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        <title>Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft</title>
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            <forname>Franz</forname>
            <surname>Gehrke</surname>
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        ﻿
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        ﻿Bremens Warenhandel

und seine Stellung
in der Weltwirtschaft

Von

Dr. Franz Gehrke

Jena

Verlag von Gustav Fischer

1910
        <pb n="3" />
        ﻿“VERLAG VON GUSTAV FISCHER IN JENA

Wörterbuch der Volkswirtschaft in zwei Bänden. Herausgegeben von

--------------------------------------Prof. Dr. Ludwig Elster, Geh. Ober-

Reg.-Rat und Vortragender Rat im Ministerium der geistl. Unterrichts- und
Medizinalangelegenheiten in Berlin. Dritte völlig umgearbeiteteAuflage.

Preis: 45 Mark. eleg. geh. 50 Mark.
Erscheint ah Oktober 1910 in Lieferungen und wird Mitte des Jahres 1911
vollständig vorliegen.

DaS Wirtschaftsjahr. Jahresberichte über den Wirtschafts- und Arheitsmarkt.

--------------------i___." Für Volkswirte und Geschäftsmänner, Arbeitgeber- und

Arbeiterorganisationen. Von Richard Cal wer.

1ono '■ Teil: Handel und Wandel. 1903. Preis: 8 Mark, geh. 9 Mark.
IHUZ. n Teil: Jahrbuch der Weltwirtschaft. 1908. Preis: 8 Mark, geh. 9 Mark,
ton? LTeil: Handel nnd Wandel, 1904. Preis: 8 Mark, geh. 9 Mark.
I yUo. ii Teil: Jahrbuch der Weltwirtschaft. 1905. Preis: 8 Mark, geh. 9 Mark.
1Qf\A 1- Teil; HandelundWandel. 1905. Preis:8Mark50Pf,geh.9Mark50Pf.
1HU4, ii Teil: Jahrbuch der W eltwirtschaft. 1906. Preis:9Mark,geb.lOMark.
tonet i- Teil: Handel und Wandel. 1906. Preis; 9 Mark, geh. 10 Mark.
I y (JO. 11, Teil: Jahrbuch der Weltwirtschaft. 1907 Preis: 9 Mark, geh. 10 Mark,
tonn T Teil: Handel und Wandel. 1907. Preis: 9 Mark, geh. 10 Mark.
IHUD. II. Teil: Jahrbuch der Weltwirtschaft. 1910. Preis: 8 Mark, geh. 9 Mark.

—1907. I. Teil: Handel nnd Wandel. 1908. Preis: 9 Mark, geb. 10 Mark.

Um neuen Abonnenten von Calwers Wirtschaftsjahr den Bezug zu
erleichtern, werden die Jahrgänge 1902—1905, je zwei Bände, 1906,

Bd. I, und 1907, Bd. I, zum ermäßigten Preise von 65 Mark (statt
86 Mark 50 Pf), geb. 72 Mark (statt 96 Mark 50 Pf) geliefert.

Probleme der Weltwirtschaft (ScJu'i[te:i df;s Instituts für Seeverkehr

--------------------------------------und vy erwirtschaft an der Universität

Kiel). Herausgegeben von Prof. Dr. Bernhard Harms.

I.	Die Stellung der Segelschiffahrt zur Weltwirtschaft und Technik. Von Dr.

William Scholz, Diplom-Ingenieur. Mit 13 Tafeln.	Preis: 16 Mark.

Unter dem Titel ,,Probleme der Weltwirtschaft“ gibt der bekannte Kieler
Nationalökonom eine Sammlung1 heraus, die allgemeines Interesse beanspruchen dürfte.
Diese Veröffentlichungen sind nicht ,,Seminararbeiten“ im gewöhnlichen Sinne, einmal, weil
sie unter dem Gesichtspunkte einer allmählichen systematischen Darstellung weltwirtschaft-
licher Einzelfragen zusammengestellt werden, und zweitens um deswillen, weil sie durchweg
von bereits in der Praxis stehenden Verfassern geschrieben werden, die ihre Studien nicht
am Schreibtisch, sondern an Ort und Stelle in den betreffenden Gebieten der Weltwirtschaft
gemacht und ihre Abhandlungen auf diese fußend gegründet haben. Es wird sich daher
einerseits um selbständige, wertvolle Untersuchungen handeln, die auch aus den von dem
Direktor des Institutes für Seeverkehr und Weltwirtschaft gegebenen Gesichtspunkten Nutzen
ziehen, andrerseits aber werden durch diese Arbeiten unsere Kenntnisse auf einem jener
wenigen Gebiete bereichert werden, auf welchen heute die Nachfrage nach wissenschaftlichen
Darstellungen größer ist als das Angebot. Die Hefte werden in zwangloser Reihenfolge er-
scheinen und jedes Heft wird einzeln käuflich sein.

Für die „Probleme der Weltwirtschaft“ sind ferner zunächst die
nachstehenden Arbeiten in Aussicht genommen:

Theodor Sehmer, Die Eisenerzversorgung Europas.

K. A. Gerlaeh, Dänemarks Beziehungen zur Weltwirtschaft, unter besonderer Be-
rücksichtigung Deutschlands und Englands.

Curt Jalkowski, Die Kohlenversorgung Italiens.

Adolf Henningsen, Die gleitende Skala für Getreidezölle.

Albert Schänder, Die Eisenhahnpolitik i. d. nordafrikan. Kolonien Frankreichs.
Haus Keiler, Schiffahrt und Schiffahrtspolitik i. d. Verein. Staaten von Amerika.
Anton Fleck, Die weltwirtschaftliche Bedeutung Kanadas.

Carl Maedge, Erzbergbau und Erzausfuhr in Schweden.

Ove Clausen, Die Finanzierung der englischen Schiffahrtsgesellschaften.

Franz Herriger, Schiffahrt und Schiffahrtspolitik Frankreichs.

Johannes Recke, Die weltwirtschaftliche Bedeutung des Panamakanals.

John Hering, Hamburg und Lübeck in der Ostsee.

Alfons Krziza, Entwicklung und Bedeutung des Emdener Hafens.

Heinrich Scheuer, Die Zichorie u. d. Zichorienindustrie i. d. wichtigsten Ländern.
Wilhelm Olfergeld, Die Volkswirtschaft Ungarns.

Max Moszkowski, Vom Wirtschaftsleben der primitiven Völker (Unter besonderer
Berücksichtigung der Papuas von Neuguinea und der Sakais von Sumatra.)
        <pb n="4" />
        ﻿Bremens Warenhandel

und seine Stellung in der Weltwirtschaft

Von

Dr. Franz Oehrke

L

Jena

Verlag von Gustav Fischer

1910
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        ﻿
        <pb n="6" />
        ﻿
        <pb n="7" />
        ﻿I n halts- Ü bersicht

Erster Teil: Besprechung des Warenhandels Bremens.

I.	Allgemeiner Teil.

1.	Vorbemerkung........................................................

2.	Geschichtliche Einleitung...........................................

3.	Allgemeine Entwicklung in den letzten Jahrzehnten...................

4.	Die Oberweserschiffahrt.............................................

5.	Wachsen des Verkehrs im Verhältnis zu Hamburg und Ganzdeutschland .

6.	Der Außenhandel; Einfuhr............................................

7.	Desgl.	Ausfuhr............................................

8.	Anteil Bremens an Deutschlands Außenhandel , .......................

II.	Besonderer Teil.

1.	Handel mit Nordamerika..............................................

Baumwolle............................................

2.	Desgl. Südamerika...................................................

a)	Argentinien................................................

b)	Brasilien.................................................

Kaffee...............................................

Tabak ...............................................

3.	Desgl. Mittelamerika ...............................................

4.	Desgl. Asien........................................................

a)	Vorderindien..............................................

Jute.................................................

Reis...............,.................................

b)	China und Japan...........................................

5.	Desgl. Afrika ......................................................

6.	Desgl. Australien...................................................

7.	Desgl. Europa.......................................................

a)	England, Niederlande, Belgien..............................

b)	Nord-, Ost- und Mitteleuropa.......................... . . .

8.	Zusammenfassung ....................................................

9.	Bremens Schiffsverkehr..............................................

Zweiter Teil: Vorschläge zur Hebung des Warenhandels.

X. Ursachen des Zurückbleibens des Warenhandels.........................

2.	Errichtung neuer Handelsgesellschaften..............................

3.	Welche Gebiete kommen besonders in Frage?...........................

4.	Errichtung von Freihafenfabriken....................................

5.	Errichtung einer Handelshochschule..................................

6.	Unterstützung der Hochseefischerei..................................

7.	Mehr Reklame........................................................

8.	Schlußbemerkung.....................................................

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        ﻿Erster Teil.

Besprechung des Warenhandels Bremens.

1.	Allgemeiner Teil.

1.	Vorbemerkung.

In dieser Abhandlung- soll keine Geschichte des Bremer
Warenhandels gegeben werden, da sie mehr historisches als gegen-
wärtiges Interesse beanspruchen dürfte. Desgleichen kann ich hier
keine erschöpfende Darstellung auch nur der wichtigsten Handels-
zweige geben. Es kommt mir nur darauf an, die Physiognomie
zu erforschen, die allgemeinen Entwicklungsrichtungen herauszu-
arbeiten und aus ihren Erscheinungsformen und deren sinnfälligem,
der Kritik und menschlicher Beeinflussung zugänglichem Verlauf
Schlüsse zu ziehen. Die Klarlegung und Darstellung von Einzel-
heiten muß der — leider noch sehr ungepflegten — Spezialforschung
überlassen bleiben.

Die Grundzahlen, die ich bringe, sind ausnahmslos den amt-
lichen Statistiken entnommen. Man wird mir vielleicht entgegnen,
dann seien Auszüge in Buchform ja wertlos, weil man sich das
Wissenswerte aus der Quelle selbst schöpfen könne. Der Ein wand
ist nicht berechtigt. Wohl kann schließlich auch der Laie die
Umrechnungen, Zusammenstellungen und Verhältniszahlen, die ich
gemacht und gefunden habe, ausrechnen. Aber wer vertieft sich
so weit in die Statistik? Wer nimmt sich die Mühe, der spröden
Schönen ihre Geheimnisse abzulauschen? Auch einfache Zahlen-
reihen wollen gelesen, d. h. richtig verstanden sein! Darum
habe ich bei dem Fehlen jeglicher umfassender Voruntersuchungen
eingehendere Tabellen mit den entsprechenden Erläuterungen geben
zu müssen geglaubt, um die Möglichkeit zu bieten, an Hand dieses
Zahlenmaterials dem geschriebenen Wort besser zu folgen und es
nachzuprüfen. Überhaupt wird man der Statistik einen immer

Gehrke, Bremens Warenhandel.	1
        <pb n="9" />
        ﻿2

größeren Raum in der Wirtschaftsgeschichte und in der neu als
eigene Disziplin sich bildenden Verkehrswissenschaft einräumen
müssen, was man früher schon deshalb nicht konnte, weil sie noch
zu unvollkommen war.

Bemerkt sei noch, daß der Gesamtumfang des Warenhandels
für bremische Rechnung statistisch überhaupt nicht erfaßt werden
kann. Einerseits stellen die Bremer Ein- und Ausfuhrzahlen nicht
den Eigenhandel Bremens dar; vielfach fungiert Bremen — wie
übrigens jede Handelsstadt und ganz besonders jede Seestadt —
nur als Spediteur, und die Wareneigner, die eigentlichen Akteure,
können weit im Binnenlande wohnen. Andererseits aber kann die
bremische Statistik nicht die Warenmengen verzeichnen, die für
Bremens Rechnung über andere Häfen zur Ein- oder Ausfuhr ge-
langen. So ging z. B. etwa die Hälfte der 1908“ Domingotabak-
ernte in Bremer Hände über — eingeführt aber wurde sie über
Hamburg und auch dort verkauft. Die Untersuchung muß sich
deshalb im allgemeinen auf die von der bremischen Statistik ge-
gebenen Zahlen beschränken.

Die Ergebnisse, zu denen ich gekommen bin, sind vielfach
keine erfreulichen. Sie ergaben sich erst im Laufe der näheren
Untersuchung, denn, oberflächlich betrachtet, hat unser kleiner
Freistaat eine wirklich glänzende Entwicklung hinter sich. Man
läßt sich eben leider zu leicht durch das glatte Gesicht der Dame
Statistik täuschen.

2.	Geschichtliche Einleitung.

Bremen hat als Handelsstadt einen alten Ruf. Schon zu
Zeiten der Karolinger wird es rühmend erwähnt. Schlecht und
recht schlug es sich in den nächsten Jahrhunderten im Kampf um
die Behauptung seiner Stellung durch und erreichte im 13. und
14. Jahrhundert eine erste Blüte als eins der einflußreichsten Mit-
glieder des Städtebundes der Hansa. Seine Handelsbeziehungen
erstreckten sich damals von Brügge in Flandern und von England
bis weit nach Skandinavien hinein im Norden und über die jetzigen
russischen Ostseeprovinzen, in denen es eine reiche Kolonisations-
tätigkeit entfaltete, im Osten bis Nischni-Nowgorod hin. Es war
also das Gebiet der Nordsee und des Baltischen Meeres.

Dann kam der politische Zerfall des Reiches, die Ohnmacht
der Zentralgewalt, die den Städten in ihrem heldenhaften Kampf
gegen die erstarkenden nordischen Nachbarn nicht zu Hilfe kommen
konnte. Es kam jene durch die großen Entdeckungen bedingte
        <pb n="10" />
        ﻿überaus folgenschwere Verschiebung der Großhandelswege des
Weltverkehrs, an deren befruchtenden Fluten Norddeutschland
damals noch keinen Anteil hatte. Handel und Wandel erlahmten
und erstarrten, langwierige, blutige Kriege zerfleischten das Land,
und Jahrhunderte hindurch mußte die einst so stolze Stadt in
trauriger Bedeutungslosigkeit verharren.

Erst das letzte Viertel des 18. Jahrhunderts bereitete langsam
eine Wandlung zum Besseren vor. Die Seeherrschaft und mit ihr
der Seehandel, der bei der ungeheuren Erweiterung des geo-
graphischen Gesichtskreises den Land- und Nahhandel überflügelt
hatte, war von den stammesfremden fernen romanischen Völkern
näher wohnenden Nationen germanischer Rasse zugefallen. Da-
mit hatte sich auch das Schwergewicht zu Gunsten Deutschlands
und besonders Nordwestdeutschlands verschoben: die westliche
Ecke der Nordsee wird der Brennpunkt, in dem sich die Strahlen
des Weltverkehrs vereinigen. Kraft seiner Nachbarlage hatte auch
Bremen davon Vorteil, vorerst allerdings in nur bescheidenem
Maße. Jedenfalls aber erhielt es einen festen Grund, auf dem es
wagen konnte, einen neuen Bau nach neuen Gesichtspunkten auf-
zuführen.

Der erste positive Anstoß ging von den politischen Verhält-
nissen in Nordamerika aus. Die dortigen englischen Kolonien hatten
sich, verletzt durch die ungerechte, jedes freie Leben in ihnen er-
stickende Zollpolitik des Mutterlandes, von diesem losgesagt. Der
neue Staatenbund suchte direkte Verbindungen mit außerbritischen
Ländern anzuknüpfen. Da war es ein Glück für Bremen, daß es
die Bedeutung der Stunde erkannte und wagemutig erfaßte. Wenn
die damals angeknüpften Verbindungen auch manche schwere
Belastungsprobe auszuhalten hatten, so hielten sie doch fest, und
der Warenverkehr mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika
bildet, wie den Grundstein, so noch jetzt den weitaus wichtigsten
Pfeiler, der den Handel Bremens stützt.

Napoleons Bestreben, Englands Handel durch Schließung der
Festlandshäfen zu vernichten, das Inselreich durch Sperrung der
Nahrungsmittelzufuhr auszuhungern, schlug Bremen schwere
Wunden. Die Gewaltherrschaft des großen Eroberers brach zu
früh zusammen, um die »Kontinentalsperre« wirksam zu gestalten.
In unbegreiflicher Verblendung trug er auch selbst zum Siege
des Gegners bei, als er gerade in dem Augenblicke, wo sich der
britische Löwe schon ergeben wollte, in krasser Betätigung
merkantilistischer Anschauungen die Getreideausfuhr aus Südeuropa

1*
        <pb n="11" />
        ﻿4

nach England erlaubte. Durch sie erst wurde England zu weiterem
Kampfe in den Stand gesetzt, und alle erreichten Vorteile waren
dadurch wieder verloren. Nur langsam konnte sich nach Auf-
hebung der Sperre der Handel der deutschen Nordseeküste wieder
heben.

Dazu kam, daß die Technik die überlieferten Formen über
den Haufen warf und Handel und Industrie auf neue Grundlagen
stellte: der Menschengeist hatte sich die Naturkraft des Dampfes
dienstbar gemacht. Um 1820 durchfurchte, ein Merkstein in der
Geschichte der Menschheit, das erste Dampfschiff den Ozean, und
die Maschinenkraft vertausendfachte die Gütererzeugung. Wieder
aber war es England, das den Hauptvorteil daraus zog. Der zeit-
liche Vorsprung, den es hatte, ließ es damals zur Weltmacht
werden. Seine Flotte war die ausschließliche Vermittlerin zwischen
alter und neuer Welt.

Erst um die Mitte des Jahrhunderts gelang es nach manchen
herben Fehlschlägen und Verlusten an Geld und Mühe, eine regel-
mäßige Dampferverbindung auch zwischen Bremen und dem
Haupthafen der neuen Welt zustande zu bringen. Von Bedeutung
konnte sie aber erst werden, als in unserem Vaterlande die letzten
Schranken fielen, als im April 1868 Süddeutschland der nord-
deutschen Zollunion beitrat und kurz darauf das neue Reich er-
stand, als Bremen zum Vermittler zwischen dem Deutschen
Reiche und den überseeischen Ländern werden konnte. An
diesem zweiten wichtigen Wendepunkte der Handelsgeschichte
Bremens setzt die vorliegende Untersuchung ein.

Von jetzt an überstürzen sich die Ereignisse in schneller
Folge. Das weittragendste sei gleich hier erwähnt, die 1894 vor-
läufig beendigte Vertiefung und Begradigung der Unter-
weser bis Bremen-Stadt.

Der stark und unablässig steigende Warenaustausch mit dem
Auslande ließ sich nicht mehr in den bis dahin gebräuchlichen
kleinen Fahrzeugen bewältigen. Er verlangte gebieterisch eine
größere Schnelligkeit in der Beförderung und mehr Schiffsräumte.
Die Technik schuf beides, und die Zeit der »Ozeanriesen« begann.
Wieder geriet Bremen in Nachteil gegen rivalisierende Hafen-
plätze, denn für die tiefgehenden Seeschiffe war es nicht erreich-
bar. Die Weser befand sich damals in einem überaus traurigen
Zustand der Verwilderung und Versandung. Von zahllosen Sand-
barren durchsetzt, strömte der Fluß in ungeregeltem Läufe dahin,
nur Seeschiffen kleinster Größe einen gefährlichen Weg zur Stadt
        <pb n="12" />
        ﻿5

gewährend. »Von den im Jahre 1876 für Bremen eingekommenen
Schiffen konnten ihrem Tiefgange nach die Stadt erreichen 34°/o-
Die Gesamtladefähigkeit derselben repräsentiert 5% der
Gesamtladefähigkeit aller für Bremen in die Weser ein-
gelaufenen Schiffe« klagt die Handelskammer s. Zt. Wie
anders jetzt!

Wohl hatte sich Bremen 70 km unterhalb, 50 km von der
offenen See gelegen, in Bremerhaven einen eigenen Seehafen ge-
schaffen. Aber das war eine Maßregel, die nur halbe Hilfe brachte:
der Seeverkehr endete in Bremerhaven, der Landverkehr in Bremen
selbst; das unbedingt notwendige Zwischenstück fehlte. Die üblen
Folgen zeigten sich u. a. darin, daß sich in dem Zeitraum 1871/1880
der Hamburger Warenhandel von 2 auf 4, der Bremer nur von
2 auf 3 hob. Darum mußte Bremen, wollte es des mühsam Er-
rungenen nicht wieder verlustig gehen, alles daran setzen, sich
selbst zum Seehafen zu machen. Dies geschah durch die von
Bremen auf eigene Kosten ausgeführte, ungeheure Geldopfer
fordernde Unter- (und Außen-) Weserkorrektion. Nach langwierigen
Vorarbeiten stellte Ludwig Franzius 187g—1880 sein geniales Pro-
jekt auf, bis Bremen-Stadt eine Fahrrinne von 5 m Tiefe zu
schaffen. April 1887 wurde das Werk begonnen. 1894 war es
vollendet und »dem Meere der Weg zur Stadt gebahnt«, wie die
Inschrift auf dem Franziusdenkmal an der großen Weserbrücke
in Bremen lautet. Der größere Tiefgang der Schiffe bedingte
übrigens seitdem eine weitere künstliche Vertiefung des Strombettes.

Als fernere bedeutsame Etappe in der Entwicklung der Stadt
ist dann noch der im Herbst des Jahres 1888 erfolgte Anschluß
Bremens an das Zollgebiet zu erwähnen. Lange sträubte man
sich dagegen, da man in der Aufgabe der Sonderstellung, in der
»Errichtung einer trennenden Grenzmauer gegen das Ausland«
Nachteile für den Handel befürchtete. Die Handelskammerberichte
Anfang der 80er Jahre sprechen ein beredtes Zeugnis, und nur
wenige Stimmen (Lahusen, Bremen und seine Sonderstellung;
Bremen 1883) befürworten den Zollanschluß lebhaft. Genug, er
kam, und mit ihm glücklicherweise ein neuer kommerzieller Auf-
schwung.

Lassen wir nunmehr die Entwicklung zahlenmäßig an unserem
Auge vorüberziehen.

3.	Allgemeine Entwicklung in den letzten Jahrzehnten.

Die Tabelle I gibt ein Bild über die allgemeine Entwich-
        <pb n="13" />
        ﻿Tabelle I.

Allgemeiner Warenverkehr Bremens ohne Edelmetalle.

Wert in 1.000 Mark.

			Einfuhr:					♦	Ausfuhr:				Zusammen
Jahr	V erzehrungs- gegenstände	Rohstoffe	Fabrikate	—	Total  Einfuhr	Jahr	V erzehrungs- gegenstände	Rohstoffe	Fabrikate	—	Total  Ausfuhr	
1868	113188	120133	91559		324880	1868	106063	113678	78751		298492	623372
1869	118100	118492	105910		342502	1869	99392	122639	93I9S	•*	315226	657728
1870	89913	124743	91 736		306392	1870	101092	119653	81279		302024	608416
1871	136652	167 138	161884		465674	1871	125189	155007	149191		429387	895061
1872	162353	163038	170239		495 630	1872	166484	152369	152164		471017	966647
1873	175726	186446	167 662		529834	1873	176542	176157	148877		501576	I Oßl 410
1874	170481	181957	145918		498356	1874	157966	165 689	127367		451022	949378
1875	147056	162715	129I92		438963	1875	145145	157893	112606		4i5644	854607
1876	174 475	163396	104176		442047	1876	162065	169856	89713		421634	863 681
1877	157708	180487	104997		443192	1877	171304	167448	92218		430970	874162
1878	183 226	155I57	102 641		441024	1878	179778	159796	91598		431172	872196
1879	I73M9	188019	109610		470878	1879	188 729	181903	98930		469562	940440
1880	198054	223976	136314		558344	1880	170741	216390	124025		511156	1069500
1881	189657	242397	122393		554447	1881	171006	245867	109620		526493	1080940
1882	H5 63S	212800	121598		500042	1882	145841	228473	107829		482 143	982185
1883	169405	263056	121 890		554351	1883	156804	256539	98587		521930	1076 281
1884	173562	223847	119074		516483	1884	165146	229976	106383		S01505	1017988
1885	166801	212407	115879		495087	1885	159405	214895	105 663		479963	975050
1886	156155	200774	134672		491601	1886	148418	203233	123250		474901	966502
1887	164027	263 447	132477		559951	1887	160170	249 462	116408		526040	1085 991
1888	J74434	233 577	I4492I		552932	1888	165583	226027	125675		517285	I 070217
1889	190575	322954	I5OOI4		663543	1889	190196	305919	132380		628495	1292038
1890	205346	375476	169117		749939	1890	199657	356531	150 409		706597	1 456536
1891	247876	365744	146143		759763	1891	226616	356874	131246		7H736	1474499
1892	224359	323 H7	171988		719494	1892	216325	311790	156 209		684324	1 403 818

.JsP
        <pb n="14" />
        ﻿Tabelle I (Fortsetzung).

Allgemeiner Warenverkehr Bremens ohne Edelmetalle.

Wert in 1.000 Mark.

Einfuhr;						Ausfuhr;						
Jahr	V erzehrungs- gegenstände	Rohstoffe	Fabrikate	—	Total  Einfuhr	Jahr	Y erzehrungs- gegenstände	Rohstoffe	Fabrikate	—	Total  Ausfuhr	Zusammen
1893	216367	331860	175325		723552	1893	194980	319568	161668		676216	1399768
1894	198863	322682	172940		694485	1894	194925	316027	161158		672 HO	1366595
1895	206 258	379012	221036		806306	1895	197 612	359266	208974		765852	1572158
1896	212594	393622	215256		821472	1896	2I99II	389424	200030		809365	1630837
1897	244269	435 590	214216		894075	1897	231481	422893	197 888		852 262	1746337
1898	263987	466 69O	200 604		93128i	1898	246710	455707	184911		887 328	1818609
1899	248680	454830	207494		911OO4	1899	241396	446201	190495		878092	1789096
	Yerzehrungs-	Bau- und Brenn- materialien	Andere  Rohstoffe	Fertig-			Y erzehrungs-	Bau- und	Andere  Rohstoffe	Fertig-		
	gegenstände		und Halb- fabrikate	fabrikate			gegenstände	materialien	und Halb- fabrikate	fabrikate		
igoo1)	277604	33047	601756	188 289	1100696	1900	266493	18848	596273	170171	1051785	2152481
1901	275 253	22 801	586724	182203	1066981	1901	259735	11 192	571369	162452	1004748	2071729
1902	264139	22 902	597949	197969	1082959	1902	250252	12 170	593350	176239	1032011	2114970
1903	26l665	26318	704641	220067	1212691	1903	253897	13903	689900	199579	1157279	2369970
1904	261958	249IS	782459	226515	1295847	1904	255078	13508	769259	207 878	1245723	2541570
1905	295457	27445	760005	258352	i34i259	1905	294078	14114	727555	236497	I 272 244	2613503
1906	310308	28974	847189	309597	1496068	1906	309234	17798	847742	283089	1457863	2953931
1907	374934	32445	1015585	422848	1845 812	1907	354019	14503	975818	399069	I 743 409	3589221
1908	334713	31018	965948	356168	1687 847	1908	326945	13150	927544	338481	1606120	3293967
1909	352593	29942	956736	403453	1742724	1909	348131	15430	954899	386178	1704638	3447362

J) Seit 1900 Änderung der Statistik.
        <pb n="15" />
        ﻿lung des bremischen Warenhandels während der letzten
40 Jahre.

Man kann im Zweifel darüber sein, ob der Warenverkehr
Bremens mit Deutschland selbst in der Tabelle mit aufzunehmen
ist. An dieser Stelle hielt ich seine Berücksichtigung für ange-
zeigt. Bremen ist einer der wichtigsten Kanäle, die ein erheb-
licher Teil der Güter des Gesamtstaates, Deutschlands, benutzen
muß. Dieser Güterumlauf, wenngleich kein Gradmesser für den
Eigenhandel Bremens und auch nicht durch besondere Rührig-
keit herangezogen, gibt doch seinen Häfen ihr Gepräge, durch-
strömt sie mit belebender Kraft. Ganz Deutschlands Niedergang
und Aufschwung spiegelt sich im kleinen in den stillen Wassern
der Weser wieder. Die Zusammenstellung soll nicht das Wachsen
des spezifisch-bremischen Handels kennzeichnen, sondern ledig-
lich zeigen, in welchem Maße die Kräfte wuchsen, die das Weich-
bild der alten Stadt durchpulsen.

Nach Beendigung des Feldzugs zeigt sich eine lebhafte
Steigerung des Verkehrs, angeregt von gestiegenem Bedarf und
nicht zum wenigsten vom Goldstrom der Kriegsentschädigung
von fünf Milliarden. Der Höhepunkt fällt in das Jahr 1873, das
den Gesamtverkehr des ersten Kriegsjahres um 2/3 übersteigt und
sich zu ihm verhält wie 170:100. Aber der Aufschwung war zu
plötzlich und zu stark, um gesund zu sein, der Zufluß von Edel-
metall war allzu rasch und reichlich und war für unser Vaterland
von unseligen Folgen begleitet. Eine schwere, bis ins Jahr 1879
hinein fühlbare wirtschaftliche Krise trat ein. Die Statistik zeigt,
daß auch unser kleiner Freistaat an der Schädigung des Waren-
und Geschäftsverkehrs sein wohlgemessenes Maß hatte. Nach
sechs Jahren war der Umsatz von 1873 noch nicht wieder er-
reicht. Dann wird 1880 ein neuer Höhepunkt erklommen, der
mit geringen Schwankungen nach oben und unten bis zum Jahre
1888 unverändert bleibt. Von 1873 —1888, also in einem Zeit-
raum von i1/t Jahrzehnten, hatte sich der Gesamtverkehr um noch
nicht 40 Millionen Mark, d. h. um nur 3 3/4°/o erhöht, jährlich also
nur um ungefähr Vs%- Wenngleich fast das ganze vorletzte
Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts eine weltwirtschaftliche Flauheit
aufwies und diese wegen der überwiegend überseeischen Be-
ziehungen auf Bremen ganz besonders zurückwirkte, so befand
sich doch das Deutsche Reich vermöge seiner schnell wachsen-
den Bevölkerung und des kräftigen Aufschwungs, den seine junge
ausfuhrfähige und ausfuhrbedürftige Industrie nahm, in verhält-
        <pb n="16" />
        ﻿9

nismäßig günstiger Lage. Daß Bremen als das zweitwichtigste
Ausfalltor des Reiches seinen Warenumsatz in diesem Zeitraum
nicht zu vergrößern vermochte, bedeutet mehr als Stillstand, be-
deutet direkten Rückgang. Bremen schien unheilbarem Siech-
tum verfallen.

Da bringt das Jahr 1888 mit den kräftig einsetzenden Ar-
beiten der Weserkorrektion und dem Zollanschluß die sehnlichst
erwartete Besserung. Schon im nächsten Jahre ist ein Mehr von
über 200 Milhonen Mark zu verzeichnen. Wenngleich gelegent-
liche Rückschläge nicht ausblieben, hielt die günstige Entwick-
lungsrichtung seitdem im allgemeinen doch an. In den 15 Jahren
nach 1888 hatte sich der Verkehr schon verdoppelt, 1907 war er
auf das ß^fache desjenigen von 1888 gestiegen. Neben den
oben erwähnten beiden Gründen ist zweifellos auch die unter
Caprivi’s Führung 1893 einsetzende mitteleuropäische Handels-
vertragsära von günstigem Einfluß gewesen, da sie dem Handel
Ruhe und Stetigkeit für längere Jahre verbürgte. Besonders
das letzte Jahrzehnt stand unter einem günstigen Stern. Die Flut-
welle, die jetzt auch stolze Überseedampfer an die Stadt bringen
konnte, weckte tausendfältig neues Leben. Immer neue Lösch-
und Liegeplätze mußten gebaut und bereitgestellt werden. Erst
jetzt erwachte die alte Stadt, rang sich aus kleinstädtisch — mittel-
alterlicher Verträumtheit los und ist eine moderne Handelsstadt ge-
worden, die ihre Flagge stolz in den fernsten Meeren zeigt. Nicht
umsonst hat Bremen mit ungeheuren Kosten alle die Anlagen
geschaffen, die vom In- und Auslande mit Recht bewundert
werden.

Freilich ist bei der freudigen Genugtuung über die Steige-
rung der Werte des Warenhandels eins in Betracht zu ziehen.
Das ist der Umstand, daß das Geld in den letzten Jahrzehnten
entwertet ist, daß jetzt seine Kaufkraft weit geringer ist als bei-
spielsweise noch vor dreißig Jahren. Diese Entwertung hält noch
immer an. Wann sie zum Stillstand kommen wird, läßt sich noch
nicht sagen. Es ist hier nicht der Ort und liegt auch außer-
halb des Bereichs der Möglichkeit, schon jetzt, wo wir noch mitten
im Wirbel dieser Bewegung dahingerissen werden, anzugeben,
welches ihre eigentlichen Ursachen sind und insbesondere, in
welchem Umfange sie Platz gegriffen hat. Daß aber das Geld
(ebenso wie im Anfänge des vorigen Jahrhunderts) gegenwärtig
einen scharfen Entwertungsprozeß durchmacht, ist eine nicht weg-
zuleugnende Tatsache. Selbstredend ist diese Erscheinung nicht
        <pb n="17" />
        ﻿10

auf Bremen beschränkt, sondern gilt allgemein. Aber man sollte
sich hüten, den allerdings unverkennbaren Aufschwung des Welt-
wirtschaftslebens in allzu rosigen Farben zu malen, aus der großen
Steigerung der statistisch gefundenen Werte allzu sanguinische
Schlüsse zu ziehen. Wohl sind die Endzahlen gewachsen, aber
auch der Maßstab, den man an sie anlegen muß, ist größer ge-
worden. Dies wird leider noch übersehen.

Der bremischen Statistik folgend, habe ich die Teilung des
Warenverkehrs in die Bewegung von Verzehrungsgegenständen,
Rohstoffen und Halbfabrikaten, und Ganzfabrikaten beibehalten.
Die seit 1900 etwas geänderte Anschreibung kommt für die Be-
urteilung nicht in Betracht.

Während die Einfuhr der Verzehrungsgegenstände und
Fertigfabrikate in den letzten 40 Jahren dem Werte nach nur um
das 3—4fache stieg, hat sich diejenige der Rohstoffe und Halb-
fabrikate sehr viel kräftiger entwickelt. Von 120 Millionen i. J.
1868 sich in den beiden ersten Jahrzehnten nur verdoppelnd, hat
sie sich nach weiteren zwölf Jahren, 1900, schon verfünffacht.
Das letzte Jahrzehnt brachte wieder eine gute Verdoppelung des
Standes von 189g. Das mächtige Anwachsen des Bremer Baum-
wollhandels ist die Ursache davon. ■— Bei der Ausfuhr erscheint
in dieser Tabelle ein ganz ähnliches Bild. Ist doch Bremen für
solche Massenartikel nur Durchfuhrland mit verhältnismäßig sehr
geringem Eigenverbrauch.

Der Eindruck, den wir von dieser Tabelle entnehmen, ist
ein befriedigender. Das Anschwellen der Zahlen scheint ein
kräftiges Gedeihen des Bremer Handels, weltweite Ziele und
strotzende Gesundheit zu verbürgen. Gehen wir den Dingen
nunmehr etwas mehr auf den Grund.

Auf welchen Wegen wurden die Gütermengen in Bremen
angebracht und verließen sie die Stadt? Die folgende Zusammen-
stellung gibt Aufschluß darüber.

Zunächst fällt auf, daß das Gewicht der Einfuhr das der Aus-
fuhr bei weitem übersteigt. Da Bremen in seinen engen Landes-
grenzen keine irgendwie nennenswerte eigene bergbauliche und
landwirtschaftliche Produktion hat und haben kann, vielmehr auf
den Verbrauch eingeführter Waren angewiesen ist, so findet diese
auf den ersten Blick überraschende Erscheinung leicht ihre natür-
liche Erklärung. Aber wie steht es mit der Verteilung auf die
einzelnen Transportwege?

Aus der Betrachtung ausgeschieden kann der Eisenbahn-
        <pb n="18" />
        ﻿Seewärts Landwärts

1869

1870

1871

1872

1873

1874

1875

1876

1877

1878

1879

1880

1881

1882

1883

1884

1885

1886

1887

1888

1889

1890

1891

1892

1893

1894

1895

1896

1897

1898

1899

1900

1901

1902

1903

1904

1905

1906

1907

1908

1909

5036000
4125000
7169000

7	407 000
8907000

8	993 000
7615000
8545000
8523000
8901000

10287000

10927000

10	230000
9773000

10658000

10303000

9965000

9	389000
10822000

11	579000
13 832000
14659000
17 280000
15671000
16115000
17675000
19794000
19792000
22332000
23 755000
23818000
23723000
24478000
24851000
25923000
25 136000
28970000
29352000
35042000
30128000
30795000

4015000
3546000
3371000
3941000
4172000
4657000
4497000
4253000
4748000
4578000
5472000
6022000
6184000
6035000
6662000
6659000

6	510000
6999000
8094000
8 006 000

7	725000
8285000
8615000
8816000
9873000
8937000
9020000
9942000

10873000
10582000
11 541000
13195000
12348000
13483000
16045000
16 227 000
i59950oo
18091000
16819000
i7553o°o
18501000

1175 000
1068000
1170000

1	719000

2	040 000
1739000
2053000
1295000

831000
728000
824000
794000
886000
778000
797000
904000
1123000

1	286000
1628000
2478000
1362000
1856000
1773000
1653000
1659000

2	200000

2	311000
2828000

3	628000
3432000
3534000
3790000
3 636000
3683000
4967000
3 501000
5 021000
5143000
5 603 000
5017000
7 249000

10226000
8739000
11 710000
13067000
15119 000
15389000
14165000
14093000
14102000
14207000
16583000
17743000
17 300000

16	586000
18117000

17	866000
47 598000
17 674000
20544000
22063000
22919000
24800 000
27 668000
26140000
27647000
28812000
31125000
32 562000
36833000
37769000
38893000
40 708000
4O462 OOO
42 017 000
46935000
44864000
49986000
52 586000
57464000
52698000
56545000

2873000
2322000
2 882000

2	822000
3024000

3	206000
2787000
3052000
3628000
3 49!000
4730000
5047000
5 232000
5 289000

5	878000
6113000
6026000
6303000
6813000

6	792000
7750000
7995000
9554000
9395000
8974000
9244000
9894000

10358000
11 614000
12489000
13 217 000
14824000
14879000
16010000
18821000
18 157000
19179000
22482000
21458000
18936000
22 546000

2	144000
2371000
2915 000

3	694000

4734000
4769000
4630000
5795000
6154000

6	254000

7	298000
6685 000
7 168000
5977000
6 798000
6825000
6385000
5630000
5 898000
5726000
6979000
7983000
8937000
8614000
8805000
9138000

10854000
10708000
12538000
13 603000
13142000
13047000
12 256000

12	403 000

13	215000
13739000
15065000
15514000
16514000
15922000
16585000

254000
257000
337000
374000
223000
134000
177 000
286000
294000
386000
547000
549000
434000
450000
463000
480000
644000

553 000
689000
843 000
927000
968000
1094000
900000
863000
1376000
1494000
2 295 000
2052000
2 649000
2 446 000
2 759000
2615 000
2386000

2	744000
2335000
2946000

3	267000
3151000
2632000
3393000

5 271000
4950000
6134000
6890 000
7981000
8 109000
7594000
9133000
10076000
0131000
1257500°
12281000
12834000
11 716000
13 139000
13 418000
13055000
12486000
13400 000
13361000
15656000
16946 000
19585000
18909000
18642000
19758000

22	242000

23	361000
26 204000
28 741000
28805000
30630000
29750000
30799000
34780000
34231000
37 190000

41	263000
41123000

37490000

42	524000

transport werden: ausgehend wie einkommend befördert er un-
gefähr die gleiche Menge, m. a. W., es findet eine gute Aus-
nutzung seiner Transportmittel statt. Anders steht es mit dem
W asserverkehr.

Da Deutschland ein industrietätiges Land ist, zieht es aus

h Seit 1901 Nettogewicht, bis 1901 Bruttogewicht!
        <pb n="19" />
        ﻿12

dem Auslande, besonders dem überseeischen, Rohstoffe an sich,
die es für seinen Lebensunterhalt und für die Versorgung seiner
Industrie benötigt. Es bezahlt in der Hauptsache mit Fabrikaten.
Diese sind hochwertiger, aber leichter. Es wird sich bei der über-
seeischen Einfuhr unter normalen Umständen also stets ein er-
hebliches Mehr an Gewicht ergeben. In der Tabelle kommt dies
deutlich zum Ausdruck: das Gewicht der via mare eingeführten
Gütermengen verhält sich zu dem der ausgeführten ungefähr wie
3 : 2. Daran läßt sich nichts ändern.

Man sollte nun meinen, die Weiterverteilung der von Über-
see eingeführten hochgewichtigen, an sich geringwertigen Massen-
güter werde, wie es aus Gründen der billigen Verfrachtung zweck-
mäßig sei, möglichst auf dem Wasserwege, hier also der Ober-
weser, erfolgen. Die Statistik beweist jedoch das Gegenteil und
führt uns gleich eins der Schmerzenskinder Bremens vor, die
Oberweserschiffahrt. Sie sei wegen der Wichtigkeit, die die
Weser als Warenzubringer für Bremen hat, gleich hier kurz be-
sprochen.

4.	Die Oberweserschiffahrt.

Das Wesen einer Seehandelsstadt bedingt, daß sie den inter-
nationalen Zwischenhandel pflegt, daß sich die Warenströme des
In- und des Auslandes in ihr treffen, von ihr aus weiter geleitet
werden. Wie die Schiffahrtslinien als Zubringer im Seehandel
dienen und der Stadt aus allen Ländern der Welt die Waren
zuführen, die ihr »Hinterland« braucht, so muß sie andererseits
auch darauf bedacht sein, aus dem eigenen Lande möglichst viel
Waren heranzuziehen, die sie zur Wiederbeladung der entlöschten
Schiffe benutzen muß und in ihnen in alle Himmelsrichtungen
hinaussendet. Sie darf nicht auf einem Bein stehen, sondern muß
ihre Wurzeln so weit wie irgend möglich in den zugleich sie
nährenden und schirmenden Boden treiben. Dadurch wird der
Handel vor Einseitigkeit bewahrt und die Schiffsräumte besser
ausgenutzt.

Daß Bremen inbezug auf ein aufnahmefähiges und für die
Ausfuhr tätiges Hinterland von der Natur nicht begünstigt ist, ist
ja bekannt. Hamburgs mitteleuropäisches Hinterland erstreckt
sich, dem Laufe der Elbe, ihrer Nebenflüsse und der verschiedenen
Kanalsysteme folgend, bis weit nach dem Süden und Osten hin:
Die Elbe ist schon bis zur deutschen Grenze (Schandau) 750 km
weit befahrbar, die Provinz und das Königreich Sachsen, Berlin
        <pb n="20" />
        ﻿13

und Schlesien gewährleisten einen lebhaften, vielgestaltigen, un-
unterbrochenen Warenverkehr. Auf der anderen Seite strecken
die Rheinmündungsstädte, besonders Rotterdam, ihre merkantilen
Fangarme über Rheinland-Westfalen auf der von dem industrie-
tätigsten Gebiet Deutschlands flankierten größten und schönsten
Städtestraße der Welt nach Thüringen und Bayern hinein; die
Strecke Rotterdam—Mannheim ist 569, Rotterdam—Kehl 700 km
lang. Dazwischen liegt in engem Raum eingekeilt die Weser.
Sie durchströmt kein landwirtschaftliches Produktionszentrum und
berührt kein reiches Industriegebiet. Lokal begrenzt, von Kassel
bis Bremerhaven nur 462 km lang, und arm an Bevölkerung und
natürlichen Hilfsquellen ist ihr Stromgebiet. Dazu kommt, daß
sie ziemlich wasserarm ist. In trockenen Sommern können die
Kähne häufig nur bis zu einem Viertel ihrer Ladefähigkeit be-
laden werden und bieten der Seeschiffahrt keine Frachten, dem
Kaufherrn kein Handelsgut. Diese Verhältnisse drücken sich in
der Statistik deutlich aus.

Wie Bremen in wohlverstandenem eigenen Interesse den
Lauf der Unterweser begradigt und vertieft hat, so hat es auch
ihrem Oberlaufe seine Aufmerksamkeit zugewandt. Denn nach-
dem das großartige Franzius’sche Unterweserprojekt seiner
Vollendung entgegen ging, wurde es immer klarer, daß diese
verkehrsfördernden Arbeiten nicht bei Bremen Halt machen
dürften, sondern sich auf die ganze nur irgendwie befahrbar zu
machende Oberweser erstrecken müßten. Bedeutende Ver-
besserungen sind schon, z. T. auf Bremens eigene Kosten, ge-
schaffen. Aber noch viel bleibt zu tun, und eine durchgreifende
Wendung zum Bessern, zur Gesundung aller Verhältnisse wird
erst durch den Bau des Mittellandkanals eintreten, der nach Her-
stellung einer kurzen, leistungsfähigen Querverbindung Bremen
für die ganze Elbstrecke oberhalb Magdeburgs konkurrenzfähig
machen wird. Allerdings wird sehr viel auf die Höhe der Ab-
gaben (freier Verkehr auf der Elbe!) ankommen. Solange der
Kanal nicht bewilligt ist, bleiben alle Verbesserungen Stückwerk.
Das einzige, was Bremen vorläufig tun kann, ist, das Fahrwasser
zu vertiefen und bessere Llafen- und Umschlagsgelegenheiten zu
schaffen. Es soll hier nicht im einzelnen aufgezählt werden, was
in dieser Hinsicht (Verbesserung des Wasserweges, Herstellung
von Eisenbahnanschlüssen usw.) schon geschehen ist oder geplant
wird. Nachdem berufene Interessenten die Sache als ihren Lebens-
nerv berührend jetzt in die Hand genommen haben, darf man
        <pb n="21" />
        ﻿14

vertrauensvoll in die Zukunft blicken. Man wird auch hoffen
dürfen, daß die widerstreitenden Interessen von Städten, die sich
durch die Durchführung des Kanals bis zur Elbe geschädigt
glauben, überwunden werden.

Der wichtigste Umschlagplatz der Oberweser ist z. Z. Hameln,
doch wird ihm in Zukunft höchstwahrscheinlich Hann.-Münden,
am Zusammenfluß der Werra und Fulda gelegen, den Rang
ablaufen. Kassel liegt ungünstiger. Langjähriger Bemühungen
der beteiligten Kreise hat es bedurft, die Mündener Bahn- und
Umschlagseinrichtungen zu verbessern und auf die Höhe der
jetzigen Anforderungen zu bringen. Erst 1906 gelang das Werk
unter tatkräftiger Mithilfe des Norddeutschen Lloyd, und die Stadt,
die schon im Mittelalter der wichtigste Stapelplatz der Oberweser
war, hat jetzt endlich ihre Bedeutung zurückerhalten. Gestützt
auf vollkommene Eisenbahnverbindungen, ist sie bestimmt ein
Sammelpunkt zu werden, der die Güter aus weiten, dem Weser-
verkehr bis dahin verschlossenen Gebieten Mitteldeutschlands von
Elbe, Main und Rhein ab und an sich zu ziehen und sie weser-
abwärts nach Bremen zu verfrachten imstande ist. Es ist zu
hoffen, daß sie dem Oberweserverkehr die dringend nötige Be-
lebung bringen wird. Die Ergebnisse des letzten Jahres (1909)
scheinen diese Hoffnung ja zu bewahrheiten.

Vom Gesamtverkehr benutzten die Oberweser dem Gewichte

t

nach bei der

Jahr	Einfuhr	Ausfuhr	Durch-  schnittlich	Jahr	Einfuhr	Ausfuhr	Durch-  schnittlich
1888	II.2 °/o	6,3 %	9,4%	1905	10,0 %	7,9 %	9.1 %
1893	6,0 °/0	4,6%	5.4%	1906	9,8 %	7.9 %	9,0 %
1898	9,i %	9.2 %	9,i %	1907	9,8 %	7,7%	8.9%
1903	10,6 %	7,9 %	9,4 %	1908	9.5 %	7,o %	8,5 %
1904	7,8%	6,8 %	7,4 %	1909	12,8 %	8,0%	10,7 %

Der Anteil der Oberweserschiffahrt an der Güterbeförderung
ist also während dieses Zeitraumes ziemlich unverändert geblieben.
Aus den kleinen Schwankungen auf eine Tendenz schließen zu
wollen, wäre verfehlt, da äußere Umstände, wie Eisgang und
niedriger Wasserstand, von zu großem Einflüsse sind. Aber wenn,
wie dies häufig geschieht, »die erfreuliche Tatsache konstatiert
wird, daß der Ob er weser verkehr sich weiter gehoben« hat, so
sind diese Lobpreisungen auf das richtige Maß zurückzuführen:
prozentual ist bis 1908 keine Steigerung erfolgt. Für 190g
ist in der einkommenden Fahrt eine überaus scharfe Besserung
        <pb n="22" />
        ﻿i5

festzustellen, die etwa 30 % beträgt. Die Besserung darf man
wohl als den Beginn einer neuen, unter günstigerem Stern
stehenden Periode der Oberweserschiffahrt ansehen.

