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        <title>Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft</title>
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            <forname>Franz</forname>
            <surname>Gehrke</surname>
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        </author>
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            <idno>894756680</idno>
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        Bremens  Warenhandel
und  seine  Stellung
in  der  Weltwirtschaft

Von

Dr.  Franz  Gehrke

Jena
Verlag  von  Gustav  Fischer

1910
        <pb n="2" />
        “VERLAG  VON  GUSTAV  FISCHER  IN  JENA

Wörterbuch  der  Volkswirtschaft  in  zwei  Bänden.  Herausgegeben  von
Prof.  Dr.  Ludwig  Elster,  Geh.  Ober-Reg.-Rat
  und  Vortragender  Rat  im  Ministerium  der  geistl.  Unterrichts-  und
Medizinalangelegenheiten  in  Berlin.  Dritte  völlig  umgearbeiteteAuflage.
Preis:  45  Mark.  eleg.  geh.  50  Mark.
Erscheint  ah  Oktober  1910  in  Lieferungen  und  wird  Mitte  des  Jahres  1911
vollständig  vorliegen.
DaS  Wirtschaftsjahr.  Jahresberichte  über  den  Wirtschafts-  und  Arheitsmarkt.
i  ."  Für  Volkswirte  und  Geschäftsmänner,  Arbeitgeber-  und
Arbeiterorganisationen.  Von  Richard  Cal  wer.
1ono  '■  Teil:  Handel  und  Wandel.  1903.  Preis:  8  Mark,  geh.  9  Mark.
IHUZ.  n  Teil:  Jahrbuch  der  Weltwirtschaft.  1908.  Preis:  8  Mark,  geh.  9  Mark,
ton?  LTeil:  Handel  nnd  Wandel,  1904.  Preis:  8  Mark,  geh.  9  Mark.
I  yUo.  ii  Teil:  Jahrbuch  der  Weltwirtschaft.  1905.  Preis:  8  Mark,  geh.  9  Mark.
1Qf\A  1-  Teil;  HandelundWandel.  1905.  Preis:8Mark50Pf,geh.9Mark50Pf.
1HU4,  ii  Teil:  Jahrbuch  der  W  eltwirtschaft.  1906.  Preis:9Mark,geb.lOMark.
tonet  i-  Teil:  Handel  und  Wandel.  1906.  Preis;  9  Mark,  geh.  10  Mark.
I  y  (JO.  11,  Teil:  Jahrbuch  der  Weltwirtschaft.  1907  Preis:  9  Mark,  geh.  10  Mark,
tonn  T  Teil:  Handel  und  Wandel.  1907.  Preis:  9  Mark,  geh.  10  Mark.
IHUD.  II.  Teil:  Jahrbuch  der  Weltwirtschaft.  1910.  Preis:  8  Mark,  geh.  9  Mark.
—1907.  I.  Teil:  Handel  nnd  Wandel.  1908.  Preis:  9  Mark,  geb.  10  Mark.

Um  neuen  Abonnenten  von  Calwers  Wirtschaftsjahr  den  Bezug  zu
erleichtern,  werden  die  Jahrgänge  1902—1905,  je  zwei  Bände,  1906,
Bd.  I,  und  1907,  Bd.  I,  zum  ermäßigten  Preise  von  65  Mark  (statt
86  Mark  50  Pf),  geb.  72  Mark  (statt  96  Mark  50  Pf)  geliefert.
Probleme  der  Weltwirtschaft  ( Sc J u 'i[t e :i  df ; s  Instituts  für  Seeverkehr
und  vy  erwirtschaft  an  der  Universität
Kiel).  Herausgegeben  von  Prof.  Dr.  Bernhard  Harms.
I.  Die  Stellung  der  Segelschiffahrt  zur  Weltwirtschaft  und  Technik.  Von  Dr.
William  Scholz,  Diplom-Ingenieur.  Mit  13  Tafeln.  Preis:  16  Mark.
Unter  dem  Titel  ,,Probleme  der  Weltwirtschaft“  gibt  der  bekannte  Kieler
Nationalökonom  eine  Sammlung 1  heraus,  die  allgemeines  Interesse  beanspruchen  dürfte.
Diese  Veröffentlichungen  sind  nicht  ,,Seminararbeiten“  im  gewöhnlichen  Sinne,  einmal,  weil
sie  unter  dem  Gesichtspunkte  einer  allmählichen  systematischen  Darstellung  weltwirtschaftlicher ­
  Einzelfragen  zusammengestellt  werden,  und  zweitens  um  deswillen,  weil  sie  durchweg
von  bereits  in  der  Praxis  stehenden  Verfassern  geschrieben  werden,  die  ihre  Studien  nicht
am  Schreibtisch,  sondern  an  Ort  und  Stelle  in  den  betreffenden  Gebieten  der  Weltwirtschaft
gemacht  und  ihre  Abhandlungen  auf  diese  fußend  gegründet  haben.  Es  wird  sich  daher
einerseits  um  selbständige,  wertvolle  Untersuchungen  handeln,  die  auch  aus  den  von  dem
Direktor  des  Institutes  für  Seeverkehr  und  Weltwirtschaft  gegebenen  Gesichtspunkten  Nutzen
ziehen,  andrerseits  aber  werden  durch  diese  Arbeiten  unsere  Kenntnisse  auf  einem  jener
wenigen  Gebiete  bereichert  werden,  auf  welchen  heute  die  Nachfrage  nach  wissenschaftlichen
Darstellungen  größer  ist  als  das  Angebot.  Die  Hefte  werden  in  zwangloser  Reihenfolge  erscheinen ­
  und  jedes  Heft  wird  einzeln  käuflich  sein.
Für  die  „Probleme  der  Weltwirtschaft“  sind  ferner  zunächst  die
nachstehenden  Arbeiten  in  Aussicht  genommen:
Theodor  Sehmer,  Die  Eisenerzversorgung  Europas.
K.  A.  Gerlaeh,  Dänemarks  Beziehungen  zur  Weltwirtschaft,  unter  besonderer  Berücksichtigung ­
  Deutschlands  und  Englands.
Curt  Jalkowski,  Die  Kohlenversorgung  Italiens.
Adolf  Henningsen,  Die  gleitende  Skala  für  Getreidezölle.
Albert  Schänder,  Die  Eisenhahnpolitik  i.  d.  nordafrikan.  Kolonien  Frankreichs.
Haus  Keiler,  Schiffahrt  und  Schiffahrtspolitik  i.  d.  Verein.  Staaten  von  Amerika.
Anton  Fleck,  Die  weltwirtschaftliche  Bedeutung  Kanadas.
Carl  Maedge,  Erzbergbau  und  Erzausfuhr  in  Schweden.
Ove  Clausen,  Die  Finanzierung  der  englischen  Schiffahrtsgesellschaften.
Franz  Herriger,  Schiffahrt  und  Schiffahrtspolitik  Frankreichs.
Johannes  Recke,  Die  weltwirtschaftliche  Bedeutung  des  Panamakanals.
John  Hering,  Hamburg  und  Lübeck  in  der  Ostsee.
Alfons  Krziza,  Entwicklung  und  Bedeutung  des  Emdener  Hafens.
Heinrich  Scheuer,  Die  Zichorie  u.  d.  Zichorienindustrie  i.  d.  wichtigsten  Ländern.
Wilhelm  Olfergeld,  Die  Volkswirtschaft  Ungarns.
Max  Moszkowski,  Vom  Wirtschaftsleben  der  primitiven  Völker  (Unter  besonderer
Berücksichtigung  der  Papuas  von  Neuguinea  und  der  Sakais  von  Sumatra.)
        <pb n="3" />
        Bremens  Warenhandel
und  seine  Stellung  in  der  Weltwirtschaft

Von

Dr.  Franz  Oehrke
L

Jena
Verlag  von  Gustav  Fischer
1910
        <pb n="4" />
        I  n  halts-  Ü  bersicht

Erster  Teil:  Besprechung  des  Warenhandels  Bremens.
I.  Allgemeiner  Teil.
1.  Vorbemerkung
2.  Geschichtliche  Einleitung
3.  Allgemeine  Entwicklung  in  den  letzten  Jahrzehnten
4.  Die  Oberweserschiffahrt
5.  Wachsen  des  Verkehrs  im  Verhältnis  zu  Hamburg  und  Ganzdeutschland  .
6.  Der  Außenhandel;  Einfuhr
7.  Desgl.  Ausfuhr
8.  Anteil  Bremens  an  Deutschlands  Außenhandel  ,
II.  Besonderer  Teil.
1.  Handel  mit  Nordamerika
Baumwolle
2.  Desgl.  Südamerika
a)  Argentinien
b)  Brasilien
Kaffee
Tabak
3.  Desgl.  Mittelamerika
4.  Desgl.  Asien
a)  Vorderindien
Jute
Reis  ,
b)  China  und  Japan
5.  Desgl.  Afrika
6.  Desgl.  Australien
7.  Desgl.  Europa
a)  England,  Niederlande,  Belgien
b)  Nord-,  Ost-  und  Mitteleuropa  .  .  .
8.  Zusammenfassung
9.  Bremens  Schiffsverkehr
Zweiter  Teil:  Vorschläge  zur  Hebung  des  Warenhandels.
X.  Ursachen  des  Zurückbleibens  des  Warenhandels
2.  Errichtung  neuer  Handelsgesellschaften
3.  Welche  Gebiete  kommen  besonders  in  Frage?
4.  Errichtung  von  Freihafenfabriken
5.  Errichtung  einer  Handelshochschule
6.  Unterstützung  der  Hochseefischerei
7.  Mehr  Reklame
8.  Schlußbemerkung

Seite

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        Erster  Teil.

Besprechung  des  Warenhandels  Bremens.

1.  Allgemeiner  Teil.

1.  Vorbemerkung.
In  dieser  Abhandlung-  soll  keine  Geschichte  des  Bremer
Warenhandels  gegeben  werden,  da  sie  mehr  historisches  als  gegenwärtiges ­
  Interesse  beanspruchen  dürfte.  Desgleichen  kann  ich  hier
keine  erschöpfende  Darstellung  auch  nur  der  wichtigsten  Handelszweige ­
  geben.  Es  kommt  mir  nur  darauf  an,  die  Physiognomie
zu  erforschen,  die  allgemeinen  Entwicklungsrichtungen  herauszuarbeiten ­
  und  aus  ihren  Erscheinungsformen  und  deren  sinnfälligem,
der  Kritik  und  menschlicher  Beeinflussung  zugänglichem  Verlauf
Schlüsse  zu  ziehen.  Die  Klarlegung  und  Darstellung  von  Einzelheiten ­
  muß  der  —  leider  noch  sehr  ungepflegten  —  Spezialforschung
überlassen  bleiben.
Die  Grundzahlen,  die  ich  bringe,  sind  ausnahmslos  den  amtlichen ­
  Statistiken  entnommen.  Man  wird  mir  vielleicht  entgegnen,
dann  seien  Auszüge  in  Buchform  ja  wertlos,  weil  man  sich  das
Wissenswerte  aus  der  Quelle  selbst  schöpfen  könne.  Der  Ein  wand
ist  nicht  berechtigt.  Wohl  kann  schließlich  auch  der  Laie  die
Umrechnungen,  Zusammenstellungen  und  Verhältniszahlen,  die  ich
gemacht  und  gefunden  habe,  ausrechnen.  Aber  wer  vertieft  sich
so  weit  in  die  Statistik?  Wer  nimmt  sich  die  Mühe,  der  spröden
Schönen  ihre  Geheimnisse  abzulauschen?  Auch  einfache  Zahlenreihen ­
  wollen  gelesen,  d.  h.  richtig  verstanden  sein!  Darum
habe  ich  bei  dem  Fehlen  jeglicher  umfassender  Voruntersuchungen
eingehendere  Tabellen  mit  den  entsprechenden  Erläuterungen  geben
zu  müssen  geglaubt,  um  die  Möglichkeit  zu  bieten,  an  Hand  dieses
Zahlenmaterials  dem  geschriebenen  Wort  besser  zu  folgen  und  es
nachzuprüfen.  Überhaupt  wird  man  der  Statistik  einen  immer
Gehrke,  Bremens  Warenhandel.  1
        <pb n="6" />
        2

größeren  Raum  in  der  Wirtschaftsgeschichte  und  in  der  neu  als
eigene  Disziplin  sich  bildenden  Verkehrswissenschaft  einräumen
müssen,  was  man  früher  schon  deshalb  nicht  konnte,  weil  sie  noch
zu  unvollkommen  war.
Bemerkt  sei  noch,  daß  der  Gesamtumfang  des  Warenhandels
für  bremische  Rechnung  statistisch  überhaupt  nicht  erfaßt  werden
kann.  Einerseits  stellen  die  Bremer  Ein-  und  Ausfuhrzahlen  nicht
den  Eigenhandel  Bremens  dar;  vielfach  fungiert  Bremen  —  wie
übrigens  jede  Handelsstadt  und  ganz  besonders  jede  Seestadt  —
nur  als  Spediteur,  und  die  Wareneigner,  die  eigentlichen  Akteure,
können  weit  im  Binnenlande  wohnen.  Andererseits  aber  kann  die
bremische  Statistik  nicht  die  Warenmengen  verzeichnen,  die  für
Bremens  Rechnung  über  andere  Häfen  zur  Ein-  oder  Ausfuhr  gelangen. ­
  So  ging  z.  B.  etwa  die  Hälfte  der  1908“  Domingotabakernte ­
  in  Bremer  Hände  über  —  eingeführt  aber  wurde  sie  über
Hamburg  und  auch  dort  verkauft.  Die  Untersuchung  muß  sich
deshalb  im  allgemeinen  auf  die  von  der  bremischen  Statistik  gegebenen ­
  Zahlen  beschränken.
Die  Ergebnisse,  zu  denen  ich  gekommen  bin,  sind  vielfach
keine  erfreulichen.  Sie  ergaben  sich  erst  im  Laufe  der  näheren
Untersuchung,  denn,  oberflächlich  betrachtet,  hat  unser  kleiner
Freistaat  eine  wirklich  glänzende  Entwicklung  hinter  sich.  Man
läßt  sich  eben  leider  zu  leicht  durch  das  glatte  Gesicht  der  Dame
Statistik  täuschen.

2.  Geschichtliche  Einleitung.
Bremen  hat  als  Handelsstadt  einen  alten  Ruf.  Schon  zu
Zeiten  der  Karolinger  wird  es  rühmend  erwähnt.  Schlecht  und
recht  schlug  es  sich  in  den  nächsten  Jahrhunderten  im  Kampf  um
die  Behauptung  seiner  Stellung  durch  und  erreichte  im  13.  und
14.  Jahrhundert  eine  erste  Blüte  als  eins  der  einflußreichsten  Mitglieder ­
  des  Städtebundes  der  Hansa.  Seine  Handelsbeziehungen
erstreckten  sich  damals  von  Brügge  in  Flandern  und  von  England
bis  weit  nach  Skandinavien  hinein  im  Norden  und  über  die  jetzigen
russischen  Ostseeprovinzen,  in  denen  es  eine  reiche  Kolonisationstätigkeit ­
  entfaltete,  im  Osten  bis  Nischni-Nowgorod  hin.  Es  war
also  das  Gebiet  der  Nordsee  und  des  Baltischen  Meeres.
Dann  kam  der  politische  Zerfall  des  Reiches,  die  Ohnmacht
der  Zentralgewalt,  die  den  Städten  in  ihrem  heldenhaften  Kampf
gegen  die  erstarkenden  nordischen  Nachbarn  nicht  zu  Hilfe  kommen
konnte.  Es  kam  jene  durch  die  großen  Entdeckungen  bedingte
        <pb n="7" />
        überaus  folgenschwere  Verschiebung  der  Großhandelswege  des
Weltverkehrs,  an  deren  befruchtenden  Fluten  Norddeutschland
damals  noch  keinen  Anteil  hatte.  Handel  und  Wandel  erlahmten
und  erstarrten,  langwierige,  blutige  Kriege  zerfleischten  das  Land,
und  Jahrhunderte  hindurch  mußte  die  einst  so  stolze  Stadt  in
trauriger  Bedeutungslosigkeit  verharren.
Erst  das  letzte  Viertel  des  18.  Jahrhunderts  bereitete  langsam
eine  Wandlung  zum  Besseren  vor.  Die  Seeherrschaft  und  mit  ihr
der  Seehandel,  der  bei  der  ungeheuren  Erweiterung  des  geographischen ­
  Gesichtskreises  den  Land-  und  Nahhandel  überflügelt
hatte,  war  von  den  stammesfremden  fernen  romanischen  Völkern
näher  wohnenden  Nationen  germanischer  Rasse  zugefallen.  Damit ­
  hatte  sich  auch  das  Schwergewicht  zu  Gunsten  Deutschlands
und  besonders  Nordwestdeutschlands  verschoben:  die  westliche
Ecke  der  Nordsee  wird  der  Brennpunkt,  in  dem  sich  die  Strahlen
des  Weltverkehrs  vereinigen.  Kraft  seiner  Nachbarlage  hatte  auch
Bremen  davon  Vorteil,  vorerst  allerdings  in  nur  bescheidenem
Maße.  Jedenfalls  aber  erhielt  es  einen  festen  Grund,  auf  dem  es
wagen  konnte,  einen  neuen  Bau  nach  neuen  Gesichtspunkten  aufzuführen. ­

Der  erste  positive  Anstoß  ging  von  den  politischen  Verhältnissen ­
  in  Nordamerika  aus.  Die  dortigen  englischen  Kolonien  hatten
sich,  verletzt  durch  die  ungerechte,  jedes  freie  Leben  in  ihnen  erstickende ­
  Zollpolitik  des  Mutterlandes,  von  diesem  losgesagt.  Der
neue  Staatenbund  suchte  direkte  Verbindungen  mit  außerbritischen
Ländern  anzuknüpfen.  Da  war  es  ein  Glück  für  Bremen,  daß  es
die  Bedeutung  der  Stunde  erkannte  und  wagemutig  erfaßte.  Wenn
die  damals  angeknüpften  Verbindungen  auch  manche  schwere
Belastungsprobe  auszuhalten  hatten,  so  hielten  sie  doch  fest,  und
der  Warenverkehr  mit  den  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika
bildet,  wie  den  Grundstein,  so  noch  jetzt  den  weitaus  wichtigsten
Pfeiler,  der  den  Handel  Bremens  stützt.
Napoleons  Bestreben,  Englands  Handel  durch  Schließung  der
Festlandshäfen  zu  vernichten,  das  Inselreich  durch  Sperrung  der
Nahrungsmittelzufuhr  auszuhungern,  schlug  Bremen  schwere
Wunden.  Die  Gewaltherrschaft  des  großen  Eroberers  brach  zu
früh  zusammen,  um  die  »Kontinentalsperre«  wirksam  zu  gestalten.
In  unbegreiflicher  Verblendung  trug  er  auch  selbst  zum  Siege
des  Gegners  bei,  als  er  gerade  in  dem  Augenblicke,  wo  sich  der
britische  Löwe  schon  ergeben  wollte,  in  krasser  Betätigung
merkantilistischer  Anschauungen  die  Getreideausfuhr  aus  Südeuropa
1*
        <pb n="8" />
        4

nach  England  erlaubte.  Durch  sie  erst  wurde  England  zu  weiterem
Kampfe  in  den  Stand  gesetzt,  und  alle  erreichten  Vorteile  waren
dadurch  wieder  verloren.  Nur  langsam  konnte  sich  nach  Aufhebung ­
  der  Sperre  der  Handel  der  deutschen  Nordseeküste  wieder
heben.
Dazu  kam,  daß  die  Technik  die  überlieferten  Formen  über
den  Haufen  warf  und  Handel  und  Industrie  auf  neue  Grundlagen
stellte:  der  Menschengeist  hatte  sich  die  Naturkraft  des  Dampfes
dienstbar  gemacht.  Um  1820  durchfurchte,  ein  Merkstein  in  der
Geschichte  der  Menschheit,  das  erste  Dampfschiff  den  Ozean,  und
die  Maschinenkraft  vertausendfachte  die  Gütererzeugung.  Wieder
aber  war  es  England,  das  den  Hauptvorteil  daraus  zog.  Der  zeitliche ­
  Vorsprung,  den  es  hatte,  ließ  es  damals  zur  Weltmacht
werden.  Seine  Flotte  war  die  ausschließliche  Vermittlerin  zwischen
alter  und  neuer  Welt.
Erst  um  die  Mitte  des  Jahrhunderts  gelang  es  nach  manchen
herben  Fehlschlägen  und  Verlusten  an  Geld  und  Mühe,  eine  regelmäßige ­
  Dampferverbindung  auch  zwischen  Bremen  und  dem
Haupthafen  der  neuen  Welt  zustande  zu  bringen.  Von  Bedeutung
konnte  sie  aber  erst  werden,  als  in  unserem  Vaterlande  die  letzten
Schranken  fielen,  als  im  April  1868  Süddeutschland  der  norddeutschen ­
  Zollunion  beitrat  und  kurz  darauf  das  neue  Reich  erstand, ­
  als  Bremen  zum  Vermittler  zwischen  dem  Deutschen
Reiche  und  den  überseeischen  Ländern  werden  konnte.  An
diesem  zweiten  wichtigen  Wendepunkte  der  Handelsgeschichte
Bremens  setzt  die  vorliegende  Untersuchung  ein.
Von  jetzt  an  überstürzen  sich  die  Ereignisse  in  schneller
Folge.  Das  weittragendste  sei  gleich  hier  erwähnt,  die  1894  vorläufig ­
  beendigte  Vertiefung  und  Begradigung  der  Unterweser ­
  bis  Bremen-Stadt.
Der  stark  und  unablässig  steigende  Warenaustausch  mit  dem
Auslande  ließ  sich  nicht  mehr  in  den  bis  dahin  gebräuchlichen
kleinen  Fahrzeugen  bewältigen.  Er  verlangte  gebieterisch  eine
größere  Schnelligkeit  in  der  Beförderung  und  mehr  Schiffsräumte.
Die  Technik  schuf  beides,  und  die  Zeit  der  »Ozeanriesen«  begann.
Wieder  geriet  Bremen  in  Nachteil  gegen  rivalisierende  Hafenplätze, ­
  denn  für  die  tiefgehenden  Seeschiffe  war  es  nicht  erreichbar. ­
  Die  Weser  befand  sich  damals  in  einem  überaus  traurigen
Zustand  der  Verwilderung  und  Versandung.  Von  zahllosen  Sandbarren ­
  durchsetzt,  strömte  der  Fluß  in  ungeregeltem  Läufe  dahin,
nur  Seeschiffen  kleinster  Größe  einen  gefährlichen  Weg  zur  Stadt
        <pb n="9" />
        5

gewährend.  »Von  den  im  Jahre  1876  für  Bremen  eingekommenen
Schiffen  konnten  ihrem  Tiefgange  nach  die  Stadt  erreichen  34°/o-Die
  Gesamtladefähigkeit  derselben  repräsentiert  5%  der
Gesamtladefähigkeit  aller  für  Bremen  in  die  Weser  eingelaufenen ­
  Schiffe«  klagt  die  Handelskammer  s.  Zt.  Wie
anders  jetzt!
Wohl  hatte  sich  Bremen  70  km  unterhalb,  50  km  von  der
offenen  See  gelegen,  in  Bremerhaven  einen  eigenen  Seehafen  geschaffen. ­
  Aber  das  war  eine  Maßregel,  die  nur  halbe  Hilfe  brachte:
der  Seeverkehr  endete  in  Bremerhaven,  der  Landverkehr  in  Bremen
selbst;  das  unbedingt  notwendige  Zwischenstück  fehlte.  Die  üblen
Folgen  zeigten  sich  u.  a.  darin,  daß  sich  in  dem  Zeitraum  1871/1880
der  Hamburger  Warenhandel  von  2  auf  4,  der  Bremer  nur  von
2  auf  3  hob.  Darum  mußte  Bremen,  wollte  es  des  mühsam  Errungenen ­
  nicht  wieder  verlustig  gehen,  alles  daran  setzen,  sich
selbst  zum  Seehafen  zu  machen.  Dies  geschah  durch  die  von
Bremen  auf  eigene  Kosten  ausgeführte,  ungeheure  Geldopfer
fordernde  Unter-  (und  Außen-)  Weserkorrektion.  Nach  langwierigen
Vorarbeiten  stellte  Ludwig  Franzius  187g—1880  sein  geniales  Projekt ­
  auf,  bis  Bremen-Stadt  eine  Fahrrinne  von  5  m  Tiefe  zu
schaffen.  April  1887  wurde  das  Werk  begonnen.  1894  war  es
vollendet  und  »dem  Meere  der  Weg  zur  Stadt  gebahnt«,  wie  die
Inschrift  auf  dem  Franziusdenkmal  an  der  großen  Weserbrücke
in  Bremen  lautet.  Der  größere  Tiefgang  der  Schiffe  bedingte
übrigens  seitdem  eine  weitere  künstliche  Vertiefung  des  Strombettes.
Als  fernere  bedeutsame  Etappe  in  der  Entwicklung  der  Stadt
ist  dann  noch  der  im  Herbst  des  Jahres  1888  erfolgte  Anschluß
Bremens  an  das  Zollgebiet  zu  erwähnen.  Lange  sträubte  man
sich  dagegen,  da  man  in  der  Aufgabe  der  Sonderstellung,  in  der
»Errichtung  einer  trennenden  Grenzmauer  gegen  das  Ausland«
Nachteile  für  den  Handel  befürchtete.  Die  Handelskammerberichte
Anfang  der  80er  Jahre  sprechen  ein  beredtes  Zeugnis,  und  nur
wenige  Stimmen  (Lahusen,  Bremen  und  seine  Sonderstellung;
Bremen  1883)  befürworten  den  Zollanschluß  lebhaft.  Genug,  er
kam,  und  mit  ihm  glücklicherweise  ein  neuer  kommerzieller  Aufschwung. ­

Lassen  wir  nunmehr  die  Entwicklung  zahlenmäßig  an  unserem
Auge  vorüberziehen.

3.  Allgemeine  Entwicklung  in  den  letzten  Jahrzehnten.
Die  Tabelle  I  gibt  ein  Bild  über  die  allgemeine  Entwich-
        <pb n="10" />
        Tabelle  I.

Allgemeiner  Warenverkehr  Bremens  ohne  Edelmetalle.
Wert  in  1.000  Mark.

Einfuhr:

♦

Ausfuhr:

Zusammen

Jahr

V  erzehrungsgegenstände


Rohstoffe

Fabrikate

—

Total
Einfuhr

Jahr

V  erzehrungsgegenstände ­


Rohstoffe

Fabrikate

—

Total
Ausfuhr

1868

113188

120133

91559

324880

1868

106063

113678

78751

298492

623372

1869

118100

118492

105910

342502

1869

99392

122639

93I9S

•*

315226

657728

1870

89913

124743

9 1  736

306392

1870

101092

119653

81279

302024

608416

1871

136652

167  138

161884

465674

1871

125189

155007

149191

429387

895061

1872

162353

163038

170239

495  630

1872

166484

152369

152164

471017

966647

1873

175726

186446

167  662

529834

1873

176542

176157

148877

501576

I  Oßl  410

1874

170481

181957

145918

498356

1874

157966

165  689

127367

451022

949378

1875

147056

162715

129I92

438963

1875

145145

157893

112606

4 i 5 6 44

854607

1876

1 74  475

163396

104176

442047

1876

162065

169856

89713

421634

863  681

1877

157708

180487

104997

443192

1877

171304

167448

92218

430970

874162

1878

183  226

155 I 57

102  641

441024

1878

179778

159796

91598

431172

872196

1879

I73M9

188019

109610

470878

1879

188  729

181903

98930

469562

940440

1880

198054

223976

136314

558344

1880

170741

216390

124025

511156

1069500

1881

189657

242397

122393

554447

1881

171006

245867

109620

526493

1080940

1882

H5  63S

212800

121598

500042

1882

145841

228473

107829

482  143

982185

1883

169405

263056

121  890

554351

1883

156804

256539

98587

521930

1076  281

1884

173562

223847

119074

516483

1884

165146

229976

106383

S01505

1017988

1885

166801

212407

115879

495087

1885

159405

214895

105  663

479963

975050

1886

156155

200774

134672

491601

1886

148418

203233

123250

474901

966502

1887

164027

263  447

132477

559951

1887

160170

249  462

116408

526040

1085  991

1888

J 74434

233  577

I4492I

552932

1888

165583

226027

125675

517285

I  070217

1889

190575

322954

I 5 OOI 4

663543

1889

190196

305919

132380

628495

1292038

1890

205346

375476

169117

749939

1890

199657

356531

150  409

706597

1  456536

1891

247876

365744

146143

759763

1891

226616

356874

131246

7H736

1474499

1892

224359

323  H7

171988

719494

1892

216325

311790

156  209

684324

1  403  818

.JsP
        <pb n="11" />
        J )  Seit  1900  Änderung  der  Statistik.

Tabelle  I  (Fortsetzung).

Allgemeiner  Warenverkehr  Bremens  ohne  Edelmetalle.
Wert  in  1.000  Mark.

Einfuhr;

Ausfuhr;

Jahr

V  erzehrungsgegenstände ­


Rohstoffe

Fabrikate

—

Total
Einfuhr

Jahr

Y  erzehrungsgegenstände ­


Rohstoffe

Fabrikate

—

Total
Ausfuhr

Zusammen

1893

216367

331860

175325

723552

1893

194980

319568

161668

676216

1399768

1894

198863

322682

172940

694485

1894

194925

316027

161158

672  HO

1366595

1895

206  258

379012

221036

806306

1895

197  612

359266

208974

765852

1572158

1896

212594

393622

215256

821472

1896

2I99II

389424

200030

809365

1630837

1897

244269

435  590

214216

894075

1897

231481

422893

197  888

852  262

1746337

1898

263987

466  69O

200  604

93 12 8i

1898

246710

455707

184911

887  328

1818609

1899

248680

454830

207494

911OO4

1899

241396

446201

190495

878092

1789096

Yerzehrungs-Bau-

  und
Brennmaterialien ­


Andere
Rohstoffe

Fertig-Y

  erzehrungs-Bau-

  und

Andere
Rohstoffe

Fertiggegenstände



und  Halbfabrikate ­


fabrikate

gegenstände

materialien

und  Halbfabrikate ­


fabrikate

igoo 1 )

277604

33047

601756

188  289

1100696

1900

266493

18848

596273

170171

1051785

2152481

1901

275  2 53

22  801

586724

182203

1066981

1901

259735

11  192

571369

162452

1004748

2071729

1902

264139

22  902

597949

197969

1082959

1902

250252

12  170

593350

176239

1032011

2114970

1903

26l665

26318

704641

220067

1212691

1903

253897

13903

689900

199579

1157279

2369970

1904

261958

249IS

782459

226515

1295847

1904

255078

13508

769259

207  878

1245723

2541570

1905

295457

27445

760005

258352

i34i 2 59

1905

294078

14114

727555

236497

I  272  244

2613503

1906

310308

28974

847189

309597

1496068

1906

309234

17798

847742

283089

1457863

2953931

1907

374934

32445

1015585

422848

1845  812

1907

354019

14503

975818

399069

I  743  409

3589221

1908

334713

31018

965948

356168

1687  847

1908

326945

13150

927544

338481

1606120

3293967

1909

352593

29942

956736

403453

1742724

1909

348131

15430

954899

386178

1704638

3447362
        <pb n="12" />
        lung  des  bremischen  Warenhandels  während  der  letzten
40  Jahre.
Man  kann  im  Zweifel  darüber  sein,  ob  der  Warenverkehr
Bremens  mit  Deutschland  selbst  in  der  Tabelle  mit  aufzunehmen
ist.  An  dieser  Stelle  hielt  ich  seine  Berücksichtigung  für  angezeigt. ­
  Bremen  ist  einer  der  wichtigsten  Kanäle,  die  ein  erheblicher ­
  Teil  der  Güter  des  Gesamtstaates,  Deutschlands,  benutzen
muß.  Dieser  Güterumlauf,  wenngleich  kein  Gradmesser  für  den
Eigenhandel  Bremens  und  auch  nicht  durch  besondere  Rührigkeit ­
  herangezogen,  gibt  doch  seinen  Häfen  ihr  Gepräge,  durchströmt ­
  sie  mit  belebender  Kraft.  Ganz  Deutschlands  Niedergang
und  Aufschwung  spiegelt  sich  im  kleinen  in  den  stillen  Wassern
der  Weser  wieder.  Die  Zusammenstellung  soll  nicht  das  Wachsen
des  spezifisch-bremischen  Handels  kennzeichnen,  sondern  lediglich ­
  zeigen,  in  welchem  Maße  die  Kräfte  wuchsen,  die  das  Weichbild ­
  der  alten  Stadt  durchpulsen.
Nach  Beendigung  des  Feldzugs  zeigt  sich  eine  lebhafte
Steigerung  des  Verkehrs,  angeregt  von  gestiegenem  Bedarf  und
nicht  zum  wenigsten  vom  Goldstrom  der  Kriegsentschädigung
von  fünf  Milliarden.  Der  Höhepunkt  fällt  in  das  Jahr  1873,  das
den  Gesamtverkehr  des  ersten  Kriegsjahres  um  2 / 3  übersteigt  und
sich  zu  ihm  verhält  wie  170:100.  Aber  der  Aufschwung  war  zu
plötzlich  und  zu  stark,  um  gesund  zu  sein,  der  Zufluß  von  Edelmetall ­
  war  allzu  rasch  und  reichlich  und  war  für  unser  Vaterland
von  unseligen  Folgen  begleitet.  Eine  schwere,  bis  ins  Jahr  1879
hinein  fühlbare  wirtschaftliche  Krise  trat  ein.  Die  Statistik  zeigt,
daß  auch  unser  kleiner  Freistaat  an  der  Schädigung  des  Warenund
  Geschäftsverkehrs  sein  wohlgemessenes  Maß  hatte.  Nach
sechs  Jahren  war  der  Umsatz  von  1873  noch  nicht  wieder  erreicht. ­
  Dann  wird  1880  ein  neuer  Höhepunkt  erklommen,  der
mit  geringen  Schwankungen  nach  oben  und  unten  bis  zum  Jahre
1888  unverändert  bleibt.  Von  1873  —1888,  also  in  einem  Zeitraum ­
  von  i 1 / t  Jahrzehnten,  hatte  sich  der  Gesamtverkehr  um  noch
nicht  40  Millionen  Mark,  d.  h.  um  nur  3  3 /4°/o  erhöht,  jährlich  also
nur  um  ungefähr  Vs%-  Wenngleich  fast  das  ganze  vorletzte
Jahrzehnt  des  19.  Jahrhunderts  eine  weltwirtschaftliche  Flauheit
aufwies  und  diese  wegen  der  überwiegend  überseeischen  Beziehungen ­
  auf  Bremen  ganz  besonders  zurückwirkte,  so  befand
sich  doch  das  Deutsche  Reich  vermöge  seiner  schnell  wachsenden ­
  Bevölkerung  und  des  kräftigen  Aufschwungs,  den  seine  junge
ausfuhrfähige  und  ausfuhrbedürftige  Industrie  nahm,  in  verhält ­
        <pb n="13" />
        9

nismäßig  günstiger  Lage.  Daß  Bremen  als  das  zweitwichtigste
Ausfalltor  des  Reiches  seinen  Warenumsatz  in  diesem  Zeitraum
nicht  zu  vergrößern  vermochte,  bedeutet  mehr  als  Stillstand,  bedeutet ­
  direkten  Rückgang.  Bremen  schien  unheilbarem  Siechtum ­
  verfallen.
Da  bringt  das  Jahr  1888  mit  den  kräftig  einsetzenden  Arbeiten ­
  der  Weserkorrektion  und  dem  Zollanschluß  die  sehnlichst
erwartete  Besserung.  Schon  im  nächsten  Jahre  ist  ein  Mehr  von
über  200  Milhonen  Mark  zu  verzeichnen.  Wenngleich  gelegentliche ­
  Rückschläge  nicht  ausblieben,  hielt  die  günstige  Entwicklungsrichtung ­
  seitdem  im  allgemeinen  doch  an.  In  den  15  Jahren
nach  1888  hatte  sich  der  Verkehr  schon  verdoppelt,  1907  war  er
auf  das  ß^fache  desjenigen  von  1888  gestiegen.  Neben  den
oben  erwähnten  beiden  Gründen  ist  zweifellos  auch  die  unter
Caprivi’s  Führung  1893  einsetzende  mitteleuropäische  Handelsvertragsära ­
  von  günstigem  Einfluß  gewesen,  da  sie  dem  Handel
Ruhe  und  Stetigkeit  für  längere  Jahre  verbürgte.  Besonders
das  letzte  Jahrzehnt  stand  unter  einem  günstigen  Stern.  Die  Flutwelle, ­
  die  jetzt  auch  stolze  Überseedampfer  an  die  Stadt  bringen
konnte,  weckte  tausendfältig  neues  Leben.  Immer  neue  Löschund
  Liegeplätze  mußten  gebaut  und  bereitgestellt  werden.  Erst
jetzt  erwachte  die  alte  Stadt,  rang  sich  aus  kleinstädtisch  —  mittelalterlicher ­
  Verträumtheit  los  und  ist  eine  moderne  Handelsstadt  geworden, ­
  die  ihre  Flagge  stolz  in  den  fernsten  Meeren  zeigt.  Nicht
umsonst  hat  Bremen  mit  ungeheuren  Kosten  alle  die  Anlagen
geschaffen,  die  vom  In-  und  Auslande  mit  Recht  bewundert
werden.
Freilich  ist  bei  der  freudigen  Genugtuung  über  die  Steigerung ­
  der  Werte  des  Warenhandels  eins  in  Betracht  zu  ziehen.
Das  ist  der  Umstand,  daß  das  Geld  in  den  letzten  Jahrzehnten
entwertet  ist,  daß  jetzt  seine  Kaufkraft  weit  geringer  ist  als  beispielsweise ­
  noch  vor  dreißig  Jahren.  Diese  Entwertung  hält  noch
immer  an.  Wann  sie  zum  Stillstand  kommen  wird,  läßt  sich  noch
nicht  sagen.  Es  ist  hier  nicht  der  Ort  und  liegt  auch  außerhalb ­
  des  Bereichs  der  Möglichkeit,  schon  jetzt,  wo  wir  noch  mitten
im  Wirbel  dieser  Bewegung  dahingerissen  werden,  anzugeben,
welches  ihre  eigentlichen  Ursachen  sind  und  insbesondere,  in
welchem  Umfange  sie  Platz  gegriffen  hat.  Daß  aber  das  Geld
(ebenso  wie  im  Anfänge  des  vorigen  Jahrhunderts)  gegenwärtig
einen  scharfen  Entwertungsprozeß  durchmacht,  ist  eine  nicht  wegzuleugnende ­
  Tatsache.  Selbstredend  ist  diese  Erscheinung  nicht
        <pb n="14" />
        10

auf  Bremen  beschränkt,  sondern  gilt  allgemein.  Aber  man  sollte
sich  hüten,  den  allerdings  unverkennbaren  Aufschwung  des  Weltwirtschaftslebens ­
  in  allzu  rosigen  Farben  zu  malen,  aus  der  großen
Steigerung  der  statistisch  gefundenen  Werte  allzu  sanguinische
Schlüsse  zu  ziehen.  Wohl  sind  die  Endzahlen  gewachsen,  aber
auch  der  Maßstab,  den  man  an  sie  anlegen  muß,  ist  größer  geworden. ­
  Dies  wird  leider  noch  übersehen.
Der  bremischen  Statistik  folgend,  habe  ich  die  Teilung  des
Warenverkehrs  in  die  Bewegung  von  Verzehrungsgegenständen,
Rohstoffen  und  Halbfabrikaten,  und  Ganzfabrikaten  beibehalten.
Die  seit  1900  etwas  geänderte  Anschreibung  kommt  für  die  Beurteilung ­
  nicht  in  Betracht.
Während  die  Einfuhr  der  Verzehrungsgegenstände  und
Fertigfabrikate  in  den  letzten  40  Jahren  dem  Werte  nach  nur  um
das  3—4fache  stieg,  hat  sich  diejenige  der  Rohstoffe  und  Halbfabrikate ­
  sehr  viel  kräftiger  entwickelt.  Von  120  Millionen  i.  J.
1868  sich  in  den  beiden  ersten  Jahrzehnten  nur  verdoppelnd,  hat
sie  sich  nach  weiteren  zwölf  Jahren,  1900,  schon  verfünffacht.
Das  letzte  Jahrzehnt  brachte  wieder  eine  gute  Verdoppelung  des
Standes  von  189g.  Das  mächtige  Anwachsen  des  Bremer  Baumwollhandels ­
  ist  die  Ursache  davon.  ■—  Bei  der  Ausfuhr  erscheint
in  dieser  Tabelle  ein  ganz  ähnliches  Bild.  Ist  doch  Bremen  für
solche  Massenartikel  nur  Durchfuhrland  mit  verhältnismäßig  sehr
geringem  Eigenverbrauch.
Der  Eindruck,  den  wir  von  dieser  Tabelle  entnehmen,  ist
ein  befriedigender.  Das  Anschwellen  der  Zahlen  scheint  ein
kräftiges  Gedeihen  des  Bremer  Handels,  weltweite  Ziele  und
strotzende  Gesundheit  zu  verbürgen.  Gehen  wir  den  Dingen
nunmehr  etwas  mehr  auf  den  Grund.
Auf  welchen  Wegen  wurden  die  Gütermengen  in  Bremen
angebracht  und  verließen  sie  die  Stadt?  Die  folgende  Zusammenstellung ­
  gibt  Aufschluß  darüber.
Zunächst  fällt  auf,  daß  das  Gewicht  der  Einfuhr  das  der  Ausfuhr ­
  bei  weitem  übersteigt.  Da  Bremen  in  seinen  engen  Landesgrenzen ­
  keine  irgendwie  nennenswerte  eigene  bergbauliche  und
landwirtschaftliche  Produktion  hat  und  haben  kann,  vielmehr  auf
den  Verbrauch  eingeführter  Waren  angewiesen  ist,  so  findet  diese
auf  den  ersten  Blick  überraschende  Erscheinung  leicht  ihre  natürliche ­
  Erklärung.  Aber  wie  steht  es  mit  der  Verteilung  auf  die
einzelnen  Transportwege?
Aus  der  Betrachtung  ausgeschieden  kann  der  Eisenbahn-
        <pb n="15" />
        Seewärts  Landwärts

1869
1870
1871
1872
1873
1874
1875
1876
1877
1878
1879
1880
1881
1882
1883
1884
1885
1886
1887
1888
1889
1890
1891
1892
1893
1894
1895
1896
1897
1898
1899
1900
1901
1902
1903
1904
1905
1906
1907
1908
1909

5036000
4125000
7169000
7  407  000
8907000
8  993  000
7615000
8545000
8523000
8901000
10287000
10927000
10  230000
9773000
10658000
10303000
9965000
9  389000
10822000
11  579000
13  832000
14659000
17  280000
15671000
16115000
17675000
19794000
19792000
22332000
23  755000
23818000
23723000
24478000
24851000
25923000
25  136000
28970000
29352000
35042000
30128000
30795000

4015000
3546000
3371000
3941000
4172000
4657000
4497000
4253000
4748000
4578000
5472000
6022000
6184000
6035000
6662000
6659000
6  510000
6999000
8094000
8  006  000
7  725000
8285000
8615000
8816000
9873000
8937000
9020000
9942000
10873000
10582000
11  541000
13195000
12348000
13483000
16045000
16  227  000
i5995 0 oo
18091000
16819000
i7553o°o
18501000

1175  000
1068000
1170000
1  719000
2  040  000
1739000
2053000
1295000
831000
728000
824000
794000
886000
778000
797000
904000
1123000
1  286000
1628000
2478000
1362000
1856000
1773000
1653000
1659000
2  200000
2  311000
2828000
3  628000
3432000
3534000
3790000
3  636000
3683000
4967000
3  501000
5  021000
5143000
5  603  000
5017000
7  249000

10226000
8739000
11  710000
13067000
15119  000
15389000
14165000
14093000
14102000
14207000
16583000
17743000
17  300000
16  586000
18117000
17  866000
47  598000
17  674000
20544000
22063000
22919000
24800  000
27  668000
26140000
27647000
28812000
31125000
32  562000
36833000
37769000
38893000
40  708000
4O462  OOO
42  017  000
46935000
44864000
49986000
52  586000
57464000
52698000
56545000

2873000
2322000
2  882000
2  822000
3024000
3  206000
2787000
3052000
3628000
3  49!000
4730000
5047000
5  232000
5  289000
5  878000
6113000
6026000
6303000
6813000
6  792000
7750000
7995000
9554000
9395000
8974000
9244000
9894000
10358000
11  614000
12489000
13  217  000
14824000
14879000
16010000
18821000
18  157000
19179000
22482000
21458000
18936000
22  546000

2  144000
2371000
2915  000
3  694000
4734 000
4769000
4630000
5795000
6154000
6  254000
7  298000
6685  000
7  168000
5977000
6  798000
6825000
6385000
5630000
5  898000
5726000
6979000
7983000
8937000
8614000
8805000
9138000
10854000
10708000
12538000
13  603000
13142000
13047000
12  256000
12  403  000
13  215000
13739000
15065000
15514000
16514000
15922000
16585000

254000
257000
337000
374000
223000
134000
177  000
286000
294000
386000
547000
549000
434000
450000
463000
480000
644000
553  000
689000
843  000
927000
968000
1094000
900000
863000
1376000
1494000
2  295  000
2052000
2  649000
2  446  000
2  759000
2615  000
2386000
2  744000
2335000
2946000
3  267000
3151000
2632000
3393000

5  271000
4950000
6134000
6890  000
7981000
8  109000
7594000
9133000
10076000
0131000
1257500°
12281000
12834000
11  716000
13  139000
13  418000
13055000
12486000
13400  000
13361000
15656000
16946  000
19585000
18909000
18642000
19758000
22  242000
23  361000
26  204000
28  741000
28805000
30630000
29750000
30799000
34780000
34231000
37  190000
41  263000
41123000
37490000
42  524000

transport  werden:  ausgehend  wie  einkommend  befördert  er  ungefähr ­
  die  gleiche  Menge,  m.  a.  W.,  es  findet  eine  gute  Ausnutzung ­
  seiner  Transportmittel  statt.  Anders  steht  es  mit  dem
W  asserverkehr.
Da  Deutschland  ein  industrietätiges  Land  ist,  zieht  es  aus
h  Seit  1901  Nettogewicht,  bis  1901  Bruttogewicht!
        <pb n="16" />
        12

dem  Auslande,  besonders  dem  überseeischen,  Rohstoffe  an  sich,
die  es  für  seinen  Lebensunterhalt  und  für  die  Versorgung  seiner
Industrie  benötigt.  Es  bezahlt  in  der  Hauptsache  mit  Fabrikaten.
Diese  sind  hochwertiger,  aber  leichter.  Es  wird  sich  bei  der  überseeischen ­
  Einfuhr  unter  normalen  Umständen  also  stets  ein  erhebliches ­
  Mehr  an  Gewicht  ergeben.  In  der  Tabelle  kommt  dies
deutlich  zum  Ausdruck:  das  Gewicht  der  via  mare  eingeführten
Gütermengen  verhält  sich  zu  dem  der  ausgeführten  ungefähr  wie
3  :  2.  Daran  läßt  sich  nichts  ändern.
Man  sollte  nun  meinen,  die  Weiterverteilung  der  von  Übersee ­
  eingeführten  hochgewichtigen,  an  sich  geringwertigen  Massengüter ­
  werde,  wie  es  aus  Gründen  der  billigen  Verfrachtung  zweckmäßig ­
  sei,  möglichst  auf  dem  Wasserwege,  hier  also  der  Oberweser, ­
  erfolgen.  Die  Statistik  beweist  jedoch  das  Gegenteil  und
führt  uns  gleich  eins  der  Schmerzenskinder  Bremens  vor,  die
Oberweserschiffahrt.  Sie  sei  wegen  der  Wichtigkeit,  die  die
Weser  als  Warenzubringer  für  Bremen  hat,  gleich  hier  kurz  besprochen. ­


4.  Die  Oberweserschiffahrt.
Das  Wesen  einer  Seehandelsstadt  bedingt,  daß  sie  den  internationalen ­
  Zwischenhandel  pflegt,  daß  sich  die  Warenströme  des
In-  und  des  Auslandes  in  ihr  treffen,  von  ihr  aus  weiter  geleitet
werden.  Wie  die  Schiffahrtslinien  als  Zubringer  im  Seehandel
dienen  und  der  Stadt  aus  allen  Ländern  der  Welt  die  Waren
zuführen,  die  ihr  »Hinterland«  braucht,  so  muß  sie  andererseits
auch  darauf  bedacht  sein,  aus  dem  eigenen  Lande  möglichst  viel
Waren  heranzuziehen,  die  sie  zur  Wiederbeladung  der  entlöschten
Schiffe  benutzen  muß  und  in  ihnen  in  alle  Himmelsrichtungen
hinaussendet.  Sie  darf  nicht  auf  einem  Bein  stehen,  sondern  muß
ihre  Wurzeln  so  weit  wie  irgend  möglich  in  den  zugleich  sie
nährenden  und  schirmenden  Boden  treiben.  Dadurch  wird  der
Handel  vor  Einseitigkeit  bewahrt  und  die  Schiffsräumte  besser
ausgenutzt.
Daß  Bremen  inbezug  auf  ein  aufnahmefähiges  und  für  die
Ausfuhr  tätiges  Hinterland  von  der  Natur  nicht  begünstigt  ist,  ist
ja  bekannt.  Hamburgs  mitteleuropäisches  Hinterland  erstreckt
sich,  dem  Laufe  der  Elbe,  ihrer  Nebenflüsse  und  der  verschiedenen
Kanalsysteme  folgend,  bis  weit  nach  dem  Süden  und  Osten  hin:
Die  Elbe  ist  schon  bis  zur  deutschen  Grenze  (Schandau)  750  km
weit  befahrbar,  die  Provinz  und  das  Königreich  Sachsen,  Berlin
        <pb n="17" />
        13

und  Schlesien  gewährleisten  einen  lebhaften,  vielgestaltigen,  ununterbrochenen ­
  Warenverkehr.  Auf  der  anderen  Seite  strecken
die  Rheinmündungsstädte,  besonders  Rotterdam,  ihre  merkantilen
Fangarme  über  Rheinland-Westfalen  auf  der  von  dem  industrietätigsten ­
  Gebiet  Deutschlands  flankierten  größten  und  schönsten
Städtestraße  der  Welt  nach  Thüringen  und  Bayern  hinein;  die
Strecke  Rotterdam—Mannheim  ist  569,  Rotterdam—Kehl  700  km
lang.  Dazwischen  liegt  in  engem  Raum  eingekeilt  die  Weser.
Sie  durchströmt  kein  landwirtschaftliches  Produktionszentrum  und
berührt  kein  reiches  Industriegebiet.  Lokal  begrenzt,  von  Kassel
bis  Bremerhaven  nur  462  km  lang,  und  arm  an  Bevölkerung  und
natürlichen  Hilfsquellen  ist  ihr  Stromgebiet.  Dazu  kommt,  daß
sie  ziemlich  wasserarm  ist.  In  trockenen  Sommern  können  die
Kähne  häufig  nur  bis  zu  einem  Viertel  ihrer  Ladefähigkeit  beladen ­
  werden  und  bieten  der  Seeschiffahrt  keine  Frachten,  dem
Kaufherrn  kein  Handelsgut.  Diese  Verhältnisse  drücken  sich  in
der  Statistik  deutlich  aus.
Wie  Bremen  in  wohlverstandenem  eigenen  Interesse  den
Lauf  der  Unterweser  begradigt  und  vertieft  hat,  so  hat  es  auch
ihrem  Oberlaufe  seine  Aufmerksamkeit  zugewandt.  Denn  nachdem ­
  das  großartige  Franzius’sche  Unterweserprojekt  seiner
Vollendung  entgegen  ging,  wurde  es  immer  klarer,  daß  diese
verkehrsfördernden  Arbeiten  nicht  bei  Bremen  Halt  machen
dürften,  sondern  sich  auf  die  ganze  nur  irgendwie  befahrbar  zu
machende  Oberweser  erstrecken  müßten.  Bedeutende  Verbesserungen ­
  sind  schon,  z.  T.  auf  Bremens  eigene  Kosten,  geschaffen. ­
  Aber  noch  viel  bleibt  zu  tun,  und  eine  durchgreifende
Wendung  zum  Bessern,  zur  Gesundung  aller  Verhältnisse  wird
erst  durch  den  Bau  des  Mittellandkanals  eintreten,  der  nach  Herstellung ­
  einer  kurzen,  leistungsfähigen  Querverbindung  Bremen
für  die  ganze  Elbstrecke  oberhalb  Magdeburgs  konkurrenzfähig
machen  wird.  Allerdings  wird  sehr  viel  auf  die  Höhe  der  Abgaben ­
  (freier  Verkehr  auf  der  Elbe!)  ankommen.  Solange  der
Kanal  nicht  bewilligt  ist,  bleiben  alle  Verbesserungen  Stückwerk.
Das  einzige,  was  Bremen  vorläufig  tun  kann,  ist,  das  Fahrwasser
zu  vertiefen  und  bessere  Llafen-  und  Umschlagsgelegenheiten  zu
schaffen.  Es  soll  hier  nicht  im  einzelnen  aufgezählt  werden,  was
in  dieser  Hinsicht  (Verbesserung  des  Wasserweges,  Herstellung
von  Eisenbahnanschlüssen  usw.)  schon  geschehen  ist  oder  geplant
wird.  Nachdem  berufene  Interessenten  die  Sache  als  ihren  Lebensnerv ­
  berührend  jetzt  in  die  Hand  genommen  haben,  darf  man
        <pb n="18" />
        14

vertrauensvoll  in  die  Zukunft  blicken.  Man  wird  auch  hoffen
dürfen,  daß  die  widerstreitenden  Interessen  von  Städten,  die  sich
durch  die  Durchführung  des  Kanals  bis  zur  Elbe  geschädigt
glauben,  überwunden  werden.
Der  wichtigste  Umschlagplatz  der  Oberweser  ist  z.  Z.  Hameln,
doch  wird  ihm  in  Zukunft  höchstwahrscheinlich  Hann.-Münden,
am  Zusammenfluß  der  Werra  und  Fulda  gelegen,  den  Rang
ablaufen.  Kassel  liegt  ungünstiger.  Langjähriger  Bemühungen
der  beteiligten  Kreise  hat  es  bedurft,  die  Mündener  Bahn-  und
Umschlagseinrichtungen  zu  verbessern  und  auf  die  Höhe  der
jetzigen  Anforderungen  zu  bringen.  Erst  1906  gelang  das  Werk
unter  tatkräftiger  Mithilfe  des  Norddeutschen  Lloyd,  und  die  Stadt,
die  schon  im  Mittelalter  der  wichtigste  Stapelplatz  der  Oberweser
war,  hat  jetzt  endlich  ihre  Bedeutung  zurückerhalten.  Gestützt
auf  vollkommene  Eisenbahnverbindungen,  ist  sie  bestimmt  ein
Sammelpunkt  zu  werden,  der  die  Güter  aus  weiten,  dem  Weserverkehr ­
  bis  dahin  verschlossenen  Gebieten  Mitteldeutschlands  von
Elbe,  Main  und  Rhein  ab  und  an  sich  zu  ziehen  und  sie  weserabwärts
  nach  Bremen  zu  verfrachten  imstande  ist.  Es  ist  zu
hoffen,  daß  sie  dem  Oberweserverkehr  die  dringend  nötige  Belebung ­
  bringen  wird.  Die  Ergebnisse  des  letzten  Jahres  (1909)
scheinen  diese  Hoffnung  ja  zu  bewahrheiten.
Vom  Gesamtverkehr  benutzten  die  Oberweser  dem  Gewichte
t
nach  bei  der

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Durchschnittlich ­


Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Durchschnittlich ­


1888

II.2  °/o

6,3  %

9,4%

1905

10,0  %

7,9  %

9.1  %

1893

6,0  °/ 0

4,6%

5.4%

1906

9,8  %

7.9  %

9,0  %

1898

9,i  %

9.2  %

9,i  %

1907

9,8  %

7,7%

8.9%

1903

10,6  %

7,9  %

9,4  %

1908

9.5  %

7,o  %

8,5  %

1904

7,8%

6,8  %

7,4  %

1909

12,8  %

8,0%

10,7  %

Der  Anteil  der  Oberweserschiffahrt  an  der  Güterbeförderung
ist  also  während  dieses  Zeitraumes  ziemlich  unverändert  geblieben.
Aus  den  kleinen  Schwankungen  auf  eine  Tendenz  schließen  zu
wollen,  wäre  verfehlt,  da  äußere  Umstände,  wie  Eisgang  und
niedriger  Wasserstand,  von  zu  großem  Einflüsse  sind.  Aber  wenn,
wie  dies  häufig  geschieht,  »die  erfreuliche  Tatsache  konstatiert
wird,  daß  der  Ob  er  weser  verkehr  sich  weiter  gehoben«  hat,  so
sind  diese  Lobpreisungen  auf  das  richtige  Maß  zurückzuführen:
prozentual  ist  bis  1908  keine  Steigerung  erfolgt.  Für  190g
ist  in  der  einkommenden  Fahrt  eine  überaus  scharfe  Besserung
        <pb n="19" />
        i5

festzustellen,  die  etwa  30  %  beträgt.  Die  Besserung  darf  man
wohl  als  den  Beginn  einer  neuen,  unter  günstigerem  Stern
stehenden  Periode  der  Oberweserschiffahrt  ansehen.
An  der  bewegten  Gütermenge  ist  die  Talfahrt  stärker  beteiligt ­
  als  die  Bergfahrt;  die  Flußschiffahrt  bringt  ungefähr  doppelt
so  viel  Güter  in  Bremen  an  als  sie  von  dort  zu  Berg  bringt.
Es  handelt  sich  eben  um  schwere,  geringwertige  Massengüter,
hauptsächlich  um  Rohstoffe  und  Baumaterialien  —  Abraumsalze,
Ziegelsteine,  natürliche  Steine  und  Zement.  Unter  den  Verzehrungsgegenständen ­
  des  Talverkehrs  steht  Zucker  als  das  zugleich ­
  wertvollste  und  am  leichtesten  verderbliche  Ladegut  der
Oberweser  obenan.  Nächstdem  kommen  Roggen-  und  Weizenmehl. ­
  Das  schwergewichtigste  Ausfuhrgut  (außer  Zement)  sind
gewöhnliche  Hohlglaswaren.
Umgekehrt  überragt  der  Bergverkehr  den  Talverkehr  weitaus ­
  im  Werte  der  eingenommenen  Waren.  Das  Verhältnis  stellt
sich  ungefähr  wie  2:3.  Es  betrug  nämlich  in  1.000  Mark  die
Gesamteinfuhr  von  der  Gesamtausfuhr  nach  der
Oberweser  nach  Bremen  Oberweser  von  Bremen
1880;  9753  13341
1890:  23851  34425
1908:  28372  42041
1909:  358i5  57487
Die  Hauptladegüter  der  die  Oberweser  benutzenden  Ausfuhr
Bremens  sind  Getreide,  Mehl,  Reis  und  Tabak,  daneben  Schwefelkies, ­
  Leinsaat,  Schafwolle,  Jute  und  Petroleum.
Da  zu  Tal  erheblich  höhere  Mengen  befördert  werden  als
zu  Berg,  ergibt  sich  als  notwendige  Folge,  daß  auf  der  Bergfahrt
sehr  viel  mehr  freie  Räumte  vorhanden  ist.  Zur  Veranschaulichung ­
  sei  auf  die  Tabelle  III  verwiesen.
Untersucht  man,  wie  bei  den  beiden  Verkehrsrichtungen  die
Ladefähigkeit  der  Kähne  ausgenutzt  wurde,  so  ergibt  sich:
auf  jeden  in  Bremen  ankommenden  Oberweserkahn  kamen  i.  J.
1888  durchschnittlich  197  t  wirkliche  Ladung
1908  „  223  t
auf  jeden  von  Bremen  abgehenden  Oberweserkahn  kamen  i.  J.
1888  durchschnittlich  68  t  wirkliche  Ladung
1908  „  119  t
Wenn  man  sich  vergegenwärtigt,  daß  i.  J.  1888  die  Ladefähigkeit
der  Weserböcke  durchschnittlich  ungefähr  300  t  betrug,  jetzt  aber
auf  ungefähr  500  t  (1901  schon  425  t)  gestiegen  ist,  so  ist  klar,
        <pb n="20" />
        —  16  —

Tabelle  III.
Übersicht  über  die  Schiffahrt  auf  der  Oberweser  (ohne  Flöße).

