-  u.  Preffmafchine,  1  Egalifier-  u.  1  Spaltmafdiine.  Sämtliche  Mafdiinetp
arbeiteten  mit  elektrifchem  Einzelantrieb  bei  möglidift  hoher  Tourenzahl.
Das  Zwicken  der  Sdiäfte  wurde  vorwiegend  in  Heimarbeit  ausgegeben. ­
  Für  den  Betrieb  felbft  wurde  die  durdigehende  Arbeitszeit  ein-
        <pb n="58" />
        geführt.  Mit  befonderer  Sorgfalt  erfolgte  die  fachgemäße,  hühle  Einlagerung
der  Lederabfälle  und  deren  gründlich|te  Sortierung.  Die  peinlich  fparfame
Verwendung  des  wertvollen  Materials  wurde  durdi  ein  Spiel  von  fortlaufend
nummerierten  Arbeitszetteln  laut  nachfolgendem  Abdruch  kontrolliert:

Arbeitszettel  M.  101
von  Stanzer  bis  Zuschnitt-Lager.

Datum
Von  Lagerkeller  Ko  Leder  empfangen
Stanzmeifier

Do;  aus  geftanzt  Slück  Lauffohle
„  Brandfohle
„  Abfäfee
„  Gelenkftücke
Datum  „  Blätter
„  Klappen  Ttiicke
„  Ballleder

Stanzer  (Name):

Ko.  Abfall

Arbeiiszettel  M101
vom  Zuschnitt-Lager  und  wieder  zurück.

Datum
Paar  Klappenftiicke  u.  Brandfohlen
empfangen

zurück  empfangen

Arbeitszettel  M.  101
vom  Durchnäher  bis  Lager  feriger  Pantoffel.

Vom  Durchnäher  empfangen
Datum  Paar  Pantoffel

Riffenfchliefcei  A
Abfabbaurr  '  Name:.
Atilaffer  J

Datum
FraiTer  "j
Binder  &amp;gt;  Name:
Polierer  j

empfangen

In  den  Größen  42  43  44  45  46  47  48
Slück

Lagerverwalier

zum  Lager  fertige  Pantoffel
Datum  empfangen

Datum  empfangen
Schärfer  u.  Stepper  (Name):
Zum  Lager
Datum  empfangen

Lagerverwalter  (Name):
Kontor  gebucht
Lagerkeller  Seite
Zufchnittlager

Datum

Lagerverwalter  (Name):

Kontor  gebucht
Lager  fertiger  Pantoffel  Seite:

Je  fdiwieriger  (ich  die  Befchaffung
von  Lederabfällen  geftaltete,  galt  es,
Erfaßmittel  ausfindig  zu  machen.  Zunächft
  wurden  die  Brandfohlen  aus
Pappe  hergeftellt,  und  die  Oberblätter ­
  aus  2  bis  5  Teilen  auf  der
Steppmafdiine  aneinander  geftückelt.
Später  traten  an  Stelle  der  aus
einem  Stück  geftanzten  Einlegefohlen
  folche  aus  mehreren  Streifen
zufammengeklebte.  Ebenfo  wurden
die  Lederfohlen  aus  vielen  kleinen
Lederabfällen  mofaikartig,  untereinander ­
  durdi  Drahtklammern  verbunden, ­
  zufammengefeßt.  Als  dann
durch  kriegsminifterielle  Verfügung
die  Verarbeitung  jeglichen  Leders
Ausfianzen  von  Leder-  u.  sioff-Teiien.  zu  Lazarettpantoffeln  unterfagt
wurde,  wurden  die  Pantoffel-Oberteile ­
  aus  Segeltuch-  oder  Mokett-Reften  bezw.  Stramin-Stickereien  und  die
        <pb n="59" />
        55

Sohlen  aus  Linoleum  und  Holz  hergeftellt.  Um  das  Klappern  der  Holzfohlen
  zu  mildern,  wurden  diefelben  durch  Aufnagelung  kleiner  Lederftückchen
  gedämpft.
Eine  befondere  Spezialität  (teilte  die  Wohlfahrtzentrale  her,  indem  fie
die  Oberteile  der  Pantoffeln  aus  fdhmalen  Leder  ftreifchen  flechten  lief!.  Das

Zwickerei  in  der  Schuhmacher-Werkffati.

Flechten  gefchah  auf  zu  dem  Zwecke  kongruierten  kleinen  Webftühlen,
in  weldien  die  Lederftreifen  einerfeits  als  Kette  in  die  Liffen  zweier  durch
Tritt  Vorrichtung  zu  bewegenden  Sdiächte  eingezogen,  andererfeits  als  Schuf?
mittels  einer  befonderen  Nadel  in  das  offene  Fadi  eingetragen  wurden.
Diefe  gefloditenen  Oberteile  erfreuten  (ich  als  luftdurchläffig  und  deshalb
befonders  hygienifch  guter  Aufnahme.
Um  inde|fen  auch  jedes  noch  fo  kleine  Lederftückchen  ausnuffen  zu
können,  wurden  aus  den  Abfällen  grof?e  Mengen  Sohlenfdioner  ausgeftanzt
  und  teils  durdi  Ausftanzen  mit  einem  Spiralme|Jer,  teils  mittels  eines
        <pb n="60" />
        Sianzerei  der  Schuhmacherei.

befonders  kongruierten  Durchziehmeffers
  19  395  Paar  Schnürriemen
herge|tellt.  Die  dann  noch  ver-Durchnahmafchinen

  in  der  Schuhmacherwerkfian.

bleibenden  Sdini^el  fanden,  folange  fie  noch  nicht  der  Erfat?)ohlen-Gefell~
fchaft  abzuliefern  waren,  Verwertung  für  Fettgewinnung  bezw.  als

Inftandfebung  von  Patronentafdien  und  Tornifiern
        <pb n="61" />
        57

zermalenes  Produkt  Ausnutzung  als
Düngemittel.
Leider  mujäte  der  Betrieb  mit  dem
1.  Mai  1917  aufgelöft  werden,  da  infolge ­
  kriegsminifterieller  Verfügung
dielier  ftellung  von  Lazarettpantoffeln
faft  ausfchliefälich  den  großen  Strafanftalten
  zur  Befchäftigung  von  Gefangenen ­
  übertragen  wurde.  Insgefamt
  wurden  von  der  W.-Z.  hergeftellt
  100860  Paar  Pantoffel.  In  der
Stanzerei  wurden  zudem  viele  Hülfsarbeiten
  für  die  Näherei  (z.  B.
Ausftanzen  von  Gefchof?kappen,
Innenfutter  für  Stahlhelme  ufw.)
verrichtet.

Sattler-Nähmafchinen.

Sattler-Instandsetzungswerkstatt.

Mit  der  Herftellung
  von  Pantoffeln ­
  urfprünglich
verbunden  war  die
Inftandfehung  von
im  Felde  unbrauchbar ­
  gewordenen
Patronentafchen  und
Torniftern,  welche
aber  inzwifchen  an
Ausdehnung  wefentlich
  zugenommen,
diellnterbringung  in
größeren  Räumen,  Zurichten  von  Leder  -Zufdiniiten  in  der
Berlinerftr.  10  b,  er-  Paironentarchen-Infiandrebungswerkflatte.
forderlich  gemacht
hat.  Die  Patronentafchen  werden  zunächft  gewafdien,  durch  Aufheilen
auf  Holzklötze  wieder  in  ihre  richtige  Form  gebradit  und  fodann  vernäht
        <pb n="62" />
        59

und  genietet.  Bei  den  Torniftern  find  namentlich  die  Rahmen  und  Monturen
zu  erneuern,  die  UeberHÜge  hu  ftopfen  und  hu  fliehen.  In  der  gleichen
Abteilung  werden  audi  Kochgefchirr-  und  Trageriemen  inftandgefet^t,  fowie
aus  Papiergarn  berge  (teilte  Hebegurte  für  Granaten  und  Lederriemen  für
die  Korbflechterei  der  W.-Z.  angefertigt.  Inftandgefetjt  wurden  bis  31.  Mai
1917  47  374  Patronentafchen,  4053  Tornifter,  6  500  Riemen.

Korbflechterei.
Nachdem  zunäch|t  eine  kleine  Verfuchswerkftätte  für  die  Inftandfetjung
von  Gefchoffkörben  in  der  Bachftrafte  eingeriditet  war,  erweiterte  |idi  der

Gelchoßkorb-Lager  in  der  Sachftralje.

Betrieb  infolge  feiner  von  der  Militärverwaltung  anerkannten  Leiftungsfähigkeit
  derart,  da|?  derfelbe  jet^t  in  drei  großen  Gebäuden  in  der  Kohlgarten ­
  |tra(3e,  im  Kleinenwerth  und  Rauenwerth  untergebracht  ift.  Die  gewaltigen ­
  Berge  der  Inftandfetsung  harrender  Gefchof?körbe  auf  den
        <pb n="63" />
        ftädtifchen  Lagerplätzen  in  der  Bachftrafze  und  im  Rauenwerth  geben  ein
Bild  von  der  im  Trommelfeuer  verbrauchten  Munitionsmenge  und  zugleidi
von  der  Wichtigkeit,  durch  Inftandfetjung  der  Körbe  das  wertvolle  Weidenund
  Rohr-Material  fparfam  hu  verwenden.  In  der  Korbflechterei  werden
über  200  Frauen  und  Mädchen,  fowie  auch  eine  größere  Anzahl  Kriegsbefchädigter
  und  Infaffen  der  Barmer  Lazarette  befchäftigt.  Die  Arbeiterinnen
erhalten  während  einer  zweiwöchentlichen  Zeit  des  Anlernens  Tagelohn
und  werden  alsdann  im  Akkord  befchäftigt.  Die  jüngeren  Mädchen
fortieren  zunächft  die  großen  Mengen  von  Korbweiden,  welche  teils  durch
die  Kriegs-  Wirtfchafts-  Aktien  -  Gefellfchaft  aus  befefzten  Gebieten  (Belgien

Gefchofekorb-Lager  im  Rauenwerih.
und  Polen)  bezogen  werden,  nach  Längen.  Zu  |tarke  Weiden  werden
ausgefondert  und  an  das  Kriegsgefangenlager  Wefel-Friedrichsfeld  abgegeben, ­
  um  dort  Verarbeitung  zu  Fifdikörben  zu  finden.  Die  für  Gefdiof?-körbe
  brauchbaren  Weiden  wandern  dann  zum  Einweichen  in  freundlichft

60
        <pb n="64" />
        61

Anfertigung  von  Flafchenkörben.

Inffandfebung  von  Gefchobkörben
        <pb n="65" />
        zur  Verfügung  geftellte  grof?e  Farbbottiche  und  Badewannen,  worauf  die
Flechterei  felbft  im  Wege  forgfältig  durchgeführter  Arbeitsteilung  (Bodenherftellung,
  Reparatur  der  Befchläge,  Riemen,  Gurte  ufw.)  erfolgt.  Jede
Arbeit  wird  durch  praktifche  Prüfungseinrichtungen  möglichft  erleichtert.

Neuanfertigung  und  Inffandfebung  von  Gefcho&amp;amp;körben.
Die  im  Betriebe  entgehenden  erheblichen  Abfallmengen  werden  als  wertvolles ­
  Brennmaterial  koftenlos  an  Bedürftige  abgegeben,  was  (ich  namentlich ­
  im  lebten  ftrengen  Winter  mit  feiner  großen  Kohlennot  als  fehr  fegensreich
  erwies.
Befondere  Aufmerkfamkeit  wird  ftets  dem  pünktlichen  Aus-  und  Einladen ­
  der  vielen  Eifenbahnwagen  gewidmet,  um  im  verkehrstechnifchen
Intereffe  jeden  Zeitverluft  zu  vermeiden.  Es  wurden  inftandgefetjt:
251889  Gefcho[?körbe  für  15  cm  Langgranaten,  1165  98er  Munitions-Körbe,
  21205  Feldpatronenkörbe,  4003  Mörferkartufch-Körbe,  40  Minenkörbe. ­
  Neuangefertigt:  5000  Gefchoj^körbe,  200  Sdilof?körbe,  2174
Flafchenkörbe.
        <pb n="66" />
        63

Anfertigung  von  Schlo&amp;amp;körben.

Papier-Sackkleberei.
Einen  andern  widitigen  Spezialbetrieb  der  Wohlfahrtzentrale  bildet
die  Papierfachbieberei,  welche  in  den  großen  Sälen  der  Buddefchen  Färberei
250  Frauen  guten  Verdienft  gewährt.  Die  aus  2~4fachem  Hartpapier  gehlebten ­
  Säche  dienen,  weil  gewebte  Säche  felbft  für  fchweres  Geld  nicht
mehr  zu  haben  find,  dem  Verfand  von  Zucher,  Salz,  Zement,  Düngemitteln
(Thomasphosphatmehl,
Knochenmehl  ufw.).  Die
Kleberei  erfolgt  im  Lohn
für  ein  größeres  Unternehmen ­
  der  Papierbranche. ­
  Das  für  den
Klebftoff  vorwiegend
benötigte  Kartoffelmehl
wurde  entgegenhommender
  Weife  in  großen
Mengen  von  derTrochenhartoffel
  -  Verwertungs-Zuriditen
  von  Papierfäcken.  gefellfchaft  m.  b.  H.  Berlin
        <pb n="67" />
        64

Kleben  von  Papierlacken  für  die  Papierinduflrie.

zur  Verfügung  geftellt.  Die  Monatsproduktion  beträgt  rund  1  Million  Papier-|äcke.
  Bis  zum  31.  Mai  1917  wurden  6  668  997  Papierfäcke  hergeftellt.
Um  auch  der  Barmer  Induftrie  möglichft  umfangreiche  Befdiäftigung  durch
Heeresaufträge  zuzuführen,  erklärte  [ich  die  Wohlfahrtzentrale  Anfang  1915
im  Einvernehmen
mit  der  Barmer
Handelskammer  bereit, ­
  Beftellungen  auf
Ausrüftungsgegenftände
  zu  vermitteln.
Urfprünglich  warbeab|iditigt,
  zu  diefem
Zwecke  einzelne
Vereinigungen  der
an  beftimmten
Ausrüftungsgegenftänden
  intereffierten
Firmen  zu  bilden  Verfand  von  Papierräcken '
und  etwa  erlangte  Heeresaufträge  unter  die  Beteiligten  durch  Vermittlung
eines  Obmannes  nach  Angabe  des  Betriebsumfanges  zu  verteilen.
Es  ergab  (ich  inde|Jen  die  Unmöglichkeit  eines  derartigen  Vorgehens
        <pb n="68" />
        Anfertigung  von  geklebten  Papiersäcken  für  die  chemische  Grog-Industrie.
        <pb n="69" />
        und  blieb  nur  noch  ein  doppelter  Weg,  nämlich,  da(i  (ich  entweder  die
Firmen  unter  Befürwortung  der  Barmer  Handelskammer  direkt  mit  den
Militärverwaltungen  wegen  Erlangung  von  Aufträgen  in  Verbindung  festen
oder  aber,  daf?  die  Firmen  an  die  Wohlfahrtzentrale  lieferten  und  von
letzterer  nach  Abnahme  der  Waren  durch  die  Militärverwaltung  ihre
Bezahlung  erhielten.  Die  Wohlfahrtzentrale  beredinete  für  derartig  bahnmäftig
  verpackte,  frei  Station  Barmen,  gelieferte  Aufträge  lediglidi  einen  geringen ­
  Auffchlag  zur  Deckung  der  entftandenen  Spefen.
Um  jedes  Rifiko  der  Wohlfahrtzentrale  bei  den  Vermittlungsgefchäften
auszufchalten,  hatten  die  Lieferanten  ihre  Ware  mit  einer  beftimmten  Gegennummer ­
  zu  verfehen,  welche  es  bei  etwaigen  Beanftandungen  der  Militärverwaltung ­
  ermöglidite,  jederzeit  den  Urfprung  der  Ware  zu  ermitteln.
Da  die  Zahlung  erft  nadi  Abnahme  der  Militärverwaltung  erfolgte,  war  die
Verantwortung  nidit  der  Wohlfahrtzentrale,  fondern  dem  Lieferanten  überladen. ­
  Es  gelang  denn  audi  der  Wohlfahrtzentrale,  größere  Lieferungen
zu  erlangen,  welche  namentlich  den  befonders  darniederliegenden  Induftrien
wie  Klaviatur-  und  Spulenfabriken,  Inhabern  von  Kurbelmafdiinen  u(w-Aufträge
  zuführten.  Es  wurden  geliefert:
69  Paar  Steigbügel,  55457  Paar  Hofenträger,  15700  Tränkeimer  (aus
Stoff),  6000  Feldflafchenbegurtungen,  '70  000  Paar  Schnürriemen,  5  700
Striegel,  5000  Kardätfchen,  54500  Säbeltroddeln,  25400  Helmbefchläge,
36  200  Splinte,  5  000  Helmbezüge,  16  300  Futterfäcke,  7150  Wa|fertragefäcke,
76  255  Paar  Sdiulterklappen,  38  500  Mübenverdeckungsbänder,  1910  Futterale
für  Aexte,  Beile,  Hacken  etc.  300  kleine  Spaten,  1100  Beile  mit  Lederfutteral, ­
  1000  Halfterketten,  100  Hufftempel,  200  Schraubenfchlüffel,  900
Hämmer,  534476  Halsbinden,  82000  Meter  Borte  für  Unteroffiziere  etc.
13000  Meter  Landfturmband,  20000  Meter  Strippenband,  600  Meter  Scheuertudi,
  26  000  Meter  Zeltbahnftoff,  112233  Zeltbahnen,  136  500  Zeltzubehörbeutel,
  153170  Brotbeutel,  74  000  Zeltpflöche.
Für  mehrere  Textilbetriebe  vermittelte  die  Wohlfahrtzentrale  Aufträgedurdi
  weldie  eine  Befchäftigung  der  vorhandenen  Drehbänke  mit  dem  Abdrehen ­
  von  Granaten  ermöglidit  wurde.
Die  vorgenannte  Vermittlungstätigkeit  der  Wohlfahrtzentrale  wurde  inde|fen
  im  Herbft  1915  einge|tellt,nadidem  fidi  die  Vergebung  von  Arbeiten  nur
auf  eigene  Verantwortung  der  Wohlfahrtzentrale  erforderlich  gemacht  hatte.
Zur  Linderung  der  Arbeitsnot  war  die  Wohlfahrtzentrale  audi  beftrebt,
den  Barmer  Handwerkern  Aufträge  der  Heeresverwaltung  zuzuführen.  Vor
allem  gelang  folches  für  das  Sattlergewerbe,  weldies  auf  Veranlaffung  der
        <pb n="70" />
        66

Wohlfahrtzentrale  auch  ungelernte  weibliche  Kräfte  erfolgreich  mit  der  Anfertigung ­
  von  Gefchirrfachen  befchäftigte.  Es  wurden  geliefert:
2010  Karabinergarnituren,  3510  Satteltrenfen,  5943  Strähnengurte,  300
Trenfenzügel,  1053  Packriemen,  4745  Hauptgeftelle,  12801  Kandarenzügel,
16121  Säbelta[chen,  1521  Dechengurte,  6450  Mittelpachriemen,  6600  Seitenpachriemen,
  17230  Halfter,  3  500  Halfterriemen,  2182  Handtrenfen,  12300
Obergurte,  10  200  Steigriemen,  2525  Vorderzeuge,  15635  Hinterzeuge,
11000  Strangträger,  100  Kreuzleinen,  100  Umhänge,  5  391  Rückriemen,  2950
Pachtafchen,  10000  Vorratsbinderiemen,  125  Kammhi|fen,  100  Beinkleider,
300  Halshoppel,  1000  Hufeifentafchen,  700  Kochgefchirrfutterale,  635  Paradehalfter, ­
  300  Trenfenzügel,  800  Stallhalfter,  500  Verbindungsriemen,  380
Seitengewehrtafchen,  1453  Paar  Fufjfchonerriemen,  2050  Leibriemen,  100
Lanzenriemen,  3830  Mantelriemen,  2550  Kodigefchirriemen,  1525  Torniftertrageriemen,
  83  Patronentafchentrageriemen,  1420  Patronentafdien,  200  Plantücher, ­
  11000  Strangträger.
Auch  für  die  Barmer  Schreiner  gelang  es  der  Wohlfahrtzentrale,  größere
Aufträge  zu  fichern,  nämlich  auf  35000  Munitionskiften,  2000  Kartufdikaften,
  2000  hölzerne  Pferdetränheimer  und  78  Mannfdiaftsfpinde.  Für
ein  Maflenangebot  der  Wohlfahrtzentrale  wurden  durdi  das  ftädtifdie
Hodibauamt  die  zugehörigen  technifdien  Zeidmungen  angefertigt.
Durch  Rundfehreiben  veranlagte  die  Wohlfahrtzentrale  die  Mitglieder
fämtlidier  Arbeitgeberverbände,  ihre  arbeitslos  gewordenen  Arbeiter  fortdauernd ­
  bei  der  Ortskrankenkaffe,  wenn  auch  evtl,  nur  in  der  unterften
Lohnkla|fe,  weiter  zu  verflchern.
        <pb n="71" />
        Material-  und  Abfallsammlung.
Viele  Wenig  machen  ein  Viel,
Vereinte  Kräfte  führen  zum  Ziel,
(liindenbürg)
E  länger  der  Krieg  dauert,  um  [o  mehr  gebietet  die  wirtfchaftliche
  Lage,  für  die  Volksernährung  und  die  Rohjtoff-Verforgung
  unferer  Kriegswirtfchaft  alle  irgendwie  verwertbaren
gewerblichen  und  Haushalts-Abfälle  im  Wege  planmäßiger
Sammlung  reftlos  auszunutzen.  Aus  diefem  Grunde  wird
auch  feitens  der  Staatsregierung  immer  wieder  zu  großzügiger  und  umfaffender
  Sammeltätigkeit  aufgefordert  und  ift  feit  Juni  1917  beim  Kriegsamt,
Abteilung  B  6,  ein  befonderer  Kriegsausfdiuß  für  Sammel-  und  Helferdienft
errichtet  worden.
Eine  wohlgegliederte  Organifation  für  die  Sammlung  aller  Abfälle
wurde  am  20.  Juni  1916  durch  die  W.-Z.  gefdnaffen.  Diefelbe  unterhält
z.  Z.  3  Sammelftellen.  Zeitweilig  waren  es  4:  am  Schlachthof,  Mohren-[traße
  14,  Bismarchftraße  70  und  —  vom  15.  November  1916  bis  Januar
1917  in  Hochbarmen  —  Tölleturm.  Die  Eingänge  an  der  letztgenannten
Stelle  waren  nadi  Ablieferung  des  Altmaterial  zu  unbedeutend,  als  daß
die  Aufrechterhaltüng  des  Betriebes  fidi  gelohnt  hätte.  Die  Futterabfälle
werden  dort  meift  von  den  Landwirten  des  nahegelegenen  Liditenplaßes
abgeholt.  —
Die  Sammelftelle  am  Schlachthof  mußte,  da  die  dort  zur  Verfügung
geftellten  Räume  anderweitige  Benutzung  fanden,  nach  Wegnerftraße  11
verlegt  werden.  Die  Ausgabeftelle  für  Waren  gegen  Gutfeheine  befindet

67
        <pb n="72" />
        68

(Ich  Wegnerftraße  10.  Die  Kohlen  wurden  hinter  dem  alten  Amtshaufe
Wertherftraße  9,  ausgegeben.
Gefammelt  wird:
1.)  alles,  was  in  Werte  für  die  menfchliche  Ernährung  umgefebt  werden
kann,  alles,  was  als  Yiefutter  in  Betracht  kommt:  Gemüfeabfall,  Kartoffelfdialen,
  ausgekochte  Knochen.  Nichts  ift  heutzutage  wertlos,  die  kleinften

Abfdliranimcirtelle  Sdiladiihof.

Mengen,  die  aus  dem  einzelnen  Haushalt  kommen,  vergrößern  (Ich  in  der
Gefamtheit  einer  Stadt  zu  anfehnlichen  Ma|fen.  Die  an  den  Sammelftellen
abgelieferten  Küchenabfälle  ftehen  zunächft  den  Landwirten  der  Umgegend
zur  Verfügung.  Die  nicht  abgeholten  Küchenabfälle  werden  waggonweife
zu  den  Frachtfäßen  eines  Vorzugstarifs  an  die  Gefellfdiaft  für  deutfches
Mildikraftfutter  m.  b.  H.  Berlin  verfandt,  dort  getrocknet,  (terelifiert  und  mit
Melaße  zu  einem  Mildifuttermittel  „Melkogen“  verarbeitet,  weldies  nach
dem  Urteil  der  landwirtfchaftlidien  Verfuchsftation  Brandenburg  an  Wert
der  Futtergerfte  oder  einem  mittleren  Hafer  gleichkommt.  Mit  Melkogen
vermag  dann  die  Wohlfahrtzentrale  zu  billigen  Preifen  die  Landwirte  im
Winter  zu  verforgen.
Die  Knochen  werden  der  zuftändigen  Kriegsorganifation  überwiefen,
um  zunächft  aus  denfelben  durch  ein  befonderes  Entfettungsverfahren
        <pb n="73" />
        chemifch  völlig  gereinigtes  Speifefett  oder  Fett  für  technifche  Zwecke  zu
gewinnen  und  alsdann  durch  Vermahlen  ein  eiweif}-  und  kalkhaltiges
Schrottfutter  für  Hühner,  oder  Knochenmehl  als  Zufatj  für  Schweine-  und
Rindviehfutter  zu  erzielen.
2.)  alles  Altmetall,  welches  (ich  durch  Eindampfen,  Einfchmelzen,  Zerreiben ­
  wieder  verarbeiten  läf?t  und  durch  irgendwelche  Bearbeitung  neue
verwendbare  Stoffe  ergibt,  z.  B.  Flafchen,  Glasfcherben,  Konfervenbüchfen,

Abfalirammeirtelle  Bismarckffra&amp;amp;e.
Flafchenkapfeln,  Staniolpapier,  Lumpen  und  Papier  aller  Art,  Schulhefte^
Pappfchachteln,  Tapetenrefte  ufw.,  Korke,  ausgebrannte  Glühbirnen,  me|finghaltige
  Lampenteile,  Schrauben,  Gummi,  auch  in  kleinften  Mengen,  welche
zur  Ablieferung  an  die  Metall-  oder  Gummi-Sammelftellen  zu  geringfügig
erfcheinen.
Die  Abfallfammlung  erfolgt  durch  Schulkinder  auf  Grund  des  folgenden ­
  Arbeitsplanes:  ,  ,  .....  ,
/.  Aufklärungsarbeit.
1)  Die  Einwohner  der  Stadt  werden  durdi  Veröjfentlidiungen  in  der
Pre|fe  auf  die  Wichtigkeit  der  Abfallverwertung  für  die  Viehhaltung  und
damit  für  die  Milch-  und  Fleifchgewinnung  aufmerkfam  gemacht.
')  Von  der  Papierfammlung  ifl  ausgerchloffen  Togen.  Abfallpapier,  welches  nach  wie  vor  der
Tladtifchen  Müllabfuhr  zu  übergeben  ifl,  da  die  Verbrennbarkeit  des  Mülls  von  einer  entrprechenden
Papierbeimengung  abhängig  ift.
Entbehrliche  Gerchäftsbiicher,  Akten,  tu.  a.  wurden  vom  Kgl.  Gewerbegericht  grofje  Akten-Mengen
  überlaffen,)  Privatbriefe  und  dergl.,  bei  deren  Auslieferung  Indiskretion  unterlaufen  könnte,
werden,  nachdem  Helferinnen  des  Nationalen  Frauendienftes  perfönlich  um  die  Ueberlaffung  gebeten
haben,  durch  einen  gefchlorfenen  Wagen  der  Feuerwehr  von  den  Häufeln  abgeholt  und  zum  Einftampfen
  direkt  in  die  Papiermühle  überführt.

69
        <pb n="74" />
        70

2)  Die  Hausfrauen  werden  gebeten,  den  Abfall  in  Sammelgefäf?en
unten  im  Haufe  (beim  Kellereingang,  im  Hofe)  bereitgu[teilen.  Das  Auf-[teilen
  von  Sammelgefäfen  mit  Handgriff  i|t  durdi  Bundesratsverordnung
vom  26.  Juni  1916  den  Hausbefiffern  zur  Pflicht  gemacht.
II.  Einteilung.
1)  Die  Stadt  ift  unter  Zugrundelegung  der  Schulbezirke  in  Sammelbezirke ­
  eingeteilt.  Jeder  Sammelbezirk  umfafft  ungefähr  20  Häufer.  Da
in  manchen  Schulen  mehr,  in  andern  weniger  freiwillige  Sammler  vorhanden ­
  find,  als  gerade  auf  den  Schulbezirk  entfallen,  ift  bisweilen  ein
Uebergreifen  auf  andere  Bezirke  nicht  zu  umgehen.
2)  Für  die  Einteilung  i|t  die  Gefchäftsftelle  des  Nationalen  Frauendienftes
  verantwortlich.  Beanftandungen  find  dorthin  zu  riditen.
III.  Zuteilung,  der  Bezirke  an  die  Sammler  und  Sammlerinnen.
1)  Jeder  Schule  wird  die  auf  ihre  Schüler  entfallende  Einteilung,  auf
wei|ie  Karten  gefchrieben,  zugefandt,  mit  der  Bitte,  auf  jeder  Karte  Namen
und  Wohnung  des  Schülers,  der  den  Bezirk  übernimmt,  fowie  die  Sammelftelle,
  bei  der  er  abliefern  foll,  einzutragen.
2)  Diefen  Karten  genau  entfprechend  find  die  grünen  Ausweiskarten
auszufüllen  und  den  Schülern  auszuhändigen.
IV.  Kartothek.
1)  Die  weiten  Karten  find  nach  der  Ausfüllung  dem  Nationalen  Frauendienft
  fofort  zurückzufchicken.  Diefelben  bleiben  dort  als  Hauptkartothek,
die  nach  Schulen  geordnet  wird.
2)  Nach  der  Hauptkartothek  werden  für  die  einzelnen  Sammelftellen
Teilkartotheken  auf  grauen  Karten  angelegt,  die  genau  den  grünen
Ausweiskarten  entfprechen.  Jeder  Sammler  muf?  feine  grüne  Ausweiskarte
beim  Sammeln  vorzeigen  können  und  |ie  bei  jeder  Ablieferung  mitbringen.
Er  muf?  wiffen  und  nachweifen  können:  Ich  fammle  in  den  und  den
Häufern,  ich  liefere  ab  an  der  und  der  Sammelftelle.  Es  ift  den  Schülern
einzufchärfen,  dafi  mindeftens  2  mal  wöchentlich  gefammelt  werden  muff.
Zweckmäffigerweife  geben  fie  in  den  Häufern  die  Tage  an,  an  denen  (Je
Abfall  holen.
V.  Werbebriefe.
Die  Schulen  verteilen  die  Vordrucke  der  Werbebriefe  2 )  an  die
Sammler  und  Sammlerinnen,  achten  auf  richtige  Unterfdirift  und  weifen  die
Schüler  an,  in  jedem  Haushalt,  wo  fie  fammeln  follen,  einen  Werbebrief
abzugeben.
        <pb n="75" />
        71

VI.  Kontrolle.
1)  Bei  jeder  Ablieferung  lft  auf  der  grünen  Ausweisbarte  durch  die
Angeftellten  der  Sammelftelle  Datum  und  Menge  des  gelieferten  Abfalls
anzugeben  (anderes  Sammelgut  wird  nicht  eingetragen)  und  die  gleiche
Eintragung  in  der  Kartotheb  hu  machen.  Da  bei  einer  Sammelftelle
höchftens  150  Schüler  liefern,  läßt  fich  die  regelmäßige  Eintragung  ohne
Schwierigheit  durchführen.  Von  der  Regelmäßigkeit  hängt  die  Durchführbarkeit ­
  der  Kontrolle  ab.
2)  Die  Kartotheb  mit  ihren  ca.  150  Karten  wird  wöchentlich  daraufhin
durchgeprüft,  ob  die  Sammler  regelmäßig  geliefert  haben.  Stellen  [ich  Unregelmäßigbeiten ­
  heraus,  fo  wird  der  Schule  Meldung  erftattet.  Die  Sdiule
judit  die  Urfache  feftzujtellen,  verwarnt  die  Säumigen  oder  erfeßt  (ie
durch  andere.
3)  Die  jpäter  neu  eintretenden  Sammler  werden  von  der  Schule  mit
ihrer  grünen  Ausweisbarte  und  der  Mitteilung,  an  wejfen  Stelle  fie  das
Amt  übernommen  haben,  der  Sammel|telle  zugejdiicbt.
4.  Die  Karten  der  ausgefchiedenen  Sammler  werden  nidit  fortgeworfen,
fondern  zur  Kontrolle  in  einer  bejonderen  Kartotheb  aufbewahrt.  Es  muß
jedem  Kinde  jederzeit  nachgewiejen  werden  bönnen,  daß  es  auf  Mitteilung
der  Schule  hin  ausgefchaltet  i|t.  Unter  Ümftänden  bann  auch  eine  Wiedereinreihung ­
  erfolgen.
5)  Um  die  Hauptbartotheb  auf  dem  Laufenden  zu  halten,  werden  der
Gefchäftsftelle  des  Nationalen  Frauendienftes  wöchentlich  die  etwa  ausgefchalteten
  oder  neu  eingetretenen  Sammler,  ihre  Schulen  und  Sammelbezirbe
  mitgeteilt.
6)  Falls  ein  Sammler  in  einem  beftimmten  Haushalt  1  oder  2  Wochen
lang  beinen  Abfall  erhält,  teilt  er  dies  auf  einer  bejonderen  Karte  3 )  mit.
Sannen,  im  Juli  1917.
Liebe  Hausfrau!
In  der  Schule  iff  uns  gefagt  worden,  wie  notwendig
  und  wichiig  der  Küdienabfall  zur  Viehhaltung ­
  und  damit  zur  FleiTch-  und  Milcherzeugung ­
  ift.  ln  Friedenszeiten  find  fehr  viele  Futtermittel ­
  eingeführt  worden,  die  uns  jetzt  fehlen
und  fiir  die  wir  Erlab  Tchaffen  muffen.  Dazu
wollen  wir  Kinder  helfen.  Wollen  Sie  uns  dabei
unterftüben,  indem  Sie  uns  den  Abfall  aufheben?
Darf  ich  denfelben  regelmä|ig  zweimal  wöchentlich ­
  bei  Ihnen  abholen?  Wenn  ich  einmal  nicht
kommen  kann,  bitte  ich  meinen  Freund  darum.
Zu-  und  Vorname:
Strafe  u.  Hausnummer:
Sdiule:

3 )  ln  dem  Haufe
ftra&amp;amp;e  Nr.
Stockwerk
habe  ich  feit  dem
keinen  Abfall  erhalten.
Därmen,  den  191
Zu-  und  Vorname:
Strafeeu.  Hausnummer:
Schule:
        <pb n="76" />
        Von  einem  Beauftragten  der  Sammelftelle  erfolgt  dann  die  Rückfrage,
warum  nichts  geliefert  wird.  Bei  ausreichender  Begründung  fcheidet  der
Haushalt  aus;  andernfalls  erfolgt  fchriftlich  die  Bitte  um  Lieferung  des  Abfalls.
7)  Die  Karten  mit  den  Adre|]en  der  fäumigen  Haushaltungen  werden
am  beften  ßraßenweife  alphabetifch  in  eine  Kartothek  eingereiht.  Es  wird
quer  auf  der  Rückfeite  der  Vermerk  eingetragen,  wann  jede  Rückfrage
bezw.  Warnung  erfolgt  ift.
VII.  Vergütung  und  Belohnung.
Die  Sammler  erhalten  bei  jeder  Ablieferung  die  feßgefeßte  Menge  von
Gutfeheinen;  außerdem  .bei  regelmäßigem  Sammeln  monatlich  50  Pfg.  in
Gutfcßeinen.  (In  den  Schulen  wird  von  vornherein  darauf  hingewiefen,
daß  diefe  50  Pfg.  nur  bei  regelmäßiger  Ablieferung  gegeben  werden.)
Die  Sammler  werden  bei  der  Auswahl  der  Kinderfpeifung  in  erfter
Linie  berück  fichtigt.
VIII.  Einlöfung  der  Gutfcßeine.
1)  Die  Gutfeheine  können  nach  Wahl  der  Sammler  entweder  in  Geld
oder  in  Waren  eingelöft  werden.  Der  Wert  eines  Gutfcheines  ift  auf  2  Pfg.
feftgefeßt.
2)  In  der  Regel  follen  bei  der  Einlöfung  in  Geld  nicht  weniger  als
50  Gutfeheine  und  zwar  durch  Erwacßfene  abgegeben  werden.
3)  Die  Einlöfung  erfolgt  Wegnerftraße  10.
Die  Kinder  liefern  die  Abfälle  Nachmittags  zwifchen  2—6  Uhr  ab-Die
  Landwirte  der  Umgegend  holen  den  frifchen  Abfall  als  Futter  im  Laufe
des  Vormittags  ab.  Es  hat  (ich  dabei  eine  fefte  Kundfchaft  herausgebildet,
die  ihre  Bezüge  an  beftimmten  Tagen  erhält.  Der  Zentner  frifchen  Abfallfutters ­
  wurde  anfangs  mit  80  Pfg.  vergütet.  Der  Preis  mußte  mit  den
ßeigenden  Preifen  des  Abfalls  und  der  erhöhten  Zahl  der  Gutfeheine  auf
Mk.  1.—,  endlich  auf  Mb.  1.20  erhöht  werden.
Die  Gutfeheine  faßen  in  geftempelten  und  fortlaufend  nummerierten
Karten  von  verfchiedener  Farbe  die  Werte  von  5,  10,  20,  50  und  100  Gutfcheinen
  zufammen.
Das  Nummerieren  und  Stempeln  hat  fleh,  verfuchter  Täufchungen  wegen,
als  fehr  zweckmäßig  erwiefen.
Die  Einlöfung  der  Gutfeheine  gegen  Waren  erfolgt  nach  Wahl  der
Kinder.  Während  anfangs,  neben  Lebensmitteln  und  Kleidungsftücken,
Bücher,  Spiele,  z.  B.  Mundharmonikas,  und  vor  allem  lebende  Kaninchen
fehr  begehrt  waren,  werden  jeßt  fa|t  nur  noch  Lebensmittel  gefordert.
        <pb n="77" />
        ©
e

Vorderfeife.

II  ii  r  in  c  r
Wohlfahrtzentralc
Karte
zum  Cmtaustli
in  der  Warenausgabe ­
  der
Abl'allSainmelsteilen,

Wegnerstrasse  10.
31129
Rücl&amp;lt;[eiie.

Die  Zahl  der  abgelieferten  Gutfeheine  wird  forgfältig  kontrolliert  und
gebucht,  wie  auda  felbftverftändlich  über  den  Eingang  und  Ausgang  von
Waren  genau  Budi  geführt  wird.
Die  gefamten  Abrechnungen  der  Sammelftellen  und  der  Warenausgabe
werden  monatlich  der  Hauptftelle  der  Wohlfahrtzentrale  eingereicht  und
dort  gebudit,  fodafi  in  jedem  Augenblick  die  Ueberficht  über  Eingänge  und
Ausgänge,  den  Lagerbeftand,  die  Einnahmen  und  Ausgaben  möglich  i|t.
Im  ganzen  find  feit  Beftehen  der  Sammelorganifation  (20.  Juni  1916)
bis  31.  Mai  1917  eingegangen:  1750  000  Pfd.  Gemüfe-  und  Kartoffelabfälle,
180  000  Büchfen,  150  000  Pfd.  Elfen,  130  000  Flafchen,  110  000  Pfd.  Knochen,
50  000  Pfd.  Lumpen,  100  000  Pfd.  Papier,  50  000  Pfd.  Scherben,  3926  Buttertonnen, ­
  welche,  von  der  (tädtifchen  Lebensmittel-Einbaufsftelle  überwiefen,
von  der  Wohlfahrtzentrale  inftandgefefft  und  dann  an  Grofwerbraudier
nutzbringend  veräußert  wurden.

Die  Vergütung  gefchieht  jefft  nadi  folgender  Aufftellung:
I.  Abfälle  für  3  Pfund  1  Gutfehein
II.  Flafchen
a.  Bordeauxflafchen  „1  Flafdie  1  „
b.  Krüge  „5  Krüge  1
c.  Medizinflafchen  „1  grof?e  1
d.  „  „2  kleine  1
e.  Sektflafchen  „  1 h  1
f-  „  „  2  V 2  1
g.  Sdierben  „3  Pfund  1
h.  Rhein-  und  Mofelweinflafchen.  „  1  Flafdie  3

73
        <pb n="78" />
        III.  Gummi:

a.  Weichgummi  ....

.  .  „  1  Pfund

10

77

b.  Hartgummi

1

77

c.  Gummifchuhe  ....

1
*  •  v  A  ;;

10

77

d.  Gummifchläuche  .  .  .

1
*  *  »  &amp;gt;;

2

77

IV.  Knochen

1

o

V.  Korken:

a.  gewöhnliche  Korken  .  .

1
*  *  v  1  77

20

77

b.  gute  (Sekt)  „  .  .

.  .  „  1  Stüch

2

77

VI.  Lumpen

.  .  „  1  Pfund

4

77

Strümpfe,  wollene  .  .

.  .  „  1  Paar

10

77

VII.  Metalle:

a.  Aluminium

....  1  Pfund

25

b.  Blei

•  •  „  1  „

10

77

c.  Büchfen

1

1

77

d.  Eifen

„2

1

77

e.  Flafchenkapfeln  .  .  .

1
*  '  77  L  77

13

„

f.  Kupfer

1
*  '  77  x  77

20

77

g.  Me|Jing

■  .  „1  „

15

77

h.  Stanniol

•  ■  ..1  ••

10

77

i.  Zinkguf?  und  Zink  .  .

1
'  77  1  77

5

77

j.  Zinn

1

50

77

VIII.  Papier

■  „  2  „

1

77

Es  wurden  verausgabt:  1010  000  Gutfeheine.
Für  die  Gutfeheine  wurden  an  Waren  ausgegeben:
1.  Lebensmittel:  10  900  Pfd.  Graupen,  Nudeln  und  Griesmehl,  1400
Päcbchen  Puddingpulver,  400  Stück  Suppenwürfel,  500  Pfd  Suppenpulver,
170  Pfd.  Honig,  300  Pfd  Apfelmark  und  Marmelade,  200  Pfd.  Möhren,
1800  Pfund  dicke  Bohnen,  500  Pfd.  Erbfen,  1800  Pfd.  Bohnen,  500  Pfd.
Waldbeeren,  200  Pfd.  Johannisbeeren,  160  Pfd.  Weintrauben,  400  Stück
Gurken,  340  Dofen  kondenfierte  Milch,  3700  Eier.
2.  Kleidungs/iücLe:  250  Stück  Knabenmühen,  800  Stück  Tafchentüdier,
460  Paar  Strümpfe  und  Kinderföckchen,  50  Paar  Schnürriemen,  80  Stück
Hofenträger  und  Gürtel,  90  Stüch  Wolljacken,  100  Hofen,  200  Hemden,
600  Stück  Haarbänder,  350  Schürzen.
3.  Spielfacßen.  750  Mundharmonikas,  15  Nähkäften  und  Griffelkäften,
50  Baukäften,  100  Schachteln  Soldaten,  1000  Spiele,  150  Bälle,  200
        <pb n="79" />
        75

Schreibmappen,  40  Schachteln  Briefpapier,  1000  Bücher,  120  Puppen,  22
Poftkartenalbums.
4.  115  Zentner  Kohlen  in  Mengen  von  V 4 ,  */ s  und  1  Zentner.
5.  200  Theaterharten  für  Kindervorftellungen.
6.  160  Kaninchen.

Waren-Ausgabeffelle  Wegneiflra&amp;amp;e.

