Bleihyperoxyd 58 Bleizucker Bleihyperoxyd (Bleisuperoxyd,Bleisäure, Bleibioxyd, Bleiperoxyd, lat, Plumbum hy- peroxydatum, fr. Peroxide de plomb, engl. Per oxide of lead), eine Verbindung von Blei mit 2 Atomen Sauerstoff. Man bereitet das B. durch Behandlung von Mennige mit verdünnter Sal petersäure, wobei salpetersaures Blei als Neben produkt erhalten wird, oder durch anhaltendes Erhitzen löslicher Bleisalze mit einer Chlorkalk lösung. Es findet sich auch in der Natur als Schwerbleierz oder Plattnerit. Das künstlich erzeugte ist ein dunkelbraunes, in Wasser un lösliches Pulver, das in unreiner, noch Bleinitrat enthaltender Form zuweilen in der Fabrikation von Zündwaren unter dem Namen oxydierte Mennige Anwendung findet. Bleinitrat (Salpetersaures Blei, lat. Plum bum nitricum, frz. Nitrate de plomb, engl. Ni trate of lead), Pb(N0 3 ) 2 , entsteht beim Auflösen von Blei oder Bleiglätte in Salpetersäure in Form wasserfreier, in Wasser löslicher Kristalle, welche beim Glühen Bleioxyd hinterlassen. Das Salz dient zur Darstellung .anderer Bleipräparate, sowie phosphorfreier Zündhölzer und als Beize in der Zeugdruckerei. Bleipflaster (lat. Emplastrum Lithargyri, E. diachylon simplex, E, Plumbi, frz. Emplätre simple, engl. Lead plaster) wird bergestellt durch Kochen gleicher Teile Olivenöl, Schweineschmalz und mit 1 f 6 Wasser angeriebener Bleiglätte im Wasserbade. Die abgekühlte Masse, ein Ge menge von ölsaurem, palmitinsaurem und Stearin saurem Blei, wird ausgestochen und unter Wasser zu Stangen gerollt. Bleirohre (Bleiröhren, frz. Tuyaux pousses, engl. Lead pipes) werden gewöhnlich nur von geringem Durchmesser, meistenteils durch Pres sen, seltener noch durch Ziehen oder Gießen dargestellt und zum Fortleiten von Gasen, Dämp fen und Flüssigkeiten benutzt, wozu sie sich ihrer bequemen Handhabung wegen gut eignen. Die Giftigkeit des Bleies gestattet aber nur einen beschränkten Gebrauch, und insbesondere müs sen sie für Wasserleitungen mit einer aufgewalz ten Zinnschicht versehen werden (Bleiraantel- rohre). Man hat B. in wenigstens so verschie denen Stärken, dickere bis 20, dünnere bis 30 m lang, auch wird beim Verkauf mit angegeben, wieviel Druck in Atmosphären oder in Wasser- säulenmetern jede Sorte aushält. Bleistifte (frz. Crayons noirs, Crayons 'de gra- phite, engl. Lead pencils) bilden einen bekann ten Artikel des Zeichen- und Schreibmaterialien handels. Hinsichtlich der Herstellung dieser Waren nimmt Deutschland schon seit längerer Zeit den ersten Rang ein, denn Frankreich, Rußland und Italien sind trotz hohen Eingangszolls noch weit hinter der deutschen Fabrikation zurück, und England erzeugt fast gar keine B. mehr, sondern versieht deutsches Fabrikat mit eng lischen Marken. Nur in Österreich und Nord amerika hat sich eine bedeutende Konkurrenz entwickelt, und insbesondere letzteres Land ist der deutschen Bleistiftausfuhr des hohen Ein- gangszolles halber fast ganz verschlossen. Neuer dings werden auch unter Verwendung von Anilin- farbstoffen sogenannte Tinten- oder Kopier bleistifte hergestellt. Es ist jedoch darauf zu achten, daß giftfreie Farben