Jahr

In  Bremen  kamen  an

Von  Bremen  gingen

ab

beladen

leer

zus.

beladen

leer

zus.

Schiffe

Reg.-Tons


Schiffe

Reg.-Tons


Schiffe

Schiffe

Reg.-Tons


Schiffe

Reg.-Tons


Schiffe

1867/71

852

66000

66

6000

918

483

43  00 °

427

27

000

910

1872/76

927

80000

59

5000

986

371

37000

614

48

000

985

1877/81

400

44000

9i

9000

491

388

44  000

130

10

000

518

1882/86

498

57000

80

9000

578

402

53000

165

13

000

567

1887

894

111000

67

8000

961

552

87000

312

31

000

864

1888

I  191

178000

66

8000

1257

562

99000

675

85

000

1237

1889

843

126000

9i

14000

934

596

101000

339

39

000

935

1890

954

147000

78

10  000

1032

621

105000

343

42

000

964

1891

932

144000

94

14000

1026

663

110000

34°

44

000

1003

1892

1025

165  000

55

8000

1080

704

126000

37°

46

000

1074

1893

1134

173000

74

13000

1208

713

128000

472

55

000

1185

1894

1249

190000

I2 5

20  000

1374

826

148000

537

60

000

1363

1895

1207

184000

70

10  000

1277

805

144  000

45°

47

000

125s

1896

1231

201  000

130

20  000

1361

1000

182000

35°

38

000

1350

1897

1562

260000

113

18000

1675

1004

185000

618

86

000

1622

1898

1451

255000

188

35°°o

1639

1188

235000

408

51

000

1596

1899

1468

268000

i43

25OOO

1611

1199

240000

329

43

000

1528

IQOO

1549

280000

165

27OOO

1714

1291

257  000

383

46

000

1674

1901

1504

280000

194

35000

1698

1253

258000

437

55

000

1690

1902

1610

305000

122

I9OOO

1732

1194

244000

562

86

000

1756

1903

1959

377000

120

20  000

2079

1320

272000

745

120

000

2065

1904

I7V

343000

150

21  OOO

1865

1336

288000

536

79

000

1872

I 9°5

2024

463000

94

18000

2118

1366

349000

753

!3 2

000

2119

1906

1988

qOQOOO

132

32  000

2120

1339

391000

75 6

144

000

2095

1907

2230

655000

98

21  000

2328

1506

473000

851

2  11

000

2357

1908

2113

644OOO

135

35000

2248

1425

462  000

79i

205

000

2216

1909

2814

905OOO

I  I  I

26000

2925

1618

544000

1239

368

000

2857

daß  man  selbst  unter  Berücksichtigung  des  Umstandes,  daß  die
Kähne  in  trockenen  Sommern  oft  nicht  voll  beladen  werden
können,  diese  Verhältnisse  als  gesund  nicht  bezeichnen  kann.
Diese  Verschiedenheit  im  Güterangebot  kommt  in  den  Frachtraten ­
  zu  entsprechendem  Ausdruck.  Natürlich  ist  bei  Festsetzung
der  letzteren  auch  der  Umstand  von  Belang,  daß  die  Böcke  bei
ihrer  Talfahrt  wenig  oder  gar  keiner  Schleppkraft  bedürfen  (der
Zeitverlust  kommt  meist  nicht  in  Frage),  also  billiger  arbeiten.
Selbstredend  wirkt  aber  auch  die  zur  Beförderung  stehende  Gütermenge ­
  auf  die  Frachtraten  bestimmend  ein.  Nach  Metterhausen,
Die  Oberweserschiffahrt  im  letzten  Jahrzehnt;  Kassel,  1902;  S.  81
und  82  betrug  die  reine  Schiffsfracht  bergwärts  nach  den  Hauptverkehrsplätzen ­
  durchschnittlich  für  Stückgüter  etwa  2,7—3  Pf.,
für  die  billigste  Massengüterklasse  1,8—2  Pf.  für  das  Tonnenkilometer. ­
  Durchschnittsfrachtsätze  für  die  Talfahrt  kann  man
        <pb n="21" />
        i7

nicht  angeben;  jedenfalls  sind  sie  erheblich  niedriger.  Als  Durchschnittssatz ­
  für  Massenfrachten  zu  Tal  glaubt  Metterhausen  etwa
1,0—1,3  Pf.  pro  Tonnenkilometer  annehmen  zu  können.
5.  Wachsen  des  Verkehrs  im  Verhältnis  zu  Hamburg  und
Ganzdeutschland.
Handel  und  Verkehr  eines  Wirtschaftsgebietes,  sei  es  ein
einzelnes  Gemeinwesen,  sei  es  ein  Weltstaat,  können  nur  dann
richtig  beurteilt  werden,  wenn  man  sie  nicht  losgelöst  von  allen
Konkurrenten  betrachtet,  sondern  wenn  man  sie  überall  in  Beziehung ­
  bringt  zu  anderen  Wirtschaftsgebieten  mit  ähnlichen
Lebensbedingungen  und  vergleichbaren  Daten.  Erst  die  Gegenüberstellung ­
  der  so  sich  ergebenden  Zahlenreihen  unter  sorgfältigem ­
  Abwägen  aller  besonderen  Verhältnisse  ergibt  Anhaltspunkte
für  eine  wirklich  objektive  Beurteilung.  Tabelle  4  bringt  daher,
um  einen  solchen  Vergleich  (Tabelle  1)  zu  ermöglichen,  eine  Zusammenstellung ­
  des  Warenverkehrs  des  Deutschen  Reiches  und
Hamburgs,  der  nächsten  und  größten  Rivalin  Bremens.
Ich  habe  mich  auf  die  letzten  zwanzig  Jahre  beschränkt,  da
dieser  Zeitraum  genügend  Material  bietet.  —  Auch  bei  Hamburg
bedeuten  die  Zahlen  die  Werte  des  Gesamthandels,  einschließlich
dessen  mit  Deutschland.  Die  für  das  Deutsche  Reich  gegebenen
Zahlen  stellen  die  Werte  des  Spezialhandels  ohne  Edelmetalle  dar.
Zu  bemerken  ist,  daß  es  eine  Statistik  über  den  Gesamtwert
des  deutschen  Außenhandels  nicht  gibt.  Die  sehr  bedeutenden
Werte,  die  im  Hamburger  Freihafen  erzeugt  werden  und  von  da
zur  Ausfuhr  ins  Zollausland  gelangen,  werden  statistisch  noch
nicht  erfaßt.  Auch  die  eigene  Hamburger  Statistik  hilft  hier
nicht  weiter.  Es  wird  sich  später  noch  Gelegenheit  finden  hierauf ­
  zurückzukommen.  An  dieser  Stelle  genügen  aber  die  vorhandenen ­
  Angaben,  da  es  sich  vorläufig  lediglich  darum  handelt
festzustellen,  ob  Bremens  Handel  den  allgemeinen  Aufschwung
des  Handelsverkehrs  mitgemacht  hat  oder  hinter  ihm  zurückgeblieben ­
  ist.
Ausweislich  der  in  Tabelle  5  gegebenen  Verhältniszahlen
nun  hat  Bremen,  was  den  Wert  der  insgesamt  bewegten  Waren
anbelangt,  in  den  beiden  letzten  Jahrzehnten  eine  Steigerung  aufzuweisen, ­
  die  in  Ein-  wie  Ausfuhr  eine  schärfer  aufwärts  führende
Kurve  aufweist  als  Deutschland  und  selbst  Hamburg.  Während
sich  der  Wert  des  Außenhandels  Deutschlands  seit  1888  nur
etwas  mehr  als  verdoppelte,  der  Gesamt  waren  verkehr  Hamburgs
Gehrke,  Bremens  Warenhandel.  2
        <pb n="22" />
        Tabelle  IV.
Vergleichende  Übersicht  über  den  Warenverkehr
Deutschlands  und  Hamburgs.

Deutsches  Reich
(Spezialhandel x )
(Wert  in  1000  Mark)

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Gesamt

Einfuhr

Ausfuhr

Gesamt

1888

3270,7

3203,5

6474,2

2025,0

1  902,9

3927,9

1889

3  989.5

3164,8

7154,3

2  352,9

2  217,6

4570,5

1890

4I45.S

3326,5

7472,0

2582,1

2306,0

4888,1

1891

4150,8

3175,5

7326,3

2765,4

2436,2

5  201,6

1892

40x8,5

2954,1

6972,6

2606,7

2313,7

4920,4

1893

3961,8

3092,0

7053,8

2  728,0

2408,4

5  136,4

1894

3938,2

2961,5

6899,7

2651,2

2351,7

5  002,9

1895

4120,7

3317,9

7438,6

2852,6

2466,5

5319,1

1896

4307,2

3525,1

7832,3

2  990,2

2636,9

5627,1

1897

4680,7

3634,9

8315,6

3026,6

2693,4

5720,0

1898

5080,7

3756,6

8837,3

3244,4

2855,4

6099,8

1899

5483.x

4  207,0

9690,1

3323,1

3016,3

6339.4

IQOO

5765,6

4611,4

10377,0

3  804,3

3289,4

7093,7

1901

5421,2

4431.4

9852,6

3598,2

3218,4

6816,6

1902

5631,0

4677,8

10308,8

3767,6

33ii,8

7079,4

1903

§002,7

S OI 4,7

I  I  017,4

4036,1

3  547,9

7584,0

1904

6354,3

5  222,8

1  1  577,1

4179,7

3  774,8

7954,5

1905

7128,9

5  731.6

12  860,5

4687,0

4271,9

8958,9

1906

8021,9

6359,0

14380,9

5326,2

4763,5

10089,7

1907

8746,7

6845,2

15591,9

5839,2

5  182,6

11021,8

1908

7  664,0

6398,6

14062,6

5217,6

4  714,3

9931,9

Hamburg
(inkl.  Handel  mit  Deutschland)
(Wert  in  1000  Mark)

auf  das  2%fache  stieg,  hat  sich  derjenige  Bremens  mehr  als  verdreifacht. ­
  Gewiß  ein  erfreuliches  Zeichen.  Es  beweist  zweierlei.
Erstens,  daß  die  dem  politischen  und  industriellen  Erwachen
Deutschlands  folgende  kolossale  wirtschaftliche  Expansion  in  erster
Linie  die  Hafenstädte  befruchtete,  dem  Seehandel  eine  ausschlaggebendere ­
  Bedeutung  gab;  zweitens,  daß  unser  kleiner  Freistaat ­
  es  vermochte,  sich  neben  seinen  naturbegünstigteren  Rivalen
im  allgemeinen  zu  behaupten,  daß  demnach  die  außerordentlichen
Anstrengungen  und  Kosten,  denen  bremische  Tatkraft  und  bremischer ­
  Wagemut  sich  unterzogen  —  und  noch  unterziehen  müssen  —,
nicht  vergeblich  gewesen  sind.
6.  Bremens  Äußenhandel:  Einfuhr.
Gehen  wir  nunmehr  zur  Betrachtung  des  eigentlichen  »Außenhandels« ­
  Bremens,  wenn  man  so  sagen  darf,  über  (Tab.  VI).
*)  Ohne  Edelmetalle.
        <pb n="23" />
        19

Tabelle  V.
Vergleichende  Übersicht  über  den  Warenverkehr  Deutschlands,
Hamburgs  und  Bremens.

V  erhältniszahlen

Jahr

Deutschlands

Hamburgs

Bremens

Einfuhr

Ausfuhr

Durchschnitt ­


Einfuhr

Ausfuhr

Durchschnitt ­


Einfuhr

Ausfuhr

Durchschnitt ­


1888

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

1889

122

99

III

116

117

116

120

12  I

121

1890

127

104

&amp;gt;15

128

I  2  I

124

136

&amp;gt;37

136

1891

127

99

i&amp;gt;3

137

128

132

&amp;gt;37

138

&amp;gt;38

1892

123

92

108

129

122

125

130

132

131

1893

I  2  I

97

109

135

127

&amp;gt;3&amp;gt;

&amp;gt;3&amp;gt;

&amp;gt;3&amp;gt;

131

1894

120

92

107

131

I24

127

126

130

128

1895

126

IO4

115

141

130

&amp;gt;35

146

148

147

1896

132

HO

I  2  I

148

138

&amp;gt;43

149

156

152

1897

&amp;gt;43

113

128

149

142

146

162

165

163

1898

&amp;gt;55

117

&amp;gt;37

160

150

&amp;gt;55

168

172

170

1899

168

131

150

164

&amp;gt;58

l6l

165

170

167

1900

176

144

160

188

173

181

199

203

201

IQOI

166

138

152

178

169

&amp;gt;74

&amp;gt;93

194

194

1902

172

146

&amp;gt;59

186

&amp;gt;74

180

196

200

198

1903

184

157

170

199

186

&amp;gt;93

219

224

221

1904

194

163

179

206

198

203

234

24I

237

1905

218

179

199

231

224

228

243

246

244

1906

245

199

222

263

250

257

271

282

276

1907

267

214

241

289

272

281

334

337

335

1908

234

200

217

258

248

253

305

310

308

Zusammenfassung  nach  5-  bezw.  3jährigem  Durchschnitt.

Jahr

Deutsches  Reich

Hamburg

Bremen

Einfuhr

Ausfuhr

Durchschnitt ­


Einfuhr

Ausfuhr

Durchschnitt ­


Einfuhr

Ausfuhr

Durchschnitt ­


1888/1892

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

1893/1897

107

104

106

116

112

&amp;gt;&amp;gt;4

&amp;gt;&amp;gt;4

116

&amp;gt;&amp;gt;5

1898/1902

140

&amp;gt;37

&amp;gt;39

144

I4O

142

148

&amp;gt;49

&amp;gt;49

1903/1905

166

168

167

&amp;gt;74

&amp;gt;73

&amp;gt;74

186

188

187

1906/1908

208

206

207

221

219

220

243

246

24S

Die  relative  Steigerung  ist  ziemlich  die  gleiche  wie  auf  der
vorigen  Tabelle.  M.  a.  W.,  der  Warenverkehr  mit  Deutschland  selbst
ist  bei  beiden  Städten  anteilig  genau  von  der  gleichen  Wichtigkeit.
Wenngleich  Bremen  relativ  seine  Schwesterstadt  an  der
Elbe  überflügelt  zu  haben  scheint,  reicht  es  doch  absolut  an
die  stolze  Höhe  des  Hamburger  Handels  nicht  entfernt  heran;
letzterer  ist  über  dreimal  größer.  —  Die  absolute  Steigerung
2*
        <pb n="24" />
        20

Tabelle  VI.
Hamburgs  und  Bremens  Handelsverkehr  mit  Äußerdeutschland.
(Wert  in  1000  Mk.)

Jahr

Bremens

Hamburgs

Einfuhr

Ausfuhr

Total

Einfuhr

Ausfuhr

Total

1888

406  262

IOO

234485

IOO

640747

IOO

1078057

IOO

1  021581

IOO

2099638

IOO

1889

437672

108

275269

117

712941

III

1222638

&amp;gt;  &amp;gt;3

&amp;gt;  &amp;gt;5&amp;gt;  &amp;gt;35

&amp;gt;&amp;gt;3

2373773

&amp;gt;13

18901

504987

124

308318

131

813305

127

&amp;gt;352045

125

I  I9OOOO

Il6

2542046

I  2  I

1891

524990

129

281988

120

806978

126

&amp;gt;490743

138

1  211584

&amp;gt;&amp;gt;9

2702330

I29

l8q?

467087

&amp;gt;&amp;gt;5

282478

120

749565

I&amp;gt;7

1460290

&amp;gt;35

I  120425

HO

2580715

&amp;gt;23

1893

474535

&amp;gt;&amp;gt;7

282  223

120

756758

118

1526580

142

&amp;gt;  &amp;gt;95735

117

2722316

130

1894

457  358

&amp;gt;&amp;gt;3

286692

122

744050

116

&amp;gt;53&amp;gt;164

142

I  120075

HO

2651239

126

189S

518671

128

340513

H5

859184

&amp;gt;34

1625  664

&amp;gt;5&amp;gt;

I24O121

I  2  I

2865  786

136

1896

526096

129

3533D

151

879415

&amp;gt;37

1662  873

&amp;gt;54

1327316

130

2990188

I42

1897

594 2 94

146

376873

Ibl

971167

152

1742017

162

&amp;gt;  316099

129

3058114

146

1898

655046

l6l

343846

147

998892

156

1957666

182

1326884

130

3284550

156

1899

624887

154

347666

148

972553

152

1922178

178

1442873

&amp;gt;4&amp;gt;

3365050

160

1900

764561

188

440132

188

1204693

188

2  209074

205

1635720

l6o

3844796

183

1901

730  730

180

422447

180

1153  *77

180

2089837

&amp;gt;94

1630912

160

3720749

177

1902

737°S9

181

452  203

193

1189262

186

2226760

20  7

&amp;gt;  700383

166

3927  &amp;gt;43

187

1903

854863

210

523651

223

1378514

215

2314078

215

1809938

&amp;gt;77

4124016

196

1904

921348

227

S635H

24O

1484862

232

2471348

229

&amp;gt;  9°5  647

187

4376995

208

1905

933  043

230

564587

241

1497630

234

2758460

256

2106110

206

4864570

232

1906

995  243

245

660014

281

1655257

258

3103037

288

2369427

232

5472464

261

1907

I  220931

301

855556

365

2076487

324

3476298

322

2512964

246

5989262

285

1908

1129367

278

786666

336

1  916033

299

3088213

286

2  292  898

224

538i  in

256

1909

1116428

275

823605

351

1940033

3°3

innerhalb  des  oben  betrachteten  Zeitraumes  (bis  einschließlich  1908)
betrug  bei
Bremen  Hamburg
Einfuhr  723105000  Mk.  Einfuhr  2010156000  Mk.
Ausfuhr  552181000  „  Ausfuhr  1271  317  000  „
Insgesamt  1275286000  Mk.  Insgesamt  3281473000  Mk.
d.  h.  der  tatsächliche  Verkehrswertzuwachs  Hamburgs  überstieg
denjenigen  Bremens  bei  der  Einfuhr  2 3 / 4 ,  bei  der  Ausfuhr  2 x / 4
und  durchschnittlich  2 1 / 2  Mal!  Selbst  1907,  im  Jahre  der  höchsten ­
  Konjunktur,  erreichte  der  Wert  des  Handelsverkehrs  Bremens
noch  nicht  die  Summe,  die  der  Handel  Hamburgs  vor  mehr  als
zwanzig  Jahren  aufwies!  Die  Gesamttonnage  der  in  Bremen  beheimateten ­
  Flotte  will  schlecht  damit  übereinstimmen,  doch  darauf
komme  ich  später  zurück.
Tabelle  7  gibt  ein  Bild  der  Gliederung  des  bremischen
Einfuhrhandels.
Man  erkennt  zunächst,  daß  ungefähr  1 / 3  auf  die  Einfuhr  von
Deutschland  selbst  entfällt;  durchschnittlich  etwa  15°/ 0  kommen
auf  die  Einfuhr  vom  übrigen  Europa  und  ungefähr  die  Hälfte
        <pb n="25" />
        der  ganzen  eingeführten  Waren  hat  ihren  Ursprung  in  überseeischen ­
  Ländern.  Es  ist  deshalb  ohne  weiteres  klar,  daß  das
Wohl  und  Wehe  unseres  Handels  von  der  glatten  Abwickelung
dieser  transatlantischen  Verkehrsbeziehungen  in  höchstem  Maße
abhängig  ist  und  daß  wir  uns  diese  Quellen  nicht  verstopfen  oder
abgraben  lassen  dürfen.  Leider  haben  die  letzten  Jahrzehnte
hierin  schon  einen  unliebsamen  Wandel  gebracht.
Lehmann-Felskowski  (Bremen  und  die  Entwicklung  der
bremischen  Häfen.  Sonderabdruck  aus  »Deutschlands  Häfen  und
Wasserstraßen«,  Berlin,  1905;  S.  9)  berichten:  »Von  der  Gesamteinfuhr ­
  Hamburgs  im  Jahre  1887  von  3920000  Registertons
kamen  2815498  Registertons  auf  die  europäische  Fahrt  und
1104736  Registertons  auf  die  außereuropäische  Fahrt.  In
Bremen  dagegen  entfielen  von  der  Gesamteinfuhr  von  1  445  000
Registertons  509  334  Registertons  auf  die  europäische  Fahrt
und  935  349  Registertons  auf  die  außereuropäische  Fahrt.«  Damals ­
  also  verhielt  sich  der  transatlantische  Verkehr  Hamburgs
zur  europäischen  Fahrt  etwa  wie  1  :2 1 / 2 ,  und  bei  Bremen  war
das  Verhältnis  umgekehrt,  etwa  2  :1.  Auch  die  Handelskammer
erwähnt  einmal  (Bericht  für  1882,  Anhang  [Gutachten  über  die
Weserkorrektion]  S.  5):  »Die  Wareneinfuhr  seewärts  von  europäischen ­
  Plätzen  bezifferte  sich  im  Durchschnitt  der  Jahre  1877  —1881
in  Hamburg  auf  73,  in  Bremen  auf  33%  des  Gesamtverkehrs.  —
Die  transatlantische  Einfuhr  repräsentierte  im  gleichen  Jahresdurchschnitt ­
  in  Hamburg  12,4  und  in  Bremen  13,1  Millionen
Zentner.«  Jetzt  ist  eine  Verschiebung  dahin  eingetreten,  daß  Hamburg ­
  im  überseeischen  Verkehr  Bremen  seit  1887,  wo  es  noch
auf  annähernd  gleicher  Stufe  mit  ihm  stand,  weit  hinter  sich
zurückgelassen  hat.
Die  Einfuhr  Bremens  aus  dem  Deutschen  Reiche  seit
1869  weist  eine  stetig  aufsteigende  Linie  auf.  Das  relative  Verhältnis ­
  zur  Gesamteinfuhr  hat  sich  während  dieses  Zeitraumes
etwas  verschlechtert,  doch  ist  das  kein  schlechtes  Zeichen,  sondern
liegt  darin  begründet,  daß  Bremen  mehr  zu  einem  internationalen
Handelsplatz  geworden  ist.
A.uch  die  Einfuhr  aus  dem  außerdeutschen  Europa  ist
verhältnismäßig  hinter  derjenigen  von  Übersee  zurückgeblieben.
Sie  weist  naturgemäß  stärkere  Schwankungen  auf.  Den  relativen
Höhepunkt  erreicht  sie  i.  J.  1875  mit  25,8%,  den  tiefsten  Stand
i.  J.  1908  mit  nur  11,6%-  Der  absolute  Höhepunkt  der  Periode
vor  1888  fällt  mit  128V2  Millionen  Mk.  in  das  Jahr  1873.  Erst
        <pb n="26" />
        22

oooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo
OOCOOOOOCOOOCOOOOl  OOM  Ol
'O  CO  * V 'J  OlOx  W  N  H  O  'S  00^4  OlOx  4»  W  M  h  Q  'O

Jahr

tu  0  COM  Ul  Ui  Ol  Ol  Oi^4  N&amp;gt;  tU  hh  M  W  Ol  OM  (Ji  O  hh
Ox  OOo  00  CO  OO  h  W  0104  vD  ^  vO  W  00  tu  hh  m  v£)  h  vO
CO  O  00  M  \0  00  0  w  tn  W  tu  tu  ^-4  4*  4*  ''U  hh  Q  OOißD  Ox
M  tn  \0  \0  hh  O  (O  tn  W  W  4^  hh  O  Ox  00  014*  h  w  00
hh\0  hh  O  O'  O  M  \£&amp;gt;  M  W  tu  N  'O  00  00  4“  vO  h  O'O'O

Deutsches
Reich

W  W  OJ  W  W  W  M  W  W  W  W  tU  tu  MWWOJWOJOJW
4*  04  W  tn  N  O  vD  tO  O  *h  O  00*vj  i-(  O  O  4*  4»  Ox  00
O’vJOlHHHH'vjHH^tHHOHHtUOiOOi  Gl  4h  Ui  W  M  bo

%
Gesamteinfuhr

O  00  OO  \0  \OHHOOO'OHHLOiOOt-HHHtUHHHH  01^4
h  vO  vD  on  tu  tu  4*  tu  0  wen  w  OJ  -4»  W  'O  001£)  tu  Q  4h
O4  wenvr4i4iUi'&amp;gt;0-4 i '0-f i -'-nM'0-4 i tn4i-4ienen  hh
Oi  Oi  Oi  O  Ox  h\DUi4^WMOjW  Oi-4  O  O  Ox  O  tu  04
tu  tu  O'  w  W  Ui  O  tu  vO  Ox  O  tu  O  Oi^J  OOOx  4^  Ln  00  Ol

Übriges
Europa

hhhhhMhMhhMMMMNWHWMhh
tn  4^  Ui  CO  00  h  OOO  00  Ol  h  O  HWUi4i4i4i.45.MM
OO  OMO  vO  M  CO  CO  Cn  "0  bo  '00  MD  bi  *M»  'bo'b  bi  bi  bn  £4  b*

%  der
Gesamteinfuhr

WMMMMMMMMMMMMMMWMMMhh
tu  vO  *vj  *vj  Ln  ^4  Ci  Ci  Oi  Ci  4h  hh  mh  to  Ln  CO  vD  ^4  OMD
M  Ui  UJ  UJ  hh  m  Ui  Ol  01^1  4h  0104  OOh  N\£)  O  M  MW
M  O  -P  O  W  tu  Oi  ou  \D  M  M  VI  4^  OJ  \£)  w  ui  4i  U)  4i  M
W  »Ui\D  OlM  M  h  OOOx  hh  OOOx  M  O  vß  M  lC  tu  04  tu
04  M’^4i-I\0  hh  1-1  1-1  Ci  00  tu  4*  Ox  4^  (_n  tu  4-  Ln  i-i  OO  Uri

Europa
zusammen

4.4»4iuiuiui4 i uip.^ui4 i 4 ; ‘uiuiuiuiuiuiuiui
4D  OO  pD  4*  p  tu  LD  04  00*^1  hh  lD  00  H  M  4i  4i  000004  Ol
04  04  Ln  O  00  Ln  KO  tu  hh  00  40  hh  tu  014*  bi  bl  bl  4*  "o  Cr»

%  der
Gesamteinfuhr

H-IHHHHhHHHHHHHHHHHI-IHHHHHHHHHHHHHHHHI-H
0040  M4^  4i-  -P  VO  -P  00  00U1  Ul  Ul  4^  H  4»  Ul  I-I  tu  iO  00
M  O  vt  CO  Oi*vI  Ui  40  O  Oi  O''  004*  M  04  Ui  04  O  O  40  40
40  tu  4^  Oi4*  4^  h  tu  h  C\  OO  Oi04  Ln  Q  Oi  vD  M  OO  OMO
•P  Ul  0  O  O  04  Ul  l-l  tu  04  Ul  CO  C"!  l-l  40  tU  Ul  04  004  OV
tu  tu  Ol  04  tu  •'4  Ol'vj  0  OOO  O  tu  00X4040  H  M  HD  0

Nordamerika

tu  04  04  tu  tu  tu  04  tu  04  04  04  04  04  04  tU  tU  tU  tU  tU  04  tu
CO  tu  1-1  40  40  00  Oi  VO  tu  04  04  014*  04  Ol  40  Vß  04  Oi  tu  Ol
04  Ol  -P  04  O^Oi  tu  GO  Ol  tu  04  o  00  4*  OO  tu  o  Ol  40  Ox  hh

%  der
Gesamteinfuhr

*—l  HH  HH  HH  HH  HH  HH  1—1  1—1  HH  HH  1—1  1—1  1—1  1—1  HH  IU  IU  HH  HH
Ox  o  tu  HH  Ol  4»  tu  H  M  Ol  tu  0X0X04  01  Ol  IU  O  04  M  hh
40  00  0040  OX  tu  tu  Ol  4-  04  OO  tu  Ol  Ol  4^  Ol  hh  .p*.  0140  Oi
Ox  ox  Ox  0x044^04  CPOi  OO  Cioi  o\i.o  -P  -P  i-i  00  '-I  OOi
40  4^  40  Oi  O  i-i  h  M  04  tu  Oi  4  O  hh  04  Ox  Ox  hh  040  4*

Mittelamerika
und
Westindien

tu  hh  tu  tu  04  tu  tu  tu  04  tu  tU040404040&amp;gt;44  tu  tu  04
4*  COU4  04  04  OO  "tu  04  h  bovt  Ux  Ui  h  Ux  W  "tu  H  vb  bl  4*

%  der
Gesamteinfuhr

014404444040404  tu  tu  tu  tu  IU  04  04  04  tu  tu  tu
Ol  tu  tu  0004  HH  OOlM  OI  ON-P*  0X40  OOO  O  O  V  NOX
O  Ol  hh  Ln  ^4  ti  4  Ol  CMu  tu  04  o  C00104  V(M  00  HH
4*  iD  O  O  04  iO  v l  i-i  Oi  Oi  to  tu  00  tu  Ol  tu  4D  Ox  04  ltx  hh
04  tu  ox  MVD  04  o  tu  4D  OOOX  Ox  Ox  Oi  tU  04  M  O  4D  IU  O

Südamerika

00  Ol  ^4  "vj  00  OO^U  ^-4  Oi  OnOx  Oi  Ox  0&amp;gt;  Ol  CPOx  OiOx  vt  *vt
04  &amp;gt;40  Ox  bi  00  "b  04  bn  boox  OiOi\bbu'ax«U'b|bu\04^04

%  der
Gesamteinfuhr

HH
HH  OO  014  04  4*  -p.  tu  -4  014*  1U0J04OX404M4  tu  hh
04  Ln  O  HH  Ol  tu  4^-  04  00  Oi  04  Oi  M  M  CO  004*  l-l  CJi-4*
O  4*  0140  04  CO  OO  tu  hh  oi  O  Oi  tu  tu  CO  «  vi  OOVI4D  oi
0040  Oi  &amp;gt;-i  0040  hh  04  OwQ  Ox  OO  00  40  0104  tu  004^  Ox  00

Afrika

M  HH  HH  O  O  O  O  O  O  M  JH  Q  O  Q  M  O  O  HH  O  O  O
•bj  b»  bu  00  "bl  40  boox  bo  bu  'boxbobjcbjiibj^bxCb^Ip.

7o  der
Gesamteinfuhr

Ul  4  4  tu  04  04  04  04  4  4  tu  tu  tu  HH  tu  tu  tu  tu  tu  HH  tu
01M04004M014M  OiOi  04  \D  0004  Ol  OO  OO  Ol  O  O
0140  \D  tu  OI^J  M  4  Ox  CO  OOOx  04  0104  04  4^  4D  iO  tu
4  Ol  04  04  tu  4  VI  Oi  H  Ol  Oi^J  4^  4=*  hh  tu  4  O  00  40
010  4*  CO  OO  O  Oi  O  OOu  O  OO  hh  04  00  40  04  iß  tu  04  CO

Asien

OOM  M  ox  Oi’vt  Ol  Ol  00  OOOX  Ox  C\4  Ox  Ox  Ux  Oi  Ol  04  Oi
4»  bo  bo  bo  bo  04  4a.  4C  Ol4*  OX  04  bibu  04  04  4i  boboox  40

%  der
Gesamteinfuhr

O^l^J  HH  tu  tu  HH  HH
-4  OOOX  0004  O  VI  4  tu  04  tu  OOO  0104  tu  04  VI  tu  tu
HH  o  04  0104  04  tu  OX  Ul  Ol  OO  014-  4  HH  Ol  tu  o  4  0140
tu  04  OX  Ol  Ol  0140  tu  4D  00  00  OOOX  4  M  04  4  04  04  Ox

Australien

hhhhmOO  I  OOOOOOOOOOOOOOO
Ol  04  04  tu  H  1  tu  tu  HH  HH  HH  HH  tU  04  H  Ul  4  W  tU  HH-4

%  der
Gesamteinfuhr

W04MMMNMMIUMMMMMHtUtUMHHH
04  H  4)  04  4  4  0004  004C  tu  tu  tu  HH  OO  tu  4  0  4D4  4
Oi*hJ  o  04  04  OX  CO4h  •vj  hh  Oi4h  4D  04  vi  Oi  —  lux  -4  4^  40
04  O  Ql  tU  ''-1  04  00  O  OX  tU  014»  ^4  00  tU  Ox  O  ^4  hh  mW
hh  o  04*42  w  HH  -pH  ''J  tu  iß  ox  Ui  4  HH40  CO  o  04  4  VI
O  O  4*  hh  04  0104  h  M  vi  04  W  4  04  00  0140  04  hh  hh  ox

Transatlantische ­
  Einfuhr
zusammen

Ox  ox  ox  4  4  4  ox  4  Ox  ox4uiUx44444444
O  HH  HH  Q14D  *vj  tu  Ol  HH  tu  OOO  hh  CO  tu  Ul  UI  H  h  VJ  04
bj  Ln  b)  bu  OX  bn  bovO  tu  hh  4D  004h  Oi4*  4*  4*  ^4  O  Ox

%  der
Gesamteinfuhr

Tabelle  VII.
Einfuhr  Bremens  (Wert  in  1000  Mark).
        <pb n="27" />
        0v£)00'vD0'X)'£i00  OOOOCOOOOOCOOOOOOOOO
O  O  O  O  O  O  O  O  O  O'^vOOOOO'ßOvOvO
lO  00^1  GNLy»  4^  W  M  H  O  O  00^0  GNLy»  4*  OJ  N  «  O

ONUi  ON(_ri  ^WWWCwWWNWNWMMWWM
to  Ly»  |o  O  O  ^  W  OJ  00M  v£)  v£)  00W  ^  W  4»
O  00-4*  O  00-4*  *^r  Ly»  &amp;lt;J\  Q\  Gn  OwO  Ui  M  M  \£)  to  -4*  -4*
IO  4*  CO  00  M  4-  00  43  tO  hh  hh  N  M  W  Cn  w  O  -4-  M  'O
43  oo  00  N  *-h  vO  to  O  Ly«  LyJ  hOj  00^»  w  m  m  o  mui
a\  o  h  Ln  GN43  00  O  HlnsiUi  i-h  ONOn  si  vj  s|  w  H

oO  Lyn  4*.  vO  Lyn  v£&amp;gt;  Ly»  Ly»  4^  •

m  o  w  ld  co  C'  gn-4-  oors&amp;gt;OJ&amp;gt;-&amp;lt;t-Hi-iMi-&amp;lt;voooo
w  C\W  o  H  4.  IO  Gn-4-  (0  OJ  O  ONOJ  Ol  hvO-4  00  43
to  Ly»  Oo  CO  43  Gn-4*  O  O  43  &amp;gt;-h  Ly-&amp;gt;  Ly»  lO  ***l  Lyn  -4  Cn*v»  vO
00-4*  ^  L-n  4*  M  ON  OO  Lyn  Ln  CO  CO  h  OOOj  m  h  4.  Ln  vD
00  H  sj  o  O  to  i-h  O  00  M  &amp;gt;-h  Ly«  -4-  O  -4*  Lyn  m  W  M  lO

i-h  to  MW  KJtyJCyJ  IO  M  4^-  M  W  W  4-  QNLyO  4^  4*  -4-CJ'Lyn
  (Jn^  4a.  Crx  "Oslo  "on  COO  O  W  1h  bocrn  CyJ
OOM  OO  OLyn  (_nor«4i.4i,4u4i.OJ-4“-4*-4*LyJLyJ&amp;lt;&amp;gt;JOJCyJ
-4-  Lyn  Ly»  lO  43  LyJ  to  4)  -o  Ly»  i-h  lg  •-•  O  O  -4*  -4-  Ly»  -4*  Ly»
**s|  Lyn  G'  •-&amp;gt;  O  MD  O  m  O  O  lD  Ln  OvO  L.J  00  00  LyJ  -4-Ly»
  O  tO  ON  H  m  tO  LO  LyL  o  tO  GN  tO  LyJ  Ly)  C\M  O  Ln  v£)
CO  tO  Lyn  ^  j  Lyn  to  CO  CO  O  00  43  M  LO  Ln  CNLyn  IO  Lyn  Cy-&amp;gt;  Ly»
-4*  M  00  Ly»  onh-ilo  O  43  00  O  Ln  OnlD  to  .00  O  O  O
4^4^-4^4^-4&amp;gt;'-4‘-4*4^-4*-4*-4*-4*-4‘-4*LyiLy»4^4^4^-4&amp;gt;
00-4-  O  0-4*  i-h  to  Ly»  -4*  &amp;gt;-h  O'  M  043  O  O  0043  Ly»
b  4*wvjOLy»iyn  00OM  W  ONNUi

Ly»  On  GNLy»  Ly»cyn4^C&amp;gt;j4-4L.L&amp;gt;jOJ  to  to  to  t-i  to  i-h  to  10
Ly*  -4*  to  m  to  GN43  O  h  O  M\0  4  MvO  OO  NW
O  hh  00"4  Ly»  vj  4^  -4  *4  O  to  43  O  00  4*  Lyo  43  OM
Ni  mvD  M  (w  Ln  OON  CO  O  M  4*  to  *-&amp;lt;  04  Ly»  l£&amp;gt;  43
Ly»  LyO  CTn  O  O  *-h  ONO  O'  N  O'^ILy)  M  00  GN  ON-4“  tO  O
N&amp;gt;  O  00  to  43  CT'43  N  Ln  vO  Ln  to  -4-  -4-  O  43  Ly»  to  GN”^t

ONCNM  to  -4*  Lyo  Ly»  to  LyO  h  W  to  Ly)

ONLy»  CN  Ly»  O'  O'  M  Ly»  Ly»  43  -4*  Ly»  10  to  Ly»  on**4  Ly»  ONLyn
Ly»  43  ON  CNLyn  O  00-4*  Oo  -4*  Ly»  Ly)  O  ONLy)  0-4-  i-h  Lyn  Q
ON  h  Ln  GN  ONL-n  L.J  Lf»  4)  -4  O  O  L»J  O  Ln  ONLy)  M  CO  “
-4  -4  W  Ln  O  ON  Lyn  LnWW  HLnMMHM^NH^

O  43  to  43  00  00  CO  *-j  CO  O  M  00^1  Gn  GNLyn  M  O'  CO
'-r  Lyn  M  W  O  W)  O  hh  4*  CO  h  O  N  CO  ^4  m  M  O
43  OLyn  to  O  O  O'  LyJ  W4  NOOONWQhWN^
ON  t-i  0043  ^-r  ON-4-  h  W  W  W  M  O  ON43  4*  CO  N  4
-4*-  On  O  Ly»  Ly»  LyJ  43  M  i-&amp;lt;  Ly&amp;gt;  Ly»  O'Ln  O  Ly»  00  43  Ly»  40  Q\

,  4».  H  VO  ON

OnLy»  O  O  (3  0^4  O'^J  4)  0045  '^1  OO  00  GO  O  GO  O  00
M  **«i  Lyn  &amp;lt;y»  h  4  4  OOLy»  to  to  0^43  Ly»  4*.  4^  -4  Ly»  CO  h

O  (T  O  Ln  M  to  Ly»  O  45  43  Oo  i-(  to  Lyn  hh  O  O  M  045
4^.  &amp;gt;-&amp;lt;  CO  C&amp;gt;o  M  W  Ln  H-tyn  to  43  O  O  to  M  O  4  Ly»  i-hC^o
vX3-4*Ly&amp;gt;  ON  »- 1  Lyn  tO^v»Ly»Cy0Ly»^r  CO  -4-  O  m  0*^1
W  Ln  to  M  C  -4  OWLyntOWCOtOMtOHCOMOOOO

00  45  *vi  ON  00  '''T  *^-1  ON  ONLyn  ONLy»  Lyn  4*  4^.  C'ONLy»
Ly»  ON-4*  ni  iT  h  43  h  Oj  O  i-h  CO  h  O  M^tOOto  00  CT
0-4*43  »-(  to-4*  &amp;gt;-&amp;lt;  hh  CO  O  43  Ly»  to  h  43  4  vi  10  0043
Ly»  G - -  O  -4*  L&amp;gt;o  OO  G'  OO  O  i-i  O  Ln  hh  (3  N  O  ONto^lLy»
Q\  io  ON  Lyo  Gn43  LyJ  t-i  to  -4*  Lyn  gn»-*  to  00  h  W  Ly»  m
4i  Ly»  Ly»  Ly»  Ly»  O'T'C'C'O'T'O'O'O'O'C'O'  00  45
4L.  1h  "m  "to  O  Ln  C\  O  OOW  OO  h  GN43  ^  1h  *os
45  GN  00  tnWWNHWtOWtOMNHHHH
C,j  -^1  --I  h  W  GNLyJLynv£&amp;gt;  O  Ly»  to  -4*  -4-  00"&amp;gt;4  m  m\
40  Ly»  Gn^I  to  to  hh  43  COG&amp;gt;h  O  O  -4-  Lyo  4^  QN  ONLyn  •
Hin  h  h  OW  GNLy»  to  O  O  M  h  CO  to  O  m  *-h  s
h  43  CN'n^'M  1-1  O  -4-  O  OOLy»  i-h  OO  Ly»  Lyn  1-14».

Ly»  4h  4-  4-  4-  to  to  M  M  to  NW  tOCyJOJJOJO  M
4^  C3  bo  CO  'o  OOM  b  bo  00  -4*  O  -4-  4-  Cn  Ly»  qn

0043  43  00^0  ON  Ly»  Ly»  CN-4*  Ly»-4.^4^LyOCyOLyO-4-LyO
43L&amp;gt;o  00OLy»Ly»43  43  43-4*  45Ly0^J  i-h  0-4^^-»  O  h  \£|
Lyn  to  43  -4-  w  Gn  to  O  GN  h  w  Ln  M  to  toLy»-4*  to  Gn-4*
i-h  OOLy»  LyO  h  vj  4.  lD  O  GN^f  ON^t  i-h  43  00  CO4-  to  45
-4-  to  Ly»  43  O  to  O  O  C'  CO  «  Oj  Cn  to-4-Oo  00
O  Gn-4-  W  Lu  On  to  43  1045  G'  h  O  Gn  L/J  -4-  -4*  Lyo  OO
Lyn(_riLynLynLynLynLynLynLy»LynLynLynLynCynLyn4^LynLynLynLyn
hh  Lyn  LyO  LyO  CT'  GO  ^  l  -4*  Lyn  00-4-^LyJ  O  O  O  m  Q  4*  M
4i*  LyJ  "gn  bob)  4^-  br'45O0  C5  Lyn  Lyn  lo  C3  COOO-4*  CO  "-I

Deutsches
Reich

%  der
Gesamteinfuhr

Übriges
Europa

% der
Gesamteinfuhr
Europa
zusammen
% der
Gesamteinfuhr

Nordamerika
% der
Gesamteinfuhr
Mittelamerika
und
Westindien
% der
Gesamteinfuhr
Südamerika
% der
Gesamteinfuhr
Afrika

% der
Gesamteinfuhr

Asien
% der
Gesamteinfuhr
Australien

%  der
Gesamteinfuhr
Transatlantische ­
  Einfuhr
zusammen
% der
Gesamteinfuhr

Tabelle  VII  (Fortsetzung).
Einfuhr  Bremens  (Wert  in  1000  Mark).
        <pb n="28" />
        24

i8gg  und  dann  von  igoi  an  wird  dieser  wieder  überschritten.
Selbst  der  Höhepunkt  des  Jahres  1907  weist  gegen  1873  nur
eine  Steigerung  von  1:  1,8  auf  —  ein  Verhältnis,  das  ziemlich  erheblich ­
  hinter  dem  Durchschnitt  der  Steigerung  der  Gesamteinfuhr
zurückbleibt.  Es  ist  also  ein  relativer  Rückgang  zu  konstatieren.
Die  »Einfuhr  von  Nordamerika«  begreift  bis  auf  einen
verschwindend  geringen  Rest  diejenige  aus  den  Vereinigten
Staaten  in  sich.  Sie  ist  es,  die  dem  Überseehandel  Bremens,  ja
der  ganzen  Stadt  das  besondere  Gepräge  gibt.  Mehr  als  der
dritte  Teil  der  gesamten  Einfuhr,  mehr  als  die  Hälfte  der  außerdeutschen ­
  Einfuhr  kommt  von  dort.  Nicht  nur  absolut,  sondern
auch  relativ  sind  die  Handelsbeziehungen  Bremens  mit  der  Union
immer  wichtiger  geworden.  Von  ungefähr  1 / i  in  den  Anfangsjahren ­
  der  Tabelle  stieg  der  Anteil  an  der  Gesamteinfuhr  auf
jetzt  fast  2 / s .  Bis  1908  überstieg  sie  sogar  die  aus  Deutschland  selbst,
und  man  empfindet,  daß  das  Scherzwort,  Bremen  sei  eine  Vorstadt ­
  New-York’s,  nicht  der  Berechtigung  ermangelt.  Die  Einfuhrkurve ­
  weist  eine  ruhige,  gleichmäßige  Führung  auf.  Daß
1908  trotz  des  Konjunkturrückganges  und  der  starken  Stockungen ­
  im  Handelsverkehr  gegen  das  Vorjahr  sogar  noch  eine  Steigerung
aufweist,  ist  ausschließlich  auf  das  Konto  der  großen  Preissteigerung ­
  von  Baumwolle  zu  schreiben  und  umgekehrt  der  Abschlag
des  letzten  Jahres  auf  eine  ziemlich  erhebliche  Baumwollmindereinfuhr.
  Im  ganzen  eine  hocherfreuiiche  Entwicklung  —  leider
gefährlich  dadurch,  daß  bei  den  tausendfältigen  regen  Wechselbeziehungen ­
  die  konvulsivischen  Zuckungen  im  Wirtschaftskörper
eines  Riesenreiches  unmittelbar  auf  ein  kleines  Gemeinwesen
übertragen  werden.
Als  minder  günstig  ist  die  Entwicklung  des  mittelamerikanisch-westindischen
  Einfuhrhandels  anzusprechen.
Relativ  ist  die  Einfuhr  von  4,2%  des  Gesamtwertes  i.  J.  1873  auf
jetzt  i°/ 0  gesunken.  Auch  absolut  bedeutet  das  Jahr  1873  den
Höhepunkt,  denn  die  damalige  Einfuhr  übersteigt  den  Jahresdurchschnitt ­
  des  letzten  Jahrzehnts  um  1 / 3 !  Das  ist  eine  überaus
traurige  Entwicklung.  Man  soll  sich  nicht  damit  entschuldigen,
daß  man  sagt,  jene  kleinen  Raubstaaten  und  die  reiche  Inselwelt ­
  gerieten  in  eine  immer  größere  politische  und  kommerzielle
Abhängigkeit  von  ihrem  großen  nördlichen  Bruder.  Dies  ist  gewiß ­
  eine  Tatsache,  die  zu  klar  ersichtlich  ist  als  daß  man  sie  bestreiten ­
  dürfte.  Aber  wenn  man  die  Ziffern  des  Hamburger
PTandels  dagegen  hält,  kann  man  sie  als  Entschuldigung  nicht
        <pb n="29" />
        mehr  gelten  lassen.  Die  Pflege  der  Beziehungen  mit  Mittelamerika ­
  ist  von  Bremen  leider  direkt  vernachlässigt  worden.
Auch  der  Handel  mit  Südamerika  hätte  sich  reger  entwickeln ­
  können.  Er  zieht  sich  immer  mehr  nach  Hamburg  hin,
und  es  dürfte  kaum  zu  viel  gesagt  sein,  jene  weiten,  deutscher
Beeinflussung  noch  zugänglichen  Gebiete  eine  Domäne  Hamburgs ­
  zu  nennen.  Bremen  ist  trotz  der  Schiffsverbindungen,  die
es  durch  den  Norddeutschen  Lloyd  und  die  Hansa  mit  Brasilien
und  den  La  Plata-Staaten  unterhält,  vollständig  in  den  Hintergrund ­
  gedrängt  worden.  Vollends  sein  direkter  Verkehr  mit  der
andinischen  Küste  ist  gleich  Null,  die  Hamburger  Kosmos-Linie
hatte  dort  bis  zur  Zeit  der  erst  in  den  allerletzten  Jahren  aufgenommenen
  Expeditionen  der  mit  dem  Lloyd  in  enger  Verbindung ­
  stehenden  Bremer  Roland-Linie  fast  ein  Monopol.  Diese
Entwicklung  ist  um  so  mehr  zu  bedauern,  als  Südamerika,  besonders ­
  in  der  gemäßigten  Zone,  noch  eine  große  Zukunft  vor  sich
hat.  —  Einfuhr  und  Ausfuhr  gehen  Hand  in  Hand,  schon  wegen
der  Rückfrachten  und  der  entstehenden  bankmäßigen  Verbindungen. ­
  Wohin  soll  Deutschland  seine  Industrieerzeugnisse  schicken,
wenn  Nordamerika  für  uns  verloren,  im  fernen  Osten  nach  Vollendung ­
  des  Panamakanals  und  nach  Aufteilung  der  Absatzgebiete
des  Stillen  Ozeans  die  Tür  zugemacht  sein,  Australien  sich  auf
eigene  Füße  gestellt  haben  wird?  Dann  wird  unzweifelhaft  Südamerika ­
  erhöhte  Bedeutung  erlangen,  und  Bremen  als  der  eine
der  beiden  deutschen  Seehäfen  muß  deshalb  darauf  bedacht  sein,  sich
dort  als  Ersatz  für  schwere  anderweitige  Verluste  schadlos  zu
halten.  —  Daß  sich  die  Einfuhr  von  Südamerika  in  den  letzten
vierzig  Jahren  vervierfacht  hat,  will  bei  den  kleinen  Summen,  um
die  es  sich  handelt,  wenig  besagen.  Viel  schwerer  fällt  der  relative
Rückgang  ins  Gewicht.
Bezüglich  Afrikas  entwickelten  sich  die  Verhältnisse  insofern ­
  für  Bremen  etwas  günstiger  als  es  seine  Einfuhr  von  dort
absolut  und  relativ  vergrößern  konnte.  Sind  die  Erfolge  auch
noch  klein  —  es  sind  immerhin  Erfolge,  und  diese  verdienen  hervorgehoben ­
  zu  werden,  um  so  mehr,  da  sie  gegen  eine  übermächtige ­
  Konkurrenz  erzielt  wurden.
Die  Entwicklung  des  asiatischen  Einfuhrhandels
geht  ihren  ruhigen,  etwas  schwerfälligen  Gang.  Kein  plötzliches
Emporschnellen  oder  Sinken  der  Zahlen.  Kein  freudiges,  kräftiges
Vorwärtsstürmen.  Man  hat  unwillkürlich  den  Eindruck:  die
Steigerung  erfolgt,  nicht  weil  Bremen  besondere  Anstrengungen
        <pb n="30" />
        26

macht,  sondern  einfach  deshalb,  weil  der  Bedarf  Deutschlands
an  Erzeugnissen  jener  Gebiete  gewachsen  ist  und  ein  Teil  der
Waren  naturgemäß  auch  über  Bremen  als  den  einen  Anlaufhafen
der  Dampfer  (und  Reissegler!)  der  Ost-  und  Südostasienfahrt
gehen  muß.  Man  sollte  meinen,  die  vom  Lloyd  eingerichteten
subventionierten  Linien  hätten  für  Bremen  bezügl.  der  Einfuhr
befruchtender  gewirkt.  Daß  die  Lloyddampfer  ohne  Frachterhöhung ­
  wechselweis  auch  Hamburg  anlaufen  müssen,  war  ein  kluger
lokalpatriotischer  Schachzug  der  Hamburg-Amerika-Linie.
i  Um  so  erfreulicher  mutet  die  außerordentliche  Steigerung
der  Einfuhr  von  Australien  und  seiner  weiten  Inselwelt  an.
Unzweifelhaft  haben  die  Lloydfahrten  und  ihre  allmähliche,  dem
tatsächlichen  Bedürfnis  zuerst  kühn  vorauseilende  Ausgestaltung
als  kräftigster  Ansporn  gedient.  Eingerichtet  wurden  sie  zuerst
i.  J.  1886.  Seit  1887  datiert  dann  eine  plötzliche  große  Steigerung ­
  der  Einfuhr.  War  sie  bis  dahin  gänzlich  unbedeutend  geblieben, ­
  ja  sogar  etwas  zurückgegangen,  so  schnellt  sie  seit  jenem
Jahre  sprungweise  auf.  Schon  1895  hat  sie  sich  ungefähr  vervierfacht. ­
  1905  hat  sich  die  Zahl  von  1895  abermals  verdoppelt
und  ist  seitdem  noch  schnell  weiter  gestiegen.  Schon  hat  Australien ­
  die  Einfuhr  Bremens  aus  Afrika  um  das  Mehrfache  überholt ­
  und  hat  im  letzten  Jahre  sogar  diejenige  aus  Asien  hinter
sich  gelassen.  Wenn  irgendwo,  so  zeigt  sich  hier  in  vollster  und
überzeugendster  Deutlichkeit  die  Wahrheit  des  Wortes  The  trade
follows  the  flag  (hier  der  Handelsflagge,  der  friedlich  erobernden ­
  Kauffahrteischiffahrt).
Allerdings  lagen  und  liegen  noch  die  Verhältnisse  in  Australien ­
  für  Bremen  günstiger  als  die  afrikanischen.  Im  dunklen  Erdteil ­
  hat  Bremen  mit  einer  alteingeführten  Konkurrenz  Hamburgs,
die  durch  fast  monopolistische  Schiffsverbindungen  unterstützt
wird,  zu  rechnen.  '  Neueingerichtete  direkte  Frachtdampferlinien
können  nur  langsam  einen  Teil  des  Handels  auf  Bremen  überleiten. ­
  Die  Aufnahme  des  Kampfes  gegen  außerdeutsche  Konkurrenz ­
  wäre  leichter,  da  naturgemäß  jedem  Lande  mehr  daran
liegt,  neue  Beziehungen  zu  fremden  Ländern  aufzunehmen,  um
seinen  Handel  auf  eine  räumlich  breitere  Basis  zu  stellen,  als
daran,  innerhalb  jener  politisch  abgegrenzten  Gebiete  ohne  Erreichung ­
  von  Vorteilen  nur  mit  den  Häfen  zu  wechseln.  Hamburgs ­
  Beziehungen  zu  Afrika  sind  schon  alt.  Australien  dagegen
trat  überhaupt  erst  spät  in  den  Kreis  des  deutschen  Handelsverkehrs ­
  ein,  war  auch  für  Hamburg  terra  nova.  Daß  es  Bremen
        <pb n="31" />
        27

gelang,  hier  seinen  Platz  neben  der  Elbstadt  ruhmvoll  zu  behaupten, ­
  darf  als  Beweis  dafür  angesehen  werden,  daß  es  im
transatlantischen  Verkehr  an  sich  überall  und  für  alle
Einfuhrartikel  dazu  in  der  Lage  ist.
7.  Bremens  Außenhandel:  Ausfuhr.
Die  Gesamtausfuhr  Bremens,  einschließlich  derjenigen  nach
dem  Deutschen  Reiche,  ist  in  Tabelle  8  dargestellt.
Die  Ausfuhr  nach  dem  außerdeutschen  Europa  macht
an  und  für  sich  einen  ganz  günstigen  Eindruck.  Bis  in  die  Mitte
der  70  er  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts  ziemlich  auf  derselben
Höhe  geblieben,  ließ  sie  die  Kurve  der  absoluten  Zahlen  seitdem
scharf  nach  oben  steigen.  Auch  ihr  wertprozentualer  Anteil  an
der  Gesamtausfuhr  ist  im  Wachsen  und  erreichte  1908  seinen  Höhepunkt. ­
  Die  Beendigung  der  Unterweserkorrektion  und  der  daraufhin ­
  erfolgende  Ausbau  der  europäischen  Schiffahrtslinien,  die  nun
in  Bremen-Stadt  einen  lange  vermißten  Stützpunkt  fanden,  haben
zweifellos  das  Hauptverdienst  an  dieser  Entwickelung  zu  beanspruchen. ­
  Ich  will  hier  noch  nicht  weiter  untersuchen,  ob  nicht
die  Steigerung  absolut  und  relativ  eine  noch  höhere  hätte  sein
müssen.  Im  Verhältnis  zur  übrigen  Ausfuhr  schneidet  die
europäische  Ausfuhr  jedenfalls  günstig  ab.
Um  so  unerfreulicher  hat  sich  die  Ausfuhr  nach  Nordamerika ­
  entwickelt.  Von  21,9°/ 0  der  Gesamtausfuhr  i,  J.  1869  ist
sie  auf  9,1%  i-J.  1908  gesunken,  nachdem  sie  in  den  ersten  Jahren
dieses  Jahrhunderts  gar  noch  zu  einem  geringeren  Prozentsatz  beteiligt ­
  war.  Der  Stand  der  Ausfuhr  von  1872  wurde  erst  seit
1905  wieder  unwesentlich  überholt;  in  den  dazwischen  liegenden
32  Jahren  war  er  nicht  weniger  als  28  mal  unterschritten  worden.
Es  muß  sogar  bezweifelt  werden,  daß  die  geringe  absolute
Steigerung  der  letzten  paar  Jahre  wird  durchgehalten  werden
können.  Es  hängt  dies  mit  von  den  Wegen  ab,  die  die  Zollpolitik
der  Vereinigten  Staaten  einschlagen  wird.
Deren  hochschutzzöllnerische  Bestrebungen  sind  allgemein
bekannt.  Ebenso,  daß  sie  die  Ausfuhr  des  Deutschen  Reiches
nach  dort  auf  wichtigen  Industriegebieten  z.  T.  schon  ganz  erheblich ­
  zurückgedrängt  haben.  Diese  Tatsachen  müssen  selbstredend
auch  in  den  Ausfuhrzahlen  Bremens  zum  Ausdruck  gelangen.  So
ist  der  Rückgang  der  bremischen  Ausfuhr  um  rund  20°/ 0 ,  der
1891  zu  verzeichnen  ist,  auf  das  Konto  des  1890  in  Kraft  getretenen ­
  Mc  Kinley-Tarifes  mit  seinem  ausgesprochen  protek-
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        OwvOOO^OOjOjO'OOO'OwhvOOCOOO
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Europa
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Nordamerika ­


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Mittelamerika
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Südamerika

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M-fi-OCOCOKJKJMbJO  00  OJ  NO  GO  O  bJ  CO  OOM  O  O
4  CO  OJ  4  VO  4  Oi  O  M  bJ  -4  On  VO  OJ  M  O  COOJ  Oi  M  On

Afrika

o  o  o  o  o  o  o  p  p  p  p  p  p  p  p  p  p  p  o  p  o
Kl  H  H  b  H  ~M  bi  bi  bi  M  b  M  M  K&amp;gt;

ONOJ  bO  On
OJ  M  OOM  OMMM  On  On  ONOJ  M  VO  m  00  On  10  vO  On  M
m  COOJ  m  O  VO  4^  ON  ON  4  vO  OJ  CO  Oi  OJ  On  M  On  On  Oj  O
On  M  bO  OJ  CO  00  m  nO  00  O  4*-  m  bi  4  4  O  On  4  M  Oi  OJ
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Asien

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Australien

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O  vO  OM  On  b)  On  00  4»-  OOM  hoj  4  4  04*  bi  On  bJ  Oj
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Transatlantische ­
  Ausfuhr
zusammen

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OJ  Oj  bi  4-  m  m  nO  b)  NO  h  On  On  On  4  M  O  OM  CO  ^m  4
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M  000n0n0n0i44440j440i  On  ON  4-  4  OJ  4
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On  0  4  OvOMOo40nvOvO  O  OJ  On  Oj  On  O  On  On  On  m
-vj  bi  OJ  m  OnvO  m  0  COOJ  On  4  O  OJ  On  bJ  OnvO  m  nO  4

Zur  Ausrüs
tung  der
Handelsflotte

Tabelle  VIII.
Äusfuhr  Bremens  (Wert  in  iooo  Mark).
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        Tabelle  VIII  (Fortsetzung).
Ausfuhr  Bremens  (Wert  in  1000  Mark).
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        3°

tionistischen  Charakter  zu  setzen.  So  bewirkt  die  Wilson’sche
Zollermäßigung  von  1894  schon  im  nächsten  Jahre  ein  Aufschnellen
der  Ausfuhr  über  den  bis  dahin  erreichten  Höchststand.  So  wirft
1897/98  der  Dingley-Tarif  mit  seiner  erneuten  Zollerhöhung,  besonders ­
  für  Woll-  und  Baumwollwaren,  die  Ausfuhr  wieder  um
33°/ 0  zurück!  —  Wenn  man  aber  die  bremischen  Zahlen  mit  den
hamburgischen  und  gesamtdeutschen  vergleicht,  so  zeigt  sich  doch,
daß  Bremen  hier  zurückgeblieben  ist,  daß  sein  Ausfuhrhandel
nach  der  Union  mit  dem  hamburgischen  nicht  Schritt  zu  halten
vermochte  (vergl.  S.  39  und  Tabelle  13).
Betreffs  Mittelamerikas  ist  wenig  zu  sagen.  Hamburg
sitzt  dort  zu  fest  im  Sattel  als  daß  Bremen  noch  viel  Aussicht
hätte  neben  ihm  mehr  Fuß  zu  fassen,  Wohl  hat  es  in  den  letzten
Jahren  an  Bestrebungen  in  dieser  Richtung  nicht  gefehlt,  wie
denn  auch  z.  B.  der  Norddeutsche  Lloyd  1901  eine  westindische
Linie  einrichtete,  aber  leider  sind  sie  bislang  nicht  von  besonderem
Erfolge  gekrönt  worden.
Anders  in  Südamerika.  Dort  ist  ein  Erfolg  unverkennbar.
Er  setzte  mit  der  Einrichtung  der  Lloyd-  und  Hansafahrten  in  den
70er  Jahren  ein.  Bis  1890  zwar  steigen  die  Zahlen  nur  langsarm
doch  hat  sich  die  Ausfuhr  seitdem  verfünffacht  und  arbeitet
weiter  unter  günstigen  Bedingungen.
Auch  der  bremische  Handel  nach  Asien  hat  gute  Fortschritte ­
  gemacht.  Bemerkenswert  ist,  daß  er  sich  von  1869  bis
1885  in  minimalen  Grenzen  hielt  und  trotzdem  einen  tatsächlichen
Rückgang  erlitt.  1886  setzt  dann  eine  kräftige  Aufwärtsbewegung
ein,  bedingt  durch  die  Aufnahme  regelmäßiger  Fahrten  nach  dem
fernen  Osten  durch  den  Norddeutschen  Lloyd:  am  30.  Juni  1886
verließ  der  erste  Reichspostdampfer,  die  „Oder“,  Bremerhaven  zur
ersten  Fahrt  nach  Ostasien,  14  Tage  später  der  „Salier“  zur  ersten
Reise  nach  Australien.  Bereits  nach  zwei  Jahren  trat  eine  Verzwölffachung
  der  Ausfuhr  ein,  und  die  Steigerung  hat  seitdem
angehalten.
Auch  in  der  Ausfuhr  nach  Australien  bedeutet  die  Aufnahme ­
  der  Reichspostdampferfahrten  eine  entscheidende  Wendung
zum  Besseren.  Wenn  sie  sich  nicht  in  dem  Maße  gehoben  hat
wie  die  nach  Asien,  so  ist  das  darauf  zurückzuführen,  daß  Australien
sich  inbezug  auf  Volkszahl  und  Kaufkraft  nicht  entfernt  mit  Südostasien, ­
  dem  bedeutendsten  Bevölkerungsverdichtungsgebiet  der
ganzen  Erde,  messen  kann.
Daß  es  Bremen  gelang,  vor  nunmehr  gut  zwanzig  Jahren
        <pb n="35" />
        oi

die  regelmäßigen  Fahrten  nach  Ostasien  und  Australien  einzurichten, ­
  ist  vielleicht  seine  Rettung  gewesen.  Fiel  der  Verkehrszuwachs ­
  doch  gerade  in  eine  überaus  kritische  Periode,  in  eine
Zeit,  wo  Bremen  verurteilt  schien,  seine  Rolle  als  Seehandelsstadt
mit  derjenigen  eines  unbedeutenden  Binnenplatzes  in  verkehrsarmer ­
  Gegend  zu  vertauschen.  Und  ferner  trugen  die  Fahrten
der  Reichspostdampfer  dazu  bei,  den  Handel  Bremens  von  allzugroßer ­
  räumlicher  Einseitigkeit  zu  befreien.  Sie  schufen  ein
Gegengewicht  zum  nordamerikanischen  Verkehr,  der  1885  noch
4 /s  der  gesamten  transatlantischen  Ausfuhr  absorbiert  hatte;  jetzt
befördern  sie  schon  1 / 3  der  transozeanischen  Ausfuhr,  während  der
Anteil  Nordamerikas  an  dieser  auf  etwa  50%,  zurückgegangen  ist.
Die  Tabelle  9  stellt  das  relative  Wachstum  der  Wertzahlen
des  Ein-  und  Ausfuhrhandels  Bremens  dar.
Als  Vergleichsjahr  wurde  1888,  das  Anfangsjahr  der  letzten
zwanzigjährigen  Periode,  genommen  und  dessen  Handelswerte
überall  gleich  100  gerechnet.  So  ergibt  sich,  wenn  man  die  Tabelle
etwas  erläutern  darf:
Die  Gesamtüberseeeinfuhr  ist  relativ  stärker  gestiegen  als  die
Gesamtüberseeausfuhr.  Im  großen  und  ganzen  ist  erstere  auch
weniger  Schwankungen  unterworfen.  Die  Mißernte  —  es  handelt
sich  bei  ihr  ja  hauptsächlich  um  Naturerzeugnisse  —-  eines  Teiles
der  Welt  wird  durch  erhöhten  Bezug  aus  andern  Ländern  ziemlich ­
  ausgeglichen.  Die  Ausfuhr  dagegen,  d.  h.  in  erster  Linie  der
Verbrauch  von  Fabrikaten,  ist  von  vielerlei  Umständen  beeinflußbar. ­
  Bei  der  tausendfältigen  Verschlingung  und  Verwebung  der
wirtschaftlichen  Fäden,  die  von  Land  zu  Land,  von  Erdteil  zu
Erdteil  hinüber  und  herüber  laufen,  wirken  Depressionen  des
Handelslebens  eines  Erdgebietes  nachteilig  auf  die  Kauflust  und
Aufnahmefähigkeit  weitester  Gebiete  ein.  Dies  gilt  auch  von  Beunruhigungen ­
  des  Handels,  die  durch  vielleicht  nur  erst  beabsichtigte ­
  Änderungen  der  Gesetzgebung,  wie  Ein-  und  Ausfuhrverbote, ­
  Zoll-  und  Verzollungsänderungen  usw.,  hervorgerufen
werden.
Über  dem  Durchschnitt  hielt  sich  die  Einfuhr  von  Nordamerika ­
  und  Australien  (im  letzten  Jahre  auch  Afrika)  und  die
Ausfuhr  nach  Mittelamerika,  Südamerika,  Afrika,  Asien  und
Australien.  Den  Durchschnitt  der  Steigerung  nicht  erreichten  die
Einfuhr  von  Mittel-  und  Südamerika,  Asien  und  Afrika,  (abgesehen
vom  letzten  Jahre)  und  die  Ausfuhr  nach  Nordamerika.
Selbstredend  muß  man  sich  zur  Berichtigung  seiner  Meinung
        <pb n="36" />
        Tabelle  IX.
Relativzahlen  des  bremischen  Ein-  und  Äusfuhrhandcls  von  Übersee.

