V Ringen der liberal-fortschrittlichen mit der konservativ-klerikalen Koalition, bei dem die Sozialdemokratie sich in der Stichwahl ent schieden auf die Seite der ersteren Verbindung schlug. Ob es diesmal auch im Parlament zu einer solchen Kooperation der Parteien der Lin ken kommen wird, ist namentlich wegen des zwiespältigen Charakters der nationalliberalen Partei zweifelhaft. Ohne die Reinigung dieser Partei von ihren konservativen Elementen wird sie schwerlich zu be werkstelligen und noch weniger aufrecht zu erhalten sein. Aber die Entwicklung zum Parlamentarismus ist da, und damit erhalten Fragen der Regierungsbildung und der Regierungsführung für die demokratischen Parteien Deutschlands eine Aktualität, die sie früher nicht für sie hatten, weshalb sie auch in den Publikatio nen dieser Parteien meist nur sehr abstrakt behandelt wurden. Im rechten Zeitpunkt erscheint daher das vorliegende Buch des hervor ragenden Vertreters der englischen Arbeiterpartei John Ramsay Mac Donald auf dem deutschen Büchermarkt, das jene Fragen als kon krete Angelegenheiten eines parlamentarisch regierten Staates zugleich unter theoretischen wie praktischen Gesichtspunkten erfahrungsge mäß und grundsätzlich behandelt. Kaum eine zweite Persönlichkeit des heutigen England war so geeignet, dies Thema zu behandeln wie Mac Donald, den Freund und Feind als einen der bedeutendsten Köpfe der so schnell zu Einfluß gelangten britischen Arbeiterpartei anerkennen und der im Haus der Gemeinen zu den wenigen Personen gehört, die stets das Ohr dieser verwöhnten Kammer haben. Wie so viele — man könnte beinahe sagen alle — führende Poli tiker des britischen Reiches ist Mac Donald von Geburt Schotte. Er ist im Jahre 1866 im Flecken Lossiemouth der im nördlichsten Schott land gelegenen Grafschaft Eigin als der Sohn armer Kleinbauern ge boren. Landarbeiter und Hufschmiede waren seine Vorfahren, und auch er würde wahrscheinlich zum Pflug oder Schmiedehammer ge griffen haben, wenn nicht der Dorfschulmeister, dessen Schule er be suchte, ungewöhnliche Begabung in ihm entdeckt und sich seine Aus bildung zur besonderen Aufgabe gestellt hätte. Er brachte dem Kna ben alles bei, wozu sein Können und seine Hilfsmittel ausreichten, und redete ihm dann zu, sich auf den Besuch der Universität vorzubereitea Indes fehlte es Mac Donalds Eltern am Nötigsten. Sie waren vielmehr auf des Sohnes Miterwerb angewiesen, und dieser begann als Vierzehn