verwendet wer den. Dasselbe gilt auch für die Buntstifte. ßleisulfat (schwefelsaures Blei, lat. Plum bum sulfuricum, frz. Sulfate de plomb, engl.Sulfate of lead), PbSO^, entsteht durch Fällung von Bleisalzlösungen mit Schwefelsäure als ein schwe rer weißer Niederschlag. In getrocknetem Zu stande wird es bisweilen unter dem Namen Weißblei als Malerfarbe benutzt, leistet aber hinsichtlich der Deckkraft nicht mehr als Kreide oder Schwerspat. Sein Zusatz zu Bleiweiß ist daher als Verfälschung zu verurteilen. Bleiweiß (lat. Cerussa, frz. Blanc de Ceruse, engl. White lead), die geschätzteste weiße Maler farbe, ihrer chemischenZusammensetzung nach ein basisches Bleikarbonat, 2PbC0 3 .Pb(0H) 2 , wird nach verschiedenen Verfahren (holländisches, französisches, Klagenfurter, deutsches oder Kam merverfahren) in der Weise hergesteüt, daß man metallisches Blei oder Bleiglätte mit Essigsäure behandelt und das entstehende basische Bleiaze- tat der Einwirkung von Kohlensäure aussetzt. Von den einzelnen Sorten, welche sich neben dem Grade der Reinheit vor allem durch die Feinheit der Pulverisierung unterscheiden, wird das Kremserweiß am höchsten geschätzt. Weitere Handelsbezeichnungen sind: D eck w eiß;, Französisch-, Genueser-, Hamburger-, Holländer-, Kremmnitzer-, Perl-, Schie fer-, Schnee-, Silber-, Tiroler-, Venezia nerweiß. Wegen seines hohen Preises ist das B. Verfälschungen in hohem Grade ausgesetzt. Zusätze von Gips, Schwerspat, Kreide, Ton, ferner von schwefelsaurem Blei (Weißblei) sind an der Tagesordnung, und nur durch sorgfältige Unter suchung kann der Käufer sich vor Übervorteilung schützen. Der Nachweis der meisten Verfäl schungsmittel gelingt durch Behandlung mit Sal petersäure, in welchem B. sich auflöst, während Schwerspat und Bleisulfat Zurückbleiben. Die andern Zusätze verraten sich durch ihr geringeres spezifisches Gewicht. B. wird besonders als Öl farbe im Gemisch mit Leinöl, Mohnöl oder Firnis angewandt und übertrifft an Deckkraft alle an deren Farben. Leider wird es bei aller Beständig keit gegen Licht und Luft durch schwefelwasser stoffhaltige Gase geschwärzt und darf daher in der Nähe von Aborten, in Laboratorien usw. nicht benutzt werden, sondern ist hier durch Zinkweiß zu ersetzen. Der Hauptnachteil des B. ist jedoch seine hohe Giftigkeit, welche zu der Verordnung des Bundesrates (s. Bleifarbe^) Anlaß gegeben hat. Bleizucker, Pb(C 2 H 3 0 2 ) 2 , (Bleiazetat, essig saures Blei, essigsaures Bleioxyd, lat.Plum bum aceticum, Saccharum saturni, frz. Acetate de plomb, Sei de saturne, engl. Acetate of lead, Sugar of lead), ein sehr giftiges, durch Auflösen von Bleioxyd in Essigsäure entstehendes Salz, bildet farblose, durchscheinende und glänzende Kristalle, welche bei Luftzutritt verwittern und sich mit einer Schicht von weißem, pulverförmi gen Bleikarbonat bedecken. Der B. schmeckt anfangs süßlich, hinterher' unangenehm metal lisch. In destilliertem Wasser löst er sich, so bald er noch nicht verwittert ist, klar auf, die trübe Lösung des verwitterten wird durch Zu satz von etwas Essigsäure klar. Außer seiner medizinischen Verwendung wird der B. haupt-