Bei  den  Sammelftellen  waren  nadi  Bedarf  tätig:  5  Angeftellte,  4  Vorarbeiter, ­
  14  Arbeiter,  4  Arbeitsfrauen,  46  freiwillige  Hilfskräfte.
Das  ganze  Sammelunternehmen  wird  auf  ftreng  baufmännifcher  Grundlage ­
  betrieben.  Der  Verkauf  der  Abfälle  erfolgt  nach  umfiditiger  Einholung
von  Angeboten  der  für  ihre  Verwertung  in  Betradit  kommenden  induftriellen
Unternehmungen.  Immer  aufs  neue  werden  belfere  Verwertungsmöglichkeiten ­
  erfonnen,  größte  Aufmerkfamkeit  wird  der  möglich|t  rationellen  Abfuhr ­
  und  Verladung  der  Abfälle  fowie  der  Buchführung  gewidmet.
        <pb n="80" />
        Ein  der  Abfallfammlung  verwandtes  Unternehmen  lft  die
Sammlung  von  ßrennesse/n,  Obstkernen  und  Wildfrüchten,
handelt  es  fleh  doch  auch  hier  um  fyftematifche  Erfafjung  von  Werten,  die
in  Friedenszeiten  gering  geachtet  wurden,  welche  aber  jet^t  hödffte  Bedeutung ­
  erlangt  haben.  Auch  hier  haben  (ich,  nachdem  im  Jahre  1915  die
Sammlung  von  einzelnen  Städten  und  Verbänden  in  die  Wege  geleitet
und  Verwertungsmöglichkeiten  gejucht  waren,  mit  Monopolrecht  ausgeftattete
  KriegsausfchülJe  ')  gebildet,  die  jefft  über  die  Verwertung  des
Sammelgutes  beftimmen,  bezw.  die  Firmen  nachweifen,  welchen  das  Sammelgut ­
  zu  liefern  lft.
Es  handelt  (ich  in  er|ter  Linie  um  die  Gewinnung  von  Oel  aus  Steinobftkernen
  aller  Art,  ferner  aus  Oelfrüchten,  wie  Bucheckern,  Lindenfrüchten,
Sonnenblumenkernen,  endlich  um  die  Verarbeitung  von  Eidieln  und  Ro[?-kaftanien
  zu  Viehfutter;  Hagebutten  werden  teils  frifch  zu  wohljchmeckendem
  Mus  verarbeitet,  teils  getrocknet  als  Tee  verwandt.  Mit  den  Fafern
der  Brenneffel  wurden,  indem  man  auf  die  Tradition  des  Märchens  zurückgriff, ­
  Verfuche  zur  Herftellung  von  Spinn-  und  Webmaterial  angeftellt,  die
zu  befriedigenden  Ergebniffen  und  ziemlich  umfangreicher  Verwertung
führten;  fchliejffich  kam  noch  getrockneter  Kajfeegrund  hinzu,  der  teils  als
Düngemittel  dient,  teils  zu  Viehfutter  verarbeitet  wird.  Letzteres  gilt  befonders
  für  die  Rückftände  von  Gerftenkaffee,  deren  Nährgehalt  beim  Aufguß ­
  von  Kaffee  nur  zum  dritten  Teil  verwertet  werden  Joll.
Mit  einem  KoftenvorfdiuJ?  der  Wohlfahrtzentrale  wurde  1915  die
Sammelftelle  des  Nationalen  Frauendienftes  erft  fpät  —  am  8.  Oktober  -
eingerichtet,  weil  Zweifel  gehegt  waren,  ob  der  Wert  der  Sammlung  der
aufgewandten  Mühe  und  den  Koften  entfprechen  würde.  Das  Ergebnis
war  jedoch  über  Erwarten  gut.  Es  gingen  ein:  5500  kg  Eicheln,  800  kg
Kaftanien,  100  kg  Hagebutten,  30  kg  Bucheckern,  45  kg  Pflaumenfteine,  325
kg  Brennneffeln,  geringe  Mengen  Sonnenblumenkerne.
Im  Jahre  1916  wandte  die  Regierung  rechtzeitig  ihr  Intere|fe  den
Sammlungen  zu.  Es  erging  an  die  Städte  die  Aufforderung,  Sammlungen
zu  veranlagen  und  VertrauensperJonen  zu  beftimmen.  So  wurde  durch
den  Herrn  Ober  bür  germeifter  die  Sammlung  nunmehr  offiziell  dem  zu  dem
Zweck  mit  Mitteln  der  Wohlfahrtzentrale  ausgerüfteten  Nationalen  Frauendienfte
  übertragen  und  als  Vertreter  der  Stadt  Herr  Dr.  Lipp,  als  Sachverftändiger
  Herr  Röpling,  hinzugezogen.
')  Kriegsaustchufj  für  Fette  und  Oele,  Nerfelfarer-Verwertungsgerellfchart,  Bezugsvereinigung
der  Landwirte
        <pb n="81" />
        In  den  Jahren  1915/1916  wurde  der  Sammelraum  von  Herrn  Hecking
freundlichft  koftenlos  überla|]en.  Derfelbe  eignete  [ich  fowohl  wegen  feiner
Lage  im  Mittelpunkt  der  Stadt,  faft  ganz  auf  der  Talfohle,  fowie  feiner
Größe  und  Luftigkeit  halber,  ganz  befonders  für  den  Zweck.
Mit  Juni  1917  fiedelte  die  Sammelftelle  nadi  Bredderftraße  61  über.  Im
Jahre  1916  gingen  ein:
50  kg  Hagebutten,  7770  kg  Kirfdi-  und  Pflaumenfteine,  1025  kg
Eicheln,  520  kg  Kaftanien,  975  kg  Brenneffeln,  230  kg  Heckenbeeren,  175
kg  Kaffeefaß.
Die  unverhältnismäßig  geringe  Menge  von  Eicheln  und  Kaftanien  im
Jahre  1916  erklärt  fich  aus  dem  Halten  von  „Penfionsfdh  weinen“,  das  völlige
Fehlen  der  Bucheckern  aus  einer  gänzlichen  Mißernte  in  hiefiger  Gegend.
Hagebutten  wurden  1916  fchon  vielfach  für  Privathaushaltungen  gefammelt,
kamen  alfo  wenig  zur  Ablieferung.
Auch  für  diefe  befondere  Sammlung  galt  es  den  Eifer  der  Jugend  anzuregen, ­
  zumal  die  Aufgabe  keine  ganz  leichte  i|t.  Brenneffeln  dürfen
nur  ganz  getrocknet  und  von  den  Blättern  befreit  abgeliefert  werden.
Obftkerne  müffen  von  anhaftendem  Fruchtfleifch  gereinigt  und  an  Luft
und  Sonne  getrocknet  fein.  Audi  die  Wildfrüchte  find  zu  trocknen.  Beim
Trocknen  des  fämtlichen  Sammelgutes  ift  häufiges  Wenden  und  Durchfchaufeln
  notwendig.
Auf  alle  diefe  Punkte  werden  die  Kinder  durch  die  in  den  Schulen
verteilten  Merkblätter  aufmerkfam  gemacht.  Als  Lohn  erhalten  fie:
für  Kerne  von  Steinobft  1  Pfund  7  Pfg.
„  Zitronen-  und  Apfelfinenkerne  ...  1  „  17  „
„  Brenneffeln  (ganz  trocken)  ....  1  „  3  „
„  Holunderbeeren  (nur  reife  und  frifchc)  1  „  5  „
„  Hagebutten  1  „  10  „
„  Heckenbeeren  (abgeftielt)  1  „  4  „
„  Kaftanien  (ganz  getrocknet)  ....  1  „  3  „
„  Eidieln  1  „  3  „
„  Bucheckern  1  „  15  „
„  Kürbiskerne  1  „  7  „
Die  Gutfdieine  werden  möglichft  von  Erwadifenen  gegen  bares  Geld
eingelöft.  Natürlich  find  unentgeldlidie  Spenden  befonders  willkommen.
        <pb n="82" />
        78

Ernährungsfürsorge.
b)  Auf  sozialem  Gebiete.
Eine  Verforgung  aus  Noi  geboren,
Aber  die  Not  überwindend.
(Hoffmeiller.)
Enstehung,  Leistungsfähigkeit  und  Inanspruchnahme
der  Kriegsküchen.
chon  vor  Beginn  des  Krieges  wurde  durch  den  Barmer
Volksküchenverein  in  der  Heydterftraße  eine  Volksküche
unterhalten,  in  welcher  namentlich  Unbemittelte  und  Arbeiter,
die  in  der  Mittagspaufe  ihre  Wohnung  nidit  erreichen  konnten,
gutes  Mittageffen  für  15,  20  oder  25  Pfg.  einnahmen.  Die
Einrichtung  hatte  in  der  Hauptfache  Wohltätigkeitscharakter.
Alsbald  nach  Kriegsausbruch  ergab  (ich  jedodi  das  Bedürfnis,  fowohl
für  die  zahlreichen  Kriegerfamilien,  welche  damals  eine  verhältnismäßig
niedrige  Kriegsunterftüßung  erhielten,  als  auch  für  die  vielen  Arbeitslofen
größere  Stadtküchen  zu  fdiaffen.  Immerhin  war  die  Benutzung  derfelben
auf  den  Bedürftigen-Kreis,  wie  er  durch  eine  zu  dem  Zweck  angelegte
Kartothek  überwacht  wurde,  befchränkt.  Im  Jahre  1916  erhielten  von  den
Küchenbefuchern  10%  Armenunter  ftüßung,  5%  Arbeitslofenunterftüßung,
50%  Kriegsunterftü^ung,  10%  Alters-  und  Invalidenrente.  Bei  25%  lag
ungenügendes  Einkommen,  oder  Ungunft  der  Verhältniffe  (Krankheit  oder
dergl.)  vor.
        <pb n="83" />
        Je  mehr  aber  der  Wirtschaftskrieg  außerordentliche  Teuerung  ')  und
Knappheit  der  Lebensmittel  zur  Folge  hatte,  und  die  Nahrungsmittelverforgung
  die  Führung  des  Einzelhaushaltes  erschwerte,  wurde,  was  anfangs
Unter  ftüffung  und  dann  Wohlfahrtspflege  war,  zur  öffentlichen  Pflicht  und
zu  einem  untrennbaren  Beftandteil  der  Lebensverforgung.  Am  1.  Januar
1917  wurde  deshalb  auch  jede  Abgrenzung  des  Befucherkreifes  für  die

Kriegsküche  Sedanflrake  I.
Barmer  Kriegsbüchen  fallengela|Jen  und,  anftatt  als  Befucher  einer  Arme-Leute-Küche
  zu  gelten,  fühlt  fidi  jeder  als  freier  aufrechter  Bürger  unter
feinesgleichen.  In  die  Küchen  kommen  Arbeiter  und  Angestellte,  Angehörige
des  alten  und  neuen  Mittelftandes  und  der  freien  Berufe,  arbeitende  Frauen,
welche  keine  Zeit  haben,  den  Familientifch  zu  beftellen,  Leute,  welche  die
Jagd  nach  den  Lebensmitteln  nicht  mitmachen  können.
’)  Es  horteten  1914  im  Durclifdinitt  Kriegskiichenpreife

RindfleiTch

Mk.

1.20

Mk.  3.40

Speck

n

0.80

„  2.80  (nicht  zu  haben)

Zucker

0.23

„  0.32

Kaffee

„

1.20

..  4.-Reis



0.20

„  0.57

Kartoffeln

004

..  0.672

Brot

0.60

„  0.73

Milch

„

0.20

0.38

79
        <pb n="84" />
        Bis  zum  31.  Mai  1917  wurden  in  16  Kriegsküchen,  2  Garküchen  und
2  Koftftuben  des  Nationalen  Frauendienftes  rund  4500000  Literportionen
Mittageßen  ausgegeben.  Die  Höchftzahl  der  an  einem  Tage  ausgegebenen
Portionen  beträgt  25000,  welche  durch  Verdichtung  des  Betriebes  (mehrfaches ­
  Kochen)  inde|fen  noch  erheblich  gefteigert  werden  kann.
Der  Befuch  ging  in  Zeiten  des  Kartoffelmangels  und  in  Kälteperioden
regelmäßig  [prunghaft  in  die  Höhe,  um  bei  Wiederkehr  beßerer  Verhältni|fe

Kriegsldiche  Sedanftrafje  II.
fofort  wieder  zu  fallen.  Die  verfchärfte  Entwertung  der  Lebensmittelkarten,
nicht  dagegen  die  Erhöhung  des  Portionenpreifes,  hatte  |tets  ein  Abflauen
des  Küchenbefuches  zur  Folge.
Einrichtung  und  Wirtschaftsführung.
Die  16  Kriegsküchen  find  unter  Beobachtung  der  Wohndichte  auf
die  verfchiedenen  Stadtbezirke  derart  verteilt,  daß  die  Küchenbefucher  in
der  Regel  einen  Weg  von  höchftens  10  Minuten  zurückzulegen  haben.
Für  die  Einrichtung  der  Kriegsküchen  ift  der  gemifchte  wirtfchaftlidie
Betrieb  gewählt.  Die  Stadt  hat  die  Schulküchen  mit  Gerätfchaften,  fowie
        <pb n="85" />
        einige  Turnhallen  zur  Verfügung  geftellt,  was  befonders  dankenswert  i|t,
weil  diefe  Räume  weit,  hell  und  luftig  mit  Bugfreien  Eingängen,  maffiven
Fußböden,  HeiBung,  Gas-  und  Wa|ferleitung  und  Kanalifation  ausgeftattet,
befonders  zweckmäßig  find,  und  die  Benutzung  der  Schulhöfe  bei  großem
Andrang  eine  Aufreihung  der  wartenden  Abholer  auf  der  Strafe  unnötig
macht.  Ferner  hat  auch  die  Unterbarmer  Kirchengemeinde  ihre  Küchen

Kriegskiiche  Steinweg  I.

in  2  Gemeinderäumen,  fowie  der  katholifche  Gefellenverein  eine  foldie  in
feinem  Haufe  für  KriegsküchenBwecke  dargeliehen.
Verbunden  mit  jeder  Kriegsküdie  i|t  eine  Vorratskammer  und  eine
Ablage  für  Kleider  der  Angeftellten.
Der  Verkauf  des  Effens  gefchieht  vorwiegend  über  die  Strafe,  was
nidit  allein  eine  Erfparnis  an  Gefchirr,  Abwafch-,  Löffel-  und  Mefferpußkoften
  bedeutet,  fondern  vor  allem  im  Intereffe  des  Familienzufammenhanges
  bu  begrüßen  ift.  Vielleicht  gerade  nur  zur  Mittagsmahlzeit  verfammelt
  fich  noch  die  Familie  zu  voller  Runde.  Eben  diefes  deutfche
Familienleben  gilt  es  zu  erhalten.  Nur  für  Perfonen,  die  infolge  weiter
Entfernung  ihrer  Wohnung  von  der  Arbeitsftätte  genötigt  find,  die  Mahlzeit
an  Ort  und  Stelle  einzunehmen,  find  bei  den  Ausgabeftellen  Sißpläße  und
Eßgeräte  bereitgeftellt.

81
        <pb n="86" />
        Die  Kinder  nehmen  in  jedem  Falle  ihre  Mahlzeiten  in  befonderen,  von
den  Erwachfenen  getrennten  Räumen  ein.
Da  weitaus  die  meiften  Leute  das  Effen  von  den  Kriegsküchen  abholen, ­
  machte  (ich  die  Anfchaffung  von  fahrbaren  Küdien,  weldie  ja  audi
in  er(ter  Linie  der  Erhaltung  des  Familienlebens  dienen  füllen,  überflü|fig.
Fahrbare  Küchen  eignen  (Ich  für  Barmen  überhaupt  nicht;  ihre  Anfchaffung-EITenabholen

  in  der  Kriegsküche  Steinweg  II.
koften  find  fehr  erheblich  und  noch  mehr  ins  Gewicht  fallen,  bei  dem
bergigen  Terrain  der  langgeftreckten  Stadt,  die  fehr  hohen  Betriebskoften,
abgefehen  davon,  da|?  Fahrmaterial  im  Kriege  überhaupt  kaum  zu  haben
ift.  Ebenfo  haben  die  fahrbaren  Küchen  erhebliche  hygienifche  Nachteile.
Im  Sommer  find  die  Speifen  im  Freien  der  Verftaubung  und  im  Regenwetter ­
  das  Publikum  der  Nä|fe  ausgefetjt.  Audi  find  die  Kochwagen  mit
ihrer  öffentlichen  Darbietung  wenig  fdiön,  wie  |idi  denn  auch  manche
Speifen  in  ihnen  nicht  zubereiten  la|fen.
        <pb n="87" />
        83

Die  Bereitung  der  Speifen  erfolgt  in  150  bis  250  Liter  fallenden  Ke|Jeln
mit  Gasfeuerung,  welche  Einrichtung  (ich  am  Vorteilhafteften  erweift,  da
Kohlenfeuerung  nicht  nur  weniger  reinlich,  fondern  infolge  der  Preisfteigerung
  und  der  fchwierigen  Anfuhr  wefentlich  teurer  fein  würde  *),  während
die  Stadt  das  Gas  für  die  Stadtbüdnen  zum  Vorzugspreife  liefert.  Von
der  Anfchaffung  noch  größerer,  als  250  Liter  Ke||el  wurde  abgefehen,  um
die  Ke||el  durch  Frauen  handhaben  laffen  zu  können.

Speiferaum  für  Frauen  in  der  Kriegskiiche  Südftrajje.
Bereitung  und  Berechnung  der  Speisen.
Jeder  Kriegsbüche  ftehen  2  angeftellte  Leiterinnen  vor.  Die  Stadt  hat
9  Schulbodilehrerinnen  überwiefen,  weldie  ebenfo  wie  23  jüngere,  von  der
Wohlfahrtzentrale  angeftellte  Schulamtsbandidatinnen,  die  Küchendiemie,
bezw.  die  Tabellen  über  den  Kaloriengehalt  der  einzelnen  Nahrungsmittel
in  Bezug  auf  Eiweis,  Fett  und  Kohlehydrate  beherrfchen,  wodurch  nicht
1914  1917
')  Stückkohlen  kofteten  ^  Fuhrlöhne  find  während  des  Krieges  um  100°/o  gefliegen.
        <pb n="88" />
        nur  eine  fchmackhafte  und  gute  Zubereitung,  fondern  auch  eine  kräftigende
Ernährung  nach  hygienifchen  Grundfätjen  gewährleiftet  wird
Bei  dem  Einkauf  der  Lebensmittel,  der  Buchführung  und  der  Kaffe,
fowie  der  Zubereitung  und  Verteilung  der  Speifen,  wirken  ehrenamtlich  ca,
160  Frauen  und  Mädchen  mit.  Diefe  ehrenamtliche  Mitarbeit  hat  (ich,  von
der  Erfparnis  abgefehen,  ganz  befonders  im  Intereffe  eines  angemeffenen
Verkehrstones  zwifchen  den  Gäften  und  dem  Perfonal  bewährt.  Schäl-,

Kartoffelschälerinnen  in  der  Kriegskiiche  Sedanrtra^e.
Reib-  und  Gemüfezerkleinerungsmafchinen  find  nur  für  2  groffe  Kriegsküchen ­
  angefchafft  worden,  um  möglich  ft  viele  Frauen  z.  Z.  260—300  mit
Kartoffelfchälen  und  Gemüfeput^en  im  Lohn  befchäftigen  zu  können.
Verabfolgt  wird  in  den  Stadtküchen  das  fogen.  Eintopfgericht,  da  es
bei  25  000  Portionen  praktifch  undurchführbar  fein  würde,  mehrere  Gerichte
oder  eine  Auswahl  von  Gerichten  zu  bieten.  Der  Krieg  ift  ja  auch  ein
guter  Lehrmeifter,  indem  er  zum  alles  Effen  erzieht.  Man  darf  natürlich  die
Kriegsfpeifung  nicht  mit  Friedenswerten  meffen.  Im  Frieden  war  das
Kochen  eine  Kunft,  im  Kriege  ift  es  eine  Wiffenfchaft  geworden.  War  es
im  1.  Kriegsjahre  noch  möglich,  für  die  Kriegsküchen  Lebensmittel  im
größeren  Umfange  freihändig  zu  kaufen,  fo  erfolgt  feit  Mitte  1916  die  Zuteilung ­
  aller  Hauptbeftandteile  faft  ausfchliefflich  kontingentgemäf?  nach  der
Zahl  der  Befucher  durch  den  ftädtifchen  Lebensmittelausfchu|i  Menge,  Ge-
        <pb n="89" />
        85

halt  und  Gefchmack  der  durch  die  Kriegsküchen  verabfolgten  Speifen  beftimmt
  [ich  ausfchlie(?lich  nach  den  vorhandenen,  bezw,  überwiefenen  Vorräten. ­
  Die  Kriegsküchen  find  jetzt  in  die  Kriegsernährung  eingegliedert
und  erhalten  von  ihr  die  Gefefse.  Wie  (ich  die  Ernährung  der  Gefamtbevölkerung
  in  einem  Ausnahmezuftand  befindet,  darf  auch  niemand  in  den
Kriegsküchen  die  reichliche  Friedenskoft  verlangen  oder  den  Friedensgefchmack
  geltend  machen.  Ebenfo  wie  die  Brotkarte,  ift  die  Kriegsküche
ein  kriegswirtfchaftliches  Erlebnis,  welches  es  unter  dem  eifernen  Zwang  des
Krieges  durchzumachen  gilt.
Eine  Hauptgrundlage  bildet  in  den  Kriegsküchen  die  Gemüfenahrung,
welche  bekanntlich,  ihres  hohen  Kalkgehaltes  wegen,  fehr  kräftigend  i|t.
Im  allgemeinen  wird  in  den  Kriegsküchen  vor  allem  Wert  auf  fättigende
Ko|t  gelegt.
Für  Abwechfelung  wird  nach  Möglichkeit  geforgt.  Es  gab  in  den
erften  Kriegsjahren:

Spinat,  Frikadellen  und  Kartoffeln.
Rübfliel  mit  Hammelfleisch  und  Kartoffeln.
Wirfing  mit  Rindfleifdi  und  Kartoffeln.
Milchreis  mit  Rhabarber.
Gemüfefuppe  mit  Fleifchbällchen.
Dicke  Bohnen  mit  Speck  und  Kartoffeln.
Rotkohl  mit  Bratwurft  und  Kartoffeln.
Suppe  aus  fi  ifchen  Erbten  mit  Fleifchbällchen.
Schneidebohnen  mit  Speck.
Nudeln  mit  Rhabarber  oder  Pflaumen.
Kohlrabi  mit  Rindfleifdi.
Möhren  mit  Hammelfleifdi.
Grünkernfuppe  mit  Rindfleifdi.

Sauerkraut  mit  Speck.
Steckrüben  mit  Hammelfleifdi.
Graupenfuppe  mit  Rindfleifdi.
Bohnenfuppe  mit  Wurft.
Erbfenfuppe  mit  Schweinefleifdi.
Weifekohl  mit  Hammelfleifdi.
Kartoffelfuppe  mit  Fleifchbällchen.
Kartoffeln  und  Aepfel  mit  Leberwurfl.
Schinkennudeln.
Grünkohl  mit  Wurft.
Reisfuppe  mit  Rindfleifdi.
Rumfordfuppe  mit  Speckwürfeln.
Hering  mit  Schalenkartoffeln  u.  Zwiebelbeigufe.

In  den  für  die  Ernährung  befonders  fchwierigen  Kriegsmonaten  Mai-Juli  1917:

Wickenfuppe.
Sagofuppe  mit  Fleifdi.
Getrodrnete  Steckrüben  mit  Fleifdi.
Rübenfauerkraut  mit  Fleifdi.
Gerffenfuppe.
Dörrgemüfe  mit  Fleifdi.

Suppe  aus  Hafermehlpräparaten.
Kriegsfuppe  (fertiges  Präparat).
Spinal  oder  Schnittkohl  mit  Fleifdi.
Hafergrüfeenfuppe.
Möhren  mit  Fleifch.

Haltbarmachung  von  Gemüsen.
Nach  Möglichkeit  wird  in  den  Sommermonaten  Gemüfe  im  Großen
eingekauft  und  zur  Verwendung  im  Winter  gedörrt.  Im  Winter  1916/17
hatte  die  Firma  Auguft  Luhn  &amp;amp;  Co.  ausgezeichnete  Räumlichkeiten  zum
Dörren  zur  Verfügung  geftellt.  Vom  Sommer  1917  ab  ift  ein  Mietvertrag  mit
einer  größeren  Trockenanftalt  abgefchlo|fen,  in  welcher  täglich  50-60  Zentner
Gemüfe  (Rot-,  Weif?-  und  Wirfingkohl,  Möhren,  Rüben  und  Kohlrabi)  ge ­
        <pb n="90" />
        86

dörrt  werden  können.  Für  die  Anlage  find  von  der  W.-Z.  elektrifch  betriebene ­
  Bohnen-  und  Kohlfchneide-,  Rüben-,  Wafch-,  Schäl-  und  Schnitjel-Mafchinen
  befdiajft,  ferner,  Hum  Verladen  und  Bewegen  des  Gemüfes,  in
der  eigenen  Korbflechterei  500  Körbe  angefertigt  worden.  In  der  gleichen
Anlage  follen  Bohnen,  Rübftiel  und  Sauerkraut  frifch  eingemacht  werden,
zu  welchem  Zweck  der  Ankauf  von  100  großen  Fä|fern  erfolgte.

Ein  Monatsabfchlufj  der  Ki  iegskiichen.

Nr.

Portionen

:  (Anzahl)

Kosten:  (Mark)

Kosten
für
1
Portion
4

Küche

Ganze:

Kinder:

Personal:

Gesamt:

Einnahmen:

Mehrausgaben ­
  :

Gesamt:

1

21204

—

636

21840

6543

95

1  299

12

7843

07

35,91

2

24490

10491

912

35893

8935

40

2586

44

11521

84

32,10

3

13089

3639

506

17234

4445

75

1  474

78

5920

53

34,34

4

23651

8535

960

33146

8058

55

3681

86

11740

41

35,42

5

20198

—

467

20665

6164

95

347

88

6512

83

31,52

6

23072

4896

641

28609

7500

90

2068

23

9569

13

33,45

7

21  533

7599

753

29885

7279

90

947

70

8227

60

27,53

8

17023

-

443

17466

5159

20

223

71

5382

91

30,82

9

21  178

7113

941

29232

7334

60

3407

48

10742

08

36,75

10

6517

1047

227

7791

2126

75

720

54

2847

29

36,55

11

38624

7512

1212

47348

12929

90

6381

64

19311

54

40,79

12

18234

7707

678

26619

6428

30

2668

64

9096

94

34,17

13

44532

8829

893

54254

14344

95

2993

09

17338

04

31,96

14

33705

10056

774

44535

11464

20

3477

21

14941

41

33,55

15

2842

14832

537

18211

2344

05

3896

31

6240

36

34,27

16

16285

8460

722

25467

5913

25

2962

04

8875

29

34,85

346177

100716

11302

458195

116974

60

39136

67

156111

27

jQjy  Bar-Einnahme:  Mk.  116974,60
11302  Personal-  „  ,  3390,60
Monat:  März  (27  Arbeitstage)  Einnahmen:  Mk.  120365,20  =  26,27  Pfg.  pro  Portion
450195  Portionen  Zuschuß:  „  35  746,07  =  7,80  ,
(16970  do.  täglich)  Gesainlkosten:  Mk.  156111,27  =  34,07  Pfg.  pro  Portion
        <pb n="91" />
        Ein  monatlicher  Nachweis  der  Kriegsküchen.  Monat:  März  1917.

Nr.
der
Küche

Ausgaben

;  (Mark)

Gesamt-Unkollen


Kosten
für
1  Portion
4

Fleisch

Fett

Kartoffel

Gemüse

Kolonialwaren ­


Milch

Wasser
Brennmat.
Beleuchtg.

Gehälter ­


Löhne

Anlchaffungen


Reparaturen ­


Amortisation ­


Sonstiges

M.

4

1

2049  40

286

48

440  38

2508

30

932

84

—

—

218

40

175

—

960

30

20

58

6

50

218

40

26

49

7843

07

35,91

2

2369  40

982

-

575

—

3649

06

1519

62

224

60

358

93

125

—

1303

85

33

10

—

—

358

93

22

55

11521

84

32,10

3

811  —

459

64

284  07

2327

60

700

46

77

—

172

34

140

—

745

80

11

45

—

—

172

34

18

83

5920

53

34,34

4

2299  50

708

32

473  25

4674

96

1135

61

60

50

331

46

275

—

1352

70

37

11

35

80

331

46

24

74

11740

41

35,42

5

1209  —

554

72

27551

2385

98

810

41

44

—

206

55

115

—

681

45

—

-

—

20

206

65

23

26

6512

83

31,52

6

1628  50

770

16

469  32

3671

78

1162

11

13

20

286

09

200

—

968

55

86

—

9

90

286

09

17

43

9569

13

33,45

7

1020  80

591

—

40644

3126

03

863

50

185

90

298

85

249

—

1108

80

28

10

6

75

298

85

43

58

8227

60

27,53

8

1030  —

384

28

21426

1823

97

700

36

38

50

174

66

125

—

686

40

12

28

4

50

174

66

14

04

5382

9!

30,82

9

2038  50

690

44

373  75

3998

17

1464

09

44

—

292

32

240

—

1246

65

31

05

—

—

292

32

30

79

10742

08

36,75

10

345  95

209

24

10621

1218

45

369

77

2

20

77

91

75

—

311

85

29

45

—

—

77

91

23

35

2847

29

36,55

11

3357  50

794

56

60325

9398

24

1920

01

47

30

473

48

250

—

1885

95

51

66

—

—

473

48

56

11

19311

54

40,79

12

1410  —

507

20

277

90

3155

01

1593

73

308

—

266

19

227

-

1035

60

—

—

5

90

266

19

44

22

9096

94

34,17

13

3611  —

1130

24

782

—

7288

54

1674

26

115

50

542

54

281

40

1343

10

10

—

—

—

542

54

16

92

17338

04

31,96

14

2850  -

614

24

599

75

6090

98

2168

29

179

30

445

35

275

—

1148

40

77

10

—

—

445

35

47

65

14941

41

33,55

15

1196,80

409

20

197

50

2463

45

619

91

30

80

182

11

175

-

767

25

—

—

—

—

182

11

16

23

6240

36

34,27

16

2022  10

574

48

267

99

3224

46

1037

37

82

50

254

67

135

915

75

89

64

1

254

67

15

66

8875

29

34,85

Gesamt

29249  45

9666

20

6346

58

61004  98

18672

34

1453

10

4581

95

3062  40

16462

40

517

52

70

55

4581

95

441

85

156111

27

34,07
        <pb n="92" />
        Ein  monatlicher  Nachweis  der  Kriegsküchen.  Monat:  März  1917.

Mehrausgabe

Einnahme

Portionen:

[Anzahl)

Abfall-Erlös

Nr.  der

Mark

Pf.

Mark

Pf.

Gesamt-Anzahl


volle
zu  30  Pfg.

volle
zu  35  Pfg.

volle
zu  40  Pfg.

Kinder
zu  10  Pfg.

Kinder
zu  20  Pfg.

Personal

Mark

Pfg.

Küche

1299

12

6543

95

21840

18177

2399

628

—

—

636

77

40

1

2586

44

8935

40

35893

23484

1006

—

8046

2445

912

70

69

2

1474

78

4445

75

17234

10729

1977

383

3459

180

506

29

45

3

3681

86

8058

55

33145

21456

2195

—

8535

—

960

98

—

4

347

88

6164

95

20665

18546

1  193

459

—

—

467

79

13

5

2068

23

7500

90

28609

21531

1288

253

4896

—

641

51

45

6

947

70

7279

90

29885

20331

1202

—

7599

—

753

87

35

7

223

71

5159

20

17466

16171

668

184

—

—

443

60

79

8

3407

48

7334

60

29232

18780

1398

1000

7113

—

941

103

92

9

720

54

2126

75

7791

5652

391

474

1047

—

227

25

41

10

6381

64

12929

90

47348

29772

5874

2978

7512

—

1212

164

80

11

2668

64

6428

30

26619

15087

2546

601

7707

—

678

88

46

12

2993

09

14344

95

54254

42636

1743

153

8829

-

893

56

74

13

3477

21

11464

20

44535

32403

1302

—

8646

1410

774

190

—

14

3896

31

2344

05

18211

2677

165

—

14832

—

537

57

45

15

2962

04

5913

25

25467

13482

1971

832

8460

722

59

04

16

39136

67

116974

60

458195

310914

27318

7945

96681

4035

11302

1300

98

Gesamt:
        <pb n="93" />
        S9

Preisstellung.
Der  Preis  für  die  Literportion  war  anfänglich  auf  15  Pfg.  fefgefeßt.
Derfelbe  wurde  dann  infolge  des  geringen  Befuches  auf  10  Pfg.  herabgefeßt,
inde|fen  infolge  der  Lebensmittelteuerung  am  1.  April  1915  auf  15  Pfg.,  am  1.  Juli
1916  auf  20  Pfg.,  am  15.  Juli  1916  auf  25  Pfg.,  am  15.  Obt.  1916  auf  30  Pfg.
und  am  1.  Juni  1917  auf  35  Pfg.  erhöht.  Aber  auch  diefer  Preis  i|t  gegenüber
andern  Städten  noch  billig,  da,  foweit  bekannt,  die  Literportion  vielfach  bis
zu  45  Pfg.  abgegeben  oder  nur  eine  3 /i  Liter  Portion  verabfolgt  wird.
Perfonen,  welche  in  den  Stadtküchen  an  Ort  und  Stelle  fpeifen,  zahlen
für  die  Portion  5  Pfg.  mehr.  Grundfäßlich  werden  die  Speifen  nur  im  Wochenabonnement ­
  ausgegeben,  was  den  doppelten  Vorteil  bietet,  daß,  infolge
beferer  Ueberfdit  über  den  Abfaß,  das  Ueberbleiben  von  Reften  vermieden
werden  kann  und  vor  allem,  daß  die  Befucher  der  Stadtküchen  ftändig  eine
kräftige  Nahrung  erhalten.  Der  Preis  der  Wochenkarte  beträgt  ab  1.  Juni
1917  bei  Abholung  des  E|fens  Mk.  2.10,  wenn  das  E|]en  in  der  Küche  verzehrt ­
  wird  Mk.  2.40.  Eine  in  den  Küchen  eingenommene  Einzelportion
koftet  Mk.  0.50.
Die  Selbftkoften  pro  Portion  betrugen  im  Oktober  1916  2  7  72  Pfg.,  im
November  1916  31  Vs  Pfg-,  im  Dezember  1916  357s  Pfg.  Abgefehen  von  peinlich ­
  genauer  Führung  der  ordnungsmäßigen  Gefchäftsbücher  für  den  Lebensmitteleinkauf, ­
  für  die  Gehälter,  Löhne,  allgemeinen  Unkoften  ufw.  erfolgt  monatlidi
  eine  ftatiftifdie  Aufhellung  über  die  Verteilung  der  Einnahmen  und  Ausgaben ­
  auf  die  einzelnen  Küdien,  ihre  Bedürfni|fe  und  ihre  Leiftungen  (flehe
abgedruckte  Beifpiele).  Für  Deckung  der  Anfdiaffungskoften  für  Kochke|fel
Wafditroge,  Rohrleitungen  Gefchirre  ufw.  wird  pro  Portion  7a  Pfg.  Abfchreibung
  geredmet,  welcher  Saß  erfahrungsgemäß  den  wirklichen  Aufwendungen ­
  entfpricht.  Der  von  der  Wohlfahrtzentrale  zu  den  Kriegsküchen
bis  zum  30.  Juni  1917  geleiftete  Zufchuß  betrug  Mk.  589100,20.
Die  erhebliche  Steigerung  der  Selbftkoften  ift  zurückzuführen  auf  die
außerordentliche  Preisfteigerung  der  Lebensmittel  und  die  infolge  der
Kartoffelknappheit  notwendig  gewordene  vorzugsweife  Verwendung  von
ungleich  teueren  Gemüfen,  namentlidi  Dörrgemüfe.  Im  November  1915  befanden ­
  die  Gerichte  zu  3 /s  aus  Kartoffeln  und  zu  2 / 5  ausGemüfe,  im  Dezember
1916  zu  7s  aus  Kartoffeln  und  zu  4 / 5  aus  Gemüfe.  Das  Frifchgemüfe  gibt
durch  längeres  Lagern  mehr  Abfall,  Dörrgemüfe  feilt  (ich  ca.  4  mal  teurer,
wie  Frifchgemüfe.
Zugegeben,  daß  eine  große,  mechanifch  betriebene  Zentralküche  mit
geringeren  Unkoften  arbeiten  würde,  ließe  (ich,  abgefehen  davon,  daß  die
        <pb n="94" />
        90

ausgedehnte  und  bergige  Lage  der  Stadt  Barmen  eine  ftarke  Dezentralifation
  der  Stadtküchen  erheifcht,  dennoch  keine  Erfparnis  erzielen,  da  einmal
die  Anlagekoften  einer  großen  Zentralküche  ganz  enorm  |ind  und  zum
andern  der  Transport,  für  welchen  Gefpanne  nicht  zu  haben  find,  fowie
das  nötige  Aufwärmen  der  Speifen  in  den  einzelnen  Ausgabeftellen,  ganz
erheblidie  Aufwendungen  erfordern  würde.  Befondere  Aufmerkfamkeit
wird  der  rationellften  Verwertung  der  in  den  Kriegsküchen  entftehenden
Abfälle  gewidmet.
Entwertung  der  Lebensmittelkarten.
Bei  der  engbegrenzten  Menge  an  Lebensmitteln,  welche  für  die  Volksernährung ­
  verfügbar  find,  follen  und  können  die  Kriegsküchen  ihren  Befuchern,
  gegenüber  den  übrigen  Einwohnern,  ein  Mehr  an  Nahrung  nicht
gewähren.  Die  [parfame  und  geregelte  Verwendung  der  rationierten
Waren  i|t  ein  dringendes  Gebot,  ja  ein  Frage  des  Dafeins.  Daraus  ergibt
(ich  die  Notwendigkeit,  diefelben  auf  die  den  Küchenbefuchern  nach  den
Lebensmittelkarten  zuftehenden  Wochenmengen  anzurechnen.  Es  darf
heute  niemand  an  2  Tifchen  Ga|t  fein:  in  den  Kriegsküchen  und  im  eigenen
Haufe.
Die  Anrechnung  erfolgt  in  mäßigen  Grenzen  im  Anfchluf?  an  das  örtliche ­
  Kartenfyftem,  durch  Abtrennung  von  7  Nummern  der  Reidisfleifchkarte
  (3  Nummern  für  Wurft,  fowie  die  ganze  billigere  Gemeindefleifchkarte
  bleiben  den  Küchenbefuchern  für  die  Abend-  und  Sonntagsbeköftigung
erhalten),  fowie  von  3  Tagesmengen  auf  die  Kartoflfelharte.  Bei  Familienkarten ­
  für  mehrere  Portionen  erfolgt  die  Kürzung  nach  einer  Staffeltabelle.
Für  Perfonen,  die  nur  5  Tage  der  Woche  in  den  Kriegsküchen  e|fen,  tritt
Kürzung  von  2  Tagesmengen  ein.  In  den  verabreichten  Speifen  find
minde|tens  diejenigen  Fleifdh-  und  Kartoffelmengen  tatfächlidi  enthalten,
deren  Anrechnung  der  Teilnehmer  (Ich  gefallen  laffen  muf.
A  ndere  Sp  e  isungseinrichtungen.
Im  Herbft  1914  waren  noch  3  Garkücßen  in  Betrieb:  in  der  Gefellfchaft
Union,  der  Gefellfchaft  Kunft  und  Gewerbe,  fowie  in  der  Gefchäftsftelle
des  Nationalen  Frauendienftes  (Cafe  Fuchs),  in  welchen  Angehörige  des
Mittelftandes  an  Ort  und  Stelle  gegen  Bezahlung  von  30,  fpäter  40  Pfg.
pro  Portion  fpeifen  konnten.  Die  Garküchen  in  der  Union  und  Kunft  und
Gewerbe  erhielten  keinen  Zufchuf?  feitens  der  Wohlfahrtzentrale;  der  Fehlbetrag ­
  wurde  hochherzigerweife  durdi  die  betreffenden  Gefellfchaften  gedeckt.
        <pb n="95" />
        91

Im  Laufe  des  Sommers  1916  richtete  der  Nationale  Frauendienft  unter
finanzieller  Beihilfe  der  Wohlfahrtzentrale  2  [ogen.—  Koftftuben—  Sdiudiard-|traße
  16  und  Berlinerftraße  10b,  ein.  Zur  Einbürgerung  bisher  wenig  bekannter
Nahrungsmittel,  welche  zur  Streckung  der  Vorräte  dienen  follen,  werden
in  den  Koftftuben  Kriegsgerichte  verabreicht,  z.  B.  von  Mufchelfleifch,  De-De-Fleifch,
  (Doppel-Dauerfleifch),  Schollen,  Schollenfuppe,  Suppen  und  Beiguß ­
  ohne  Fett,  Polenta,  Kartoffel-  und  Steckrübenfalat  ohne  Oel,  Wildgemüfe
  ufw.  Der  Einheitspreis  für  die  Portion  beträgt  20  Pfg.  Als  im  Winter
mit  den  Kartoffelvorräten  fparfam  gewirtfchaftet  werden  mußte,  wurden
Wodienkarten  zum  Preife  von  3  Mark  für  je  6  Mittag-  und  Abendeffen
ausgegeben  und  ein  entfprechender  Teil  der  Kartoffelkarte  entwertet.  An
die  Inhaber  diefer  Karten  wurden  je  3  Portionen  auf  eine  Mahlzeit,  nämlidi
ein  großer  Teller  Suppe  und  eine  Doppelportion  Gemüfe,  ausgegeben.  Die
Kodivorfchriften  werden  koftenlos  abgegeben,  und  die  praktifdie  Zubereitung ­
  der  Speifen  den  Koftftubenbefucherinnen  an  einem  oder  zwei  Nadimittagen
  wöchentlich  im  Tagesheim  unentgeltlich  gelehrt.  Die  tatfädiliche
Zahl  der  Befucher,  weldie  fidh  aus  Arbeitern,  dem  Mittelftande,  fowie  audi
aus  Urlaubern,  welche  in  den  Stadtküchen,  der  Wochenkarten  wegen,  kein
E|fen  erhalten,  rekrutieren,  beträgt  in  der  einzelnen  Koftftube  300  —350
täglich.  Sie  ftieg  inde|fen  in  Zeiten  befonderer  Lebensmittelknappheit  bis
auf  500.  Seit  ihrer  Einrichtung,  wurden  die  Ko|tftuben  insgefamt  von
126000  Perfonen  befudit,  welche  261720  Portionen  verzehrten.  Die
Koftftuben  find  an  Wodhentagen  von  11  —  1  und  5—T'/a  Uhr  geöffnet
und  erhalten  fich  jeßt  felbft.  Die  Bedienung  der  Gäfte  erfolgt  ausfchließlich
durch  ehrenamtlidie  Kräfte.
Die  Wohlfahrtzentrale  übernahm  audr  die  Einrichtung  der  Kiicße  für
die  internierten  mittellofen  Ausländer  in  dem  Afyl  für  Obdadilofe.  Sie
beforgte  den  Einkauf  der  dafür  benötigten  Lebensmittel  und  überwadite
den  Küdienbetrieb.  Von  den  feinerzeit  internierten  150  mittellofen  Ausländern ­
  hat  fidi  jet?t  die  größte  Zahl,  weil  inzwifdien  an  Straßenreinigungsund
  Kanalarbeiten  befdiäftigt,  felbft  zu  beköftigen.  Gefpeift  wurden  bis
zum  September  1916  nodi  350  Perfonen.  Mit  Herbft  ging  die  betreffende
Küche  in  Privathände  über.
Kinderspeisung.
Mit  Rückficht  auf  ehe  außerordentliche  Bedeutung  der  guten  Ernährung ­
  der  Kinder  im  fchulpflichtigen  Alter,  laffen  fidi  die  Stadtküchen  insbefondere
  die  Verpflegung  jolcher  Volksfchulkinder  angelegen  fein,  welche
durch  die  Rektoren,  unter  Mitwirkung  des  Schularztes  und  der  Schulfchwefter,
        <pb n="96" />
        als  unterernährt  bezeichnet  werden  und  in  deren  häuslichen  Verhältniffen,
zufolge  näherer  Nachforfchung,  die  wirtfchaftliche  oder  hauswirtfdiaftliche
Unmöglichheit  bejferer  Ernährung  vorliegt.  Im  Jahre  1916  wurden  bis  zum
1.  Dezember  ca.  600  fokher  Kinder  in  den  Kriegsbüchen  zu  5  Pfg.  pro
Literportion  gefpeift.  Vom  15.  Dezember  1916  ab  übernahm  die  Wohlfahrtzentrale
  gemeinfam  mit  dem  Verein  für  Fr  ühftücksausteilung,  welcher  im  letzten
Winter,  mangels  der
nötigen  Lebensmittel ­
  (Mildi,  Kakao,
Brot),  feine  Tätigkeit ­
  nidit  ausüben
konnte,  zunädhft  für
3  Monate  die  Spe'tfung
  von  weiteren
etwa  300  Kindern.
Vom  gleichen  Zeitpunkte ­
  ab  hatten  alle
Kinder  für  die  Literportion ­
  10  Pfg.  zu  bezahlen. ­
  Den  gleichen
Betrag  ftiftete  der
Verein  für  Frühftücksausteilung  durch  Ueberweifung  feines  Vermögens  bezw.
feines  ftädtifchen  Beitrages  und  der  ihm  im  laufenden  Jahre  aus  Stiftungen,
Gefchenken  ufw.  zufliefjenden  Mittel.  Den  reftlichen  Zufchui  trägt  die  Wohlfahrtzentrale. ­
  Mit  Rückfidat  auf  den  anhaltenden  Winter  1917  und  die  audi
fpäterhin  andauernden  fdiwierigen  Zeitverhältniffe,  i|t  die  Kinderfpeifung  im
genannten  Umfange,  (rund  3  600  Kinder)  beibehalten  worden.  Außerdem
werden  unter  eien  gleichen  Bedingungen  noch  500  —  600  Kinder  durch  den
Nationalen  Frauendienft  in  der  Gefellfdiaft  Union,  im  Dörnerhof  und  in  verfchiedenen
  Kinderhorten  verpflegt.
Dem  Verein  für  Frühftücksausteilung  an  arme  Volksfchulkinder  wurden
von  der  Wohlfahrtzentrale  bis  zum  30.  Juni  1916  eine  Beihilfe  von
Mb.  23000.—  gewährt.
Zur  Ernährungsfürforge  gehört  ferner  nodi  das  Einfachen  von
Marmelade,  das  1915  mit  Mitteln  der  Wohlfahrtzentrale  durch  den  Nationalen
Frauendienft  erfolgte  und  das  1916  durch  Entgegenkommen  einer  Marmeladen-Fabrik,
  die  für  den  guten  Zweck  auf  jeden  Gewinn  verzichtete,  fortgefeit
  werden  konnte.  Der  Verkauf  erfolgte  nur  an  Unbemittelte.  1915
        <pb n="97" />
        --

