Bernsteinöl 51 Bibergeil die Gewinnung von Bernstein immer mehr zurück geht. Bernsteinöl (Agtsteinöl, lat. Oleum succini, frz. Huile de succin, engl. Ambre-oil), ein dunkel braunes, grünlich schimmerndes, unangenehm riechendes ätherisches Öl, das als Nebenprodukt bei der Bereitung der Bernsteinsäure aus Bern stein gewonnen wird, findet als krampfstiüendes Mittel sowie äußerlich gegen Zahnschmerz An wendung. Für den gleichen Zweck benutzt man ein gereinigtes, über Holzkohle destilliertes B„ welches weniger unangenehm riecht und eine blaßgelbe Farbe besitzt. Bernsteinsäure (Succinylsäure, Dikarbon- äthylensäure, lat. Acidum succinicum, frz. Acide succinique, engl. Succinic acid), eine orga nische Säure von der Formel (CH 2 .COOH) 2 , findet sich fertig gebildet im Bernstein, einigen Braunkohlen, Harzen, Terpentinölen, Pflanzen- und tierischen Säften. Sie entsteht bei der Oxy dation von Fetten mit Salpetersäure, bei der Gärung und Fleischfäulnis und wird im großen durch Vergärung von äpfelsaurem Kalzium aus Vogelbeersaft oder durch trockne Destillation von Bernstein dargestellt. B. bildet farblose Kri stalle von schwach saurem Geschmack, schmilzt bei 185° und destilliert bei 235 0 unter Wasser abspaltung. Zu ihrem chemischen Nachweise bedient man sich des neutralen Kalzium- oder Bariumsalzes, welche in Wasser und Alkohol schwer, bzw. unlöslich sind. B. findet beschränkte Anwendung zur Herstellung pharmazeutischer Präparate, besonders des Liquor Ammonii suc- cinici, sowie in der Chemie und Photographie. Bertramwurzel (Zahnwurzel, Speichel- Wurzel, lat. Radix pyrethri, frz. Racine de py- r ethre, engl. Pellitor^). Unter diesem Namen kommen im Drogenhandel zwei verschiedene Wurzeln vor. 1. Die deutsche B. (Radii py- tethri germanici) stammt von Anacyclus offi- c, narum und wird vielfach in Thüringen an- Sebaut. 2. Die römische B. (Radix pyrethri ro- ^ni) stammt von Anacyclus Pyrethrum, e mer in Arabien, Syrien und Nordafrika wild wachsenden, in Italien angebauten Pflanze aus , er Familie der Kompositen. Beide besitzen ein en brennend scharfen Geschmack, sind aber ffpruchlos. Die deutsche B. hat Längsrunzein, rJ e römische Querrunzeln. Bei ersterer ist der 'dolzkörper braun, bei letzterer gelb. Man ver endet B. meist zu Zahntinkturen und Mund wässern. Beryll, ein in sechsseitigen Säulen kristalli- Sle rendes, aus Kieselsäure, Tonerde und Beryll- nrde bestehendes Mineral, ist sehr hart (Härte 8), glasglänzend und verschieden gefärbt, °ch herrschen die grünen Farbtöne vor. Blaß sru ner 0( j er f ar bi oser unc [ durchsichtiger B. wird dler Beryll genannt und als Schmuckstein erwendet. Alle undurchsichtigen B. nennt man Gemeinen B., die gelblichgrünen und bläulich- ■Unea Spielarten Aquamarin, die lebhaft gras grünen.Smaragd (s. d.). L v Cta!n (Oxyneurin, Trimethylglykokoll, p ,?i n ) nennt man eine im Satte der Zuckerrübe Qy-raltene schwache organische Base, COOH . -p ja-N(CH s )j,OH, welche auch künstlich aus ^'^ethylamin und Chloressigsäure erhalten wer- n kann. Sie bildet große, farblose, glänzende Kristalle, die jedoch an der Luft leicht zerfließen. Ihre Verbindung mit Salzsäure, das B. hydro- chlorid, vermag das Tetanustoxin zu neutrali sieren. Betelblätter (lat. Folia betel., frz. Feuilles de bdtel, engl. Betel leaves), die langgestieltea, ei rund herzförmigen Blätter einer ostindischen Pfef ferart, Piper Betle, werden Wegen ihres bren nend gewürzhaften und bitteren Geschmacks in Ostindien mit den Arekanüssen (s. d.) zusammen gekaut und finden auch in Europa medizinische Anwendung. Sie enthalten ein ätherisches Öl, Betelöl, welches gelbe bis braune Farbe, an genehm teeartigen Geruch und brennenden Ge schmack besitzt. Es hat das spez. Gew. 0,958 bis 1,057, den Siedepunkt 255° und besteht aus einem dem Eugenol ähnlichen Phenol so wie einem Kohlenwasserstoff. Das Öl wird in Indien gegen katarrhalische Erkrankungen ver ordnet. Betol (Naphtalol), weißes glänzendes Kri stallpulver von Salizylsäure-Naphtylester, C7H5O3.. C 10 H 7 , welches sich dem Salol analog verhält und wie dieses als Antiseptikum benutzt wird. Beton, eines der wichtigsten neueren Bau materialien, besteht aus einer Mischung von Zement (s. d.) mit Schotter und grobem Kies. Betonienkraüt (Betunienkraut.Zehrkraut, lat. Herba betonicae, frz. Feuilles de betone, engl. Betony leaves), das getrocknete Kraut einer Labiale, Betonica officinalis (L) mit roten Blüten, eirunden, gekerbten und rauhhaarigen Blättern von aromatischem Geruch, wird als Volksmittel benutzt. Bezetten(Schmink- oder Färberläppchen, frz. Tournesol en drapeaux, engl. Tournesol) nennt man mit Koschenille oder Pernambukabkochung rot gefärbte Leinwandstreifen, die in Paketen von Y4—1/2 kg von Venedig und Hamburg in den Handel kommen und als Schminklappen ver wendet werden. Die eigentlichen B. stammen aus dem südlichen Frankreich und sind mit dem Safte einer Euphorbiazee, Croton tinctori- um (Krebskraut), gefärbt. Durch besondere Behandlung wird die Farbe der Läppchen in Blau und dann in Purpurrot übergeführt. Die letztere Farbe dient in Holland zum Färben von Käse. Beide wurden früher auch benutzt, um Backwerk, Liköre, Gelees leicht zu röten. Bezoare, ein veraltetes, in unserem Handel kaum noch vorkommendes Medikament, besteht aus den Darmsteinen einiger Wiederkäuer. Die teuersten kommen aus Persien und heißen orien talische oder echte B. Bibergeil (lat. Castoreum, frz. Castorde, engl. Castor fibre) nennt man getrocknete, aus vier übereinanderliegenden Häuten gebildete Beutel, die sich zu je zweien sowohl beim männlichen als auch beim weiblichen Biber, in der Nähe der Geschlechtsteile unter der Haut finden und eine im frischen Zustande weiche und schmierige, äus- getrocknet harte, braune und zerreibliche Masse von durchdringendem Geruch enthalten. B. wird medizinisch bei Nervenleiden sowie in der Par fümerie verwendet. Man unterscheidet das B. der Alten Welt, vom europäischen Biber Gastor fiber), und das der Neuen Welt, vom , nordamerikanischen Biber (Castor ameri-