Boldoblätter 62 Boraxweinstein Zeit haltbare, milchige Emulsionen. Von den im Kriege eingeführten ölfreien Ersatzmitteln kom men nach Marcusson hauptsächlich Sulfit lauge (s. d.), Leimlösungen und pflanzen schleimhaltige Flüssigkeiten in Betracht Die letzteren werden durch Äufkochen von Leinsamen, Salep oder Karragheen (s. d.) mit der 20 fachen Menge Wasser und Zusatz von Alkali oder Konservierungsmitteln hergestellt. Schließlich sind auch gewöhnliche, stark wasser haltige Seifen ohne Mineralöl als B.. angeboten worden. Boldoblätter (Boldu, lat. Folia boldo, frz. Feuilles de boldo, engl. Boldo-leaves), die ge trockneten, angenehm riechenden Blätter eines in Chile heimischen Baumes, der von den Bo tanikern verschieden benannt wird (Boldoa fragrans, Peumus Boldus Molina, Ruizia fragrans). Die ovalen, kurzstieligen, ganzrandi- gen, ziemlich dicken und lederartigen Blätter sind von blaßgrüner bis aschgrauer Farbe, mif zahlreichen Öldrüsen besetzt und von kampfer artigem Geschmack, enthalten außer ätherischem Öl ein Alkaloid, das B oldin, und werden gegen Gallensteine und Leberleiden verwandt. Bolus (Bol, Sphragit, frz. Bol, Terre bo- laire, engl. Bole). Man unterscheidet im Han del: weißen B. (lat. Bolus alba, frz. Bol blanc, engl. China Clay), einen weißen fetten Ton, roten B. (lat. Bolus rubra, frz. Bol rouge), einen eisenoxydhaltigen Ton, der als billige Anstrichfarbe benutzt wird, und den mehr rot braunen armenischen B. (lat. Bolus armena, frz. Bol d’armbnie), der früher als Arznei mittel diente und in Form kleiner Scheibchen mit dem Ursprungsstempel, daher auch Siegel erde (lat. Terra sigillata, frz. Terre sigillde) ge nannt, in den Handel gebracht wird. Bonbons (Zuckerplätzchen, frz. und engl. Bonbons), Erzeugnisse der Zuckerwarenindu strie, welche in folgende Gruppen eingeteilt werden: i. Karamellbonbons (Karamellen) bestehen im wesentlichen aus geschmolzenem, gefärbtem und parfümiertem Zucker und wer den in der Weise hergestellt, daß man den Zucker mit etwas Wasser und Stärkezucker kocht, dann auf Metallplatten ausgießt und mit Messern in Stücke schneidet. Zur besseren Zu rückhaltung des Aromas werden sie mit Zucker oder Stärkepaehl bepudert oder mit einer dün nen Zuckerlösung überzogen (kandiert). Unter arten sind der Gerstenzucker (gewöhnliche, geschmolzene, gefärbte Zuckermasse in Stan genform), Eibischzucker, Malzzucker (mit Zusätzen von Pflanzenextrakten), Rocks (mit Fruchtäthern und -säuren), gefüllte Karamellen (mit einem Kern von Marmelade oder Likör). 2. Fondants entstehen aus bei niederer Tem peratur geschmolzenem Zucker, haben daher weichere Konsistenz und zergehen leichter auf der Zunge. 3. Pralinös, mit Schokolade über zogene Kerne von Zucker und Stärkesirup. 4, Dragees, äußerlich gefärbte, mit Zucker überzogene Körnchen von Koriander, Mandeln. 5, Morsellen, Pastillen. Bor, ein Element vom Atomgewicht B = 11, findet sich nicht frei in der Natur vor, kann aber durch Glühen von Borsäure mit Natrium oder Magnesium unter einer schützenden Koch salzdecke oder durch Elektrolyse von Borax als ein braunes, schwer schmelzbares, leicht oxydierbares Pulver abgeschieden werden. Beim Erhitzen dieses amorphen B. mit Aluminium auf Nickelschmelzhitze entsteht, neben großen dunklen Kristallen von Boraluminium, kristal lisiertes B., das nur wenig Kohlenstoff ent hält und wegen seiner Härte, Lichtbrechung und Widerstandsfähigkeit als Bordiamant be zeichnet wird. Boral, borweinsaures Aluminium, ein weißes, in Wasser lösliches Kristallpulver, welches durch Auflösen von Aluminiumborat in 10 Teilen Wein- säurelösung (1: 10) hergestellt wird und als Antiseptikum Anwendung findet. Borax (saures Natriumborat, Natrium- bi- oder -tetraborat, zweifach oder dop peltborsaures Natron, lat. Borax oder Na trium boracicum, frz. Borate de soude, engl. Bo rate of sodium), Na 2 B 4 0 7 , findet sich als sog. Tinkal fertig gebildet in Tibet, Indien, der Tar tarei, Zeylon und Südamerika sowie besonders in den Boraxseen Kaliforniens, von wo er als halbraffinierte Ware (konzentrierter B.) in Säcken und als raffinierter B. in Kisten ausge führt wird. Der Name venezianischer B. (B. veneta) stammt daher, daß der asiatische Tin kal früher in Venedig gereinigt wurde. Jetzt wird der meiste B. künstlich durch Erhitzern von Borsäure mit Sodalösung hergestellt, und zwar entweder als gewöhnlicher oder pris matischer B. in farblosen, durchsichtigen, nur oberflächlich verwitternden Kristallen des mo noklinen Systems mit 10 Molekülen (47,1 o/ 0 ) Kri stallwasser und als oktaedrischer B. (Rinden oder Juwelierborax) in harten, klingenden Platten aus fest zusammenhängenden oktaedri schen Kristallen .mit 5 Mol. (30,90/0) Wasser, die nicht verwittern und schwerer schmelzbar sind. Beide Arten lösen sich in Wasser mit alkalischer Reaktion, färben nach dem Ansäuern mit Salzsäure Kurkumapapier nach dem Trock nen braunrot und verleihen der Alkoholflamme eine grüne Färbung. Beim Schmelzen verlieren sie unter Aufblähen ihren Wassergehalt, so daß wasserfreier, kalzinierter oder gebrannter B. als eine leichte, glasartige Masse (Boraxglas) hinter bleibt. B. findet ausgedehnte technische An wendung, zur Herstellung von Glasuren, Emaille und einigen Glassorten, als Flußmittel bei der Reduktion von Metalloxyden, zum Löten, zu medizinischen Zwecken als Antiseptikum, zu Wäsche- und kosmetischen Mitteln und zur Ver tilgung von Ungeziefer. Zur Konservierung von Nahrungsmitteln darf B. nicht benutzt werden. Borax Weinstein (Borsäureweinstein, lös licher Weinsteinrahm, lat. Tartarus boraxa- tus, Tartarus solubilis, Kalium tartaricum bo- raxatum, frz. Tartrate borico potassique, engl- Borotartrate of potash and soda), ein amorphes weißes Pulver von stark saurer, Reaktion, wel ches durch Erwärmen von Boraxlösung mit Weinstein hergestellt wird. Da es zweifelhaft erscheint, ob B. eine chemische Verbindung oder ein Gemisch ist, läßt sich eine bestimmte Formel nicht aufstellen. B. findet in der Medi zin als Abführmittel und äußerlich gegen Haut ausschläge Anwendung und vereinigt die Wir kungen des Borax und Weinsteins.