Jahr

E  i  n  f  u  h

Ausfuhr

Nordamerika ­


Mittel-Amerika


Süd-Amerika


Afrika

Asien

Australien

Durchschnittlich ­


Nord-Amerika


Mittel-Amerika


Süd-Amerika


Afrika

Asien

Australien

Durchschnittlich ­


1869

45

107

59

17

42

17

47

74

135

21

58

13

8

58

1873

77

204

72

45

60

28

76

98

254

32

58

4

7

76

1878

79

141

57

28

49

3

71

61

106

42

75

IO

9

51

1883

98

113

95

5°

75

12

91

86

H5

107

74

5

13

75

1888

100

100

100

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

IOO

188g

94

147

129

132

116

133

106

109

137

102

167

118

83

108

1890

117

138

143

HO

119

254

125

132

154

78

112

131

80

123

1891

ii 4

153

193

118

144

148

131

106

91

83

78

107

79

101

1892

100

140

1 44

146

130

149

114

129

160

97

103

HO

53

117

1893

102

161

181

122

102

226

118

HO

192

99

190

164

6l

113

1894

98

154

136

n8

IOO

236

109

108

163

107

87

205

92

117

1895

ns

i 4 i

158

137

HO

351

127

152

97

108

128

201

95

147

1896

121

117

163

179

105

314

130

134

90

130

133

258

143

147

1897

149

m

167

141

128

3°8

151

143

x 33

119

166

239

155

152

1898

165

141

209

130

122

411

169

94

107

130

151

241

145

117

1899

152

134

174

163

130

322

155

83

134

113

178

265

136

HO

1900

206

179

238

108

146

393

202

98

IO4

IOO

290

299

196

128

IQOI

205

142

189

112

133

254

188

85

90

145

280

287

183

121

1902

198

142

172

119

148

333

186

IOO

278

148

347

268

155

130

1903

233

ns

210

158

165

425

218

113

248

182

294

329

165

150

1904

265

148

195

145

I70

4 6 5

239

III

251

191

245

364

167

152

1905

259

153

193

207

138

682

237

129

327

213

328

445

153

176

1906

265

144

228

180

l6l

919

254

164

428

281

512

4IO

J 79

208

1907

326

153

283

244

198

1123

312

236

459

382

559

449

264

280

1908

327

147

224

189

180

866

294

158

518

360

581

445

343

230

1909

286

153

253

357

158

1204

282

209

672

369

559

424

316

265
        <pb n="37" />
        33

Gehrke,  Bremens  Warenhandel.

3

stets  die  absoluten  Zahlen  mit  vergegenwärtigen.  Es  ist  klar,  daß
sich  der  Handel  mit  Ländern,  wo  er  schon  eine  gewisse  Höhe  oder
gar  Sättigung  erreicht  hat,  relativ  nicht  in  dem  Maße  heben  kann
wie  solcher  mit  Ländern,  die,  wie  Australien  z.  B.,  zur  Zeit  des
Beginns  der  Vergleichsperiode  in  einem  nennenswerten  Warenaustausch ­
  mit  Bremen  überhaupt  noch  nicht  standen.  Man  vergleiche ­
  also  hierbei  die  Tabellen  7  und  8.
Es  ist  eine  schon  kurz  erwähnte  Tatsache,  daß  die  Einfuhr
Deutschlands  sowohl  wie  Bremens  dem  Werte  und  der  Menge
nach  die  Ausfuhr  nicht  unbedeutend  übersteigt.  Wenn  nun  auch
eine  passive  Handelsbilanz  für  Deutschland  keine  Gefahr  bedeutet,
weil  das  Ausland  auch  Deutschlands  Transportleistungen  bezahlen
und  ihm  die  von  ihm  hergegebenen  Gelder  verzinsen  muß,  so  ist
es  für  einen  Speditionsplatz,  wie  Bremen  einer  ist,  doch  wünschenswert, ­
  daß  Ein-  und  Ausfuhr  sich  möglichst  das  Gegengewicht
halten.  Nicht  nur  wegen  der  Rentabilität  der  Schiffahrt  (Rückfrachten ­
  in  ausgehender  Fahrt)  wegen  besserer  Ausnutzung  des
Schiffsraumes,  sondern  auch  deshalb,  weil  an  der  Fabrikatausfuhr
von  den  Handelshäusern  in  den  Seestädten  in  der  Regel  am
meisten  verdient  wird.  Es  muß  also  danach  gestrebt  werden,  möglichst ­
  viel  der  für  das  Ausland  via  mare  bestimmten  Waren  über
die  eigene  Stadt  zu  leiten.  Wenn  auch  die  Zufuhrwege  von
Binnendeutschland  und  überhaupt  von  dem  innerkontinentalen
Europa  andere  Plätze,  besonders  Hamburg  und  Rotterdam,  mehr
begünstigen  —  unbestreitbar  ist  doch,  daß  diese  Schwierigkeit
überwunden  werden  kann,  wenn  der  Fabrikant  einfach  gezwungen
ist,  seine  Güter  nach  einem  bestimmten  Platze,  in  diesem  Falle
nach  Bremen,  zu  verfrachten.  Der  binnendeutsche,  österreichische
und  schweizerische  Fabrikant  tritt  aus  verschiedenen  schwerwiegenden ­
  Gründen  nur  in  den  seltensten  Fällen  mit  überseeischen
Interessenten  in  unmittelbare  Verbindung:  das  Handelshaus  des
Hafenplatzes  ist  es,  das  sie  herstellen  und  pflegen  muß;  der
Exporteur  an  der  Wasserkante  sucht  für  die  binnenländischen
Industrieerzeugnisse  im  Auslande  Absatz,  um  daran  die  »Kommission«
(seltener  kauft  er  auf  eigene  Rechnung)  zu  verdienen.  Also  liegt
es  sehr  wohl  in  der  Hand  einer  Seestadt,  den  Verkehr  nach
drüben  in  manchen  Artikeln  an  sich  zu  ziehen,  wenn  ihre  Kaufmannschaft ­
  genügend  Kapital,  Unternehmungsgeist  und  weiten
Blick  besitzt.  Zum  sinnfälligen  Ausdruck  kommt  dies  in  dem
Größenverhältnis,  in  dem  Ein-  und  Ausfuhrhandel  zu  einander
stehen.
        <pb n="38" />
        Jahr

Nord-Amerika


Mittel-Amerika


Süd-Amerika


Afrika

Asien

Australien

Total
Außereuropa ­


1869

43-5

18.0

10.0

25-5

9.0

38.0

34-°

1873

37-o

18.0

12.0

II.O

2.0

25-5

29.5

1878

26.5

n-5

18.5

21.0

5-5

77.0

23.0

1883

29.0

18.5

26.0

12.5

2.0

58.0

25-5

1888

32.0

15.0

23.5

10.0

22.5

57-o

29-5

1893

33-5

17.0

14-5

13-5

31-5

26.5

28.5

1898

21.0

n-5

16.0

10.5

36.0

32.0

22.5

1903

18.5

26.5

21.0

15-5

36-5

34-°

22.0

1908

18.5

38.0

33-o

23-5

41-5

34-5

24-5

1909

25-5

43-5

31. 0

13-5

43-5

25-5

28.0

Wie  aus  der  Tabelle  hervorgeht,  ist  der  Anteil  der  Ausfuhr
am  gesamten  Überseehandel  von  34  °/ 0  i.  J.  1869  auf  2  g 1  j 2 °l 0  i.  J.
1888  und  gar  auf  22%  i.  J.  1903  gesunken,  um  sich  bis  1909  wieder
auf  28%  zu  erhöhen,  M.  a.  W.:  1869  verhielten  sich  Einfuhr ­
  :  Ausfuhr  wie  2 /s  :  Vs&amp;gt;  1 9°3  w *e  Vs  :  Vs»  1 9°8  w ’ e  V4  :  Vi-  Die
relative  Besserung  des  Jahres  1909  dürfte  ausschließlich  dem
Sinken  der  Baumwolleeinfuhr  zuzuschreiben  sein.  Hauptursache
an  diesem  Ergebnis  ist  die  schon  kurz  erwähnte  Stagnation  des
Ausfuhrhandels  nach  den  Vereinigten  Staaten.  Es  ist  schon  gesagt, ­
  daß  zwar  einer  Hebung  die  ungeheure  industrielle  Entwicklung
und  merkantile  Expansionsfähigkeit  und  -notwendigkeit  der  Union
hemmend  entgegentritt,  daß  aber  Bremen  auch  aus  eigener  Schuld
ganz  entschieden  durch  Hamburg  in  den  Hintergrund  gedrängt
worden  ist.  Genauer  soll  im  besonderen  Teile,  bei  Besprechung
der  Handelsbeziehungen  zu  den  einzelnen  Ländern,  darauf  eingegangen ­
  werden.
Von  den  anderen  Erdteilen  weisen  Afrika  und  Australien
einen  kleinen  relativen  Rückgang  der  Ausfuhr  auf,  jedoch  bei
weitem  nicht  in  dem  beunruhigenden  Maße  wie  Nordamerika.  Im
Verkehr  mit  Mittelamerika  einschließlich  Westindien,  Südamerika
und  Asien  ist  ein  prozentual  stärkeres  Wachsen  der  Ausfuhr-  gegenüber ­
  den  Einfuhrwerten  festzustellen.  Besonders  der  letztgenannte
Erdteil  fällt  angenehm  auf.
        <pb n="39" />
        8.  Anteil  Bremens  an  Deutschlands  Außenhandel.
Als  Schluß  dieser  allgemeinen  Betrachtung  bringe  ich  in
Tabelle  11  eine  kurze  zahlenmäßige  Darstellung  über  die  prozentualen
Anteile,  die  Bremen  und  Hamburg  als  die  beiden  weitaus  wichtigsten
Hafenstädte  Deutschlands  an  dessen  Gesamtverkehr  haben.
Tabelle  XI.
Prozentualer  Anteil  Bremens  und  Hamburgs
am  außereuropäischen  Gesamtaußenhandel  des  Deutschen  Reiches.

Einfuhr  von

1906

1907

1908

Bremen

Hamburg

Bremen

Hamburg

Bremen

Hamburg

Asien

12  %

65%%

11  %%

63  %

I 3  %

58%%

Nord-  und  Mittelamerika

35%%

44  %

38%%

4 2  %

40  %

4 2  %%

Südamerika

I °%%

7°%%

66  %

10  %

67%%

Afrika

6  %

6 4  %

6%%

67  %

6  %

7°  %

Australien

38  %

36%%

35%%

35%%

34%%

37%%

Außereurop.  Gesamteinfuhr

2 3  %

56  %

2 4  %

54  %

2 5  %

53%%

Ausfuhr  nach

1906

1907

1908

Bremen

Hamburg

Bremen

Hamburg

Bremen

Hamburg

Asien

17%

83%%

i7%%

76%%

19%%

78  %

Nord-  und  Mittelamerika

2i %

58  %

28  %

57  %

2 5  %

59%%

Südamerika

9%

85  %

i°%%

85  %

I 3  %

86  .%

Afrika

3%

98%%

3  %

96%%

3  %%

100  %

Australien

2  7%

70%%

38  %

67%%

5i  %%

64  %

Außereurop.  Gesamtausfuhr

16%

73  %

20  %

7i  %%

20  %

74  %

Durchschnittsanteil  am  deutschen  Warenhandel
(Einfuhr  und  Ausfuhr)  mit  Außereuropa.
Bremen;  1906:  20V 2 %;  1907:  23%;  1908;  23 1 / ä 0 /„■
Hamburg:  1906;  61  V 2 %;  1907:  59%;  1908:  59  Va 0 /«-Wie
  schon  oben  erwähnt,  kann  man  die  Handelsstatistik  der
beiden  Hansastädte  nicht  ohne  weiteres  mit  der  des  Deutschen
Reiches  vergleichen,  da  aus  der  hamburgischen  Statistik  die  sehr
bedeutenden  Mengen  und  Werte  des  im  Hamburger  Freihafen  für
deutsche  Rechnung  sich  vollziehenden  Handels,  die  man  der  Zollgebietsstatistik ­
  zuschlagen  müßte,  um  eine  vollständige  deutsche
Handelstatistik  zu  erhalten,  nicht  ermittelt  werden  können.  Eine
genaue  Beantwortung  der  Frage,  wie  hoch  der  Anteil  Bremens
3*
        <pb n="40" />
        36

am  gesamten  Außenhandel  Deutschlands  ist,  ist  daher  z.  Zt.  leider
nicht  möglich.  Können  doch  noch  Unklarheiten  entstehen  wie  die
folgende:
Ausfuhr  Hamburgs  (1t.  dessen  Statistik)  nach
Australien  i.  J.  1908  44096000  Mk.
Ausfuhr  Bremens  (1t.  dessen  Statistik)  nach
Australien  i.  J.  1908  ......  35294000  „
Demnach  beider  Ausfuhr  zusammen  i.  J.  1908  79390000  Mk.
Die  Reichsstatistik  weist  dagegen  nur  einen  Gesamtausfuhrwert ­
  von  68823000  Mk.  auf!  Dies  ist  jedoch  ein  besonders
krasser  Fall.  Wenn  ich  deshalb  die  kleine  Tabelle  ausgerechnet
habe,  so  geschah  dies,  weil  aus  ihr  wenigstens  annähernd  (auf
x / 3  oder  1  Prozent  kommt  es  hier  wirklich  nicht  an)  der  Anteil
der  beiden  großen  Handelsstädte  am  außereuropäischen  Warenhandel ­
  des  Deutschen  Reiches  ersichtlich  ist.  —  Selbstredend
mußte  bei  der  Reichsstatistik  diesmal  der  Gesamteigenhandel  berücksichtigt ­
  werden.
        <pb n="41" />
        II.  Besonderer  Teil.

1.  Handel  mit  Nordamerika.
Nachdem  wir  uns  so  ein  Bild  von  der  allgemeinen  Handelsentwicklung ­
  Bremens  gemacht  haben,  wollen  wir  zur  näheren
Betrachtung  der  einzelnen  Teile  übergehen  und  gleich  mit  dem
wichtigsten  beginnen,  mit  Nordamerika.

Tabelle  XII.
Bremens  Warenverkehr  mit  Nordamerika  bewegte  sich  (Werte  in
1000  Mk.)  in  folgenden  Grenzen:

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhrüberschuß ­


Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhrüberschuß ­


1869

89  660

68  965

20  695

1905

515  3°9

119  881

395  428

1878

158  680

56  778

101  902

1906

527  202

152  557

374  645

1888

199  252

92  861

106  391

1907

648  968

218  813

430155

1898

329  772

87  370

242  402

1908

651130

146  318

504  812

1903
1904

464  069
527  516

i°5  347
102  835

358  722
424  681

1909

570  252

194  518

375  734

Nur  ein  Bruchteil  dieses  Verkehrs  entfällt  auf  Canada,  den  Rest
absorbieren

Die  Vereinigten  Staaten  von  Nord-Ämerika.
Sie  nehmen  im  Warenhandel  Bremens  weitaus  die  wichtigste
Stelle  ein,  eine  Tatsache,  die  bei  der  Nähe  und  der  jetzigen  Weltstellung ­
  Hamburgs  schwer  erklärlich  scheint.  Man  müßte  eigentlich ­
  annehmen,  daß  Hamburg  gerade  im  Verkehr  über  die  Breite
des  Atlantik  hinüber,  der  vorläufig  absolut  wichtigsten  Weltverkehrsstraße, ­
  Bremen  weit  überflügelt  hätte.  Daß  dem  nicht  so
ist,  ist  der  Ausfluß  einer  langen  Entwicklung.
Es  ist  bereits  erwähnt,  daß  die  Hansastädte  schon  seit  dem
amerikanischen  Unabhängigkeitskriege  Handelsbeziehungen  zu
den  östlichen  Staaten  der  Union  angeknüpft  hatten.  Da  es  sich
zunächst  um  die  Vermittlung  des  Verkehrs  durch  Segler  handelte,
die  nur  einen  geringen  Tiefgang  besaßen,  so  war  Bremen  damals
gegen  Hamburg  wenig  im  Nachteil.  Im  Gegenteil,  es  gelang
        <pb n="42" />
        38

schon  früh,  den  Hauptstrom  der  Auswanderer  über  Bremen  zu
lenken  (»Einige  Worte  über  Bremens  Handel.  Von  einem  Bremer
Kauf  manne«  [F.  A.  Delhis].  Bremen,  1841;  S.  5).  Dazu  kam,
daß  Bremen  schon  damals  für  die  beiden  derzeitigen  Haupterzeugnisse ­
  der  Union,  Tabak  und  Baumwolle,  einen  nennenswerten
Markt  hatte,  während  Hamburg  mehr  den  Handel  mit  »Kolonialwaren« ­
  aller  Art  pflegte  und  vornehmlich  Rohzucker  und  Kaffee
einführte.  Darum  war  es  natürlich,  daß  (Neubauer,  Der  Norddeutsche ­
  Lloyd;  50  Jahre  seiner  Entwicklung.  Leipzig,  1907,
S.  6/7)  »die  Schiffahrt  über  Bremen  nach  Amerika  in  jener  Zeit
einen  breiteren  Raum  für  sich  beanspruchte  als  die  Schiffahrt
über  Hamburg.  Bis  in  die  Mitte  der  50  er  Jahre  des  vorigen
Jahrhunderts  ist  dies  Übergewicht  sehr  erheblich  geblieben.  1854
beispielsweise  gingen  von  der  Weser  382  Schiffe  mit  174600
Registertonnen  nach  Nordamerika,  von  Hamburg  147  Schiffe  mit
50000  Registertonnen.«  Die  Auswanderertransportverhältnisse
Hamburgs  waren  damals  so  mangelhaft,  daß  verschiedene  deutsche
Regierungen  direkt  vor  ihnen  warnten  und  ihren  Untertanen  den
Weg  über  Bremen  empfahlen.  So  kam  eins  zum  andern:  an  den
Auswanderern  hatten  die  Schiffe  genügende  und  lohnende  Ausfracht, ­
  und  schon  dadurch  waren  sie  in  den  Stand  gesetzt,  auch
die  Rückfrachten  niedrig  zu  stellen  und  sich  die  wertvollen  Transporte ­
  zu  sichern.  Der  Aufschwung,  den  die  bremische  Tabakund
  Baumwolleneinfuhr  damals  nahm,  hat  bis  heute  angehalten.
Bremen  ist  der  größte  Weltmarkt  für  Tabak.  Wichtiger  aber
noch  ist  die  Stellung,  die  es  sich  als  Baumwollmarkt  errang,  obwohl ­
  es  als  solcher  hinter  Liverpool  zurückstehen  muß.
In  Tabelle  13  gebe  ich  eine  Übersicht  über  den  Verkehr
Hamburgs  und  Bremens  mit  der  Union  unter  besonderer  Berücksichtigung ­
  der  Baumwolle.
Die  ungeheure  Steigerung  der  Baumwolleinfuhr  Bremens
im  Gegensatz  zu  der  zwar  auch  gestiegenen,  sich  aber  doch  in
beschränkten  Grenzen  haltenden  Hamburgs  kommt  zu  vollem
Ausdruck.  Bremen  führt  jetzt  alljährlich  für  eine  halbe  Milliarde
dieses  wichtigsten  Rohstoffes  ein.  Das  sind  Zahlen,  auf  die  es
stolz  sein  kann.  Der  Baum  Wollhandel  ist  es  denn  auch,  auf  den
immer  verwiesen  wird,  wenn  man  Bremens  »glanzvolle  Entwicklung« ­
  preist.  Er  ist  in  der  Tat  das  Rückgrat  der  Stadt.  Betrug
der  Wertprozentanteil  der  Baumwolle  an  der  gesamten  außerdeutschen ­
  Einfuhr  Bremens  i.  J.  1888  schon  23  so  schnellte
er  1908  bis  fast  genau  zur  Hälfte  hinauf  1  Anders  ausgedrückt:
        <pb n="43" />
        *)  Wert  in  1000  Mark.

39

Tabelle  XIII.
Warenverkehr*)  mit  den  Vereinigten  Staaten  von  Nord-Hmerika.

Bremen

Ham

bürg

Gesamte

Baumwolle

Einfuhr
ohne
Baumwolle

Gesamte

Baumwolle

Einfuhr
ohne
Baumwolle

Ausfuhr

Einfuhr

allein

Einfuhr

allein

1888

T99  251

88  954

110  297

104  914

18  240

86  674

1889

187923

134  826

53  097

128  900

21337

n&amp;gt;7  563

158  736

1890

232  870

174  989

57  881

163  413

3 1  509

131  904

193  091

1891

226  220

173  928

52  292

169  344

S 2  398

136946

200  101

1892

199  459

135  95i

63  508

219  782

26  568

193  214

153  600

1893

203  361

153  811

49  550

176  904

22  743

154  161

166  376

1894

194  652

147  206

47  446

197  962

24  656

173  306

120  863

1895

228175

179  806

48  369

199  336

29  132

170  204

134  934

1896

24O  202

174  644

65  558

233 061

23  089

209  972

185  684

1897

297383

216  817

80  566

334  919

37  171

297  748

184  603

1898

329  661

233  556

96105

432  261

25  604

406  657

149  467

1899

3°*  995

205  466

96  529

445  998

25  747

420  251

179  989

1900

410  793

3 IQ  497

100  296

483  493

S 2  947

45°  546

220  998

igoi

407718

312  344

95  374

471794

47011

424  783

204  561

1902

394  846

3°9  697

85  149

430  644

29  O7I

4°i  573

245  298

1903

463  983

375  729

88  254

432  807

3i  736

401  071

244  265

1904

527  439

448  475

78  964

4°3  127

22  099

381  022

265  793

1905

515264

393  °62

122  202

465  784

33  051

432  733

302  534

1906

527  IOO

401  971

125  129

554  550

26  318

528  232

35°  586

1907

648  888

521  026

127  862

589  551

38386

55i  165

346  581

1908

650  940

549  596

101  344

574  972

53  4°5

521  567

277992

1909

57°  165

477  269

92  896

Nehmt  Bremen  die  Baumwolle,  und  was  bleibt,  ist  eine  unbedeutende ­
  Kleinstadt!

In  der  Tat  —  so  großartig  an  sich  der  Aufschwung  ist,  den
der  Bremer  Baumwollhandel  nahm,  mit  wie  ungeteilter  Genugtuung ­
  man  ihn  auch  betrachten  muß,  so  hat  dieses  ungeheure
Übergewicht  über  die  anderen  Handelszweige  doch  seine  großen
Gefahren.  Nach  Tabelle  6  verhielt  sich  die  Totaleinfuhr  Bremens
von  Außerdeutschland  in  den  Jahren  1888,  1898  und  1908  dem
Werte  nach  wie  100:161:278.  Setzt  man  aber  von  den  Einfuhrwerten ­
  die  Baumwolleinfuhr  ab,  dann  ist  die  Steigerung  nur
100:135:184.  Das  heißt,  daß  der  gesamte  übrige  Warenverkehr ­
  sich  trotz  des  allgemeinen  Aufschwungs  der
Weltwirtschaft  noch  nicht  einmal  verdoppelte!  Das
heißt,  daß  Bremen  im  allgemeinen  weit  hinter  der  Entwicklung ­
  Deutschlands  und  Hamburgs  zurück  blieb,  an
Wichtigkeit  für  das  deutsche  Wirtschaftsgebiet  entsprechend ­
  verlor.
        <pb n="44" />
        40

Deutlicher  wird  dies  noch,  wenn  man  die  Union  als  das
Hauptproduktionsland  der  Baumwolle  allein  betrachtet.  Da  redet
die  obige  Tabelle  mit  unbarmherziger  Klarheit.  Die  Einfuhr
Bremens  ohne  Baumwolle  aus  der  Union,  die  noch  1888  diejenige
Hamburgs  weit  übertraf,  ist  seitdem  absolut  zurückgegangen.  Die  ^
Einfuhr  Hamburgs  dagegen  hat  sich  während  desselben  Zeitraumes ­
  vervielfacht,  ist  um  rund  450  Millionen  Mark  gestiegen
und  jetzt  mehr  als  fünf  Mal  größer  als  die  bremische!
Es  betrug  Bremens  transatlantische  Gesamteinfuhr
1907;  989554000  Mk.  und  1908:  932826000  Mk.,
seine  gesamte  außerdeutsche  Einfuhr  überhaupt
1907:  1  220931  000  Mk.  und  1908:  1  129367000  Mk.
Demnach  betrug  der  Prozentsatz  der  Baumwolleinfuhr  aus  Nordamerika ­
  von  der  Einfuhr  aus  außerdeutschen  Ländern  überhaupt
1907:  42,7%  und  JQ 08 :  48,7%
und  von  der  transatlantischen  Einfuhr  allein
1907:  52,7%  und  1908:  58,9%!
Es  liegt  auf  der  Hand,  wie  empfindlich  das  Wirtschaftsleben
des  ganzen  Freistaates  leidet,  wenn  der  glatte  Umschlag  seines
Hauptstapelartikels  gestört  wird.  Dabei  braucht  man  nicht  einmal ­
  an  die  schlimmste  Möglichkeit  zu  denken,  an  die  Sperrung  *.
oder  ein  erhebliches  Nachlassen  der  nordamerikanischen  Einfuhr,
sei  es  durch  Blockade,  durch  einen  Zollkrieg,  durch  Verspinnung
eines  größeren  Teils  der  Ware  in  der'  Union  selbst,  sei  es  durch
Mißwachs  mehrerer  aufeinanderfolgender  Ernten  oder  Verschiffung
anderswohin.  Schon  ein  einziger  großer  Spekulant  kann  den
ganzen  Weltmarkt  in  Aufregung  versetzen  und  die  Fallissements
der  bedeutendsten  Häuser  verursachen.  Dabei  wendet  sich  das
amerikanische  Großspekulantentum  der  Baumwolle  neuerdings
entschieden  lebhafter  zu.  Wie  viel  leichter  wird  eine  solche
Störung  ertragen,  wenn  die  Krise,  die  den  Handel  mit  einem
Artikel  erschüttert,  durch  Florieren  anderer  Handelszweige  ausgeglichen ­
  oder  wenigstens  gemildert  werden  kann!  Wie  unendlich ­
  ist  da  Hamburg  überlegen!  Dessen  Interessen  haben  starke
Wurzeln  in  allen  Teilen  der  Welt.  Sein  Handel  ist  bei  weitem
nicht  so  einseitig,  so  auf  einen  einzigen  oder  einige  wenige  #
Stapelartikel  gestützt  wie  derjenige  Bremens;  er  ist  vielseitiger,
internationaler,  großzügiger  —  gesunder;  sein  Hauptartikel,  Kaffee,
macht  dem  Werte  nach  nur  8—12°/ 0  der  Gesamteinfuhr  aus.
Auch  im  Verkehr  mit  der  Union  tritt  diese  Verschiedenheit ­
  zutage.  Außer  Baumwolle  führte  Bremen  1908,  dem  Jahre
        <pb n="45" />
        4i

seiner  größten  Einfuhr,  ein  (in  Millionen  Mark):  Getreide  16,
Tabak  12 1 / i ,  Maschinen  io 1 / 2 ,  Viehfutter  8,  Kupfer  7Y4,  Mineralöle ­
  6,  Pelzwerk  3 s / 4 ,  Holz  3.  Hamburg  erzielte  1907  seine
größte  Einfuhr  aus  der  Union;  es  kamen,  abgesehen  von  der
Baumwolle,  auf  Kupfer  Schmalz  53,  Weizen  49,  Maschinen  45,
Mineralöle  43,  Mais  2o 1 / 2 ,  Baumwollensaatkuchen  20,  Harz  17 1 / 2 ,
Kleie  14Y2.  Oleomargarin  xo,  Weizenmehl  9 1 / 2  Millionen  Mark.
Der  gesteigerten  Einfuhr  von  Mineralölen  nach  Hamburg  steht
Bremen  allerdings  machtlos  gegenüber,  trotzdem  es  in  früheren
Jahren  der  weitaus  erste  deutsche  Petroleummarkt  war.  Für  den
Standard  Oil  Trust  lag  Hamburg  als  Verteilungsplatz  eben  günstiger. ­
  Daß  Bremen  zuerst  die  führende  Stellung  einnehmen  konnte,
lag  in  der  Persönlichkeit  der  Bremer  Petroleumimporteure  begründet. ­
  Als  aber  deren  Selbständigkeit  gebrochen  war  und  der
Trust  den  Verschleiß  selbst  in  die  Hand  nahm,  wandte  er  sich
Hamburg  zu.  —  Aber  daß  es  Hamburg  gelang,  die  führende
Stellung  im  Import  der  andern  oben  aufgeführten  Artikel  an
sich  zu  reißen,  verdankt  es  in  erster  Linie  der  größeren  Rührigkeit ­
  seiner  Kaufmannschaft.  Bei  einigen  Artikeln  ist  der  Rückgang ­
  des  Bremer  Warenhandels  geradezu  unbegreiflich.  So  wurden ­
  1873:  78000  dz  Schmalz  eingeführt,  1880:  195000  dz,  1908;
80000  dz  im  Werte  von  7162000  Mk.  bei  einer  Schmalzeinfuhr
Hamburgs  im  Werte  von  53  Millionen  Mk.  Ein  ähnliches  Dahinsiechen ­
  ist  bei  Speck  usw.  zu  beobachten.
Baumwolle.
Was  nun  den  Baumwollhandel  Bremens  anbelangt,  so  kann
es  zwar  keinen  Vergleich  mit  Liverpool  aushalten.  Die  Einfuhrzahlen ­
  sind:

Liverpool

Bremen:

1895/96:  2090123  Ballen,

1895/96

918955  Ballen

1898/99:  3134767

1898/99

1556096

1904/05:  3488889

1904/05

I  943  5 21

1907/08:  2506535

1907/08

2  207  640  „

1908/09:  3052800  „

1908/09

2120400  „

Immerhin  aber  steht  Bremens  Baumwollhandel  im  kontinentalen ­
  Europa  in  unerreicht  stolzer  Höhe  da  (der  nächstwichtigste
Einfuhrhafen,  Havre,  führt  nur  etwa  die  Hälfte  —  1908/09:
1  044  3  1  o  Ballen  —  ein).  Bei  der  festgegründeten,  weitverzweigten ­
  Organisation  der  »Bremer  Baumwollbörse«  ist  anzunehmen,
daß  Bremen  in  absehbarer  Zeit  seine  führende  Stellung  in  diesem
        <pb n="46" />
        42

Artikel  unter  normalen  Umständen  nicht  verlieren  wird.  Gefährliche ­
  Konkurrenz  könnte  ihm  von  den  Nordseehäfen  außer  Hamburg ­
  nur  Rotterdam  machen,  woselbst  die  Löschung  mindestens
ebensogut  erfolgen  könnte.  Aber  durch  die  Seehafenausnahmetarife ­
  für  Baumwolle  sind  die  deutschen  Nordseehäfen  während
der  Dauer  der  Tarife  —  und  daß  diese  je  aufgehoben  würden,
steht  nicht  zu  erwarten  —  so  geschützt,  daß  sie  Rotterdam  nicht
zu  fürchten  haben.
Die  gegenwärtig  geltenden  Ansnahmetarife  für  Baumwolle  sind  nach  Auskunft
der  Eisenbahn  für  Verladungen  nach
1.  Süd-  und  Mitteldeutschland.  Ausnahmetarif  S.  14;
2.  Österreich-Ungarn:
a)  Südösterreichisch-ungarisch-deutscher  Güterverkehr,  A.-T.  25  (Triest,  Fiume,
Pola,  Rovigno);
b)  Deutsch-westösterreichisch-ungarischer  Seehafenverband,  A.-T.  16;
c)  Deutsch-österreichisch-ungarischer  Seehafenverband,  Verkehr  mit  Österreich
und  Verkehr  mit  Ungarn,  A.-T.  12;
3.  Schweiz:  Norddeutsch-schweizerischer  Güterverkehr,  Seehafen-A.-T.  13;
4.  Italien:  via  Chiasso  und  Pino  (Schweiz)  und  Peri  (Österreich)  A.-T.  25,
von  dort  für  die  italienische  Strecke  nach  einigen  Stationen  A.-T.  18;
5.  Belgien:  A.-T.  2;
6.  Rußland;  A.-T.  3  A  und  3  B  im  Niederländisch-deutsch-russischen  Grenzverkehr; ­

7.  Dänemark:  A.-T.  6c.
Nach  den  Niederlanden  findet  Baumwollverfrachtung  zu  einem  Vorzugstarif
nur  im  indirekten  Verkehr  statt.  Nach  Frankreich  und  Schweden  existieren  z.  Zt.
keine  Ausnahmetarife  für  Baumwolle.  ■*
Die  Ausnahmetarife  gelten  für  Verladung  sowohl  ab  Bremen  als  auch  ab
Bremerhaven.
Ernster  scheint  mir  die  zunehmende  Konkurrenz  Triests.
Die  österreichische  Regierung  tut  alles,  um  diesen  Hafenplatz
mit  guten  Eisenbahnverbindungen  auszustatten  und  ihm  durch
Tarifermäßigungen  ein  möglichst  ausgedehntes  Hinterland  zu  erobern. ­
  Ein  Teil  der  österreichischen  Spinnereibezirke,  die  Schweiz,
Südbayern  dürften  Bremen  unter  diesen  Umständen  demnächst
verloren  gehen,  selbst  wenn  man  das  Vorgehen  Österreichs
deutscherseits  mit  Tarifänderungen  beantworten  würde.  Tatsächlich ­
  ist  es  Triest  gelungen,  uns  einen  Teil  des  österreichischen
Bedarfs  schon  jetzt  abzufangen.  Das  Minderergebnis  der  Saison
1908/09  so ^  darauf  zurückzuführen  sein.
Aber  abgesehen  von  diesem  mehr  tarifarisch  auszufechtenden
Wettstreit  der  Häfen  scheint  es  mir  angebracht  auf  eine  andere
dunkle  Wolke  hinzuweisen,  die  möglicherweise  der  Suprematie
Bremens  im  Baumwollhandel  gefährlich  werden  kann.
        <pb n="47" />
        43

Das  zweitgrößte  Baumwollproduktionsland  der  Erde  ist
Britisch-Ostindien.  Seine  Baumwolle  hat  die  Güte  der  amerikanischen ­
  noch  nicht  erreicht.  Sie  hat  sich  aber  schon  verbessert,
und  immer  neue  Baumwollplantagen  werden  angelegt.  Was  wäre
da  natürlicher  als  daß  Bremen  versuchte,  auch  die  indische  Ausfuhr ­
  der  nach  Europa  gehenden  Mengen  möglichst  über  seine
Eläfen  zu  leiten,  was  um  so  leichter  geschehen  konnte,  da  die
Hansa  schon  Anfang  1889  eine  direkte  monatliche  Frachtdampferverbindung ­
  mit  Calcutta,  dem  indischen  Hauptausfuhrhafen  für
Baumwolle  und  Jute,  eröffnete?  Leider  beweist  die  Statistik  das
Gegenteil.

Tabelle  XIV.
Die  Baumwolleinfuhr  aus  Britisch-Ostindien  betrug  (Werte
in  1000  Mark)  nach

Bremen

Hamburg

Bremen

Hamburg

1888

434

3  439

1899

I  214

23  562

1889

734

22  911

IQOO

1  529

15  373

1890

4  319

32  973

1901

2  3°4

29165

1891

1  854

40  805

1902

2  542

29  459

1892

I  iyi

30152

1903

7  160

56  957

1893

I  4OO

s 8 199

1904

11  460

59  094

1S94

1  564

34  378

1905

4  *55

44  308

1895

749

24  222

1906

6  022

59  209

1896

3  162

32  3°5

1907

10  086

84  900

,1897

1  288

24  656

1908

4  574

39  358

1898

752

22  604

1909

3  597

Bremen  hat  1908  den  Stand  von  1890  nur  um  1 / i  Million  überschritten, ­
  ihn  1909  nicht  einmal  erreicht.  Hamburg  übersteigt  in
seiner  1907  erzielten  Recordziffer  die  höchste  Einfuhr  Bremens
—  1904  —  um  das  Siebenfache,  übersteigt  sie  durchschnittlich
um  das  Fünfzehnfache!  1907  importierte  es  aus  Indien  allein  für
85  Millionen,  d.  h.  16 x / 4  %,  und  aus  der  Union  und  Ostindien  zusammen ­
  für  12374  Millionen  Mark,  d.  h.  23 3 / 4  °/o  °d er  rund  1 / i
der  nordamerikanischen  Baumwolleinfuhr  Bremens.  Zu  berücksichtigen ­
  ist  allerdings,  daß  Hamburgs  ostindische  Einfuhr  z.  T.
für  Rechnung  englischer  Häuser  erfolgt.
Es  scheint  fast  so,  als  ob  in  Bremen  gegen  die  ostindische
Baumwolle  eine  gewisse  Abneigung  bestehe.  In  ihrem  Bericht
über  das  Jahr  1898  schreibt  die  Handelskammer  auf  S.  18;  „Der
zunehmende  Verbrauch  der  indischen,  chinesischen  und  japanischen
Spinnereien  hat  die  ostindische  Baumwolle  auf  einen  Preis  gebracht,
der  in  keinem  normalen  Verhältnis  mehr  zu  dem  Preise  von
        <pb n="48" />
        4

—  44  —
amerikanischer  Baumwolle  steht.  Der  Import  ostindischer  Baumwolle ­
  nach  Europa  hat  daher  wiederum  abgenommen,  ihre  Verarbeitung ­
  in  europäischen  Spinnereien  ist  unrentabel  geworden
und  läßt  sich  nur  noch  für  einzelne  ganz  bestimmte  Zwecke  aufrecht
erhalten.“  Im  gleichen  Jahre  kam  über  Hamburg  für  2  2 1 /,  Millionen
Mark,  d.  h.  über  30  Mal  mehr  als  Bremen  einführte!  Für  das
Jahr  1904  berichtet  die  Kammer  dann  allerdings  (S.  30):  „Alle
diese  Verhältnisse  haben  gezeigt,  wie  dringend  wünschenswert  es
ist,  neue  Gebiete  für  die  Baumwollkultur  zu  erschließen  und  die
europäische  Textilindustrie  unabhängiger  zu  machen  von  einem
Lande,  dessen  eigener  Konsum  von  Jahr  zu  Jahr  größer  wird
(sc.  Amerika)  und  dessen  Produktionsfähigkeit  nicht  ins  Unermeßliche
steigen  kann.“  Auch  bereits  in  ihrem  Bericht  für  1869  weist  die
Kammer  darauf  hin  (S.  25):  .  .  .  wird  die  ostindische  Baumwolle ­
  zum  Teil  ...  .  über  England  bezogen.  Es  muß  dies  um
so  mehr  auffallen,  als  die  bremischen  Absatzgebiete  Hauptkonsumenten ­
  ostindischer  Baumwolle  sind.“  Warum  nimmt
da  die  Baumwollbörse  nicht  selbst  Veranlassung,  für  eine  gesteigerte
Einfuhr  indischer  Baumwolle,  vielleicht  für  eine  Ableitung  der
Triester  und  Antwerpener  Zufuhren  nach  Bremen,  energische  Schritte
zu  unternehmen?  Zum  Beimischen  ist  diese  jedenfalls  geeignet,  *
und  daß  der  Handel  mit  ihr  doch  nicht  so  unlukrativ  ist  wie  die
Handelskammer  anzunehmen  scheint,  beweist  der  große  Umfang,
den  der  hamburgisch-ostindische  Baümwollhandel  genommen  hat.
Die  Abneigung  der  Bremer  Baumwollhäuser  gegen  den  Handel
mit  außeramerikanischer  Baumwolle  erstreckt  sich  übrigens  auch  auf
das  afrikanische  Produkt.  Man  sollte  es  kaum  glauben,  aber  es
ist  tatsächlich  so:  die  außerhalb  der  Union  zu  erzielenden  Umsätze
sind  ihnen  „zu  klein!“  Wenn  sie  nicht  gleich  große  bulk-Geschäfte
machen  können,  verzichten  sie  lieber  ganz  und  kommen  hernach
natürlich  zu  spät.
Es  ist  eben  hier  wie  überall  der  alte  Fehler  Bremens:  Es
wirft  sich  auf  einen  bestimmten  Stapelartikel  und  »forciert«  ihn  —
unleugbar  mit  Erfolg.  Die  zweite  und  dritte  Generation  legt  sich
in  das  warme  Bett,  das  die  Alten  ihnen  machten,  und  arbeitet  in
demselben  Geiste  und  am  liebsten  mit  denselben  Geschäftsfreunden.  &amp;gt;
Aber  im  Gefühl  seines  Triumphes  verschließt  der  Bremer  Augen
und  Ohren  für  die  übrige  Welt.  Unbemerkt  von  ihm  werden  seine
Konkurrenten  stark  und  ziehen  ihm  über  Nacht  die  Zipfelmütze
ins  Gesicht.  In  der  Einfuhr  von  Reis,  dessen  größter  Weltmarkt
und  Einfuhrhafen  früher  Bremen  war,  macht  ihm  jetzt  Hamburg
        <pb n="49" />
        45

scharfe  Konkurrenz.  Auch  in  Tabak  war  Bremen  früher  der  weitaus ­
  bedeutendste  deutsche,  ja  der  erste  Markt  der  Welt;  Jetzt  ist
auch  diese  Stellung  erschüttert,  und  selbst  in  Bremens  Domäne,
in  Brasiltabaken,  ist  Hamburg  schon  gleichwertiger  Importeur  geworden. ­
  Die  Gefahr  liegt  vor,  daß  es  uns  mit  Baumwolle  ebenso
gehen  werde.  Freilich,  ein  Teil  der  in  Hamburg  eintreffenden
ostindischen  Baumwolle  geht  für  englische,  z.  T.  auch  wohl  für
bremische  Rechnung  weiter.  Aber  man  bedenke,  daß  noch  stets
der  Einfuhrhafen  die  Einfuhrfirmen  nach  sich  gezogen  hat,  daß
beispielsweise  die  Deutsch-Amerikanische  Petroleum-Gesellschaft
aus  dem  gleichen  Grunde  ihren  Sitz  nach  Hamburg  verlegte  wie
viele  Firmen  anderer  Branchen  (Speditionshäuser).  Einerseits  also
hat  Hamburg  in  der  ostindischen  Baumwolleinfuhr  Bremen  schon
weit  überflügelt  und  auch  seine  Einfuhr  aus  Nordamerika  wächst.
Andererseits  scheinen  gewisse  Anzeichen  dafür  zu  sprechen,  daß
die  Baumwolleinfuhr  Bremens  aus  den  Vereinigten  Staaten  ihren
Hochstand  erreicht  hat.  Denn  der  Anbau  hat  sich  nicht  im  Verhältnis ­
  zur  Nachfrage  gehoben,  so  daß  man  schon  jetzt  von  einem
»Baumwollhunger«  sprechen  kann.  Dazu  kommt  der  schnell  sich
vergrößernde  amerikanische  Eigenbedarf.  Wenn  auch  dem  Werte
nach  gestiegen,  hat  die  Einfuhr  doch  schon  seit  1908/09  der  Menge
nach  nachgelassen.  Bremerhaven  führt  schwere  Klage  über  die
Verödung  seiner  Lagerschuppen  (vergl.  die  Bürgerschaftsverhandlungen ­
  vom  22.  Dezember  1909).  Darum  muß  alles  getan  werden,
damit  nicht  die  Einfuhrverhältnisse  sich  noch  mehr  zu  ungunsten
Bremens  verändern  und  ihm  sein  stärkstes  Bollwerk  unterhöhlen.
Der  Rückgang  der  Baumwolleinfuhr  aus  den  Vereinigten
Staaten  in  den  letzten  Jahren  soll  ja  einmal  (1908/09)  dem  Umstande ­
  zuzuschreiben  sein,  daß  es  Triest  gelang,  Bremen  einen
Teil  des  österreichischen  Bedarfs  abzufangen.  An  der  ungünstigen
Gestaltung  der  letzten  Saison  ist  das  bedeutende  Mindererträgnis ­
  der  amerikanischen  Ernte  schuld,  die  die  Einfuhr  Bremens  um
rund  400  000  Ballen  (etwa  1 ( B !!)  zurückwarf.  Beides  bestätigt  aber
nur  das  auf  S.  40  Gesagte,  die  bedenkliche  Rückwirkung  auf  das
eanze  Handels-  und  Wirtschaftsleben  der  Stadt.
Auch  in  der  Ausfuhr  nach  den  Vereinigten  Staaten  ist  uns
Hamburg  weit  überlegen,  führt  eS  doch  jährlich  Waren  im  Mehrwerte ­
  von  über  100  Mill.  Mk.  dorthin  aus.  Und  das  trotz  des
Umstandes,  daß  Bremen  den  Verkehr  gerade  mit  dem  ihm  günstig
gelegenen  Nordamerika  besonders  pflegt,  während  der  Schwerpunkt
des  hamburgischen  Handels  in  anderen  Erdgebieten  liegt.  Noch
        <pb n="50" />
        46

im  Jahre  1885  gingen  3 / s  (91  von  155  Mill.  Mk.)  der  deutschen
Ausfuhr  nach  der  Union  über  Bremen,  1907  nur  noch  1 / 3  (218  von
652  Mill.  Mk.)!

Tabelle  XV.
Ausfuhr  Bremens  nach  den  Vereinigten  Staaten  i.  J.  1908.

Verzehrungsgegenstände  280000  dz  i.  W.  v.
Bau-und  Brennmaterialien  47000  „  „
And.Rohstoff.  u.Halbfabr.  2555000  „  „
Manufakturwaren  61000  „  „
And.  Industrieerzeugnisse  201000  „

7  597  000  Mk.
147000  „
50  166  009  „
44223000  „
44095000  „

Zusammen  3144000  dz  i.  W.  v.  146228000  Mk.

Die  Hauptartikel  waren  (Werte  in  Millionen  Mark):  Baumwollwaren
  31,  Pelzwerk  20 1 /,,  Düngesalze  13 3 / 4 ,  Wollwaren  8,  Galanteriewaren ­
  7,  Metallwaren  6 1 / 2 ,  Spielzeug  ^ 1 / 2 ,  Lederwaren  4 3 / 4 ,
Leinen  waren  3,  Drogerien  2 1 /*,  Reis  2 1 / 2 ,  Bier  i 3 / 4 ,  Garne  1 3 / 4 ,
Glaswaren  1 1 / 2 .

2.  Handel  mit  Südamerika.
Obwohl  der  deutsche  Warenverkehr  mit  Südamerika  seinen
Schwerpunkt  in  Hamburg  hat  und  auf  Bremen  nur  ein  kleiner
Teil  entfällt,  ist  seine  Entwicklung  trotz  des  engeren  Rahmens
doch,  an  sich  betrachtet,  erfreulicher  als  die  eben  besprochene.

Tabelle  XVI.
Bremens  Warenverkehr  mit  Südamerika
(Werte  in  1000  Mk.):

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhrüberschuß

1869

25  110

2  806

22  304

1878

24  3 2 5

5  512

18  813

1888

42  592

13  264

29  328

1898

88  876

17  243

71633

1903

89  649

24  IOI

65  548

1904

83  063

25  320

57  743

1905

82  075

28187

53  888

1906

97  295

37  222

60  073

1907

120  580

50  622

69  958

1908

95  616

47  790

47  826

1909

107  964

48  910

59  054

a)  Argentinien.
Am  wichtigsten  für  Bremen  sind  die  La  Plata-Staaten,  Argentinien ­
  und  Uruguay,  einerseits  als  Lieferanten  für  Schafwolle  und
Getreide,  andererseits  als  diejenigen  südamerikanischen  Reiche,  die
        <pb n="51" />
        L )  Wert  in  1000  Mk.

47

der  deutschen  Exportindustrie  noch  auf  lange  hinaus  als  ausgezeichnete ­
  Absatzgebiete  dienen  können.  Tabelle  17  gibt  einen
Überblick  über  die  Handelsbeziehungen  Bremens  und  Hamburgs
zu  ihnen  während  der  letzten  beiden  Jahrzehnte.  Um  zu  einer
richtigen  Würdigung  der  Verhältnisse  zu  gelangen,  müssen  wir
hier  wie  überall  die  hamburgischen  Zahlen  zum  Vergleich  heranziehen. ­

Tabelle  XVII.

Warenverkehr 1 )  mit  Ärgentinien  und  Uruguay.

