3i Grundgedanken Die Gemeinschaft ist öffentlich, damit sie in der Lage ist, statt Dilettanten die besten Kräfte und Lehrer als Vortragende zu gewinnen, gleich gültig, welchen besonderen Richtungen diese Männer sonst angehören, um dadurch eine geistige Inzucht zu verhüten. Der Beitritt in die Gemeinschaft soll möglichst frühzeitig erfolgen, um ent wicklungsfähige und bildsame Mitglieder zu gewinnen, da Männer in reifem Alter nicht mehr in der Lage sind, von den Einflüssen ihres Ent wicklungsganges und ihrer bisherigen Lebensauf fassung und Lebensweise sich praktisch und tat sächlich frei zu machen, selbst wenn der Wunsch in ihnen hierzu rege geworden ist. Die Gemeinschaft arbeitet mit ganz be schränkten zeremoniellen Einrichtungen, da die Zeit für Betätigung in idealer Richtung, die zur Verfügung steht, so gering gemessen ist, dass die wenigen Stunden, die gewonnen werden können, in bestmöglicher Weise der praktischen und positiven Arbeit dienen müssen. Die finanziellen Ansprüche an den Einzelnen sind auf das äusserste zu beschränken, die Beiträge werden abgestuft nach Altersklassen, 20—30, 30 — 40 und darüber. An den Austritt werden keine besonderen Be dingungen geknüpft, er kann jederzeit freiwillig erfolgen. Das öffentliche Mitgliederverzeichnis ermöglicht jederzeit, festzustellen, ob jemand Ordensmitglied ist oder nicht. Heute hat der Bürger zuerst das Ziel, Geld um jeden Preis zu machen, ohne besonders grosse Aengstlichkeit darüber, dass auch alle Handlungen absolut einwandfrei sind. Wenn das erworbene Geld reicht, um ohne Arbeit leben zu können, dann, heisst es, kann man immer noch wieder gut machen, was man hier und da böses getan oder an Leid anderen zugefügt hat im Erwerbs kampf und seinen Rücksichtslosigkeiten, sei es, dass man Opfer für die Kirche bringt, sei es, dass man sich durch Geldopfer öffentlich abstempeln lässt mittelst eines käuflichen Titels oder einer Dekoration. Dieses Geldverdienen um jeden Preis ist aber der eigentlich störende und zer störende Faktor in dem Erwerbsleben. Alle Reformen und alle Mühen werden sich als nutzlos erweisen, solange sie nicht den Kern erfassen, solange sie nicht Einfluss gewinnen auf die Auffassung über zulässige Mittel und Wege für das Geldverdienen und die ethischen Pflichten, die jeder zu erfüllen hat, wenn er das Recht erwerben will, zu den Männern zu zählen, die den Namen eines Bürgers mit Stolz tragen dürfen. Nicht der Glaube, nicht die Bildung, nicht die sozialeStellung, nicht das Geld machen den Bürger für den Staat zum Staatsbürger, sondern seine auf sittlicher Treue geleistete Arbeit, die nicht auf Kosten der Mitmenschen Geld zeugt, sondern ohne offenbaren Schaden für diese als Ergebnis der Befriedigung neuer Bedürfnisse neue Werte schafft. Wir benötigen ein öffentliches Er ziehungsmittel für das Qeldverdienen, das einen Zwang ausübt, rechtschaffen zu handeln, ebenso wie für den Offizier der Waffenrock eine ihn ständig begleitende Mahnung darstellt, jeden Augenblick an die Pflichten zu denken, die er dem Rock schuldig ist, und den er aus- ziehen muss, wenn er sich gegen diese Pflichten versündigt. Der Arzt, der Anwalt, der Handelsmakler u.a.m. stehen durch die Approbation und die Eintragung in ein Register, unter einem ethischen Zwangs mittel. Dieser Waffenrock des Soldaten ist für den Bürger seine Mitgliedschaft, die von jeder mann öffentlich und zu jeder Zeit festgestellt werden kann. So wie man in der Rangliste fest stellt, ob jemand Offizier ist, so stellt man auch fest, ob jemand Ordensbürger ist, und diese Fest stellung soll und muss genügen, um ihn als absolut vertrauenswürdigen Mann auszuweisen. Dass moralische Mittel und die Liebe nicht aus reichen, die Menschen, die Geld erwerben müssen oder wollen, zu bessern, das beweist uns einwandfrei die Kirche. Sie allein ist nicht in der Lage, auch nur die geringste Besserung herbei zuführen, denn sie hat es in nahezu zweitausend Jahren nicht vermocht. Die Hauptquelle der menschlichen Unarten und Schlechtigkeiten ist der Kampf um das Brot, der mit steigender Kultur heftiger, rücksichtsloser und unehr licher geworden ist, trotz aller Rechtsinstitute, die geschaffen worden sind. Die Kirche ist ohn mächtig selbst gegen das furchtbare Schrecknis der Arbeitslosigkeit und muss es mit ansehen, dass Hunderttausende und Millionen nicht wissen, wo sie das Stück Brot zum Leben hernehmen sollen, trotz der Riesenschätze des Landes. Die Kirchen sind nicht der Sammelpunkt der schaffenden Männer. Für jeden, der sehen will, ist es klar, dass nur das Eingreifen in das Erwerbsleben mit einem brauch baren Erziehungsmittel, das sogar ein ethisches Zwangsmittel sein muss, irgendeine Aussicht besteht, zu besseren Lebensverhältnissen ge langen zu können. Druck: Qebr. Feyi, Berlin SW 48, Friedrichstrasse 16.