An der bewegten Gütermenge ist die Talfahrt stärker be-
teiligt als die Bergfahrt; die Flußschiffahrt bringt ungefähr doppelt
so viel Güter in Bremen an als sie von dort zu Berg bringt.
Es handelt sich eben um schwere, geringwertige Massengüter,
hauptsächlich um Rohstoffe und Baumaterialien — Abraumsalze,
Ziegelsteine, natürliche Steine und Zement. Unter den Ver-
zehrungsgegenständen des Talverkehrs steht Zucker als das zu-
gleich wertvollste und am leichtesten verderbliche Ladegut der
Oberweser obenan. Nächstdem kommen Roggen- und Weizen-
mehl. Das schwergewichtigste Ausfuhrgut (außer Zement) sind
gewöhnliche Hohlglaswaren.

Umgekehrt überragt der Bergverkehr den Talverkehr weit-
aus im Werte der eingenommenen Waren. Das Verhältnis stellt
sich ungefähr wie 2:3. Es betrug nämlich in 1.000 Mark die
Gesamteinfuhr von der	Gesamtausfuhr nach der

Oberweser nach Bremen	Oberweser von Bremen

1880;	9753	13341

1890:	23851	34425

1908:	28372	42041

1909:	358i5	57487

Die Hauptladegüter der die Oberweser benutzenden Ausfuhr
Bremens sind Getreide, Mehl, Reis und Tabak, daneben Schwefel-
kies, Leinsaat, Schafwolle, Jute und Petroleum.

Da zu Tal erheblich höhere Mengen befördert werden als
zu Berg, ergibt sich als notwendige Folge, daß auf der Bergfahrt
sehr viel mehr freie Räumte vorhanden ist. Zur Veranschau-
lichung sei auf die Tabelle III verwiesen.

Untersucht man, wie bei den beiden Verkehrsrichtungen die
Ladefähigkeit der Kähne ausgenutzt wurde, so ergibt sich:
auf jeden in Bremen ankommenden Oberweserkahn kamen i. J.
1888	durchschnittlich	197	t	wirkliche	Ladung

1908	„	223	t

auf jeden von Bremen abgehenden Oberweserkahn kamen i. J.
1888	durchschnittlich	68	t	wirkliche	Ladung

1908	„	119	t

Wenn man sich vergegenwärtigt, daß i. J. 1888 die Ladefähigkeit
der Weserböcke durchschnittlich ungefähr 300 t betrug, jetzt aber
auf ungefähr 500 t (1901 schon 425 t) gestiegen ist, so ist klar,
        <pb n="23" />
        ﻿—	16	—

Tabelle III.

Übersicht über die Schiffahrt auf der Oberweser (ohne Flöße).

Jahr	In Bremen kamen an						Von Bremen gingen			ab	
	beladen		leer		zus.	beladen		leer			zus.
	Schiffe	Reg.-  Tons	Schiffe	Reg.-  Tons	Schiffe	Schiffe	Reg.-  Tons	Schiffe	Reg.-  Tons		Schiffe
1867/71	852	66000	66	6000	918	483	43 00°	427	27	000	910
1872/76	927	80000	59	5000	986	371	37000	614	48	000	985
1877/81	400	44000	9i	9000	491	388	44 000	130	10	000	518
1882/86	498	57000	80	9000	578	402	53000	165	13	000	567
1887	894	111000	67	8000	961	552	87000	312	31	000	864
1888	I 191	178000	66	8000	1257	562	99000	675	85	000	1237
1889	843	126000	9i	14000	934	596	101000	339	39	000	935
1890	954	147000	78	10 000	1032	621	105000	343	42	000	964
1891	932	144000	94	14000	1026	663	110000	34°	44	000	1003
1892	1025	165 000	55	8000	1080	704	126000	37°	46	000	1074
1893	1134	173000	74	13000	1208	713	128000	472	55	000	1185
1894	1249	190000	I25	20 000	1374	826	148000	537	60	000	1363
1895	1207	184000	70	10 000	1277	805	144 000	45°	47	000	125s
1896	1231	201 000	130	20 000	1361	1000	182000	35°	38	000	1350
1897	1562	260000	113	18000	1675	1004	185000	618	86	000	1622
1898	1451	255000	188	35°°o	1639	1188	235000	408	51	000	1596
1899	1468	268000	i43	25OOO	1611	1199	240000	329	43	000	1528
IQOO	1549	280000	165	27OOO	1714	1291	257 000	383	46	000	1674
1901	1504	280000	194	35000	1698	1253	258000	437	55	000	1690
1902	1610	305000	122	I9OOO	1732	1194	244000	562	86	000	1756
1903	1959	377000	120	20 000	2079	1320	272000	745	120	000	2065
1904	I7V	343000	150	21 OOO	1865	1336	288000	536	79	000	1872
I9°5	2024	463000	94	18000	2118	1366	349000	753	!32	000	2119
1906	1988	qOQOOO	132	32 000	2120	1339	391000	756	144	000	2095
1907	2230	655000	98	21 000	2328	1506	473000	851	2 11	000	2357
1908	2113	644OOO	135	35000	2248	1425	462 000	79i	205	000	2216
1909	2814	905OOO	I I I	26000	2925	1618	544000	1239	368	000	2857

daß man selbst unter Berücksichtigung des Umstandes, daß die
Kähne in trockenen Sommern oft nicht voll beladen werden
können, diese Verhältnisse als gesund nicht bezeichnen kann.

Diese Verschiedenheit im Güterangebot kommt in den Fracht-
raten zu entsprechendem Ausdruck. Natürlich ist bei Festsetzung
der letzteren auch der Umstand von Belang, daß die Böcke bei
ihrer Talfahrt wenig oder gar keiner Schleppkraft bedürfen (der
Zeitverlust kommt meist nicht in Frage), also billiger arbeiten.
Selbstredend wirkt aber auch die zur Beförderung stehende Güter-
menge auf die Frachtraten bestimmend ein. Nach Metterhausen,
Die Oberweserschiffahrt im letzten Jahrzehnt; Kassel, 1902; S. 81
und 82 betrug die reine Schiffsfracht bergwärts nach den Haupt-
verkehrsplätzen durchschnittlich für Stückgüter etwa 2,7—3 Pf.,
für die billigste Massengüterklasse 1,8—2 Pf. für das Tonnen-
kilometer. Durchschnittsfrachtsätze für die Talfahrt kann man
        <pb n="24" />
        ﻿i7

nicht angeben; jedenfalls sind sie erheblich niedriger. Als Durch-
schnittssatz für Massenfrachten zu Tal glaubt Metterhausen etwa
1,0—1,3 Pf. pro Tonnenkilometer annehmen zu können.

5.	Wachsen des Verkehrs im Verhältnis zu Hamburg und
Ganzdeutschland.

Handel und Verkehr eines Wirtschaftsgebietes, sei es ein
einzelnes Gemeinwesen, sei es ein Weltstaat, können nur dann
richtig beurteilt werden, wenn man sie nicht losgelöst von allen
Konkurrenten betrachtet, sondern wenn man sie überall in Be-
ziehung bringt zu anderen Wirtschaftsgebieten mit ähnlichen
Lebensbedingungen und vergleichbaren Daten. Erst die Gegen-
überstellung der so sich ergebenden Zahlenreihen unter sorgfälti-
gem Abwägen aller besonderen Verhältnisse ergibt Anhaltspunkte
für eine wirklich objektive Beurteilung. Tabelle 4 bringt daher,
um einen solchen Vergleich (Tabelle 1) zu ermöglichen, eine Zu-
sammenstellung des Warenverkehrs des Deutschen Reiches und
Hamburgs, der nächsten und größten Rivalin Bremens.

Ich habe mich auf die letzten zwanzig Jahre beschränkt, da
dieser Zeitraum genügend Material bietet. — Auch bei Hamburg
bedeuten die Zahlen die Werte des Gesamthandels, einschließlich
dessen mit Deutschland. Die für das Deutsche Reich gegebenen
Zahlen stellen die Werte des Spezialhandels ohne Edelmetalle dar.
Zu bemerken ist, daß es eine Statistik über den Gesamtwert
des deutschen Außenhandels nicht gibt. Die sehr bedeutenden
Werte, die im Hamburger Freihafen erzeugt werden und von da
zur Ausfuhr ins Zollausland gelangen, werden statistisch noch
nicht erfaßt. Auch die eigene Hamburger Statistik hilft hier
nicht weiter. Es wird sich später noch Gelegenheit finden hier-
auf zurückzukommen. An dieser Stelle genügen aber die vor-
handenen Angaben, da es sich vorläufig lediglich darum handelt
festzustellen, ob Bremens Handel den allgemeinen Aufschwung
des Handelsverkehrs mitgemacht hat oder hinter ihm zurück-
geblieben ist.

Ausweislich der in Tabelle 5 gegebenen Verhältniszahlen
nun hat Bremen, was den Wert der insgesamt bewegten Waren
anbelangt, in den beiden letzten Jahrzehnten eine Steigerung auf-
zuweisen, die in Ein- wie Ausfuhr eine schärfer aufwärts führende
Kurve aufweist als Deutschland und selbst Hamburg. Während
sich der Wert des Außenhandels Deutschlands seit 1888 nur
etwas mehr als verdoppelte, der Gesamt waren verkehr Hamburgs

Gehrke, Bremens Warenhandel.	2
        <pb n="25" />
        ﻿Tabelle IV.

Vergleichende Übersicht über den Warenverkehr
Deutschlands und Hamburgs.

Deutsches Reich

(Spezialhandelx)
(Wert in 1000 Mark)

Jahr	Einfuhr	Ausfuhr	Gesamt	Einfuhr	Ausfuhr	Gesamt
1888	3270,7	3203,5	6474,2	2025,0	1 902,9	3927,9
1889	3 989.5	3164,8	7154,3	2 352,9	2 217,6	4570,5
1890	4I45.S	3326,5	7472,0	2582,1	2306,0	4888,1
1891	4150,8	3175,5	7326,3	2765,4	2436,2	5 201,6
1892	40x8,5	2954,1	6972,6	2606,7	2313,7	4920,4
1893	3961,8	3092,0	7053,8	2 728,0	2408,4	5 136,4
1894	3938,2	2961,5	6899,7	2651,2	2351,7	5 002,9
1895	4120,7	3317,9	7438,6	2852,6	2466,5	5319,1
1896	4307,2	3525,1	7832,3	2 990,2	2636,9	5627,1
1897	4680,7	3634,9	8315,6	3026,6	2693,4	5720,0
1898	5080,7	3756,6	8837,3	3244,4	2855,4	6099,8
1899	5483.x	4 207,0	9690,1	3323,1	3016,3	6339.4
IQOO	5765,6	4611,4	10377,0	3 804,3	3289,4	7093,7
1901	5421,2	4431.4	9852,6	3598,2	3218,4	6816,6
1902	5631,0	4677,8	10308,8	3767,6	33ii,8	7079,4
1903	§002,7	SOI4,7	I I 017,4	4036,1	3 547,9	7584,0
1904	6354,3	5 222,8	1 1 577,1	4179,7	3 774,8	7954,5
1905	7128,9	5 731.6	12 860,5	4687,0	4271,9	8958,9
1906	8021,9	6359,0	14380,9	5326,2	4763,5	10089,7
1907	8746,7	6845,2	15591,9	5839,2	5 182,6	11021,8
1908	7 664,0	6398,6	14062,6	5217,6	4 714,3	9931,9

Hamburg

(inkl. Handel mit Deutschland)
(Wert in 1000 Mark)

auf das 2%fache stieg, hat sich derjenige Bremens mehr als ver-
dreifacht. Gewiß ein erfreuliches Zeichen. Es beweist zweierlei.
Erstens, daß die dem politischen und industriellen Erwachen
Deutschlands folgende kolossale wirtschaftliche Expansion in erster
Linie die Hafenstädte befruchtete, dem Seehandel eine aus-
schlaggebendere Bedeutung gab; zweitens, daß unser kleiner Frei-
staat es vermochte, sich neben seinen naturbegünstigteren Rivalen
im allgemeinen zu behaupten, daß demnach die außerordentlichen
Anstrengungen und Kosten, denen bremische Tatkraft und bremi-
scher Wagemut sich unterzogen — und noch unterziehen müssen —,
nicht vergeblich gewesen sind.

6.	Bremens Äußenhandel: Einfuhr.

Gehen wir nunmehr zur Betrachtung des eigentlichen »Außen-
handels« Bremens, wenn man so sagen darf, über (Tab. VI).

*) Ohne Edelmetalle.
        <pb n="26" />
        ﻿19

Tabelle V.

Vergleichende Übersicht über den Warenverkehr Deutschlands,
Hamburgs und Bremens.

V erhältniszahlen

Jahr	Deutschlands			Hamburgs			Bremens		
	Einfuhr	Ausfuhr	Durch-  schnitt	Einfuhr	Ausfuhr	Durch-  schnitt	Einfuhr	Ausfuhr	Durch-  schnitt
1888	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO
1889	122	99	III	116	117	116	120	12 I	121
1890	127	104	&gt;15	128	I 2 I	124	136	&gt;37	136
1891	127	99	i&gt;3	137	128	132	&gt;37	138	&gt;38
1892	123	92	108	129	122	125	130	132	131
1893	I 2 I	97	109	135	127	&gt;3&gt;	&gt;3&gt;	&gt;3&gt;	131
1894	120	92	107	131	I24	127	126	130	128
1895	126	IO4	115	141	130	&gt;35	146	148	147
1896	132	HO	I 2 I	148	138	&gt;43	149	156	152
1897	&gt;43	113	128	149	142	146	162	165	163
1898	&gt;55	117	&gt;37	160	150	&gt;55	168	172	170
1899	168	131	150	164	&gt;58	l6l	165	170	167
1900	176	144	160	188	173	181	199	203	201
IQOI	166	138	152	178	169	&gt;74	&gt;93	194	194
1902	172	146	&gt;59	186	&gt;74	180	196	200	198
1903	184	157	170	199	186	&gt;93	219	224	221
1904	194	163	179	206	198	203	234	24I	237
1905	218	179	199	231	224	228	243	246	244
1906	245	199	222	263	250	257	271	282	276
1907	267	214	241	289	272	281	334	337	335
1908	234	200	217	258	248	253	305	310	308

Zusammenfassung nach 5- bezw. 3jährigem Durchschnitt.

Jahr	Deutsches Reich			Hamburg			Bremen		
	Einfuhr	Ausfuhr	Durch-  schnitt	Einfuhr	Ausfuhr	Durch-  schnitt	Einfuhr	Ausfuhr	Durch-  schnitt
1888/1892	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO
1893/1897	107	104	106	116	112	&gt;&gt;4	&gt;&gt;4	116	&gt;&gt;5
1898/1902	140	&gt;37	&gt;39	144	I4O	142	148	&gt;49	&gt;49
1903/1905	166	168	167	&gt;74	&gt;73	&gt;74	186	188	187
1906/1908	208	206	207	221	219	220	243	246	24S

Die relative Steigerung ist ziemlich die gleiche wie auf der
vorigen Tabelle. M. a. W., der Warenverkehr mit Deutschland selbst
ist bei beiden Städten anteilig genau von der gleichen Wichtigkeit.

Wenngleich Bremen relativ seine Schwesterstadt an der
Elbe überflügelt zu haben scheint, reicht es doch absolut an
die stolze Höhe des Hamburger Handels nicht entfernt heran;
letzterer ist über dreimal größer. — Die absolute Steigerung

2*
        <pb n="27" />
        ﻿20

Tabelle VI.

Hamburgs und Bremens Handelsverkehr mit Äußerdeutschland.

(Wert in 1000 Mk.)

Jahr	Bremens						Hamburgs					
	Einfuhr		Ausfuhr		Total		Einfuhr		Ausfuhr		Total	
1888	406 262	IOO	234485	IOO	640747	IOO	1078057	IOO	1 021581	IOO	2099638	IOO
1889	437672	108	275269	117	712941	III	1222638	&gt; &gt;3	&gt; &gt;5&gt; &gt;35	&gt;&gt;3	2373773	&gt;13
18901	504987	124	308318	131	813305	127	&gt;352045	125	I I9OOOO	Il6	2542046	I 2 I
1891	524990	129	281988	120	806978	126	&gt;490743	138	1 211584	&gt;&gt;9	2702330	I29
l8q?	467087	&gt;&gt;5	282478	120	749565	I&gt;7	1460290	&gt;35	I 120425	HO	2580715	&gt;23
1893	474535	&gt;&gt;7	282 223	120	756758	118	1526580	142	&gt; &gt;95735	117	2722316	130
1894	457 358	&gt;&gt;3	286692	122	744050	116	&gt;53&gt;164	142	I 120075	HO	2651239	126
189S	518671	128	340513	H5	859184	&gt;34	1625 664	&gt;5&gt;	I24O121	I 2 I	2865 786	136
1896	526096	129	3533D	151	879415	&gt;37	1662 873	&gt;54	1327316	130	2990188	I42
1897	594294	146	376873	Ibl	971167	152	1742017	162	&gt; 316099	129	3058114	146
1898	655046	l6l	343846	147	998892	156	1957666	182	1326884	130	3284550	156
1899	624887	154	347666	148	972553	152	1922178	178	1442873	&gt;4&gt;	3365050	160
1900	764561	188	440132	188	1204693	188	2 209074	205	1635720	l6o	3844796	183
1901	730 730	180	422447	180	1153 *77	180	2089837	&gt;94	1630912	160	3720749	177
1902	737°S9	181	452 203	193	1189262	186	2226760	20 7	&gt; 700383	166	3927 &gt;43	187
1903	854863	210	523651	223	1378514	215	2314078	215	1809938	&gt;77	4124016	196
1904	921348	227	S635H	24O	1484862	232	2471348	229	&gt; 9°5 647	187	4376995	208
1905	933 043	230	564587	241	1497630	234	2758460	256	2106110	206	4864570	232
1906	995 243	245	660014	281	1655257	258	3103037	288	2369427	232	5472464	261
1907	I 220931	301	855556	365	2076487	324	3476298	322	2512964	246	5989262	285
1908	1129367	278	786666	336	1 916033	299	3088213	286	2 292 898	224	538i in	256
1909	1116428	275	823605	351	1940033	3°3						

innerhalb des oben betrachteten Zeitraumes (bis einschließlich 1908)
betrug bei

Bremen	Hamburg

Einfuhr 723105000 Mk. Einfuhr 2010156000 Mk.
Ausfuhr 552181000	„	Ausfuhr	1271 317 000	„

Insgesamt 1275286000 Mk. Insgesamt 3281473000 Mk.
d. h. der tatsächliche Verkehrswertzuwachs Hamburgs überstieg
denjenigen Bremens bei der Einfuhr 23/4, bei der Ausfuhr 2x/4
und durchschnittlich 21/2 Mal! Selbst 1907, im Jahre der höch-
sten Konjunktur, erreichte der Wert des Handelsverkehrs Bremens
noch nicht die Summe, die der Handel Hamburgs vor mehr als
zwanzig Jahren aufwies! Die Gesamttonnage der in Bremen be-
heimateten Flotte will schlecht damit übereinstimmen, doch darauf
komme ich später zurück.

Tabelle 7 gibt ein Bild der Gliederung des bremischen
Einfuhrhandels.

Man erkennt zunächst, daß ungefähr 1/3 auf die Einfuhr von
Deutschland selbst entfällt; durchschnittlich etwa 15°/0 kommen
auf die Einfuhr vom übrigen Europa und ungefähr die Hälfte
        <pb n="28" />
        ﻿der ganzen eingeführten Waren hat ihren Ursprung in über-
seeischen Ländern. Es ist deshalb ohne weiteres klar, daß das
Wohl und Wehe unseres Handels von der glatten Abwickelung
dieser transatlantischen Verkehrsbeziehungen in höchstem Maße
abhängig ist und daß wir uns diese Quellen nicht verstopfen oder
abgraben lassen dürfen. Leider haben die letzten Jahrzehnte
hierin schon einen unliebsamen Wandel gebracht.

Lehmann-Felskowski (Bremen und die Entwicklung der
bremischen Häfen. Sonderabdruck aus »Deutschlands Häfen und
Wasserstraßen«, Berlin, 1905; S. 9) berichten: »Von der Gesamt-
einfuhr Hamburgs im Jahre 1887 von 3920000 Registertons
kamen 2815498 Registertons auf die europäische Fahrt und
1104736 Registertons auf die außereuropäische Fahrt. In
Bremen dagegen entfielen von der Gesamteinfuhr von 1 445 000
Registertons 509 334 Registertons auf die europäische Fahrt
und 935 349 Registertons auf die außereuropäische Fahrt.« Da-
mals also verhielt sich der transatlantische Verkehr Hamburgs
zur europäischen Fahrt etwa wie 1 :21/2, und bei Bremen war
das Verhältnis umgekehrt, etwa 2 :1. Auch die Handelskammer
erwähnt einmal (Bericht für 1882, Anhang [Gutachten über die
Weserkorrektion] S. 5): »Die Wareneinfuhr seewärts von europäi-
schen Plätzen bezifferte sich im Durchschnitt der Jahre 1877 —1881
in Hamburg auf 73, in Bremen auf 33% des Gesamtverkehrs. —
Die transatlantische Einfuhr repräsentierte im gleichen Jahres-
durchschnitt in Hamburg 12,4 und in Bremen 13,1 Millionen
Zentner.« Jetzt ist eine Verschiebung dahin eingetreten, daß Ham-
burg im überseeischen Verkehr Bremen seit 1887, wo es noch
auf annähernd gleicher Stufe mit ihm stand, weit hinter sich
zurückgelassen hat.

Die Einfuhr Bremens aus dem Deutschen Reiche seit
1869 weist eine stetig aufsteigende Linie auf. Das relative Ver-
hältnis zur Gesamteinfuhr hat sich während dieses Zeitraumes
etwas verschlechtert, doch ist das kein schlechtes Zeichen, sondern
liegt darin begründet, daß Bremen mehr zu einem internationalen
Handelsplatz geworden ist.

A.uch die Einfuhr aus dem außerdeutschen Europa ist
verhältnismäßig hinter derjenigen von Übersee zurückgeblieben.
Sie weist naturgemäß stärkere Schwankungen auf. Den relativen
Höhepunkt erreicht sie i. J. 1875 mit 25,8%, den tiefsten Stand

i.	J. 1908 mit nur 11,6%- Der absolute Höhepunkt der Periode
vor 1888 fällt mit 128V2 Millionen Mk. in das Jahr 1873. Erst
        <pb n="29" />
        ﻿22

oooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo  OOCOOOOOCOOOCOOOOl OOM	Ol  'O CO *V'J OlOx	W N H O 'S 00^4 OlOx 4» W M h Q 'O	Jahr
tu 0 COM Ul Ui Ol Ol Oi^4 N&gt; tU hh M W Ol OM (Ji O hh  Ox OOo	00	CO	OO	h	W	0104	vD	^	vO	W	00 tu	hh	m	v£) h	vO  CO O 00	M	\0	00	0	w	tn W	tu	tu	^-4	4*	4* ''U	hh	Q	OOißD	Ox  M tn \0 \0	hh	O	(O	tn	W W	4^	hh	O	Ox 00	014*	h w	00  hh\0 hh	O	O'	O	M	\£&gt;	M W	tu	N	'O	00	00 4“ vO	h	O'O'O	Deutsches  Reich
W W OJ W W W M W W W W tU tu MWWOJWOJOJW  4* 04 W tn N O vD tO O *h O 00*vj	i-( O O 4* 4» Ox 00  O’vJOlHHHH'vjHH^tHHOHHtUOiOOi Gl 4h Ui W M bo	%  Gesamteinfuhr
O 00 OO \0 \OHHOOO'OHHLOiOOt-HHHtUHHHH 01^4 h vO vD on tu tu 4* tu 0 wen w OJ -4» W 'O 001£) tu Q 4h  O4 wenvr4i4iUi'&gt;0-4i'0-fi-'-nM'0-4itn4i-4ienen hh  Oi Oi Oi O Ox h\DUi4^WMOjW Oi-4 O O Ox O tu 04 tu tu O' w W Ui O tu vO Ox O tu O Oi^J OOOx 4^ Ln 00 Ol	Übriges  Europa
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WMMMMMMMMMMMMMMWMMMhh tu vO *vj *vj Ln ^4 Ci Ci Oi Ci 4h hh mh to Ln	CO vD ^4 OMD  M Ui UJ UJ	hh	m	Ui	Ol	01^1 4h	0104	OOh	N\£)	O	M	MW  M O -P O	W	tu	Oi	ou	\D M M	VI 4^	OJ	\£)	w	ui	4i	U)	4i M  W »Ui\D	OlM	M	h	OOOx hh	OOOx	M	O	vß	M	lC	tu	04 tu  04 M’^4i-I\0	hh	1-1	1-1	Ci 00 tu	4* Ox	4^	(_n	tu	4-	Ln	i-i	OO Uri	Europa  zusammen
4.4»4iuiuiui4iuip.^ui4i4;‘uiuiuiuiuiuiuiui  4D OO pD 4* p tu LD 04 00*^1 hh lD 00 H M 4i 4i 000004 Ol  04 04 Ln O 00 Ln KO tu hh 00 40 hh tu 014* bi bl bl 4* "o Cr»	% der  Gesamteinfuhr
H-IHHHHhHHHHHHHHHHHI-IHHHHHHHHHHHHHHHHI-H  0040 M4^ 4i-	-P	VO	-P	00 00U1 Ul Ul	4^ H	4»	Ul	I-I	tu	iO	00  M O vt	CO Oi*vI	Ui	40	O	Oi O''	004*	M 04	Ui	04	O	O	40	40  40 tu 4^ Oi4* 4^ h tu h C\ OO Oi04 Ln Q Oi vD M OO OMO •P Ul 0	O	O	04	Ul	l-l	tu	04 Ul	CO C"!	l-l 40	tU	Ul	04	004	OV  tu tu Ol	04	tu	•'4	Ol'vj	0	OOO	O tu	00X4040	H	M	HD	0	Nordamerika
tu 04 04	tu	tu tu 04	tu 04	04	04	04 04 04	tU tU	tU	tU	tU	04	tu  CO tu 1-1	40	40 00 Oi	VO tu	04	04	014* 04	Ol 40	Vß	04	Oi	tu	Ol  04 Ol -P	04	O^Oi tu	GO Ol	tu	04	o 00 4*	OO tu	o	Ol	40	Ox	hh	% der  Gesamteinfuhr
*—l HH	HH	HH	HH HH	HH	1—1	1—1	HH	HH	1—1	1—1 1—1	1—1	HH	IU	IU	HH	HH  Ox o	tu	HH	Ol 4»	tu	H	M Ol	tu	0X0X04	01	Ol	IU	O	04	M	hh  40 00 0040 OX tu tu Ol 4- 04 OO tu Ol Ol 4^ Ol hh .p*. 0140 Oi  Ox ox	Ox	0x044^04	CPOi	OO	Cioi	o\i.o	-P	-P	i-i	00 '-I	OOi  40 4^	40	Oi	O i-i	h	M	04	tu	Oi	4	O hh	04	Ox	Ox	hh	040	4*	Mittelamerika  und  Westindien
tu hh tu tu 04 tu tu tu 04 tu tU040404040&gt;44 tu tu 04  4* COU4 04 04 OO "tu 04 h bovt Ux Ui h Ux W "tu H vb bl 4*	% der  Gesamteinfuhr
014404444040404 tu tu tu tu IU 04 04 04 tu tu tu  Ol tu	tu	0004	HH	OOlM	OI	ON-P*	0X40	OOO	O	O V	NOX  O Ol	hh	Ln ^4	ti	4	Ol CMu	tu	04	o C00104	V(M	00	HH  4* iD	O	O 04	iO	vl	i-i Oi	Oi	to	tu	00 tu	Ol tu	4D	Ox 04	ltx	hh  04 tu	ox	MVD	04	o	tu 4D	OOOX	Ox	Ox Oi	tU 04	M	O 4D	IU	O	Südamerika
00 Ol ^4 "vj 00 OO^U ^-4 Oi OnOx Oi Ox 0&gt; Ol CPOx OiOx vt *vt  04 &gt;40 Ox bi 00 "b 04 bn boox OiOi\bbu'ax«U'b|bu\04^04	% der  Gesamteinfuhr
HH  HH OO 014 04 4* -p. tu -4 014* 1U0J04OX404M4 tu hh  04 Ln	O HH Ol tu 4^- 04 00 Oi 04 Oi M M CO 004* l-l CJi-4*  O 4* 0140 04 CO OO tu hh oi O Oi tu tu CO « vi OOVI4D oi 0040 Oi &gt;-i 0040 hh 04 OwQ Ox OO 00 40 0104 tu 004^ Ox 00	Afrika
M HH HH O O O O O O M JH Q O Q M O O HH O O O •bj b» bu 00 "bl 40 boox bo bu 'boxbobjcbjiibj^bxCb^Ip.	7o der  Gesamteinfuhr
Ul 4 4	tu 04 04	04 04	4	4	tu tu	tu	HH tu	tu	tu	tu	tu	HH	tu  01M04004M014M	OiOi 04	\D	0004	Ol OO	OO	Ol	O	O  0140 \D	tu OI^J	M 4	Ox	CO	OOOx	04	0104	04	4^	4D	iO	tu  4 Ol 04	04 tu	4 VI	Oi	H	Ol Oi^J 4^ 4=*	hh	tu	4	O	00	40  010 4* CO OO O Oi O OOu O OO hh 04 00 40 04 iß tu 04 CO	Asien
OOM M ox Oi’vt Ol Ol 00 OOOX Ox C\4 Ox Ox Ux Oi Ol 04 Oi  4» bo bo bo bo 04 4a. 4C Ol4* OX 04 bibu 04 04 4i boboox 40	% der  Gesamteinfuhr
O^l^J	HH	tu tu HH	HH  -4	OOOX	0004	O VI 4	tu 04 tu OOO	0104 tu 04 VI tu tu  HH	o 04	0104	04 tu OX Ul	Ol OO 014- 4	HH Ol tu o 4 0140  tu 04 OX Ol Ol 0140 tu 4D	00 00 OOOX 4 M 04 4 04 04 Ox	Australien
hhhhmOO I OOOOOOOOOOOOOOO  Ol 04 04 tu H 1 tu tu HH HH HH HH tU 04 H Ul 4 W tU HH-4	% der  Gesamteinfuhr
W04MMMNMMIUMMMMMHtUtUMHHH  04	H	4) 04	4	4	0004	004C	tu tu	tu	HH	OO tu 4	0	4D4	4  Oi*hJ	o 04	04	OX	CO4h	•vj	hh	Oi4h	4D	04 vi Oi —	lux	-4	4^	40  04	O	Ql tU	''-1	04	00 O	OX	tU	014»	^4	00 tU Ox	O	^4	hh	mW  hh	o	04*42	w	HH -pH	''J	tu	iß ox	Ui	4	HH40	CO	o	04	4	VI  O O 4* hh 04 0104 h M vi 04 W 4 04 00 0140 04 hh hh ox	Transatlan- tische Einfuhr  zusammen
Ox ox ox 4 4 4 ox 4 Ox ox4uiUx44444444  O HH HH Q14D *vj tu Ol HH tu OOO hh CO tu Ul UI H h VJ 04 bj Ln b) bu OX bn bovO tu hh 4D 004h Oi4* 4* 4* ^4 O Ox	% der  Gesamteinfuhr

Tabelle VII.

Einfuhr Bremens (Wert in 1000 Mark).
        <pb n="30" />
        ﻿0v£)00'vD0'X)'£i00 OOOOCOOOOOCOOOOOOOOO
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Südamerika

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Gesamteinfuhr

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Gesamteinfuhr

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Gesamteinfuhr

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Gesamteinfuhr

Transatlan-
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Gesamteinfuhr



Tabelle VII (Fortsetzung).
Einfuhr Bremens (Wert in 1000 Mark).
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        ﻿24

i8gg und dann von igoi an wird dieser wieder überschritten.
Selbst der Höhepunkt des Jahres 1907 weist gegen 1873 nur
eine Steigerung von 1: 1,8 auf — ein Verhältnis, das ziemlich erheb-
lich hinter dem Durchschnitt der Steigerung der Gesamteinfuhr
zurückbleibt. Es ist also ein relativer Rückgang zu konstatieren.

Die »Einfuhr von Nordamerika« begreift bis auf einen
verschwindend geringen Rest diejenige aus den Vereinigten
Staaten in sich. Sie ist es, die dem Überseehandel Bremens, ja
der ganzen Stadt das besondere Gepräge gibt. Mehr als der
dritte Teil der gesamten Einfuhr, mehr als die Hälfte der außer-
deutschen Einfuhr kommt von dort. Nicht nur absolut, sondern
auch relativ sind die Handelsbeziehungen Bremens mit der Union
immer wichtiger geworden. Von ungefähr 1/i in den Anfangs-
jahren der Tabelle stieg der Anteil an der Gesamteinfuhr auf
jetzt fast 2/s. Bis 1908 überstieg sie sogar die aus Deutschland selbst,
und man empfindet, daß das Scherzwort, Bremen sei eine Vor-
stadt New-York’s, nicht der Berechtigung ermangelt. Die Ein-
fuhrkurve weist eine ruhige, gleichmäßige Führung auf. Daß
1908 trotz des Konjunkturrückganges und der starken Stockun-
gen im Handelsverkehr gegen das Vorjahr sogar noch eine Steigerung
aufweist, ist ausschließlich auf das Konto der großen Preissteige-
rung von Baumwolle zu schreiben und umgekehrt der Abschlag
des letzten Jahres auf eine ziemlich erhebliche Baumwollminder-
einfuhr. Im ganzen eine hocherfreuiiche Entwicklung — leider
gefährlich dadurch, daß bei den tausendfältigen regen Wechsel-
beziehungen die konvulsivischen Zuckungen im Wirtschaftskörper
eines Riesenreiches unmittelbar auf ein kleines Gemeinwesen
übertragen werden.

Als minder günstig ist die Entwicklung des mittel-
amerikanisch-westindischen Einfuhrhandels anzusprechen.
Relativ ist die Einfuhr von 4,2% des Gesamtwertes i. J. 1873 auf
jetzt i°/0 gesunken. Auch absolut bedeutet das Jahr 1873 den
Höhepunkt, denn die damalige Einfuhr übersteigt den Jahres-
durchschnitt des letzten Jahrzehnts um 1/3! Das ist eine überaus
traurige Entwicklung. Man soll sich nicht damit entschuldigen,
daß man sagt, jene kleinen Raubstaaten und die reiche Insel-
welt gerieten in eine immer größere politische und kommerzielle
Abhängigkeit von ihrem großen nördlichen Bruder. Dies ist ge-
wiß eine Tatsache, die zu klar ersichtlich ist als daß man sie be-
streiten dürfte. Aber wenn man die Ziffern des Hamburger
PTandels dagegen hält, kann man sie als Entschuldigung nicht
        <pb n="32" />
        ﻿mehr gelten lassen. Die Pflege der Beziehungen mit Mittel-
amerika ist von Bremen leider direkt vernachlässigt worden.

Auch der Handel mit Südamerika hätte sich reger ent-
wickeln können. Er zieht sich immer mehr nach Hamburg hin,
und es dürfte kaum zu viel gesagt sein, jene weiten, deutscher
Beeinflussung noch zugänglichen Gebiete eine Domäne Ham-
burgs zu nennen. Bremen ist trotz der Schiffsverbindungen, die
es durch den Norddeutschen Lloyd und die Hansa mit Brasilien
und den La Plata-Staaten unterhält, vollständig in den Hinter-
grund gedrängt worden. Vollends sein direkter Verkehr mit der
andinischen Küste ist gleich Null, die Hamburger Kosmos-Linie
hatte dort bis zur Zeit der erst in den allerletzten Jahren auf-
genommenen Expeditionen der mit dem Lloyd in enger Ver-
bindung stehenden Bremer Roland-Linie fast ein Monopol. Diese
Entwicklung ist um so mehr zu bedauern, als Südamerika, be-
sonders in der gemäßigten Zone, noch eine große Zukunft vor sich
hat. — Einfuhr und Ausfuhr gehen Hand in Hand, schon wegen
der Rückfrachten und der entstehenden bankmäßigen Verbindun-
gen. Wohin soll Deutschland seine Industrieerzeugnisse schicken,
wenn Nordamerika für uns verloren, im fernen Osten nach Voll-
endung des Panamakanals und nach Aufteilung der Absatzgebiete
des Stillen Ozeans die Tür zugemacht sein, Australien sich auf
eigene Füße gestellt haben wird? Dann wird unzweifelhaft Süd-
amerika erhöhte Bedeutung erlangen, und Bremen als der eine
der beiden deutschen Seehäfen muß deshalb darauf bedacht sein, sich
dort als Ersatz für schwere anderweitige Verluste schadlos zu
halten. — Daß sich die Einfuhr von Südamerika in den letzten
vierzig Jahren vervierfacht hat, will bei den kleinen Summen, um
die es sich handelt, wenig besagen. Viel schwerer fällt der relative
Rückgang ins Gewicht.

Bezüglich Afrikas entwickelten sich die Verhältnisse inso-
fern für Bremen etwas günstiger als es seine Einfuhr von dort
absolut und relativ vergrößern konnte. Sind die Erfolge auch
noch klein — es sind immerhin Erfolge, und diese verdienen her-
vorgehoben zu werden, um so mehr, da sie gegen eine über-
mächtige Konkurrenz erzielt wurden.

Die Entwicklung des asiatischen Einfuhrhandels
geht ihren ruhigen, etwas schwerfälligen Gang. Kein plötzliches
Emporschnellen oder Sinken der Zahlen. Kein freudiges, kräftiges
Vorwärtsstürmen. Man hat unwillkürlich den Eindruck: die
Steigerung erfolgt, nicht weil Bremen besondere Anstrengungen
        <pb n="33" />
        ﻿26

macht, sondern einfach deshalb, weil der Bedarf Deutschlands
an Erzeugnissen jener Gebiete gewachsen ist und ein Teil der
Waren naturgemäß auch über Bremen als den einen Anlaufhafen
der Dampfer (und Reissegler!) der Ost- und Südostasienfahrt
gehen muß. Man sollte meinen, die vom Lloyd eingerichteten
subventionierten Linien hätten für Bremen bezügl. der Einfuhr
befruchtender gewirkt. Daß die Lloyddampfer ohne Frachterhöh-
ung wechselweis auch Hamburg anlaufen müssen, war ein kluger
lokalpatriotischer Schachzug der Hamburg-Amerika-Linie.

i Um so erfreulicher mutet die außerordentliche Steigerung
der Einfuhr von Australien und seiner weiten Inselwelt an.
Unzweifelhaft haben die Lloydfahrten und ihre allmähliche, dem
tatsächlichen Bedürfnis zuerst kühn vorauseilende Ausgestaltung
als kräftigster Ansporn gedient. Eingerichtet wurden sie zuerst
i. J. 1886. Seit 1887 datiert dann eine plötzliche große Steige-
rung der Einfuhr. War sie bis dahin gänzlich unbedeutend ge-
blieben, ja sogar etwas zurückgegangen, so schnellt sie seit jenem
Jahre sprungweise auf. Schon 1895 hat sie sich ungefähr ver-
vierfacht. 1905 hat sich die Zahl von 1895 abermals verdoppelt
und ist seitdem noch schnell weiter gestiegen. Schon hat Austra-
lien die Einfuhr Bremens aus Afrika um das Mehrfache über-
holt und hat im letzten Jahre sogar diejenige aus Asien hinter
sich gelassen. Wenn irgendwo, so zeigt sich hier in vollster und
überzeugendster Deutlichkeit die Wahrheit des Wortes The trade
follows the flag (hier der Handelsflagge, der friedlich erobern-
den Kauffahrteischiffahrt).

Allerdings lagen und liegen noch die Verhältnisse in Austra-
lien für Bremen günstiger als die afrikanischen. Im dunklen Erd-
teil hat Bremen mit einer alteingeführten Konkurrenz Hamburgs,
die durch fast monopolistische Schiffsverbindungen unterstützt
wird, zu rechnen. ' Neueingerichtete direkte Frachtdampferlinien
können nur langsam einen Teil des Handels auf Bremen über-
leiten. Die Aufnahme des Kampfes gegen außerdeutsche Kon-
kurrenz wäre leichter, da naturgemäß jedem Lande mehr daran
liegt, neue Beziehungen zu fremden Ländern aufzunehmen, um
seinen Handel auf eine räumlich breitere Basis zu stellen, als
daran, innerhalb jener politisch abgegrenzten Gebiete ohne Er-
reichung von Vorteilen nur mit den Häfen zu wechseln. Ham-
burgs Beziehungen zu Afrika sind schon alt. Australien dagegen
trat überhaupt erst spät in den Kreis des deutschen Handels-
verkehrs ein, war auch für Hamburg terra nova. Daß es Bremen
        <pb n="34" />
        ﻿27

gelang, hier seinen Platz neben der Elbstadt ruhmvoll zu be-
haupten, darf als Beweis dafür angesehen werden, daß es im
transatlantischen Verkehr an sich überall und für alle
Einfuhrartikel dazu in der Lage ist.

7.	Bremens Außenhandel: Ausfuhr.

Die Gesamtausfuhr Bremens, einschließlich derjenigen nach
dem Deutschen Reiche, ist in Tabelle 8 dargestellt.

Die Ausfuhr nach dem außerdeutschen Europa macht
an und für sich einen ganz günstigen Eindruck. Bis in die Mitte
der 70 er Jahre des vorigen Jahrhunderts ziemlich auf derselben
Höhe geblieben, ließ sie die Kurve der absoluten Zahlen seitdem
scharf nach oben steigen. Auch ihr wertprozentualer Anteil an
der Gesamtausfuhr ist im Wachsen und erreichte 1908 seinen Höhe-
punkt. Die Beendigung der Unterweserkorrektion und der darauf-
hin erfolgende Ausbau der europäischen Schiffahrtslinien, die nun
in Bremen-Stadt einen lange vermißten Stützpunkt fanden, haben
zweifellos das Hauptverdienst an dieser Entwickelung zu bean-
spruchen. Ich will hier noch nicht weiter untersuchen, ob nicht
die Steigerung absolut und relativ eine noch höhere hätte sein
müssen. Im Verhältnis zur übrigen Ausfuhr schneidet die
europäische Ausfuhr jedenfalls günstig ab.

Um so unerfreulicher hat sich die Ausfuhr nach Nord-
amerika entwickelt. Von 21,9°/0 der Gesamtausfuhr i, J. 1869 ist
sie auf 9,1% i-J. 1908 gesunken, nachdem sie in den ersten Jahren
dieses Jahrhunderts gar noch zu einem geringeren Prozentsatz be-
teiligt war. Der Stand der Ausfuhr von 1872 wurde erst seit
1905 wieder unwesentlich überholt; in den dazwischen liegenden
32 Jahren war er nicht weniger als 28 mal unterschritten worden.
Es muß sogar bezweifelt werden, daß die geringe absolute
Steigerung der letzten paar Jahre wird durchgehalten werden
können. Es hängt dies mit von den Wegen ab, die die Zollpolitik
der Vereinigten Staaten einschlagen wird.

Deren hochschutzzöllnerische Bestrebungen sind allgemein
bekannt. Ebenso, daß sie die Ausfuhr des Deutschen Reiches
nach dort auf wichtigen Industriegebieten z. T. schon ganz erheb-
lich zurückgedrängt haben. Diese Tatsachen müssen selbstredend
auch in den Ausfuhrzahlen Bremens zum Ausdruck gelangen. So
ist der Rückgang der bremischen Ausfuhr um rund 20°/0, der
1891 zu verzeichnen ist, auf das Konto des 1890 in Kraft ge-
tretenen Mc Kinley-Tarifes mit seinem ausgesprochen protek-
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Tabelle VIII.

Äusfuhr Bremens (Wert in iooo Mark).
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        ﻿Tabelle VIII (Fortsetzung).
Ausfuhr Bremens (Wert in 1000 Mark).
        <pb n="37" />
        ﻿3°

tionistischen Charakter zu setzen. So bewirkt die Wilson’sche
Zollermäßigung von 1894 schon im nächsten Jahre ein Aufschnellen
der Ausfuhr über den bis dahin erreichten Höchststand. So wirft
1897/98 der Dingley-Tarif mit seiner erneuten Zollerhöhung, be-
sonders für Woll- und Baumwollwaren, die Ausfuhr wieder um
33°/0 zurück! — Wenn man aber die bremischen Zahlen mit den
hamburgischen und gesamtdeutschen vergleicht, so zeigt sich doch,
daß Bremen hier zurückgeblieben ist, daß sein Ausfuhrhandel
nach der Union mit dem hamburgischen nicht Schritt zu halten
vermochte (vergl. S. 39 und Tabelle 13).

Betreffs Mittelamerikas ist wenig zu sagen. Hamburg
sitzt dort zu fest im Sattel als daß Bremen noch viel Aussicht
hätte neben ihm mehr Fuß zu fassen, Wohl hat es in den letzten
Jahren an Bestrebungen in dieser Richtung nicht gefehlt, wie
denn auch z. B. der Norddeutsche Lloyd 1901 eine westindische
Linie einrichtete, aber leider sind sie bislang nicht von besonderem
Erfolge gekrönt worden.

Anders in Südamerika. Dort ist ein Erfolg unverkennbar.
Er setzte mit der Einrichtung der Lloyd- und Hansafahrten in den
70er Jahren ein. Bis 1890 zwar steigen die Zahlen nur langsarm
doch hat sich die Ausfuhr seitdem verfünffacht und arbeitet
weiter unter günstigen Bedingungen.

Auch der bremische Handel nach Asien hat gute Fort-
schritte gemacht. Bemerkenswert ist, daß er sich von 1869 bis
1885 in minimalen Grenzen hielt und trotzdem einen tatsächlichen
Rückgang erlitt. 1886 setzt dann eine kräftige Aufwärtsbewegung
ein, bedingt durch die Aufnahme regelmäßiger Fahrten nach dem
fernen Osten durch den Norddeutschen Lloyd: am 30. Juni 1886
verließ der erste Reichspostdampfer, die „Oder“, Bremerhaven zur
ersten Fahrt nach Ostasien, 14 Tage später der „Salier“ zur ersten
Reise nach Australien. Bereits nach zwei Jahren trat eine Ver-
zwölffachung der Ausfuhr ein, und die Steigerung hat seitdem
angehalten.

Auch in der Ausfuhr nach Australien bedeutet die Auf-
nahme der Reichspostdampferfahrten eine entscheidende Wendung
zum Besseren. Wenn sie sich nicht in dem Maße gehoben hat
wie die nach Asien, so ist das darauf zurückzuführen, daß Australien
sich inbezug auf Volkszahl und Kaufkraft nicht entfernt mit Süd-
ostasien, dem bedeutendsten Bevölkerungsverdichtungsgebiet der
ganzen Erde, messen kann.

Daß es Bremen gelang, vor nunmehr gut zwanzig Jahren
        <pb n="38" />
        ﻿oi

die regelmäßigen Fahrten nach Ostasien und Australien ein-
zurichten, ist vielleicht seine Rettung gewesen. Fiel der Verkehrs-
zuwachs doch gerade in eine überaus kritische Periode, in eine
Zeit, wo Bremen verurteilt schien, seine Rolle als Seehandelsstadt
mit derjenigen eines unbedeutenden Binnenplatzes in verkehrs-
armer Gegend zu vertauschen. Und ferner trugen die Fahrten
der Reichspostdampfer dazu bei, den Handel Bremens von allzu-
großer räumlicher Einseitigkeit zu befreien. Sie schufen ein
Gegengewicht zum nordamerikanischen Verkehr, der 1885 noch
4/s der gesamten transatlantischen Ausfuhr absorbiert hatte; jetzt
befördern sie schon 1/3 der transozeanischen Ausfuhr, während der
Anteil Nordamerikas an dieser auf etwa 50%, zurückgegangen ist.

Die Tabelle 9 stellt das relative Wachstum der Wertzahlen
des Ein- und Ausfuhrhandels Bremens dar.

Als Vergleichsjahr wurde 1888, das Anfangsjahr der letzten
zwanzigjährigen Periode, genommen und dessen Handelswerte
überall gleich 100 gerechnet. So ergibt sich, wenn man die Tabelle
etwas erläutern darf:

Die Gesamtüberseeeinfuhr ist relativ stärker gestiegen als die
Gesamtüberseeausfuhr. Im großen und ganzen ist erstere auch
weniger Schwankungen unterworfen. Die Mißernte — es handelt
sich bei ihr ja hauptsächlich um Naturerzeugnisse —- eines Teiles
der Welt wird durch erhöhten Bezug aus andern Ländern ziem-
lich ausgeglichen. Die Ausfuhr dagegen, d. h. in erster Linie der
Verbrauch von Fabrikaten, ist von vielerlei Umständen beeinfluß-
bar. Bei der tausendfältigen Verschlingung und Verwebung der
wirtschaftlichen Fäden, die von Land zu Land, von Erdteil zu
Erdteil hinüber und herüber laufen, wirken Depressionen des
Handelslebens eines Erdgebietes nachteilig auf die Kauflust und
Aufnahmefähigkeit weitester Gebiete ein. Dies gilt auch von Be-
unruhigungen des Handels, die durch vielleicht nur erst beab-
sichtigte Änderungen der Gesetzgebung, wie Ein- und Ausfuhr-
verbote, Zoll- und Verzollungsänderungen usw., hervorgerufen
werden.

