26 weil er glaubte, die Macht seiner Soldaten gäbe ihm ein Recht dazu. Die Regierung fürchtet die Macht des organisierten Proletariats und opfert den Mittelstand. Zur Bekämpfung des Proletariats stehen ihr gesetzlich finanzielle Mittel nicht zur Verfügung. Sie darf sie auch nicht fordern. Deshalb ist oder glaubte sie sich gezwungen, sich auf die finanzielle Hilfe des bereitwilligen Grosskapitals stützen zu können, damit dieses Mittel für Propaganda zur Verfügung stellt. Hierdurch ist die Freiheit der Regierung geopfert, sie muss so, wie das Grosskapital es will. Will die Regierung aber den lebensfähigen Mittelstand wirklich erhalten, dann muss sie gegen die Ueberspannung des Grosskapitals Front machen, gegen die Grossbanken, soweit sie sich mit der Schaffung von Organisationen be fassen, die dem Mittelstand den Garaus machen, mit aller Energie Stellung nehmen. Bei dem jetzigen Abhängigkeitsverhältnis kann die Regierung es aber nicht mehr, ebenso wie viele politische Parteien keine Mittelstandspolitik wirk lich ernsthaft treiben können, weil das Gross- kapital die finanzielle Wahlhilfe einfach entziehen würde. Verlangen wir vor allem von unserer Regierung eine feste wirtschaftspolitische Defini tion des Wortes „Staatserhaltend", damit der Mittelstand hier erst einmal klar sieht. Verlangen wir eine Beseitigung der Institutionen, Titel und Orden käuflich oder durch Gefälligkeiten erwerben zu können, und setzen wir an Stelle dieser Auszeichnungen die öffentliche Wert schätzung des Bürgerstolzes. Stellen wir die führenden Köpfe unseres Grosskapitals in Industrie, Handel und Bankwesen vor die Auf gaben, ihre Intelligenz statt nach der Richtung der Aufsaugung und Konzentration auf das Ziel ein zustellen, organisatorische Institutionen für den Mittelstand zu schaffen, Forschungs institute, Exportvereinigungen, Mittelstands banken etc., und versprechen wir diesen Männern hierfür die höchsten öffentlichen Ehrungen, bauen wir ihnen hierfür Denkmäler, denn Eitelkeit und Ehrgeiz, das Verlangen nach Ruhm, sind nun einmal Faktoren, die das Schaffen ge waltig anzuregen vermögen. Verlangen wir aber vor allem Depositenkassen auf genossenschaft licher oder kommunaler Basis mit der Ver pflichtung, die Depositengelder ausschliess lich für den Mittelstand nutzbar zu machen, oder wandeln wir diese oder jene Grossbank in Mittelstandsbanken um. Das Mittelstandsproblem ist ein Problem der finanziellen Organisation und die Lösung einer ethischen Aufgabe. Solange nicht die sittliche Treue, die ehrliche Arbeit ihre Anerkennung findet, sondern mit Geld, ohne Rücksicht auf Herkunft und die Leichen, die auf dem Wege des Erwerbes durch Rücksichtslosigkeit gefallen sind, sich jeder durch Auszeichnungen abstempeln lassen kann, die Re gierung sich nicht aus der Umklammerung durch das Grosskapital frei macht, solange gibt es in Wahrheit keine Mittelstandsarbeit. Ent weder legen wir mit Wahrhaftigkeit Hand an das Mittelstandsproblem und retten unsere Frei heit, retten uns den Boden für die Entwick lung von Persönlichkeiten, oder aber wir geben es auf und bekennen uns ehrlich zum Sozialismus, zur Einordnung der Menschheit in das Kunstwerk einer nationalen und inter nationalen Riesenmaschine. Hat der Mittel stand tatsächlich nicht die Kraft, den Weg zu finden, ist der Idealismus für unsere Aufgaben im Erlöschen, dann räumen wir nur ehrlich unseren Platz den jugendstarken Kräften des sich zum Aufstieg und zum Sieg mit beigeisterndem Idealismus organisierenden Proletariats. Der Grossbetrieb und Staatsbetrieb ist eine technische und wirtschaftiiche Notwendigkeit durch unsere Kulturentwicklung geworden, aber bei weitem nicht in dem Masse und in der Ge stalt, wie wir die Riesenbetriebe als Ergebnis des Erwerbswahnsinns entstehen sehen, zufolge der ungehinderten, einseitigen Wirksamkeit, die die zügellose Macht des Geldes und Kapitals heute mit Unterstützung der Regierung ausüben kann.