3 bestimmte Bedeutung haben. Politisches Talent deckt sich durchaus nicht mit Hochschulbildung und Prüfungsreife. Um nur einen Unterschied ­ herauszugreifen, so muß jedermann einsehen, daß ein Bildungsnachweis ­ weniger eine wohl erwogene und durchdachte Meinung bezeugt, ­ als die Auszeichnung einer Klasse, die hohe Gebühren bezahlen kann, und als einen intellektuellen Mechanismus, der bezeugt, daß er zur Zeit der Prüfung bestimmte Fragen beantworten konnte. Selbst wenn es der Demokratisierung der Universitäten gelänge, meinen Einwand zu beseitigen, wäre die Stichhaltigkeit eines Bildungsgrades ­ als Erfordernis der Wahlfähigkeit noch nicht gesichert. Erinnert ­ man sich nur der Tatsache, daß es Aufgabe der Wählerschaft ist, der ganzen, ungeteilten Erfahrungsskala im Staatsleben eine Vertretung ­ zu verbürgen, so macht Unkenntnis des Lesens und Schreibens ­ zur Ausübung des Wahlrechts nicht unfähiger als Weltfremdheit, gelehrte Abgeschlossenheit in der Lebensweise oder als jeder andere soziale oder intellektuelle Defekt, der den Menschen von der innigen Berührung mit den weltlichen Geschäften abschneidet. Seinen Namen nicht schreiben zu können, ist dem praktischen Urteil eines Menschen über die allgemeinen Lebensangelegenheiten bei weitem nicht so verhängnisvoll, ­ als die erwähnten Nachteile der Bildung, die seine Weisheit ­ verdunkeln und seinen Ausblick verengen. Vielmehr kann behauptet ­ werden, daß eine oberflächliche Bildung, die zur Verschlingung ­ wertloser Literatur, von den Zeitungen bis zu den Romanen, geführt hat, die politische Tüchtigkeit des Gemeinwesens verschlechtert und die öffentliche Meinung unter das Niveau gedrückt habe, auf dem sie sich befand, als die Bücherweisheit weniger verbreitet war, als sie heute ist. Es wäre jedoch nutzlos und Zeitvergeudung, wollte ich die Kritik an diesem Vorschlag fortsetzen. Die Wählerschaft hat nicht Wissen, sondern Verstand und Klugheit zu zeigen. Unsere Erziehungsanstalten haben allerdings heute noch kaum den Unterschied zwischen beiden erkannt. Jemand, der z. B. gern wählen möchte, mag imstande sein, eine Prüfung zu bestehen, die ihm Anwartschaft auf die höchsten akademischen ­ Grade gäbe, doch wenn er unter Sozialismus Vernichtung der Familie oder Konfiskation verstände oder glaubte, daß die Friedenspartei ­ unpatriotisch sei, so fiele er bei einer entsprechenden Prüfung ­ seiner politischen Intelligenz sofort durch, zu seinen Studien