Über dem Durchschnitt hielt sich die Einfuhr von Nord-
amerika und Australien (im letzten Jahre auch Afrika) und die
Ausfuhr nach Mittelamerika, Südamerika, Afrika, Asien und
Australien. Den Durchschnitt der Steigerung nicht erreichten die
Einfuhr von Mittel- und Südamerika, Asien und Afrika, (abgesehen
vom letzten Jahre) und die Ausfuhr nach Nordamerika.

Selbstredend muß man sich zur Berichtigung seiner Meinung
        <pb n="39" />
        ﻿Tabelle IX.

Relativzahlen des bremischen Ein- und Äusfuhrhandcls von Übersee.

Jahr			E i n f u h					Ausfuhr						
	Nord-  amerika	Mittel-  Amerika	Süd-  Amerika	Afrika	Asien	Australien	Durch-  schnittlich	Nord-  Amerika	Mittel-  Amerika	Süd-  Amerika	Afrika	Asien	Australien	Durch-  schnittlich
1869	45	107	59	17	42	17	47	74	135	21	58	13	8	58
1873	77	204	72	45	60	28	76	98	254	32	58	4	7	76
1878	79	141	57	28	49	3	71	61	106	42	75	IO	9	51
1883	98	113	95	5°	75	12	91	86	H5	107	74	5	13	75
1888	100	100	100	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO	IOO
188g	94	147	129	132	116	133	106	109	137	102	167	118	83	108
1890	117	138	143	HO	119	254	125	132	154	78	112	131	80	123
1891	ii4	153	193	118	144	148	131	106	91	83	78	107	79	101
1892	100	140	144	146	130	149	114	129	160	97	103	HO	53	117
1893	102	161	181	122	102	226	118	HO	192	99	190	164	6l	113
1894	98	154	136	n8	IOO	236	109	108	163	107	87	205	92	117
1895	ns	i4i	158	137	HO	351	127	152	97	108	128	201	95	147
1896	121	117	163	179	105	314	130	134	90	130	133	258	143	147
1897	149	m	167	141	128	3°8	151	143	x33	119	166	239	155	152
1898	165	141	209	130	122	411	169	94	107	130	151	241	145	117
1899	152	134	174	163	130	322	155	83	134	113	178	265	136	HO
1900	206	179	238	108	146	393	202	98	IO4	IOO	290	299	196	128
IQOI	205	142	189	112	133	254	188	85	90	145	280	287	183	121
1902	198	142	172	119	148	333	186	IOO	278	148	347	268	155	130
1903	233	ns	210	158	165	425	218	113	248	182	294	329	165	150
1904	265	148	195	145	I70	465	239	III	251	191	245	364	167	152
1905	259	153	193	207	138	682	237	129	327	213	328	445	153	176
1906	265	144	228	180	l6l	919	254	164	428	281	512	4IO	J79	208
1907	326	153	283	244	198	1123	312	236	459	382	559	449	264	280
1908	327	147	224	189	180	866	294	158	518	360	581	445	343	230
1909	286	153	253	357	158	1204	282	209	672	369	559	424	316	265
        <pb n="40" />
        ﻿33

stets die absoluten Zahlen mit vergegenwärtigen. Es ist klar, daß
sich der Handel mit Ländern, wo er schon eine gewisse Höhe oder
gar Sättigung erreicht hat, relativ nicht in dem Maße heben kann
wie solcher mit Ländern, die, wie Australien z. B., zur Zeit des
Beginns der Vergleichsperiode in einem nennenswerten Waren-
austausch mit Bremen überhaupt noch nicht standen. Man ver-
gleiche also hierbei die Tabellen 7 und 8.

Es ist eine schon kurz erwähnte Tatsache, daß die Einfuhr
Deutschlands sowohl wie Bremens dem Werte und der Menge
nach die Ausfuhr nicht unbedeutend übersteigt. Wenn nun auch
eine passive Handelsbilanz für Deutschland keine Gefahr bedeutet,
weil das Ausland auch Deutschlands Transportleistungen bezahlen
und ihm die von ihm hergegebenen Gelder verzinsen muß, so ist
es für einen Speditionsplatz, wie Bremen einer ist, doch wünschens-
wert, daß Ein- und Ausfuhr sich möglichst das Gegengewicht
halten. Nicht nur wegen der Rentabilität der Schiffahrt (Rück-
frachten in ausgehender Fahrt) wegen besserer Ausnutzung des
Schiffsraumes, sondern auch deshalb, weil an der Fabrikatausfuhr
von den Handelshäusern in den Seestädten in der Regel am
meisten verdient wird. Es muß also danach gestrebt werden, mög-
lichst viel der für das Ausland via mare bestimmten Waren über
die eigene Stadt zu leiten. Wenn auch die Zufuhrwege von
Binnendeutschland und überhaupt von dem innerkontinentalen
Europa andere Plätze, besonders Hamburg und Rotterdam, mehr
begünstigen — unbestreitbar ist doch, daß diese Schwierigkeit
überwunden werden kann, wenn der Fabrikant einfach gezwungen
ist, seine Güter nach einem bestimmten Platze, in diesem Falle
nach Bremen, zu verfrachten. Der binnendeutsche, österreichische
und schweizerische Fabrikant tritt aus verschiedenen schwer-
wiegenden Gründen nur in den seltensten Fällen mit überseeischen
Interessenten in unmittelbare Verbindung: das Handelshaus des
Hafenplatzes ist es, das sie herstellen und pflegen muß; der
Exporteur an der Wasserkante sucht für die binnenländischen
Industrieerzeugnisse im Auslande Absatz, um daran die »Kommission«
(seltener kauft er auf eigene Rechnung) zu verdienen. Also liegt
es sehr wohl in der Hand einer Seestadt, den Verkehr nach
drüben in manchen Artikeln an sich zu ziehen, wenn ihre Kauf-
mannschaft genügend Kapital, Unternehmungsgeist und weiten
Blick besitzt. Zum sinnfälligen Ausdruck kommt dies in dem
Größenverhältnis, in dem Ein- und Ausfuhrhandel zu einander
stehen.

Gehrke, Bremens Warenhandel.

3
        <pb n="41" />
        ﻿



Jahr	Nord-  Amerika	Mittel-  Amerika	Süd-  Amerika	Afrika	Asien	Australien	Total  Außer-  europa
1869	43-5	18.0	10.0	25-5	9.0	38.0	34-°
1873	37-o	18.0	12.0	II.O	2.0	25-5	29.5
1878	26.5	n-5	18.5	21.0	5-5	77.0	23.0
1883	29.0	18.5	26.0	12.5	2.0	58.0	25-5
1888	32.0	15.0	23.5	10.0	22.5	57-o	29-5
1893	33-5	17.0	14-5	13-5	31-5	26.5	28.5
1898	21.0	n-5	16.0	10.5	36.0	32.0	22.5
1903	18.5	26.5	21.0	15-5	36-5	34-°	22.0
1908	18.5	38.0	33-o	23-5	41-5	34-5	24-5
1909	25-5	43-5	31.0	13-5	43-5	25-5	28.0

Wie aus der Tabelle hervorgeht, ist der Anteil der Ausfuhr
am gesamten Überseehandel von 34 °/0 i. J. 1869 auf 2 g1 j2°l0 i. J.
1888 und gar auf 22% i. J. 1903 gesunken, um sich bis 1909 wieder
auf 28% zu erhöhen, M. a. W.: 1869 verhielten sich Ein-
fuhr : Ausfuhr wie 2/s : Vs&gt; 19°3 w*e Vs : Vs» 19°8 w’e V4 : Vi- Die
relative Besserung des Jahres 1909 dürfte ausschließlich dem
Sinken der Baumwolleeinfuhr zuzuschreiben sein. Hauptursache
an diesem Ergebnis ist die schon kurz erwähnte Stagnation des
Ausfuhrhandels nach den Vereinigten Staaten. Es ist schon ge-
sagt, daß zwar einer Hebung die ungeheure industrielle Entwicklung
und merkantile Expansionsfähigkeit und -notwendigkeit der Union
hemmend entgegentritt, daß aber Bremen auch aus eigener Schuld
ganz entschieden durch Hamburg in den Hintergrund gedrängt
worden ist. Genauer soll im besonderen Teile, bei Besprechung
der Handelsbeziehungen zu den einzelnen Ländern, darauf ein-
gegangen werden.

Von den anderen Erdteilen weisen Afrika und Australien
einen kleinen relativen Rückgang der Ausfuhr auf, jedoch bei
weitem nicht in dem beunruhigenden Maße wie Nordamerika. Im
Verkehr mit Mittelamerika einschließlich Westindien, Südamerika
und Asien ist ein prozentual stärkeres Wachsen der Ausfuhr- gegen-
über den Einfuhrwerten festzustellen. Besonders der letztgenannte
Erdteil fällt angenehm auf.
        <pb n="42" />
        ﻿8.	Anteil Bremens an Deutschlands Außenhandel.

Als Schluß dieser allgemeinen Betrachtung bringe ich in
Tabelle 11 eine kurze zahlenmäßige Darstellung über die prozentualen
Anteile, die Bremen und Hamburg als die beiden weitaus wichtigsten
Hafenstädte Deutschlands an dessen Gesamtverkehr haben.

Tabelle XI.

Prozentualer Anteil Bremens und Hamburgs
am außereuropäischen Gesamtaußenhandel des Deutschen Reiches.

Einfuhr von

	1906		1907		1908	
	Bremen	Hamburg	Bremen	Hamburg	Bremen	Hamburg
Asien		12 %	65%%	11 %%	63 %	I3 %	58%%
Nord- und Mittelamerika	35%%	44 %	38%%	42	%	40	%	42 %%
Südamerika		I°%%	7°%%		66 %	10 %	67%%
Afrika		6 %	64	%	6%%	67 %	6 %	7° %
Australien		38 %	36%%	35%%	35%%	34%%	37%%
Außereurop. Gesamteinfuhr	23	%	56 %	24	%	54 %	25	%	53%%

Ausfuhr nach

	1906		1907		1908	
	Bremen	Hamburg	Bremen	Hamburg	Bremen	Hamburg
Asien		17%	83%%	i7%%	76%%	19%%	78 %
Nord- und Mittelamerika	2i%	58	%	28 %	57 %	25	%	59%%
Südamerika		9%	85 %	i°%%	85 %	I3 %	86 .%
Afrika		3%	98%%	3 %	96%%	3 %%	100	%
Australien		2 7%	70%%	38	%	67%%	5i %%	64 %
Außereurop. Gesamtausfuhr	16%	73 %	20 %	7i %%	20 %	74 %

Durchschnittsanteil am deutschen Warenhandel
(Einfuhr und Ausfuhr) mit Außereuropa.

Bremen; 1906: 20V2%; 1907: 23%; 1908; 231/ä0/„■
Hamburg: 1906; 61 V2%; 1907: 59%; 1908: 59 Va0/«-
Wie schon oben erwähnt, kann man die Handelsstatistik der
beiden Hansastädte nicht ohne weiteres mit der des Deutschen
Reiches vergleichen, da aus der hamburgischen Statistik die sehr
bedeutenden Mengen und Werte des im Hamburger Freihafen für
deutsche Rechnung sich vollziehenden Handels, die man der Zoll-
gebietsstatistik zuschlagen müßte, um eine vollständige deutsche
Handelstatistik zu erhalten, nicht ermittelt werden können. Eine
genaue Beantwortung der Frage, wie hoch der Anteil Bremens

3*
        <pb n="43" />
        ﻿36

am gesamten Außenhandel Deutschlands ist, ist daher z. Zt. leider
nicht möglich. Können doch noch Unklarheiten entstehen wie die
folgende:

Ausfuhr Hamburgs (1t. dessen Statistik) nach

Australien i. J. 1908..................44096000 Mk.

Ausfuhr Bremens (1t. dessen Statistik) nach

Australien i. J. 1908	......	35294000 „

Demnach beider Ausfuhr zusammen i. J. 1908	79390000 Mk.

Die Reichsstatistik weist dagegen nur einen Gesamtausfuhr-
wert von 68823000 Mk. auf! Dies ist jedoch ein besonders
krasser Fall. Wenn ich deshalb die kleine Tabelle ausgerechnet
habe, so geschah dies, weil aus ihr wenigstens annähernd (auf
x/3 oder 1 Prozent kommt es hier wirklich nicht an) der Anteil
der beiden großen Handelsstädte am außereuropäischen Waren-
handel des Deutschen Reiches ersichtlich ist. — Selbstredend
mußte bei der Reichsstatistik diesmal der Gesamteigenhandel be-
rücksichtigt werden.
        <pb n="44" />
        ﻿II. Besonderer Teil.

1. Handel mit Nordamerika.

Nachdem wir uns so ein Bild von der allgemeinen Handels-
entwicklung Bremens gemacht haben, wollen wir zur näheren
Betrachtung der einzelnen Teile übergehen und gleich mit dem
wichtigsten beginnen, mit Nordamerika.

Tabelle XII.

Bremens Warenverkehr mit Nordamerika bewegte sich (Werte in
1000 Mk.) in folgenden Grenzen:

Jahr	Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhr-  überschuß	Jahr	Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhr-  überschuß
1869	89 660	68 965	20 695	1905	515 3°9	119 881	395 428
1878	158 680	56 778	101 902	1906	527 202	152 557	374 645
1888	199 252	92 861	106 391	1907	648 968	218 813	430155
1898	329 772	87 370	242 402	1908	651130	146 318	504 812
1903  1904	464 069  527 516	i°5 347 102 835	358 722 424 681	1909	570 252	194 518	375 734

Nur ein Bruchteil dieses Verkehrs entfällt auf Canada, den Rest
absorbieren

Die Vereinigten Staaten von Nord-Ämerika.

Sie nehmen im Warenhandel Bremens weitaus die wichtigste
Stelle ein, eine Tatsache, die bei der Nähe und der jetzigen Welt-
stellung Hamburgs schwer erklärlich scheint. Man müßte eigent-
lich annehmen, daß Hamburg gerade im Verkehr über die Breite
des Atlantik hinüber, der vorläufig absolut wichtigsten Weltver-
kehrsstraße, Bremen weit überflügelt hätte. Daß dem nicht so
ist, ist der Ausfluß einer langen Entwicklung.

Es ist bereits erwähnt, daß die Hansastädte schon seit dem
amerikanischen Unabhängigkeitskriege Handelsbeziehungen zu
den östlichen Staaten der Union angeknüpft hatten. Da es sich
zunächst um die Vermittlung des Verkehrs durch Segler handelte,
die nur einen geringen Tiefgang besaßen, so war Bremen damals
gegen Hamburg wenig im Nachteil. Im Gegenteil, es gelang
        <pb n="45" />
        ﻿38

schon früh, den Hauptstrom der Auswanderer über Bremen zu
lenken (»Einige Worte über Bremens Handel. Von einem Bremer
Kauf manne« [F. A. Delhis]. Bremen, 1841; S. 5). Dazu kam,
daß Bremen schon damals für die beiden derzeitigen Haupterzeug-
nisse der Union, Tabak und Baumwolle, einen nennenswerten
Markt hatte, während Hamburg mehr den Handel mit »Kolonial-
waren« aller Art pflegte und vornehmlich Rohzucker und Kaffee
einführte. Darum war es natürlich, daß (Neubauer, Der Nord-
deutsche Lloyd; 50 Jahre seiner Entwicklung. Leipzig, 1907,

S.	6/7) »die Schiffahrt über Bremen nach Amerika in jener Zeit
einen breiteren Raum für sich beanspruchte als die Schiffahrt
über Hamburg. Bis in die Mitte der 50 er Jahre des vorigen
Jahrhunderts ist dies Übergewicht sehr erheblich geblieben. 1854
beispielsweise gingen von der Weser 382 Schiffe mit 174600
Registertonnen nach Nordamerika, von Hamburg 147 Schiffe mit
50000 Registertonnen.« Die Auswanderertransportverhältnisse
Hamburgs waren damals so mangelhaft, daß verschiedene deutsche
Regierungen direkt vor ihnen warnten und ihren Untertanen den
Weg über Bremen empfahlen. So kam eins zum andern: an den
Auswanderern hatten die Schiffe genügende und lohnende Aus-
fracht, und schon dadurch waren sie in den Stand gesetzt, auch
die Rückfrachten niedrig zu stellen und sich die wertvollen Trans-
porte zu sichern. Der Aufschwung, den die bremische Tabak-
und Baumwolleneinfuhr damals nahm, hat bis heute angehalten.
Bremen ist der größte Weltmarkt für Tabak. Wichtiger aber
noch ist die Stellung, die es sich als Baumwollmarkt errang, ob-
wohl es als solcher hinter Liverpool zurückstehen muß.

In Tabelle 13 gebe ich eine Übersicht über den Verkehr
Hamburgs und Bremens mit der Union unter besonderer Berück-
sichtigung der Baumwolle.

Die ungeheure Steigerung der Baumwolleinfuhr Bremens
im Gegensatz zu der zwar auch gestiegenen, sich aber doch in
beschränkten Grenzen haltenden Hamburgs kommt zu vollem
Ausdruck. Bremen führt jetzt alljährlich für eine halbe Milliarde
dieses wichtigsten Rohstoffes ein. Das sind Zahlen, auf die es
stolz sein kann. Der Baum Wollhandel ist es denn auch, auf den
immer verwiesen wird, wenn man Bremens »glanzvolle Entwick-
lung« preist. Er ist in der Tat das Rückgrat der Stadt. Betrug
der Wertprozentanteil der Baumwolle an der gesamten außer-
deutschen Einfuhr Bremens i. J. 1888 schon 23	so schnellte

er 1908 bis fast genau zur Hälfte hinauf 1 Anders ausgedrückt:
        <pb n="46" />
        ﻿39

Tabelle XIII.

Warenverkehr*) mit den Vereinigten Staaten von Nord-Hmerika.

	Bremen				Ham	bürg	
	Gesamte	Baumwolle	Einfuhr  ohne  Baumwolle	Gesamte	Baumwolle	Einfuhr  ohne  Baumwolle	Ausfuhr
	Einfuhr	allein		Einfuhr	allein		
1888	T99 251	88 954	110 297	104 914	18 240	86 674	
1889	187923	134 826	53 097	128 900	21337	n&gt;7 563	158 736
1890	232 870	174 989	57 881	163 413	31 509	131 904	193 091
1891	226 220	173 928	52 292	169 344	S2 398	136946	200 101
1892	199 459	135 95i	63 508	219 782	26 568	193 214	153 600
1893	203 361	153 811	49 550	176 904	22 743	154 161	166 376
1894	194 652	147 206	47 446	197 962	24 656	173 306	120 863
1895	228175	179 806	48 369	199 336	29 132	170 204	134 934
1896	24O 202	174 644	65 558	233061	23 089	209 972	185 684
1897	297383	216 817	80 566	334 919	37 171	297 748	184 603
1898	329 661	233 556	96105	432 261	25 604	406 657	149 467
1899	3°* 995	205 466	96 529	445 998	25 747	420 251	179 989
1900	410 793	3IQ 497	100 296	483 493	S2 947	45° 546	220 998
igoi	407718	312 344	95 374	471794	47011	424 783	204 561
1902	394 846	3°9 697	85 149	430 644	29 O7I	4°i 573	245 298
1903	463 983	375 729	88 254	432 807	3i 736	401 071	244 265
1904	527 439	448 475	78 964	4°3 127	22 099	381 022	265 793
1905	515264	393 °62	122 202	465 784	33 051	432 733	302 534
1906	527 IOO	401 971	125 129	554 550	26 318	528 232	35° 586
1907	648 888	521 026	127 862	589 551	38386	55i 165	346 581
1908	650 940	549 596	101 344	574 972	53 4°5	521 567	277992
1909	57° 165	477 269	92 896				

Nehmt Bremen die Baumwolle, und was bleibt, ist eine unbe-
deutende Kleinstadt!

In der Tat — so großartig an sich der Aufschwung ist, den
der Bremer Baumwollhandel nahm, mit wie ungeteilter Genug-
tuung man ihn auch betrachten muß, so hat dieses ungeheure
Übergewicht über die anderen Handelszweige doch seine großen
Gefahren. Nach Tabelle 6 verhielt sich die Totaleinfuhr Bremens
von Außerdeutschland in den Jahren 1888, 1898 und 1908 dem
Werte nach wie 100:161:278. Setzt man aber von den Einfuhr-
werten die Baumwolleinfuhr ab, dann ist die Steigerung nur
100:135:184. Das heißt, daß der gesamte übrige Waren-
verkehr sich trotz des allgemeinen Aufschwungs der
Weltwirtschaft noch nicht einmal verdoppelte! Das
heißt, daß Bremen im allgemeinen weit hinter der Entwick-
lung Deutschlands und Hamburgs zurück blieb, an
Wichtigkeit für das deutsche Wirtschaftsgebiet ent-
sprechend verlor.

*) Wert in 1000 Mark.
        <pb n="47" />
        ﻿40

Deutlicher wird dies noch, wenn man die Union als das
Hauptproduktionsland der Baumwolle allein betrachtet. Da redet
die obige Tabelle mit unbarmherziger Klarheit. Die Einfuhr
Bremens ohne Baumwolle aus der Union, die noch 1888 diejenige
Hamburgs weit übertraf, ist seitdem absolut zurückgegangen. Die	^

Einfuhr Hamburgs dagegen hat sich während desselben Zeit-
raumes vervielfacht, ist um rund 450 Millionen Mark gestiegen
und jetzt mehr als fünf Mal größer als die bremische!

Es betrug Bremens transatlantische Gesamteinfuhr
1907; 989554000 Mk. und 1908:	932826000 Mk.,

seine gesamte außerdeutsche Einfuhr überhaupt

1907: 1 220931 000 Mk. und 1908: 1 129367000 Mk.

Demnach betrug der Prozentsatz der Baumwolleinfuhr aus Nord-
amerika von der Einfuhr aus außerdeutschen Ländern überhaupt
1907: 42,7% und JQ08: 48,7%

und von der transatlantischen Einfuhr allein

1907: 52,7% und 1908: 58,9%!

Es liegt auf der Hand, wie empfindlich das Wirtschaftsleben
des ganzen Freistaates leidet, wenn der glatte Umschlag seines
Hauptstapelartikels gestört wird. Dabei braucht man nicht ein-
mal an die schlimmste Möglichkeit zu denken, an die Sperrung	*.

oder ein erhebliches Nachlassen der nordamerikanischen Einfuhr,
sei es durch Blockade, durch einen Zollkrieg, durch Verspinnung
eines größeren Teils der Ware in der' Union selbst, sei es durch
Mißwachs mehrerer aufeinanderfolgender Ernten oder Verschiffung
anderswohin. Schon ein einziger großer Spekulant kann den
ganzen Weltmarkt in Aufregung versetzen und die Fallissements
der bedeutendsten Häuser verursachen. Dabei wendet sich das
amerikanische Großspekulantentum der Baumwolle neuerdings
entschieden lebhafter zu. Wie viel leichter wird eine solche
Störung ertragen, wenn die Krise, die den Handel mit einem
Artikel erschüttert, durch Florieren anderer Handelszweige aus-
geglichen oder wenigstens gemildert werden kann! Wie unend-
lich ist da Hamburg überlegen! Dessen Interessen haben starke
Wurzeln in allen Teilen der Welt. Sein Handel ist bei weitem
nicht so einseitig, so auf einen einzigen oder einige wenige	#

Stapelartikel gestützt wie derjenige Bremens; er ist vielseitiger,
internationaler, großzügiger — gesunder; sein Hauptartikel, Kaffee,
macht dem Werte nach nur 8—12°/0 der Gesamteinfuhr aus.

Auch im Verkehr mit der Union tritt diese Verschieden-
heit zutage. Außer Baumwolle führte Bremen 1908, dem Jahre
        <pb n="48" />
        ﻿4i

seiner größten Einfuhr, ein (in Millionen Mark): Getreide 16,
Tabak 121/i, Maschinen io1/2, Viehfutter 8, Kupfer 7Y4, Mineral-
öle 6, Pelzwerk 3s/4, Holz 3. Hamburg erzielte 1907 seine
größte Einfuhr aus der Union; es kamen, abgesehen von der
Baumwolle, auf Kupfer	Schmalz 53, Weizen 49, Maschinen 45,

Mineralöle 43, Mais 2o1/2, Baumwollensaatkuchen 20, Harz 171/2,
Kleie 14Y2. Oleomargarin xo, Weizenmehl 91/2 Millionen Mark.
Der gesteigerten Einfuhr von Mineralölen nach Hamburg steht
Bremen allerdings machtlos gegenüber, trotzdem es in früheren
Jahren der weitaus erste deutsche Petroleummarkt war. Für den
Standard Oil Trust lag Hamburg als Verteilungsplatz eben günsti-
ger. Daß Bremen zuerst die führende Stellung einnehmen konnte,
lag in der Persönlichkeit der Bremer Petroleumimporteure be-
gründet. Als aber deren Selbständigkeit gebrochen war und der
Trust den Verschleiß selbst in die Hand nahm, wandte er sich
Hamburg zu. — Aber daß es Hamburg gelang, die führende
Stellung im Import der andern oben aufgeführten Artikel an
sich zu reißen, verdankt es in erster Linie der größeren Rührig-
keit seiner Kaufmannschaft. Bei einigen Artikeln ist der Rück-
gang des Bremer Warenhandels geradezu unbegreiflich. So wur-
den 1873: 78000 dz Schmalz eingeführt, 1880: 195000 dz, 1908;
80000 dz im Werte von 7162000 Mk. bei einer Schmalzeinfuhr
Hamburgs im Werte von 53 Millionen Mk. Ein ähnliches Da-
hinsiechen ist bei Speck usw. zu beobachten.

Baumwolle.

Was nun den Baumwollhandel Bremens anbelangt, so kann
es zwar keinen Vergleich mit Liverpool aushalten. Die Einfuhr-
zahlen sind:

Liverpool		Bremen:
1895/96: 2090123 Ballen,	1895/96	918955 Ballen
1898/99: 3134767	1898/99	1556096
1904/05: 3488889	1904/05	I 943 521
1907/08: 2506535	1907/08	2 207 640	„
1908/09: 3052800	„	1908/09	2120400	„

Immerhin aber steht Bremens Baumwollhandel im kontinen-
talen Europa in unerreicht stolzer Höhe da (der nächstwichtigste
Einfuhrhafen, Havre, führt nur etwa die Hälfte — 1908/09:
1 044 3 1 o Ballen — ein). Bei der festgegründeten, weitverzweig-
ten Organisation der »Bremer Baumwollbörse« ist anzunehmen,
daß Bremen in absehbarer Zeit seine führende Stellung in diesem
        <pb n="49" />
        ﻿42

Artikel unter normalen Umständen nicht verlieren wird. Gefähr-
liche Konkurrenz könnte ihm von den Nordseehäfen außer Ham-
burg nur Rotterdam machen, woselbst die Löschung mindestens
ebensogut erfolgen könnte. Aber durch die Seehafenausnahme-
tarife für Baumwolle sind die deutschen Nordseehäfen während
der Dauer der Tarife — und daß diese je aufgehoben würden,
steht nicht zu erwarten — so geschützt, daß sie Rotterdam nicht
zu fürchten haben.

Die gegenwärtig geltenden Ansnahmetarife für Baumwolle sind nach Auskunft
der Eisenbahn für Verladungen nach

1.	Süd- und Mitteldeutschland. Ausnahmetarif S. 14;

2.	Österreich-Ungarn:

a)	Südösterreichisch-ungarisch-deutscher Güterverkehr, A.-T. 25 (Triest, Fiume,
Pola, Rovigno);

b)	Deutsch-westösterreichisch-ungarischer Seehafenverband, A.-T. 16;

c)	Deutsch-österreichisch-ungarischer Seehafenverband, Verkehr mit Österreich
und Verkehr mit Ungarn, A.-T. 12;

3.	Schweiz: Norddeutsch-schweizerischer Güterverkehr, Seehafen-A.-T. 13;

4.	Italien: via Chiasso und Pino (Schweiz) und Peri (Österreich) A.-T. 25,
von dort für die italienische Strecke nach einigen Stationen A.-T. 18;

5.	Belgien: A.-T. 2;

6.	Rußland; A.-T. 3 A und 3 B im Niederländisch-deutsch-russischen Grenz-
verkehr;

7.	Dänemark: A.-T. 6c.

Nach den Niederlanden findet Baumwollverfrachtung zu einem Vorzugstarif
nur im indirekten Verkehr statt. Nach Frankreich und Schweden existieren z. Zt.
keine Ausnahmetarife für Baumwolle.	■*

Die Ausnahmetarife gelten für Verladung sowohl ab Bremen als auch ab
Bremerhaven.

Ernster scheint mir die zunehmende Konkurrenz Triests.
Die österreichische Regierung tut alles, um diesen Hafenplatz
mit guten Eisenbahnverbindungen auszustatten und ihm durch
Tarifermäßigungen ein möglichst ausgedehntes Hinterland zu er-
obern. Ein Teil der österreichischen Spinnereibezirke, die Schweiz,
Südbayern dürften Bremen unter diesen Umständen demnächst
verloren gehen, selbst wenn man das Vorgehen Österreichs
deutscherseits mit Tarifänderungen beantworten würde. Tatsäch-
lich ist es Triest gelungen, uns einen Teil des österreichischen
Bedarfs schon jetzt abzufangen. Das Minderergebnis der Saison
1908/09 so^ darauf zurückzuführen sein.

Aber abgesehen von diesem mehr tarifarisch auszufechtenden
Wettstreit der Häfen scheint es mir angebracht auf eine andere
dunkle Wolke hinzuweisen, die möglicherweise der Suprematie
Bremens im Baumwollhandel gefährlich werden kann.
        <pb n="50" />
        ﻿43

Das zweitgrößte Baumwollproduktionsland der Erde ist
Britisch-Ostindien. Seine Baumwolle hat die Güte der ameri-
kanischen noch nicht erreicht. Sie hat sich aber schon verbessert,
und immer neue Baumwollplantagen werden angelegt. Was wäre
da natürlicher als daß Bremen versuchte, auch die indische Aus-
fuhr der nach Europa gehenden Mengen möglichst über seine
Eläfen zu leiten, was um so leichter geschehen konnte, da die
Hansa schon Anfang 1889 eine direkte monatliche Frachtdampfer-
verbindung mit Calcutta, dem indischen Hauptausfuhrhafen für
Baumwolle und Jute, eröffnete? Leider beweist die Statistik das
Gegenteil.

Tabelle XIV.

Die Baumwolleinfuhr aus Britisch-Ostindien betrug (Werte
in 1000 Mark) nach

	Bremen	Hamburg		Bremen	Hamburg
1888	434	3 439	1899	I 214	23 562
1889	734	22 911	IQOO	1 529	15 373
1890	4 319	32 973	1901	2 3°4	29165
1891	1 854	40 805	1902	2 542	29 459
1892	I iyi	30152	1903	7 160	56 957
1893	I 4OO	s8199	1904	11 460	59 094
1S94	1 564	34 378	1905	4 *55	44 308
1895	749	24 222	1906	6 022	59 209
1896	3 162	32 3°5	1907	10 086	84 900
,1897	1 288	24 656	1908	4 574	39 358
1898	752	22 604	1909	3 597	

Bremen hat 1908 den Stand von 1890 nur um 1/i Million über-
schritten, ihn 1909 nicht einmal erreicht. Hamburg übersteigt in
seiner 1907 erzielten Recordziffer die höchste Einfuhr Bremens
— 1904 — um das Siebenfache, übersteigt sie durchschnittlich
um das Fünfzehnfache! 1907 importierte es aus Indien allein für
85 Millionen, d. h. 16x/4 %, und aus der Union und Ostindien zu-
sammen für 12374 Millionen Mark, d. h. 233/4 °/o °der rund 1/i
der nordamerikanischen Baumwolleinfuhr Bremens. Zu berück-
sichtigen ist allerdings, daß Hamburgs ostindische Einfuhr z. T.
für Rechnung englischer Häuser erfolgt.

Es scheint fast so, als ob in Bremen gegen die ostindische
Baumwolle eine gewisse Abneigung bestehe. In ihrem Bericht
über das Jahr 1898 schreibt die Handelskammer auf S. 18; „Der
zunehmende Verbrauch der indischen, chinesischen und japanischen
Spinnereien hat die ostindische Baumwolle auf einen Preis gebracht,
der in keinem normalen Verhältnis mehr zu dem Preise von
        <pb n="51" />
        ﻿4

—	44	—

amerikanischer Baumwolle steht. Der Import ostindischer Baum-
wolle nach Europa hat daher wiederum abgenommen, ihre Ver-
arbeitung in europäischen Spinnereien ist unrentabel geworden
und läßt sich nur noch für einzelne ganz bestimmte Zwecke aufrecht
erhalten.“ Im gleichen Jahre kam über Hamburg für 2 21/, Millionen
Mark, d. h. über 30 Mal mehr als Bremen einführte! Für das
Jahr 1904 berichtet die Kammer dann allerdings (S. 30): „Alle
diese Verhältnisse haben gezeigt, wie dringend wünschenswert es
ist, neue Gebiete für die Baumwollkultur zu erschließen und die
europäische Textilindustrie unabhängiger zu machen von einem
Lande, dessen eigener Konsum von Jahr zu Jahr größer wird
(sc. Amerika) und dessen Produktionsfähigkeit nicht ins Unermeßliche
steigen kann.“ Auch bereits in ihrem Bericht für 1869 weist die
Kammer darauf hin (S. 25):	. . . wird die ostindische Baum-

wolle zum Teil ... . über England bezogen. Es muß dies um
so mehr auffallen, als die bremischen Absatzgebiete Haupt-
konsumenten ostindischer Baumwolle sind.“ Warum nimmt
da die Baumwollbörse nicht selbst Veranlassung, für eine gesteigerte
Einfuhr indischer Baumwolle, vielleicht für eine Ableitung der
Triester und Antwerpener Zufuhren nach Bremen, energische Schritte
zu unternehmen? Zum Beimischen ist diese jedenfalls geeignet,	*

und daß der Handel mit ihr doch nicht so unlukrativ ist wie die
Handelskammer anzunehmen scheint, beweist der große Umfang,
den der hamburgisch-ostindische Baümwollhandel genommen hat.

Die Abneigung der Bremer Baumwollhäuser gegen den Handel
mit außeramerikanischer Baumwolle erstreckt sich übrigens auch auf
das afrikanische Produkt. Man sollte es kaum glauben, aber es
ist tatsächlich so: die außerhalb der Union zu erzielenden Umsätze
sind ihnen „zu klein!“ Wenn sie nicht gleich große bulk-Geschäfte
machen können, verzichten sie lieber ganz und kommen hernach
natürlich zu spät.

Es ist eben hier wie überall der alte Fehler Bremens: Es
wirft sich auf einen bestimmten Stapelartikel und »forciert« ihn —
unleugbar mit Erfolg. Die zweite und dritte Generation legt sich
in das warme Bett, das die Alten ihnen machten, und arbeitet in
demselben Geiste und am liebsten mit denselben Geschäftsfreunden.	&gt;

Aber im Gefühl seines Triumphes verschließt der Bremer Augen
und Ohren für die übrige Welt. Unbemerkt von ihm werden seine
Konkurrenten stark und ziehen ihm über Nacht die Zipfelmütze
ins Gesicht. In der Einfuhr von Reis, dessen größter Weltmarkt
und Einfuhrhafen früher Bremen war, macht ihm jetzt Hamburg
        <pb n="52" />
        ﻿45

scharfe Konkurrenz. Auch in Tabak war Bremen früher der weit-
aus bedeutendste deutsche, ja der erste Markt der Welt; Jetzt ist
auch diese Stellung erschüttert, und selbst in Bremens Domäne,
in Brasiltabaken, ist Hamburg schon gleichwertiger Importeur ge-
worden. Die Gefahr liegt vor, daß es uns mit Baumwolle ebenso
gehen werde. Freilich, ein Teil der in Hamburg eintreffenden
ostindischen Baumwolle geht für englische, z. T. auch wohl für
bremische Rechnung weiter. Aber man bedenke, daß noch stets
der Einfuhrhafen die Einfuhrfirmen nach sich gezogen hat, daß
beispielsweise die Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft
aus dem gleichen Grunde ihren Sitz nach Hamburg verlegte wie
viele Firmen anderer Branchen (Speditionshäuser). Einerseits also
hat Hamburg in der ostindischen Baumwolleinfuhr Bremen schon
weit überflügelt und auch seine Einfuhr aus Nordamerika wächst.
Andererseits scheinen gewisse Anzeichen dafür zu sprechen, daß
die Baumwolleinfuhr Bremens aus den Vereinigten Staaten ihren
Hochstand erreicht hat. Denn der Anbau hat sich nicht im Ver-
hältnis zur Nachfrage gehoben, so daß man schon jetzt von einem
»Baumwollhunger« sprechen kann. Dazu kommt der schnell sich
vergrößernde amerikanische Eigenbedarf. Wenn auch dem Werte
nach gestiegen, hat die Einfuhr doch schon seit 1908/09 der Menge
nach nachgelassen. Bremerhaven führt schwere Klage über die
Verödung seiner Lagerschuppen (vergl. die Bürgerschaftsverhand-
lungen vom 22. Dezember 1909). Darum muß alles getan werden,
damit nicht die Einfuhrverhältnisse sich noch mehr zu ungunsten
Bremens verändern und ihm sein stärkstes Bollwerk unterhöhlen.

Der Rückgang der Baumwolleinfuhr aus den Vereinigten
Staaten in den letzten Jahren soll ja einmal (1908/09) dem Um-
stande zuzuschreiben sein, daß es Triest gelang, Bremen einen
Teil des österreichischen Bedarfs abzufangen. An der ungünstigen
Gestaltung der letzten Saison ist das bedeutende Mindererträg-
nis der amerikanischen Ernte schuld, die die Einfuhr Bremens um
rund 400 000 Ballen (etwa 1(B!!) zurückwarf. Beides bestätigt aber
nur das auf S. 40 Gesagte, die bedenkliche Rückwirkung auf das
eanze Handels- und Wirtschaftsleben der Stadt.

Auch in der Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten ist uns
Hamburg weit überlegen, führt eS doch jährlich Waren im Mehr-
werte von über 100 Mill. Mk. dorthin aus. Und das trotz des
Umstandes, daß Bremen den Verkehr gerade mit dem ihm günstig
gelegenen Nordamerika besonders pflegt, während der Schwerpunkt
des hamburgischen Handels in anderen Erdgebieten liegt. Noch
        <pb n="53" />
        ﻿46

im Jahre 1885 gingen 3/s (91 von 155 Mill. Mk.) der deutschen
Ausfuhr nach der Union über Bremen, 1907 nur noch 1/3 (218 von
652 Mill. Mk.)!

Tabelle XV.

Ausfuhr Bremens nach den Vereinigten Staaten i. J. 1908.

Verzehrungsgegenstände	280000	dz i. W. v.

Bau-und Brennmaterialien	47000	„	„

And.Rohstoff. u.Halbfabr. 2555000	„	„

Manufakturwaren	61000	„	„

And. Industrieerzeugnisse	201000	„

7 597 000 Mk.
147000	„

50 166 009	„

44223000	„

44095000	„

Zusammen 3144000 dz i. W. v. 146228000 Mk.

Die Hauptartikel waren (Werte in Millionen Mark): Baum-
wollwaren 31, Pelzwerk 201/,, Düngesalze 133/4, Wollwaren 8, Ga-
lanteriewaren 7, Metallwaren 61/2, Spielzeug ^1/2, Lederwaren 43/4,
Leinen waren 3, Drogerien 21/*, Reis 21/2, Bier i3/4, Garne 13/4,
Glaswaren 11/2.

2.	Handel mit Südamerika.

Obwohl der deutsche Warenverkehr mit Südamerika seinen
Schwerpunkt in Hamburg hat und auf Bremen nur ein kleiner
Teil entfällt, ist seine Entwicklung trotz des engeren Rahmens
doch, an sich betrachtet, erfreulicher als die eben besprochene.

Tabelle XVI.

Bremens Warenverkehr mit Südamerika

(Werte in 1000 Mk.):

Jahr	Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhrüberschuß
1869	25 110	2 806	22 304
1878	24 325	5 512	18 813
1888	42 592	13 264	29 328
1898	88 876	17 243	71633
1903	89 649	24 IOI	65 548
1904	83 063	25 320	57 743
1905	82 075	28187	53 888
1906	97 295	37 222	60 073
1907	120 580	50 622	69 958
1908	95 616	47 790	47 826
1909	107 964	48 910	59 054

a) Argentinien.

Am wichtigsten für Bremen sind die La Plata-Staaten, Argen-
tinien und Uruguay, einerseits als Lieferanten für Schafwolle und
Getreide, andererseits als diejenigen südamerikanischen Reiche, die
        <pb n="54" />
        ﻿47

der deutschen Exportindustrie noch auf lange hinaus als ausge-
zeichnete Absatzgebiete dienen können. Tabelle 17 gibt einen
Überblick über die Handelsbeziehungen Bremens und Hamburgs
zu ihnen während der letzten beiden Jahrzehnte. Um zu einer
richtigen Würdigung der Verhältnisse zu gelangen, müssen wir
hier wie überall die hamburgischen Zahlen zum Vergleich heran-
ziehen.

Tabelle XVII.

Warenverkehr1) mit Ärgentinien und Uruguay.

	Bremen				Hamburg			
Jahr	Einfuhr  über-	Einfuhr  von  Schaf-	Einfuhr  ohne  Schaf-	Ausfuhr	Einfuhr  über-	Einfuhr  von  Schaf-	Einfuhr  ohne  Schaf-	Ausfuhr
	haupt	wolle	wolle		haupt	wolle	wolle	
1888	21298	19 291	2 007	9 155	47156	34 024	13132	
1889	37 755	36 430	1325	8 744	43 881	28155	15 726	77 127
1890	31496	28 091	3 405	5 880	44 256	23 231	21 025	39 681
1891	45 091	41939	3152	6 102	56 02g	30 823	25 206	23 480
1892	38 846	34 281	4 565	8 553	63 343	37 913	25 430	40 193
1893	42 572	37 398	5174	10 066	64 279	31 171	33 i°8	46 852
1894	37831	3r 366	6 465	II 019	78 297	39 876	38 421	36 508
1895	43 375	35 726	7 649	II 249	95136	47 537	47 599	42 819
1896	46 608	4° 373	6 235	12 228	77 069	39 279	37 79°	61 647
1897	38 826	33 i85	5 641	10 295	79 321	45 923	33 398	42 I4I
1898	54 373	46 863	7 5io	12 969	105 637	57 °86	48 55i	45 614
1899	57 836	51 281	6 555	10 376	113 005	56 162	56 843	54 508
1900	69 493	55 776	13 717	0 102	125 934	53 680	72 254	78 283
IQOI	45 966	37 637	8 329	14 088	132 473	59 7°9	72 734	60 644
1902	41 737	30 803	10 934	12 I40	150 204	65 811	84 393	48 974
1903	64 468	53 579	io 889	15 836	176 740	68 422	108 318	65 703
1904	54 811	43 173	11 638	18 223	223189	62 609	160 580	83 090
1905	52 803	41 457	ii 346	21 OO5	233 372	70 874	162 498	102 060
1906	66 077	48 416	17 661	24 096	230 663	75 200	155 463	129 464
1907	65 547	45 721	19 826	24 162	256 293	76 682	179 611	146 460
1908	60 286	39 4°2	20 884	22 734	270 586	78 223	192 363	124 437
1909	65 637	50 685	14 952	25 931				

Wenn auch der Einfluß, den die Südamerikafahrten des
Norddeutschen Lloyd (1875 eingerichtet, 1878 in die Brasil- und
La Plata-Fahrt geteilt) auf die Entwicklung des Bremer Handels
hatten, nicht zu verkennen ist, so zeigt sich doch auch hier wieder
die größere Vielseitigkeit Hamburgs und der Vorsprung, den es
dadurch vor seinem einseitigen, langsameren Rivalen hat. In der
Einfuhr von Schafwolle aus Argentinien hat es seit 1901 definitiv
die Führung' übernommen, nachdem vorher Bremen im Jahres-
durchschnitt mehr eingeführt hatte. Im Jahre 1908 war Hamburgs
Einfuhr schon doppelt so groß als diejenige Bremens. Also auch

L) Wert in 1000 Mk.
        <pb n="55" />
        ﻿48

/[

in diesem zweiten Hauptstapelartikel Bremens im direkten Verkehr
mit dem zweitwichtigsten Produktionslande der Erde ein Zurück-
bleiben! Die Höchsteinfuhr Bremens fällt schon ins Jahr igoo,
diejenige Hamburgs erst in 1908. Auch die Einfuhr anderer
Artikel ist bei Hamburg absolut und relativ mehr gestiegen als
bei Bremen; bei Bremen um das Zehnfache (19 Millionen aber
Rückschlag von 1909!), bei Hamburg um das i4Y2fache (179 Milk
Mark). Die Steigerung bei Hamburg setzt 1898 besonders scharf
ein; ob aus einem besonderen Grunde, entzieht sich meiner Kenntnis.
— Ein ersichtlicher Grund, warum die Hauptprodukte Argentiniens
außer der Schafwolle, nämlich Leinsaat, Weizen, Kleie, Rindshäute
und Mais, nicht eben so gut nach Bremen wie nach Hamburg
verfrachtet werden könnten, liegt nicht vor. Hamburg führte von
diesen fünf Artikeln Werte in Höhe von 46Y2 bezw. 40 bezw. 17
bezw. 24 bezw. 10 Millionen Mark ein.

Den Ausfuhrzahlen der Tabelle ist wenig hinzuzufügen. Ins-
besondere wurdenTextilwaren, Papier und Papier waren, Telegraphen-
kabel, Zucker und Automobile ausgeführt. Die Ausfuhr von Draht
hat unter der nordamerikanischen Konkurrenz (vergl. den Handels-
kammerbericht für 1898) gegen früher nachgelassen. Hinderlich
für die deutsche Ausfuhr nach Argentinien ist der Umstand, daß
die zahlreich dort eingewanderten Italiener die Fabrikate ihrer
Heimat bevorzugen. In den Handelskammerberichten wird ver-
schiedentlich darüber geklagt. Eiher lebhaften Steigerung der
deutschen Ausfuhr trotz dieser Bevorzugung außerdeutscher In-
dustrieerzeugnisse seitens eines Teils der argentinischen Bevölke-
rung steht vorläufig leider auch die Tatsache entgegen, daß in
jenem Lande Ein- und Ausfuhrhandel durchweg nicht in den
Händen der gleichen Firmen liegen, daß also ein direkter Waren-
austausch durch ein Zwischenglied, Landesprodukte gegen Fertig-
fabrikate, in der Regel nicht eintreten kann. Anderswo, in
Mittelamerika z. B., auch in Südostasien, ist dies anders. Die
dort ansässigen Firmen sind meist gleichzeitig Importeure und
Exporteure und bezahlen die eingeführten Fabrikate mit Natur-
produkten, die sie im eigenen Lande aufkaufen. Immerhin wird
sich dieser Modus bei zielbewußtem, solidarischem Vorgehen zum
Vorteil unseres Exporthandels auch in Südamerika in größerem
Maße einführen lassen. Die Verhältnisse liegen übrigens zur Zeit
in Hamburg günstiger als in Bremen, weil in ersterer Stadt das
ganze Exportgeschäft durchweg besser organisiert ist, wie man
wohl behaupten darf.
        <pb n="56" />
        ﻿Tabelle 18 gibt Auskunft darüber, in welchem Verhältnis sich
Bremen und Hamburg in den deutschen Handel mit den beiden
nächstwichtigsten südamerikanischen Staaten teilen.

Der Hauptartikel, der Hamburgs Einfuhr von Chile eine so
enorme Höhe erreichen ließ, ist bekanntlich Chilesalpeter, dessen
Einfuhrwert 1907 die Summe von nicht weniger als 112 Millionen
Mark erreichte. Außerdem wurde Schafwolle im Werte von 43/4
Millionen Mark eingeführt. Bremens Zahlen verschwinden dagegen.
Es muß aber bemerkt werden, daß in den Hamburger Salpeter-
ankünften auch große Mengen für Bremer Rechnung enthalten
sind, die wegen besserer Verkaufsmöglichkeit nach dem Nachbar-
hafen dirigiert werden. Daß auch in der Ausfuhr Bremen weit
zurücksteht, liegt darin begründet, daß bis vor wenigen Jahren
eine direkte regelmäßige Dampferverbindung fehlte. Die seit
langen Jahren jene Küsten besuchende Kosmoslinie hatte das Ge-
schäft ganz nach Hamburg hinübergezogen. Der kräftige 1906
bei Bremen ein tretende Aufschwung ist auf die Fahrten der Roland-
linie zurückzuführen — wieder ein Beweis für die Tatsache, daß
»der Handel der Schiffahrt folgt.«

Nach der Vollendung des Panamakanals, durch den die West-
küste Südamerikas für uns erhöhte Bedeutung erlangt, wird eine
weitere Verdichtung der Bremer Schiffahrtslinien nach dort unbe-
dingt eintreten müssen. Es ist deshalb freudig zu begrüßen, daß
durch die Rolandfahrten die ersten und schwersten Schritte recht-
zeitig gemacht sind.

