88 Im Durchschnitt der Jahre 1861 —1900 war der Prozentanteil der einzelnen Flaggen nach dem Raumgehalt sogar: deutsche 41,56 %, hamburgische allein 32,95 %, englische 46,33 %. Also eine Ent wicklung, die der in Bremen stattfindenden gerade entgegengesetzt ist: an der Elbe ein auffälliges Zurückdrängen der englischen durch die einheimische Flagge, an der Weser ein langsam steigender Verkehr von Schiffen britischer Staatsangehörigkeit auf Kosten der deutschen. In der Gestaltung der Dinge darf man aber kein beunruhigendes Zeichen erblicken. Im Gegenteil wird man m. E. die Tatsache, daß Bremen allmählich auch mehr der Anlaufhafen ausländischer Schiffe wird, als ein gutes Zeichen dafür ansehen dürfen, daß die Stadt die alten Fesseln lokaler Beschränktheit immer mehr abstreift und als Tummelplatz der Schiffe aller Völker seine Stellung als jüngster Welthafen weiter festigt. Daß die heimische Flagge in absehbarer Zeit nicht in den Hintergrund gedrängt wird, dafür bürgt die Größe und Bedeutung der bremischen Schiffahrtsgesellschaften. Zur weiteren Aufklärung über die Gliederung des gesamten Seeverkehrs der Unterweserhäfen für bremische Rechnung ist Tabelle 38 beigefügt. Von einer Prozentausrechnung ist hier Abstand genommen worden, da sich gegen die vorige Tabelle kein großer Unterschied ergeben würde. Vergleicht man das Wachstum - des Warenverkehrs seit 1888 mit dem des Schiffsverkehrs, so ergibt sich zahlenmäßig für den ersteren eine etwas stärkere Steigerung. Das wäre ein gutes Zeichen, wenn man daraus schließen dürfte, daß die Schiffsräumte seitdem (1888) eine bessere Ausnutzung erfahren habe. Leider ist ein solcher Schluß falsch. Denn wenn auch, wie erwähnt rein zahlenmäßig, der Güterverkehr der Tonnage der Handelsflotte etwas vorausgeeilt ist, so ist doch zu bedenken, daß sich die Geschwindigkeit der Seeschiffe seit 1888 (damals kamen — bei wesentlich kleinerer Dampferflotte — auf die Seglerflotte noch 204000 Reg.-Tons gegen nur 158000 i. J. 1908) nicht unwesentlich vermehrt hat, und daß der gleiche Schiffspark, je häufigere Reisen ihm jährlich ermöglicht werden, um so mehr Warenmengen be wegen kann. Ein Dampfer, der bei achtmaliger Fahrt mit voller Ladung 80000 Tons über den Ozean zu schaffen vermag, verlangt bei zehn Fahrten schon 100000 Tons. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, ist die Schiffsräumte der Menge des zu ver frachtenden Ladegutes vorangeeilt, mehr als früher übersteigt das Angebot von Laderaum jetzt die Nachfrage. Vielleicht sind