3 Mac Donald, Sozialismus 33 DieGründe, den Besitzlosen das Wahlrecht vorzuenthalten, berühren sich eng mit der Forderung, daß Steuerleistung und Vertretung Hand in Hand gehen sollten. Zwar stützt sich diese Theorie nicht gerade darauf, daß der Besitz ausschließlich zum Wählen berechtigte, sondern daß die Steuerzahler auch des Staates Ausgaben bestimmen sollten. Obgleich nun dieses Kennzeichen der Wahlfähigkeit gelegentlich noch in politischen Programmen aufgeführt wird, ist es aus der Praxis so gut wie verschwunden. Das Staatsleben bedarf ganz anderer Dienste als Steuerentrichtungen, und wäre das Merkmal zutreffend, so müßte der Einfluß, d. h. die Anzahl der Stimmen, des Steuerzahlers seinen finanziellen Leistungen proportioniert sein. Eine weitere Frage erhebt sich betreffs der Form der Steuern. Selbstverständlich müssen indi rekte und direkte Steuern berücksichtigt werden. Vorher muß jedoch die ungleich wichtigere Frage entschieden werden, wer denn überhaupt eigentlich die Steuern entrichtet. Der Lohnarbeiter trägt die Bürde genau so wie der Aneigner des Mehrwerts. Wollten wir also dies Kri terium gerecht handhaben, so gerieten wir in ein Labyrinth voller Täu schungen und Fehlschlüsse. Die Parole: Keine Steuer ohne Vertretung war daher nur ein politisches Stichwort von zeitweiligem Wert, das die Ansprüche der bürgerlichen, der handeltreibenden und industri ellen Klassen auf Ausübung des Wahlrechts begründete. Den beson deren Dienst, den die Mittelschichten dem Staate leisteten, ballten sie ln diesem Kriegsruf zusammen, nach oben war er der Rechtstitel, mit den privilegierten Ständen auf dieselbe Linie gerückt zu werden, nach unten die Scheidewand, die sie vom gemeinen Volke, der Demo kratie, trennte. Als Schlachtruf bewährte er sich ferner, um die Kolonisten zum Widerstand anzufeuern und die herrschenden Mächte des Mutterlandes in Bestürzung zu versetzen, als sich die steuer zahlenden Erwerbsklassen der amerikanischen Kolonien durch die Dummheit unseres Königs und seiner Minister verletzt und gekränkt fühlten. Heute hallt er in der Agitation für das Frauenstimmrecht wider und spottet in den Fällen aller Widerlegung, wo sie weiter nichts sagt, als daß nur steuerzahlende Frauen wählen sollten; doch er be friedigt keinen der Gründe, die für die Gewährung des unverkürzten Wahlrechts an die Frauen oder sonst jemand sprechen. Ein demo kratisches Prinzip ist er ganz und gar nicht, nur ein politischer Wahl spruch für eine Mittelstandsbewegung.