Für die Ausfuhr nach Chile kommen vorläufig in erster Linie
Baumwoll- und Wollwaren in Frage.

b) Brasilien.

Die Statistik des Warenhandels mit Brasilien weicht im all-
gemeinen nicht von dem Bilde ab, das ganz Südamerika zeigt;
ein bedeutendes Übergewicht Hamburgs. Was aber dem deutschen
Handel mit diesem Lande ein besonderes Gepräge gibt, ist der
Umstand, daß er nicht, wie z. B. der der Nachbarrepublik, im
ganzen nach Hamburg gerichtet ist, sondern daß der von ihm
entsendete Warenstrom geteilt ist und von den Hauptartikeln die
einen (Kaffee, Kakao und Gummi) mit besonderer Vorliebe nach
der Elbe, einen andern (Tabak) nach der Weser führt.

Kaffee.

Das Haupterzeugnis des großen Reiches ist Kaffee. Er meidet
Bremen. Von der gesamten Kaffeeeinfuhr unserer Stadt (1907:23,

Gehrke, Bremens Warenhandel.	4
        <pb n="57" />
        ﻿50

Tabelle XVIII.

Warenverkehr mit Brasilien (Wert in 1000 Mk.).

Jahr	Bremen		Hamburg	
	Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhr	Ausfuhr
1888	18 387	2 027	83 154	
1889	14 263	3 436	104 518	65 012
1890	24 205	3 030	114 991	66 029
0891	31 360	3 341	134 514	73 836
1892	17 176	2 718	129 332	7i 376
1893	28 839	16n	120 782	8g 964
1894	15 490	2 353	90 035	88 473
1895	17 826	2 071	130 257	in 326
1896	17 429	3 917	HO 632	88 282
1897	26 048	4 331	133 459	70 025
1898	27 367	3 538	133 746	68 333
1899	10 034	3 461	83 241	64 520
1900	27 862	3 246	I31 345	63 003
IQOI	30065	4 254	133 io3	55 088
1902	27 334	6 392	145 017	69 925
1903	20 329	6 407	137132	72 444
1904	21 482	5 590	125 898	71 939
1905	20 409	5 878	152 862	87 087
1906	23 935	6 291	207 235	101 606
1907	36 235	8 602	212 544	123 013
1908	23 337	9 9io	157 184	!°I 315
1909	3° 194	9 667		

Warenverkehr mit Chile.

Jahr	Bremen		Hamburg	
	Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhr	Ausfuhr
1888	288	999	66 297	
1889	207	219	65 089	35 093
1890	262	90	63 919	37 793
1891	1313	106	84 665	23 338
1892	1086	630	69 920	47 698
1893	682	46	71 959	29 964
1894	535	88	84 533	23 984
1895	1528	86	72 332	38 296
1896	4!9	108	87 594	40 383
1897	142	90	78 089	24 938
1898	132	22	63 526	31734
1899	1131	144	86 118	25 957
1900	630	144	90 846	36146
IQOI	143	30	IOO 232	32 640
1902	092	122	97 315	32 253
1903	853	187	82 707	40 997
1904	135	155	109 285	41300
1905	369	186	130 47i	53 3°3
1906	1346	4 909	141 960	68 088
1907	7 219	15 067	r3ö 465	74 o°4
1908	3 869	12 782	148 239	39 292
1909	5 750	11 750
        <pb n="58" />
        ﻿5'

i go8 nur i 87a. i gog :2i1/2 Mill. Mk.) kommt etwa die Hälfte aus
Brasilien. Hamburg dagegen bezog 1907 für nicht weniger als
13272 Mill. Mk. dorther. An dieser Entwicklung kann Bremen
nicht mehr viel rütteln. Wie Bremen für Baumwolle, so hat sich
Hamburg für Kolonialwaren im allgemeinen und für Kaffee im
besonderen eine Lagerungs- und Verkaufsorganisation geschaffen,
die in ihrer Festigkeit und Vielgestaltigkeit mustergültig dasteht.
Zustatten kam ihm dabei seine östlichere Lage, die ihm ermöglicht,
mit Nord- und Osteuropa in schnelleren und billigeren Transport-
verkehr zu treten als Bremen. Auch die Eigenart des dänischen,
noch mehr des skandinavischen Einfuhrhandels begünstigte das
Emporkommen Hamburgs. Der Kolonialwarenimporteur in den
nordischen Städten pflegt sich nicht mit großen Mengen einzu-
decken, sondern liebt es, nur kleine Läger zu halten und diese
nur durch kleine Bezüge je nach Bedarf aufzufüllen. Der ham-
burgische Exporteur verstand diese Eigenart klug zu benutzen
und hielt stets ein genügend großes Lager, um die Aufträge seiner
nordischen Kundschaft jederzeit schnell ausführen oder, um im
Kaufmannsdeutsch zu reden, »die Ordres prompt effektuieren« zu
können. Dadurch schlug er selbst England, das vordem den
ganzen nordischen Handel in Händen gehabt hatte, aus dem Felde
und machte seine eigene Stadt zum Kolonialwarenhandelsmittel-
punkt des ganzen europäischen Nordens und Ostens.

Bremen hingegen ging mit Nachdruck erst spät daran, seine
von Übersee eingeführten Güter in diesen Gegenden zu verteilen.
Meist schickte es sie, wie Kopra, Kakao, Tee, nach Hamburg
weiter. Glücklicherweise ist es noch nicht zu spät. Verschiedene
Firmen, auch Kaffeeexporteure, haben sich energisch bemüht, ihren
Export nach Nordeuropa zu heben. Den Bemühungen war der
Erfolg nicht versagt, und diese Tatsache beweist, daß es Bremen
immerhin möglich ist, im Norden mehr Fuß zu fassen und dort
eine Mehreinfuhr tropischer Produkte mit angemessenem Nutzen
abzusetzen. Sind doch auch die Frachtdampferlinien nach Rußland,
Finnland und Skandinavien inzwischen vermehrt worden, wenn-
gleich sie die Intensität der hamburgischen natürlich noch nicht
entfernt erreicht haben und in den großen Busen der Ostsee mehr,
auch kleinere, Häfen anlaufen müssen. Besonders in Schweden
ist verhältnismäßig leicht gute Rückfracht zu haben (Eisen- und
Kupfererze, Holz usw.)

Auch in Deutschland hat Hamburg den Kaffeehandel an sich
gerissen. Große Firmen zweiter Hand im Münsterlande, in Osna-

4*
        <pb n="59" />
        ﻿brück, selbt im westlichen Westfalen beziehen ihren Kaffee trotz
der weiteren Entfernung von Hamburg. Dabei beträgt die Bahn-
fracht Bremen-Hamburg für Einzelgüter — nicht jeder kann gleich
100 oder 200 Säcke beziehen, um selbst einen halben oder gar
einen ganzen Waggon damit zu befüllen — etwa ix/2 Pf. per kg.,
was allerdings dadurch wieder ausgeglichen wird, daß die Ham-
burger Spediteure fast täglich Sammelladungen selbst nach
kleinen Orten abfertigen können, was den Bremern nicht möglich
ist. Aber der Händler kauft besonders deshalb bis jetzt in Ham-
burg lieber, weil er dort eine größere Auswahl hat. Kann auch
Bremen den Kaffeefirmen im westlichen und mittleren Deutschland,
so weit es nicht tarifarisch hinter seinen Konkurrenten an der
Elbe und am Rhein zurücksteht, solche bieten, dann wird es sich
diese Gebiete zurück erobern können. Freilich muß es dann auch
der Einfuhr zentralamerikanischer Kaffees erhöhtes Interesse zu-
wenden. Von diesen (einschließlich kolumbischer und westindischer)
bezieht es nur für insgesamt etwa 31/, Mill. Mk. — eine sehr ge-
ringe Menge, wenn man die sehr bedeutenden finanziellen Engage-
ments bremischer Häuser beispielsweise in Guatemala und Salvador
in Betracht zieht. Der Kaffee, den Bremen von Hamburg bezieht,
dort also einen leicht vermeidbaren Zwischennutzen zahlte, weist
durchweg einen Wert von 3%—4 Mill. Mk. auf, von mehr also,
als ihn die ganze unmittelbare Einfuhr aus den Kaffeeländern am
und im Golf von Mexiko hat.

Tabak.

Geht Brasilkaffee in der Hauptsache nach Hamburg, so
ist Bremen der Hauptmarkt für Brasiltabak, wie es überhaupt
noch immer der wichtigste Tabakmarkt der Welt ist. Ich sage
»noch immer«, denn tatsächlich ist auch diese Stellung schon ge-
fährdet, und zwar ist abermals Hamburg die schärfste Gegnerin.
Da Brasilien neben Niederländisch-Indien der für Deutschland in
Frage kommende Hauptproduzent von Tabaken ist, sei der sta-
tistischen Entwicklung des Tabakhandels an dieser Stelle mit
einigen Worten Erwähnung getan. Zur Aufklärung über die Bezüge
der beiden Städte aus den wichtigsten Tabakländern sei auf Tabelle 19
verwiesen.

Der für Bremer Rechnung gekaufte Uniontabak (Kentucky,
Maryland, Seedleaf, Virginy) wird bis auf einen sehr geringen
Rest unmittelbar nach Bremen verschifft. Hamburg tritt in nord-
amerikanischer Ware erheblich weniger als Käufer auf. Es darf
        <pb n="60" />
        ﻿53

Tabelle XIX.

Tabakeinfuhr (Wert in 1000 Mk.).

Jahr	Bremen					Hamburg	
	Brasiitabak  überhaupt	Brasil tabak  direkt	Union-  tabak	von  Hamburg	Sumatra,  Java,  Ostindien  überhaupt	Brasil tabak  direkt	Union-  tabak  direkt
1888	14 850	11436	15 460	5161	8 947	13 014	5 636
1889	9 873	6 856	12 598	4 942	13 329	11 276	4 821
1890	18126	16 277	12 334	3112	14 345	13 901	4 748
1891	24 608	21264	IO 342	4 255	11 523	14 556	3 850
1892	9 534	8 518	16 580	2 474	9 156	6 509	4 638
1893	22 339	19 719	12 340	4 568	IO 122	18 745	3 889
1894	11195	9 610	13 776	2 297	10 386	7 246	3135
1895	12 096	9 896	13 4°2	2 43°	9 334	10 067 ,	3 204
1896	13 286	10 930	14 698	3 905	10 175	7 868	2 274
1897	21890	19 54i	15 888	3 355	12 386	14 188	4114
1898	24 389	22 510	14 052	5 145	II 146	24 596	5 908
1899	6 641	4 147	14 543	4 358	14 268	9 237	5 253
1900	24 070	21 42O	11 782	5 151	10 349	14 803	7 061
1901	28 474	24 717	11 144	4 873	10352	15 654	4 436
1902	22 756	19 397	14 388	3 616	10 53°	17 73°	5 099
1903	13 988	10 908	14 US	3 723	11 246	11 419	7 381
1904	16 143	II 584	10 436	5 284	14 987	8 661	6 546
1905	13 667	8 743	10 592	6 377	14 614	10 541	6 552
1906	15 2X0	11 194	11 4H	57 89	20 422	12 634	4 573
1907	22 OOI	16 659	14 584	6 672	24 280	17 411	4 921
1908	10033	7 835	12 592	4 693	18 829	10 950	5 032
1909	16 638	12 643	12 037	7 006	17 466		

aber nicht außer Acht gelassen werden, daß sich das Prozentver-
hältnis seiner Einfuhr von dort im Laufe der Jahre zu seinen
Gunsten verschoben hat. Der südostasiatische Tabak (den Tabak-
handel in ihren Kolonien haben die niederländischen Gesellschaften
monopolisiert) wird (»Einschreibungen« in Amsterdam) durch
Vermittlung Hollands gehandelt, wo Bremen unbestritten erster
Käufer ist.

Nicht so günstig für Bremen liegen die Verhältnisse beim
Brasiltabak. Bremens direkter Import aus Brasilien hält sich mit
demjenigen Hamburgs auf ungefähr gleicher Höhe. Einem direkten
Gesamtimport Hamburgs von 1888 bis 1908 von 271 Millionen
stehen bei Bremen 293 Millionen Mk. gegenüber. Von dem in
Hamburg eingeführten Tabak geht jedoch ein ziemlich erheblicher
Teil nach Umladung für Bremer Importeurs Rechnung nach Bremen
weiter. Daher kommt es, daß das Geschäft Bremens in Brasil-
tabaken überhaupt dasjenige Hamburgs noch hinter sich läßt.
Aber schon dadurch, daß ein Teil der Ware über Hamburg geht,
        <pb n="61" />
        ﻿54

wird mit der Zeit ein immer größerer Teil des aktiven Tabak-
handels dorthin gezogen.1)

Schlimmer sieht es mit westindischen Tabaken aus. Etwa
die Hälfte der Domingoernte z. B. kam für bremische Rechnung
herüber, nahm aber ausnahmslos den Weg über Hamburg, dieser
Stadt den gesamten Gewinn an Transport, Versicherung, Löschung, Ein-
lagerung, Yerkaufsgebühr usw. lassend. Die betreffenden bremischen
Importeure müssen ja schließlich unter solchen Umständen ihr
Domizil wechseln.

Die Gesamteinfuhr Bremens in Tabaken belief sich 1909 auf
617 000 dz, 1908 auf 507000 dz, 1907 auf 638000 dz. Der Höhe-
punkt fiel jedoch schon in das Jahr 1878 mit 689000 dz! Der
bremische Tabakhandel hat also alle Ursache, nicht auf seinen
Lorbeeren auszuruhen, sondern scharfe Wacht zu halten.

Neben Kaffee und Tabak weist die brasilianische Einfuhr
Bremens in nennenswerter Menge nur Kakaobohnen auf {1908
für 31/2, 1909 für 3 Millionen Mk.). Die Produkte der reichen
Niederungen des Amazonas, besonders Gummi elasticum, gehen
vorwiegend nach Hamburg. Die Ausfuhr nach Brasilien setzt
sich aus allen Arten deutscher Industrieerzeugnisse zusammen,
aus denen vielleicht Baumwollwaren, Papier und Papierwaren,
Draht und Zement hervorzuheben wären.

3.	Handel mit Mittelamerika.

Über Bremens Handel mit Mittelamerika und Westindien
ist dem Gesagten nur wenig hinzuzufügen. Er bewegt sich in
sehr mäßigen Grenzen. Die Umsatzziffern sind die folgenden
(Wert in 1 000 Mk.):

Tabelle XX.

Jahr	Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhrüberschuß
1869	11 554	2 536	9 018
1878	15 254	1 997	13 257
1888	10 854	1 883	8 971
1898	15 3°5	2 020	13 285
1903	12 835	4 676	8 159
1904	16 056	4 735	11 321
1905	16 569	6 163	10 406
1906	15 665	8 065	7 600
1907	16 652	8 634	8 018
1908	15 914	9 762	6 152
1909	16 564	12 655	3 909

*) Amsterdam macht auch Anstrengungen, den Handel mit Brasiltabaken mehr
an sich zu ziehen. Mitte 1910 fand die erste Einschreibung in dieser Provenienz dort
statt. Ob und wie weit diese Versuche Erfolg haben werden, steht dahin. Zu unter-
schätzen sind sie jedenfalls nicht.
        <pb n="62" />
        ﻿55

Um das erdrückende Übergewicht Hamburgs klar zu kenn-
zeichen, genügt es, aus jenen Staaten einen herauszugreifen und
die Umsatzziffern gegeneinander zu halten. Im Warenverkehr
mit Mexico betrug (Werte in i ooo Mk.):

Hamburgs	Einfuhr	1907;	41672—1908:	42505;

Bremens	do.	1907:	3432—1908:	870;

Hamburgs	Ausfuhr	1907:	54833—1908:	37481;

Bremens	do.	1907:	1027—1908:	746.

Der Hauptausfuhrartikel Mittelamerikas ist Kaffee, der fast
sämtlich nach Hamburg geht, 1907 z. B. allein aus Guatemala für
2 31/2 Millionen Mk. Nur schwer dürfte eine für Bremen günstige
Änderung hierin eintreten.

Nach Vollendung des Panamakanals wird Mittelamerika als
Durchgangsland für den Verkehr ganzer großer Erdteile eine sehr
gesteigerte Bedeutung erhalten. Es wird dann an Bremen Hegen,
Einrichtungen zu treffen, die ihm einen angemessenen Teil dieses
Transitverkehrs sichern. Wahrscheinlich in dieser Erkenntnis richtete
der Lloyd schon 1901 eine direkte monatliche Frachtdampferver-
bindung mit Westindien ein. Diese rentierte aber nicht. Ganz
natürlich, denn wenn man die geringen, einer größeren Steigerung
vorderhand kaum möglichen Gütermengen betrachtet, die von dort
nach Bremen gehen und in deren Beförderung seit langem Ham-
burger Linien und die Royal Mail (via Southampton), ja sogar
die Messageries Maritimes (Umladung in den nordfranzösischen
Häfen) sich teilen, so mußte man sich von vornherein sagen, daß
der Betrieb nur unter Verlusten aufrecht erhalten werden konnte.
Der Lloyd sah dies auch voraus, hoffte aber durch Einrichtung
der Linie den Verkehr im Laufe der Jahre mehr nach Bremen
ziehen zu können. Leider wurde seine Erwartung nicht erfüllt. Immer-
hin ist es von nicht zu unterschätzender Bedeutung, die Linie
trotzdem aufrecht zu erhalten, um wenigstens mit Mittelamerika
nie die unmittelbare Fühlung zu verlieren.

Für Hamburg wird, wie anzunehmen ist, mit dem ameri-
kanischen Mittellandkanal auch eine Änderung seiner regen Handels-
beziehungen zu jenen kleinen Raubstaaten eintreten. Eine Wendung
zum Schlechteren. Uncle Sam wird es sich nicht nehmen lassen,
Deutschland dort hinauszubeißen und sich selbst ins warme Nest
zu setzen.

’i. Handel mit Äsien.

Wenn wir jetzt den Handelsverkehr mit Asien einer näheren
Betrachtung unterziehen wollen, so müssen wir uns zunächst vor
        <pb n="63" />
        ﻿56

Augen halten, daß uns die Statistik genaue Aufschlüsse über die
Größe der Werte, über den Umfang, den dort der Handel mit
Waren erreichte, die durch Bremens Vermittlung bewegt wurden,
nicht zu geben vermag. Es führt dies noch zurück in die Zeit,
wo sich England als monopolistischer Vermittler zwischen die
deutsche Industrie und die überseeischen Konsumenten schob, wo
es als Selbstkäufer der Waren auftrat und sie für eigene Rechnung
nach allen Himmelsrichtungen schickte. Inzwischen ist seine Ver-
mittlerstellung gebrochen. Bei weitem der größte Teil der Deutsch-
land verlassenden Güter geht auf deutschen Schiffen und für
deutsche Rechnung unmittelbar in die Hände der überseeischen
Interessenten über. Aber ein Teil der Ausfuhr Deutschlands, be-
sonders Textilwaren, geht noch jetzt auf englische Bestellung
nach England und wird von dort, dem deutschen Exporteur unbe-
kannt wohin, weiter verfrachtet. So viel steht fest, daß diese
Waren vornehmlich nach Süd- und Südostasien, daneben nach
Australien (und Südamerika) versendet werden. Was darum in
der Statistik als »Ausfuhr nach England« erscheint, muß z. T. dem
Handelsverkehr mit Indien, China usw. zugeschlagen werden. Hier
darf ich mich natürlich nur an die offenen statistischen Fest-
stellungen halten.

Tabelle XXI.

Es bezifferte sich (Werte in 1000 Mk.) Bremens asiatische

Jahr	Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhrüberschuß
1869	20 298	1 793	18 505
1878	23 568	1 331	22237
1888	47 950	13 787	34 163
1898	58 555	33 165	25 390
1903	79 169	45 388	33 781
1904	81 486	50245	31 241
1905	66 233	61 361	4872
1906	77 147	56 481	20 666
1907	94 906	6x 845	33 °6l
1908	86 462	61 380	25 082
1909	75 956	58 451	17 505

Bemerkenswert ist die außerordentliche Steigerung der Aus-
fuhr im Verhältnis zur Einfuhr. Dadurch wurde Asien für ganz
Deutschland und besonders für Bremen in mancher Beziehung der
interessanteste und wichtigste Erdteil. Denn nach ihm gehen die
Hauptmengen der Erzeugnisse der deutschen Textilindustrie.

Erst in den letzten Jahrzehnten gelang es dem Drängen der
sog. »Westmächte« und Nordamerikas, die beiden großen ost-
        <pb n="64" />
        ﻿57

asiatischen Reiche neuzeitlicher Kultur und dem freien Handels-
verkehr allmählich zu öffnen. Erst da konnte die europäische
Industrie ihre Schwingen ungehemmt entfalten, weil sie die Auf-
nahmegier der Mongolenvölker befriedigen mußte. Die Folge war
ein entsprechender Aufschwung der Ausfuhr dorthin und nach dem
von den Engländern ungefähr gleichzeitig kolonisatorisch tiefer
durchdrungenen und zum Eintausch europäischer Fabrikate ver-
anlaßten Vorderindien. Von wie einschneidender Bedeutung es
gerade für Deutschland war, in jener Jugendzeit seiner Industrie
ausgedehnte Absatzgebiete zu finden, in denen es nicht gegen
alteingeführte europäische Konkurrenz den Kampf aufzunehmen
hatte, sondern Seite an Seite mit dieser an die wirtschaftliche
Unterwerfung kulturell und industriell tiefer stehender Völker-
schaften gehen konnte, liegt klar auf der Hand. Es war die Zeit,
wo sich England durch die Merchandise Marks Act, die bei allen
Waren die Angabe des Ursprungslandes verlangte, ins eigene
Fleisch schnitt, wo das Made in Germany an den ungeheuren
Gestaden des nördlichen Indischen und des nordwestlichen Großen
Ozeans einen guten Klang erhielt und sich seinen Weltruf errang.

Tabelle 22 gibt eine Übersicht über die Entwicklung der
Handelsbeziehungen Bremens und Hamburgs mit Vorderindien,
China und Japan. Ein Vergleich dieser Ziffern mit den früher
gegebenen läßt erkennen, daß auf die genannten drei Reiche von
der Gesamtausfuhr aus Asien etwa s/4 entfallen, während sie die
Ausfuhr dorthin zu mehr als 9/10 absorbieren.

a) Britisch-Ostindien.

Betrachten wir zunächst Vorderindien. Es verhielten sich
Bremens Einfuhr von dort LJ. 1888 zu derjen. v. 1908 wie	100:150;

Bremens Ausfuhr nach	do.	100:545;

Hamburgs Einfuhr von	do.	100:1258;

Hamburgs Ausfuhr nach	do.	100:545.

Zieht man die Hochkonjunktur des Jahres 1907 zum Vergleich
heran, so erhalten wir bei Bremen gegen 1888 eine Steigerung
des Wertes der Einfuhr im Verhältnis von 100 : 173, bei Hamburg
von 100:1793. M. a. W., die Einfuhr Hamburgs aus Ostindien
ist in der gleichen Zeit relativ um mehr als das Zehnfache der-
jenigen Bremens, absolut noch bedeutend mehr gestiegen! Jeder
weitere Kommentar, um die größere Rührigkeit der Hamburger Im-
porteure darzutun, erscheint überflüssig. Hinzuweisen bleibt nur darauf,
daß Bremens ostindischer Einfuhrhandel den hamburgischen noch
        <pb n="65" />
        ﻿Jahr

1888

1889

1890

1891

1892

1893

1894

1895

1896

1897

1898

1899

1900

1901

1902

1903

1904

1905

1906

1907

1908

1909

Tabelle XXII.

Warenverkehr mit Südost- und Ostasien (Wert in 1000 Mk.).

		B r e	m e n					Hamburg			
Britisch-Ostindien		China		Japan		Britisch-  Ostindien		China		Japan	
Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhr	Ausfuhr
29388  32 929	1939  4 878	5 031  5 667	7 007  5 905	3 698  7 434	3 865 4264	19 520 58 566	13831	4 310 7948	14 763	8218  9405	14 072
36 378	3 854	4 °39	8938	1 167	4303	78 346	34 802	7 801	15904	8558	15 488
50 218	3 870	3 333	7598	6 886	2 332	110 946	24749	10 579	16951	16 350	13 848
42 963	4 1 r3	2 992	7 719	2 863	2 674	102 945	20 387	9 608	17 003	!3 331	16529
33 265	4 028	3 368	11 721	3 002	6 207	124 518	28 399	13 809	19 824	11 691	21 715
31 963	3 365	7 464	16954	2197	7 024	118 997	21808	18 406	22 057	8 712	18 148
36 334	2 158	8 300	15 373	4 001	9 335	125 176	31459	17 142	4° 013	14 207	22 778
35 611	3 212	8 141	20 892	2 699	10 914	127 478	3° 738	18 964	22 917	12 830	31 473
37 842	3 036	7 890	22 034	3382	7 212	123 396	33 377	19 224	17 345	15 OOO	36 945
42 887	3 706	7 281	23 091	2 072	5 325	168 577	28 826	18 645	19673	11 149	39 148
40 261	4 806	8 542	24 526	6047	6523	147 4OO	27 986	17 800	28 078	16 269	32 95°
46015	8 429	11 318	21347	5934	10 097	153 777	s8 599	29 075	29863	17058	45 011
34 5H	4 825	9 7r4	26 019	5637	7737	166 653	48 381	21 725	35 302	20 626	4° 230
4i 635	5 699	10 668	21325	6 727	8 832	190 896	31 966	26 288	33 °57	20332	37 986
55 678	7 428	12 845	26 649	4 182	10 269	224 230	45 414	29 150	49 059	20 796	35 503
49 467	6305	13 343	26 687	6 817	16 212	249 244	54986	33 942	51 049	20 892	37286
41 °39	8 974	9 110	29 974	5 976	21 265	228 160	57 913	28 567	65 887	16 173	63 066
43 441	8 575	12 041	23 870	6 395	20 559	273 256	87 214	42 861	53 4°6	24083	55 892
50 856	10755	14477	26 026	10 836	20 04I	350 OIO	74 612	42 887	49 928	26 793	66 125
44 026	10 571	12 259	26 341	7 147	20 965	245 553	75 322	41 908	45 448	18977	56 864
32 606	9 820	11496	21558	6 821	23 730
        <pb n="66" />
        ﻿59

i888 übertraf und daß sich seitdem die Bedingungen, unter denen
der Handel arbeitet, eher zugunsten Bremens verbessert haben!
Hatte doch Bremen in dem Wettbewerb um die nach Ostasien
und Australien neu zu errichtenden subventionierten Linien gesiegt.
Lästig war zwar die später eingegangene Verpflichtung, daß die
Dampfer wechselweis auch Hamburg anlaufen mußten, und daß
diese Stadt frachttarifarisch genau die gleiche Behandlung wie
Bremen erfahren sollte, was für die Überfuhr der Güter manche
Leichterkosten verursachte. Aber diese Kosten fielen dem bremischen
Reeder, nicht dem Kaufmann zur Last. Nach Vorderindien
aber hatte die Hansa regelmäßige Fahrten eingerichtet. Der
Reeder hatte also seine Schuldigkeit getan und günstige Be-
dingungen geschaffen, der Kaufmann jedoch versäumte es leider
sie auszunutzen. Er besaß nicht weiten Blick und Tatkraft genug,
hier, was ihm leicht möglich gewesen wäre, einmal als Pionier auf-
zutreten und die erste Rolle zu spielen, sondern er begnügte sich
mit einem bescheidenen Anteil. — Wie in Vorderindien, so auch
in Ostasien. Noch 1886 und 1887 war Bremens Ausfuhr nach
Japan und China größer gewesen als diejenige Hamburgs; jetzt
ist die hamburgische Ausfuhr dorthin mehr als doppelt so groß!
Die Einfuhr aus den beiden Reichen differierte 1887 um nur 21/2 Mill.
Mark zu Hamburgs Gunsten; jetzt hat dessen Einfuhr die bremische
dreimal überflügelt!

Tabelle XXIII.

Gruppierung der Einfuhr Bremens aus Br.-Ostindicn i. J. 1908.

Verzehrungsgegenstände	1327000 dz i. W. v. 23125000 Mk.

Rohstoffe und Halbfabrikate	459000 „	„	20810000 „

Manufakturwaren	—	„	30000 „

Andere Industrieerzeugnisse	—	„	61000 „

Zusammen 1786000 dz i. W. v. 44026000 Mk.
Dem Gewichte nach nimmt der Reis weitaus die erste Stelle ein.
Die hauptsächlich eingeführten hochwertigen Rohstoffe sind Jute,
Baumwolle, Schellack (2), Guttapercha (11/4), Stuhlrohr (11/4), Graphit
(1), Sesamsamen (*/4) und Häute (1/2 Millionen Mk.).

Eine genauere Spezifikation des Handels mit den drei Haupt-
produkten, die Bremen aus Ostindien bezieht, gibt Tabelle 24.

Betreffs Baumwolle verweise ich auf meine früheren Aus-
führungen (S. 42 ff) im Abschnitt »Nordamerika«.

Jute.

Ein anderer wichtiger Rohstoff ist die Rohjute; für sie ist
        <pb n="67" />
        ﻿Tabelle XXIV.

Warenverkehr mit Britisdi-Ostindien (Wert in 1000 Mk.).

	Bremen					Hamburg				
Jahr	Einfuhr	davon:			Einfuhr ohne		davon:			Einfuhr ohne
	insgesamt	Baumwolle	Jute	Reis	Baumwolle,	insgesamt	Baumwolle	Jute	Reis	Baumwolle,
		allein	allein	allein	Jute u. Reis		allein	allein	allein	Jute u. Reis
1888	29 388	434	3°°	21 162	7 492	19	*)	3 439	6 788	6 101	319z
1889	32 929	734	648	23 5E3	8 034	58 566	22 911	10 415	7 769	17 471
1890	36 378	4 319	1 795	22 IQI	8 073	78 346	32 973	16 366	8 436	20 571
1891	50 218	1854	27 19	33 411	12234	110 946	40 805	20 I52	10 507	39 482
1892	42 963	1 171	2 236	3° 232	9 324	102 945	30152	13 543	11 630	47 620
1893	33 265	1 400	2 663	21 803	7 399	124 518	38199	21537	115 10	53 272
1894	31 963	1564	3 315	IQ 022	8 062	118 997	34 378	21507	9 668	53 444
1895	36 334	749	3 944	22 090	9 55i	125 176	24 222	30 401	11 576	58 977
1896	35 611	3162	3 857	16 494	12 098	127 478	32 305	26 608	11 587	56 978
1897	37 842	1288	4 980	18 343	13 231	123 396	24 656	21 853	14 681	62 206
1898	42 887	752	4 813	23 056	14 266	168 577	22 604	43 481	15 231	87 261
1899	40 261	1 214	3 94°	22 024	13 083	147 4OO	23 562	26 890	18 593	78 355
1900	46 015	1529	5 347	19 04I	20 098	1.53 777	15 373	33 401	10 897	94106
1901	34 514	2 304	6 087	10 285	15 838	166 653	29165	26 486	10 661	100 341
1902	4i 635	2 542	4 99°	17 406	16 697	190 896	29 459	39 233	18 647	103 557
1903	55 678	7160	6 136	23 433	18 949	224 230	56 957	34 000	IQ 211	114 062
1904	49 467	n 460	6 473	13 922	17 612	249 244	59 094	39 735	20 837	129 578
1905	41 °39	4155	6 297	15 251	15 336	228 160	44 308	36 819	23 076	123 957
1906	43 441	6 022	7 637	15 463	14 319	273 256	59 209	55 681	29 981	128 385
1907	50 856	IO 086	94 74	14 890	16 406	350 010	84 900	73 571	35 674	155 865
1908	44 026	4 574	7 201	19 574	12 677	245 553	39 358	62 292	31 930	in 973
1909	32 606	3 597	7 877	9 803	11 329					

*) Höchster Einfuhrwert bis dahin.
        <pb n="68" />
        ﻿6i

t

Vorderindien, was die Union für Baumwolle ist. Auch ihre Zahlen-
reihen sprechen eine ernste Sprache. 1907, in welchem Jahr beide
Städte die größten Einfuhrwerte aufweisen, hat Bremen noch nicht
einmal den Stand erreicht, den Hamburg schon 1889 einnahm.
Immerhin betrug die Mehreinfuhr Hamburgs im Jahre 1888 nur
h1/^ Millionen Mark. Aber von 1888 bis 1907 betrug die absolute
Zunahme des Einfuhrwertes bei Bremen 9, bei Hamburg 68 Millionen
Mark. Wenn also auch, für sich allein betrachtet, wie dies meist
zu geschehen pflegt, die bei Bremen zu verzeichnende Zunahme
ein erfreuliches Aussehen zu haben scheint, so muß ein unbefangener,
auch die Fortschritte der Konkurrenz berücksichtigender Beurteiler
doch sagen, daß Bremen gegenüber Hamburg auch hier in einer
überaus bedauerlichen Weise ins Hintertreffen geraten ist, daß
sich sein scheinbarer Fortschritt wenn auch nicht als direkter
Rückgang, so doch als eine unheilvolle Stagnation darstellt.

An sich liegt kein Grund vor, daß sich nicht Bremen als
bedeutendster Markt für Spinnstoffe einen großen Teil der Mehr-
einfuhr Hamburgs hätte sichern können. Seine Schiffsverbindungen
mit Bombay und Calcutta standen und stehen den hamburgischen
nichts nach. Zwar ist das Hauptgeschäft der Hansa, obwohl sie
eine bremische Reederei ist, eben wegen des Frachtenmarktes
gegenwärtig auf Hamburg gerichtet, aber wenn die bremischen
Importeure von ihren Transportgelegenheiten mehr Gebrauch
machten, würde die Reederei selbstredend auch Bremen häufiger
anlaufen lassen. Die Bremer Indienhäuser sind solide und arbeiten
mit genügendem Kapital. Bremen besitzt auch innerhalb der Grenzen
seines Gebietes und unmittelbar vor seinen Toren (Hemelingen)
eine blühende Juteverarbeitungsindustrie. Allerdings reizt der ideale
Wasserweg der Elbe dazu an, die Verladungen nach Hamburg zu
richten und die Ware von dort elbaufwärts bis nach Österreich
hinein, bis zur tarifarischen Einflußsphäre des eisenbahnbegünstigten
Triest weiter zu verfrachten. Aber so schlecht ist Bremens Lage
denn doch nicht, daß es nicht sehr viel mehr hätte einführen
können als es tat und tut, wenn es die nötigen Anstrengungen
gemacht hätte. Hat es doch, allen widrigen Verhältnissen zum
Trotz, auch andere große Stapelartikel heranziehen können! Speziell
bei Jute wäre dies auch möglich gewesen. Die binnenländischen
Fabrikanten scheinen sogar zeitweise eine Vorliebe für den Bezug
über Bremen gehabt zu haben. Wenigstens äußert sich die Handels-
kammer in ihrem Bericht für 1879 auf S. 19 gelegentlich der
Erwähnung des Umstandes, daß die nordchinesische Jute minder
        <pb n="69" />
        ﻿Ö2

gut, weil härter, als die ostindische sei: »Trotzdem wünscht man
seitens der deutschen Juteindustriellen, daß der ostindischen Jute
durch die nordchinesische auf europäischen Märkten Konkurrenz
gemacht werde, und bezeichnet vorzugsweise Bremen als den Platz,
wo sich unter Umständen ein Jutemarkt auf der Basis chinesischer
Importe ausbilden könnte. Die Handelskammer hat die Importeure
auf diesen Gegenstand aufmerksam gemacht.« Was für den Import
von China gilt — die Anregung war leider vergeblich —, gilt in
gleicher Weise für den von Ostindien; die Bedingungen sind in
nichts verschieden.

Von den Oberweserhäfen (Hann. Münden) existieren gute
Eisenbahnverbindungen nach Sachsen und Thüringen. Auch für
die über Hamburg bezogene Jute sind die binnenländischen Spinner
von Wallwitzhafen, Riesa oder Dresden aus auf Bahntransport
angewiesen. Speziell in Westfalen, wofür Bremens Lage günstiger
ist als diejenige Hamburgs, wäre Bremen konkurrenzfähig gewesen.
Dort wie im industriearmen Oberwesergebiet würde noch jetzt,
nach Freiwerden vieler Arbeitskräfte durch die neue Tabaksteuer,
die Errichtung von Jutespinnereien m. E. zweckmäßig und rentabel
sein. Als Vorteile, die sie gegen die im tieferen Binnendeutsch-
land bestehenden Spinnereien in die Wagschale zu werfen haben,
sehe ich an: billigeren Bezug der Rohjute vom Einfuhrhafen;
wegen kürzerer direkter Wasserverbindung mit der Küste leichtere
Exportmöglichkeit der Fabrikate z. B. an die nordischen Holzstoff-
fabriken; billigere Arbeitslöhne, besonders im Oberwesergebiet,
gegenüber volkreichen Industriegegenden (Sachsen) mit teurer
Lebenshaltung; leichten, unmittelbaren Absatz an die Großindustrie
im Oberwesergebiet (Packmaterial für Zement) und in Rheinland-
Westfalen (Textil- und Papierindustrie).

Reis.

Das dritte ostindische Hauptausfuhrgut nach Bremen ist Reis.
— Auch das Schwergewicht der Reiseinfuhr ist unbestreitbar
von Bremen nach Hamburg verschoben worden. Noch vor
zwanzig Jahren führte Bremen allein aus Ostindien dreimal so viel
Reis ein. Seit 1902 jedoch ist es — wahrscheinlich endgültig —
von Hamburg überflügelt, das 1907 weit mehr als das Doppelte
einführte. Nun hat sich Bremen allerdings in der Einfuhr von
siamesischem Reis teilweise einen Ersatz geschaffen. Seine Einfuhr
dieser Sorte stieg von 5 Milk Mk. im Jahre 1888 auf 11 Mül. Mk.
im Jahre 1908, (1909 allerdings nur Milk), während diejenige
        <pb n="70" />
        ﻿63

Hamburgs mit geringen Schwankungen nach oben und unten auf
nur 21/2 Milk Mk. stehen blieb. Aber trotzdem bleibt die Tat-
sache, daß Hamburgs Gesamteinfuhr an Reis die bremische
neuerdings hinter sich läßt. Noch liegt zwar offiziell die Trieb-
feder des Reisgeschäfts in Bremen insofern, als hier die »Reis-
börse« ist und als die »Reis- und Handels-Aktien-Gesell-
schaft« hier ihren Hauptsitz und an mehreren alten großen,
soliden Reismühlen, die im bremischen Gebiet liegen und
dies schwerlich verlassen werden, einen Rückhalt hat. Aber
auch Hamburgs Reismühlen erlangen stetig steigende Bedeutung,
und wenn in dieser Entwicklung keine für Bremen günstige
Wendung eintritt, steht zu befürchten, daß das Reisgeschäft
Bremen über kurz oder lang ganz aus der Hand gewunden wird.

So beklagenswert dieser allmähliche Verlust eines ehemals
so blühenden Handelszweiges für Bremen ist, muß man doch zur
Verteidigung der betreffenden Firmen sagen, daß sie den Ver-
hältnissen aus Gründen, die sie tatsächlich nicht beeinflussen
konnten, machtlos gegenüberstanden.

Der eine Grund ist eine ausgebreitete Bedarfsverschiebung
bezw. anderweite Bedarfsdeckung weiter Gebiete. — Der über
Bremen eingeführte Reis wurde nicht nur nach Binnendeutschland
weiter verfrachtet, sondern ging in großen Mengen nach dem
Ausland, besonders nach Amerika, weiter. Ein Hauptabnehmer
war Kuba. Als aber die Vereinigten Staaten nach der Besiegung
der Spanier die neue Republik zwangen, ihren Waren eine zoll-
tarifarische Vorzugsbehandlung angedeihen zu lassen, und u. a.
ihren Carolinareis (bezw. was als solcher bezeichnet wurde!) zu
billigeren Sätzen dort einführen konnten, ging die Bremer Reis-
ausfuhr nach Kuba unaufhaltsam zurück. — Der zweite schwere
Verlust betraf Argentinien. Die zahlreich dort ansässigen
Italiener bevorzugen, wie die Fabrikate, so auch den Reis ihres
Vaterlandes. Auch nahmen argentinische Firmen die direkte Ein-
fuhr aus Ostindien auf. — Endlich ging s. Z. die Wiederausfuhr
nach Österreich wegen einer die indirekte Einfuhr schwer treffen-
den Zollerhöhung zurück, die erst auf Vorstellungen der Reichs-
regierung wieder aufgehoben wurde — aber da war der Schade
schon geschehen! Alles dies wirkte naturgemäß auf die Ausfuhr
aus Bremen ungünstig ein.

Waren so manche widrige außernationale Umstände wirksam,
um das Auslandsgeschäft zu erschweren, so erfuhr das Inlands-
geschäft eine herbe Stockung durch zollpolitische Maßnahmen
        <pb n="71" />
        ﻿64

der Reichsregierung. — Bekanntlich weigerten sich Hamburg"
und Bremen anfänglich, dem deutschen Zollverein beizutreten, da
sie dadurch Nachteile für ihren Handel befürchteten. Nachdem
Bismarck zuerst Hamburgs Widerstand gebrochen hatte, mußte
auch Bremen seine ablehnende Haltung auf geben. Während es
aber Hamburg gelang für sich auszubedingen, daß innerhalb seines
Freihafengebietes von Zöllen und Zollaufsicht befreite Fabriken
zur Veredelung eingeführter zollpflichtiger Waren errichtet werden
durften, war es Bremen trotz vieler Bemühungen nicht möglich,
beim Bundesrat die gleiche Vergünstigung durchzudrücken. Die
Folge war, daß sich u. a. eine starke Reisbe- und Verarbeitungs-
industrie im Hamburger Zollausschußbezirk entwickelte, die, weil
zolltarifarisch begünstigt, den Bremer im Zollinlande belegenen
Fabriken einen großen Teil ihres Geschäfts wegnehmen konnte.
Die den Bremer Mühlen gewährten Ausbeutesätze sind zu gering
— ja ungenügend in solchem Maße, daß sie sogar gegen die öster-
reichischen Mühlen (billiger Wasserweg von Aussig ab die Elbe
herunter!) im Nachteil sind.

Diese Schädigung eines Gemeinwesens, das sowieso unter den
schwersten finanziellen Opfern um seine Existenz ringen muß, zu-
gunsten eines ungleich kräftigeren Platzes konnte nicht von vorn-
herein beabsichtigt sein. Daß sie aber tatsächlich eingetreten ist,
ist unbestreitbar und kann genau nachgewiesen und von den maß-
gebenden Stellen nachgeprüft werden. Die wiederholt geäußerte
dringende Bitte Bremens, in dieser Beziehung mit der Nachbar-
stadt gleichgestellt zu werden, scheint deshalb nicht unbillig. An
der Schwächung Bremens kann die Reichsregierung kein Interesse
haben. Sie muß vielmehr wünschen, seine Konkurrenz- und
Widerstandskraft schon deshalb zu steigern, weil sie sich auf nur
einen Hafen, und sei er noch so bedeutend, nicht stützen darf.
Sonst ist im Falle seiner aus irgend einem Grunde erfolgten
Schließung (Choleraepidemie in Hamburg!) der Schade für die
Allgemeinheit zu groß. Es muß gehofft werden, daß der Bundes-
rat abermaligen Vorstellungen ein willigeres Ohr leiht (vergl. hier-
zu Seite ii 6.)

Auch wenn man die oben erwähnten drei Hauptartikel außer
Betracht läßt, ist die übrige Einfuhr Bremens aus Ostindien nicht
annähernd im Vergleich zu derjenigen Hamburgs gewachsen. Bremens
Einfuhr, noch 1888 mit 71/2 Millionen Mk. die höchste bis dahin
erreichte hamburgische Einfuhrziffer weit übertreffend, hob sich
bis 1891 auf über 12 Millionen Mk., ist auf diesem Punkte aber
        <pb n="72" />
        ﻿65

bis 1908 stehen geblieben und hat ihn 1909 sogar wieder unter-
schritten. Hamburg dagegen überschritt 1908 bezw. 1907 den
Stand von 1888 um 981/2 bezw. 1521/2 Millionen Mk.! Beteiligt
waren dabei im letzteren Jahre: Rindshäute mit 371/2, Raps und
Rübsaat mit 20, Leinsaat mit io1/2, Schellack mit q1/4, Kopra mit 8
und Sesamsamen mit 6 Millionen Mk. Wie mager nehmen sich
dagegen die oben (S. 59) mitgeteilten bremischen Zahlen aus!
Wie bedeutend ließe sich die bremische Einfuhr allein aus Ost-
indien noch steigern!

Die Ausfuhr Bremens nach Ostindien hat sich etwas
besser gestaltet. Bremen sowohl wie Hamburg haben sie in den
letzten zwanzig Jahren gleichmäßig, im Verhältnis 1 .'5,45, steigern
können. Zu berücksichtigen ist aber, daß bei kleineren Anfangs-
zahlen (Bremen!) weit leichter eine schnellere prozentuale Steigerung
zu erzielen ist als bei großen. Die durchschnittliche jährliche Zu-
nahme ist bei Hamburg 31/4, bei Bremen J/2 Millionen Mk.! Also
sieben Mal mehr! Hamburgs Einwohnerschaft ist aber nicht
sieben Mal größer als diejenige Bremens. Allerdings ist, was
hier erwähnt sein möge, die Zahl der Ein- und Ausfuhrfirmen
verhältnismäßig eine weit größere. Nach Kühn, der Ausfuhr-
zwischenhandel im Übersee-Verkehr; Berlin, 1908; S. 8 betrug
die Zahl solcher Firmen in

	nur Ausfuhr	Aus-u. Einfuhr	nur Einfuhr	ohne Angabe	zusammen
Hamburg. .	252	636	35	—	923
Bremen. . .	19	38	3	2	62

Demnach beständen in Hamburg fünfzehn Mal mehr solcher Firmen
als in Bremen. Im Durchschnitt wären sie also viel kleiner als
die bremischen. Da versteht man um so weniger, warum die
großen bremischen sich nicht mehr gerührt haben. Zweitens muß
man sich fragen: Hamburgs Einwohnerzahl ist nicht ganz vier
Mal so groß als diejenige Bremens; an Ein- und Ausfuhrfirmen
aber hat es fünfzehn Mal mehr wie Bremen; ist denn Hamburgs
Lage vier Mal besser als diejenige Bremens? (Das müßte
sie sein, wenn in beiden Städten die Firmengründung entsprechend
und verhältnismäßig erfolgt wäre). Die trotz des großen Hinter-
landes Hamburgs notwendige Verneinung dieser Frage ist ein
Kompliment für seine Kaufmannschaft. Denn sonst wäre absolut
unverständlich, warum Hamburg sein gewaltiges Übergewicht erst
in den allerletzten Jahrzehnten erlangt haben sollte.

Gehrke, Bremens Warenhandel.

5
        <pb n="73" />
        ﻿66

b) China und Japan.

Von den Reichen im fernen Osten ist China vorderhand das
für Deutschland wichtigste. Japan, dessen gesamter Außenhandel
den bremischen an Umfang noch nicht erreicht hat, kommt erst
an zweiter Stelle.

Die Einfuhr Bremens aus China besteht zum größten Teil
aus Rohstoffen (1908 Sesamsamen für 3, Tee für z1/^ Bettfedern
und Daunen für 11/4, Baumwolle für i1/4, Schweinsborsten für
x/2 Millionen Mk.). Der chinesische Handel ist noch gänzlich passiv.
Beim aufgeklärteren, industrietätigeren Japan treten die Fabrikate
in den Vordergrund, besonders Seiden- und Halbseiden- sowie
Galanterie- und Kurzwaren. Die verschiedene Stellung der beiden
Länder in Industrie und Kultur drückt auch dem Ausfuhrhandel
dorthin ein verschiedenes Gepräge auf. Nach China gehen über-
wiegend Industrieerzeugnisse (1908 Baumwollwaren im Werte von
13, Wollwaren für 1, Farbstoffe — Indigo — für 3, Farbewaren
für U/4, Eisenwaren für 2, Maschinen für 3/4 Millionen Mk.) In
der Ausfuhr nach Japan nehmen umgekehrt Rohstoffe und Halb-
fabrikate, die dort weiterverarbeitet werden, einen breiteren Raum
ein (Eisenblech, Draht und Nägel für 5x/2 Millionen Mk.); da-
neben werden an Fertigfabrikaten vornehmlich Textilwaren (für
5Y2 Millionen Mk.) und Färb waren (für i3/4 Millionen Mk.) aus-
geführt. Zahlenmäßig stellt sich die Gliederung nach der in der
bremischen Statistik üblichen Einteilung:

Tabelle XXV.

Warenverkehr Bremens mit China und Japan i. J. 1908.

