47 sonen, denen die Lebensenergien aus derselben Quelle Zuströmen und die in ihren gemeinsamen Interessen übereinstimmen oder divergieren. Soll aber der Gedanke von Herr und Diener als zur repräsentativen Re gierung gehörig beibehalten werden — und er ist sehr irreleitend —, so hätte die Gesamtheit der Gesellschaft, nicht etwa eine Partei oder eine Mehrheit, die Herrenrolle zu spielen. Der Abgeordnete vertritt die Ge sellschaft, er ist kein einfacher Delegierter der Mehrheit, die ihn ge wählt hat; dem Ganzen und nicht einzelnen Teilen schuldet er Rechen schaft. Er entwickelt seine Ansichten, macht seinen Standpunkt klar, entwickelt und erläutert seine unmittelbaren Vorschläge und wird dar aufhin akzeptiert oder abgelehnt. Gehört er zu einer anerkannten Mehrheit, so hat ihm die Gesellschaft bekundet, daß sie seine allge meine Auffassung gutheißt. Beunruhigen jedoch seine praktischen An regungen die Gesellschaft, zeigt er ihr seine Unfähigkeit oder bedient er sich Methoden, die ihren Gerechtigkeitssinn verletzen, so wird sie ihn verwerfen. Sie wird ihn aus einem von zwei Gründen oder aus beiden zurückweisen. Entweder wird die Gesellschaft alles Vertrauen zu seinen Grundsätzen verloren haben oder, wenn dies nicht der Fall wäre, seiner Person, ihm selbst, nicht mehr trauen. Gerät er und sein Anhang durch die Entscheidungen der Gesellschaft in die Minderheit, so bedeutet dies entweder, daß die Gesellschaft sich zu den Grundsätzen und dem Standpunkt einer anderen Richtung bekennt oder, wenn dem nicht so wäre, sie nichtdestoweniger empfindet, daß ihr die Herr schaft jener Richtung unangenehme Erfahrungen, die sie zurzeit sehr fürchtet, ersparen wird. Im ersteren Falle muß die geschlagene Minorität einen Feldzug der Erziehung unternehmen, um den Glauben an sie wieder aufzurichten, das Vertrauen zu ihren Ansichten und Plänen wieder herzustellen und die Haltung des Landes gegenüber den Grundsätzen der am Ruder befindlichen Partei zu verändern. Im anderen Falle ist es Aufgabe der Minorität, darüber zu wachen, daß auf dem von der Mehrheit eingeschlagenen Weg der Gesetzgebung prinzipiell die Bedürfnisse des Volkes befriedigt werden — und trotz dem sie schwächer ist, wird sie hierfür den Beifall des Landes ernten. Per parlamentarische Kampf wird sich in diesem Falle viel mehr um Einzelheiten, als um Grundsätzliches drehen. So vollzieht sich der Lauf der Geschichte. Wenn große prinzipielle Prägen, wie z. B. ob die Demokratie oder die Aristokratie herrschen