40 haben, schicken sich an, der Gesellschaft selbst ihr Gepräge zu ver leihen. Der Umfang der Gesetzgebung wächst jedes Jahr, was so viel bedeutet, daß der Staat mit seinen erweiterten Beziehungen die Ver antwortung einer Familie akzeptiert; durch seinen Geist und seine Taten wird er einer Familie ähnlich. Neun Zehntel unserer Arbeiter gesetzgebung befassen sich mit dem Schutz, den die Familie zu ge währen pflegte, den sie aber unter den modernen Bedingungen der In dustrie nicht mehr geben kann. Neun Zehntel unserer Gesetzgebung, die sich der Schwachen annimmt, von der staatlichen Jugenderziehung bis zu den staatlichen Altersrenten, sind eine Durchdringung der gan zen Gemeinschaft mit der Familienidee, sind die Wirkungen des Fa miliengeistes auf den Staatswillen, weil sich inzwischen Umstände ge bildet haben, die das Walten dieses Geistes, wenn nur die Familie sein Träger ist, vereiteln und zunichte machen. Tatsache ist nicht nur, wie ich oben schon angeführt habe, daß sich das Gebiet der mensch lichen gegenseitigen Abhängigkeit vergrößert hat, sondern diesem Pro zesse ging eine durch die moderne soziale Entwicklung erzeugte Schwä chung der wirtschaftlichen und gewerblichen Macht der Familie pa rallel, die sie unfähig macht, ihre Aufgaben als Beschützerin erschöp fend zu erfüllen. Jeder Kulturstaat zeigt diese Tendenz, die offenbar der unaufhörlich fließende Strom des Fortschrittes ist. Wenn aber der Familiengeist der Frau der modernen sozialen Ent wicklung wesensgleich ist und ihre Erfahrung deshalb dem Geiste des heutigen Staates durchaus nicht widerspricht, sind ihre Lebens praxis und ihr Standpunkt für die Regierungszwecke auch erforder lich? Dem Frauenstimmrecht steht nichts entgegen, aber ist es nötig? Ich denke: ja; denn abgesehen von der Tatsache, daß, wenn der Weg zum Wahlrecht offen ist, es stets gegeben werden soll, kann der allein von den Männern durch den Staat interpretierte und angewandte Familiengeist für die Gesellschaft die größten Gefahren heraufbe schwören. Der Mann ist weder der Schöpfer noch der Hüter der Familie, sondern das ist das Werk der Frau gewesen. Ursprünglich wuchs die kleine Gemeinschaft um ihren Herd, sie war der feste Punkt, um den sich ringsum die Kinder versammelten, an dem der Mann sich niederließ. Sie formte das Haus, ihren Geist hauchte sie dem Heime em. Und jetzt, wo die Verwaltung des Herdes nicht länger die der großen Welt deckt oder allen Bedingungen des modernen Lebens gerecht