Verzehrungs-  gegenstände		Rohstoffe und  Halbfabrikate	Manufaktur-  waren	And. Industrie- erzeugnisse		Zusammen
dz	1000 jt	dz jioooM	dz \1000M.	dz	1000^	dz jiooo^

Einfuhr von

China	2 7 OOO	3 087	116000	8345	—	280	5 000	547	148000
Japan	I OOO	133	16000	2 82g	I OOO	2 243	9 000	1 942	27000
				Ausfuhr nach					
China	16 OOO	1180	83000	6 232	29 OOO	14 528	57000	4401	185000
Japan	2 OOO	238	2 21 OOO	9 3G	11 OOO	S 759	I5IOOO	5 653	385000

Von den beiden Ländern zusammen wurden im Jahre 1908 also
Waren im Gewichte von 175000 dz. in Bremen eingeführt, während
mehr als das Dreifache, nämlich 570000 dz., nach dort verfrachtet
wurden. Ein recht ungünstiges Verhältnis; in den nichtdeutschen
        <pb n="74" />
        ﻿6?

Zwischenanlaufshäfen werden die Sachen ähnlich liegen. Zwecks
besserer Ausnutzung der Schiffsräumte müßte man der einkommen-
den Fahrt größere Gütermengen zuzuführen bedacht sein.

Die Handelsbeziehungen Bremens zum fernen Osten gehören
zu den wenigen wirklich erfreulichen Erscheinungen im Gesamt-
bilde seines Handelsverkehrs. Verhältnismäßig hat sich bei
Bremen die Ausfuhr nach dort, bei Hamburg die Einfuhr von
dort stärker gehoben. Die relativ hohe Ausfuhr ist um so be-
deutungsvoller, als der Exporteur an ihr im allgemeinen mehr
verdient als an der Einfuhr, bei der es sich vielfach um Massen-
güter handelt, die — von der Schiffahrt sei hier abgesehen —
vom Kaufmann in der Regel nur mit sehr geringem häufig in
keinem Verhältnis zum Risiko stehendem Aufschlag weitergegeben
werden können.

Daß die Bedeutung Ostasiens für den bremischen Handel
von den maßgebenden Kreisen voll gewürdigt wird, geht u. a.
aus verschiedenen Jahresberichten der Handelskammer hervor.
Noch 1904 betont sie, »daß man von deutscher Seite allen Ver-
suchen Englands, die Yangtse-Gebiete als speziell englische Inter-
essensphäre zu bezeichnen, mit größter Festigkeit entgegentreten
muß.« Der interessanteste Versuch, den Handel Bremens mit
China und Japan zu heben, wurde 1896 unternommen. In diesem
Jahre wurde nämlich eine Sachverständigenkommission dorthin ge-
sandt, um die Handelsverhältnisse genau zu studieren. Die Baum-
wollbörse gewährte dazu einen Beitrag von 30000 Mk., der Nord-
deutsche Lloyd freie Fahrt. Wenn die Arbeit der Kommission
keine in die Augen springenden Erfolge zeitigte, so liegt das nicht
etwa an dem System, sondern daran, daß Ostasien seitdem eigent-
lich überhaupt noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Erst brachte
das Ende des Jahrhunderts den japanisch-chinesischen Krieg, dann
kamen die Boxerunruhen, und endlich entlud sich der lange latent
gebliebene Gegensatz zwischen Rußland und Japan in einem ge-
waltigen Kriege, der die Luft wohl etwas reinigte, sie aber doch
nicht ganz zu klären vermochte.

Die Wirkungen des russisch-japanischen Krieges sind in der
Tabelle deutlich erkennbar. Das Jahr 1905 zeichnet sich durch
eine bemerkenswerte Steigerung der Ausfuhr nach beiden Ländern
und einen Rückgang der Einfuhr aus denselben aus.

5*
        <pb n="75" />
        ﻿68

5. Handel mit Äfrika.

Tabelle XXVI.

Bremens Warenverkehr mit dem dunklen Erdteil bewegte sich in
folgenden Grenzen (Werte in 1000 Mk.).

Jahr	Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhrüberschuß
i86g	1 458	495	963
1878	2 358	635	1723
1888	8 549	848	7701
1898	11 078	1278	9 800
1903	13 520	2 493	11 027
1904	12 354	2074	10 280
1905	17 710	2 781	14929
1906	15367	4343	II 024
1907	20 832	4743	16 089
1908	16145	4923	II 222
1909	3° 493	4734	25759

Von der Einfuhr entfällt mehr als die Hälfte auf das Kapland.
Die Ausfuhr geht besonders nach den verschiedenen Gebieten an
der ganzen mittleren afrikanischen Ost- und Westküste.

Prozentual ist der Einfuhrüberschuß sehr groß. Es ist ein
Austausch verhältnismäßig wertvoller Naturprodukte gegen Fertig-
fabrikate, deren Bedarf aber wegen der schwachen Bevölkerung
und der niedrigen Kulturstufe, der Bedürfnislosigkeit und Armut
der Eingeborenen ein nur geringer ist. Die Ausfuhr dorthin steht
dementsprechend unter dem Zeichen »durchweg Ramschware.«
Das Geschäft ist ein ausgesprochenes Faktoreigeschäft, ein Ver-
trieb der eingeführten Waren durch eigene Niederlassungen und
Agenten. Der Anteil Bremens am afrikanischen Handel ist nur
gering, obwohl er recht alten Ursprungs ist. Hemmend für ihn
war das Fehlen guter direkter Schiffsverbindungen. Diese wie
der Handel sind fast ausschließlich in hamburgischen Händen.

Selbstredend ist der Handel Bremens mit Afrika einer be-
deutenden Steigerung fähig. Nachdem das Hinterland der deut-
schen Kolonien allmählich durch Bahnen aufgeschlossen und da-
durch auch für wertvollere Fabrikate aufnahmefähig wird, ist die
Möglichkeit vorhanden, sich noch rechtzeitig einen entsprechenden
Anteil am Handel mit diesen jungfräulichen Gegenden zu sichern.
Hamburg in seinen alten Domänen zurückzudrängen hält schwer,
da das Beharrungsgesetz und nicht selten finanzielle Abhängigkeit
solchen Bestrebungen einen Damm entgegensetzen. Doch wird
sich die Einfuhr der für die Nahrungsmittelindustrie wichtigen
        <pb n="76" />
        ﻿6g

tropischen Rohprodukte immerhin vergrößern lassen, um so mehr,
weil Bremen großer Selbstverbraucher darin ist.

Wir haben gesehen, daß außer bei Mittelamerika mit seinen
besonderen Verhältnissen Bremen überall da, wo es nach Errichtung
guter direkter Schiffsverbindungen ernsthaft und unbeirrt durch
zuerst sich auftürmende Schwierigkeiten in den Konkurrenzkampf
eintrat, Erfolge hatte. Vornehmlich in solchen Gegenden, wo sich
der Kaufmann bestehendem bereits spezifisch ausgebildetem Ge-
schmack nicht sklavisch anzupassen brauchte, sondern wo die Be-
völkerung wahllos alle Kulturgüter aufnahm und in einer be-
stimmten Richtung erzogen werden konnte. Auch Afrika bietet
noch ein weites Feld der Betätigung, weil Handel und Verkehr
nur erst sehr unvollkommen ausgebildet sind. Wenn dort auch
Hamburg fest im Sattel sitzt und wenn auch England aus poli-
tischen Gründen einen gewissen Vorsprung hat, wird man doch
den Schluß wagen dürfen, daß für Bremens Afrikahandel zwar
kein so außerordentlicher Aufschwung wie bei Ostasien und
Australien, aber doch immerhin ein entsprechender, die kauf-
männischen Einführungskosten und die eventuellen Verluste der
Schiffahrtsgesellschaften in den ersten Jahren (anfängliche Verluste
der Hamburg-Bremer Afrika-Linie!) auf die Dauer doch reichlich
lohnender erheblicher Aufschwung des Verkehrs aller Wahrschein-
lichkeit nach eintreten wird.

Am wichtigsten für den bremischen Handel sind vorderhand
die britischen Besitzungen in Südafrika. Sind sie doch eins der
Hauptproduktionsländer für Schafwolle. In welchem Maße sich
der deutsche Warenverkehr mit Südafrika zwischen Hamburg und
Bremen teilt, ist aus Tabelle 27 ersichtlich.

In der Wolleinfuhr ist zunächst die Tatsache festzustellen, daß
die Einfuhr über Bremen bis zum Jahre 1897 durchweg überwiegt.
Dann gewinnt Hamburg einen Vorsprung, und obschon Bremen
bei den anormalen Verhältnissen d. J. 1900 noch einmal ein kleines
Mehr aufweisen konnte, so ist es doch schon 1901 mit der Herrlich-
keit wieder vorbei. Seitdem bis einschließlich 1908 steht einer
direkten Wolleinfuhr Bremens aus Südafrika im Gesamtwerte
von 7 61/2 Millionen Mk. eine solche Hamburgs im Werte von
io51/2 Millionen Mk. gegenüber.

Was bei Bremen als Einfuhr außer Wolle bleibt und was
an Ausfuhrgütern nach Südafrika geht, ist so lächerlich gering,
daß es einer Erwähnung nicht wert ist.
        <pb n="77" />
        ﻿Tabelle XXVII.

Warenverkehr mit Britisch-Südafrika (Wert in 1000 Mk.).

fahr		B r e	men		Hamburg*)			
	Einfuhr  über-  haupt	Einfuhr  von  Schaf-  wolle	Einfuhr  ohne  Schaf-  wolle	Ausfuhr	Einfuhr  über-  haupt	Einfuhr  von  Schaf-  wolle	Einfuhr  ohne  Schaf-  wolle	Ausfuhr
1888	8 110	8 100	IO	87	2 691	2 363	328	
1889	10 794	10 779	15	421	10 544	10 075	469	8 433
1890	8 420	8 418	2	339	6 434	6 056	378	7 863
1891	9 074	9 073	1	122	10 785	10 348	437	7 549
1892	IO 412	IO 409	3	311	7 891	7 488	403	8 601
1893	9 4°4	9 402	2	588	6 487	5 54i	946	11 604
1894	9 225	9 216	9	274	7 983	7 251	732	13 324
1895	10 412	10 380	32	552	8 097	7 291	806	14 790
1896	13 131	13 117	14	608	II O4I	10 096	945	22 830
1897	8 732	8 732	—	53°	9 470	8 642	828	18 651
1898	8 576	8 539	37	392	12 229	10 628	1601	17 348
1899	12 254	12 239	15	419	17 639	16 245	1394	14 44°
1900	4 986	4 978	8	939	5 149	3 574	1575	16 995
IQOI	6 011	5 999	12	1184	9 921	7 949	1972	28 144
1902	6 024	6 005	19	1 3X9	13 189	10 585	2 604	42 279
1903	9 756	9 740	16	797	13 022	10 998	2 024	42 4O9
1904	8285	8 275	IO	594	13 597	10 993	2 604	24 393
1905	13 047	13 °39	8	566	16 646	13 44i	3 205	26 561
1906	10 350	10 341	9	644	17 922	14 432	3 490	26 140
1907	13 338	13 298	40	429	25 277	19 363	5 914	22 053
1908	9 883	9 868	15	470	23 57°	17 864	5 706	20 135
1909	17 155	17 060	95	387				

(

6.	Handel mit Australien.

Dem früher über Australien Gesagten ist an dieser Stelle
nur wenig hinzuzufügen.

Tabelle XXVIII.

Es belief sich (Werte in 1000 Mk.) Bremens australische

Jahr	Einfuhr	Ausfuhr	Einfuhrüberschuß	Ausfuhrüberschuß
1869	1295	788	5°7	
1878	268	903		635
1888	7803	IO 302		2499
1898	32075	14984	17 091	
1903	33160	16 967	16193	
1904	36251	17241	19 OIO	
1905	53 207	15718	37 489	
1906	71717	18 420	53 297	
1907	87 616	27145	60 471	
1908	67559	35 294	S2 265	
1909	93911	32 537	61 374	

*) Bis inkl. 1901 Kapland allein.
        <pb n="78" />
        ﻿7i

Tabelle XXIX.

Im Jahre 1908 kamen von der

Einfuhr	Ausfuhr

auf Verzehrungegenstände 6ooodzi.W. v, 3 000 Mk. 24000dzi.W. v. 1986 000 Mk.
„ Rohstoffen.Halbfabrik.539000 ,,	„	65399000	,,	544000,,	,,	10117000	,,

„Manufakturwaren	—	„	3000	&gt;&gt;	7000 &gt;&gt;	&gt;&gt;	5379000	»

„ and.Industrieerzeugn. —	„	79000	„	183000,,	„	16539000	„

Zusammen 545 ooodzi.W.v. 65 792 000Mk. 75 8000dzi.W.v. 34021 000Mk.

In der Einfuhr nimmt der Handel mit Rohstoffen und Halb-
fabrikaten weitaus die erste Stelle ein. Das Hauptkontingent stellt
die Schafwolle, die überhaupt 3/., der ganzen Einfuhr ausmacht.
1907 wurde sie für 68, 1908 für 481/2, 190g für 71 Ya Millionen Mk.
eingeführt. Daneben kamen im letzteren Jahre auf Kupfer 9, auf
Felle und Häute i1/2, auf Erze 21/,, Zinn H/4 und Blei 1 Million Mk.
In der Ausfuhr überwiegen dem Gewichte nach Eisenwaren (Draht 6,
grobe Eisenwaren 23/4, Maschinen 2 Millionen Mk.), an Wert
kommen ihnen die Erzeugnisse der leichten Industrien ziemlich
gleich (Baumwollwaren 33/4, Gummiwaren n1/2, Zündwaren und
Zündhölzer 1 x/4, Klaviere H/2 usw.). Zieht man auch die über
England gehende indirekte Ausfuhr nach Australien in Berück-
sichtigung, so wird man die Ziffern insbesondere für Textilwaren
nicht unerheblich erhöhen dürfen.

7.	Handel mit Europa.

Zum Schluß dieser Übersicht sei der Handelsverkehr
Bremens mit Europa selbst einer Betrachtung unterzogen. Ich
kann mich hier kürzer fassen, weil seine Entwicklung und seine
wesentlichen Eigenschaften vom Überseehandel, insbesondere von
der Überseeinfuhr, bestimmt werden. Was diese Bremen nicht
zuführt, kann es eben nicht weiter verhandeln. Die durch seine
Vermittlung erfolgende Ausfuhr deutscher Erzeugnisse nach
europäischen Ländern ist nur gering. Der Handel Bremens mit
dem außerdeutschen Europa zeigt deshalb ein anderes Aussehen
als derjenige mit den anderen Erdteilen. In ihm überwiegt weit-
aus die Ausfuhr.

Der Hauptartikel, der, ohne in Deutschland weiter verarbeitet
zu werden, ja häufig ohne das Zollgebiet überhaupt zu berühren,
von Bremen aus unmittelbar in das Ausland weiterverfrachtet wird,
ist die Baumwolle. Im Jahre 1908 wurde sie allein nach Österreich-
Ungarn, Rußland, den Niederlanden und Italien im Werte von
234, nach dem außerdeutschen Europa insgesamt im Werte von
        <pb n="79" />
        ﻿72

Tabelle XXX.

Umsatzziffern des Europahandels Bremens (Wert in 1000 Mk.)

Jahr	Einfuhr	Ausfuhr	Ausfuhrüberschuß
1869	74 136	80 297	6 161
1878	92 532	99 343	6 811
1888	89 262	101 540	12 278
1898	II9 385	179 196	59 811
1903	162 461	310257	147 796
1904	164 622	346 415	181 793
1905	181 940	315 374	r33 434
1906	190 850	365 180	174 330
1907	231377	467 496	236 119
1908	196541	466 355	269 814
1909	221 288	455 072	233 784

260 Millionen Mk. verschickt. Das ist mehr als die Hälfte der
europäischen Gesamtausfuhr. Wenn man dann noch die unmittel-
bare Wiederausfuhr der andern überseeischen Artikel berücksichtigt,
bleibt für die Ausfuhr eigener deutscher Waren nur eine Summe
von höchstens etwa 150 Millionen Mk. über. Das kann man nicht
gerade viel nennen.

Aus welchen deutschen Ländern die europäische Ausfuhr-
Bremens stammt, läßt sich nur schwer feststellen. In erster Linie
ist Preußen, daneben Sachsen beteiligt. Die Werte einiger der
wichtigsten Waren, die Bremen 1908 aus ihnen bezog, sind, in
Millionen Mk. ausgedrückt: Preußen: Eisen und Stahl 32, Waren
daraus 25, Maschinen 16, Düngesalze 14, Gummireifen 12, Getreide 9,
Zucker 9, Baumwollwaren 71/2, Wollwaren 63/4, Zigarren 5%,
Zement, Leder und Farbwaren je 21/2; Sachsen: Baumwollwaren
533/4, Wollwaren 1 i3/4, Pelzwerk 3o1/2, Schweinsborsten 4, Galanterie-
waren 33/4, Lithographien 33/4, Leinenwaren	Lederwaren 2,

Bücher und Drucksachen 2, Maschinen i3/4, Spitzen P/2, Spiel-
waren i1/2. Die Einfuhr aus Preußen besteht also mehr aus
Produkten der schweren Industrien und aus Landesprodukten,
aus Sachsen zu mehr als der Hälfte aus Textilwaren. Dies
Verhältnis ist auf den ersten Blick auffallend, da Preußen für
186 Millionen Mk. Baumwolle und Wolle über Bremen bezog,
Sachsen dagegen für nur Millionen Mk. Der Umstand findet
leicht darin seine Erklärung, daß die Hauptsitze der preußischen
Spinnstoffverarbeitungsindustrie anderen Häfen günstiger liegen.

Die Kalieinfuhr aus Preußen, die 1908 einen Wert von
141/a Millionen Mk. erreichte, wird aller Wahrscheinlichkeit nach
in den nächsten Jahren einen größeren Umfang annehmen. Noch
ist Hamburg der bevorzugte Ausfuhrhafen dank dem Umstande,
        <pb n="80" />
        ﻿73

daß es für die Verschiffung ab den älteren Grubenrevieren (Staßfurt
Schönebeck, Thüringen) günstiger liegt. Aber immer mehr ver-
schiebt sich der Schwerpunkt der Kaliförderung nach dem Aller-
und Weserbecken mit dem Verschiffungshafen Hameln hin. Man
darf deshalb wohl als sicher annehmen, daß die Ausfuhr über
Bremen über kurz oder lang prävalieren wird. Für die Stabilität
des bremischen Speditionshandels ist dies außerordentlich wichtig:
der Flußschiffahrt wird das Rückgrat gestärkt, die für die Korrektion
des Stromlaufes gemachten Aufwendungen verzinsen sich besser,
und es findet eine wünschenswerte — wenngleich in der Haupt-
sache nur quantitative — Steigerung der überseeischen Ausfuhr
statt, also eine bessere Ausnutzung der Schiffsräumte.

Die Bedeutung der Kalispedition hat man in Bremen ver-
hältnismäßig früh erkannt. Schon 1869 weist die Handelskammer
darauf hin. Trotzdem blieb die Einfuhr aus Preußen nach Lage
der Sache noch lange Jahre nur unbedeutend, 1896 betrug sie
erst 338000 dz. 1903 war sie schon um das Fünffache, auf
1 696000 dz, gestiegen und hat sich seitdem abermals verdoppelt.
Über die in den letzten Jahren nach Bremen gelangten Mengen
gibt die folgende Tabelle Auskunft.

Tabelle XXXI.

Einfuhr Bremens (in dz) von

Jahr	Kainit	Kalidüngesalz	Andere  Abraumsalze	Zusammen
1904	1 273 000	788 000		2 061 OOO
1905	1236 000	469 000	64 OOO	1 769 OOO
1906	1834 000	768 OOO	159 OOO	2 761 OOO
1907	2 115 000	927 OOO	224 OOO	3 266 OOO
1908	1630 000	562 OOO	185 OOO	2 377 OOO
1909	1836 000	693 OOO	341 OOO	2 870 OOO

Der Rückgang des Jahres 1908 ist äußeren Gründen zu-
zuschreiben. 1909 brachte schon wieder ein bedeutendes Mehr
(493 000 dz).

Die Einfuhr von Rübenzucker aus Deutschland war in den
einzelnen Jahren starken Schwankungen unterworfen. 1897 betrug
sie 865000 dz, 1908 nur 405000 dz, 1909 gar nur 377000 dz.
Ohne Zweifel wird dies z. T. auf die regere Exporttätigkeit
Hamburgs zurückzuführen sein, auf einen stärkeren dortigen Eigen-
handel in Zucker.

Insgesamt führte Bremen im Jahre 1908 aus Preußen 2i3/4
Millionen dz für z681/2 Millionen Mk., aus Sachsen 1/l Million dz
für i321/a Millionen Mk. ein.
        <pb n="81" />
        ﻿74

Nach der Stellung, die die europäischen Staaten zu
Bremen einnehmen, kann man eine Dreiteilung vornehmen. Da
sind zunächst die südeuropäischen Staaten und Frankreich, mit
denen Bremen aus rein geographischen Gründen wenig Berührungs-
punkte hat; nur die Einfuhr südrussischen Getreides ist von Be-
deutung. Die zweite Gruppe bildet England mit Holland und
Belgien; gemäß ihrer westlichen Nachbarlage sind diese Länder
gewissermaßen die nächste Station der transozeanischen Verkehrs-
linien, ein bald förderndes, bald hemmendes Durchgangsland. Die
dritte Gruppe endlich besteht aus den drei nordgermanischen
Reichen, Rußland, Österreich und der Schweiz; was die zweite
Gruppe für Bremen, das ist Bremen für diese letztgenannten
Länder: eine Vermittlerin, eine Art Vorposten.

Die südeuropäischen Staaten können aus dieser Untersuchung
ohne weiteres ausscheiden. Der Verkehr Bremens mit ihnen ist
gering und muß gering bleiben, Möglichkeit und Nutzen einer
aktiven Beeinflussung zum Zwecke seiner Hebung scheinen aus-
geschlossen. Der Handel Bremens mit Frankreich müßte aller-
dings größer sein. Direkte Schiffsverbindungen und alte Be-
ziehungen ließen ihn in Hamburg festeren Fuß fassen. Der
Hauptartikel der französischen Ausfuhr nach Bremen ist Wein,
der hier einen seiner Hauptmärkte besitzt. — Bremen ist ein alter,
berühmter »Weinplatz«, besonders für Bordeaux. Seine Bedeutung
als solcher scheint aber langsam zu schwinden, denn die nackten
Einfuhrzahlen sind: 1873:8216000 Liter; 1884:12055000 Liter;
1905512680000 Liter; 190857471000 Liter; 1909:9075000 Liter
Selbst wenn man die großen Schwankungen gerade der Wein-
ernten berücksichtigt, kann man sich doch im Hinblick auf die
Bevölkerungszunahme, die Deutschland seit dem Kriege aufzu-
weisen hat, des Eindrucks nicht verschließen, daß leider auch hier
ein Abbröckelungsprozeß vor sich geht. — Der Warenhandel
Bremens mit Frankreich hat seit 1871 eine Steigerung nicht
erfahren.

a) England, die Niederlande, Belgien.

Unter den Staaten der zweiten Gruppe ist England der weit-
aus wichtigste. Die Niederlande stehen in großem Abstande an
zweiter Stelle. Tabelle 32 gibt Auskunft darüber.

Trotz ihrer internationalen Vermittlerstellung nehmen die beiden
Reiche aber eine für uns durchaus verschiedene Stellung ein.
Die Niederlande stehen mit Bremen fast ausschließlich
        <pb n="82" />
        ﻿75

Tabelle XXXII.

Warenverkehr Bremens (Wert in 1000 Mk.) mit

	England				Niederland			e	Belgien			
Jahr	Einfuhr		Ausfuhr		Einfuhr		Ausfuhr		Einfuhr		Ausfuhr	
	Wert	%h	Wert	%*)	Wert	%*)	Wert	%h	Wert	%h	Wert	%h
1869	49 151	I4&gt;3	14509	4,6	2 916	o,9	4 101	1,3	1 478	°,4	2 786	o,9
1870	40 174	13,1	13689	4,5	2 893	o,9	4 889	1,6	1 953	0,6	3 583	1,2
1871	65 596	14,1	24459	5,7	3 716	0,8	4 878	1,1	1 564	0,3	3 773	o,9
1872	72 759	14.7	I77I5	3,8	5 381	1,1	6 395	1,4	3 718	0,8	4 863	1,0
1873	84 773	16,0	21 260	4,2	4 7°i	°,9	5 197	1,0	2 890	0,6	4 114	0,8
1874	77 745	15,6	21 207	4,7	5 994	!,2	4 736	1,1	2 985	0,6	2,695	0,6
1875	77 517	17,7	25254	6,1	5 809	1,3	4 975	1,2	I 722	0,4	2 826	o,7
1876	65 633	J4,4	22824	5,4	5 220	x,2	5 364	1.3	1 532	0,3	3 796	o,9
1877	55 803	12,6	18845	4,4	6 078	1,4	5 820	1,4	1 464	°,3	2 792	°,7
1878	56 013	12,7	20649	4,8	4 784	1,1	4 846	1,1	995	0,2	2 018	o,5
1879	71 848	15-2	24669	5,3	6 39°	i,4	6 016	1,3	804	0,2	2 707	0,6
1880	5° 342	9,o	33418	6,5	5 463	!,°	7 4°i	1,5	I II7	0,2	4 988	1 ,o
1881	58 833	10,6	33861	6,4	4 37°	0,8	7 732	1,5	902	0,2	4 551	0,9
1882	59 59°	ii,9	20434	4,2	5 651	1,1	6 933	1,4	691	0,1	4 801	1,0
1883	60 752	11,0	20408	3,9	7 768	1,4	8 624	1,7	785	0,1	3 458	0,7
1884	61 115	11,8	16126	3,2	7 756	1,5	7 570	1,5	1 377	0,3	1 689	°,3
1885	45 171	9,3	14815	3,1	9 732	2,0	6 941	1,4	1 598	0,3	1 642	o,3
1886	50 568	10,0	16148	3,3	11 286	2,2	6 637	1,4	3 423	0,7	1 783	0.4
1887	43 810	7,8	22934	4,3	10 009	1,8	6 969	1,3	3 724	0,7	2 24I	o,4
1888	34 931	5,7	23153	4,0	10 567	1,7	6 259	1,1	5 °66	0,8	2 285	o,4
188g	40 476	6,1	31138	5,o	II 381	1,7	6 845	1,1	5 671	0,9	2 563	o,4
1890	46 017	6,1	32313	4,6	II 025	i,5	7.742	i,1	8 621	!,2	2 150	o,3
1891	43 965	5,8	32594	4,6	10 014	i,3	9 431	1,3	5 617	0,7	6 082	o,9
1892	52 669	7,3	2927I	■4,3	9 029	i,3	8 980	1,3	5 461	0,8	2199	o,3
1893	46 °53	6,4	28422	4,2	10 816	i,5	7 529	1,1	4 044	0,6	3 464	o,5
1894	50 146	7,2	28085	4,2	10 662	i,5	8917	1,3	3 US	0,5	2 707	o,4
1895	46 697	5,8	32717	4,3	11481	1,4	7 319	1,0	4 948	0,6	2 875	o,4
1896	45 263	5,5	30637	3,8	12 523	i,5	9 974	1,2	4271	0,5	3 574	o,4
1897	45 604	5,1	34178	4,0	14 462	1,6	9 132	1,1	3 417	0,4	2 817	o,3
1898	52 557	5,6	39043	4,4	14 533	1,6	8 687	1,0	2 390	0,3	3 087	o,4
1899	61 068	&lt;5,7	52420	6,0	16 966	1,9	8 521	1,0	2 602	°,3	4 980	0,6
IQOO	48 228	4,4	63916	6,1	J2 351	1,1	16 346	1,6	1 958	0,2	3 262	o,3
1901	57 243	5,4	62337	6,2	13 196	1,2	14 586	1,5	2 952	o,3	4 027	0,4
1902	51 864	4,8	69911	6,8	13 086	1,2	14 294	1,4	3 126	°,3	3 662	o,4
1903	62 069	5,1	70367	6,1	14 593	1,2	15 l?2	1,3	4 765	0,4	2 964	o,3
1904	61 094	4,7	77 4X3	6,2	17 595	1,4	17 699	1,4	4 177	°,3	2 445	0,2
1905	61 235	4,6	80822	6,4	17 628	1,3	17 425	1,4	1 482	0,1	3170	0,3
1906	61 689	4,1	110867	7.6	23 768	1,6	20 225	1,4	1 379	o,1	3 565	0,2
1907	74 909	4,1	144385	8,3	28 656	1,6	21 781	1,3	2 043	o,1	6 540	0,4
1908	73 588	4,4	128995	8,0	22 569	1,3	23 341	1,5	1 213	0,1	4 483	0,3
1909	64 124	3,7	141785	8,3	31 451	1,2	22 542	1,3	1 038	O,1	5 216	0,3

in Rohstoffverkehr. Im Jahre 1908 führten sie nach hier für
etwa 18Y2 Millionen Mk. Tabak (Sumatra und Java) aus und be-
zogen von hier für die gleiche Summe Tabak (4) und Baumwolle
(14Y4 Millionen Mk.). Ich sage »im Verkehr mit Bremen.« Denn
im Verkehr mit dem Deutschen Reiche geht bekanntlich

*) Der Gesamteinfuhr bezw. der Gesamtausfuhr.
        <pb n="83" />
        ﻿auch ein erheblicher Teil der Ausfuhr an Industrieerzeugnissen
über sie, weil Rotterdam als die eigentliche Rheinmündungsstadt
der Hauptkanal ist, den die gewaltige schwere Industrie Rhein-
land-Westfalens ebenso wie die Textilindustrie des linksrheinischen
Deutschland für ihre Ausfuhr benutzen muß.

Umgekehrt tritt bei Bremens Handel mit den britischen
Inseln der Austausch von Industrieprodukten in den Vorder-
Die Zahlen für 1908 sind;

Tabelle XXXIII.

Warenverkehr Bremens mit England.

grund.

Einfuhr

Ausfuhr

Verzehrungsgegenstände 65 000 dzi.W.v. 2 222000M.424000dzi.W.v. 9565000M.
Bau- u. Brennmaterialien	3143000,,	„	5274000 „	141000,,	„	480000,,

And. Rohst, u.Halbfabrik. 360000 „	„	37727000 „ 255000,,	„	32007000 „

Manufakturwaren	43000,,	„	21985000 „	43000,,	„	35136000,,

And. Industrieerzeugnisse	40000,,	„	6380000 „	298000,,	„	51807000,,

Zusammen 3651000 dz i.W.v.73 588000M. 1161000dzi.W.v.tzSggsoooM.
In der Einfuhr überwiegt der Menge nach die Steinkohle. Dem
Werte nach waren an ihr beteiligt; Schafwolle mit 15% (davon
australische mit io1/^, rohes Pelzwerk mit 61/2, Gummi elasticum
mit 1 und von Industrieerzeugnissen Baumwollwaren mit 17, Garne
mit 43/4, Wollwaren mit 31/2, Maschinen mit 2, schwefelsaures
Ammoniak mit 2 Millionen Mk. In der Ausfuhr dorthin erscheinen
außer den Roh- und Halbfabrikaten der Eisenindustrie fast nur
Fertigfabrikate gewisser Spezialzweige der deutschen Industrie, so
Baumwoll- und Wollwaren und Wollgarne für zusammen 36 Milli-
onen Mark, Gummi waren, Zucker, Maschinen, Leder-, Glas- und
Porzellanwaren, Papier und Papierwaren, Spielzeug, Instrumente usw.,
Pelzwerk.

Von Rohstoffen wird in größeren, aber keineswegs ausschlag-
gebenden Mengen nur noch Wolle über England eingeführt, die
auf den regelmäßig stattfindenden Londoner Wollauktionen frei-
händig eingekauft wird. Bezüglich der übrigen Rohprodukte haben
wir uns von Londons und Liverpols Bevormundung und Zwischen-
händlerstellung befreit. Wenn es Bremen auch nicht gelungen
ist, abgesehen von Baumwolle und z. T. von Schafwolle, den
direkten Import an seine Flagge zu fesseln, so hat es doch sein
Teil dazu beigetragen, daß wenigstens das größere Vaterland für
den Bezug der andern wichtigen Ausfuhrgüter der heißeren Zonen
nicht mehr von England abhängig ist.

Inbezug auf den Austausch von Industrieprodukten findet
        <pb n="84" />
        ﻿77

zwischen Deutschland und England eine bemerkenswerte Pro-
duktionsteilung statt. Die je aus dem andern Lande bezogenen
Fabrikate sind größtenteils dessen Spezialartikel, in denen das
eigene Land nicht konkurrieren kann. Besonders zeigt sich dies
in der Textilindustrie. In der obigen kleinen Zusammenstellung
kommt dies deutlich zum Ausdruck.

Die aus England eingeführten Fabrikate gelangen mit wenigen
Ausnahmen in Deutschland selbst zum Verbrauch. Daß dagegen
England, hauptsächlich für deutsche Textilprodukte, fast nur ein
für eigene Rechnung kaufendes Durchgangsland ist, ist schon
erwähnt. Unzweifelhaft ist das kein idealer Zustand. Der Zwischen-
gewinn, der den englischen Exporteuren zufällt, könnte ebenso-
gut von deutschen Firmen verdient werden. Aber darin wird nur
langsam eine Änderung eintreten können. Die Waren gehen
vielfach nach englischen Kolonien, und dort die Konkurrenz
unserer Vettern jenseits des Kanals aus dem Felde zu schlagen
ist nicht so leicht, wie es in Nord- und Südamerika möglich war,
wo der freie Verkehr nicht durch politische Abhängigkeit be-
schränkt wird.

Am Gesamteuropahandel Bremens ist England 1908 in der
Einfuhr dem Werte nach mit 37%, in der Ausfuhr mit 27% be-
teiligt. Bei Hamburg dagegen nimmt der englische Warenverkehr
in der Einfuhr genau die Hälfte und auch in der Ausfuhr mehr
als 2/s ein- Absolut übersteigt die englische Einfuhr Hamburgs
die bremische vier Mal und seine englische Ausfuhr diejenige
Bremens mehr als sieben Mal. In der Einfuhr erscheint bei
Hamburg im Jahre 1907 allein Wollen- und Halbwollengarn mit
78V2 Millionen Mk., also schon in einem einzigen Artikel ein
Umsatz, der die ganze bremische Einfuhr aus England an Wert
hinter sich läßt; Baumwollengarn ferner wurde für Ö41/2, andere
Baumwollwaren wurden für 46 Millionen Mk. eingeführt; die Ein-
fuhrsumme von Steinkohle erreichte 6 7^2 (Bremen 1908:5), von
Eisen und Stahl 38, von Gummi elasticum 25, von Heringen 10
Millionen Mark. In der Ausfuhr glänzen Zucker (Kristallzucker,
roher Zucker und Raffinaden) mit 1741/2, Eier mit 17 Millionen
Mark usw. Die bremischen Zahlen verschwinden dagegen.

Daß Hamburgs Ausfuhr in den beiden letztgenannten Ar-
tikeln viel bedeutender ist als diejenige Bremens, ist leicht erklär-
lich. Liegt doch der Hauptsitz der Rübenzuckerfabrikation im
mittleren Elbgebiet, kommen doch die Eier, die nach England
weiter gehen, aus dem federviehreichen Osteuropa. Uber die eng-
        <pb n="85" />
        ﻿lische Textilwareneinfuhr Hamburgs ist zu sagen, daß ein großer
Teil derselben — analog England! — nicht im eigenen Lande
bleibt, sondern für hamburgische Rechnung wieder ins Ausland
geht. Da nun Hamburgs Gesamtausfuhr die bremische übertrifft,
liegt in seiner englischen Mehreinfuhr kein für Bremen gefähr-
liches Zeichen versteckt. Trotzdem ist es sehr wohl wünschens-
wert und auch sehr wohl möglich, den britischen Handel mehr
nach Bremen zu ziehen. Nach Verbesserung des Schiffahrtsweges
der Oberweser und im Anschluß daran erfolgter Angliederung
eines reicheren, lokal ausgedehnten Hinterlandes haben die Ver-
hältnisse endlich eine für Bremen vorteilhafte Änderung erfahren.
Die schließliche Durchführung des großzügigen mittelländischen
Kanalprojektes wird eine weitere Gesundung zur Folge haben.

Am europäischen Verkehr Bremens waren die Staaten der
zweiten Gruppe im Jahre 1908 in der Einfuhr mit genau der
Hälfte, in der Ausfuhr mit etwa 1/3 beteiligt.

Haben wir im vorstehenden gesehen, daß Hamburg Bremen
im Verkehr mit der westlichen Hälfte Europas weit übertrifft, so
sahen wir doch auch, daß die Ursachen in dem historischen
Werden der Verhältnisse begründet liegen und daß sie mensch-
licher Beeinflussung zugunsten Bremens verhältnismäßig leicht zu-
gänglich sind. Wie in einer späteren Tabelle nachgewiesen wird,
hat sich das Anteilsverhältnis in den beiden letzten Jahrzehnten
schon sehr zum Vorteil Bremens verschoben. (Vergl. Tabelle 36).

b) Nord-, Ost- und Mitteleuropa.

Das Gleiche kann man vom nord- und osteuropäischen Ver-
kehrsbezirk in diesem Umfange leider nicht sagen. Da kommt
der große Vorteil, den Hamburg seine östlichere Lage gibt und
der selbst durch die fortgeschrittenste Technik nur verringert, aber
nicht aus der Welt geschafft werden kann, in vollstem Maße zur
Geltung, besonders seit der Aushebung des Nord-Ostseekanals.
Hamburg ist der östlichste Hafen der deutschen Nordseeküste, am
tiefsten in der Ausbuchtung der Nordsee gelegen, den die großen,
tiefgehenden Überseedampfer ohne zu leichtern erreichen können.
In ihm endigt die ozeanische Großschiffahrt mit ihren auf inter-
nationalen Abmachungen beruhenden Erachtenausgleichungen, und
die Küstenschiffahrt mit ihrer Frachtenstaffelung beginnt. In ihm
geben sich Nord- und Osteuropa mit den transozeanischen Erd-
gebieten die Hand.

Freilich, der Handel Bremens mit Rußland und auch mit
        <pb n="86" />
        ﻿79

Tabelle XXXIV.

Übersicht über Bremens Warenhandel i. J. 1908
mit Österreich-Ungarn und Rußland.

Einfuhr.

	Verzehrungs-  gegenstände		Bau- und Brenn- material.		Andere Roh- stoffe und Halbfabrikate		Manu-  faktur-  waren		Andere Indus trie- erzeugniss.		Zusamm en	
	dz	Wert  in  1000 «Alt	dz	•2^  ■£ 0 « 0  £2	dz	0001  Ul	dz	■S=|  1 8 5t2	dz	Wert in  1000 Mi	dz	•2 3  ■£ 0 £ §
Österreich-  Ungarn	96000	3805	1000	4	34000	2764	3000	1920	51000	11733	185000	20226
Europ.  Russland	4641000	53794	—	—	1375000	9396	—	18	1000	236	6017000	63444
					Aus:	’uhr						
Österreich-  Ungarn	21000	2736	—	I	861000	92603	2000	1642	8000	1580	892000	98562
Europ.  Russland	202000	5243	32000	82	II53000	II28lO	2000	IOO	54°o°	3602	1443000	121837

Österreich prangt mit stolzen Zahlen. Die Ausfuhr nach Rußland
z. B. erreicht fast diejenige nach England. Aber dadurch darf
man sich nicht blenden lassen. Die Baumwollausfuhr allein
macht nach Österreich 871/2, nach Rußland landwärts 42x/4 und
seewärts 671/4, zus. 1091/2 Millionen Mk. aus, d. h. in beiden
Fällen 9/10 der ganzen Ausfuhr. Der für Bremen sich daraus
ergebende Nutzen ist gewiß nicht gering anzuschlagen. Ver-
gegenwärtigt man sich aber, daß Hamburgs Ausfuhr auch nach
diesen Ländern sich nicht auf einen einzigen Stapelartikel
beschränkt, gegen den alles übrige bedeutungslos ist, sondern
eine große Vielseitigkeit aufweist, so liegen die damit verknüpften
Vorteile klar auf der Hand.

Die Einfuhr aus Rußland umfaßt natürlich zumeist Getreide.
Obenan steht 1908 Gerste mit 39 Millionen Mk. Erst in sehr
weitem Abstande folgen Roggen und Mais. Der Wert der Holz-
dieleneinfuhr belief sich auf 61/, Millionen Mk.

Umgekehrt setzt sich die Einfuhr aus Österreich, den langen,
teuren Transportwegen entsprechend, hauptsächlich aus Fabrikaten
zusammen, als Glas-, Galanterie- und Kurz-, Lederwaren, Bier,
Nähseide und Zwirn. Hält man dieser Einfuhr Bremens von mehr
als 20 Millionen Mk. diejenige Hamburgs entgegen, die noch nicht
einmal i1/2 Millionen erreicht, so weiß man mit dem Einwande
der günstigeren Lage letzterer Stadt schlechterdings nichts anzufangen.
Hamburg ist für Österreich günstiger gelegen. Und trotzdem
dieses Übergewicht Bremens, das auch nicht etwa durch Gegen-
seitigkeitsgeschäfte (Baumwolle, galizische Auswanderung) erklärt
        <pb n="87" />
        ﻿8o

werden kann! ? Man sollte meinen, was Bremen bei Österreich
gelang, sollte ihm unter gleichen Bedingungen auch anderswo
gelingen!

Der Handel mit dem skandinavischen Norden ist noch immer
ein Stiefkind Bremens. Man hat so recht keine Produkte, die man
dort oben anbieten kann, da sich der Hauptmarkt für die in erster
Linie für die Ausfuhr nach dort in Frage kommenden Kolonial-
waren in Hamburg befindet und man es für aussichtslos hielt, mit
dieser Stadt darin in Konkurrenz zu treten. Diesen kleinlichen
Standpunkt scheint man nach mancherlei Anläufen und Anzeichen,
die sich in den letzten Jahren bemerkbar machten, endlich verlassen
zu wollen. Jenen Ländern in der gleich kurzen Zeit, wie es
Hamburg vermag, zu liefern wird nie möglich sein. Aber wenn
die bremischen Reedereien ihren Fahrplan erweitern, das Netz der
Anlaufhäfen vergrößern und die Frachtraten auf hamburgischer
Basis halten, dann wird bei gleichem Warenangebot die geringe
Zeitdifferenz allein nicht mehr so schwer für Hamburg ins Gewicht
fallen. Die Ausgleichung der Küstenfrachtraten wäre allerdings
m. E. die conditio sine qua non, weil sie den Vorteil der östlicheren
Lage Hamburgs, das seine Übersee waren zu gleichen Sätzen
(abgesehen von der Weserschiffahrtsabgabe) bezieht wie Bremen,
z. T. wieder aufhebt.

Wenn sich die an der Unterweser ins Leben gerufene Eisen-
großindustrie günstig entwickelt, steht zu erwarten, daß sich mit
der Erzeinfuhr aus Schweden auch die Ausfuhr nach ihm und
den übrigen nordischen Ländern (Rückfrachten!) heben wird.

Die Umsätze, die der bremische Warenhandel mit den Staaten
der dritten Gruppe erzielte, gehen aus Tabelle 35 hervor. Von
einer Gegenüberstellung der hamburgischen Zahlen glaubte ich
hier absehen zu können, da sich das Nötige aus der folgenden
Tabelle (36) ergibt. Von der europäischen Ausfuhr Bremens ent-
fallen auf die letztbesprochenen Länder 3/5, von der europäischen
Einfuhr 2/s.

8.	Zusammenfassung.

Ich komme zum Schluß des speziellen Teils und gebe in
Tabelle 36 eine Übersicht, in welchen Erdteilen und wichtigeren
Ländern der Handel Bremens gegenüber demjenigen Hamburgs
hinter dem Durchschnitt zurückgeblieben ist oder ihn über-
schreitet, wenn man das zahlenmäßige Verhältnis, in dem die Ge-
samthandelswerte der beiden Städte zu einander stehen, als
Vergleichsobjekt nimmt. Die Zahlen des bremischen Handels sind
        <pb n="88" />
        ﻿rke, Bremens Warenhandel.

Tabelle XXXV.

Warenverkehr Bremens (Wert in 1000 Mk.) mit

Dänemark				Sc	ll w	e d e n		N orwegen				Österreich-Ungarn				R	ußland			Schweiz				Jahr
Einfuhr		Ausfuhr		Einfuhr		Ausfuhr		Einfuhr		Ausfuhr		Einfuhr		Ausfuhr		Einfuhr		Ausfuhr		Einfuhr		Ausfuhr		
Wert	O/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	Wert	O/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  7o	
86			2504	0,8	438	o,1	34W	1,1	1126	0,3	2228	0.7	6390	1,9	19674	6,2	4693	1,4	17422	5,5	262	0,1	10853	3,4	1869
93	—	1790	0,6	4°5	o,1	2936	1,0	733	0,2	2670	o,9	7024	2,3	24529	8,1	3457	1,1	22453	7,4	671	0,2	7877	2,6	1870
83	—	1893	0,4	844	0,2	4062	1,0	1192	0.3	2707	0,6	9355	2,0	25930	6,0	7462	1,6	16024	3,7	I579I	3,4	17136	4,0	1871
41	—	2359	°,5	769	0,2	4935	1,1	1664	o,3	3158	0,7	11138	2,2	33598	7,1	5706	1,2	11548	2,5	10522	2,1	10050	2,!	1872
71	—	2319	o,5	1190	0,2	554°	1,1	2290	0,4	4559	0,9	8820	1,7	43!o8	8,6	9722	1,8	17753	3,5	4333	o,8	12888	2,6	1873
43	—	2247	o,5	698	0,1	5881	i,3	1667	o,3	3958j	0,9	8424	1,7	37006	8,2	10721	2,2	20494	4,5	2795	0,6	IO7O7	2,4	1874
83	—	2566	0,6	894	0,2	5061	1,2	1208	o,3	3928	0,9	7656	1,8	32474	7,8	7427	1,7	12495	3,o	2386	0,5	7271	1,8	1875
37	—	2890	o,7	789	0,2	5396	i,3	1243	°,3	4419	1,1	6716	1,5	34736	8,2	13142	3,0	14422	3,4	1923	0,4	6345	1,5	1876
24	—	2778	0,6	343	0,1	5802	i,4	783	0,2	4254	1,0	6549	1,5	35976	8,4	13754	3,1	13421	3,i	1693	0,4	6448	1,5	1877
5	—	2485	0,6	465	0,1	4969	1,2	505	O,!	2846	0,7	7275	1,7	36477	8,5	14732	3,3	14316	3,3	891	0,2	7214	1,7	1878
23	—	2479	o,5	1083	0,2	3796	0,8	543	0,1	3009	0,6	7111	1,5	37390	8,0	18809	4,0	11685	2,5	432	0.1	6944	1,5	1879
97	—	2645	°,5	748	0,1	5596	1,1	525	0,1	3607	0,7	11193	2,0	42929	8,4	12653	2,3	11969	2,3	607	0,1	8540	1.7	1880
12	—	3033	0,6	754	o,1	5761	1,1	553	0,1	3405	0,7	10639	1,9	41862	8,0	10468	1,9	17060	3,2	588	o,1	II599	2,2	1881
l6	—	2531	o,5	477	0,1	4784	1,0	448	o,1	2627	0,5	9873	2,0	34084	7,i	11574	2,3	14050	2,9	1177	0,2	10373	2,2	1882
IO	—	2674	o,5	792	o,1	5637	1.1	653	0,1	33°6	0,6	10693	1.9	39732	7,6	12512	2,3	I804O	3,5	873	0,2	12230	2,3	1883
43	—	2916	0,6	546	0,1	6263	1.3	831	0,2	4019	0,8	12211	2,4	37342	7,5	15354	3.0	I437I	2,9	1150	0,2	9842	2,0	1884
97	—	3041	0,6	547	0,1	6138	1,3	640	0,1	3553	0,7	8756	1,8	35074	7,3	13303	2,7	12028	2,5	552	0,1	7540	1,6	1885
62	—	2387	o,5	628	o,1	5469	1,1	553	0,1	3341	0,7	8711	1,7	28913	5,9	9676	1,9	I435I	2,9	727	0,1	7824	1,6	1886
70	—	2547	o,5	659	o,1	5738	i,i	614	0,1	2771	0,5	8499	1,5	36278	6,8	10382	1.8	18776	3,5	692	o,1	10761	2,0	1887
70	—	2796	o,5	838	O,1	5558	1,1	702	0,1	2998	0,5	9087	1,5	28970	5,o	14272	2,3	13339	2,3	700	o,1	7946	1,4	1888

Jahr

1869

1870

1871

1872

1873

1874

1875

1876

1877

1878

1879

1880

1881

1882

1883

1884

1885

1886
! 1887

1888
        <pb n="89" />
        ﻿Tabelle XXXV (Fortsetzung).