Bremen

Hamburg

Jahr

Einfuhr
über-Einfuhr


von
Schaf-Einfuhr


ohne
Schaf-Ausfuhr



Einfuhr
über-Einfuhr


von
Schaf-Einfuhr


ohne
Schaf-Ausfuhr



haupt

wolle

wolle

haupt

wolle

wolle

1888

21298

19  291

2  007

9  155

47156

34  024

13132

1889

37  755

36  430

1 325

8  744

43  881

28155

15  726

77  127

1890

31496

28  091

3  405

5  880

44  256

23  231

21  025

39  681

1891

45  091

41939

3152

6  102

56  02g

30  823

25  206

23  480

1892

38  846

34  281

4  565

8  553

63  343

37  913

25  430

40  193

1893

4 2  572

37  398

5174

10  066

64  279

3 1  171

33  i°8

46  852

1894

37831

3 r  366

6  465

II  019

78  297

39  876

38  421

36  508

1895

43  375

35  726

7  649

II  249

95136

47  537

47  599

42  819

1896

46  608

4°  373

6  235

12  228

77  069

39  279

37  79°

61  647

1897

38  826

33  i8 5

5  641

10  295

79  321

45  923

33  398

42  I4I

1898

54  373

46  863

7  5io

12  969

105  637

57  °86

48  55i

45  614

1899

57  836

51  281

6  555

10  376

113  005

56  162

56  843

54  508

1900

69  493

55  776

13  717

0  102

125  934

53  680

72  254

78  283

IQOI

45  966

37  637

8  329

14  088

132  473

59  7°9

72  734

60  644

1902

41  737

30  803

10  934

12  I40

150  204

65  811

84  393

48  974

1903

64  468

53  579

io  889

15  836

176  740

68  422

108  318

65  703

1904

54  811

43  173

11  638

18  223

223189

62  609

160  580

83  090

1905

52  803

41  457

ii  346

21  OO5

233  372

70  874

162  498

102  060

1906

66  077

48  416

17  661

24  096

230  663

75  200

155  463

129  464

1907

65  547

45  721

19  826

24  162

256  293

76  682

179  611

146  460

1908

60  286

39  4°2

20  884

22  734

270  586

78  223

192  363

124  437

1909

65  637

50  685

14  952

25  931

Wenn  auch  der  Einfluß,  den  die  Südamerikafahrten  des
Norddeutschen  Lloyd  (1875  eingerichtet,  1878  in  die  Brasil-  und
La  Plata-Fahrt  geteilt)  auf  die  Entwicklung  des  Bremer  Handels
hatten,  nicht  zu  verkennen  ist,  so  zeigt  sich  doch  auch  hier  wieder
die  größere  Vielseitigkeit  Hamburgs  und  der  Vorsprung,  den  es
dadurch  vor  seinem  einseitigen,  langsameren  Rivalen  hat.  In  der
Einfuhr  von  Schafwolle  aus  Argentinien  hat  es  seit  1901  definitiv
die  Führung'  übernommen,  nachdem  vorher  Bremen  im  Jahresdurchschnitt ­
  mehr  eingeführt  hatte.  Im  Jahre  1908  war  Hamburgs
Einfuhr  schon  doppelt  so  groß  als  diejenige  Bremens.  Also  auch
        <pb n="52" />
        48

/[

in  diesem  zweiten  Hauptstapelartikel  Bremens  im  direkten  Verkehr
mit  dem  zweitwichtigsten  Produktionslande  der  Erde  ein  Zurückbleiben! ­
  Die  Höchsteinfuhr  Bremens  fällt  schon  ins  Jahr  igoo,
diejenige  Hamburgs  erst  in  1908.  Auch  die  Einfuhr  anderer
Artikel  ist  bei  Hamburg  absolut  und  relativ  mehr  gestiegen  als
bei  Bremen;  bei  Bremen  um  das  Zehnfache  (19  Millionen  aber
Rückschlag  von  1909!),  bei  Hamburg  um  das  i4Y 2 fache  (179  Milk
Mark).  Die  Steigerung  bei  Hamburg  setzt  1898  besonders  scharf
ein;  ob  aus  einem  besonderen  Grunde,  entzieht  sich  meiner  Kenntnis.
—  Ein  ersichtlicher  Grund,  warum  die  Hauptprodukte  Argentiniens
außer  der  Schafwolle,  nämlich  Leinsaat,  Weizen,  Kleie,  Rindshäute
und  Mais,  nicht  eben  so  gut  nach  Bremen  wie  nach  Hamburg
verfrachtet  werden  könnten,  liegt  nicht  vor.  Hamburg  führte  von
diesen  fünf  Artikeln  Werte  in  Höhe  von  46Y2  bezw.  40  bezw.  17
bezw.  24  bezw.  10  Millionen  Mark  ein.
Den  Ausfuhrzahlen  der  Tabelle  ist  wenig  hinzuzufügen.  Insbesondere ­
  wurdenTextilwaren,  Papier  und  Papier  waren,  Telegraphenkabel, ­
  Zucker  und  Automobile  ausgeführt.  Die  Ausfuhr  von  Draht
hat  unter  der  nordamerikanischen  Konkurrenz  (vergl.  den  Handelskammerbericht ­
  für  1898)  gegen  früher  nachgelassen.  Hinderlich
für  die  deutsche  Ausfuhr  nach  Argentinien  ist  der  Umstand,  daß
die  zahlreich  dort  eingewanderten  Italiener  die  Fabrikate  ihrer
Heimat  bevorzugen.  In  den  Handelskammerberichten  wird  verschiedentlich ­
  darüber  geklagt.  Eiher  lebhaften  Steigerung  der
deutschen  Ausfuhr  trotz  dieser  Bevorzugung  außerdeutscher  Industrieerzeugnisse ­
  seitens  eines  Teils  der  argentinischen  Bevölkerung ­
  steht  vorläufig  leider  auch  die  Tatsache  entgegen,  daß  in
jenem  Lande  Ein-  und  Ausfuhrhandel  durchweg  nicht  in  den
Händen  der  gleichen  Firmen  liegen,  daß  also  ein  direkter  Warenaustausch ­
  durch  ein  Zwischenglied,  Landesprodukte  gegen  Fertigfabrikate, ­
  in  der  Regel  nicht  eintreten  kann.  Anderswo,  in
Mittelamerika  z.  B.,  auch  in  Südostasien,  ist  dies  anders.  Die
dort  ansässigen  Firmen  sind  meist  gleichzeitig  Importeure  und
Exporteure  und  bezahlen  die  eingeführten  Fabrikate  mit  Naturprodukten, ­
  die  sie  im  eigenen  Lande  aufkaufen.  Immerhin  wird
sich  dieser  Modus  bei  zielbewußtem,  solidarischem  Vorgehen  zum
Vorteil  unseres  Exporthandels  auch  in  Südamerika  in  größerem
Maße  einführen  lassen.  Die  Verhältnisse  liegen  übrigens  zur  Zeit
in  Hamburg  günstiger  als  in  Bremen,  weil  in  ersterer  Stadt  das
ganze  Exportgeschäft  durchweg  besser  organisiert  ist,  wie  man
wohl  behaupten  darf.
        <pb n="53" />
        Tabelle  18  gibt  Auskunft  darüber,  in  welchem  Verhältnis  sich
Bremen  und  Hamburg  in  den  deutschen  Handel  mit  den  beiden
nächstwichtigsten  südamerikanischen  Staaten  teilen.
Der  Hauptartikel,  der  Hamburgs  Einfuhr  von  Chile  eine  so
enorme  Höhe  erreichen  ließ,  ist  bekanntlich  Chilesalpeter,  dessen
Einfuhrwert  1907  die  Summe  von  nicht  weniger  als  112  Millionen
Mark  erreichte.  Außerdem  wurde  Schafwolle  im  Werte  von  4 3 / 4
Millionen  Mark  eingeführt.  Bremens  Zahlen  verschwinden  dagegen.
Es  muß  aber  bemerkt  werden,  daß  in  den  Hamburger  Salpeterankünften ­
  auch  große  Mengen  für  Bremer  Rechnung  enthalten
sind,  die  wegen  besserer  Verkaufsmöglichkeit  nach  dem  Nachbarhafen ­
  dirigiert  werden.  Daß  auch  in  der  Ausfuhr  Bremen  weit
zurücksteht,  liegt  darin  begründet,  daß  bis  vor  wenigen  Jahren
eine  direkte  regelmäßige  Dampferverbindung  fehlte.  Die  seit
langen  Jahren  jene  Küsten  besuchende  Kosmoslinie  hatte  das  Geschäft ­
  ganz  nach  Hamburg  hinübergezogen.  Der  kräftige  1906
bei  Bremen  ein  tretende  Aufschwung  ist  auf  die  Fahrten  der  Rolandlinie ­
  zurückzuführen  —  wieder  ein  Beweis  für  die  Tatsache,  daß
»der  Handel  der  Schiffahrt  folgt.«
Nach  der  Vollendung  des  Panamakanals,  durch  den  die  Westküste ­
  Südamerikas  für  uns  erhöhte  Bedeutung  erlangt,  wird  eine
weitere  Verdichtung  der  Bremer  Schiffahrtslinien  nach  dort  unbedingt ­
  eintreten  müssen.  Es  ist  deshalb  freudig  zu  begrüßen,  daß
durch  die  Rolandfahrten  die  ersten  und  schwersten  Schritte  rechtzeitig ­
  gemacht  sind.
Für  die  Ausfuhr  nach  Chile  kommen  vorläufig  in  erster  Linie
Baumwoll-  und  Wollwaren  in  Frage.
b)  Brasilien.
Die  Statistik  des  Warenhandels  mit  Brasilien  weicht  im  allgemeinen ­
  nicht  von  dem  Bilde  ab,  das  ganz  Südamerika  zeigt;
ein  bedeutendes  Übergewicht  Hamburgs.  Was  aber  dem  deutschen
Handel  mit  diesem  Lande  ein  besonderes  Gepräge  gibt,  ist  der
Umstand,  daß  er  nicht,  wie  z.  B.  der  der  Nachbarrepublik,  im
ganzen  nach  Hamburg  gerichtet  ist,  sondern  daß  der  von  ihm
entsendete  Warenstrom  geteilt  ist  und  von  den  Hauptartikeln  die
einen  (Kaffee,  Kakao  und  Gummi)  mit  besonderer  Vorliebe  nach
der  Elbe,  einen  andern  (Tabak)  nach  der  Weser  führt.
Kaffee.
Das  Haupterzeugnis  des  großen  Reiches  ist  Kaffee.  Er  meidet
Bremen.  Von  der  gesamten  Kaffeeeinfuhr  unserer  Stadt  (1907:23,
Gehrke,  Bremens  Warenhandel.  4
        <pb n="54" />
        50

Tabelle  XVIII.
Warenverkehr  mit  Brasilien  (Wert  in  1000  Mk.).

Jahr

Bremen

Hamburg

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

1888

18  387

2  027

83  154

1889

14  263

3  436

104  518

65  012

1890

24  205

3  030

114  991

66  029

0891

31  360

3  341

134  514

73  836

1892

17  176

2  718

129  332

7i  376

1893

28  839

16n

120  782

8g  964

1894

15  490

2  353

90  035

88  473

1895

17  826

2  071

130  257

in  326

1896

17  429

3  917

HO  632

88  282

1897

26  048

4  331

133  459

70  025

1898

27  367

3  538

133  746

68  333

1899

10  034

3  461

83  241

64  520

1900

27  862

3  246

I3 1  345

63  003

IQOI

30065

4  254

133  io 3

55  088

1902

27  334

6  392

145  017

69  925

1903

20  329

6  407

137132

72  444

1904

21  482

5  590

125  898

71  939

1905

20  409

5  878

152  862

87  087

1906

23  935

6  291

207  235

101  606

1907

36  235

8  602

212  544

123  013

1908

23  337

9  9io

157  184

!°I  315

1909

3°  194

9  667

Warenverkehr  mit  Chile.

Jahr

Bremen

Hamburg

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

1888

288

999

66  297

1889

207

219

65  089

35  093

1890

262

90

63  919

37  793

1891

1313

106

84  665

23  338

1892

1086

630

69  920

47  698

1893

682

46

71  959

29  964

1894

535

88

84  533

23  984

1895

1528

86

72  332

38  296

1896

4 !9

108

87  594

40  383

1897

142

90

78  089

24  938

1898

132

22

63  526

31734

1899

1131

144

86  118

25  957

1900

630

144

90  846

36146

IQOI

143

30

IOO  232

32  640

1902

092

122

97  315

32  253

1903

853

187

82  707

40  997

1904

135

155

109  285

41300

1905

369

186

130  47i

53  3°3

1906

1346

4  909

141  960

68  088

1907

7  219

15  067

r 3ö  465

74  o°4

1908

3  869

12  782

148  239

39  292

1909

5  750

11  750
        <pb n="55" />
        5'

i  go8  nur  i  87a.  i  gog  :2i 1 / 2  Mill.  Mk.)  kommt  etwa  die  Hälfte  aus
Brasilien.  Hamburg  dagegen  bezog  1907  für  nicht  weniger  als
13272  Mill.  Mk.  dorther.  An  dieser  Entwicklung  kann  Bremen
nicht  mehr  viel  rütteln.  Wie  Bremen  für  Baumwolle,  so  hat  sich
Hamburg  für  Kolonialwaren  im  allgemeinen  und  für  Kaffee  im
besonderen  eine  Lagerungs-  und  Verkaufsorganisation  geschaffen,
die  in  ihrer  Festigkeit  und  Vielgestaltigkeit  mustergültig  dasteht.
Zustatten  kam  ihm  dabei  seine  östlichere  Lage,  die  ihm  ermöglicht,
mit  Nord-  und  Osteuropa  in  schnelleren  und  billigeren  Transportverkehr ­
  zu  treten  als  Bremen.  Auch  die  Eigenart  des  dänischen,
noch  mehr  des  skandinavischen  Einfuhrhandels  begünstigte  das
Emporkommen  Hamburgs.  Der  Kolonialwarenimporteur  in  den
nordischen  Städten  pflegt  sich  nicht  mit  großen  Mengen  einzudecken, ­
  sondern  liebt  es,  nur  kleine  Läger  zu  halten  und  diese
nur  durch  kleine  Bezüge  je  nach  Bedarf  aufzufüllen.  Der  hamburgische
  Exporteur  verstand  diese  Eigenart  klug  zu  benutzen
und  hielt  stets  ein  genügend  großes  Lager,  um  die  Aufträge  seiner
nordischen  Kundschaft  jederzeit  schnell  ausführen  oder,  um  im
Kaufmannsdeutsch  zu  reden,  »die  Ordres  prompt  effektuieren«  zu
können.  Dadurch  schlug  er  selbst  England,  das  vordem  den
ganzen  nordischen  Handel  in  Händen  gehabt  hatte,  aus  dem  Felde
und  machte  seine  eigene  Stadt  zum  Kolonialwarenhandelsmittelpunkt ­
  des  ganzen  europäischen  Nordens  und  Ostens.
Bremen  hingegen  ging  mit  Nachdruck  erst  spät  daran,  seine
von  Übersee  eingeführten  Güter  in  diesen  Gegenden  zu  verteilen.
Meist  schickte  es  sie,  wie  Kopra,  Kakao,  Tee,  nach  Hamburg
weiter.  Glücklicherweise  ist  es  noch  nicht  zu  spät.  Verschiedene
Firmen,  auch  Kaffeeexporteure,  haben  sich  energisch  bemüht,  ihren
Export  nach  Nordeuropa  zu  heben.  Den  Bemühungen  war  der
Erfolg  nicht  versagt,  und  diese  Tatsache  beweist,  daß  es  Bremen
immerhin  möglich  ist,  im  Norden  mehr  Fuß  zu  fassen  und  dort
eine  Mehreinfuhr  tropischer  Produkte  mit  angemessenem  Nutzen
abzusetzen.  Sind  doch  auch  die  Frachtdampferlinien  nach  Rußland,
Finnland  und  Skandinavien  inzwischen  vermehrt  worden,  wenngleich ­
  sie  die  Intensität  der  hamburgischen  natürlich  noch  nicht
entfernt  erreicht  haben  und  in  den  großen  Busen  der  Ostsee  mehr,
auch  kleinere,  Häfen  anlaufen  müssen.  Besonders  in  Schweden
ist  verhältnismäßig  leicht  gute  Rückfracht  zu  haben  (Eisen-  und
Kupfererze,  Holz  usw.)
Auch  in  Deutschland  hat  Hamburg  den  Kaffeehandel  an  sich
gerissen.  Große  Firmen  zweiter  Hand  im  Münsterlande,  in  Osna-4*
        <pb n="56" />
        brück,  selbt  im  westlichen  Westfalen  beziehen  ihren  Kaffee  trotz
der  weiteren  Entfernung  von  Hamburg.  Dabei  beträgt  die  Bahnfracht ­
  Bremen-Hamburg  für  Einzelgüter  —  nicht  jeder  kann  gleich
100  oder  200  Säcke  beziehen,  um  selbst  einen  halben  oder  gar
einen  ganzen  Waggon  damit  zu  befüllen  —  etwa  i x / 2  Pf.  per  kg.,
was  allerdings  dadurch  wieder  ausgeglichen  wird,  daß  die  Hamburger ­
  Spediteure  fast  täglich  Sammelladungen  selbst  nach
kleinen  Orten  abfertigen  können,  was  den  Bremern  nicht  möglich
ist.  Aber  der  Händler  kauft  besonders  deshalb  bis  jetzt  in  Hamburg ­
  lieber,  weil  er  dort  eine  größere  Auswahl  hat.  Kann  auch
Bremen  den  Kaffeefirmen  im  westlichen  und  mittleren  Deutschland,
so  weit  es  nicht  tarifarisch  hinter  seinen  Konkurrenten  an  der
Elbe  und  am  Rhein  zurücksteht,  solche  bieten,  dann  wird  es  sich
diese  Gebiete  zurück  erobern  können.  Freilich  muß  es  dann  auch
der  Einfuhr  zentralamerikanischer  Kaffees  erhöhtes  Interesse  zuwenden. ­
  Von  diesen  (einschließlich  kolumbischer  und  westindischer)
bezieht  es  nur  für  insgesamt  etwa  3 1 /,  Mill.  Mk.  —  eine  sehr  geringe ­
  Menge,  wenn  man  die  sehr  bedeutenden  finanziellen  Engagements ­
  bremischer  Häuser  beispielsweise  in  Guatemala  und  Salvador
in  Betracht  zieht.  Der  Kaffee,  den  Bremen  von  Hamburg  bezieht,
dort  also  einen  leicht  vermeidbaren  Zwischennutzen  zahlte,  weist
durchweg  einen  Wert  von  3%—4  Mill.  Mk.  auf,  von  mehr  also,
als  ihn  die  ganze  unmittelbare  Einfuhr  aus  den  Kaffeeländern  am
und  im  Golf  von  Mexiko  hat.
Tabak.
Geht  Brasilkaffee  in  der  Hauptsache  nach  Hamburg,  so
ist  Bremen  der  Hauptmarkt  für  Brasiltabak,  wie  es  überhaupt
noch  immer  der  wichtigste  Tabakmarkt  der  Welt  ist.  Ich  sage
»noch  immer«,  denn  tatsächlich  ist  auch  diese  Stellung  schon  gefährdet, ­
  und  zwar  ist  abermals  Hamburg  die  schärfste  Gegnerin.
Da  Brasilien  neben  Niederländisch-Indien  der  für  Deutschland  in
Frage  kommende  Hauptproduzent  von  Tabaken  ist,  sei  der  statistischen ­
  Entwicklung  des  Tabakhandels  an  dieser  Stelle  mit
einigen  Worten  Erwähnung  getan.  Zur  Aufklärung  über  die  Bezüge
der  beiden  Städte  aus  den  wichtigsten  Tabakländern  sei  auf  Tabelle  19
verwiesen.
Der  für  Bremer  Rechnung  gekaufte  Uniontabak  (Kentucky,
Maryland,  Seedleaf,  Virginy)  wird  bis  auf  einen  sehr  geringen
Rest  unmittelbar  nach  Bremen  verschifft.  Hamburg  tritt  in  nordamerikanischer ­
  Ware  erheblich  weniger  als  Käufer  auf.  Es  darf
        <pb n="57" />
        53

Tabelle  XIX.
Tabakeinfuhr  (Wert  in  1000  Mk.).

Jahr

Bremen

Hamburg

Brasiitabak
überhaupt

Brasil  tabak
direkt

Uniontabak ­


von
Hamburg

Sumatra,
Java,
Ostindien
überhaupt

Brasil  tabak
direkt

Uniontabak ­

direkt

1888

14  850

11436

15  460

5161

8  947

13  014

5  636

1889

9  873

6  8 5 6

12  598

4  942

13  329

11  276

4  821

1890

18126

16  277

12  334

3112

14  345

13  901

4  748

1891

24  608

21264

IO  342

4  255

11  523

14  556

3  850

1892

9  534

8  518

16  580

2  474

9  156

6  509

4  638

1893

22  339

19  719

12  340

4  568

IO  122

18  745

3  889

1894

11195

9  610

13  776

2  297

10  386

7  246

3135

1895

12  096

9  896

13  4°2

2  43°

9  334

10  067  ,

3  204

1896

13  286

10  930

14  698

3  905

10  175

7  868

2  274

1897

21890

19  54i

15  888

3  355

12  386

14  188

4114

1898

24  389

22  510

14  052

5  145

II  146

24  596

5  908

1899

6  641

4  147

14  543

4  358

14  268

9  237

5  253

1900

24  070

21  42O

11  782

5  151

10  349

14  803

7  061

1901

28  474

24  717

11  144

4  873

10352

15  654

4  436

1902

22  756

19  397

14  388

3  616

10  53°

17  73°

5  099

1903

13  988

10  908

14  US

3  723

11  246

11  419

7  381

1904

16  143

II  584

10  436

5  284

14  987

8  661

6  546

1905

13  667

8  743

10  592

6  377

14  614

10  541

6  552

1906

15  2X0

11  194

11  4H

57  89

20  422

12  634

4  573

1907

22  OOI

16  659

14  584

6  672

24  280

17  411

4  921

1908

10033

7  835

12  592

4  693

18  829

10  950

5  032

1909

16  638

12  643

12  037

7  006

17  466

aber  nicht  außer  Acht  gelassen  werden,  daß  sich  das  Prozentverhältnis ­
  seiner  Einfuhr  von  dort  im  Laufe  der  Jahre  zu  seinen
Gunsten  verschoben  hat.  Der  südostasiatische  Tabak  (den  Tabakhandel ­
  in  ihren  Kolonien  haben  die  niederländischen  Gesellschaften
monopolisiert)  wird  (»Einschreibungen«  in  Amsterdam)  durch
Vermittlung  Hollands  gehandelt,  wo  Bremen  unbestritten  erster
Käufer  ist.
Nicht  so  günstig  für  Bremen  liegen  die  Verhältnisse  beim
Brasiltabak.  Bremens  direkter  Import  aus  Brasilien  hält  sich  mit
demjenigen  Hamburgs  auf  ungefähr  gleicher  Höhe.  Einem  direkten
Gesamtimport  Hamburgs  von  1888  bis  1908  von  271  Millionen
stehen  bei  Bremen  293  Millionen  Mk.  gegenüber.  Von  dem  in
Hamburg  eingeführten  Tabak  geht  jedoch  ein  ziemlich  erheblicher
Teil  nach  Umladung  für  Bremer  Importeurs  Rechnung  nach  Bremen
weiter.  Daher  kommt  es,  daß  das  Geschäft  Bremens  in  Brasiltabaken ­
  überhaupt  dasjenige  Hamburgs  noch  hinter  sich  läßt.
Aber  schon  dadurch,  daß  ein  Teil  der  Ware  über  Hamburg  geht,
        <pb n="58" />
        54

wird  mit  der  Zeit  ein  immer  größerer  Teil  des  aktiven  Tabakhandels ­
  dorthin  gezogen. 1 )
Schlimmer  sieht  es  mit  westindischen  Tabaken  aus.  Etwa
die  Hälfte  der  Domingoernte  z.  B.  kam  für  bremische  Rechnung
herüber,  nahm  aber  ausnahmslos  den  Weg  über  Hamburg,  dieser
Stadt  den  gesamten  Gewinn  an  Transport,  Versicherung,  Löschung,  Einlagerung, ­
  Yerkaufsgebühr  usw.  lassend.  Die  betreffenden  bremischen
Importeure  müssen  ja  schließlich  unter  solchen  Umständen  ihr
Domizil  wechseln.
Die  Gesamteinfuhr  Bremens  in  Tabaken  belief  sich  1909  auf
617  000  dz,  1908  auf  507000  dz,  1907  auf  638000  dz.  Der  Höhepunkt ­
  fiel  jedoch  schon  in  das  Jahr  1878  mit  689000  dz!  Der
bremische  Tabakhandel  hat  also  alle  Ursache,  nicht  auf  seinen
Lorbeeren  auszuruhen,  sondern  scharfe  Wacht  zu  halten.
Neben  Kaffee  und  Tabak  weist  die  brasilianische  Einfuhr
Bremens  in  nennenswerter  Menge  nur  Kakaobohnen  auf  {1908
für  3 1 / 2 ,  1909  für  3  Millionen  Mk.).  Die  Produkte  der  reichen
Niederungen  des  Amazonas,  besonders  Gummi  elasticum,  gehen
vorwiegend  nach  Hamburg.  Die  Ausfuhr  nach  Brasilien  setzt
sich  aus  allen  Arten  deutscher  Industrieerzeugnisse  zusammen,
aus  denen  vielleicht  Baumwollwaren,  Papier  und  Papierwaren,
Draht  und  Zement  hervorzuheben  wären.
3.  Handel  mit  Mittelamerika.
Über  Bremens  Handel  mit  Mittelamerika  und  Westindien
ist  dem  Gesagten  nur  wenig  hinzuzufügen.  Er  bewegt  sich  in
sehr  mäßigen  Grenzen.  Die  Umsatzziffern  sind  die  folgenden
(Wert  in  1  000  Mk.):
Tabelle  XX.

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhrüberschuß

1869

11  554

2  536

9  018

1878

15  254

1  997

13  257

1888

10  854

1  883

8  971

1898

15  3°5

2  020

13  285

1903

12  835

4  676

8  159

1904

16  056

4  735

11  321

1905

16  569

6  163

10  406

1906

15  665

8  065

7  600

1907

16  652

8  634

8  018

1908

15  914

9  762

6  152

1909

16  564

12  655

3  909

*)  Amsterdam  macht  auch  Anstrengungen,  den  Handel  mit  Brasiltabaken  mehr
an  sich  zu  ziehen.  Mitte  1910  fand  die  erste  Einschreibung  in  dieser  Provenienz  dort
statt.  Ob  und  wie  weit  diese  Versuche  Erfolg  haben  werden,  steht  dahin.  Zu  unterschätzen ­
  sind  sie  jedenfalls  nicht.
        <pb n="59" />
        55

Um  das  erdrückende  Übergewicht  Hamburgs  klar  zu  kennzeichen,
  genügt  es,  aus  jenen  Staaten  einen  herauszugreifen  und
die  Umsatzziffern  gegeneinander  zu  halten.  Im  Warenverkehr
mit  Mexico  betrug  (Werte  in  i  ooo  Mk.):
Hamburgs  Einfuhr  1907;  41672—1908:  42505;
Bremens  do.  1907:  3432—1908:  870;
Hamburgs  Ausfuhr  1907:  54833—1908:  37481;
Bremens  do.  1907:  1027—1908:  746.
Der  Hauptausfuhrartikel  Mittelamerikas  ist  Kaffee,  der  fast
sämtlich  nach  Hamburg  geht,  1907  z.  B.  allein  aus  Guatemala  für
2  3 1 / 2  Millionen  Mk.  Nur  schwer  dürfte  eine  für  Bremen  günstige
Änderung  hierin  eintreten.
Nach  Vollendung  des  Panamakanals  wird  Mittelamerika  als
Durchgangsland  für  den  Verkehr  ganzer  großer  Erdteile  eine  sehr
gesteigerte  Bedeutung  erhalten.  Es  wird  dann  an  Bremen  Hegen,
Einrichtungen  zu  treffen,  die  ihm  einen  angemessenen  Teil  dieses
Transitverkehrs  sichern.  Wahrscheinlich  in  dieser  Erkenntnis  richtete
der  Lloyd  schon  1901  eine  direkte  monatliche  Frachtdampferverbindung
  mit  Westindien  ein.  Diese  rentierte  aber  nicht.  Ganz
natürlich,  denn  wenn  man  die  geringen,  einer  größeren  Steigerung
vorderhand  kaum  möglichen  Gütermengen  betrachtet,  die  von  dort
nach  Bremen  gehen  und  in  deren  Beförderung  seit  langem  Hamburger ­
  Linien  und  die  Royal  Mail  (via  Southampton),  ja  sogar
die  Messageries  Maritimes  (Umladung  in  den  nordfranzösischen
Häfen)  sich  teilen,  so  mußte  man  sich  von  vornherein  sagen,  daß
der  Betrieb  nur  unter  Verlusten  aufrecht  erhalten  werden  konnte.
Der  Lloyd  sah  dies  auch  voraus,  hoffte  aber  durch  Einrichtung
der  Linie  den  Verkehr  im  Laufe  der  Jahre  mehr  nach  Bremen
ziehen  zu  können.  Leider  wurde  seine  Erwartung  nicht  erfüllt.  Immerhin ­
  ist  es  von  nicht  zu  unterschätzender  Bedeutung,  die  Linie
trotzdem  aufrecht  zu  erhalten,  um  wenigstens  mit  Mittelamerika
nie  die  unmittelbare  Fühlung  zu  verlieren.
Für  Hamburg  wird,  wie  anzunehmen  ist,  mit  dem  amerikanischen ­
  Mittellandkanal  auch  eine  Änderung  seiner  regen  Handelsbeziehungen ­
  zu  jenen  kleinen  Raubstaaten  eintreten.  Eine  Wendung
zum  Schlechteren.  Uncle  Sam  wird  es  sich  nicht  nehmen  lassen,
Deutschland  dort  hinauszubeißen  und  sich  selbst  ins  warme  Nest
zu  setzen.
’i.  Handel  mit  Äsien.
Wenn  wir  jetzt  den  Handelsverkehr  mit  Asien  einer  näheren
Betrachtung  unterziehen  wollen,  so  müssen  wir  uns  zunächst  vor
        <pb n="60" />
        56

Augen  halten,  daß  uns  die  Statistik  genaue  Aufschlüsse  über  die
Größe  der  Werte,  über  den  Umfang,  den  dort  der  Handel  mit
Waren  erreichte,  die  durch  Bremens  Vermittlung  bewegt  wurden,
nicht  zu  geben  vermag.  Es  führt  dies  noch  zurück  in  die  Zeit,
wo  sich  England  als  monopolistischer  Vermittler  zwischen  die
deutsche  Industrie  und  die  überseeischen  Konsumenten  schob,  wo
es  als  Selbstkäufer  der  Waren  auftrat  und  sie  für  eigene  Rechnung
nach  allen  Himmelsrichtungen  schickte.  Inzwischen  ist  seine  Vermittlerstellung ­
  gebrochen.  Bei  weitem  der  größte  Teil  der  Deutschland ­
  verlassenden  Güter  geht  auf  deutschen  Schiffen  und  für
deutsche  Rechnung  unmittelbar  in  die  Hände  der  überseeischen
Interessenten  über.  Aber  ein  Teil  der  Ausfuhr  Deutschlands,  besonders ­
  Textilwaren,  geht  noch  jetzt  auf  englische  Bestellung
nach  England  und  wird  von  dort,  dem  deutschen  Exporteur  unbekannt ­
  wohin,  weiter  verfrachtet.  So  viel  steht  fest,  daß  diese
Waren  vornehmlich  nach  Süd-  und  Südostasien,  daneben  nach
Australien  (und  Südamerika)  versendet  werden.  Was  darum  in
der  Statistik  als  »Ausfuhr  nach  England«  erscheint,  muß  z.  T.  dem
Handelsverkehr  mit  Indien,  China  usw.  zugeschlagen  werden.  Hier
darf  ich  mich  natürlich  nur  an  die  offenen  statistischen  Feststellungen ­
  halten.

Tabelle  XXI.

Es  bezifferte  sich  (Werte  in  1000  Mk.)  Bremens  asiatische

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhrüberschuß

1869

20  298

1  793

18  505

1878

23  568

1  331

22237

1888

47  950

13  787

34  163

1898

58  555

33  165

25  390

1903

79  169

45  388

33  781

1904

81  486

50245

31  241

1905

66  233

61  361

4872

1906

77  147

56  481

20  666

1907

94  906

6x  845

33  °6l

1908

86  462

61  380

25  082

1909

75  956

58  451

17  505

Bemerkenswert  ist  die  außerordentliche  Steigerung  der  Ausfuhr ­
  im  Verhältnis  zur  Einfuhr.  Dadurch  wurde  Asien  für  ganz
Deutschland  und  besonders  für  Bremen  in  mancher  Beziehung  der
interessanteste  und  wichtigste  Erdteil.  Denn  nach  ihm  gehen  die
Hauptmengen  der  Erzeugnisse  der  deutschen  Textilindustrie.
Erst  in  den  letzten  Jahrzehnten  gelang  es  dem  Drängen  der
sog.  »Westmächte«  und  Nordamerikas,  die  beiden  großen  ost ­
        <pb n="61" />
        57

asiatischen  Reiche  neuzeitlicher  Kultur  und  dem  freien  Handelsverkehr ­
  allmählich  zu  öffnen.  Erst  da  konnte  die  europäische
Industrie  ihre  Schwingen  ungehemmt  entfalten,  weil  sie  die  Aufnahmegier ­
  der  Mongolenvölker  befriedigen  mußte.  Die  Folge  war
ein  entsprechender  Aufschwung  der  Ausfuhr  dorthin  und  nach  dem
von  den  Engländern  ungefähr  gleichzeitig  kolonisatorisch  tiefer
durchdrungenen  und  zum  Eintausch  europäischer  Fabrikate  veranlaßten
  Vorderindien.  Von  wie  einschneidender  Bedeutung  es
gerade  für  Deutschland  war,  in  jener  Jugendzeit  seiner  Industrie
ausgedehnte  Absatzgebiete  zu  finden,  in  denen  es  nicht  gegen
alteingeführte  europäische  Konkurrenz  den  Kampf  aufzunehmen
hatte,  sondern  Seite  an  Seite  mit  dieser  an  die  wirtschaftliche
Unterwerfung  kulturell  und  industriell  tiefer  stehender  Völkerschaften ­
  gehen  konnte,  liegt  klar  auf  der  Hand.  Es  war  die  Zeit,
wo  sich  England  durch  die  Merchandise  Marks  Act,  die  bei  allen
Waren  die  Angabe  des  Ursprungslandes  verlangte,  ins  eigene
Fleisch  schnitt,  wo  das  Made  in  Germany  an  den  ungeheuren
Gestaden  des  nördlichen  Indischen  und  des  nordwestlichen  Großen
Ozeans  einen  guten  Klang  erhielt  und  sich  seinen  Weltruf  errang.
Tabelle  22  gibt  eine  Übersicht  über  die  Entwicklung  der
Handelsbeziehungen  Bremens  und  Hamburgs  mit  Vorderindien,
China  und  Japan.  Ein  Vergleich  dieser  Ziffern  mit  den  früher
gegebenen  läßt  erkennen,  daß  auf  die  genannten  drei  Reiche  von
der  Gesamtausfuhr  aus  Asien  etwa  s / 4  entfallen,  während  sie  die
Ausfuhr  dorthin  zu  mehr  als  9 / 10  absorbieren.
a)  Britisch-Ostindien.
Betrachten  wir  zunächst  Vorderindien.  Es  verhielten  sich
Bremens  Einfuhr  von  dort  LJ.  1888  zu  derjen.  v.  1908  wie  100:150;
Bremens  Ausfuhr  nach  do.  100:545;
Hamburgs  Einfuhr  von  do.  100:1258;
Hamburgs  Ausfuhr  nach  do.  100:545.
Zieht  man  die  Hochkonjunktur  des  Jahres  1907  zum  Vergleich
heran,  so  erhalten  wir  bei  Bremen  gegen  1888  eine  Steigerung
des  Wertes  der  Einfuhr  im  Verhältnis  von  100  :  173,  bei  Hamburg
von  100:1793.  M.  a.  W.,  die  Einfuhr  Hamburgs  aus  Ostindien
ist  in  der  gleichen  Zeit  relativ  um  mehr  als  das  Zehnfache  derjenigen ­
  Bremens,  absolut  noch  bedeutend  mehr  gestiegen!  Jeder
weitere  Kommentar,  um  die  größere  Rührigkeit  der  Hamburger  Importeure ­
  darzutun,  erscheint  überflüssig.  Hinzuweisen  bleibt  nur  darauf,
daß  Bremens  ostindischer  Einfuhrhandel  den  hamburgischen  noch
        <pb n="62" />
        Jahr
1888
1889
1890
1891
1892
1893
1894
1895
1896
1897
1898
1899
1900
1901
1902
1903
1904
1905
1906
1907
1908
1909

Tabelle  XXII.

Warenverkehr  mit  Südost-  und  Ostasien  (Wert  in  1000  Mk.).

B  r  e

m  e  n

Hamburg

Britisch-Ostindien

China

Japan

Britisch-Ostindien


China

Japan

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

29388
32  929

1939
4  878

5  031
5  667

7  007
5  905

3  698
7  434

3  865
4264

19  520
58  566

13831

4  310
7948

14  763

8218
9405

14  072

36  378

3  854

4  °39

8938

1  167

4303

78  346

34  802

7  801

15904

8558

15  488

50  218

3  870

3  333

7598

6  886

2  332

110  946

24749

10  579

16951

16  350

13  848

42  963

4  1  r 3

2  992

7  719

2  863

2  674

102  945

20  387

9  608

17  003

!3  33 1

16529

33  265

4  028

3  368

11  721

3  002

6  207

124  518

28  399

13  809

19  824

11  691

21  715

3 1  963

3  365

7  464

16954

2197

7  024

118  997

21808

18  406

22  057

8  712

18  148

36  334

2  158

8  300

15  373

4  001

9  335

125  176

31459

17  142

4°  013

14  207

22  778

35  611

3  212

8  141

20  892

2  699

10  914

127  478

3°  738

18  964

22  917

12  830

3 1  473

37  842

3  0 36

7  890

22  034

3382

7  212

123  396

33  377

19  224

17  345

15  OOO

36  945

42  887

3  706

7  281

23  091

2  072

5  325

168  577

28  826

18  645

19673

11  149

39  14 8

40  261

4  806

8  542

24  526

6047

6523

147  4OO

27  986

17  800

28  078

16  269

32  95°

46015

8  429

11  318

21347

5934

10  097

153  777

s 8  599

29  075

29863

17058

45  011

34  5H

4  825

9  7 r 4

26  019

5637

7737

166  653

48  381

21  725

35  302

20  626

4°  230

4i  635

5  699

10  668

21325

6  727

8  832

190  896

3 1  966

26  288

33  °57

20332

37  986

55  678

7  428

12  845

26  649

4  182

10  269

224  230

45  414

29  150

49  059

20  796

35  503

49  467

6305

13  343

26  687

6  817

16  212

249  244

54986

33  942

51  049

20  892

37286

4 1  °39

8  974

9  110

29  974

5  976

21  265

228  160

57  913

28  567

65  887

16  173

63  066

43  44 1

8  575

12  041

23  870

6  395

20  559

273  256

87  214

42  861

53  4°6

24083

55  892

50  856

10755

14477

26  026

10  836

20  04I

350  OIO

74  612

42  887

49  928

26  793

66  125

44  026

10  571

12  259

26  341

7  147

20  965

245  553

75  322

41  908

45  448

18977

56  864

32  606

9  820

11496

21558

6  821

23  730
        <pb n="63" />
        59

i888  übertraf  und  daß  sich  seitdem  die  Bedingungen,  unter  denen
der  Handel  arbeitet,  eher  zugunsten  Bremens  verbessert  haben!
Hatte  doch  Bremen  in  dem  Wettbewerb  um  die  nach  Ostasien
und  Australien  neu  zu  errichtenden  subventionierten  Linien  gesiegt.
Lästig  war  zwar  die  später  eingegangene  Verpflichtung,  daß  die
Dampfer  wechselweis  auch  Hamburg  anlaufen  mußten,  und  daß
diese  Stadt  frachttarifarisch  genau  die  gleiche  Behandlung  wie
Bremen  erfahren  sollte,  was  für  die  Überfuhr  der  Güter  manche
Leichterkosten  verursachte.  Aber  diese  Kosten  fielen  dem  bremischen
Reeder,  nicht  dem  Kaufmann  zur  Last.  Nach  Vorderindien
aber  hatte  die  Hansa  regelmäßige  Fahrten  eingerichtet.  Der
Reeder  hatte  also  seine  Schuldigkeit  getan  und  günstige  Bedingungen ­
  geschaffen,  der  Kaufmann  jedoch  versäumte  es  leider
sie  auszunutzen.  Er  besaß  nicht  weiten  Blick  und  Tatkraft  genug,
hier,  was  ihm  leicht  möglich  gewesen  wäre,  einmal  als  Pionier  aufzutreten ­
  und  die  erste  Rolle  zu  spielen,  sondern  er  begnügte  sich
mit  einem  bescheidenen  Anteil.  —  Wie  in  Vorderindien,  so  auch
in  Ostasien.  Noch  1886  und  1887  war  Bremens  Ausfuhr  nach
Japan  und  China  größer  gewesen  als  diejenige  Hamburgs;  jetzt
ist  die  hamburgische  Ausfuhr  dorthin  mehr  als  doppelt  so  groß!
Die  Einfuhr  aus  den  beiden  Reichen  differierte  1887  um  nur  2 1 / 2  Mill.
Mark  zu  Hamburgs  Gunsten;  jetzt  hat  dessen  Einfuhr  die  bremische
dreimal  überflügelt!
Tabelle  XXIII.
Gruppierung  der  Einfuhr  Bremens  aus  Br.-Ostindicn  i.  J.  1908.
Verzehrungsgegenstände  1327000  dz  i.  W.  v.  23125000  Mk.
Rohstoffe  und  Halbfabrikate  459000  „  „  20810000  „
Manufakturwaren  —  „  30000  „
Andere  Industrieerzeugnisse  —  „  61000  „
Zusammen  1786000  dz  i.  W.  v.  44026000  Mk.
Dem  Gewichte  nach  nimmt  der  Reis  weitaus  die  erste  Stelle  ein.
Die  hauptsächlich  eingeführten  hochwertigen  Rohstoffe  sind  Jute,
Baumwolle,  Schellack  (2),  Guttapercha  (1 1 / 4 ),  Stuhlrohr  (1 1 / 4 ),  Graphit
(1),  Sesamsamen  (*/ 4 )  und  Häute  ( 1 / 2  Millionen  Mk.).
Eine  genauere  Spezifikation  des  Handels  mit  den  drei  Hauptprodukten, ­
  die  Bremen  aus  Ostindien  bezieht,  gibt  Tabelle  24.
Betreffs  Baumwolle  verweise  ich  auf  meine  früheren  Ausführungen ­
  (S.  42  ff)  im  Abschnitt  »Nordamerika«.
Jute.
Ein  anderer  wichtiger  Rohstoff  ist  die  Rohjute;  für  sie  ist
        <pb n="64" />
        Tabelle  XXIV.

Warenverkehr  mit  Britisdi-Ostindien  (Wert  in  1000  Mk.).

Bremen

Hamburg

Jahr

Einfuhr

davon:

Einfuhr  ohne

davon:

Einfuhr  ohne

insgesamt

Baumwolle

Jute

Reis

Baumwolle,

insgesamt

Baumwolle

Jute

Reis

Baumwolle,

allein

allein

allein

Jute  u.  Reis

allein

allein

allein

Jute  u.  Reis

1888

29  388

434

3°°

21  162

7  492

19  *)

3  439

6  788

6  101

319z

1889

3 2  929

734

648

23  5E3

8  034

58  5 6 6

22  911

10  415

7  769

17  471

1890

36  378

4  319

1  795

22  IQI

8  073

78  346

32  973

16  366

8  436

20  571

1891

50  218

1854

27  19

33  411

12234

110  946

40  805

20  I52

10  507

39  482

1892

42  963

1  171

2  236

3°  232

9  324

102  945

30152

13  543

11  630

47  620

1893

33  265

1  400

2  663

21  803

7  399

124  518

38199

21537

115  10

53  272

1894

31  963

1564

3  315

IQ  022

8  062

118  997

34  378

21507

9  668

53  444

1895

36  334

749

3  944

22  090

9  55i

125  176

24  222

30  401

11  576

58  977

1896

35  611

3162

3  857

16  494

12  098

127  478

32  305

26  608

11  587

56  978

1897

37  842

1288

4  980

18  343

13  231

123  396

24  656

21  853

14  681

62  206

1898

42  887

752

4  813

23  056

14  266

168  577

22  604

43  481

15  231

87  261

1899

40  261

1  214

3  94°

22  024

13  083

147  4OO

23  562

26  890

18  593

78  355

1900

46  015

1529

5  347

19  04I

20  098

1.53  777

15  373

33  401

10  897

94106

1901

34  514

2  304

6  087

10  285

15  838

166  653

29165

26  486

10  661

100  341

1902

4i  635

2  542

4  99°

17  406

16  697

190  896

29  459

39  233

18  647

103  557

1903

55  678

7160

6  136

23  433

18  949

224  230

56  957

34  000

IQ  211

114  062

1904

49  467

n  460

6  473

13  922

17  612

249  244

59  094

39  735

20  837

129  578

1905

41  °39

4155

6  297

15  251

15  336

228  160

44  308

36  819

23  076

123  957

1906

43  44 1

6  022

7  637

15  463

14  319

273  256

59  209

55  681

29  981

128  385

1907

50  856

IO  086

94  74

14  890

16  406

350  010

84  900

73  571

35  674

155  865

1908

44  026

4  574

7  201

19  574

12  677

245  553

39  358

62  292

31  930

in  973

1909

32  606

3  597

7  877

9  803

11  329

*)  Höchster  Einfuhrwert  bis  dahin.
        <pb n="65" />
        6i

t

Vorderindien,  was  die  Union  für  Baumwolle  ist.  Auch  ihre  Zahlenreihen ­
  sprechen  eine  ernste  Sprache.  1907,  in  welchem  Jahr  beide
Städte  die  größten  Einfuhrwerte  aufweisen,  hat  Bremen  noch  nicht
einmal  den  Stand  erreicht,  den  Hamburg  schon  1889  einnahm.
Immerhin  betrug  die  Mehreinfuhr  Hamburgs  im  Jahre  1888  nur
h 1 /^  Millionen  Mark.  Aber  von  1888  bis  1907  betrug  die  absolute
Zunahme  des  Einfuhrwertes  bei  Bremen  9,  bei  Hamburg  68  Millionen
Mark.  Wenn  also  auch,  für  sich  allein  betrachtet,  wie  dies  meist
zu  geschehen  pflegt,  die  bei  Bremen  zu  verzeichnende  Zunahme
ein  erfreuliches  Aussehen  zu  haben  scheint,  so  muß  ein  unbefangener,
auch  die  Fortschritte  der  Konkurrenz  berücksichtigender  Beurteiler
doch  sagen,  daß  Bremen  gegenüber  Hamburg  auch  hier  in  einer
überaus  bedauerlichen  Weise  ins  Hintertreffen  geraten  ist,  daß
sich  sein  scheinbarer  Fortschritt  wenn  auch  nicht  als  direkter
Rückgang,  so  doch  als  eine  unheilvolle  Stagnation  darstellt.
An  sich  liegt  kein  Grund  vor,  daß  sich  nicht  Bremen  als
bedeutendster  Markt  für  Spinnstoffe  einen  großen  Teil  der  Mehreinfuhr ­
  Hamburgs  hätte  sichern  können.  Seine  Schiffsverbindungen
mit  Bombay  und  Calcutta  standen  und  stehen  den  hamburgischen
nichts  nach.  Zwar  ist  das  Hauptgeschäft  der  Hansa,  obwohl  sie
eine  bremische  Reederei  ist,  eben  wegen  des  Frachtenmarktes
gegenwärtig  auf  Hamburg  gerichtet,  aber  wenn  die  bremischen
Importeure  von  ihren  Transportgelegenheiten  mehr  Gebrauch
machten,  würde  die  Reederei  selbstredend  auch  Bremen  häufiger
anlaufen  lassen.  Die  Bremer  Indienhäuser  sind  solide  und  arbeiten
mit  genügendem  Kapital.  Bremen  besitzt  auch  innerhalb  der  Grenzen
seines  Gebietes  und  unmittelbar  vor  seinen  Toren  (Hemelingen)
eine  blühende  Juteverarbeitungsindustrie.  Allerdings  reizt  der  ideale
Wasserweg  der  Elbe  dazu  an,  die  Verladungen  nach  Hamburg  zu
richten  und  die  Ware  von  dort  elbaufwärts  bis  nach  Österreich
hinein,  bis  zur  tarifarischen  Einflußsphäre  des  eisenbahnbegünstigten
Triest  weiter  zu  verfrachten.  Aber  so  schlecht  ist  Bremens  Lage
denn  doch  nicht,  daß  es  nicht  sehr  viel  mehr  hätte  einführen
können  als  es  tat  und  tut,  wenn  es  die  nötigen  Anstrengungen
gemacht  hätte.  Hat  es  doch,  allen  widrigen  Verhältnissen  zum
Trotz,  auch  andere  große  Stapelartikel  heranziehen  können!  Speziell
bei  Jute  wäre  dies  auch  möglich  gewesen.  Die  binnenländischen
Fabrikanten  scheinen  sogar  zeitweise  eine  Vorliebe  für  den  Bezug
über  Bremen  gehabt  zu  haben.  Wenigstens  äußert  sich  die  Handelskammer ­
  in  ihrem  Bericht  für  1879  auf  S.  19  gelegentlich  der
Erwähnung  des  Umstandes,  daß  die  nordchinesische  Jute  minder
        <pb n="66" />
        Ö2

gut,  weil  härter,  als  die  ostindische  sei:  »Trotzdem  wünscht  man
seitens  der  deutschen  Juteindustriellen,  daß  der  ostindischen  Jute
durch  die  nordchinesische  auf  europäischen  Märkten  Konkurrenz
gemacht  werde,  und  bezeichnet  vorzugsweise  Bremen  als  den  Platz,
wo  sich  unter  Umständen  ein  Jutemarkt  auf  der  Basis  chinesischer
Importe  ausbilden  könnte.  Die  Handelskammer  hat  die  Importeure
auf  diesen  Gegenstand  aufmerksam  gemacht.«  Was  für  den  Import
von  China  gilt  —  die  Anregung  war  leider  vergeblich  —,  gilt  in
gleicher  Weise  für  den  von  Ostindien;  die  Bedingungen  sind  in
nichts  verschieden.
Von  den  Oberweserhäfen  (Hann.  Münden)  existieren  gute
Eisenbahnverbindungen  nach  Sachsen  und  Thüringen.  Auch  für
die  über  Hamburg  bezogene  Jute  sind  die  binnenländischen  Spinner
von  Wallwitzhafen,  Riesa  oder  Dresden  aus  auf  Bahntransport
angewiesen.  Speziell  in  Westfalen,  wofür  Bremens  Lage  günstiger
ist  als  diejenige  Hamburgs,  wäre  Bremen  konkurrenzfähig  gewesen.
Dort  wie  im  industriearmen  Oberwesergebiet  würde  noch  jetzt,
nach  Freiwerden  vieler  Arbeitskräfte  durch  die  neue  Tabaksteuer,
die  Errichtung  von  Jutespinnereien  m.  E.  zweckmäßig  und  rentabel
sein.  Als  Vorteile,  die  sie  gegen  die  im  tieferen  Binnendeutschland ­
  bestehenden  Spinnereien  in  die  Wagschale  zu  werfen  haben,
sehe  ich  an:  billigeren  Bezug  der  Rohjute  vom  Einfuhrhafen;
wegen  kürzerer  direkter  Wasserverbindung  mit  der  Küste  leichtere
Exportmöglichkeit  der  Fabrikate  z.  B.  an  die  nordischen  Holzstofffabriken; ­
  billigere  Arbeitslöhne,  besonders  im  Oberwesergebiet,
gegenüber  volkreichen  Industriegegenden  (Sachsen)  mit  teurer
Lebenshaltung;  leichten,  unmittelbaren  Absatz  an  die  Großindustrie
im  Oberwesergebiet  (Packmaterial  für  Zement)  und  in  Rheinland-Westfalen
  (Textil-  und  Papierindustrie).
Reis.
Das  dritte  ostindische  Hauptausfuhrgut  nach  Bremen  ist  Reis.
—  Auch  das  Schwergewicht  der  Reiseinfuhr  ist  unbestreitbar
von  Bremen  nach  Hamburg  verschoben  worden.  Noch  vor
zwanzig  Jahren  führte  Bremen  allein  aus  Ostindien  dreimal  so  viel
Reis  ein.  Seit  1902  jedoch  ist  es  —  wahrscheinlich  endgültig  —
von  Hamburg  überflügelt,  das  1907  weit  mehr  als  das  Doppelte
einführte.  Nun  hat  sich  Bremen  allerdings  in  der  Einfuhr  von
siamesischem  Reis  teilweise  einen  Ersatz  geschaffen.  Seine  Einfuhr
dieser  Sorte  stieg  von  5  Milk  Mk.  im  Jahre  1888  auf  11  Mül.  Mk.
im  Jahre  1908,  (1909  allerdings  nur  Milk),  während  diejenige
        <pb n="67" />
        63

Hamburgs  mit  geringen  Schwankungen  nach  oben  und  unten  auf
nur  2 1 / 2  Milk  Mk.  stehen  blieb.  Aber  trotzdem  bleibt  die  Tatsache, ­
  daß  Hamburgs  Gesamteinfuhr  an  Reis  die  bremische
neuerdings  hinter  sich  läßt.  Noch  liegt  zwar  offiziell  die  Triebfeder ­
  des  Reisgeschäfts  in  Bremen  insofern,  als  hier  die  »Reisbörse« ­
  ist  und  als  die  »Reis-  und  Handels-Aktien-Gesellschaft«
  hier  ihren  Hauptsitz  und  an  mehreren  alten  großen,
soliden  Reismühlen,  die  im  bremischen  Gebiet  liegen  und
dies  schwerlich  verlassen  werden,  einen  Rückhalt  hat.  Aber
auch  Hamburgs  Reismühlen  erlangen  stetig  steigende  Bedeutung,
und  wenn  in  dieser  Entwicklung  keine  für  Bremen  günstige
Wendung  eintritt,  steht  zu  befürchten,  daß  das  Reisgeschäft
Bremen  über  kurz  oder  lang  ganz  aus  der  Hand  gewunden  wird.
So  beklagenswert  dieser  allmähliche  Verlust  eines  ehemals
so  blühenden  Handelszweiges  für  Bremen  ist,  muß  man  doch  zur
Verteidigung  der  betreffenden  Firmen  sagen,  daß  sie  den  Verhältnissen ­
  aus  Gründen,  die  sie  tatsächlich  nicht  beeinflussen
konnten,  machtlos  gegenüberstanden.
Der  eine  Grund  ist  eine  ausgebreitete  Bedarfsverschiebung
bezw.  anderweite  Bedarfsdeckung  weiter  Gebiete.  —  Der  über
Bremen  eingeführte  Reis  wurde  nicht  nur  nach  Binnendeutschland
weiter  verfrachtet,  sondern  ging  in  großen  Mengen  nach  dem
Ausland,  besonders  nach  Amerika,  weiter.  Ein  Hauptabnehmer
war  Kuba.  Als  aber  die  Vereinigten  Staaten  nach  der  Besiegung
der  Spanier  die  neue  Republik  zwangen,  ihren  Waren  eine  zolltarifarische ­
  Vorzugsbehandlung  angedeihen  zu  lassen,  und  u.  a.
ihren  Carolinareis  (bezw.  was  als  solcher  bezeichnet  wurde!)  zu
billigeren  Sätzen  dort  einführen  konnten,  ging  die  Bremer  Reisausfuhr ­
  nach  Kuba  unaufhaltsam  zurück.  —  Der  zweite  schwere
Verlust  betraf  Argentinien.  Die  zahlreich  dort  ansässigen
Italiener  bevorzugen,  wie  die  Fabrikate,  so  auch  den  Reis  ihres
Vaterlandes.  Auch  nahmen  argentinische  Firmen  die  direkte  Einfuhr ­
  aus  Ostindien  auf.  —  Endlich  ging  s.  Z.  die  Wiederausfuhr
nach  Österreich  wegen  einer  die  indirekte  Einfuhr  schwer  treffenden ­
  Zollerhöhung  zurück,  die  erst  auf  Vorstellungen  der  Reichsregierung ­
  wieder  aufgehoben  wurde  —  aber  da  war  der  Schade
schon  geschehen!  Alles  dies  wirkte  naturgemäß  auf  die  Ausfuhr
aus  Bremen  ungünstig  ein.
Waren  so  manche  widrige  außernationale  Umstände  wirksam,
um  das  Auslandsgeschäft  zu  erschweren,  so  erfuhr  das  Inlandsgeschäft ­
  eine  herbe  Stockung  durch  zollpolitische  Maßnahmen
        <pb n="68" />
        64

der  Reichsregierung.  —  Bekanntlich  weigerten  sich  Hamburg"
und  Bremen  anfänglich,  dem  deutschen  Zollverein  beizutreten,  da
sie  dadurch  Nachteile  für  ihren  Handel  befürchteten.  Nachdem
Bismarck  zuerst  Hamburgs  Widerstand  gebrochen  hatte,  mußte
auch  Bremen  seine  ablehnende  Haltung  auf  geben.  Während  es
aber  Hamburg  gelang  für  sich  auszubedingen,  daß  innerhalb  seines
Freihafengebietes  von  Zöllen  und  Zollaufsicht  befreite  Fabriken
zur  Veredelung  eingeführter  zollpflichtiger  Waren  errichtet  werden
durften,  war  es  Bremen  trotz  vieler  Bemühungen  nicht  möglich,
beim  Bundesrat  die  gleiche  Vergünstigung  durchzudrücken.  Die
Folge  war,  daß  sich  u.  a.  eine  starke  Reisbe-  und  Verarbeitungsindustrie ­
  im  Hamburger  Zollausschußbezirk  entwickelte,  die,  weil
zolltarifarisch  begünstigt,  den  Bremer  im  Zollinlande  belegenen
Fabriken  einen  großen  Teil  ihres  Geschäfts  wegnehmen  konnte.
Die  den  Bremer  Mühlen  gewährten  Ausbeutesätze  sind  zu  gering
—  ja  ungenügend  in  solchem  Maße,  daß  sie  sogar  gegen  die  österreichischen ­
  Mühlen  (billiger  Wasserweg  von  Aussig  ab  die  Elbe
herunter!)  im  Nachteil  sind.
Diese  Schädigung  eines  Gemeinwesens,  das  sowieso  unter  den
schwersten  finanziellen  Opfern  um  seine  Existenz  ringen  muß,  zugunsten ­
  eines  ungleich  kräftigeren  Platzes  konnte  nicht  von  vornherein ­
  beabsichtigt  sein.  Daß  sie  aber  tatsächlich  eingetreten  ist,
ist  unbestreitbar  und  kann  genau  nachgewiesen  und  von  den  maßgebenden ­
  Stellen  nachgeprüft  werden.  Die  wiederholt  geäußerte
dringende  Bitte  Bremens,  in  dieser  Beziehung  mit  der  Nachbarstadt ­
  gleichgestellt  zu  werden,  scheint  deshalb  nicht  unbillig.  An
der  Schwächung  Bremens  kann  die  Reichsregierung  kein  Interesse
haben.  Sie  muß  vielmehr  wünschen,  seine  Konkurrenz-  und
Widerstandskraft  schon  deshalb  zu  steigern,  weil  sie  sich  auf  nur
einen  Hafen,  und  sei  er  noch  so  bedeutend,  nicht  stützen  darf.
Sonst  ist  im  Falle  seiner  aus  irgend  einem  Grunde  erfolgten
Schließung  (Choleraepidemie  in  Hamburg!)  der  Schade  für  die
Allgemeinheit  zu  groß.  Es  muß  gehofft  werden,  daß  der  Bundesrat ­
  abermaligen  Vorstellungen  ein  willigeres  Ohr  leiht  (vergl.  hierzu ­
  Seite  ii  6.)
Auch  wenn  man  die  oben  erwähnten  drei  Hauptartikel  außer
Betracht  läßt,  ist  die  übrige  Einfuhr  Bremens  aus  Ostindien  nicht
annähernd  im  Vergleich  zu  derjenigen  Hamburgs  gewachsen.  Bremens
Einfuhr,  noch  1888  mit  7 1 / 2  Millionen  Mk.  die  höchste  bis  dahin
erreichte  hamburgische  Einfuhrziffer  weit  übertreffend,  hob  sich
bis  1891  auf  über  12  Millionen  Mk.,  ist  auf  diesem  Punkte  aber
        <pb n="69" />
        65

bis  1908  stehen  geblieben  und  hat  ihn  1909  sogar  wieder  unterschritten. ­
  Hamburg  dagegen  überschritt  1908  bezw.  1907  den
Stand  von  1888  um  98 1 / 2  bezw.  152 1 / 2  Millionen  Mk.!  Beteiligt
waren  dabei  im  letzteren  Jahre:  Rindshäute  mit  37 1 / 2 ,  Raps  und
Rübsaat  mit  20,  Leinsaat  mit  io 1 / 2 ,  Schellack  mit  q 1 / 4 ,  Kopra  mit  8
und  Sesamsamen  mit  6  Millionen  Mk.  Wie  mager  nehmen  sich
dagegen  die  oben  (S.  59)  mitgeteilten  bremischen  Zahlen  aus!
Wie  bedeutend  ließe  sich  die  bremische  Einfuhr  allein  aus  Ostindien ­
  noch  steigern!
Die  Ausfuhr  Bremens  nach  Ostindien  hat  sich  etwas
besser  gestaltet.  Bremen  sowohl  wie  Hamburg  haben  sie  in  den
letzten  zwanzig  Jahren  gleichmäßig,  im  Verhältnis  1  .'5,45,  steigern
können.  Zu  berücksichtigen  ist  aber,  daß  bei  kleineren  Anfangszahlen ­
  (Bremen!)  weit  leichter  eine  schnellere  prozentuale  Steigerung
zu  erzielen  ist  als  bei  großen.  Die  durchschnittliche  jährliche  Zunahme ­
  ist  bei  Hamburg  31/4,  bei  Bremen  J / 2  Millionen  Mk.!  Also
sieben  Mal  mehr!  Hamburgs  Einwohnerschaft  ist  aber  nicht
sieben  Mal  größer  als  diejenige  Bremens.  Allerdings  ist,  was
hier  erwähnt  sein  möge,  die  Zahl  der  Ein-  und  Ausfuhrfirmen
verhältnismäßig  eine  weit  größere.  Nach  Kühn,  der  Ausfuhrzwischenhandel ­
  im  Übersee-Verkehr;  Berlin,  1908;  S.  8  betrug
die  Zahl  solcher  Firmen  in

nur  Ausfuhr

Aus-u.  Einfuhr

nur  Einfuhr

ohne  Angabe

zusammen

Hamburg.  .

