Bitterwässer Blei 56 den sich zwei Alkaloide, das Dulkamarin und das Solanin. B. wird in der Medizin als Auf guß innerlich gegen Katarrhe, Asthma, bei Rheu matismus usw. angewandt. Verwechslungen mit den Stengeln von Clematis vitalba sollen zuweilen vorgekommen sein, jedoch sind diese nicht runz lig, sondern glatt, holzig und sehr zähe. Bitterwässer nennt man diejenigen Mineral wässer, welche durch einen verhältnismäßig hohen Gehalt von Magnesiumsulfat ausgezeichnet sind, z. B. Friedrichshaller, Hunyadi Janos B. Blattmetalle (Folien, frz. Mötaux en feuilles. engl. Leaf-metals) nennt man Metalle und Me tallegierungen, die durch Walzen, zum Teil auch durch nachfolgendes Schlagen in die Form sehr dünner Bleche oder Blätter gebracht worden sind. Am meisten wird Gold und Silber in diese Blattform gebracht und die Erzeugung von ech tem Blattgold und Blattsilber mit dem Na men Goldschlägerei, dieselbe Arbeit auf un edle Metalle ausgedehnt mit Metallschlägerei bezeichnet. Nächst dem Golde wird wohl Zinn am meisten in Blattform übergeführt (vgl. Stan niol), dann Blei, Kupfer, Aluminium und ver schiedene Legierungen (unechtes Blattgold und unechtes Blattsilber). Das echte Blatt gold dient hauptsächlich zum Vergolden der Spiegel- und Bilderrahmen sowie zum Gold schnitt und zum Bedrucken der Büchereinbände. Die bei Herstellung des echten Blattgoldes ent stehenden Abfälle, Schawine oder Schabine, bilden zerrieben die echte Goldbronze. Blaudsche Pillen (lat. Pilulae ferri Blaudii), 0,25 g schwere, bisweilen mit Silber, Zucker oder Schokolade überzogene Pillen aus Kaliumkar- bonat, Ferrosulfat, etwas Zucker, Gummi und Glyzerin mit 0,3 g Eisen. Blauholz (Kampescheholz, Blutholz, lat. Lignum campechianum, frz. Bois de campeche, engl. Log-wood), das wichtigste aller Farbhölzer, stammt von Haematoxylon campechianum, einem großen, zur Familie der Zäsalpineen gehörigen, in Zentralamerika und dem nörd lichen Teile von Südamerika heimischen Baume, der später auch in den niederländischen Kolo nien Ostindiens angebaut worden ist. Die vom weißlichen Splinte befreiten großen Blöcke ha ben außen eine dunkelblutrote bis braunrote Farbe, die innen'heller, rötlichbraun bis gelblich braun erscheint, an der Luft aber nachdunkelt. Das Holz ist hart und dicht, läßt sich schwer spalten, und besitzt einen schwachen, entfernt veilchenähnlichen Geruch und zusammenziehen den Geschmack. Man unterscheidet das eigent liche Kampescheholz oder Laguna-Kam- pesche, Jamaikablauholz und das Domingo blauholz, und von letzterem wieder mehrere Sor ten, nämlich Monte-Cristo-Blauholz, Fort Libertö und Aux Cayes. Martinique- und Guadeloupe-B. sind nur geringwertige Sorten. Der das Färbevermögen bedingende Stoff, das Hämatoxylin, bildet im reinsten Zustande fast farblose Kristalle, die aber an der Luft bald rötlich werden und schließlich in den eigent lichen Farbstoff, das Hämatein, übergehen. Weil dieser Farbstoff in dem frisch geraspelten B. nur in geringer Menge entwickelt ist, läßt man an der Luft fermentieren, wodurch es die gewünschte Farbe erst erhält und einen eigen tümlichen metallischen gelblichgrünen Glanz an nimmt. In unfermentiertem Zustande findet B. bisweilen medizinische Verwendung. Hauptsäch lich wird es aber zur Herstellung feiner Tischler arbeiten sowie in der Färberei und Tintenfabri kation benutzt. Für letztere Zwecke bedient man sich meist des Blauholzextrakfes (lat. Extrac- tum ligni campechiani, frz. Extrait de bois de campeche, engl. Extract of Log-wood), welches sowohl in fester als auch in flüssiger Form (s. Farbholzextrakt) einen wichtigen Handelsartikel bildet. Besonders geschätzt sind die Sanford- und französischen Sorten. Das feste Extrakt wird in Kisten von 20—100 kg aus Neuyork eingeführt,, doch sind auch in Deutschland und Frankreich Fabriken entstanden. Blaupulver, ein unreines Ferrizyankalium, kommt als bläulichgrünes Pulver in den Handel und wird' zum Färben benutzt. Vgl. ßlutlaugen- salz. Blausäure (Zyanwasserstoffsäure, lat. Aci dum hydrocyanicum, Acid. borussicum, frz. Acide prussique, engl. Prussic acid, Zootic acid), HCN, wird in wäßriger Lösung durch Destillation von Zyankalium oder Ferrozyankalium mit verdünn ter Schwefelsäure dargestellt. Wasserfreie B. erhält man durch Zersetzen von Zyanquecksilber mit konz. Salzsäure als eine farblose, bei 26° siedende Flüssigkeit. Sie ist das stärkste aller bekannten Gifte, zersetzt sjch aber leicht und kommt im Handel nicht vor. Blei (lat. Plumbum, frz. Plomb, engl. Lead). Dieses seit den ältesten Zeiten bekannte Metall findet sich in gediegenem Zustande nur sehr selten in der Natur. Für die technische Ge winnung kommen lediglich Verbindungen des Bleies, sog. Bleierze (frz. Minerais de Plomb, engl. Lead ores) in Betracht, welche für sich einen Gegenstand des Großhandels bilden und als Ballast mit den Schiffen befördert werden. Das wichtigste Bleierz ist der Bleiglanz oder Galenit, der in chemischer Hinsicht aus Schwe felblei (Bleisulfid), PbS, mit 86,60/0 Blei besteht, oft aber auch bis zu 0,1 0/0 Silber und Spuren Gold enthält. Er findet sich in Form harter und spröder Knollen oder Einsprengungen von ausgezeichneter hexaedrischer Spaltbarkeit, bläulichgrauer Farbe und starkem Melallglanz und wird als Glasurerz, von seiner Verwendung zum Glasieren gewöhnlicher Töpferwaren, im Handel geführt. Die bekanntesten Lager sind im Erzgebirge, Oberharz, Oberschlesien (Tarno- witz), Schwarzwald, Böhmen (Przibram), Kärnten (Bleiberg und Raibel), Spanien und England. Das nächstwichtige Bleierz, das Weißbleierz oder Zerussit, seiner Zusammensetzung nach kohlensaures Blei (Bleikarbonat), PbCO s , mit 77,5 % Blei findet sich in Form nadelförmiger Kristalle oder derber, körniger und dichter, zu weilen auch erdiger (Bleierde) Massen von weißer oder grauer Farbe neben dem Bleiglanr. In Kolorado bildet es mächtige Lager eines weißen, stark silberhaltigen Sandes. Anglesit (Bleisulfat) und Pyromorphit (Bleiphos phat) haben nur untergeordnete Bedeutung. Die Gewinnung des B. erfolgt am leichtesten aus’ dem Weißbleierz, das einfach mit Kohlenklein gemengt geglüht wird, wobei das metallische B. abfließt. Die zur Verarbeitung von Bleiglanz