Warenverkehr Bremens (Wert in 1000 Mk.) mit

	.Dänemark				Sc	h w	e d e n		Norwegen				Ös terr	eich-Ungarn			Rußland				Schweiz				
Jahr	Einfuhr		Ausfuhr		Einfuhr		Ausfuhr		Einfuhr		Ausfuhr		Einfuhr		Ausfuhr		Einfuhr		Ausfuhr		Einfuhr		Ausfuhr		Jahr
	Wert	O/l  /o	Wert	O/J  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	Wert	O/  /o	Wert	0/  /o	Wert	0/  /o	
1889	77	_		°,5	1282	0,2	65W	1,0	781	°)1	3°36	0,5	10241	1,5	36564 5,8		15789	2,4	18604	3,0	897	0,1	IO94I	1,7	1889
1890	92	—	3i89	o,5	1093	0,2	5474	0,8	776	0,1	2678	0,4	12413	i,7	478x6j6,8		16773	2,2	15981	2,3	637	0,1	17970	2,5	1890
1891	83	—	4114	o,6	«55	0,1	5768	0,8	640	0,1	3877	o,5	9782	i,3	45924	6,4	20222	2,7	18357	2,6	868	0,1	12289	i,7	1891
1892	204	—	4222	0,6	1815	0,2	6313	0,9	664	0,1	3805	0,6	IO4OO	i,5	38598	5,6	6872	1,0	14348	2,1	564	0,1	11536	i,7	1892
1893	76	—	4667	o.7	1899	0,3	6662	ij°	553	0,1	4299	0,6	10666	r,5	39700	5,9	6806	0,9	9877	i,5	618	0,1	1x366	i,7	1893
1894	66	—	4465	o,7	1998	0,3	6033	0,9	663	0,1	333°	o,5	7786	1,1	36327	5,4	20093	2,9	*4347	2,1	549	0,1	12473	1,9	1S94
1895	73	—	4650	0,6	1755	0,2	5594	0,7	629	o,1	3624	o,5	9924	1,2	42477	5,6	27847	3,5	17939	2,3	514	O,1	12051	1,6	1895
1896	88	—	4975j	0,6	2038	0,3	5252	0,6	1759	0,2	3364	0,4	10706	1.3	42364	5,2	22986	2,8	28783	3,6	757	°&gt;I	13299	1,6	1896
1897	79	—	5528	0,7	3358	0,4	7796	0,9	856	o,1	3405	0,4	9595	1,1	5°2 71	5,9	23854	2,7	347W	4.1	504	0,1	12281	1,4	1897
1898	92	—	5917	0,7	3041	0,3	8350	0,9	1027	0,1	4963	0,6	9424	1,0	44949	5,i	22635	2,4	42077	4,7	600	0,1	13930	1,6	1898
1899	78	—	640g	0,7	4I3°	0,5	8972	1,0	901	0,1	5162	0,6	12204	1,3	45300	5,2	22979	2,5	40340	4,6	664	0,1	lO/Oy	1,2	1899
1900	106	—	6690	0,6	4617	0,4	10712	1,0	923	o,1	5336	0,5	H933	1,1	60971	5,8	29302	2,7	60743	5,8	633	O,1	14471	1,4	1900
1901	208	—	8407	0,8	3232	0,3	11913	1,2	657	o,1	5796	0,6	14556	1,4	63092	6,3	27820	2,6	53887	5,4	6ll	0,1	14335	1.4	1901
1902	423	—	9414	0,9	3866	0,4	11491	I,1	1447	0,1	5848	0,6	16403	i,5	63374	6,1	36003	3,3	61151	5,9	1039	o,1	15018	1,5	1902
1903	170	—	9896	0,8	4200	0,4	12215	1,1	964	0,1	4973	°,4	16169	i,3	67292	5,8	44475	3,7	99611	8,6	790	0,1	16528	1,4	1903
1904	209	—	10267	0,8	4963	0,4	10714	0,9	1211	o,1	5221	°,4	16123	1,2	83285	6,7	4:1453	3,2	106487	8,6	729	0,1	18301	1,5	1904
1905	704	0,1	10244	0,8	4499	0,3	9705	0,8	975	0,1	5134	°,4	18178	M	70214	5,5	55581	4,1	88911	7,o	1050	°&gt;I	16863	1,3	1905
1906	989	0,1	12974	o,g	4477	0.3	13889	1,0	1432	0,1	5514	°,4	18377	1,2	94082	6,5	58344	3,9	7x5x2	4,9	2939	0,2	18012	1,2	1906
1907	906	—	19675	1,1	5455	0,3	15653	0,9	1995	0,1	6697	0,4	24085	i,3	98086	5,6	63444	3,4	95573	5,5	4544	0,3	19359	1,1	1907
1908	652	—	13399	0,8	4357	0,3	13605	0,8	1167	0,1	6516	0,4	20226	1,2	98562	6,1	55077	3,3	121837	7,6	1672	0,1	17679	1,1	1908
1909	551	—	15896	o,9	3475	0,2	12888	o,s	1076	o,1	6096	0,4	28899	1,7	106511	6,3	80384	4.6	984S4	5,8	2912	0,2	19826	1,2	J909
	l) Der Gesamteinfuhr				bezw.	der	Gesamtausfuhr.
        <pb n="90" />
        ﻿- 83 —

jedesmal gleich xoo gesetzt, die »Relativzahl« bedeutet die dann
für Hamburg sich ergebende Zahl. Wo Bremens Handel den
Durchschnitt des Gesamthandels nicht erreicht, ist dies durch
schrägen Druck der Relativzahlen kenntlich gemacht.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel.

Bremens Gesamteinfuhrhandel im Jahre 1908 verhielt sich zu
Hamburgs Gesamteinfuhrhandel dem Werte nach wie 100:273
(d. h., Hamburgs Gesamteinfuhrhandel war im genannten Jahre
23/4mal größer). Bremens Einfuhr von Dänemark verhielt sich
zu der Hamburgs wie 100:3063 (d. h., Hamburgs dänische Einfuhr
war etwa dreißigmal größer) — also ist Bremen an dem deutschen
Einfuhrhandel dänischer Waren verhältnismäßig wenig beteiligt.
Andererseits verhielt sich Bremens Einfuhr aus den Niederlanden
zu derjenigen Hamburgs wie 100:190 (d. h., Hamburgs nieder-
ländische Einfuhr war nur etwa zwei Mal größer) — also ist
Bremen am Warenverkehr mit den Niederlanden verhältnis-
mäßig stark beteiligt.

Demnach bieten die Verhältnisse, wie sie sich im Jahre 1908
darstellten, folgendes Bild;

I.	Einfuhr.

1.	Bremen überschreitet den Durchschnitt im Ver-
kehr mit Nordamerika und Australasien; im einzelnen
mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Japan,
Holland, Österreich-Ungarn.

2.	Bremen unterschreitet den Durchschnitt im Ver-
kehr mit Europa, Mittel- und Südamerika, Asien und
Afrika, im einzelnen mit England, Frankreich, Belgien,
Dänemark, Norwegen, Schweden, Rußland, Argentinien
und Uruguay, Brasilien, China, Britisch-Ostindien.

II.	Ausfuhr.

1.	Bremen überschreitet den Durchschnitt im Ver-
kehr mit Europa, Nordamerika, Australasien, im einzelnen
mit Holland, Rußland, Österreich-Ungarn, Vereinigten
Staaten von Nordamerika, China, Japan.

2.	Bremen unterschreitet den Durchschnitt im Ver-
kehr mit Mittel- und Südamerika, Asien, Afrika, im
einzelnen mit England, Frankreich, Belgien, Dänemark,
Norwegen, Schweden, Argentinien und Uruguay, Bra-
silien, Britisch-Ostindien.

Will man also Bremens Handel heben, so muß man darnach sti'eben

G*
        <pb n="91" />
        ﻿84

Tabelle XXXVI.

Vergleich zwischen dem Außenhandel (Wert in 1000 Mark) Bremens
und Hamburgs mit den einzelnen Erdteilen und deren wichtigsten

Gebieten.

Land	Jahr	Einfuhr			Ausfuhr		
		Bremen	Hamburg	Relativ- zahl J)	Bremen	Hamburg	Relativ-  zahl
Gesamthandel	x888	406 262	1078 057	265	275 269	1151135	418
	1898	655 046	1 957 666	299	335 256	1326 884	396
	1903	854 863	2 314 078	27I	509 229	1809 938	355
	1908	1129367	3088213	273	771 822	2292898	297
Europa total	1888	89 262	660 844	740	131 228	608 667	464
	1898	119 385	74° 549	620	179 196	739 248	413
	1903	162 461	882 955	543	310 257	957 000	308
	1908	196 541	1 094 953	557	466 355	1 170 659	251
England	1888	34 93i	421 265	1206	31 138	394 641	1267
	1898	52 557	406 843	774	39 043	385 250	987
	1903	62 069	421 358	679	70 367	472 679	672
	1908	73 588	544 463	740	128 995	503 172	390
Frankreich	1888	4 568	58 492	1280	972	18 026	1855
	1898	2 945	50 505	1 715	2 811	17 977	640
	1903	3 583	58 667	1637	2 249	22 365	994
	1908	3 843	67 511	1757	2 446	27117	1109
Niederlande	1888	10 567	33 420	316	6845	25 649	375
	1898	14 533	36 498	251	8 687	27 182	3*3
	1903	14 593	44 455	805	15 172	36 367	240
	1908	22 569	42 464	190	23 341	40 251	172
Belgien	1888	5 066	17 674	349	2 563	IO 040	392
	1898	2 390	24 439	1 023	3 o87	21 755	705
	1903	4 765	3° 361	637	2 964	27 731	936
	1908	1 213	23 372	1027	4 483	44157	985
Dänemark	1888	70	1 299	1856	3 141	14 343	457
	1898	92	7 802	8 480	5 917	32 485	549
	1903	170	19 119	11246	9 686	63 098	651
	1908	652	19 973	SOGS	13 399	78 765	588
Norwegen	1888	702	13 301	1 895	3 °3ö	36 985	1218
	1898	I 027	20 840	2 029	4963	67 016	1350
	1903	964	23 457	2 433	4 973	64 379	1295
	1908	1 167	38 425	3293	6 516	75 396	1157
Schweden	1888	838	7 286	869	6 517	23 43°	360
	1898	3 041	17 566	578	8 350	53 587	642
	1903	4 200	37 044	882	12 215	78 353	641
	1908	4357	55 157	120 G	13 605	107 903	793
Rußland	1888	14 272	28 409	199	18 604	21 293	114
	1898	22 635	102 249	452	42 077	58 915	I4O
	1903	44 475	155 493	350	99 611	9i 737	92
	1908	55 077	176 964	321	121 837	153 037	126
Österreich-Ungarn	1888	9087	862	9	36 564	6 783	19
	1898	9 424	1 139	12	44 949	ix 64g	26
	1903	16 169	2 O32	13	67 292	9 956	15
	1908	20 226	1 381	7	98 562	13 860	14

*) »Relativzahl« bedeutet die sich jeweils für Hamburg ergebende Zahl, wenn,
die entsprechende Bremer Zahl jedesmal = 100 gesetzt wird!
        <pb n="92" />
        ﻿5

Tabelle XXXVI (Fortsetzung).

Vergleich zwischen dem Außenhandel (Wert in 1000 Mark) Bremens
und Hamburgs mit den einzelnen Erdteilen und deren wichtigsten

Gebieten.

Land	Jahr	Einfuhr			Ausfuhr		
		Bremen	Hamburg	Relativ- zahl*)	Einfuhr.	AusfuhrO	Relativ-  zahl
Nordamerika	1888	199 252	105 528	53	101 679	167 384	165
	1898	329 772	444 028	135	87 370	164 HO	188
	1903	464 069	437 474	94	io5 347	260 169	247
	1908	651 130	580 161	89	146 318	290 579	199
Mittelamerika	1888	10 854	51 876	478	2 582	47 867	1854
	1898	15 3°5	92 933	607	2 020	42 265	2092
	1903	12 835	79 091	616	4 676	59 477	1272
	1908	15 914	125 528	789	9 762	79 810	818
Südamerika	1888	42 592	226 216	531	13 477	2I4 201	1589
	1898	88 876	348 709	392	17 243	174 587	1013
	1903	89 649	445 133	497	24 IOI	216 650	899
	1908	95 616	640 174	(170	47 790	319 578	009
Brasilien	1888	18 387	83 154	452	3 436	65 012	1890
	1898	27 367	133 746	489	3 538	68 333	1931
	1903	20 329	137 132	675	6 407	72 444	1131
	1908	23 337	157 184	078	9 910	101 315	1022
Argentinien und	1888	21 298	47 156	221	8 744	77 127	882
Uruguay	1898	54 373	105 637	194	12 969	45 614	352
	1903	64 468	176 740	274	15 836	65 703	415
	1908	60 586	270 586	449	22 734	124 437	547
Äsien	1888	47 95°	46 245	96	16 315	54 793	335
	1898	58 555	226 185	386	33 165	114 647	346
	1903	79 169	322 430	407	45 388	172 55i	380
	1908	86 462	385 286	440	61 380	249 010	400
China	1888	5 031	4 310	86	5 905	14 763	250
	1898	7 281	18 645	256	23 091	19 673	85
	1903	12 845	29 150	227	26 649	49 059	184
	1908	12 259	41 908	842	26 341	45 448	173
Japan	1888	3 698	8 218	222	4 264	14 072	33°
	1898	2 072	11 149	538	5 325	39 148	735
	1903	4 182	20 796	497	10 269	35 5°3	346
	1908	7 147	18 977	266	20 965	56 864	271
Brit.-Ostindien	1888	29 388	19 520	66	4 8?8	13 831	284
	1898	42 887	168 577	393	3 706	28 826	778
	1903	55 ö?8	224 230	403	7 428	45 414	611
	1908	44 026	245 553	658	10 571	75 322	718
Australien	1888	7 803	2 472	32	8 574	28 425	332
	1898	32 075	29 783	93	14 894	25 850	173
	1903	33 160	33 777	102	16 967	31 643	186
	1908	67 559	73 253	108	35 294	44 096	125
Afrika	1888	8 549	21 726	254	1 414	29 798	2107
	1898	11 078	75 479	681	1 278	66 179	5180
	1903	13 520	113 218	837	2 493	112 448	4511
	1908	16145	188 857	1170	4 923	139 166	2827

»Relativzahl« bedeutet die sich jeweils für Hamburg ergebende Zahl, wenn
die entsprechende Bremer Zahl jedesmal — 100 gesetzt wird!
        <pb n="93" />
        ﻿86

a)	den Verkehr mit den unter Ii) und II i) aufgeführten Ge-
bieten auf der bisherigen Höhe zu halten und

b)	dem Verkehr mit den unter I2) und II2) aufgeführten
Gebieten einen Weg zu schaffen, auf dem sich durch
Bremens Vermittlung ein größerer Warenstrom ungehindert
bewegen kann.

Von bemerkenswerten Änderungen, die sich in den letzten
zwanzig Jahren ereigneten, erwähne ich nur:

Merklich verbessert hat sich der Warenhandel Bremens ver-
hältnismäßig in der

Einfuhr von England, Holland und Australasien und in der
Ausfuhr nach Europa total, England, Holland, Südamerika
und Australasien.

Merklich verschlechtert hat sich der Warenhandel Bremens
verhältnismäßig in der

Einfuhr von Belgien, Dänemark, Skandinavien, Rußland,
Mittel- und Südamerika, Asien, (China! Britisch-Ost-
indien!) und Afrika und in der
Ausfuhr nach Belgien, Schweden, Asien (Britisch-Ost-
indien!) und Afrika.

9.	Bremens Schiffsverkehr.

Im Anschluß an die Besprechung des Warenverkehrs Bremens
sei es gestattet, auch seinen Schiffsverkehr kurz zu beleuchten.
Ist doch die Schiffahrt dasjenige Element, welches im Leben einer
Seestadt die wichtigste Rolle spielt und dem Güterverkehr erst
seine Richtung gibt,

Vorweg sei bemerkt, daß die Bewältigung des Wasserverkehrs
Bremens hauptsächlich durch eigene Schiffe erfolgt. Bei der
Beheimatung verschiedener großer Dampfergesellschaften in Bremen
ist dies ja nicht anders zu erwarten. Im Gegensatz zu der »Inter-
nationalität« anderer Häfen, die z. T., wie Antwerpen, ganz von
fremder Gnade leben, ist diese Selbständigkeit, diese Bodenständig-
keit mit ungeteilter Freude zu begrüßen.

Nach dem Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich,
Jahrgang 1909, kamen im Jahre 1907 von dem gesamten Seever-
kehr aller deutschen Häfen in einkommender Fahrt auf die

deutsche Flagge

Schiffe mit Ladung	71126 Schiffe mit 14630267 Reg.-Tons

„ in Ballast oder leer 8397	„	„	1191386	„

Zusammen 79523 Schiffe mit 15821653 Reg.-Tons
        <pb n="94" />
        ﻿87

fremde Flaggen

Schiffe mit Ladung	22336 Schiffe mit 11479887 Reg.-Tons

„ in Ballast oder leer 2266	„	„	753106	„

Zusammen 24602 Schiffe mit 12 232 993 Reg.-Tons
Hiernach betrug der Prozentsatz der
deutschen Schiffe an Schiffszahl 76,4 und an Tonnenzahl 56,4; der der
fremden Schiffe an Schiffszahl 23,6 und an Tonnenzuhl 43,6.
Vergleicht man hiermit die bremische Statistik, aus der Tabelle 37

Tabelle XXXVII.

Nationalität (Flagge) der in den Weserhäfen für bremische Rechnung
angekommenen Seeschiffe.

Jahr	Total		Bremische			And. deutsche			Fremde			Englische		
	Schiffe	Reg.-T.	Schiffe	Reg.-T.	Anteil der Tonnenzahl  °l 0	Schiffe	Reg.-T.	Anteil der Tonnenzahl %	Schiffe	Reg.-T.	Anteil der  Tonneuzahl  °/o	Schiffe	Reg.-T.	Anteil der  Tonnenzahl  °/o
1900	3843	2494000		1468000	58,9	1069	339000	13,6	816	687OOO	27,5	395	502000	20,1
1901	4024	2718000	2002	158.8000	58,4	1141	386000	14,2	881	744000	27,4	447	561000	20,6
1902	4197	2984000	2183	1752000	58,7	me	3S5000	12,9	898	847OOO	28,4	446	623000	20,9
1903	4250	3180000	2173	1863000	50,6	1119	340000	10,7	958	977000	3°.7	485	745000	23,4
1904	4242	3175000	2212	1867000	58,8	1055	301000	9,5	975	IOO7GOO	3i&gt;7	464	736000	23,2
1905	4335	3350000	2270	1909000	57,0	915	284000	8,5	1150	II57000	34,5	515	844000	25,2
1906	44T3	3507000	2343	2040000	58,2	983	336000	9,6	1087	II3IOOO	32,2	54°	848000	24,2
1907	5208	4097000	2702	2317000	56.5	1173	412000	10,1	I333	1368000	33,4	6ll	962000	23,5
1908	5033	3883000	2777	2247000	57.9	1130	354000	9,1	1126	1282000	33,o	531	957000	24,6
1909	5240	3958000	2941	2317000	58,5	1085	393000	10,0	1214	1248000	3i,5	|5i8	882000	22,3

einen Auszug bringt, dann ergibt sich, daß in Bremen die reichs-
deutsche Flagge ziemlich erheblich über Reichsdurchschnitt ver-
treten ist, 1909 mit 68,5% der Tonnage. Früher war das Ver-
hältnis sogar noch günstiger. Die bremischen Schiffe selbst bilden
den festen Stamm mit durchschnittlich etwa 58% der Gesamttonnen-
zahl. Die englische Flagge war vor einem Jahrzehnt nur mit 20°/0
vertreten. Inzwischen wuchs ihr Anteil auf 1/4. Ein Grund dieses
Anschwellens ist, daß ein großer Teil der sich auf wenige Monate
zusammendrängenden nordamerikanischen Baumwolleinfuhr durch
heimische Schiffe nicht bewältigt werden kann und durch eng-
lische Trampdampfer nach der Weser geschafft werden muß.

Auch in den Hamburger Häfen üb erwiegt die deutsche Flagge,
wenn auch nicht in dem gleichen hohen Maße. Im Jahre 1907
entfielen von dem einkommenden Gesamtverkehr von 16473 See-
schiffen mit 12040461 Reg.-Tons auf die

deutsche Flagge 9669 Schiffe mit 6395487 Reg.-Tons = 53,1 % der Tonnenzahl
hamburg.	„	allein 5175	„	„	5104573	„	=42,4%	„

englische	„	4122	„	„	4209491	„	= 34,9%	..
        <pb n="95" />
        ﻿88

Im Durchschnitt der Jahre 1861 —1900 war der Prozentanteil der
einzelnen Flaggen nach dem Raumgehalt sogar: deutsche 41,56 %,
hamburgische allein 32,95 %, englische 46,33 %. Also eine Ent-
wicklung, die der in Bremen stattfindenden gerade entgegengesetzt
ist: an der Elbe ein auffälliges Zurückdrängen der englischen
durch die einheimische Flagge, an der Weser ein langsam steigender
Verkehr von Schiffen britischer Staatsangehörigkeit auf Kosten
der deutschen. In der Gestaltung der Dinge darf man aber kein
beunruhigendes Zeichen erblicken. Im Gegenteil wird man m. E.
die Tatsache, daß Bremen allmählich auch mehr der Anlaufhafen
ausländischer Schiffe wird, als ein gutes Zeichen dafür ansehen
dürfen, daß die Stadt die alten Fesseln lokaler Beschränktheit
immer mehr abstreift und als Tummelplatz der Schiffe aller Völker
seine Stellung als jüngster Welthafen weiter festigt. Daß die
heimische Flagge in absehbarer Zeit nicht in den Hintergrund
gedrängt wird, dafür bürgt die Größe und Bedeutung der bremischen
Schiffahrtsgesellschaften.

Zur weiteren Aufklärung über die Gliederung des gesamten
Seeverkehrs der Unterweserhäfen für bremische Rechnung
ist Tabelle 38 beigefügt. Von einer Prozentausrechnung ist hier
Abstand genommen worden, da sich gegen die vorige Tabelle
kein großer Unterschied ergeben würde.

Vergleicht man das Wachstum-des Warenverkehrs seit 1888
mit dem des Schiffsverkehrs, so ergibt sich zahlenmäßig für den
ersteren eine etwas stärkere Steigerung. Das wäre ein gutes
Zeichen, wenn man daraus schließen dürfte, daß die Schiffsräumte
seitdem (1888) eine bessere Ausnutzung erfahren habe. Leider
ist ein solcher Schluß falsch. Denn wenn auch, wie erwähnt rein
zahlenmäßig, der Güterverkehr der Tonnage der Handelsflotte
etwas vorausgeeilt ist, so ist doch zu bedenken, daß sich die
Geschwindigkeit der Seeschiffe seit 1888 (damals kamen — bei
wesentlich kleinerer Dampferflotte — auf die Seglerflotte noch
204000 Reg.-Tons gegen nur 158000 i. J. 1908) nicht unwesentlich
vermehrt hat, und daß der gleiche Schiffspark, je häufigere Reisen
ihm jährlich ermöglicht werden, um so mehr Warenmengen be-
wegen kann. Ein Dampfer, der bei achtmaliger Fahrt mit voller
Ladung 80000 Tons über den Ozean zu schaffen vermag, verlangt
bei zehn Fahrten schon 100000 Tons. Unter diesem Gesichtswinkel
betrachtet, ist die Schiffsräumte der Menge des zu ver-
frachtenden Ladegutes vorangeeilt, mehr als früher übersteigt
das Angebot von Laderaum jetzt die Nachfrage. Vielleicht sind
        <pb n="96" />
        ﻿8g

Tabelle XXXVIII.

Der Seeverkehr für bremische Rechnung der Weserhäfen nach
der Beteiligung der einzelnen Flaggen.

Jahr	An-  gekommen		Ab-  gegangen		Total		Davon;  Bremische		Andere  deutsche		Fremde	
	&lt;v  1  in	IOOO  Reg.-  Tons	&lt;u  'Ja  0  in	1000  Reg.-  Tons	&lt;u  1  in	1000  Reg.-  Tons	&lt;u  'S  in	1000  Reg.-  Tons	la  CJ  m	1000  Reg-  Tons	&lt;u  in	1000  Reg.-  Tons
1888	2665	1477	2911	1475	5576	2952	1793	1677	2399	367	1384	908
1889	2883	1683	3164	1674	6047	3357	1910	1787	2306	397	1831	1173
1890	2950	*734	3250	1748	6200	3482	1871	1909	2715	432	1614	1141
1891	3552	2084	3807	2100	7359	4184	2353	2223	3326	536	1680	1425
1892	3612	1996	3836	1999	7448	3995	3067	2323	2818	430	1563	1242
1893	4003	2030	4412	2048	84r5	4078	3213	2244	3694	553	1508	1281
1894	4178	2172	4605	2153	8783	4325	3053	2205	3919	614	i8n	1506
1895	4083	2183	4448	2200	8531	4383	3318	2296	3582	569	1631	1518
1896	4494	2012	4781	2009	9275	4021	3981	2244	3593	495	1701	1282
1897	4391	2259	4826	2246	9217	4505	4145	2602	3260	535	1812	1368
1898	4642	2465	4988	2502	9630	4967	4022	2844	3672	597	1936	1526
1899	4128	2407	4545	2458	8673	4865	3962	2958	2916	SU	1795	1396
1900	3843	2494	4219	2538	8062	5032	4088	2996	2324	683	1650	1353
igoi	4024	2718	4136	2729	8160	5447	4069	13201	233°	772	1761	1474
1902	4I97	2984	4502	3°°5	8699	5989	4426	3531	2420	772	1853	1686
1903	4250	3180	4618	3i85	8868	6365	4433	3754	2476	680	1959	I931
1904	4242	3175	4420	3220	8662	6395	4509	3777	2173	594	1980	2024
1905	4335	3350	4784	3456	9119	6806	4746	3925	1995	577	2378	2304
1906	44*3	3507	4699	3514	9112	7021	4839	4127	2027	667	2246	2227
1907	5208	4°97	5522	4116	10730	8213	5472	4641	2522	821	2736	2751
1908	5033	3883	5084	3789	IOII7	7672	5493	4431	2299	682	2325	2559
1909	5240	3958	5353	3959	10593	7917	5886	4650	2238	786	2469	2481

die wenig guten Betriebsergebnisse des Norddeutschen Lloyd in
den letzten Jahren mit darauf zurückzuführen. Es sei hier nur
kurz darauf hingewiesen, da meine Arbeit der Untersuchung des
Warenverkehrs gilt und sich nicht in Nebenfragen verlieren darf.

Die letzte Tabelle, 39, habe ich zusammengestellt, um zu
zeigen, in welchem Maße die verschiedenen Unterweserhäfen an
der Bewegung des für bremische Rechnung erfolgenden Waren-
verkehrs via mare beteiligt sind.

Äußerst lehrreich ist die steigende Inanspruchnahme der
stadtbremischen Häfen. Aus den Zahlen könnte man die Zeit und
den Umfang der Vertiefung der Unterweser nachträglich heraus-
konstruieren, so deutlich tritt der Um- und Aufschwung zutage.
Der Durchschnittsraumgehalt der einlaufenden Seeschiffe betrug
1888: 124, 1893: 288, 1898:406, 1903:479 und 1906: 520 Register-
tonnen. Auch bei Bremerhaven ist eine absolute Steigerung (etwa
600000 Tons) zu verzeichnen, wenngleich der Prozentanteil am
Gesamtverkehr zurückgegangen ist. Die Dampfer mit mittlerem
Tiefgang, z. B. die Ostindien- und La Plata-Fahrer und die
        <pb n="97" />
        ﻿Tabelle XXXIX.

Die Verteilung des Sceschiffsverkchrs (einlaufend) für bremische Rechnung auf die einzelnen Unterweserhäfen.

Jahr	Brem en-Stadt					Bremerhaven					Vegesack und Burg					Total bremisch. Häfen			Nordenham			Geestemünde			Brake und andere Häfen			Total nicht - brera. Häfen		
	Schiffe	&lt;u -  a  0  §H  0	Darunter  Dampfer		% der  Tonnen-  zahl aller Schiffe am  Gesamt-  verkehr	Schiffe	bo  £ u&gt;  0	Darunter  Dampfer		0/  /o	Schiffe I	bi  &lt;u w c  0  §H  0	Darunt.  Dampf.		°/o	Schiffe	■X-'S3H  OOOI	0/  / 0	Schiffe	■I-'3aK  OOOI	0/  Io	Schiffe	•x-'^a  OOOI	0/  / 0	Schiffe I	•x-'S3a  OOOI	°l  Io	Schiffe	•x-‘S3a  OOOI	0/  10
			Zahl	1000  R.-T.				Zahl	IOOO  R.-T.				3  N	1000  R.-T.																
1888	910	113	*43	32	7.7	1208	1056	664	927	71,5	94	9	12	3	0,6	2212	1178	79,8	60	43	2,9	259 202		13,6	x34	54	3,7	453	299	20,2
1889	1020	138	202	52	8,2	1357	1210	788	1099	71,9	53	6	5	I	0,4	2430	1354	80,5	69	55	3,3	275 214		12,7	109	60	3.5	453	329	19,5
1890	1137	173	242	73	10,0	1336	1178	667	1063	67,9	59	5	6	2 „	°,3	2532	1356	78,2	90	95	5,5	244235		13.5	84	48	2,8	418	378	21,8
1891	!53°	317	379	171	15,2	1326	940	666	849	45.1	51	7	13	4	°.3	2907	1264	60,6	250	455	21,9	280	300	x4,4	115	65	3,1	645	820	39,4
1892	1610	433	499	268	21,7	r437	918	781	807	46,0	46	6	9	2	o,3	3093	1357	68,0	194	372	18,6	250	216	!0,9	75	50	2,5	519	638	32,0
1893	1808	521	634	357	25,7	1667	893	902	801	44,0	29	6	8	4	o,3	3504	1420	7°,o	159	311		268	242	11,9	72	57	2,8	499	610	3°,°
1894	1709	641	751	475	29.5	1831	838	765	730	38,6	31	4	5	3	0,2	3571	1483	68,3	224	369	17,0	290	239	11,0	93	81	3,7	607	689	3H7
1895	I73I	652	779	489	29,9	1751	929	896	8n	42,6	38	3	2	I	0,1	3520	1584	72,6	265	3*3	14,3	210	202	9,3	87	83	3,8	562	598	27,4
1896	1729	648	sei	489	32,2	2208	871	1200	745	43,3	93	7	2	—	0,4	403°	1400	75,9	183	275	13,6	183	131	6,5	98	80	4.0	464	486	24,1
1897	1855	723	967	552	32,0	2067	IO4I	I3I9	931	46,1	86	7	5	I	0.3	4008	1771	78,4	139	256	n,4	149	143	6,3	95	87	3,9	383	486	21,6
1898	2090	849	II07	641	34,4	2179	1276	995	1165	51,8	37	5	6	I	0,2	4306	2130	86,4	37	45	1,8	171	183	7,5	128	IO7	4,3	£36	335	13,6
1899	2048	829	1159	643	34.5	r7r9	1233	886	1130	51,2	44	8	8	3	0.3	3811	2070	86,0	28	36	1,5	t87	199	8,3	102	102	4,2	317	337	14,0
1900	2108	896	1173	702	35,9	1407	1272	855	1172	51.0	26	3	3	I	0,1	3541	2171	87,0	38	39	1,5	165	177	7,i	99	IO7	4,3	302	323	13,0
1901	2140	933	II72	732	34,4	1534	1451	902	134°	53.3	41	5	3	I	0,2	3715	2389	87,9	47	33	1,2	162	183	6,8	IOO	112	4.1	309	32S	12,1
1902	2273	IIOI	1289	888	36,9	1577	1444	887	1318	48,3	31	4	3	—	O,!	3881	2549	85,3	48	35	1,2	162	237	8,0	106	164	5,5	316	436	14,7
1903	2326	III5	1381	900	35,i	1513	1561	873	1437	49,o	52	6	—	—	0,2	3891	2682	84,3	76	59	1,9	156	236	7.4	127	202	6.4	359	497	15,7
1904	2328	1209	1445	995	38.1	16501	1549	919	1415	47,8	40'	6	7	2	0,2	3934	2734	86,1	49	41	1,3	148	228	7,2	III	I72	5,4	308	441	13,9
1905	2459	1207	1446	993	36,°	16421	I7II	951	1564	50,2	411	6	IO	3	0,2	4022	2896	86,4	49	40	1,2	I4O	225	6,7	124	189	5,7	313	454	13,6
1906	2550	1327	*574	III4	37,8	161g1	I733	887	1580	48,6	&amp;31	8	6	2	0,2	4112	3039	86,6	1 94	80	2,3	96	201	5,7	III	187	5,4	301	468	13,4

Einschließlich derjenigen Schiffe, die außerdem noch stadtbremische Häfen angelaufen haben.
        <pb n="98" />
        ﻿Baumwolldampfer, finden es eben vorteilhafter jetzt in Bremen-
Stadt selbst zu löschen. Im Jahre 190g waren nach einer Veröffent-
lichung des Bremischen Statistischen Amtes vom 12. Januar xgio
die Schiffsankünfte in Bremen-Stadt nur noch um 53000 Reg.-
Tons hinter denjenigen Bremerhavens zurückgeblieben, während
i. J. 1907 noch ein Abstand von 589000 Reg.-Tons zwischen den
beiden Häfen vorhanden war. Nach der gleichen Veröffentlichung
hatte Bremerhaven im einkommenden Schiffsverkehr i. J. 1908
gegenüber 1907 einen Rückgang von nicht weniger als 2 7 3 000 Reg.-
Tons zu verzeichnen, dem im nächsten Jahre ein weiterer Rückgang
von 110000 Reg.-Tons folgte! Obschon der Lloyd für eine Reihe
von Jahren die Verzinsung der von ihm benutzten Bremerhavener
Hafenanlangen übernommen hat, darf diese Entwicklung doch
nicht auf die leichte Achsel genommen werden. So berechtigt es
ist, daß Bremen die Früchte seiner Bemühungen pflücken will,
muß es doch auch dafür Sorge tragen, seinen Seehafen in anderer
Weise schadlos zu erhalten, damit dessen kostspielige, mustergültige
Anlagen nicht veröden und nicht den Anreiz für fremde Schiffe
verlieren, sie aufzusuchen.

Der in den Jahren 1891 —1897 bei Bremerhaven zu ver-
zeichnende Abschlag und das gleichzeitige Anschwellen der
Nordenhamer Zahlen ist darauf zurückzuführen, daß während jenes
Zeitraumes die großen Lloyddampfer wegen der zu klein ge-
wordenen Bremerhavener Anlagen nach Nordenham dirigiert wer-
den mußten.
        <pb n="99" />
        ﻿Zweiter Teil.

Vorschläge zur Hebung des Warenhandels Bremens.

1. Ursachen des Zurückbleibens des Warenhandels.

Wenn wir das Gesagte vor unserem geistigen Auge wieder
vorbeiziehen lassen, so können wir uns nicht verhehlen, daß die
Dinge wahrlich nicht erfreulich liegen. Wohl hat Bremen bis jetzt
seine Stellung noch einigermaßen behaupten können, dank der
Entwicklung, die seine Reederei nahm und die Bremen bei Be-
rücksichtigung des Seeverkehrs nach Registertonnen sogar
einen recht guten Platz unter den konkurrierenden Häfen zuweist,
und dank dem großartigen Aufschwung des Handels einiger seiner
Stapelartikel. Aber die Tonnenzahl allein nützt nichts, wenn die
Schiffe nicht genügend Ladegut haben, von den alten Stapel-
artikeln ist schon mehr als einer Bremen aus der Hand gewunden
worden, und nur noch die Baumwolleinfuhr steht in stolzer
Größe da. Vollends mit dem allgemeinen Handel, ich meine mit
dem Handel, der sich nicht auf einige wenige Massengüter stützt,
sondern jeden Artikel, und sei er einzeln und im Anfang noch
so klein, in den Kreis seines Interesses hineinzieht, sieht es schlecht
aus. Wir sahen, daß Bremen überall, wo Hamburg mit ihm in
Konkurrenz trat, sich, häufig leider aus Nachlässigkeit, überholen
ließ und sein Haupt beugen mußte. Die gegebenen Daten, die
Verödung der Bremerhaven er Häfen rufen uns ein warnendes
Memento zu. Wohl hat der Norddeutsche Lloyd die Verzinsung
der von ihm benutzten, bezw. noch zu benutzenden Anlagen für
eine Reihe von Jahren verbürgt, sodaß der bremische Staat an
ihnen, vorläufig wenigstens, keinen tatsächlichen Schaden erleidet.
Aber die finanziellen Schwierigkeiten des Lloyd, dieses Herz-
muskels Bremens, in den letzten Jahren haben die Gefahr erkennen
lassen, die wie ein Damoklesschwert über der Stadt hängt und bei
einer abermaligen länger dauernden Krise des Wirtschaftslebens
        <pb n="100" />
        ﻿&lt;1

— 93	—

Vernichtung droht. Unser kleiner Freistaat hat sich eine riesige
Zinsenlast aufgebürdet, seine Häfen bieten den anlaufenden Schiffen
alle möglichen Erleichterungen, und eifersüchtig wacht man darüber,
die Lösch- und Ladeeinrichtungen auf das vollkommenste auszu-

4	bilden und auf der Höhe der modernsten Technik zu halten. In

dieser Hinsicht hat man es an nichts fehlen lassen. Was aber
fehlt, das ist eben ein genügender Warenverkehr. Nur er vermag
den toten Einrichtungen Leben und Gesundheit einzuhauchen.
Nur wenn die Verkehrseinrichtungen ausgenutzt werden, erfüllen
sie ihren Zweck und helfen die Lasten des Staates erleichtern,
während -sie ihn andernfalls erdrücken. Und je größer der Verkehr
ist, desto niedriger können die Abgaben bemessen werden, desto
mehr Anreiz ist da für einen neuen Verkehr. Der diesen Verkehr
aber schaffen muß, ist der Kaufmann.

Daß Bremen besonders im letzten Jahrzehnt mit seiner natür-
lichen und stärksten Gegnerin, Hamburg, nicht gleichen Schritt
zu halten vermochte, dafür sind genug Beweise angeführt. Da
an dem Vergangenen aber nichts mehr zn ändern ist, da Hamburg
nun einmal diese erdrückende Übermacht erlangt hat und seinen
Vorsprung noch mit Riesenschritten vergrößert, ist die Gefahr
vorhanden, daß Bremen immer mehr und immer schneller ins
Hintertreffen gerät. Denn je mehr ein Handelsplatz aufblüht, mit
um so größerer, gleichsam magnetischer Kraft zieht er Handel
und Wandel an, macht er sich ein stets weiter sich ausdehnendes
LIinterland wirtschaftlich untertan. In ihm vereinigen sich wie in
einem Brennpunkte alle Strahlen, Nähe und weltweite Ferne be-
gegnen sich in ihm und finden Berührungspunkte, die sie in abseits
liegenden Städten nicht finden können. Bremens Stellung als
Welthandelsstadt, ja sogar als deutsche Großstadt ist also ernstlich
bedroht. Geht die Entwicklung in derselben Art und in demselben
Fluß vonstatten wie seit zwanzig Jahren, so werden schon unsere
Söhne nicht mehr Bürger einer Stadt sein, die mit berechtigtem
Stolze ihre Flagge in den fernsten Fläfen zeigt. Wie einst Lübecks
und Brügges Macht verschwand, nur schneller, so wird dann auch
Bremens Bedeutung zusammengeschmolzen sein.

4	Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß der Kaufmannshandel

verhältnismäßig zurückgeht. Immer mehr wird er in seinen Be-
wegungsgrenzen eingeengt, immer mehr sucht man ihn zu über-
gehen. Bei den großen, trustartigen Unternehmerverbänden, die
selbst den Kleinverschleiß in ihre Hand zu nehmen trachten, bei
den Binnenlandsfabriken, die auf direkten Einkauf der von ihnen
        <pb n="101" />
        ﻿94

benötigten Rohstoffe im Ursprungslande wie auch auf direkten
Auslandsverkauf ihrer Fabrikate hinarbeiten — überall treffen wir
auf die Absicht, den selbständigen sachkundigen Zwischenhandel
auszuschalten, ihm anstatt des Unternehmergewinns nur den ge-
ringeren Speditionsgewinn1) zu lassen: Durch die Ausgestaltung
und Vervollkommnung des Transportwesens und des Nachrichten-
dienstes hat sich also der Handel sozusagen selbst eine Grube
gegraben. Der Kaufmann wird immer mehr zum Kommissionär,
der sich mit immer geringeren Prozenten begnügen muß, der
Handel, besonders der der Seeplätze, wird immer mehr zum
Speditionshandel ohne Eigentum an der bewegten Ware. Bei
dieser Entwicklung hat naturgemäß derjenige Hafen die meisten
Vorteile, der sich leistungsfähigerer, ausgedehnterer Schiffsver-
bindungen erfreut. Und das ist — Hamburg. Wenn also die
Entwicklung nicht »korrigiert« wird, wird Hamburg ganz ohne
sein Zutun Bremen noch weiter und schneller überflügeln. Es
braucht die Waren nicht aufzusuchen, sondern diese kommen zu ihm.

Es fragt sich, ob sich Bremen dieser Welle, die es zu zer-
schmettern droht, noch mit Aussicht auf Erfolg entgegenstemmen
kann, ob sich der Strom der Geschehnisse noch in andere, günstigere
Bahnen leiten läßt. Ich glaube, man darf diese Frage bejahen. In
schweren Zeiten hat der Bremer noch immer seinen Mann gestanden
und mit ruhiger Hand sein Schiff, durch die Brandung in den
schützenden Hafen gebracht. Das wird er auch diesmal tun. Kleine
Mittelchen allerdings helfen nichts, das Übel muß an der Wurzel
gefaßt, der Eigenhandel Bremens muß gestärkt werden. Bevor
man aber sagen kann: »Was soll geschehen?«, muß die Vorfrage
beantwortet werden »Wie kam es, daß die Entwicklung, die
Hamburg ein solches Übergewicht verlieh, überhaupt diese ver-
derbliche Richtung einschlagen konnte?«

Der Gründe sind mehrere. Zunächst kommt natürlich die
günstigere geographische Lage Hamburgs zur Geltung. Dann ist
der Umstand von Einfluß, daß Bremen sich zwei räumlich weit
und scharf getrennte Hafenkomplexe leisten muß, während Hamburg
mit deren einem auskommt, und daß die größten Dampfer ganz
in Bremerhaven bleiben und selbst die größeren einen Teil ihrer

1) Diese Tendenz ist z. B. dem Wollmark t der Seestädte schädlich; der Wollhandel
wandert allmählich ins Binnenland. Andererseits ist sie ihren Tabak- und Baum-
wollmärkten nützlich. Diese werden sich wegen der Eigenart der Fabrikation, die
schon geringe Abweichungen der Rohstoffe für den Fabrikanten untauglich macht und
ihn deshalb zwingt, nach genauen Mustern beim deutschen Importeur zu kaufen, in den
Seestädten halten.
        <pb n="102" />
        ﻿95

Ladung dort löschen müssen. Das sind Verhältnisse, deren Vor-
bedingungen menschlicher Beeinflussung kaum zugängig sind.

Anders aber ist es mit einigen sehr widrigen Gründen, die
nicht in Naturverhältnissen ihre Erklärung und Entschuldigung
finden, sondern persönlich sind. Hier ist eine Änderung sehr
wohl möglich, und wenn sie erfolgt, dann — nach Abstellung
dieser Übelstände also — darf eine gedeihliche Fortentwicklung
mit Sicherheit erwartet werden.

Der gewichtigstedieser korrigierbaren persönlichen Gründe, der
ihr bisher hemmend entgentrat, liegt im Charakter des Bremers
selbst. — Der ebene, schwere Boden, auf dem er wohnt, die graue,
schwere Luft, die ihn umgibt, sind auf die Ausbildung des Wesens
des Bewohners der »Wasserkante« nicht ohne Einfluß geblieben,
ja man darf sie als sef^e Hauptbildner ansprechen. Eine gewisse
geistige Schwere, eine Langsamkeit und Behäbigkeit ist dem Nieder-
sachsen angeboren. Diese Eigenschaften haben ihr Gutes insofern,
als Nervosität fast unbekannt ist und kaltes Blut und rücksichts-
lose Energie die Durchführung einmal unternommener Pläne ver-
bürgen; sie haben aber auch ihre schlechten Seiten, denn sie arten
leicht zur Gleichgiltigkeit aus. Allerdings liegt auch Hamburg
unter demselben Himmel, doch kann man dem Hamburger nicht
absprechen, daß er beweglicher, rühriger ist als der Bremer. Ich
gehe nicht soweit wie Sombart (in seinem Aufsatze über den Anteil
der Juden am Aufbau der modernen Volkswirtschaft im Februar-
heft der_|Äij||en Rundschau«), das Emporblühen Hamburgs in
erster—Islj^^Bdem größerem Zuzug von Juden zuzuschreiben.
Doch bin ctacfP ich der Meinung, daß der größere Einschlag
heimatfremden Blutes bei Hamburg nicht ganz ohne Einfluß
gewesen ist. Jedenfalls ist die größere Rührigkeit und lebhaftere
Geschäftstätigkeit der Hamburger Kaufmannschaft eine nicht weg-
zuleugnende Tatsache. Bremen ist in mancher Beziehung kleinlich
und kleinstädtisch geblieben. Die alten, reichen Kaufmannsge-
schlechter halten sich von jeder N euerung ängstlich fern, treiben Inzucht
und ruhen auf den ererbten Geldsäcken aus. Von einem taten-
frohen Vorwärtsdrängen, von einem Erobernwollen fremder Gebiete
ist im allgemeinen wenig zu bemerken: es ist ja bequemer, das
Erworbene einfach zu behalten, sich auf die Pflege persönlicher
Beziehungen, die vom Vater auf den Sohn vererbt werden, zu
beschränken. Man kommt nicht aus den altgewohnten Gleisen
heraus und merkt nicht, daß die Technik täglich neue Bahnen schafft,
die den, der sich ihrer bedient, schneller zum Ziele führen. Früher
        <pb n="103" />
        ﻿96

konnte der Importeur die Kundschaft an sich herankommen lassen.
Jetzt, wo die Transport- und Nachrichtentechnik die überlieferten
Formen über den Haufen geworfen hat, wo der Geschäftsbetrieb
ein von Grund auf anderer geworden ist, muß er seinerseits an
die Interessenten herantreten und geht unter, wenn er aus irgend
welchen Gründen dem Fortschreiten der Zeit und dem Wechsel
ihrer Bedingungen nicht zu folgen vermag. Die beiden Hanse-
städte und ihre merkantile Entwicklung in den letzten Jahrzehnten
erinnern mich lebhaft an die verschiedenen Schicksale, die die
beiden Familien in den bekannten Romanen zweier neuer Schrift-
steller erleben: Hamburg an »die Wiskottens« Herzogs und Bremen
— leider — an die — hier stimmt auch das Milieu! — in Lübeck
beheimateten »Buddenbrooks« Th. Mann’s.

Die Vorliebe des Bremers, sich auf nur wenige Artikel »zu
legen«, ist bekannt. Der Vater betrieb einen Baumwoll-, Tabak-
oder Wollhandel, und der Sohn und Schwiegersohn findet es bequem,
sich dem gleichen Geschäftszweige zuzuwenden, da er in ihm schon
eine gewisse Sachkenntnis hat und die Beziehungen der älteren
Generation auch ihm zugute kommen. Für andere Artikel hat
er kein Interesse. So brachte es Bremen in einigen Stapelartikeln
zur Weltbedeutung, für die unzählige Menge der »kleinen Artikel«
aber bestand kein Verständnis, trotzdem diese in ihrer Gesamtheit
wichtiger sind als die wenigen forcierten Massenartikel. Nicht
nur, daß sie in ihrer Menge mehr ausmachen und daß ihre Ver-
schiedenheit ein Sicherheitsventil bei Rückschlägen in einzelnen
Branchen ist, sondern auch insofern, als ihr Vertrieb lohnender zu
sein pflegt als der der »großen« Artikel, die eine durchweg
geringere »Kommission« abwerfen.

Als die alten bremischen Importfirmen zu Bedeutung und

Wohlstand gelangten, waren die Transport-------und mit ihnen die

ganzen Handelsverkehrsverhältnisse anders als jetzt. Das Segel
war noch die Herrscherin der See. Überseehandel und Reederei
wurden meist zusammen betrieben; sogar noch jetzt haben einige
alte Firmen — vielleicht nur, um die alten Überlieferungen auf-
recht zu erhalten — eigene Segelschiffe schwimmen. Man mußte
mit Wind und Wetter rechnen, die Reisezeit dauerte oft monatelang,
die Ankunftszeit war unbestimmt. Die Ankünfte der Waren
zogen sich unter diesen Umständen fast durch das ganze Jahr hin.
Eine eigentliche »Saison« gab es deshalb nicht. Der Importeur
hatte fast das ganze Jahr zu tun und mußte stets genügend Lager
haben. Das ist der typische »Stapelhandel.«
        <pb n="104" />
        ﻿Dies ist jetzt anders geworden. Binnen weniger Wochen
werden ganze Ernten, zu deren Bewältigung früher die gesamte
Seglerflotte nicht ausgereicht hätte, durch eigens für ihren Trans,
port hergerichtete Dampfer herübergeschafft. Dadurch zieht sich
ganz von selbst das Geschäft auf die Ankunftswochen zusammen.
Die Tabak-, die Baumwolle-, die Kaffeeankünfte sind in der großen
Hauptsache schon in den ersten Wintermonaten an die »zweite
Hand« übergegangen; vielfach werden sie sogar schon vor An-
kunft, ja die Wolle wird nicht selten noch auf den Schafen ver-
kauft. Die »zweite Hand,« die für die Verteilung der Ware im
Inlande zu sorgen hat (»oberländisches Geschäft«), hat im ganzen
Jahre wegen des sich gleich bleibenden Verbrauchs ununterbrochen
zu tun, für den Transporteur dagegen beginnt nach Abstoßung
der Einfuhr eine flaue Zeit, die »tote Saison«, die bis zum Ein-
treffen der nächsten Ernte währt.

