64 der Reichsregierung. — Bekanntlich weigerten sich Hamburg" und Bremen anfänglich, dem deutschen Zollverein beizutreten, da sie dadurch Nachteile für ihren Handel befürchteten. Nachdem Bismarck zuerst Hamburgs Widerstand gebrochen hatte, mußte auch Bremen seine ablehnende Haltung auf geben. Während es aber Hamburg gelang für sich auszubedingen, daß innerhalb seines Freihafengebietes von Zöllen und Zollaufsicht befreite Fabriken zur Veredelung eingeführter zollpflichtiger Waren errichtet werden durften, war es Bremen trotz vieler Bemühungen nicht möglich, beim Bundesrat die gleiche Vergünstigung durchzudrücken. Die Folge war, daß sich u. a. eine starke Reisbe- und Verarbeitungs industrie im Hamburger Zollausschußbezirk entwickelte, die, weil zolltarifarisch begünstigt, den Bremer im Zollinlande belegenen Fabriken einen großen Teil ihres Geschäfts wegnehmen konnte. Die den Bremer Mühlen gewährten Ausbeutesätze sind zu gering — ja ungenügend in solchem Maße, daß sie sogar gegen die öster reichischen Mühlen (billiger Wasserweg von Aussig ab die Elbe herunter!) im Nachteil sind. Diese Schädigung eines Gemeinwesens, das sowieso unter den schwersten finanziellen Opfern um seine Existenz ringen muß, zu gunsten eines ungleich kräftigeren Platzes konnte nicht von vorn herein beabsichtigt sein. Daß sie aber tatsächlich eingetreten ist, ist unbestreitbar und kann genau nachgewiesen und von den maß gebenden Stellen nachgeprüft werden. Die wiederholt geäußerte dringende Bitte Bremens, in dieser Beziehung mit der Nachbar stadt gleichgestellt zu werden, scheint deshalb nicht unbillig. An der Schwächung Bremens kann die Reichsregierung kein Interesse haben. Sie muß vielmehr wünschen, seine Konkurrenz- und Widerstandskraft schon deshalb zu steigern, weil sie sich auf nur einen Hafen, und sei er noch so bedeutend, nicht stützen darf. Sonst ist im Falle seiner aus irgend einem Grunde erfolgten Schließung (Choleraepidemie in Hamburg!) der Schade für die Allgemeinheit zu groß. Es muß gehofft werden, daß der Bundes rat abermaligen Vorstellungen ein willigeres Ohr leiht (vergl. hier zu Seite ii 6.) Auch wenn man die oben erwähnten drei Hauptartikel außer Betracht läßt, ist die übrige Einfuhr Bremens aus Ostindien nicht annähernd im Vergleich zu derjenigen Hamburgs gewachsen. Bremens Einfuhr, noch 1888 mit 7 1 / 2 Millionen Mk. die höchste bis dahin erreichte hamburgische Einfuhrziffer weit übertreffend, hob sich bis 1891 auf über 12 Millionen Mk., ist auf diesem Punkte aber