252

636

35

—

923

Bremen.  .  .

19

38

3

2

62

Demnach  beständen  in  Hamburg  fünfzehn  Mal  mehr  solcher  Firmen
als  in  Bremen.  Im  Durchschnitt  wären  sie  also  viel  kleiner  als
die  bremischen.  Da  versteht  man  um  so  weniger,  warum  die
großen  bremischen  sich  nicht  mehr  gerührt  haben.  Zweitens  muß
man  sich  fragen:  Hamburgs  Einwohnerzahl  ist  nicht  ganz  vier
Mal  so  groß  als  diejenige  Bremens;  an  Ein-  und  Ausfuhrfirmen
aber  hat  es  fünfzehn  Mal  mehr  wie  Bremen;  ist  denn  Hamburgs
Lage  vier  Mal  besser  als  diejenige  Bremens?  (Das  müßte
sie  sein,  wenn  in  beiden  Städten  die  Firmengründung  entsprechend
und  verhältnismäßig  erfolgt  wäre).  Die  trotz  des  großen  Hinterlandes ­
  Hamburgs  notwendige  Verneinung  dieser  Frage  ist  ein
Kompliment  für  seine  Kaufmannschaft.  Denn  sonst  wäre  absolut
unverständlich,  warum  Hamburg  sein  gewaltiges  Übergewicht  erst
in  den  allerletzten  Jahrzehnten  erlangt  haben  sollte.
Gehrke,  Bremens  Warenhandel.

5
        <pb n="70" />
        66

b)  China  und  Japan.
Von  den  Reichen  im  fernen  Osten  ist  China  vorderhand  das
für  Deutschland  wichtigste.  Japan,  dessen  gesamter  Außenhandel
den  bremischen  an  Umfang  noch  nicht  erreicht  hat,  kommt  erst
an  zweiter  Stelle.
Die  Einfuhr  Bremens  aus  China  besteht  zum  größten  Teil
aus  Rohstoffen  (1908  Sesamsamen  für  3,  Tee  für  z 1 /^  Bettfedern
und  Daunen  für  1 1 / 4 ,  Baumwolle  für  i 1 / 4 ,  Schweinsborsten  für
x / 2  Millionen  Mk.).  Der  chinesische  Handel  ist  noch  gänzlich  passiv.
Beim  aufgeklärteren,  industrietätigeren  Japan  treten  die  Fabrikate
in  den  Vordergrund,  besonders  Seiden-  und  Halbseiden-  sowie
Galanterie-  und  Kurzwaren.  Die  verschiedene  Stellung  der  beiden
Länder  in  Industrie  und  Kultur  drückt  auch  dem  Ausfuhrhandel
dorthin  ein  verschiedenes  Gepräge  auf.  Nach  China  gehen  überwiegend ­
  Industrieerzeugnisse  (1908  Baumwollwaren  im  Werte  von
13,  Wollwaren  für  1,  Farbstoffe  —  Indigo  —  für  3,  Farbewaren
für  U/4,  Eisenwaren  für  2,  Maschinen  für  3 / 4  Millionen  Mk.)  In
der  Ausfuhr  nach  Japan  nehmen  umgekehrt  Rohstoffe  und  Halbfabrikate, ­
  die  dort  weiterverarbeitet  werden,  einen  breiteren  Raum
ein  (Eisenblech,  Draht  und  Nägel  für  5 x / 2  Millionen  Mk.);  daneben ­
  werden  an  Fertigfabrikaten  vornehmlich  Textilwaren  (für
5Y2  Millionen  Mk.)  und  Färb  waren  (für  i 3 / 4  Millionen  Mk.)  ausgeführt. ­
  Zahlenmäßig  stellt  sich  die  Gliederung  nach  der  in  der
bremischen  Statistik  üblichen  Einteilung:

Tabelle  XXV.
Warenverkehr  Bremens  mit  China  und  Japan  i.  J.  1908.

Verzehrungsgegenstände


Rohstoffe  und
Halbfabrikate

Manufakturwaren ­


And.  Industrieerzeugnisse ­


Zusammen

dz

1000  jt

dz  jioooM

dz  \1000M.

dz

1000^

dz  jiooo^

Einfuhr  von

China

2  7  OOO

3  087

116000

8345

—

280

5  000

547

148000

Japan

I  OOO

133

16000

2  82g

I  OOO

2  243

9  000

1  942

27000

Ausfuhr  nach

China

16  OOO

1180

83000

6  232

29  OOO

14  528

57000

4401

185000

Japan

2  OOO

238

2  21  OOO

9  3G

11  OOO

S  759

I5IOOO

5  653

385000

Von  den  beiden  Ländern  zusammen  wurden  im  Jahre  1908  also
Waren  im  Gewichte  von  175000  dz.  in  Bremen  eingeführt,  während
mehr  als  das  Dreifache,  nämlich  570000  dz.,  nach  dort  verfrachtet
wurden.  Ein  recht  ungünstiges  Verhältnis;  in  den  nichtdeutschen
        <pb n="71" />
        5*

6?

Zwischenanlaufshäfen  werden  die  Sachen  ähnlich  liegen.  Zwecks
besserer  Ausnutzung  der  Schiffsräumte  müßte  man  der  einkommenden ­
  Fahrt  größere  Gütermengen  zuzuführen  bedacht  sein.
Die  Handelsbeziehungen  Bremens  zum  fernen  Osten  gehören
zu  den  wenigen  wirklich  erfreulichen  Erscheinungen  im  Gesamtbilde ­
  seines  Handelsverkehrs.  Verhältnismäßig  hat  sich  bei
Bremen  die  Ausfuhr  nach  dort,  bei  Hamburg  die  Einfuhr  von
dort  stärker  gehoben.  Die  relativ  hohe  Ausfuhr  ist  um  so  bedeutungsvoller, ­
  als  der  Exporteur  an  ihr  im  allgemeinen  mehr
verdient  als  an  der  Einfuhr,  bei  der  es  sich  vielfach  um  Massengüter ­
  handelt,  die  —  von  der  Schiffahrt  sei  hier  abgesehen  —
vom  Kaufmann  in  der  Regel  nur  mit  sehr  geringem  häufig  in
keinem  Verhältnis  zum  Risiko  stehendem  Aufschlag  weitergegeben
werden  können.
Daß  die  Bedeutung  Ostasiens  für  den  bremischen  Handel
von  den  maßgebenden  Kreisen  voll  gewürdigt  wird,  geht  u.  a.
aus  verschiedenen  Jahresberichten  der  Handelskammer  hervor.
Noch  1904  betont  sie,  »daß  man  von  deutscher  Seite  allen  Versuchen ­
  Englands,  die  Yangtse-Gebiete  als  speziell  englische  Interessensphäre ­
  zu  bezeichnen,  mit  größter  Festigkeit  entgegentreten
muß.«  Der  interessanteste  Versuch,  den  Handel  Bremens  mit
China  und  Japan  zu  heben,  wurde  1896  unternommen.  In  diesem
Jahre  wurde  nämlich  eine  Sachverständigenkommission  dorthin  gesandt, ­
  um  die  Handelsverhältnisse  genau  zu  studieren.  Die  Baumwollbörse ­
  gewährte  dazu  einen  Beitrag  von  30000  Mk.,  der  Norddeutsche ­
  Lloyd  freie  Fahrt.  Wenn  die  Arbeit  der  Kommission
keine  in  die  Augen  springenden  Erfolge  zeitigte,  so  liegt  das  nicht
etwa  an  dem  System,  sondern  daran,  daß  Ostasien  seitdem  eigentlich ­
  überhaupt  noch  nicht  zur  Ruhe  gekommen  ist.  Erst  brachte
das  Ende  des  Jahrhunderts  den  japanisch-chinesischen  Krieg,  dann
kamen  die  Boxerunruhen,  und  endlich  entlud  sich  der  lange  latent
gebliebene  Gegensatz  zwischen  Rußland  und  Japan  in  einem  gewaltigen ­
  Kriege,  der  die  Luft  wohl  etwas  reinigte,  sie  aber  doch
nicht  ganz  zu  klären  vermochte.
Die  Wirkungen  des  russisch-japanischen  Krieges  sind  in  der
Tabelle  deutlich  erkennbar.  Das  Jahr  1905  zeichnet  sich  durch
eine  bemerkenswerte  Steigerung  der  Ausfuhr  nach  beiden  Ländern
und  einen  Rückgang  der  Einfuhr  aus  denselben  aus.
        <pb n="72" />
        68

5.  Handel  mit  Äfrika.
Tabelle  XXVI.

Bremens  Warenverkehr  mit  dem  dunklen  Erdteil  bewegte  sich  in
folgenden  Grenzen  (Werte  in  1000  Mk.).

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhrüberschuß

i86g

1  458

495

963

1878

2  358

635

1723

1888

8  549

848

7701

1898

11  078

1278

9  800

1903

13  520

2  493

11  027

1904

12  354

2074

10  280

1905

17  710

2  781

14929

1906

15367

4343

II  024

1907

20  832

4743

16  089

1908

16145

4923

II  222

1909

3°  493

4734

25759

Von  der  Einfuhr  entfällt  mehr  als  die  Hälfte  auf  das  Kapland.
Die  Ausfuhr  geht  besonders  nach  den  verschiedenen  Gebieten  an
der  ganzen  mittleren  afrikanischen  Ost-  und  Westküste.

Prozentual  ist  der  Einfuhrüberschuß  sehr  groß.  Es  ist  ein
Austausch  verhältnismäßig  wertvoller  Naturprodukte  gegen  Fertigfabrikate, ­
  deren  Bedarf  aber  wegen  der  schwachen  Bevölkerung
und  der  niedrigen  Kulturstufe,  der  Bedürfnislosigkeit  und  Armut
der  Eingeborenen  ein  nur  geringer  ist.  Die  Ausfuhr  dorthin  steht
dementsprechend  unter  dem  Zeichen  »durchweg  Ramschware.«
Das  Geschäft  ist  ein  ausgesprochenes  Faktoreigeschäft,  ein  Vertrieb ­
  der  eingeführten  Waren  durch  eigene  Niederlassungen  und
Agenten.  Der  Anteil  Bremens  am  afrikanischen  Handel  ist  nur
gering,  obwohl  er  recht  alten  Ursprungs  ist.  Hemmend  für  ihn
war  das  Fehlen  guter  direkter  Schiffsverbindungen.  Diese  wie
der  Handel  sind  fast  ausschließlich  in  hamburgischen  Händen.
Selbstredend  ist  der  Handel  Bremens  mit  Afrika  einer  bedeutenden ­
  Steigerung  fähig.  Nachdem  das  Hinterland  der  deutschen ­
  Kolonien  allmählich  durch  Bahnen  aufgeschlossen  und  dadurch ­
  auch  für  wertvollere  Fabrikate  aufnahmefähig  wird,  ist  die
Möglichkeit  vorhanden,  sich  noch  rechtzeitig  einen  entsprechenden
Anteil  am  Handel  mit  diesen  jungfräulichen  Gegenden  zu  sichern.
Hamburg  in  seinen  alten  Domänen  zurückzudrängen  hält  schwer,
da  das  Beharrungsgesetz  und  nicht  selten  finanzielle  Abhängigkeit
solchen  Bestrebungen  einen  Damm  entgegensetzen.  Doch  wird
sich  die  Einfuhr  der  für  die  Nahrungsmittelindustrie  wichtigen
        <pb n="73" />
        6g

tropischen  Rohprodukte  immerhin  vergrößern  lassen,  um  so  mehr,
weil  Bremen  großer  Selbstverbraucher  darin  ist.
Wir  haben  gesehen,  daß  außer  bei  Mittelamerika  mit  seinen
besonderen  Verhältnissen  Bremen  überall  da,  wo  es  nach  Errichtung
guter  direkter  Schiffsverbindungen  ernsthaft  und  unbeirrt  durch
zuerst  sich  auftürmende  Schwierigkeiten  in  den  Konkurrenzkampf
eintrat,  Erfolge  hatte.  Vornehmlich  in  solchen  Gegenden,  wo  sich
der  Kaufmann  bestehendem  bereits  spezifisch  ausgebildetem  Geschmack ­
  nicht  sklavisch  anzupassen  brauchte,  sondern  wo  die  Bevölkerung ­
  wahllos  alle  Kulturgüter  aufnahm  und  in  einer  bestimmten ­
  Richtung  erzogen  werden  konnte.  Auch  Afrika  bietet
noch  ein  weites  Feld  der  Betätigung,  weil  Handel  und  Verkehr
nur  erst  sehr  unvollkommen  ausgebildet  sind.  Wenn  dort  auch
Hamburg  fest  im  Sattel  sitzt  und  wenn  auch  England  aus  politischen ­
  Gründen  einen  gewissen  Vorsprung  hat,  wird  man  doch
den  Schluß  wagen  dürfen,  daß  für  Bremens  Afrikahandel  zwar
kein  so  außerordentlicher  Aufschwung  wie  bei  Ostasien  und
Australien,  aber  doch  immerhin  ein  entsprechender,  die  kaufmännischen ­
  Einführungskosten  und  die  eventuellen  Verluste  der
Schiffahrtsgesellschaften  in  den  ersten  Jahren  (anfängliche  Verluste
der  Hamburg-Bremer  Afrika-Linie!)  auf  die  Dauer  doch  reichlich
lohnender  erheblicher  Aufschwung  des  Verkehrs  aller  Wahrscheinlichkeit ­
  nach  eintreten  wird.
Am  wichtigsten  für  den  bremischen  Handel  sind  vorderhand
die  britischen  Besitzungen  in  Südafrika.  Sind  sie  doch  eins  der
Hauptproduktionsländer  für  Schafwolle.  In  welchem  Maße  sich
der  deutsche  Warenverkehr  mit  Südafrika  zwischen  Hamburg  und
Bremen  teilt,  ist  aus  Tabelle  27  ersichtlich.
In  der  Wolleinfuhr  ist  zunächst  die  Tatsache  festzustellen,  daß
die  Einfuhr  über  Bremen  bis  zum  Jahre  1897  durchweg  überwiegt.
Dann  gewinnt  Hamburg  einen  Vorsprung,  und  obschon  Bremen
bei  den  anormalen  Verhältnissen  d.  J.  1900  noch  einmal  ein  kleines
Mehr  aufweisen  konnte,  so  ist  es  doch  schon  1901  mit  der  Herrlichkeit ­
  wieder  vorbei.  Seitdem  bis  einschließlich  1908  steht  einer
direkten  Wolleinfuhr  Bremens  aus  Südafrika  im  Gesamtwerte
von  7  6 1 / 2  Millionen  Mk.  eine  solche  Hamburgs  im  Werte  von
io 5 1 / 2  Millionen  Mk.  gegenüber.
Was  bei  Bremen  als  Einfuhr  außer  Wolle  bleibt  und  was
an  Ausfuhrgütern  nach  Südafrika  geht,  ist  so  lächerlich  gering,
daß  es  einer  Erwähnung  nicht  wert  ist.
        <pb n="74" />
        *)  Bis  inkl.  1901  Kapland  allein.

Tabelle  XXVII.

Warenverkehr  mit  Britisch-Südafrika  (Wert  in  1000  Mk.).

fahr

B  r  e

men

Hamburg*)

Einfuhr
überhaupt ­


Einfuhr
von
Schafwolle ­


Einfuhr
ohne
Schafwolle ­


Ausfuhr

Einfuhr
überhaupt ­


Einfuhr
von
Schafwolle ­


Einfuhr
ohne
Schafwolle ­


Ausfuhr

1888

8  110

8  100

IO

87

2  691

2  363

328

1889

10  794

10  779

15

421

10  544

10  075

469

8  433

1890

8  420

8  418

2

339

6  434

6  056

378

7  863

1891

9  074

9  073

1

122

10  785

10  348

437

7  549

1892

IO  412

IO  409

3

311

7  891

7  488

403

8  601

1893

9  4°4

9  402

2

588

6  487

5  54i

946

11  604

1894

9  225

9  216

9

274

7  983

7  251

732

13  324

1895

10  412

10  380

32

552

8  097

7  291

806

14  790

1896

13  131

13  117

14

608

II  O4I

10  096

945

22  830

1897

8  732

8  732

—

53°

9  470

8  642

828

18  651

1898

8  576

8  539

37

392

12  229

10  628

1601

17  348

1899

12  254

12  239

15

419

17  639

16  245

1394

14  44°

1900

4  986

4  978

8

939

5  149

3  574

1575

16  995

IQOI

6  011

5  999

12

1184

9  921

7  949

1972

28  144

1902

6  024

6  005

19

1  3 X 9

13  189

10  585

2  604

42  279

1903

9  756

9  740

16

797

13  022

10  998

2  024

42  4O9

1904

8285

8  275

IO

594

13  597

10  993

2  604

24  393

1905

13  047

13  °39

8

566

16  646

13  44i

3  205

26  561

1906

10  350

10  341

9

644

17  922

14  432

3  490

26  140

1907

13  338

13  298

40

429

25  277

19  363

5  914

22  053

1908

9  883

9  868

15

470

23  57°

17  864

5  706

20  135

1909

17  155

17  060

95

387

(
6.  Handel  mit  Australien.
Dem  früher  über  Australien  Gesagten  ist  an  dieser  Stelle
nur  wenig  hinzuzufügen.
Tabelle  XXVIII.

Es  belief  sich  (Werte  in  1000  Mk.)  Bremens  australische

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhrüberschuß

Ausfuhrüberschuß

1869

1295

788

5°7

1878

268

903

635

1888

7803

IO  302

2499

1898

32075

14984

17  091

1903

33160

16  967

16193

1904

36251

17241

19  OIO

1905

53  207

15718

37  489

1906

71717

18  420

53  297

1907

87  616

27145

60  471

1908

67559

35  294

S 2  265

1909

93911

32  537

61  374
        <pb n="75" />
        7i

Tabelle  XXIX.
Im  Jahre  1908  kamen  von  der
Einfuhr  Ausfuhr
auf  Verzehrungegenstände  6ooodzi.W.  v,  3  000  Mk.  24000dzi.W.  v.  1986  000  Mk.
„  Rohstoffen.Halbfabrik.539000  ,,  „  65399000  ,,  544000,,  ,,  10117000  ,,
„Manufakturwaren  —  „  3 000  &amp;gt;&amp;gt;  7 000  &amp;gt;&amp;gt;  &amp;gt;&amp;gt;  5379 000  »
„  and.Industrieerzeugn.  —  „  79000  „  183000,,  „  16539000  „
Zusammen  545  ooodzi.W.v.  65  792  000Mk.  75  8000dzi.W.v.  34021  000Mk.
In  der  Einfuhr  nimmt  der  Handel  mit  Rohstoffen  und  Halbfabrikaten ­
  weitaus  die  erste  Stelle  ein.  Das  Hauptkontingent  stellt
die  Schafwolle,  die  überhaupt  3 /.,  der  ganzen  Einfuhr  ausmacht.
1907  wurde  sie  für  68,  1908  für  48 1 / 2 ,  190g  für  71  Y a  Millionen  Mk.
eingeführt.  Daneben  kamen  im  letzteren  Jahre  auf  Kupfer  9,  auf
Felle  und  Häute  i 1 / 2 ,  auf  Erze  2 1 /,,  Zinn  H/4  und  Blei  1  Million  Mk.
In  der  Ausfuhr  überwiegen  dem  Gewichte  nach  Eisenwaren  (Draht  6,
grobe  Eisenwaren  2 3 / 4 ,  Maschinen  2  Millionen  Mk.),  an  Wert
kommen  ihnen  die  Erzeugnisse  der  leichten  Industrien  ziemlich
gleich  (Baumwollwaren  3 3 / 4 ,  Gummiwaren  n 1 / 2 ,  Zündwaren  und
Zündhölzer  1  x / 4 ,  Klaviere  H/2  usw.).  Zieht  man  auch  die  über
England  gehende  indirekte  Ausfuhr  nach  Australien  in  Berücksichtigung, ­
  so  wird  man  die  Ziffern  insbesondere  für  Textilwaren
nicht  unerheblich  erhöhen  dürfen.
7.  Handel  mit  Europa.
Zum  Schluß  dieser  Übersicht  sei  der  Handelsverkehr
Bremens  mit  Europa  selbst  einer  Betrachtung  unterzogen.  Ich
kann  mich  hier  kürzer  fassen,  weil  seine  Entwicklung  und  seine
wesentlichen  Eigenschaften  vom  Überseehandel,  insbesondere  von
der  Überseeinfuhr,  bestimmt  werden.  Was  diese  Bremen  nicht
zuführt,  kann  es  eben  nicht  weiter  verhandeln.  Die  durch  seine
Vermittlung  erfolgende  Ausfuhr  deutscher  Erzeugnisse  nach
europäischen  Ländern  ist  nur  gering.  Der  Handel  Bremens  mit
dem  außerdeutschen  Europa  zeigt  deshalb  ein  anderes  Aussehen
als  derjenige  mit  den  anderen  Erdteilen.  In  ihm  überwiegt  weitaus ­
  die  Ausfuhr.
Der  Hauptartikel,  der,  ohne  in  Deutschland  weiter  verarbeitet
zu  werden,  ja  häufig  ohne  das  Zollgebiet  überhaupt  zu  berühren,
von  Bremen  aus  unmittelbar  in  das  Ausland  weiterverfrachtet  wird,
ist  die  Baumwolle.  Im  Jahre  1908  wurde  sie  allein  nach  Österreich-Ungarn,
  Rußland,  den  Niederlanden  und  Italien  im  Werte  von
234,  nach  dem  außerdeutschen  Europa  insgesamt  im  Werte  von
        <pb n="76" />
        72

Tabelle  XXX.
Umsatzziffern  des  Europahandels  Bremens  (Wert  in  1000  Mk.)

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Ausfuhrüberschuß

1869

74  136

80  297

6  161

1878

92  532

99  343

6  811

1888

89  262

101  540

12  278

1898

II9  3 8 5

179  196

59  811

1903

162  461

310257

147  796

1904

164  622

346  415

181  793

1905

181  940

315  374

r 33  434

1906

190  850

365  180

174  330

1907

231377

467  496

236  119

1908

196541

466  355

269  814

1909

221  288

455  072

233  784

260  Millionen  Mk.  verschickt.  Das  ist  mehr  als  die  Hälfte  der
europäischen  Gesamtausfuhr.  Wenn  man  dann  noch  die  unmittelbare ­
  Wiederausfuhr  der  andern  überseeischen  Artikel  berücksichtigt,
bleibt  für  die  Ausfuhr  eigener  deutscher  Waren  nur  eine  Summe
von  höchstens  etwa  150  Millionen  Mk.  über.  Das  kann  man  nicht
gerade  viel  nennen.
Aus  welchen  deutschen  Ländern  die  europäische  Ausfuhr-Bremens
  stammt,  läßt  sich  nur  schwer  feststellen.  In  erster  Linie
ist  Preußen,  daneben  Sachsen  beteiligt.  Die  Werte  einiger  der
wichtigsten  Waren,  die  Bremen  1908  aus  ihnen  bezog,  sind,  in
Millionen  Mk.  ausgedrückt:  Preußen:  Eisen  und  Stahl  32,  Waren
daraus  25,  Maschinen  16,  Düngesalze  14,  Gummireifen  12,  Getreide  9,
Zucker  9,  Baumwollwaren  7 1 / 2 ,  Wollwaren  6 3 / 4 ,  Zigarren  5%,
Zement,  Leder  und  Farbwaren  je  2 1 / 2 ;  Sachsen:  Baumwollwaren
53 3 / 4 ,  Wollwaren  1  i 3 / 4 ,  Pelzwerk  3o 1 / 2 ,  Schweinsborsten  4,  Galanteriewaren ­
  3 3 / 4 ,  Lithographien  3 3 / 4 ,  Leinenwaren  Lederwaren  2,
Bücher  und  Drucksachen  2,  Maschinen  i 3 / 4 ,  Spitzen  P/ 2 ,  Spielwaren ­
  i 1 / 2 .  Die  Einfuhr  aus  Preußen  besteht  also  mehr  aus
Produkten  der  schweren  Industrien  und  aus  Landesprodukten,
aus  Sachsen  zu  mehr  als  der  Hälfte  aus  Textilwaren.  Dies
Verhältnis  ist  auf  den  ersten  Blick  auffallend,  da  Preußen  für
186  Millionen  Mk.  Baumwolle  und  Wolle  über  Bremen  bezog,
Sachsen  dagegen  für  nur  Millionen  Mk.  Der  Umstand  findet
leicht  darin  seine  Erklärung,  daß  die  Hauptsitze  der  preußischen
Spinnstoffverarbeitungsindustrie  anderen  Häfen  günstiger  liegen.
Die  Kalieinfuhr  aus  Preußen,  die  1908  einen  Wert  von
14 1 /a  Millionen  Mk.  erreichte,  wird  aller  Wahrscheinlichkeit  nach
in  den  nächsten  Jahren  einen  größeren  Umfang  annehmen.  Noch
ist  Hamburg  der  bevorzugte  Ausfuhrhafen  dank  dem  Umstande,
        <pb n="77" />
        73

daß  es  für  die  Verschiffung  ab  den  älteren  Grubenrevieren  (Staßfurt
Schönebeck,  Thüringen)  günstiger  liegt.  Aber  immer  mehr  verschiebt ­
  sich  der  Schwerpunkt  der  Kaliförderung  nach  dem  Allerund ­
  Weserbecken  mit  dem  Verschiffungshafen  Hameln  hin.  Man
darf  deshalb  wohl  als  sicher  annehmen,  daß  die  Ausfuhr  über
Bremen  über  kurz  oder  lang  prävalieren  wird.  Für  die  Stabilität
des  bremischen  Speditionshandels  ist  dies  außerordentlich  wichtig:
der  Flußschiffahrt  wird  das  Rückgrat  gestärkt,  die  für  die  Korrektion
des  Stromlaufes  gemachten  Aufwendungen  verzinsen  sich  besser,
und  es  findet  eine  wünschenswerte  —  wenngleich  in  der  Hauptsache ­
  nur  quantitative  —  Steigerung  der  überseeischen  Ausfuhr
statt,  also  eine  bessere  Ausnutzung  der  Schiffsräumte.
Die  Bedeutung  der  Kalispedition  hat  man  in  Bremen  verhältnismäßig ­
  früh  erkannt.  Schon  1869  weist  die  Handelskammer
darauf  hin.  Trotzdem  blieb  die  Einfuhr  aus  Preußen  nach  Lage
der  Sache  noch  lange  Jahre  nur  unbedeutend,  1896  betrug  sie
erst  338000  dz.  1903  war  sie  schon  um  das  Fünffache,  auf
1  696000  dz,  gestiegen  und  hat  sich  seitdem  abermals  verdoppelt.
Über  die  in  den  letzten  Jahren  nach  Bremen  gelangten  Mengen
gibt  die  folgende  Tabelle  Auskunft.

Tabelle  XXXI.
Einfuhr  Bremens  (in  dz)  von

Jahr

Kainit

Kalidüngesalz

Andere
Abraumsalze

Zusammen

1904

1  273  000

788  000

2  061  OOO

1905

1236  000

469  000

64  OOO

1  769  OOO

1906

1834  000

768  OOO

159  OOO

2  761  OOO

1907

2  115  000

927  OOO

224  OOO

3  266  OOO

1908

1630  000

562  OOO

185  OOO

2  377  OOO

1909

1836  000

693  OOO

341  OOO

2  870  OOO

Der  Rückgang  des  Jahres  1908  ist  äußeren  Gründen  zuzuschreiben. ­
  1909  brachte  schon  wieder  ein  bedeutendes  Mehr
(493  000  dz).

Die  Einfuhr  von  Rübenzucker  aus  Deutschland  war  in  den
einzelnen  Jahren  starken  Schwankungen  unterworfen.  1897  betrug
sie  865000  dz,  1908  nur  405000  dz,  1909  gar  nur  377000  dz.
Ohne  Zweifel  wird  dies  z.  T.  auf  die  regere  Exporttätigkeit
Hamburgs  zurückzuführen  sein,  auf  einen  stärkeren  dortigen  Eigenhandel
  in  Zucker.
Insgesamt  führte  Bremen  im  Jahre  1908  aus  Preußen  2i 3 / 4
Millionen  dz  für  z68 1 / 2  Millionen  Mk.,  aus  Sachsen  1 / l  Million  dz
für  i32 1 /a  Millionen  Mk.  ein.
        <pb n="78" />
        74

Nach  der  Stellung,  die  die  europäischen  Staaten  zu
Bremen  einnehmen,  kann  man  eine  Dreiteilung  vornehmen.  Da
sind  zunächst  die  südeuropäischen  Staaten  und  Frankreich,  mit
denen  Bremen  aus  rein  geographischen  Gründen  wenig  Berührungspunkte ­
  hat;  nur  die  Einfuhr  südrussischen  Getreides  ist  von  Bedeutung. ­
  Die  zweite  Gruppe  bildet  England  mit  Holland  und
Belgien;  gemäß  ihrer  westlichen  Nachbarlage  sind  diese  Länder
gewissermaßen  die  nächste  Station  der  transozeanischen  Verkehrslinien, ­
  ein  bald  förderndes,  bald  hemmendes  Durchgangsland.  Die
dritte  Gruppe  endlich  besteht  aus  den  drei  nordgermanischen
Reichen,  Rußland,  Österreich  und  der  Schweiz;  was  die  zweite
Gruppe  für  Bremen,  das  ist  Bremen  für  diese  letztgenannten
Länder:  eine  Vermittlerin,  eine  Art  Vorposten.
Die  südeuropäischen  Staaten  können  aus  dieser  Untersuchung
ohne  weiteres  ausscheiden.  Der  Verkehr  Bremens  mit  ihnen  ist
gering  und  muß  gering  bleiben,  Möglichkeit  und  Nutzen  einer
aktiven  Beeinflussung  zum  Zwecke  seiner  Hebung  scheinen  ausgeschlossen. ­
  Der  Handel  Bremens  mit  Frankreich  müßte  allerdings ­
  größer  sein.  Direkte  Schiffsverbindungen  und  alte  Beziehungen ­
  ließen  ihn  in  Hamburg  festeren  Fuß  fassen.  Der
Hauptartikel  der  französischen  Ausfuhr  nach  Bremen  ist  Wein,
der  hier  einen  seiner  Hauptmärkte  besitzt.  —  Bremen  ist  ein  alter,
berühmter  »Weinplatz«,  besonders  für  Bordeaux.  Seine  Bedeutung
als  solcher  scheint  aber  langsam  zu  schwinden,  denn  die  nackten
Einfuhrzahlen  sind:  1873:8216000  Liter;  1884:12055000  Liter;
1905512680000  Liter;  190857471000  Liter;  1909:9075000  Liter
Selbst  wenn  man  die  großen  Schwankungen  gerade  der  Weinernten ­
  berücksichtigt,  kann  man  sich  doch  im  Hinblick  auf  die
Bevölkerungszunahme,  die  Deutschland  seit  dem  Kriege  aufzuweisen ­
  hat,  des  Eindrucks  nicht  verschließen,  daß  leider  auch  hier
ein  Abbröckelungsprozeß  vor  sich  geht.  —  Der  Warenhandel
Bremens  mit  Frankreich  hat  seit  1871  eine  Steigerung  nicht
erfahren.

a)  England,  die  Niederlande,  Belgien.
Unter  den  Staaten  der  zweiten  Gruppe  ist  England  der  weitaus ­
  wichtigste.  Die  Niederlande  stehen  in  großem  Abstande  an
zweiter  Stelle.  Tabelle  32  gibt  Auskunft  darüber.
Trotz  ihrer  internationalen  Vermittlerstellung  nehmen  die  beiden
Reiche  aber  eine  für  uns  durchaus  verschiedene  Stellung  ein.
Die  Niederlande  stehen  mit  Bremen  fast  ausschließlich
        <pb n="79" />
        75

Tabelle  XXXII.
Warenverkehr  Bremens  (Wert  in  1000  Mk.)  mit

England

Niederland

e

Belgien

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Wert

%h

Wert

%*)

Wert

%*)

Wert

%h

Wert

%h

Wert

%h

1869

49  151

I 4&amp;gt;3

14509

4,6

2  916

o,9

4  101

1,3

1  478

°,4

2  786

o,9

1870

40  174

13,1

13689

4,5

2  893

o,9

4  889

1,6

1  953

0,6

3  583

1,2

1871

65  596

14,1

24459

5,7

3  716

0,8

4  878

1,1

1  564

0,3

3  773

o,9

1872

7 2  759

14.7

I77I5

3,8

5  381

1,1

6  395

1,4

3  718

0,8

4  863

1,0

1873

84  773

16,0

21  260

4,2

4  7°i

°,9

5  197

1,0

2  890

0,6

4  114

0,8

1874

77  745

15,6

21  207

4,7

5  994

!,2

4  736

1,1

2  985

0,6

2,695

0,6

1875

77  517

17,7

25254

6,1

5  809

1,3

4  975

1,2

I  722

0,4

2  826

o,7

1876

65  633

J 4,4

22824

5,4

5  220

x ,2

5  364

1.3

1  532

0,3

3  796

o,9

1877

55  803

12,6

18845

4,4

6  078

1,4

5  820

1,4

1  464

°,3

2  792

°,7

1878

56  013

12,7

20649

4,8

4  784

1,1

4  846

1,1

995

0,2

2  018

o,5

1879

71  848

15-2

24669

5,3

6  39°

i,4

6  016

1,3

804

0,2

2  707

0,6

1880

5°  342

9,o

33418

6,5

5  463

!,°

7  4°i

1,5

I  II7

0,2

4  988

1  ,o

1881

58  833

10,6

33861

6,4

4  37°

0,8

7  732

1,5

902

0,2

4  551

0,9

1882

59  59°

ii,9

20434

4,2

5  651

1,1

6  933

1,4

691

0,1

4  801

1,0

1883

60  752

11,0

20408

3,9

7  768

1,4

8  624

1,7

785

0,1

3  458

0,7

1884

61  115

11,8

16126

3,2

7  756

1,5

7  570

1,5

1  377

0,3

1  689

°,3

1885

45  171

9,3

14815

3,1

9  732

2,0

6  941

1,4

1  598

0,3

1  642

o,3

1886

50  568

10,0

16148

3,3

11  286

2,2

6  637

1,4

3  423

0,7

1  783

0.4

1887

43  810

7,8

22934

4,3

10  009

1,8

6  969

1,3

3  724

0,7

2  24I

o,4

1888

34  93 1

5,7

23153

4,0

10  567

1,7

6  259

1,1

5  °66

0,8

2  285

o,4

188g

40  476

6, 1

31138

5,o

II  381

1,7

6  845

1,1

5  671

0,9

2  563

o,4

1890

46  017

6,1

32313

4,6

II  025

i,5

7.742

i, 1

8  621

!,2

2  150

o,3

1891

43  965

5,8

32594

4,6

10  014

i,3

9  431

1,3

5  617

0,7

6  082

o,9

1892

52  669

7,3

2927I

■4,3

9  029

i,3

8  980

1,3

5  461

0,8

2199

o,3

1893

46  °53

6,4

28422

4,2

10  816

i,5

7  529

1,1

4  044

0,6

3  464

o,5

1894

50  146

7,2

28085

4,2

10  662

i,5

8917

1,3

3  US

0,5

2  707

o,4

1895

46  697

5,8

32717

4,3

11481

1,4

7  319

1,0

4  948

0,6

2  875

o,4

1896

45  263

5,5

30637

3,8

12  523

i,5

9  974

1,2

4271

0,5

3  574

o,4

1897

45  604

5,1

34178

4,0

14  462

1,6

9  132

1,1

3  417

0,4

2  817

o,3

1898

52  557

5,6

39043

4,4

14  533

1,6

8  687

1,0

2  390

0,3

3  087

o,4

1899

61  068

&amp;lt;5,7

52420

6,0

16  966

1,9

8  521

1,0

2  602

°,3

4  980

0,6

IQOO

48  228

4,4

63916

6,1

J2  351

1,1

16  346

1,6

1  958

0,2

3  262

o,3

1901

57  243

5,4

62337

6,2

13  196

1,2

14  586

1,5

2  952

o,3

4  027

0,4

1902

51  864

4,8

69911

6,8

13  086

1,2

14  294

1,4

3  126

°,3

3  662

o,4

1903

62  069

5,1

70367

6,1

14  593

1,2

15  l? 2

1,3

4  765

0,4

2  964

o,3

1904

61  094

4,7

77  4 X 3

6,2

17  595

1,4

17  699

1,4

4  177

°,3

2  445

0,2

1905

61  235

4,6

80822

6,4

17  628

1,3

17  425

1,4

1  482

0,1

3170

0,3

1906

61  689

4,1

110867

7.6

23  768

1,6

20  225

1,4

1  379

o, 1

3  565

0,2

1907

74  909

4,1

144385

8,3

28  656

1,6

21  781

1,3

2  043

o, 1

6  540

0,4

1908

73  588

4,4

128995

8,0

22  569

1,3

23  341

1,5

1  213

0,1

4  483

0,3

1909

64  124

3,7

141785

8,3

31  451

1,2

22  542

1,3

1  038

O, 1

5  216

0,3

in  Rohstoffverkehr.  Im  Jahre  1908  führten  sie  nach  hier  für
etwa  18Y2  Millionen  Mk.  Tabak  (Sumatra  und  Java)  aus  und  bezogen ­
  von  hier  für  die  gleiche  Summe  Tabak  (4)  und  Baumwolle
(14Y4  Millionen  Mk.).  Ich  sage  »im  Verkehr  mit  Bremen.«  Denn
im  Verkehr  mit  dem  Deutschen  Reiche  geht  bekanntlich

*)  Der  Gesamteinfuhr  bezw.  der  Gesamtausfuhr.
        <pb n="80" />
        auch  ein  erheblicher  Teil  der  Ausfuhr  an  Industrieerzeugnissen
über  sie,  weil  Rotterdam  als  die  eigentliche  Rheinmündungsstadt
der  Hauptkanal  ist,  den  die  gewaltige  schwere  Industrie  Rheinland-Westfalens ­
  ebenso  wie  die  Textilindustrie  des  linksrheinischen
Deutschland  für  ihre  Ausfuhr  benutzen  muß.
Umgekehrt  tritt  bei  Bremens  Handel  mit  den  britischen
Inseln  der  Austausch  von  Industrieprodukten  in  den  Vorder-Die
  Zahlen  für  1908  sind;
Tabelle  XXXIII.
Warenverkehr  Bremens  mit  England.

grund.

Einfuhr

Ausfuhr

Verzehrungsgegenstände  65  000  dzi.W.v.  2  222000M.424000dzi.W.v.  9565000M.
Bau-  u.  Brennmaterialien  3143000,,  „  5274000  „  141000,,  „  480000,,
And.  Rohst,  u.Halbfabrik.  360000  „  „  37727000  „  255000,,  „  32007000  „
Manufakturwaren  43000,,  „  21985000  „  43000,,  „  35136000,,
And.  Industrieerzeugnisse  40000,,  „  6380000  „  298000,,  „  51807000,,
Zusammen  3651000  dz  i.W.v.73  588000M.  1161000dzi.W.v.tzSggsoooM.
In  der  Einfuhr  überwiegt  der  Menge  nach  die  Steinkohle.  Dem
Werte  nach  waren  an  ihr  beteiligt;  Schafwolle  mit  15%  (davon
australische  mit  io 1 /^,  rohes  Pelzwerk  mit  6 1 / 2 ,  Gummi  elasticum
mit  1  und  von  Industrieerzeugnissen  Baumwollwaren  mit  17,  Garne
mit  4 3 / 4 ,  Wollwaren  mit  3 1 / 2 ,  Maschinen  mit  2,  schwefelsaures
Ammoniak  mit  2  Millionen  Mk.  In  der  Ausfuhr  dorthin  erscheinen
außer  den  Roh-  und  Halbfabrikaten  der  Eisenindustrie  fast  nur
Fertigfabrikate  gewisser  Spezialzweige  der  deutschen  Industrie,  so
Baumwoll-  und  Wollwaren  und  Wollgarne  für  zusammen  36  Millionen ­
  Mark,  Gummi  waren,  Zucker,  Maschinen,  Leder-,  Glas-  und
Porzellanwaren,  Papier  und  Papierwaren,  Spielzeug,  Instrumente  usw.,
Pelzwerk.
Von  Rohstoffen  wird  in  größeren,  aber  keineswegs  ausschlaggebenden ­
  Mengen  nur  noch  Wolle  über  England  eingeführt,  die
auf  den  regelmäßig  stattfindenden  Londoner  Wollauktionen  freihändig ­
  eingekauft  wird.  Bezüglich  der  übrigen  Rohprodukte  haben
wir  uns  von  Londons  und  Liverpols  Bevormundung  und  Zwischenhändlerstellung ­
  befreit.  Wenn  es  Bremen  auch  nicht  gelungen
ist,  abgesehen  von  Baumwolle  und  z.  T.  von  Schafwolle,  den
direkten  Import  an  seine  Flagge  zu  fesseln,  so  hat  es  doch  sein
Teil  dazu  beigetragen,  daß  wenigstens  das  größere  Vaterland  für
den  Bezug  der  andern  wichtigen  Ausfuhrgüter  der  heißeren  Zonen
nicht  mehr  von  England  abhängig  ist.
Inbezug  auf  den  Austausch  von  Industrieprodukten  findet
        <pb n="81" />
        77

zwischen  Deutschland  und  England  eine  bemerkenswerte  Produktionsteilung ­
  statt.  Die  je  aus  dem  andern  Lande  bezogenen
Fabrikate  sind  größtenteils  dessen  Spezialartikel,  in  denen  das
eigene  Land  nicht  konkurrieren  kann.  Besonders  zeigt  sich  dies
in  der  Textilindustrie.  In  der  obigen  kleinen  Zusammenstellung
kommt  dies  deutlich  zum  Ausdruck.
Die  aus  England  eingeführten  Fabrikate  gelangen  mit  wenigen
Ausnahmen  in  Deutschland  selbst  zum  Verbrauch.  Daß  dagegen
England,  hauptsächlich  für  deutsche  Textilprodukte,  fast  nur  ein
für  eigene  Rechnung  kaufendes  Durchgangsland  ist,  ist  schon
erwähnt.  Unzweifelhaft  ist  das  kein  idealer  Zustand.  Der  Zwischengewinn, ­
  der  den  englischen  Exporteuren  zufällt,  könnte  ebensogut ­
  von  deutschen  Firmen  verdient  werden.  Aber  darin  wird  nur
langsam  eine  Änderung  eintreten  können.  Die  Waren  gehen
vielfach  nach  englischen  Kolonien,  und  dort  die  Konkurrenz
unserer  Vettern  jenseits  des  Kanals  aus  dem  Felde  zu  schlagen
ist  nicht  so  leicht,  wie  es  in  Nord-  und  Südamerika  möglich  war,
wo  der  freie  Verkehr  nicht  durch  politische  Abhängigkeit  beschränkt ­
  wird.
Am  Gesamteuropahandel  Bremens  ist  England  1908  in  der
Einfuhr  dem  Werte  nach  mit  37%,  in  der  Ausfuhr  mit  27%  beteiligt. ­
  Bei  Hamburg  dagegen  nimmt  der  englische  Warenverkehr
in  der  Einfuhr  genau  die  Hälfte  und  auch  in  der  Ausfuhr  mehr
als  2 /s  e i n -  Absolut  übersteigt  die  englische  Einfuhr  Hamburgs
die  bremische  vier  Mal  und  seine  englische  Ausfuhr  diejenige
Bremens  mehr  als  sieben  Mal.  In  der  Einfuhr  erscheint  bei
Hamburg  im  Jahre  1907  allein  Wollen-  und  Halbwollengarn  mit
78V2  Millionen  Mk.,  also  schon  in  einem  einzigen  Artikel  ein
Umsatz,  der  die  ganze  bremische  Einfuhr  aus  England  an  Wert
hinter  sich  läßt;  Baumwollengarn  ferner  wurde  für  Ö4 1 / 2 ,  andere
Baumwollwaren  wurden  für  46  Millionen  Mk.  eingeführt;  die  Einfuhrsumme ­
  von  Steinkohle  erreichte  6  7^2  (Bremen  1908:5),  von
Eisen  und  Stahl  38,  von  Gummi  elasticum  25,  von  Heringen  10
Millionen  Mark.  In  der  Ausfuhr  glänzen  Zucker  (Kristallzucker,
roher  Zucker  und  Raffinaden)  mit  174 1 / 2 ,  Eier  mit  17  Millionen
Mark  usw.  Die  bremischen  Zahlen  verschwinden  dagegen.
Daß  Hamburgs  Ausfuhr  in  den  beiden  letztgenannten  Artikeln ­
  viel  bedeutender  ist  als  diejenige  Bremens,  ist  leicht  erklärlich. ­
  Liegt  doch  der  Hauptsitz  der  Rübenzuckerfabrikation  im
mittleren  Elbgebiet,  kommen  doch  die  Eier,  die  nach  England
weiter  gehen,  aus  dem  federviehreichen  Osteuropa.  Uber  die  eng ­
        <pb n="82" />
        lische  Textilwareneinfuhr  Hamburgs  ist  zu  sagen,  daß  ein  großer
Teil  derselben  —  analog  England!  —  nicht  im  eigenen  Lande
bleibt,  sondern  für  hamburgische  Rechnung  wieder  ins  Ausland
geht.  Da  nun  Hamburgs  Gesamtausfuhr  die  bremische  übertrifft,
liegt  in  seiner  englischen  Mehreinfuhr  kein  für  Bremen  gefährliches ­
  Zeichen  versteckt.  Trotzdem  ist  es  sehr  wohl  wünschenswert ­
  und  auch  sehr  wohl  möglich,  den  britischen  Handel  mehr
nach  Bremen  zu  ziehen.  Nach  Verbesserung  des  Schiffahrtsweges
der  Oberweser  und  im  Anschluß  daran  erfolgter  Angliederung
eines  reicheren,  lokal  ausgedehnten  Hinterlandes  haben  die  Verhältnisse ­
  endlich  eine  für  Bremen  vorteilhafte  Änderung  erfahren.
Die  schließliche  Durchführung  des  großzügigen  mittelländischen
Kanalprojektes  wird  eine  weitere  Gesundung  zur  Folge  haben.
Am  europäischen  Verkehr  Bremens  waren  die  Staaten  der
zweiten  Gruppe  im  Jahre  1908  in  der  Einfuhr  mit  genau  der
Hälfte,  in  der  Ausfuhr  mit  etwa  1 / 3  beteiligt.
Haben  wir  im  vorstehenden  gesehen,  daß  Hamburg  Bremen
im  Verkehr  mit  der  westlichen  Hälfte  Europas  weit  übertrifft,  so
sahen  wir  doch  auch,  daß  die  Ursachen  in  dem  historischen
Werden  der  Verhältnisse  begründet  liegen  und  daß  sie  menschlicher ­
  Beeinflussung  zugunsten  Bremens  verhältnismäßig  leicht  zugänglich ­
  sind.  Wie  in  einer  späteren  Tabelle  nachgewiesen  wird,
hat  sich  das  Anteilsverhältnis  in  den  beiden  letzten  Jahrzehnten
schon  sehr  zum  Vorteil  Bremens  verschoben.  (Vergl.  Tabelle  36).
b)  Nord-,  Ost-  und  Mitteleuropa.
Das  Gleiche  kann  man  vom  nord-  und  osteuropäischen  Verkehrsbezirk ­
  in  diesem  Umfange  leider  nicht  sagen.  Da  kommt
der  große  Vorteil,  den  Hamburg  seine  östlichere  Lage  gibt  und
der  selbst  durch  die  fortgeschrittenste  Technik  nur  verringert,  aber
nicht  aus  der  Welt  geschafft  werden  kann,  in  vollstem  Maße  zur
Geltung,  besonders  seit  der  Aushebung  des  Nord-Ostseekanals.
Hamburg  ist  der  östlichste  Hafen  der  deutschen  Nordseeküste,  am
tiefsten  in  der  Ausbuchtung  der  Nordsee  gelegen,  den  die  großen,
tiefgehenden  Überseedampfer  ohne  zu  leichtern  erreichen  können.
In  ihm  endigt  die  ozeanische  Großschiffahrt  mit  ihren  auf  internationalen ­
  Abmachungen  beruhenden  Erachtenausgleichungen,  und
die  Küstenschiffahrt  mit  ihrer  Frachtenstaffelung  beginnt.  In  ihm
geben  sich  Nord-  und  Osteuropa  mit  den  transozeanischen  Erdgebieten ­
  die  Hand.
Freilich,  der  Handel  Bremens  mit  Rußland  und  auch  mit
        <pb n="83" />
        79

Tabelle  XXXIV.
Übersicht  über  Bremens  Warenhandel  i.  J.  1908
mit  Österreich-Ungarn  und  Rußland.
Einfuhr.

Verzehrungsgegenstände ­


Bau-  und
Brennmaterial. ­


Andere  Rohstoffe ­
  und
Halbfabrikate

Manufaktur ­
 ­


Andere
Indus  trieerzeugniss.


Zusamm  en

dz

Wert
in
1000  «Alt

dz

•2^
■£  0
«  0
£2

dz

0001
Ul

dz

■S=|
1  8
5t2

dz

Wert  in
1000  Mi

dz

•2  3
■£  0
£  §

Österreich-Ungarn


96000

3805

1000

4

34000

2764

3000

1920

51000

11733

185000

20226

Europ.
Russland

4641000

53794

—

—

1375000

9396

—

18

1000

236

6017000

63444

Aus:

’uhr

Österreich-Ungarn


21000

2736

—

I

861000

92603

2000

1642

8000

1580

892000

98562

Europ.
Russland

202000

5243

32000

82

II53000

II28lO

2000

IOO

54°o°

3602

1443000

121837

Österreich  prangt  mit  stolzen  Zahlen.  Die  Ausfuhr  nach  Rußland
z.  B.  erreicht  fast  diejenige  nach  England.  Aber  dadurch  darf
man  sich  nicht  blenden  lassen.  Die  Baumwollausfuhr  allein
macht  nach  Österreich  87 1 / 2 ,  nach  Rußland  landwärts  42 x / 4  und
seewärts  67 1 / 4 ,  zus.  109 1 / 2  Millionen  Mk.  aus,  d.  h.  in  beiden
Fällen  9 / 10  der  ganzen  Ausfuhr.  Der  für  Bremen  sich  daraus
ergebende  Nutzen  ist  gewiß  nicht  gering  anzuschlagen.  Vergegenwärtigt ­
  man  sich  aber,  daß  Hamburgs  Ausfuhr  auch  nach
diesen  Ländern  sich  nicht  auf  einen  einzigen  Stapelartikel
beschränkt,  gegen  den  alles  übrige  bedeutungslos  ist,  sondern
eine  große  Vielseitigkeit  aufweist,  so  liegen  die  damit  verknüpften
Vorteile  klar  auf  der  Hand.
Die  Einfuhr  aus  Rußland  umfaßt  natürlich  zumeist  Getreide.
Obenan  steht  1908  Gerste  mit  39  Millionen  Mk.  Erst  in  sehr
weitem  Abstande  folgen  Roggen  und  Mais.  Der  Wert  der  Holzdieleneinfuhr ­
  belief  sich  auf  6 1 /,  Millionen  Mk.
Umgekehrt  setzt  sich  die  Einfuhr  aus  Österreich,  den  langen,
teuren  Transportwegen  entsprechend,  hauptsächlich  aus  Fabrikaten
zusammen,  als  Glas-,  Galanterie-  und  Kurz-,  Lederwaren,  Bier,
Nähseide  und  Zwirn.  Hält  man  dieser  Einfuhr  Bremens  von  mehr
als  20  Millionen  Mk.  diejenige  Hamburgs  entgegen,  die  noch  nicht
einmal  i 1 / 2  Millionen  erreicht,  so  weiß  man  mit  dem  Einwande
der  günstigeren  Lage  letzterer  Stadt  schlechterdings  nichts  anzufangen.
Hamburg  ist  für  Österreich  günstiger  gelegen.  Und  trotzdem
dieses  Übergewicht  Bremens,  das  auch  nicht  etwa  durch  Gegenseitigkeitsgeschäfte ­
  (Baumwolle,  galizische  Auswanderung)  erklärt
        <pb n="84" />
        8o

werden  kann!  ?  Man  sollte  meinen,  was  Bremen  bei  Österreich
gelang,  sollte  ihm  unter  gleichen  Bedingungen  auch  anderswo
gelingen!
Der  Handel  mit  dem  skandinavischen  Norden  ist  noch  immer
ein  Stiefkind  Bremens.  Man  hat  so  recht  keine  Produkte,  die  man
dort  oben  anbieten  kann,  da  sich  der  Hauptmarkt  für  die  in  erster
Linie  für  die  Ausfuhr  nach  dort  in  Frage  kommenden  Kolonialwaren ­
  in  Hamburg  befindet  und  man  es  für  aussichtslos  hielt,  mit
dieser  Stadt  darin  in  Konkurrenz  zu  treten.  Diesen  kleinlichen
Standpunkt  scheint  man  nach  mancherlei  Anläufen  und  Anzeichen,
die  sich  in  den  letzten  Jahren  bemerkbar  machten,  endlich  verlassen
zu  wollen.  Jenen  Ländern  in  der  gleich  kurzen  Zeit,  wie  es
Hamburg  vermag,  zu  liefern  wird  nie  möglich  sein.  Aber  wenn
die  bremischen  Reedereien  ihren  Fahrplan  erweitern,  das  Netz  der
Anlaufhäfen  vergrößern  und  die  Frachtraten  auf  hamburgischer
Basis  halten,  dann  wird  bei  gleichem  Warenangebot  die  geringe
Zeitdifferenz  allein  nicht  mehr  so  schwer  für  Hamburg  ins  Gewicht
fallen.  Die  Ausgleichung  der  Küstenfrachtraten  wäre  allerdings
m.  E.  die  conditio  sine  qua  non,  weil  sie  den  Vorteil  der  östlicheren
Lage  Hamburgs,  das  seine  Übersee  waren  zu  gleichen  Sätzen
(abgesehen  von  der  Weserschiffahrtsabgabe)  bezieht  wie  Bremen,
z.  T.  wieder  aufhebt.
Wenn  sich  die  an  der  Unterweser  ins  Leben  gerufene  Eisengroßindustrie ­
  günstig  entwickelt,  steht  zu  erwarten,  daß  sich  mit
der  Erzeinfuhr  aus  Schweden  auch  die  Ausfuhr  nach  ihm  und
den  übrigen  nordischen  Ländern  (Rückfrachten!)  heben  wird.
Die  Umsätze,  die  der  bremische  Warenhandel  mit  den  Staaten
der  dritten  Gruppe  erzielte,  gehen  aus  Tabelle  35  hervor.  Von
einer  Gegenüberstellung  der  hamburgischen  Zahlen  glaubte  ich
hier  absehen  zu  können,  da  sich  das  Nötige  aus  der  folgenden
Tabelle  (36)  ergibt.  Von  der  europäischen  Ausfuhr  Bremens  entfallen ­
  auf  die  letztbesprochenen  Länder  3 / 5 ,  von  der  europäischen
Einfuhr  2 / s .
8.  Zusammenfassung.
Ich  komme  zum  Schluß  des  speziellen  Teils  und  gebe  in
Tabelle  36  eine  Übersicht,  in  welchen  Erdteilen  und  wichtigeren
Ländern  der  Handel  Bremens  gegenüber  demjenigen  Hamburgs
hinter  dem  Durchschnitt  zurückgeblieben  ist  oder  ihn  überschreitet, ­
  wenn  man  das  zahlenmäßige  Verhältnis,  in  dem  die  Gesamthandelswerte ­
  der  beiden  Städte  zu  einander  stehen,  als
Vergleichsobjekt  nimmt.  Die  Zahlen  des  bremischen  Handels  sind
        <pb n="85" />
        rke,  Bremens  Warenhandel.

Tabelle  XXXV.
Warenverkehr  Bremens  (Wert  in  1000  Mk.)  mit

Dänemark

Sc

ll  w

e  d  e  n

N  orwegen

Österreich-Ungarn

R

ußland

Schweiz

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Wert

O/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

Wert

O/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
7o

86

2504

0,8

438

o, 1

34W

1,1

1126

0,3

2228

0.7

6390

1,9

19674

6,2

4693

1,4

17422

5,5

262

0,1

10853

3,4

1869

93

—

1790

0,6

4°5

o, 1

2936

1,0

733

0,2

2670

o,9

7024

2,3

24529

8,1

3457

1,1

22453

7,4

671

0,2

7877

2,6

1870

83

—

1893

0,4

844

0,2

4062

1,0

1192

0.3

2707

0,6

9355

2,0

25930

6,0

7462

1,6

16024

3,7

I579I

3,4

17136

4,0

1871

41

—

2359

°,5

769

0,2

4935

1,1

1664

o,3

3158

0,7

11138

2,2

33598

7,1

5706

1,2

11548

2,5

10522

2,1

10050

2,!

1872

71

—

2319

o,5

1190

0,2

554°

1,1

2290

0,4

4559

0,9

8820

1,7

43!o8

8,6

9722

1,8

17753

3,5

4333

o,8

12888

2,6

1873

43

—

2247

o,5

698

0,1

5881

i,3

1667

o,3

3958j

0,9

8424

1,7

37006

8,2

10721

2,2

20494

4,5

2795

0,6

IO7O7

2,4

1874

83

—

2566

0,6

894

0,2

5061

1,2

1208

o,3

3928

0,9

7656

1,8

32474

7,8

7427

1,7

12495

3,o

2386

0,5

7271

1,8

1875

37

—

2890

o,7

789

0,2

5396

i,3

1243

°,3

4419

1,1

6716

1,5

34736

8,2

13142

3,0

14422

3,4

1923

0,4

6345

1,5

1876

24

—

2778

0,6

343

0,1

5802

i,4

783

0,2

4254

1,0

6549

1,5

35976

8,4

13754

3,1

13421

3,i

1693

0,4

6448

1,5

1877

5

—

24 8 5

0,6

465

0,1

4969

1,2

505

O,!

2846

0,7

7275

1,7

36477

8,5

14732

3,3

14316

3,3

891

0,2

7214

1,7

1878

23

—

2479

o,5

1083

0,2

3796

0,8

543

0,1

3009

0,6

7111

1,5

37390

8,0

18809

4,0

11685

2,5

432

0.1

6944

1,5

1879

97

—

2645

°,5

748

0,1

5596

1,1

525

0,1

3607

0,7

11193

2,0

42929

8,4

12653

2,3

11969

2,3

607

0,1

8540

1.7

1880

12

—

3033

0,6

754

o, 1

5761

1,1

553

0,1

3405

0,7

10639

1,9

41862

8,0

10468

1,9

17060

3,2

588

o, 1

II599

2,2

1881

l6

—

2531

o,5

477

0,1

4784

1,0

448

o, 1

2627

0,5

9873

2,0

34084

7,i

11574

2,3

14050

2,9

1177

0,2

10373

2,2

1882

IO

—

2674

o,5

792

o, 1

5637

1.1

653

0,1

33° 6

0,6

10693

1.9

39732

7,6

12512

2,3

I804O

3,5

873

0,2

12230

2,3

1883

43

—

2916

0,6

546

0,1

6263

1.3

831

0,2

4019

0,8

12211

2,4

37342

7,5

15354

3.0

I437I

2,9

1150

0,2

9842

2,0

1884

97

—

3041

0,6

547

0,1

6138

1,3

640

0,1

3553

0,7

8756

1,8

35074

7,3

13303

2,7

12028

2,5

552

0,1

7540

1,6

1885

62

—

2387

o,5

628

o, 1

5469

1,1

553

0,1

3341

0,7

8711

1,7

28913

5,9

9676

1,9

I435I

2,9

727

0,1

7824

1,6

1886

70

—

2547

o,5

659

o, 1

5738

i,i

614

0,1

2771

0,5

8499

1,5

36278

6,8

10382

1.8

18776

3,5

692

o, 1

10761

2,0

1887

70

—

2796

o,5

838

O, 1

5558

1,1

702

0,1

2998

0,5

9087

1,5

28970

5,o

14272

2,3

13339

2,3

700

o, 1

7946

1,4

1888

Jahr

1869
1870
1871
1872
1873
1874
1875
1876
1877
1878
1879
1880
1881
1882
1883
1884
1885
1886
!  1887
1888
        <pb n="86" />
        Tabelle  XXXV  (Fortsetzung).