In dieser toten Saison liegen die Kräfte brach. Der Ham-
burger, der übrigens wegen der Vielzahl seiner zu verschiedenen
Jahreszeiten eintreffenden Artikel weniger darunter zu leiden hat,
nutzt seine und seiner Angestellten freie Arbeitskraft dadurch aus,
daß er sie für die Ausfuhr arbeiten läßt. Der Bremer (weniger
die Baumwoll- und Tabakimporteure als die andern) beschäftigt
sich dann zwar auch mit der Ausfuhr, aber mehr so nebenbei,
mehr aus Spielerei, wenn man so sagen darf. Die kleinen Sendungen
mit der verhältnismäßig vielen Schreibarbeit und den unausbleib-
lichen Zollscherereien im fremden Lande sind nicht nach seinem
Geschmack, scheinen ihm gegen den Strich zu gehen; sie sind
nicht so recht eines »Großkaufmanns« würdig. Diese Beobachtung
ist häufig gemacht worden. Die freie Zeit verwendet man lieber
zum Ausruhen auf dem Lande oder zum Sport.

Ebenso verhält es sich mit den überseeischen Zweiggeschäften
solcher nur einen Artikel führenden Importfirmen. Auch dort
läßt sich sehr häufig die gleiche Teilnahmslosigkeit gegen alles,
was nicht mit dem Llaupt- oder alleinigen Artikel zusammenhängt,
beobachten. So z. B. nach einer Notiz der »Bremer Nachrichten«
vom 19. Dezember 1909, »im Wollhandel bei den bremischen
Filialen in Uruguay und Argentinien, wo sich das ganze Geschäft
auf die Zeit der Schafschur zusammendrängt«. Wie nahe läge es
nicht, daß diese kapitalkräftigen Häuser ihr Interesse auch anderen
Ein- und Ausfuhrwaren der betreffenden Länder zuwendeten, wie
leicht könnten sie in gemeinsamer Arbeit mit ihren Stammhäusern
oder diesen befreundeten Firmen einen regen und lohnenden Waren-

Gehrke, Bremens Warenh an de].	7
        <pb n="105" />
        ﻿austausch, wenn auch nur während der flauen Zeit, herbeiführen!
Aber nein! Wozu sich damit abgeben? Lieber wartet man im
dolce far niente auf die nächste Ernte. — Die Folgen dieser ge-
schäftlichen Untätigkeit, dieses Brachliegens der Kräfte zeigen sich
in der Statistik in nicht mißzu verstehender Weise.

Hier muß der Hebel angesetzt werden. Alle künstlichen
Mittel können nichts helfen, wenn das Material, aus dem der Neu-
bau aufgeführt werden soll, brüchig ist und versagt. Es ist unbe-
dingt notwendig, daß man mit dem alten Schlendrian bricht, daß
die jüngere Generation das Erbe der Väter nicht verzehrt, sondern
vermehrt. Erst dann und nur dann wird Bremen die Stellung und
Wichtigkeit, die man ihm jetzt nur irrtümlich zuschreibt, wirklich
besitzen. Erst dann werden die für Schiffahrt und Handel ge-
schaffenen kostspieligen Einrichtungen ihren Zweck voll erfüllen.

Derjenige Faktor, der im Warenhandel Bremens die bedeutendste
Rolle spielt, ist der Norddeutsche Lloyd. Er ist die größte, aus
echtem bremischen Geiste heraus geborene und geleitete Schiff-
fahrtsgesellschaft, mit seinen weit ausgreifenden Dampferlinien
die vornehmste Verkörperung des bremisch-hanseatischen Kauf-
mannsgeistes mit seinem schönen, alten Wahlspruch. — Wenn
jemals ein Gemeinwesen mit einer privaten Gesellschaft aufs engste
verknüpft war und an seinem Wohl und Wehe den lebhaftesten
Anteil nahm, so ist dies bei Bremen und dem Lloyd der Fall.
Beide sind eins geworden, durch tausend sichtbare und unsicht-
bare Fäden untrennbar mit einander verbunden. Bremen ist sozu-
sagen auf den Lloyd zugeschnitten. Deshalb wird man von diesem
auch in diesem Zusammenhänge sprechen dürfen.

Die schnelle Vergrößerung seiner Flotte, die wertvollen An-
regungen, die der Lloyd der deutschen Schiffahrt gegeben, die
Pionierarbeit, die er tausendfach geleistet hat, sollen gewiß nicht
verkannt werden. Aber von ihm muß gesagt werden, daß er die
Transportmittel und -möglichkeiten (zu rasch!) vermehrt, je-
doch der Heranziehung der Transportobjekte, der Gütermengen,
zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat. Sein schwerster, aller-
dings durch die damalige Handelslage Bremens z. T. entschuldbarer
und in seiner Tragweite nur schwer erkennbarer Fehler war, daß
er sich zu sehr auf das Passagiergeschäft legte und den Fracht-
verkehr darüber vernachlässigte. Der Passageverkehr ist starken
Schwankungen unterworfen, kann leicht abgelenkt werden (diesbe-
zügliche Bestrebungen Österreichs, Italiens und Rußlands!) und
kommt, abgesehen von einem sehr engen Kreise des Kleinhandels,
        <pb n="106" />
        ﻿nur der Gesellschaft zugute. Das Frachtgeschäft aber ist stabiler,
hört auch in Krisenzeiten nicht auf, ist mit weniger Unkosten be-
lastet und wirkt auf das ganze Handelsleben der Stadt wohltuend
ein. Anfang der 8oer Jahre war der Lloyd noch sehr viel größer
als die Hamburg-Amerika-Linie, wie denn zu jener Zeit die Ge-
samttonnage der bremischen Schiffe die der hamburgischen noch
übertraf. Daß seitdem diese unheilvolle Verschiebung stattgehabt
hat, daß im Jahre 1907 die Gesamttonnage der in Hamburg be-
heimateten Schiffe 2 188700 Reg.-Tons betrug gegenüber den
nur 1 161000 Reg.-Tons Bremens, ist leider z. T. mit auf die auf
minderguter Geschäftspraxis beruhende Sorglosigkeit zurückzuführen,
mit der man in den leitenden bremischen Schiffahrtskreisen vor-
ging. Wie ganz anders als der Lloyd steht, um offen zu sein, die
Hamburg-Amerika-Linie da, weil sie von Mitte der 80 er Jahre an,
wo Ballin an ihre Spitze trat, mit lückenloser Folgerichtigkeit das
Hauptgewicht auf den Frachten verkehr legte!

In den letzten Jahren — reichlich spät, da die Welt inzwischen
geteilt worden war und sich die Gegner in festen Stellungen be-
finden — hat sich, aus bitteren Erfahrungen stammend, beim Lloyd
die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß es so nicht weiter geht, daß
man mit allen Kräften das Frachtgeschäft heben muß. Von
Natur ist, um dies noch einmal zu wiederholen, die Hamburg-
Amerika-Linie begünstigter, weil sie Hamburg als Stützpunkt hat.
Für sie waren die Gütermengen zum großen Teil schon da, sie
brauchte sie nicht erst heranzuziehen. Beim Lloyd aber war und
ist dies eine Notwendigkeit. Anderthalb Jahrzehnte hindurch hat
er sie, zu Bremens und seinem eigenen Schaden, nicht erkannt,
bezw. nicht genügend gewürdigt. Erst in den letzten Jahren ist
offensichtlich ein Wechsel in den Anschauungen seiner Leiter ein-
getreten. Denn nur so erklärt sich das Interesse, das er an der
Oberweserkorrektion nimmt, nur so seine vor einigen Jahren ein-
setzende Gründertätigkeit.

Der Gedanke, der der letzteren zu Grunde liegt, ist zweifel-
los richtig. Durch Einflußnahme auf exportfähige Fabriken sollten
den Schiffen Ladegüter zugeführt werden.

Dieses Bestreben des Lloyd, mehr Industrie nach Bremen zu
ziehen, ist oft rühmend hervorgehoben worden. Es hat gewiß seine
guten Seiten, und die mancherlei für die Allgemeinheit sich er-
gebenden Folgen sind nicht zu verkennen. Aber doch wird man
sich die Frage vorlegen müssen, ob die Objekte, auf die sich diese
Tätigkeit richtete, die geeigneten waren oder sind. Leider wird
        <pb n="107" />
        ﻿IOO

man die Frage in der Hauptsache verneinen müssen; man wird
sich m. E. nicht länger der Erkenntnis verschließen dürfen, daß
der Lloyd nicht auf dem richtigen Wege ist. Denn der erstrebte
Zweck kann doch nur dann als erreicht gelten, wenn es sich um
zur Verfrachtung gelangende Gütermengen handelt, die nennens-
wert genug sind, um die Festlegung von Geldern in ihrer Fabri-
kation rentabel erscheinen zu lassen. Wohlverstanden, rentabel
nicht vom Standpunkt des Fabrikanten, sondern von dem des
Verladers aus! So gehen ja auch die Großbrauereien vor. Sie
leihen den Wirten das Geld zur Einrichtung der Wirtschaften
nicht, um direkten Nutzen aus der Hergabe zu ziehen, sondern
um an ihnen stete Abnehmer ihrer Fabrikate zu haben.

Für den Lloyd sind seine Beteiligungen nicht einmal in
ersterer Hinsicht rentabel. Im Gegenteil, ihretwegen muß er tief
in seine Tasche greifen. Laut seinen Jahresberichten hat er 1908
Mk. 1 100000.— und 1909 Mk. 2216140.— dabei zugesetzt. Unter
seinen Aktiven erscheint der Posten »Beteiligung an dritten Unter-
nehmungen« in den Jahren

1907	mit Mk. 34884600.—*)

1908	„	„	28384226.	)	nach ,3en Jahresberichten des Lloyd.

1909	„	„	27739166.—	I

Hierin sind inbegriffen die Pieranlagen in Hoboken und das in
Gemeinschaft mit Krupp betriebene Kohlenbergwerk Emscher-
Lippe. Selbst wenn man hierfür einen Betrag von iy1/2 Millionen
Mark annimmt (die fast die gleiche Ausdehnung besitzenden New-
Yorker Pieranlagen der Hamburg-Amerika-Linie standen Ende
1907 mit etwa 141/2 Millionen Mk. zu Buche), so bleiben für Beteili-
gung an verschiedenen industriellen Unternehmungen immer noch
gut 10 Millionen Mk., d. h. doppelt so viel als bei der Hamburger
Gesellschaft. Man vergleiche hiermit die oben mitgeteilten Ver-
luste! Auch von einem mittelbaren Nutzen, den der Lloyd ge-
habt hätte, kann man nicht reden. Oder wer wollte dies von den
Frachtbeträgen, die ihm aus der Spedition von Automobilen usw.
bislang zugeflossen sind, behaupten? Die Gelder, die er in Fabriken
dieser Art (von deren z. T. m. E. schlechter Basis — Norddeutsche
Automobil- und Motoren-Aktien-Gesellschaft — sei ganz abge-
sehen) hineinsteckte, sind, wenn man das Kind beim rechten Namen
nennen will, in direkt falscher und den Interessen der Aktionäre
widerstreitender Weise verwendet worden. Es ergibt sich also

Nach Böhmert, Die Hamburg-Amerika-Linie und der Norddeutsche Lloyd.
Berlin, 1909. S. 59.
        <pb n="108" />
        ﻿IOI

die Folgerung, daß diese Bestrebungen in eine andere, zweck-
mäßigere Richtung geleitet werden müssen.

Ich bin der Ansicht, daß sich der Lloyd wegen Erhalts aus-
gehender Fracht besser mit solchen Fabriken in Verbindung setzt
oder sich an ihrer Gründung beteiligt, die ihm bestimmte regel-
mäßige Transportmengen als sichere Garantie für seine finanzielle
Unterstützung bieten können. Ich denke u. a. an die mehr nach
Bremen oder wenigstens in seine Nähe zu ziehende Juteindustrie
(S. 62), an Woll- und eventl. Baumwollwarenfabriken und an die
feinere Eisenindustrie. Selbst wenn bei diesen Fabriken der
Geschäftsgang einmal nicht gut sein sollte, verdient der Lloyd
doch wenigstens an der Fracht. Der Weg, über die Norddeutsche
Hütte erst die feinere Industrie heranzuziehen, scheint mir ein
wenig weit. — Was Ladegüter in einkommender Fahrt anbelangt,
verweise ich auf meine späteren Ausführungen. Wenn meine Vor-
schläge in Einzelheiten vielleicht einer Verbesserung bedürfen, so
glaube ich doch, daß sie in der Praxis im großen und ganzen
durchführbar und nicht nur für den Lloyd, sondern auch für
Bremen notwendig sind.

Mit seiner Beteiligung an kleineren Schiffahrtsgesell-
schaften dagegen ist der Lloyd auf dem richtigen Wege. Wenn
er auch anfänglich Verluste erleiden sollte, so stärkt er sich doch
dadurch im Konkurrenzkämpfe gegen andere Linien das Rückgrat
und wird in seinen Dispositionen freier. Überdies ist es ein richtiges
Prinzip, erst Plänkelgefechte zu führen, ehe man mit der ganzen
Streitmacht vorrückt. Von welchem Nutzen die Hamburg-Bremer
Afrika-Linie und die Roland-Linie für den Warenhandel der ganzen
Stadt in den letzten Jahren schon gewesen sind oder es voraus-
sichtlich noch sein werden, ist im ersten Teil eingehend ausgeführt.
Jedenfalls stehen diese beiden Beteiligungen des Lloyd hoch über
seinen industriellen.

Böhmert gibt in seiner oben angeführten Abhandlung eine
interessante Gegenüberstellung der Betriebsergebnisse der beiden
großen Reedereien. Ich teile daraus folgende Zahlen mit (Tab. 40).
Aus den beiden letzten Spalten derselben geht klar und deutlich das
Übergewicht der Hamburg-Amerika-Linie im Frachtverkehr her-
vor; ferner aber, daß dieser Vorsprung erst im letzten Jahrzehnt,
also nach Beendigung der Unterweserkorrektion, erreicht ist. Die
Differenz von 2 Millionen cbm läßt sich keineswegs dadurch er-
klären oder beschönigen, daß man sagt, Hamburg liefere seiner
Reederei eine größere Warenmenge als Bremen dem Lloyd. Das
        <pb n="109" />
        ﻿— 102 -------

Tabelle XXXX.

Jahr	Gesamtkapital einschl. Anl. u. Reserven, in Millionen Mk.		Dividenden		Beförderte  Passagiere		Gesamttonnage in Reg.-Tons brutto		Beförderte Güter in Mill. cbm	
	H.A.L.	Nd. L.	H.A.L,	Nd.L.	H. A.L.	Nd. L.	H. A. L.	Nd. L.	H.A.L.	Nd. L.
1896	53,5	83,23	8	4	84250	x6o 146	303 376	233156	1,81	!,yo
1897	70,0	82,40	6	5	73 o89	140 584	335 739	298 341	2,3°	1,91
1898	76,6	105,97	8	7	74 661	161 963	405 527	287 967	2,39	1,98
1899	93,4	126,61	8	7%	101975	197 226	541 !93	390 552	3,03	2,31
1900	112,7	128,85	IO	8%	166 539	253 225	613 982	506 754	3,20	2,71
1901	14°, 3	149,29	6	6	211 617	305 53°	661 355	540119	4,25	3,42
1902	160,3	179,36	4V2	—	261238	333 972	651J5i	587 070	4,34	3,17
1903	160,7	179,09	6	6	3°4 346	374 972	727 948	583 042	4,8o	3,29
1904	162,3	179,13	9	2	331 618	353 686	764 55i	577 549	4,95	3,43
1905	176,6	182,34	II	71/?.	333 926	449 243	811 943	622 224	5,8o	3,54
1906	186,6	212,16	IO	8%	431 955	491 383	926 493	754 447	6,18	3.80
1907  igxo1)	205,5	211,48	6	4V2	470 290	661 258	955 742 979 217	786 510 749 880	6,31	4,39

ist schon richtig, aber die Differenz ist bei weitem nicht 2 Milli-
onen cbm, sondern nur ein Bruchteil davon. Da beide Gesell-
schaften mit ihren Linien den ganzen Erdball umspannen, ergibt
sich, daß die Hamburg-Amerika-Linie überall — und das ist das
Wesentliche — das Frachtgeschäft in den Vordergrund stellt. So
kommt es, daß sie seit 1891 durchschnittlich 53/4%&gt; der Lloyd nur
3 3/4°/0 Dividende verteilen konnte.

Über das interne Geschäftsgebahren des Lloyd zu sprechen
ist hier, wo es sich um eine allgemeine Untersuchung handelt,
nicht der Ort. Erwähnen möchte ich nur, daß es mir wenig an-
gebracht scheint, durch glänzende, überaus kostspielige Festlich-
keiten die heikle Situation vergessen machen zu wollen. Das
dafür ausgegebene Geld würde m. E. zweckmäßiger werbend
angelegt!

2. Errichtung neuer Handelsgesellschaften.

Wir haben zweierlei als notwendig erkannt: der Bremer muß
aufgerüttelt, muß rühriger werden, und der Handel muß auf eine
breitere Grundlage gestellt werden. Beide Forderungen hängen
eng zusammen. Ohne mich an dieser Stelle in Einzelheiten auf-
halten zu wollen — ich hoffe dazu in demnächstigen weiteren Ver-
öffentlichungen Gelegenheit zu haben — möchte ich meine Vor-
schläge, die die teils unmittelbare, teils mittelbare Hebung des
Bremischen Warenhandels bezwecken, in großen Zügen skizzieren.

Zum Ausbau der Handelsbeziehungen Bremens mit außer-

h Nach einer Notiz des »Hamburgischer Correspondent«.
        <pb n="110" />
        ﻿103

deutschen Ländern muß eine Anzahl besonderer, neuer Handels-
gesellschaften gegründet werden. Ich denke mir die Sache so,
daß leitende Kaufmannskreise, am besten in Verbindung mit der
Handelskammer, die Initiative ergreifen und zunächst, unter An-
hörung von Sachverständigen aus den verschiedensten Zweigen
des Handels, feststellen: wo ist für Bremen noch etwas zu machen ?
Die Hauptgesichtspunkte, die bei der Wahl und für den Umfang
der Tätigkeitsgebiete der zu gründenden Gesellschaften maßgebend
sein müssen, sind m. E.;

1.	Die Handelsobjekte der neuen Gesellschaften
sind so zu wählen, daß sie neue Waren nach
Bremen ziehen oder bislang vernachlässigte, für
Bremen passende Artikel und Gebiete intensiver
bearbeiten. Dementsprechend kämen in erster Linie
Großhandelsartikel in Betracht, für deren Einfuhr von
Übersee und Weiterverteilung innerhalb und außerhalb
Deutschlands Bremen gemäß seiner geographischen Lage
den Kampf mit den Konkurrenzhäfen unter gleichen Be-
dingungen aufnehmen kann. Es sind dies: Spinnstoffe
außer nordamerikanischer Baumwolle,Kolonialwaren,Landes-
produkte einiger Länder der gemäßigten und heißen Zonen.

2.	Besonders solche Gebiete sind zu berücksichtige^
wo der Handel noch unentwickelt ist oder wo eine
günstige wirtschaftliche Entwicklung, die der Aus-
fuhr dorthin Erfolge verspricht, zu erwarten steht.
Der Kampf gegen ausländische Konkurrenz ist vorzuziehen,
da er, abgesehen von höheren, nationalen Gesichtspunkten,
meist leichter ist als gegen wesensgleiche deutsche.

3.	Es ist darauf zu sehen, daß der Handel dauernd
bleibt und nicht durch entgegenstehende Verkehrstendenzen
weltwirtschaftlicher Art oder durch ausländische politische
Beeinflussung bedroht und gehemmt wird. Hierbei denke
ich daran, daß z. B. Mittelamerika aller Wahrscheinlichkeit
nach schon bald in das ausschließliche Einflußgebiet der
Vereinigten Staaten fallen wird.

Haben sich aus diesen allgemeinen Erwägungen bestimmte
Ansichten und Vorschläge herauskristallisiert, dann muß die Um-
setzung in die Tat energisch und schnell in die Hand genommen
werden. Zunächst müßte, vielleicht unter Anhörung der Handels-
kammer, ein Komitee aus Großinteressenten, insbesondere aus den
Dampfergesellschaften und den Speditionsfirmen gebildet werden.
        <pb n="111" />
        ﻿104

Denn diese haben ja aus den zu erwartenden größeren durch ihre
Vermittlung zur Verfrachtung gelangenden Gütermengen Vorteile.

Dieses für jedes einzelne Gebiet besonders zusammentretende
Komitee müßte, wenn nötig, auf gemeinsame Kosten Experten
nach drüben schicken, die sich über die Aussichten des beabsichtigten
Geschäfts eingehend zu informieren und darüber zu berichten
hätten. Etwas Ähnliches geschah ja schon im Jahre 1896 (vergl.
oben S. 67). Ein weiteres Beispiel führt der Handelskammerbe-
richt für 1882 (S. 29) an. In jenem Jahre trat man zur Hebung
des Kohlenausfuhrgeschäfts in Vorbesprechungen über die Er-
richtung einer Kohlenexports-Aktiengesellschaft ein, die unter der
Ägide der Kammer errichtet werden und besonders nach den
südasiatischen Zwischenanlaufshäfen exportieren sollte. In manchen
Fällen würde sich die vorherige Hinaussendung von Sachverständi-
gen übrigens ganz vermeiden lassen, wenn in den betreffenden
Gebieten schon Bremer Firmen, die mit dem in Frage kommenden
Artikel vertraut sind, tätig sind und ihre Kenntnisse der Gesell-
schaft bezw. dem Komitee zur Verfügung stellen.

In welcher Form die Gesellschaften am besten gegründet
werden, ob in der einer erweiterten G. m. b. H., einer Aktien-
gesellschaft oder einer Genossenschaft, soll hier unerörtert bleiben.
Jedenfalls meine ich, daß die großen Dampfergesellschaften und
Speditionsfirmen erst einmal den Hauptteil des Kapitals zeichnen
müssen, damit das Geschäft gesichert ist und mit den Arbeiten
begonnen werden kann. Daneben müssen dann auch Kleinkapita-
listen herangezogen werden, um möglichst weite Kreise an dem
Gedeihen der Gesellschaft zu interessieren. Die Anteile dürften
deshalb nicht zu hoch bemessen werden. Doch das ist ja eine
Frage der inneren Organisation. — Mit bestehenden Bremer
Firmen müßten natürlich, wenn möglich, beiden Teilen Vorteile
bietende Abmachungen getroffen werden, denn es gilt den Kampf
gegen fremde Konkurrenz. In einzelnen Fällen empfiehlt sich
vielleicht sogar die Übernahme von Firmen, obwohl im allgemeinen
theoretisch davon abzuraten ist.

Voraussetzung wäre, daß bei Frachtengleichheit nur Bremer
Schiffe benutzt werden und daß die Löschung der Waren nur in
Bremen oder Bremerhaven erfolgt. In geeigneten Fällen könnte
die Behörde den Gesellschaften insofern entgegenkommen, als sie
ihnen in der ersten Zeit durch Ermäßigung von Schiffahrtsabgaben
die Möglichkeit erleichtert, das Geschäft in wichtigen neu aufge-
nommenen Artikeln nach Bremen zu ziehen. Sobald der Betrieb
        <pb n="112" />
        ﻿io5

in geregelten Bahnen läuft, dürfte eine Bevorzugung natürlich
nicht mehr stattfinden.

Zur Organisation der neuen Gesellschaften könnte das Amt
eines Handelskommissars geschaffen werden, der zweckmäßig
in der Handelskammer Sitz und Stimme haben müßte. Seine
Stellung wäre möglichst unabhängig zu gestalten. Gerade bei Er-
richtung solcher Geschäfte kommt es auf Tatkraft und Selbständig-
keit an. Denn sonst riecht die liebe Konkurrenz Lunte und durch-
kreuzt die Pläne. Wenn auch die »Erde Raum für alle« hat und
jeder neben dem andern arbeiten kann, wäre es doch ärgerlich,
die Frucht eigener Anstrengung von anderen geerntet zu sehen.
— Das Handelskommissariat dürfte kein Ehrenamt, kein Nebenamt
sein. Es erfordert ganze Arbeitskraft und müßte entsprechend be-
wertet werden.

Der Ausbau der Organisation ergibt sich im Laufe der
Zeit von selbst. Das ist dann Sache des Handelskommissariats.
Warum sollte es z. B. nicht möglich sein, die Bremer Baumwoll-
börse später zu einer Börse für Spinnstoffe zu erweitern, wenn es
gelingt, den Woll- und Juteimport mehr als bisher nach Bremen
zu ziehen!? Im Anschluß an die Baumwollklassifikation könnten
Einrichtungen und Bestimmungen auch für diese beiden Rohstoffe
getroffen werden. Hätte man die Sache früher energisch in die
Hand genommen, so hätte es Bremen auch im Wollhandel viel-
leicht schon jetzt zu der Bedeutung bringen können, die es sich
im Baum Wollhandel errang; jedenfalls hätte es einen größeren
Markt als es jetzt hat. Darauf hinzielende Pläne scheinen tat-
sächlich schon früh erwogen zu sein. Schreibt doch die Handels-
kammer schon in ihrem Berichte für die Jahre 1870/1873 (S. 29),
daß man sich mit dem Gedanken, in Bremen Conditionierungsan-
stalten für Wolle zu errichten, getragen habe — Gedanken, denen
die Kammer damals ihre Zweckmäßigkeit absprechen zu müssen
glaubte!

Man wird mir vielleicht entgegenhalten, die Handelskammer
als solche könne und müsse die Funktionen des von mir vor-
geschlagenen Handelskommissariats ausüben. Als Vertreterin und
zusammenfassende Funktionärin der Großkaufmannschaft habe sie
sich doch gerade mit solchen Dingen zu befassen. Demgegenüber
ist zu erwidern, daß die Kammer in ihrer jetzigen Gestalt nach
Lage der Sache an der Lösung und dauernden Bearbeitung so
schwerwiegender Fragen nur von allgemeinen Gesichtspunkten
aus arbeiten kann. Die spezielle Beackerung des Feldes muß
        <pb n="113" />
        ﻿— io6 —

eigens dafür angestellten Kräften Vorbehalten bleiben. Wollte
man die Kammer auch damit beauftragen, so müßte sie schon
eine erheblich größere Zahl von Mitgliedern haben, würde dadurch
aber als Ganzes zu schwerfällig werden und der notwendigen Ein-
heitlichkeit entbehren. Auch läge die Gefahr einer Interessen-
kollision und einer absichtlichen oder unabsichtlichen Bevorzugung
einzelner vor.

Daß der Vorschlag, dem darniederliegenden Handel in der
oben besprochenen Weise wieder in den Sattel zu helfen, in
mancher Beziehung neu ist, darf nicht abschrecken. Man wird
sagen, gerade der Handel müsse sich aus sich selbst entwickeln
und dürfe nicht von außen gezwungen werden, sich irgend einem
besonderen Gebiete zuzuwenden. Gerade der Bremer Kaufmann
hat aber leider die in dieser Argumentation liegende Entschuldigung
verwirkt. Die Kaufmannschaft agitiert lebhaft für eine weitere
Ausgestaltung der Häfen, der Lösch- und Ladevorrichtungen.
Darf aber der Staat als Vertreter der Allgemeinheit nach Lage
der Sache vorläufig überhaupt noch Gelder dafür bewilligen?
Wird man da nicht in breiten Massen der Steuerzahler sagen: »Wie
kommt der Staat dazu, zugunsten eines Teiles des Staatskörpers
dem Ganzen finanzielle Lasten aufzubürden, wenn dieser Teil, das
ist der Großhandelsstand, seinen moralischen Verpflichtungen nicht
nachkommt und sich auf die Bärenhaut legt? Dann soll der Groß-
handel die Einrichtungen, die er sich wünscht, doch aus eigener
Tasche bezahlen!« Hier eben, wo und nachdem die Initiative der
Einzelnen versagt hat, ist es Sache der Handelskammer als
des Organs der Kaufmannschaft, in die Bresche zu springen, die
einzelnen Glieder an ihre Pflicht zu mahnen und den Karren aus
dem Sumpf herauszuziehen. Dies kann sie aber m. E. nur dann,
wenn sie — vielleicht nicht als »Kammer«, sondern mehr in-
offiziell — in der angeregten Weise vorgeht und besonders die
großen Schiffahrtsgesellschaften interessiert.

Man wird vielleicht auch einwenden, Bremen gehe ja schon
jetzt auf das gleiche Ziel los, allerdings sozusagen auf umgekehrtem
Wege: dadurch, daß es der Industrie billiges Gelände zur Verfügung-
steile und sie dadurch heranziehen wolle. Das ist schon richtig.
Aber dieser Weg ist m. E. weiter und außerdem weniger sicher.
Er ist auch mehr auf Ausfuhr, zum Nutzen der Industrie, als
auf Einfuhr und auf das Gedeihen des Handels im allgemeinen
zugeschnitten. Neben dem von mir angeregten Wege ist der
vom Staate bereits ein geschlagene natürlich sehr gut und zweck-
        <pb n="114" />
        ﻿mäßig, vorausgesetzt, daß die künstlich herangezogenen Fabriken
sich halten.

Man wird mir ferner entgegenhalten, in Bremen sei kein
»Markt« beispielsweise für »Kolonialwaren«. Das ist in gewissem
Sinne richtig, denn dieser hat sich nach Hamburg gezogen. Für
Bremen muß er erst wieder neu geschaffen werden. Das ist
natürlich mit Schwierigkeiten verknüpft. Aber so ziemlich jeder An-
fang ist schwer. Bei ernsthaften Anstrengungen wird das Ziel erreicht
werden, ist doch auch Rom nicht in einem Tage erbaut worden.

Auch einem eventuellen anderen Einwand möchte ich gleich
hier mit einigen Worten entgegentreten, nämlich der Frage, ob
denn überhaupt die nötigen großen Kapitalien — denn mit zu
kleinen Mitteln zu arbeiten wäre eher hinderlich als förderlich —
zusammengebracht werden können. Das ist eine Sache, die nicht
das System, sondern mehr die Organisation angeht. Wie bei
Aktiengesellschaften, wie auch beim Norddeutschen Lloyd, die
Gelder zum größten Teil nicht aus der eigenen Stadt stammen,
so braucht für die neuen Gesellschaften nicht Bremen allein finan-
ziell interessiert zu werden. Im Gegenteil wird es nicht selten
sogar sehr zweckmäßig sein, Binnenländer heranzuziehen. Auf die
Art, wie, und die Gegend, wo die Kapitalien aufgebracht werden,
kommt es nicht an. Es genügt, wenn der Sitz in Bremen ist
und wenn bremische Initiative, Tatkraft und Intelligenz an ihrer
Spitze stehen.

Selbstredend darf man auch nicht den Himmel stürmen
wollen. Die Gesellschaften dürfen erst nach und nach, nach ge-
nauester Prüfung der Verhältnisse, errichtet werden. Dabei wird
man Organisationsfehler, die im Anfang vielleicht unterlaufen
werden, bei den später gegründeten Gesellschaften gleich ver-
meiden können. Auch durch gelegentliche Fehlschläge darf man
.sich nicht abschrecken lassen. Im Vergleich zu der Größe des
Erfolges, der erreicht werden kann, ist der Einsatz nur gering.
Andererseits würde weitere Tatenlosigkeit der Anfang vom Ende sein.

Ich gehe sogar noch weiter! Sollte es wider Erwarten nicht
gelingen, solche Gesellschaften mit rein privaten Mitteln zu gründen,
so muß der bremische Staat in irgend einer Form selbst ein-
springen, sei es durch Kapitaleinschuß, sei es durch Übernahme
der Bürgschaft für eine mäßige Verzinsung während der Ein-
richtungsjahre — selbstredend nur gegen Erhalt des Aufsichtsrechts.

Bekanntlich wurde in der Bürgerschaftssitzung vom 30. März
1910 beschlossen, daß der bremische Staat die selbstschuldnerische
        <pb n="115" />
        ﻿— io8 —

Bürgschaft für das durch den Bremer Verein für Arbeiterwohnungen
von der Landesversicherungsanstalt für die Hansestädte in Lübeck
zum Bau von Wohnungen für etwa 20000 Arbeiter auf dem
Baugelände des Industrie- und Handelshafens in Bremen-Oslebs-
hausen aufzunehmende Darlehn bis zur Höhe von zwei Millionen
Mark nebst Zinsen übernehmen sollte.

Nun folgere ich: Sieht man es als im Interesse der All-
gemeinheit liegend an, Wohngebäude für Arbeiter zu erbauen
oder eine Zinsgarantie dafür zu übernehmen; erwägt man ferner, daß
diese Ausgaben und Einrichtungen dem einen Stande, dem der
Arbeitnehmer, zugute kommen, so muß man wegen der Tatsache,
daß der Großhandel der Lebensnerv des Staates Bremen ist und
bleiben wird, zugeben, daß der Staat die Pflicht hat, unter Umständen
dem Handel in derselben Weise zu Hilfe zu kommen. Der Handel
ist hier das Primäre, die heranzuziehende Industrie mit ihren A rbeiter-
massen das Sekundäre. Alle ihre Arbeitsprodukte müssen durch
den Handel bewegt und umgesetzt werden. Stirbt der Handel
aber ab oder ist er außer Stande die Umsatzfunktion auszuüben,
dann sind alle für die Arbeitnehmer aufgewendeten Kapitalien
nutzlos. Glieder ohne Körper sind tot.

3.	Welche Gebiete kommen besonders in Frage?

Nachstehend möchte ich diejenigen Gebiete kurz herausheben,
die ich besonderer Aufmerksamkeit für wert halte.

Ostasien. Ein immer mehr an merkantiler Bedeutung ge-
winnendes Gebiet sind das nördliche China und die Mandschurei.
Die weiten, ebenen Gefilde sind von einer erstaunlichen Frucht-
barkeit und bringen ungeheure Mengen von Landesprodukten
hervor. Besonders werden Hülsenfrüchte gebaut (Bohnen, Erbsen
usw.), daneben Getreide (Hirse usw.). Die Wichtigkeit dieses Gebiets,
das ein landwirtschaftliches Produktionszentrum allerersten Ranges %
zu werden verspricht, hat man lange verkannt. Die europäischen
Dampferlinien ließen es unbeachtet liegen und bogen vom mitt-
leren China (Shanghai) nach Osten zu, nach Japan, ab. Erst neuer-
dings, nach dem russisch-japanischen Kriege, ist es mehr in den
Vordergrund getreten, und energisch ist man jetzt mit seiner
Aufschließung und der Nutzbarmachung der reichen Schätze, die
es birgt, beschäftigt. Englisches, amerikanisches und japanisches
Kapital beginnt sich dort einzunisten. Noch ist es Zeit, daß
Deutschland sich seinen Anteil sichert. Wünschenswert wäre es,
daß der Norddeutsche Lloyd eine regelmäßige Frachtdampferlinie
        <pb n="116" />
        ﻿— iog —

von Dalny, dem bevorzugten Ausfuhrhafen jenes Gebietes, nach
Shanghai einrichte. Er braucht wenig oder kein neues Dampfer-
material dazu, sondern könnte vielleicht eine Anzahl seiner im
unrentablen Yangtse-Dienst beschäftigten Fahrzeuge auf dieser
Linie verwenden. Sie würden willkommene »Zubringer« der Haupt-
linie werden, die in heimkehrender Fahrt nicht gerade über Frachten-
überfluß zu klagen hat (vergl. S. 66). Einer unter Mitwirkung
des Lloyd gegründeten, Dalny als Hauptstützpunkt benutzenden
Gesellschaft darf ein gutes Prognostiken gestellt werden.

Mit der wichtigste Ausfuhrartikel Dalnys ist die im nördlichen
China und in den Mandschurei heimische Sojabohne. Die Bohne
selbst ist ein gutes, billiges Nahrungsmittel; das aus ihr gewonnene
Öl dient hauptsächlich zur Seifenfabrikation, daneben als Speiseöl;
die Rückstände werden zu Viehfutter oder Düngemitteln verar-
beitet. Schon jetzt gehen große Mengen nach England (jährlich
über 400000 Tons), nach Österreich usw. Allerdings ist die Ein-
fuhr in diesen und anderen Ländern zollfrei. Der Verband der
deutschen Ölmühlen hat Schritte unternommen, um auch in Deutsch-
land Zollfreiheit für diese wichtige Hülsenfrucht zu erwirken. Es
steht zu hoffen, daß seine Bestrebungen Erfolg haben.

Selbst wenn man bis dahin die Sojabohnen nicht in Deutsch-
land selbst in größeren Mengen absetzten wollte oder könnte,
könnte man sie nach England bringen oder sie schon vorher in
der Levante, Triest, Italien und Südfrankreich verkaufen.

Ein anderer Ausfuhrartikel Dalnys, der eine ganz besondere
Wichtigkeit erlangen könnte, wäre Schweineschmalz. Jetzt ist
die Union bekanntlich die Hauptproduzentin, die mehr als 9/io
(1905 sogar 98%) des deutschen Bedarfs deckt. Die amerikani-
schen Großschlächtereien haben sich ein tatsächliches Monopol
geschaffen und dies dazu benutzt, die Preise ganz erheblich in die
Höhe zu schrauben. Noch im Jahre 1897 kostete ein dz Schmalz
im Durchschnitt (nach der Reichsstatistik) nur erst 46 Mk. 1902
wurde der Höchstpreis mit 104 Mk. erreicht, dann sank er 1904
auf 7 2, stieg aber bis 1908 wieder auf 91 Mk. Also im letzten
Jahrzehnt beinahe eine Verdoppelung, eine Mehrbelastung des
deutschen Konsums mit jährlich 50 Millionen Mark. Da nun das
nördliche China und die südliche Mandschurei überaus schweine-
reich sind, wäre dort die Errichtung leistungsfähiger Export-
schlächtereien zu empfehlen. Soweit ich beurteilen kann, würden
die Schlächtereien mit sehr hohem Gewinn arbeiten. Da es sich
auch um bedeutende Transportmengen handelt — wir beziehen
        <pb n="117" />
        ﻿HO

aus Amerika jährlich mehr als 100000 Tonnen Schweineschmalz!
— so läge für den Lloyd um so mehr Veranlassung vor, sich an
der mandschurischen Fleischbearbeitungsindustrie zu interessieren.
Von allem andern abgesehen würde es auch eine nationale Tat
sein, die Fesseln, in die uns der »Fleischtrust« geworfen hat, zu
zerbrechen.

Auch Fischöl könnte in großen Mengen über Dalny nach
Deutschland gebracht werden. Anderswo, in England z. B., ist
seine Verwendung zu allen möglichen Zwecken neuerdings stark
gestiegen. Auch in Deutschland würde dies der Fall sein, wenn
man das Öl erst kennt und es regelmäßig beziehen kann. Daß
gleichzeitig auch die Fabrikatenausfuhr nach dort gepflegt
werden müßte, ist klar. Besonders Maschinen und Baumwollwaren
würden dort guten Absatz finden. Jedenfalls liegt dort die Mög-
lichkeit einer großartigen Entfaltung offen. Wegen der Frachten-
gleichheit ist Bremen gegen England nicht im Nachteil. Die
räumliche Entfernung von Nordamerika (Seattle) aus ist unge-
fähr die gleiche. Rußlands Konkurrenz ist wegen der teuren
für dieses Reich in Frage kommenden Eisenbahnfrachten wenig
zu fürchten. Japan hat mit Korea genug zutun, seinen Gelüsten,
Port Arthur und Dalny an sich zu reißen und damit den ganzen
Handel an seine Flagge zu fesseln, haben die Mächte einen wirk-
samen Damm entgegengesetzt. Dort ist »Freiland«.

Südasien. Eine hier arbeitende Gesellschaft müßte die Aus-
fuhr von Baumwolle und Jute mit besonderem Eifer pflegen, da-
neben die anderer Rohprodukte, wie Schellack (hierfür war Bremen
früher der Hauptmarkt, jetzt verschwindet es gegen Hamburg),
Häute usw. Bietet der Bremer Händler in solchen Artikeln —
Schellack, Kopra usw. usw. — größere Auswahl und genügende
Effektivvorräte, dann wird der Absatz nicht ausbleiben. Für den
Inlandsverbraucher ist es einerlei, ob er von Hamburg oder von
Bremen kauft. Hatte Bremen früher einen großen Markt für
solche Waren, so ist nicht einzusehen, warum es sich ihn nicht
jetzt sollte wieder schaffen können! Beim Jutehandel könnte
vielleicht darauf hingearbeitet werden, eine größere Juteverarbei-
tungsindustrie im speziellen Hinterlande Bremens (vergl. S. 63)
anzusiedeln. — Die Hansa als in Bremen beheimatete Gesellschaft
hat an der Hebung des ostindischen Warenverkehrs nach hier ein
lebhaftes Interesse und würde sich jedenfalls zur Beteiligung und
zu Zugeständnissen betreffs des Dampferdienstes bereit finden lassen.

Nordamerika. Eine aus dem Geiste dieser Untersuchung
        <pb n="118" />
        ﻿heraus geborene Gesellschaft zum Zwecke der Hebung der bremi-
schen Ausfuhr deutscher Erzeugnisse nach den Vereinigten
Staaten zu gründen, dürfte unangebracht sein, obschon sich
Bremen sehr wohl einen größeren Anteil daran sichern könnte.
Mehr als anderswo bestehen gerade zwischen den deutschen Fabri-
kanten und dem amerikanischen Käufer direkte Beziehungen,
die nur des Speditionshandels als Vermittlers bedürfen. Was
Bremen aber tun könnte, wäre, daß seine Großkaufleute, und zwar
nicht nur die Import-Exportfirmen, sondern auch die Baumwoll-
firmen, drüben Kommissionshäuser errichteten. Dies ist bislang
nur in ganz vereinzelten Fällen geschehen. Eventuell könnten
sich mehrere Firmen zusammentun und in verschiedenen See-
und Binnenstädten der Union auf gemeinschaftliche Rechnung
Ein- und Verkaufskontore, die zweckmäßig mit Musterlägern zu
verbinden wären, eröffnen.

Anders liegen die Verhältnisse in Canada. Ein nennens-
werter Verkehr zwischen der Dominion und dem Deutschen Reiche
besteht noch nicht. Es scheint sich aber eine rasche Änderung
vorzubereiten. Da ist es in erster Linie Sache des Norddeutschen
Lloyd, dafür Sorge zu tragen, daß ein entsprechender Teil des
Warenstromes nach Bremen gelenkt wird und diese Stadt nicht
wieder, wie schon so oft, das Nachsehen hat. Bei tatkräftiger
Beihilfe des Lloyd dürfte Canada für Ein- wie für Ausfuhrfirmen,
kraft seiner schnell zunehmenden landwirtschaftlichen Produktion
und seiner entsprechend steigenden Kaufkraft für Industrieerzeug-
nisse, ein sehr geeignetes Feld sein. Bislang sah man das Land,
verführt durch die Schilderungen von der Unwirtlichkeit seiner nörd-
lichen Teile, etwas über die Achsel an. Daß auch Canada An-
strengungen macht, engere Handelsbeziehungen mit Deutschland
zu pflegen, geht aus der im laufenden Jahre erfolgten Absendung
eines besonderen Handelssachverständigen nach den größeren
deutschen Städten hervor.

Südamerika. Eine gewisse instinktive Furcht, aus dem
Geschäft mit Südamerika doch über kurz oder lang herausgedrängt
zu werden, scheint auf Bremen zu lasten. — Wohl ist es Tatsache,
daß die Union erhöhten nicht nur politischen, sondern auch
kommerziellen Einfluß auf die Südhälfte des Kontinents zu erlangen
sucht, und mit Recht weist die Handelskammer (Jahresbericht für
1891, S. 9) darauf hin: »Diese Bemühungen (sc. der Union, die
europäische Einfuhr zu erschweren) erstrecken sich nicht nur auf
das Gebiet der Vereinigten Staaten selbst, sondern umfassen ganz
        <pb n="119" />
        ﻿I 12

Amerika, und ein weiterer Erfolg derselben sind die von der
amerikanischen Union mit Brasilien und Spanisch-Westindien ab-
geschlossenen Gegenseitigkeitsverträge, in denen gewissen Erzeug-
nissen der nordamerikanischen Bodenbewirtschaftung und Industrie
zollfreie Einfuhr oder Einfuhr zu um 25°/0 ermäßigten Zollsätzen
gewährt wird. Auf diesem Wege soll die Zusammenschließung
der amerikanischen Staaten zu einem wirtschaftlichen Ganzen und
ihre Unabhängigkeit von der Industrie und dem Gewerbe Europas
erreicht werden«. Aber wegen dieses in Zukunft vielleicht einmal
eintretenden Ereignisses die Flinte ins Korn werfen zu wollen
wäre verfehlt. Richten wir uns nach Hamburg!

Allerdings wird kraft der in der geographischen Lage und
in den ethnographischen Bedingungen begründet liegenden nord-
südlichen Verkehrstendenz Südamerika unzweifelhaft in eine ge-
wisse Abhängigkeit von Nordamerika geraten. Aber diese wird
nicht so stark werden wie man leicht zu fürchten geneigt ist.
Denn Südamerikas Wirtschaftsleben bewegt sich in aufsteigender
Linie, und seine Staaten sind überaus freiheitliebend und stehen
den Suprematiegebühren Uncle Sams entschieden ablehnend
gegenüber. Wenn dieser auch Vorteile für seinen Handel durch-
drückt, so sind sie doch nicht bedeutend und umfassend. Auch
werden ihm solche Abmachungen mit dem wichtigsten Staate
Südamerikas, mit dem kraftvollen Argentinien, schwerer fallen
als mit dem durch tropische Sonne und üppige Fruchtbarkeit
des Bodens etwas verweichlichten, energischer Kräfteanspannung
weniger fähigen Brasilien.

Zu diesem politischen Gegensatz besonders in der Argenti-
nischen Republik kommt ein sehr realer für Deutschland in die
Wage fallender Umstand: die südamerikanischen Staaten müssen
ihre Naturprodukte loswerden. Nordamerika aber, das selbst Ge-
treide in großen Mengen ausführt, kann das Getreide Argentiniens,
auf dessen Ausfuhr dieses Land angewiesen ist, nicht aufnehmen.
Auch die andern Landesprodukte Südamerikas, wie Wolle, Kaffee,
Kakao, Gummi, müssen größtenteils ihren Absatz in Europa
suchen. Und mit dem Erlös aus allen diesen Waren wird dann
die Fabrikateneinfuhr bezahlt. Das ist ein gleichartiger, überall
erkennbarer Zug; alle weniger kultivierten tropischen und sub-
tropischen Länder führen Massengüter ihrer Natur- und Urpro-
duktion aus und tauschen dafür in dem betreffenden Einfuhr-
lande die von ihnen benötigten Ganz- und Halbfabrikate ein. Daß
dieser Satz auch für Südamerika Geltung hat, sehen wir bei Hamburg.
        <pb n="120" />
        ﻿Demnach müßte eine beispielsweise zur Hebung des Argen-
tin ageschäfts gegründete Gesellschaft ihr Hauptaugenmerk auf
die Ausfuhr nach dort richten, was ihr möglich wäre, wenn sie
in den binnenländischen Sammelpunkten der Naturerzeugnisse
geeignete Verbindungen anknüpfte und möglichst mit solchen
Firmen arbeitete, die Ein- und Ausfuhr gleichzeitig pflegen. —
Betreffs Brasiliens ist vielleicht nicht so sehr der Hebung der
Kaffeeinfuhr als dem Handel mit den anderen Kolonialwaren
der verschiedensten Art (Kakaobohnen!), mit Gummi elasticum,
Hölzern usw. und natürlich Tabak Beachtung zu schenken. In
Südbrasilien gewinnt der Getreideanbau erhöhte Bedeutung, und es
ist anzunehmen, daß die Republik bald als gleichwertiger Expor-
teur neben die andern bekannten »Kornkammern« der Welt
treten wird. Auch in der Ausfuhr nach Brasilien hat Deutsch-
land, also bei entsprechender Regsamkeit auch Bremen, gute
Aussichten. Nach einer brasilianischen Quelle betrug in Prozenten
der Gesamtwerte im Jahre 1908

Brasiliens

Ausfuhr nach:	Einfuhr von:

Vereinigte Staaten 41,60 °/0		Großbritannien	26,30 °/0
Großbritanni en	18,30 %	Deutschland	13,25 °/0
Deutschland	•5.30 %	Argentinien	11.75 7o
Frankreich	7,30 %	Vereinigte Staaten	10,25 %
Österreich-Ungarn	3,30 %	Frankreich	9,25 %
Argentinien	3,30 %	Portugal	7.35 %
Belgien	2,30 %	Uruguay	5,35 %
Uruguay	1,60 %	Belgien	3,50 %
		Italien	3.25 %
Der hohe Anteil Argentiniens an		der Ausfuhr nach	Brasilien ist

durch Getreidebezüge (Weizen) zu erklären. Von Europa bezieht
Brasilien hauptsächlich Seiden- und Textilwaren, chemische und
pharmazeutische Erzeugnisse und Parfümerien. Der Umstand, daß
Hamburg weit mehr als zehn Mal so viel nach Brasilien ausführt
als Bremen, läßt erstens erkennen, daß Deutschland der Konkurrenz
Englands auch hier gewachsen ist (sein prozentualer Anteil ver-
größert sich stetig), und zweitens die Hoffnung als berechtigt er-
scheinen, daß Bremens Anstrengungen gerade bei der Ausfuhr
der oben genannten Warengruppen der Erfolg nicht versagt sein
würde.

