4 Ätherische Öle Ätherische Wasser gesetzten Äthern, Aldehyden, Ketone, Phenolen, organischen Säuren usw. Die im Handel vor kommenden ätherischen Öle sind sämtlich Pro dukte des Pflanzenreiches und werden aus ver schiedenen Pflanzenteilen durch Destillation mit gespannten Wasserdämpfen oder auch durch Ex trahieren (s. Parfümerien) gewonnen. Nur einige, wie Zitronenöl, Pomeranzenöl, Bergamottö! erhält man dqrch Auspressen der betr. Fruchtschalen. Werden die ätherischen Öle einer nochmaligen Destillation unterworfen, so nennt man sie rek tifizierte bzw. doppelt rektifizierte Öle. Die Fabrikation der ätherischen Öle hat sich auf gewisse Gegenden konzentriert, und be sonders Leipzig bildet einen Hauptfabrikations und Handelsplatz. Italien, namentlich Kalabrien und Sizilien, liefert hauptsächlich Zitronenöl, Pomeranzenöl und Bergamottöl, das südliche Frankreich Neroliöl, Petitgrainöl, Lavendelöl und Thymianöl, Algier Geraniumöl, Bulgarien und die Türkei Rosenöl, England Pfefferminzöl und Lavendelöl, Nordamerika Pfefferminzöl und Wintergrünöl, Rußland Anisöl. Aus Ostindien und China werden namentlich Sternanisöl, Kassia- öl und Zimtöl eingeführt, die meisten Gewürz öle aber werden, seitdem die zur Ölgewinnung bestimmten Gewürze zollfrei eingehen,inDeutsch- land, allerdings unter Kontrolle von Steuer beamten, destilliert, die hierbei zurückbleiben den, vom Öle befreiten Gewürze müssen ver nichtet werden. —■ Die gangbarsten ätherischen Öle sind außer den bereits genannten: Anis-, Kümmel-, Fenchel-, Angelika-, Wermut-, Ze dernholz-, Kalmus-, Wacholder-, Bittermandel-, Senf-, Sternanis-, Rosmarin-, Zitronell- und Ter pentinöl. Verwendung finden die ätherischen Öle in der Medizin und Likörfabrikation, ferner zur Herstellung feiner Parfümerien, wie Eau de Cologne und anderer Riechwässer,- zum Parfü mieren von Seifen, Pomaden, Haarölen. Einige werden auch in der Konditorei verwendet, die billigen, wie Terpentinöl, in der Lackfabrika tion. — Die allgemeinen Eigenschaften der ätherischen Öle lassen sich dahin zusammen fassen, daß sie sämtlich einen starken, mehr oder weniger angenehmen Geruch besitzen, mit stark rußender Flamme brennen, auf Papier einen in der Hitze wieder verschwindenden I ett- fleck hervorbringen, in Wasser nur in sehr ge ringer Menge löslich sind, sich aber leicht in starkem Alkohol und in Äther lösen. Die meisten sind leichter, einige auch schwerer als Wasser. Sie besitzen ein starkes Lichtbrechungsvermögen und drehen mit wenigen Ausnahmen die Ebene des polarisierten Lichtes nach rechts oder links. Der Siedepunkt der ätherischen Öle ist sehr ver schieden, liegt aber durchgängig ziemlich hoch (meist zwischen 160 und 300 0 C), mit Wasser dämpfen verflüchtigen sie sich jedoch schon be viel niedrigerer Temperatur. Wie ihr Geruch be weist, sind sie auch schon bei gewöhnlicher Temperatur etwas flüchtig. Einige erstarren leicht zu kristallinischen Massen (z. B. Rosen öl, Anisöl), während andere gar nicht fest wer den, Wieder andere Öle sondern sich mit der Zeit und beim Stehen an kalten Orten in einen starren, kristallinischen Teil, Stearopten, und in einen flüssig bleibenden, Eläopten. Einige, ätherische Öle bestehen fast ganz aus sauerstoff freien Verbindungen, die den Namen Terpene bzw. Sesquiterpene führen, die meisten enthalten aber als wesentliche Bestandteile sauerstoffhal tige Verbindungen. Es gibt ferner auch schwe felhaltige ätherische Öle, wie z. B. Senföl, Knoblauohöl. Seit mehreren Jahren kommen ätherische Öle in den Handel, die auf den Preis listen als terpenfreie, konzentrierte, ex trastarke oder nicht trübende ätherische Öle bezeichnet werden und von den Kohlenwasser stoffen befreit sind, so daß nur der sauerstoff haltige Teil allein Verwendung findet. Solche ätherischen Öle fabrizieren z. B. Schimmel-Miltitz bei Leipzig, Heine-Leipzig, Haensel-Pirnä. Die Bezeichnung „nicht trübende“ Öle bezieht sich darauf, daß sie sich in verdünntem Alkohol klar und ohne Trübung lösen, was bei den terpen haltigen nicht der Fall ist. — Die Aufbewah rung der ätherischen Öle muß in sehr gut ver schlossenen, möglichst voll gefüllten Flaschen an einem dunklen und kühlen Orte erfolgen. Durch Einwirkung von Luft und Licht verändern sie sich leicht, nehmen einen fremdartigen Geruch an und verharzen schließlich. Die Versendung geschieht gewöhnlich in Glasgefäßen oder in Flaschen von Weißblech, Die Sizilianer Öle kom men in kupfernen Gefäßen (Ramieren), die Öle aus China in Bleiflaschen zu uns. — Wegen ihres meist sehr hohen Preises sind die ätheri schen Öle häufig Verfälschungen ausgesetzt, die nicht leicht zu entdecken sind, wenn hierzu andere billigere ätherische Öle genommen wur den. Die, Verfälschung mit fetten Ölen oder mit Alkohol kommt hingegen nicht mehr so häufig vor, weil diese leichter nachgewiesen werden kann. Größere Mengen von Alkohol lassen sich durch Schütteln gleicher Volumina von ätherischem Öl und Wasser in einer gradu ierten Glasröhre nachweisen, wobei das Volumen des Wassers durch die Aufnahme des Alkohols zunimmt, oder durch Destillation. Die vielfach empfohlene Methode mit Fuchsin paßt hingegen nicht für alle Öle, da manche, die ganz frei von Alkohol sind, das Fuchsin ebenfalls lösen und sich dadurch rot färben. Fette Öle lassen sich in ätherischen Ölen leicht daran erkennen, daß sie nicht flüchtig sind, daher auf Papier einen auch beim Erhitzen nicht verschwindenden Fettfleck verursachen. Teilweise verharzte Öle hinterlassen allerdings auch einen bleibenden Fettfleck, der jedoch meist nur an dem Rande durchscheinend ist und beim Auf gießen von Weingeist ver schwindet, was bei Vorhandensein von fettem Öl nicht der Fall ist. Eine Ausnahme hiervon macht nur das Rizinusöl, welches- sich' in Alkohol löst. •Zur Erkennung einer Verfälschung mit Terpen tinöl bedient man sich besonderer Methoden, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Ätherische Wässer (abgezogene oder aro matische Wässer) erhält man als Nebenpro dukt bei der Fabrikation der ätherischen Öle, indem sich ein Teil der letzteren in dem mit übergehenden Wasser löst und diesem den Ge ruch des Öles mitteilt. Die meisten dieser ä.W. werden in Apotheken verwandt, einige, wie z. B, Orangenblütenwasser und Rosenwasser, auch in der Konditorei. Letztere werden von Nizza,