Warenverkehr  Bremens  (Wert  in  1000  Mk.)  mit

.Dänemark

Sc

h  w

e  d  e  n

Norwegen

Ös  terr

eich-Ungarn

Rußland

Schweiz

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Einfuhr

Ausfuhr

Jahr

Wert

O/l
/o

Wert

O/J
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

Wert

O/
/o

Wert

0/
/o

Wert

0/
/o

1889

77

_

°,5

1282

0,2

65W

1,0

781

°) 1

3°3 6

0,5

10241

1,5

36564  5,8

15789

2,4

18604

3,0

897

0,1

IO94I

1,7

1889

1890

92

—

3 i8 9

o,5

1093

0,2

5474

0,8

776

0,1

2678

0,4

12413

i,7

478x6j6,8

16773

2,2

15981

2,3

637

0,1

17970

2,5

1890

1891

83

—

4114

o,6

«55

0,1

5768

0,8

640

0,1

3877

o,5

9782

i,3

45924

6,4

20222

2,7

18357

2,6

868

0,1

12289

i,7

1891

1892

204

—

4222

0,6

1815

0,2

6313

0,9

664

0,1

3805

0,6

IO4OO

i,5

38598

5,6

6872

1,0

14348

2,1

564

0,1

11536

i,7

1892

1893

76

—

4667

o.7

1899

0,3

6662

i j°

553

0,1

4299

0,6

10666

r,5

39700

5,9

6806

0,9

9877

i,5

618

0,1

1x366

i,7

1893

1894

66

—

4465

o,7

1998

0,3

6033

0,9

663

0,1

333°

o,5

7786

1,1

36327

5,4

20093

2,9

*4347

2,1

549

0,1

12473

1,9

1S94

1895

73

—

4650

0,6

1755

0,2

5594

0,7

629

o, 1

3624

o,5

9924

1,2

42477

5,6

27847

3,5

17939

2,3

514

O, 1

12051

1,6

1895

1896

88

—

4975j

0,6

2038

0,3

5252

0,6

1759

0,2

3364

0,4

10706

1.3

42364

5,2

22986

2,8

28783

3,6

757

°&amp;gt; I

13299

1,6

1896

1897

79

—

5528

0,7

3358

0,4

7796

0,9

856

o, 1

3405

0,4

9595

1,1

5°2  7 1

5,9

23854

2,7

347W

4. 1

504

0,1

12281

1,4

1897

1898

92

—

5917

0,7

3041

0,3

8350

0,9

1027

0,1

4963

0,6

9424

1,0

44949

5,i

22635

2,4

42077

4,7

600

0,1

13930

1 ,6

1898

1899

78

—

640g

0,7

4 I 3°

0,5

8972

1,0

901

0,1

5162

0,6

12204

1,3

45300

5,2

22979

2,5

40340

4,6

664

0,1

lO/Oy

1 ,2

1899

1900

106

—

6690

0,6

4617

0,4

10712

1,0

923

o, 1

5336

0,5

H933

1,1

60971

5,8

29302

2,7

60743

5,8

633

O, 1

14471

1,4

1900

1901

208

—

8407

0,8

3232

0,3

11913

1,2

657

o, 1

5796

0,6

14556

1,4

63092

6,3

27820

2,6

53887

5,4

6ll

0,1

14335

1.4

1901

1902

4 2 3

—

9414

0,9

3866

0,4

11491

I , 1

1447

0,1

5848

0,6

16403

i,5

63374

6,1

36003

3,3

61151

5,9

1039

o, 1

15018

1,5

1902

1903

170

—

9896

0,8

4200

0,4

12215

1,1

964

0,1

4973

°,4

16169

i,3

67292

5,8

44475

3,7

99611

8,6

790

0,1

16528

1,4

1903

1904

209

—

10267

0,8

4963

0,4

10714

0,9

1211

o, 1

5221

°,4

16123

1,2

83285

6,7

4:1453

3,2

106487

8,6

729

0,1

18301

1,5

1904

1905

704

0,1

10244

0,8

4499

0,3

9705

0,8

975

0,1

5134

°,4

18178

M

70214

5,5

55581

4,1

88911

7,o

1050

°&amp;gt; I

16863

1,3

1905

1906

989

0,1

12974

o,g

4477

0.3

13889

1,0

1432

0,1

5514

°,4

18377

1,2

94082

6,5

58344

3,9

7x5x2

4,9

2939

0,2

18012

1,2

1906

1907

906

—

19675

1,1

5455

0,3

15653

0,9

1995

0,1

6697

0,4

24085

i,3

98086

5,6

63444

3,4

95573

5,5

4544

0,3

19359

1,1

1907

1908

652

—

13399

0,8

4357

0,3

13605

0,8

1167

0,1

6516

0,4

20226

1,2

98562

6,1

55077

3,3

121837

7,6

1672

0,1

17679

1,1

1908

1909

551

—

15896

o,9

3475

0,2

12888

o,s

1076

o, 1

6096

0,4

28899

1,7

106511

6,3

80384

4.6

984S4

5,8

2912

0,2

19826

1,2

J909

l )  Der  Gesamteinfuhr

bezw.

der

Gesamtausfuhr.
        <pb n="87" />
        -  83  —
jedesmal  gleich  xoo  gesetzt,  die  »Relativzahl«  bedeutet  die  dann
für  Hamburg  sich  ergebende  Zahl.  Wo  Bremens  Handel  den
Durchschnitt  des  Gesamthandels  nicht  erreicht,  ist  dies  durch
schrägen  Druck  der  Relativzahlen  kenntlich  gemacht.
Zur  Veranschaulichung  ein  Beispiel.
Bremens  Gesamteinfuhrhandel  im  Jahre  1908  verhielt  sich  zu
Hamburgs  Gesamteinfuhrhandel  dem  Werte  nach  wie  100:273
(d.  h.,  Hamburgs  Gesamteinfuhrhandel  war  im  genannten  Jahre
2 3 / 4 mal  größer).  Bremens  Einfuhr  von  Dänemark  verhielt  sich
zu  der  Hamburgs  wie  100:3063  (d.  h.,  Hamburgs  dänische  Einfuhr
war  etwa  dreißigmal  größer)  —  also  ist  Bremen  an  dem  deutschen
Einfuhrhandel  dänischer  Waren  verhältnismäßig  wenig  beteiligt.
Andererseits  verhielt  sich  Bremens  Einfuhr  aus  den  Niederlanden
zu  derjenigen  Hamburgs  wie  100:190  (d.  h.,  Hamburgs  niederländische ­
  Einfuhr  war  nur  etwa  zwei  Mal  größer)  —  also  ist
Bremen  am  Warenverkehr  mit  den  Niederlanden  verhältnismäßig ­
  stark  beteiligt.
Demnach  bieten  die  Verhältnisse,  wie  sie  sich  im  Jahre  1908
darstellten,  folgendes  Bild;
I.  Einfuhr.
1.  Bremen  überschreitet  den  Durchschnitt  im  Verkehr ­
  mit  Nordamerika  und  Australasien;  im  einzelnen
mit  den  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika,  Japan,
Holland,  Österreich-Ungarn.
2.  Bremen  unterschreitet  den  Durchschnitt  im  Verkehr ­
  mit  Europa,  Mittel-  und  Südamerika,  Asien  und
Afrika,  im  einzelnen  mit  England,  Frankreich,  Belgien,
Dänemark,  Norwegen,  Schweden,  Rußland,  Argentinien
und  Uruguay,  Brasilien,  China,  Britisch-Ostindien.
II.  Ausfuhr.
1.  Bremen  überschreitet  den  Durchschnitt  im  Verkehr ­
  mit  Europa,  Nordamerika,  Australasien,  im  einzelnen
mit  Holland,  Rußland,  Österreich-Ungarn,  Vereinigten
Staaten  von  Nordamerika,  China,  Japan.
2.  Bremen  unterschreitet  den  Durchschnitt  im  Verkehr ­
  mit  Mittel-  und  Südamerika,  Asien,  Afrika,  im
einzelnen  mit  England,  Frankreich,  Belgien,  Dänemark,
Norwegen,  Schweden,  Argentinien  und  Uruguay,  Brasilien, ­
  Britisch-Ostindien.
Will  man  also  Bremens  Handel  heben,  so  muß  man  darnach  sti'eben
G*
        <pb n="88" />
        8 4

Tabelle  XXXVI.
Vergleich  zwischen  dem  Außenhandel  (Wert  in  1000  Mark)  Bremens
und  Hamburgs  mit  den  einzelnen  Erdteilen  und  deren  wichtigsten
Gebieten.

Land

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Bremen

Hamburg

Relativzahl ­
  J )

Bremen

Hamburg

Relativzahl ­


Gesamthandel

x888

406  262

1078  057

265

275  269

1151135

418

1898

655  046

1  957  666

299

335  256

1326  884

396

1903

854  863

2  314  078

27I

509  229

1809  938

355

1908

1129367

3088213

273

771  822

2292898

297

Europa  total

1888

89  262

660  844

740

131  228

608  667

464

1898

119  385

74°  549

620

179  196

739  248

413

1903

162  461

882  955

543

310  257

957  000

308

1908

196  541

1  094  953

557

466  355

1  170  659

251

England

1888

34  93i

421  265

1206

31  138

394  64 1

1267

1898

52  557

406  843

774

39  043

385  250

987

1903

62  069

421  358

679

70  367

472  679

672

1908

73  588

544  463

740

128  995

503  172

390

Frankreich

1888

4  568

58  492

1280

972

18  026

1855

1898

2  945

50  505

1  715

2  811

17  977

640

1903

3  583

58  667

1637

2  249

22  365

994

1908

3  843

67  511

1757

2  446

27117

1109

Niederlande

1888

10  567

33  420

316

6845

25  649

375

1898

14  533

36  498

251

8  687

27  182

3*3

1903

14  593

44  455

805

15  172

36  367

240

1908

22  569

42  464

190

23  341

40  251

172

Belgien

1888

5  066

17  674

349

2  563

IO  040

392

1898

2  390

24  439

1  023

3  o8 7

21  755

705

1903

4  765

3°  361

637

2  964

27  731

936

1908

1  213

23  372

1027

4  483

44157

985

Dänemark

1888

70

1  299

1856

3  141

14  343

457

1898

92

7  802

8  480

5  917

32  485

549

1903

170

19  119

11246

9  686

63  098

651

1908

652

19  973

SOGS

13  399

78  765

588

Norwegen

1888

702

13  3 01

1  895

3  °3ö

36  985

1218

1898

I  027

20  840

2  029

4963

67  016

1350

1903

964

23  457

2  433

4  973

64  379

1295

1908

1  167

38  425

3293

6  516

75  396

1157

Schweden

1888

838

7  286

869

6  517

23  43°

360

1898

3  041

17  566

578

8  350

53  587

642

1903

4  200

37  044

882

12  215

78  353

641

1908

4357

55  157

120  G

13  605

107  903

793

Rußland

1888

14  272

28  409

199

18  604

21  293

114

1898

22  635

102  249

452

42  077

58  915

I4O

1903

44  475

155  493

350

99  611

9i  737

92

1908

55  077

176  964

321

121  837

153  037

126

Österreich-Ungarn

1888

9087

862

9

36  564

6  783

19

1898

9  424

1  139

12

44  949

ix  64g

26

1903

16  169

2  O32

13

67  292

9  956

15

1908

20  226

1  381

7

98  562

13  860

14

*)  »Relativzahl«  bedeutet  die  sich  jeweils  für  Hamburg  ergebende  Zahl,  wenn,
die  entsprechende  Bremer  Zahl  jedesmal  =  100  gesetzt  wird!
        <pb n="89" />
        5

Tabelle  XXXVI  (Fortsetzung).
Vergleich  zwischen  dem  Außenhandel  (Wert  in  1000  Mark)  Bremens
und  Hamburgs  mit  den  einzelnen  Erdteilen  und  deren  wichtigsten
Gebieten.

Land

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Bremen

Hamburg

Relativzahl*)


Einfuhr.

AusfuhrO

Relativzahl ­


Nordamerika

1888

199  252

105  528

53

101  679

167  384

165

1898

329  772

444  028

135

87  370

164  HO

188

1903

464  069

437  474

94

io 5  347

260  169

247

1908

651  130

580  161

89

146  318

290  579

199

Mittelamerika

1888

10  854

51  876

478

2  582

47  867

1854

1898

15  3°5

92  933

607

2  020

42  265

2092

1903

12  835

79  091

616

4  676

59  477

1272

1908

15  914

125  528

789

9  762

79  810

818

Südamerika

1888

4 2  592

226  216

531

13  477

2I4  201

1589

1898

88  876

348  709

392

17  243

174  587

1013

1903

89  649

445  133

497

24  IOI

216  650

899

1908

95  616

640  174

(170

47  790

319  578

009

Brasilien

1888

18  387

83  154

452

3  436

65  012

1890

1898

27  367

133  746

489

3  538

68  333

1931

1903

20  329

137  132

675

6  407

72  444

1131

1908

23  337

157  184

078

9  910

101  315

1022

Argentinien  und

1888

21  298

47  156

221

8  744

77  127

882

Uruguay

1898

54  373

105  637

194

12  969

45  614

352

1903

64  468

176  740

274

15  836

65  703

415

1908

60  586

270  586

449

22  734

124  437

547

Äsien

1888

47  95°

46  245

96

16  315

54  793

335

1898

58  555

226  185

386

33  165

114  647

346

1903

79  169

322  430

407

45  388

172  55i

380

1908

86  462

385  286

440

61  380

249  010

400

China

1888

5  031

4  310

86

5  905

14  763

250

1898

7  281

18  645

256

23  091

19  673

85

1903

12  845

29  150

227

26  649

49  059

184

1908

12  259

41  908

842

26  341

45  448

173

Japan

1888

3  698

8  218

222

4  264

14  072

33°

1898

2  072

11  149

538

5  325

39  148

735

1903

4  182

20  796

497

10  269

35  5°3

346

1908

7  147

18  977

266

20  965

56  864

271

Brit.-Ostindien

1888

29  388

19  520

66

4  8 ?8

13  831

284

1898

42  887

168  577

393

3  706

28  826

778

1903

55  ö? 8

224  230

403

7  428

45  414

611

1908

44  026

245  553

658

10  571

75  322

718

Australien

1888

7  803

2  472

32

8  574

28  425

332

1898

32  075

29  783

93

14  894

25  850

173

1903

33  160

33  777

102

16  967

31  643

186

1908

67  559

73  253

108

35  294

44  096

125

Afrika

1888

8  549

21  726

254

1  414

29  798

2107

1898

11  078

75  479

681

1  278

66  179

5180

1903

13  520

113  218

837

2  493

112  448

4511

1908

16145

188  857

1170

4  923

139  166

2827

»Relativzahl«  bedeutet  die  sich  jeweils  für  Hamburg  ergebende  Zahl,  wenn
die  entsprechende  Bremer  Zahl  jedesmal  —  100  gesetzt  wird!
        <pb n="90" />
        86

a)  den  Verkehr  mit  den  unter  Ii)  und  II  i)  aufgeführten  Gebieten ­
  auf  der  bisherigen  Höhe  zu  halten  und
b)  dem  Verkehr  mit  den  unter  I2)  und  II2)  aufgeführten
Gebieten  einen  Weg  zu  schaffen,  auf  dem  sich  durch
Bremens  Vermittlung  ein  größerer  Warenstrom  ungehindert
bewegen  kann.
Von  bemerkenswerten  Änderungen,  die  sich  in  den  letzten
zwanzig  Jahren  ereigneten,  erwähne  ich  nur:
Merklich  verbessert  hat  sich  der  Warenhandel  Bremens  verhältnismäßig ­
  in  der
Einfuhr  von  England,  Holland  und  Australasien  und  in  der
Ausfuhr  nach  Europa  total,  England,  Holland,  Südamerika
und  Australasien.
Merklich  verschlechtert  hat  sich  der  Warenhandel  Bremens
verhältnismäßig  in  der
Einfuhr  von  Belgien,  Dänemark,  Skandinavien,  Rußland,
Mittel-  und  Südamerika,  Asien,  (China!  Britisch-Ostindien!)
  und  Afrika  und  in  der
Ausfuhr  nach  Belgien,  Schweden,  Asien  (Britisch-Ostindien!)
  und  Afrika.
9.  Bremens  Schiffsverkehr.
Im  Anschluß  an  die  Besprechung  des  Warenverkehrs  Bremens
sei  es  gestattet,  auch  seinen  Schiffsverkehr  kurz  zu  beleuchten.
Ist  doch  die  Schiffahrt  dasjenige  Element,  welches  im  Leben  einer
Seestadt  die  wichtigste  Rolle  spielt  und  dem  Güterverkehr  erst
seine  Richtung  gibt,
Vorweg  sei  bemerkt,  daß  die  Bewältigung  des  Wasserverkehrs
Bremens  hauptsächlich  durch  eigene  Schiffe  erfolgt.  Bei  der
Beheimatung  verschiedener  großer  Dampfergesellschaften  in  Bremen
ist  dies  ja  nicht  anders  zu  erwarten.  Im  Gegensatz  zu  der  »Internationalität« ­
  anderer  Häfen,  die  z.  T.,  wie  Antwerpen,  ganz  von
fremder  Gnade  leben,  ist  diese  Selbständigkeit,  diese  Bodenständigkeit ­
  mit  ungeteilter  Freude  zu  begrüßen.
Nach  dem  Statistischen  Jahrbuch  für  das  Deutsche  Reich,
Jahrgang  1909,  kamen  im  Jahre  1907  von  dem  gesamten  Seeverkehr ­
  aller  deutschen  Häfen  in  einkommender  Fahrt  auf  die
deutsche  Flagge
Schiffe  mit  Ladung  71126  Schiffe  mit  14630267  Reg.-Tons
„  in  Ballast  oder  leer  8397  „  „  1191386  „

Zusammen  79523  Schiffe  mit  15821653  Reg.-Tons
        <pb n="91" />
        87

fremde  Flaggen
Schiffe  mit  Ladung  22336  Schiffe  mit  11479887  Reg.-Tons
„  in  Ballast  oder  leer  2266  „  „  753106  „
Zusammen  24602  Schiffe  mit  12  232  993  Reg.-Tons
Hiernach  betrug  der  Prozentsatz  der
deutschen  Schiffe  an  Schiffszahl  76,4  und  an  Tonnenzahl  56,4;  der  der
fremden  Schiffe  an  Schiffszahl  23,6  und  an  Tonnenzuhl  43,6.
Vergleicht  man  hiermit  die  bremische  Statistik,  aus  der  Tabelle  37

Tabelle  XXXVII.
Nationalität  (Flagge)  der  in  den  Weserhäfen  für  bremische  Rechnung
angekommenen  Seeschiffe.

Jahr

Total

Bremische

And.  deutsche

Fremde

Englische

Schiffe

Reg.-T.

Schiffe

Reg.-T.

Anteil  der
Tonnenzahl
°l  0

Schiffe

Reg.-T.

Anteil  der
Tonnenzahl
%

Schiffe

Reg.-T.

Anteil  der
Tonneuzahl
°/o

Schiffe

Reg.-T.

Anteil  der
Tonnenzahl
°/o

1900

3843

2494000

1468000

58,9

1069

339000

13,6

816

687OOO

27,5

395

502000

20,1

1901

4024

2718000

2002

158.8000

58,4

1141

386000

14,2

881

744000

27,4

447

561000

20,6

1902

4197

2984000

2183

1752000

58,7

me

3S5000

12,9

898

847OOO

28,4

446

623000

20,9

1903

4250

3180000

2173

1863000

50,6

1119

340000

10,7

958

977000

3°.7

485

745000

23,4

1904

4242

3175000

2212

1867000

58,8

1055

301000

9,5

975

IOO7GOO

3i&amp;gt;7

464

736000

23,2

1905

4335

3350000

2270

1909000

57,0

915

284000

8,5

1150

II57000

34,5

515

844000

25,2

1906

44T3

3507000

2343

2040000

58,2

983

336000

9,6

1087

II3IOOO

32,2

54°

848000

24,2

1907

5208

4097000

2702

2317000

56.5

1173

412000

10,1

I 333

1368000

33,4

6ll

962000

23,5

1908

5033

3883000

2777

2247000

57.9

1130

354000

9,1

1126

1282000

33,o

531

957000

24,6

1909

5240

3958000

2941

2317000

58,5

1085

393000

10,0

1214

1248000

3i,5

|5i8

882000

22,3

einen  Auszug  bringt,  dann  ergibt  sich,  daß  in  Bremen  die  reichsdeutsche
  Flagge  ziemlich  erheblich  über  Reichsdurchschnitt  vertreten ­
  ist,  1909  mit  68,5%  der  Tonnage.  Früher  war  das  Verhältnis ­
  sogar  noch  günstiger.  Die  bremischen  Schiffe  selbst  bilden
den  festen  Stamm  mit  durchschnittlich  etwa  58%  der  Gesamttonnenzahl. ­
  Die  englische  Flagge  war  vor  einem  Jahrzehnt  nur  mit  20°/ 0
vertreten.  Inzwischen  wuchs  ihr  Anteil  auf  1 / 4 .  Ein  Grund  dieses
Anschwellens  ist,  daß  ein  großer  Teil  der  sich  auf  wenige  Monate
zusammendrängenden  nordamerikanischen  Baumwolleinfuhr  durch
heimische  Schiffe  nicht  bewältigt  werden  kann  und  durch  englische ­
  Trampdampfer  nach  der  Weser  geschafft  werden  muß.
Auch  in  den  Hamburger  Häfen  üb  erwiegt  die  deutsche  Flagge,
wenn  auch  nicht  in  dem  gleichen  hohen  Maße.  Im  Jahre  1907
entfielen  von  dem  einkommenden  Gesamtverkehr  von  16473  Seeschiffen ­
  mit  12040461  Reg.-Tons  auf  die
deutsche  Flagge  9669  Schiffe  mit  6395487  Reg.-Tons  =  53,1  %  der  Tonnenzahl
hamburg.  „  allein  5175  „  „  5104573  „  =42,4%  „
englische  „  4122  „  „  4209491  „  =  34,9%  ..
        <pb n="92" />
        88

Im  Durchschnitt  der  Jahre  1861  —1900  war  der  Prozentanteil  der
einzelnen  Flaggen  nach  dem  Raumgehalt  sogar:  deutsche  41,56  %,
hamburgische  allein  32,95  %,  englische  46,33  %.  Also  eine  Entwicklung, ­
  die  der  in  Bremen  stattfindenden  gerade  entgegengesetzt
ist:  an  der  Elbe  ein  auffälliges  Zurückdrängen  der  englischen
durch  die  einheimische  Flagge,  an  der  Weser  ein  langsam  steigender
Verkehr  von  Schiffen  britischer  Staatsangehörigkeit  auf  Kosten
der  deutschen.  In  der  Gestaltung  der  Dinge  darf  man  aber  kein
beunruhigendes  Zeichen  erblicken.  Im  Gegenteil  wird  man  m.  E.
die  Tatsache,  daß  Bremen  allmählich  auch  mehr  der  Anlaufhafen
ausländischer  Schiffe  wird,  als  ein  gutes  Zeichen  dafür  ansehen
dürfen,  daß  die  Stadt  die  alten  Fesseln  lokaler  Beschränktheit
immer  mehr  abstreift  und  als  Tummelplatz  der  Schiffe  aller  Völker
seine  Stellung  als  jüngster  Welthafen  weiter  festigt.  Daß  die
heimische  Flagge  in  absehbarer  Zeit  nicht  in  den  Hintergrund
gedrängt  wird,  dafür  bürgt  die  Größe  und  Bedeutung  der  bremischen
Schiffahrtsgesellschaften.
Zur  weiteren  Aufklärung  über  die  Gliederung  des  gesamten
Seeverkehrs  der  Unterweserhäfen  für  bremische  Rechnung
ist  Tabelle  38  beigefügt.  Von  einer  Prozentausrechnung  ist  hier
Abstand  genommen  worden,  da  sich  gegen  die  vorige  Tabelle
kein  großer  Unterschied  ergeben  würde.
Vergleicht  man  das  Wachstum - des  Warenverkehrs  seit  1888
mit  dem  des  Schiffsverkehrs,  so  ergibt  sich  zahlenmäßig  für  den
ersteren  eine  etwas  stärkere  Steigerung.  Das  wäre  ein  gutes
Zeichen,  wenn  man  daraus  schließen  dürfte,  daß  die  Schiffsräumte
seitdem  (1888)  eine  bessere  Ausnutzung  erfahren  habe.  Leider
ist  ein  solcher  Schluß  falsch.  Denn  wenn  auch,  wie  erwähnt  rein
zahlenmäßig,  der  Güterverkehr  der  Tonnage  der  Handelsflotte
etwas  vorausgeeilt  ist,  so  ist  doch  zu  bedenken,  daß  sich  die
Geschwindigkeit  der  Seeschiffe  seit  1888  (damals  kamen  —  bei
wesentlich  kleinerer  Dampferflotte  —  auf  die  Seglerflotte  noch
204000  Reg.-Tons  gegen  nur  158000  i.  J.  1908)  nicht  unwesentlich
vermehrt  hat,  und  daß  der  gleiche  Schiffspark,  je  häufigere  Reisen
ihm  jährlich  ermöglicht  werden,  um  so  mehr  Warenmengen  bewegen ­
  kann.  Ein  Dampfer,  der  bei  achtmaliger  Fahrt  mit  voller
Ladung  80000  Tons  über  den  Ozean  zu  schaffen  vermag,  verlangt
bei  zehn  Fahrten  schon  100000  Tons.  Unter  diesem  Gesichtswinkel
betrachtet,  ist  die  Schiffsräumte  der  Menge  des  zu  verfrachtenden ­
  Ladegutes  vorangeeilt,  mehr  als  früher  übersteigt
das  Angebot  von  Laderaum  jetzt  die  Nachfrage.  Vielleicht  sind
        <pb n="93" />
        8g

Tabelle  XXXVIII.
Der  Seeverkehr  für  bremische  Rechnung  der  Weserhäfen  nach
der  Beteiligung  der  einzelnen  Flaggen.

Jahr

Angekommen


Abgegangen ­


Total

Davon;
Bremische

Andere
deutsche

Fremde

&amp;lt;v
1
in

IOOO
Reg.-Tons


&amp;lt;u
'Ja
0
in

1000
Reg.-Tons


&amp;lt;u
1
in

1000
Reg.-Tons


&amp;lt;u
'S
in

1000
Reg.-Tons


la
CJ
m

1000
Reg-Tons


&amp;lt;u
in

1000
Reg.-Tons


1888

2665

1477

2911

1475

5576

2952

1793

1677

2399

367

1384

908

1889

2883

1683

3164

1674

6047

3357

1910

1787

2306

397

1831

1173

1890

2950

*734

3250

1748

6200

3482

1871

1909

2715

432

1614

1141

1891

3552

2084

3807

2100

7359

4184

2353

2223

3326

536

1680

1425

1892

3612

1996

3836

1999

7448

3995

3067

2323

2818

430

1563

1242

1893

4003

2030

4412

2048

84 r 5

4078

3213

2244

3694

553

1508

1281

1894

4178

2172

4605

2153

8783

4325

3053

2205

3919

614

i8n

1506

1895

4083

2183

4448

2200

8531

4383

3318

2296

3582

569

1631

1518

1896

4494

2012

4781

2009

9275

4021

3981

2244

3593

495

1701

1282

1897

4391

2259

4826

2246

9217

4505

4145

2602

3260

535

1812

1368

1898

4642

2465

4988

2502

9630

4967

4022

2844

3672

597

1936

1526

1899

4128

2407

4545

2458

8673

4865

3962

2958

2916

SU

1795

1396

1900

3843

2494

4219

2538

8062

5032

4088

2996

2324

683

1650

1353

igoi

4024

2718

4136

2729

8160

5447

4069

13201

233°

772

1761

1474

1902

4 I 97

2984

4502

3°°5

8699

5989

4426

3531

2420

772

1853

1686

1903

4250

3180

4618

3 i8 5

8868

6365

4433

3754

2476

680

1959

I93 1

1904

4242

3175

4420

3220

8662

6395

4509

3777

2173

594

1980

2024

1905

4335

3350

4784

3456

9119

6806

4746

3925

1995

577

2378

2304

1906

44*3

3507

4699

3514

9112

7021

4839

4127

2027

667

2246

2227

1907

5208

4°97

5522

4116

10730

8213

5472

4641

2522

821

2736

2751

1908

5033

3883

5084

3789

IOII7

7672

5493

4431

2299

682

2325

2559

1909

5240

3958

5353

3959

10593

7917

5886

4650

2238

786

2469

2481

die  wenig  guten  Betriebsergebnisse  des  Norddeutschen  Lloyd  in
den  letzten  Jahren  mit  darauf  zurückzuführen.  Es  sei  hier  nur
kurz  darauf  hingewiesen,  da  meine  Arbeit  der  Untersuchung  des
Warenverkehrs  gilt  und  sich  nicht  in  Nebenfragen  verlieren  darf.
Die  letzte  Tabelle,  39,  habe  ich  zusammengestellt,  um  zu
zeigen,  in  welchem  Maße  die  verschiedenen  Unterweserhäfen  an
der  Bewegung  des  für  bremische  Rechnung  erfolgenden  Warenverkehrs ­
  via  mare  beteiligt  sind.
Äußerst  lehrreich  ist  die  steigende  Inanspruchnahme  der
stadtbremischen  Häfen.  Aus  den  Zahlen  könnte  man  die  Zeit  und
den  Umfang  der  Vertiefung  der  Unterweser  nachträglich  herauskonstruieren, ­
  so  deutlich  tritt  der  Um-  und  Aufschwung  zutage.
Der  Durchschnittsraumgehalt  der  einlaufenden  Seeschiffe  betrug
1888:  124,  1893:  288,  1898:406,  1903:479  und  1906:  520  Registertonnen. ­
  Auch  bei  Bremerhaven  ist  eine  absolute  Steigerung  (etwa
600000  Tons)  zu  verzeichnen,  wenngleich  der  Prozentanteil  am
Gesamtverkehr  zurückgegangen  ist.  Die  Dampfer  mit  mittlerem
Tiefgang,  z.  B.  die  Ostindien-  und  La  Plata-Fahrer  und  die
        <pb n="94" />
        Tabelle  XXXIX.
Die  Verteilung  des  Sceschiffsverkchrs  (einlaufend)  für  bremische  Rechnung  auf  die  einzelnen  Unterweserhäfen.

Jahr

Brem  en-Stadt

Bremerhaven

Vegesack  und  Burg

Total  bremisch.
Häfen

Nordenham

Geestemünde

Brake  und
andere  Häfen

Total  nicht  -
brera.  Häfen

Schiffe

&amp;lt;u  -
a
0
§ H
0

Darunter
Dampfer

%  der
Tonnenzahl ­
  aller
Schiffe  am
Gesamtverkehr ­


Schiffe

bo
£  u&amp;gt;
0

Darunter
Dampfer

0/
/o

Schiffe  I

bi
&amp;lt;u  w
c
0
§ H
0

Darunt.
Dampf.

°/o

Schiffe

■X-' S3 H
OOOI

0/
/  0

Schiffe

■I-' 3a K
OOOI

0/
Io

Schiffe

•x-'^a
OOOI

0/
/  0

Schiffe  I

•x-' S3 a
OOOI

°l
Io

Schiffe

•x-‘ S3 a
OOOI

0/
10

Zahl

1000
R.-T.

Zahl

IOOO
R.-T.

3
N

1000
R.-T.

1888

910

113

*43

32

7.7

1208

1056

664

927

71,5

94

9

12

3

0,6

2212

1178

79,8

60

43

2,9

259  202

13,6

x 34

54

3,7

453

299

20,2

1889

1020

138

202

52

8,2

1357

1210

788

1099

71,9

53

6

5

I

0,4

2430

1354

80,5

69

55

3,3

275  214

12,7

109

60

3.5

453

329

19,5

1890

1137

173

242

73

10,0

1336

1178

667

1063

67,9

59

5

6

2  „

°,3

2532

1356

78,2

90

95

5,5

244235

13.5

84

48

2,8

418

378

21,8

1891

!53°

317

379

171

15,2

1326

940

666

849

45.1

51

7

13

4

°.3

2907

1264

60,6

250

455

21,9

280

300

x 4,4

115

65

3,1

645

820

39,4

1892

1610

433

499

268

21,7

r 437

918

781

807

46,0

46

6

9

2

o,3

3093

1357

68,0

194

372

18,6

250

216

!0,9

75

50

2,5

519

638

32,0

1893

1808

521

634

357

25,7

1667

893

902

801

44,0

29

6

8

4

o,3

3504

1420

7°,o

159

311

268

242

11,9

72

57

2,8

499

610

3°,°

1894

1709

641

751

475

29.5

1831

838

765

730

3 8 , 6

31

4

5

3

0,2

3571

1483

68,3

224

369

17,0

290

239

11,0

93

81

3,7

607

689

3H7

1895

I 73 I

652

779

489

29,9

1751

929

896

8n

42,6

38

3

2

I

0,1

3520

1584

72,6

265

3*3

14,3

210

202

9,3

87

83

3,8

562

598

27,4

1896

1729

648

sei

489

32,2

2208

871

1200

745

43,3

93

7

2

—

0,4

403°

1400

75,9

183

275

13,6

183

131

6,5

98

80

4.0

464

486

24,1

1897

1855

723

967

552

32,0

2067

IO4I

I 3 I 9

931

46,1

86

7

5

I

0.3

4008

1771

78,4

139

256

n,4

149

143

6,3

95

87

3,9

383

486

21,6

1898

2090

849

II07

641

34,4

2179

1276

995

1165

51,8

37

5

6

I

0,2

4306

2130

86,4

37

45

1,8

171

183

7,5

128

IO7

4,3

£36

335

13,6

1899

2048

829

1159

643

34.5

r 7 r 9

1233

886

1130

51,2

44

8

8

3

0.3

3811

2070

86,0

28

36

1,5

t8 7

199

8,3

102

102

4,2

317

337

14,0

1900

2108

896

1173

702

35,9

1407

1272

855

1172

51.0

26

3

3

I

0,1

3541

2171

87,0

38

39

1,5

165

177

7,i

99

IO7

4,3

302

323

13,0

1901

2140

933

II72

732

34,4

1534

1451

902

134°

53.3

4 1

5

3

I

0,2

3715

2389

87,9

47

33

1,2

162

183

6,8

IOO

112

4.1

309

32S

12,1

1902

2273

IIOI

1289

888

36,9

1577

1444

887

1318

48,3

31

4

3

—

O,!

3881

2549

85,3

48

35

1,2

162

237

8,0

106

164

5,5

316

436

14,7

1903

2326

III5

1381

900

35,i

1513

1561

873

1437

49,o

52

6

—

—

0,2

3891

2682

84,3

76

59

1,9

156

236

7.4

127

202

6.4

359

497

15,7

1904

2328

1209

1445

995

38.1

1650 1

1549

919

1415

47,8

40'

6

7

2

0,2

3934

2734

86,1

49

41

1,3

148

228

7,2

III

I72

5,4

308

441

13,9

1905

2459

1207

1446

993

36,°

1642 1

I7II

951

1564

50,2

411

6

IO

3

0,2

4022

2896

86,4

49

40

1,2

I4O

225

6,7

124

189

5,7

313

454

13,6

1906

2550

1327

*574

III4

37, 8

161g 1

I 733

887

1580

48,6

&amp;amp;3 1

8

6

2

0,2

4112

3039

86,6

1  94

80

2,3

96

201

5,7

III

187

5,4

301

468

13,4

Einschließlich  derjenigen  Schiffe,  die  außerdem  noch  stadtbremische  Häfen  angelaufen  haben.
        <pb n="95" />
        Baumwolldampfer,  finden  es  eben  vorteilhafter  jetzt  in  Bremen-Stadt
  selbst  zu  löschen.  Im  Jahre  190g  waren  nach  einer  Veröffentlichung ­
  des  Bremischen  Statistischen  Amtes  vom  12.  Januar  xgio
die  Schiffsankünfte  in  Bremen-Stadt  nur  noch  um  53000  Reg.-Tons
  hinter  denjenigen  Bremerhavens  zurückgeblieben,  während
i.  J.  1907  noch  ein  Abstand  von  589000  Reg.-Tons  zwischen  den
beiden  Häfen  vorhanden  war.  Nach  der  gleichen  Veröffentlichung
hatte  Bremerhaven  im  einkommenden  Schiffsverkehr  i.  J.  1908
gegenüber  1907  einen  Rückgang  von  nicht  weniger  als  2  7  3  000  Reg.-Tons
  zu  verzeichnen,  dem  im  nächsten  Jahre  ein  weiterer  Rückgang
von  110000  Reg.-Tons  folgte!  Obschon  der  Lloyd  für  eine  Reihe
von  Jahren  die  Verzinsung  der  von  ihm  benutzten  Bremerhavener
Hafenanlangen  übernommen  hat,  darf  diese  Entwicklung  doch
nicht  auf  die  leichte  Achsel  genommen  werden.  So  berechtigt  es
ist,  daß  Bremen  die  Früchte  seiner  Bemühungen  pflücken  will,
muß  es  doch  auch  dafür  Sorge  tragen,  seinen  Seehafen  in  anderer
Weise  schadlos  zu  erhalten,  damit  dessen  kostspielige,  mustergültige
Anlagen  nicht  veröden  und  nicht  den  Anreiz  für  fremde  Schiffe
verlieren,  sie  aufzusuchen.
Der  in  den  Jahren  1891  —1897  bei  Bremerhaven  zu  verzeichnende ­
  Abschlag  und  das  gleichzeitige  Anschwellen  der
Nordenhamer  Zahlen  ist  darauf  zurückzuführen,  daß  während  jenes
Zeitraumes  die  großen  Lloyddampfer  wegen  der  zu  klein  gewordenen ­
  Bremerhavener  Anlagen  nach  Nordenham  dirigiert  werden ­
  mußten.
        <pb n="96" />
        Zweiter  Teil.

Vorschläge  zur  Hebung  des  Warenhandels  Bremens.

1.  Ursachen  des  Zurückbleibens  des  Warenhandels.
Wenn  wir  das  Gesagte  vor  unserem  geistigen  Auge  wieder
vorbeiziehen  lassen,  so  können  wir  uns  nicht  verhehlen,  daß  die
Dinge  wahrlich  nicht  erfreulich  liegen.  Wohl  hat  Bremen  bis  jetzt
seine  Stellung  noch  einigermaßen  behaupten  können,  dank  der
Entwicklung,  die  seine  Reederei  nahm  und  die  Bremen  bei  Berücksichtigung ­
  des  Seeverkehrs  nach  Registertonnen  sogar
einen  recht  guten  Platz  unter  den  konkurrierenden  Häfen  zuweist,
und  dank  dem  großartigen  Aufschwung  des  Handels  einiger  seiner
Stapelartikel.  Aber  die  Tonnenzahl  allein  nützt  nichts,  wenn  die
Schiffe  nicht  genügend  Ladegut  haben,  von  den  alten  Stapelartikeln ­
  ist  schon  mehr  als  einer  Bremen  aus  der  Hand  gewunden
worden,  und  nur  noch  die  Baumwolleinfuhr  steht  in  stolzer
Größe  da.  Vollends  mit  dem  allgemeinen  Handel,  ich  meine  mit
dem  Handel,  der  sich  nicht  auf  einige  wenige  Massengüter  stützt,
sondern  jeden  Artikel,  und  sei  er  einzeln  und  im  Anfang  noch
so  klein,  in  den  Kreis  seines  Interesses  hineinzieht,  sieht  es  schlecht
aus.  Wir  sahen,  daß  Bremen  überall,  wo  Hamburg  mit  ihm  in
Konkurrenz  trat,  sich,  häufig  leider  aus  Nachlässigkeit,  überholen
ließ  und  sein  Haupt  beugen  mußte.  Die  gegebenen  Daten,  die
Verödung  der  Bremerhaven  er  Häfen  rufen  uns  ein  warnendes
Memento  zu.  Wohl  hat  der  Norddeutsche  Lloyd  die  Verzinsung
der  von  ihm  benutzten,  bezw.  noch  zu  benutzenden  Anlagen  für
eine  Reihe  von  Jahren  verbürgt,  sodaß  der  bremische  Staat  an
ihnen,  vorläufig  wenigstens,  keinen  tatsächlichen  Schaden  erleidet.
Aber  die  finanziellen  Schwierigkeiten  des  Lloyd,  dieses  Herzmuskels ­
  Bremens,  in  den  letzten  Jahren  haben  die  Gefahr  erkennen
lassen,  die  wie  ein  Damoklesschwert  über  der  Stadt  hängt  und  bei
einer  abermaligen  länger  dauernden  Krise  des  Wirtschaftslebens
        <pb n="97" />
        &amp;lt;1

—  93  —
Vernichtung  droht.  Unser  kleiner  Freistaat  hat  sich  eine  riesige
Zinsenlast  aufgebürdet,  seine  Häfen  bieten  den  anlaufenden  Schiffen
alle  möglichen  Erleichterungen,  und  eifersüchtig  wacht  man  darüber,
die  Lösch-  und  Ladeeinrichtungen  auf  das  vollkommenste  auszu-4
  bilden  und  auf  der  Höhe  der  modernsten  Technik  zu  halten.  In
dieser  Hinsicht  hat  man  es  an  nichts  fehlen  lassen.  Was  aber
fehlt,  das  ist  eben  ein  genügender  Warenverkehr.  Nur  er  vermag
den  toten  Einrichtungen  Leben  und  Gesundheit  einzuhauchen.
Nur  wenn  die  Verkehrseinrichtungen  ausgenutzt  werden,  erfüllen
sie  ihren  Zweck  und  helfen  die  Lasten  des  Staates  erleichtern,
während  -sie  ihn  andernfalls  erdrücken.  Und  je  größer  der  Verkehr
ist,  desto  niedriger  können  die  Abgaben  bemessen  werden,  desto
mehr  Anreiz  ist  da  für  einen  neuen  Verkehr.  Der  diesen  Verkehr
aber  schaffen  muß,  ist  der  Kaufmann.
Daß  Bremen  besonders  im  letzten  Jahrzehnt  mit  seiner  natürlichen ­
  und  stärksten  Gegnerin,  Hamburg,  nicht  gleichen  Schritt
zu  halten  vermochte,  dafür  sind  genug  Beweise  angeführt.  Da
an  dem  Vergangenen  aber  nichts  mehr  zn  ändern  ist,  da  Hamburg
nun  einmal  diese  erdrückende  Übermacht  erlangt  hat  und  seinen
Vorsprung  noch  mit  Riesenschritten  vergrößert,  ist  die  Gefahr
vorhanden,  daß  Bremen  immer  mehr  und  immer  schneller  ins
Hintertreffen  gerät.  Denn  je  mehr  ein  Handelsplatz  aufblüht,  mit
um  so  größerer,  gleichsam  magnetischer  Kraft  zieht  er  Handel
und  Wandel  an,  macht  er  sich  ein  stets  weiter  sich  ausdehnendes
LIinterland  wirtschaftlich  untertan.  In  ihm  vereinigen  sich  wie  in
einem  Brennpunkte  alle  Strahlen,  Nähe  und  weltweite  Ferne  begegnen ­
  sich  in  ihm  und  finden  Berührungspunkte,  die  sie  in  abseits
liegenden  Städten  nicht  finden  können.  Bremens  Stellung  als
Welthandelsstadt,  ja  sogar  als  deutsche  Großstadt  ist  also  ernstlich
bedroht.  Geht  die  Entwicklung  in  derselben  Art  und  in  demselben
Fluß  vonstatten  wie  seit  zwanzig  Jahren,  so  werden  schon  unsere
Söhne  nicht  mehr  Bürger  einer  Stadt  sein,  die  mit  berechtigtem
Stolze  ihre  Flagge  in  den  fernsten  Fläfen  zeigt.  Wie  einst  Lübecks
und  Brügges  Macht  verschwand,  nur  schneller,  so  wird  dann  auch
Bremens  Bedeutung  zusammengeschmolzen  sein.
4  Es  ist  eine  unbestreitbare  Tatsache,  daß  der  Kaufmannshandel
verhältnismäßig  zurückgeht.  Immer  mehr  wird  er  in  seinen  Bewegungsgrenzen ­
  eingeengt,  immer  mehr  sucht  man  ihn  zu  übergehen. ­
  Bei  den  großen,  trustartigen  Unternehmerverbänden,  die
selbst  den  Kleinverschleiß  in  ihre  Hand  zu  nehmen  trachten,  bei
den  Binnenlandsfabriken,  die  auf  direkten  Einkauf  der  von  ihnen
        <pb n="98" />
        94

benötigten  Rohstoffe  im  Ursprungslande  wie  auch  auf  direkten
Auslandsverkauf  ihrer  Fabrikate  hinarbeiten  —  überall  treffen  wir
auf  die  Absicht,  den  selbständigen  sachkundigen  Zwischenhandel
auszuschalten,  ihm  anstatt  des  Unternehmergewinns  nur  den  geringeren ­
  Speditionsgewinn 1 )  zu  lassen:  Durch  die  Ausgestaltung
und  Vervollkommnung  des  Transportwesens  und  des  Nachrichtendienstes ­
  hat  sich  also  der  Handel  sozusagen  selbst  eine  Grube
gegraben.  Der  Kaufmann  wird  immer  mehr  zum  Kommissionär,
der  sich  mit  immer  geringeren  Prozenten  begnügen  muß,  der
Handel,  besonders  der  der  Seeplätze,  wird  immer  mehr  zum
Speditionshandel  ohne  Eigentum  an  der  bewegten  Ware.  Bei
dieser  Entwicklung  hat  naturgemäß  derjenige  Hafen  die  meisten
Vorteile,  der  sich  leistungsfähigerer,  ausgedehnterer  Schiffsverbindungen ­
  erfreut.  Und  das  ist  —  Hamburg.  Wenn  also  die
Entwicklung  nicht  »korrigiert«  wird,  wird  Hamburg  ganz  ohne
sein  Zutun  Bremen  noch  weiter  und  schneller  überflügeln.  Es
braucht  die  Waren  nicht  aufzusuchen,  sondern  diese  kommen  zu  ihm.
Es  fragt  sich,  ob  sich  Bremen  dieser  Welle,  die  es  zu  zerschmettern ­
  droht,  noch  mit  Aussicht  auf  Erfolg  entgegenstemmen
kann,  ob  sich  der  Strom  der  Geschehnisse  noch  in  andere,  günstigere
Bahnen  leiten  läßt.  Ich  glaube,  man  darf  diese  Frage  bejahen.  In
schweren  Zeiten  hat  der  Bremer  noch  immer  seinen  Mann  gestanden
und  mit  ruhiger  Hand  sein  Schiff,  durch  die  Brandung  in  den
schützenden  Hafen  gebracht.  Das  wird  er  auch  diesmal  tun.  Kleine
Mittelchen  allerdings  helfen  nichts,  das  Übel  muß  an  der  Wurzel
gefaßt,  der  Eigenhandel  Bremens  muß  gestärkt  werden.  Bevor
man  aber  sagen  kann:  »Was  soll  geschehen?«,  muß  die  Vorfrage
beantwortet  werden  »Wie  kam  es,  daß  die  Entwicklung,  die
Hamburg  ein  solches  Übergewicht  verlieh,  überhaupt  diese  verderbliche ­
  Richtung  einschlagen  konnte?«
Der  Gründe  sind  mehrere.  Zunächst  kommt  natürlich  die
günstigere  geographische  Lage  Hamburgs  zur  Geltung.  Dann  ist
der  Umstand  von  Einfluß,  daß  Bremen  sich  zwei  räumlich  weit
und  scharf  getrennte  Hafenkomplexe  leisten  muß,  während  Hamburg
mit  deren  einem  auskommt,  und  daß  die  größten  Dampfer  ganz
in  Bremerhaven  bleiben  und  selbst  die  größeren  einen  Teil  ihrer
1 )  Diese  Tendenz  ist  z.  B.  dem  Wollmark  t  der  Seestädte  schädlich;  der  Wollhandel
wandert  allmählich  ins  Binnenland.  Andererseits  ist  sie  ihren  Tabak-  und  Baumwollmärkten
  nützlich.  Diese  werden  sich  wegen  der  Eigenart  der  Fabrikation,  die
schon  geringe  Abweichungen  der  Rohstoffe  für  den  Fabrikanten  untauglich  macht  und
ihn  deshalb  zwingt,  nach  genauen  Mustern  beim  deutschen  Importeur  zu  kaufen,  in  den
Seestädten  halten.
        <pb n="99" />
        95

Ladung  dort  löschen  müssen.  Das  sind  Verhältnisse,  deren  Vorbedingungen ­
  menschlicher  Beeinflussung  kaum  zugängig  sind.
Anders  aber  ist  es  mit  einigen  sehr  widrigen  Gründen,  die
nicht  in  Naturverhältnissen  ihre  Erklärung  und  Entschuldigung
finden,  sondern  persönlich  sind.  Hier  ist  eine  Änderung  sehr
wohl  möglich,  und  wenn  sie  erfolgt,  dann  —  nach  Abstellung
dieser  Übelstände  also  —  darf  eine  gedeihliche  Fortentwicklung
mit  Sicherheit  erwartet  werden.
Der  gewichtigstedieser  korrigierbaren  persönlichen  Gründe,  der
ihr  bisher  hemmend  entgentrat,  liegt  im  Charakter  des  Bremers
selbst.  —  Der  ebene,  schwere  Boden,  auf  dem  er  wohnt,  die  graue,
schwere  Luft,  die  ihn  umgibt,  sind  auf  die  Ausbildung  des  Wesens
des  Bewohners  der  »Wasserkante«  nicht  ohne  Einfluß  geblieben,
ja  man  darf  sie  als  sef^e  Hauptbildner  ansprechen.  Eine  gewisse
geistige  Schwere,  eine  Langsamkeit  und  Behäbigkeit  ist  dem  Niedersachsen ­
  angeboren.  Diese  Eigenschaften  haben  ihr  Gutes  insofern,
als  Nervosität  fast  unbekannt  ist  und  kaltes  Blut  und  rücksichtslose ­
  Energie  die  Durchführung  einmal  unternommener  Pläne  verbürgen; ­
  sie  haben  aber  auch  ihre  schlechten  Seiten,  denn  sie  arten
leicht  zur  Gleichgiltigkeit  aus.  Allerdings  liegt  auch  Hamburg
unter  demselben  Himmel,  doch  kann  man  dem  Hamburger  nicht
absprechen,  daß  er  beweglicher,  rühriger  ist  als  der  Bremer.  Ich
gehe  nicht  soweit  wie  Sombart  (in  seinem  Aufsatze  über  den  Anteil
der  Juden  am  Aufbau  der  modernen  Volkswirtschaft  im  Februarheft ­
  der_|Äij||en  Rundschau«),  das  Emporblühen  Hamburgs  in
erster—Islj^^Bdem  größerem  Zuzug  von  Juden  zuzuschreiben.
Doch  bin  ctacfP  ich  der  Meinung,  daß  der  größere  Einschlag
heimatfremden  Blutes  bei  Hamburg  nicht  ganz  ohne  Einfluß
gewesen  ist.  Jedenfalls  ist  die  größere  Rührigkeit  und  lebhaftere
Geschäftstätigkeit  der  Hamburger  Kaufmannschaft  eine  nicht  wegzuleugnende ­
  Tatsache.  Bremen  ist  in  mancher  Beziehung  kleinlich
und  kleinstädtisch  geblieben.  Die  alten,  reichen  Kaufmannsgeschlechter ­
  halten  sich  von  jeder  N  euerung  ängstlich  fern,  treiben  Inzucht
und  ruhen  auf  den  ererbten  Geldsäcken  aus.  Von  einem  tatenfrohen ­
  Vorwärtsdrängen,  von  einem  Erobernwollen  fremder  Gebiete
ist  im  allgemeinen  wenig  zu  bemerken:  es  ist  ja  bequemer,  das
Erworbene  einfach  zu  behalten,  sich  auf  die  Pflege  persönlicher
Beziehungen,  die  vom  Vater  auf  den  Sohn  vererbt  werden,  zu
beschränken.  Man  kommt  nicht  aus  den  altgewohnten  Gleisen
heraus  und  merkt  nicht,  daß  die  Technik  täglich  neue  Bahnen  schafft,
die  den,  der  sich  ihrer  bedient,  schneller  zum  Ziele  führen.  Früher
        <pb n="100" />
        96