Allerdings wäre es schon bei Fortbestand der jetzigen Ver-
hältnisse dringend wünschenswert, daß die Bremer Linien in den

Gehrke, Bremens Warenhandel.	8
        <pb n="121" />
        ﻿Südamerikadienst schnellere Dampfer einstellen. Nach meinen
Erkundigungen bei den zuständigen Stellen beträgt z. B. die
Fahrtdauer der Dampfer des Norddeutschen Lloyd von Bahia bis
Bremen 21—24 Tage, die der Dampfer der Hamburg-Südameri-
kanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft von Bahia bis Hamburg
nur 18—21 Tage. Es wird auf diese Zeitdifferenz mit zurück-
zuführen sein, daß Hamburg im Verkehr mit jenen Gebieten
Bremen so kolossal überflügelt hat.

Afrika. Die Bearbeitung dieses Erdteils ist ziemlich schwierig
für Bremen, da es mit alter, starker hamburgischer und englischer
Konkurrenz zu rechnen hat, die an ihren Schiffahrtslinien nicht
zu verachtende Rückendeckungen haben. Dazu kommt in den
heißeren Gegenden die Eigenart des Faktoreihandels: es ist kein
ausgebildeter Handel in unserem Sinne, sondern er bewegt sich
wie in Urzeiten vorwiegend in der primären Form des Tausches.
Nur in den höher kultivierten Gebieten im Norden und Süden
des Erdteils und in vereinzelten Oasen an der Ost- und Westküste
tritt das Geld als vermittelnder Faktor zwischen Käufer und
Verkäufer.

In Nordafrika ist m. E. für Bremen nicht viel zu wollen, da
es dort aus geographischen Gründen der Konkurrenz Südeuropas
nicht gewachsen ist und außerdem mit der Abschließungspolitik
Frankreichs zu rechnen hat.

Im Süden liegen die Verhältnisse günstiger. Zu erstreben
ist eine Steigerung der Wolleinfuhr von dort. Auch die Ausfuhr
nach dort bedarf dringend der Hebung. Daß sie bis jetzt gleich
Null ist, sahen wir. Kraft seiner politischen Vorherrschaft besitzt
ja England auch wirtschaftlich eine gewisse Vorzugsstellung. Sein
großes Übergewicht im Ausfuhrhandel nach Südafrika beruht jedoch
z. T. mit darauf, daß man deutsche Waren als solche dort
kaum kennt. M. W. hat es bislang überhaupt an ernsthaften
Versuchen kapitalkräftiger Firmen, sie dort einzubürgern, gefehlt.
Und doch wären die aufblühenden, kaufkräftigen United States
of South Africa zweifellos ein guter Abnehmer für uns, so für
die Textil-, die Holzbearbeitungsindustrie usw.

Bezüglich der heißeren Gebiete Afrikas kommt eine Einfuhr von
Palmkernen und anderen tropisch-afrikanischen Landesprodukten
in Frage und eine Ausfuhr aller Sorten meist geringwertiger
Fabrikate. Wenn es gelingt, in Bremen einen gleichwertigen
Gegner der Woermann-Linie zu finden, dann, aber auch nur dann
wird man mit aller Bestimmtheit auf ausgezeichnete Erträge des
        <pb n="122" />
        ﻿U5

Handels rechnen dürfen. Hoffentlich kann die dem Lloyd nahe
stehende Hamburg-Bremer Afrikalinie groß genug ausgebaut werden.

Australien. Der Wollimport aus diesem Erdteil ist noch
größerer Ausdehnung fähig. Daß Deutschland alljährlich große
Posten auf den Londoner Wollauktionen kauft, ist eigentlich wider-
sinnig. Bei direkter Einfuhr kann der Zwischenhändlergewinn und
können die Kosten für Courtage, Lagerung, Versicherung, Fracht-
differenz, Wiegen usw. gespart bezw. heimischen Firmen zugewendet
werden. Die Londoner Auktionen sind ein Überbleibsel aus der
Zeit der monopolistischen Vermittlerstellung Englands, und daß
sie sich bis heute gehalten haben, ist in erster Linie dem Gesetz
der Trägheit zuzuschreiben. Man könnte jedenfalls ganz gut ohne
sie auskommen.

Australien ist das Hauptwollproduktionsland der Erde. Es
produziert (nach Friedrich, Wirtschaftsgeographie; Leipzig, 1907;
S. 142) um etwa 1/8 mehr als Argentinien, etwa fünf Mal so viel
wie Britisch-Südafrika. Da Bremen gerade in Australien noch gut
im Geschäft sitzt, läßt sich speziell die australische Wolle als Mittel
benutzen, um die geschwächte Stellung Bremens im europäischen
Wollhandel wieder zu stärken. Daß auch diese Schwächung, dieses
Heruntersteigen von stolzer Höhe, erst im letzten Jahrzehnt, d. h.
seit Beendigung der Unterweserkorrektion, eingetreten ist, dafür
diene die folgende kleine Zusammenstellung als Beweis. Bremens
Gesamtwolleinfuhr betrug i. J. 1869: 34000 dz; 1880: löiooodz;
bis 1890 Verdreifachung auf rund x/2 Million dz; 1895: 746000 dzl
und 1908, nach weiteren 13 Jahren, ein Rückgang um etwa 10 °/0
auf 675000 dz! Allerdings ist 1909 infolge großer direkter Einkäufe
in Australien (und Südamerika) durch ein kapitalkräftiges Kon-
sortium wieder ein bemerkenswerter Aufschwung, auf 877000 dz,
zu verzeichnen. Im allgemeinen wird man allerdings sagen müsssen,
daß sich der Woll-Proprehandel immer mehr ins Binnenland zieht,
und daß auch in diesem Geschäftszweig der Zwischenhandel der
Seestädte allmählich ausgeschaltet werden dürfte.

Auch die Ausfuhr nach Australien läßt sich noch sehr
heben. Englands Konkurrenz kann auch hier durch die deutsche
Industrie ausgeschaltet wTerden. Aber was nutzt es uns, wenn es
in der Hauptsache durch Hamburgs Vermittlung geschieht? Bessere
Schiffsverbindungen als die Australlinien des Lloyd kann Bremen
sich doch gar nicht wünschen.

Europa. Eine Vergrößerung der Ausfuhr deutscher und
fremder Produkte ist sehr wohl möglich. Wenn es sich auch

8*
        <pb n="123" />
        ﻿hauptsächlich nur um die Verteilung überseeischer Erzeugnisse
handelt, bleibt doch eine wohltätige Rückwirkung nicht aus. Denn
wie ein Wachsen der direkten Überseeeinfuhr von Vorteil für
Bremen ist, weil sie ausländische Zwischenglieder ausschaltet
und dadurch die Aussicht auf Gewinn vergrößert, ist ein Wachsen
der Ausfuhr nach Europa zu begünstigen, weil sie den eigenen
Zwischenhandel einschaltet. Hierfür Vorschläge zu machen
fühle ich mich jedoch außer Stande.

Zwecks richtiger Würdigung der Verhältnisse will ich aber
nicht unterlassen darauf hinzuweisen, daß die unverkennbaren Be-
strebungen weiter englischer Kreise, den britischen Kolonien gegen-
überallen Auslandsreichen eine zollpolitische Bevorzugung angedeihen
zu lassen, jedenfalls zur Folge haben werden, daß die benachteiligten
Länder für manche Waren andere Bezugsquellen und Absatz-
gebiete suchen müssen. Je mehr sich die Abschließungsbestrebungen
zu Tatsachen verdichten, in um so stärkerem Maße treten auch
die Abwehrmaßregeln in die Erscheinung. Denn wenn z. B.
die landwirtschaftliche Ausfuhr Dänemarks (Butter, Milch, Fleisch
usw.) nach England erschwert wird, so muß Dänemark mehr nach
Deutschland ausführen. Die gesteigerte Ausfuhr bedingt aber eine
größere Einfuhr aus Deutschland unter Ausschaltung Englands.
Tatsächlich ist schon jetzt ein besseres merkantiles Verhältnis
zwischen Deutschland und dem skandinavischen Norden, insbesondere
Dänemark, festzustellen.

t

4.	Errichtung von Freihafenfabriken.

Noch auf andere Weise kann man dem Handel Bremens zu
Hilfe kommen.

Wie schon auf Seite 64 erwähnt, bedeutet die Hamburg zu-
gestandene Zulassung von Fabrikbetrieben in seinem Zollaus-
schlußgebiet eine schwere Schädigung Bremens. Wenn auch die
früheren Bemühungen Bremens um Erhalt der gleichen Ver-
günstigung fehlschlugen, darf man sich dadurch doch nicht ent-
mutigen lassen. Durch Hergabe unantastbaren Materials durch
die beteiligten Benachteiligten muß es möglich sein festzustellen,
in welchem Umfange bremische Interessen tatsächlich ge-
schädigt worden sind. Mir fehlen die Unterlagen. Allein schon
wenn man die Reis- und Kaffeebearbeitungsindustrie vor Augen
hat, darf man wohl behaupten, daß sehr große Summen und
Interessen in Frage kommen. Nach Mitteilungen in der amt-
lichen deutschen Statistik handelt es sich bei der Hamburger
        <pb n="124" />
        ﻿Zollausschlußindustrie außer um Reis und Kaffee besonders um:
Ammoniakwasser, Guano und Superphosphat, verschiedene chemische
Fabrikate wie z. B. Wasserglas und Schwefelsäure, pharma-
zeutische Präparate, Margarine, Spirituosen, Tran, Öle und Öl-
rückstände, Koks, Steinkohlenteer und Mineral-Schmieröle.

Wenn eine Interessentengruppe die Verwaltungsbehörden
und gesetzgebenden Körperschaften zu Änderungen ihrer Stellung-
nahme veranlassen will, ist es * das Nächstliegende, daß sie sich
zu diesem bestimmten Zwecke enger zusammenschließt und ihre
Wünsche dadurch unterstützt, daß sie den maßgebenden Stellen
genügendes, unwiderlegbares Tatsachenmaterial liefert. Nur so
kann sie Erfolg haben. Man denke an die erfolgreiche Auf-
klärungsarbeit, die z. B. der Verein der Oberweserschiffahrts-
interessenten geleistet hat. Warum geht die an bremischen Zoll-
ausschlußfabriken interessierte Industrie nicht in ähnlicher Weise
vor? Die Handelskammer sollte bei sämtlichen Mitgliedern des
Kaufmannskonvents eine Umfrage veranstalten mit der Bitte, ihr
alles vorhandene Material zur Verfügung zu stellen, und dann
eine Interessentenvereinigung veranlassen, es auf deren Kosten
zu bearbeiten und die Ergebnisse in einer ausführlichen Denk-
schrift niederzulegen. An Hand derselben, auf Grund der posi-
tiven Unterlagen, kann man dann sehen, was weiter zu geschehen
hat. Erbringt man der Reichsregierung in geeigneter Weise den
ziffernmäßigen Nachweis, wie sehr Bremen seit zwei Jahrzehnten
durch diese einseitige Begünstigung eines schon von der Natur
bevorzugten Platzes geschädigt wird, so sollte man annehmen
müssen, daß sie auch auf Bremen ausgedehnt und diese Stadt
dadurch in ihrem schweren Kampfe gegen die niederländische
Konkurrenz unterstützt wird. Hat doch das Reich dadurch große
Vorteile gehabt, daß Bremen die den ganzen Uferstaaten und
auch der Kriegsmarine zugute kommende Unterweserkorrektion
ausschließlich auf eigene Kosten ausgeführt hat, sodaß ein Ent-
gegenkommen um so mehr am Platze wäre.

Die Frage ist: wo sollen die Zollfabriken hin? Im bremi-
schen Hauptgebiete wäre schon Platz; am neuen »Industrie- und
Handelshafen« könnte ein Areal für diese Zwecke abgegrenzt
werden. Vielleicht empfiehlt es sich aber, dieses Gelände nur
für solche Anlagen zur Verfügung zu stellen, die, wie die der
schweren Industrien, von einem Zollausschluß keinen oder sehr
wenig Vorteil haben, und dafür an der Unterweser, in Bremer-
haven, ein neues Zollausschlußgebiet zu schaffen. Diesem Pro-
        <pb n="125" />
        ﻿118

jekte würden allerdings wegen der notwendig werdenden Ge-
ländebeschaffung (Gebietsaustausch mit Preußen) große Schwierig-
keiten in den Weg treten. Aber für Bremerhaven muß unbe-
dingt etwas geschehen. Kosten werden dem bremischen Staat
(Grunderwerb) in der ersten Zeit jedenfalls entstehen. Ob sie
aber aus der Herstellung einer guten Grundlage für eine spätere
gedeihliche Entwicklung erwachsen oder daraus, daß die vor-
handenen Anlagen zu groß sind und sich nicht verzinsen (NB.
der durch die neuen Fabriken herangezogene Mehrverkehr würde
auch sie rentabler machen!), ist ein großer Unterschied. Eine
Schädigung s t a d t bremischer Interessen durch eventuelle Errich-
tung von Freigebietsfabriken in Bremerhaven tritt nicht ein —
handelt es sich doch um neu in das Staatsgebiet zu ziehende In-
dustrien.

5.	Errichtung einer Handelshochschule.

Als ein den Handel Bremens indirekt förderndes Mittel sehe
ich die Errichtung einer Handelshochschule an. Hamburg
will bekanntlich sogar eine Volluniversität ausbauen und wird
dadurch sein Übergewicht über Bremen noch mehr tatsächlich
vergrößern und — nach außen kenntlich machen. Eine Voll-
universität gebraucht Bremen nun in absehbarer Zeit nicht, ob-
wohl es möglich und wünschenswert wäre, die Kräfte an den
vorhandenen wissenschaftlichen Instituten zu zusammenhängen-
den Vortragsreihen allgemeiner und spezieller Natur zu veran-
lassen und dadurch das geistige Leben der Stadt auf eine breitere
Grundlage und zugleich auf eine höhere Stufe zu stellen. Das
wirkt anregend nach innen und zieht von außerhalb frische, unter
anderen Lebensbedingungen gvoßgewordene Kräfte heran. Der
hieraus sich ergebende Nutzen ist nicht zu unterschätzen. Für
die jüngeren Kaufleute kann es nur von Vorteil sein, wenn sie
neben der praktischen auch eine theoretische Ausbildung er-
halten und das Geschäftsleben einmal von einer anderen Seite
zu betrachten lernen als sie es zu tun gewohnt sind. Ein nur
mittelbarer, aber äußerst wichtiger, für die ganze Stadt sich
ergebender Nutzen ist der, daß durch solche Veranstaltungen eine
Art Sauerteig hereingebracht wird. Man kann es, will man offen
sein, nicht leugnen: Bremen pocht auf seine »Freiheit«, aber diese
ist sehr häufig dadurch zur Unfreiheit erstarrt. Da muß ein
frischer Wind hineinfahren, der das träge Blut schneller durch
die Adern treibt, die Bequemlichkeit zu energischer Tätigkeit
        <pb n="126" />
        ﻿— i IQ —

aufrüttelt. Das ist das A und O, das man immer wiederholen
muß, denn die besten Kräfte nützen nichts, wenn sie untätig
bleiben. Gerade darum halte ich es für unbedingt wünschens-
wert, daß sich bald genügende Mittel finden, um die schon
vorhandenen Ansätze zu einem einheitlichen Bau zusammen-
zufügen.

Das Binnenland ist nicht eng genug mit dem Wesen des
Überseehandels verwachsen, um ihn ganz zu verstehen. Außer-
dem scheint sich gerade jetzt, meist noch unbewußt, ein Wandel
in den nationalökonomischen Forschungen zu vollziehen insofern,
als die sog. historische Richtung ihren Höhepunkt überschritten
hat und am Baume der Wirtschaftswissenschaft ein neuer Ast
kräftig hervorzubrechen beginnt: die in der Gegenwart wurzelnde
Verkehrswissenschaft. Noch hat diese die Kinderschuhe nicht
abgestreift. Viele wichtige Probleme — das Seetarifwesen z. B. —
harren noch der Erforschung. Gerade da aber, wo die Waren-
mengen aus dem nationalen Markte heraustreten, wo die inter-
nationalen Fäden zusammenlaufen und in, der nationalen Beein-
flussung zugängliche, tausendfache Beziehungen zum inländischen
Leben und Verkehr treten; gerade da, wo die Außenwelt
dröhnend an die Pforte eines geschlossenen Flaushaltes pocht:
gerade da ist der beste Boden zum unmittelbaren, Erfolg ver-
heißenden Studium dieser Erscheinungen. Speziell die bremischen
Handelsverkehrsverhältnisse könnten einer genaueren und um-
fassenderen Untersuchung unterzogen werden.

Die Handelshochschule müßte in erster Linie für die
Bremer selbst eingerichtet werden. Die Rücksichtnahme auf
auswärtige Besucher müßte dahinter zurücktreten. Denn wenn
das Institut eröffnet wird, geschieht es nicht so sehr um wissen-
schaftlicher als um rein praktischer Zwecke willen. — Die Vor-
lesungen könnten sich vielleicht erstrecken auf: die Jurisprudenz,
soweit sie für den Kaufmann in Betracht kommt, in Theorie und
Praxis (Prozeßrecht); fremdsprachliche Übungen in Seminaren;
kaufmännische und bankmäßige Berechnungen der verschiedensten
Art; Vorträge über den Handel in den verschiedensten Formen;
Handels- und Wirtschaftsgeographie; Verkehrswissenschaft; National-
ökonomie, Finanzwissenschaft und Finanzpolitik — also ein Lehr-
plan, einerseits enger, andererseits in seiner Beschränktheit aus-
giebiger und vielgestaltiger als der der bestehenden Handels-
hochschulen. Die wichtigeren Vorlesungen müßten zeitlich so
gelegt werden, daß ihr Besuch den kaufmännischen Angestellten
        <pb n="127" />
        ﻿--- 120 ----

möglich wäre, auch ohne daß diese bei ihren Firmen um be-
sonderen Urlaub dafür nachzusuchen brauchten.

An Kräften, die das Kind aus der Taufe heben könnten,
ist kein Mangel. In der Großkaufmannschaft, der Rechtsanwalt-
schaft und dem Richterstande, der Lehrerschaft, den Syndikern
der verschiedenen Kammern usw. sind geeignete Persönlichkeiten
in vorläufig hinreichender Menge vorhanden, sodaß der Lehrplan
gleich die wünschenswerte Vielseitigkeit erhalten könnte. Notfalls
können jederzeit auswärtige Kräfte aushilfsweise herangezogen
werden. Der Ausbau der Schule erfolgt vielleicht am einfachsten
im Anschluß an die sog. Handelsschule der Union.

6.	Unterstützung der Hochseefischerei.

Bei den steigenden Fleischpreisen bietet der Fischreichtum
der offenen See einen notwendigen Ausgleich von glücklicherweise
fast unergründlicher Ergiebigkeit dar. Seefische sind schon jetzt
zu einem unentbehrlichen Bestandteil der Volksnahrung geworden.
Nun ist es zwar eine Tatsache, daß sich die deutsche Hochsee-
fischerei in einem erfreulichen Aufschwünge befindet. Aber sie
wird noch nicht entfernt so intensiv betrieben wie es möglich
wäre. Ein Blick auf die Fangergebnisse der englischen See-
fischerei beweist dies. Auch das kleine Holland ist Deutschland
noch weit voraus.

Für den Fang wie für den Versand der Seefische liegen
Bremen-Bremerhaven mindestens eben so günstig wie jede andere
Stadt an der deutschen Nordseeküste. Trotzdem ist die bremische
Hochseefischerei verhältnismäßig zurückgeblieben. Auch da ist
ein Hebel anzusetzen.

Die bestehenden Hochseefischereigesellschaften sind bekannt-
lich nicht auf Rosen gebettet. Ihre Notlage gab sogar zu einer
Besprechung im Reichstage Anlaß. Mir scheint, daß ihre ungünstigen
Geschäftsergebnisse vornehmlich auf zwei Ursachen zurückzuführen
sind.

Die erste ist die unzweckmäßige Art der Verteilung der
Ware an die Verbraucher. Sie geschieht bislang entweder so,
daß die Gesellschaften den Verschleiß selbst besorgen (Deutsche
Dampffischereigesellschaft Nordsee) oder daß sich zwischen sie
und das Publikum ein selbständiger Unternehmer schiebt, der die
Fische auf den Auktionen in Geestemünde kauft und für eigene
Rechnung vertreibt. An sich sind diese Zwischengroßhändler
überflüssig, da die Fische dadurch verteuert werden; für die be-
        <pb n="128" />
        ﻿12 1

stehenden kleinen Fischereigesellschaften sind sie allerdings not-
wendig.

Werden also einerseits die von den großen Fisch versandge-
schäften ins Binnenland geschickten Fische durch den Zwischen-
gewinn dieser Händler verteuert, so arbeitet andererseits die Nord-
see, die den Verschleiß ihrer Fänge selbst betreibt, mit zu hohen
Unkosten. Sie hat in den einzelnen Städten eigene Verkaufsläden
an den Hauptstraßen, weil sie den Zwischenhändlergewinn selbst
verdienen will. Aber die Läden kosten hohe Mieten, die Gehälter
für das zahlreiche Verkaufspersonal verschlingen große Summen,
und stets ist mit der Wahrscheinlichkeit eines teilweisen Nicht-
verkaufs und Verderbs oder einer Wert Verminderung der Ware
zu rechnen. So hat weder das Publikum noch die Nordsee von
dieser Einrichtung einen finanziellen Vorteil.

Nach verschiedenen mir vorliegenden Geestemünder Auktions-
berichten vom Oktober und November 1909 wurden auf den Ver-
steigerungen im Durchschnitt mindestens 7,3 und höchstens (in
einem Falle!) 15,2 Pfennig für das Pfund erzielt, die teuren Edel-
fische inbegriffen. Da Schellfische, die — abgesehen vom Hering
— weitaus wichtigsten in Betracht kommenden Seefische, an die
Verbraucher zu Preisen abgegeben werden, die den Einkaufspreis
bezw. den obigen Auktionspreis durchweg um das Drei- bis Vier-
fache übersteigen, während edlere Fischarten noch weit höhere
Preise erzielen, sollte man meinen, daß Seefischereigesellschaften,
die sich auch mit dem Verschleiß beschäftigen, mit sehr hohem
Nutzen arbeiten. Da dies nicht der Fall ist und da auch die
großen Versandhäuser keinen dem enormen Preisaufschlage ent-
sprechenden Gewinn zu verzeichnen haben, so muß also das Ver-
kaufssystem an sich, wie ich es soeben als das der Nordsee
geschildert habe, unzweckmäßig sein. Die Verschleißunkosten,
mag sie nun die Gesellschaft selbst oder ein Dritter tragen, üben
natürlich eine Pressung auf die Auktionspreise aus und halten
sie zu niedrig.

Ein zweiter Grund des Notstandes der Hochseefischerei ist
ihre Zersplitterung in eine Vielzahl zu kleiner Unternehmungen.
Je kleiner aber der Umsatz, desto schwerer wird die Ware durch
die Verwaltungskosten belastet. Eine Wendung zum Besseren
wird nur eintreten, wenn eine größere Einheitlichkeit erzielt wird,
wenn die verschiedenen Einzelbetriebe zur Einheit einer groß an-
gelegten Betriebsgemeinschaft zusammengeschweißt werden. Eine
solche wäre nicht nur hinsichtlich der Verwaltungskostenersparnis,
        <pb n="129" />
        ﻿sondern auch für die Verbilligung des Landtransportes der Fische
von Vorteil. Die Bahnverwaltung unterstützt den Seefisch Versand
aus wirtschaftlichen und humanitären Gründen in dankenswerter
Weise schon jetzt. Bei Aufblühen des Geschäfts und wenn ihr
ein Großverlader regelmäßig größere Transportmengen zur Ver-
fügung stellt, würde es in ihrem eigenen Interesse liegen, noch
mehr Entgegenkommen zu zeigen und Erleichterungen zu ge-
währen.

Um die Bildung eines solchen großen festen Verbandes, so-
zusagen eines Fischereitrusts, zu ermöglichen und ihm von vorn-
herein eine gesunde Basis zu schaffen, müßte der bremische Staat
einspringen. Daß er ein großes Interesse an der Kräftigung der
Hochseefischerei besitzt, ist ohne weiteres klar. Wäre doch der
größer werdende Verkehr für die Unterweserorte überaus wünschens-
wert, weil er dazu beitragen würde, ihnen neues Leben einzuhauchen,
ein Umstand, der mittelbar auch von den Staatsfinanzen angenehm
empfunden werden würde. Allerdings sind Bremen durch den
Vertrag vom 21. Mai 1904 in gewissem Sinne die Hände gebunden.
Verpflichtete es sich doch damals Preußen gegenüber, in dem
neuen Hafengebiet ohne Zustimmung Preußens keinerlei der Hoch-
seefischerei oder dem Fischhandel und deren Nebenbetrieben
dienende Einrichtungen zu treffen, sind doch auch im alten Hafen-
gebiet solche Einrichtungen ohne Zustimmung Preußens nur in ganz
geringem Umfange zugelassen. Aber wenn es sich lediglich um
Bestrebungen betr. Zusammenfassung der Gesellschaften und dadurch
ermöglichte intensivere Ausnutzung bestehender Einrichtungen
handelt, so ist das doch etwas anderes.

Die Form, in die der Staat seine Hilfe kleidet, wäre am
besten vielleicht die der Subvention, sei es als einmaliges zinsloses
oder mäßig verzinsliches Darlehen, sei es als jährlicher Zuschuß.
Ein Risiko erscheint für ihn ausgeschlossen. Die Lebensfähigkeit
eines Großbetriebes in der Hochseefischerei steht schon bei den
gegenwärtigen Absatzverhältnissen außer Zweifel. Wenn sich nun
die Betriebsbedingungen noch verbessern, so ist nicht einzusehen,
warum bei einem Hinterlande, das sich bis ins Herz Österreichs
erstreckt, die deutsche Hochseefischerei unter Bremens Führung
nicht auf die Höhe der englischen sollte gebracht werden können.
Ist sie erst einmal fest und lebenskräftig an der Weser eingewurzelt,
dann stellt ihre weitverzweigte Organisation ein Bollwerk dar,
das von der Konkurrenz nur schwer zu erschüttern sein wird.

Allerdings — und damit komme ich wieder auf den ersten
        <pb n="130" />
        ﻿123

Punkt — muß auch die Art des Verschleißes eine andere werden.
Ich gehe hierbei nicht einmal von der absolut unverständlichen
und auch durch die Behauptung, Bremen habe kein »Hinterland«,
nicht erklärten widernatürlichen Tatsache aus, daß lebende oder
lebendfrische Seefische in Bremen selbst minderwertiger und trotz-
dem durchweg teurer sind als im Binnenlande. Mit »Hinterland«
kann man in diesem Falle nur die Landkundschaft meinen. Aber
ist es denn damit in anderen Städten, in Braunschweig, Wien
usw. anders bestellt? Aufs Land werden Seefische auch dort
nicht geschickt, vielmehr in den Fischläden und auf den Märkten
der Stadt feilgehalten.

Der Fischereitrust, wie ich ihn kurz nennen will, dürfte über-
haupt keine eigenen Läden eröffnen, sondern nur einem oder
wenigen ortsansässigen größeren Händlern in den einzelnen Städten
liefern. Diese Händler müßten sich verpflichten, regelmäßig ein
bestimmtes Mindestquantum Fische abzunehmen, wobei sich der
Trust aus Anlaß der Schwankungen der Fangergebnisse eine ge-
wisse prozentuale Lieferfreiheit nach oben und unten Vorbehalten
müßte. Dann ist der Absatz ein für alle Mal da, und wenn auch
den Händlern ein entsprechend niedriger Preis gestellt wird, wird
er doch noch immer höher sein als derjenige ist, der jetzt nach
Abzug der hohen Selbstkosten für die Verlader übrig bleibt.
Die Händler, weil ortsansässig, selbständig und mit dem Ver-
schleiß vertraut, können die Fische auch leichter und in größerer
Menge unterbringen als es uninteressiertem eigenen Verkaufs-
personal möglich ist. Das ganze Geschäft wird dadurch, wie man
zu sagen pflegt, »glatter«.

Der von den Händlern zu zahlende Preis müßte für längere
Zeit festgelegt werden. Entweder, daß sie die Fische zu einem
durch keine Marktschwankungen und Fangergebnisse beeinflußten
festen Preise erhalten, oder daß sie einen festen Zuschlag zu den
Börsenpreisen des Versandtages in Bremerhaven-Geestemünde zu
zahlen haben. Die Praxis wird ergeben, welche Berechnungsart
bei freier Konkurrenz die zweckmäßigere ist. Den Händlern müßte
bei Androhung einer Konventionalstrafe für jeden Zuwiderhandlungs-
fall die'Verpflichtung auf erlegt werden, die Fische nur mit einem
fixen Zuschläge pro Pfund an die Verbraucher abzugeben. Hand
in Fland mit dieser Organisation hätte eine lebhafte propagandistische
Tätigkeit zu gehen.

Um die Fischpreise in Bremen selbst zu verbilligen und See-
fische dadurch zu einem wirklichen Volksnahrungsmittel zu
        <pb n="131" />
        ﻿machen, scheint mir die Errichtung öffentlicher Markthallen
an verschiedenen Punkten der Stadt einem vorhandenen Bedürfnis
entgegenzukommen.

7- Mehr Reklame!

Ein Kaufmann, der Geschäfte machen will, wird dies nur
in den seltensten Fällen ohne Anwendung von Reklame können.
Mutatis mutandis kann man diesen Satz auf Städte und ganze
Reiche übertragen. Er gilt auch für Bremen. Es kann nur von
Vorteil sein, immer und immer wieder durch Broschüren, die man
durch die deutschen Konsulate oder sonstige geeignete Stellen
im Auslande an die Interessenten kostenfrei und regelmäßig ver-
teilen lassen könnte, auf die Mustergiltigkeit der bremischen
Häfen und auf die Eigenarten und spezifischen Vorzüge der
bremischen Warenhandelseinrichtungen und -usancen hinzuweisen.
Das Format muß handlich sein; voluminöse »Exporthandbücher«
u. ä. sind zwecklos und werden erfahrungsgemäß fast nie be-
nutzt. Wir können hierin von Japan lernen, das zum Zwecke
der Hebung seines Außenhandels alljährlich durch seine Konsuln
in englischer, französischer und deutscher Sprache abgefaßte ein-
gehende statistische Mitteilungen über seine die fremdländische
Kaufmannschaft interessierende Handels- und Finanzbewegung
versenden läßt. Wenn Bremen dies in der notwendigen Be-
schränkung nachmacht, werden die Ausgaben dafür kein fort-
geworfenes Geld sein.

Ich habe obiges ausgeführt, nicht weil ich der Meinung bin,
daß eine solche Reklame viel Zweck hätte. Ich glaube nur,
daß sie zu ihrem Teile etwas zur Besserung der Handelsverkehrs-
verhältnisse Bremens beitragen würde. Es muß eben eins zum
andern kommen. So halte ich es z. B. auch für gut, wenn die
Handelskammer sich in der Weise betätigte, daß sie dem Kauf-
mannskonvent oder engeren Interessentenkreisen öfter vertrau-
liche Mitteilungen über die Geschäftslage in bestimmten Waren
und Auslandsgebieten machte. Allerdings müßte dies mündlich
geschehen, denn Zirkulare wandern bekanntlich in den Papier-
korb. Ich kenne sogar einen hiesigen Kaufmann, dem die »Nach-
richten für Handel und Industrie« unbekannt waren, obwohl er
sie seit Jahr und Tag regelmäßig erhielt! Diese Gleichgültig-
keit kann nur das gesprochene Wort überwinden. Bei solchen
persönlichen Besprechungen findet sich auch leicht Gelegenheit,
neue Geschäfte schneller zu entrieren als es auf schriftlich vor-
        <pb n="132" />
        ﻿125

zubereitendem Wege möglich ist. Denn dann ist nicht selten die
Konkurrenz schon schneller gewesen.

8. Schlußbemerkung.

Ich komme zum Schluß.

Man wird meinen Ausführungen im ersten Teil der Ab-
handlung entgegenhalten, daß ich zu schwarz sehe — dann mag
man mich an Hand der Statistik eines besseren belehren.
Bis dahin mache ich auf die Richtigkeit meiner Deduktionen
Anspruch.

Auch meine Vorschläge über eine nach bestimmten Ge-
sichtspunkten erfolgende umfassende Gründung neuer Handels-
gesellschaften werden bei manchem Befremden erregen. Nach-
dem der Handel wegen Nichtwollen oder Nichtkönnen versagt
hat, halte ich den angeregten Weg für den einzigen, der geeignet
ist, ihm frisches Blut zuzuführen und ihm das Rückgrat zu
stärken. Andernfalls wird Bremen im Zusammenprall stärkerer
Kräfte mitleidslos und schutzlos zerrieben werden. Dann aber
sind alle die kostspieligen von der Gesamtheit der bremischen
Steuerzahler geschaffenen Anlagen nutzlos. Um dieser Gesamt-
heit willen muß der Staat als ihr Vertreter aus seiner dem aktiven
Handel gegenüber beobachteten Reserve heraustreten und, da
er ihn zu bestimmten Schritten nicht zwingen kann, da, wo er
seinen guten Willen sieht, ihm wenigstens die helfende Hand
bieten und mit seiner Autorität hinter ihm stehen.

Ausdrücklich betone ich, daß ich die Beteiligung von Klein-
kapitalisten auch anderer Stände an den neuen Handelsgesell-
schaften zwar nicht für notwendig, wohl aber für überaus
wünschenswert halte. Aus zwei Gründen. Einmal, damit weitere
Kreise, weil unmittelbar interessiert, am Wohl und Wehe des
Handels lebhafteren, tätigen Anteil nehmen und gewissermaßen
als Hecht im Karpfenteich wirken. Sodann würde eine solche
Geschäftserweiterung besonders den Lokalbanken zugute kommen,
weil sie diesen Zweig der Bankiertätigkeit besser als die Groß-
banken pflegen können. Für die Hergeber des Geldes, die An-
teilseigner der zu gründenden Gesellschaften ist zu sagen, daß
schon Milliarden deutschen Kapitals im Auslande angelegt sind
und daß davon mehrere Hundert Millionen auf Bremen kommen.
Sollte es nicht in mehr als einer Beziehung vorteilhafter sein,
sein Geld im Auslande, aber für die Heimatstadt tätigen deutschen,
unter deutscher Führung stehenden Gesellschaften anzuvertrauen.
        <pb n="133" />
        ﻿als es zur Stärkung ausländischer, oft direkt stammesfeindlicher
Unternehmungen zu verwenden?

Es ist ein weises Wort, das alte
Bremer, wes gedechtig:

Lat nich mehr in, denn du bist mechtig.

Es hat Bremen über manche schwere Zeit hinweggeholfen.
Es muß auch sein Wahlspruch bleiben. Aber die »Bedächtig-
keit« der alten Zeit, wo die Postkutsche herrschte, allein genügt
nicht mehr in unserer Zeit, die von anderen Göttern regiert wird.
»Bedächtigkeit«, eiserne Energie ist notwendig für die Prüfung
und Durchführung von Plänen, zum Fassen dieser Pläne ge-
hören aber schneller Entschluß, Mut und weiter, nicht sklavisch
am Alten klebender Blick. Deshalb:

»Volldampf voraus!«
        <pb n="134" />
        ﻿Der Einfluß der industriellen Kartelle auf den Handel in

Deutschland. Von Hr. Hugo Bonikowski, Königsberg i. Pr. 1907.

--------------1	Preis: 6 Mark.

Deutschland auf den Hochstraßen des Weltwirtschaftsverkehrs.

Ton 4. Dix. 1901.	Preis: 4 Mark 50 Pf.

Hamburger Beiträge vom 24. April 1901: Ein sehr fruchtbarer Gedanke ist es,
den Zusammenhang und die Wechselwirkungen zwischen dem auswärtigen Handel Deutsch-
lands und seiner nationalen Handelsflotte zu prüfen und darzustellen . . . ein erfreuliches
und beachtliches Buch.

Gebiet, Geschichte und Charakter des Seehandels der größten
deutschen Ostseeplätze f* d®r Mi“® dea _19. Jahrhimderts Von

----------------------------A. Dullo. (Staatswissenschartlicne Studien,

herausgegeben von Prof. Dr. L. Elster, Bd. II, Heft 3.) 1888. Preis: 8 Mark.

Die Lage des Kaffeemarktes und die KafFeevalorisation. Jon Dl

---------------------------------------------------------------Hermann

Kurth. (Abhandlungen des staatswissenschaftlichen Seminars zu Jena, heraus-
gegeben von Prof. Dr. Pierstorff. Bd. 6, Heft 3.) 1909. Preis: 4 Mark.

Studien über die Entwicklung der Warenhäuser in Deutschland.

Von Dr. Käthe Lux. Mit 9 Tabellen und 28 graphischen Darstellungen. 1910.

Preis: 4 Mark.

Die Entwicklung der deutschen Reederei fit Beginn des 19 jahr-

------------------—-----------------------------hunderts bis zur Begrün-
dung des Deutschen Reichs. Von Max Peters, Dr. der Staatswissenschaften.
Erster Baud. 1899.------------------------------Preis; 4 Mark 50 Pf.

Zweiter Band. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Begründung des
Deutschen Reichs. 1905.	Preis: 6 Mark.

Australien in Politik, Wirtschaft, Kultur, von Dr Robert schachuer,

--------------------------------------1_________ n. n riTii an no.v nivArsim

Jena. 1909.

Preis: 10 Mark, geb. 11 Mark.

Die Hilfe Nr. 45 vom 7. November 1909: „So bietet uns Schachner zum erstenmal
ein Bild Australiens, das uns seine Kultur-Sonderart wirklich voll begreifen, in seinen
schroffen Mißklängen die Harmonie der konstruktiven Ideen uns verstehen, seine Kraft,
seine Leistungen, seine erhabenen Ziele uns ebenso klar anerkennen läßt, wie seine Schwächen,
Einseitigkeiten, falsch eingestellten Bestrebungen.	Lindsay Martin.“

Schriften von Professor Dr. Richard Ehrenberg, Rostock i. M.:
Hamburg und England im Zeitalter der Königin Elisabeth. 1896

----------------—----ä.-----	Preis: 7 Mark 60 Pf.

Der Handßl Seine wirtschaftliche Bedeutung, seine nationalen Pflichten und sein

--------------i Verhältnis zum Staate. 1897. Preis: 1 Mark 50 Pf, geh. 2 Mark.

DaS Zeitalter der Funner Geldkapital und Kreditverkehr im 16. Jahr-
--------_■??._ hundert. 2 Bände. Preis: 15 Mark, geb. 17 Mark.

I.	Band; HieGeldinächtedeslß. Jahrhunderts. 1896. Preis:8Mark,geh.9Mark.

(Vergriffen. 2. Aufl. in Vorbereitung.)

II.	Band: Die Welthörsen und Finanzkrisen. 1896. Preis: 7 Mark, geb. 8 Mark.
Handelspolitik. Fünf Vorträge, gehalten im Verein für Volkswirtschaft und

' Gewerbe (Institut der Polytechnischen Gesellschaft) zu Frank-

furt a. M. 1900.

Preis: 3 Mark, geb. 4 Mark.

Die Unternehmungen der Brüder Siemens. ?r®tßr ^

----	3	---------------------Jahre 1870. Mit 7 Ab-

bildungen. 1906.

Preis: 12 Mark, geb. 13 Mark 20 Pf

Schriften von Dr. Dietrich Schäfer, o. ö. Prof, der Geschichte
an der Universität Berlin:

Die Hanse und ihre Handelspolitik. Vortrag, isss. Preis. 75 Pf.
Die Hansestädte und König Waldemar von Dänemark. Hansische

------------------------------------------------------------- ------- Geschichte

bis 1876. Gekrönte Preisschrift. 1879.	Preis: 12 Mark.

Deutschland zur See. Hine historisch-politische Betrachtung. Zweite un-
---------------------------' veränderte Auflage. 1897.	Preis: 1 Mark.
        <pb n="135" />
        ﻿Chamberlains Handelspolitik, von Marie Schwab, Berlin. Mit einem

----------------------------!-------- einleitenden Vorwort von Prof. Dr. Adolf

Wagner. 1905.	Preis: 8 Mark.

Deutsche Tageszeitung Nr. 450 vom 25. September 1905: „Adolf Wagner zollt
der Verfasserin mit Recht uneingeschränktes Lob. Er hat ihr den Preis aus seiner Stiftung
zuerkannt, die ihm bei seinem 7Ö. Geburtstage zur Verfügung gestellt wurde. Das Buch ist
besonders dadurch wertvoll, daß es, ohne irgendwie agitatorisch wirken zu wollen, die Ge-
fahren der modernen Entwicklung zum reinen Industriestaate schildert.

System der nationalen Schutzpoiitik nach Außen. NationaleHandeis-

—-------------------------------------:---------------------(mbesondere auch

Getreide-), Kolonial-, Währungs-, Geld- und Arbeitev-Schutz-Politik. Ein Hand-
buch für die Gebildeten aller Stände. Von Dr. Johannes Wernicke. 1896.

Preis: 6 Mark.

Von Dr. Julius Wolf,

ord. Prof, der National-
preis: 2 Mark.

■

M

■l

Das Deutsche Reich und der Weltmarkt

Ökonomie an der Universität Breslau. 1901.

Der deutsch-amerikanische Handelsvertrag, die Kubanische zucter-

---------------------------------------------------— Produktion und die

Zukunft der Zuckerindustrie. Mit zahlreichen statistischen Tabellen und
Exkursen. Von Dr, Julius Wolf, ord. Prof, der Staatswissenschaften an der
Universität Breslau.	Preis: 3 Mark.

Einführung in die Kolonialpolitik. Y°n .Pr°£ ?r- Otto Kühner, wirkt.

---------------------------------*------Admiralitatsrat und Vortragender Rat

im Reichs-Marine-Amt, Zentral Verwaltung für das Schutzgebiet Kiautschou.
1908.	Preis: 5 Mark, geh. 6 Mark.

Hamburger Fremdenblatt Nr. 16 vom 19. Januar 1908: „Dies Buch enthält viel
mehr, als sein bescheidener Titel ankündigt. Es ist wohl die kürzeste Zusammenfassung
alles dessen, was gegenwärtig über deutsche und fremde Kolonialgeschichte und über Kolonial-
Politik im allgemeinen und besonderen wissenswert und zu wissen notwendig ist. Es handelt
sich hier um ein empfehlenswertes und gediegenes Buch zur Belehrung und zum Nach-
sehlagen, wie wir zurzeit kein anderes besitzen.	Bbcb.“

Monopole, Kartelle und Trusts ihrcu B^ziehungcn zur Organisation

------------------------------------der kapitalistischen Industrie. Darge-
stellt an der Entwicklung in Großbritannien von Dr. Hermann Levy, a. o.
Professor an der Universität Heidelberg und Hauptamtlicher Dozent an der
Hochschule in Mannheim. 1909.--------Preis: 7 Mark 50 Pf.

Eine Studie über
den modernen Kapi-
talismus und das Effektenwesen (in Deutschland, den Vereinigten Staaten,
England, Frankreich, Belgien und der Schweiz). Von Prof. Dr. Robert Liefmann,
Freiburg i. Br. 1909.	Preis; 12 Mark.

Von Dr. Robert Liefmann, Privatdozent an der
Universität Gießen. 1903.	Preis; 2 Mark.

Die deutschen Großbanken und ihre Konzentration zusammen-

-------------------------------------------------------------hange mit der

Entwicklung der Gesamtwirtschaft in Deutschland. Von Dr. J. Riesser,

Geheimer Justizrat, ordentl. Honorar-Professor an der Universität Berlin.
Dritte völlig um gearbeitete und stark vermehrte Auflage. Mit
1 Übersichtskarte. 1910.	Preis: 15 Mark, geh. 16 Mark 50 Pf.

Berliner Börsen-Courier, vom 20. März 1906: „Nur einer auserwählten Zahl von
Werken der wirtschaftlichen Literatur ist es beschieden, daß sie sich einen wirklich großen
Kreis von Lesern erobern. Wenn daher von dem im Juli v. J. erschienenen Buch des Herrn
Dr. Riesser schon jetzt eine zweite Auflage erforderlich geworden ist, so ist dies ein
Beweis für den großen Erfolg des Werkes und des bedeutenden Interesses, das der Verfasser
für einen im Grunde spröden Stoff in weiteren Kreise zu erwecken verstanden hat.“

Das Geschäft in Minenwerten «? ä*}\ Londoner Börse Ein Handbuch

____________________________________ lur Wissenschalt und Praxis, von Dr.

Willy Kuppel. 1909.	Preis: 3 Mark.

Hamburger Nachrichten vom 19. Juni 1909: „Das Buch behandelt auf das ein-
gehendste alle Fragen, die der Mineninteressent wissen muß und zwar nicht in der markt-
schreierischen tendenziösen Weise, wie es in einzelnen Büchern, die von Mineuspekulations-
firrnen herausgegeben werden, geschieht, sondern in einer .Art, die sofort die höhere Warte
des Wissenschaftlers erwarten läßt. Auch die Schädlinge der Londoner Börse, die das Minen-
spekulationsgeshäft in vielen Kreisen diskreditiert haben, werden in schonungsloser Weise von
dem Verfasser in ihrer Tätigkeit verfolgt.

Der Wettkampf der Völker besonderer Bezugnahme auf Deutschland

_________________il--------------und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Von Emil Schalk in New-York. (Natur und Staat, Bd. VII.) 1905.

Preis: 4 Mark, geh. 5 Mark.

Beteiligungs- und Finanzierungsgesellschaften.

Schutzzoll und Kartelle.

Hofbuchdruckerei Rudolstadt.
        <pb n="136" />
        ﻿
        <pb n="137" />
        ﻿
        <pb n="138" />
        ﻿rppi?

bevorzugten Ausfuhrhafen jenes Gebietes, nach
ite. Er braucht wenig oder kein neues Dampfer-
sondern könnte vielleicht eine Anzahl seiner im
Ggtse-Dienst beschäftigten Fahrzeuge auf dieser
. Sie würden willkommene »Zubringer« der Haupt-
in heimkehrender Fahrt nicht gerade über Frachten-
igen hat (vergl. S. 66). Einer unter Mitwirkung
ündeten, Dalny als Hauptstützpunkt benutzenden
E ein gutes Prognostiken gestellt werden,
chtigste Ausfuhrartikel Dalnys ist die im nördlichen
in Mandschurei heimische Sojabohne. Die Bohne
es, billiges Nahrungsmittel; das aus ihr gewonnene
ächlich zur Seifenfabrikation, daneben als Speiseöl;

werden zu Viehfutter oder Düngemitteln verar-
ietzt gehen große Mengen nach England (jährlich
5ns), nach Österreich usw. Allerdings ist die Ein-
j; und anderen Ländern zollfrei. Der Verband der
» hlen hat Schritte unternommen, um auch in Deutsch-
: für diese wichtige Hülsenfrucht zu erwirken. Es
daß seine Bestrebungen Erfolg haben,
nn man bis dahin die Sojabohnen nicht in Deutsch-
größeren Mengen absetzten wollte oder könnte,
e nach England bringen oder sie schon vorher in
riest, Italien und Südfrankreich verkaufen.

■er Ausfuhrartikel Dalnys, der eine ganz besondere
langen könnte, wäre Schweineschmalz. Jetzt ist
:anntlich die Hauptproduzentin, die mehr als 7io
8%) des deutschen Bedarfs deckt. Die amerikani-
i lächtereien haben sich ein tatsächliches Monopol
1 dies dazu benutzt, die Preise ganz erheblich in die
.üben. Noch im Jahre 1897 kostete ein dz Schmalz
j _ tt (nach der Reichsstatistik) nur erst 46 Mk. 1902
ichstpreis mit 104 Mk. erreicht, dann sank er 1904
aber bis 1908 wieder auf 91 Mk. Also im letzten
iahe eine Verdoppelung, eine Mehrbelastung des
isums mit jährlich 50 Millionen Mark. Da nun das
1a und die südliche Mandschurei überaus schweine-
Tä.re dort die Errichtung leistungsfähiger Export-
zu empfehlen. Soweit ich beurteilen kann, würden
■eien mit sehr hohem Gewinn arbeiten. Da es sich
eutende Transportmengen handelt — wir beziehen
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