Kinderfpeifung  durdi  den  Nationalen  Frauendienlt  im  Dörnerhof.
        <pb n="98" />
        94

konnten  160  Zenter  zum  Preife  von  30  und  35  Pfg.  das  Pfund,  1916
63  Zentner  zum  Preife  von  45  Pfg.  das  Pfund  abgegeben  werden.
Im  Sommer  1917  iß  das  Einkochen  von  Marmelade  für  den
einzelnen  Haushalt  mit  befonderen  Schwierigkeiten  verbunden  und  außerdem ­
  volkswirtfchaftlidi  unrationell:  Gläfer  und  fonftige  Einmachegefäße
find  wegen  Materialmangel  fdhwer  zu  befdhaffen,  die  Obftpreife  find
im  Kleinhandel  unverhältnismäßig  hoch,  Zucker  iß  nicht  in  ausreichender
Menge  vorhanden;  die  Marmelade  muß  daher  ohne  Zucker  vorgekocht
und  fterilißert  und  erß  fpäter  gefüßt  werden.  Dies  Verfahren  iß  befonders
in  einfachen  Haushaltungen  bisher  nidit  geübt  worden,  fodaß  die  Gefahr
beßeht,  bei  unfachgemäßer  Behandlung  ein  widitiges  Lebensmittel  dem  Verderben ­
  auszufeßen.  Viele,  befonders  einfache  Haushaltungen  verziditen
aus  all’  diefen  Gründen  auf  das  Einkochen  von  Marmelade  und  verbrauchen
den  ihnen  zugeteilten  Zucker  zu  weniger  wichtigen  Zwecken,  was  natürlich
im  Winter  zu  einem  Mangel  an  der  als  Brotaufßridh  fo  widitigen  Marmelade
führen  muß.
Der  Nationale  Frauendienß  Barmen  hat  daher  auch  in  diefem  Jahre  mit
einer  Marmeladenfabrik  ein  Abkommen  getroffen,  nadi  dem  die  Firma  die
Verarbeitung  des  überwiefenen  Obßes  zu  Marmelade  übernimmt.  Um  den
nötigen  Zucker  zu  befchaffen,  iß  durch  die  Preffe  bekannt  gegeben  worden,
daß  freiwillig  abgelieferteZuckerkartenabfchnitte  gegen  Gutfeheine  für  Marmelade ­
  oderKunßhonig  eingelaufcht,  bezw.  letztere  im  Winter  zu  billigen  Preifen
abgegeben  werden  [ollen.  Die  Zuckerkartenabfchnitte  dürfen  nicht  vom
Stammabfchnitt  getrennt  vorgelegt  werden.  Das  Abtrennen  und  derUmtaufch
erfolgen  bei  der  Ausgabe  der  Lebensmittelkarten  in  den  19  Brotkartenßellen,
in  denen  genaue  Lißen  über  die  eingelieferten  Abfchnitte  und  die  ausgegebenen ­
  Gutfeheine  geführt  werden.  Nach  dem  jeweiligen  Ausgabetag
erfolgt  die  Abrechnung  und  Buchung  in  der  Gefchäftsßelle  des  Nationalen
Frauendienßes,  weldie  auch  die  Verrechnung  mit  der  ßädtifchen  Lebensmittelßelle
  übernimmt.
Für  je  100  Gramm  Zucker  wird  ein  Gutfehein  für  200  Gramm  Marmelade ­
  oder  125  Gramm  Kunßhonig  ausgegeben.  Sollte  es  dann  nicht  möglich
fein,  Marmelade  in  ausreichender  Menge  zu  befchaffen,  fo  tritt  der  Kunßhonig
an  die  Stelle  derfelben.
Die  Finanzierung  der  Marmeladekocherei  erfolgt  durch  die  Wohlfahrtzentrale, ­
  weldie  auch  für  den  Zweck  500  Obßkörbe  und  eine  größer  Anzahl ­
  Einmachfäjfer  angefchafft  hat.
        <pb n="99" />
        'Ti

95

Bekleidungsfürsorge.
Eine  flaailiche  Regelung  des  Verbrauchs  mufj  Verlagen, ­
  wenn  nicht  die  verftändnisvolle,  freiwillige  Mitwirkung ­
  aller  Schichten  der  Bevölkerung  in  Stadt  und
Land  zu  Hilfe  kommt  und  jeder  Deuifche  im  Innerflen
davon  durchdrungen  ifl,  dajj  diefe  Mitwirkung  ebenfo
vaterländifche  Pflicht  ift,  wie  die  Hingabe  von  Leib  und
Leben  im  Kampfe  an  der  Front.
(Hindenburg)

chon  im  Oktober  1914  hatte  der  Nationale  Frauendienft
Barmen,  unterftüt^t  von  der  Wohlfahrtzentrale,  eine  „Flickftube“
  eingerichtet.  Getragene  Kleidungsftücke  wurden  dort
ausgebe|fert  und  umgearbeitet,  um  zu  Weihnachten  an  Bedürftige ­
  verfchenkt  zu  werden.  War  damals  der  leitende
Gedanke  die  Befchäftigung  Arbeitslofer  und  die  Unterftütmng  Bedürftiger,
fo  wandelte  [idi  der  Gefichtspunkt  mit  der  zunehmenden  Knappheit  an
Stoffen  aller  Art:  Konnte  Weihnachten  1915  auch  immer  noch  eine  gro|ie
Anzahl  von  Familien  durch  Kleidungsftücke  erfreut  werden,  fo  trat  dodi
im  Laufe  des  Sommers  1916  die  Ab|icht  des  wirtfchaftlicken  Ausgleichs  bei
der  Verwertung  getragener  Kleidungsftücke  in  den  Vordergrund.  Es  galt
möglichft  weitgehendes  Erfaßen  aller  überflüffigen  Beftände.  Am  31.  Juli  1916
erfolgte  daher  durch  den  Nationalen  Frauendienft  eine  Sammlung  in  der
ganzen  Stadt.
Das  Ergebnis  betrug:  Frauenkleidung  3975  Stück,  Frauenwäfche  S17,
Knabenkleidung  728,  Mädchenkleidung  829,  Mädchenwäfche  386,  Herrenkleidung ­
  3635,  Herrenwäfche  1110,  Schuhe  597  Paar,  Pantoffel,  Strümpfe,
Bettwäfche,  Gardinen,  Tifchtücher,  Steppdecken,  Schlafdecken,  Ki|fen,  Betttücher, ­
  Badetücher  ufw.ufw.  Der  Wert  belief  [ich  auf  Mk.  22000.—.  Die  Sachen
wurden  in  der  freundlichft  hoftenlos  zur  Verfügung  geftellten  Reinshagenfdien
        <pb n="100" />
        96

Fabrik  in  der  Fifchertalerftraße  untergebracht.  Die  Zahl  der  im  Betriebe
mit  Inftandfetzungsarbeiten  befchäftigten  Näherinnen  und  Putzmacherinnen
betrug  Zeitweife  43,  unter  deren  gefchickten  Händen  fleh  anfeheinend  ganz
unbrauchbare  Dinge  in  hübfehe,  zweckmäßige  Kleidungsftücke  verwandelten.
Aus  Männerjoppen  wurden  z.  B.  Knabenjoppen  und  Höschen,  aus  lieberziehern
  und  Frauenmänteln  Mäntel  und  Jacken  für  Knaben  und  Mädchen,
aus  Kleiderröcken  hübfehe  Blufen,  aus  drei  alten,  ganz  unbrauchbaren,

Kleiderkammer:  Inflandfefeungsraum.

Schirmen  ein  neuer,  indem  von  einem  Teil  der  Stock,  von  dem  andern  das
Geftell,  von  dem  dritten  der  Ueberzug  benutzt  wurde.  Die  Seide  ganz
unbrauchbarer  Blufen  diente  zum  Aufputz  von  Hüten  ufw.  Der  Verkauf
der  Sachen  erfolgte  zu  mäßig  abgefdiä^ten  Preifen  an  ausweislich  Bedürftige. ­
  —  Am  1.  Auguft  1916  war  die  Bezugfcheinftelle  der  Stadt  Barmen
eingerichtet  worden:  auch  in  der  Kleiderkammer  wurde  von  Anfang  an
nur  gegen  Bezugfehein  verkauft.  Sollte  doch  die  ganze  Einrichtung  der
Streckung  der  Vorräte  dienen!
Am  15.  November  1916  wurde  eine  zweite  Sammlung  veranftaltet,  die,
trotz  aller  entgegenftehenden  Bedenken,  wiederum  ein  gutes  Ergebnis
zeitigte.  Sie  brachte:  Herrenkleidung  689  Stück,  Herrenwäfche  181,  Frauenkleidung ­
  1825,  Frauenwäfche  367,  Knabenkleidung  332,  Knabenwäfche  85,
        <pb n="101" />
        Mädchenkleidung  281,  Mädchenwäjche  420  Stück,  außerdem  eine  Anzahl
anderer  Gegenftände  wie:  Schirme,  Pelze,  Bettzeug,  Tifchwäfche,  Sdiuhe  ufw.
Diesmal  wurden  audi  Beftände  an  altem  Leder  in  Form  von  alten
Handta[chen,  Schulranzen,  Reifekoffern,  Plaidriemen,  Mufikmappen,  Riemen
ufw.  mit  erfaßt.  Galt  es  dodi,  der  Sdiuhfürforge  ganz  befondere  Aufmerkfamkeit
  zuzuwenden.  Zunächft  wurden  einige  Frauen  im  Ausbeffern

Kleiderkammer:  Verkaufsraum.

der  alten  Schuhe  von  einem  Schuhmacher  unterwiefen.  Im  Januar  1917
riditete  dann  der  Nationale  Frauendienft  mit  Mitteln  der  Wohlfahrtzentrale
in  der  Berlinerftrafie  10  b,  fpäter  Wertherftraffe  87,  eine  befondere  Schuhflicklehrftube
  ein.  Unter  Anleitung  einer  Gewerbelehrerin  aus  Frankfurt  a.  M.
wurden  Bedürftige  im  Ausbeffern  der  eigenen  Sdiuhe  unterwiefen.  Das
Leder  wurde  ihnen  zugewogen,  fie  bezahlten  nur  den  Preis  des  Leders
und  fonftigen  Arbeitsmaterials  und  entrichteten  für  Benutzung  des  Werkzeuges ­
  die  Stunde  10  Pfg.  Außerdem  wurden  Kurfe  im  Anfertigen  von
Pantoffeln  aus  altem  Stoff,  z.  B.  Portieren,  Teppichmuftern,  Filzhüten  und
Läufern,  eingerichtet.  Zum  Teil  wurden  bei  der  Ausbefferung  der  Schuhe

97
        <pb n="102" />
        98

und  der  Anfertigung  der  Stofffchuhe  auch  Holzfohlen  verwandt.  Nachdem
fpäter  in  Barmen  einige  geeignete  Lehrkräfte  gewonnen  waren,  wurden
die  Kurfe  unter  Leitung  derfelben  fortgefebt.  Diefelben  waren  gut  befucht;
es  nahmen  durchfchnittlich  20  Perfonen  daran  teil.
Der  Kleiderhammer  brachte  der  1.  Dezember  1916  die  unangenehme
Notwendigkeit  eines  Umzuges.  Die  Reinshagenfdie  Fabrik  war  anderweitig ­
  vermietet.  Es
erfolgte  die  Ueber-|iedelung
  nadi  Mühlenweg ­
  31a  in  die
Fabrik  des  Herrn
Genck,  welcher
entgegenkommend
einen  großen  Saal
unentgeltlich  zur
Verfügung  ftellte.
Ende  Dezember
1916  wurde  die
Verwertung  alter
Kleider  feitens  der
Reichsbekleidungs-|telle
  den  Städten  zur  Pflidat  gemacht.  Von  der  ftädtifchen  Bekleidungsftelle
  wurde  die  Verarbeitung  und  der  Verkauf  der  getragenen  Sachen
der  Wohlfahrtzentrale  bezw.  dem  mit  ihr  durch  Arbeitsgemeinfchaft  verbundenen ­
  Nationalen  Frauendienft  überwiefen.  Die  Kleiderkammer  wurde
1917  in  die  geräumige  erfte  Etage  des  Doppelhaufes  Wegener|tra|?e  4  und
Wertherftr.  15  verlegt,  nur  die  Annahmeftelle  für  getragene  Sachen  wurde
im  Leihaus,  Cleferftr.  26,  eingerichtet.  Die  im  Abfchätjen  erfahrenen  Beamten ­
  des  Leihaufes  wurden  mit  der  Schälung  beauftragt;  es  konnte  auch
an  Ort  und  Stelle  eine  Desinfektionskammer  eingerichtet  werden.
Der  Wohlfahrtzentrale  gelang  es  audi,  von  dem  Kriegsbekleidungsamt ­
  Münfter  bezw.  der  Reichsbekleidungsftelle  eine  grofie  Anzahl  nicht
ganz  vorfchriftsmäfiiger  Militärftiefel  und  Strümpfe  für  Erwachsene  und
Kinder  zugewiefen  zu  erhalten,  welche  in  der  Kleiderkammer  zu  äu^erft
günftigen  Preifen  verkauft  wurden.  Eine  in  neuerer  Zeit,  während  des
Druckes  diefes  Berichtes,  am  9.  Juli  1917  veranftaltete  Kleiderfammlung  ergab:
407  Frauenkleider,  5473  Kinderkleider,  137  Herrenkleider,  103  Knabenkleider,
171  Paar  Schuhe,  486  Stück  Wäfche  und  2899  verfchiedene  Kleidungsftücke.

Lehrftube  für  Schuhflickerei.
        <pb n="103" />
        Schuhinstandsetzungsanstalt  für  Bedürftige.
Die  Befchajfung  und  Inftandfehung  des  Schuhwerhs  i|t  heute  faft  eben[o
wichtig,  wie  die  Ernährungsfrage  und  macht  diefelbe  namentlich  den  minderbemittelten ­
  und  binderreichen  Familien  grofce  Sorge.  Nicht  nur  ift  infolge
der  Lederteuerung  der  Preis  für  Schuhreparaturen  derart  geftiegen,  daf?
die  bedürftige  Bevölberung  die  Koften  hierfür  nicht  aufzubringen  vermag,

Flickfchuflcrei  der  Wohlfahrtzentrale.

fondern  vor  allem  ift  felbft  Lederabfall  bäum  noch  zu  haben.  Infolgede|fen
verfäumen  immer  mehr  Kinder,  weil  fie  beine  Schuhe  haben,  die  Schule,
vor  allem  aber  find  fie  bei  naffem  und  haltern  Wetter  in  ihrer  Gefundheit
gefährdet.  Unter  folchen  Umftänden  bildet  eine  mit  erheblichen  Barzufchü|fen
  arbeitende  Flicbfdiufterei  geradezu  eine  Kriegsnotwendigbeit,  eine
Erhenntnis,  welcher  fich  audi  die  Stadtverordnetenverfammlung  durch  ihren
Befdiluf?,  die  Inftandfe^ungswerbftätte  der  W.-  Z.  ab  1.  April  1917  durch
einen  monatlichen  Zufchuf?  von  Mb.  3000.—  zu  unter  ftütjen,  arifchlof?.

99
        <pb n="104" />
        Selbftverftändlich  liegt  es  der  Wohlfahrtzentrale  fern,  den  Barmer  Schuhmachern
  das  Brot  wegzunehmen,  weshalb  die  Benutzung  der  Flickfdiufterei
lediglich  folchen  Volksfchulkindern  Vorbehalten  i|t,  welche  über  ihre  Bedürftigkeit ­
  einen  entfprechenden  Ausweis  ihres  Lehrers  beibringen.
Wie  aber  die  Erfahrung  fchon  in  den  erften  Monaten  gelehrt  hat,  ift
die  Zahl  eine  außerordentlich  große.  Ganze  Regimenter  von  fchwerverwundeten
  Stiefeln  und  Schuhen  füllen  die  Borte  und  zum  Teil  noch  den
Fußboden  der  in  der  Berlinerftraße  10  b  eingerichteten  Annahmeßelle,  um
nach  3  bis  4  Tagen  gefund,  das  heißt,  fein  ausgebeßert  zur  Abholung
wieder  bereit  zu  fein.  Selb|t  Schuhe  mit  großen  Löchern  im  Oberleder
werden  fauber  und  folide  repariert,  fodaß  die  Mütter  ihrer  Lieblinge
Sdiuhe,  welche  vordem  aus  Rand  und  Band  waren,  kaum  wiedererkennen.
Die  Flickfchufterei  bedeutet  für  viele  Einwohner  die  Befreiung  von  erheblichen ­
  Sorgen,  und,  da  das  Schuhzeug  zu  längerem  Gebrauch  erhalten
bleibt,  wird  an  dem  teuren,  fo  fehr  fehlenden  Leder  erheblich  gefpart.
Welch  hohe  Bedeutung  auch  die  Militärverwaltung  der  Einrichtung
beimißt,  beweift  die  auf  Antrag  der  W.-Z.  erfolgte  Ueberweifung  bezw.
Beurlaubung  zahlreicher  Fadiarbeiter,  ohne  deren  Anleitung  und  Mitwirkung
die  oft  recht  fchwierigen  Reparaturen  nicht  möglich  fein  würden.
Bisher  wurden  über  mehr  als  5000  Paar  Schuhe  ausgebeßert.
Die  Annahme  erfolgt  werktäglich  vormittags  von  10  bis  1,  Mittwoch
und  Sonnabend  von  2 l A  bis  4  Uhr.  Die  Ausgabe  dagegen  nachmittags
von  4  bis  6  Uhr.  Jedes  eingelieferte  Paar  Schuhe  wird  mit  einer  Nummer
verfehen  und  entfprechend  gebucht.  Dem  Eigentümer  wird  eine  Befcheinigung
  unter  Angabe  der  vorausßchtlich  für  die  Inftandfehung  benötigten
Zeit  (3  bis  5  Tage)  ausgehändigt.

»i&amp;gt;,  I  fl ;
g’l
        <pb n="105" />
        101

Wohnungsfürsorge.
Die  Wohnungsfrage  ift  der  Kernpunkt
aller  fürforgerifchen  Probleme.
(Jenny  Apolani).

nmittelbar  nach  Ausbruch  des  Krieges  begann  die  Frage  der
Mietzahlung  die  größte  Beforgnis  zu  erregen.  Ein  Verjagen
der  Mietzahlungen  und  infolgede|fen  Obdachlofigkeit  im
größten  Umfange  fchienen  unvermeidlich.
Im  Gegenfaff  zu  anderen  kriegführenden  Staaten  hat
die  deutfche  Regierung,  fowohl  auf  Zwangserlaffe,  als  allgemeine  Stundungen
von  Verbindlichkeiten  verzichtet,  dagegen  im  Wege  der  Notgefeffgebung
durch  die  Bundesratsverfügungen  vom  7.  und  18.  Auguft  1914  den  durch
den  Krieg  unmittelbar  oder  mittelbar  Betroffenen  einen  prozeffualen  Schuff
gewährt.  Demnach  dürfen  zwar  die  Kriegerfamilien  in  ihren  Mietverhältniffen
  während  der  Kriegszeit  nicht  durch  gerichtliche  Beitreibung  der  gegen
(le  beftehenden  Forderungen  geftört  werden,  die  Schuldner  bleiben  aber
materiell  weiter  verpflichtet.
Blieb  alfo  ein  Teil  der  Mietfchuld,  wenn  auch  bis  nach  dem  Kriege  geftundet,
  zurück,  fo  erwuchs  dem  im  Felde  flehenden  Krieger  die  drohende
Sorge,  bei  feiner  Rückkehr  der  Zwangsvollftreckung  zu  verfallen,  anftatt
mit  frifchem  Mut  für  feine  Zukunft  eintreten  zu  können.  Von  vornherein
muffte  ihn  die  Abtragung  einer  drückenden  Schuld,  die  nicht  allein  ohne
fein  Verfchulden,  fondern  gerade  infolge  feines  Eintretens  für  das  Vaterland
entftanden  war,  fchwer  belaften.
Das  muffte  in  erfter  Linie  vermieden  werden,  durch  Schaffung  ganz
klarer  Verhältniffe.  Es  galt  alfo  die  Mietfchuld  durch  rechtlich  bindenden
        <pb n="106" />
        Verzicht  des  Vermieters  auf  fpätere  Nachforderung  quartalsweife  völlig  zu
befestigen.
Wefentlidi  für  die  Bemeffung  der  den  Mietern  zu  gewährenden  Unterftütjungen
  war  fodann  die  Erwägung,  daß  vornehmlich  die  Mietverhältniffe
das  frühere  Einkommen  der  Einberufenen  wiederfpiegeln,  (ich  alfo  in  den  Ausgaben ­
  für  die  Wohnung  die  verfchiedene  Wohlhabenheit  ausprägt.  Während
daher  die  fonftigen  Lebensbedürfniffe  eine  gleichmäßigere  Behandlung  zulaffen,
  erfordert  die  Wohnungsfürforge  umfomehr  eine  von  den  übrigen
Unterftühungen  unabhängige  Regelung,  als  [ich  durch  die  Einberufung  der
männlichen  Familienmitglieder  wohl  die  Ausgaben  für  Nahrung  und
Kleidung  verringern,  die  Wohnung  dagegen  in  unverändertem  Umfange
beftehen  bleibt.
Hinzu  kommt,  daß  durch  den  Krieg  mittelbar  (durdi  Arbeits-  und
Stellenlofigkeit,  Gefchäftsftockung  und  dergl.)  zahlreiche  Exiftenzen  in  wirtfchaftliche
  Schwierigkeiten  gebracht  werden,  welche,  ohne  einer  Kriegs-  oder
Erwerbslofenunterftüßung  bedürftig  zu  fein,  einer  Mietbeihülfe  bedürfen.
Unter  folchen  Verhältniffen  erfchien  von  Kriegsbeginn  an,  die  Errichtung
eines  felbftändigen  Mietunterftüßungsamtes  durch  die  Wohlfahrtzentrale
erwünfcht.  Dasfelbe  befand  fleh  vom  1.  Dezembar  1914  bis  1.  Oktober  1916,
Heubrudi  14,  und  i|t  feither  in  räumlicher  Angliederung  an  das  Kriegsunter-(tüßungsamt,
  Wertherftr.  21,  untergebracht.
Wie  der  Name  befagt,  handelt  es  (ich  bei  denselben  in  erfter  Linie
um  die  Unterftüßung  der  Mieter,  welche  aber  naturgemäß  zugleich  in  erheblichem ­
  Maße  dem  Haus-  und  Grundbeßher  zu  Gute  kommt.
Vorbedingung  für  die  Mietunterftüßung  i(t:
1)  Bedürftigkeit.  Ein  Zufchuß  wird  nur  geleiftet,  wenn  eine  gründliche
Prüfung  der  Verhältniffe  die  Notwendigkeit  ergibt.  In  rechtlicher  Beziehung
find  die  Beihilfen  freiwillig,  ein  Anfpruch  auf  diefelben  befteht  nicht.
2)  Ein  rechtlidi  bindender  Verzicht  des  Vermieters  auf  mindeftens
257o  der  Miete,  fofern  nicht  die  Vermögenslage  desfelben  die  Bewilligung
einer  fogen.  Liebesgabe  von  10—15%  erfordert,  in  welchem  Falle  dann
der  Vermieter  nur  10  oder  15%  nachzulaffen  hat.  ‘)
Die  Inanfpruchnahme  der  Hausbeßßer  findet  allerdings,  je  länger,  je
mehr  heftigen  Widerftand  unter  Geltendmachung  der  drohenden  Zerrüttung
auf  dem  Gebiete  der  Realkredites.

‘)  Mit  Rücklicht  auf  die  lange  Dauer  des  Krieges,  zumal  rieh  viele  Vermieter  felblt  beim  Heere
befinden,  oder  ihre  Verhältniffe  durch  den  Krieg  erheblich  Not  leiden,  wird  ab  1.  Augufl  1917  der
Nachlaß  des  Vermieters  auf  10%  herabgefefet.
        <pb n="107" />
        103

Auf  der  einen  Seite  hat  (ich  aber  die  Forderung  des  Mietnadilaffes  als
unentbehrlich  erwiefen  zur  Ermittlung  der  wahren  Verhältnis  des  Mieters.
Denn,  wird  dem  Hausbefißer  in  manchen  Fällen  ein  Nachlaß  fchwer,  fo
bann  man  es  ihm  umfoweniger  verdenken,  wenn  er  (ich  dagegen  fträubt,
den  Verzicht  da  zu  üben,  wo  er  nicht  abfolut  notwendig  i|t.  In  den  meiften
Fällen  kennt  der  Vermieter  die  Verhältnis  feiner  Mieter  be|fer,  wie  irgend
ein  anderer,  und  häufig  haben  die  Mitteilungen  des  Vermieters  unerwartete
Aufklärungen  gegeben.
Auf  der  anderen  Seite  follten  die  Vermieter  den  verlangten  Mietnachlaß, ­
  fo  fdimerzlich  auch  viele  davon  betroffen  werden,  nicht  als  unbillige
Härte  empfinden,  weil  durch  die  Mietunterftübung  der  grösste  Teil  einer
[on|t  in  den  meiften  Fällen  uneinbringlichen  Forderung  ausbezahlt  wird.
Das  Opfer  des  Nachlaßes  kann  ferner  dem  Vermieter  zugemutet  werden
mit  Rückficht  auf  die  auch  in  Friedenszeiten  vorkommenden  Mietausfälle,
für  die  gewährte  Sicherheit  für  den  pünktlichen  Empfang  der  reftlichen  Miete,
fowie  für  Beibehaltung  des  Mieters,  für  welchen  in  Kriegszeiten  fchwerlich
Erfaf  gefunden  werden  könnte.
Audi  trifft  der  Krieg  viele  Angehörige  des  gewerblichen  und  gefchäftlichen
  Mittelftandes,  z.  B.  Bäcker,  Fleifcher,  Schneider,  Schuhmacher  nodi
viel  härter,  ohne  daß  den  Betreffenden  nur  ein  Teil  ihres  früheren  Einkommens ­
  erfeft  und  gewährleist  werden  kann.
Schließlich  können  nicht  wohl  Zufchüfe  zu  den  Mieten  für  gefdiäftliche
und  gewerbliche  Räume  gewährt  werden,  weil  die  bei  denfelben  auftretenden ­
  verfdiiedenften  Urfachen  des  Mietrück  ftandes,  Sdiwierigkeiten
ganz  unvorhergefehener  Art  bilden  und  außerdem  die  außerordentlich
mannigfache  Höhe  der  betreffenden  Mieten  eine  gleichartige  Behandlung
ausfchließt.
Die  MietVerhältnis  werden,  abgefehen  von  der  fchon  genannten
doppelten  Vorbedingung  der  Bedürftigkeit  des  Mieters  und  des  NadilaSs
des  Vermieters,  nach  folgenden  Grundfäßen  geregelt:
Ein  Mietzufchuß  wird  gezahlt  an  Kriegsunterftüfte  bei  einer  monatlichen ­
  Miete  bis  zu  Mk.  25.—  in  Höhe  von  25  v.  H.  Bei  Mieten  über
Mk.  25.—  bis  einfchließlich  Mk.  50.—,  vorausgefebt,  daß  keine  nennenswerte ­
  Nebeneinnahme  vorhanden  ift,  wird  der  Zufchuß  derart  geregelt,
daß  der  Mieter  monatlich  Mk.  12.50  felbft  aufzubringen  hat.  Arbeitslofenunterftübten
  und  Nichtunterftübten  wird  in  allen  erforderlichen  Fällen  nidit
mehr  als  25  v.  H.  Mietbeihülfe  gewährt.  Bei  alleinShenden  Kriegsteilnehmern, ­
  die  eine  eigene  Wohnung  haben,  wird  ein  Zufchuß  von  50  v.  H.
        <pb n="108" />
        der  Miete  bezahlt.  Erzielt  das  Mieteinigungsamt,  da|i  ein  alleinftehender
Kriegsteilnehmer  eine  größere  Wohnung  auf  gibt  und  die  Möbel  in  einem
Zimmer  zufammenftellt,  wird  von  der  Wohlfahrtzentrale  75  v.  H.  der
Zimmermiete  gezahlt.
Jede  Mietunter  ftütjung  wird  nur  direkt  an  den  Vermieter  gezahlt.
Kommt  der  Mieter  der  von  ihm  eingegangenen  Verpflichtung  zur  Zahlung
des  Mietanteils  von  50—65%  nicht  pünktlich  nach,  fo  wird  ihm  der  Betrag ­
  an  der  Kriegs-  bezw.  Erwerbslofenunterftübung  einbehalten.
Seit  Anfang  des  Krieges  bis  31.  Mai  1917  gingen  22626  Anträge  auf
Mietunterftütjung  ein.  Von  denfelben  wurden  wegen  Nichtgewährung  eines
Mietnachla|fes  und  aus  anderen  Gründen  3743  Anträge  abgelehnt.  Wegen
Entlaffung  aus  dem  Heere,  erhöhten  Nebeneinkommens,  Rentenzahlung  und
Umzug  fchieden  7850  Fälle  aus.  Ständig  ausgezahlt  werden  noch  10  736
Mietunterftübungen.  Diefelben  verteilen  fidi  auf  10051  Kriegsunter  ft  üb  te,
214  Arbeitslofenunterftübte  und  471  Nichtunterftübte.
Durch  die  bis  jefst  erfolgten  Nachprüfungen  der  Mietbücher  wurde
feftgeftellt,  da(?  127  Vermieter  in  753  Fällen  von  ihren  Mietern  mehr  verlangt ­
  haben,  als  ihnen  zuftand.  Es  wurden  an  die  Mieter  zurückgezahlt
oder  ihnen  in  den  Mietbüchern  gutgefchrieben  insgefamt  Mk.  11719.80.
In  51  Fällen  wurde  feftgeftellt,  da(i  die  Vermieter  noch  zu  Unrecht
die  Mietzujchüffe  empfangen  hatten.  Die  von  den  Vermietern  zu  Unrecht
erhobenen  Beträge  von  insgefamt  Mk.  1211.55  wurden  der  Wohlfahrtzentrale ­
  zurückgezahlt.
Seit  1.  September  1914  bis  31.  Mai  1917  hat  die  Wohlfahrtzentrale
Mk.  1775  868.63  für  Mietunterftübungen  ausgegeben,  auf  welche  von  Reich
und  Staat  Mk.  1095  942.19  und  von  der  Stadt  Barmen  Mk.  23123.65  rückvergütet ­
  wurden.
Die  Gefamtzahl  der  Vermieter  beträgt  1907.  Davon  gewähren
574  Vermieter  an  3  289  Mieter  einen  Nachlaß  von  10  v.  H.
136  „  „  785  „  „  „  „  15  „  „
34  „  „  243  „  „  „  „  20  „  „
Die  durch  den  Mindernachlaf!  hervorgerufene  Mehrausgabe  beträgt  monatlich ­
  rund  Mk.  17900.—.
In  vielen  Fällen  haben  fleh  die  6  in  verfchiedenen  Stadtteilen  beftehenden
  Mietunterftübungskommiffionen  auch  der  Vermittlung  zwifchen  Hypothekenfchuldnern
  und  Gläubigern  betreffend  Minderung  oder  Herabfebung
der  Hypothekenzinfen  angenommen.
        <pb n="109" />
        105

Durch  Bundesratsbefchluj?  vom  15.  Februar  1915  i|t  für  die  Stadt  Barmen
ein  Mieteinigungsamt  mit  gefet^lichen  Befugni|fen  u.  a.  des  Erfcheinungsund
  Auskunftszwanges,  der  eidesftattlichen  Vernehmung,  unter  gutachtlicher
Beiziehung  bei  gerichtlichen  Miet-  und  Hypothekenftreitigkeiten,  eingefet^t
worden.  Das  Mieteinigungsamt  ift  dem  Mietunterftüt^ungsbüro  der  Wohlfahrtzentrale ­
  angegliedert.  Es  gingen  bei  denselben  bis  31.  Mai  1917
477  Streitfälle  ein,  von  denen  323  durch  Vergleich  erledigt,  17  an  ordentliche ­
  Geriche  verwiefen  wurden,  während  137  keine  Einigung  ergaben.
Kriegevßeimffätten.
Ueber  diefe,  die  öffentliche  Meinung  vielfach  befchäftigende  Frage,
fand  im  Vorftande  der  Wohlfahrtzentrale  ein  eingehender  Meinungsaustaufch
  ftatt.
        <pb n="110" />
        Erhaltung  und  Förderung  des  Nachwuchses.

Der  wahre  Reichtum  eines  Volkes  liegt  in
den  lebendigen  Menfchen,  die  das  Volk  bilden,
vor  allem  in  dem  kräftigen  Nachwuchs,  der
der  Träger  der  nationalen  Zukunft  iff.
(Friedrich  der  Gro&amp;amp;e.)

jemals  war  das  Kind  wertvoller  und  heiliger  als  jebt,  wo
der  Krieg  fo  große  Opfer  an  Menfchenleben  fordert,  und
die  Geburtenzahl  in  den  Kriegsjahren  einen  Rückgang ­
  auf  weift.  Deshalb  gilt  es  mit  praktifchen  Augen
Umfchau  zu  halten,  wie  durch  fachgemäße  Förderung  und
durch  auf  bauende  Maßnahmen  die  Zukunft  unferes  Volkes  |icher  geftellt
werden  kann.
Während  die  Wohlfahrtzentrale  den  wichtigen  Aufgaben  der  Bevöllcerungspoiiti/c
  und  Raffenßygiene  im  engeren  Sinne  ihr  Intereffe  nur  durch
Teilnahme  an  einzelnen  wichtigen  Sitzungen  des  Deutfchen  Vereins  in  Berlin
und  des  Vereins  für  Familienwohl  in  Düffeldorf  zuwenden  konnte,  ift  ihre
Tätigkeit  in  erheblichem  Maße  darauf  gerichtet,  die  heranwachfende
Generation  aller  Altersftufen  in  ihrer  körperlichen,  |ittlichen  und  geiftigen
Gefundheit  zu  befeftigen  und  zu  fördern.
Der  Ausbau  der  Fürforge  für  Kinder  im  Säuglings-,  Spiel-  und  Schulalter ­
  wurde  erft  im  Herbft  1916,  dann  aber  auch  in  weitem  Umfange  notwendig. ­
  Solange  die  Barmer  Fabriken  ihre  Betriebe  infolge  des  Krieges
einfchränken  mußten,  und  die  Wohlfahrtzentrale  die  Erwerbslofen  haupt ­
        <pb n="111" />
        fachlich  mit  Heimarbeiten  befchäftigte,  konnten  die  Frauen  ihren  mütterlichen
und  häuslichen  Pflichten  nachkommen.  Die  Sachlage  änderte  (ich  aber  mit
der  zunehmenden  Munitionsarbeit  der  Frauen.  Um  das  Hindenburgprogramm
  durchzuführen,  war  die  Notwendigkeit  gegeben,  alle  eben  entbehrlichen ­
  Frauenkräfte  unmittelbar  in  den  Dien  |t  des  Vaterlandes  zu  (teilen
und  die  Tätigkeit  des  Mannes  planmäßig  zu  erfeßen.  Nicht  nur  in
induftriellen  Betrieben,  fondern  auch  im  Bahn-  und  Poftdienft,  bei  den
Straßenbahnen  und  der  Müllabfuhr,  als  Straßenkehrerinnen,  Erd-  und
Streckenarbeiterinnen  ufw.  mußten  die  Frauen  eintreten.  Der  hoch  fte
Grundfaß  aller  Kinder  fürforge,  die  Mütter  möglich  ft  zu  den  Arbeiten  heranzuziehen, ­
  die  fie  nidit  von  ihren  Kindern  trennen,  mußte  durchbrodien
und  im  Gegenfaß  zu  fonftiger  Gewohnheit,  die  Arbeitsfähigkeit  und  Arbeitswilligkeit ­
  geftärkt  werden,  indem  man  ihren  Kindern  die  beftmögliche  Verforgung
  durch  andere  gewährlei  ftete.
Um  eine  fo  weitgehende  Fürforge  üben  zu  können,  gründete  die
Wohlfahrtzentrale  einen
Kinderfürsorge-Ausschuss,
welchem  folgender  Aufgabenbereich  zugewiefen  wurde:
I.  Die  örtlich  beftehenden  Kinderfürforgevereine,  Einrichtungen  ufw.
find  in  organifchen  Zufammenhang  zu  bringen,  um
a)  unter  Vermeidung  einer  Zerfplitterung  der  Kräfte  und  Mittel,  alle
Einrichtungen  zweckmäßig  ausnußen  und  einheitlidi  weiter  ausbauen ­
  zu  können;
b)  jedem  Kinde,  audi  wenn  es  bei  fortfehreitendem  Alter  die  Wohlfahrtsftelle
  wechfelt,die  Fürforge  zu  erhalten,  fo  lange  es  ihrer  bedarf.
II.  Dem  jeweiligen  Bedürfnis  entfprediend,  find  neue  geeignete  Räume
bereitzuftellen,  Helferinnen  zu  gewinnen  und  vorzubilden,  nötigenfalls ­
  auch  für  Speifung  und  Nachtunterkommen  von  Kindern  Vorkehrungen ­
  zu  treffen.
III.  Die  Tätigkeit  des  Kinderfürforge-Ausfchuffes  er  ft  reckt  (ich  auf  alle
der  Lebenserhaltung  und  der  Lebensförderung  der  Kinder  dienenden
Einrichtungen  und  umfchließt  die  Kinder  vom  Säuglingsalter  bis
zur  Schulentlaffung.
Um  alle  Fäden  einer  o.rganifch  durdigebildeten  Fürforge  in  einem
Mittelpunkte  zu  vereinigen  und  mit  allen  zuftändigen  Anftalten,  Vereinen
und  Behörden  einerfeits  und  der  Bevölkerung  andererfeits  ftändige  Fühlung
zu  gewinnen,  wurde  von  dem  Ausfchuß  am  1.  Dezember  1916  im  alten
Rathaufe,  Wertherftr.  9,  unter  Leitung  einer  fozial  gefchulten  Beamtin  eine

107
        <pb n="112" />
        108

Kinderfürsorgestelle
eingerichtet  und  für  diefelbe  folgender  Arbeitsplan  aufgeftellt:
Aufgabe  der  Kinderfürforgeftelle  i|t  die  Vorbeugung  gegen  die  fubjektive
  und  objektive  Yerwahrlofung  der  Kinder,  fowohl  hinfichtlich  ihrer
körperlichen  und  geiftigen  Entwicklung,  als  ihrer  flttlichen  Gefährdung.
Der  Keimboden  der  Yerwahrlofung  ift  die  Auffichtslofigkeit.
Die  Tätigkeit  der  Kinderfürforgeftelle  gliedert  fich  in:
A.  Beratung  und  Vermittlung  (Auskunftserteilung  über  die  zuftändigen  örtlichen ­
  Fürforgeeinrichtungen  u.Heranziehen  derfelben  zu  gemeinfamerMitarbeit).
1.  Die  Hygiene  und  Pflege  gefunder  und  kranker  Kinder  (Säuglingspflege, ­
  Krippen,  Milchbefchaffung,  Stillftuben,  Ziehkinderwefen  (unehelidie
  Kinder),  Mutterberatungsftelle,  Heil-  und  Erholungsftätten,
Pflege-pfychopathifdier  und  fiecher  Kinder,  Kinderfpeifung,  Haushülfe).
2.  Die  geiftige  und  fittliche  Erziehung  der  Kinder  (offene,  ergänzende
und  gefchlo|fene  Fürforge),  Vormundfchaftswefen,  Kleinkinderfchulen
und  Kinderhorte,  Privaterziehung,  Berufsberatungsftellen.
B.  Verwaltung  und  Statiftik  (Kinderfürforge-Kartothek,  Erhebungen,
Beobachtung  der  Fachliteratur).
Die  Kinderfürforgeftelle  hält  vormittags  von  11—12V 2  und  nachmittags
von  7:;3—4  Sprechenden  ab,  in  denen  vom  1.  Dezember  1916  bis  30.  Juni
1917  rund  2500  Fälle  erledigt  wurden.
Um  einen  laufenden  Ueberblick  über  die  in  den  verfchiedenen  Anftalten
untergebrachten  Kinder  zu  haben,  führt  die  Kinderfürforgeftelle,  auf  Grund
von  Fragebogen,  Einzelkartotheken  für  die  Krippe,  Kleinkinderfchulen,
Kinderhorte,  das  Carnaper  Kinderheim  und  die  Kinderfpeifung.
Um  die  in  Fabriken  arbeitenden  Mütter  auf  die  Kinderfürforgeftelle
hinzuweifen,  wird  an  fie  in  den  einzelnen  Betrieben  folgender  Fragebogen
verteilt:
Fragebogen.
1.  Betrieb:
Name  der  Mutter:
Wohnung:
Ist  Ihr  Ehemann  militärifch  eingezogen  ?
Wieviel  Kinder  haben  Sie?
(Alter  in  Jahren  anzugeben  )
heben  Ihre  Kinder  alle  in  Ihrem  eigenen  Haushalt?
Wenn  nein,  —  welche  find  in  Pflege  gegeben  und  bei  wem?
Haben  Sie  Angehörige  oder  fonftige  Perk&amp;gt;nen  im  Haushalt,  die  in  Ihrer
Abwerenheit  den  Haushalt  verforgen  und  die  Kinder  beauffichtigen  ?
Wenn  ja,  —  wen  ?
Wenn  nein,  wer  beautfichtigt  Ihre  Kinder,  wenn  Sie  auf  Arbeit  find?
Wenn  Ihre  Kinder  fich  felbft  überlaffen  find,  warum  geben  Sie  fie  nicht
lieber  in  eine  Krippe,  Kleinkinderfchule  oder  Hort?
Wer  beauffichtigi  Ihre  Kinder,  wenn  Sie  Nachtfchicht  haben?
        <pb n="113" />
        109

Säuglingspflege.
Da  die  Mütter  nidh  mehr  in  der  Lage  find,  ihren  Kleinften  die  Sorgfalt ­
  und  Pflege,  wie  in  Friedenszeiten  angedeihen  zu  laffen,  ift  im  Barmer
Säuglingsheim  die  Zahl  der  untergebrachten  Kinder  und  der  Gefamtpflegetage
  während  der  Kriegszeit  ftändig  geftiegen;  1914/15  waren  im  Säulingsheim391,1916/17
  468  kranke  Kinder  untergebracht,  und  die  Gefamtpflegetage

Kriegsniederlaffung  des  Säuglingsheim.  Spielzimmer.

von  24638  im  Jahre  1914/15  auf  28  341  1916/17  geftiegen.  Infolgede||en
war  es  erforderlich,  das  Säuglingsheim  durch  eine  Kriegsniederlaffung  im
Haufe  Lichtenpla^erftr.  8  für  die  Aufnahme  von  weiteren  20  bis  25  Kindern
zu  erweitern,  und  es  wurden  von  der  Wohlfahrtzentrale  zu  dem  Zweck
Mk.  2000.—  bewilligt.  ')  Durch  den  Nationalen  Frauendienft  wurden  an
&amp;gt;)  Von  gro&amp;amp;em  Werte  ift  die  ftädtifche  Mutierberaiungsftelle,  deren  Schwertern  die  Ueberwachung
  der  Haltekinder,  fowie  die  Beratung  der  Mütter  von  Säuglingen  und  Kleinkindern  bis
zum  6.  Lebensjahre  anvertraut  ift.
        <pb n="114" />
        bedürftige  Frauen  feit  Kriegsbeginn  461  vollftändige  Säuglingsausftattungen
gegen  eine  monatliche  Leihgebühr  von  40  Pfg.  ausgegeben.  Wurden  die
Sachen  in  gutem  Zuftande  zurückgeliefert,  erhielten  die  Frauen  die  Hälfte
des  gezahlten  Betrages  zurück 1 .  Zur  Ausbildung  in  der  Säuglingspflege
wurde  von  der  Wohlfahrtzentrale  vom  6.  Januar  bis  10.  März  1917  unter
Leitung  des  Herrn  Profejfor  Selter  aus  Solingen  ein  Lehrgang  mit  praktifchen
Uebungen  veranftaltet,  an
weldiem  135  Frauen  und  Mädchen ­
  teilnahmen.  Ein  weiterer
Kurfus  für  Säuglingspflege  fand
im  Tagesheim  fürfchulentlaffene
Mädchen,  unter  Leitung  von
Fräulein  Riegel  mit  24  Teilnehmerinnen ­
  statt.  *)  Audi  die
Krippe  Oberdörnerftrafje  52  a
nimmt  während  der  Kriegszeit
Kinder  bis  zu  2  Jahren  in
Tag-  und  Nacht  -  Pflege.  Die
Krippe  erhielt  von  der  Wohl-Kriegsniederlaffung
  des  Säuglingsheims.  Badezimmer.  fahrtzentrale  einen  Zufchuf?
von  Mk.  500.—.  Es  wurden

dort  bis  jetzt  35  Kinder  unter  gebracht.
Kriegskinderfürsorge.
Um  das  Barmer  Kleinkinderfchulwefen  zu  fördern  und  zu  vertiefen,
ermittelte  die  Wohlfahrtzentrale  Ende  Oktober  1916  durdi  eine  Rundfrage
die  einzelnen  Verhältni|fe  der  beftehenden  30  Anftalten  und  regte  dann  in
einer  gemeinfamen  Yerfammlung  die  Einfettung  eines  ftändigen  Kleinkinderfchulausfchuffes,
  fowie  den  Ausbau  der  Kleinkinderfürforge  nach  folgenden
Richtlinien  an:
Streng  zu  wahren  bleibt  die  Selbftändigkeit  und  der  jeweilige  konfe|]ionelle
Charakter  der  einzelnen  Kleinkinderfchulen  bezw.  der  (Je  unterhaltenden ­
  Körperfchaften.
Die  Kleinkinderfürforge  ift  und  bleibt  Sadie  inneren  Berufes  und  perfönlicher
  Hingabe.