konnte  der  Importeur  die  Kundschaft  an  sich  herankommen  lassen.
Jetzt,  wo  die  Transport-  und  Nachrichtentechnik  die  überlieferten
Formen  über  den  Haufen  geworfen  hat,  wo  der  Geschäftsbetrieb
ein  von  Grund  auf  anderer  geworden  ist,  muß  er  seinerseits  an
die  Interessenten  herantreten  und  geht  unter,  wenn  er  aus  irgend
welchen  Gründen  dem  Fortschreiten  der  Zeit  und  dem  Wechsel
ihrer  Bedingungen  nicht  zu  folgen  vermag.  Die  beiden  Hansestädte ­
  und  ihre  merkantile  Entwicklung  in  den  letzten  Jahrzehnten
erinnern  mich  lebhaft  an  die  verschiedenen  Schicksale,  die  die
beiden  Familien  in  den  bekannten  Romanen  zweier  neuer  Schriftsteller ­
  erleben:  Hamburg  an  »die  Wiskottens«  Herzogs  und  Bremen
—  leider  —  an  die  —  hier  stimmt  auch  das  Milieu!  —  in  Lübeck
beheimateten  »Buddenbrooks«  Th.  Mann’s.
Die  Vorliebe  des  Bremers,  sich  auf  nur  wenige  Artikel  »zu
legen«,  ist  bekannt.  Der  Vater  betrieb  einen  Baumwoll-,  Tabakoder ­
  Wollhandel,  und  der  Sohn  und  Schwiegersohn  findet  es  bequem,
sich  dem  gleichen  Geschäftszweige  zuzuwenden,  da  er  in  ihm  schon
eine  gewisse  Sachkenntnis  hat  und  die  Beziehungen  der  älteren
Generation  auch  ihm  zugute  kommen.  Für  andere  Artikel  hat
er  kein  Interesse.  So  brachte  es  Bremen  in  einigen  Stapelartikeln
zur  Weltbedeutung,  für  die  unzählige  Menge  der  »kleinen  Artikel«
aber  bestand  kein  Verständnis,  trotzdem  diese  in  ihrer  Gesamtheit
wichtiger  sind  als  die  wenigen  forcierten  Massenartikel.  Nicht
nur,  daß  sie  in  ihrer  Menge  mehr  ausmachen  und  daß  ihre  Verschiedenheit ­
  ein  Sicherheitsventil  bei  Rückschlägen  in  einzelnen
Branchen  ist,  sondern  auch  insofern,  als  ihr  Vertrieb  lohnender  zu
sein  pflegt  als  der  der  »großen«  Artikel,  die  eine  durchweg
geringere  »Kommission«  abwerfen.
Als  die  alten  bremischen  Importfirmen  zu  Bedeutung  und
Wohlstand  gelangten,  waren  die  Transport  und  mit  ihnen  die
ganzen  Handelsverkehrsverhältnisse  anders  als  jetzt.  Das  Segel
war  noch  die  Herrscherin  der  See.  Überseehandel  und  Reederei
wurden  meist  zusammen  betrieben;  sogar  noch  jetzt  haben  einige
alte  Firmen  —  vielleicht  nur,  um  die  alten  Überlieferungen  aufrecht ­
  zu  erhalten  —  eigene  Segelschiffe  schwimmen.  Man  mußte
mit  Wind  und  Wetter  rechnen,  die  Reisezeit  dauerte  oft  monatelang,
die  Ankunftszeit  war  unbestimmt.  Die  Ankünfte  der  Waren
zogen  sich  unter  diesen  Umständen  fast  durch  das  ganze  Jahr  hin.
Eine  eigentliche  »Saison«  gab  es  deshalb  nicht.  Der  Importeur
hatte  fast  das  ganze  Jahr  zu  tun  und  mußte  stets  genügend  Lager
haben.  Das  ist  der  typische  »Stapelhandel.«
        <pb n="101" />
        Dies  ist  jetzt  anders  geworden.  Binnen  weniger  Wochen
werden  ganze  Ernten,  zu  deren  Bewältigung  früher  die  gesamte
Seglerflotte  nicht  ausgereicht  hätte,  durch  eigens  für  ihren  Trans,
port  hergerichtete  Dampfer  herübergeschafft.  Dadurch  zieht  sich
ganz  von  selbst  das  Geschäft  auf  die  Ankunftswochen  zusammen.
Die  Tabak-,  die  Baumwolle-,  die  Kaffeeankünfte  sind  in  der  großen
Hauptsache  schon  in  den  ersten  Wintermonaten  an  die  »zweite
Hand«  übergegangen;  vielfach  werden  sie  sogar  schon  vor  Ankunft, ­
  ja  die  Wolle  wird  nicht  selten  noch  auf  den  Schafen  verkauft. ­
  Die  »zweite  Hand,«  die  für  die  Verteilung  der  Ware  im
Inlande  zu  sorgen  hat  (»oberländisches  Geschäft«),  hat  im  ganzen
Jahre  wegen  des  sich  gleich  bleibenden  Verbrauchs  ununterbrochen
zu  tun,  für  den  Transporteur  dagegen  beginnt  nach  Abstoßung
der  Einfuhr  eine  flaue  Zeit,  die  »tote  Saison«,  die  bis  zum  Eintreffen ­
  der  nächsten  Ernte  währt.
In  dieser  toten  Saison  liegen  die  Kräfte  brach.  Der  Hamburger, ­
  der  übrigens  wegen  der  Vielzahl  seiner  zu  verschiedenen
Jahreszeiten  eintreffenden  Artikel  weniger  darunter  zu  leiden  hat,
nutzt  seine  und  seiner  Angestellten  freie  Arbeitskraft  dadurch  aus,
daß  er  sie  für  die  Ausfuhr  arbeiten  läßt.  Der  Bremer  (weniger
die  Baumwoll-  und  Tabakimporteure  als  die  andern)  beschäftigt
sich  dann  zwar  auch  mit  der  Ausfuhr,  aber  mehr  so  nebenbei,
mehr  aus  Spielerei,  wenn  man  so  sagen  darf.  Die  kleinen  Sendungen
mit  der  verhältnismäßig  vielen  Schreibarbeit  und  den  unausbleiblichen ­
  Zollscherereien  im  fremden  Lande  sind  nicht  nach  seinem
Geschmack,  scheinen  ihm  gegen  den  Strich  zu  gehen;  sie  sind
nicht  so  recht  eines  »Großkaufmanns«  würdig.  Diese  Beobachtung
ist  häufig  gemacht  worden.  Die  freie  Zeit  verwendet  man  lieber
zum  Ausruhen  auf  dem  Lande  oder  zum  Sport.
Ebenso  verhält  es  sich  mit  den  überseeischen  Zweiggeschäften
solcher  nur  einen  Artikel  führenden  Importfirmen.  Auch  dort
läßt  sich  sehr  häufig  die  gleiche  Teilnahmslosigkeit  gegen  alles,
was  nicht  mit  dem  Llaupt-  oder  alleinigen  Artikel  zusammenhängt,
beobachten.  So  z.  B.  nach  einer  Notiz  der  »Bremer  Nachrichten«
vom  19.  Dezember  1909,  »im  Wollhandel  bei  den  bremischen
Filialen  in  Uruguay  und  Argentinien,  wo  sich  das  ganze  Geschäft
auf  die  Zeit  der  Schafschur  zusammendrängt«.  Wie  nahe  läge  es
nicht,  daß  diese  kapitalkräftigen  Häuser  ihr  Interesse  auch  anderen
Ein-  und  Ausfuhrwaren  der  betreffenden  Länder  zuwendeten,  wie
leicht  könnten  sie  in  gemeinsamer  Arbeit  mit  ihren  Stammhäusern
oder  diesen  befreundeten  Firmen  einen  regen  und  lohnenden  Waren-Gehrke,
  Bremens  Warenh  an  de].  7
        <pb n="102" />
        austausch,  wenn  auch  nur  während  der  flauen  Zeit,  herbeiführen!
Aber  nein!  Wozu  sich  damit  abgeben?  Lieber  wartet  man  im
dolce  far  niente  auf  die  nächste  Ernte.  —  Die  Folgen  dieser  geschäftlichen ­
  Untätigkeit,  dieses  Brachliegens  der  Kräfte  zeigen  sich
in  der  Statistik  in  nicht  mißzu  verstehender  Weise.
Hier  muß  der  Hebel  angesetzt  werden.  Alle  künstlichen
Mittel  können  nichts  helfen,  wenn  das  Material,  aus  dem  der  Neubau ­
  aufgeführt  werden  soll,  brüchig  ist  und  versagt.  Es  ist  unbedingt ­
  notwendig,  daß  man  mit  dem  alten  Schlendrian  bricht,  daß
die  jüngere  Generation  das  Erbe  der  Väter  nicht  verzehrt,  sondern
vermehrt.  Erst  dann  und  nur  dann  wird  Bremen  die  Stellung  und
Wichtigkeit,  die  man  ihm  jetzt  nur  irrtümlich  zuschreibt,  wirklich
besitzen.  Erst  dann  werden  die  für  Schiffahrt  und  Handel  geschaffenen ­
  kostspieligen  Einrichtungen  ihren  Zweck  voll  erfüllen.
Derjenige  Faktor,  der  im  Warenhandel  Bremens  die  bedeutendste
Rolle  spielt,  ist  der  Norddeutsche  Lloyd.  Er  ist  die  größte,  aus
echtem  bremischen  Geiste  heraus  geborene  und  geleitete  Schifffahrtsgesellschaft, ­
  mit  seinen  weit  ausgreifenden  Dampferlinien
die  vornehmste  Verkörperung  des  bremisch-hanseatischen  Kaufmannsgeistes ­
  mit  seinem  schönen,  alten  Wahlspruch.  —  Wenn
jemals  ein  Gemeinwesen  mit  einer  privaten  Gesellschaft  aufs  engste
verknüpft  war  und  an  seinem  Wohl  und  Wehe  den  lebhaftesten
Anteil  nahm,  so  ist  dies  bei  Bremen  und  dem  Lloyd  der  Fall.
Beide  sind  eins  geworden,  durch  tausend  sichtbare  und  unsichtbare ­
  Fäden  untrennbar  mit  einander  verbunden.  Bremen  ist  sozusagen ­
  auf  den  Lloyd  zugeschnitten.  Deshalb  wird  man  von  diesem
auch  in  diesem  Zusammenhänge  sprechen  dürfen.
Die  schnelle  Vergrößerung  seiner  Flotte,  die  wertvollen  Anregungen, ­
  die  der  Lloyd  der  deutschen  Schiffahrt  gegeben,  die
Pionierarbeit,  die  er  tausendfach  geleistet  hat,  sollen  gewiß  nicht
verkannt  werden.  Aber  von  ihm  muß  gesagt  werden,  daß  er  die
Transportmittel  und  -möglichkeiten  (zu  rasch!)  vermehrt,  jedoch ­
  der  Heranziehung  der  Transportobjekte,  der  Gütermengen,
zu  wenig  Aufmerksamkeit  geschenkt  hat.  Sein  schwerster,  allerdings ­
  durch  die  damalige  Handelslage  Bremens  z.  T.  entschuldbarer
und  in  seiner  Tragweite  nur  schwer  erkennbarer  Fehler  war,  daß
er  sich  zu  sehr  auf  das  Passagiergeschäft  legte  und  den  Frachtverkehr ­
  darüber  vernachlässigte.  Der  Passageverkehr  ist  starken
Schwankungen  unterworfen,  kann  leicht  abgelenkt  werden  (diesbezügliche ­
  Bestrebungen  Österreichs,  Italiens  und  Rußlands!)  und
kommt,  abgesehen  von  einem  sehr  engen  Kreise  des  Kleinhandels,
        <pb n="103" />
        nur  der  Gesellschaft  zugute.  Das  Frachtgeschäft  aber  ist  stabiler,
hört  auch  in  Krisenzeiten  nicht  auf,  ist  mit  weniger  Unkosten  belastet ­
  und  wirkt  auf  das  ganze  Handelsleben  der  Stadt  wohltuend
ein.  Anfang  der  8oer  Jahre  war  der  Lloyd  noch  sehr  viel  größer
als  die  Hamburg-Amerika-Linie,  wie  denn  zu  jener  Zeit  die  Gesamttonnage ­
  der  bremischen  Schiffe  die  der  hamburgischen  noch
übertraf.  Daß  seitdem  diese  unheilvolle  Verschiebung  stattgehabt
hat,  daß  im  Jahre  1907  die  Gesamttonnage  der  in  Hamburg  beheimateten ­
  Schiffe  2  188700  Reg.-Tons  betrug  gegenüber  den
nur  1  161000  Reg.-Tons  Bremens,  ist  leider  z.  T.  mit  auf  die  auf
minderguter  Geschäftspraxis  beruhende  Sorglosigkeit  zurückzuführen,
mit  der  man  in  den  leitenden  bremischen  Schiffahrtskreisen  vorging. ­
  Wie  ganz  anders  als  der  Lloyd  steht,  um  offen  zu  sein,  die
Hamburg-Amerika-Linie  da,  weil  sie  von  Mitte  der  80  er  Jahre  an,
wo  Ballin  an  ihre  Spitze  trat,  mit  lückenloser  Folgerichtigkeit  das
Hauptgewicht  auf  den  Frachten  verkehr  legte!
In  den  letzten  Jahren  —  reichlich  spät,  da  die  Welt  inzwischen
geteilt  worden  war  und  sich  die  Gegner  in  festen  Stellungen  befinden ­
  —  hat  sich,  aus  bitteren  Erfahrungen  stammend,  beim  Lloyd
die  Erkenntnis  Bahn  gebrochen,  daß  es  so  nicht  weiter  geht,  daß
man  mit  allen  Kräften  das  Frachtgeschäft  heben  muß.  Von
Natur  ist,  um  dies  noch  einmal  zu  wiederholen,  die  Hamburg-Amerika-Linie
  begünstigter,  weil  sie  Hamburg  als  Stützpunkt  hat.
Für  sie  waren  die  Gütermengen  zum  großen  Teil  schon  da,  sie
brauchte  sie  nicht  erst  heranzuziehen.  Beim  Lloyd  aber  war  und
ist  dies  eine  Notwendigkeit.  Anderthalb  Jahrzehnte  hindurch  hat
er  sie,  zu  Bremens  und  seinem  eigenen  Schaden,  nicht  erkannt,
bezw.  nicht  genügend  gewürdigt.  Erst  in  den  letzten  Jahren  ist
offensichtlich  ein  Wechsel  in  den  Anschauungen  seiner  Leiter  eingetreten. ­
  Denn  nur  so  erklärt  sich  das  Interesse,  das  er  an  der
Oberweserkorrektion  nimmt,  nur  so  seine  vor  einigen  Jahren  einsetzende ­
  Gründertätigkeit.
Der  Gedanke,  der  der  letzteren  zu  Grunde  liegt,  ist  zweifellos ­
  richtig.  Durch  Einflußnahme  auf  exportfähige  Fabriken  sollten
den  Schiffen  Ladegüter  zugeführt  werden.
Dieses  Bestreben  des  Lloyd,  mehr  Industrie  nach  Bremen  zu
ziehen,  ist  oft  rühmend  hervorgehoben  worden.  Es  hat  gewiß  seine
guten  Seiten,  und  die  mancherlei  für  die  Allgemeinheit  sich  ergebenden ­
  Folgen  sind  nicht  zu  verkennen.  Aber  doch  wird  man
sich  die  Frage  vorlegen  müssen,  ob  die  Objekte,  auf  die  sich  diese
Tätigkeit  richtete,  die  geeigneten  waren  oder  sind.  Leider  wird
        <pb n="104" />
        IOO

man  die  Frage  in  der  Hauptsache  verneinen  müssen;  man  wird
sich  m.  E.  nicht  länger  der  Erkenntnis  verschließen  dürfen,  daß
der  Lloyd  nicht  auf  dem  richtigen  Wege  ist.  Denn  der  erstrebte
Zweck  kann  doch  nur  dann  als  erreicht  gelten,  wenn  es  sich  um
zur  Verfrachtung  gelangende  Gütermengen  handelt,  die  nennenswert ­
  genug  sind,  um  die  Festlegung  von  Geldern  in  ihrer  Fabrikation ­
  rentabel  erscheinen  zu  lassen.  Wohlverstanden,  rentabel
nicht  vom  Standpunkt  des  Fabrikanten,  sondern  von  dem  des
Verladers  aus!  So  gehen  ja  auch  die  Großbrauereien  vor.  Sie
leihen  den  Wirten  das  Geld  zur  Einrichtung  der  Wirtschaften
nicht,  um  direkten  Nutzen  aus  der  Hergabe  zu  ziehen,  sondern
um  an  ihnen  stete  Abnehmer  ihrer  Fabrikate  zu  haben.
Für  den  Lloyd  sind  seine  Beteiligungen  nicht  einmal  in
ersterer  Hinsicht  rentabel.  Im  Gegenteil,  ihretwegen  muß  er  tief
in  seine  Tasche  greifen.  Laut  seinen  Jahresberichten  hat  er  1908
Mk.  1  100000.—  und  1909  Mk.  2216140.—  dabei  zugesetzt.  Unter
seinen  Aktiven  erscheint  der  Posten  »Beteiligung  an  dritten  Unternehmungen« ­
  in  den  Jahren
1907  mit  Mk.  34884600.—*)
1908  „  „  28384226.  )  nach  ,3 en  Jahresberichten  des  Lloyd.
1909  „  „  27739166.—  I
Hierin  sind  inbegriffen  die  Pieranlagen  in  Hoboken  und  das  in
Gemeinschaft  mit  Krupp  betriebene  Kohlenbergwerk  Emscher-Lippe.
  Selbst  wenn  man  hierfür  einen  Betrag  von  iy 1 / 2  Millionen
Mark  annimmt  (die  fast  die  gleiche  Ausdehnung  besitzenden  New-Yorker
  Pieranlagen  der  Hamburg-Amerika-Linie  standen  Ende
1907  mit  etwa  14 1 / 2  Millionen  Mk.  zu  Buche),  so  bleiben  für  Beteiligung ­
  an  verschiedenen  industriellen  Unternehmungen  immer  noch
gut  10  Millionen  Mk.,  d.  h.  doppelt  so  viel  als  bei  der  Hamburger
Gesellschaft.  Man  vergleiche  hiermit  die  oben  mitgeteilten  Verluste! ­
  Auch  von  einem  mittelbaren  Nutzen,  den  der  Lloyd  gehabt ­
  hätte,  kann  man  nicht  reden.  Oder  wer  wollte  dies  von  den
Frachtbeträgen,  die  ihm  aus  der  Spedition  von  Automobilen  usw.
bislang  zugeflossen  sind,  behaupten?  Die  Gelder,  die  er  in  Fabriken
dieser  Art  (von  deren  z.  T.  m.  E.  schlechter  Basis  —  Norddeutsche
Automobil-  und  Motoren-Aktien-Gesellschaft  —  sei  ganz  abgesehen) ­
  hineinsteckte,  sind,  wenn  man  das  Kind  beim  rechten  Namen
nennen  will,  in  direkt  falscher  und  den  Interessen  der  Aktionäre
widerstreitender  Weise  verwendet  worden.  Es  ergibt  sich  also
Nach  Böhmert,  Die  Hamburg-Amerika-Linie  und  der  Norddeutsche  Lloyd.
Berlin,  1909.  S.  59.
        <pb n="105" />
        IOI

die  Folgerung,  daß  diese  Bestrebungen  in  eine  andere,  zweckmäßigere ­
  Richtung  geleitet  werden  müssen.
Ich  bin  der  Ansicht,  daß  sich  der  Lloyd  wegen  Erhalts  ausgehender ­
  Fracht  besser  mit  solchen  Fabriken  in  Verbindung  setzt
oder  sich  an  ihrer  Gründung  beteiligt,  die  ihm  bestimmte  regelmäßige ­
  Transportmengen  als  sichere  Garantie  für  seine  finanzielle
Unterstützung  bieten  können.  Ich  denke  u.  a.  an  die  mehr  nach
Bremen  oder  wenigstens  in  seine  Nähe  zu  ziehende  Juteindustrie
(S.  62),  an  Woll-  und  eventl.  Baumwollwarenfabriken  und  an  die
feinere  Eisenindustrie.  Selbst  wenn  bei  diesen  Fabriken  der
Geschäftsgang  einmal  nicht  gut  sein  sollte,  verdient  der  Lloyd
doch  wenigstens  an  der  Fracht.  Der  Weg,  über  die  Norddeutsche
Hütte  erst  die  feinere  Industrie  heranzuziehen,  scheint  mir  ein
wenig  weit.  —  Was  Ladegüter  in  einkommender  Fahrt  anbelangt,
verweise  ich  auf  meine  späteren  Ausführungen.  Wenn  meine  Vorschläge ­
  in  Einzelheiten  vielleicht  einer  Verbesserung  bedürfen,  so
glaube  ich  doch,  daß  sie  in  der  Praxis  im  großen  und  ganzen
durchführbar  und  nicht  nur  für  den  Lloyd,  sondern  auch  für
Bremen  notwendig  sind.
Mit  seiner  Beteiligung  an  kleineren  Schiffahrtsgesellschaften ­
  dagegen  ist  der  Lloyd  auf  dem  richtigen  Wege.  Wenn
er  auch  anfänglich  Verluste  erleiden  sollte,  so  stärkt  er  sich  doch
dadurch  im  Konkurrenzkämpfe  gegen  andere  Linien  das  Rückgrat
und  wird  in  seinen  Dispositionen  freier.  Überdies  ist  es  ein  richtiges
Prinzip,  erst  Plänkelgefechte  zu  führen,  ehe  man  mit  der  ganzen
Streitmacht  vorrückt.  Von  welchem  Nutzen  die  Hamburg-Bremer
Afrika-Linie  und  die  Roland-Linie  für  den  Warenhandel  der  ganzen
Stadt  in  den  letzten  Jahren  schon  gewesen  sind  oder  es  voraussichtlich ­
  noch  sein  werden,  ist  im  ersten  Teil  eingehend  ausgeführt.
Jedenfalls  stehen  diese  beiden  Beteiligungen  des  Lloyd  hoch  über
seinen  industriellen.
Böhmert  gibt  in  seiner  oben  angeführten  Abhandlung  eine
interessante  Gegenüberstellung  der  Betriebsergebnisse  der  beiden
großen  Reedereien.  Ich  teile  daraus  folgende  Zahlen  mit  (Tab.  40).
Aus  den  beiden  letzten  Spalten  derselben  geht  klar  und  deutlich  das
Übergewicht  der  Hamburg-Amerika-Linie  im  Frachtverkehr  hervor; ­
  ferner  aber,  daß  dieser  Vorsprung  erst  im  letzten  Jahrzehnt,
also  nach  Beendigung  der  Unterweserkorrektion,  erreicht  ist.  Die
Differenz  von  2  Millionen  cbm  läßt  sich  keineswegs  dadurch  erklären ­
  oder  beschönigen,  daß  man  sagt,  Hamburg  liefere  seiner
Reederei  eine  größere  Warenmenge  als  Bremen  dem  Lloyd.  Das
        <pb n="106" />
        —  102

h  Nach  einer  Notiz  des  »Hamburgischer  Correspondent«.

Tabelle  XXXX.

Jahr

Gesamtkapital
einschl.  Anl.  u.
Reserven,  in
Millionen  Mk.

Dividenden

Beförderte
Passagiere

Gesamttonnage  in
Reg.-Tons  brutto

Beförderte
Güter  in
Mill.  cbm

H.A.L.

Nd.  L.

H.A.L,

Nd.L.

H.  A.L.

Nd.  L.

H.  A.  L.

Nd.  L.

H.A.L.

Nd.  L.

1896

53,5

83,23

8

4

84250

x6o  146

303  376

233156

1,81

!,yo

1897

70,0

82,40

6

5

73  o8 9

140  584

335  739

298  341

2,3°

1,91

1898

76,6

105,97

8

7

74  661

161  963

405  527

287  967

2,39

1,98

1899

93,4

126,61

8

7%

101975

197  226

54 1  !93

390  552

3,03

2,31

1900

112,7

128,85

IO

8%

166  539

253  225

613  982

506  754

3,20

2,71

1901

14°,  3

149,29

6

6

211  617

305  53°

661  355

540119

4,25

3,42

1902

160,3

179,36

4V2

—

261238

333  972

651J5i

587  070

4,34

3,17

1903

160,7

179,09

6

6

3°4  346

374  972

727  948

583  042

4,8o

3,29

1904

162,3

179,13

9

2

331  618

353  686

764  55i

577  549

4,95

3,43

1905

176,6

182,34

II

7 1 /?.

333  926

449  243

811  943

622  224

5,8o

3,54

1906

186,6

212,16

IO

8%

431  955

491  383

926  493

754  447

6,18

3.80

1907
igxo 1 )

205,5

211,48

6

4V2

470  290

661  258

955  742
979  217

786  510
749  880

6,31

4,39

ist  schon  richtig,  aber  die  Differenz  ist  bei  weitem  nicht  2  Millionen ­
  cbm,  sondern  nur  ein  Bruchteil  davon.  Da  beide  Gesellschaften ­
  mit  ihren  Linien  den  ganzen  Erdball  umspannen,  ergibt
sich,  daß  die  Hamburg-Amerika-Linie  überall  —  und  das  ist  das
Wesentliche  —  das  Frachtgeschäft  in  den  Vordergrund  stellt.  So
kommt  es,  daß  sie  seit  1891  durchschnittlich  5 3 /4%&amp;gt;  der  Lloyd  nur
3  3 / 4 °/ 0  Dividende  verteilen  konnte.
Über  das  interne  Geschäftsgebahren  des  Lloyd  zu  sprechen
ist  hier,  wo  es  sich  um  eine  allgemeine  Untersuchung  handelt,
nicht  der  Ort.  Erwähnen  möchte  ich  nur,  daß  es  mir  wenig  angebracht ­
  scheint,  durch  glänzende,  überaus  kostspielige  Festlichkeiten ­
  die  heikle  Situation  vergessen  machen  zu  wollen.  Das
dafür  ausgegebene  Geld  würde  m.  E.  zweckmäßiger  werbend
angelegt!

2.  Errichtung  neuer  Handelsgesellschaften.
Wir  haben  zweierlei  als  notwendig  erkannt:  der  Bremer  muß
aufgerüttelt,  muß  rühriger  werden,  und  der  Handel  muß  auf  eine
breitere  Grundlage  gestellt  werden.  Beide  Forderungen  hängen
eng  zusammen.  Ohne  mich  an  dieser  Stelle  in  Einzelheiten  aufhalten ­
  zu  wollen  —  ich  hoffe  dazu  in  demnächstigen  weiteren  Veröffentlichungen ­
  Gelegenheit  zu  haben  —  möchte  ich  meine  Vorschläge, ­
  die  die  teils  unmittelbare,  teils  mittelbare  Hebung  des
Bremischen  Warenhandels  bezwecken,  in  großen  Zügen  skizzieren.
Zum  Ausbau  der  Handelsbeziehungen  Bremens  mit  außer-
        <pb n="107" />
        103

deutschen  Ländern  muß  eine  Anzahl  besonderer,  neuer  Handelsgesellschaften ­
  gegründet  werden.  Ich  denke  mir  die  Sache  so,
daß  leitende  Kaufmannskreise,  am  besten  in  Verbindung  mit  der
Handelskammer,  die  Initiative  ergreifen  und  zunächst,  unter  Anhörung ­
  von  Sachverständigen  aus  den  verschiedensten  Zweigen
des  Handels,  feststellen:  wo  ist  für  Bremen  noch  etwas  zu  machen  ?
Die  Hauptgesichtspunkte,  die  bei  der  Wahl  und  für  den  Umfang
der  Tätigkeitsgebiete  der  zu  gründenden  Gesellschaften  maßgebend
sein  müssen,  sind  m.  E.;
1.  Die  Handelsobjekte  der  neuen  Gesellschaften
sind  so  zu  wählen,  daß  sie  neue  Waren  nach
Bremen  ziehen  oder  bislang  vernachlässigte,  für
Bremen  passende  Artikel  und  Gebiete  intensiver
bearbeiten.  Dementsprechend  kämen  in  erster  Linie
Großhandelsartikel  in  Betracht,  für  deren  Einfuhr  von
Übersee  und  Weiterverteilung  innerhalb  und  außerhalb
Deutschlands  Bremen  gemäß  seiner  geographischen  Lage
den  Kampf  mit  den  Konkurrenzhäfen  unter  gleichen  Bedingungen ­
  aufnehmen  kann.  Es  sind  dies:  Spinnstoffe
außer  nordamerikanischer  Baumwolle,Kolonialwaren,Landesprodukte ­
  einiger  Länder  der  gemäßigten  und  heißen  Zonen.
2.  Besonders  solche  Gebiete  sind  zu  berücksichtige^
wo  der  Handel  noch  unentwickelt  ist  oder  wo  eine
günstige  wirtschaftliche  Entwicklung,  die  der  Ausfuhr ­
  dorthin  Erfolge  verspricht,  zu  erwarten  steht.
Der  Kampf  gegen  ausländische  Konkurrenz  ist  vorzuziehen,
da  er,  abgesehen  von  höheren,  nationalen  Gesichtspunkten,
meist  leichter  ist  als  gegen  wesensgleiche  deutsche.
3.  Es  ist  darauf  zu  sehen,  daß  der  Handel  dauernd
bleibt  und  nicht  durch  entgegenstehende  Verkehrstendenzen
weltwirtschaftlicher  Art  oder  durch  ausländische  politische
Beeinflussung  bedroht  und  gehemmt  wird.  Hierbei  denke
ich  daran,  daß  z.  B.  Mittelamerika  aller  Wahrscheinlichkeit
nach  schon  bald  in  das  ausschließliche  Einflußgebiet  der
Vereinigten  Staaten  fallen  wird.
Haben  sich  aus  diesen  allgemeinen  Erwägungen  bestimmte
Ansichten  und  Vorschläge  herauskristallisiert,  dann  muß  die  Umsetzung ­
  in  die  Tat  energisch  und  schnell  in  die  Hand  genommen
werden.  Zunächst  müßte,  vielleicht  unter  Anhörung  der  Handelskammer, ­
  ein  Komitee  aus  Großinteressenten,  insbesondere  aus  den
Dampfergesellschaften  und  den  Speditionsfirmen  gebildet  werden.
        <pb n="108" />
        104

Denn  diese  haben  ja  aus  den  zu  erwartenden  größeren  durch  ihre
Vermittlung  zur  Verfrachtung  gelangenden  Gütermengen  Vorteile.
Dieses  für  jedes  einzelne  Gebiet  besonders  zusammentretende
Komitee  müßte,  wenn  nötig,  auf  gemeinsame  Kosten  Experten
nach  drüben  schicken,  die  sich  über  die  Aussichten  des  beabsichtigten
Geschäfts  eingehend  zu  informieren  und  darüber  zu  berichten
hätten.  Etwas  Ähnliches  geschah  ja  schon  im  Jahre  1896  (vergl.
oben  S.  67).  Ein  weiteres  Beispiel  führt  der  Handelskammerbericht ­
  für  1882  (S.  29)  an.  In  jenem  Jahre  trat  man  zur  Hebung
des  Kohlenausfuhrgeschäfts  in  Vorbesprechungen  über  die  Errichtung ­
  einer  Kohlenexports-Aktiengesellschaft  ein,  die  unter  der
Ägide  der  Kammer  errichtet  werden  und  besonders  nach  den
südasiatischen  Zwischenanlaufshäfen  exportieren  sollte.  In  manchen
Fällen  würde  sich  die  vorherige  Hinaussendung  von  Sachverständigen ­
  übrigens  ganz  vermeiden  lassen,  wenn  in  den  betreffenden
Gebieten  schon  Bremer  Firmen,  die  mit  dem  in  Frage  kommenden
Artikel  vertraut  sind,  tätig  sind  und  ihre  Kenntnisse  der  Gesellschaft ­
  bezw.  dem  Komitee  zur  Verfügung  stellen.
In  welcher  Form  die  Gesellschaften  am  besten  gegründet
werden,  ob  in  der  einer  erweiterten  G.  m.  b.  H.,  einer  Aktiengesellschaft ­
  oder  einer  Genossenschaft,  soll  hier  unerörtert  bleiben.
Jedenfalls  meine  ich,  daß  die  großen  Dampfergesellschaften  und
Speditionsfirmen  erst  einmal  den  Hauptteil  des  Kapitals  zeichnen
müssen,  damit  das  Geschäft  gesichert  ist  und  mit  den  Arbeiten
begonnen  werden  kann.  Daneben  müssen  dann  auch  Kleinkapitalisten ­
  herangezogen  werden,  um  möglichst  weite  Kreise  an  dem
Gedeihen  der  Gesellschaft  zu  interessieren.  Die  Anteile  dürften
deshalb  nicht  zu  hoch  bemessen  werden.  Doch  das  ist  ja  eine
Frage  der  inneren  Organisation.  —  Mit  bestehenden  Bremer
Firmen  müßten  natürlich,  wenn  möglich,  beiden  Teilen  Vorteile
bietende  Abmachungen  getroffen  werden,  denn  es  gilt  den  Kampf
gegen  fremde  Konkurrenz.  In  einzelnen  Fällen  empfiehlt  sich
vielleicht  sogar  die  Übernahme  von  Firmen,  obwohl  im  allgemeinen
theoretisch  davon  abzuraten  ist.
Voraussetzung  wäre,  daß  bei  Frachtengleichheit  nur  Bremer
Schiffe  benutzt  werden  und  daß  die  Löschung  der  Waren  nur  in
Bremen  oder  Bremerhaven  erfolgt.  In  geeigneten  Fällen  könnte
die  Behörde  den  Gesellschaften  insofern  entgegenkommen,  als  sie
ihnen  in  der  ersten  Zeit  durch  Ermäßigung  von  Schiffahrtsabgaben
die  Möglichkeit  erleichtert,  das  Geschäft  in  wichtigen  neu  aufgenommenen ­
  Artikeln  nach  Bremen  zu  ziehen.  Sobald  der  Betrieb
        <pb n="109" />
        io5

in  geregelten  Bahnen  läuft,  dürfte  eine  Bevorzugung  natürlich
nicht  mehr  stattfinden.
Zur  Organisation  der  neuen  Gesellschaften  könnte  das  Amt
eines  Handelskommissars  geschaffen  werden,  der  zweckmäßig
in  der  Handelskammer  Sitz  und  Stimme  haben  müßte.  Seine
Stellung  wäre  möglichst  unabhängig  zu  gestalten.  Gerade  bei  Errichtung ­
  solcher  Geschäfte  kommt  es  auf  Tatkraft  und  Selbständigkeit ­
  an.  Denn  sonst  riecht  die  liebe  Konkurrenz  Lunte  und  durchkreuzt ­
  die  Pläne.  Wenn  auch  die  »Erde  Raum  für  alle«  hat  und
jeder  neben  dem  andern  arbeiten  kann,  wäre  es  doch  ärgerlich,
die  Frucht  eigener  Anstrengung  von  anderen  geerntet  zu  sehen.
—  Das  Handelskommissariat  dürfte  kein  Ehrenamt,  kein  Nebenamt
sein.  Es  erfordert  ganze  Arbeitskraft  und  müßte  entsprechend  bewertet ­
  werden.
Der  Ausbau  der  Organisation  ergibt  sich  im  Laufe  der
Zeit  von  selbst.  Das  ist  dann  Sache  des  Handelskommissariats.
Warum  sollte  es  z.  B.  nicht  möglich  sein,  die  Bremer  Baumwollbörse ­
  später  zu  einer  Börse  für  Spinnstoffe  zu  erweitern,  wenn  es
gelingt,  den  Woll-  und  Juteimport  mehr  als  bisher  nach  Bremen
zu  ziehen!?  Im  Anschluß  an  die  Baumwollklassifikation  könnten
Einrichtungen  und  Bestimmungen  auch  für  diese  beiden  Rohstoffe
getroffen  werden.  Hätte  man  die  Sache  früher  energisch  in  die
Hand  genommen,  so  hätte  es  Bremen  auch  im  Wollhandel  vielleicht ­
  schon  jetzt  zu  der  Bedeutung  bringen  können,  die  es  sich
im  Baum  Wollhandel  errang;  jedenfalls  hätte  es  einen  größeren
Markt  als  es  jetzt  hat.  Darauf  hinzielende  Pläne  scheinen  tatsächlich ­
  schon  früh  erwogen  zu  sein.  Schreibt  doch  die  Handelskammer ­
  schon  in  ihrem  Berichte  für  die  Jahre  1870/1873  (S.  29),
daß  man  sich  mit  dem  Gedanken,  in  Bremen  Conditionierungsanstalten
  für  Wolle  zu  errichten,  getragen  habe  —  Gedanken,  denen
die  Kammer  damals  ihre  Zweckmäßigkeit  absprechen  zu  müssen
glaubte!
Man  wird  mir  vielleicht  entgegenhalten,  die  Handelskammer
als  solche  könne  und  müsse  die  Funktionen  des  von  mir  vorgeschlagenen ­
  Handelskommissariats  ausüben.  Als  Vertreterin  und
zusammenfassende  Funktionärin  der  Großkaufmannschaft  habe  sie
sich  doch  gerade  mit  solchen  Dingen  zu  befassen.  Demgegenüber
ist  zu  erwidern,  daß  die  Kammer  in  ihrer  jetzigen  Gestalt  nach
Lage  der  Sache  an  der  Lösung  und  dauernden  Bearbeitung  so
schwerwiegender  Fragen  nur  von  allgemeinen  Gesichtspunkten
aus  arbeiten  kann.  Die  spezielle  Beackerung  des  Feldes  muß
        <pb n="110" />
        —  io6  —
eigens  dafür  angestellten  Kräften  Vorbehalten  bleiben.  Wollte
man  die  Kammer  auch  damit  beauftragen,  so  müßte  sie  schon
eine  erheblich  größere  Zahl  von  Mitgliedern  haben,  würde  dadurch
aber  als  Ganzes  zu  schwerfällig  werden  und  der  notwendigen  Einheitlichkeit ­
  entbehren.  Auch  läge  die  Gefahr  einer  Interessenkollision ­
  und  einer  absichtlichen  oder  unabsichtlichen  Bevorzugung
einzelner  vor.
Daß  der  Vorschlag,  dem  darniederliegenden  Handel  in  der
oben  besprochenen  Weise  wieder  in  den  Sattel  zu  helfen,  in
mancher  Beziehung  neu  ist,  darf  nicht  abschrecken.  Man  wird
sagen,  gerade  der  Handel  müsse  sich  aus  sich  selbst  entwickeln
und  dürfe  nicht  von  außen  gezwungen  werden,  sich  irgend  einem
besonderen  Gebiete  zuzuwenden.  Gerade  der  Bremer  Kaufmann
hat  aber  leider  die  in  dieser  Argumentation  liegende  Entschuldigung
verwirkt.  Die  Kaufmannschaft  agitiert  lebhaft  für  eine  weitere
Ausgestaltung  der  Häfen,  der  Lösch-  und  Ladevorrichtungen.
Darf  aber  der  Staat  als  Vertreter  der  Allgemeinheit  nach  Lage
der  Sache  vorläufig  überhaupt  noch  Gelder  dafür  bewilligen?
Wird  man  da  nicht  in  breiten  Massen  der  Steuerzahler  sagen:  »Wie
kommt  der  Staat  dazu,  zugunsten  eines  Teiles  des  Staatskörpers
dem  Ganzen  finanzielle  Lasten  aufzubürden,  wenn  dieser  Teil,  das
ist  der  Großhandelsstand,  seinen  moralischen  Verpflichtungen  nicht
nachkommt  und  sich  auf  die  Bärenhaut  legt?  Dann  soll  der  Großhandel ­
  die  Einrichtungen,  die  er  sich  wünscht,  doch  aus  eigener
Tasche  bezahlen!«  Hier  eben,  wo  und  nachdem  die  Initiative  der
Einzelnen  versagt  hat,  ist  es  Sache  der  Handelskammer  als
des  Organs  der  Kaufmannschaft,  in  die  Bresche  zu  springen,  die
einzelnen  Glieder  an  ihre  Pflicht  zu  mahnen  und  den  Karren  aus
dem  Sumpf  herauszuziehen.  Dies  kann  sie  aber  m.  E.  nur  dann,
wenn  sie  —  vielleicht  nicht  als  »Kammer«,  sondern  mehr  inoffiziell ­
  —  in  der  angeregten  Weise  vorgeht  und  besonders  die
großen  Schiffahrtsgesellschaften  interessiert.
Man  wird  vielleicht  auch  einwenden,  Bremen  gehe  ja  schon
jetzt  auf  das  gleiche  Ziel  los,  allerdings  sozusagen  auf  umgekehrtem
Wege:  dadurch,  daß  es  der  Industrie  billiges  Gelände  zur  Verfügungsteile
  und  sie  dadurch  heranziehen  wolle.  Das  ist  schon  richtig.
Aber  dieser  Weg  ist  m.  E.  weiter  und  außerdem  weniger  sicher.
Er  ist  auch  mehr  auf  Ausfuhr,  zum  Nutzen  der  Industrie,  als
auf  Einfuhr  und  auf  das  Gedeihen  des  Handels  im  allgemeinen
zugeschnitten.  Neben  dem  von  mir  angeregten  Wege  ist  der
vom  Staate  bereits  ein  geschlagene  natürlich  sehr  gut  und  zweck ­
        <pb n="111" />
        mäßig,  vorausgesetzt,  daß  die  künstlich  herangezogenen  Fabriken
sich  halten.
Man  wird  mir  ferner  entgegenhalten,  in  Bremen  sei  kein
»Markt«  beispielsweise  für  »Kolonialwaren«.  Das  ist  in  gewissem
Sinne  richtig,  denn  dieser  hat  sich  nach  Hamburg  gezogen.  Für
Bremen  muß  er  erst  wieder  neu  geschaffen  werden.  Das  ist
natürlich  mit  Schwierigkeiten  verknüpft.  Aber  so  ziemlich  jeder  Anfang ­
  ist  schwer.  Bei  ernsthaften  Anstrengungen  wird  das  Ziel  erreicht
werden,  ist  doch  auch  Rom  nicht  in  einem  Tage  erbaut  worden.
Auch  einem  eventuellen  anderen  Einwand  möchte  ich  gleich
hier  mit  einigen  Worten  entgegentreten,  nämlich  der  Frage,  ob
denn  überhaupt  die  nötigen  großen  Kapitalien  —  denn  mit  zu
kleinen  Mitteln  zu  arbeiten  wäre  eher  hinderlich  als  förderlich  —
zusammengebracht  werden  können.  Das  ist  eine  Sache,  die  nicht
das  System,  sondern  mehr  die  Organisation  angeht.  Wie  bei
Aktiengesellschaften,  wie  auch  beim  Norddeutschen  Lloyd,  die
Gelder  zum  größten  Teil  nicht  aus  der  eigenen  Stadt  stammen,
so  braucht  für  die  neuen  Gesellschaften  nicht  Bremen  allein  finanziell ­
  interessiert  zu  werden.  Im  Gegenteil  wird  es  nicht  selten
sogar  sehr  zweckmäßig  sein,  Binnenländer  heranzuziehen.  Auf  die
Art,  wie,  und  die  Gegend,  wo  die  Kapitalien  aufgebracht  werden,
kommt  es  nicht  an.  Es  genügt,  wenn  der  Sitz  in  Bremen  ist
und  wenn  bremische  Initiative,  Tatkraft  und  Intelligenz  an  ihrer
Spitze  stehen.
Selbstredend  darf  man  auch  nicht  den  Himmel  stürmen
wollen.  Die  Gesellschaften  dürfen  erst  nach  und  nach,  nach  genauester ­
  Prüfung  der  Verhältnisse,  errichtet  werden.  Dabei  wird
man  Organisationsfehler,  die  im  Anfang  vielleicht  unterlaufen
werden,  bei  den  später  gegründeten  Gesellschaften  gleich  vermeiden ­
  können.  Auch  durch  gelegentliche  Fehlschläge  darf  man
.sich  nicht  abschrecken  lassen.  Im  Vergleich  zu  der  Größe  des
Erfolges,  der  erreicht  werden  kann,  ist  der  Einsatz  nur  gering.
Andererseits  würde  weitere  Tatenlosigkeit  der  Anfang  vom  Ende  sein.
Ich  gehe  sogar  noch  weiter!  Sollte  es  wider  Erwarten  nicht
gelingen,  solche  Gesellschaften  mit  rein  privaten  Mitteln  zu  gründen,
so  muß  der  bremische  Staat  in  irgend  einer  Form  selbst  einspringen,
  sei  es  durch  Kapitaleinschuß,  sei  es  durch  Übernahme
der  Bürgschaft  für  eine  mäßige  Verzinsung  während  der  Einrichtungsjahre ­
  —  selbstredend  nur  gegen  Erhalt  des  Aufsichtsrechts.
Bekanntlich  wurde  in  der  Bürgerschaftssitzung  vom  30.  März
1910  beschlossen,  daß  der  bremische  Staat  die  selbstschuldnerische
        <pb n="112" />
        —  io8  —
Bürgschaft  für  das  durch  den  Bremer  Verein  für  Arbeiterwohnungen
von  der  Landesversicherungsanstalt  für  die  Hansestädte  in  Lübeck
zum  Bau  von  Wohnungen  für  etwa  20000  Arbeiter  auf  dem
Baugelände  des  Industrie-  und  Handelshafens  in  Bremen-Oslebshausen ­
  aufzunehmende  Darlehn  bis  zur  Höhe  von  zwei  Millionen
Mark  nebst  Zinsen  übernehmen  sollte.
Nun  folgere  ich:  Sieht  man  es  als  im  Interesse  der  Allgemeinheit ­
  liegend  an,  Wohngebäude  für  Arbeiter  zu  erbauen
oder  eine  Zinsgarantie  dafür  zu  übernehmen;  erwägt  man  ferner,  daß
diese  Ausgaben  und  Einrichtungen  dem  einen  Stande,  dem  der
Arbeitnehmer,  zugute  kommen,  so  muß  man  wegen  der  Tatsache,
daß  der  Großhandel  der  Lebensnerv  des  Staates  Bremen  ist  und
bleiben  wird,  zugeben,  daß  der  Staat  die  Pflicht  hat,  unter  Umständen
dem  Handel  in  derselben  Weise  zu  Hilfe  zu  kommen.  Der  Handel
ist  hier  das  Primäre,  die  heranzuziehende  Industrie  mit  ihren  A  rbeitermassen
  das  Sekundäre.  Alle  ihre  Arbeitsprodukte  müssen  durch
den  Handel  bewegt  und  umgesetzt  werden.  Stirbt  der  Handel
aber  ab  oder  ist  er  außer  Stande  die  Umsatzfunktion  auszuüben,
dann  sind  alle  für  die  Arbeitnehmer  aufgewendeten  Kapitalien
nutzlos.  Glieder  ohne  Körper  sind  tot.
3.  Welche  Gebiete  kommen  besonders  in  Frage?
Nachstehend  möchte  ich  diejenigen  Gebiete  kurz  herausheben,
die  ich  besonderer  Aufmerksamkeit  für  wert  halte.
Ostasien.  Ein  immer  mehr  an  merkantiler  Bedeutung  gewinnendes ­
  Gebiet  sind  das  nördliche  China  und  die  Mandschurei.
Die  weiten,  ebenen  Gefilde  sind  von  einer  erstaunlichen  Fruchtbarkeit ­
  und  bringen  ungeheure  Mengen  von  Landesprodukten
hervor.  Besonders  werden  Hülsenfrüchte  gebaut  (Bohnen,  Erbsen
usw.),  daneben  Getreide  (Hirse  usw.).  Die  Wichtigkeit  dieses  Gebiets,
das  ein  landwirtschaftliches  Produktionszentrum  allerersten  Ranges  %
zu  werden  verspricht,  hat  man  lange  verkannt.  Die  europäischen
Dampferlinien  ließen  es  unbeachtet  liegen  und  bogen  vom  mittleren ­
  China  (Shanghai)  nach  Osten  zu,  nach  Japan,  ab.  Erst  neuerdings, ­
  nach  dem  russisch-japanischen  Kriege,  ist  es  mehr  in  den
Vordergrund  getreten,  und  energisch  ist  man  jetzt  mit  seiner
Aufschließung  und  der  Nutzbarmachung  der  reichen  Schätze,  die
es  birgt,  beschäftigt.  Englisches,  amerikanisches  und  japanisches
Kapital  beginnt  sich  dort  einzunisten.  Noch  ist  es  Zeit,  daß
Deutschland  sich  seinen  Anteil  sichert.  Wünschenswert  wäre  es,
daß  der  Norddeutsche  Lloyd  eine  regelmäßige  Frachtdampferlinie
        <pb n="113" />
        —  iog  —
von  Dalny,  dem  bevorzugten  Ausfuhrhafen  jenes  Gebietes,  nach
Shanghai  einrichte.  Er  braucht  wenig  oder  kein  neues  Dampfermaterial ­
  dazu,  sondern  könnte  vielleicht  eine  Anzahl  seiner  im
unrentablen  Yangtse-Dienst  beschäftigten  Fahrzeuge  auf  dieser
Linie  verwenden.  Sie  würden  willkommene  »Zubringer«  der  Hauptlinie ­
  werden,  die  in  heimkehrender  Fahrt  nicht  gerade  über  Frachtenüberfluß ­
  zu  klagen  hat  (vergl.  S.  66).  Einer  unter  Mitwirkung
des  Lloyd  gegründeten,  Dalny  als  Hauptstützpunkt  benutzenden
Gesellschaft  darf  ein  gutes  Prognostiken  gestellt  werden.
Mit  der  wichtigste  Ausfuhrartikel  Dalnys  ist  die  im  nördlichen
China  und  in  den  Mandschurei  heimische  Sojabohne.  Die  Bohne
selbst  ist  ein  gutes,  billiges  Nahrungsmittel;  das  aus  ihr  gewonnene
Öl  dient  hauptsächlich  zur  Seifenfabrikation,  daneben  als  Speiseöl;
die  Rückstände  werden  zu  Viehfutter  oder  Düngemitteln  verarbeitet. ­
  Schon  jetzt  gehen  große  Mengen  nach  England  (jährlich
über  400000  Tons),  nach  Österreich  usw.  Allerdings  ist  die  Einfuhr ­
  in  diesen  und  anderen  Ländern  zollfrei.  Der  Verband  der
deutschen  Ölmühlen  hat  Schritte  unternommen,  um  auch  in  Deutschland ­
  Zollfreiheit  für  diese  wichtige  Hülsenfrucht  zu  erwirken.  Es
steht  zu  hoffen,  daß  seine  Bestrebungen  Erfolg  haben.
Selbst  wenn  man  bis  dahin  die  Sojabohnen  nicht  in  Deutschland ­
  selbst  in  größeren  Mengen  absetzten  wollte  oder  könnte,
könnte  man  sie  nach  England  bringen  oder  sie  schon  vorher  in
der  Levante,  Triest,  Italien  und  Südfrankreich  verkaufen.
Ein  anderer  Ausfuhrartikel  Dalnys,  der  eine  ganz  besondere
Wichtigkeit  erlangen  könnte,  wäre  Schweineschmalz.  Jetzt  ist
die  Union  bekanntlich  die  Hauptproduzentin,  die  mehr  als  9 /io
(1905  sogar  98%)  des  deutschen  Bedarfs  deckt.  Die  amerikanischen ­
  Großschlächtereien  haben  sich  ein  tatsächliches  Monopol
geschaffen  und  dies  dazu  benutzt,  die  Preise  ganz  erheblich  in  die
Höhe  zu  schrauben.  Noch  im  Jahre  1897  kostete  ein  dz  Schmalz
im  Durchschnitt  (nach  der  Reichsstatistik)  nur  erst  46  Mk.  1902
wurde  der  Höchstpreis  mit  104  Mk.  erreicht,  dann  sank  er  1904
auf  7  2,  stieg  aber  bis  1908  wieder  auf  91  Mk.  Also  im  letzten
Jahrzehnt  beinahe  eine  Verdoppelung,  eine  Mehrbelastung  des
deutschen  Konsums  mit  jährlich  50  Millionen  Mark.  Da  nun  das
nördliche  China  und  die  südliche  Mandschurei  überaus  schweinereich ­
  sind,  wäre  dort  die  Errichtung  leistungsfähiger  Exportschlächtereien ­
  zu  empfehlen.  Soweit  ich  beurteilen  kann,  würden
die  Schlächtereien  mit  sehr  hohem  Gewinn  arbeiten.  Da  es  sich
auch  um  bedeutende  Transportmengen  handelt  —  wir  beziehen
        <pb n="114" />
        HO

aus  Amerika  jährlich  mehr  als  100000  Tonnen  Schweineschmalz!
—  so  läge  für  den  Lloyd  um  so  mehr  Veranlassung  vor,  sich  an
der  mandschurischen  Fleischbearbeitungsindustrie  zu  interessieren.
Von  allem  andern  abgesehen  würde  es  auch  eine  nationale  Tat
sein,  die  Fesseln,  in  die  uns  der  »Fleischtrust«  geworfen  hat,  zu
zerbrechen.
Auch  Fischöl  könnte  in  großen  Mengen  über  Dalny  nach
Deutschland  gebracht  werden.  Anderswo,  in  England  z.  B.,  ist
seine  Verwendung  zu  allen  möglichen  Zwecken  neuerdings  stark
gestiegen.  Auch  in  Deutschland  würde  dies  der  Fall  sein,  wenn
man  das  Öl  erst  kennt  und  es  regelmäßig  beziehen  kann.  Daß
gleichzeitig  auch  die  Fabrikatenausfuhr  nach  dort  gepflegt
werden  müßte,  ist  klar.  Besonders  Maschinen  und  Baumwollwaren
würden  dort  guten  Absatz  finden.  Jedenfalls  liegt  dort  die  Möglichkeit ­
  einer  großartigen  Entfaltung  offen.  Wegen  der  Frachtengleichheit ­
  ist  Bremen  gegen  England  nicht  im  Nachteil.  Die
räumliche  Entfernung  von  Nordamerika  (Seattle)  aus  ist  ungefähr ­
  die  gleiche.  Rußlands  Konkurrenz  ist  wegen  der  teuren
für  dieses  Reich  in  Frage  kommenden  Eisenbahnfrachten  wenig
zu  fürchten.  Japan  hat  mit  Korea  genug  zutun,  seinen  Gelüsten,
Port  Arthur  und  Dalny  an  sich  zu  reißen  und  damit  den  ganzen
Handel  an  seine  Flagge  zu  fesseln,  haben  die  Mächte  einen  wirksamen ­
  Damm  entgegengesetzt.  Dort  ist  »Freiland«.
Südasien.  Eine  hier  arbeitende  Gesellschaft  müßte  die  Ausfuhr ­
  von  Baumwolle  und  Jute  mit  besonderem  Eifer  pflegen,  daneben ­
  die  anderer  Rohprodukte,  wie  Schellack  (hierfür  war  Bremen
früher  der  Hauptmarkt,  jetzt  verschwindet  es  gegen  Hamburg),
Häute  usw.  Bietet  der  Bremer  Händler  in  solchen  Artikeln  —
Schellack,  Kopra  usw.  usw.  —  größere  Auswahl  und  genügende
Effektivvorräte,  dann  wird  der  Absatz  nicht  ausbleiben.  Für  den
Inlandsverbraucher  ist  es  einerlei,  ob  er  von  Hamburg  oder  von
Bremen  kauft.  Hatte  Bremen  früher  einen  großen  Markt  für
solche  Waren,  so  ist  nicht  einzusehen,  warum  es  sich  ihn  nicht
jetzt  sollte  wieder  schaffen  können!  Beim  Jutehandel  könnte
vielleicht  darauf  hingearbeitet  werden,  eine  größere  Juteverarbeitungsindustrie ­
  im  speziellen  Hinterlande  Bremens  (vergl.  S.  63)
anzusiedeln.  —  Die  Hansa  als  in  Bremen  beheimatete  Gesellschaft
hat  an  der  Hebung  des  ostindischen  Warenverkehrs  nach  hier  ein
lebhaftes  Interesse  und  würde  sich  jedenfalls  zur  Beteiligung  und
zu  Zugeständnissen  betreffs  des  Dampferdienstes  bereit  finden  lassen.
Nordamerika.  Eine  aus  dem  Geiste  dieser  Untersuchung
        <pb n="115" />
        heraus  geborene  Gesellschaft  zum  Zwecke  der  Hebung  der  bremischen ­
  Ausfuhr  deutscher  Erzeugnisse  nach  den  Vereinigten
Staaten  zu  gründen,  dürfte  unangebracht  sein,  obschon  sich
Bremen  sehr  wohl  einen  größeren  Anteil  daran  sichern  könnte.
Mehr  als  anderswo  bestehen  gerade  zwischen  den  deutschen  Fabrikanten ­
  und  dem  amerikanischen  Käufer  direkte  Beziehungen,
die  nur  des  Speditionshandels  als  Vermittlers  bedürfen.  Was
Bremen  aber  tun  könnte,  wäre,  daß  seine  Großkaufleute,  und  zwar
nicht  nur  die  Import-Exportfirmen,  sondern  auch  die  Baumwollfirmen,
  drüben  Kommissionshäuser  errichteten.  Dies  ist  bislang
nur  in  ganz  vereinzelten  Fällen  geschehen.  Eventuell  könnten
sich  mehrere  Firmen  zusammentun  und  in  verschiedenen  Seeund
  Binnenstädten  der  Union  auf  gemeinschaftliche  Rechnung
Ein-  und  Verkaufskontore,  die  zweckmäßig  mit  Musterlägern  zu
verbinden  wären,  eröffnen.
Anders  liegen  die  Verhältnisse  in  Canada.  Ein  nennenswerter ­
  Verkehr  zwischen  der  Dominion  und  dem  Deutschen  Reiche
besteht  noch  nicht.  Es  scheint  sich  aber  eine  rasche  Änderung
vorzubereiten.  Da  ist  es  in  erster  Linie  Sache  des  Norddeutschen
Lloyd,  dafür  Sorge  zu  tragen,  daß  ein  entsprechender  Teil  des
Warenstromes  nach  Bremen  gelenkt  wird  und  diese  Stadt  nicht
wieder,  wie  schon  so  oft,  das  Nachsehen  hat.  Bei  tatkräftiger
Beihilfe  des  Lloyd  dürfte  Canada  für  Ein-  wie  für  Ausfuhrfirmen,
kraft  seiner  schnell  zunehmenden  landwirtschaftlichen  Produktion
und  seiner  entsprechend  steigenden  Kaufkraft  für  Industrieerzeugnisse, ­
  ein  sehr  geeignetes  Feld  sein.  Bislang  sah  man  das  Land,
verführt  durch  die  Schilderungen  von  der  Unwirtlichkeit  seiner  nördlichen ­
  Teile,  etwas  über  die  Achsel  an.  Daß  auch  Canada  Anstrengungen ­
  macht,  engere  Handelsbeziehungen  mit  Deutschland
zu  pflegen,  geht  aus  der  im  laufenden  Jahre  erfolgten  Absendung
eines  besonderen  Handelssachverständigen  nach  den  größeren
deutschen  Städten  hervor.
Südamerika.  Eine  gewisse  instinktive  Furcht,  aus  dem
Geschäft  mit  Südamerika  doch  über  kurz  oder  lang  herausgedrängt
zu  werden,  scheint  auf  Bremen  zu  lasten.  —  Wohl  ist  es  Tatsache,
daß  die  Union  erhöhten  nicht  nur  politischen,  sondern  auch
kommerziellen  Einfluß  auf  die  Südhälfte  des  Kontinents  zu  erlangen
sucht,  und  mit  Recht  weist  die  Handelskammer  (Jahresbericht  für
1891,  S.  9)  darauf  hin:  »Diese  Bemühungen  (sc.  der  Union,  die
europäische  Einfuhr  zu  erschweren)  erstrecken  sich  nicht  nur  auf
das  Gebiet  der  Vereinigten  Staaten  selbst,  sondern  umfassen  ganz
        <pb n="116" />
        I  12

Amerika,  und  ein  weiterer  Erfolg  derselben  sind  die  von  der
amerikanischen  Union  mit  Brasilien  und  Spanisch-Westindien  abgeschlossenen ­
  Gegenseitigkeitsverträge,  in  denen  gewissen  Erzeugnissen ­
  der  nordamerikanischen  Bodenbewirtschaftung  und  Industrie
zollfreie  Einfuhr  oder  Einfuhr  zu  um  25°/ 0  ermäßigten  Zollsätzen
gewährt  wird.  Auf  diesem  Wege  soll  die  Zusammenschließung
der  amerikanischen  Staaten  zu  einem  wirtschaftlichen  Ganzen  und
ihre  Unabhängigkeit  von  der  Industrie  und  dem  Gewerbe  Europas
erreicht  werden«.  Aber  wegen  dieses  in  Zukunft  vielleicht  einmal
eintretenden  Ereignisses  die  Flinte  ins  Korn  werfen  zu  wollen
wäre  verfehlt.  Richten  wir  uns  nach  Hamburg!
Allerdings  wird  kraft  der  in  der  geographischen  Lage  und
in  den  ethnographischen  Bedingungen  begründet  liegenden  nordsüdlichen ­
  Verkehrstendenz  Südamerika  unzweifelhaft  in  eine  gewisse ­
  Abhängigkeit  von  Nordamerika  geraten.  Aber  diese  wird
nicht  so  stark  werden  wie  man  leicht  zu  fürchten  geneigt  ist.
Denn  Südamerikas  Wirtschaftsleben  bewegt  sich  in  aufsteigender
Linie,  und  seine  Staaten  sind  überaus  freiheitliebend  und  stehen
den  Suprematiegebühren  Uncle  Sams  entschieden  ablehnend
gegenüber.  Wenn  dieser  auch  Vorteile  für  seinen  Handel  durchdrückt, ­
  so  sind  sie  doch  nicht  bedeutend  und  umfassend.  Auch
werden  ihm  solche  Abmachungen  mit  dem  wichtigsten  Staate
Südamerikas,  mit  dem  kraftvollen  Argentinien,  schwerer  fallen
als  mit  dem  durch  tropische  Sonne  und  üppige  Fruchtbarkeit
des  Bodens  etwas  verweichlichten,  energischer  Kräfteanspannung
weniger  fähigen  Brasilien.
Zu  diesem  politischen  Gegensatz  besonders  in  der  Argentinischen ­
  Republik  kommt  ein  sehr  realer  für  Deutschland  in  die
Wage  fallender  Umstand:  die  südamerikanischen  Staaten  müssen
ihre  Naturprodukte  loswerden.  Nordamerika  aber,  das  selbst  Getreide ­
  in  großen  Mengen  ausführt,  kann  das  Getreide  Argentiniens,
auf  dessen  Ausfuhr  dieses  Land  angewiesen  ist,  nicht  aufnehmen.
Auch  die  andern  Landesprodukte  Südamerikas,  wie  Wolle,  Kaffee,
Kakao,  Gummi,  müssen  größtenteils  ihren  Absatz  in  Europa
suchen.  Und  mit  dem  Erlös  aus  allen  diesen  Waren  wird  dann
die  Fabrikateneinfuhr  bezahlt.  Das  ist  ein  gleichartiger,  überall
erkennbarer  Zug;  alle  weniger  kultivierten  tropischen  und  subtropischen ­
  Länder  führen  Massengüter  ihrer  Natur-  und  Urproduktion ­
  aus  und  tauschen  dafür  in  dem  betreffenden  Einfuhrlande ­
  die  von  ihnen  benötigten  Ganz-  und  Halbfabrikate  ein.  Daß
dieser  Satz  auch  für  Südamerika  Geltung  hat,  sehen  wir  bei  Hamburg.
        <pb n="117" />
        Demnach  müßte  eine  beispielsweise  zur  Hebung  des  Argentin ­
  ageschäfts  gegründete  Gesellschaft  ihr  Hauptaugenmerk  auf
die  Ausfuhr  nach  dort  richten,  was  ihr  möglich  wäre,  wenn  sie
in  den  binnenländischen  Sammelpunkten  der  Naturerzeugnisse
geeignete  Verbindungen  anknüpfte  und  möglichst  mit  solchen
Firmen  arbeitete,  die  Ein-  und  Ausfuhr  gleichzeitig  pflegen.  —
Betreffs  Brasiliens  ist  vielleicht  nicht  so  sehr  der  Hebung  der
Kaffeeinfuhr  als  dem  Handel  mit  den  anderen  Kolonialwaren
der  verschiedensten  Art  (Kakaobohnen!),  mit  Gummi  elasticum,
Hölzern  usw.  und  natürlich  Tabak  Beachtung  zu  schenken.  In
Südbrasilien  gewinnt  der  Getreideanbau  erhöhte  Bedeutung,  und  es
ist  anzunehmen,  daß  die  Republik  bald  als  gleichwertiger  Exporteur ­
  neben  die  andern  bekannten  »Kornkammern«  der  Welt
treten  wird.  Auch  in  der  Ausfuhr  nach  Brasilien  hat  Deutschland, ­
  also  bei  entsprechender  Regsamkeit  auch  Bremen,  gute
Aussichten.  Nach  einer  brasilianischen  Quelle  betrug  in  Prozenten
der  Gesamtwerte  im  Jahre  1908
Brasiliens
Ausfuhr  nach:  Einfuhr  von:

Vereinigte  Staaten  41,60  °/ 0

Großbritannien

26,30  °/ 0

Großbritanni  en

18,30  %

Deutschland

13,25  °/ 0

Deutschland

•5.30  %

Argentinien

11.75  7o

Frankreich

7,30  %

Vereinigte  Staaten

10,25  %

Österreich-Ungarn

3,30  %

Frankreich

9,25  %

Argentinien

3,30  %

Portugal

7.35  %

Belgien

2,30  %

Uruguay

5,35  %

Uruguay

1,60  %

Belgien

3,50  %

Italien

3.25  %

Der  hohe  Anteil  Argentiniens  an

der  Ausfuhr  nach

Brasilien  ist

durch  Getreidebezüge  (Weizen)  zu  erklären.  Von  Europa  bezieht
Brasilien  hauptsächlich  Seiden-  und  Textilwaren,  chemische  und
pharmazeutische  Erzeugnisse  und  Parfümerien.  Der  Umstand,  daß
Hamburg  weit  mehr  als  zehn  Mal  so  viel  nach  Brasilien  ausführt
als  Bremen,  läßt  erstens  erkennen,  daß  Deutschland  der  Konkurrenz
Englands  auch  hier  gewachsen  ist  (sein  prozentualer  Anteil  vergrößert ­
  sich  stetig),  und  zweitens  die  Hoffnung  als  berechtigt  erscheinen, ­
  daß  Bremens  Anstrengungen  gerade  bei  der  Ausfuhr
der  oben  genannten  Warengruppen  der  Erfolg  nicht  versagt  sein
würde.
Allerdings  wäre  es  schon  bei  Fortbestand  der  jetzigen  Verhältnisse ­
  dringend  wünschenswert,  daß  die  Bremer  Linien  in  den
Gehrke,  Bremens  Warenhandel.  8
        <pb n="118" />
        Südamerikadienst  schnellere  Dampfer  einstellen.  Nach  meinen
Erkundigungen  bei  den  zuständigen  Stellen  beträgt  z.  B.  die
Fahrtdauer  der  Dampfer  des  Norddeutschen  Lloyd  von  Bahia  bis
Bremen  21—24  Tage,  die  der  Dampfer  der  Hamburg-Südamerikanischen ­
  Dampfschiffahrts-Gesellschaft  von  Bahia  bis  Hamburg
nur  18—21  Tage.  Es  wird  auf  diese  Zeitdifferenz  mit  zurückzuführen ­
  sein,  daß  Hamburg  im  Verkehr  mit  jenen  Gebieten
Bremen  so  kolossal  überflügelt  hat.
Afrika.  Die  Bearbeitung  dieses  Erdteils  ist  ziemlich  schwierig
für  Bremen,  da  es  mit  alter,  starker  hamburgischer  und  englischer
Konkurrenz  zu  rechnen  hat,  die  an  ihren  Schiffahrtslinien  nicht
zu  verachtende  Rückendeckungen  haben.  Dazu  kommt  in  den
heißeren  Gegenden  die  Eigenart  des  Faktoreihandels:  es  ist  kein
ausgebildeter  Handel  in  unserem  Sinne,  sondern  er  bewegt  sich
wie  in  Urzeiten  vorwiegend  in  der  primären  Form  des  Tausches.
Nur  in  den  höher  kultivierten  Gebieten  im  Norden  und  Süden
des  Erdteils  und  in  vereinzelten  Oasen  an  der  Ost-  und  Westküste
tritt  das  Geld  als  vermittelnder  Faktor  zwischen  Käufer  und
Verkäufer.
In  Nordafrika  ist  m.  E.  für  Bremen  nicht  viel  zu  wollen,  da
es  dort  aus  geographischen  Gründen  der  Konkurrenz  Südeuropas
nicht  gewachsen  ist  und  außerdem  mit  der  Abschließungspolitik
Frankreichs  zu  rechnen  hat.
Im  Süden  liegen  die  Verhältnisse  günstiger.  Zu  erstreben
ist  eine  Steigerung  der  Wolleinfuhr  von  dort.  Auch  die  Ausfuhr
nach  dort  bedarf  dringend  der  Hebung.  Daß  sie  bis  jetzt  gleich
Null  ist,  sahen  wir.  Kraft  seiner  politischen  Vorherrschaft  besitzt
ja  England  auch  wirtschaftlich  eine  gewisse  Vorzugsstellung.  Sein
großes  Übergewicht  im  Ausfuhrhandel  nach  Südafrika  beruht  jedoch
z.  T.  mit  darauf,  daß  man  deutsche  Waren  als  solche  dort
kaum  kennt.  M.  W.  hat  es  bislang  überhaupt  an  ernsthaften
Versuchen  kapitalkräftiger  Firmen,  sie  dort  einzubürgern,  gefehlt.
Und  doch  wären  die  aufblühenden,  kaufkräftigen  United  States
of  South  Africa  zweifellos  ein  guter  Abnehmer  für  uns,  so  für
die  Textil-,  die  Holzbearbeitungsindustrie  usw.
Bezüglich  der  heißeren  Gebiete  Afrikas  kommt  eine  Einfuhr  von
Palmkernen  und  anderen  tropisch-afrikanischen  Landesprodukten
in  Frage  und  eine  Ausfuhr  aller  Sorten  meist  geringwertiger
Fabrikate.  Wenn  es  gelingt,  in  Bremen  einen  gleichwertigen
Gegner  der  Woermann-Linie  zu  finden,  dann,  aber  auch  nur  dann
wird  man  mit  aller  Bestimmtheit  auf  ausgezeichnete  Erträge  des
        <pb n="119" />
        U5

Handels  rechnen  dürfen.  Hoffentlich  kann  die  dem  Lloyd  nahe
stehende  Hamburg-Bremer  Afrikalinie  groß  genug  ausgebaut  werden.
Australien.  Der  Wollimport  aus  diesem  Erdteil  ist  noch
größerer  Ausdehnung  fähig.  Daß  Deutschland  alljährlich  große
Posten  auf  den  Londoner  Wollauktionen  kauft,  ist  eigentlich  widersinnig. ­
  Bei  direkter  Einfuhr  kann  der  Zwischenhändlergewinn  und
können  die  Kosten  für  Courtage,  Lagerung,  Versicherung,  Frachtdifferenz, ­
  Wiegen  usw.  gespart  bezw.  heimischen  Firmen  zugewendet
werden.  Die  Londoner  Auktionen  sind  ein  Überbleibsel  aus  der
Zeit  der  monopolistischen  Vermittlerstellung  Englands,  und  daß
sie  sich  bis  heute  gehalten  haben,  ist  in  erster  Linie  dem  Gesetz
der  Trägheit  zuzuschreiben.  Man  könnte  jedenfalls  ganz  gut  ohne
sie  auskommen.
Australien  ist  das  Hauptwollproduktionsland  der  Erde.  Es
produziert  (nach  Friedrich,  Wirtschaftsgeographie;  Leipzig,  1907;
S.  142)  um  etwa  1 / 8  mehr  als  Argentinien,  etwa  fünf  Mal  so  viel
wie  Britisch-Südafrika.  Da  Bremen  gerade  in  Australien  noch  gut
im  Geschäft  sitzt,  läßt  sich  speziell  die  australische  Wolle  als  Mittel
benutzen,  um  die  geschwächte  Stellung  Bremens  im  europäischen
Wollhandel  wieder  zu  stärken.  Daß  auch  diese  Schwächung,  dieses
Heruntersteigen  von  stolzer  Höhe,  erst  im  letzten  Jahrzehnt,  d.  h.
seit  Beendigung  der  Unterweserkorrektion,  eingetreten  ist,  dafür
diene  die  folgende  kleine  Zusammenstellung  als  Beweis.  Bremens
Gesamtwolleinfuhr  betrug  i.  J.  1869:  34000  dz;  1880:  löiooodz;
bis  1890  Verdreifachung  auf  rund  x / 2  Million  dz;  1895:  746000  dzl
und  1908,  nach  weiteren  13  Jahren,  ein  Rückgang  um  etwa  10  °/ 0
auf  675000  dz!  Allerdings  ist  1909  infolge  großer  direkter  Einkäufe
in  Australien  (und  Südamerika)  durch  ein  kapitalkräftiges  Konsortium ­
  wieder  ein  bemerkenswerter  Aufschwung,  auf  877000  dz,
zu  verzeichnen.  Im  allgemeinen  wird  man  allerdings  sagen  müsssen,
daß  sich  der  Woll-Proprehandel  immer  mehr  ins  Binnenland  zieht,
und  daß  auch  in  diesem  Geschäftszweig  der  Zwischenhandel  der
Seestädte  allmählich  ausgeschaltet  werden  dürfte.
Auch  die  Ausfuhr  nach  Australien  läßt  sich  noch  sehr
heben.  Englands  Konkurrenz  kann  auch  hier  durch  die  deutsche
Industrie  ausgeschaltet  w T erden.  Aber  was  nutzt  es  uns,  wenn  es
in  der  Hauptsache  durch  Hamburgs  Vermittlung  geschieht?  Bessere
Schiffsverbindungen  als  die  Australlinien  des  Lloyd  kann  Bremen
sich  doch  gar  nicht  wünschen.
Europa.  Eine  Vergrößerung  der  Ausfuhr  deutscher  und
fremder  Produkte  ist  sehr  wohl  möglich.  Wenn  es  sich  auch
8*
        <pb n="120" />
        hauptsächlich  nur  um  die  Verteilung  überseeischer  Erzeugnisse
handelt,  bleibt  doch  eine  wohltätige  Rückwirkung  nicht  aus.  Denn
wie  ein  Wachsen  der  direkten  Überseeeinfuhr  von  Vorteil  für
Bremen  ist,  weil  sie  ausländische  Zwischenglieder  ausschaltet
und  dadurch  die  Aussicht  auf  Gewinn  vergrößert,  ist  ein  Wachsen
der  Ausfuhr  nach  Europa  zu  begünstigen,  weil  sie  den  eigenen
Zwischenhandel  einschaltet.  Hierfür  Vorschläge  zu  machen
fühle  ich  mich  jedoch  außer  Stande.
Zwecks  richtiger  Würdigung  der  Verhältnisse  will  ich  aber
nicht  unterlassen  darauf  hinzuweisen,  daß  die  unverkennbaren  Bestrebungen ­
  weiter  englischer  Kreise,  den  britischen  Kolonien  gegenüberallen ­
  Auslandsreichen  eine  zollpolitische  Bevorzugung  angedeihen
zu  lassen,  jedenfalls  zur  Folge  haben  werden,  daß  die  benachteiligten
Länder  für  manche  Waren  andere  Bezugsquellen  und  Absatzgebiete ­
  suchen  müssen.  Je  mehr  sich  die  Abschließungsbestrebungen
zu  Tatsachen  verdichten,  in  um  so  stärkerem  Maße  treten  auch
die  Abwehrmaßregeln  in  die  Erscheinung.  Denn  wenn  z.  B.
die  landwirtschaftliche  Ausfuhr  Dänemarks  (Butter,  Milch,  Fleisch
usw.)  nach  England  erschwert  wird,  so  muß  Dänemark  mehr  nach
Deutschland  ausführen.  Die  gesteigerte  Ausfuhr  bedingt  aber  eine
größere  Einfuhr  aus  Deutschland  unter  Ausschaltung  Englands.
Tatsächlich  ist  schon  jetzt  ein  besseres  merkantiles  Verhältnis
zwischen  Deutschland  und  dem  skandinavischen  Norden,  insbesondere
Dänemark,  festzustellen.
t
4.  Errichtung  von  Freihafenfabriken.
Noch  auf  andere  Weise  kann  man  dem  Handel  Bremens  zu
Hilfe  kommen.
Wie  schon  auf  Seite  64  erwähnt,  bedeutet  die  Hamburg  zugestandene ­
  Zulassung  von  Fabrikbetrieben  in  seinem  Zollausschlußgebiet ­
  eine  schwere  Schädigung  Bremens.  Wenn  auch  die
früheren  Bemühungen  Bremens  um  Erhalt  der  gleichen  Vergünstigung ­
  fehlschlugen,  darf  man  sich  dadurch  doch  nicht  entmutigen ­
  lassen.  Durch  Hergabe  unantastbaren  Materials  durch
die  beteiligten  Benachteiligten  muß  es  möglich  sein  festzustellen,
in  welchem  Umfange  bremische  Interessen  tatsächlich  geschädigt ­
  worden  sind.  Mir  fehlen  die  Unterlagen.  Allein  schon
wenn  man  die  Reis-  und  Kaffeebearbeitungsindustrie  vor  Augen
hat,  darf  man  wohl  behaupten,  daß  sehr  große  Summen  und
Interessen  in  Frage  kommen.  Nach  Mitteilungen  in  der  amtlichen ­
  deutschen  Statistik  handelt  es  sich  bei  der  Hamburger
        <pb n="121" />
        Zollausschlußindustrie  außer  um  Reis  und  Kaffee  besonders  um:
Ammoniakwasser,  Guano  und  Superphosphat,  verschiedene  chemische
Fabrikate  wie  z.  B.  Wasserglas  und  Schwefelsäure,  pharmazeutische ­
  Präparate,  Margarine,  Spirituosen,  Tran,  Öle  und  Ölrückstände, ­
  Koks,  Steinkohlenteer  und  Mineral-Schmieröle.
Wenn  eine  Interessentengruppe  die  Verwaltungsbehörden
und  gesetzgebenden  Körperschaften  zu  Änderungen  ihrer  Stellungnahme ­
  veranlassen  will,  ist  es  *  das  Nächstliegende,  daß  sie  sich
zu  diesem  bestimmten  Zwecke  enger  zusammenschließt  und  ihre
Wünsche  dadurch  unterstützt,  daß  sie  den  maßgebenden  Stellen
genügendes,  unwiderlegbares  Tatsachenmaterial  liefert.  Nur  so
kann  sie  Erfolg  haben.  Man  denke  an  die  erfolgreiche  Aufklärungsarbeit, ­
  die  z.  B.  der  Verein  der  Oberweserschiffahrtsinteressenten
  geleistet  hat.  Warum  geht  die  an  bremischen  Zollausschlußfabriken ­
  interessierte  Industrie  nicht  in  ähnlicher  Weise
vor?  Die  Handelskammer  sollte  bei  sämtlichen  Mitgliedern  des
Kaufmannskonvents  eine  Umfrage  veranstalten  mit  der  Bitte,  ihr
alles  vorhandene  Material  zur  Verfügung  zu  stellen,  und  dann
eine  Interessentenvereinigung  veranlassen,  es  auf  deren  Kosten
zu  bearbeiten  und  die  Ergebnisse  in  einer  ausführlichen  Denkschrift ­
  niederzulegen.  An  Hand  derselben,  auf  Grund  der  positiven ­
  Unterlagen,  kann  man  dann  sehen,  was  weiter  zu  geschehen
hat.  Erbringt  man  der  Reichsregierung  in  geeigneter  Weise  den
ziffernmäßigen  Nachweis,  wie  sehr  Bremen  seit  zwei  Jahrzehnten
durch  diese  einseitige  Begünstigung  eines  schon  von  der  Natur
bevorzugten  Platzes  geschädigt  wird,  so  sollte  man  annehmen
müssen,  daß  sie  auch  auf  Bremen  ausgedehnt  und  diese  Stadt
dadurch  in  ihrem  schweren  Kampfe  gegen  die  niederländische
Konkurrenz  unterstützt  wird.  Hat  doch  das  Reich  dadurch  große
Vorteile  gehabt,  daß  Bremen  die  den  ganzen  Uferstaaten  und
auch  der  Kriegsmarine  zugute  kommende  Unterweserkorrektion
ausschließlich  auf  eigene  Kosten  ausgeführt  hat,  sodaß  ein  Entgegenkommen ­
  um  so  mehr  am  Platze  wäre.
Die  Frage  ist:  wo  sollen  die  Zollfabriken  hin?  Im  bremischen ­
  Hauptgebiete  wäre  schon  Platz;  am  neuen  »Industrie-  und
Handelshafen«  könnte  ein  Areal  für  diese  Zwecke  abgegrenzt
werden.  Vielleicht  empfiehlt  es  sich  aber,  dieses  Gelände  nur
für  solche  Anlagen  zur  Verfügung  zu  stellen,  die,  wie  die  der
schweren  Industrien,  von  einem  Zollausschluß  keinen  oder  sehr
wenig  Vorteil  haben,  und  dafür  an  der  Unterweser,  in  Bremerhaven, ­
  ein  neues  Zollausschlußgebiet  zu  schaffen.  Diesem  Pro ­
        <pb n="122" />
        118

jekte  würden  allerdings  wegen  der  notwendig  werdenden  Geländebeschaffung
  (Gebietsaustausch  mit  Preußen)  große  Schwierigkeiten ­
  in  den  Weg  treten.  Aber  für  Bremerhaven  muß  unbedingt ­
  etwas  geschehen.  Kosten  werden  dem  bremischen  Staat
(Grunderwerb)  in  der  ersten  Zeit  jedenfalls  entstehen.  Ob  sie
aber  aus  der  Herstellung  einer  guten  Grundlage  für  eine  spätere
gedeihliche  Entwicklung  erwachsen  oder  daraus,  daß  die  vorhandenen ­
  Anlagen  zu  groß  sind  und  sich  nicht  verzinsen  (NB.
der  durch  die  neuen  Fabriken  herangezogene  Mehrverkehr  würde
auch  sie  rentabler  machen!),  ist  ein  großer  Unterschied.  Eine
Schädigung  s  t  a  d  t  bremischer  Interessen  durch  eventuelle  Errichtung ­
  von  Freigebietsfabriken  in  Bremerhaven  tritt  nicht  ein  —
handelt  es  sich  doch  um  neu  in  das  Staatsgebiet  zu  ziehende  Industrien. ­


5.  Errichtung  einer  Handelshochschule.
Als  ein  den  Handel  Bremens  indirekt  förderndes  Mittel  sehe
ich  die  Errichtung  einer  Handelshochschule  an.  Hamburg
will  bekanntlich  sogar  eine  Volluniversität  ausbauen  und  wird
dadurch  sein  Übergewicht  über  Bremen  noch  mehr  tatsächlich
vergrößern  und  —  nach  außen  kenntlich  machen.  Eine  Volluniversität
  gebraucht  Bremen  nun  in  absehbarer  Zeit  nicht,  obwohl ­
  es  möglich  und  wünschenswert  wäre,  die  Kräfte  an  den
vorhandenen  wissenschaftlichen  Instituten  zu  zusammenhängenden ­
  Vortragsreihen  allgemeiner  und  spezieller  Natur  zu  veranlassen ­
  und  dadurch  das  geistige  Leben  der  Stadt  auf  eine  breitere
Grundlage  und  zugleich  auf  eine  höhere  Stufe  zu  stellen.  Das
wirkt  anregend  nach  innen  und  zieht  von  außerhalb  frische,  unter
anderen  Lebensbedingungen  gvoßgewordene  Kräfte  heran.  Der
hieraus  sich  ergebende  Nutzen  ist  nicht  zu  unterschätzen.  Für
die  jüngeren  Kaufleute  kann  es  nur  von  Vorteil  sein,  wenn  sie
neben  der  praktischen  auch  eine  theoretische  Ausbildung  erhalten ­
  und  das  Geschäftsleben  einmal  von  einer  anderen  Seite
zu  betrachten  lernen  als  sie  es  zu  tun  gewohnt  sind.  Ein  nur
mittelbarer,  aber  äußerst  wichtiger,  für  die  ganze  Stadt  sich
ergebender  Nutzen  ist  der,  daß  durch  solche  Veranstaltungen  eine
Art  Sauerteig  hereingebracht  wird.  Man  kann  es,  will  man  offen
sein,  nicht  leugnen:  Bremen  pocht  auf  seine  »Freiheit«,  aber  diese
ist  sehr  häufig  dadurch  zur  Unfreiheit  erstarrt.  Da  muß  ein
frischer  Wind  hineinfahren,  der  das  träge  Blut  schneller  durch
die  Adern  treibt,  die  Bequemlichkeit  zu  energischer  Tätigkeit
        <pb n="123" />
        —  i  IQ  —
aufrüttelt.  Das  ist  das  A  und  O,  das  man  immer  wiederholen
muß,  denn  die  besten  Kräfte  nützen  nichts,  wenn  sie  untätig
bleiben.  Gerade  darum  halte  ich  es  für  unbedingt  wünschenswert, ­
  daß  sich  bald  genügende  Mittel  finden,  um  die  schon
vorhandenen  Ansätze  zu  einem  einheitlichen  Bau  zusammenzufügen. ­

Das  Binnenland  ist  nicht  eng  genug  mit  dem  Wesen  des
Überseehandels  verwachsen,  um  ihn  ganz  zu  verstehen.  Außerdem ­
  scheint  sich  gerade  jetzt,  meist  noch  unbewußt,  ein  Wandel
in  den  nationalökonomischen  Forschungen  zu  vollziehen  insofern,
als  die  sog.  historische  Richtung  ihren  Höhepunkt  überschritten
hat  und  am  Baume  der  Wirtschaftswissenschaft  ein  neuer  Ast
kräftig  hervorzubrechen  beginnt:  die  in  der  Gegenwart  wurzelnde
Verkehrswissenschaft.  Noch  hat  diese  die  Kinderschuhe  nicht
abgestreift.  Viele  wichtige  Probleme  —  das  Seetarifwesen  z.  B.  —
harren  noch  der  Erforschung.  Gerade  da  aber,  wo  die  Warenmengen ­
  aus  dem  nationalen  Markte  heraustreten,  wo  die  internationalen ­
  Fäden  zusammenlaufen  und  in,  der  nationalen  Beeinflussung ­
  zugängliche,  tausendfache  Beziehungen  zum  inländischen
Leben  und  Verkehr  treten;  gerade  da,  wo  die  Außenwelt
dröhnend  an  die  Pforte  eines  geschlossenen  Flaushaltes  pocht:
gerade  da  ist  der  beste  Boden  zum  unmittelbaren,  Erfolg  verheißenden ­
  Studium  dieser  Erscheinungen.  Speziell  die  bremischen
Handelsverkehrsverhältnisse  könnten  einer  genaueren  und  umfassenderen ­
  Untersuchung  unterzogen  werden.
Die  Handelshochschule  müßte  in  erster  Linie  für  die
Bremer  selbst  eingerichtet  werden.  Die  Rücksichtnahme  auf
auswärtige  Besucher  müßte  dahinter  zurücktreten.  Denn  wenn
das  Institut  eröffnet  wird,  geschieht  es  nicht  so  sehr  um  wissenschaftlicher ­
  als  um  rein  praktischer  Zwecke  willen.  —  Die  Vorlesungen ­
  könnten  sich  vielleicht  erstrecken  auf:  die  Jurisprudenz,
soweit  sie  für  den  Kaufmann  in  Betracht  kommt,  in  Theorie  und
Praxis  (Prozeßrecht);  fremdsprachliche  Übungen  in  Seminaren;
kaufmännische  und  bankmäßige  Berechnungen  der  verschiedensten
Art;  Vorträge  über  den  Handel  in  den  verschiedensten  Formen;
Handels-  und  Wirtschaftsgeographie;  Verkehrswissenschaft;  Nationalökonomie, ­
  Finanzwissenschaft  und  Finanzpolitik  —  also  ein  Lehrplan, ­
  einerseits  enger,  andererseits  in  seiner  Beschränktheit  ausgiebiger ­
  und  vielgestaltiger  als  der  der  bestehenden  Handelshochschulen. ­
  Die  wichtigeren  Vorlesungen  müßten  zeitlich  so
gelegt  werden,  daß  ihr  Besuch  den  kaufmännischen  Angestellten
        <pb n="124" />
        120
möglich  wäre,  auch  ohne  daß  diese  bei  ihren  Firmen  um  besonderen ­
  Urlaub  dafür  nachzusuchen  brauchten.
An  Kräften,  die  das  Kind  aus  der  Taufe  heben  könnten,
ist  kein  Mangel.  In  der  Großkaufmannschaft,  der  Rechtsanwaltschaft ­
  und  dem  Richterstande,  der  Lehrerschaft,  den  Syndikern
der  verschiedenen  Kammern  usw.  sind  geeignete  Persönlichkeiten
in  vorläufig  hinreichender  Menge  vorhanden,  sodaß  der  Lehrplan
gleich  die  wünschenswerte  Vielseitigkeit  erhalten  könnte.  Notfalls
können  jederzeit  auswärtige  Kräfte  aushilfsweise  herangezogen
werden.  Der  Ausbau  der  Schule  erfolgt  vielleicht  am  einfachsten
im  Anschluß  an  die  sog.  Handelsschule  der  Union.
6.  Unterstützung  der  Hochseefischerei.
Bei  den  steigenden  Fleischpreisen  bietet  der  Fischreichtum
der  offenen  See  einen  notwendigen  Ausgleich  von  glücklicherweise
fast  unergründlicher  Ergiebigkeit  dar.  Seefische  sind  schon  jetzt
zu  einem  unentbehrlichen  Bestandteil  der  Volksnahrung  geworden.
Nun  ist  es  zwar  eine  Tatsache,  daß  sich  die  deutsche  Hochseefischerei ­
  in  einem  erfreulichen  Aufschwünge  befindet.  Aber  sie
wird  noch  nicht  entfernt  so  intensiv  betrieben  wie  es  möglich
wäre.  Ein  Blick  auf  die  Fangergebnisse  der  englischen  Seefischerei ­
  beweist  dies.  Auch  das  kleine  Holland  ist  Deutschland
noch  weit  voraus.
Für  den  Fang  wie  für  den  Versand  der  Seefische  liegen
Bremen-Bremerhaven  mindestens  eben  so  günstig  wie  jede  andere
Stadt  an  der  deutschen  Nordseeküste.  Trotzdem  ist  die  bremische
Hochseefischerei  verhältnismäßig  zurückgeblieben.  Auch  da  ist
ein  Hebel  anzusetzen.
Die  bestehenden  Hochseefischereigesellschaften  sind  bekanntlich ­
  nicht  auf  Rosen  gebettet.  Ihre  Notlage  gab  sogar  zu  einer
Besprechung  im  Reichstage  Anlaß.  Mir  scheint,  daß  ihre  ungünstigen
Geschäftsergebnisse  vornehmlich  auf  zwei  Ursachen  zurückzuführen
sind.
Die  erste  ist  die  unzweckmäßige  Art  der  Verteilung  der
Ware  an  die  Verbraucher.  Sie  geschieht  bislang  entweder  so,
daß  die  Gesellschaften  den  Verschleiß  selbst  besorgen  (Deutsche
Dampffischereigesellschaft  Nordsee)  oder  daß  sich  zwischen  sie
und  das  Publikum  ein  selbständiger  Unternehmer  schiebt,  der  die
Fische  auf  den  Auktionen  in  Geestemünde  kauft  und  für  eigene
Rechnung  vertreibt.  An  sich  sind  diese  Zwischengroßhändler
überflüssig,  da  die  Fische  dadurch  verteuert  werden;  für  die  be-
        <pb n="125" />
        12  1

stehenden  kleinen  Fischereigesellschaften  sind  sie  allerdings  notwendig. ­

Werden  also  einerseits  die  von  den  großen  Fisch  versandgeschäften
  ins  Binnenland  geschickten  Fische  durch  den  Zwischengewinn ­
  dieser  Händler  verteuert,  so  arbeitet  andererseits  die  Nordsee, ­
  die  den  Verschleiß  ihrer  Fänge  selbst  betreibt,  mit  zu  hohen
Unkosten.  Sie  hat  in  den  einzelnen  Städten  eigene  Verkaufsläden
an  den  Hauptstraßen,  weil  sie  den  Zwischenhändlergewinn  selbst
verdienen  will.  Aber  die  Läden  kosten  hohe  Mieten,  die  Gehälter
für  das  zahlreiche  Verkaufspersonal  verschlingen  große  Summen,
und  stets  ist  mit  der  Wahrscheinlichkeit  eines  teilweisen  Nichtverkaufs ­
  und  Verderbs  oder  einer  Wert  Verminderung  der  Ware
zu  rechnen.  So  hat  weder  das  Publikum  noch  die  Nordsee  von
dieser  Einrichtung  einen  finanziellen  Vorteil.
Nach  verschiedenen  mir  vorliegenden  Geestemünder  Auktionsberichten ­
  vom  Oktober  und  November  1909  wurden  auf  den  Versteigerungen ­
  im  Durchschnitt  mindestens  7,3  und  höchstens  (in
einem  Falle!)  15,2  Pfennig  für  das  Pfund  erzielt,  die  teuren  Edelfische ­
  inbegriffen.  Da  Schellfische,  die  —  abgesehen  vom  Hering
—  weitaus  wichtigsten  in  Betracht  kommenden  Seefische,  an  die
Verbraucher  zu  Preisen  abgegeben  werden,  die  den  Einkaufspreis
bezw.  den  obigen  Auktionspreis  durchweg  um  das  Drei-  bis  Vierfache ­
  übersteigen,  während  edlere  Fischarten  noch  weit  höhere
Preise  erzielen,  sollte  man  meinen,  daß  Seefischereigesellschaften,
die  sich  auch  mit  dem  Verschleiß  beschäftigen,  mit  sehr  hohem
Nutzen  arbeiten.  Da  dies  nicht  der  Fall  ist  und  da  auch  die
großen  Versandhäuser  keinen  dem  enormen  Preisaufschlage  entsprechenden ­
  Gewinn  zu  verzeichnen  haben,  so  muß  also  das  Verkaufssystem ­
  an  sich,  wie  ich  es  soeben  als  das  der  Nordsee
geschildert  habe,  unzweckmäßig  sein.  Die  Verschleißunkosten,
mag  sie  nun  die  Gesellschaft  selbst  oder  ein  Dritter  tragen,  üben
natürlich  eine  Pressung  auf  die  Auktionspreise  aus  und  halten
sie  zu  niedrig.
Ein  zweiter  Grund  des  Notstandes  der  Hochseefischerei  ist
ihre  Zersplitterung  in  eine  Vielzahl  zu  kleiner  Unternehmungen.
Je  kleiner  aber  der  Umsatz,  desto  schwerer  wird  die  Ware  durch
die  Verwaltungskosten  belastet.  Eine  Wendung  zum  Besseren
wird  nur  eintreten,  wenn  eine  größere  Einheitlichkeit  erzielt  wird,
wenn  die  verschiedenen  Einzelbetriebe  zur  Einheit  einer  groß  angelegten ­
  Betriebsgemeinschaft  zusammengeschweißt  werden.  Eine
solche  wäre  nicht  nur  hinsichtlich  der  Verwaltungskostenersparnis,
        <pb n="126" />
        sondern  auch  für  die  Verbilligung  des  Landtransportes  der  Fische
von  Vorteil.  Die  Bahnverwaltung  unterstützt  den  Seefisch  Versand
aus  wirtschaftlichen  und  humanitären  Gründen  in  dankenswerter
Weise  schon  jetzt.  Bei  Aufblühen  des  Geschäfts  und  wenn  ihr
ein  Großverlader  regelmäßig  größere  Transportmengen  zur  Verfügung ­
  stellt,  würde  es  in  ihrem  eigenen  Interesse  liegen,  noch
mehr  Entgegenkommen  zu  zeigen  und  Erleichterungen  zu  gewähren. ­

Um  die  Bildung  eines  solchen  großen  festen  Verbandes,  sozusagen ­
  eines  Fischereitrusts,  zu  ermöglichen  und  ihm  von  vornherein ­
  eine  gesunde  Basis  zu  schaffen,  müßte  der  bremische  Staat
einspringen.  Daß  er  ein  großes  Interesse  an  der  Kräftigung  der
Hochseefischerei  besitzt,  ist  ohne  weiteres  klar.  Wäre  doch  der
größer  werdende  Verkehr  für  die  Unterweserorte  überaus  wünschenswert, ­
  weil  er  dazu  beitragen  würde,  ihnen  neues  Leben  einzuhauchen,
ein  Umstand,  der  mittelbar  auch  von  den  Staatsfinanzen  angenehm
empfunden  werden  würde.  Allerdings  sind  Bremen  durch  den
Vertrag  vom  21.  Mai  1904  in  gewissem  Sinne  die  Hände  gebunden.
Verpflichtete  es  sich  doch  damals  Preußen  gegenüber,  in  dem
neuen  Hafengebiet  ohne  Zustimmung  Preußens  keinerlei  der  Hochseefischerei ­
  oder  dem  Fischhandel  und  deren  Nebenbetrieben
dienende  Einrichtungen  zu  treffen,  sind  doch  auch  im  alten  Hafengebiet ­
  solche  Einrichtungen  ohne  Zustimmung  Preußens  nur  in  ganz
geringem  Umfange  zugelassen.  Aber  wenn  es  sich  lediglich  um
Bestrebungen  betr.  Zusammenfassung  der  Gesellschaften  und  dadurch
ermöglichte  intensivere  Ausnutzung  bestehender  Einrichtungen
handelt,  so  ist  das  doch  etwas  anderes.
Die  Form,  in  die  der  Staat  seine  Hilfe  kleidet,  wäre  am
besten  vielleicht  die  der  Subvention,  sei  es  als  einmaliges  zinsloses
oder  mäßig  verzinsliches  Darlehen,  sei  es  als  jährlicher  Zuschuß.
Ein  Risiko  erscheint  für  ihn  ausgeschlossen.  Die  Lebensfähigkeit
eines  Großbetriebes  in  der  Hochseefischerei  steht  schon  bei  den
gegenwärtigen  Absatzverhältnissen  außer  Zweifel.  Wenn  sich  nun
die  Betriebsbedingungen  noch  verbessern,  so  ist  nicht  einzusehen,
warum  bei  einem  Hinterlande,  das  sich  bis  ins  Herz  Österreichs
erstreckt,  die  deutsche  Hochseefischerei  unter  Bremens  Führung
nicht  auf  die  Höhe  der  englischen  sollte  gebracht  werden  können.
Ist  sie  erst  einmal  fest  und  lebenskräftig  an  der  Weser  eingewurzelt,
dann  stellt  ihre  weitverzweigte  Organisation  ein  Bollwerk  dar,
das  von  der  Konkurrenz  nur  schwer  zu  erschüttern  sein  wird.
Allerdings  —  und  damit  komme  ich  wieder  auf  den  ersten
        <pb n="127" />
        123

Punkt  —  muß  auch  die  Art  des  Verschleißes  eine  andere  werden.
Ich  gehe  hierbei  nicht  einmal  von  der  absolut  unverständlichen
und  auch  durch  die  Behauptung,  Bremen  habe  kein  »Hinterland«,
nicht  erklärten  widernatürlichen  Tatsache  aus,  daß  lebende  oder
lebendfrische  Seefische  in  Bremen  selbst  minderwertiger  und  trotzdem ­
  durchweg  teurer  sind  als  im  Binnenlande.  Mit  »Hinterland«
kann  man  in  diesem  Falle  nur  die  Landkundschaft  meinen.  Aber
ist  es  denn  damit  in  anderen  Städten,  in  Braunschweig,  Wien
usw.  anders  bestellt?  Aufs  Land  werden  Seefische  auch  dort
nicht  geschickt,  vielmehr  in  den  Fischläden  und  auf  den  Märkten
der  Stadt  feilgehalten.
Der  Fischereitrust,  wie  ich  ihn  kurz  nennen  will,  dürfte  überhaupt ­
  keine  eigenen  Läden  eröffnen,  sondern  nur  einem  oder
wenigen  ortsansässigen  größeren  Händlern  in  den  einzelnen  Städten
liefern.  Diese  Händler  müßten  sich  verpflichten,  regelmäßig  ein
bestimmtes  Mindestquantum  Fische  abzunehmen,  wobei  sich  der
Trust  aus  Anlaß  der  Schwankungen  der  Fangergebnisse  eine  gewisse ­
  prozentuale  Lieferfreiheit  nach  oben  und  unten  Vorbehalten
müßte.  Dann  ist  der  Absatz  ein  für  alle  Mal  da,  und  wenn  auch
den  Händlern  ein  entsprechend  niedriger  Preis  gestellt  wird,  wird
er  doch  noch  immer  höher  sein  als  derjenige  ist,  der  jetzt  nach
Abzug  der  hohen  Selbstkosten  für  die  Verlader  übrig  bleibt.
Die  Händler,  weil  ortsansässig,  selbständig  und  mit  dem  Verschleiß ­
  vertraut,  können  die  Fische  auch  leichter  und  in  größerer
Menge  unterbringen  als  es  uninteressiertem  eigenen  Verkaufspersonal ­
  möglich  ist.  Das  ganze  Geschäft  wird  dadurch,  wie  man
zu  sagen  pflegt,  »glatter«.
Der  von  den  Händlern  zu  zahlende  Preis  müßte  für  längere
Zeit  festgelegt  werden.  Entweder,  daß  sie  die  Fische  zu  einem
durch  keine  Marktschwankungen  und  Fangergebnisse  beeinflußten
festen  Preise  erhalten,  oder  daß  sie  einen  festen  Zuschlag  zu  den
Börsenpreisen  des  Versandtages  in  Bremerhaven-Geestemünde  zu
zahlen  haben.  Die  Praxis  wird  ergeben,  welche  Berechnungsart
bei  freier  Konkurrenz  die  zweckmäßigere  ist.  Den  Händlern  müßte
bei  Androhung  einer  Konventionalstrafe  für  jeden  Zuwiderhandlungsfall ­
  die'Verpflichtung  auf  erlegt  werden,  die  Fische  nur  mit  einem
fixen  Zuschläge  pro  Pfund  an  die  Verbraucher  abzugeben.  Hand
in  Fland  mit  dieser  Organisation  hätte  eine  lebhafte  propagandistische
Tätigkeit  zu  gehen.
Um  die  Fischpreise  in  Bremen  selbst  zu  verbilligen  und  Seefische ­
  dadurch  zu  einem  wirklichen  Volksnahrungsmittel  zu
        <pb n="128" />
        machen,  scheint  mir  die  Errichtung  öffentlicher  Markthallen
an  verschiedenen  Punkten  der  Stadt  einem  vorhandenen  Bedürfnis
entgegenzukommen.

7-  Mehr  Reklame!
Ein  Kaufmann,  der  Geschäfte  machen  will,  wird  dies  nur
in  den  seltensten  Fällen  ohne  Anwendung  von  Reklame  können.
Mutatis  mutandis  kann  man  diesen  Satz  auf  Städte  und  ganze
Reiche  übertragen.  Er  gilt  auch  für  Bremen.  Es  kann  nur  von
Vorteil  sein,  immer  und  immer  wieder  durch  Broschüren,  die  man
durch  die  deutschen  Konsulate  oder  sonstige  geeignete  Stellen
im  Auslande  an  die  Interessenten  kostenfrei  und  regelmäßig  verteilen ­
  lassen  könnte,  auf  die  Mustergiltigkeit  der  bremischen
Häfen  und  auf  die  Eigenarten  und  spezifischen  Vorzüge  der
bremischen  Warenhandelseinrichtungen  und  -usancen  hinzuweisen.
Das  Format  muß  handlich  sein;  voluminöse  »Exporthandbücher«
u.  ä.  sind  zwecklos  und  werden  erfahrungsgemäß  fast  nie  benutzt. ­
  Wir  können  hierin  von  Japan  lernen,  das  zum  Zwecke
der  Hebung  seines  Außenhandels  alljährlich  durch  seine  Konsuln
in  englischer,  französischer  und  deutscher  Sprache  abgefaßte  eingehende ­
  statistische  Mitteilungen  über  seine  die  fremdländische
Kaufmannschaft  interessierende  Handels-  und  Finanzbewegung
versenden  läßt.  Wenn  Bremen  dies  in  der  notwendigen  Beschränkung ­
  nachmacht,  werden  die  Ausgaben  dafür  kein  fortgeworfenes ­
  Geld  sein.
Ich  habe  obiges  ausgeführt,  nicht  weil  ich  der  Meinung  bin,
daß  eine  solche  Reklame  viel  Zweck  hätte.  Ich  glaube  nur,
daß  sie  zu  ihrem  Teile  etwas  zur  Besserung  der  Handelsverkehrsverhältnisse ­
  Bremens  beitragen  würde.  Es  muß  eben  eins  zum
andern  kommen.  So  halte  ich  es  z.  B.  auch  für  gut,  wenn  die
Handelskammer  sich  in  der  Weise  betätigte,  daß  sie  dem  Kaufmannskonvent ­
  oder  engeren  Interessentenkreisen  öfter  vertrauliche ­
  Mitteilungen  über  die  Geschäftslage  in  bestimmten  Waren
und  Auslandsgebieten  machte.  Allerdings  müßte  dies  mündlich
geschehen,  denn  Zirkulare  wandern  bekanntlich  in  den  Papierkorb. ­
  Ich  kenne  sogar  einen  hiesigen  Kaufmann,  dem  die  »Nachrichten ­
  für  Handel  und  Industrie«  unbekannt  waren,  obwohl  er
sie  seit  Jahr  und  Tag  regelmäßig  erhielt!  Diese  Gleichgültigkeit ­
  kann  nur  das  gesprochene  Wort  überwinden.  Bei  solchen
persönlichen  Besprechungen  findet  sich  auch  leicht  Gelegenheit,
neue  Geschäfte  schneller  zu  entrieren  als  es  auf  schriftlich  vor-
        <pb n="129" />
        125

zubereitendem  Wege  möglich  ist.  Denn  dann  ist  nicht  selten  die
Konkurrenz  schon  schneller  gewesen.
8.  Schlußbemerkung.
Ich  komme  zum  Schluß.
Man  wird  meinen  Ausführungen  im  ersten  Teil  der  Abhandlung ­
  entgegenhalten,  daß  ich  zu  schwarz  sehe  —  dann  mag
man  mich  an  Hand  der  Statistik  eines  besseren  belehren.
Bis  dahin  mache  ich  auf  die  Richtigkeit  meiner  Deduktionen
Anspruch.
Auch  meine  Vorschläge  über  eine  nach  bestimmten  Gesichtspunkten ­
  erfolgende  umfassende  Gründung  neuer  Handelsgesellschaften ­
  werden  bei  manchem  Befremden  erregen.  Nachdem ­
  der  Handel  wegen  Nichtwollen  oder  Nichtkönnen  versagt
hat,  halte  ich  den  angeregten  Weg  für  den  einzigen,  der  geeignet
ist,  ihm  frisches  Blut  zuzuführen  und  ihm  das  Rückgrat  zu
stärken.  Andernfalls  wird  Bremen  im  Zusammenprall  stärkerer
Kräfte  mitleidslos  und  schutzlos  zerrieben  werden.  Dann  aber
sind  alle  die  kostspieligen  von  der  Gesamtheit  der  bremischen
Steuerzahler  geschaffenen  Anlagen  nutzlos.  Um  dieser  Gesamtheit ­
  willen  muß  der  Staat  als  ihr  Vertreter  aus  seiner  dem  aktiven
Handel  gegenüber  beobachteten  Reserve  heraustreten  und,  da
er  ihn  zu  bestimmten  Schritten  nicht  zwingen  kann,  da,  wo  er
seinen  guten  Willen  sieht,  ihm  wenigstens  die  helfende  Hand
bieten  und  mit  seiner  Autorität  hinter  ihm  stehen.
Ausdrücklich  betone  ich,  daß  ich  die  Beteiligung  von  Kleinkapitalisten ­
  auch  anderer  Stände  an  den  neuen  Handelsgesellschaften ­
  zwar  nicht  für  notwendig,  wohl  aber  für  überaus
wünschenswert  halte.  Aus  zwei  Gründen.  Einmal,  damit  weitere
Kreise,  weil  unmittelbar  interessiert,  am  Wohl  und  Wehe  des
Handels  lebhafteren,  tätigen  Anteil  nehmen  und  gewissermaßen
als  Hecht  im  Karpfenteich  wirken.  Sodann  würde  eine  solche
Geschäftserweiterung  besonders  den  Lokalbanken  zugute  kommen,
weil  sie  diesen  Zweig  der  Bankiertätigkeit  besser  als  die  Großbanken ­
  pflegen  können.  Für  die  Hergeber  des  Geldes,  die  Anteilseigner ­
  der  zu  gründenden  Gesellschaften  ist  zu  sagen,  daß
schon  Milliarden  deutschen  Kapitals  im  Auslande  angelegt  sind
und  daß  davon  mehrere  Hundert  Millionen  auf  Bremen  kommen.
Sollte  es  nicht  in  mehr  als  einer  Beziehung  vorteilhafter  sein,
sein  Geld  im  Auslande,  aber  für  die  Heimatstadt  tätigen  deutschen,
unter  deutscher  Führung  stehenden  Gesellschaften  anzuvertrauen.
        <pb n="130" />
        als  es  zur  Stärkung  ausländischer,  oft  direkt  stammesfeindlicher
Unternehmungen  zu  verwenden?
Es  ist  ein  weises  Wort,  das  alte
Bremer,  wes  gedechtig:
Lat  nich  mehr  in,  denn  du  bist  mechtig.
Es  hat  Bremen  über  manche  schwere  Zeit  hinweggeholfen.
Es  muß  auch  sein  Wahlspruch  bleiben.  Aber  die  »Bedächtigkeit« ­
  der  alten  Zeit,  wo  die  Postkutsche  herrschte,  allein  genügt
nicht  mehr  in  unserer  Zeit,  die  von  anderen  Göttern  regiert  wird.
»Bedächtigkeit«,  eiserne  Energie  ist  notwendig  für  die  Prüfung
und  Durchführung  von  Plänen,  zum  Fassen  dieser  Pläne  gehören ­
  aber  schneller  Entschluß,  Mut  und  weiter,  nicht  sklavisch
am  Alten  klebender  Blick.  Deshalb:
»Volldampf  voraus!«
        <pb n="131" />
        Der  Einfluß  der  industriellen  Kartelle  auf  den  Handel  in
Deutschland.  Von  Hr.  Hugo  Bonikowski,  Königsberg  i.  Pr.  1907.
1  Preis:  6  Mark.
Deutschland  auf  den  Hochstraßen  des  Weltwirtschaftsverkehrs.
Ton  4.  Dix.  1901.  Preis:  4  Mark  50  Pf.
Hamburger  Beiträge  vom  24.  April  1901:  Ein  sehr  fruchtbarer  Gedanke  ist  es,
den  Zusammenhang  und  die  Wechselwirkungen  zwischen  dem  auswärtigen  Handel  Deutschlands ­
  und  seiner  nationalen  Handelsflotte  zu  prüfen  und  darzustellen  .  .  .  ein  erfreuliches
und  beachtliches  Buch.
Gebiet,  Geschichte  und  Charakter  des  Seehandels  der  größten
deutschen  Ostseeplätze  f*  d ® r  Mi “®  dea  _19.  Jahrhimderts  Von
A.  Dullo.  (Staatswissenschartlicne  Studien,
herausgegeben  von  Prof.  Dr.  L.  Elster,  Bd.  II,  Heft  3.)  1888.  Preis:  8  Mark.
Die  Lage  des  Kaffeemarktes  und  die  KafFeevalorisation.  J on  Dl
-  Hermann
Kurth.  (Abhandlungen  des  staatswissenschaftlichen  Seminars  zu  Jena,  herausgegeben ­
  von  Prof.  Dr.  Pierstorff.  Bd.  6,  Heft  3.)  1909.  Preis:  4  Mark.
Studien  über  die  Entwicklung  der  Warenhäuser  in  Deutschland.
Von  Dr.  Käthe  Lux.  Mit  9  Tabellen  und  28  graphischen  Darstellungen.  1910.
Preis:  4  Mark.
Die  Entwicklung  der  deutschen  Reederei  fit  Beginn  des  19  jahr-—
  hunderts  bis  zur  Begründung ­
  des  Deutschen  Reichs.  Von  Max  Peters,  Dr.  der  Staatswissenschaften.
Erster  Baud.  1899.  Preis;  4  Mark  50  Pf.
Zweiter  Band.  Von  der  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  bis  zur  Begründung  des
Deutschen  Reichs.  1905.  Preis:  6  Mark.
Australien  in  Politik,  Wirtschaft,  Kultur,  von  Dr  Robert  schachuer,
1  n.  n  riTii  an  no.v  nivArsim

Jena.  1909.

Preis:  10  Mark,  geb.  11  Mark.
Die  Hilfe  Nr.  45  vom  7.  November  1909:  „So  bietet  uns  Schachner  zum  erstenmal
ein  Bild  Australiens,  das  uns  seine  Kultur-Sonderart  wirklich  voll  begreifen,  in  seinen
schroffen  Mißklängen  die  Harmonie  der  konstruktiven  Ideen  uns  verstehen,  seine  Kraft,
seine  Leistungen,  seine  erhabenen  Ziele  uns  ebenso  klar  anerkennen  läßt,  wie  seine  Schwächen,
Einseitigkeiten,  falsch  eingestellten  Bestrebungen.  Lindsay  Martin.“

Schriften  von  Professor  Dr.  Richard  Ehrenberg,  Rostock  i.  M.:
Hamburg  und  England  im  Zeitalter  der  Königin  Elisabeth.  1896
-  —  ä.  Preis:  7  Mark  60  Pf.
Der  Handßl  Seine  wirtschaftliche  Bedeutung,  seine  nationalen  Pflichten  und  sein
i  Verhältnis  zum  Staate.  1897.  Preis:  1  Mark  50  Pf,  geh.  2  Mark.
DaS  Zeitalter  der  Funner  Geldkapital  und  Kreditverkehr  im  16.  Jahr-_■??._
  hundert.  2  Bände.  Preis:  15  Mark,  geb.  17  Mark.
I.  Band;  HieGeldinächtedeslß.  Jahrhunderts.  1896.  Preis:8Mark,geh.9Mark.
(Vergriffen.  2.  Aufl.  in  Vorbereitung.)
II.  Band:  Die  Welthörsen  und  Finanzkrisen.  1896.  Preis:  7  Mark,  geb.  8  Mark.
Handelspolitik.  Fünf  Vorträge,  gehalten  im  Verein  für  Volkswirtschaft  und
'  Gewerbe  (Institut  der  Polytechnischen  Gesellschaft)  zu  Frankfurt ­

  a.  M.  1900.

Preis:  3  Mark,  geb.  4  Mark.

Die  Unternehmungen  der  Brüder  Siemens.  ? r ® tßr  ^
3  Jahre  1870.  Mit  7  Abbildungen. ­

  1906.

Preis:  12  Mark,  geb.  13  Mark  20  Pf

Schriften  von  Dr.  Dietrich  Schäfer,  o.  ö.  Prof,  der  Geschichte
an  der  Universität  Berlin:
Die  Hanse  und  ihre  Handelspolitik.  Vortrag,  isss.  Preis.  75  Pf.
Die  Hansestädte  und  König  Waldemar  von  Dänemark.  Hansische
Geschichte
bis  1876.  Gekrönte  Preisschrift.  1879.  Preis:  12  Mark.
Deutschland  zur  See.  Hine  historisch-politische  Betrachtung.  Zweite  un-'
  veränderte  Auflage.  1897.  Preis:  1  Mark.
        <pb n="132" />
        Chamberlains  Handelspolitik,  von  Marie  Schwab,  Berlin.  Mit  einem
!  einleitenden  Vorwort  von  Prof.  Dr.  Adolf
Wagner.  1905.  Preis:  8  Mark.
Deutsche  Tageszeitung  Nr.  450  vom  25.  September  1905:  „Adolf  Wagner  zollt
der  Verfasserin  mit  Recht  uneingeschränktes  Lob.  Er  hat  ihr  den  Preis  aus  seiner  Stiftung
zuerkannt,  die  ihm  bei  seinem  7Ö.  Geburtstage  zur  Verfügung  gestellt  wurde.  Das  Buch  ist
besonders  dadurch  wertvoll,  daß  es,  ohne  irgendwie  agitatorisch  wirken  zu  wollen,  die  Gefahren ­
  der  modernen  Entwicklung  zum  reinen  Industriestaate  schildert.
System  der  nationalen  Schutzpoiitik  nach  Außen.  NationaleHandeis-—
  :  (mbesondere  auch
Getreide-),  Kolonial-,  Währungs-,  Geld-  und  Arbeitev-Schutz-Politik.  Ein  Handbuch ­
  für  die  Gebildeten  aller  Stände.  Von  Dr.  Johannes  Wernicke.  1896.
Preis:  6  Mark.

Von  Dr.  Julius  Wolf,
ord.  Prof,  der  Nationalpreis: ­
  2  Mark.

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M
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Das  Deutsche  Reich  und  der  Weltmarkt
Ökonomie  an  der  Universität  Breslau.  1901.
Der  deutsch-amerikanische  Handelsvertrag,  die  Kubanische  zucter-—
  Produktion  und  die
Zukunft  der  Zuckerindustrie.  Mit  zahlreichen  statistischen  Tabellen  und
Exkursen.  Von  Dr,  Julius  Wolf,  ord.  Prof,  der  Staatswissenschaften  an  der
Universität  Breslau.  Preis:  3  Mark.
Einführung  in  die  Kolonialpolitik.  Y° n  . Pr °£  ? r -  Otto  Kühner,  wirkt.
-  *  Admiralitatsrat  und  Vortragender  Rat
im  Reichs-Marine-Amt,  Zentral  Verwaltung  für  das  Schutzgebiet  Kiautschou.
1908.  Preis:  5  Mark,  geh.  6  Mark.
Hamburger  Fremdenblatt  Nr.  16  vom  19.  Januar  1908:  „Dies  Buch  enthält  viel
mehr,  als  sein  bescheidener  Titel  ankündigt.  Es  ist  wohl  die  kürzeste  Zusammenfassung
alles  dessen,  was  gegenwärtig  über  deutsche  und  fremde  Kolonialgeschichte  und  über  Kolonial-Politik
  im  allgemeinen  und  besonderen  wissenswert  und  zu  wissen  notwendig  ist.  Es  handelt
sich  hier  um  ein  empfehlenswertes  und  gediegenes  Buch  zur  Belehrung  und  zum  Nachsehlagen,
  wie  wir  zurzeit  kein  anderes  besitzen.  Bbcb.“
Monopole,  Kartelle  und  Trusts  ihrcu  B^ziehungcn  zur  Organisation
der  kapitalistischen  Industrie.  Dargestellt ­
  an  der  Entwicklung  in  Großbritannien  von  Dr.  Hermann  Levy,  a.  o.
Professor  an  der  Universität  Heidelberg  und  Hauptamtlicher  Dozent  an  der
Hochschule  in  Mannheim.  1909.  Preis:  7  Mark  50  Pf.
Eine  Studie  über
den  modernen  Kapitalismus ­
  und  das  Effektenwesen  (in  Deutschland,  den  Vereinigten  Staaten,
England,  Frankreich,  Belgien  und  der  Schweiz).  Von  Prof.  Dr.  Robert  Liefmann,
Freiburg  i.  Br.  1909.  Preis;  12  Mark.
Von  Dr.  Robert  Liefmann,  Privatdozent  an  der
Universität  Gießen.  1903.  Preis;  2  Mark.
Die  deutschen  Großbanken  und  ihre  Konzentration  zusammenhange
  mit  der
Entwicklung  der  Gesamtwirtschaft  in  Deutschland.  Von  Dr.  J.  Riesser,
Geheimer  Justizrat,  ordentl.  Honorar-Professor  an  der  Universität  Berlin.
Dritte  völlig  um  gearbeitete  und  stark  vermehrte  Auflage.  Mit
1  Übersichtskarte.  1910.  Preis:  15  Mark,  geh.  16  Mark  50  Pf.
Berliner  Börsen-Courier,  vom  20.  März  1906:  „Nur  einer  auserwählten  Zahl  von
Werken  der  wirtschaftlichen  Literatur  ist  es  beschieden,  daß  sie  sich  einen  wirklich  großen
Kreis  von  Lesern  erobern.  Wenn  daher  von  dem  im  Juli  v.  J.  erschienenen  Buch  des  Herrn
Dr.  Riesser  schon  jetzt  eine  zweite  Auflage  erforderlich  geworden  ist,  so  ist  dies  ein
Beweis  für  den  großen  Erfolg  des  Werkes  und  des  bedeutenden  Interesses,  das  der  Verfasser
für  einen  im  Grunde  spröden  Stoff  in  weiteren  Kreise  zu  erwecken  verstanden  hat  “
Das  Geschäft  in  Minenwerten  «?  ä *}\  Londoner  Börse  Ein  Handbuch
lur  Wissenschalt  und  Praxis,  von  Dr.
Willy  Kuppel.  1909.  Preis:  3  Mark.
Hamburger  Nachrichten  vom  19.  Juni  1909:  „Das  Buch  behandelt  auf  das  eingehendste ­
  alle  Fragen,  die  der  Mineninteressent  wissen  muß  und  zwar  nicht  in  der  marktschreierischen ­
  tendenziösen  Weise,  wie  es  in  einzelnen  Büchern,  die  von  Mineuspekulationsfirrnen
  herausgegeben  werden,  geschieht,  sondern  in  einer  .Art,  die  sofort  die  höhere  Warte
des  Wissenschaftlers  erwarten  läßt.  Auch  die  Schädlinge  der  Londoner  Börse,  die  das  Minenspekulationsgeshäft
  in  vielen  Kreisen  diskreditiert  haben,  werden  in  schonungsloser  Weise  von
dem  Verfasser  in  ihrer  Tätigkeit  verfolgt.
Der  Wettkampf  der  Völker  besonderer  Bezugnahme  auf  Deutschland
il  und  die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika.
Von  Emil  Schalk  in  New-York.  (Natur  und  Staat,  Bd.  VII.)  1905.
Preis:  4  Mark,  geh.  5  Mark.

Beteiligungs-  und  Finanzierungsgesellschaften.

Schutzzoll  und  Kartelle.

Hofbuchdruckerei  Rudolstadt.
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        rppi?

bevorzugten  Ausfuhrhafen  jenes  Gebietes,  nach
ite.  Er  braucht  wenig  oder  kein  neues  Dampfersondern
  könnte  vielleicht  eine  Anzahl  seiner  im
Ggtse-Dienst  beschäftigten  Fahrzeuge  auf  dieser
.  Sie  würden  willkommene  »Zubringer«  der  Hauptin ­
  heimkehrender  Fahrt  nicht  gerade  über  Frachtenigen
  hat  (vergl.  S.  66).  Einer  unter  Mitwirkung
ündeten,  Dalny  als  Hauptstützpunkt  benutzenden
E  ein  gutes  Prognostiken  gestellt  werden,
chtigste  Ausfuhrartikel  Dalnys  ist  die  im  nördlichen
in  Mandschurei  heimische  Sojabohne.  Die  Bohne
es,  billiges  Nahrungsmittel;  das  aus  ihr  gewonnene
ächlich  zur  Seifenfabrikation,  daneben  als  Speiseöl;
werden  zu  Viehfutter  oder  Düngemitteln  verarietzt
  gehen  große  Mengen  nach  England  (jährlich
5ns),  nach  Österreich  usw.  Allerdings  ist  die  Einj;
  und  anderen  Ländern  zollfrei.  Der  Verband  der
»  hlen  hat  Schritte  unternommen,  um  auch  in  Deutsch-:
  für  diese  wichtige  Hülsenfrucht  zu  erwirken.  Es
daß  seine  Bestrebungen  Erfolg  haben,
nn  man  bis  dahin  die  Sojabohnen  nicht  in  Deutschgrößeren ­
  Mengen  absetzten  wollte  oder  könnte,
e  nach  England  bringen  oder  sie  schon  vorher  in
riest,  Italien  und  Südfrankreich  verkaufen.
■er  Ausfuhrartikel  Dalnys,  der  eine  ganz  besondere
langen  könnte,  wäre  Schweineschmalz.  Jetzt  ist
:anntlich  die  Hauptproduzentin,  die  mehr  als  7io
8%)  des  deutschen  Bedarfs  deckt.  Die  amerikanii
  lächtereien  haben  sich  ein  tatsächliches  Monopol
1  dies  dazu  benutzt,  die  Preise  ganz  erheblich  in  die
.üben.  Noch  im  Jahre  1897  kostete  ein  dz  Schmalz
j  _  tt  (nach  der  Reichsstatistik)  nur  erst  46  Mk.  1902
ichstpreis  mit  104  Mk.  erreicht,  dann  sank  er  1904
aber  bis  1908  wieder  auf  91  Mk.  Also  im  letzten
iahe  eine  Verdoppelung,  eine  Mehrbelastung  des
isums  mit  jährlich  50  Millionen  Mark.  Da  nun  das
1a  und  die  südliche  Mandschurei  überaus  schweine-Tä.re
  dort  die  Errichtung  leistungsfähiger  Exportzu
  empfehlen.  Soweit  ich  beurteilen  kann,  würden
■eien  mit  sehr  hohem  Gewinn  arbeiten.  Da  es  sich
eutende  Transportmengen  handelt  —  wir  beziehen
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        ﻿
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        ﻿
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        ﻿
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        ﻿
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