31 dieser wirtschaftlichen Ungerechtigkeit nachzudenken, die sich mit unserem Gesellschaftsleben so unentwirrbar verknüpft hat. Um diesen Zweck zu erreichen, befürwortet der Sozialist nicht die Abschaffung des Privateigentums, sondern die Beschränkung seiner Operations basis. Und die moderne Gesetzgebung bewegt sich denn auch in dieser Richtung: Gesetzesvorlagen, die die Munizipalisierung der Straßen bahnen begünstigen, wie auch das Budget von 1909 sind von diesem Geist beseelt. Wenn diese Neuordnung der Eigentumsverhältnisse die weitere Entwicklungslinie bleibt, so ist es vollkommen klar, daß die Beständigkeit, die eine nach dem Besitz abgestufte Wahl fähigkeit der Gesetzgebung verleihen soll, keine Dauerhaftigkeit des Lebens, sondern Todesstarre wäre. Zum Wesen des Fortschritts ge hört ein Wechsel in der Methode und dem Geiste des Eigentums, ver bunden mit einer veränderten Auffassung über das, was als Privat eigentum zu behalten ratsam ist und was nicht — z. B. Privatbesitz an Menschen, Sklaven. Wenn deshalb der Staat den Besitz als Prüf stein der Wahlberechtigung erklären wollte, so gliche er einem Manne, der durch sein ganzes Leben die Gepflogenheiten der Jugend zu be obachten sich entschlossen hätte, oder den amerikanischen Südstaaten vor dem Bürgerkrieg, hätten sie darauf bestanden, daß nur Sklaven besitzer wählen dürften. Wollte man die Gebräuche der Zukunft im voraus festlegen, so wären die vorübergehenden sozialen Gewohn heiten mit der höchsten Gewalt ausgestattet. Von derselben fundamentalen Bedeutung ist das Argument, daß jeder Bürger an der moralischen und politischen Leistungsfähigkeit seines Staates interessiert ist, was die Sonderinteressen der besitzenden Klassen an Wichtigkeit und Wert weit überschattet. Einem wohlge fügten Staatswesen sind die Erfahrungen der besitzlosen und der ver mögenden Klassen in gleichem Grade unentbehrlich. Die Lebenspraxis des Armen, dem niedriger Lohn, unregelmäßige Beschäftigung oder sonstiges Mißgeschick nie die Möglichkeit zur Eigentumserwerbung ge boten haben, ist politisch so hoch zu werten wie die Erfahrung des Millionärs, dessen einzige Beschwerden und Plackereien der Überfülle von Besitz entsprungen sind. Beim expropriierten und landlosen Kät ner ist viel eher eine sozial vernünftige Ansicht über Landbesitz vor auszusetzen, als beim Grundbesitzer, der dem Jagdvergnügen frönt, and der beschäftigungslose Lohnarbeiter, dem ein Unterstützungs