‘1  Außerdem  erfolgte  unier  Mitwirkung  der  Wohlfahrtzenirale  vom  8.  bis  20.  März  1917  eine
Unterweifung  in  der  Säuglingspflege  durch  eine  Dame  des  Vereins  für  Säuglingspflege  im  Regierungsbezirk ­
  Duffeldorf  (70  Teilnehmer  innen),  fowie  durch  diefelbe  vom  21.  März  bis  3.  April  ein
Unterricht  für  20  Landpflegerinnen  im  Augufte  Victoria  Heim.
        <pb n="115" />
        111

Eingliederung,  in  die  fozicile  Wohlfahrtspflege.  Für  den  Wiederaufbau
der  durch  den  Krieg  zerftörten  und  gefchädigten  Volkshraft  gilt  es  vor
allem  das  deutfche  Familienleben  zu  erhalten  und  zu  ftärhen.  Der  Wert
der  Kleinhinderfürforge  bemijjt  (ich  daher  in  erheblidiem  Maf?e  nach  ihrer
Wirkung  auf  das  Familienleben.  Sie  ift  geboten  als:
I.  Erfatz-Erziehung  an  Stelle  der  völlig  vertagenden  Familie.
II.  Erziehungshilfe,  wenn  wirtfchaftliche  und  perfönliche  Gründe  (z.  B.
Erwerbstätigkeit  oder  Krankheit  der  Mutter)  die  Erziehung  erfchweren.
Um  befonderer  Ungunft  der  Verhältniffe,  wirtfchaftlicher  Notlage  und
dergl.,  durch  einheitliches  Zufammengehen  mit  der  zuftändigen  öffentlichen,
kirchengemeindlichen  und  privaten  Fürforge  (teuern  zu  können,  follte  eine
formularmäfhge  Ermittlung  auf  Grund  von  Hausbefudien  erfolgen.
Aufgabenbereich:  Jedem  Kleinkinde  i|t  in  familienhafter  (nicht  fchulmäjhger)
  Obhut  ein  Mindeftmaf?  an  Körperpflege,  Charakterbildung  und
geiftiger  Schulung  zu  [ichern.
I.  Gefundheitspflege:  Eine  fogenannte  Bewahranftalt,  welche  die  Kleinkinder ­
  vor  den  Gefahren  des  neuzeitlichen  Strafienlebens  und  vor
körperlicher  Vernachlä|figung  fchütd,  genügt  nicht.  Vielmehr  i|t  eine
Fortfet&amp;gt;ung  der  organi(Jeden  Säuglingspflege  (alfo  auch  ärztlidie
Ueberwachung)  erforderlidi,  weil  fonft  deren  fegensreidien  Folgen
vereitelt  werden.
Abgefehen  von  der  Notwendigkeit  gefunder  Räume  und  geeigneter ­
  Spielplätze  find  erwünfeht:
a)  Beratung  und  Aufklärung  der  Mütter  über  die  Körperpflege  und
Ernährung  der  Kleinkinder  durch  die  Kindergärtnerin  oder  den
der  Mutterberatungsftelle  vorftehenden  Arzt.  Befonders  find  dabei ­
  unterernährte  Kinder,  fowie  die  konftitutionellen  und  infektiöfen
Krankheiten,  Tuberkulofe,  Skrofulofe,  englifche  Krankheit,  Rachitis
und  Keuchhu|ten  zu  beachten.  Nötigenfalls  follte  audi  eine  Ausdehnung ­
  der  Ferienkolonien  auf  die  betreffenden  Kleinkinder
angeftrebt  werden.
b)  Wartung  ein-  bis  vierjähriger  Kinder  (Liege|tühle,  Badegelegenheit).
c)  Fürforge  für  körperlich  und  geiftig  abnorm  veranlagte,  nicht  vollfinnige,
  imbecille,  debile,  neuro-  und  pfychopathifche  Kleinkinder.
Einführung  von  Perfonalbogen  mit  laufender  Eintragung  des  Befundes ­
  als  Unterlage  für  fpätere  fchulmäfjige  Behandlung.
II.  Erziehung.  Im  Gegenfatz  zu  einer  fogenannten  Spielfchule  i|t  die
geordnete  Förderung  der  (eelifchen,  geiftigen  und  praktifch  tätigen
        <pb n="116" />
        Entwicklung  des  Kleinkindes  unerläßliche  Pflichtaufgabe.  Es  genügt
alfo  nicht  die  Kinder  lieb  zu  haben  und  mit  ihnen  heiter  und  glücklich ­
  zu  fein,  fondern  es  gilt  verantwortungsvolle,  verfeinerte  Erziehungsarbeit ­
  zu  leiften.

Ein  Raum  in  der  MuHer-Kleinkinderfchule.

Nicht  nur  wird  zu  achten  fein  auf  die  Gewöhnung  des  Kleinkindes  an
Gottesfurcht,  Wahrheitsliebe,  Gehorfam,  Ordnung,  Pünktlichkeit,  Sauberkeit
und  Kameradfchaftlichkeit,  fondern  auch  Auge,  Ohr  und  Hand  find  zu
fchulen,  Betätigung,  Kraftübung  und  Kraftentfaltung  zu  pflegen.  Es  folgt  die
Bildung  kleiner  Kinderfamilien  unter  abwechselnder  Uebernahme  einzelner
Pflichten  feitens  der  größeren  Kinder.  Kindlidies  Anfchauungsmaterial,  (möglichft
  Tier-  und  Pflanzenpflege),  richtige  Auswahl  der  Sing-  und  Bewegungsfpiele,
  fowie  Fröbelfche  Befchäftigungsarbeiten  unterftüßen  die  Leiterin.
Um  dem  einzelnen  Kleinkinde  gerecht  zu  werden,  darf  die  Zahl  der
einer  Leiterin  anvertrauten  Pfleglinge  eine  Höchftgrenze  nicht  überfchreiten.
        <pb n="117" />
        Vorbildung,  der  Leiterin:  Um  die  hygienifchen  und  fozialen  Anforderungen ­
  erfüllen  zu  können,  follte  die  Leiterin  der  Kleinkinderfchule  in  der
einfchlägigen  Gefundheits-  und  Unterrichtslehre,  fowie  in  der  allgemeinen
Wohlfahrtspflege  (z.  B.  für  Hausbefuche  und  Mutterberatung)  gründlich  be-Halle

  mit  Liegefiühlen  in  der  Mufter-Kleinkinderrduile.
wandert  |ein.  Zur  fortlaufenden  Unterweifung,  auch  der  (tändigen  und
der  möglichft  zu  gewinnenden  freiwilligen  Helferinnen,  empfiehlt  (ich  von
Zeit  zu  Zeit  die  Abhaltung  von  Fortbildungslehrgängen.
Zur  Einführung  in  die  erweiterten  Aufgaben  der  Kleinkinderfürforge
veranftaltete  die  Wohlfahrtzentrale  zunächft  am  8.  November  1916  einen
Vortrag  der  Leiterin  des  Peftalozzi  -  Fröbelhaufes,  Fräulein  Lilly  Dröfcher,
Berlin,  fodann  vom  2.—31.  Januar  1917  unter  Leitung  von  2  bewanderten
Lehrkräften  des  Peftalozzi-Fröbelhaufes  einen  Fortbildungskurfus  für  Kleinkinderfchulleiterinnen
  und  -Helferinnen.  Eine  der  Berliner  Damen  wurde
        <pb n="118" />
        114

Schlafraunt  im  Heim  für  Kleinkinder  von  Munitionsarbeiierinnen.

dann  Ende  Februar  1917  für  weitere  3  Monate  zur  prabtifchen  Durchführung ­
  der  Kleinhinderfchul-Verbefferungen  gewonnen.
Da  die  Kleinhinderfchulen,
  bisher
ganB  auf  fidi  felbft
angewiefen,  fchon  in
Friedenszeiten  verfchiedentlich
  mit  Vertu ­
  ft  gearbeitet  und
nicht  unerhebliche
Schulden  bu  tilgen
hatten,  wurde  auf
Grund  umfaffender
Erhebungen  der  Antrag ­
  auf  Gewährungeinesjährlichen, ­

ftädtifchenZufchuffes
in  Höhe  von  Mb.  15000  ge|tellt  und  alsbald,  fowohl  für  1916,  als  audi  für
1917  von  der  Stadtverordneten-Verfammlung  gebilligt.  Durch  den  innern
und  äußeren  Ausbau  der  Kleinhinderfdiulen
  entftehende  befondere
  Koften  übernahm  die
Wohlfahrtzentrale  und  beliefen
(ich  diefelben  bis  zum  31.  Mai  1917
auf  rund  Mb.  11000.  -.
Eine  von  der  Wohlfahrtzentrale
  im  Frühjahr  1917  geplante
Kinderfürforge  -  Ausftellung,  für
welche  bereits  die  Wanderausftellungen
  „  Kleinbinderfürforge“
des  Zentralinftitutes  für  Erziehung
und  Unterridit  jowie  „Säuglingsfchuh
  “  des  Kaiferin  Augu  |teVictoria
Heimes  zurBebämpfungderSäuglingsfterblidhbeit
  zugefagt  waren,
muffte  leider  wegen  der  inzwifchen  Tagesraum  im  Heim  für  Kleinkinder
auftretenden  außerordentlichen  von  Munitionsarbeiterinnen.
Verbehrs-  und  Ernährungsfehwierigbeiten  unterbleiben.
        <pb n="119" />
        115

Um  die  einheitliche  Umgestaltung  der  Barmer  Kleinhinderfchulen  nach
den  aufgeftellten  Richtlinien  und  den  durch  die  Berliner  Damen  gegebenen
Anregungen  durchzuführen,  wurde  die  Kleinkinderfchule  Sehlhofftraße  47
als  Mufleranftalt  ausgebaut:
Helle,  luftige  Räume,  lebhafte  und  doch  harmonifche  Farbengebung,
bünftlerifche,  dem  kindlichen  Verftändnis  angepaßte  Steindrucke  an  den
Wänden,  gemütliche  Spieleckdien  mit  Puppen  und  Pferdchen,  Blumen  an
den  Fenftern  und
in  den  Ecken,farbenfreudige ­
  Bauerntöpfe ­
  auf  denWandgefimfen,
  bunte  Kattunbehänge ­
  oben  an
den  Fenftern  und
hinter  den  Glasfcheiben
  der  Schränke, ­
  und  inmitten
diefer  Umgebung
die  Kinder  beim
frohen  Spiel,  —  ein
traulidies,  fonniges
Heim  voll  Frohfinn
Und  Leben!  Führ-  Spielplafe  des  Heims  fiir  Kleinkinder  von  Munitionsarbeiferinnen.
wahr,  ein,einenPinfel
reizendes  Motiv,  diefes  Märchenland  der  Kinderftuben!  Vor  dem  Fenfter
raufdien  die  hohen  Bäume  des  Schulhofes,  und  in  der  Halle  ftehen  die
Liegeftühle  für  die  Mittagsruhe  der  Kinder  bereit.  —
Ganz  befonders  wertvoll  ift  die  individuelle  Behandlung,  wie  (te  hier
dem  Bewegungs-  und  Tätigkeitsdrang  des  Kindes  im  freien  Spiel  und  bei
anregender  Befchäftigung  entgegenkommt,  die  Sinne  übt  und  entwickelt,
die  Charakterbildung  beeinflußt,  dem  Kinde  im  froheften,  ungezwungenften
Gewährenlaffen,  doch  forgfältigfte  Beobachtung  und  Leitung  angedeihen ­
  läßt  und  fo  in  Wahrheit  das  Elternhaus  im  beften  Sinne  erfehen
vermag.
Auch  die  innere  Einrichtung  der  anderen  Kleinkinderfchulen  wurde
durch  geeignete  Tifche  und  Bänke,  Liegeftühle  zur  Mittagsruhe,  Wafcheinrichtungen
  und  Befchäftigungsmaterial  (Faltblätter,  bunte  Holzperlen,  Glanzpapier, ­
  Scheerchen  ufw.)  ergänzt.
        <pb n="120" />
        116

Die  Notwendigkeit  der  Fürforge  für  die  Kleinhinder  folcher  Frauen,
die  den  ganzen  Tag  durch  ihre  Arbeit  gebunden  find,  macht  es  nötig,
einzelne  Kleinhinderfchulen  in  verfchiedenen  Stadtteilen  von  6'/*  Uhr
morgens  bis  8  Uhr  abends  offen  zu  halten  und  die  Kinder  auch  in  den
Anftalten  zu  verpflegen.  Die  Tagesheime  erhalten  das  Effen  für  die  Kinder
aus  den  benachbarten  Stadtküchen.  Brot  müffen  die  Mütter  ihnen  mitgeben,

Arbeiten  der  Spielzeugklinik  des  Nationalen  Frauendienftes
auf  der  Barmer  Ausllellung  1915.

Vollmilch  erhalten  fie  nach  Abgabe  der  Milchkarte,  Magermilch  durch  befondere
  Zuteilung  des  Milchamtes.  Au(ier  dem  für  [amtliche  Kleinkinderfchulen
  vereinbarten  einheitlichen  Pflegefatj  von  60  Pfg.  monatlich,  bezahlen
die  Kinder  für  das  Mittageffen  täglich  20  Pfg.,  den  Zufchu|?  trägt  die  Wohlfahrtzentrale. ­
  Milch  wird  zum  Selbftkoftenpreis  abgegeben.  Bis  jetd  find
als  Tagesheime  eingerichtet  die  Kleinkinderfchulen  Carnaperftr.  20,  Bärenftra(?e
  14,  Bruderftr.  8,  Hügelftr.  11,  Auerftr.  27  und  die  am  Wichlinghaufer-
        <pb n="121" />
        117

markt  neu  eingerichtete  Kriegskleinkinderfdiule.  Für  folche  Kleinkinder,
deren  Unterbringung  bei  Verwandten  oder  Nachbarn  nicht  möglich  ift,
bleiben  mehrere  Kleinkinderfchulen  während  der  Ferien  geöffnet.  Aufgeldern ­
  fchon  genannten  Ausbildungskurfus  fand  auf  Koften  der  Wohlfahrtzentrale ­
  noch  ein  zweiter  Kleinkinderfchul-Lehrgang  vom  20.  März  bis
20.  Mai  unter  Beteiligung  von  25  Helferinnen  ftatt.
In  den  Barmer  Kleinkinderfchulen  |Ind  insgefamt  rund  3000  Kleinkinder, ­
  davon  rund  200  den  ganzen  Tag  über,  unter  gebracht.
In  der  Spielaeugklinik  des  Nationalen  Frauendienftes  wurden  in  den
3  Kriegswintern  6  900,  von  Barmer  Kindern  gefchenkte,  Spielfachen  inftandgefefft
  und  zu  Weihnachten  armen  Kindern  befcheert.
Heim  für  Kleinkinder  von  Munitionsarbeiterinnen.
Für  einige  Kleinkinder,  deren  Mütter  in  Nachtfchicht  arbeiten,  war  die
Einrichtung  eines  Tages-  und  Nachtheimes  erforderlich.  Zu  dem  Zwecke
wurden  im  März  1917  im  oberen  Stockwerk  der  Kleinkinderfchule  Carnaperftraße
  12  b  zwei  große  luftige  Räume  freundlichft  zur  Verfügung  geftellt.
Die  Kinder  find  dort  der  Pflege  einer  in  der  Kinderpflege  erfahrenen  Hausmutter ­
  und  dauernder  ärztlicher  Beobachtung  anvertraut.  Das  mit  20  Betten
eingerichtete  Heim  erweift  [ich  indeffen  fchon  jefft  als  zu  klein,  fodaß  die
Eröffnung  eines  zweiten  Heimes  in  Ausficht  genommen  ift.  Der  Zufchuß  der
Wohlfahrtzentrale  zu  dem  Kinderheim  betrug  bis  20.  Juni  1917  Mk.  2052,44.
Schulkinderpflege.
Bei  Ausbruch  des  Krieges  fehlen  es  zunächft,  als  fei  jede  notwendige
Forderung  erfüllt,  wenn  die  Kinder  bis  zum  Schulanfang,  unter  geeigneter
Aufficht,  zu  Spiel,  Erholung  und  Befchäftigung  vereinigt  würden.  So
wurden  in  den  Ferien  in  jedem  Schulbezirke  wöchentlich  2  bis  3  Nachmittagswanderungen ­
  und  Spiele  im  Freien  veranftaltet.  Die  Beteiligung
war  fehr  rege.  In  einzelnen  Schulbezirken  nahmen  regelmäßig  über  100
Kinder  an  den  Wanderungen  teil.
Auf  drei  Grundftücken  wurden  ferner  die  Knaben  und  Mäddien  mit
Gartenarbeiten  befchäftigt.  Die  betreffenden  Flächen  wurden  zunächft  durch
Arbeitslofe  umgegraben,  wofür  insgefamt  Mk.450.—  Lohn  bezahlt  wurden.
Sodann  erfolgte  unter  Leitung  fachverftändiger  Damen  und  Herren  die
Ausfaat  und  das  Seffen  der  kleinen  Pflänzchen.  Wenngleich  auch  die  Erträgni|fe
  mäßige  waren,  weil  das  Wetter  der  Ausfaat  zu  ungünftig  wurde,  war
doch  die  Befchäftigung  für  die  Kinder  eine  nützliche  und  anregende.
        <pb n="122" />
        An  Strickarbeiten  für  Liebesgaben  fertigten  die  Schulhinder  an:  1217
Paar  Soeben,  418  Kopffchüber,  299  Schals,  988  Paar  Stauchen,  39  Ohrenfchüber.
  Das  Material  für  diefe  Strickarbeiten  (teilte  die  Wohlfahrtzentrale
zur  Verfügung.
Die  Neueinrichtung  von  Kleinhinderfchulen,  Kinderhorten  oder  ähnlichen ­
  Anftalten,  die  in  anderen  Städten  (ehr  bald  in  weitern  Umfange  notwendig ­
  wurden,  erwies  (ich  zunächft  als  vollftändig  überflü(fig.  Die
Arbeitslo(igheit  lieb  den  Müttern  mehr  Zeit  als  genug,  die  Kinder  felbft  zu
überwachen  und  zu  leiten,  und  es  mufite  als  ein  Glück  erfcheinen,  daf?  die
Kinder  nicht  dem  häuslichen  Kreife  entzogen  wurden.
Im  Anfang  des  Krieges  war  in  Barmen  die  Zahl  der  die  Horte  begehenden ­
  Kinder,  im  Gegenfab  zu  vielen  anderen  Städten,  (ogar  zurückgegangen. ­
  Erft  im  Jahre  1916  trat  aus  den  fchon  erwähnten  Gründen  eine
ftarhe  Inanfpruchnahme  der  Horte  ein,  fodafi  die  beftehenden  5  Horte  bald
überfüllt  waren  und  6  neue  Kriegshinderhorte  eingerichtet  werden  mußten;
letztere  Krautftr.  37,  Oberdörnerftr.  84,  Ritterftr.  32,  fowie  in  den  Schulen  am
Wichlinghaufermarht,  an  der  Eichenftrabe  und  an  der  Gewerbejchul-  und
Heidter|tr.-Ecke.  Sie  werden  durchschnittlich  von  je  100  Kindern  befucht.  Mit
Ausnahme  des  Hortes  an  der  Krautftrabe,  erhalten  die  Kriegshinderhorte
das  Mittage|fen  aus  den  Stadthüchen.  Für  feine  Zwecke  wurden  dem
Verein  für  Kriegshinderhorte  bis  zum  31.  Mai  1917  von  der  Wohlfahrtzentrale ­
  Mh.  21010.—  vergütet.
Unter  Leitung  der  Vorfteherin  der  fozialen  Frauenfchule  am  Oberlyceum
  fanden  auf  Koften  der  Wohlfahrtzentrale  im  Januar  1917  im  Gemeindehaus ­
  Oberdörnerftr.  85  zwei  Ausbildungshurfe  für  Kinderhortleiterinnen
und  -Helferinnen  unter  Beteiligung  von  50  Teilnehmerinnen  |tatt.
Aussendung  von  Kindern  aufs  Land.
Schon  1916  erfchien  für  die  Herbftferien  ein  Erholungsaufenthalt  bedürftiger, ­
  nicht  ausreichend  ernährter  Kinder  auf  dem  Lande  hoch  ft
wünfehenswert.  Eine  Rundfrage  des  Nationalen  Frauendienftes  bei  den
Geiftlichen  auf  dem  Lande  betreffs  Unterbringung  erholungsbedürftiger
Kinder  fand  eine  über  alles  Hoffen  und  Erwarten  hinausgehende  Unterftübung.
  In  53  Orten  des  Rheinlandes,  des  Oberbergifchen,  des  Siegerlandes ­
  öffneten  [ich  gaftfreundliche  Häufer,  in  denen  die  Kinder  ganz  unentgeltlich ­
  mit  herzlicher  Freude  und  dauerndem  Wohlwollen  aufgenommen
wurden.  1015  Kinder  honnten  feitens  des  Nationalen  Frauendienftes  ausgefandt
  werden;  dazu  harnen  430,  die  durch  Vermittlung  des  Caritasver-
        <pb n="123" />
        Kriegskinderhort  im  Gemeindehaule  on  der  Chrifiuskirdie
        <pb n="124" />
        120

bandes  in  etwa  10  verfchiedenen  Ortfdhaften  der  Eifel  und  in  der  Umgegend
von  Cöln  untergebracht  wurden,  fodaß  im  ganzen  1445  Kinder  unter  Aufficht ­
  ihrer  ehrenamtlichen  Reifebegleiter  und  Begleiterinnen  fröhlich  ihrer
Ferienheimat  entgegenfuhren.  Die  Reifehoften  in  Höhe  von  Mk.  6000.—
trug  die  Wohlfahrtzentrale,  der  von  einem  hinderfreundlichen  Geber  für
diefen  Zwech  Mh.  2000.—  befonders  zur  Verfügung  geftellt  waren.  —
Leider  mußten  81  Kinder  vor  Ablauf  der  ganzen  Zeit  zurüchhehren;  die
übrigen  durften  die  volle  Wohltat  eines  fünfwöchentlichen  Landaufenthaltes
bei  befter  Verpflegung  genießen.
Und  wie  die  Kinder  verpflegt  worden  find,  davon  zeugten  am  beften
die  frifchen  Bachen  und  ftrahlenden  Augen  der  Zurücbgehehrten  und  die
Gewichtszunahmen.  Nicht  in  allen  Fällen  war  es  möglich,  die  Kinder  gleich
nach  der  Ankunft  von  der  Reife  zu  wiegen.  Wo  es  aber  gefchehen  ift,
da  wurden  audi  Gewichtszunahmen  feftgeftellt,  —  als  mindefte  3  Pfund,
als  höchfte  20  Pfund,  im  Durchfchnitt  10—12  Pfund.  Und  die  Güte  der
freundlichen  Wirte  konnte  (ich  oft  mit  der  trefflichen  Verpflegung  nodi
nicht  genug  tun;  von  Kopf  bis  zu  Fuß  neu  gekleidet  kehrten  viele  der
Kinder  zurück,  alle  wohl  ausnahmslos  mit  reichlichen  Gaftgefchenken  beladen.
Die  wachsenden  Sdiwierigkeiten  ausreichender  Ernährung  in  der  Großftadt
  liefen  es  audi  im  fahre  1917  wünfchenswert  erfcheinen,  frühzeitig  an
die  Ausfendung  der  Kinder  zu  denken  und  fie  vom  Frühjahr  an,
möglichft  bis  nach  Einbringung  der  neuen  Ernte,  auf  dem  Lande  zu  la|jen.
Rund  1000  Werbebriefe  wurden  an  Landratsämter  und  Geiftliche  verfandt.
Den  Erfolg  geben  die  nachftehenden  Zahlen  wieder:
1640  Kinder  konnten  feitens  des  Nationalen  Frauendienftes  ausgefandt
werden  und  zwar  fanden  diefelben  freundliche  Aufnahme,  zum  Teil  unentgeltlich, ­
  zum  Teil  gegen  eine  Vergütung  von  Mk.  0.50  für  den  Tag  in
2  Orten  im  Großherzogtum  Oldenburg,  3  Orten  in  Weftfalen,  8  Orten  im
Rheinland,  in  Pyrmont  in  Waldeck,  in  22  Orten  in  Oberhelfen,  30  Orten  in
Rheinheffen,  8  Orten  im  Herzogtum  Coburg.
35  ehrenamtliche  Helfer  und  Helferinnen,  größtenteils  aus  Lehrerkreifen,
  übernahmen  die  Begleitung  der  Kinder.  In  verfchiedenen  Fällen  war
längeres  Verbleiben  einer  Auffichts-  und  Mittelperfon  notwendig,  je  nach
den  fidi  ergebenden  Schwierigkeiten  für  2—14  Tage.  Wiederholt  wurden
in  fchwierigen  Fällen  Vertrauensperfonen  zur  perfönlichen  Löfung  irgend
welcher  Verwicklung  ausgefandt.  Diefe  Notwendigkeiten  ergaben  (ich  befonders ­
  aus  der  Verfchiedenheit  in  der  Regelung  der  Lebensmittelverforgung,
        <pb n="125" />
        Spielplatz  eines  Kriegskinderhortes
        <pb n="126" />
        dann  aber  auch  —  leider  —  aus  einem  meift  recht  unbegründeten  Heimweh ­

  der  Kinder.
An  Unkosten  erwuchfen  der  Wohlfahrtzentrale  bisher:
Für  Reifefpefen  der  Kinder  und  ihrer  Begleiter,  Vergütung
an  die  Pflegeeltern,  fowie  fonftige  Unkoften  (Druckfachen,
  Porti  ufw.)  Mb.  10143.—
Für  die  Ausftattung  der  Kinder  mit  Kleidern,  Schuhwerk  etc.
in  Fällen  befonderer  Bedürftigkeit  „  3  021.10
Außerdem  wurden  dem  Caritasverband  für  die  Ausfendung
von  800  Kindern  überwiefen  „  3000.
Ferner  übernahm  die  Wohlfahrtzentrale  die  Bejchaffung  von
Kleidung,  Schuhwerk  etc.  für  die  feitens  der  Stadtverwaltung ­
  nach  Pommern  ausgefandten  Kinder  in
Höhe  von  „  4513.07

Mb.  20677.17
(Davon  feitens  der  Stadt  zurücküberwiefen  Mk.  14874.87,  alfo  Zufdiuf?
der  Wohlfahrtzentrale  Mk.  4802.30.)
Im  ganzen  wurden  1917  aus  Barmen  aufs  Land  gefandt:
Durch  den  Caritasverband  nach  Holland  (Limburg),  Württemberg ­

  und  Hohenzollern  1585  Kinder
Durch  den  Kreisverband  Barmen  der  ev.  Frauenhilfe  .  .  .  300  „
Seitens  der  Stadt  nach  Pommern  571  „
Durch  den  Waldecker  Verein  106
Durdn  den  Nationalen  Frauendienft  1640  „
4202  Kinder

Bekleidung  bedürftiger  Konfirmanden  bezw.  Kommunikanten.
Für  diefelbe  bewilligte  die  Wohlfahrtzentrale  fowohl  Oftern  1916,  als
auch  Oftern  1917  je  6000  Mk.,  welche  nach  Maßgabe  der  an  der  Einfegnung
beteiligten,  bedürftigen  Kinder  auf  die  verfchiedenen  Kirchengemeinden  wie
folgt  verteilt  wurden:  1916  1917

Evangel.  Gemeinde  U.-Barmen  .  .  .

1500.—

1855.—

„  „  Barmen-Wupperf.

1500.

1225-Kath.

  Pfarramt  St.  Antonius  ....

1500.

1360-Luther.

  Gemeinde  Barmen-Wiehl.  .  .

800.

785.—

Reformierte  Gemeinde  Gemarke  .  .

700.

775.  -
        <pb n="127" />
        122

Jugendpflege.
Ver  sacrum:  Ihr  leid  das  Saatkorn
einer  neuen  Welt.

eider  ftellten  (ich  der  obligatorifchen  Sammlung  der  halbwüchfigen
  Mädchen  zur  hauswirtfdiaftlichen  Unterweifung
unüberwindliche  Schwierigkeiten  entgegen.  In  Verfolg  der
überaus  wichtigen  Aufgabe  gründete  aber  die  Wohlfahrtzentrale ­
  Anfang  Mai  1915  gemeinfam  mit  dem  Nationalen
Frauendienft  in  dem  für  den  Zweck  fehr  geeigneten  großen  Haufe,  Carnaper-Itraf^e
  73,  ein  Tag.esfieim,  in  welchem  fchulentlajfene  Mädchen,  etwa  bis  zum
20.  Lebensjahre,  im  Kochen,  in  Hausarbeiten,  Zufchneiden  und  Nähen  von
Wäfche  und  Kleidungs(tücken,  Wafchen  und  Bügeln,  Flicken  und  Ausbejjern,
häuslicher  Gefundheitspflege  und  Gartenarbeit  unterwiefen  und  beim
Wandern,  Singen  und  Turnen  zu  fröhlicher  Gemeinfchaft  vereinigt  werden.
Audi  dürfen  die  Mädchen  an  beftimmten  Wochentagen  unter  Auf  ficht  zu
ermäßigtem  Preife  das  Kur-  und  Schwimmbad  in  der  Allee  benutzen.
Für  die  Aufnahme  in  das  Tagesheim  wird  ein  Eintrittsgeld  von  2  Mark
erhoben,  außerdem  für  jeden  Kurfus  ein  Einfehreibegebühr  von  1  Mark.
Um  aber  auch  völlig  unbemittelten  Mädchen  den  Befuch  des  Tagesheims
zu  ermöglichen,  wurden  von  Mitgliedern  des  Nationalen  Frauendienftes
Mittel  für  Frei  (teilen  bereitgeftellt.  Die  Kochfchülerinnen  erhielten  anfänglich ­
  im  Heim  freies  Mittageffen,  feit  Herbft  1915  haben  (le  für  die  Mahlzeit
20  Pfg.  zu  entrichten.  Die  Teilnehmerinnen  an  den  Nähkurfen  können
entweder  für  (ich  felbft  oder  gegen  eine  kleine  Vergütung  für  die  Wohlfahrtzentrale ­
  arbeiten.
Für  die  Einrichtung  des  Tagesheims,  die  anheimelnd  ausgeftatteten
Wohnräume  mit  Bücherei  und  Unterhaltungsfpielen,  die  hübfchen  Eßzimmer
        <pb n="128" />
        und  die  luftigen  hellen  Arbeitsräume  wurden  viele  Gegenftände  aus  der
Bürgerfchaft  geftiftet.  Die  Stadtverwaltung  (teilte  für  die  Kochkurfe  2  vollftändige
  Kücheneinrichtungen,  fowie  für  die  Gartenarbeit  ein  nahegelegenes
Grundftück  zur  Verfügung.
Das  Tagesheim  wird  von
einer  Gewerbelehrerin  und
von  einer  Hausmutter  geleitet.
Der  Unterricht  wurde  anfangs
von  35  teils  befoldeten,  teils
freiwilligen  Lehrkräften  erteilt
und  zwar  war  für  jeden  Kurfus
eine  Fadikraft  gewonnen,  der
je  eine  Helferin  zur  Seite  fand.
Allmählich  i|t  je  einer  befoldeten ­
  Lehrkraft  eine  größere
Anzahl  von  Stunden  übertragen ­
  worden,  fodafi  jetf,
aufer  der  Leiterin  und  der
Hausmutter,  nodi  6  befoldete
und  2  ehrenamtlidie  Lehrkräfte  tätig  find.
Allmählidi  maditen  fidi  für  das  Tagesheim  die  allgemeinen  Sdiwierigkeiten
  in  der  Befchafung  von  Material  zu  Näharbeiten  geltend;  dazu  kam
die  größere  Möglidikeit,  bezahlte  Arbeit  zu  finden,  fodaf?  in  der  Zahl  der
Schülerinnen  (Idi  ein  Rüd^gang  bemerklich  madite.
Die  Kurfe  wurden  bereits  im  2.  Jahre  von  8  Wodien  auf  die  Dauer
von  Tertialen  erweitert  und  der  Unterricht  in  den  Ferien  ausgefeft.  Die
Hausmutter  verfammelte  jedoch  in  diefer  Zeit  die  Mäddien  öfter  zu  Spiel
und  Wanderungen  um  (idr,  wie  fie  |ich  audi  durch  Hausbefudie  und  perfönlieh
  Fühlung  mit  den  Eltern  der  Mädchen  annimmt.  In  der  Regel  wurde
in  den  Ferien  wöchentlidi  je  eine  Tageswanderung  mit  durdifchnittlidi  30
Teilnehmerinnen  und  eine  Halbtagswanderung  mit  durdifchnittlidi  20  Teilnehmerinnen ­
  veranftaltet.  Zwölfmal  wurden  die  Mäddien  zu  gefelligen
Nachmittagen  im  Heim  verfammelt.
Sämtlidie  Lehrkräfte  treten  an  befonderen  Elternabenden,  die  ftets  fehr
zahlreich  befudit  find,  mit  den  Eltern  der  Schülerinnen  in  perfönliche  Verbindung. ­
  Es  fanden  in  jedem  Kurfus  Elternabende  ftatt,  die  mit  Vorträgen
wie:  „Zweck  und  Aufgaben  des  Tagesheims“,  „Bilder  aus  dem  Frauenleben“, ­
  „Berufswahl“,  „Die  Gefundheit  unferer  Jugend“,  „Mutter  und  Kind“,
        <pb n="129" />
        124

„Unfer  Heim  —  unfer  Schmuck“  u[w.,  fowie  mit  mufikalifchen  und  deklamatorifdien
  Darbietungen  und  kleinen  Aufführungen  der  Schülerinnen  verbunden ­
  waren.  Befonders  |timmungsvoll  geftaltete  (Ich  im  letzten  Jahre  die
Weihnachtsfeier,  bei  der  nur  ein  Lichtlein  am  Baume  brennen  durfte;
lebende  Bilder  riefen  Weihnachten  im  Schützengraben  vor  die  Seele.

Tagesheim:  Nähunierricht.
Die  Zahl  der  Teilnehmerinnen  an  den  einzelnen  Kurfen  vom  4.  Mai
1915  bis  hu  den  Herbftferien  1917  Heigt  die  nachfolgende  Aufteilung:
Kochen  und  Hauswirtfchaft  422  Schülerinnen
Flicken,  Stopfen  und  Ausbetern  .  .  .  742
Wäfchenähen  694  „
Kleidernähen  515  „
Gemüfebau  230  „
Gefundheitspflege  227
Säuglingspflege  (bis  jeht  nur  ein  Kurfus)  15
Die  Kurfe  waren  alfo  belegt  von  .  .  .  2845  Teilnehmerinnen.
        <pb n="130" />
        125

Um  den  Wert  der  Produktion  und  deren  Zufammenhang  mit  der
Hauswirtfchaft  zu  betonen,  find  jetri  die  Haushaltungsfchülerinnen  audi  zur
Teilnahme  am  Gartenbau  verpflichtet.
110  Schülerinnen  hatten  Freiftellen.  209  Schülerinnen  fanden  vom
Tagesheim  aus  Stellung  und  zwar  79  in  Fabriken,  33  Verkaufslehrftellen,
16  Lehrftellen  als  Näherin,  46  im  Haushalt,  15  bei  der  Wohlfahrtzentrale,

Tagesheim.  Koduinierricht.
1  im  Kontor,  9  bei  Kindern,  3  als  Laufmädchen,  4  als  Helferinnen  in  Kindergärten ­
  oder  Kleinkinderfchulen,  3  gingen  zur  Handelsfchule  über.  Denjenigen ­
  Schülerinnen,  die  ein  ganzes  Jahr  im  Tagesheim  gewefen  waren,
wurde  diefes  Jahr  bei  Näherinnen  mehrfach  auf  die  Lehrzeit  angerechnet.
Unter  den  Eltern  der  Schülerinnen  befanden  [ich  beifpielsweife  Fabrikarbeiter ­
  103,  Bandwirker  69,  Meifter  69,  Riemendreher  21,  Färber  13,
Schloffer  44,  Schreiner  40,  fonjtige  Handwerker  94,  Erdarbeiter  4,  Kutfdier  9,
        <pb n="131" />
        126

kleine  Beamte  37,  Handlungsgehilfen  26,  Polizeibeamte  11,  kleine  Händler
ufw.  17,  Invaliden  7,  verwitwet  107.
Die  Einrichtungskoften  des  Tagesheims  betrugen  Mk.  4570.77;  die  Betriebskoften
  beliefen  [ich  im  erften  Jahre  auf  durchfchnittlich  Mk.  1000.—  für
den  Monat,  im  zweiten  Jahre  auf  Mk.  1163.—.  Die  GefamtaufWendungen

Tagesheim.  Eizimmer.
der  Wohlfahrtzentrale  für  das  Tagesheim  beziffern  fidi  bis  Ende  Mai  1917
auf  Mk.  28  744,34.
Auskunftstelle  für  weibliche  Berufe  mit  Lehrstellenvermittlung.
Die  Äusfuinftfielle  für  weibliche  Berufe  mit  Lehrftellenvermittlung  i|t
dem  „Kartell  der  Auskunfteien  für  Frauenberufe“  angefdiloflen,  das  1911
im  Anfchlu|r  an  die  1.  Konferenz  für  die  Berufsberatung  des  weibl.  Gefdrledits
        <pb n="132" />
        gegründet  wurde  und  dem  f.  Z.  (1916)  etwa  80  Auskunft  (teilen  angehörten.
Die  Gefchäftsfelle  ift  das  Frauenberufsamt  des  Bundes  deutfcher  Frauenvereine, ­
  Berlin,  unter  Leitung  von  Frau  Jofephine  Levy-Rathenau.
Die  Gründung  erfolgte  im  März  1916  durch  den  Nationalen  Frauendienft
  mit  finanzieller  Unterfüt?ung  der  W.-Z.  in  der  Erkenntnis,  daf  Frauen-Tngesheim.

  Unterhallungsraum.

arbeit  volkswirtfchaftlidi  unentbehrlich  ift  und  daf  ihr  Wert  mit  der  Gründlichkeit ­
  der  Ausbildung  fteigt.
Die  Auskunftfelle  für  weibliche  Berufe  betrachtet  es  als  ihre  Aufgabe:
1.  Auf  eine  gründliche  Berufsausbildung  der  Mädchen  hinzuwirken,
fowohl  im  Haushalt,  als  auch  in  induftriellen,  kaufmännifchen  oder
handwerklichen  Betrieben;
2.  die  weiblichen  Arbeitskräfte  auf  geeignete  Berufe  hinzuweifen  und
fie  von  ungeeigneten  zurückzuhalten;
        <pb n="133" />
        3.  vor  einem  Hineindrängen  in  überfüllte  Berufe  zu  warnen;
4.  den  einzelnen  Bewerberinnen  Auskunft  zu  erteilen  über  die  Möglichkeiten ­
  und  Koften  der  Ausbildung,  fowie  über  Erwerbsausfiditen;
5.  auf  Wahl  des  Berufes  nach  Neigung  und  körperlicher,  fowie  geiftiger
Befähigung  hinzuwirken;
6.  Die  Auskunftfuchenden  zu  veranlaffen,  daß  fie  fich  einer  gründlichen
Lehre  unterziehen,  in  welchem  Berufe  es  auch  fei;
7.  Lehrftellen  zu  vermitteln.
Die  nötigen  Unterlagen  für  diefe  Arbeit  wurden  durch  Fragebogen
gewonnen,  welche  mit  Befürwortung  der  Handelskammer,  des  Vereins  zum
Schut?  für  Handel  und  Gewerbe  und  des  lnnungsausfchu|fes  verfchickt
wurden.
Berufsaustcunft.
Eine  Anzahl  der  Auskunftfuchenden  wandte  [ich  den  Berufen  der
Hausbeamtin,  Gärtnerin,  Kindergärtnerin,  Jugendleiterin,  Landpflegerin  der
fozialen  Tätigkeit  oder  der  Photographie  zu;  andere  erlernen  jetd  das
Wäfchenähen,  Schneidern  oder  Puhmachen;  vor  dem  Herandrängen  in  kaufinännifche
  Berufe  mit  unzulänglicher  Vorbildung  wurde  gewarnt;  eine  Anzahl ­
  der  Ratfuchenden  erhielt  Auskunft  über  Lehrberufe  und  akademifches
Studium.
Vor  allen  Dingen  ift  bei  der  Berufsauskunft  Wert  auf  die  Mitarbeit  der
Schule  zu  legen.  Es  wurde  angeftrebt  und  größten  Teils  auch  erreicht,
daf?  an  jeder  Schule  eine  Lehrkraft  befondere  Fühlung  mit  der  Berufsauskunft ­
  nahm,  und  auf  der  anderen  Seite  die  heranwachfenden  Mädchen  auf
die  Wichtigkeit  der  Berufswahl  hinwies  und  in  folchen  Fällen,  in  denen  es
wünfchenswert  erfchien,  fie  der  Berufsauskunfts  [teile  zuwies.  Es  wurden
feit  Beftehen  der  Auskunft  [teile  bis  30.  Juni  1917  460  Fälle  erledigt  und
zwar  wurde  in  320  Fällen  Auskunft  erteilt  über  das  Wefen  und  die  Anforderungen ­
  verfchiedener  weiblicher  Berufe,  über  die  Koften  der  Ausbildung,
die  Ausfichten  der  Anftellung  und  es  wurde  Rückfprache  genommen  wegen  der
körperlichen  und  geiftigen  Eignung  der  Auskunftfuchenden  für  einen  beftimmten
  Beruf.  In  39  Fällen  wurden  fchulentlaffene  Mädchen  dem  Tagesheim ­
  zugewiefen.  In  66  Fällen  wurden  Lehr-  und  Anfangszeilen  vermittelt
und  zwar  teils  häusliche,  teils  gewerbliche.
Die  Verwalterin  der  Auskunftftelle  nahm  auf  Koften  der  W.-Z.  im
November  1916  an  einem  Einführungskurfus  für  Arbeitsnadiweisbeamtinnen
in  Berlin  teil,  welchen  der  Verband  märkifcher  Arbeitsnachweife  und  der
Kartell  der  Auskunfteien  für  Frauenberufe  veranftaltet.
        <pb n="134" />
        Ausbildung  in  der  weiblichen  Jugendpflege.
Unter  dem  Vorfit?  der  Herren  Kreisfchulinfpektor  Peter  und  Turninfpektor
  Edelhoff  fand  vom  6.  bis  10.  Dezember  1915  ein  Kurfus  zur  Ausbildung ­
  in  der  weiblichen  Jugendpflege  ftatt.  Hervorragende  Redner  und
Rednerinnen  waren  zu  den  Vorträgen  gewonnen.  431  Gäfte,  darunter
100  auswärtige  nahmen  an  dem  Kurfus  teil.
Ein  gleicher  Kurfus  fand  am  11.  und  12.  Dezember  1916  in  Barmen
|tatt,  welchem  nachftehender  Vortragsplan  zu  Grunde  lag.
Montag,  den  11.  Dezember.
10  Uhr  vormittags:  Eröffnung  des  Lehrganges.  Vortrag:  Deutfchlands
Lage  und  Zukunft.  Dr.  Thoma,  Kriegsminifterium,  Berlin,  Mitglied
des  Reichstages  und  des  Bayer.  Landtages.
3  Uhr  nachmittags:  Lebenshunde,  Kern  der  weiblidien  Jugendpflege.
Pfarrrer  Ha|fe,  E||en.  —  Aus  der  Praxis:
5  Uhr  nachmittags:  Aufteilung  und  Befprechung  von  Plänen  für  die
prahtifche  Jugendpflegearbeit  —  im  Sinne  des  Minifterialerla|fes  vom
5.  Oktober  1916  (U  III  B.  Nr.  7094  I.  U.  III  pp.)  —  Einleitender  Vortrag: ­
  Turninfpektor  Edelhojf.
8 l /4  Uhr  abends:  Veranftaltung  für  die  weiblidie  Jugend.  Vortrag:
Gefundheitspflege  für  die  weibliche  Jugend.  Frau  Dr.  med.  Anna
Müller,  Düffeldorf.  Turnerifdne  Vorführungen  von  Mäddienabteilungen
  u.  a.
Dienstag,  den  12.  Dezember.
97a  Uhr  morgens:  Fragen  der  Volkswirtfchaft.  Fräulein  Dr.  Lüders,
Kriegsamt,  Berlin.
3  Uhr  nachmittags:  Fragen  der  Ernährung.  Frau  Voss-Ziet?,  Hamburg.
Aus  der  Praxis:
5  Uhr  nachmittags:  Befuch  des  Lehrgangs  in  Säuglings-  und  Kinderpflege. ­
  Vortrag  des  Leiters  Profeffor  Dr.  med.  Selter,  Solingen.
Für  Nachweis  geeigneter  Literatur  und  fonftiger  Hilfsmittel  war  durdi
eine  kleine  Ausftellung  geforgt  worden.
Befondere  Jugendpfleg.eabende  wurden  fchon  im  Winter  1914/15  eingerichtet, ­
  für  Knaben  fowohl,  wie  für  Mädchen,  die  dann  in  den  beiden
folgenden  Jahren  ausgebaut  und  erweitert  wurden.  Es  wurden  zahlreidie
Vorträge,  deklamatorifche,  mufikalifche  und  theatralifdie  Aufführungen  vaterländifchen
  Charakters  veranftaltet,  welche  außerordentlich  ftark  befucht
waren.  Mit  Ausnahme  einer  Aufführung  der  „Minna  von  Barnhelm“  im
Stadttheater  und  derjenigen  des  vaterländifchen  Stückes  „Aus  eiferner  Zeit“
        <pb n="135" />
        130

im  Saale  des  Friedensheimes,  fanden  die  Vortragsabende  in  der  Aula  des
Gymnafiums  ftatt.  Die  Vortagsthemen  lauteten  u.  a.:  Der  englifche  Aushungerungsplan ­
  und  das  deutfche  Mädchen;  Gefundheitspflege;  Mäddienwürde;
  mit  den  (iegreichen  Deutfchen  durch  Belgien;  die  Hohenzollern;  das
deutfche  Schwert,  die  drei  Letzteren  durch  Lichtbilder  erläutert.  An  den
mufihalifchen  Darbietungen  beteiligten  (ich  auch  das  Lyzeum  und  die
Studienanftalt  Unterbarmen.
Die  Veranftaltungen  für  1916/17  waren  folgende:
Abendvorträge  für  die  weiblidie  Jugend.
15.  November  1916,  Fräulein  Knapp,  Barmen:  „Deutfche  Frauenkraft  im
Kriege".  (Lebende  Bilder,  Gefänge  und  Gedichtvorträge.)
29.  November  1916,  Frau  Blank-Bauer,  Elberfeld:  „Die  Aufgaben  der
Hauswirtfchaft  im  Volksleben“.
11.  Dezember  1916,  Profeffor  Bohle,  Barmen:  „Ift  Elfafi  -  Lothringen
deutfches  oder  franzöfifches  Land?“
24.  Januar  1917,  Turninfpektor  Edelhojf,  Barmen:  „Wie  fichert  (ich  das
junge  Mädchen  Kraft  und  Gefundheit?“
14.  Februar  1917,  Bezirksadjutant  Leutnant  Dr.  Stiller,  Barmen:  „Wirtfchaftliche
  Mobilmachung.“
28.  Februar  1917,  Oberlehrer  Dr.  Bernhardt,  Barmen:  „Sind  wir  Barbaren?“ ­
  Beantwortet  an  deutfchen  Volksliedern.
14.  März  1917,  Dr.  Förfter,  Barmen:  „Natur  und  Heimat“  mit  Liditbildern.
28.  März  1917,  Oberrealfduildirektor  Profeffor  Dr.  Hübler,  Elberfeld:
„Deutfches  Wefen“.
Abendvorträge  für  die  männliche  Jugend.
25.  September  1916,  Alfred  Krüger,  Berlin:  „Meine  Erlebniffe  in  der
franzöfifdien  Fremdenlegion“.
10.  Dezember  1916,  Bezirksadjutant  Leutnant  Dr.  Stiller,  Barmen:
„Weldies  find  die  tieferen  politifdien  und  wirtfchaftlichen  Urfachen
des  Weltkrieges?“
5.  Januar  1917,  Oberlehrer  Dr.  Frieshammer,  Barmen:  „Generalfeldmarfchall
  von  Mackenfen“.
14.  Januar  1917,  Oberlehrer  Dr.  Bernhardt,  Barmen:  „Sind  wir  Barbaren?“ ­
  Beantwortet  an  deutfchen  Volksliedern.
28.  Januar  1917,  Profejjor  Bohle,  Barmen:  „Was  lehrt  uns  die  Gefchidite
  über  Deutfchlands  Einigkeit  und  Uneinigkeit?“
2.  Februar  1917,  Bezirksadjutant  Leutnant  Dr.  Stiller,  Barmen:  „Wirtfchaftliche
  Mobilmachung“.
        <pb n="136" />
        11.  Februar  1917,  Oberrealfdiuldirektor  Profeffor  Dr.  Hübler,  Elberfeld:
„Deut[dies  Wefen".
25.  Februar  1917,  Profeffor  Dr.  Förfter,  Barmen:  „Ift  Elfaf?  -  Lothringen
deutfdies  oder  franzöfifches  Land?“
25.  März  1917,  Turninfpektor  Edelhoff,  Barmen:  „Wie  erhält  [ida  der
junge  Deutfche  gefund  und  wehrtüchtig?"  mit  Liditbildern.
Zu  den  Veranftaltungen  waren  auch  die  Eltern  der  Jugendlichen  eingeladen. ­
  —  Der  Eintritt  war  frei.
Freiwilliger  Jugendhilfsdienst.
An  einem  freiwilligen  Jugendhilfsdienft  beteiligten  fleh  vom  16.  Februar
bis  1.  März  während  der  Kohlenferien  eine  grofie  Anzahl  von  Schülern
der  höheren  Lehranftalten.  Ihre  Hilfsarbeit  war  bei  dem  Mangel  an  männlichen ­
  Arbeitskräften  fehr  wertvoll.  Sie  galt  vorwiegend  der  möglichft
fchnellen  Ent-  und  Beladung  der  auf  den  Barmer  Bahnhöfen  ein-  und
ausgehenden  Güterwagen;  ausgenommen  war  das  Verladen  von  Kohlen
und  fchweren  Gütern.  An  einzelnen  Tagen  wurden  auch  wichtige,  namentlich ­
  (teile  Verbehrsftrafien  und  Brücken,  mit  Hacke  und  Schaufel  von
Sdinee  und  Eis  befreit.  Gearbeitet  wurde  im  allgemeinen  morgens  von
7  Va  bis  12  Uhr  und  nachmittags  von  2  bis  6  Uhr.  Die  Mannfdiaften
waren  gegen  Unfall  verfichert  und  erhielten  für  ihren  ungewohnten  und
meift  fehr  anftrengenden  Dien  ft  die  Brotzulage  für  Schwerarbeiter.  Eine
Gruppe  in  der  Wachtftube  erledigte  den  Schrift-  und  telefonifdien  Verkehr.
Die  Einteilung  in  Gruppen,  denen  je  ein  felbftgewählter  Gruppenführer  vor-|tand,
  erwies  fich  als  praktifch.  Die  Gruppenführer  hatten  täglich  Beridit
über  geleiftete  Arbeit,  über  Stärke  der  Mannfchaft  und  befondere  Vorkommni|]e
  zu  erftatten.  Im  großen  und  ganzen  kann  den  Mannfdiaften
ein  volles  Lob  hinfiditlich  des  Betragens  und  der  Arbeitslei  ftung  ausgefprodien
  werden.  Manche  Gruppen  haben  auch  noch  über  die  fe|tgefetjte
  Zeit  hinausgearbeitet.  All’  den  Mannfchaften,  die  in  uneigennü^iger
Hingabe  an  den  Dienft  für  des  Vaterlandes  Wohl  gute  Arbeiten  geleiftet
haben,  wird  die  Teilnahme  an  dem  freiwilligen  Jugendhilfsdienft  eine  fchöne
und  wertvolle  Erinnerung  an  die  Kriegszeit  fein.
        <pb n="137" />
        Arbeiterinnenfürsorge.
Nächftenliebe  lebt  mit  taufend  Seelen.
(M.  von  Ebner-Efdienbach).

ls  bei  Einrichtung  der  neuen  großen  Frauenorganifation  in
Berlin,  des  Referats  Frauen  und  der  Frauen-Arbeitzentrale, 1 )
den  Städten  die  Einrichtung  einer  Fürforgevermittlungsftelle
zur  Regelung  der  Arbeiterinnenfürforge  nahegelegt  wurde,
folgte  die  W.-Z.  diefer  Anregung  bereits  im  Februar  ds.
Jahres  und  eröffnete  am  1.  März  eine  Fürforgevermittlungsftelle  im  alten
Rathaus,  Wertherftrafie  9.  Sie  wurde  mit  der  Kinderfürforgeftelle  verbunden ­
  und  unterfteht  derfelben  Leitung;  diefe  Verbindung  ermöglicht  es,
eine  der  Hauptaufgaben  und  Forderungen  der  neuen  kriegsamtlichen
Frauenorganifationen  fchnell  und  fachgemäß  zu  erledigen:  Die  Unterbringung
der  Kinder  der  Frauen,  die  in  der  Kriegsinduftrie  befdiäftigt  find.  Durch
den  Arbeitsnachweis,  durch  Zeitungsnotizen  und  durch  Vorträge  in  den
Verfammlungen  werden  die  Mütter  darauf  aufmerkfam  gemacht,  wo  fie
Rat  und  Hilfe  finden,  wie  fie  ihre  Kinder  in  Tag-  und  Nachtpflege,  in  Einzelpflege, ­
  in  Krippen,  in  Kinderfchulen  und  Kinderhorten  unterbringen  können.
Bald  zeigte  fleh  die  Notwendigkeit,  in  den  verfchiedenen  Stadtteilen  Kinderfchulen ­
  und  Kinderhorte,  fowohl  während  der  Ferien,  als  auch  während
des  ganzen  Tages  geöffnet  zu  halten  und  auch  die  Verpflegung  der  Kinder
ganz  zu  übernehmen,  um  die  Mütter  zu  entlaften.  Diefen  Anregungen
der  Fürforgevermittlungsftelle  wurde  von  Seiten  der  zuftändigen  Vereine
‘)  Dem  Nationalausfchufs  für  Frauenarbeit  im  Kriege  gehört  der  Vorfifeende  der  Wohlfahrtzentrale
  als  Vorfibender  des  Verbandes  deutfeher  Kinderhorte  an.
        <pb n="138" />
        I

bereitwilligft  Folge  gegeben.  Das  von  der  Wohlfahrtzentrale  errichtete
Carnaper  Kinderheim  erwies  (ich  fchon  nadr  einigen  Monaten  für  die  vielen
Aufnahmefuchenden  als  zu  klein.
Durch  Einrichtung  von  Arbeiterinnenfprechftunden  gewannen  die
arbeitenden  Frauen  und  Mädchen  allmählidi  Zutrauen,  und  die  Tätigkeit
der  Fürforgevermittlungsftelle  konnte  fleh  auf  einen  immer  größeren
Arbeiterinnenkreis  erftrecken.  Die  Bezirks  vor  fteherinnen  des  Nationalen
Frauendienftes  übernahmen  es,  mit  ihren  Helferinnen  die  Namen  und
Familienverhältniffe  der  in  Munitionsbetrieben  arbeitenden  Frauen  feftzuftellen
  und  durch  Hausbefuche  fleh  zu  überzeugen,  ob  die  Kinder  einer
etwaigen  erhöhten  Fürforge  bedürfen  und  ob  den  arbeitenden  Frauen  ihre
Lebenshaltung  erleichtert  werden  kann.  Dadurch  fanden  wieder  viele  den
Weg  zur  Fürforgevermittlungsftelle.
Um  auch  die  Unverheirateten  und  die  Jugendlichen  zu  erfaffen,  wurden
vom  ftädtifdien  Jugendpflegeausfctiuß  Unterhaltungsabende  für  Munitionsarbeiterinnen ­
  eingerichtet,  die  (ich  eines  außerordentlich  guten  Befudies
erfreuten.
Ein  Arbeitsausfchuß  von  Barmer  Lehrerinnen  (teilte  eine  Lifte  guter
billiger  Bücher  zufammen,  die  verfuchsweife  in  6  großen  Betrieben  durch
Angeftellte  der  einzelnen  Firmen  verkauft  werden.
Aber  nicht  nur  auf  die  Munitionsarbeiterinnen  erftreckte  die  Fürforgevermittlungsftelle ­
  ihre  Sorge,  fie  hat  auch  verfucht,  möglichft  alle  in  den
einzelnen  Berufsgruppen  zu  fammeln.  Durch  das  Entgegenkommen  der
betreffenden  Verwaltungen  hat  |ie  die  Namen  aller  im  Eifenbahndienft  und
bei  den  Straßenbahnen  befchäftigten  Frauen  und  Mädchen  feftftellen  und
diefe  zu  Befprechungen  einladen  können.  Derfelbe  Verfuch  ift  in  Vorbereitung ­
  mit  den  Angeftellten  der  Poft  und  den  Straßenreinigerinnen.

Durch  die  Befudie  der  Arbeiterinnen  in  der  Fürforgevermittlungsftelle
konnte  diefe  auch  der  zweiten  Aufgabe  der  kriegsamtlichen  Frauenorganifationen
  gerecht  werden:  Die  Arbeiterinnen  zu  erfüllen  mit  Arbeitsfreudigkeit ­
  und  neu  zu  werben  für  die  Arbeit  in  der  Kriegsinduftrie.
Dem  Verein  Haushülfe  bewilligte  die  Wohlfahrtzentrale  eine  einmalige
Beihilfe  von  Mk.  500.—

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153
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        Der  fprengt  vom  Himmel  das  Gewölbe,
Dem  mülTen  alle  GeiHer  lieh  verneigen
Und  fprechen:  „Komm  und  nimm,  dunimmfl  dein  eigen".
(Ei  M.  Arndt.)

urch  die  Aufklärungsarbeit  will  die  Wohlfahrtzentrale  werben
für  ein  beharrliches  Durchhalten  auf  der  Grundlage  der  Ein  ficht
in  die  Forderungen  des  Tages.  Um  diefe  Einficht  durch  Anfchauung
  und  Erfahrung  zu  vertiefen  und  in  prahtifche  Anwendung ­
  umzufeßen,  geht  mit  der  Aufklärung  durch  Vorträge, ­
  Auskunftftellen,  Flugfchriften,  Veröffentlichungen  in  der  Pre||e  und
Ausheilungen  die  Unterweifung  und  Anleitung  durch  Lehrgänge  Hand  in
Hand.  Alle  irgend  zugänglichen  Kanäle  mü|Jen  geöffnet  werden,  um  für
weitefte  und  wirkfamfte  Verbreitung  zu  forgen,  Jodaß  auch  die  Begebungen
für  Jugendpflege  und  ArbeiterinnenfürJorge  in  engfte  Verbindung  mit  der
Werbe-  und  Aufklärungsarbeit  treten:  es  helfet,  mit  einem  Wort,  volks~
erzieherifche  Arbeit  leiften,  deren  Früchte  noch  die  Friedenszeit  ernten  wird.

Ernährungsfragen.

Auf  diefem  Gebiet  übernahmen  mit  der  erften  Ahnung  kommender
Schwierigkeiten  naturgemäß  die  Frauenorganijationen  die  Aufklärungsarbeit,
da  die  Hausfrau  zuerft  und  am  meiften  jede  Schwierigkeit  und  Befdiränkung
in  Befchaffung  und  Verbrauch  der  Lebensmittel  empfindet.  Es  gilt  Verbreitung ­
  der  Erkenntnis,  welch’  großer  Teil  des  Volksvermögens  durch  die
Frau  verwaltet  wird  und  Unterordnung  der  Privatwirtfchaft  unter  die
Volkswirtfchaft.
        <pb n="140" />
        Schon  im  September  1914  veranlagte  der  Nationale  Frauendienft,  Barmen,
zwei  erfahrene  Haushaltungslehrerinnen  zur  Abfafjung  eines  „Kochbüchleins
für  einfache  Verhältnifle“,  das  auf  Koften  der  Wohlfahrtzentrale  herausgegeben ­
  wurde,  das  erfte  Symptom  der  Erkenntnis,  dafs  ausreichende  Ernährung ­
  trot?  Befdhränkung  der  vorhandenen  Vorräte  angeftrebt  werden  müffe.
Der  Hauptnachdruck  war  auf  Zufammenftellung  einfacher  Gerichte  unter
gleichzeitiger  Berückfichtigung  ausreichender  Nährwerteinheiten  und  des
Preifes  gelegt.
Vor  Weihnachten  1914  mahnte  der  Nationale  Frauendienft,  Barmen,  in
derPrejfe  durch  einen  Aufruf  zur  fparfamen  Verwendung  von  Weizenmehl  bei
der  Weihnachtsbächerei,  —  der  erfte  Ausdruck  des  Verzichtes  auf  gewohnte
Lebensführung  auch  in  begüterten  Kreifen.  Fortan  übernahm  der  Nationale
Frauendienft,  unterftütd  durch  die  Mittel  der  Wohlfahrtzentrale,  eine  tatkräftige ­
  und  umfalfende  Propaganda  gemeinfam  mit  dem  ihm  angefchloffenen
  Wuppertaler  Hausfrauenbunde  und  vereinigte  fich  zu  weiterer
Aufklärungsarbeit  mit  dem  im  Frühjahr  1915  aus  allen  Kreifen  der  Bevölkerung ­
  zufammengetretenen  „Kriegsausfchuß  für  Konfumentenintere||en“.
Produktions-  und  Hauswirtschaftsfragen.
In  unmittelbarer  Folgerichtigkeit  führt  der  Verbrauch  von  Lebensmitteln
zu  der  Frage  ihrer  Befchaffung  und  Erzeugung:  der  Garten-  und  Gemüfebau,
  die  Kleinviehhaltung,  der  Zufammenfchluß  von  Stadt  und  Land  werden
Gegenftand  des  Interefjes.
Die  Hauptarbeit  der  Aufklärung  auf  diefem  Gebiete  übernahm,  teils  im
Verein  mit  dem  Nationalen  Frauendienft,  teils  felbftftändig,  der  Wuppertaler
Hausfrauenbund.  Er  richtete  Auskunftftellen  ein,  in  denen  in  allen  Fragen
der  Hauswirtfchaft  unentgeltlich  zweckentfprechender  Rat  erteilt  wird
und  eine  Verkaufsftelle,  die  für  Befdiaffung  zweckmäßiger  hauswirtjchaftiicher
  Geräte  und  wirklich  wertvoller  Erfatjmittel  jorgt  (Milchpulver,  Nährhefe, ­
  Backpulver,  Seifenpulver,  Einmachgläfer,  Kochki|ten,  Wafdiapparate,
Sparpfannen  ufw.)
Im  Herbft  1914  regte  die  Wohlfahrtzentrale  durch  ein  Rundfehreiben
an  fämtliche  Grundbefitjer  und  Grundftückpächter  der  Stadt  mit  nennenswertem ­
  Erfolge  die  Beftellung  möglichft  großer  Grundflächen  mit  noch  im
Herb|t  erntefähiger  Gernüfe  an.  Durch  Gartenbaukurfe,  die  fowohl  1916,
wie  auch  1917  ftattfanden,  wurde  der  Gemüfebau  gefördert;  für  diefe  Kurfe
wurden  durch  den  Wuppertaler  Hausfrauenbund  Lehrbücher  und  Anfchauungsmaterial
  befchafft.  1915  wurde  bereits  eine  Aufteilung  kriegsgemäßer

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155
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        Gerichte  veranftaltet.  Bei  der  Ausftellung  für  Kriegswohlfahrtspflege  im
Dezember  1916  war  der  Wuppertaler  Hausfrauenbund  mit  einer  Sonderausftellung
  vertreten,  einer  Ausftellung  von  wildwachfenden  Pflanzen
und  den  daraus  hergejtellten  Gemüfen.  Vorträge  über  Pilze  ufw.  förderten
die  Kenntnis  hier  wenig  bekannter  Nahrungsmittel.
Kriegsabende.
Diefe  Jollen  immer  wieder  hinweifen  auf  das  eine  grofce  Ziel:  den
Deutfcßen  Frieden.  Immer  ftärker  erhält  die  Aufklärungsarbeit  ihr  Gepräge
durch  den  Siegeswillen,  der  alles  zu  tragen  und  alles  zu  leiften  bereit  ift.
Klare  Erkenntnis  der  unbedingten  Notwendigkeit  des  einen  Zieles  mufi
allen  den  Mut  und  die  Kraft  ftärken,  allen  von  der  La|t  der  Zeit  Bedrückten
ein  „Kopf  oben“!  zurufen,  —  nicht  zuletzt  denen,  die  in  harter  Arbeit
unferm  Heer  die  Waffen  fchmieden.  So  wendet  fich  ein  wefentlicher  Teil
der  Aufklärungsarbeit  feit  Aufnahme  des  Hindenburgprogramms  an  die
Munitionsarbeiterinnen.
Ein  Ueberblick  über  das  gefamte  Gebiet  der  Werbe-  und  Aufklärunsgarbeit
  muf?  zunächft  die
Vorträge
berückfichtigen.  Aus  der  zeitlichen  Folge  derfelben  und  den  behandelnden
Gegenftänden  ergeben  |ich  von  felbft  Rückfchlüffe  auf  Umfang  und  Mannigfaltigkeit ­
  der  hier  geleifteten  Arbeit.
Die  allgemeinen  Familienabende  wurden  feit  September  1916  vom
Nationalen  Frauendienft,  fpäter  von  denselben,  gemeinfam  mit  dem  Jugendpflegeausfchuf?
  der  Wohlfahrtzentrale,  als  Unterhaltungsabende  für  Munitionsarbeiterinnen ­
  veranftaltet.  Bei  den  Familienabenden  ift  der  Grundfat?,  die  Kinder
nicht  auszufchlieflen  und  dadurch  die  Mütter  zur  Teilnahme  zu  gewinnen.  Es
helfet  dann  allerdings  immer,  den  Bedürfniffen  der  Erwachfenen  fowohl,  wie
der  Kinder  Rechnung  zu  tragen  und  die  Eltern  durch  die  Freude  der  Kinder
an  Gefängen  und  fonftigen  Darbietungen  zu  feffeln,  während  die  Kinder
dann  ihrerfeits  bei  den  Vorträgen,  die  den  Kern  des  Abends  bilden,  zurücktreten ­
  müffen.  Die  Familienabende  wechfeln  mit  Mütterabenden,  zu  denen
ausfchliefslich  die  Mütter  herangezogen  werden.  —  Die  erwerbstätige  weibliche ­
  Jugend  endlich,  vor  allem  die  in  der  Kriegsinduftrie  befchäftigte,  wird
zu  befonderen  Veranftaltungen  durch  Karten,  welche  den  Betrieben  durdi
Helferinnen  des  Nationalen  Frauendienftes  perfönlich  übergeben  werden,
eingeladen.  Diefe  Abende  erfreuen  fleh  eines  ganz  befonders  regen  Befuches,
  fodaf?  felbft  der  grofle  Saal  der  Stadthalle  (ich  gelegentlich  als  zu
        <pb n="142" />
        klein  erweift.  Im  Durchfchnitt  nehmen  an  den  Veranftaltungen  800  Perfonen
  teil.
Bei  den  Darbietungen  wird  Bedacht  darauf  genommen,  die  Bedrückten
und  Ermüdeten  durdi  einfache,  aber  künftlerifch  wertvolle,  mufihalifche  Darbietungen, ­
  Gedichtvorträge,  bisweilen  auch  Reigentänze  oder  kleine  Aufführungen ­
  zu  feffeln  und  anzuregen.  Den  Kern  der  Veranftaltungen  bildet
ein  Vortrag  über  wichtige  Zeitfragen.  Das  nachftehende  Programm  möge
als  Beifpiel  dienen:
Sonntag,  den  13.  Mai  1917,  abends  8  Uhr
in  der  Aula  des  Gymnafiums
KRIEGS-ABEND.
Vortrags  folge:

1.  Terzett:  Frühling,  ida  grüfäe  dich  Bargiel
2.  Drei  Duette  Frank

a)  Blond-Gretdnen  hat  Lieschen  gebeten.
b)  Fang,  mein  füfäes  Herzenskindchen.
c)  Drei  füfäe  kleine  Dirnen  fa(?en  auf  einem  Zaun.
3.  Zwei  Kinderreigen.
4.  Vier  Lieder  zur  Laute:
a)  Es  blühen  die  Rofen.
b)  Rote  Bäckle,  blaue  Äugle.
c)  Rofenftock,  Holderblüt.
d)  Vo  Luzern  uf  Weggis  zue.
5.  Gedichtsvortrag:  Deutfchlands  Beruf  Geibel
6.  Vortrag  von  Frl.  Dr.  Gaebel,  Berlin:
„Was  würde  ein  unglücklicher  Ausgang  des  Krieges  für
die  Arbeiterfchaft  bedeuten?“

7.  Gedichtvorträge:  a)  Heil’ge  Wacht  Säumig
b)  Auf  Poften  Lerfch
8.  Terzett:  Hebe  deine  Augen  auf  Mendelsfohn

Folgende  Vorträge  fanden  ftatt:
12.  u.  13.  Januar  1915:  Die  Sparfamkeitspflicht  der  Hausfrau  in  Kriegszeiten; ­
  Fräulein  Oberlehrerin  Karmrodt.
21.—24.  Februar  1915:  7  Vorträge  über  Kriegspflichten  der  Hausfrau,
an  verfchiedenen  Stellen  der  Stadt,  für  verfchiedene  Kreife  berechnet;  Frau
Marta  Voss-Ziet?,  Hamburg.
        <pb n="143" />
        138

24.  März  1915:  Die  deutfche  Volksernährung  während  des  Krieges  in
gefundheitlicher  und  hauswirtfchaftlicher  Hinficht;  Medizinalrat  Dr.  med.
Kriege,  Barmen  und  Frau  Bohn-Engelhardt,  E|Jen.
18.  April  1915:  Wirt[chaftsführung  im  Kriege;  Dr.  Müller,  München-Gladbach.

25.  Juni  1915:  Dienftpflicht  der  Frau;  Fräulein  Oberlehrerin  Karmrodt.
29.  Juli  1915:  Die  Organifation  der  Hausfrauen;  Frau  Helene  Blank-Bauer,
  Elberfeld  und:  die  hauswirtfchaftliche  Ausbildung  der  Mädchen;
Fräulein  Dora  Martin,  Leiterin  des  Peftalozzi-Fröbelhaufes  II,  Berlin.
4.  November  1915:  Aufgaben  und  Ziele  der  Berufsberatung  mit  befonderer
  Berückfichtigung  der  durch  den  Krieg  gefchalfenen  Lage;  Frau
JoJephine  Levy-Rathenau,  Berlin.
9.  März  1916:  Die  Bedeutung  der  Hausfrau  als  Konfumentin;  Frau
Maria  Voss-Ziet?,  Hamburg.
2.  Februar  1916:  Wie  beftelle  ich  meinen  Kriegsgarten?;  Frau  Wernicke,
Elberfeld.
5.  April  1916:  Was  muf  die  Frau  von  der  Bodengefetjgebung
wi|fen?;  Herr  Gutfche,  Gefchäftsführer  des  Eifenbahnverbandes,  Elberfeld.
3.  Mai  1916:  Die  Frau  als  Gärtnerin;  Herr  Gartenarchitekt  Stüting.
1.  November  1916:  Bargeldlofer  Zahlungsverkehr;  Herr  Banka|JejJor
Schmieden.
2.  November  1916:  Aufgaben  und  Bedeutung  der  Landwirtfchaft  in
Kriegs-  und  Friedenszeiten;  Frau  CI.  Bunge,  Elberfeld.
10.  März  1917:  Das  Frauenlehrjahr;  Fräulein  Johanna  Gottfchalk,  Bonn.
15.  März  1917:  Deutfchlands  Wirtfchaftskräfte  (mit  Lichtbildern);  Herr
BankaffejJor  Schmieden.
22.  März  1917:  Deutfchlands  Finanzkraft  (mit  Lichtbildern);  Fräulein
Jofephine  Heydtkamp.
29:  März  1917:  Unfere  Reichsbank  im  Kriege  (mit  Lichtbildern);  Fräulein
Frieda  Cramer.
26.  März  1917:  Die  Lebensmittelverforgung  der  Stadt  Barmen;  Herr
Dr.  Haacke.
16.  Mai  1917:  Deutfchland  über  und  unter  dem  Waffer;  Fräulein  J.
Küllertz,  Düffeldorf.  (Diefer  Vortrag  führte  zur  Gründung  der  Ortsgruppe
Barmen  des  Flottenbundes  deutfdier  Frauen).
18.  April  1917:  Wildwachfende  Kriegsgemüfe;  Herr  Prof.  Dr.  Küfter,  Bonn.
        <pb n="144" />
        139

Familienabende  bezw.  Mütterabende.
30.  September  1916:  Unterhaltungsabend  für  die  Eltern  der  aufs  Land
gefchickten  Kinder  und  die  Kinder  felb|t  (mit  Lichtbildern,  die  Bedeutung
und  Verwendung  der  Kochkifte).
20.  Dezember  1917:  Weihnachtsfeier  (mit  Aufführungen).
9.  März  1917:  Die  deutfche  Flotte  (mit  Lichtbildern).
2.  April  1917:  Frau  Elifabeth  Krukenberg,  Kreuznadi:  I|t  Vertrauen
und  Durchhalten  möglich?
13.  Mai  1917:  Fräulein  Dr.  Käthe  Gaebel,  Berlin:  „Was  würde  ein  unglücklicher ­
  Ausgang  des  Krieges  für  die  Arbeiterfchaft  bedeuten?“
23.  Juni  1917:  Unterhaltungsabend  für  die  Mütter  der  aufs  Land  gefandten
  Kinder:  „Landleben  in  Wort  und  Bild“:  Bericht  des  Herrn  Rektor
Stratenwert  über  feine  Erfahrungen  als  Begleiter  der  Kinder;  Anfprache
von  Fräulein  Karmrodt  über  die  Bedingungen  und  den  Wert  der  Ausfendung.
Unterfialfungsabende  für  Munitionsarbeiterinnen.
Februar  1917:  Hindenburgabend:  Deutfchlands  Wirtfchaftskräfte  und
und  deutfche  Frauenarbeit  (Fräulein  Anna  Heinen).
April  1917:  Frühlingsabend.  Vortrag:  Um  Heimat  und  Herd  (Herr
Turninfpektor  Edelhoff).
Juni  1917:  Doppelveranftaltung  in  der  Aula  des  Gymnafiums  und  in
der  Aula  des  Realgymnafiums:  „Die  Not  der  Zeit  als  Führerin  zum  Jittlichen
Heldentum“.  (Herr  Paftor  Erfurth,  Elberfeld  und  Herr  Pfarr-Rektor  Heinen,
München-  Gladbach).
Für  den  31.  Juli  1917  ift  ein  Unterhaltungsabend  für  die  Heimarbeiterinnen ­
  angefet&amp;gt;t.
Verbreitung,  gemeinnütziger  Schriften,  Flugblätter,  Werbefcßriften.
35000  Exemplare  des  „Kochbüchleins  für  einfache  Verhältniffe“,  das  der
Nationale  Frauendienft  auf  Anregung  der  Wohlfahrtzentrale  herausgab.
Kochbücher  über  Verwendung  von  Roggenmehl,
1500  „  „  Zubereitung  von  Fifch,
„  von  Hedwig  Heyl.
2000  Exemplare  des  Einmachkochbuches,  herausgegeben  von  dem  Verlag
der  Bergifdi  -  Märkifdien  Zeitung  im  Auftrag  des  Wuppertaler  Hausfrauenbundes. ­
  5000  Anweifungen  zum  Einkodien  von  Ob|t  ohne
Zucker.  (Herausgegeben  von  E.  Blanke  und  H.  Schneller.)
Ferner  „Sammlung  erprobter  Kochvorfchriften  des  Wuppertaler  Hausfrauenbundes"; ­
  „Die  Einmachküche",  „Der  Bergifdien  Hausfrau  Kriegskodibuch“
  und  verfchiedene  andere.
        <pb n="145" />
        3000  Exemplare  des  Vortrags  „Die  Sparfamkeitspflicht  der  Hausfrau  in
Kriegszeiten“.
Je  7000  Flugblätter  an  die  Deutfche  Hausfrau,  an  die  deutfdien  Mädchen,
an  die  deutfchen  Köchinnen,  an  die  deutfchen  Schulkinder;  im  ganzen
21000.
30000  Exemplare  eines  Flugblattes  der  Königlichen  Regierung;  „Hausfrauen
helfet  durchhalten  durch  Jparfames  Haushalten“;  davon  wurden  etwa
25  000  nach  den  Gottesdienften  an  den  Kirchtüren  verteilt.
10000  Exemplare  der  feitens  der  Regierung  zur  Verfügung  geftellten  Schrift:
„Volksernährung  und  Teuerung“.
50000  Flugfchriften  der  Z.-E.-G.:  „Kleine  Beiträge  zur  Volksernährung“.
52000  Flugblätter  mit  zeitgemäßen  Kochvorfchriften,  ferner  eine  große
Anzahl  Anweifungen  über  Obfteinkochen  ohne  Zucker.  —
3000  Exemplare  verfchiedener  Nummern  der  „Kriegsbriefe“,  Volksvereinsverlag ­
  München-Gladbadx
15000  Aufrufe  zu  freiwilliger  Hilfsarbeit  an  die  Mitglieder  des  Nationalen
Frauendienftes.
25000  Merkblätter:  „Wo  hole  ich  mir  Rat?“  (Nachweis  von  27  Auskunftsund ­
  Hilfsftellen  der  Wohlfahrtzentrale  mit  kurzen  Angaben  über  deren
Aufgabenbereich  und  genauer  Bezeichnung  der  Sprechftunden.)
300  Werbebriefe  für  die  Kinderfpeifung.
1000  Werbebriefe  für  die  Ausfendung  der  Kinder  aufs  Land.
25  000  Aufrufe:  „Sammelt  Wildfrüchte!“
2000  Flugblätter:  „Wie  kocht  man  billig  und  gut?“
50  000  Flugblätter  mit  Anweifungen  für  die  Zubereitung  von  Steckrüben.
5000  Anweifungen  zum  Dörren  von  Steckrüben.
10000  Anweifungen  zur  Verwendung  von  Nährhefe.
5000  Flugblätter  der  Landwirtfchaftskammer  Bonn:  Frühgemüfe.
1  200  Werbebriefe  an  die  Landfrauen.
2500  Merkblätter  für  Mütter,  deren  Kinder  aufs  Land  gefchickt  wurden.
2000  Hefte:  „Ein  Wort  an  die  unten  und  oben“.
2000  Werbeblätter  für  die  Abgabe  der  Goldfachen.  („Zehn  Fragen“.)
lieber  10000  Aufrufe  und  Merkblätter,  empfohlen  und  ausgegeben  vom
ftellvertretendenGeneralkommando  des  7.Armeekorps,  Münfter,  nämlich:
1500  Flugblätter:  „Der  Entfcheidung  entgegen“.
1500  Hefte:  „Der  deutfche  Arbeiter  und  der  Krieg“.
1500  Flugblätter:  „Durdihalten  bis  zum  Siege!“
        <pb n="146" />
        800  Flugblätter:  „Worum  es  geht“  (Um  Haus  und  Herd  von  Frenffen).
800  Flugblätter:  „Auf  die  Deiche“  von  Fren|fen.
800  „Eiferne  Blätter“  von  Traub.
500  „Briefe  aus  Deutfdiland“.
200  Flugblätter:  „Deutfche  Frauenarbeit“.
1500  Werbehefte:  „Warum  müffen  wir  durdihalten?“
1500  Vorträge:  „Warum  dürfen  wir  die  Kriegsverordnungen  nicht  übertreten?“ ­

15  000  Gedichthefte  an  die  Front  gefchicht  (Weihnachten  1914).
Im  ganzen  wurden  rund  395000  Flugfchriften,  Aufklärungsfchriften,
Merkblätter,  gemeinnützige  Schriften,  darunter  77000  Kochbücher  verteilt.
Beratung,  in  ßauswirtfcßaft  ließen  Fragen.
Sehr  wertvoll  ift  die  Beratungs-  und  Verkaufsftelle  des  Wuppertaler
Hausfrauenbundes  geworden,  die  jetzt  ein  Heim  im  Haufe  Carlftr.  28  gefunden ­
  hat.  Sie  wird  täglich  von  einer  großen  Zahl  Ratfuchender,  oft  50
bis  60,  und  außerdem  von  vielen  Käuferinnen  befucht.  Der  Wuppertaler
Hausfrauenbund  verkaufte  an  folche  Perfonen,  die  zum  Einkauf  in  den
ftädtifchen  Lebensmittelgefchäften  berechtigt  waren,  Marmelade,  Milchpulver,
Maisgrieß,  ferner  zweckmäßige  Wafchapparate,  Kochgefchirre,  Kochbücher,
Kochkiften,  Sparpfannen  ufw.
Leider  mußte  der  Verkauf  von  Lebensmitteln  allmählich  eingeftellt
werden.  Die  er|ten  500  Kodikiften  waren  auf  Koften  der  Wohlfahrtzentrale
befchafft.  Es  find  jetzt  billig  verkauft  oder  an  Bedürftige  abgegeben  worden,
765  Kochkiften,  ferner  50  Wafdiapparate  und  280  Sparpfannen.  Außerdem
wurden  in  der  Sammelftelle  für  entbehrliche  Wertgegenftände  400  Kriegspfannen ­
  verkauft,  die  nach  kün|tlerifchem  Entwurf  am  Rande  die  Prägung
tragen:  „Der  deutfehen  Hausfrau  Opferfinn  gab  Kupfer  für  das  Eifen  hin“,
—  ein  Erinnerungszeichen  an  die  Schätze  im  Haushalt,  die  teils  noch  aus
Großmutters  Zeiten  |tammend,  jetzt  dem  Kriege  zum  Opfer  fallen.
Ausstellungen.
Ein  wirkfames  Werbe-  und  Aufklärungsmittel  |ind  ferner  die  Ausheilungen, ­
  die  die  Aufmerkfamkeit  auf  neue  Möglichkeiten  in  der  Verwendung ­
  der  uns  zugänglichen  Vorräte  lenken,  fei  es  auf  dem  Gebiet  der
Ernährung,  fei  es  auf  dem  Gebiet  der  Bekleidung.  Der  Nationale  Frauendienft
  veranftaltete,  mit  dem  Wuppertaler  Hausfrauenbund  zufammen,  bereits
im  Mai  1915  eine  Ausftellung  von  kriegsgemäß  zubereiteten  Geriditen,  Konfervierungs
  verfahren,  Kochki  |ten,  praktifchenKochgefchirren  ufw.  (500  Befucher).
        <pb n="147" />
        Bei  der  „Ausheilung  für  Kriegswohlfahrtspflege  im  Felde  und  in  der
Heimat“  war  dem  Wuppertaler  Hausfrauenbund  als  Vertreter  des  Nationalen
Frauendienftes  Gelegenheit  gegeben,  feine  Ausheilung  in  größerem  Umfange
zu  wiederholen.
Vom  6.  bis  8.  Juli  1917  veranftaltete  der  Nationale  Frauendienft  eine
Ausheilung  getragener  Kleidungsftüche  aus  der  Kleiderhammer.  Diefelbe

Der  Wuppertaler  Hausfrauenbund  auf  der  Barmer  Ausfüllung  1915.

follte  als  Werbemittel  für  den  am  9.  Juni  ftattfindenden  Kleiderfammeltag
dienen  und  zeigen,  daf  auch  das  fcheinbar  Unfeheinbare  und  Wertlofe  an
gebrauchten  Sachen  und  Abfällen  noch  nützliche  Verwendung  finden  bann.
Weiter  vermittelte  die  Ausheilung  auch  für  Erfparni|Je  und  Selbfthilfe  im
Haushalt  mancherlei  nützliche  Anregung,  indem  fie  nachwies,  wie  auch  die
unfeheinbarften  Ueberbleibfel  und  Abfälle  unter  gefchichten  Händen  als
wichtige  Gebrauchsgegenftände  wieder  neu  erflehen.  Da  werden  aus  alten
Strümpfen  warme  Kinderhöschen,  aus  wertlos  gewordenem  Weftenfutter
        <pb n="148" />
        143

Kinderhemddien,  aus  Vorhang-  und  Teppichreften  Pantoffeln,  aus  Seifkante
Kinder-Unterkleidchen;  ebenfo  wurde  das  Flicken  und  Befohlen  der  Schuhe
vorgeführt.
Audi  die  Schülerinnen  des  Tagesheims  hatten  bei  diefer  Ausftellung
Gelegenheit,  ihre  Gefchicklichkeit  in  der  Umarbeitung  getragener  Kleidungsftücke,
  in  der  wirtfdiaftlichen  Verwertung  alten  Materials  zu  zeigen.

Der  Wuppertaler  Hausfrauenbund  auf  der  Barmer  Ausftellung  1915.
Angefdiloffen  war  eine  Wildgemüfe-Ausftellung  des  Wuppertaler  Hausfrauenbundes, ­
  die  darlegen  follte,  wie  die  wildwachfenden  Gemüfe  auch
jetjt  noch  eine  billige  und  gute  Bereicherung  des  Familientifdies  darbieten
können.  Koftproben  von  Wildgemüfe  wurden  verteilt  und  fanden
allgemeinen  Beifall.  Ueberhaupt  erregte  die  Ausftellung  das  ungeteilte
Intere|fe  der  zahlreichen  Befudier,  die  an  den  3  Ausftellungstagen  den
Raum  füllten.  Ihre  Anzahl  wird  auf  6000  gefchätjt.
Am  20.,  21.  und  22.  Juli  foll  im  Tagesheim  durch  den  Verein  Frauenbleidung-Frauenkultur ­
  gemeinfam  mit  dem  Nationalen  Frauendienft  eine
        <pb n="149" />
        Ausstellung  von  Frauenberufsbleidung  veranftaltet  werden.  Audi  mit  diefer
wird  eine  Ausftellung  von  Arbeiten  der  Schülerinnen  verbunden  fein.
Kurse.
1.  Hciuswirtfcfiaftlicfie  Kurfe.  An  dem  von  dem  Minifterium  des  Innern
im  Januar  1915  veranftalteten  Informationsburfus  nahm  auf  Koften  der
Wohlfahrtzentrale  eine  entfandte  Haushaltungslehrerin  teil.  Sie  unterrichtete
nadi  ihrer  Rücbhehr  30  freiwillige  Helferinnen,  die  dann  an  8  verfchiedenen
Stellen  der  Stadt  Kurfe  mit  prabtifcher  Anleitung,  z.  B.  mit  Vorführung  der
Kochbifte,  eröffneten.  Die  Kurfe  waren  fo  zahlreich  befucht,  —  meift  von
Frauen  aus  Arbeiterbreifen,  —  daß  fie  wiederholt  werden  mußten.  Im
ganzen  nahmen  gegen  700  Frauen  daran  teil.
Ein  Lehrgang  in  der  Zubereitung  von  Fifchen  am  4.,  5.  und  6.  Mai  1915
war  von  200  Frauen  befucht.
Für  einen  Lehrgang  in  der  Verwertung  von  Obft  und  Gemüfe  waren
im  Auguft  1915  zwei  Vertreter  der  Landwirtfchaftsbammer  Bonn  gewonnen
worden.  60  Damen  nahmen  daran  teil.
Zu  einem  Kurfus  im  Einbochen  ohne  Zueber,  überhaupt  in  Obftverwertung
  war  eine  Abgefandte  im  Juni  1916  in  Geifenheim.  An  einem  ähnlichen ­
  Kurfus  beteiligten  (Ich  Ende  Juli  zwei  Haushaltungslehrerinnen,  um
dann  ihre  Erfahrungen  hier  weiter  zu  verbreiten.
1915  und  1916  fanden  im  Sommer  und  Herbft  je  2  Kurfe  für  Hausfrauen ­
  im  Dörren  und  Einbochen  von  Obft  und  Gemüfe  mit  je  zweimal
3  Nachmittagsftunden  |tatt.  Teilnehmerinnenzahl  1915:  140  (in  beiden  Kurfen
zufammen).  1916:  50  Teilnehmerinnen.
Der  1.  Kurfus  1917  hat  am  20.  Juni  begonnen.  Die  Zahl  der  Teilnehmerinnen ­
  ift  leider  wegen  der  hohen  Preife  und  der  Schwierigbeit  der
Befchaffung  von  Obft,  Gemüfe  und  Einmachgefäßen  zurüchgegangen.  Sie
beträgt  20,  (an  4  Unterrichtstagen).
2.  Garten-  und  Gemüfebaukurfe.  1916  und  1917  fand  im  Frühjahr  je
ein  Kurfus  unter  Leitung  des  Herrn  Gartenbauinfpehtor  Stüting  für  Gartenund
  Gemüfebau  (tatt.  Prabtifche  Arbeiten  und  Besichtigungen  fchloffen  (ida
an.  Zahl  der  Teilnehmerinnen  1916:  80.  1917:  12.
Obtober  1914  bis  Oftern  1915:  Unentgeltliche  Kurfe  im  Mafchinennähen
und  im  Anfertigen  einfacher  Wäfcheftücbe,  befonders  aber  von  Militärhemden ­
  für  Heimarbeit,  unter  Leitung  von  Fräul.  Bofinger  und  Fräul.  Everts.
Die  Teilnehmerinnen  wechfelten,  fobald  die  nötige  Uebung  erreicht  war;
(nach  3—4  Wochen).  Gleichzeitig  wurden  je  35—40  Frauen  unterrichtet.
        <pb n="150" />
        145

Abendkurfe  für  Frauen  und  Mädchen  im  Tagesheim  für  fchulentla|]ene
Mädchen  an  4  Abenden  der  Woche  von  8—10  Uhr:  Ausbe|Jern  und  Umarbeiten ­
  getragener  Wäfche-  und  Kleidungsftücke,  Anfertigung  neuer  Sachen,
fowie  in  Anfertigung  von  Heimarbeit.  Die  Kurfe  haben  feit  dem  28.  Juni
1915  mit  kurzen  Unterbrechungen  dauernd  ftattgefunden.  Die  Zahl  der
Teilnehmerinnen  betrug  mit  geringen  Schwankungen  im  Durdifchnitt  20—25.
Die  Kurfe  waren  anfangs  unentgeltlidi,  jefft  wird  für  die  Stunde  eine  Gebühr ­
  von  10  Pfg.  erhoben.
Kurfe  im  Anlernen  für  Heimarbeit  (Nähen  von  Halsbinden,  Unterhofen).
Beginn  15.  Juni  1917,  6  mal  wöchentlidi  je  4  Stunden.
Kurfe  im  Anlernen  zur  Herftellung  von  Pantoffeln  aus  gebrauchtem
Material  (Teppichen,  Filzhüten,  Decken  ufw.)  Teilnehmerzahl:  Im  ganzen
500  Frauen.
Seit  1.  Januar  1917  Kurfe  im  Ausbeffern  von  Sdiuhen  und  im  Selbftanfertigen
  derfelben  aus  gebrauchtem  Material,  (z.  B.  Holzfohlen  mit  Stoffoberteil)
  Berlinerftr.  10  b,  fpäter  Wertherftr.  87.  Die  Befudierzahl  ift  im  fteten
Steigen  begriffen.  Im  ganzen  nahmen  bis  jefft  etwa  300  Frauen  an  den
Kurfen  teil.
        <pb n="151" />
        146

Geistige  Anregung.
Schwingen,  die  den  Raum  behagen.
(C.  F.  Meyer).

m  auch  das  geiftige  Leben  der  Stadt  Barmen  während  des
Krieges  zu  heben  und  zu  fördern,  veranlagte  die  Wohlfahrtzentrale ­
  im  Winter  1914  die  Barmer  Konzert-Gefellfdiaft
und  den  Verein  für  wiffenfchaftlidie  Vorlefungen,  [owie  die
Kirchengemeinden  zur  Veranftaltung  der  Zeit  würdig  angepa(?ter
  Konzerte  und  Vorträge.  Ferner  wurden  Kriegsbriefe  verbreitet.
Die  wichtigfte  geiftige  Anregung  brachte  aber  die  gemeinfame  von
der  Stadtverwaltung  und  der  Wohlfahrtzentrale  vom  1.  Dezember  1915  bis
2.  Januar  1916  in  der  Stadthalle  veranftaltete
„Ausheilung  für  Verwundeten-  und  KrankenfüiTorge  im  Kriege“,
verbunden  mit  der  Sonderausftellung
„Rheinifche  Kriegswohlfahrtspflege  im  Felde  u.  in  der  Heimat“.
Um  den  geeigneten  Ausbau  der  Sladihalle  der  Stadt  Barmen
(Schaffung  neuer  Räume  durch  Gallerieverbreiterung  mif  Kojeneinbau, ­
  Terafreniiberbau  und  Garderobenanbau),  fowie  die  künftlerifche
  Anordnung  der  Ausheilung  machfe  fich  in  hervorragendem
Mafee  Herr  Beigeordneter  Stadtbaurat  Köhler  unter  wirkfamer
Unterftlifeung  der  Herren  Stadtbauinfpekior  Freygang  und  Architekt
Dicke  verdient.  Nicht  minder  wertvoll  war  die  ehrenamtlictie  Mitarbeit ­
  der  Barmer  Klinftlerfchaft,  der  Herren  Profeflor  Bäumer,
Bornemann,  Bramke,  Demeter,  Fahrenkrog,  Gierecke,  Groth,  Kodym,
Michaelis,  Schlofke,  Wiethiichter  und  deffen  Gattin.
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        Organisation
Um  der  Ausstellung  von  vornherein  einen  möglichft  ftarken  Befuch,
auch  aus  der  Umgegend,  zu  fichern,  wurde  diefelbe  einem  großen  Ehren-Ausfchuß,
  beftehend  aus  Vertretern  der  Spitzen  der  rheinifch-weftfälifchen
Staats-  und  Gemeindebehörden,  der  Militärverwaltung,  der  wiflenfchaftlichen
  und  induftriellen  Kreife  unterteilt.  Der  Propaganda  diente  ein  von
Profe|Jor  Bornemann  entworfenes,  auf  den  Bahnhöfen, ­
  in  den  Eifenbahnzügen  und  Straßenbahnwagen
ausgehängtes  Plahat  und  eine  denselben  nachgebildete,
durch  die  Barmer  Gefchäftswelt  im  auswärtigen  Briefverkehr ­
  benutzte  Reklamemarke,  die  Verbreitung  von
Ausftellungsprofpekten  und  illuftrierten  Poftkarten.  Für
die  umfa|Jende  Verforgung  der  Orts-  und  Provinzialpre|fe
  mit  täglichen  Ausftellungsberichten  wurde  für  die
Dauer  der  Ausftellung  ein  mit  derselben  durchaus  vertrauter ­
  Literat  verpflichtet  und  dem  gleichen  Herrn  auch
die  Abhaltung  von  Werbevorträgen  in  den  Nachbarftädten
  übertragen.  Befondere  Sorgfalt,  wurde  der
Ausarbeitung  des  Spezial-Kataloges  gewidmet,  während  für  die  perfönlidi
eingehende  Erklärung  aller  einzelnen  Gegenftände  in  den  verfchiedenen
Ausftellungsabteilungen,  die  ehrenamtliche  Mitarbeit  von  mehreren  100  Mitgliedern ­
  des  Nationalen  Frauendienftes  gewonnen  wurde.  Gerade  diefe
Einführung  durch  vorher  eingehend  unterwiefene  Persönlichkeiten  in  das
Wefen  der  Verwundeten-  und  Kriegsbefchädigten-Fürforge  verlieh  der  Ausftellung ­
  den  Wert  belehrender  Anregung.  Die  Damen  trugen  einheitliche
Pflegerinnen  Tracht.
lieber  die  wi(fenfchaftliche  Bedeutung  der  Barmer  Ausftellung  fchrieb
Dr.  med.  A.  Hartkopf  in  der  Kölnifchen  Zeitung:
Wer  auf  dem  Felde  der  Ehre  ftirbt,  wer,  wohl  gar  im  fiegreichen  Sfurm  mit  einem  jauchzenden ­
  Hurra  auf  den  Lippen  von  dem  tödlichen  Blei  getroffen  auf  den  Plan  finkt,  der  hat  mit  feinem
Tode  dem  Vaterlande  noch  lange  nicht  das  fchwerfte  Opfer  gebracht.  Viel  trauriger  geftaltet  fich
oft  das  Los  des  Schwerverwundeten,  den  ein  monatelanges,  feine  körperliche  und  feelifche  Widerflandsfähigkeit
  auf  die  härtefle  Probe  Bellendes  Leiden  an  das  Krankenlager  feffelt,  und  der  vielleicht
während  dierer  ganzen  Zeit  überdies  noch  von  einer  nur  zu  berechtigten  Sorge  um  Tein  ferneres
wirtfchaftliches  Dafein  verzehrt  wird.  Das  Krüppelelend,  das  den  älteren  von  uns  in  der  typifchen
Gehalt  des  haufierenden  oder  drehorgelfpielenden  Invaliden  noch  lebhaft  vor  Augen  fleht,  ift  allezeit ­
  eine  der  traurigfien  Folgeerfcheinungen  der  Kriege  gewefen.  Auch  für  diefe  unglückfeligen
Einarme  und  Stelzbeine,  die  ehedem  fich  und  dem  Staate  zur  Lafl  ein  trauriges  Dafein  führten,
bedeutet  der  gegenwärtige  Weltkrieg  den  Beginn  einer  neuen,  verheißungsvollen  Zeit,  die  fich
ihrer  heiligen  Pflichten  gegen  die  Kriegsinvaliden  beffer  als  frühere  Generationen  bewußt  iß.  Taufend
anflellige  Köpfe  und  mildtätige  Hände  find  an  der  Arbeit,  den  Verwundeten,  wie  auch  den  Kranken

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Ausflellungs-Reklamemarke.


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alle  nur  denkbaren  Erleichterungen  zu  fchaffen,  insbefondere  aber  den  Verflümmelten  durdi  die
weiteftgehende  Fiirforge  ein  neues  Lebensziel  und  damit  neue  Lebensfreudigkeit  zu  geben.
Von  der  glänzenden  Entwicklung,  die  diefe  menrchenfreundlichen  Beflrebungen  bereits  jefet
genommen  haben,  gibt  die  vor  kurzem  in  Barmen  eröffnete  Ausheilung  für  Verwundeten-  und
Krankenfürforge  im  Kriege  ein  ebenfo  lehrreiches,  wie  feffelndes  Bild.  Wir  fehen,  wie  die  Fiirforge
für  den  verwundeten  Soldaten  bereits  mit  feiner  Ausrüftung  beginnt,  und  wie  eine  bis  in  die
kleinften  Einzelheiten  wohldurchdachte  Organfiation  dem  Zweck  dient,  jedem  Kranken  oder  Verwundeten ­
  binnen  kürzefter  Frift  unter  forgfältiger  Schonung  Hilfe  zu  bringen.  Die  Findigkeit  der
oft  auf  die  einfachften  Hilfsmittel  angewiesen  Sanitätstruppen  bewährt  fich  hier  in  ausgezeichneter
Weife:  wo  beifpielsweife  die  fehr  zweckmäßig  gebaute  gewöhnliche  Krankentrage  fehlt,  da  wird
fie  durch  Bahren  erfeßt,  die  mittelft  einiger  paffend  gefchniftener  Holzftämme  und  eines  einfachen
Leinen-,  Segeltuch-  oder  gar  Strohgeflechts  improvifiert  find.  Schon  der  Hauptverbandplaß,  dem
die  Verwundeten  fo  zugeführt  werden,  ift  mit  fämtlichen  Einrichtungen  verfehen,  die  eine  ausgiebige
erfte  Hilfe  erfordert,  während  vollends  die  Feldlazarette  in  theoretifch-wiffenfchaftlicher,  wie  auch
in  praktifcher  Hinfidrt  allen  Anfprüchen  der  modernen  Heilkunde  gerecht  werden.  Hier  fehlen  felbftverftändlich
  auch  nicht  die  dem  Chirurgen  unentbehrlichen  Vorrichtungen  zum  Sterilifieren  von  Inftrumenten
und  Verbandfloffen,  der  Röntgenapparat,  der  Kaften  mit  Reagentien  und  manche  andere  Geräifchaften,
  wie  wir  fie  in  wohlausgerüfteten  Krankenhäufern  zu  finden  gewohnt  find.  Für  befondere
Fälle,  wie  z.  B.  für  verwickelte  chirurgifche  Aufgaben,  fleht  dem  behandelnden  Arzt  ein  dem  Korpsarzt ­
  zugeteilter  Chirurg  von  anerkannter  wiffenfchaftlicher  Tüchtigkeit  zur  Verfügung;  bei  Seuchenverdacht ­
  nimmt  ein  befonderer  Hygieniker  alsbald  an  Ort  und  Stelle  die  Unteriuchungen  zur  Feftftellung
  übertragener  Krankheiten  vor.  Eine  große  Anzahl  von  Modellen  gibt  dem  Laien  in  anfchaulicher
  Weife  über  die  gebräuchlichften  Formen  von  Krankenzelten  und  Lazarettbaracken,  über
Feldrönigenwagen,  fahrbare  Trinkwarferbereiter,  Feldbahnwagen  zur  Beförderung  Verwundeter,
fowie  endlich  über  die  verfchiedenen  Syfteme  von  Lazarettzügen,  Hilfslazarettzügen,  Lazarettfchiffen
und  ähnliche  moderne  Wohlfahrtseinrichtungen,  Auskunft.  Unfer  befonderes  Intereffe  darf  die  Ver-Torgung
  der  Verwundeten  an  Bord  der  Kriegsfchiffe  für  fich  in  Anfpruch  nehmen.  Hier  geftalfet  fich
der  Transport  der  außer  Gefecht  Gefeßten  wegen  der  Enge  und  Steilheit  der  Treppen  fo  fchwierig,
daß  die  gewöhnlichen  Tragbahren  nicht  verwandt  werden  können,  fondern  durch  eine  Transporthängematte ­
  erfeßt  werden  müffen,  die  fich  im  Verein  mit  einer  im  Original  gezeigten,  fogenannten
Gleitbahn  einftweilen  als  das  befie  Beförderungsmittel  erwiefen  hat.  Auch  die  ausgeftellten  Gefechtsverband- ­
  und  Krankenräume  zeigen,  mit  welchem  Gefchick  man  in  der  deutfchen  Marine  das
Problem  der  Raumerfparnis  gelöft  hat.
Die  Aufmerkfamkeit,  die  untere  Heeresverwaltung  feit  vielen  Jahren  der  Bekämpfung  der
anfteckenden  Krankheiten  im  Kriege  widmet,  tritt  Tdion  in  dem  Umfang  und  in  der  Sorgfalt,  die
man  ihrer  Darftellung  in  Barmen  gewidmet  hat,  deutlich  hervor.  Neben  den  Abbildungen  der  Erreger ­
  der  wichtigften  Kriegsfeuchen,  des  Typhus,  der  Ruhr,  der  Cholera  und  des  Wundftarrkrampfs,
zeigen  abgetötete  Kulturen  das  Wachstum  der  fpezififchen  Bakterien  auf  den  verfchiedenen  Nährböden, ­
  und  es  wird  an  den  Beifpielen  des  Typhus  und  einiger  anderer  Krankheiten  näher  erläutert,
welcher  Methoden  der  Bakteriologe  fich  bedient,  um  die  gefuchten  Seuchenerreger  von  zahlreichen
andern,  ähnlichen  Keimarten  zu  trennen  und  fo  in  Reinkultur  zu  erhalten.  Leicht  zu  befördernde
Laboratorien  ermöglichen  es,  alle  diefe  Unteriuchungen  binnen  kürzefter  Frift  auch  im  Felde  vorzunehmen. ­
  Weitere  Abbildungen,  Modelle  und  Proben  veranfchaulichen  die  Gewinnung  und  die
Anwendung  der  verfchiedenen  Heifiera,  wie  Rüche  fich  nicht  nur  bei  der  Diphtherie,  fondern  audi
bei  der  Ruhr,  der  Genickftarre  und  dem  Wundftarrkrampf  als  wirkfam  erwiefen  haben,  bei  der  leßtgenannten
  Krankeit  befonders  in  der  Form  der  Einfprißung  in  den  Wirbelkanal.  Daß  neben  diefen
Heilmaßnahmen  auch  Schußimpfungen  in  unfern  Kampf  gegen  die  Seuchen  eine  nicht  zu  unterrchäßende
  Rolle  Tpielen,  ift  bekannt.  Eine  Reihe  von  Abbildungen  und  ftatiftifchen  Tafeln  geben
über  die  Gewinnung  diefer  Schußftoffe  und  über  die  mit  ihnen  erzielten  Erfolge  Auskunft.  Von
wie  geringer  Wirkfamkeit  gegen  bakteriell  verunreinigte  Hände  die  meiften  von  altersher  üblichen
Desinfektionsmittel,  wie  Karbol  und  Karbolfeifenlöfungen,  find,  ergibt  fich  aus  einer  nach  umfangreichen ­
  Veriuchen  im  Infiitut  Robert  Koch  in  Berlin  zufammengeltellten  tabellarifchen  Ueberficht;  fie
beweift,  daß  es  praktifch  faft  unmöglich  ift,  die  gefährlichen  Keime  mit  Hilfe  diefer  Mittel  von  den
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        einmal  befdimubten  Händen  zu  entfernen,  und  dab  nur  das  Sublimat,  am  betten  in  Verbindung
mit  dem  Alkohol,  tatfädilich  eine  Hark  bakterientötende  Kraft  entfaltet.  Wie  zielbewujjt  die  deutchen
Militärbehörden  —  übrigens  im  Gegenfab  zu  anderen  Heeresverwaltungen,  namentlidi  der  franzöfifdien
  —  endlidi  die  Tuberkulofe  im  Heer  bekämpfen,  zeigt  fchon  die  Tatrache,  dafj  feit  1890  eine
befondere  Zählkartenfammelforfchung  über  jeden  wegen  Lungentuberkulofe  oder  Lungenblutung
aus  den  Lazaretten  entlaffenen  Mann  durdigeführt  wird.  Wie  in  der  Zivilbevölkerung,  fo  haben
auch  im  Heere  die  verfchiedenen  Mafsnahmen  zur  Eindämmung  diefer  verbreitetften  Volkskrankheit,
namentlich  die  Ausnübung  der  Walderholungsftätten,  der  Genefungsheime,  der  Lungenfürforgeftellen
und  der  Heilftätten  den  erfreulichen  Erfolg  gehabt,  dab  die  Zahl  der  Tuberkulofeerkrankungen  in
ftändiger  Abnahme  begriffen  ist.
In  der  von  dem  Kaiferin-FTiedrich-Haus  und  einigen  andern  Körperfchaften  reich  befchickten
hiftorifchen  Abteilung,  in  der  wir  fchaudernd  die  roh  gefertigten  Sägen,  Zangen  und  Meffer  früherer
Jahrhunderte  gewahren,  befindet  [ich  ein  eigentümlicher,  diagnoflifchen  Zwecken  dienender  Apparat:
ein  elektrifcher  Kugelfucher.  Die  beiden  Arme  des  zangenartigen  Inftruments,  das  mit  einem
elekirifchen  Läutewerk  in  Verbindung  fleht,  wurden  in  die  Wunde  eingetührt;  trafen  fie  auf  ein
Gefcliob,  fo  wurde  der  Strom  gefchloffen  und  das  Läutewerk  hub  an  zu  fchellen.  Geiftreich  in  der
Theorie,  wahiTcheinlich  ziemlich  unbraudibar  in  der  Praxis  und  uns  heutzutage  geradezu  ziemlich
vorflindflutlich  anmutend.  Das  Genie  Röntgen  hat  uns  einen  Kugelfucher  berdiert,  der  feinem
Konkurrenten  aus  dem  Siebziger  Kriege  überlegen  ift,  wie  der  mafchinengewehrbewaffnete  deutfche
Soldat  dem  fpeerfchwingenden  Aftralneger.  Und  wenn  man  von  einem  alten,  menfchenfreundlichen
Medizinmann  den  Ausfpruch  verzeidinet,  er  möchte  nidit  Arzt  Tein,  ohne  das  Morphium,  To  wird
heute  gewib  mandier  Chirurg  tagen:  ohne  Röntgenftrahlen  mödiie  ich  nicht  Kriegschirurgie  betreiben. ­
  Es  verfteht  fich  von  felbft,  dab  die  deutfche  Heeresverwaltung  fidi  die  wunderbare  Entdeckung ­
  des  deutfchen  Gelehrten  im  Dienfle  der  Verwundetenfürforge  in  weiteftem  Umfange  dienflbar
  gemadit  hat;  die  Barmer  Ausheilung  legt  Zeugnis  davon  ab.  Eine  grobe  Anzahl  künftlerifch
vollendeter  Röntgenaufnahmen  gibt  auch  dem  Laien  einen  Begriff  von  dem  Ungeheuern  Anwendungsgebiet ­
  der  rätrelhaften  Strahlen,  die  es  —  zumal  mit  Hille  des  ftereoskopifdien  Verfahrens  —  dem
Arzt  ermöglichen,  den  Sib  des  Gefchoffes  im  Körper,  wie  auch  den  Umfang  etwaiger  Knochenzertrümmerungen
  genau  zu  beftimmen.  Den  befondern  Anforderungen  des  Krieges  find  die  tragbaren ­
  Röntgeneinrichtungen  angepajjt,  deren  S  romerzeugungsanlage  einfadi  aus  einem  Benzinmotor, ­
  einer  DYnamomafchine,  einer  Schalttafel  und  dem  Verbindungsftab  befiehl;  fie  find  mit  einer
Umfchaltvorrichlung  verfehen,  die  bei  einem  vorhandenen  Leitungsanfdilub  den  Betrieb  für  die
jeweilig  vorhandene  Spannung  ermöglicht.  Nicht  nur  der  Chirurg,-  auch  der  Zahnarzt  bedient  fidi
bei  der  Verwundetenbehandlung  oft  und  mit  beftem  Erfolge  der  Röntgenftrahlen,  um  ein  zuverlhffiges
  Bild  von  dem  Zuftand  der  verlebten  Kieferknochen  zu  erhalten  und  daraufhin  die  häufig
notwendigen  plaftifdien  Operationen  und  andere  Eingriffe  ficher  vornehmen  zu  können.  Was  die
moderne  Zahnheilkunde  bei  ausgedehnten  Kieferzertrümmerungen  und  anderen  fchweren  Verlebungen ­
  der  Mundhöhle  zu  leihen  vermag,  das  erhellt  aus  den  vorzüglichen  Abbildungen  des
Prof.  Bruhn  und  anderen  Serienbildern,  die  uns  die  Entwicklung  der  Heilung  eines  Kieferverleblen
von  feiner  Verwundung  bis  zum  Abfchlub  des  Heilverfahrens  vorführen.
Aber  von  folchen  befondern  Verlebungen  abgefehen,  bleibt  die  Verwundeten-  und  fpeziell
die  KriegskriippelfüiTorge  natürlich  in  elfter  Linie  zunächft  dem  Chirurgen  und  Orthopäden  Vorbehalten. ­
  Da  werden  vollftändig  zerftörte  Sehnen,  deren  Verhüt  in  früheren  Zeiten  unfehlbar  zu  einer
Lähmung  des  von  ihnen  verfolgten  Gebietes  führen  mu|te,  entweder  durch  Verpflanzung  einer
gefunden  Sehne  oder  durch  Einfügung  einer  künftlichen  (feidenen)  Sehne  erfebt,  zerriffene  Nerven
mit  Erfolg  genäht,  verfteifte  Gelenke  gelöft  und  durch  Zwüchenlageruug  von  Weichleilen  beweglidi
gemacht  und  manche  andere  technifche  Kunfiftückchen  ausgeführt,  die  noch  vor  einem  Menfchenalter
  als  unerhört  gegolten  hätten.  Befondere  Aufmerkfamkeit  wendet  der  behandelnde  Arzt  von
vornherein  dem  Zuftande  der  Gelenke  zu.  Durch  befondere  Schienen  und  Verbandmethoden  fudit
er  den  Sdiaden  auszugleidien,  den  die  bei  fdiweren  Verwundungen  meift  erforderlidie  längere
Ruhigllellung  der  Gelenke  fo  leidit  im  Gefolge  hat  und  verhütet  in  diefen,  wie  audi  in  vielen
andern  Fällen  die  drohende  Verkrüppelung  des  verlebten  Gliedes.  Medikomechanifche  Pendelapparate, ­
  Fleiblufikafien,  Elektrizität  und  Bäder  dienen  weiterhin  dem  Zweck,  die  volle  Beweglich-
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        150

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keit  der  Gelenke  da,  wo  fie  geliften  hat,  wiederherzuflellen.
Karin  ein  Körperglied  nicht  erhalten  werden,  fo  tritt  der
Orlhopäde  in  feine  Rechte,  der,  unter  forgfäliiger  AnpaHung
an  den  Einzelfall,  durch  kiinftliche  Glieder  der  verfchiedenften
Art,  die  verloren  gegangene  Funktion  zu  erleben  fucht.  Wenn
wir  die  fchwere,  —  sit  venia  verbo  —  unhandlidie  eiferne
Hand  des  Goß  von  Berlichingen  mit  einem  modernen  künftlichen
  Arm,  etwa  dem  vortrefflichen  Jagenbergfchen,  vergleichen, ­
  To  tritt  der  grundlegende  Gegenfäß  unterer  heutigen
Beftrebungen  zu  den  Zielen  früherer  Zeitepochen  klar  zutage.
Früher  das  Bemühen,  den  Arm  bis  auf  die  zahlreichen  Fingergelenke ­
  dem  menfchlichen  Arm  rein  äußerlich  ähnlich  zu
machen  —  aufKoften  TeinerBrauchbarkeit;  heute  für  kosmetifche
Zwecke,  etwa  zum  Sonntag-Nachmittagausgehen,  einen  Anlaß ­
  nach  Art  des  oben  befchriebenen,  aber  aus  leichtem
Material,  im  übrigen  iedoch  das  Streben,  ein  praktifch  brauchbares ­
  Glied  zu  Ichaffen,  einen  Arbeitsarm  für  den  Arbeiter.
Ein  Ring,  ein  Haken,  eine  Klammer  als  vordem  Abfchluß,

Kriegverlebter  mit  künftlichem  Arm
bei  Feilenarbeit.
mit  dem  man  eine  Zange,  eine  Feile
oder  ein  fonfliges  Arbeitsgerät  fefthalten
kann,  fonft  nichts.  Aber  was  mit  einem
folchen  Arm  geleiftet  wird,  das  fehen
wir  in  einer  kleinen  Sonderausftellung
in  Barmen  :  dort  finden  wir  den  Metallarbeiter, ­
  den  Weber,  den  Mafchinenfchreiber,
  ja  den  Schneider  feinen  Beruf ­
  ausiiben,  und  zahllofe,  von  Krüppeln
hergeftellte  kunftgewerbliche  Gegenftände
  legen  Zeugnis  ab,  nicht  nur  von
der  Anpaffungsfähigkeit  der  menfchlichen ­
  Natur,  fondern  auch  von  der
unbedingten  Richtigkeit  des  oben
fkizzierten  Grundfabes  der  modernen
Orthopädie.  Und  Ähnliches  gilt  auch
von  dem  künfllichen  Bein.  Ein  gewöhnlicher ­
  guifißenderSielzfuß  verdient
oft  den  Vorzug  vor  einem  äußerlich
tadellos  ausfehenden,  aber  wegen
feines  verwickelten  Baues  unpraktifchen
künfllichen  Beines.  Auch  hierfür  liefert
die  Ausheilung  mandie  treffende  Illuftration. ­
  Es  bedeutet  einen  Ruhmestitel
der  deuFchen  Induftrie,  daß  fie  fchon
jeßt,  wie  befonders  das  Beifpiel  des
Phönix  in  Düffeldorf  zeigt,  den  Zielen
der  Krüppelfürforge  volles  Verffändnis
entgegenbringt  und  mit  allen  Krähen

Kriegsverleßfer  mit  künftlichem  Arm  beim  Schaufeln.
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        151

bemüht  ift,  nach  den  Ratfchlägen  der  rachverttändigen  Aerzfe  ihre  Arbeiter,  foweit  fie  Kriegsinvaliden ­
  geworden  find  oder  durch  einen  Unfall  ein  Glied  eingebüßt  haben,  angemeffen  weiter
zu  belchäftigen  und  fo  einem  nußbringenden  Berufe  zu  erhalten.  Denn  nur  auf  dietem  Wege  kann
es  gelingen,  wenigttens  einigermaßen  das  untägliche  Elend  zu  lindern,  das  dieter  unerhörte  Krieg,
wie  über  die  andern  beteiligten  Völker,  To  auch  über  unter  Vaterland  heraufbefchworen  hat.
Förderlich  war  der  Ausstellung  auch  der  überaus  zahlreiche  Befuch
nicht  nur  Barmer,  fondern  auch  auswärtiger  Verwundeter,  Sanitäter,  Jugendchöre ­
  und  Schulen,  welcher  durch  entfprechende  Befürwortung  der  Generalkommandos, ­
  der  Kgl.  Regierungen  und  Provinzial-Schulhollegien  erreicht
wurde.  Audi  das  an  die  verfchiedenen  Vereine  gerichtete  Erfuchen  des
Herrn  Oberbürgermeisters,  während  der  Ausftellungszeit  größere  Tagungen
zu  veranStalten,  fiel  auf  überaus  fruchtbaren  Boden,  indem  die  große  Zahl
der  Veranstaltungen  und  Vorträge  der  Ausstellung  nicht  allein  ftarhen  Befuch
  zuführte,  fondern  audi  eine  feltene  Fülle  vielfeitiger  und  gründlicher
Anregung  mit  fidi  bradite.
Zum  gaftlichen  Willkommen  der  fremden  Ausftellungsbefucher  wurde
der  Weg  vom  Hauptbahnhof  bis  zur  Stadthalle  reich  durch  Flaggenmaften
geziert,  ebenfo  wie  an  den  verfchiedenen  Zugängen  zur  Ausstellung  künftlerifche
  Empfangspforten  errichtet  waren.
Der  Erleichterung  des  Verkehrs  diente  die  Einftellung  von  verfchiedenen
Sonderzügen  auf  der  Staatseifenbahn,  den  Straßenbahnen  und  der  Bergbahn, ­
  die  Einrichtung  eines  Pendel-Auto-Betriebes  zwifchen  dem  Hauptbahnhof ­
  und  der  Aufteilung,  fodann  vor  allem  eine  erhebliche  Fahrpreisermäßigung ­
  für  größere  Vereine,  Schulen  und  dergl.
Zur  Kontrolle  der  Eintrittskarten  und  der  Ueberwadiung  der  Ausstellungsgegenstände ­
  war  ein  größeres  Kommando  von  Verwundeten  aus
den  Barmer  Lazaretten  verpflichtet,  für  die  Feuerficherheit  forgte  ein  Ständiger
Wachdienft  der  ftädtifchen  Feuerwehr.  Außerdem  waren  in  der  Ausheilung
Stationiert  eine  Sanitätswache  mit  Apotheke  und  Verbandskaften,  je  zwei
Polizei-  und  Kriminalbeamte,  fowie  Angehörige  der  Jugend  wehr  für  Kurierdienste. ­
  Die  Kontrolle  der  an  der  Tageskaffe  eingehenden  großen  Menge
von  kleiner  Münze,  die  ftatiftifche  Bearbeitung  der  Ausftellungsbefudier  nadi
verfchiedenen  Eintrittspreifen,  die  Dispofition  über  die  angemeldeten  Schulbefudie
  auf  die  befuchsärmften  Zeiten,  vor  allem  die  ftrenge  Buchung  der
Ausstellungsobjekte  und  deren  Verpackungsmaterial,  waren  durch  befondere
zweckmäßige  Einrichtungen  des  Ausftellungsbüros  geregelt.
Sämtliche  Ausstellungsräume  und  Gegenftände  wurden  alltäglidi  vor
der  Oeffnungszeit  unter  Aufficht  gründlich  gereinigt.  Die  Ausftellung  war
gegen  Feuersgefahr,  Einbruchsdiebftahl  und  Haftpflicht  verfidiert.
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        Zur  Hebung  der  Einnahmen  fand  ein  Verkauf  von  Sprengftücken,
Chokolade  und  durch  Mitglieder  des  Nationalen  Frauendienftes  künftlerifdi
gekleideter  Puppen,  in  den  Weihnachtstagen  ein  folcher  von  frifdien  Tannenzweigen ­
  mit  Nationalfchleife  zum  Anftecken,  |tatt.
Ausstellungsgegenstände  und  ihre  Anordnung.
1.  Vorhof:  Erbeuteter  englifcher  B.  E.  Doppeldecker  (an  der  Weftfront  nadi
109  Treffern  in  2600  m  Höhe  zur  Landung  gezwungen),  erbeutete
Wagen  und  Gefdiüffe,  Mulag  Verwundeten-Auto  mit  Anhängewagen. ­

2.  Vorhalle:  Friedrich  Krupp  A.-G.:  42  cm  Granaten,  Bochumer  Verein  für
Bergbau  &amp;amp;  Gußftahlfabrikation:  Granaten  aller  Kaliber.  Küppersbufch
  &amp;amp;  Söhne:  fahrbare  Feldküchen.  Rheinifche  Metallwarenfabrik
(Ehrhardt):  Feld-und  Gebirgsgefchüffe,  (zur  Veranfchaulichung  ihrer
inneren  Konftruktion  und  Ladung  im  Durchfdmitt  offen  gelegt.)  —
Schrapnells,  Granaten,  Gefchüffpatronen,  franzöfifche  Wurfminen.
3.  Treppenhaus  links:  Uniformftücke,  Waffen-  und  Ausrüftungsgegenftände
aus  Belgien,  Frankreich,  England  und  Rußland.
4.  Großer  Saal:  Reichsmarineamt:  Modelle  von  Kriegsfchiffen  und  Flugzeugen; ­
  20  m  hoher  Aufbau:  Sdinitt  durch  die  Sanitätsräume
eines  Kriegsfchiffes  mit  Rutfchen,  um  die  Verwundeten  an  Bord
in  die  Verbandsräume  zu  befördern,  10,4  m  großes  Sdilachtenmodell,
  Feldlazarette,  Baracken,  Felddiakonie,  Johanniter-  und
Malteferorden,  Sterilifationsapparate  für  Verbandmaterial  und
Inftrumente.  Sanitätsfürforge  im  Eifenbahnwefen:  Lazarettzüge,
Sanitätswagen,  Entlaufungszug  zur  Vorbeugung  der  im  Often
ungemein  gefteigerten  Seuchengefahr  (fahrbare  Militär  Bade-  und
Reinigungsanftalten),  Entfeuchungsanftalt  für  Perfonenzugwagen,
Seuchenzugwagen,  Lazarettfchiffe.
5.  Schmaler  Seitenfaal  links:  Rheinifche  Sanitätskolonnen  vom  roten  Kreuz,
Ausrüftung  und  Verwundetenbeförderung  in  Lazarettzügen,
Straßenbahnen,  auf  Tragen  und  durch  andere  Verkehrsmittel.
6.  Seitenfaal  rechts:  Gefchichtlicher  Ueberblick  über  das  Kriegsfanitätswefen
aus  alter  und  neuer  Zeit,  feldärztliche  Inftrumente  und  künftlidie
Glieder,  bildliche  Darftellungen,  *)  Altar  und  Kirche  für  das  Feldheer, ­
  Altardecke  für  das  kaiferliche  Hauptquartier.
')  Ueber  diere  hochintereffante  Abteilung  verbreitete  fich  Doris  Wittmer  wie  folgt:
Die  bildende  KunH  ifi  Schwefter  jeder  gro&amp;amp;en  Lebensbewegung.  Sie  konnte  und  kann  an
der  Kriegsflihrung  —  als  einer  der  maditvollflen  Ausdrucksformen  menfchlidier  Triebkräfte  —  nidit
        <pb n="158" />
        teilnahmlos  vorübergehen.  Frühzeitig  darum  —  in  der  Gefehichte  der  Völker—begegnen  wir  der
Kunft  aul  den  Spuren  des  Krieges.  Sie  fuchi  Eindrücke  aufzufangen,  Vorftellungen  zu  vermitteln.
Sie  wird  zum  Medium  zwifchen  den  Kämpfern  der  Feldfchlacht  und  den  Daheimgebliebenen;  mehr
als  das,  zum  Bindeglied  zwifchen  Gegenwart  und  Zukunft.  Was  die  Stunde  an  fürchterlichem  Gefchehen
  reifen  lägt,  der  Spiegel  der  Kunft  —  gleichviel,  ob  er  treu  oder  verzerrend  empfangt  —
wird  kommenden  Gefchlechtern  ein  Bild  diefer  Gefchehnüfe  zutragen.  Neben  dem  Selbftzweck
der  künftlerifchen  Tat  an  fich,  wird  darum  jeder  dem  Kriege  dienenden  Kunft  noch  ein  kulturgefchichtlicher
  Wert  innewohnen;  wird  ihr  eine  Bedeutung  als  Hilfsmittel  der  Wiffenfchaft  zugebilligt
werden  müffen.  )e  nadi  ihrer  individuellen  Richtung  wird  diere  Kunft  die  rauhen  —  und  zuweilen
—  rohen  Begebenheiten  des  Augenblicks  in  den  Adel  der  höheren  Idee  emporheben,  wird  fie
begeiftert  und  zufiimmend  oder  erbarmungslos  kriiifch  und  bisweilen  abfichtlich  entftellend  die
Dinge  gehalten,  die  in  ihren  Gefichtskreis  fallen.  Die  inbrünftigen  Kriegsapologien  in  der  bildenden
Kunft  find  nidit  minder  häufig,  als  die  graufamfien  Kriegskarrikaturen.  Die  einen,  wie  die  anderen,
aber  können  für  den  Gefchichtsforfcher  —  den  rückwärts  gewandten  Philofophen  —  als  gleichermaßen ­
  belehrend  und  nüßlich  gelten.
Ein  Sondergebiet  unter  der  Fülle  kriegerifcher  Gefchidrte  beanfprudit  der  ungeheure  Komplex
des  Krankenwefens  im  Feldzuge.  Verwundetenfürforge,  Frauenhilfe,  Feldchirurgie  —  ganz  abzufelien
  von  dem  heroifchen  Stoff  des  Todes  auf  dem  Sdiladitfelde  —  bielen  dem  Künftler,  der  mit
Pinfel,  Stift  oder  Meißel  feinen  Eindrücken  Ausdrude  fchenkt,  eine  Fülle  dankenswerter  Anregungen.
Charitas  dient  dem  Apoll.
Es  ift  ein  Verdienft  der  gegenwärtig  in  Barmen  in  der  Stadthalle  flattfindenden  „Ausheilung ­
  für  V  er  wundeten-  undKrankenfürforge  im  Kriege“,  gerade  diefem  Gebiet
befondere  Aufmerkfamkeii  gefchenkt  zu  haben  durdi  die  Schaffung  einer  kunhhiftorifchen  Abteilung
von  hervorragend  gefehickter  Anordnung  und  gefchmackvoller  Zufammenflellung.
Man  fchreitet  in  den  Räumen  diefer  Ausheilung  durch  Leid  und  Leiden.  Gewiß.  Und  immer
fleht  die  Kriegsfurie  als  große  Bewegerin,  als  treibende  Kraft  hinter  Qual  und  Sterben.  Aber
ebenfo  zieht  Tidi  durch  den  Anfchauungsunterricht  diefer  darhellenden  Gefchichte  die  tröhliche  Gewißheit ­
  eines  großen  Gedankens,  der  auf  Erhaltung,  nicht  auf  Zerftörung  abzielt.  Und  das  ih  der
Gedanke  der  Llilfsbereiifchaft.  Er  verbindet  Völker,  Zeiten  und  Kulturen.  Ihm  begegnen  wir  in
Plaftik,  Malerei  und  Graphik  aller  Gefchichtsepochen.
Seltfam  nur,  wie  felbh  der  Begriff  des  Schreckens  fich  im  Laufe  der  Jahrhunderte  gewandelt
hat.  Die  Gefahren  des  „männermordenden"  Krieges  von  ehedem  —  fiehe  Altertum  und  Mittelalter
—  erfdieinen  uns  nahezu  kindlich  und  naiv,  gemeffen  an  den  Vernichtungsmöglichkeiten  des
modernen  Krieges.
Auf  den  archaiftifchen  Darhellungen  frühefter  Zeitalter  zeigt  fich  eine  gewiffe  maßvolle  Befehaulichkeit
  der  Vorgänge.  Der  Schmerz  wird  nicht  offenbar.  In  der  Antike  zumal  mit  ihrem  hreng
formalen  Denken  wird  ihm  oh  nicht  viel  mehr  als  die  Rolle  einer  befonders  kleidfeimen  Gebärde
zuteil.  Wenn  man  auf  der  Schale  des  Sofias  Achill  den  Arm  des  Patroklos  verbinden,  auf
pompeianifchen  Fresken  den  Arzt  Japyx  mit  einer  Zange  den  Pfeil  aus  dem  Schenkel  des  Aeneas
herausziehen  oder  auf  einem  Basrelief  der  Trajansföule  Militärärzte  römifche  Legionäre  behandeln
und  verbinden  fieht,  fo  wird  überall  eine  gewiffe  vornehme  und  ruhige  Linienführung  des  Leidens
auffallen.  Die  realihifche  Qual,  das  heißt  die  Verzerrung  ins  Unfchöne,  fehlt.  Selbh  bei  einem  fo
noturwahren  Meiherwerk,  wie  dem  weltberühmten  „Sterbenden  Gallier“,  fällt  die  Rückfichtslofigkeit
des  rein  Gegenhändlichen  weg.  Auch  hier  handelt  es  fich  mehr  um  eine  Verkörperung  der  Idee
des  Schmerzes,  als  um  den  Schmerz  felbh.
Der  fchonungslofen  Wirklichkeit  erheblich  näher  gekommen  ih  fchon  das  Mittelalter,  das  die
Tradition  edler  Formenfprache  nidit  mehr  zu  hüten  brauchte  und  das  feinem  Drang  zu  Derbheit
und  Unverblümtheit  auch  in  der  bildenden  Kunft  —  insbefondere  dort,  wo  es  fich  um  Wiedergabe
von  Kriegsgreueln  handelte  —  freien  Lauf  ließ.  Die  Ausbreitung  der  Seuchen,  in  deren  Gefolge
Scheußlichkeiten  jeder  Art  mitliefen,  unterhüßte  die  überhandnehmende  Drahik  bildlicher  Darhellungen
aus  dem  Bereiche  der  Heilkunde  wefenilich.  So  redrt  eigentlich  mittelalterlich  —  d.  h.  überholt,
nahezu  unglaubwürdig  im  Sachlidien  und  nicht  feiten  voll  grobkörniger  Komik  im  Bildhaften  —
muten  die  Blätter  aus  der  Landsknechtzeit  an.  Ach,  diefe  prachtvollen  pluderwamfigen,  ketten-
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        154

raffelnden,  mit  Schienen,  Schilden  lind  Panzern  belüfteten  Menfchenungeiiime,  von  denen  man
kaum  verfteht,  wie  fie  die  eigenen  märchenhaft  umfänglichen  Gehalten  fortbewegen,  gefchweige
denn  in  Kampfllellung  zu  bringen  vermochten  I  Und  die  leuchtenden,  fchreiendeu,  geradezu  orgiaftifchen
Farben!  Was  würden  diefe  heldiTchen  Bramarbafre  wohl  zu  unteren  fdilichten  Feldgrauen  gefagt
haben?  —  Die  Verrichtungen  des  Feldfchers  nehmen  einen  breiten  Raum  in  den  Ueberlieferungen
des  Mittelalters  ein.  Medikus  und  Chirurgus  —  getrennte  PeiTönlichkeiten  dazumal  —  werden  in
ihrer  noch  recht  primitiven  Tätigkeit  konterfeit.  Und  die  kräftige  harte  Technik  des  Holzfchnittes  paßt
lieh  den  kräftigen,  harten  —  völlig  unfentimentalen  —  Vorwürfen  beftens  an.

Gerchidifliche  Abteilung.
Die  Neuzeit  —  mit  dem  großen  Auftakt  der  napoleonifchen  Kriege  —  trägt  das  empfindfame
Moment  in  die  krieggeweihte  Kunft.  Mehr  und  mehr  begegnen  wir  in  der  Wiedergabe  von  Schlachtbildern, ­
  Sterbe-,  Operations-,  Verwundeten-  und  Krankenfzenen  enlweder  einem  heroifchen  Pathos
oder  einer  melodramaiifchen  Kiifchigkeit.  Immerhin  aber  tritt  das  Seelifche,  wenn  audi  öfters  in
verlogener,  verbogener  Form,  in  den  Vordergrund.  Und  relbft  die  Grimaffe  wird  nicht  gefcheut,
wo  fie  der  größeren  Anfchaulichkeit  dienen  foll.  Ab  und  zu,  wie  z.  B.  auf  dem  Bilde  zweier
junger  Krieger,  die  einem  verwundeten  Kameraden  erfte  Hilfe  angedeihen  lafren,  oder  auch  auf
einem  Kupferftiche  Moriß  von  Schwindts  macht  fich  eine  ins  Süßliche  verfchwimmende  Weichheit
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        bemerkbar,  die  unliebtam,  weil  Ilillos  kontraftieri  zu  der  bitteren  Sdiroffheit  des  Stofflichen.  Wo
hingegen  der  Spanier  Goya  in  feinem  Kupferftichzyklus  „Los  desastres  de  la  Guerra“  den  Schrecken
des  Krieges  mit  zeitlofer  Genialität  nahekommf.  —  Auf  einer  Originalzeichnung  Zimmers  fieht  man
Profeffor  Wilms,  den  namhaften  Kriegschirurgen,  im  Feldlazarett  operieren.  Die  Darftellung  hat
etwas  Ueberzeugendes  und  Eindringliches,  wiewohl  man  fidi  nicht  verhehlen  darf,  dag  der  groge
Arzt  [eine  Aermel  zu  der  blutigen  Handlung  ungefähr  in  der  Heldenpore  eines  äfchyleifchen  Tragöden ­
  emporrtreift  und  die  Augen  wild  im  Kreite  rollt,  als  umftände  ihn  den  Chor  der  Rache  in
gräglicher  Leibhaftigkeit.
Von  Achill  bis  Wilms  und  Langenbeck  —  ein  weiter  Weg,  den  in  dröhnenden  Eifenrchuhen
die  Gefchichte  —  und  als  ihre  treue  Begleiterin  —  die  Kuiift  getchritten  ift.
Und  heute  itt  wieder  Krieg.  Und  wir  wifl'en,  dag  alles,  was  vorher  war,  nur  als  fchüchterne
Etappe  gelten  darf  auf  dem  Entwicklungspfad  zum  Weltenkampf  von  1914/15.  Heute  ift  wieder
Krieg.  Und  wieder  wird  die  Kunfi  von  ihm  lernen.  Und  wird  Erfahrungen  und  Erkenntnitfe  künftigen
Generationen  hinüberreichen.
Ein  blutig  Handwerk  fpricht  aus  dem  farbigen  Wirrwarr  der  emtig  zufammengetragenen
Bilder,  Skulpturen,  Stiche,  Buntdrucke  und  Photographien.  Aber  neben,  aus  und  über  dietem
blutigen  Handwerk  griigt  das  höchtte  Gut  friedlicher  Mentchheitsentwicklung  :  der  Triumph  der
Nächftenliebe.

7.  Treppenhaus  rechts:  Brieftauben ­
  und  Sanitätshunde. ­

8.  Mitteigefchoß  auf  dem  1.
Podefl:  Kleine  Multerbriegsküche ­
  der
Wohlfahrtzentrale,  in
welcher  täglich  arme
Kinder  koftenlos  gefpeil
  t  wurden.  Die
künftlerifche  Ausmalung ­
  der  Räume
erfolgte  durdi  Herrn
Prof.  Wietluichter.
9.  Oberes  Treppenhaus:  Gebirgstruppen
  -  Ausrüftung,
  An  flehten  und
Apparate  aus  dem
Lazarett  des  Herrn
Dr.  Gerdes,  Barmen;
die  Kriegsfürforge
der  Städte  Düffeldorf  ......  ,  ..  „  ,  .  ...
Auslchrauckung  der  Multerknegskuche
und  M.-Gladbach.  der  Wohlfahrizentrale.
10.  und  11.  Lieberbaute  Terraffe:  Kriegsbefchädigten-Fürforge,  blutiges  und
unblutiges  Verfahren.  Erfatjglieder  und  Arbeiten  Kriegsbefchädigter,
        <pb n="161" />
        lao

Ausbildung  des  Kriegsbefchädigten  für  feinen  Beruf.  In  der
Düjfeldorfer  Verwundetenfeh  ule  gefertigtes  Modell  einer  dörflichen
Siedelung.
12.  Saalgatlerie:  Barmer  Verein  für  Jugend-  und  Volhsfpiele:  Turnen,  fpielen,
wandern,  fchwimmen,  rodeln,  orthopädifches  Turnen  für  fchwächliche
  Kinder  an  Apparaten  und  durch  Herrn  Profe|for  Giefecke

modellierten,  auf  den  Sport  bezüglichen  Kinderfiguren,  darge|tellt;
Gemälde  von  Profeffor  Fahrenkrog:  „Jugend  und  Krieg“.
13.  Barmer  Turnerfcßaft:  Graphifche  Darftellungen  der  im  Felde  (teilenden
und  der  bereits  mit  dem  eifernen  Kreuz  ausgezeichneten  deutfchen
Turner.
14.  Seitenfaal:  Aufgaben  des  Zahnarztes  im  Kriege:  Dü||eldorfer  Lazarett
für  Kriegsverlet^te  (Profe|for  Dr.  Bruhn),  zerfcho|Jene  Kieferteile,
Schienungen  und  Verbände,  Modellarbeiten,  Abgü|fe  von  Kiefern

Kriegsbelchädigtenfürforge.
        <pb n="162" />
        und  Apparaten  zur  Wiederherftellung  durch  Schuliverletjung
frakturierter  Kiefer.
Krankenpflegetechnik:  Afeptik,  Antifeptik,  Elektrizität,  Heif^luftund
  Lichtbehandlung,  Kriegswahrzeichen  und  Kriegsnotgelt.
15.  üeberbaute  Terraffe:  Verwendung  von  Röntgenftrahlen  im  Dienfte  der
Verwundetenfürforge.  Von  der  Rückfeite  erleuchtete  Röntgen-Barmer

  Verein  zur  Förderung  der  lugend-  und  Volksfpiele.

platten  von  Schuf?verlet?ungen  aus  den  Barmer  Lazaretten  und
dem  Bürgerhospital  Köln,  welche  die  Lage  des  Gefchoffes,  Knochenbrüche ­
  und  den  Heilungsprozef?  in  denfelben  veranfchaulichen.
Stereoskopifche  Röntgenaufnahmen,  welche  mittels  der  durch  fie
erzielten  plaftifchen  Tiefe  in  überrafchender  Deutlichkeit  und  mit
perfpektivifcher  Genauigkeit  die  Lage  von  Gefcho[?teilen  im  Innern
des  Körpers  zeigen  und  fo  die  klarfte  Vorbedingung  für  die  gefahrlofe
  Entfernung  des  Fremdkörpers  fchaffen.  Transportable
Feldapparate  für  Röntgenaufnahmen.

157
        <pb n="163" />
        16.  Bekämpfung,  anfleckender  Krankheiten  im  Kriege:  Bakteriologifches
Material  und  Darftellung  von  Kriegskrankheiten,  Kulturen  von
Cholera,  Typhus,  Ruhr,  Wundftarrkrampf,  Tuberkulofe  und  Gefchlechtskrankheiten.

17.  Ummer  vor  dem  Vortragsfaal:  Material  von  Profeffor  Küfter  und  Profeflor
Czaplewski,  Cöln:  täglich  bakteriologifche  und  mikroskopifche

Barmer  Turnerfchafl.
t
Vorführungen.  —  Ausftellung  von  Befdiäftigungsarbeiten  der
Dü|Jeldorfer  Kinderhorte.
18.  Saalgallerie:  Gartenftadt  für  Kriegsinvalide  in  Neu(?,  Verwundetenarbeiten
aus  Barmer  Lazaretten.
19.  Barmer  Säuglingsheim  und  Verein  für  Säuglingpflege  im  Regierungsbezirk ­
  Düffeldorf:  Anleitung  in  der  Säuglingpflege  und  dazu  gehörige ­
  Einrichtung.
20.  Einrichtung  eines  Kriegskinderhortes  der  Barmer  Kinderhorte.
21.  Großes  Wandgemälde  von  Profeffor  Fahrenkrog  „Liebe  ifl  Kraft“.
Stadt  Barmen:  Ehrenfriedhof  und  Hindenburganlage.  Wohlfahrt-158
        <pb n="164" />
        zentrale  der  Stadt  Barmen:  durch  Arbeitslofe  hergeftellte  Äusrüftungsgegenftände,
  Anfertigung  von  Papierfackftoff;  Vaterländifcher
  Frauenverein  Barmen;  Nationaler  Frauendienft,  Barmen:
Arbeiten  der  Spielzeugklinik  des  Tagesheims.  Schwefternhaus
vom  roten  Kreuz,  Barmen,  Deutfcher  Fröbelverband,  Frankfurt  a.M.:
Befdiäftigungsmaterial  für  Kleinhinderpflege;  Nationale  Frauengemeinfchaft,
  Köln;  Vaterländifcher  Frauenverein,  Koblenz;  Nationaler

Kriegsholt  der  Barmer  Kinderhorte.

Frauendienft,  Koblenz:  Arbeit  der  Wafch-  und  Flichftuben;  Diakoni|fenan|talt,
  Kaiferswerth;  Mineralwa|fer  aus  dem  Elifabethbrunnen
vom  roten  Kreuz  Obermendig;  Kriegsfürforge  der  Stadt  Hagen.
22.  Wuppertaler  Hausfrauenbund:  Eine  Küche  mit  kriegsgemäfer  Ko|t,
künftlerifche  Ausftattung  von  Herrn  Profe|for  Wiethüchter.  Selbftherftellen
  von  aromatifchem  Effig  aus  alten  Schalen;  Selbftkochen  von
Seife;  Kochkiften;RheinifcheBäderfürforge  u.Militärgenefungsheime.
23.  Kriegsliteratur  und  Kriegsandenken;  letztere  mit  großer  Liebe  von  Herrn
Fortbildungsfdiuldirektor  Kuemmel  gefammelt.
24.  Farbenfabriken  vorm.  Friedr.  Bajer  &amp;lt;£.  Co.,  Leverkufen:  Herftellung  des
hünftlichen  Kautfchuhs,  Feldarzneimittel  u.  neue  feldgraue  Uniformen.
        <pb n="165" />
        .

160

Kriegsliteratur.

Veranstaltungen,  Tagungen  und  Vorträge  während  der  Ausstellung.
Dank  der  tatkräftigen  Bemühungen  des  Barmer  Vereins  für  Technik
und  Induftrie  und  unter  finanzieller  Unterftüt^ung  fowohl  diefer  Körperfchaft,
  als  auch  des  Verbandes  der  Arbeitgeber  im  Bergifchen  Induftriebezirk
wurden  an  verfchiedenen  Tagen  in  der  Barmer  Textilfchule  Kriegsbefchädigte
der  verfchiedenften  Berufe  bei  praktifcher  Arbeit  vorgeführt,  um  auf  folche
Weife  in  Sonderheit  die  Arbeitgeber  zu  überzeugen,  wie  auch  die  fchwer
Kriegsbefchädigten,  Dank  der  Vervollkommnung  der  Erfafglieder,  in  der
Lage  find,  etweder  den  alten  Beruf  wieder  aufzunehmen  oder  leicht  einen
neuen  zu  erlernen.  Unter  anderen  arbeiteten  an  betreffenden  Mafchinen
in  der  Textilfchule:  ein  Tuchweber  mit  fchweren  Befchädigungen  an  den
Händen,  2  Dreher,  3  Schloffer,  1  Bohrer,  1  Schleifer,  1  Schreiner,  1  Schreiber

25.  Nationalvereinigung  der  evangl.  Jünglingsvereine  Deutfcßlands,  E.  V.,
Barmen:  Soldatenheime  in  Barmen,  Belgien,  Frankreich  u.  Rufland.
26.  Oberes  Treppenhaus:  Evangl.  Diakoniffenanftalten,  Bad  Kreuznach:  Verwundetenarbeiten. ­
        <pb n="166" />
        161

an  der  Schreibmafchine  (alle  mit  künftlichen  Armen  verfehen),  ferner  1  beim
amputierter  Schuhmacher,  1  rechtsfeitig  gelähmter  Korbflechter  und  1  reditsfeitig
  Handamputierter,  der  einen  von  dem  Barmer  Uhrmacher  Valerius
erfundenen  finnreichen  Nähapparat  vorführte.  Außerdem  waren  nodi
Riemendreher,  Schweizer  (Autogen  Verfahren)  und  landwirtfchaftliche
Arbeiter  mit  Erfatzgliedern  in  Ausübung  ihres  Berufes  zu  fehen.
In  einer  Nebenabteilung  der  Werhftätten  waren  teils  fehr  fchöne
Arbeiten  der  in  Barmer  Lazaretten  untergebraditen  Verwundeten  (Holzfchniherei,
  Brennen,  Kerben,  Flechten  und  Knüpfen,  fowie  Zeichnungen  und
Malereien)  ausgeftellt.
Jeden  Nachmittag  fanden  in  der  Ausftellung  fehr  ftark  befuchte  Korflellunyen
  mit  Lichtbildern  ftatt,  bei  welchen  im  Film  das  Leben  in  Lazaretten»
die  Ankunft  und  Umladung  von  Lazarettfchiffen  und  Lazarettzügen  gezeigt
wurde.
Die  wichtigften  Tagungen  während  der  Ausftellung  waren  folgende:
1.  Dezember:  Eröffnung  der  Ausftellung  durch  S.  Exzellenz  den  Herrn
Oberpräfidenten  der  Rheinprovinz,  Staatsminifter  Freiherr  von  Rheinbaben ­
  in  Anwefenheit  zahlreicher  Ehrengäfte  u.  a.  des  Herrn  Stellvertretenden ­
  Kommandierenden  Generals  des  VII.  Armeekorps,  Exzellenz
Freiherr  von  Gayl,  des  Regierungspräjidenten  Dr.  Krufe,  Dü|feldorf,
EifenbahndirektionspräfdentenHoeft,  Elberfeld;  Generalfuperintendenten
Klingemann,  Coblenz;  Domkapitular  Blank,  Köln,  in  Vertretung  S.  Eminenz
des  Kardinals  Erzbifdiofs  Dr.  von  Hartmann.
4.  Dezember:  Tagung  technifcher  und  gewerblidier  Vereine  mit  Vorträgen:
1.  des  Herrn  Probft,  Direktor  der  Phoenix  A.-G.,  Dü||eldorf,  „Erfahrungen
der  Induftrie  in  der  Kriegsfürforge“.
2.  des  Herrn  Profe|for  Dr.  Sauerbruch,  Direktor  der  chirurgifdien
Univerfitätsklinik  Zürich:  „Welche  Anforderungen  muß  der  Chirurg
an  die  künftlichen  Gliedmaßen  [teilen,  wie  werden  die  heute  benutzten ­
  Erfaßglieder  diefen  Anforderungen  gerecht  und  in  welcher
Richtung  ift  eine  Weiterentwicklung  möglidi  und  notwendig?“
5.  Dezember:  Verfammlung  des  Rheinifch-Weftfälifchen  Turnertages  mit
Gedächtnisfeier  für  den  am  13.  Oktober  1915  verftorbenen  Vorfreuden
der  deutfchenTurnerfchaft,  Geh.  Sanitätsrat  Dr.med.  u.  phil.h.c.Ferd.Goetz.
Tagung  des  Weftdeutfchen  Jünglingsbundes.
Tagung  des  Verbandes  deutfcher  Buchdrucker.
6.  —10.  Dezember:  Kurfus  zur  Ausbildung  in  der  weiblichen  Jugendpflege.
        <pb n="167" />
        162

9.  —11.  Dezember:  Tagung  der  in  der  fozialen  Kriegsfürforge  tätigen
Frauenvereine  Rheinlands  und  Weftfalens  mit  Vorträgen:
1.  Frau  Dr.  Altmann-Gottheiner:  „Frauenberufsarbeit  in  und  nach  dem
Kriege“.
2.  Frau  Elly  HeufVKnapp,  Fleilbronn:  „Kriegswirtfchaft“  (Wirtfchaftlidie
Maßnahmen  des  Staates).
3.  Fräulein  Dr.  Gertrud  Bäumer:  „Die  Stellung  der  Frau  zur  Bevölkerungspolitih“.

4.  Frau  CI.  Bunge,  Elberfeld:  „Kriegerheimftätten“.
5.  Fräulein  Dr.  Alice  Salomon:  „Was  kann  die  Frau  zur  fittlichen  Erneuerung ­
  des  Volkslebens  tun?“
11.  Dezember:  Tagung  der  rheinifch  -  weftfälifchen  Kinderhortvereine.
Wanderverfammlung  des  rheinifchen  Bezirksvereins  des  Vereins  deutfcher
Chemiker.
12.  Dezember:  Uebungsmarfch,  Kirchgang,  Ausftellungsbefuch  und  Parade
des  freiwilligen  Regiments  Dü|feldorf.
Tagung  der  Sanitätskolonnen  des  Regierungsbezirks  Dü|feldorf.
Tagung  der  chriftlich-nationalen  Arbeiterfchaft  des  bergifchen  Landes
mit  Vorträgen:
1.  Verbandsfekretär  Werlich,  Bielefeld:  „Die  Tätigkeit  der  chriftlichnationalen
  Arbeiterfchaft  im  Kriege“.
2.  Redakteur  ]oos,  M.-Gladbach:  „Die  Kriegsbefchädigten-Fürforge“.
Tagung  der  kath.  kaufm.  Vereinigung  für  Rheinland  und  Weftfalen.
Caritastag  mit  Vorträgen:
1.  Geh.  Juftizrat  Dr.  Laarmann,  E|fen:  „Allgemeiner  Ueberblick  über
die  Caritasbeftrebungen“.
2.  Generalfekretär  Dr.  Löhr,  Cöln:  „lieber  neuzeitliche  Methodik  und
Technik  der  Liebestätigkeit  und  über  neuzeitliche  Organifation  der
Caritas.“
3.  Pfarrer  Oftermann,  Lünen:  „Die  durch  den  Krieg  hervorgerufene,
geiftig  fittliche  Not  und  Gefahr  unter  der  Grofsftadtjugend  und  die
caritativen  Rettungsmittel“.
13.  Dezember:  Tagung  des  gefamten  Bundes  deutfcher  Krankenka||en  und
des  Verbandes  rheinifch-weftfälifcher  Betriebskrankenka|fen.
13.u.l4.Dezember:  Tagung  der  Rheinifdien  Frauenhülfe  mit  Vorträgen  von:
1.  Paftor  Cremer,  Potsdam.
2.  Paftor  Johanneswert,  Soe|t  i.  W.
3.  Paftor  Arnold,  Barmen.
        <pb n="168" />
        163

4.  Pfarrer  Julius  Werner,  Frankfurt  a.  M.:  „Mutterpflicht  und  Berufspflicht, ­
  Grundlinien  unferer  Fürforge  für  Mutter  und  Kind“.
5.  Gräfin  von  Plettenberg-Heeren:  „Im  Kraftwagen  Hindenburgs  durch
0|tpreu(?en  und  die  Hilfeleiftung  durch  die  Frauenhilfe.''
6.  Exzellenz  Obertruchfef?  D.  Freiherr  von  Mirbach,  Potsdam:  „Der
Dienft  der  Frau  in  der  evangelifchen  Gemeinde.“
17.  Dezember:  Verfammlungen  des  bergifchen  Vereins  für  Gemeinwohl.
18.  Dezember:  Generalverfammlung  des  Rheinifchen  Provinzialvereins
vom  Roten  Kreuz  unter  Vorfitj  S.  Exzellenz  des  Herrn  Oberprä  (identen
von  Rheinbaben.  Anwefend  u.  a.  Landeshauptmann  von  Renvers,
Dü|Jeldorf,  Regierungsprä(ident  Steinmeifter,  Cöln.
19.  Dezember:  Tagung  des  Zweckverbandes  der  Dentiften  für  Rheinland
und  Weftfalen.
Tagung  der  freien  Gewerkfchaften.
Tagung  der  Guttemplerlogen.
20.  Dezember:  Tagung  des  Rheinifchen  Ausfchuffes  für  Kriegsbefchädigtenfürforge.

21.  Dezember:  Tagung  der  Rheinifch-Weftfälifchen  Wohlfahrtzentralen  mit
Vortrag:  Direktor  Schickenberg,  Hannover:  „Die  öffentliche  Fürforge
für  unfere  Kriegerfamilien“.
28.  Dezember:  Generalverfammlung  der  katholifchen  Jünglingsvereine
der  Diözefen  Cöln,  Münfter  und  Paderborn.
An  Veranlagungen  fanden  ftatt:
1.  Dezember:  Abends  großes  Eröffnungskonzert  in  der  Gefellfchaft  Concordia
  (ftädtifcher  Singverein,  Soliftin  Frau  Anna  Stronck-Kappel).
2.  Dezember:  Vortrag  Rektor  Henck,  Ka(fel:  „Der  Sanitätshund,  feine
Gefchichte,  Erziehung  und  Verwendung  im  Felde.“
3.  Dezember:  Konzert-  und  Rezitationsabend:  Mufikdirektor  Schennich
und  Frau,  Gymna|iallehrer  Pfeffer.
6.  Dezember:  Konzert  und  Rezitationsabend:  Frau  Ellen  Saatweber-Schlieper
  und  Willi  Vesper.
7.  Dezember:  Vortrag:  Prof.  Dr.  Meißen,  E|fen:  „Krieg  und  Tuberkulofe.“
8.  Dezember:  Vortrag:  Profeffor  Dr.  Klunker,  Frankfurt  a.  M.:  „Welche
Aufgaben  ftellt  der  Krieg  der  Jugendfürforge?“
11.  Dezember:  Vorm.  Vortrag:  Oberftabsarzt  Prof.  Dr.  Wullftein,  Bochum:
„Die  ärztliche  und  foziale  Fürforge  für  die  Schwer-Kriegsbefchädigten.“
        <pb n="169" />
        164

Abends:  Mufteraufführung  der  „Meifterfinger  von  Nürnberg“  im  Stadttheater, ­
  in  Anwefenheit  Ihrer  Exzellenz  der  Freifrau  von  Rheinbaben.
Hans  Sachs:  Walter  Soomer,  Dresden,
Beckmelfer:  Jofef  Geis,  München,
Stolzing:  Richard  Schubert,  Wiesbaden,
Pogner:  Frich  Hanfftaengel,  Dü|Jeldorf,
Mufikalifche  Leitung:  Robert  Heger,  Nürnberg.
12.  Dezember:  Vortrag:  Generalfuperintendent  D.  Schöttler,  Königsberg:
„Oftpreufjen.“
13.  Dezember:  Vortrag:  Geh.  Med.-Rat  Prof.  Dr.  Pannwit?,  Brüffel:  „Tuberhulofe
  und  Gefchleditskrankheiten  als  foziale  Krankheiten.“
14.  Dezember:  Vortrag:  Geh.  Med-Rat  Prof.  Dr.  Borntraeger,  Dü|Jeldorf:
„Erfahrungen  mit  Lazarettzügen“.
16.  Dezember:  Konzertabend  Quintett  Siewert.
15.  Dezember:  Vortrag:  Oberftabsarzt  Prof.  Dr.  Lenzmann,  Brü|Jel:  „Die
Verwertung  der  neueften  Errungenfchaften  der  medizinifchen  Wi|Jenfchaft
  in  diefem  Weltkriege“.
20.  Dezember:  Vortrag:  Geheimrat  Prof.  Dr.  Erich  Mareks,  München:
„Vom  Erbe  Bismarcks“.
21.  Dezember:  Konzertabend:  Konfervatorium  Potthoff-Zimmermann.
22.  Dezember:  Vortrag:  Herr  von  Vietinghoff-Scheel:  „Das  Deutfchtum
in  Rußland.“
25.  Dezember:  Morgenmufik  bei  brennendem  Weihnachtsbaum.  Streich-Ordhefter
  des  Unterbarmer  Lyzeums  und  Volksfchulkinderchor.
27.  Dezember:  Vortrag:  Hauptmann  von  Amelunxen:  „Der  Weltkrieg,
[ein  Urfprung,  [ein  Verlauf  und  feine  Wirkung.“
29.  Dezember:  Lichtbildervortrag:  Prof.  Dr.  Bruhn,  Dü|]eldorf:  „Die  Für-[orge
  für  die  kieferverletjten  Soldaten.“
1.  Januar  1916:  Vormittags:  Konzert  des  Verwundetenchors.
Die  Barmer  Ausheilung  wurde  befucht  von:
58  484  Befuchern  zum  gewöhnlichen  Eintrittsgeld,
21  802  Inhabern  von  Vereinskarten,
11  151  Soldaten,  Sanitätern  und  Schweftern,
18  828  Schülern,
5  979  Inhabern  von  Dauerkarten,
3  904  Verwundeten,
120  148  Perfonen.
        <pb n="170" />
        Unter  den  Befuchern  befanden  fleh  [ehr  viel  Auswärtige,  wodurch  auch
das  Barmer  Gefchäftsleben,  gerade  in  der  Weihnachtszeit,  eine  wefentliche
Belebung  erfuhr.
Die  Eintrittspreife  für  die  Barmer  Ausftellung  betrugen:
Dauerharten  Mh.  5.—,  gewöhnliche  Eintrittsharten  50  Pfg.,  Vereinsharten ­
  30  Pfg.,  Sonderharten  für  Soldaten,  Sanitäter  und  Schweftern  20  Pfg.,
Schülerharten  10  Pfg.,  Vorführung  der  Kriegsbefchädigten  30  Pfg.  Verwundete ­
  hatten  freien  Zutritt.  Zufchlagharten  für  Vorträge  und  die  Lichtspiele ­
  je  50  Pfg.
Vorführung,  des  Films  „Graf  Dohna  und  feine  Möwe“.
Zum  Be|ten  der  Kriegshinderfürforge  der  Wohlfahrtzentrale  erfolgte
die  erfte  Aufführung  im  Barmer  Stadttheater  am  10.  Juli  1917  in  Verbindung
mit  einem  großen  Künftlerhonzert  unter  Leitung  des  Kgl.  Generalmufihdirehtors
  Leo  Blech  vom  Kgl.  Opernhaus  Berlin,  fowie  unter  Mitwirhung
von  Frau  Mafalda  Gerard-Savatini  vom  Deutfchen  Opernhaus  in  Charlottenburg, ­
  des  Kgl.  Hofopernfängers  H.  De  Garmo  vom  Kgl.  Hoftheater  in  Wiesbaden ­
  und  des  auf  50  Mitglieder  verftärhten  ftädtifchen  Orchefters.  Eingeleitet ­
  wurde  die  Veranlagung  durch  einen  von  Herrn  Gymnafiallehrer
Pfeffer  gefprochenen  Prolog  von  Rudolf  Presber.  Trot?  der  hohen  Eintrittspreife ­
  (Loge  und  1.  Rang  Mh.  20.—)  war  das  Haus  ausverhauft.
Der  Möwefilm  wurde  dann  noch  an  10  Abenden  und  einem  Nachmittag ­
  unter  freiwilliger  Mitwirhung  verfchiedener  Gefangvereine,  Schülerhapellen
  ufw.  vorgeführt.  Unter  anderem  hatten  4  groffe  Munitionsbetriebe
je  einen  Abend  ausfchlieflich  für  ihre  Arbeiterfchaft  belegt.
Insgefamt  wurden  die  Feftvorftellungen  von  20  267  Personen  und
zwar  von  10  897  Erwachsenen  und  9  370  Schülern  befucht.  Der  Reinertrag
belief  (ich  auf  rund  6000  Marh.
Mu  fikerunterftiitöt  ungen.
Von  den  Nettoerträgen  der  Wohltätigheitshonzerte  wurden  10%  einem
befonderen  Fonds  zur  Unterftüfung  bedürftiger  Mufiher  zugeführt.  Bis
zum  30.  Juni  1917  wurden  15  Mufiher  mit  insgefamt  Mh.  11782.—  unterftütf.
  Eine  Zufafhriegsunterftüf  ung  erhielten  zeitweilig  auch  die  bedürftigen
Familien  der  zu  den  Fahnen  einberufenen  Orcheftermitglieder.  Seit  November
1915  werden  nur  noch  5  Mufiher  unterftüft.
        <pb n="171" />
        168

Rückblick  und  Ausblick.
Und  wieder  find  es  die  allen  gewaltigen  Drei,
Die  Deuilchland  flehen  in  diefem  Kriege  bei:
Der  Glaube,  der  nicht  wankt,  wenn  die  Welt  vergeht,
Der  Berge  verlebt  und  felber  wie  Berge  fleht;
Die  Hoffnung,  die,  wenn  die  Nacht  noch  fo  dunkel  graut,
Mit  aufgerichtetem  Blick  gen  Morgen  fchaut;
Die  Liebe,  die  unter  ihnen  die  gröbere  ifi,
Die  das  Ew’ge  bedenkt  und  das  Ihre  vergibt.
(Will  Vesper.)

uch  Lichtfeiten  hat  ein  Krieg,  der  von  einem  durch  feindliche
Uebermacht  bedrängtem  Volk  ausgefochten  wird,  um  fleh
Leben  und  Selbftändigkeit  zu  bewahren:  Einigkeit  und
Opferwilligkeit.  Und  wie  Goethe  als  des  Lebens-Höhe
den  Bund  von  Ernft  und  Liebe  bezeichnet,  enthüllt  uns,  inmitten ­
  der  erfchütternden  Gefchehni|fe  des  Krieges,  die  einmütige,  felb|tverleugnende
  Hingabe  auch  der  Nichtkämpfenden  einen  Reichtum  an  inneren
Werten,  und  als  deren  Leuchtkern  die  fegnende  Kraft,  welche  nicht  allein
Wunden  zu  verbinden  und  zu  heilen,  fondern  auch  Zer|törtes  wieder  aufzubauen ­
  vermag.
Im  ideologifchen  Widerfdhein  der  durchme|fenen  Aufgabengebiete  lä(?t
fich  diefe  innermenfchliche  Macht  gleichfam  anatomifdi  zerlegen  in  die  Kraft
der  Gefinnun'g  und  den  Idealismus  der  Tat.
Kraft  der  Gesinnung.
Noch  ftehen  wir  am  Vorabend  einer  Zeit,  deren  Wefen  uns  verhüllt
ift.  Doch  darf  unfere  Tage  die  Ahnung  tröften,  daß,  gleich  wie  der  Tod
nur  eine  Staffel  zum  Leben  im  Lande  der  Verheißung,  auch  der  uns  verordnte ­
  fchwere  Lebenskampf,  troß  aller  Verfchüttung  unerfeßlicher  Werte,
unvergänglichen  Gewinn  in  fidn  birgt,  fofern  nur  durch  die  harte  Belaftungs-
        <pb n="172" />
        probe  unfer  inneres  Leben  befruchtet  wird.  Die  Erhebung,  dev  fich  in
äuferfer  Treue  und  Pflichterfüllung  ausprägenden  Gefinnung  über  alle
Größe  der  Leiflung  bildet  nicht  allein  den  fidierften  Schut?  vor  Vernichtung,
fondern  als  der  Nährboden  innerer  Gröfse  und  Würde  birgt  fie  den  unzerftörbaren
  Keim  des  Aufftieges  in  fich.
Darum,  wie  durch  die  in  den  Befreiungskriegen  erzeugten  (lttlichen
Werte  die  Jahrzehnte  der  deutfdien  Einigung  ethifch  befruditet  wurden,
gilt  es  auch  für  die  kommende  Ordnung  der  Dinge  vornehmlich  ein  gleidi
fegensreiches  Erbteil  aus  dem  Weltkriege  zu  gewinnen.
Idealismus  der  Tat.
Gedanken  und  Taten  greifen  ineinander,  Verinnerlichung,  Hingabe  an
hohe  Ziele  und  fcharfer  Sporn  zur  Tüchtigkeit  find  durch  magnetifchen
Strom  miteinander  verbunden.  So  offenbart  fleh  heroifche  Denkweife  in
den  Schwingungen  der  gleichen  geiftigen  Luft  nicht  minder,  als  durch  opferwillige ­
  Todesbereitfchaft,  durch  um  den  Pol  der  allgemeinen  Wohlfahrt
kreifenden,  unbeugfamen  Lebensmut.
Unerschütterlicher  Glaube  an  die  ZukunTt  des  Vaterlandes  lautet  das
in  die  Sprache  der  Klarheit  gegoffene  Ideal,  de|fen  ftarke  Anregungen  auch
den  nüchternen  Tatfachenfinn  mit  plaftifcher  Geftaltungskraft  auf  die  Gebilde
hinweifen,  welche  die  uns  umfangende  und  erwartende  Zeit  erfordert.
Glüht  dabei  die  unauslöfchliche  Liebe  zum  Vaterlande  erft  in  der
Seele,  wach  ft  ihr  rafch  entfchloffenes  Zugreifen  mit  dem  bewußten  Erfa|Jen
verantwortungsvoller  Pflicht  zur  (tahlharten  Ausdauer,  welche  wie  ein
Magnet  den  Erfolg  anzieht.  Bildet  aber  vollends  überzeugte  Hoffnung
und  gewi|fes  Gottvertrauen  auf  den  Segen  aufrichtiger  und  treuer  Arbeit,
die  befreiende  Lofung,  wird  die  Tat,  vom  Ewigen  verklärt,  zu  einer  Kraft,
welche  (ich  auch  unter  fchwerften  Prüfungen  zu  bewähren  vermag.
Noch  fliegen  die  Raben  um  den  Berg,  noch  find  die  Flammen  des
Weltbrandes  nicht  erlofchen.  Wie  aber  nach  Fichtes  Ueberzeugung,  nicht
die  Gewalt  der  Arme,  —  noch  die  Tätigkeit  der  Waffen,  fondern  die
Kraft  des  Gemütes  den  Sieg  erkämpft,  laffen  fich  die  Forderungen  feft
umfehreiben,  deren  Erfüllung  die  Brücke  zu  erlöfenden  Geländen  zu
chlagen  vermag:
Imponderabilien:
Dauerhaft  gefunden  Aufbau  kann  nur  das  Fundament  der  fittlichen
Pflicht  verbürgen.  Mögen  Meinungen  trennen,  mu(?  die  Gefinnung  immer
vereinen.  Eintauchen  müjfen  wir  in  denGeift  unferer  Zeit,  um  weitausfehauend

169
        <pb n="173" />
        aus  ihm  die  Klarheit  zu  gewinnen,  da|?  congenial  der  SelbftaufOpferung  unferer
heldenmütigen  Truppen,  auch  für  uns  Daheimgebliebene  das  Recht  des
Einzelnen  zurücktreten  muf?  hinter  die  (taatliche  Pflichterfüllung.  Allein  in
diefem  Geifte  wird  auch  auf  dem  Gebiete  gemeinnübiger  Wohlfahrtspflege
der  Niederfchlag  der  Gegenwart  Werte  der  Zukunft  fchajfen.
Noch  freilich  fehlt  uns  das  Ma(?,  was  dauernd  Wert  haben  wird,  dafür
ift  die  Luft  zu  voll  von  zu  vielen  Gedanken.  Um  deshalb,  was  (ich  neu
formt,  zur  Vollendung  führen  zu  können,  darf  im  Denkfyftem  aller  Fürforgema^nahmen,
  foll  deren  Rechnung  nicht  über  den  Haufen  geworfen  werden,
nicht  das  Ideal  griechifcher  Lebensweisheit,  die  Befonnenßeit  fehlen:  erft
wi|Jen,  dann  meinen,  aus  Prüfungen  praktifche  Schlü|]e  ziehen,  verwickelten
Verhältni|fen  mit  der  Schärfe  des  Geiftes  begegnen,  freigebig  fein,  ohne  fich
zu  erfdiöpfen.
Trob  aller  Beweglichkeit  und  Unerfchöpflichkeit  des  Geiftes  verliert
aber  gerade  in  ethifchen  Dingen  der  temperierende  Verftand  feine  Macht
vor  der  höheren  Potenz  feelifchen  Impulfes.  Erft  wenn  die  dem  Seelenleben ­
  abgelaufchten  Akkorde  die  Kon  (tan  te  der  Gefinnung  und  den
Rhytmus  geiftigen  Schaffens  zur  finnvollen  Melodie  der  Herzensbildung
erheben,  wird  ein  himmlifcher  Genius  uns  die  Pforte  zum  Heiligtum  allein
echter  fozialer  Kenntnisquelle  fprengen.
Befeelt  darum  von  folch'  unüberwindlicher  Kraft  des  das  Leben  über
den  Strom  der  Zeit  erhebenden  Gemütes,  dabei  feftgewurzelt  in  der  kernigen,
zähen  Standhaftigkeit  unferer  Vorfahren,  möge  die  Wohlfahrtzentrale  der
Stadt  Barmen,  folange  es  ihr  vergönnt  ift,  dem  Vaterlande  und  der  Vaterftadt
  zu  dienen,  ausharren  und  durchhalten  in  dem  Zeichen:
„Unter  uns  die  alte  deutfche  Erde,
Ueber  uns  der  alte  Gott!“
        <pb n="174" />
        Die  Ausschüsse  u.  Abteilungen  der  Barmer  Kriegsfürsorge.
I.  Wofilfafirtzentrale  der  Stadt  Barmen.
Vo  rfiben  d  e  r:  Stadtverordneter  Paul  Heumann,  Wohnung:  HohenRaufeiirtr.  26,  Fernruf  1375,
Sprechzimmer:  Rathaus,  Zimmer  28,  Fernruf  Rathaus  225.
Vorhand:  Oberbürgermeifter  Dr.  Hartmann,  Rektor  Bebel,  Siidftr.  36;  Stadtverordneter
Otto  Budde,  Ottoflr.  5;  früher  Geh.  Konfirtorialrat  Burghart,  jebi:  Pahor  Lic.  Dick,  Augurtafir.  16;
Max  Decker,  Friedrich-Wilhelmllr.  8;  Paul  Eugen  Dicke,  Lothringerftr.  52;  früher  Ernff  Dermibel,
Bürgerallee  11;  1  urninfpektor  Edelhoff,  Wolffir.  18;  Stadtverordneter  Max  von  Eynern,  Ottoflr.  7.
Fleinrich  Fahrenbrach,  Hohenfteinerftr.  61c;  Albert  Flöring,  Bredderhr.  22/24;  Ferdinand  Frehlöhr,
Freudenbergflr.  46;  Frau  Ernff  Frowein,  Parlamenthr.  11;  Stadtverordneter  Frib  Ganiert,  M.  D.  A.,
Rauenwerth  14;  Rabbiner  Dr.  Grabowski,  Augultaftr.  9;  Kommerzienrat  Theodor  Hinsberg,  Ottoflrabe
  13;  Fiugo  Hollmann,  Emilienflrabe  39;  Sanitätsrat  Dr.  Hueter,  Bleidierftr.  4;  Rudolf  Jung,
Wertherffr.  52;  Frau  Karcher,  Untere  Befenbruchftr.  17;  Fräulein  Oberlehrerin  Helene  Karmrodt,
Obere  Befenbrudiffr.  52;  Beigeordneter  Stadtbaurafh  Köhler,  Flanfaftr.  11;  Medizinalrat  Dr.  Kriege,
Sdiubertftr.  20;  Hugo  Kromberg,  Oberwallftr.  2;  Bauinfpektor  Dr.  Lipp,  Gewerbefdmlftr.  66;  Frau
Max  Luhn,  Hohenzollernffr.  1:  Rudolf  Lundt,  Oltoftr.  27;  früher  Beigeordneter  Dr.  Markul],  Oberwallftr. ­
  47;  Frau  Geheimrat  Molineus,  Unierdörnerftr.  104;  Karl  Neumann,  Hohenhaufenftr.  28;  Frau
lleinr.  Overbeck,  Wertherffr.  109;  Dr.  Padberg,  Ottoflr.  57;  früher  Hugo  Pothe,  Alfer  Markt  (geftorben
  am  18.  1.  17);  Beigeordneter  Pid&amp;lt;,  Wertherftr.  12;  Otto  Sieper,  Diekerftr.  22;  Adolf  Schmib-Allee
  217;  Leutnant  Dr.  Stiller,  Adjutant  beim  Kgl.  Bezirkskommando  Barmen;  Dechant  Taepper,
Unterdörnerftr.  137;  Stadtverordneter  Jufiizrat  Dr.  Wefenfeld,  Heidterftr.  7;  Oberregierungsrat
WeYersberg,  Rathaus.
1.  Verwaltungs-,  Finanz-  und  Pre|]e-Angelegenheiten.
Kartothek:  Altes  Rathaus  Zimmer  10,  Fernruf:  Rathaus  197.
Vorfibender:  Stadtverordneter  Juftizrat  Dr.  Wefenfeld,  Heidterftr.  7,  Fernruf  885;  Rektor
Bebel;  früher  Geh.  Konfiftorialrat  Burghart,  jebt:  Paftor  Lic.  Dick;  Sekretär  Fahrenbrach;  Richard
Feldheim;  Frl.  Heinen;  Rudolf  Jung;  Frl.  Karmrodt;  Stadtverordneter  Krüger;  Rud.  Lundt.
2.  Sammlungen  und  Spenden.
e)  Geldberdiaffung  durch  allgemeine  Barsammlungen.
Vorfibender  Otto  von  Rague,  Mühlenweg  39,  Fernruf  1542;  Stellvertreter  Stadtverordneter
Otto  Budde;  Stadtverordneter  Max  von  Eynern;  Stadtverordneter  Paul  Heumann;  Guftav  Köitgen  ■
Dr.  Padberg;  Wilhelm  Schüller;  Paul  Bünger;  Ludwig  Krauskopf;  Wolfgang  Päckelmann;  Richard
Blecher;  Paul  Hogarten;  Hans  Miitelften-Scheid;  Hugo  Hollmann;  Heinrich  Witte;  Karl  Theo  Huisberg;
Gottfried  Köhler;  Hans  Bochholt;  Robert  Flandorfer;  Frib  Beeckmann;  Rudolf  Genck;  Hugo
Kromberg;  Paul  Neumann.
Zahlflelle:  Reichsbank-Giro-Konto.
b)  Geldverwaltung:  Stadthauptkasse  Barmen.
Stadtkämmerer  Weggen,  Wegnerftr.,  Fernruf  R10.
Rechnungsprüfungsamt:  Oberftadtfekretär  Kraus,  Fernruf  R  75.
c)  Gedenktagsrpende:
Vorfibender:  Stadtverordneter  Otto  Budde,  Oltoftr.  5,  Fernruf  126;  Major  a.  D.  Berlin;
Direktor  Profeffor  Richard  Dapprich;  Direktor  Profeffor  Dr.  Robert  Halfmann;  Paul  Hogarten;  Frau
Franz  Holzrichter;  Frau  Auguft  Mittelflen-Scheid;  Frau  Albert  Molineus  jr.,  Kreisfchulinfpektor  Peter;
Wilhelm  Schüller;  Frau  Frib  Wittenftein.
Zahlflelle:  Pofffcheckkonto  des  Barmer  Bankverein,  Cöin  Nr.  1098.
        <pb n="175" />
        d)  Sammlung  von  Abfällen  aller  Art,  vom  27.  Juni  1916  ab:
Vorfibender:  Stadtverordneter  Paul  Heumann;  Dr.  Lipp;  Frau  Profelfor  Fahrenkrog;  Frl.
Karmrodt;  Rud.  Lundt;  Rektor  Adams;  Lehrer  Wenner;  Heinr.  Fahrenbach;  Rittershaus;  Phil.
Meyberg;  Ludwig  Schmidt;  Paul  Schuchard.
Sammelflelle  I:  früher  Schlachthof,  ab  Januar  1917  Wegnerltrabe.
Leitung:  Frau  Profelfor  Fahrenkrog.
Sammelflelle  II:  Oasanflalt.
Leitung:  Phil.  Meyberg.
Sammelflelle  III:  Bismarckrira&amp;amp;e.
Leitung:  E.  Ludw.  Schmidt.
Sammelftelle  IV:  Heffelnberghr.
Leitung:  E.  Ludw.  Schmidt.
Sammelflelle  V:  Wichlinghaufen.
Leitung:  Phil.  Meyberg.
Warenausgabe  gegen  Gutfeheine  der  Abfallfammelftellen:  Wegnerftr.  10.
Leitung:  Frau  Profelfor  Fahrenkrog,  Herr  Paul  Schuchard.
e)  Sammlung  enlbehrlicher  Wertgegenllände:
Vorfibender:  Rudolf  Lundt,  Frau  Helene  Dicke;  Ernft  Jäger  jr.;  Fräulein  Oberlehrerin  Karmrodf;
  Frau  Frib  Witienflein;  Frau  Robert  Wülfing;  Ernft  Wahl;  Dr.  Guido  von  Maltiz;  Frau
Robert  Münz.
f)  Sammlung  für  den  Reichswolltag:
Vorfibender:  Oberbürgermeifter  Dr.  Hartmann;  Frau  Geheimrat  Erbslöh;  Stadtverordneter
Heumann;  Frl.  Oberlehrerin  H.  Karmrodt;  Medizinalrot  Dr.  Kriege;  Frau  Heinr.  Overbeck;  Frau
G.  A.  Schlechtendahl.
g)  Sammlung  und  Verkauf  getragener  Kleidungsdücke  ufw.:
Ausfchub:  Frl.  Oberlehrerin  Helene  Karmrodt;  Frl.  Fanni  Schütte,  Frl.  Hilda  Schmidt.
3.  Hauptgefchäftsftelle:
Gefchäftsräume:  Rathaus  Zimmer  Nr.  34,  34a,  33,  21;  2  Fernrufe  R  223,  213.
Leitung:  Walter  Habel,  Willy  Uhlig,  Zimmer  Nr.  34,  Fernruf  R  204.
Buchhaltung,  Korrespondenz,  Mufterlager  ufw.:  Ludwig  Robbers,  Spieker.  Weiershaus,  Kalsbach,
Krug,  Tobeländer,  Pefch,  Frl.  Schilling,  Frl.  Pilfcheur,  Frau  Kleffmann,  Frl.  Streithof,  Frl.  Trummei,
Frl.  Hartmann,  Frl.  Stecher,  Frl.  Kerfting,  Frl.  Seifert,  Frl.  Bergmann,  Frl.  Kiekers,  Frl.  Brenfing,
Frl.  Schmidt,  Frl.  Müller,  Frl.  Stock,  Frl.  Schübler,  Frl.  Sinemus.
Verfandraum:  Schillerfir.  10a.  Fernruf  216.  Expedient:  früher  Ernft  Hofmann,  Gronemeyer,  jebt
Otto  Tappe,  Frl.  Pebel.
4.  Vermittlung  von  Heeres-  und  Marineaufträgen  für  die
Barmer  Induftrie  zur  Linderung  der  Arbeitslofigkeit  im  Einvernehmen
mit  der  Barmer  Handelskammer.
Stadtverordneter  Paul  Heumann;  Paul  Brennfcheidt;  Königsftr.  100,  Fernruf  485;  Hugo  Hollmann,
Teilhaber  der  Firma  D.  La  Porte  Söhne,  Emilienftr.  39,  Fernruf  1922;  früher  Daniel  Schott,  Inhaber  der
Firma  Sirabmann  &amp;amp;  Schott,  Neuerweg  58/60,  Fernruf  91;  Wilh.  Schaefer,  Teilhaber  der  Firma  Becher  &amp;amp;
Schaefer;  Paul  Schuchard,  Teilhaber  der  Firma  J.  O.  Schuchard,  Hohenftaufenftr.  24,  Fernruf  2071  ;
Rudolf  Lundt,  Teilhaber  der  Firma  Peter  Carl  Dicke,  Fernruf  188;  Adolf  Schmib,  Inhaber  der  Firma
H.  A.  Schmib,  Allee  217,  Fernruf  930.
5.  Ortsausfchuj?  für  Heeresnäharbeiten.
Vorfibender:  Stadtverordneter  Paul  Heumann,  Hohenftaufenftr.  26,  Fernruf  1375;  Stellvertretender
Vorsitzender  Adolf  Schmib-Vorhand:
  Paul  Brennfcheidt;  Rudolf  Lundt;  Gufiav  Schlieper;  Johann  Theis;  Obermeifter
Wilhelm  Dey;  Albert  Corrinth;  Bendix  Meyer;  Gewerbeinfpeldor  Wenzel;  Frau  Max  Luhn.
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        6.  Werkftattbetriebe  für  Heeres-  und  Induftriebedarfsgegenftände.
Oberleitung:  früher  Rudolf  Lundt.
a)  Ausgabe  von  Näharbeiten:  früher  Hugo  Pathe  (Firma  Herrn.  Pathe).
Oberleitung:  Adolf  Schmib,  Alle  217,  Fernruf  930.  Früher  Textilfchulfchule,  Gewerbefdiulffr.,
Fernruf  R  48.  Leitung:  Frau  Max  Luhn,  Hohenzollernflr.  1,  Fernruf  1901;  Frau  Rapp,  kleiner
Wert  34,  Fernruf  439.
Früher:  Nähfiube,  Aflee  117,  Fernruf  930.
Leitung:  Frau  Nagel,  Obere  Lichtenplafserfir.  242,  Fernruf  2718.
Früher:  Flickllube  Friedensheim  Viktorftrafje,  Leitung:  Frau  Albert  Wever.
Jebt:  Ausgabe  von  Näharbeiten,  Nähfiube  und  Flickftube:  Schillerftr.  10  a.
Leitung:  Frau  Max  Luhn,  Hohenzollernflr.  1,  Fernruf  1901;  Frau  Rapp,  kleiner  Wert  34,
Fernruf  439;  Frl.  Schwager,  Frl.  Figge,  Frl.  Gefrchoreck.
b)  Sandfacknaherei.  Oberleitung:  früher  Rudoll  Lundt,  Ottofir.  27,  jebt:  Otto  Sieper,  Diekerfirabe
  24,  Fernruf  3989;  Ausgabeftelle:  Wertherftr.  31  a  u.  Allee  93,  Fernruf  1900.  Aufficht:  Frau  Hütt.
c)  Ausgabe  von  Strickarbeiten:  Früher  Ausgabeftelle  I,  Unterdörnerffr.  133,  Fernruf  4904.
Leiterin:  Frau  Griesbach,  Marienflr.  4,  Fernfprecher  4316.
Früher:  Arbeitsraum  und  Ausgabeftelle  II,  Schillerftr.,  Fernruf  4079,
Leiterin:  Frau  Profeffor  Fahrenkrog,  Oberwallffr.,
Früher:  Arbeitsraum  und  Ausgabeftelle  III,  Allee  217,  Fernruf  930.
Leiterin:  Kreubmann,  Leimbacherffr.  67.
Jebt:  Arbeitsraum  und  Ausgabeftelle:  Brucherftr.  8,  Fernruf  R  222.
Leiter:  früher  Hugo  Pathe  i.  Firma  Herrn.  Pathe,  jebt  Robert  Nolte,  Ottoftrabe.
Oberaufficht:  Frau  Griesbach,  Marienftr.  4,  Fernruf  43  16
Stelivertreterin:  Frl.  Gerda  Schmidt,  Frl.  Ganz.
d)  Selfkanten-PaniolTelherflellung:
Früher:  Leitung  Frau  Rudolf  Weddigen,  Obere  Lichtenplaberftr.  250,  Fernruf  4185,  feit  Herbff
1915  eingerteilt.
e)  Charpiezupfen:  Seit  Herblt  1915  eingeftellt.
Anftelle  des  Charpiezupfens  trat  im  Frühjahr  1916  das  Anflricken  von  Strümpfen  für  die
hiefigen  Lazarette.  Leitung:  Frau  Conffanze  Wiitenftein,  Allee  9;  Frau  Dr.  Kiebler.
f)  Lazarettpantoffel-Herflellnng:  Bachftrabe  4,  Fernruf  R  202,  (feit  Juni  1917  eingeftellt).
Leitung:  Max  Decher.  Aufficht:  von  Eynern.
g)  lnTtandfebung  von  Torniftern  und  Patronentafchen:
Früher  Bachftr.  4,  jebt  Beriinerftr.  10b,  Fernruf  R  235.  Leitung:  früher  Max  Decker,  jebt  Otto
Sieper  i.  F.  Saatweber  &amp;amp;  Sieper.  Aufficht:  Willy  Rohleder,  Frau  Hütt.
hl  Sackftopferei:  bis  Januar  1916  bei  der  Firma  Hugo  Frowein  G.  m.  b.  H.,  Berlinerfir.
Leitung:  Otto  Budde,  Rudolf  Lundt,  Frau  Hugo  Frowein,  Otto  Schüller,  Frl.  Gering,
i)  Korbflechterei:  Kohlgartenftr.  und  kleiner  Werth,  Lagerpläbe:  Bachftr.  und  Bredderftr.
Oberleitung:  Albert  u.  Bernhard  Flöring,  Bredderflr.  22/24,  Fernfprecher  78.  Aufficht:  Heinicke.
k)  Tütenkleberei:  bei  Firma  Otto  Budde  &amp;amp;  Co.  Fernfprecher  R  200.
Leitung:  Stadtverordneter  Otto  Budde,  Oito  Schüller.
6.  Schuhin  ftandfebungs  werk  ftatt  für  bedürftige  Kinder:
Beriinerftr.  10b.  Fernruf  R  235.  Leitung:  Richard  Feldheim,  Otto  Sieper,  Frau  Bochkolb-Buchhaltung
  und  Abfertigung:  Frau  Hütt;  Frl.  Heinlein;  Frl.  Sommer.
8.  Jugendfürforge.
a)  Kinderfürforge-Ausrdiub:  Vorfibender:  Stadtverordneter  Paul  Heumann;  Paffor  Lic.  Dick;
Frl.  Oberlehrerin  Helene  Karmrodt;  Frau  Sanitätsrat  Dr.  Kiebler;  Frau  Dr.  von  Knapp;  Medizinalrat ­
  Dr.  Kriege;  Frau  Eduard  Molineus  feil.;  Friedrich  Miitelften-Scheid;  Frau  Joh.  Wilh.  Molineus;
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        Frau  Karl  Neumann;  Kreistchulmfpektor  Peter;  Definiior  Reinermann;  Frau  Cecile  Vorwerk-Blank;
  Frau  Kommerzienrat  Wittenftein.
bl  Kinderfürforgeftelle:  Gefchdfiszimmer  Altes  Rathaus,  Zimmer  Nr.  3.  Ferrnruf  R  230.
Frl.  Heckmann.
c)  Barmer  Säuglingsheim:  Vorfißender:  Eduard  Molineus;  Vorhand:  Frau  Eduard  Molineus  len.;
Pattor  Veerhoff;  Frau  Bürgermeiner  Lichtenberg;  Frau  Karl  Neumann;  Medizinalrat  Dr.  Kriege;
Frl.  Hollmann.
dl  Geramtausfchuß  der  Barmen  Kleinkinderfdiulen:
Vorfißender:  Friedrich  Mittelben-Scheid,  Pallor  Lic.  Dick;  Walter  Erbslöh;  Frl.  Anni  Heuler!
Frl.  Elifabeth  Klein;  Medizinalrat  Dr.  Kriege;  Kreisfchulinfpektor  Peter;  Definitor  Reinermann;
Paftor  Schiirmann;  Dechant  Taepper;  Frau  Kommerzienrat  Wittenftein;  Frl.  Oberlehrerin  Helene
Karmrodt;  Stadtverordneter  Paul  Heumann.
e)  Barmer  Kinderhorte:  Kuhlerbachftraße  17;  Schnurftr.  26;  Krautftr.  59;  Ritterflr.  32;  Leonhardhraße
  32;  Oberdörnerftr.  84;  ferner  in  den  Schulen  am  Wichlinghaufermarkt,  an  der  Eichenffraße
  und  an  der  Gewerbelchul-  und  Heidterflr.-Ecke.
Vorfißender:  Stadtverordneter  Paul  Heumann.  Vorfißende:  Frau  Dr.  Kießler.  Schriftführer  Paul
Schudiard.  Schaßmeiher:  Willi  Nourney.  Frau  Joh.  Wilh.  Molineus;  Frau  Emil  Bremme;  Frl.  Anna
Hollweg;  Frl.  Berta  Trooft;  Frl.  von  Eynern;  Frl.  Laura  von  Rague;  Frl.  Marie  Frowein;  Frl.  Elifabeth
Klein;  Juftizrat  Dr.  Hinsberg;  Rektor  Holtfchmidi;  Paftor  Kulp;  Willi  Scheib;  Pafior  Schmidt;  Paflor
Sartorius;  Dechant  Taepper;  Paftor  Weyrich;  Rektor  Ziegenhain.
f)  Kinderlereftuben  der  Barmer  Kinderhorte:
Paul  Heumann;  Paul  Schuchard;  Kreisfchulinfpektor  Peter;  Frau  Herrn.  Adienbach;  Frl.  Erna
Briininghaus:  Frl.  Heusner;  Frau  Dr.  Kießler;  Frl.  Elifabeih  Klein;  Frau  Joh.  Wilh.  Molineus.
g)  Jugendpflege,  Gartenarbeit,  Wanderungen.
Vorfißender:  Turninfpektor  Edelhoff,  Wolfflr.  18,  Fernruf  R  145;  Kaplan  Hermkes;  Frau  Dr.
Kießler;  Frau  Karl  Neumann;  Frl.  Schermeng;  Frl.  Thiemann;  Frau  Dr.  Wefenfeld;  Frl.  Knapp;
Frl.  Karmrodt.
h)  Tagesheim  für  rdiulentlalfene  Mädchen.  —  Carnaperltr.  73.
Leiterinnen:  Frl.  Kronemeyer  und  Frl.  Riegel.  Vorhand:  Vorfißender  Stadtverordneter  Heumann; ­
  Frl.  Oberlehrerin  Helene  Karmrodt;  Turninfpektor  Edelhoff;  Frl.  Anna  Heinen;  Frau  Carl
Neumann;  Frau  Sanitätsrat  Dr.  Kieler;  Frau  Oberbürgermeifter  Dr.  Hartmann;  Rektor  Müller;  Frau
Großbecker;  Frl.  Helene  Thabe;  Frl.  Frida  Cramer.
9.  Kriegsküchen.
I.  Heckinghaurerhr.  239.
II.  Leimbacherftr.  4.
III.  Pauluskirchltr.  10.
IV.  Nordhr.  64
V.  Sternhr.
VI.  Eichenflr.  5
VII.  SUdhr.  36
VIII.  Gewerbefdiulftr.  31
IX.  Emilienftr.  34
X.  Lichtenplaßer  Kapelle
XL  Auerfchulhr.  11
XJI.  Hügelftr.
XIII.  Rödigerftr.
XIV.  Kollenbufdiftr.
XV.  Meyerftr.
XVI.  Sedanhr.
Vorfißender:  Hugo  Kromberg,  Oberwallflr.  2,  Fernruf  940;  Auguh  Brand;  Stadtverordneter  Eberle;
Frau  Dr.  Faßhauer;  Rektor  Haibach;  früher  Frau  Hans  Ibach;  feit  1.7.16  Frau  Robert  Luhn;  Frau
Joh.  Wilh.  Molineus;  Frau  Mosheim;  Max  Tillmanns;  Frau  Adolf  Vorwerk  jr.

Fernfpredier  Rathaus  212
„  „  2Q7
„  224
„  „  208
„  „  83
,  »  179
,  209
„  218
„  „  232
„  „  219
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        10.  Haltbarmachung  von  Gemüfe.
Leitung:  Paul  Lindau,  Wertherftr.  91,  Fernruf  2188;  Frib  Deubmann,  Lindenftr.  1,  Fernruf  1107;
Ludwig  Robbers,  Fernruf  R  223.
11.  Entgegennahme  von  Entfchädigungsanfprüchen  deutfcher  Flüchtinge.
Paul  Neumann,  Landgerichtsrat  Schlieper,  Rechtsanwalt  Zahn.
Bürovorfteher  Bodenftab,  Zimmer  27.
12.  Annahme  und  Verteilung  freiwilliger  weiblicher  Hilfskräfte.
Gefdiäftsftelle  Unterdörnerffr.  133,  Fernruf  4904.  Vorfibende:  Frau  Dr.  Straub,  Unterdörnerflrabe
  133,  Fernruf  4183.  Stellvertreterin:  Vors.  Frau  Heinr.  Overbeck,  Wertherftr.  109,  Fernruf  4599-13.
  Mieteinigungsverhandlungen  und  Mietunterftüfmngen.
Anmelderielle  früher  Heubruch  14,  jebi  Wertherftr.  21.  Büroleiter:  Stadlfekretär  Darnedde.
Vorfibender:  Stadtverordneter  Jufiizrat  Dr.  Werenfeld,  Heidterftr.  7,  Fernruf  885;  Vorfibender  der
5  Stadtteilkommiffionen:  Juffizrat  Fechner;  Amtsgeriditsrat  Michels;  Rechtsanwalt  Dr.  Seelbach;
Amtsgerichtsrat  Wagner;  Rechtsanwalt  Dr.  Michel.
14.  Mufiker-Unterftütmngen.
Vorfibender:  Stadtverordneter  Juffizrat  Dr.  Wefenfeld,  Heidterftr.7,  Fernruf  885;  Beigeordneier
Dr.  Markull;  Frau  Ellen  Saatweber-Schlieper;  Frau  Schennich;  Mufikdirektor  Profeffor  Stronk.
15.  Stellenvermittlung  für  weiblidie  Angeftellte.
Im  Städtifchen  Arbeitsnadiweife  Kleiner  Wert  7/9,  Fernruf  493;  früher  Frau  Albert  Wever;
iebt  Frau  Juffizrat  Lübeler;  Frl.  zur  Nieden;  Frau  Dr.  Paulfen.
16.  Äuskunftftelle  für  weibliche  Berufe  und  Lehrftellenvermittlung.
Nationaler  Frauendienü,  Unterdörnerffr.  133.  Frl.  Karmrodt,  als  Vertreterin  Frl.  Heinen.
17.  Fürforgevermittlungsftelle.
Vorfibender:  Stadtverordneter  Paul  Heumann;  Vorhand:  Frau  Alex  Damm;  Pafior  Lic.  Dick;
Fräulein  Anna  Heinen;  Fräulein  Jorefine  Heydkamp;  'Gefchäftsfekretär  Fahrenbrach;  Frl.  Oberlehrern ­
  Karmrodt;  Frau  Dr.  Kiebler;  Medizinalrat  Dr.  Kriege;  Frau  Geheimrat  Molineus;  Emil
Molineus;  Frau  Bernhard  Mosheim;  Beigeordneter  Pick;  Dechant  Taepper;  Gefd  äftsfekretär  Bufch;
Leutnant  Dr.  Stiller;  Auguft  Mittelflen-Scheid;  Gewerbeinfpektor  Wenzel.
18.  Auskunft  [teile  für  Angehörige  der  im  Felde  (teilenden  Truppen.
Hilfe  bei  Adreffierung  von  Feldbriefen  und  Poftpakefen.  Früher:  Hauptflelle  Unterdörnerfirabe
  133.  Leiterin:  Frau  Affeffor  Schmieden,  Neuerweg  38,  Fernruf  999;  reit  Errichtung  der  Auskunftfielle
  vom  Roten  Kreuz  aufgehoben.
19.  Kriegs-Rechtsauskunftftelle:  Heidterftr.  2.
Barmer  Verein  für  Gemeinwohl.  Leiter:  Rektor  a.  D.  Haibach,  Fernruf  3434,  früher  Sekretär
Kump,  jebt  Sekretär  Ginsberg.
20.  Gefundheitspflege,  Wohnungshygiene  und  SeudienVerhütung.
Vorfibender:  Sanitätsrat  Dr.  Huefer,  Bleicherflr.,  Fernruf  2090;  Frau  Biirgermeifler  Lichtenberg; ­
  Frau  Dr.  Leonhard  Müller;  Frau  Amtsgerichfsraf  Wagner;  Medizinalrat  Dr.  Kriege.
21.  Hauswirtfchaftlidie  Beratungstellen,  Ausgabe  von  Kochkiften.
Früher  Unterdörnerfir.  133,  Fernruf  4904;  Leitung:  Frau  Heinrich  Overbeck,  Weriherftr.  109,
Fernruf  4599;  jebt  Heckinghauferfir.  109;  Leitung:  Frl.  Blanke,  Kleeffr.  21  jebt  nach  Wertherftr.  44
verlegt.  Leitung:  Frau  Overbeck,  in  Vertr.  Frau  Helene  Preulj,  Klingelhollftr.  55.

175
        <pb n="179" />
        176

22.  Fürforgeausfchuf  für  Kriegsbefchädigje.
(Barmer  Verein  für  Gemeinwohl),  Heidterflr.  2,  Fernruf  3434.  Vorfibender:  Oberbürgermeifter
Dr,  Hartmann;  Geheimrat  Erbslöh;  Beigeordneter  Everfsbufch;  Dr.  Gerdes;  Rektor  Halbach;  Stadtverordneter ­
  Heumann;  Medizinalrat  Dr.  Kriege;  Stadtverordneter  Krüger;  Direktor  Jung;  Syndikus
Dr.  Lohmann;  Direktor  Kuemmel;  Direktor  Profeffor  Paur;  Oberflabsarzt  Dr.  Probe;  Profeffor  Dr.
Röpke;  Oberftleutnant  Schimmelfennig;  Gewerbeinfpektor  Wenzel;  Direktor  Profeffor  Werdelmann;
Frl.  Karmrodt;  Otto  Büchrenfchüb;  Auguft  Mittellten-Scheid;  Profeffor  Hüsgen.
23.  Tätigkeitsausfchuf?  für  Kriegerwitwen-  und  -Waifenfürforge.
Gefchäftsrtelle  Unterdörnerflr.  133,  Fernfprecher  R215.  Frl.  Hinüber.  Vorfibender:  Stadtverordneter ­
  Paul  Heumann;  Vorftand  Otto  Büchfenfchüb;  Dr.  Theodor  Hoffa;  Frl.  Anna  Heinen;
Frl.  Oberlehrerin  Helene  Karmrodt;  Stadtverordneter  Krüger;  Alfred  Narath;  Frau  Karl  Neumann;
Parteüekretär  Friedrich  Rife;  Rechtsanwalt  Dr.  Seelbach;  Rektor  Wilh.  Steinhaus;  Dechant  Taepper;
Frl.  Laura  von  Rague.
24.  II.  Barmer  Iweigverein  vom  Roten  Kreuz.
Vorfibender:  Oberbürgermeifter  Dr.  Hartmann;  Stellvertretender  Vorfibender:  Rektor
Bebel;  Sdiabmeifter:  Rudolf  Jung;  Schriftführer:  Oberffadtfekretär  Gerigk;  Stadtverordneter  Paul
Heumann;  Medizinalrat  Dr.  Kriege;  Schulrat  Linz;  Paul  Eugen  Dicke;  Eugen  Sehlbach;  Gufiav
Köttgen;  Dr.  Hoffa;  Profeffor  Dr.  Röpke.
25.  Vaterland!  fcher  Frauen  verein,  Barmen.
Vorfibende:  Frau  Geheimrat  Molineus,  Unterdörnerftr.  104,  Fernruf  1128;  Vorftand:  Frau
Geheimrat  Erbslöh;  Frau  Brüninghaus;  Frau  Ernfl  Saatweber;  Frau  Oswald  Selbach;  Frau  Willi
Schieb;  Frau  Dr.  Deubel;  Frau  Dr.  Meifenburg;  Frau  G.  A.  Schlechtendahl;  Jultizrat  Dr.  Wefenfeld.
26.  Finanzkommiffion  des  Zweigvereins.
Vorfibender:  Dr.  Hartmann.  Mitglieder:  Bürgermeifter  a.  D.  Lichtenberg,  Frankenftr.  25;
Kaufmann  Rudolf  Jung,  Werterffr.  52;  Fabrikant  Guftav  Quambufch,  Gewerberdiulftr.  45;  Gufiav
Köttgen;  Eugen  Sehlbach.
27.  Transport  Verwundeter.
Vorfibender:  Rektor  Bebel,  Südftrabe  36,  Fernruf  R  142;  Dr.  Deubel;  Kolonnenführer  Franke;
Medizinalrat  Dr.  Kriege;  Stadtaffiftenzarzt  Dr.  Hurck;  Branddirektor  Schulz;  Gruppenführer  Könner.
28.  Vereinslazarett  des  Zweig  Vereins  vom  Roten  Kreuz,  Kleeftr.  68.
Fernruf  4587  mit  Zweiganftalten  Krippe,  Oberdörnerffr.  47  und  Klinik  Dr.  Siood,  Kohlenftr.  63,
Fernruf  1094.  Vorfibender:  Rektor  Bebel,  Südftr.  36,  Fernruf  R  142.  Vorftand:  Medizinalrat  Dr.
Kriege;  Chefarzt  Dr.  Pipo;  Dr.  Simon;  Rektor  Kremer:
Früher:  Ernfl  Saatweber  fen.  (geflorben  am  6.  Febr.  1916);  Frau  Geheimrat  Molineus;  Frau
Dr.  Meifenburg;  Frau  Ernft  Saatweber;  Frau  Albert  Häufer;  Frau  Oberflabsarzt  Dr.  Weber;  Frau
Robert  Nolte;  Frau  Willi  Schieb-29.
  Ausbildung  von  Krankenpflegern.
Vaterländücher  Frauenverein:  Frau  Ernft  Saatweber;  Samariterverein  vom  Roten  Kreuz,
Rektor  Bebel  und  Sanitätskolonnenführer  Franke.
30.  Auskunft  über  in  Lazarettpflege  befindliche  Verwundete.
Früher:  Rathaus  Zimmer  3,  jebt:  Rathaus  Zimmer  7.
Vorfibender:  Rektor  Bebel,  Südftr.  36,  Fernruf  R  142;  Medizinalrai  Dr.  Kriege;  Dr.  Pipo;
Frau  Hugo  Dahl;  Frau  Hillringhaus  I  u.  II;  Dr.  Simon;  Rektor  Kremer;  Frau  Geheimrat  Molineus;
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        177

Frau  Mufikdirektor  Jnderau;  Frau  Dr.  Jonghaus;  Frl.  Kikuih;  Frau  Dr.  Meisenburg;  Frau  Albert
Heuler;  Frau  Robert  Nolte;  Frau  Schmäht:  Fräulein  Strauch;  Frau  Otto  Voswinkel;  Frau  Oberftabsarzt
  Dr.  Weber.
31.  Unterftüijung  Barmer  Kriegsgefangener.
Albert  Flöring;  Hugo  Frowein;  Ernfi  Emil  Klein;  Emil  Köllmann.
32.  Auskunft  über  gefangene,  deutfche  Soldaten  und  Feldpoftpackerei.
Früher:  Bürohaus  „Merkur“,  jefet:  Rathausbrücke,  gegründet  von  Ernlt  Emil  Klein.
Leiter:  Willy  Uhlig;  Paul  Eugen  Dicke;  Albert  Flöring;  Schulrat  Linz;  Frau  Geheimrat
Molineus;  Guftav  Köttgen;  Frau  Geheimrat  Erbslöh;  Frau  Hugo  Brüninghaus;  Frau  G.  A.  Schlechtendahl;
  Rudolf  Jung.
33.  Annahme  und  Verteilung  von  Liebesgaben.
Früher:  Bürohaus  „Merkur“,  jefet  Rathausbrücke.
Vorfifeender:  Rudolf  Jung;  Frau  Hugo  Brüninghaus:  Frau  G.  A.  Schlechfendahl;  Frau  Geheimrat ­
  Erbslöh.
34.  Kriegerfamilienunter  (tütjungen.
Vorfibender:  Geheimrat  Erbslöh,  Uferftr.  16,  Fernruf  1098;  Rektor  Bebel;  Frau  Hugo  Brüninghaus; ­
  Frau  Geheimrat  Erbslöh;  Stadtverordneter  Paul  Heumann;  Rudolf  Jung;  Guffav  Köttgen;
Otto  von  Rague;  Frau  G.  A.  Schlechfendahl;  Frau  Oswald  Sehlbach;  Stadtverordneter  Juftizrat
Dr.  Wefenfeld;  Oberbürgermeiffer  Dr.  Hartmann.
35.  Rote  Kreuz-Pfennig-Sammlung.
Vorfibender:  Oberbürgermeiffer  Dr.  Hartmann;  Rektor  Bebel;  Rud.  Jung;  Medizinalrat  Dr.
Kriege;  Frau  Geheimrat  Molineus;  Frau  Geheimrat  Erbslöh;  Frl.  Oberlehrerin  Helene  Karmrodt;
Frau  Ph.  Karcher.
36.  Verband-  und  Kranhenerfrifchungsftelle  am  Hauptbahnhof.
Daniel  Mann;  Otto  Mann;  Ew.  Wicke;  Rektor  Bebel;  Guft.  Köttgen.
37.  Sanitätswache  am  Hauptbahnhof.
Rektor  Bebel,  Kolonnenführer  Franke.
38.  Uebernachtungs(teile  für  durchreifende  Soldaten  am  Bahnhof  Rittershaufen.
Schulrat  Linz;  Oberbahnhofsvorfteher  Graffe;  Rektor  Bebel.
III.  Nationaler  Frauendienft.
Vorhand:  Frl.  Oberlehrerin  Helene  Karmrodt,  1.  Vorfibende,  Ob.  Bel'enbruchftr.  52,  Tel.
4173,  Sprechzimmer:  Unterdörnerflr.  133,  Telefon  R  233.  Frau  Philipp  Karelier,  2.  Vorfibende,
Untere  Befenbruchftr.  17,  Tel.  514  Frl.  Käthe  Tiemann,  1.  Schriftführerin,  Brögelerflr.  4,  Tel.  5057.
Frl.  Laura  von  Ragufe,  2.  Schriftführerin,  Mühlenweg  39,  Tel.  1442.  Frl.  Jefephine  Heydkamp,  Fifchertalerftr.
  9,  1.  Kaffiererin.  Tel.  2155.-  Frau  Walter  Luckhaus,  Sadifenftr.  20,  2.  Kaffiererin,  Tel.  1175
Frau  Albrod,  Kemnaftr.  17.  Frau  Ernlt  Frowein,  Schimmelsburg  25,  Tel.  406.  Frau  Oberbürgermeüter
Dr.  Hartmann,  Kleinerwerth,  Tel.  R  47.  Frl.  Hueck,  Ottoflr.  62.  Frau  Max  Luhn,  Hohenzollernfirabe
  11,  Tel.  1901.  Frau  Lina  Mosheim,  Unterdörnen  50a,  Tel.  511.  Frau  Schneider,  Jägerftr.  33-Frau
  Dr.  Straub,  Unterdörnen  135,  Tel.  4183.  Herr  Paftor  Weirich,  Hügelflr.  12,  Tel.  5365.  Herr
Paltor  Witteborg,  Mühlenweg  12,  Tel.  3794.  Frau  Kommerzienrat  Dr.  Wittenfiein,  Allee  23,  Tel.  1055.
Gefchäfisfielle:  Unterdörnerflr.  133,  Tel.  R  215,  R  236.
1.  Leiterin:  Frau  Dr.  Straub,  Unterdörnerflr.  133,  Tel.  4183.  2.  Leiterin:  Frau  Walter  Luckhaus,
Sachfenflr.  20,  Tel.  1175.  1.  Stellvertreierin:  Frau  A.  Overbeck,  Werlherftr.  109,  Tel.  1599.  2.  Stellvertreterin ­
  :  Frau  T.  Schmieden,  Neuerweg  38,  Tel.  999.
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        178

Arbeitsnachweis:
Leiterin:  Frau  Juftizrat  Lüfeler,  Kleine  Flurftr.  9,  Tel.  392.  Stellvertreterin:  Frau  Dr.  Pauken,
Firchertalerftr.  86,  Tel.  2692.
Rechisfchub:
Leiterin.  Frau  Dr.  Apfel,  Haspelerfchulfir.  4,  Tel.  1918.  Stellvertretern!:  Frau  Alfred  Höffken,
Allee  79,  Tel.  4659.
Tagesheim:
Unter  Leitung  eines  Vorftandes  von  11  Mitgliedern.  Vorfifeender:  Stadtverordneter  Paul
Heumann,  Hohenftaufenrtr.  26,  Tel.  1375.  Stellvertreterin:  Frl.  Oberlehrerin  Helene  Karinrodt,
Ob.  Befenbruchrtr.  52,  Tel.  4173.
Kofttlube  I:
Leiterin:  Frau  Willi  Baltersholt,  Schwarzbachftr.  160,  Tel.  502.  Stellvertreterin:  Frl.  Nettelbeck, ­
  Werthertlr.  37,  Tel.  4942.
Kofttlube  II:
Leiterin:  Frau  O.  Miltelffen-Scheid,  Werthertlr.  33/35,  Tel.  1891.  Stellvertreterin:  Frl.  H.  Graf.
Brotkartenausgabe:
Leiterin:  Frl.  Oberlehrerin  Karmrodt,  Ob.  Betenbruchtlr.  52,  Tel.  4173  und  P  233.  Stellvertreterin:
  Frl.  Hilda  Schmidt,  Allee  144,  Tel.  1716.
Säuglingswärche:
Leiterin:  Frau  T.  Schmieden,  Neuerweg  38,  Tel.  999.  Stellvertreierin:  Frau  Walter  Luckhaus,
Sachfenfir.  20,  Tel.  1175.
Schuhflickflube:
Leiterin:  Frau  Ammann,  Unterdörnerttr.  72,  Tel.  94.  Stellvertreierin:  Frau  Dr.  Alberts,
Diekerftr.  62,  Tel.  191.
Kernrarnmeirtelle:
Leiterin:  Frl.  Ida  Winchenbach,  Louifentlr.  8.  Stellvertreterinnen:  Frl.  Clarenbach,  Siegesftr.
  72,  Frau  Prof.  Spiel?,  Sedanfir.  71.
Spielzeugklinik:
Leiterin:  Frau  Prof.  Wiethiichier,  Dürerweg  3,  Tel.  2629.  Stellvertreterin  Frau  Alex  Kramme,
Heckinghaurerftr.  40,  Tel.  4343.
Kinderfpeifung  des  Nationalen  Freuendienttes:
Leiterin:  Frau  L.  Mosheim,  Unterdörnerttr.  50a,  Tel.  511.  Stellvertreterin:  Frau  T.  Schmieden,
Neuerweg  38,  Tel.  999.
Ausfendung  von  Kindern  höherer  Schulen  nach  Holland  und  aufs  Land
für  die  Ferien  gegen  Bezahlung.
Leitung  der  Gefchäftsftelle:  Frau  A.  Overbeck,  Werthertlr.  109,  Tel.  4599.  Stellvertreterin:
Frl.  Hilda  Schmidt,  Allee  144,  Tel.  1716.
Wuppertaler  Hausfrauenbund,  Lebensmittelfürforge.
Leitung:  Frau  A.  Overbeck,  Wertherftr.  109,  Tel.  4599.  Stellvertreterin:  Frau  Luckhaus,
Sachlentlr.  20,  Tel.  1175.
IV.  Ausheilung,  für  Verwundeten~  und  Krankenpflege  im  Kriege  (1915).
Vorfifeender:  Stadtverordneter  Paul  Heumann.  Stellvertr.  Vorf.  Beigeordneter  Baurat  Köhler.
Rektor  Bebel;  Direktor  des  ftat.  Amtes  Dr.  Haacke;  Frl.  Oberlehrerin  Helene  Karmrodt;  Medizinalrat ­
  Dr.  Kriege;  Rudolf  Lundt;  Frau  Geheimrat  Molineus;  Oberftobsarzt  Probe.
V.  Fürforge  für  die  internierten  mittellofen  Ausländer.
Leitung:  Oberbürgermeifter  Dr.  Hartmann  und  Beigeordneter  Baurat  Köhler.  Aufficht:  Polizeiinfpektor
  Treptow.  Mitglieder:  Stadtverordnete  Eberle,  Heumann  und  von  Eynern,  Frau  Geheimrat
Molineus  und  Frau  Dr.  Oftertag.
VI.  Früßflücksausteilung  an  arme  Schulkinder.
Vorfibender:  Rechtsanwalt  Dr.  Hinsberg.  Kaftenführer:  Stadikämmerer  Weggen.  Mitglied:
Stadtverordneter  Heumann.
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        Inhaltsübersicht.

Seite

Grundlagen  und  Richtlinien  3
Aufgaben  der  Barmer  Wohlfahrtspflege  im  Weltkriege  6
Ausübende  Tätigkeit,  ihre  Gliederung  und  wirtfchaftliche  Durchbildung  .  11
Gewinnung  der  Geldmittel  14
Arbeits-  und  Betriebsgemeinfchaft  des  Nationalen  Frauendienftes  und  der
Wohlfahrtzentrale  21
Abwehr  der  unmittelbaren  Kriegsfchäden  25
Anpaffung  an  die  Kriegsnotwendigkeiten  39
Material-  und  Abfallfammlung  67
Ernährungsfürforge  78
Bekleidungsfürforge  95
Wohnungsfürforge  10t
Erhaltung  und  Förderung  des  Nachwuchfes  106
Jugendpflege  122
Arbeiterinnenfürforge  132
Aufklärungsarbeit  134
Geiftige  Anregung  (Ausfüllung  für  Verwundeten-  und  Krankenfürforge
im  Kriege)  146
Rückblick  und  Ausblick  168

l

179
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        Druck  und  Ausftattung:
Kunftanftalt  P.  Jojephfon,  Bannen.
Jlluffrationen:  Wilh.  Fülle,  Barmen.
□  □  □
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        Der  Wuppertaler  Hausfrauenbund  auf  der  Barmer  Aufteilung  1915.
i:  ilo|Jen  war  eine  Wildgemüfe-Ausftellung  des  Wuppertaler  Hausä
 --  :s,  die  darlegen  follte,  wie  die  wildwachfenden  Gemüfe  auch
: :  ne  billige  und  gute  Bereicherung  des  Familientifches  darbieten
bftproben  von  Wildgemüfe  wurden  verteilt  und  fanden
A  Beifall.  Ueberhaupt  erregte  die  Ausftellung  das  ungeteilte
r  zahlreichen  Befucher,  die  an  den  3  Ausftellungstagen  den
i.  Ihre  Anzahl  wird  auf  6000  gefchätjt.
21.  und  22.  Juli  foll  im  Tagesheim  durch  den  Verein  Frauenruenhultur
  gemeinfam  mit  dem  Nationalen  Frauendienjt  eine

1=  |c

►Ichen,  aus  Vorhang-  und  Teppichreften  Pantoffeln,  aus  Selfhante
frhleidchen;  ebenfo  wurde  das  Fliehen  und  Befohlen  der  Schuhe
? lie  Schülerinnen  des  Tagesheims  hatten  bei  diefer  Ausftellung
ihre  Gefchichlichheit  in  der  Umarbeitung  getragener  Kleidungs-:
  ir  wirtfchaftlichen  Verwertung  alten  Materials  zu  zeigen.

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